Georg Krakl: Liebe (2013)

Ist Krakl Misanthrop?
Ich lieb
dicht
nicht,
Meer!

Zwischen Traum und Wirklichkeit: Amsterdam

Von Amsterdam zu träumen, weil die Hamster ham, die schäumen, das hab ich im Traum mir abgeschminkt, weil jetzt vielleicht ein Geldpreis winkt, ein Gutschein auch, und ich frage mich, kann denn ein Gutschein winken, kann Geld wirklich stinken, ach, wenn die Metaphern hinken, dann ist Eiszeit in der Seele, dann ist Klumpen in der Kehle, hätte gern drei Kugeln, Schoko, Schoko, Kroko! Kroko hamse se nicht? Dann nehm ich, ach, ich schäme mich, nicht den Nerz, war ein Scherz, Schoko, Schoko,Rosenwurz, was, das schmeckt nach Dosenfurz? Ja, Meister Kugelmacher! Nehm ich Kleister, Schoko, Schoko,Kleister und nicht Kroko, auch nicht Antilope oder Loipe. Wie schmeckt Loipe? So nach Schnee und Skiabdruck, nach Binnensee und nie nach Stuck, vielleicht ein bisschen nach Tapete oder Tapirschwanz,nach fein zerspanter Weihnachtsgans, mit einem Hauch von Hamsterfell, der ganz schnell ranzig wird, ach, Danzig, Danzig, ach, von dieser Stadt will ich jetzt träumen, weil da die Wellen schäumen, wo braune Gischt auf meine weißen Turnschuh zischt und mir versaut. Vor Danzig hat mir immer schon gegraut.

Ballsport: Was ist los in Bayern?

Man fragt sich: Hat Mediendirektor Markus Hörwick einen Ball vor den Kopf gekriegt und ist er seitdem "nicht mehr sauber am Ticken", wie man in der Sechzigern gern auch im Ruhrgebiet fragte?
Pepsi Guardiola ist sauer, weil ein Spieler Trainingsgeheimnisse ausgeplaudert hat.
Hörwick mischt sich dazu und versucht zu dämpfen:
"Das Thema werde 'ganz klein aufgehangen'.
Mal abgesehen vom Partizip Perfekt des Verbs "aufhängen" - alle wissen, dass das bestimmten Menschengruppen Schwierigkeiten bereitet - was meint Hörwick damit?
Hat der Mann einen der in Pakistan oder mittlerweile in China zu Dumpingpreisen handgenähten Fußbälle vor den Schädel bekommen und lallt jetzt dummes Zeug?
Früher hielt man die Fußballer für doof, heute hat man eher die Manager im Blick, die sich beim Stehlen, sprich: beim Steuerbetrug, erwischen lassen.
Zutreffend ist das Adjektiv eigentlich für Leute, die diffusen Brei kauen und durch vollen Mund Blödsinn nuscheln.
Nicht Hörwick. Hörweck. Hörweck! Als Imperativ. Das wär's! Leider steht der Unsinn geschrieben, und ein Liesweck! gibt es nicht.

Vereinfachung der deutschen Sprache

Der Verein zur Vereinfachung der Deutschen Sprache (VzVdDS) hat vorgeschlagen, das Wort "Damenarmbanduhr" in  die kürzere Form "Darmbanduhr" zu transformieren.
Jemand, der das neue Wort sechzigmal ausspricht, soll eine Minute Zeit gespart haben. Das könne man hochrechnen und hätte dann am Lebensende ein erkleckliches Sümmchen Zeit auf dem Konto.
Aus dem Männerlager wird allerdings Kritik laut, da man als Mann das Wort "Damenarmbanduhr" nur selten ausspräche, wenn überhaupt, dann vielleicht zwei- bis dreimal im Leben. Drei Sekunden Zeitersparnis wären nicht genug, um über die Wortneuschöpfung überhaupt ansatzweise zu diskutieren. Das würde nämlich Zeit vergeuden, und schnell sei man im Minus. Wertvolle Minuten würden am Ende des Lebens fehlen.
Der Verband der Uhrenverkäufer dementiert und fördert das neue Wort, denn den Mitglieder ginge schon einige Zeit flöten. Die könnte eine "Darmbanduhr" kompensieren.
Allerdings wehrt sich der Verband gegen eine Verweiblichung des Wortes Uhr, angelehnt an die Tendenzen an der Uni Leipzig. "Uhrin" diffamiere dann doch eine hochangesehene Zunft, die sich manchmal auf den Wecker gehe aber immer noch wisse, was die Uhr tickt, oder wann's Zeit wird.

Georg Krakl: Schlussmachen (2103)


Jetzt ist mal Schluss, z.B. mit Bluterguss
Jetzt ist mal Schluss,
mit all dem Stuss
von Kunstgenuss
und Überdruss
und Hexenschuss
mit Tinnitus
und Bluterguss
Kumulus
am Himmel
Weihnachtsmarktgewimmel
und Unterdruss
und Überfluss
und Überbein
im Sportverein
mit Ferkeltod
und Merkelrot
mit Wahlversprechen
Aalgebrechen
Nur-1-Euro-Jobs
und Alkopops
mit Steuersenkung
Hirnverrenkung
Schluss mit Energie
und Synergie
und Sympathie
und Empathie
und Apathie
und Aderlass
und Unterlass
und Badespass
und Reisepass
und Regenguss
und Zungenkuss
und Zaubernuss
und Pfiffikus
und Sozius
und Syndikus
und Armverschluss
und Ibichen des Kranikus
und Ikarus
das ist Beschluss

Es ist jetzt Schluss
mit Omnibus!
Und Schluss
mit Linienbus!

Schön wäre Überschuss.

Ansonsten Schluss
mit Omnibus!
Jetzt ist mal Schluss,
endgültig Schluss.

Gescheiterte oder gescheite Gescheitelte?



Manchmal sind die Gescheitelten die Gescheiterten, auch wenn sie nicht so wirken und gern die Gescheiten sein wollen; vielleicht sind sie an ihrem Wunsch zerbrochen. Dabei vermitteln Gescheitelte so viel Gutes:
Der ordentliche Scheitel verbreitet immer das Gefühl von Ordnung und von Bürokratismus, der wiederum ein gutes Gefühl der Sicherheit gibt.
Der Scheitel ist die Liste am Kopf.
Er macht übersichtlich.
Der Mensch wird am Kopf in zwei Bereiche geteilt, einen kleinen und einen großen und er erhält dadurch Struktur, wenn auch ohne Inhalt.
Sie wird der Mensch fassbarer und damit auch liebenswerter; all die Unfassbaren, weil schmierig und unstrukturiert und irgendwie glitschig, bleiben gehasst.
Die Gescheitelten werden geliebt, dessen können sie sich gewiss sein.
Der mit dem Mittelscheitel ist nicht für klein und groß, sondern er betont das Gleichgroße, den Ausgleich, die Harmonie. Er ist im Universum das Besondere, denn er hebt sich ab von der Rechtslinksmasse oder der Linksrechtsmenge, die am liebsten im Gleichschritt herumtrampeln würde. Der Mittelgescheitelte ist der Ausgewogene.
Nicht umsonst kommt das Wort gescheit von Scheitel. Und wer möchte das nicht sein? Wenigstens möchte er so wirken.

Deswegen begegnet gescheitelten Menschen mit Respekt, denn im Grunde genommen haben sie es nicht leicht. Leicht ist es, ein Wuschelkopf zu sein. Wo aber sollten die Friseure bleiben, wenn es nur eine Welt voller Wuschelköpfe gäbe?

           


Kunst mit dem Geodreieck: Piet Schlendrian - KWAdraht

Piet Schlendrian: KWAdraht (2013)
Bodos KUNSTwelt (11/2013) dazu:
Schlendrain, der alte Wenigmaler, benutzt in seinem aktuellen Bild, das man gern dem Neoplastizismus von Piet Mondrian zuordnen möchte, sogar nur noch drei Farben, wahrscheinlich ist ihm das Deckweiß ausgegangen.
Mit seinem Titel KWAdraht erregt er, wenn überhaupt, mehr Aufsehen, als durch seine Farbrechtecke.
Das Quadrat - man sollte mal ausmessen, ob es wirklich ein Quadrat ist, oder nur eine optische Täuschung - scheint an einem Draht zu hängen, wenn auch nicht mittig, was eine Schieflage zur Folge hätte. Das Viereck ist aber absolut im Lot und ausgefüllt mit roter Farbe. Das Blau ähnelt einer Schleuse gleich rechts angestaut und links abgelassen, das Quadrat wirkt wie ein Damm, der nicht hält, denn unter ihm spült das Blaue auf die andere Seite. Osmose scheint zu drohen, die jeder Gymnasiast aus der Schule kennt. Die Membran fehlt allerdings und ist damit nicht mal semipermeabel.
Das Quadrat, das nach dem Kreis auf Platz zwei der vollkommenen geometrischen Körper steht und in der Quadratur des Kreises Berühmtheit erlangt hat, symbolisiert wohl die penetrante Matheformelpaukerei und kritisiert ihren Sinn, denn die Fläche, wäre sie ein Körper, überwindet die Gesetze von Mathematik und Physik, die ja wohl verwandt sind.
Was das Gelbe soll? Hier gibt der Künstler sich scheinbar selber die Antwort auf die Frage nach der Qualität des Bildes: Nicht das Gelbe vom Ei.
Damit wäre wohl alles gesagt und den Spekulationen - besonders in der Vorweihnachtszeit - ist ein Ende gesetzt.

Georg Krakl - Lyrik (2013)

Die Menschen, die so weitgelaufen und so offentürig,
die den Füchsen gleich, so schlau und schnürig,
die nicht träge, aber rührig,
die erwärmt im Herzen schnell die Lyrik.

Auch den schlichten
Reimgedichten
wohnt ein Anfang inne.
Also dann, in diesem Sinne!

(Hermann Hesse gewidmet)


Georg Krakl - Der Rezensent (2013)

Der Rezensent schreibt sein Geschwafel
gern auf eine Schiefertafel.
Hab ich Mist geschrieben?
Weggewischt und abgerieben!

Und Papier gespart! Den ungefällten Bäumen wiegt das schwer.
Was will Rezensent noch mehr?

Selber mal Gedichte schreiben!
Doch in ihm steckt nicht ein Keim
von Reim.
Gedichte schreiben, Rezensent? Das lass mal lieber bleiben!

Es liegen dir das Wischen und das Reiben
und das Schreiben von Geschwafel
auf der Schiefertafel.

Reime, die in die Geschichte eingingen: Georg Krakl - Einmal (2013)

Halt den Schnabel,
Abel!

Einmal
ist Kainmal.

Farben in der Notaufnahme

Blau - da bist du in der Notaufnahme eigentlich falsch.
Ich habe da mal eine Frage; wenn sie einen Moment Zeit hätten?
Natürlich hatte die Dame am Aufnahmeschalter der Notaufnahme einen Moment Zeit. Eben noch hatte sie mit dem Pfleger über die Urlaubspläne gesprochen.
Ich hatte auch einen Moment Zeit. Ich wartete zwar, aber nicht darauf dranzukommen. Ich hatte gesessen, hatte gestanden, war herumgegangen.
Es gab keine Lesemappen, nur langweilige Prospekte über das Krankenhaus. Diese aber hundertfach.
Beim Herumwandern war mein Blick auf die schönen Farben einer Wandtafel gefallen.
Hier wurden Patienten bestimmten Farben zugeteilt; je nach Dringlichkeit der Behandlung, je nach Schwere der Erkrankung.
Ich fragte die Dame an der Rezeption: Woher weiß denn der Patient, dass er blau ist?
Die Dame stutzte, ich korrigierte meine Frage, denn die war offensichtlich missverständlich.
Er schwankt oder sieht doppelt, ergänze ich leise, frage aber dann: Woher weiß denn der Patient, dass er rot ist? Um Missverständnissen vorzubeugen, deute ich auf die Wandtafel.
Da hinten, die Wandtafel! Wo tauchen denn die Farben wieder auf, damit der Patient weiß, dass er rot,orange, gelb, grün oder blau ist?
Der Patient merkt das schon ...., antwortete der Weißkittel.
Bekommt der einen Laufzettel mit der Farbe?, lasse ich nicht locker.
Nein, die knappe Antwort.
Vielleicht sprüht man ihm die Farbe auf die Stirn, die nur die Behandelnden sehen können, denke ich für mich.
Das ist mal irgendwann festgelegt worden, damit man die Reihenfolge der Behandlungen sinnvoll strukturiert. Die Notfälle zuerst.
Aber woher weiß denn der Patient, dass er rot ist. Oder blau? Das sagt ihm doch keiner.
Nein. Der Patient merkt das an der Wartezeit.
Aha. Ich denke nach.
Je länger ich warte, desto ungefährlicher die Erkrankung. Ein Trugschluss zu denken, dass man nach langen Wartezeiten das Krankenhaus gesund verlässt, weil man es scheinbar auch gesund betreten hat.
Wenn ich lange warten muss, werde ich oft rot -  weil ich mich ärgere.
Wer rot ist, kommt sofort dran, das ist ja so festgelegt, ergänzt die Dame, aber ich kann mich nicht richtig mit dem Farbensystem anfreunden.
Jetzt taucht ein neuer Patient auf und ich vermute, der ist höchstens grün, denn man erkundet erst, welcher Krankenkasse er angehört und ob er eine Versicherungskarte dabei hat. Dann kann es nicht so dringend sein. Vielleicht ist er auch orange, und kann nicht sofort drankommen, obwohl nicht viel los ist in dieser Nacht. Aber so hat man seine auf der Wandtafel festgelegte Wartezeit sinnvoll überbrückt.
Ich sollte mich nicht beklagen, ich als Nichtpatient, als lediglich Wartender, ich habe keine Farbe und auch keine offizielle Wartezeit.
Ich will nach Hause. Alle Prospekte sind gelesen, alle Gänge abgegangen, jede Wandtafel betrachtet.
Die Dame an der Rezeption hat jetzt keinen Moment Zeit mehr, aber ich kann mich gedulden. Vielleicht wird sie ihre Antwort noch ergänzen.
Gelernt habe ich auf jeden Fall etwas. Ob es etwas Sinnvolles ist, bleibt abzuwarten.






Leben vor dem Tod

Sie war so voller Leben,
dass es ihr zum Halse raushing.

Neulich als ich tot war

Neulich als ich tot war, sagt Fred, schien die Sonne.
Ich lag in einem Sarg, der noch offen war, und ich konnte die die Strahlen sehen, die durch die bunten Gläser der Fenster fielen.
Die Trauernden konnte ich nicht sehen, aber ich fühlte mich durchströmt von ihrer Liebe.
Ich war glücklich  an dem Tag war, als ich tot war.
Ich war voller Frieden und wusste, dass ich getrost gehen konnte. Dass ich geliebt wurde. Dass die Trauernden an mich denken würden.
Dass hätte mir zu Lebzeiten passieren sollen,sagt Fred, dann wäre ich neulich nicht tot gewesen.

Weisheit der Naturvölker: Brennen

Weisheit der Indianer: Das Brennen zwischen den Beinen kann ein ganz einfaches Lagerfeuer sein.

Fernsehen: Brandheiße Sendung

Heiße Sendung, die Günter Jauch moderiert, und er selber ist natürlich auch jemand, den man bei großer Trockenheit nicht in den Wald lassen sollte. Brandgefahr!
Seine humorige Art führte in einer seiner  letzten Sendungen sogar dazu, dass sich die Hose eines Studiogastes selbst entzündete.
Hallo, ihre Hose brennt! hielt der überraschte Mann aus Kenia erst für einen der Witze auf Jauch-Niveau.
Weit gefehlt. Günter Jauch macht eigentlich keine Scherze.
Worüber der Moderator selber nicht lachen kann, ist die Verballhornung seines Namens: Günter Jauche (hahaha, lacht der Güllefahrer) - das sei nicht lustig, sondern Diskriminierung.
Die Hose des dunklen Mannes war schnell gelöscht.
Na, bei Ihnen sieht man die Brandflecken ja nicht so, versuchte Jauch mal wieder erfolglos zu scherzen und hatte trotzdem die Lacher auf seiner Seite, denn der Regisseur ist streng und wer buht oder sich zu viel auf seinem Platz räkelt, fliegt raus.

Synchronizität der Dinge

Die alte Dame ringt die Finger,
der Sittenstrolch sortiert die Dinger.

Die Näherin ist emsig mit der Singer,
der Philologe liebt die Merowinger.

Schwergewichtler - die platzieren Schwinger.
Der Pitbull sitzt im Zwinger.


Vieles passiert gleichzeitig. Wir wissen es nicht einmal.
Vieles, das gleichzeitig passiert, reimt sich sogar. Auch das wissen wir nicht.
Und trotzdem leben wir heiter wie der Klops im Pantalon.
Die meisten wissen noch einmal, was ein Pantalon ist.
Aber, was ein Klops isst. Nämlich gar nichts.
Klöpse werden gegessen.
Der Klops ist passiv. Er lässt sich essen, wohingegen
der Mensch ein Alllesfresser ist. 
Die Welt läuft zwar synchron, deswegen spricht man von Synchronizität, aber im Grunde ist das vollkommen bedeutungslos.

PS:

Pürierter und gerollter Mops
heißt Klops.


Ein Ohr zum Violinschlüssel geschnitten

Manoki war traurig.
Sie hatte sich vom Chirurgen - sie nannte ihn Fratzenschneider - ein Ohr zuschneiden lassen, das einem Violinschlüssel ähnelte. Trotzdem konnte sie mit Musik nichts anfangen.
Sie hatte ihre Haare richten lassen und wirkte doch wie eine Gouvernante. Manoki wünschte sich, dass man sie für eine Gräfin hielte.
Niemand tat das und sie ertränkte ihren Ärger und ihre Enttäuschung in schweren Parfümen, kombinierte diese sogar, sodass man nichts mehr von ihr riechen konnte. So musste sie die Menschen betören, dachte sie.
Ich kann dich nicht riechen, war die Antwort derer, denen die schweren Parfüme in die Nase gestiegen waren und nun ihren Kopf benebelten.
Die Lippen waren rot geschminkt, aber niemandem fiel das auf. Sie aber dachte, dass Rot die Farbe von Erotik, Liebe und Energie sei.
Mann, Mann, dachten die Männer und stellten sich vor, Manoki stünde an der Straße.
Da gebe ich aber Vollgas, soviel Lippenstift kann doch keiner verdauen!, brüllte Horst und lachte sich kaputt.
Du sollst das ja auch nicht essen, konterte Pablo.
Manoki aber stand abseits.
Als sie ihr Kleid geöffnet und den Oberkörper entblösst hatte, schauten alle weg.
Das tut man doch nicht, raunte die Menge.
Tut man doch, quiekte Manoki, tut man doch.
Tut man nicht, antwortete die Menge wie aus einem Munde.
Tut man doch, kreischte Manoki.
Na dann, zuckte die Menge mit den Schultern und löste sich in Einzelpersonen auf.
Komm wir gehen nach Hause, schlug Horst vor.
Allemal besser, sagte Pablo.
Allemal schlechter, dachte Manoki.

Betonen, was man nicht unterdrücken kann

Man hatte Gordon gesagt, dass er eine hohe Stirn habe. In einem Ton, der ihm signalisierte, dass das nicht besonders schön sei, dass das eine Erinnerung an Frankensteins grausame Bastelköpfe auslöse.
Jahrelang hatte Gordon den Gedanken gepflegt, eine hohe Stirn sei ein Zeichen für ein großes Hirn und damit für hohe Intelligenz.
Gut, sportlich war er ohnehin nicht, kein Leistungsträger, da konnte man schnell anecken mit hoher Stirn, wurde dann verlacht als verkopfter Lahmarsch, der seine Beine nicht koordinieren konnte.
Damit hatte Gordon immer leben können.
Statt Fußball zu spielen, hatte er ein gutes Buch gelesen oder fürs Eckenraten sein Allgemeinwissen geschult.
Aber dass nun seine hohe Stirn zum Nachteil gereichen sollte, das musste er erst mal schlucken.
Er hatte sich sofort einen neuen Hut gekauft, einfach als Entschädigung und auch als Belohnung dafür, dass er alles so lange ausgehalten hatte.
Das macht aber einen Riesenkrakendoppelkopf!, hatte Vera gekichert und ein lautes Lachen unterdrückt.
Der Hut war im Angebot gewesen, weil er Querstreifen hatte, die angeblich dick machen.
Aber dick hatte Vera nicht erwähnt. Riesenkrakendoppelkopf. Was das nun wieder sollte! Vera war blöd. Auf ihr Urteil konnte man nichts geben.
Irgendwo hatte er gelesen, dass man das, was man nicht unterdrücken kann, etwa eine hohe Stirn, betonen sollte. Der Hut betonte die Stirn und machte sie damit zu einem Gesamtkunstwerk oder was auch immer. Er hatte alles richtig gemacht.
Wo hatte er das nur gelesen? Gordon fiel es nicht mehr ein.
Vielleicht hatte er es auch nur selber auf einen Zettel geschrieben und dann gelesen.
Ein alter  Trick des "Großkopfertern". Aufschreiben, lesen und dann sagen: Habe ich gelesen! Das machte Eindruck, und die meisten glaubten, man zitiere etwas Wesentliches von Menschen, die Wesentliches dachten und aufschrieben.
Eine hohe Stirn. Gordon fand eine hohe Stirn schön.
Wer sich selbst nicht schön findet, kann auch andere nicht schön finden. Das hatte er auch irgendwo gelesen. Nur wo?
Falls das wieder von ihm stammte, sollte er vielleicht doch mal ein Buch schreiben. Mit kleinen Weisheiten des Alltags. Kleben und kleben lassen, zum Beispiel, als Sinnspruch für Postbeamte. Auch wenn die schon lange nicht mehr klebten.
Briefmarken jedenfalls nicht. Höchstens noch am Bürostuhl.
Hahaha, lachte Gordon in  sich hinein, denn Platz genug war ja in seinem Kopf.


Moderne Malerei(1): Vincent van Eijnoor - Vatermutterkind (2006)

Vincent van Eijnoor: Vatermutterkind (2006)
Vatermutterkind - Wer ist denn hier der Vater, wer die Mutter, wer das Kind? Von links nach rechts gesehen ist das klar und ergibt einen Sinn: Der Vater in einer mittlerweile frauenbetonten Gesellschaft schrumpft zur Bedeutungslosigkeit. Die Mutter, schmalköpfig und an sekundären Geschlechtsmerkmalen nicht zu erkennen, hat sich durch fehlgeschlagene Ernährungsberatungen und misslungene Schönheitsoperationen in ein Wesen der vierten Art verwandelt. Das Kind, großköpfig und hohläugig, starrt lethargisch in den Gegend, weil es den Bildschirm sucht, dessen penetrante Frequenz den abgestumpften Geist zu beleben versucht. Der Titel Vatermutterkind deutet darauf hin, dass die Familie eine Einheit sein sollte, in der die Mutter mittlerweile von der Familienministerin eine "Herdprämie" bezahlt bekommt, wenn sie dem Sohn den PC anschaltet und dafür sorgt, dass er nicht glatzköpfig in Springerstiefeln durch den Asylbewerberbezirk marschiert. Erschütternd, was schwarze Politik aus grünen Menschen macht.

Depressive Menschen belasten die Umwelt

Wir kennen das alle:
Jemand lässt den Kopf hängen, mit diesem hängen alle Teile, die das auch können und man spürt den Impuls, weglaufen zu müssen.
Die Frage: Wie geht's?, häufigst gebrauchte Einleitung zu belanglosen Gesprächen, erübrigt sich hier, nein, sie birgt sogar das Risiko, dass die Antwort nicht wie erwartet "Gut" lautet, sondern die Hörbuchfassung der letzten Sitzung beim Psychomann evoziert.
Wer will das denn?
Wir sind gewohnt, dass man höflich sein darf, indem man sein übliches "Wie geht's" herausbringt, auch wenn das Gegenüber vielleicht nicht wirklich frisch aussieht. Der wird sich zusammenreißen und sein bestmögliches "Danke! Selbst auch?" herauswürgen und fertig!
Aber alles hat seine Grenzen.
Irgendwo passen weder Frage noch Antwort. Die Grenze ist überschritten.
Und dann kommt es zu gesellschaftlich schädigenden Verhaltensweisen: Weglauf, Verstecken und Kopf-in-eine-Einkaustüte-aus-Papier-Stecken.
Alle drei Verhaltensweisen haben zu Folge, dass die Arbeit liegen bleibt und dass gleichzeitig vermehrt knapper Sauerstoff verbraucht wird. Dazu wird das Klima durch erhöhten CO2- Ausstoß belastet.
Und das geht weder kurz-, mittel-, noch langfristig.
Also: Kopf hoch, auch wenn der nicht gut aussieht!

Schlager in der Krise: Lieder ohne Liebe

Lieder ohne Liebe
sind wie beutelose Diebe.
Sind wie Treibholz ohne Triebe.
Oder Prügel ohne Hiebe.

Lieder ohne Liebe.
Sind wie ungelochte Siebe.

Betrüger unterwegs

Pawel Pikass: Weihnachtshase (2013)
Betrüger sind gerade in der dunklen Zeit vor Weihnachten unterwegs.
Sie geben vor, Freude und Glückseligkeit zu bringen, und hätten nicht die Katze im Sack, sondern ein paar kräftige Eier, seien der Weihnachtsmann und das könnte man ihnen hinter die großen Ohren schreiben.
Wenn man wollte.
Dekorativen Schmuck wollen sie an den Mann und die Frau bringen; diesen könne man schön an eine Tanne hängen und später im Frühjahr in den Garten werfen, um ihn  von den Zöglingen und Großzöglingen suchen zu lassen.
Zu deren Freude und Belustigung.
Bevor also das großen Rennen auf die Auslagen in den Geschäften losgeht, bevor bei Amazon die Belegschaft durchdreht und endlich streikt, könne man jetzt an der Haustür sein Geschäft erledigen und habe den Rest des Jahres Ruhe. Bestellen, zahlen und warten.
Die beiden ersten Tätigkeiten sind denn auch schnell erledigt. Und da man dann nur noch das Warten versprochen hat, bleibt es dann auch dabei. Warten. Warten. Warten.
Bis was kommt, was man bestellt hat.
Dass was kommt.
Es bleibt beim Warten.
Bleibt zu hoffen, dass zu Ostern der Bärtige mit den Segelohren und dem echten Sack vor der Tür steht und Weihnachtskugeln anbietet.
Dann ist es Zeit, Rache zu nehmen.
Wo aber bleibt die Liebe in all den verflixten Festen?

Narzisstische Störung: Leistungsdruck

Günter Krass: Schöne Ohren (2013)
Man hat dir als Kind zu wenig gesagt, dass du geliebt wirst!
So erklärt man Menschen mit narzisstischer Störung ihr komisches Verhalten, das sich im Abzocken von Mitmenschen, Erbringung von sportlicher Höchstleistung und von dem alles durchdringenden Wunsch, immer der Beste zu sein, bestimmt wird.
Allen immer eine Radlänge voraus sein, beim Boßeln die Kugel am weitesten schieben, aber nachher nicht aus dem verschlammten Graben holen wollen, immer und überall Erster sein wollen, die tiefste oder höchste Stimme haben, die größten primären Geschlechtsmerkmale vorweisen können, der Beste in der Besenkammer sein und immer auf der Gewinnerseite stehen wollen, das sind die Zielvorgaben, nach denen unreflektiert und rücksichtslos gestrebt wird, nur um dieses billige Surrogat, das dem "ich hab dich lieb" ähnelt, zu ergattern.
Ob sich das lohnt, ist nicht die Frage.
Das Lohnen wird vorausgesetzt; die arme, in der Kindheit - subjektiv gefühlt- förmlich ignorierte Kreatur setzt das quasi als Bedingung. Nach und nach bilden sich Soziopathen heraus, die ihre Mitmenschen nur als Instrumente des eigenen Erfolgs ansehen.
"Du hast schöne Ohren!", sagt sie zu ihm, nachdem sie sich näher kennen gelernt haben.
Das haut den Gestörten aus den Schuhen, falls er sie in diesem Moment anhat.
Sein Weltbild bricht zusammen.
Das, was sein Leben lang das Hässlichste an seinem Körper war, ist plötzlich schön.
Die Geliebte widerspricht der Mutti, ohne es zu wissen, sie widerlegt mit vier Wörtern die ganze Kindheit, die ganze Jugend, das ganze "Du hast doofe Ohren".
Wenn das Weltbild ins Wanken gerät, ist der Schwankende gezwungen, nachzujustieren oder sich selbst kritisch zu betrachten.
"Ich bin nicht der Mann für dich!" wird er sagen, denn das ist die eleganteste Lösung; der mit robustem Mandat wird wohl eher "Verschwinde jetzt! Du bist eine Schlaftablette!" sagen, um damit der Sieger bleiben zu können.
"So schnell wie du eingeschlafen bist...", murmelt sie und packt ihre Sachen. "Eigentlich sind deine Ohren doof. Nur deine Nase ist noch hässlicher!"
Die Welt ist wieder in Ordnung.

Versöhnung mit dem inneren Schweinehund

Endlich hat dieses unglaubliche Schwein, dieser Schweinehund, einen Namen: Günter!
Günter ohne h, sodass sich alle Günthers dieser Welt, die ein h in ihrem Namen tragen, aus dem Schneider sind. Sie sind keine Schweinehunde, oder heißen wie einer.
Endlich kann Günter ansprechen, weil ich weiß, wie er heißt.
Und - auch wissenschaftlich festgestellt: Wenn man jemanden beim Namen nennt, fühlt er sich persönlich angesprochen.
Erst dachte ich, das Jokers-Online-Team macht einen Scherz. Wie der Name ja auch schon sagt. Aber das Team meinte es ernst.
Danke!
Endlich kann ich mit Günter über alles Mögliche sprechen:
Über die Steuererklärung zum Beispiel. Und das hilft doch.
Das hilft bei der Versöhnung. Immer und immer habe ich, ich nenne ihn jetzt Günter, habe ich Günter verantwortlich gemacht. Lieg nicht so rum, du innerer Schweinehund, hör auf zu rauchen,Günter, saug Staub, geh an deine Steuererklärung, räum dein Arbeitszimmer auf, wisch noch mal durch, mäh den Rasen, schneid die Kanten und feg den Hof.
Günter, lass uns mal einen trinken gehen; komm, vertragen wir uns! Wir bleiben wohl noch eine Weile zusammen. Und warum sich das Leben schwer machen? Mit dem Trinken können wir immer noch aufhören.


Wort und BIld in der regionalen Presse

Wie jede gute Zeitung arbeitet auch der Weserrandanzeiger mit der optimalen Verknüpfung von Bild und Wort, wobei das Bild die Textaussage immer unterstützen oder verstärken soll.
Ein gelungenes Beispiel ist in diesem Monat  auf der Titelseite erschienen; eine lange Liste der Verschwendung wird vorgestellt und direkt darüber ein Bild, das dem Leser die bildliche Vorstellung von Liste und Verschwendung erleichtern soll.
Verschwenderischer Herbst, der seinen Farbkasten ausleert über Bäumen und Sträuchern, steht in direkter Nachbarschaft zu einer Gondelbahn, die wie eine lange Liste aussieht, denn sie ist aus Metall und weist gleichmäßig verteilte Streben auf, eine List der Erfinder, die einen Absturz verhindern soll. Dass eine Gondelbahn lang ist, weiß jedes Kind, denn wenn sie es nicht wäre, ginge man selbstverständlich zu Fuß, das wäre erstens schneller und zweitens sicherer. Denn ab und zu, meist aus Schlampigkeit der Obrigkeit oder des Servicepersonals, stürzt so ein Ding doch ab, und schnell sind ein paar Menschenleben verschwendet.
Man erkennt - Stichwort Zahnradbahn - dass alles ineinander verzahnt ist, nichts ist ohne Bedeutung, aber häufig ohne Belang, etwa solche Titelseiten im Weserrandanzeiger.

Fatale Hörfehler: Heute Nacht sind die Ohren umgestellt worden...

Pawel Pikass: Rotabstehende Ohren (2013)
Ohren umgestellt?
Also, bei mir jedenfalls nicht....

Meine demütige Schreibtischlampe



Es erfreut immer mein Herz, wenn ich meine Schreibtischlampe sehe.
Es ist eine Lampe, die ihre Funktion, ihre Aufgabe und vielleicht sogar ihr Bestimmung zu kennen scheint, auch wenn man den „toten“ Objekten dieses nicht zuschreibt.
Ihre Haltung lässt mich aufatmen, denn meine Lampe zeigt Respekt vor ihrem Besitzer, Respekt vor seiner Arbeit und ordnet sich gleichzeitig auf die richtige Stufe der gesellschaftlichen Ordnung.
Meine Schreibtischlampe hat sich mit dem Kopf auf die Tischplatte gestützt und es wirkt, als verneige sie sich, als warte sie demütig auf einen Auftrag, darauf dass ich sie einschaltete.
Sie will nicht untätig herumstehen, sondern zollt mir Anerkennung; sie ermutigt mich, mit der Arbeit zu beginnen und ist mir in dieser eine treue Begleiterin.
Immer wenn ich frustriert den Kollegen und Kolleginnen, dem Vorgesetzten vielleicht sogar, den Rücken gekehrt habe, wenn der Tag verdorben zu seins scheint, dann reicht ein Blick auf meine Erhellerin der Arbeitsfläche und ich spüre, wie sie bereits in mir strahlt, wie sie das Dunkle vertreibt, das mich erfüllen will.
Was mehr kann eine Lampe sein?
Danke.

Philosophie des Flachmanns

Ich hole Brötchen am Kiosk und einen Stadtanzeiger, der angenehm schlichte Lektüre zum Frühstück ist.
Der Kunde nach mir ordert einen Flachmann, murmelt irgendwas mir nicht Verständliches, die Dame hinter dem Tresen aber weiß Bescheid; der Mann ist nicht neu für sie, der wird seine Bestellung nicht zum ersten Mal aufgegeben haben.
Die Verkäuferin schiebt die kleine Flasche mit der klaren Flüssigkeit, vielleicht Wodka, über den Tisch, der Kunde zahlt.
Ich denke über das Phänomen nach.
Warum kauft ein Mensch an einem Kiosk, der teurer ist als ein Supermarkt, einen Flachmann, der - in der Menegenrelation -  teurer ist - auch im Supermarkt - als eine ganze Flasche?
Es sind wohl immer wieder die Botschaften, um die es dem Konsumenten geht:
1.Ich kaufe eine kleine Flasche, weil die kleiner ist, als eine große.
2.Ich trinke gern, aber in Maßen.
3.Ich frühstücke dafür nicht.
4.Ich habe alles unter Kontrolle, denn ich bin groß, die Flasche aber klein.
5.Ich bin keine Flasche.
6.Ich bin verdammt keine Flasche, auch wenn mein Chef das gesagt hat, meine Frau und meine Eltern. Und Günther auch.
7.Ich trinke nicht.
8.Ich habe alles unter Kontrolle, aber ich kann mir eine große Flasche nicht leisten.
9.Früher haben die Handwerker auch gesoffen. Und das während der Arbeitszeit.
10.Ich bin zu früh abgestillt worden.
11.Dafür rauche ich nicht viel.
12.Wenn ich trinke, dann nur in kleinen Mengen.
13.Wenn ich kleine Mengen Alkohol kaufe, denkt Elfi vom Kiosk, dass ich nur in kleinen Mengen Alkohol kaufe.
14.Ich trinke weniger, weil nicht mehr in der Flasche ist.
15.Morgens zu trinken, ist besser, als abends.
16.Ich frühstücke dafür nicht.
17.Ich bin kein Trinker.

Verstehen wir also die Botschaften! Zusammengefasst lässt sich sagen: Wer morgens einen Flachmann in einem Kiosk kauft, will letztlich in Ruhe gelassen werden. Denn was interessiert uns Brötchenkäufer, wie groß der Flachmann ist, was der Käufer frühstückt, wie es um seine Verwandten bestellt ist und warum er einen oral-rezeptiven Nachholbedarf hat.
Nichts!
Ich jedenfalls frühstücke. Auch wenn die Brötchen teuer geworden sind. Warum kaufe ich kein Brot? Das Brötchen ist der Flachmann des Bäckers.

Günter Oecker - Alles Palette, Chef!

Günter Oecker: Alles Palette, Chef (2013)
Oecker, der meistens mit Nägeln arbeitet, hat hier einmal mehr das Material, in das er künstlerisch hineinnagelt, gewählt: Holz,  in Form von Paletten. Europaletten.
Alles Palette, Chef! persifliert den lässigen Spruch "Alles paletti, Chef!", was so viel bedeutet wie "Alles Palette, Chef, alles Palette, so weit das Auge reicht."

Oecker erhebt hier mahnend seinen Finger, denn die Palette symbolisiert die Basis, auf ihr werden die Waren, die uns am Leben erhalten, herangekarrt.
Wer diese Basis missbraucht oder zerstört, gefährdet das eigene Leben und das der ganzen Weltbevölkerung, oder der von ganz Europa, denn es sind schließlich Europaletten, die Oecker gewählt hat.

Vielleicht kritisiert Oecker aber auch den Verlust der Sprache, den das Wanderphänomen der "Gastarbeiter", die später "Fremdarbeiter" genannt wurden, mitgeliefert hat. Anfangs sind die Menschen ihrer Sprache treu, hier dem Italienischen - "alles paletti,Chef!" was übersetzt bedeutet: "Voller Pailetten, Meister" - später verflacht die Sprache immer mehr, Wörter entstehen, die keiner außer dem Sprechenden versteht und die babylonische Sprachverwirrung läuft auf Hochtouren. Übrig bleibt vom Turmbau nur ein Scheiterhaufen, der traurig zeigt: Wir sind gescheitert. Wir haben es vergeigt.
Kann sein, dass Oecker das aber doch nicht meint.


Gedichte mit Konjunktiv III drin: Georg Krakl - Rosamünde (2013)

David Hämelton - Rosamünder (2013)
Oh, Rosamünde,
oh, dass ich dich fünde!
Entschwünde
nicht!

Es tut sich was: Mutti im Holzfällerlook

Nach einigen Anläufen der CDU zum Gruppenkuscheln mit SPD und Grünen, von dem sich Angela Merkel gerne dezent zurückhielt und an der Perfektionierung der "Raute der Macht" arbeitete, sowie der Erkenntnis, dass auch Horst Seehofer Rote und Grüne gar nicht so schwarz oder weiß findet, will sie einen Imagewechsel. Weg vom Drei - und Vierknopfkostüm und hin zum volkstümlichen Holzfällerhemd, das Gehorsam, Naturverbundenheit und Arbeitswillen symbolisiert.
Zwar hat ihr das ganze Wahlgetue den Nerv geraubt, aber wer an der Macht bleiben will, macht was. Man muss nicht die Cornflakes ändern,sagt sie, es reicht, die Verpackung knuspriger zu machen, damit der Konsument die Scheine locker macht.
Angela "Mutti" Merkel gilt schon lange nicht mehr als "Ihre Knusprigkeit", sodass ein feines Holzfällerhemd, zu dem die Furchen und Runzeln passen, die das Leben geschlagen haben, den geplanten Imagewechsel unterstützen kann.
Die Frisur aber soll weiterhin wetterunabhängig bleiben; egal welches Wetter herrscht, die Frisur sitzt sowieso nicht, da kann auch Udo mit seiner Haar-Walze nichts machen.
Die Politik der CDU bleibt denn doch, was sie war, und das weiß keiner so genau.

Georg Krakl - Sommer. Herbst und Winter (2012)

Pawel Pikass: Bevor du dich vererbst, ist Herbst (2013)
Der Herbst ist da, die Blätter bunt,
wo früher still ein Meiler stunt.
Die Meiler heißen heute Kilometer.
Der Sommer schied.Im Off hört man Gezeter.
Er wollt' nicht gehen.
Die Winde wehen.
Und dann der Winter?
Hinter
Hecken
tut er sich verstecken.

(Aus "Georg Krakl - Gedichte mit 'tun' drin. 2010/2012)

Das nackte Knie in der Kunst - Andy Werwohl: Hackepetra (2013)

Andy Werwohl: Hackepetra (2013)
Leipzig hat es vorgemacht. Die Wörter müssen geändert werden; die Busfahrerin und die Oberamtsrätin können auch Männer sein; die werden sich wohl an die Endsilbe gewöhnen müssen, auch wenn das Mehrarbeit bedeutet, wenn man seinen Beruf aufschreiben muss.
Fotokünstler Andy Werwohl wehrt sich dagegen, als Fotografin bezeichnet zu werden, da er sexuelle Diffamierung fürchtet - für einen Künstler zwar eher untypisch, denn als Sexuelle ist bekannterweise verkaufsfördernd und bringt den größten Quatsch über den Ladentisch - , aber er kann und will nicht als Frau geoutet werden und beharrt auf seiner maskulinen Disposition.
Protestiert im Kleinen, damit es groß werden kann!, schreit er seit ein paar Tagen in die Welt, und meint damit, man solle sich nicht die großen Dinge vornehmen, sondern den Kehricht vor der eigenen Haustür.
Lange schon hatte ihn der Begriff Hackepeter gestört, der verniedlichend ein feingeraspeltes Schwein meint, das man bequem in die Pfanne drücken und braten kann, um daraus Frikadellen oder eine Melange à la Bolonaise zu erzeugen, die dann auch ohne Zähne konsumiert werden kann.
Gleichberechtigung auch im Wortschatz!, schreit er weiter.
Warum werden die hässlichen und unappetitlichen Dinge des Lebens immer im Maskulinum gebildet? Der Hackepeter!
Mit seinem Foto Hackepetra will er ein Zeichen setzen, ein Zeichen für die Männer, die es jahrtausendelang aushalten mussten, das Männliche für das Widerliche herzugeben, damit es sich in einem Wort manifestieren konnte.
Schluss damit, ist seine Parole, 2000 Jahre waren die Männer dran, jetzt sind die Frauen mal an der Reihe.
Der künstlerisch Interessierte wird sich freuen auf das, was demnächst noch kommen wird.

Alma säht: endlich Bikinifrisur

www.gemuesegrafik.blogspot.de

Klein-Künstler auf dem Weg: Textmarker sind etwas für Eierköpfe - von JapO (2013)

JapO - Textmarker sind für Eierköpfe (2013)
Dass ganz junge Künstler, wie hier die knapp zweijährige JapO, oft mehr kritische Distanz zur Welt haben, als der gemeine Erwachsene, zeigen künstlerische Ergebnisse
Locker hingeworfene Striche und drei kräftig geführte Textmarker zeigen dem Betrachter die eindeutige Botschaft:
Textmarker sind etwa für Eierköpfe.
Früher reichte es, das Wichtige zu unterstreichen. Manchmal war alles wichtig, dann wurde auch alles unterstrichen. Heute genügt das nicht mehr: Fette farbige Streifen braucht der reizüberflutete Mensch, um überhaupt noch ein Minimum an Struktur in einem Text festzulegen oder zu erkennen. Wünschenswert wäre ihm, wenn die zu markierenden wichtigen Wörter bereits fettgedruckt wären, vorgekaut eben, so wie das Essen, das er in Fast-Foof-Ketten konsumiert auch Vorverdautem ähnelt. Alles muss bunt sein, alles muss einfach sein. Lesen ist nicht mehr drin, aber verstehen wollen alle alles. Ohne Eigenleistung, versteht sich.
Wunderbar, welche sensible und filigrane Kritik ein Geniestreich mit dem Bleistift an der Ellbogengesellschaft übt, die sich selber auffrisst.

Tonnes Tagebuch: Was ist los im Gastro-Gewerbe? (Haarwasser)

Liebes Tagebuch!
Ich hatte um einen Espresso mit einem Glas Wasser gebeten.
Es hatte gedauert, bis die Bestellung in Handlung umgesetzt wurde. Paderborn. Quell der Pader. Quell des Lebens. Katholisch eben.
Irgendwann kam die Bedienung, oder nennen wir sie Service-Kraft, und lancierte ihr Tablette an unseren Tisch. Wir saßen dort mit sieben Personen herum. Um einen Tisch.
Der Zopf der Servicekraft war in mein Wasser getunkt.
Ich hatte das nicht bemerkt.
Ich hörte ein Plätschern neben mir. Ein Fleck auf dem Pflaster. Wir saßen draußen.
Die Servicekraft habe ihren Zopf ausgedrückt, teilten mir die Mitsitzenden mit.
Gelächter.
Gelächter. Ich hatte schon einen Schluck vom kontaminierten Wasser genommen.
Hast du das  nicht gesehen?, fragte der Rest der Gruppe.
Nein, hatte ich nicht.
Der Zopf war in deinen Beistellwasser zum Espresso getunkt.
Die Servicekraft hatte den Zopf ausgedrückt, vielleicht auch ausgewrungen.
Neben mir war dieses Plätschern gewesen. Ein ausgedrückter Zopf. Espresso eben.
Die Servicekraft war schon verschwunden.
Haarwasser.
Kann man das trinken?
Ich war irritiert.
Soll man sich wegen servicekraftbedingter Mängel beschweren?
Was würde der Chef sagen?
Vielleicht würde die Servicekraft entlassen werden, nur weil ich ihr Haarwasser nicht trinken mochte.
Ein Mitglied der Gruppe opferte sich.
Es hatte ein Glas Wasser aus der Leitung extra bestellt, das nicht gekommen war.
Es schluckte die Tabletten, die es  schlucken musste.
Ich war erleichtert. Sein Wasser war nicht gekommen, das Haarwasser war weggespült.
Legionellen drohten doch wohl nicht, dachte ich.
Paderborn. Was war los im Katholikenland? Einem Protestanten wäre das nicht passiert, der hätte protestiert.
Aber: Ich  bin doch Protestant!

Neues Angebot der Post

Die POST hat ein neues Angebot im Programm, um den Konkurrenten in der Zustellung von Briefen davonzueilen und sinkenden Umsatzzahlen entgegenzuwirken:
Briefbomben können jetzt mit gesonderter Post zugestellt werden und kosten trotzdem nicht mehr als der herkömmliche Brief zu 58 Cent.
Der Brief kann - optional und gegen einen Zuschlag von 15 Cent - mit einem Aufkleber "TNT" versehen werden, damit der Zusteller  den Brief mit Vorsicht behandelt und so eine vorzeitige, unbeabsichtigte Detonation vermeidet.
Wer sicher sein will, dass der oder die Richtige den Brief "erhält", schickt den explosiven Text als Einschreiben, das persönlich gegengezeichnet werden muss.
Wer an Briefbomben nicht interessiert ist, sollte sich auch nicht in der Nähe der roten Fahrräder aufhalten; alle Fahrzeuge sind mit dem Aufkleber "TNT" versehen und werden von Mitarbeitern mit einer Zusatzausbildung gelenkt.
Der Verfassungschutz und der Bundesnachrichtendienst haben sich allerdings an die auffallenden Drahtesel gehängt, um Terroristen und Verfassungsgegner aufzuspüren. Wer sich dieser Schnüffelei entziehen will, sollte weiter konventionell verschicken.
Auf jeden Fall: Liebe Post, das Angebot ist der Kracher!

Schlagertexte ohne Melodie: Georg Krakl - Sex (ist das nicht)

Männer denken an das Eine
denken immer an das Eine
Sex
Sex
Sex
ist es nicht

nur ein Fußball
und die klitzekleine Märklineisenbahn
nach der sich einst ihr Hals verrenkt
und die die Eltern nie geschenkt
und an den Ball, der billig war,
der willig war,
und auch zu haben war


die Frauen denken an das Eine
denken immer an das Eine
Sex
Sex
Sex
ist das nicht

sind die schön enthaarten Beine
die sie zeigen allen Männerblicken

alle Männer wollen nur das Eine:
Kicken, kicken, kicken, kicken.

Schön ist das nicht.


Günter Krass: Kuss

So hatte er sich den Kuss nicht vorgestellt.
Als würden sich zwei Regenwürmer übereinander stülpen und nicht mehr von einander loslassen.
Und überhaupt: So feucht.
War das jetzt Wilma, die an seinen Lippen hing und ständig versuchte mit ihrer mausartigen Zungen, oder was es auch immer war, seine Frontzähne zu kontrollieren? Ja, das musste Wilma sein. Wer sonst war denn in seiner Nähe gewesen, als er eigentlich lieber allein sein wollte?
Aber: Was gingen Wilma seine Frontzähne an?
Natürlich, sie kannten  sich schon mehrere Jahre. Aber geküsst hatten sie sich noch nie. Und überhaupt zweitens, was fiel Wilma eigentlich ein, einfach ihre Lippen über seine zu stülpen und mit diesem sinnlosen Zungengefummel an seiner Frontzahnkrone zu beginnen?
Aus Verlegenheit und um nichts falsch zu machen, fasste er an Wilmas rechte Brustwarze. Und überhaupt drittens: Warum war Wilma unbekleidet?
Immerhin war das hier keine Sauna.
Tommo war ratlos.
Immer und immer wieder hatten ihm die Kumpels an der Theke erzählt, dass Küssen schön und  der Anfang einer noch größeren Sache sei.
Tommo würde jetzt gern eine Salzstange essen, aber Wilma verstopfte mit ihren Lippen den Weg in seinen Mund.
Es war einfach schrecklich.
Und überhaupt viertens: Wer hatte denn die Frauen erfunden?
Warum konnte ein Mann nicht einfach mal in Ruhe eine Salzstange essen?

Kunst oder Könst?

Andi Goldwerti: Schlitz im Freien (2013)
Kunst kommt von Können, lamentierte der Kunstlehrer damals und fühlte sich selber natürlich als Könnenlehrer.
Wenn man es könnte, aber nicht kann, dann ist das wohl eher Könst.
Das Wort Könst drückt aus, was es ist.
Keine Kunst nicht, aber auch keine Kunst. Verwirrend.
Könst ist die Möglichkeitsform des Objektes. Es hätte sein können, tut es aber nicht.
So bleibt es im Trivialen, verharrt dort unter anderen Sachen, die weg können.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Zufällig liegt ein dünner Ast neben einem Blatt an ein paar Mooswucherung auf einem schieferfarbenen Stein. Zufall, sagt der Normalbürger und geht weiter seines langweiligen Weges.
Kunst!, schreit der Künstler im Inneren und denkt natürlich auch an den leeren Geldbeutel, der sich schnell und ohne großen Aufwand füllen ließe, wenn man willige Idioten fände (Möglichkeitsform!), die das Objekt für einen künstlerischen Erguss hielten.
Kunst muss nicht schön sein; dafür hat man ja den Begriff geprägt, dass auch Hässliches wahrgenommen wird. Entscheidend ist, dass ein Teil der Bevölkerung - der, der das Sagen hat - sagt, es sei Kunst und man könne das kaufen und in ein paar Jahren sei das richtig was wert. Könnte man meinen.
Das Blatt des beschriebenen Kunstwerkes ist bis dahin zerbröckelt, das Moos hat alles überwuchert und der Stein war schlicht eine PVC-Platte, die sich jetzt merkwürdig verbiegt.
Wahre Könst ist ehrlich. Die eigentliche Kunst degeneriert mehr und mehr zum Trugbild und zur Geschäftemacherei.

Lachen hilft (auch nicht immer)

Wir wissen genau, dass es nur Gekritzel ist, dass das, was wir sehen, kein Kopf, kein Gesicht, nicht einmal eine Fratze ist, sondern lediglich ein  paar dahingekleckerte Striche, die entfernt an ein fröhlich greinenden Rundschädel erinnern, und doch lassen wir uns von dieser Strichelei verleiten, zurückzugrinsen.
Der Erfinder der Smilies, der heute als Milliadär auf seiner Yacht in der Karibiksonne schaukelt und einen Martini als Sunriser in der Hand schwenkt, hat gute Vorarbeit geleistet:
Wir sind konditioniert.
Wenn der Chef lacht, lachen wir. Wenn der Chef mal wieder explodiert,lachen wir trotzdem, weil wir dem Chef nicht zeigen wollen, dass wir ihn für niveaulos und unprofessionell halten.
Eigentlich könnten wir ein Dauergrinsen auf dem Gesicht etablieren, womit man gleichzeitig Altersrunzeln unter der Kategorie Lachfalten verstecken könnte. Wir wären mit einem Permagreinen in einer sicheren Gefühlslage gebettet und den Alltagsschwankungen nicht mehr unterworfen, bzw. müssten diese nicht auf der Gesichtsoberfläche anzeigen.
Wenn man ohne Grund lacht, stellt sich ein frohes Gefühl ein! Diesen Blödsinn zu beweisen ist jeder aufgerufen, der Sprüche von selbsternannten  Gurus gern in die Tonne treten würde.
Was letztendlich die Quintessenz dieses Textes ist, muss jeder selbst herausfinden. So kann ein Autor einfach drauflosschreiben und muss sich einen Dreck um den Inhalt kümmern. Das BILD-Niveau ist ja wohl immer drin, und wer als Leser suchet, wird auch was finden. Die Autoren sollten den Lesern endlich auch etwas zutrauen.
Es gibt viel zu tun, lachen wir es aus!

Günter Krass: Igel, Igel! Wo ist dein Riegel?

Bildunterschrift hinzufügen
Ich hatte nicht gewusst, dass ein Igel in meinen zerplatzten Fliesen - Frost, du Drecksau! - saß, aber er war da und sah demütig nach unten, niemals hätte er gewagt, mir in die Augen zu blicken, er hüstelte und und dann, eine Art Schnarchen drang aus seinem Maul, ein Röcheln fast, so, als wolle er sich entschuldigen, dass es ihm doch schlecht gehe, obwohl er von mir entdeckt worden war.
Der Igel könnte ein schönes Wappentier abgeben; allerdings weiß ich nicht genau für wen. Wer ist denn heute noch friedfertig, bescheiden und demütig?
Der Postbote klingelt an jeder Tür, der Finanzbeamte hasst Lehrer, der Lehrer hasst Finanzbeamte und die Politiker hassen das Volk, weil es sie nicht ausreichend gewählt hat.
Merkel hasst 3-4-Knopf-Kostüme und Seehofer hasst Merkel.Im Grunde hasst jeder etwas oder Edward oder jemanden, was ihn ausschließt aus einer Bruderschaft der Igel.

Georg Krakl hat dazu ein Gedicht erfunden, das in seiner Schlichtheit einzigartig und doch treffend ist:


Igel,
setz dem einen Riegel
vor.
Sei kein Tor!
Tu und mache!
Hilfsverben, die  geh'n zur Sache!

Treffender kann man  die zwischenmenschliche Sache doch nicht ausdrücken. Höchstens eine Tube Senf.

Gedichte mit Tieren drin: Georg Krakl - Auerhahn

Der Auahahn,
der hat sich wehgetan.
Drum heißt er Auahahn.

Die nur so tun,
die nennt man Auahuhn.

Schlager ohne Melodien: Zaubersack (G.Krakl)


Zaubersack,

was da wohl drin sein mag?

Oh, Zaubersack,



Kaninchen mit Chromnickelbrille?

Zwerg mit einer Zwille?



Nein, ich glaube,

Eine Taube,

der man ihre Flügel hat gestutzt.

Sie schaut arg verdutzt,

dass sie nicht fliegen kann.



Das war wohl der Zaubersackmann!

Er hat ihr die Federn abrasiert.

Und ihr Flugvermögen einfach wegradiert.



Zaubersack!

Ja, die Frauen,

Ja, sie schauen

Und sie  staunen

Und sie raunen.

Und sie tuscheln.

Und sie nuscheln.

Wollen kuscheln

Mit dem Zaubersack.





Hört ihr Flehen,

ist um sie geschehen.



Der Zaubersackmann lacht,

er hat den Sack dereinst gemacht.




Endlich: Besenkammer reloaded

Wie alt muss man werden, dass man eine zweite Biographie schreiben lässt?
Die Frage bleibt offen, denn das genaue Alter von Boris "Bobbele" Becker lässt sich nur schätzen; alt genug sieht er schon aus.
Was kann denn eine zweite Biographie mehr bringen als die erste? Eine Korrektur, oder gibt es vielleicht ein paar pikante Details, die die erste verschwiegen hat?
Untertitel des literarischen Ergusses/Aufgusses ist: Wie ich ein Arschloch wurde, aber Babs auch ein bisschen.
Fragen wie: Welche Putzmittel waren in der Besenkammer? Wo ist der Industriestaubsauger in der Beiwohnzeit geblieben? Warum regt sich Babs über hartgekochte Eier auf?, werden im Buch möglicherweise beantwortet.
Das alles jetzt für die, die das interessiert, und das dürften nicht viele sein.

Gedichte können Menschen helfen, müssen aber nicht

Eines Tages traf ich eine Frau an einem windigen Ort, die hatte eine Plastiktüte vor dem Gesicht und sonst nichts, womit sie sich bedecken konnte.
Ich glaubte nicht, dass es sich um eine spezielle Art religiöser Verhüllung handelte, vielmehr war es ja eine Enthüllung.
Warum die Dame da so allein im Winde stand, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, und doch tat sie mir leid und ich dachte so für mich: Vielleicht hat sie Angst vor Ohrenkneifern und versucht, empfindliche Körperteile, wie das Gesicht, zu schützen.
Um sie zu trösten und ihr die Angst zu nehmen oder ein wenig zu lindern, beschloss ich, ihr mein Lieblings-Ohrenkneifer-Gedicht, das von Georg Krakl stammt, vorzulesen:

Ein Ohrenkneifer - trotz der vielen Flausen, Flusen, Faxen,
die dieser macht, war mir ans Herz gewachsen.
Er hatte mich ins Ohr gekniffen
und ich sofort begriffen:
Die Freundschaft zwischen Mensch und Tier,
die dauert ewig und halb vier.

Ich ziehe Ohrenkneifer Füchsen vor,
den Rehen, Hirschen und den Dachsen.

Auch wenn ich das mit dem "ewig und halb vier" nicht verstanden hatte, so hoffte ich doch inständig, der Frau geholfen zu haben.
Die aber stand und starrte weiter in den Wind, mit einer Plastiktüte vor dem Gesicht und sonst nichts.

Pawel Pikass: Wähle das Richtige (2013) (Jungle Ficiton)

Pawel Pikass: Wähle das Richtige (2013)
Rechts oder links?, fragte Tarzan seine Lieblingsliane Jane.
Seine Lieblingsjane Liane, hahaha, dachte Tarzan, Liane ist auch ein Name, was aber ist eine Jane?
Sheeta quiekte: Das sind doch diese Tanten, die immer Platten auflegen, zu denen sich Menschen mit halbverdauten Extasy-Pillen bewegen.
Sag nicht immer Tanten zu Frauen!, mahnte Tarzan. Und Platten gibt es gar nicht mehr, schob er hinterher.
Du weißt immer alles besser, quiekte Sheeta, die gibt es wohl. Kalte Platten. Betonplatten und wenn man keine Luft mehr im Reifen hat.
Wie soll man die denn auflegen?, fragte Tarzan und versuchte, sich an Jane festzuklammern, die war aber knapp außer Reichweite.
Man munkelt, Jane könne sprechen, sagte Sheeta, und Tarzan runzelte die Stirn, weil er noch immer nicht an Jane herangekommen war.
Ich glaube nicht, sie gibt zwar Laute von sich, aber ich kann die nicht verstehen, antwortete Tarzan.
Jaja, wenn du mal wieder zu fest zugedrückt hast, aber du hast ja diesen debilen Wolfskind-Bonus, ungebildet - aber gutmütig, da kann man schon mal verstehen, wenn dem die Hand ausrutscht, der kennt ja nicht mal das Wort für Hand, geschweige denn für ausgerutscht undsoweiterundsofortblabla.
Links!, sagte Sheeta abschließend.
Tarzan hatte die Ausgangsfrage längst vergessen und ignorierte Sheetas Tipp.
Wie wär's mit ner Scheibe Affenbrot? Ich habe echt Hunger, beendete Tarzan das Thema.
Schon wieder Fastfood, quiekte Sheeta, ich kann's nicht mehr sehen.
Den Rest des Tages blieben beide in der Mitte.
Fazit: Stell keine Fragen, wenn du überhaupt keine Antworten willst!

Dazu hören: John Scofield - Jungle Fiction

Deutschland hat eine Wahl

Deutschland hat keine Wahl.