Einige Tage hatte die gelbe Jacke im Schaufenster eines Geschäftes für Waren aus zweiter Hand gestanden. Die Schaulustigen bummelten und betrachteten die Auslagen und ihr Blick fiel immer auf die gelbe Jacke, um dort eine Weile hängen zu bleiben, denn die gelbe Jacke war schön. Manch einer der Betrachter hätte sie gern getragen und manche schöne Frau hätte sie für ihren Mann gewünscht. Dass es sich um einen Zweite-Hand-Laden handelte, und dass dieser straffällig Gewordene finanzierte und den Bestand aus Spenden rekrutierte, schreckte viele ab. So blieb die gelbe Jacke eine ganze Weile in diesem Geschäft und aber als Blickfang im Schaufenster. Und dann eines Tages stellte man ein Bild vor sie, einen Matisse. Jeder Mensch weiß, dass ein Matisse Millionen bringt und dass man den nicht einfach in einen Zweite-Hand-Laden stellt, und vor allem nicht vor eine gelbe Jacke, denn das würde diese in den Hintergrund rücken.
Was aber das Schlimmste war, dass die Ladenbetreiber, die noch nie straffällig geworden waren, so dumm waren, dass sie nicht erkannten, dass der Matisse eine plumpe Fälschung war; was die gelbe Jacke noch weiter in den Hintergrund drängte. Seht doch, wollte die Jacke schreien, wenn sie gekonnt hätte, seht doch! Eine plumpe Fälschung! Papperlapapp!, hätten die Ladenbetreiber gesagt, das passt schon, da steht ja drauf, dass es ein Bild von Matisse ist!
Die gelbe Jacke hätte weinen mögen, wenn sie gekonnt hätte. Ja, es stand drauf auf dem Bild: Bild von Matisse. Und dann ein Strichmännchen in Rot. Man mag ja von Matisse denken, was man will und von moderner Kunst auch, aber ein Strichmännchen hätte er nicht gemalt und auch nicht daneben geschrieben, dass das Bild von ihm sei. Moderne Kunst hatte auch ihren Stolz, die wollte nicht mit jeder Kleckserei Geld machen.
Die gelbe Jacke aber war traurig und verlor allmählich ihre Farbe. Irgendwann, als sie grau war, stellten die Ladenbetreiber ein Schild vor ihr auf: Gelbe Jacke. Das Bild von Matisse war da aber schon längst verkauft. Vielleicht nicht für ein paar Millionen, aber auf jeden Fall für zu viel Geld.
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Dreiste Fälscher
Unglaublich. Da kritzeln doch dreiste Fälscher ein Bild zusammen, einfach so in Schwarzweiß und wollen das als Mann mit dem Goldhelm verkaufen. Gegen richtig Bares.
Jedem Semi-Kunstfreund sagt doch der Mann mit dem Goldhelm etwas: Der ist teuer. Auch das Bild vom Goldhelm ist teuer. Hat ein alter Künstler gemalt. Wer auch immer, auf jeden Fall teuer. Will ich haben. Gute Investition.
In diese Lücke zwischen Unwissenheit und Gier des Konsumenten pfropfen die dreisten Fäscher ihre schludrig gemachten Zeichnungen. Ihre eigene Unfähigkeit, einen vernünftigen Goldhelm zu malen, kaschieren sie damit, dass sie an den gezeichneten Helm einfach immer wieder Gold schreiben. Gold, Gold, Gold.
Sodass der potentielle Käufer erkennen muss: Aha. wo Gold dran steht, das muss auch Gold sein. Es muss ja nicht mal glänzen; denn das tut es wirklich nicht.
Damit keine Irrtümer auftreten, schreibt der Fäscher unter eines der GOLD-Wörter das Wort Helm. Goldhelm.
Jetzt erkennt auch der dümmste Gierige, dass das ein Goldhelm ist. Problematisch ist lediglich, dass der Mann als Träger des Helmes nur bis zum Hals zu sehen ist, was keine genaue Geschlechtsbestimmung zulässt. Da hilft nur Glauben.
Wenn das Gold lockend ruft, ist das aber eine vollkommen ausreichende Komponente, um einen Kaufabschluss zu erhandeln. Bitter, wie dreist die Fälscher und wie dumm die Käufer!
Der eigentlich Mann mit dem Goldhelm hängt derweil in irgendeinem Musseum rum und langweilt sich. Schade.
Jedem Semi-Kunstfreund sagt doch der Mann mit dem Goldhelm etwas: Der ist teuer. Auch das Bild vom Goldhelm ist teuer. Hat ein alter Künstler gemalt. Wer auch immer, auf jeden Fall teuer. Will ich haben. Gute Investition.
In diese Lücke zwischen Unwissenheit und Gier des Konsumenten pfropfen die dreisten Fäscher ihre schludrig gemachten Zeichnungen. Ihre eigene Unfähigkeit, einen vernünftigen Goldhelm zu malen, kaschieren sie damit, dass sie an den gezeichneten Helm einfach immer wieder Gold schreiben. Gold, Gold, Gold.
Sodass der potentielle Käufer erkennen muss: Aha. wo Gold dran steht, das muss auch Gold sein. Es muss ja nicht mal glänzen; denn das tut es wirklich nicht.
Damit keine Irrtümer auftreten, schreibt der Fäscher unter eines der GOLD-Wörter das Wort Helm. Goldhelm.
Jetzt erkennt auch der dümmste Gierige, dass das ein Goldhelm ist. Problematisch ist lediglich, dass der Mann als Träger des Helmes nur bis zum Hals zu sehen ist, was keine genaue Geschlechtsbestimmung zulässt. Da hilft nur Glauben.
Wenn das Gold lockend ruft, ist das aber eine vollkommen ausreichende Komponente, um einen Kaufabschluss zu erhandeln. Bitter, wie dreist die Fälscher und wie dumm die Käufer!
Der eigentlich Mann mit dem Goldhelm hängt derweil in irgendeinem Musseum rum und langweilt sich. Schade.
Ekke Dützmann: Akt, knieend - von Pawel Pikass (2009)

Ja, meine Güte, da kann man doch mal sehen, oder besser nicht sehen, was so ein Künstler unter einem Akt versteht. Hallo, dann kann der doch für 5 € ein Studentenmodel buchen, das vielleicht aufgrund der Studiengebühren oder der überschrittenen Höchststudiendauer darauf angewiesen ist, sich ein Zubrot zu verdienen, damit sie ihr Make-up für den Modeljob finanzieren kann. Und sie trifft auf einen introvertierten Künstler, der sich Maler nennt, und der vielleicht zu feige ist, in ein Lokal öffentlichen Interesses zu gehen, oder eine Modelagentur, die auch weitere Leistungen anbietet, anzurufen, und schließlich sitzt er dann stundenlang vor dem 5€-Model (die Stunde) und starrt auf es, mit der Begründung, er müsse sich inspirieren lassen, starrt und starrt, das Model friert inzwischen, da es ja ein Akt-Model ist und nichts an hat, und heraus kommt schließlich, nach langem Hin und Her, nach langem Gestarre ohne Bewegung, und schließlich einigen, vielleicht nur einem einzigen Pinselstrich, der möglicherweise stellvertretend für die gesamte Hormonwelt des Bildners sein muss, ein zweifarbiges Gebilde, das der Spurensicherung eine große Aufgabe stellt: Ja, hallo, wer soll das denn sein? Ein verkrüppelter Baumstamm, der nach Sturm Kyrill abgeknickt ist, oder die Inge, die sich, nach Entledigung des Badeanzuges, hingekniet hat, weil sie ihren Ohrring sucht, und das in der Umkleide des Städtischen Freibades?
Kunst sieht anders aus.
Ekke Dützmann
Wie im Himmel
Ich konnte alles kurz von oben sehen, alles wirkte warm und hoch und ganz von oben, da wo droben war, wo man am Loben war, obwohl man nichts geschafft, die Sache mehr versaut, da, wo die Manager regieren und sich selber abservieren gegen fettes Geld, wo keiner hält, was er versprochen, bis auf die Knochen blamiert, weil gelogen, betrogen, dass sich die Balken biegen, die Kleinen schmiegen sich an Mutter und gucken in die Röhre, und jede Göre weiß, mach einfach Scheiß dahinten im Konzern, man hat dich trotzdem gern, und ist auch froh, dich los zu werden, wegzuloben, nach ganz oben, ganz ganz oben, da, wo sich der Haufen trifft, der Abschaum, der so gerne in die Hölle kommen will, der still drauf hofft und glaubt, dass es da richtig staubt, weil's rund geht, weil man bei Action steht und sich nicht setzt, verletzt war gestern, jetzt tanzen Schwestern, heben Hüften, schieben Beine, meinemeine, schreit der Geldclown, ich will auch mal hau'n!
Ich da unten, wo der Himmel ist, den man so gern vergisst! Wie kam mein Blick nach oben. Ich war schon immer recht verschroben. Ich war da unten. Da wo die Treuen und die Kleinen, die Scheuen, die oft weinen, weil Gerechtigkeit verschwunden ist. Verlust und Frust, durchs Auge in die Brust. Im Himmel ist es öd, die Seelen sind zu blöd für das Vergnügen, sie wollen nicht betrügen, oder lügen. Und ich war unten.
Von oben schreit es: Komm, genieß dein Paradies!
Ich da unten, wo der Himmel ist, den man so gern vergisst! Wie kam mein Blick nach oben. Ich war schon immer recht verschroben. Ich war da unten. Da wo die Treuen und die Kleinen, die Scheuen, die oft weinen, weil Gerechtigkeit verschwunden ist. Verlust und Frust, durchs Auge in die Brust. Im Himmel ist es öd, die Seelen sind zu blöd für das Vergnügen, sie wollen nicht betrügen, oder lügen. Und ich war unten.
Von oben schreit es: Komm, genieß dein Paradies!
Kontext und Partnerwahl
Zugriff!, denkt der spätpubertierende Mittdreißiger und fasst der Dame, die neben ihm an der Theke steht, an den Oberkörper, dahin, wo der Zugreifer sich volumenmäßig von der Angefassten unterscheidet. Zugriff, das volle Besteck! Das hat er aus Tatortfilmen gelernt. Die Dame gibt ihre Bestellung auf und beantwortet die Frage der Bedienung, ob es auch etwas mehr sein dürfte, mit einem: Na, sicher. Was den Zugreifer motiviert, die Fingerspitzen leicht zusammenzudrücken, um etwas mehr von der fleischlichen Fülle zu begreifen. Be-greifen, endlich wird ihm das Wort klar; ewig schon waren ihm die Frauen unbegreiflich, unverständlich, nicht mit Worten zu erdenken, und jetzt hatte er die Lösung gefunden: Begreifen. Aber statt eines drallen Stückes Fleisch gibt die ergriffenene Rundung nicht nach, eher fühlt sie sich an wie ein Stahlkorsett. Merkwürdig auch, dass die Dame noch keinen Laut auf seine vorsichtigen Bemühungen hin von sich sich gegeben hat. Vielleicht mag es nicht nur an der harten Kappe liegen, die die Empfindungen behindert, sondern auch an der Umgebung, denn nach wie vor sind Erfolge in der Partnerwahl, wie ungeschickt sie auch vorbereitet wird, vom Kontext abhängig, nämlich davon, in welcher Situation die Vorbereitungen stattfinden. Hans hatte ihm damals im besoffenen Kopf geraten, doch einfach mal an der Theke einer Frau an die sekundären Geschlechtsmerkmale zu fassen, was ihn erstmal hat nachschlagen lassen, was das denn überhaupt sei: Sekundäre Geschlechtsmerkmale. Das mit der Theke muss er wohl auch falsch verstanden haben,denkt er sich, denn es eignete sich wohl nicht jede dazu. Und wenn die Partnerwahlanbahnung hier fehlschläg, dann ist ihm klar geworden, dass eine Fleischtheke der falsche Kontext ist. Was auch immer Kontext bedeuten will. Nicht jeder Tipp eines betrunkenen Kumpels, der an der Theke neben einem steht, lässt sich transferieren und in Glückseligkeit umwandeln.
Fliesengeist in Bonn

Der Fliesengeist saß nun seit geraumer Zeit an der Wand in einer U-Bahn-Station, vielleicht Hauptbahnhof Bonn, wer weiß, er wusste es selbst nicht, und wartete, dass ihn jemand ansprach, denn nur so konnte er aktiv werden, konnte er sein Wesen entfalten. "Hallo, Fliesengeist, willst du mir willig sein? Du bist schon etwas strange, ein Fliesengeist....Ich kenne eigentlich nur Flaschengeister, die immer wollen, dass man den Korken rauszieht. Aber Fliesengeister? Na, ich weiß nicht" So etwa hätte eine Ansprache sich anhören können; aber niemand sprach zu dem Fliesengeist. Niemand wollte seine Dienste in Anspruch nehmen, niemand wollte sich Wünsche erfüllen, denn die Preise für Unterhaltungsmedien waren mal wieder gesunken und jeder hatte eigentlich, was er brauchte, sogar noch viel mehr, sogar Dinge, die er überhaupt nicht brauchte.
"Tja, Fliesengeist", hätte die Ansprache weiter gehen können, " ich habe mal eine Flasche Friesengeist getrunken, damals, als ich noch mit Günter unterwegs war, den haben wir flambiert, da haben wir uns die Lippen verbrannt, später haben wir ihn dann kalt getrunken. Zum Schluss konnten wir kein r mehr aussprechen. Fliesengeist, Teuwwwelsssoiggh!, haben wir vor uns hingesummt. Vielleicht bist du mir deshalb so sympathisch...." Das hätte alles gereicht und der Geist in den Fliesen hätte sich bewegt und gesprochen:"Was kann ich für dich tun, Meister?"
Aber niemand fragte. Alle warteten nur auf ihre Bahn, versunken in ihre eigene Welt, in ihre Probleme: Was würde ich mir wünschen, wenn ich mir was wünschen könnte?
Roy Bosch: Touch (2010)
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| Roy Bosch: Touch (2010) |
Wenn man das dann einigermaßen aussprechen kann, geht das ja noch: Tatsch.
Der hat dochen Tatsch, sagten wir früher über Menschen, die anders waren als wir. Also richtig anders.
Thomas Anders zum Beispiel.
Oder Christian Anders, der sich dann, als ihn keiner mehr wollte, nackt an ein Tor gekettet hat, um gegen oder für etwas zu demonstrieren. Das weiß man heute nicht mehr. Er selbst wohl auch nicht. Jetzt schreibt er als Lanoo Bücher, die keiner versteht, was ihn ja auch irgendwie unangreifbar macht. Er hat einen schwarzen Gürtel, und er hat eine Menge Schlager herausgebracht. Wer schöne Bilder und auch eine Reihe hässlicher sehen will, muss hier hinklicken: Bilder
Wie kam ich jetzt doch auf Christian Anders? Genau, durch Peter Maffay, die alte Muräne.
Also, einen Tatsch hatte Leute, die anders waren, irgendwie Thomas oder Christian, aber auch ein bisschen Peter Maffay und vor allem Rickey Shane, also, der hatte doch total den Tatsch. Total den Tatsch. Alliteration, auch wieder so eine Krankheit der 70er Jahre.
Und jetzt Roy Bosch. Da fasst ein Luftballon an den Hals einer androgynen Figur, betatscht die sogar.
Ich finde, irgendwo hört es auf.
Gedichtinterpratation: Folke Smund - Hänschenklein
Hänschenklein
fehlt ein Bein
andres auch
steht jetzt auf dem Schlauch
Satzzeichen fehlen, das ist modern. Ein verschnarchter Paareim, das ist was fürs Land, da liebt man Endreime.
Hänschenklein - die Zeile kennt man doch, das ging irgendwie anders weiter. Dem Jungen in der Verkleinerungsform auch noch eine Verkleinerungssilbe hintendran zu hängen, das war damals schon schräg, als die erste Zeile eines anderen Gedichtes sich im Hirn des Dichters entfaltete.
Ein Vierzeiler - da weicht nichts von der Norm ab. Dreimal drei Silben, in der vierten Zeile fünf. Mit etwas Geschick könnte man ein Haiku draus machen. Tut man aber nicht, wir sind nicht in Japan, da heißen Jungen anders. Haruki oder Kouuki.
Die Zeile zwei bringt bereits die Brutalität der Wirklichkeit in eine lyrische Idylle: Es fehlt ein Bein! Der Junge ist versehrt und wird es wohl in seinem Leben schwer haben. In Zeile drei die Steigerung des Leids: Das andre auch. Lapidar dahingerotzt, als sei das eine der großen Belanglosigkeiten.
Und dann schreitet der Autor zu weiterer Missetat: Steht jetzt auf dem Schlauch. Hallo? Wie geht das denn? Wie soll der Bursche auf dem Schlauch stehen?
Das ist makaber, das ist zynisch, das ist unverschämt. Hier hat sich ein Autor im Ton vergriffen. Nach vier Zeilen ist man bereits gewillt, das Gedicht wegzuschmeißen. Aber es ist im Kopf und will nicht raus. Es sitzt da fest, weil es so kurz ist, so brutal und doch so eingängig.
Und dann davon zu schwafeln, es könne ein Protest gegen Landminen sein, das ist geschmacklos.
Gut dass es Kinderbücher gibt, die solche Kinder zeigen und Eingrifflöcher anbieten, in die man seine Finger stecken kann, um seinen Zöglingen die heile Welt zu bieten. Darüberhinaus: Kinderbücher, in denen sich etwas bewegt, sind dynamsich. Und das ist es, was unsere Kinder brauchen. Nicht Gedichte von pathogener Hässlichkeit.
fehlt ein Bein
andres auch
steht jetzt auf dem Schlauch
Satzzeichen fehlen, das ist modern. Ein verschnarchter Paareim, das ist was fürs Land, da liebt man Endreime.
Hänschenklein - die Zeile kennt man doch, das ging irgendwie anders weiter. Dem Jungen in der Verkleinerungsform auch noch eine Verkleinerungssilbe hintendran zu hängen, das war damals schon schräg, als die erste Zeile eines anderen Gedichtes sich im Hirn des Dichters entfaltete.
Ein Vierzeiler - da weicht nichts von der Norm ab. Dreimal drei Silben, in der vierten Zeile fünf. Mit etwas Geschick könnte man ein Haiku draus machen. Tut man aber nicht, wir sind nicht in Japan, da heißen Jungen anders. Haruki oder Kouuki.
Die Zeile zwei bringt bereits die Brutalität der Wirklichkeit in eine lyrische Idylle: Es fehlt ein Bein! Der Junge ist versehrt und wird es wohl in seinem Leben schwer haben. In Zeile drei die Steigerung des Leids: Das andre auch. Lapidar dahingerotzt, als sei das eine der großen Belanglosigkeiten.
Und dann schreitet der Autor zu weiterer Missetat: Steht jetzt auf dem Schlauch. Hallo? Wie geht das denn? Wie soll der Bursche auf dem Schlauch stehen?
Das ist makaber, das ist zynisch, das ist unverschämt. Hier hat sich ein Autor im Ton vergriffen. Nach vier Zeilen ist man bereits gewillt, das Gedicht wegzuschmeißen. Aber es ist im Kopf und will nicht raus. Es sitzt da fest, weil es so kurz ist, so brutal und doch so eingängig.
Und dann davon zu schwafeln, es könne ein Protest gegen Landminen sein, das ist geschmacklos.
Gut dass es Kinderbücher gibt, die solche Kinder zeigen und Eingrifflöcher anbieten, in die man seine Finger stecken kann, um seinen Zöglingen die heile Welt zu bieten. Darüberhinaus: Kinderbücher, in denen sich etwas bewegt, sind dynamsich. Und das ist es, was unsere Kinder brauchen. Nicht Gedichte von pathogener Hässlichkeit.
Georg Krakl: Halsgeschmeide (2014)
An einer Weide
lehnte eine Frau mit reichlich Halsgeschmeide.
Sie trug sonst nichts auf ihrem Leib
nur eine Last, wohl eine Bürde
der Blick war traurig, doch mit Würde
schien sie alles zu ertragen
ohne zum Warum zu fragen.
Das war ein Weib!
Nichts auf dem Leib,
aber Halsgeschmeide!
Und lehnt an eine Weide.
Und so voller Bürde!
Oder war es Würde?
Egal: Man soll nicht klagen!
Das Wichtigste: Die Frau stellt keine Fragen.
Kinder verwirren
Auf einem Kinderspielplatz in einem Park der Stadt Göttingen Hinweise für Kinder: Das dürft ihr! Das ist verboten! Das Verbotene ist durchgestrichen, das Gedurfte nicht. Was darf man? Sein Kofferradio auf die Erde legen und Kreise darum malen. Ein Hühnchen, das gegessen werden soll, vorher aufspießen und über einem Feuer erwärmen. Dem Hund, der sich eine Wurst aus dem Darm drückt, einen Eimer drunter halten (Geht bei kleinen Hunden nicht!). In einen Papierkorb hineinjonglieren, aber mit maximal drei Bällen. Bei bellenden Hunden die Schlinge enger ziehen bis sie röcheln oder still sind. Was ist verboten? Indianerspielen. Mit einem anderen Kind spielen und dabei Gegenstände benutzen. Mit dem Motorroller auf fremden Autos herumfahren. Immerhin: Es gibt nur drei Verbote, dafür aber 4 Tätigkeiten, die man tun darf. Schön. (Rücksicht nehmen? Haha! Wer denkt an Leute, die einigermaßen Rechtschreibung studiert haben? Im Interesse Aller bitte diese Regeln beachten! Wer ist Aller? Ein Fluss?)
Schnee verdeckte früher Gartenzwerge
Farbe bringt Farbe in die Welt
Wie grau wäre die Welt, wenn nicht ein paar rote Pullover ins Auge springen würden, die von Menschen getragen werden, die das Graue nicht sonderlich schätzen, weil es sie gerade zur Spätsommerszeit so unendlich traurig macht?
Kommt, lasst uns unsere rosanen T-Shirts rausholen, überziehen und ein wenig in die nähere Umwelt gehen, damit nicht alles so trist aussieht!, sagt die Mutter von fünf Kindern und gefällt sich ein klein wenig als Farbtupferengel.
Was ist trist?, brüllen die Blagen wie im Chor.
Kinder, ihr müsst nicht alles wissen, macht einfach, was ich sage!
Das machen wir doch sonst auch nicht, antworten die Kinder und fragen, warum sie das denn heute sollten?
Die Mutter schaut aus dem Fenster und sieht, dass die Mutter mit den sechs Kindern bereits draußen an den Strohballen herumturnt, um der Welt etwas Farbe zu geben. Alle tragen lilane T-Shirts, die vom vielen Waschen ganz rosa geworden sind.
Beide Mütter wissen nicht, dass es "rosafarben" und "lilafarben" und auch, vorbeugend für Ostern, "eierfarben" heißt.
Aber sie meinen es gut mit dem Grauen auf der Welt; leider stehen sie in Konkurrenz zueinander.
Kinder, dann bleibt mal drin, denn ihr macht ja sowieso was ihr wollt! Wenn ihr aber wissen wollt, was trist bedeutet, dann guckt mal nach draußen. Da turnt die Mutter mit den sechs Kindern herum in ihren verwaschenen lilanen Blusen. Boh, ist das trist! Boh, die Alte turnt mich an.
Mutter, was bedeutet das: Die turnt mich an?
Hat man früher gesagt, da seid ihr noch nicht auf der Welt gewesen.
Ok, wir wollen jetzt mal raus! Können wie die rosanen Blusen tragen?
T-Shirts, Kinder, wir tragen T-Shirts. Blusen, die tragen die anderen.
Kommt, lasst uns unsere rosanen T-Shirts rausholen, überziehen und ein wenig in die nähere Umwelt gehen, damit nicht alles so trist aussieht!, sagt die Mutter von fünf Kindern und gefällt sich ein klein wenig als Farbtupferengel.
Was ist trist?, brüllen die Blagen wie im Chor.
Kinder, ihr müsst nicht alles wissen, macht einfach, was ich sage!
Das machen wir doch sonst auch nicht, antworten die Kinder und fragen, warum sie das denn heute sollten?
Die Mutter schaut aus dem Fenster und sieht, dass die Mutter mit den sechs Kindern bereits draußen an den Strohballen herumturnt, um der Welt etwas Farbe zu geben. Alle tragen lilane T-Shirts, die vom vielen Waschen ganz rosa geworden sind.
Beide Mütter wissen nicht, dass es "rosafarben" und "lilafarben" und auch, vorbeugend für Ostern, "eierfarben" heißt.
Aber sie meinen es gut mit dem Grauen auf der Welt; leider stehen sie in Konkurrenz zueinander.
Kinder, dann bleibt mal drin, denn ihr macht ja sowieso was ihr wollt! Wenn ihr aber wissen wollt, was trist bedeutet, dann guckt mal nach draußen. Da turnt die Mutter mit den sechs Kindern herum in ihren verwaschenen lilanen Blusen. Boh, ist das trist! Boh, die Alte turnt mich an.
Mutter, was bedeutet das: Die turnt mich an?
Hat man früher gesagt, da seid ihr noch nicht auf der Welt gewesen.
Ok, wir wollen jetzt mal raus! Können wie die rosanen Blusen tragen?
T-Shirts, Kinder, wir tragen T-Shirts. Blusen, die tragen die anderen.
LACHFALTEN
Lachfalten
sind schlaffe Haut.
Straffe! Schaut
in den Spiegel
solange es lohnt,
und greift in die Tiegel
und schmiert wie gewohnt
alle Stellen,
die sich irgendwann dellen
und wölben und weiten
und blähen und glaubt
nicht den breiten
Grinsern, die Lachfalten
preisen
und Jugend beweisen
wollen. Sie müssen
kaschieren
Was Pasten und Cremes
nicht verschmieren,
zutünchen oder verstecken.
Lachfalten
haben nicht ums Verrecken
Zu tun mit Humor, oder
Freude, nicht mal guter Laune,
ihr Alten,
schaut:
Lachfalten
sind
schlaffe Haut!
Menschen im Schlauchboot
Was bewegt Menschen, in einem Schlauchboot einen Fluss hinunterzutreiben? Der Fluss fließt langsam und müffelt ein wenig, also nicht unbedingt ein sinnlicher Hochgenuss, hier und da ein toter Fisch, daneben ein Angler, oder eine junge Frau mit ihrem Pitbull, die sich im Taschenspiegel betrachtet. Wir fragen uns alle, was kann einen Menschen bewegen, im Schlauchboot zu treiben? Ist es die Betonung der Tatsache, dass der Mensch im Boot schwimmen kann? Denn ein einfaches Taschenmesser oder ein Dosenöffner genügt, um dem Boot die Luft abzulassen und ihm seine Standfestigkeit zu nehmen, ein einfacher Stich bringt den Schlauchbootfahrer in die Gefahr, ein Bad in unsauberem Gewässer zu nehmen, vielleicht gegen eine ungeahnte Strömung anzukämpfen, laut um Hilfe schreien zu müssen, obwohl er Schwimmer ist, und dabei vielleicht eine gute Portion Flusswasser zu schlucken. Ein nachfolgender Rülps hat einen derben, fast ekligen Geschmack und der unfreiwillige Schwimmer wird froh sein, das Ufer zu erreichen.
Das ist kein Vergnügen.
Und doch: Immer wieder sieht man diese Waghalse, diese Abenteurer, wie sie dahindümpeln, wie sie versonnen in die Sonne blicken und gedankenverloren ihr Butterbrot kauen. Vielleicht sind es Menschen, die Schläuche lieben, oder Menschen, die Boote lieben, sich aber kein richtiges Boot kaufen können, und so zur aufblasbaren Gummilösung des Problems greifen. Eine Antwort bekommen wir wohl nie, denn die Schlauchbootfahrer sind längst hinter Petershagen oder in Wasserstraße verschwunden und treiben Richtung Bremen. Schade.
Das ist kein Vergnügen.
Und doch: Immer wieder sieht man diese Waghalse, diese Abenteurer, wie sie dahindümpeln, wie sie versonnen in die Sonne blicken und gedankenverloren ihr Butterbrot kauen. Vielleicht sind es Menschen, die Schläuche lieben, oder Menschen, die Boote lieben, sich aber kein richtiges Boot kaufen können, und so zur aufblasbaren Gummilösung des Problems greifen. Eine Antwort bekommen wir wohl nie, denn die Schlauchbootfahrer sind längst hinter Petershagen oder in Wasserstraße verschwunden und treiben Richtung Bremen. Schade.
Faule Comiczeichner
Früher waren Comics was für Leute, die nicht lesen konnten oder in dicken Büchern schlecht vorankamen, wenn keine Bilder drin waren. Comics waren etwas für die Flachschädel der Gesellschaft und wurden deshalb von den Intellektuellen heimlich gelesen. Diese Menschen trauen sich bis heute nicht, eine Bildzeitung zu kaufen, weil sie nicht als blöd dastehen wollen. Immer müssen sie eine Zeit oder einen Spiegel außen rum haben, rollen das Ganze ein und klemmen es sich unter den Arm.Erst nach und nach wurden Comics zum Kult, weil die Blöden immer mehr wurden, und jeder weiß, dass die Masse entscheidet, was gut ist und was falsch, und was man nicht tut, oder nur heimlich tut. Comiclesen darf seit einigen Jahren jeder und kann dann immer sagen, er betreibe soziokulturelle Vergleiche in Anlehnung an amerikanische Studien über das Leseverhalten der Inuit, denen die Amis ja nach den Indianern auch an den Pelz wollen, weil sie ihnen angeblich das Walöl streitig machen oder auf Bohrlöchern sitzen, die ihnen nicht gehören. Wer möchte schon gern ein Loch besitzen? So ein Schwachsinn: Ein Loch ist doch nichts, das Außendrumherum ist das Entscheidende. So sehen das aber auch die Eskimos und bauen weiter ihre Iglus und bohren Löcher, die sie besitzen möchten.
Comiclesen macht was her. Ein Comicleser wird neuerdings für schlau gehalten, oder wenigstens für gebildet. Es ist jemand, der es nicht mehr nötig hat, ein Buch zu lesen, der hat schon alles gelesen und kann sich jetzt in aller Ruhe die Bilder angucken. Der faule Comiczeichner schlägt daraus Kapital, denn er zeichnet flugs ein paar Bilder und überlässt es dem Betrachter, sich eine Geschichte auszudenken. So weit musste es ja nach jahrzehntelanger Diskriminierung kommen!
Ausbildungsberufe: Schießbudenfigur
Das war früher mal: Schießbudenfigur. Da schwang noch dieses Verächtliche mit
, das sich über die Schaustellergilde erhob, sie als Menschen zweiter Klasse einordnete, die Mitreisenden alles Angelernte und Nichtskönner, die von zu Hausen weggelaufen waren, und die einem was auf die Zähne hauten , wenn man sie schief anguckte. Insgeheim dachte jeder: Schießbudenfigur. Niemand wusste damals wirklich, wie hart dieser Job war, wenn die Besoffenen die Tonröhrchen nicht mehr trafen und dann ganz aus Versehen auf den Mann hinter dem Tresen zielten, vielleicht nur aus der Hüfte, wie John Wayne oder Old Surehand, aber in der Hoffnung, ihm eins zu verplätten, keinen tötlichen Schuss, nein, einen, der nur weh tat, nicht einmal Blut sollte fließen, Luftgewehrkugeln klatschen hören auf Schaustellerhaut, die lange nicht geduscht hatte, wie die Trinker meinten, das wollten sie und ein kurzes Aufjaulen wahrnehmen, das für die Arrognaz der Randständigen entschädigte, für die Freiheit, in einer Bude auf Rädern herumzureisen und den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen für billige Plastikblumen, die Scharfschützen stolz der Liebsten geschossen hatten. Heute gibt es keine Schießbudenfiguren mehr, heute heißt der Mann wahrscheinlich Fachangestellter für Freizeitballistik. Weg mit der Romantik!
Welttag der "Knochenreste"
Mittlerweile gibt es ja für alles Welttage, meistens erfährt man davon nur zufällig; und wenn man selber mal dran wäre, kommt die Information zu spät und man muss wieder ein Jahr warten.Heute, am Tag der Knochenreste, darf jeder Bürger, der Knochen zu Hause beherbergt, auch wenn er dies illegal tut, weil es sich um Bernhardiner Beppo handelt, den er vor fünf Jahren nachts im Garten eingebuddelt hat, für einen Tag die gehorteten Gebeine zur Schau stellen und den staunenden Nachbarn präsentieren. Die Polizei drückt ein Auge zu, so ließ der Regierungspräsident verlauten, die habe heute ihre Weihnachtsfeier und würde auf die neuen blauen Uniformen anstoßen, das sei doch ganz passend, lachte der zuständige Dezernent irgendwie unpassend. Was lange in der Erde gelegen hat, bekommt so noch einmal eine letzte Anerkennung. Der selbstgezimmerte Glaskasten kann jedes Jahr wiederverwendet werden und im Frühjahr als kleines Gewächshaus dienen. Vorsicht jedoch mit den dargestellten Knochen! Nach erfolgreichen Einsätzen von DNA-Tests kann es auch an diesem Tag zu unliebsamen Überraschungen kommen, wenn die Hühnerknochen nicht wie Hühnerknochen aussehen, sondern mehr Richtung Primaten-Skelett denken lassen.
Die Parabel von der Grußpostkarte
Zwei Zwergelefanten standen vor einer Grußpostkarte und bewunderten die Schönheit der Landschaft. „Sieh mal“, meinte der eine, „ wie schön ist doch hier der Frühling! Wie herrlich das Grün und die Blüten, und wie schön auch der Ort, der sich in die Natur einschmiegt, als sei er schon immer hier gewesen!“
Der andere nickte bedächtig und ergänzte:“Welch Idylle, welch Schönheit sind hier versammelt, wo kann man in der Welt einen Ort finden, der diesem gleicht?“
Der erste Elefant sprach:“Wohl kaum wirst du einen ähnlichen Platz finden, vielleicht in den Rocky Mountains oder am Himalaya, eventuell auch auf Sylt.“ „Du sagst es“, nun der zweite, „ich finde auch die Toskana nicht schlecht und schön ist es auch auf Mallorca, wenn man sich ein Auto mietet und in das Inselinnere fährt.“
„Doch sag,“ nun der erste, „welcher Ort ist das hier?“
„Keine Ahnung. Wie kann ein solch anmutiger Ort voller Schönheit keinen Namen haben?“, runzelt der zweite Zwergelefant seinen Rüssel.
„Das ist Tecklenburg“, antwortete die Grußpostkarte.
„Aha, das habe ich schon mal gehört und zwar in Verbindung mit Vorbommern. Tecklenburg-Vorbommern heißt es doch vollständig“, meldete sich der erste Zwergelefant wieder zu Wort.
„Alles Quatsch!“, zischte die Grußpostkarte, die wohl erbost darüber war, dass die beiden Tiere nicht einen Ort namens Tecklenburg kannten, der auf ihr abgebildet war.
„Aber es ist schön hier!“, jubelten die beiden wie aus einem Rüssel.
„Alles Quatsch!“, korrigierte die Grußpostkarte, „ihr zwei seid viel zu klein, um die Welt zu kennen oder überhaupt zu erkennen, ihr könnt ja noch nicht einmal über einen Postkartenrand hinwegschauen!“
„Wieso?“, fragten die kleinen Elefanten.
„Weil ihr zu klein seid!“, erwiderte die Grußpostkarte. „Sonst hättet ihr längst bemerkt, dass ihr vor einer Gußpostkarte steht, auf dem ein Bild von Otto Modersohn abgedruckt ist, das die Stadt Tecklenburg im Frühling zeigt.“
„Wer ist denn Otto Modersohn?“, fragte der erste Zwergelefant.
„Ja, genau, wer ist Otto Modersohn?“, wiederholte der zweite Zwergelefant.
„Der ist schon tot“, flüsterte die Grußpostkarte, und es klang ein wenig schadenfroh.
„Und was heißt das jetzt?“, sagte einer der kleinen Elefanten.
„Das heißt, das nichts ist, wie es scheint, schreibt euch das mal hinter eure rhabarberblättrigen Ohren!“, sprach die Grußpostkarte und schwieg danach.
„Da kannst du mal sehen“, sprach der erste Elefant.
„Ja eben nicht!“, sagte der zweite.
„Genau“, schloss der erste und die beiden zogen weiter und nahmen sich vor, ab jetzt Schein und Sein deutlich zu trennen, was ihnen aber erst in der Nähe von Stuttgart gelang.Die Grußpostkarte aber wünschte sich, dass endlich jemand eine Marke auf sie klebte und sie in die Rocky Mountains, in den Himalaya oder in die Toskana schickte. Oder wenigstens nach Sylt.
Der andere nickte bedächtig und ergänzte:“Welch Idylle, welch Schönheit sind hier versammelt, wo kann man in der Welt einen Ort finden, der diesem gleicht?“
Der erste Elefant sprach:“Wohl kaum wirst du einen ähnlichen Platz finden, vielleicht in den Rocky Mountains oder am Himalaya, eventuell auch auf Sylt.“ „Du sagst es“, nun der zweite, „ich finde auch die Toskana nicht schlecht und schön ist es auch auf Mallorca, wenn man sich ein Auto mietet und in das Inselinnere fährt.“
„Doch sag,“ nun der erste, „welcher Ort ist das hier?“
„Keine Ahnung. Wie kann ein solch anmutiger Ort voller Schönheit keinen Namen haben?“, runzelt der zweite Zwergelefant seinen Rüssel.
„Das ist Tecklenburg“, antwortete die Grußpostkarte.
„Aha, das habe ich schon mal gehört und zwar in Verbindung mit Vorbommern. Tecklenburg-Vorbommern heißt es doch vollständig“, meldete sich der erste Zwergelefant wieder zu Wort.
„Alles Quatsch!“, zischte die Grußpostkarte, die wohl erbost darüber war, dass die beiden Tiere nicht einen Ort namens Tecklenburg kannten, der auf ihr abgebildet war.
„Aber es ist schön hier!“, jubelten die beiden wie aus einem Rüssel.
„Alles Quatsch!“, korrigierte die Grußpostkarte, „ihr zwei seid viel zu klein, um die Welt zu kennen oder überhaupt zu erkennen, ihr könnt ja noch nicht einmal über einen Postkartenrand hinwegschauen!“
„Wieso?“, fragten die kleinen Elefanten.
„Weil ihr zu klein seid!“, erwiderte die Grußpostkarte. „Sonst hättet ihr längst bemerkt, dass ihr vor einer Gußpostkarte steht, auf dem ein Bild von Otto Modersohn abgedruckt ist, das die Stadt Tecklenburg im Frühling zeigt.“
„Wer ist denn Otto Modersohn?“, fragte der erste Zwergelefant.
„Ja, genau, wer ist Otto Modersohn?“, wiederholte der zweite Zwergelefant.
„Der ist schon tot“, flüsterte die Grußpostkarte, und es klang ein wenig schadenfroh.
„Und was heißt das jetzt?“, sagte einer der kleinen Elefanten.
„Das heißt, das nichts ist, wie es scheint, schreibt euch das mal hinter eure rhabarberblättrigen Ohren!“, sprach die Grußpostkarte und schwieg danach.
„Da kannst du mal sehen“, sprach der erste Elefant.
„Ja eben nicht!“, sagte der zweite.
„Genau“, schloss der erste und die beiden zogen weiter und nahmen sich vor, ab jetzt Schein und Sein deutlich zu trennen, was ihnen aber erst in der Nähe von Stuttgart gelang.Die Grußpostkarte aber wünschte sich, dass endlich jemand eine Marke auf sie klebte und sie in die Rocky Mountains, in den Himalaya oder in die Toskana schickte. Oder wenigstens nach Sylt.
"Ein altes Weiblein hatte sich auf dem Gipel breit gemacht"
Das ist vermissverstandener Naturschutz. Ältere Frauen der alpenländischen Bevölkerung findet man jetzt immer häufiger auf den Gipeln der Dreitausender, weil sie das Abschmelzen der Bergkappen verhindern wollen. Da sie nicht genau wissen, wie das geht, setzen sie sich oft auf den Hintern und überlegen erst einmal. Meistens kommt nichts dabei heraus, weil es dort oben sehr kalt ist. Um sich aufzuwärmen greift die Schützerin schließlich zum scheinbar wärmenden Getränk, etwa einer Flaschen Mariacron oder Wodka, der ja angeblich keine Fahne erzeugen soll. Dass der Natur und besonders den schmelzenden Gipfeln durch diesen Aktivismus in Verbindung mit Alkohol kein Gefallen getan wird, zeigt sich daran, dass die nicht unerhebliche Gesäßwärme der Bergdamen das Abschmelzen der Eiskappen eher beschleunigt. Bislang konnte das den betreffenden Frauen nicht klar gemacht werden, weil sie meistens breit waren wie ein Schwertransport.
Neues aus der Möhrenforschung
Untersuchungen haben festgestellt, dass schlecht geschälte Möhren häufiger und länger auf dem Teller liegen bleiben, als gut geschälte. Wer also als Gastronom nachlässig mit dem Sparschäler oder dem Kartoffelschälmesser - hier zum Schrappen der Möhren eingesetzt - umgeht, muss damit rechnen, dass der Kunde und Feinschmecker auf Tomaten aus dem toxiphilen Spanien oder auf Nektarinen aus dem maroden Griechenland ausweicht.
Jahrelang galt die Möhre als das Gemüse des Vertrauens, denn die fremdgeschälte Rohkost bot immer eine willige Ablagerungsfläche für Keime, je nach dem, ob der Schäler oder Schrapper sich vorher die Hände gewaschen hatte, oder nicht. Auch seine Tätigkeiten vor dem Bearbeitungsvorgang konnte der Mikrobiologe zwar feststellen, nicht aber der vertrauensselige Esser.
Im Zuge schlampiger Präsentation verliert das Gemüse weiter an Punkten und scheint in den Status der "Wurzel" zurückgedrängt zu werden.
Jahrelang galt die Möhre als das Gemüse des Vertrauens, denn die fremdgeschälte Rohkost bot immer eine willige Ablagerungsfläche für Keime, je nach dem, ob der Schäler oder Schrapper sich vorher die Hände gewaschen hatte, oder nicht. Auch seine Tätigkeiten vor dem Bearbeitungsvorgang konnte der Mikrobiologe zwar feststellen, nicht aber der vertrauensselige Esser.
Im Zuge schlampiger Präsentation verliert das Gemüse weiter an Punkten und scheint in den Status der "Wurzel" zurückgedrängt zu werden.
Oktoberfeste knallen das Land
Bayrisch. Launig. Fesch.
Gute Gespräche. Gute Getränke.
Gute Aussichten.
Wichtige Einsichten.
So soll es sein.
Und alle machen mit.
Hier stimmt die Frauenquote.
Man muss nicht alles per Gesetz beeinflussen.
Ziele setzen, Perspektiven liefern,
Spasss haben. Dann geht alles.
Schlecht sitzende Kleidung
Schlecht sitzende Kleidung erregt häufig den Unmut von Menschen, deren Kleidung immer korrekt sitzt, weil es der Beruf verlangt.
Auch wenn ihnen schlecht sitzende Kleidung, etwa ein in der Unterhose verklemmter Baumwollrock, nicht schadet, so sehen sie doch ein Risiko für die Öffentlichkeit, die vielleicht verschämt wegsieht, die Augen schließt und dann vor Laternenpfähle rennt, um sich dort eine Blessur zuzuziehen.
Deshalb schauen und deuten Bürger mit korrekter Kleidung sorgfältig auf kleinste Anzeichen von Nachlässigkeiten, die möglicherweise unter erhöhtem Anziehstress durch Verschlafen oder Erwischtwordensein entstanden sind.
Die öffentliche Sicherheit geht einfach vor.
Die Werbung nutzt in diesem Rahmen geschossenen Fotos, um für verschiedene Produkte die entsprechende Trommel zu rühren:
Für gute Bein- und Gesäßcremes, die jugendliche Straffheit erhalten.
Für Brüsseler Spitzen, die sich nicht nur an dunkelblauen und weißgepunkteten Unterhosen gut machen, sondern auch an Taschentüchern, Platzdeckchen und Tischdecken.
Für mehr Rot am Körper, weil das lustig aussieht.
Ziel der Bein- und Gesäßcreme-Industrie, der Unterhosen- und der Sitzenklöppelhersteller ist jedoch immer die Gewinnmaximierung.
Nur die Menschen mit korrekt sitzender Kleidung arbeiten uneigennützig und schauen genau hin, denn zu sehen gibt es immer was. Anfassen dürfen sie ja nicht.
Auch wenn ihnen schlecht sitzende Kleidung, etwa ein in der Unterhose verklemmter Baumwollrock, nicht schadet, so sehen sie doch ein Risiko für die Öffentlichkeit, die vielleicht verschämt wegsieht, die Augen schließt und dann vor Laternenpfähle rennt, um sich dort eine Blessur zuzuziehen.
Deshalb schauen und deuten Bürger mit korrekter Kleidung sorgfältig auf kleinste Anzeichen von Nachlässigkeiten, die möglicherweise unter erhöhtem Anziehstress durch Verschlafen oder Erwischtwordensein entstanden sind.
Die öffentliche Sicherheit geht einfach vor.
Die Werbung nutzt in diesem Rahmen geschossenen Fotos, um für verschiedene Produkte die entsprechende Trommel zu rühren:
Für gute Bein- und Gesäßcremes, die jugendliche Straffheit erhalten.
Für Brüsseler Spitzen, die sich nicht nur an dunkelblauen und weißgepunkteten Unterhosen gut machen, sondern auch an Taschentüchern, Platzdeckchen und Tischdecken.
Für mehr Rot am Körper, weil das lustig aussieht.
Ziel der Bein- und Gesäßcreme-Industrie, der Unterhosen- und der Sitzenklöppelhersteller ist jedoch immer die Gewinnmaximierung.
Nur die Menschen mit korrekt sitzender Kleidung arbeiten uneigennützig und schauen genau hin, denn zu sehen gibt es immer was. Anfassen dürfen sie ja nicht.
Frösche übernehmen die Weltherrschaft
Immer mehr Menschen träumen davon, dass ihnen ein Frosch auf dem Helm sitzt und sie unter Wasser drücken will, um anschließend die Weltherrschaft zu übernehmen.
Da reicht es dann nicht, ein freundliches Grinsen aufzusetzen, um den feindseligen Frosch zu besänftigen, denn jener ist der felsenfesten Meinung, dass es reicht einen Menschen zu ersäufen, um an die Macht zu kommen, gemeint ist aber, alle Menschen.
Glaubt doch wohl keiner, dass die Menschheit das Ruder an die glitschigen Grünlinge mit den Basedow-Augen abgeben, nur weil mal eben einer auf dem Grund des Teiches liegt!
Drum nicht grinsen, wenn ein Frosch auf dem Helm sitzt, sondern gelassen bleiben und ganz ruhig fragen, während man einen dieser kleinen spitzen Strohhalme zückt: Na, Meister, willst du mal doppelt so groß sein? Denkst du noch an damals, als Harald Makulakulski dich sogar auf dreifache Größe aufgepumpt hat? Du bist leider geplatzt.
Das hässliche Kinderspiel, das natürlich keiner je gespielt hat, verunsichert den Glotzäugigen und er lässt sofort ab von seinem überheblichen Wunsch, die Weltherrschaft zu erringen.
Häufig reicht es auch, einfach keinen Helm zu tragen.
Da reicht es dann nicht, ein freundliches Grinsen aufzusetzen, um den feindseligen Frosch zu besänftigen, denn jener ist der felsenfesten Meinung, dass es reicht einen Menschen zu ersäufen, um an die Macht zu kommen, gemeint ist aber, alle Menschen.
Glaubt doch wohl keiner, dass die Menschheit das Ruder an die glitschigen Grünlinge mit den Basedow-Augen abgeben, nur weil mal eben einer auf dem Grund des Teiches liegt!
Drum nicht grinsen, wenn ein Frosch auf dem Helm sitzt, sondern gelassen bleiben und ganz ruhig fragen, während man einen dieser kleinen spitzen Strohhalme zückt: Na, Meister, willst du mal doppelt so groß sein? Denkst du noch an damals, als Harald Makulakulski dich sogar auf dreifache Größe aufgepumpt hat? Du bist leider geplatzt.
Das hässliche Kinderspiel, das natürlich keiner je gespielt hat, verunsichert den Glotzäugigen und er lässt sofort ab von seinem überheblichen Wunsch, die Weltherrschaft zu erringen.
Häufig reicht es auch, einfach keinen Helm zu tragen.
Blindes Huhn - Political correct?
Es gab eine Zeit, da hatte niemand Skrupel, ein Tellergericht "Blindes Huhn" zu nennen, das hauptsächlich aus Brechbohnen, Möhren und Kartoffeln bestand. Nach einem Huhn musste man lange suchen, und vielleicht bedeutete "Blindes Huhn" nur, dass ein solches, träfe es auf ein Gericht dieses Genres, die Brechbohnen in die Tat umsetzte. Blindes Huhn war und ist nichts für Hühner, auch nicht für blinde.
Heute sind die Menschen sensibler geworden, sie wollen political correct sein, sie wollen sich nicht eines schleichenden Rassismus oder einer latenten Aggressivität gegen ihre Mitwesen überführen lassen.
Früher hat man in diesem Zusammenhang den Kartoffeln die Augen ausgestochen, heute lässt man sie drin, wohlwissend, dass die Erdfrucht den Esser beim Verschlingen anblickt, vielleicht traurig und fragend: Muss das jetzt sein? Hättest du mir nicht die Augen ausstechen können, dann hätte ich das alles nicht mitansehen müssen?
Dem Menschen der heutigen Zeit ist es aber insgesamt wichtiger, als political correct zu gelten, statt sich um die Leiden der Kreaturen, zu denen die Kartoffeln auch gerechnet werden muss, zu kümmern, und ein bisschen Empathie in Handlung umzusetzen.
Da ist der Vegetarier schon viel weiter, wenn er sagt: Ich esse nichts, was Augen hat.
Wie Zahlen wirken: 4711
4711 - Der Duft der Sechziger, wenn die Familie an die See fuhr und die Mutter dem Vater die schwitzende Stirn mit Erfrischungswasser aus Köln betupfte, damit ihm wohler sei und er konzentrierter auf das Verkehrsgeschehen blicken konnte. Der Vater aber hatte vielleicht eine unparfümierte Blondine im Auge, die auf dem Trottoir ihre Einkaufstüte herumschlenkerte, um auf sich aufmerksam zu machen.
Der Vater fuhr bei Rot und die Mutter rief: Was machst du da? Es ist Rot!
Dem Jungen war schlecht, auch wenn er vorne saß. Es saß ihm alles vor dem Hals.
Das kommt nur von dem 4711!, wetterte der Vater und behauptete, es sei ihm in die Augen gelaufen, es habe gebrannt, er habe die Augen kurz zugekniffen und dann die Ampelstellung übersehen.
Dem Jungen war sehr schlecht. Streit schlug ihm auf den Magen.
Viel später hielt der Vater bei Grün an; vielleicht sollte das ein Ausgleich sein. Die Mutter glaubte das nicht.
Der Junge aber verband mit der Zahl 4711 Übelkeit.
Später sagte er für sich, ohne dass es jemand hörte: Ein Geruch zum Kotzen.
Tonnes Tagebuch: Gartenschuhe
![]() |
| Helmuth Neuton: No Gartenschuh for you(2013) |
Ich habe im Baumarkt in der Gartenabteilung nach Gartenschuhen gesucht, meine Schuhgröße ist 46, und da war nichts.
Eigentlich wollte ich so crogartige mit verstärkter Sohle, damit man damit auch mal einen Spaten in die Erde treten kann. Nichts.
Ein Paar Gummilatschen in 46, die aber zu klein waren, hing verwaist in einer Höhe, die von 2,20-m-Menschen bequem zu erreichen sind; was ist los mit der Welt? Arbeiten im Garten nur Frauen und Kinder?
Fair-graben ist doch mittlerweile die Devise und Kinder machen mehr Arbeit, als sie selber leisten. Das muss man erst mal schlucken.
Dass Frauen arbeiten, sollte jeder Mann dankbar hinnehmen; dass man aber den Männern ihren Garteneinsatz vorenthält, ja sogar quasi ihren Unwillen anprangert im Regal des Anbieters, weil er Gartenschuhe angeblich nicht nachfragt und diese deshalb nicht im Regal hängen, höchstens ein symbolisches Einzelstück unerreichbar in luftiger Höhe, für Dirk Nowitzki nur zu ergattern, das ist Diskriminierung!
Angeblich soll Gartenarbeit entspannen. Das hier aber ist frustrierend und mündet in Depression oder Aggression.
Ich habe mich eine Viertelstunde vor die Sämereien gestellt und gewartet, bis der Anfall vorüber war. Ranunkel stand da. Ich habe Reimwörter gesucht, weil das beruhigt. Runkel. Dunkel. Furunkel.
Ein eigener Garten ist auch so eine Form von Eskapismus; da machen wir uns doch alle was vor, Pseudoidylle bürgerlicher Angepasstheit.
Da mache ich nicht mit und dann brauche ich auch keine dämlichen Gartenschuhe.
Tod, wo ist dein Stengel?
Mensch: Tod, wo ist dein Stengel?
Tod: Hä?
Mensch: Tod, wo ist dein Stengel?
Tod: Was soll das?
Mensch: Ich will es ja nur wissen.
Tod: Ich habe keinen Stengel.
Mensch: Aber man sagt doch so allgemein: Tod, wo ist dein Stengel?
Tod: Sagt man nicht.
Mensch: Ich denke schon.
Tod: Ich habe keinen Stengel.
Mensch: Doch.
Tod: Wenn du jetzt nicht aufhörst, dann hole ich dich.
Mensch: Warum denn das jetzt wieder? Nur weil ich gefragt habe?
Tod: Irgendwann bist du dran.
Mensch: Man wird doch mal fragen dürfen.
Tod: Ich habe einen Stachel.
Mensch: Aha.
Tod: Genau.
Mensch: Und wo ist der bitteschön?
Tod: Das geht dich gar nichts an.
Mensch: Man wird doch mal fragen dürfen.
Tod: Wenn man den Stachel sähe, müsste ja keiner fragen.
Mensch: Was denn jetzt? Stengel oder Stachel?
Tod: Kannst du nicht zuhören?
Mensch: Was bist du denn so empfindlich?
Tod: Ich bin der Tod. Der Tod ist nicht empfindlich.
Mensch: Hört sich aber genauso an.
Tod: Ok. Das war's. Jetzt kommst du mit.
Mensch: Das sehe ich gar nicht ein. Ich habe nur gefragt, weil es mich interessiert.
Tod: Dann halt endlich die Klappe.
Mensch: Ist ja gut. Dann frage ich eben nicht mehr.
Tod: Na, endlich.
Mensch: Dann denk ich mir meinen Teil.
Tod: Fang nicht schon wieder an.
Mensch: Man wird ja noch denken dürfen.
Tod: Das hast du dir gedacht.
Mensch: Genau.
Tod: Jetzt reicht's. Ich geh den Stachel holen.
Mensch: Na endlich. Und....bring auch den Stengel mit!
Tod: Ich krieg die Krise. Früher war das alles einfacher. Da wurde gestorben, wenn ich das wollte. Ich kann's nicht mehr hören, überall muss diskutiert werden. Ich hätte Bestatter werden sollen.
Tod: Hä?
Mensch: Tod, wo ist dein Stengel?
Tod: Was soll das?
Mensch: Ich will es ja nur wissen.
Tod: Ich habe keinen Stengel.
Mensch: Aber man sagt doch so allgemein: Tod, wo ist dein Stengel?
Tod: Sagt man nicht.
Mensch: Ich denke schon.
Tod: Ich habe keinen Stengel.
Mensch: Doch.
Tod: Wenn du jetzt nicht aufhörst, dann hole ich dich.
Mensch: Warum denn das jetzt wieder? Nur weil ich gefragt habe?
Tod: Irgendwann bist du dran.
Mensch: Man wird doch mal fragen dürfen.
Tod: Ich habe einen Stachel.
Mensch: Aha.
Tod: Genau.
Mensch: Und wo ist der bitteschön?
Tod: Das geht dich gar nichts an.
Mensch: Man wird doch mal fragen dürfen.
Tod: Wenn man den Stachel sähe, müsste ja keiner fragen.
Mensch: Was denn jetzt? Stengel oder Stachel?
Tod: Kannst du nicht zuhören?
Mensch: Was bist du denn so empfindlich?
Tod: Ich bin der Tod. Der Tod ist nicht empfindlich.
Mensch: Hört sich aber genauso an.
Tod: Ok. Das war's. Jetzt kommst du mit.
Mensch: Das sehe ich gar nicht ein. Ich habe nur gefragt, weil es mich interessiert.
Tod: Dann halt endlich die Klappe.
Mensch: Ist ja gut. Dann frage ich eben nicht mehr.
Tod: Na, endlich.
Mensch: Dann denk ich mir meinen Teil.
Tod: Fang nicht schon wieder an.
Mensch: Man wird ja noch denken dürfen.
Tod: Das hast du dir gedacht.
Mensch: Genau.
Tod: Jetzt reicht's. Ich geh den Stachel holen.
Mensch: Na endlich. Und....bring auch den Stengel mit!
Tod: Ich krieg die Krise. Früher war das alles einfacher. Da wurde gestorben, wenn ich das wollte. Ich kann's nicht mehr hören, überall muss diskutiert werden. Ich hätte Bestatter werden sollen.
Über die Liebe (1)
Bis zum Alter von sechs Jahren hatte Bodo die kräftigen, aber wohlriechenden Oberarme seiner Mutter geliebt. Es war eine reine Liebe gewesen, ohne Fehl und ohne Falsch, bedingungslos. Es war eine Liebe gewesen, fast so wie die eines kleinen Hundes, der sein Frauchen liebt, egal was es gerade getan hatte, egal ob es versagt hatte, ob es die Eltern enttäuscht hatte, ob es schlechter oder guter Mensch war, einfach so. Weil der kleine Hund kleiner Hund war und das Frauchen Frauchen.
Agape.
Diese reine Liebe hatte sich Bodo bewahrt, weil er sich strikt geweigert hatte in den Kindergarten zu gehen, und weil es ihm nicht vergönnt gewesen war, gleichaltrige, aber andersgeschlechtliche Menschen, Mädchen genannt, kenne zu lernen.
Mit dem Eintritt in das Volksschulalter änderte sich alles.
Mit dem Eintritt in die Volksschule.
Da hatte er sich in Ruth-Vera aus der ersten Reihe verliebt.
Sie hatte schmächtige Oberarme und nie hatte es geklappt, dass er an diesen hatte riechen dürfen. Trotzdem hatte er sich in sie verliebt und beschloss, sein Leben mit ihr zu teilen.
Er wollte nicht Feuerwehrmann werden, nicht Astronaut oder Pilot, nicht einmal Finanzbeamter oder Lokomotivführer.
Er wollte Ruth-Vera heiraten.
(Fortsetzung folgt)
Agape.
Diese reine Liebe hatte sich Bodo bewahrt, weil er sich strikt geweigert hatte in den Kindergarten zu gehen, und weil es ihm nicht vergönnt gewesen war, gleichaltrige, aber andersgeschlechtliche Menschen, Mädchen genannt, kenne zu lernen.
Mit dem Eintritt in das Volksschulalter änderte sich alles.
Mit dem Eintritt in die Volksschule.
Da hatte er sich in Ruth-Vera aus der ersten Reihe verliebt.
Sie hatte schmächtige Oberarme und nie hatte es geklappt, dass er an diesen hatte riechen dürfen. Trotzdem hatte er sich in sie verliebt und beschloss, sein Leben mit ihr zu teilen.
Er wollte nicht Feuerwehrmann werden, nicht Astronaut oder Pilot, nicht einmal Finanzbeamter oder Lokomotivführer.
Er wollte Ruth-Vera heiraten.
(Fortsetzung folgt)
Auf die Tube drücken
Liebes Tagebuch!
Heute morgen im Bad dachte
ich darüber nach, was wohl eine Handcreme denkt, wenn man sie auf die Füße
reibt? Fühlt sie sich zweckentfremdet oder verschwendet?
Oder teilmissbraucht?
Fühlt sie sich geehrt, weil die Füße für die Handcreme in der Rangfolge der
Körperteile weiter oben angesiedelt sind? Ein Teil bleibt beim Einschmieren der
Füße ja auch an den Händen kleben. Allerdings sind die Füße ja ganz unten, und
die Hände sind wichtiger, weil man mit denen Verträge unterzeichnet und Menschen
begrüßt.
Dann musste ich plötzlich
an fußgemalte Weihnachtskarten
denken, die nicht schöner waren als handgemalte, aber die man früher aus
Mitleid kaufte. Vielleicht waren sie aber auch mundgemalt, das verwechsele ich
oft mit mundgeblasen, was ja im Grunde
doppelt gemoppelt ist, weil der Mund für den Menschen die einzige
Möglichkeit ist, zu blasen. Jedenfalls kontrolliert zu blasen, zum Beispiel eine
Trompete.
Niemand hat je von fußgeblasenen Weihnachtsliedern gehört.
Was die Handcreme nun
wirklich dachte, konnte ich nicht herausfinden; ich entschied mich dafür, dass
Handcremes nicht denken können und es ihnen deshalb egal sein muss, ob sie auf
einer Hand, einem Fuß oder einer unsichtbaren Stelle am Körper landen. Dem Kopf ist es vielleicht nicht egal, wenn
man an ihm Fußcreme aufträgt, denn ein Kopf kann denken.
Beim Zähneputzen musste
ich an Tanja denken, die manchmal sagte, wenn ich zu spät dran war, „ du musst
mal etwas auf die Tube drücken“.
Beim Betrachten der
Zahnpastatube fiel mir auf, dass man nicht „etwas auf die Tube“ drücken kann. Es muss schon so stark sein, dass
vorne die gewünschte Menge Paste hervorquillt. Das zärtliche
„Aufdietubedrücken“ führt oft gar nicht zum Erfolg, denn die gewünschte Masse
bleibt im Behälter. Wer etwas aus der Tube haben möchte, sollte kräftig
drücken, oder besser angemessen, und bloß nicht mit so einem
Ichwilldirnichtwehtun-Gefühl.
Die Tube bestätigt den
richtigen Druck immer durch das Ausscheiden der gewünschten Menge. Da gibt es
keine Missverständnisse. Manchmal wünscht man sich so ein klares Verhältnis
auch zwischen Menschen, besonders in partnerschaftlichen Beziehungen.
Wie lang können wohl
Nasenhaare werden?, dachte ich beim Rasieren. Aus dem Haupthaar kann man dicke
Zöpfe flechten, aus einem Bart, den man wachsen lässt auch, etwas weniger
dicke; aber aus Nasenhaaren? Bei der Ohrbehaarung bin ich mir auch nicht so
sicher; immer wenn meine guten In-Ear-Kopfhörer nicht mehr in den Gehörgang
passen, ist es Zeit, mit dem Trimmgerät, das dem Nasen- und Ohrenhaarbeschnitt dienen sollte, Platz zu schaffen.
Wie lang die Ohrenhaare
wirklich werden können, weiß ich nicht.
An anderen Stellen des
Körpers passiert gar nichts. Alles bleibt, wie es ist. Nur am Kopf, wieder mal am Kopf!, ist es
anders.
Früher war eine Glatze ein
Makel, besonders bei jungen Menschen.
Dann kam die Phase, wo man
beschämt beseite schaute und dachte: Chemotherapie! Mutig. Keine Mütze. Keine
Perücke.
Dann führte Telly Savalas
die Glatze und den Lolli ein. Ein gesellschaftlicher Widerspruch. Ein kahlköpfiger
Greis mit der Vorliebe für Kindernahrung.
Heute sind wir umzingelt
von Glatzen, oft von Ganzkörperglatzen. Wer in die Sauna geht, muss annehmen,
man habe die Pubertät abgeschafft.
Beim Entfernen des letzten
Rasierschaums, fragte ich mich: Warum rasieren wir uns?
Warum lassen wir nicht
einfach wachsen? Alles und immer?
Dann hörte ich Tanja
rufen: Du musst mal etwas auf die Tube drücken! Du bist spät dran.
Der Tag, hatte schon
nachdenklich begonnen. Was sollte wohl daraus werden?
Ich hatte natürlich keine
Fußcreme auf meinen Kopf gerieben, damit mal Pause war mit dem Nachdenken. Als ich überlegte, In
welchem Verhältnis mein Kopf wohl zu meinen Händen und meinen Füßen und überhaupt zum ganzen
Körper stünde, wobei er ja ein Teil des Ganzen war, hörte ich Tanja wieder
rufen: Du musst jetzt mal kräftig
auf die Tube drücken, wenn du
nicht zu spät kommen willst!
Kräftig auf die Tube
drücken, das klang gut.
Jepp, rief ich etwas zu
jovial für diesen Morgen voller Fragen, und stürzte mich in den neuen Tag.
Später mehr,
dein Tonne
P.S: Liebes Tagebuch!
Beim Möhrenschälen für die
Mittagspause dachte ich darüber nach, ob man Zeit spart, wenn man erst an allen Möhren die Enden abschneidet und
sie dann alle schält und dann alle kleinschneidet, anstatt jede Möhre einzeln
und nacheinander zu beschneiden, zu schälen und in Stück zu schneiden.
Und: Wie viel Zeit man bei
200 Arbeitstagen im Jahr sparen könnte, wenn man täglich effektiv vorbereitete
Möhren mitnähme,und wie schön es wäre, wenn man die Zeit im Stück und auf Wunsch, zum Beispiel heute, zur
Verfügung hätte.
Theodor Heuss im Theodor-Heuss-Park?
Da sitzt ein dicker, alter Mann aus Bronze auf einer Bank, den Kopf leicht gesenkt, nachdenklich-betrübt, Halbglatze, in schlichter Kleidung, die besonders in den Armbeugen Falten wirft, und stellt den interessierten Spaziergänger vor die Frage: Wer soll das denn sein?
Zu Hilfe kommt bei der Beantwortung der Frage die Tatsache, dass sich das Ungetüm, das direkt vor einem Spielplatz als Kinderschreck platziert wurde, in einem Park sitzt, der Theodor-Heuss-Park heißt.
Dann wird es wohl Theodor Heuss sein, vermutet eine Mutter, die gerade ihr laut schreiendes, verstörtes Kind einfängt, das sich partout nicht auf den Schoß des Metallkerles für ein Foto setzen will. Ja aber, wendet der scharfsinnige Tourist ein, war denn nicht Theodor Heuss so ein kleiner Mensch? Fast durchgehend weiß und vor allem unwahrscheinlich platt, also dünn, sodass er auf eine Briefmarke passte? Dieses Gußgeschöpf kriegt man doch noch nicht mal in einen Karton, in dem man ihn wegschicken könnte! Da ist ein Fall für den Schwertransporter. Da haben Sie wohl recht, ergänzt die Mutter, die ihren verheulten Rotzlöffel jetzt am Arm hält und einen zweiten Versuch startet, den Knirps auf das kalte Knie des Sitzenden zu pressen. Können Sie mal schnell ein Foto machen? Ich halte Kevin so lange fest....
Der Tourist schießt ein Bild, leider mit seiner eigenen Kamera; die gestresste Mutter merkt das nicht. Aber, denkt der Tourist, ich kann das Bild zu Hause ja wieder löschen.
Die Frage aber bleibt offen: Wer ist Theodor Heuss nun wirklich? Und wo sitzt er?
Funktionsfell
Das Ziel ist das Ziel
Das Ziel ist das Ziel, sagt der Pfeil zum Bogen, weshalb
sollte man sonst einen Pfeil benötigen?
Und übrigens, ergänzte der Pfeil, wir sollten den Bogen
nicht überspannen....
Du bist heute wieder ganz schön spitz, erwiderte der Bogen.
Wie es sich gehört, beendete der Pfeil die Unterhaltung und
machte sich auf den Weg, denn der Bogen war plötzlich so ungemein
tiefenentspannt.
Knapp vorbei ist auch daneben!, rief der Bogen noch
hinterher, aber da war der Pfeil schon nicht mehr zu sehen.
Abstrakte Kunst - Muss das sein?
Nehmen wir an, dem Maler fällt nichts ein. Hach ja, denkt er, ich weiß gar nicht, was ich so malen könnte, meinen Pudel habe ich gestern erst und die Oma ist auch nicht das Modell, das man sich wünscht, weil die ja immer am Kramen ist und nicht Stillsitzen kann.
Dann fängt der Maler so an, vor sich hinzuklecksen und zu kleckern, ein bisschen Rot,ein bisschen Gelb, da noch etwas rumtüpfeln. Das kann schon das Kind im Kindergarten, nur will das damit nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten oder in Saus und Braus leben, sondern macht es, weil es Spaß daran hat. Anders der Maler, der ist von Langeweile geplagt, von Unkreativität und Einfallslosigkeit. Ihm ist die Phantasie ausgegangen und er erinnert sich noch an Einstein: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Mag ja sein, Einstein, denkt der Maler, aber noch schlimmer ist, wenn die Phantasie ausgegangen ist und man das weiß. Da kann Wissen richtig wehtun, auch wenn es nicht soooo wichtig zu sein scheint. Einstein war ja auch Physiker, und da hat man feste Formeln, nach denen man sich verhalten kann, da muss man nicht jeden Tag ein Bild malen.
Was tun, wenn die Motive ausgehen? Wenn alles schon gemalt worden ist?
Dann malt man eben, was gar nicht gibt.
Das nennt man abstrakt. Und exakt finden das manche Leute toll, die lieber Fotos von ihrem Pudel mögen, als ein expressiv gespachteltes Ölgemälde, das dem Wuwu oder Fifi gar nicht ähnlich sieht.
Abstrakte Malerei schadet niemandem. Das ist erst mal gut.
Und sie hilft dem Maler über die Sinnkrise hinweg.
Was der Betrachter aber mit dem Bild anfangen soll, weiß keiner.
Freies Assoziieren vielleicht; aber da ist man schnell auf die Psychoschiene gerutscht.
Guck mal, das dahinten sieht aus wie Mutter!
Das ist Oma!
Naja, für mich ist es Mutter, für dich Oma, Kindchen.
Und dann kann es auch schon losgehen mit der Psychokacke.
Da bleibt man lieber bei neutralen Assoziationen: Blume, Haus, Maus, Brustwarze.
Abstrakte Kunst ist gar nicht abstrakt, wenn man genauer hinsieht.
Dann fängt der Maler so an, vor sich hinzuklecksen und zu kleckern, ein bisschen Rot,ein bisschen Gelb, da noch etwas rumtüpfeln. Das kann schon das Kind im Kindergarten, nur will das damit nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten oder in Saus und Braus leben, sondern macht es, weil es Spaß daran hat. Anders der Maler, der ist von Langeweile geplagt, von Unkreativität und Einfallslosigkeit. Ihm ist die Phantasie ausgegangen und er erinnert sich noch an Einstein: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Mag ja sein, Einstein, denkt der Maler, aber noch schlimmer ist, wenn die Phantasie ausgegangen ist und man das weiß. Da kann Wissen richtig wehtun, auch wenn es nicht soooo wichtig zu sein scheint. Einstein war ja auch Physiker, und da hat man feste Formeln, nach denen man sich verhalten kann, da muss man nicht jeden Tag ein Bild malen.
Was tun, wenn die Motive ausgehen? Wenn alles schon gemalt worden ist?
Dann malt man eben, was gar nicht gibt.
Das nennt man abstrakt. Und exakt finden das manche Leute toll, die lieber Fotos von ihrem Pudel mögen, als ein expressiv gespachteltes Ölgemälde, das dem Wuwu oder Fifi gar nicht ähnlich sieht.
Abstrakte Malerei schadet niemandem. Das ist erst mal gut.
Und sie hilft dem Maler über die Sinnkrise hinweg.
Was der Betrachter aber mit dem Bild anfangen soll, weiß keiner.
Freies Assoziieren vielleicht; aber da ist man schnell auf die Psychoschiene gerutscht.
Guck mal, das dahinten sieht aus wie Mutter!
Das ist Oma!
Naja, für mich ist es Mutter, für dich Oma, Kindchen.
Und dann kann es auch schon losgehen mit der Psychokacke.
Da bleibt man lieber bei neutralen Assoziationen: Blume, Haus, Maus, Brustwarze.
Abstrakte Kunst ist gar nicht abstrakt, wenn man genauer hinsieht.
Be what you want
Tante Trude war immer schon schräg gewesen.
Be what you want, das war Englisch, dabei sprach Tante Trude
wenig Englisch, aber sie liebte es, in fremden Sprachen ein paar Brocken auf
den Tisch zu werfen und dann zu schauen, was die Leute damit anfingen.
Be what you want, grunzte Tante Trude erneut und klang fast
wie ein Gangsterrapper.
Ich wär’ gern ein Meerschweinchen, antwortete Piet.
Tante Trude guckte erstaunt, so als habe sie nicht erwartet,
dass jemand auf ihre Auslandsfloskeln antwortete.
Das ist schräg, sagte Tante Trude, ein Meerschweinchen. Wie
kommst du denn darauf, Piet?
Hast du doch gesagt, Tante Trude, be what you want!, antwortete Piet.
Hast du doch gesagt, Tante Trude, be what you want!, antwortete Piet.
Jaja, erwiderte Tante Trude, da magst du recht haben. Aber,
was heißt das denn?
Dass ich gern ein Meerschweinchen wär, wiederholte Piet.
Na, dann, vamos! Muchacho!
Tante Trude flüchtete vor dem Meerschweinchen Piet, das
seine Verwandlung noch nicht vollzogen hatte, nach Mexiko.
Be what you want, wiederholte Piet.
Naselang
Wer alle naselang krank ist, häufig knapp bei Kasse ist und wem alle naselang die Frau wegläuft, und wem das nicht gefällt, der sollte sich eine lange Nase, eine überlange Nase wünschen.
Wer alle naselang im Lotto gewinnt, wer häufig eine gut gefüllte Börse hat und wem es gefällt, wenn ihm alle naselang eine Frau zuläuft, der sollte sich eine kurzekurze Nase wünschen, auch wenn es der zugelaufenen Frau komisch erscheinen wird, denn anhand der Nase des Mannes will der Volksmund auf dessen Johannes schließen. Wer auch immer das sein mag, die Frau, die sich wundert oder das komisch findet und deshalb lacht, wird es ja wohl wissen. Zu viel sollte man aber von zugelaufenen Frauen nicht verlangen, denn irgendwo werden diese ja wohl weggelaufen sein. Und da kommen die Langnasen wieder ins Spiel.
Wer alle naselang im Lotto gewinnt, wer häufig eine gut gefüllte Börse hat und wem es gefällt, wenn ihm alle naselang eine Frau zuläuft, der sollte sich eine kurzekurze Nase wünschen, auch wenn es der zugelaufenen Frau komisch erscheinen wird, denn anhand der Nase des Mannes will der Volksmund auf dessen Johannes schließen. Wer auch immer das sein mag, die Frau, die sich wundert oder das komisch findet und deshalb lacht, wird es ja wohl wissen. Zu viel sollte man aber von zugelaufenen Frauen nicht verlangen, denn irgendwo werden diese ja wohl weggelaufen sein. Und da kommen die Langnasen wieder ins Spiel.
Missverständnis im Baumarkt
Es habe irgendwas mit dem Arsch zu tun, rätselt der Kunde vor dem schon leicht genervten Verkäufer, und hinten, also das Wort hinten habe ein „nal“ dran hängen. Was es denn genau sei, will der Verkäufer wissen. Irgendwas für zum Holz Verarbeiten, sagt der Kunde, er habe das nur besorgen sollen, aber vergessen, wie das heiße. Ihm falle nur hinternational ein, schlägt der Baumarktangestellte vor, da seien Hintern und „nal“ beide drin. Na gut, nun der Kunde, dann nehme ich das. Das haben wir nicht und das gibt es auch überhaupt nicht, erwidert der Verkäufer und trommelt leise mit den Fingern auf der Theke des Informationsstandes herum. Anal vielleicht, kommt dem Kunden eine Fast-Erleuchtung. Aber wo denn da der Hintern sei, wundert sich der Baumarktmensch. Keine Ahnung, der Kunde, vielleicht hinten. Wofür man denn das Produkt brauche, hakt der Fachmann nach. Zum Kleben, glaube ich, der Kunde. Ach – der Verkäufer erlebt eine Spontan-Dämmerung – Ponal, ja sicher, Po-nal, Ponal Holzleim. Jetzt ist es raus. Erleichterung bei beiden. Genau, nun der Kunde, Ponal, habe ich mir doch extra aufgeschrieben, weil, wegen blödem Wort und so. Ach, hier ist ja auch der Zettel. Na also, sagen Sie das doch gleich! Der Verkäufer: 4 Euro 79 für 120 g. Der Kunde: Nicht billig.
Genau, Kasse drei dann, antwortet der Verkäufer und zischt leise „Du Arsch!“ hinterher.
Genau, Kasse drei dann, antwortet der Verkäufer und zischt leise „Du Arsch!“ hinterher.
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