Franz Gaffka: Der Abzess

Als Gregor Samsagabend eines Morgens nach unruhigen Träumen in seinem Bett aufwachte, fand er sich in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt. Er vermutete, er sei eine Schmeißfliege, saß an der Zimmerdecke und schaute auf sich herab, bzw. auf das, was er vorher gewesen war. Sein menschlicher Körper lag in embryonaler Verkrümmung unter der feuchten Bettdecke. Augen und Lippen zuckten, so als träumte der verlassene Körper einen schlechten Traum.
Gregor an der Zimmerdecke erinnerte sich an die letzen Worte seines Vorgesetzten: Sie sind eine Schmeißfliege am Furunkel vom Arsch der Welt.
Gregors Facettenaugen ruckten unruhig hin und her, als ob sie etwas Feindliches entdecken wollten; das Feindliche saß jedoch in seinem Kopf.
Gregor war völlig entfallen, warum der Vorgesetzte diese lange Beleidigung ausgestoßen hatte.
Im Moment des Ausbruchs hatte er darüber nachgedacht, ob es nicht heißen müsse, am Furunkel des Arsches der Welt, doppelter Genitiv, kompliziert und stilistisch eher fragwürdig.
Der Gebrauch des Dativs - schon wieder Genitiv, dachte Gregor - deutete eher auf einen restringierten Sprachcode hin, eher auf  untere Mittelschicht mit rücksichtsloser Karrierementalität.
Als Gregor hatte fragen wollen, ob es nicht am Furunkel des Arsches der Welt, also, ob nicht der Furunkel im Genitiv stehen müsse, hatte er sich bereits vor der Tür wiedergefunden und überlegt, ob der Arsch der Welt mittels des Omphagus, des Nabels der Welt, zu ermitteln sei.
Der Nabel der Welt lag in Griechenland, in Delphi, im Apollotempel.
Die Frage war, ob von da aus nach Norden oder Süden, vielleicht aber auch nach Osten oder Westen, möglicherweise auch zwischen diesen zu suchen sei, denn fest stand, dass die Welt sich drehte.
Muss der Furunkel nicht Abzess heißen?, dachte Gregor und rollte mit den Facettenaugen.
Alles wirkte so langsam, so bedächtig, so traurig.
Der Körper im Bett hatte sich erhoben und zur Fliegenklatsche gegriffen.
Brühendheiß fiel Gregor an der Zimmerdecke ein, was die Metapher "Etwas an der Klatsche haben" wirklich bedeutete.  Eine Nano-Sekunde zu spät allerdings.

Georg Krakl: Neues Organ im Auge entdeckt (2013)

Vassily Kannikski: Das Auge hört mit (2013)
Neues Organ im älterem Auge entdeckt,
gleich die Iris gestreckt
mit dem Finger dann angebohrt, und wohl auch reingesteckt.

Auge hat furchtsam gezuckt,
Neu-Organ plötzlich verruckt.
Verschwunden und nicht mehr zu finden, durch Forschung verschreckt.

Hier nachlesen

Sigmund Freund: Der Tambourmajor aus psychoanlytischer Sicht

Die Schützenfeste toben und mit diesen auch die laut-trommelnden Spielmannzüge, denen die Tambourmajore mit ihren prächtigen Holzstecken vorangehen.
Stolz schwingen sie den manchmal gedrehten Stabe, der mit Troddeln verziert ist und ihr zufriedenes Lächeln zeugt von einigen Bieren, die sich die Stabschwinger einverleibt haben.
Den linken Arm stemmt der Taktgeber, der froh ist, auch einmal den Ton anzugeben, in die Hüfte und manchmal winkelt er beim Marschieren das vorgestreckte Bein aus, das einem Entgegenkommenden ein grausiges Ziehen im Unterleib beschert.
Was aussieht wie pures Freizeitvergnügen, hat aber einen tiefen psychischen Urgrund.
Ödipus und seine Komplexe sind hier offenbar und zeugen von der inneren Verwirrtheit des Stabträgers, die auch das nächste Pils nicht kaschieren kann.
Aus dem fröhlichen Lächeln wird schnell ein hilflos-verzweifeltes Grinsen, dem manchmal ein Grimassieren mit Tränenausfluss folgt.
Der Tambourmajor ist nämlich auf dem Weg zu seinem Vater, um am Ende des Festes die eigene Mutter zu heiraten und in einigen Jahren blind mit der inzestuös gezeugten Tochter über die Dörfer zu ziehen und die Menschen zu missionieren: Lasst ab vom Schützenfest!
Der Tambourstab ist nichts anderes als ein Phallus, mit dem - Ironie des Schicksals - der eigene Erzeuger, quasi im Umkehrakt, beseitigt wird. Der angewinkelt Arm betont den Unterleib und demonstriert Geschlechtsreife. Handschuhe zeigen vermehrungswilligen Damen, dass nicht jede dran kommen darf (Mutter!) und das beim Marschieren extrem angewinkelt Knie droht potentiellen Mitbewerber: Aus dem Weg! Sonst gibt's was untenrein! Hände weg von Mutter!
Wer Schützenfeste langweilig findet und vermeidet, verpasst einen schönen Teil psychoanalytischer Feldarbeit. Ein Pils passt bei der teilnehmenden Beobachtung immer noch zwischen Leber und Milz.
Deshalb: Pschoanalyse ist gar nicht so trocken. Meistens geht es um Sex und Getränke.

Gänseblümchen, die auf Gärtner starren

Jahrtausendelang galt das Gänseblümchen als friedlich, harmlos und ein bisschen naiv.
Gerne bezeichnete man Frauen, die wenig beeindruckten, so, und sie kamen kurz vor dem Mauerblümchen, das keiner wollte.
Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass Gänseblümchen wohl doch ein hohes Aggressionspotential haben, wenn es zum Beispiel um Erzfeinde wie den Löwenzahn geht.
Vereinzelt sieht man im Juli diesen noch blühen, eigentlich viel zu spät, denn die Kollegen haben sich längst vom Wind die kleinen, niedlichen Fallschirme wegblasen lassen. Das ist die Stunde der militanten Gänseblümchen. Nicht als Einzelkämpfer treten sie auf, sondern rotten sich massenweise zusammen, um den gelben Gesellen in die Flucht zu schlagen. Zwar sei keine wirkliche Schlachtformationen oder eine Strategie erkennbar, wohl aber wirkt die Drohgebärde, denn der friedliebende Gartenfreund kommt mit scharfem Werkzeug und hebelt  die Aggressionsvorlage aus dem Grün und lässt sie auf dem Kompost verwelken.
Was dieser als eigenes Werk verbucht, kann aber auch die mentale Einwirkung eines Gänseblümchenheeres auf den Gärtner als Ursache haben.
Demnächst soll ein Doklumentarfilm in Kinolänge gedreht werden: "Gänseblümchen, die auf Gärtner starren", so der irgendwie bekannt vorkommende Titel.
Im floralen Bereich gibt es noch einiges zu forschen.

Neue Medien - Neue Krankheiten

Handyhalsnackensyndrom
Die Krankenkassen schlagen Alarm, die Orthopäden lächeln: Handyhalsnackensyndrom muss behandelt werden!
Die Krankenkassen fürchten Unsummen auf sich zukommen, die durch die Behandlung der Krankheit entstehen.
Der fortwährende Handygebrauch, bei dem der Kopf nach unten gesenkt wird und der Nacken wie bei einer mittelalterlichen Schwertenthauptung bloßgelegt wird, führt zu Schmerzen, wenn der Hals wieder in eine aufrechte Position begracht werden soll.
Die Kaste der Orthopäden frohlockt ob neuer Einkünfte, die Krankenkassen denken an Beitragserhöhungen, denn verbieten kann man die schädlichen Objekte wohl kaum. Sekundärschäden, die dem Arzt vorgestellt werden, sind auch Fehlsichtigkeiten. Handynutzer können nur noch im Bereich von 15cm scharf sehen; das Auge passt sich schon nicht mehr schnell genug an andere Abstände an, sodass nicht nur die Sehfähigkeit stark eingeschränkt ist, sondern auch Verletzungen durch Hindernisse zu nennen sind. Die Kranken haben sie schlichtweg nicht gesehen, entweder, weil die Augens das nicht schaffen, oder weil sie nicht hochgesachaut haben.
Menschen, die ohne Handys unterwegs sind, sollten die Augen aufhalten und solchen Personen lieber ausweichen.
Die Deutsche Handyindustrie strebt jetzt eine App an, die der Einparkhilfe ähnelt. Wenn ein Hindernis droht, wird dies sofort an Facebook oder Twitter gemeldet und der User erhält schnellstens einen Hinweis stehen zu bleiben.
Die großen Kirchen finden die Entwicklung positiv, da die Menschen durch gesenkte Häuper doch wieder den Eindruck machen, zu neuer Demut gefunden zu haben.

Kinder

Alete finden Kinder total Hipp.

Neues aus der Wörterschmiede: Multifunktionale Zeichen

Sprachtüflter Karl "Kalli" Graf Vieh fährt neuerdings mit neuen Vorschlägen zur Erweiterung des Wortschatzes und der damit verknüpften Buchstaben- und Zeichenwelt auf.
Kritiker halten sein Gekritzele eher für Zufallsprodukte oder eine Art, sich in den MIttelpunkt der Sprachwelt zu rücken und deren Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Die Sprachwelt schweigt, weil sie wohl besseres zu tun hat.
Trotzdem sollte man einen Gedanken an Viehs Objekte verschwenden, denn möglicherweise sind doch verborgene Botschaften enthalte und ein neues Zeichen kann natürlich da erheblich für Zeitersparnis sorgen.
Auf den ersten Blick erkennt der Betrachter einen aufgeregten Frauen- oder Hundekopf mit Hang zum Basedow. Analysiert man die Skizze auf vorhandene, bereits bekannte Buchstaben so zeigen sich ein W, ein U, ein L, noch ein W, zwei Os, ein drittes großes O, ein J und ein X.
Daraus kann man Wörter oder verwandte Gebilde zusammenstellen: Xolo, Wuwo, Julo, Jolu, JoolO, Uxoo, Woul, Lox, Xul, Lou.
Der fortgeschrittene Sprachwissenschaftler müsste jetzt erkennen, was die Wörter bedeuten, bzw. bedeuten sollen, wenn sie ganz neu sind.
Lou könnte ein Kürzel sein, ähnlich wie Lol: Laughing out undependent oder ugly oder urgent oder urban.
Stadtlachen statt Lachen. Laughing out urban.
Muss es nicht urbanly heißen? Aber, was sollte das denn heißen?
Eion Szück weit könnte man drüber lachen, wenn alles nicht so ernst wäre...


Tonnes Tagebuch: Flashmob

Vassily Kannikski: Wishmob (2013)
Liebes Tagebuch!
Das Wort Flashmob erinnert mich immer an Wischmopp, an dieses feuchtnasse, leblose, pudelfellartige Objekt, mit dem bei uns nie gewischt wurde, denn wir hatten Aufnehmer.
Wischmopp gab es nur im Fernsehen, das gerade angeschafft worden war. Wischmopp war teuer. Geld war knapp.
Aufnehmer waren billig und man konnte sie auswringen; sie hielten ein halbes Leben. Wenn sie ihre Dienste in der Küche erfüllt hatten, vielleicht nach 5 Jahren, dann ging es im Keller weiter, bis der Stoff zerfiel. Im Keller kam es ja nicht so drauf an.
Beim Flashmob treffen sich Menschen, die sich vorher per SMS oder ähnlich verabredet haben. Sie hauen sich Federkissen um die Ohren oder drücken gemeinsam je eine Tube Senf vor dem Rathaus aus. Warum, wissen sie nicht. Hauptsache es sind ein paar Leute da und alle haben Spaß.
Vielleicht ist es der hilflose Versuch, die Welt zu retten, so wie es in einem Neo-Schlager besungen wird. Besser was tun als nichts tun.
Hauptsache, was tun. Egal was.
Gemeinsam Däumchen drehen gab es früher schon und wurde vor der Erfindung des Fernsehens um den Sonnenuntergang herum auf der Holzbank, die vor der Mistkuhle stand, gemeinsam durchgeführt. Es half gegen Langeweile und unterstützte das wortfeindliche Gespräch. Es machte müde und beruhigte die Seele.
Heute kann der mensch nicht einschlafen, weil er ein Federkissen an den Kopf bekommen hat, das voller Hausstaubmilben war. Dagegen ist der Mensch allergisch.
Jetzt liegt er nervös im Bett und ringt nach Atem.
Mit dem Wischmopp vor dem Rathaus den Marktplatz wischen, mal so richtig saubermachen! Das wär was! Das hätte so was Reinigendes.
Aber da werden dann wieder Stimmen laut: Die sind doch nicht ganz sauber!
Wer diese Metapher versteht, weiß auch, wie kompliziert die Welt ist.

Weisheit des Alltags: Scheint so

Pawel Pikass: Scheint Hackfleisch zu sein (2013)
Manchmal scheint etwas.
Die Sonne. Die Lampe. Der Mond.

Manchmal isst etwas nicht so, wie es scheint.
Der Feinschmecker, der Vielfraß, der Löwe, die Kuh.

Die Welt ist scheinbar kompliziert.
Scheint so.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Den Armen nehmen, den Reichen geben


Pawel Pikass: Nadelöhr für Reiche (2013)
Nehmet den Armen und gebet den Reichen, denn sie passen durch kein Nadelöhr.
Wahre Nächstenliebe offenbart sich nicht daran, dass ein Schwerreicher ein bisschen seines schweren Reichtums an die Armen und Bedürftigen weitergibt, damit er vielleicht im Himmel einen guten Eindruck macht und einen Platz auf dem Sonnendeck oder an anderer exklusiver Stelle erhält, sondern wenn der, der wenig hat, auch noch das Vorletzte gibt, dem der es immer noch brauchen kann: Dem Reichen, dessen Gier noch nicht erschöpft ist.
Dem Armen, der nicht freiwillig geben will, muss geholfen werden, damit er sich ent-materialisiert und sein Seelenheil erlangen kann, damit er leicht wird und Spiritualität erlangt.
Dabei kommt die Schar der Helfer zum Tragen, die sich in Behörden und Ämtern findet, und deren Lehensherren in der Regierung sitzen, die in ständiger Sorge um das Wohlergehen ihrer Schützlinge von schlechtem Schlaf gequält werden.
So zu handeln schafft Hoffnungen.
Wir können hoffen, dass die Armen nicht am Ende sind, wenn es immer noch was zu holen gibt.
Wir können hoffen, dass die Reichen immer noch nicht satt sind, dass immer noch der Wunsch zu raffen da ist.
Diese Hoffnung stabilisiert das Land, in dem wir leben.
Das Wegnehmenkönnen ist Indikator für einen Restwohlstand, der signalisiert: Die neue Tüte Chips verhindert den Aufstand.
Das Gebenkönnen signalisiert: Die Reichen sind zufrieden, weil sie immer reicher werden können. Ihre ungestillte Gier evoziert nicht kriminelle Beschaffung; von krimineller Zwischenlagerung in Schweiz, Luxemburg und anderen Steueroasen sehen wir ab.
Wir können hoffen, dass es immer weiter geht, dass wir alle noch längst nicht am Ende sind. Auch für die Armen gilt: Geben ist seliger als nehmen.
Die Reichen passen durch kein Nadelöhr. Das macht uns alle ruhig, wenn wir  in der zwölften Inkarnation wieder mal nicht zu den Reichen gehören. Vielleicht im nächsten Leben, können wir hoffen.





Über Brücken gehen


Der Betrachter hält es oft für sinnlos, für pathologisch sogar. Der Esoterische geht über Brücken, geht hin und her, tagelang und wird  als psychisch gestört eingestuft, als Zwängler, der sich von seinen Verhaltensweisen nicht lösen kann, der die immer gleiche Bewegung ausführen muss, damit er zur Ruhe kommt, damit er seinem Nervenarzt etwas erzählen kann, damit er ein bisschen Plaudermaterial für die nächste Sitzung hat. Damit die sich nicht immer so hinzieht. Wer was zu erzählen hat, langweilt sich nicht.
64 Schiffe, 312 Enten, 18 Nilgänse, 603 Fußgänger und 134 Radfahrer. Da ist doch etwas.
Bis man die alle aufgezählt hat, ist die Stunde rum. Und jede Menge Wasser. Manchmal ist der Esoterische ja wirklich der Neurotische. Oder beides. Oder umgekehrt.

Der Esoterische will sich in Verbindung bringen, mit der anderen Seite eben. Wenn er die Brücke überquert hat, dann geht es wieder zurück, denn die Seiten sind im ständigen Wandel. Was eben noch diese Seite war, ist bald schon die andere, zu der man in Verbindung treten will.
Das große Wasser überqueren, das ist ein Hinweis aus dem I Ging, eine Metapher, die bedeutet: über den Fluss gehen, wenn eine Brücke da ist.
Das kann tagelang so gehen und mancher hält den Esoterischen für den Neurotischen, denn beide unterscheiden sich nur durch ihr Ziel: Hier der  große Wunsch der Vereinigung der gegensätzlichen Seiten, dort die Plaudertasche, die Material sucht, um den Arzt zu beeindrucken.
Mutige Bürger gebieten den Wanderern von Seite zu Seite Einhalt, denn ohne ein Machtwort - macht, das ihr wegkommt!, etwa - würden jene Menschen Hungers sterben, oder verdursten und das, obwohl das große Wasser so nah ist.
Über sieben Brücken musst du gehen, singt ein kleingebliebener Schlagerstar, der gerne Rockmusiker wär. Und das ist die Pilgerfahrt für den Seitenverbinder. Sieben Brücken! Die mythische Zahl verspricht Erfolg in der Schlagerbranche, wenn man zur rechten Zeit mit einem schmissigen Titel an das richtige Publikum herantritt und einen versierten Manager hat, der einem ein angemessenes Outfit verpasst.
Eine Brücke macht noch keinen Millionär, weiß der Zahnarzt zu vermelden. Und dem kann man uneingeschränkt zustimmen.


Die Zeit läuft dahin


Wie war das Leben früher einfach: Wir folgten einfach dem Sekundenzeiger, oder wenn wir es nicht ganz so eilig hatten, dem Minutenzeiger; der Behäbige, der schwer in sich ruhte, warf hin und wieder einen Blick auf den Stundenzeiger, um sich zu vergewissern, dass das Leben sehr langsam voranschritt und es noch viele Stunden des Müßigganges geben werde.
Heute ist alles anders. Im Zeitalter der digitalen Medien und der neurotischen Mädchen gibt man uns Rechenaufgaben, die wir im Kopf lösen sollen oder auf dem Tachenrechner in unserem Handy, der, genau wie der Kopf, dann unsinnige Ergebnisse ausspuckt, mit denen man nichts anfangen kann, die vielmehr die Hektik der neuen Zeit dupli-, wenn nicht sogar multi-, oder sogar potenzieren.
Was früher Viertel vor vier hieß, liest sich heute als Divisionsaufgabe: 15:45, woraufhin eine merkwürdig rationale Zahl erscheint: O,33333333....undsoweiterundsofort.
Was aber will der ruhebedürftige Mensch mit einem solchen  Wert anfangen?
Es ist jetzt 0,3333 Periode! Das Leben schreitet voran, du musst mitschreiten, und wenn nicht, dann bist du die Null vor dem Komma.
Das ist schlimm. Das schafft unangenehme Gefühle, da hört sich doch alles auf!
Aber was, bitteschön, fängt an?
Mit solchen Fragen lässt uns die Bundesregierung im Stich und kümmert sich auch nicht darum, dass Kiristina Schröder endlich aus dem Kabinett fliegt. Zeit wird es auf jeden Fall, damit Familien wieder etwas wert sind.

Anstrengend bei Tisch früher

Früher war es nicht schön bei Tisch. Das zeigt ein Auszug aus dem Knigge, der den Menschen damals die Sicherheit geben sollte, in feiner Gesellschaft einen feinen Eindruck zu machen und sich nicht den Frack zusauen zu lassen, vor allem, wenn der nur geliehen war.
Man musste Haltung bewahren, seinen Körper unter Kontrolle haben und dabei noch gute Miene machen.
Gegessen wurde damals aus Schüsseln, man zeigte, was man hatte. Vor allem auch seine Diener und Dienerinnen, denen man aber als Gast nicht zu nahe kommen durfte. Selbst ein plötzliches Schulterzucken auf ein unlösbares Rätsel des Gastgebers hin oder eine Frage zum Aussehen der Gastgeberin, konnte zu einem Desaster führen. Der Inhalt der Schüssel konnte über den geliehenen Frack "verbreitet" werden und die Leihgabe ungemäß besudeln. Natürlich konnten auch die Tischnachbarn in Mitleidenschaft gezogen werden, was eine Verstimmung nach sich zog.
Und Verstimmung hieß: Ab nach Hause! Die Diener und Dienerinnen ab aufs Zimmer, eine Tracht Prügel auf blanken Arsch war angesetzt!
Alle, die nichts von der vergossenen Suppe oder den "verbreiteten" Kartoffeln mitbekommen, aber aus anderen Schüsseln abbekommen hatten, tafelten weiter in geliehenen Abendroben und hofften, dass endlich der Sprit und die Zigarren auf den Tisch kamen, damit die Damen am Tisch schöner wurden, denn das Personal war ja auf dem Zimmer und wurde vom Hausherrn nacherzogen.

Nahkampfmittel - Familientag bei der Bundeswehr

Kind: Opa, Opa, was macht der Mann da?
Opa: Der demonstriert ein Nahkampfmittel.
Kind: Opa, was ist ein Nahkampfmittel?
Opa: Ein Mittel für den Nahkampf.
Kind: Was ist denn Nahkampf, Opa?
Opa: Na, man kämpft eben nah.
Kind: Und wofür, Opa, braucht man dann das Nahkampfmittel?
Opa: Damit man den Feind besser trifft.
Kind: Opa, treffen so wie wir unsere Nachbarn immer treffen, wenn wir grillen?
Opa: Ja, so ungefähr, nur besser eben.
Kind: Opa, kaufen wir uns dann auch Nahkampfmittel?
Opa: Nein, nein, die Bratwurst ist schon teuer genug.
Kind: Ich habe aber Taschengeld, Opa.
Opa: Lass mal stecken.

Bekloppte Bauernregeln

Vassily Kannikski: GasHahn (2013)
Wenn morgens der Hahn nicht mehr kräht,
ja, dann hat man ihm selbigen zugedreht.

Mehr schwachsinnige Endreimregeln unter: "Oliver Thiel, StayFriends" 

Tonnes Tagebuch: Regen


Liebes Tagebuch!
Ich werde verrückt. Seit ich mir ein neues Fahrrad gekauft habe, um mich umweltfreundlich zu bewegen und das Auto stehen zu lassen, regnet es ständig.
Wenn die Sonne scheint, kann ich gerade nicht Fahrrad fahren.
Es ist zum Verrücktwerden.
Monatelang hat es keine Tropfen vom Himmel gegeben, die Erde war ausgedörrt, die Felder schrieen förmlich nach Wasser, und dann reicht ein einfacher Fahrradkauf und es plästert los.
Was machen sich Eingeborene irgendwo für Mühen, tanzen und stampfen tage- und nächtelang und singen schrille Lieder, damit mal eine dunkle Wolke über ihrem Terrain abregnet und dann die Lösung.
Besser wäre natürlich, der Regen ginge in Dürregebieten runter.
Ich habe den Eindruck, dass mich da irgendwas im Universum auf dem Kieker hat.
Haha, der kauft sich ein Fahrrad, damit er umweltfreundlich herumfahren kann, dem zeigen wir's mal. So geht's nicht!
Irgendwer flüstert das und will mir eins auswischen.
Dabei regnet es auch noch für Millionen anderer, die sich kein Fahrrad gekauft haben.

Dann noch was: Immer wenn ich unterwegs bin, treffe ich den Dicken mit der Brille in der Trainungshose. Mal kommt er von links, mal von rechts. Aber immer ist er punktgenau da, wo ich auch gerade bin. Keinen anderen Menschen treffe ich so oft, ausgenommen meine Arbeitskollegen, meine Frau vielleicht noch.
Niemand soll sagen, ich litte unter Verfolgungswahn. Den Verfolgungswahn hat der Dicke mit der Brille in der Trainingshose. So viel und so zufällig kann der gar nicht rumrennen; dann müsste er dünn sein.

Und noch was: immer wenn ich eine bestimmte Straße fahre, ist "rote Welle". Ich hasse das.
Im Zeitalter des Computers noch rote Welle!
Jeder Computer ist so dumm, wie die Leute, die davor sitzen.
Oft sogar noch dümmer. Nur weil ein Computer schneller rechnen kann, heißt das nicht, dass der eine grüne Welle hinkriegt.

Vielleicht fahre ich mit dem Fahrrad mal in die Sahelzone. Da wird auf jeden Fall Regen gebraucht.


Georg Krakl: Neues vom Religionsstreit (2013)

Schlank und elegant:
Der Protestant.
Klein und meistens dick:
Der Katholik.

Skischuh oder Shisha

Früher hielten die Menschen Pfeiferaucher für gemütlich; die hatten aber lediglich eine pelzige Zunge und verbreiteten einen süßlichen Geruch in der Gegend. Das hatte mit Gemütlichkeit nichts zu tun.
Der Raucher wird diskrminiert, der Raucher mit oralen Hilfsmitteln gilt mittlerweile als spießig und entsexualisierend, weil Mitmenschen den Qualmer nur gegen hohe Geldsummen zu küssen bereit sind.
Pfeife, Pfeifenkopp, Rotzkocher und Knösel sind Begriffe, denen sich jene Menschengruppe ausgesetzt fühlen muss.

Seit einigen Jahren taucht eine andere Srt Pfeife aus der arabischen Welt auf: Die Shisha.
Endlich was für Frauen!, schreit die Emanzipationsbewegung, nachdem sie I, you, he, she, it durchkonjugiert hat und beim She hängengeblieben ist.
Endlich im Sitzen rauchen!, brüllt die Liga gegen Liegen und Stehen, denn der Orientalenknösel lässt sich gut auf der Erde hockend oder auf einem Kamelreiterkissen der 60er Jahre bedienen.
Endlich am Schlauch!, jubelt das ganze Altersheim und eine komplette Krankenhausabteilung jubelt mit.
Rauchen ist nicht gesund. Das weiß jeder.
Aber wenn schon pelzige Zungen und süßlichen Geruch, dann wenigstens emanzipatorisch, bequem oder mitleidheischend.
Das alles und noch viel mehr, wär ich, wenn ich Shisha in Deutschland wär!, singt jetzt Rio Reisender auf Mallorca, wenn die Touristen nüchtern werden und sie Heimweh nach dem eigenen Partykeller quält.

Anmerkung der Redaktion: Wieder ein Artikel, der nicht zur Überschrift passt. Wenn Skischuh wenigstens Shishu geschrieben worden wäre!

Witze aus dem Therapeuten-Alltag: Dadline

Kommt der Patient zum Psychiater und fragt: Herr Doktor, Herr Doktor, was ist eine Dadline?
Der Doktor, der eigentlich gar nicht promoviert hat, aber so tut, fasst sich ans Kinn und reibt es nachdenklich: Tja.....
Das wissen Sie garantiert nicht, Herr Doktor, schnattert der Patient aufgeregt; es ist auch wohl eher eine Patientin.
Der Psychiater reibt und reibt und kommt nicht drauf.
Hahaha, brüllt die Patientin, eine Line ziehen kennen Sie ja wohl, haben Sie doch bestimmt schon gemacht, also wenn man einen 20-€-Schein aufrollt und dann so in die Nase steckt....(Die Patientin hat einen aufgerollten Schein in der Nase.).....und dann so etwas Pulver mit einer Scheckkarte (Sie nimmt ihre Krankenversicherungskarte und ratscht auf dem polierten Tisch herum) verteilt.... (Sie geht sie mit dem Kopf nach unten auf die Tischplatte, der aufgerollte Schein berührt das polierte Holz.)... und dann das Pulver durchs Nasenloch raufzieht. Man kann sich dabei das andere Nasenloch zuhalten, dann geht's schneller.
Der Psychiater ist fast sprachlos: Also, das ist eine Unterstellung, dass ich....
Die Patientin hört gar nicht zu, sondern erzählt eifrig weiter.
Der Witz geht noch weiter, schnattert sie ergänzend, Dadline, hahaha, ist natürlich ein Wortspiel  für Leute, die das Wort deadline kennen, wenn ich mir also eine Dadline reinziehe, Sie verstehen, also sagen wir, so ein paar Gramm aus der Urne....
Wir sollten darüber sprechen, wendet der Psychiater ein, vielleicht morgen um drei?
Ich stell mir das so vor, die Schnatterhafte weiter, dass ich jeden Tag ein paar Gramm inhaliere und so diesen ganzen Scheißkonflikt verinnerliche und damit auflöse. Das Problem ist....
Das ist kein Witz, meine Liebe, wird der Psychiater ernst.
Doch, das ist ein Witz, Torben hat drüber gelacht, ein Stück weit schon.
Das ist kein Witz, meine Liebe, ich kann darüber nicht lachen.
Das Kriterium für einen Witz ist, dass man drüber lachen kann. Torben hat gelacht.
Die Patientin schweigt.
Morgen um drei.
Was für eine Muttation! Mummy, Mum, Mumps.Mumpitz.
Null Muttivation. Muttivitaminsaft. Im Kopf des Psychaiters rattert die ganze Maschine los. Das komplette Programm. Das volle Besteck. Mama. Mama nich son Krach. Mama Augen zu und schlaf jetzt. Schlaf jetzt, böses Kind. Mama Hände auf die Bettdecke!


Bis(s) ins Altersheim


Die Vampirgeschichte geht weiter:
Edward: Du solltest mich mal beißen lassen....
Bella: Ich weiß nicht so recht. Ewige Liebe. Das dauert.
Edward: Du hast ganz schön Falten gekriegt, auch um die Augen.
Bella: Da ist normal. Und Grau ist doch schick.
Edward: Ich steh mehr auf Brünett. Wie du damals warst.
Bella: Ist ein Weilchen her.
Edward: Alles ist so schlaff geworden.
Bella: Wieso? Du bist doch noch ganz flott.
Edward: Ich altere ja auch nicht.
Bella: Findest du mich nicht mehr schön?
Edward: Lass dich halt beißen, dass das mit den Falten mal aufhört.
Bella: Hast du wieder mit der blonden Pflegerin rumgemacht?
Edward: Wie kommst du jetzt darauf?
Bella: Das höre ich an deiner Stimme, und dann dieser vorwurfsvolle Ton....
Edward: Ich mein ja nur.
Bella: Ja, was? Was meinst du? Erst ewige Liebe schwören, und im Altersheim ist dann nichts mehr damit.
Edward: Du hättest dich beißen lassen sollen. Dann säßen wir hier jetzt nicht rum.
Bella: Du bist ja noch nicht mal alt.
Edward: Doch. Man sieht es nur nicht.
Bella: Pech gehabt. Im Restaurant wirst du manchmal sogar noch geduzt.
Edward: Blödsinn. Das war Freddi und den kennen wir doch gut.
Bella: Hast du viele Frauen vor mir gehabt?
Edward: Geht so.
Bella: Was heißt das denn?
Edward: Na ja, nach 1000 Jahren ist das relativ.
Bella: Weißt du was? Mit dem Beißen kannst du dir in die Haare schmieren. Wenn du jedes Jahr eine gehabt hast, da kommen schon 1000 zusammen.
Edward: In den letzten 40 Jahren hatte ich nur dich.
Bella: Mich „hast“ du nicht. Mich musst du immer wieder erobern.
Edward: Dann lass dich endlich beißen, sonst wird das mit dem Erobern nichts mehr.
Bella: Das Alter hat auch seine schönen Seiten.
Edward: E-Bike fahren und Grüne Mappe lesen beim Facharzt, oder was?
Bella: Du bist unmöglich.
Edward: Unendlich. Ewig eben.
Bella: Klugscheißer.
Edward: Blöde Kuh.

Eichhörnchen muss lesen können


Den Tieren des Waldes verlangt man heute viel ab.
So wie die Menschen im Mittelalter nicht lesen oder schreiben konnten, so ließ man auch die Tiere des Waldes jahrhundertelang unbehelligt in ihrer heilen Welt, die höchstens ein angetrunkener Jägersmann stören konnte.
Nach der Erfindung des Verkehrsschildes, dessen sich der Deutsche besonders gern bedient, entdeckte man relativ spät den Wald als Ort der Verbote und Hinweise.
Dem Eichhörnchen etwa teilte man hier und dort unmissverständlich mit, dass sein  Weg in einigen Metern endete und ein "Baumkronenweg" beginne.
Das Eichhörnchen war bislang mit dem Sammeln und Horten von Eicheln beschäftigt; seit eineiiger Zeit sitzt es im Kobel und lernt lesen und schreiben, um den Anforderungen der neuen Zeit zu genügen.
So wie das Kind verlernt hat, rückwärts zu laufen, verlernt der kleine Waldnager das Sammeln von Eicheln, weil er seine Nase in Bücher stecken muss.
Wenn dann der Hunger plagt, wird auch das gebildete Tier feststellen, dass man vom Lesebuch allein nicht leben kann, es sei denn, man verdingt sich gegen Nahrung als Vorleser für nicht bildbare bzw. bildungsferne Tiere, wie etwa das Wildschwein oder die Waldschnecke.
Der Jägersmann sollte aber auf der Hut sein, denn in schlauen Tierbüchern stehen auch Bauanleitungen für Lebendfallen, in der der Grünrock sich nicht besonders schick ausmacht. 
Ratschlag für den Waidmann: Die Flasche Mümmelmann bleibt mal zu Hause und dafür sperrt er seine Augen auf, um nicht fette Beute eines entwurzelten Waldtieres zu werden, das sich sowieso nur vegetarisch ernährt!

Gefährliche Erfrischungstücher


Der Mensch ahnt vielleicht sein Leben lang, dass es nicht gut ist, sich mit Erfrischungstüchern von 4711 einzureiben, um nicht mehr zu riechen.
Der Mensch weiß aus Erfahrung, dass man, hat man sich erst eingerieben, wirklich riecht. Nach diesem speziellen Geruch dieser speziellen Firma.
Hunde bellen aggressiv, Katzen springen fauchend ins Gebüsch und die Zecken nehmen die Beine in die Hand und suchen sich einen neuen Wirt, dem sie eine Portion frisches Blut abzapfen können.
Der Mitmensch rümpft die Nase und bleibt unkommunikativ, wenn nicht sogar provozierend apathisch in Verbindung mit hochkonzentrierter Ignoranz.
Körpergeruch muss nicht immer schlimm sein, wenn man die Alternative kennt.
Dass das längere Verweilen mit dem Erfrischungsgeruch Körper und Seele nicht guttut, konnte ein gelungener Versuch beweisen.
Man tat eine schicke Knetgummifigur, die fröhlich nund entspannt aussah, zusammen mit einer Gefrierbeutelklammer, einem Streifen Pattafix und einem - wohlgemerkt- eingeschweißten Erfrischungstuch in eine Box, ließ alles 6 Wochen dort verweilen und schaute dann nach, was passiert war: Während die unbeseelten Objekte wie Gefrierbeutelklammer, Pattafix und Erfrischungstuch vollkommen schadlos blieben, zeigten sich am Knetgummimännchen deutliche Zeichen psychischen und auch physischen Zerfalls.
Die Mimik war eher der Schizophrenie zuzuordnen, während der Körper Anzeichen von Delirium tremens aufwies. Von inneren Organen keine Spur; die Knochen bis zur totalen Verformbarkeit aufgelöst.
Der Mensch sollte sich einmal mehr seiner Ahnungen besinnen und nicht erst auf die Wissenschaft warten, die den letzten Zweifel ausräumen muss, damit endlich gehandelt werden kann.
Na, hast du ein Erfrischungstuch benutzt?, muss kein Kompliment sein. Manchmal ist es besser, sich für seinen hauseigenen Körpergeruch zu entscheiden.

Zur Rezeptionsästhetik

Die keine Leerstellen haben,
gehen manchmal auf den Gedankenstrich.

Georg Krakl: Verletzte Sohle (2013)


Meine Jacke hing am Haken,
hatte Streit mit meinem Schuh,
hatte Schubiduh zu dem gesagt,
nicht zum Wohlbefinden nachgefragt,
nicht gegrüßt und nicht genickt

schwarzer Schuh ist jetzt geknickt;
Sohle ist gebrochen.

Jacke fiel vom Haken, kommt jetzt angekrochen.

Wissen: Ramses und Raps

Ramses der Soundsovielte und der Genitiv von Raps (Rapses) unterscheiden sich nur in einem Buchstaben!

Der König, der Pinguin und der Holzhase diskutieren übers Herrschen

Einst träumte mir, ein König, ein Pinguin und ein hölzerner Hasse hätten zusammengestanden und Probleme gewälzt.
Ich habe keine Probleme, sagt der Hase zum wiederholten Male, und ich lasse mir auch keine einreden. Auf jeden Fall habe ich keine Probleme mit Königen oder Pinguinen.
Und wie sieht es mit Königspinguinen aus?, fragte der Pinguin, der genervt mit seinen stummeligen Flügeln schlug.
Königspinguine sind eine Legende, sagte der König, wenn es die gäbe, wüsste ich davon.
Königspinguine gibt es doch, sprach der Pinguin, man kann sie nur nicht sehen, weil sie keine Krone haben.
Und kein Land!, ergänzte der König deutlich.
Du hast doch auch kein Land, wand der Hase ein.
Bei mir ist das eine Ausnahme; ich bin auf der Suche nach einem Land, das ich mal so richtig regieren kann, erklärte der Monarch ohne Land. Ständig höre ich, ich sei überqualifiziert. Das sind doch alles faule Ausreden. Ein Land braucht einen König. Basta.
Zum Beispiel Grönland. Da müsste dir doch das Herz höher schlagen, Pinguin!
Grönland? Wo soll das denn sein?, fragte der Pinguin.
Erster Staatsakt: Mehr Erdkunde in Grönland. Die Bewohner sollten wissen, wo sie leben und wo nicht, postulierte der König mit starker Stimme.
Ich lebe aber nicht in Grönland, antwortete der Pinguin.
Ist doch klar, sagte der Hase, ich lebe übrigens nicht auf den Osterinseln, König, falls du jetzt auf andere Gedanken gekommen bist.
Ihr werdet frech, Leute, das geziemt sich nicht. Etwas mehr Respekt vor einem Monarchen! Der König war verärgert.
Ohne Land, ohne Land! Leierten die beiden Gesprächspartner.
Euch fehlt eine starke Hand, meine starke Hand, die euch zwischendurch mal die Hammelbeine langzieht.
Haben wir nicht, haben wir nicht, leierten die beiden weiter.
Ihr habt doch keine Ahnung! Wahrscheinlich so ein Fall von "in Sport und Religion gut", aber nicht wissen, wo Grönland liegt, und dass die Osterhasen nicht von den Osterinseln kommen, das war nämlich Hazy Osterwald, der berühmte Trompeter mit seinem Septett in den Fünfzigern...
Sextett, Sextett!, leierten die beiden weiter und lachten jetzt lauthals.
Der König war genervt.
Ich geh jetzt meine Krone putzen, sagte der König, die Krone ist das Wichtigste, was ein König zum Königsein braucht....
Land, Land, der braucht Land! Die beiden Tiere kringelten sich vor Lachen.
Der König wollte jetzt nicht wieder das Wort "Mobbing" strapazieren, aber das war hier eindeutig Mobbing.
Auf Grönland kicherten derweil die Eskimos, oder Igluits, wie sie sich selbst nannten und nach denen man eine Tiefkühlkostfirma benannt hatte, und rieben sich die Fäuste, dass sie verschont bleiben würden von einem König, der nur eine Krone besaß, die er regelmäßig putzen musste, aber nicht wusste, dass Pinguine am Südpol leben.
Ich selbst aber dachte: Was für ein bescheuerter Traum! Zeit, aufzuwachen.



Weisheit des Alltags: Aufblähen

Was dient denn dem Menschen, der sich aufbläht, mehr,
als die heiße Luft, die seine Mitmenschen produzieren?

Bodos Briefe: Liebe Lena Meyer-Landrutsch!

Das schreit der Spiegel in die Welt: 'Doch Lena verhaspelte sich - und nannte stattdessen Norwegen. Der Fehler wurde korrigiert und Lena entschuldige sich wenig später in der ARD. "Das war ein Komplett-Ausfall. Es ist mir so unangenehm."'(Spiegel-online, 19.5.2013)


 Liebe  Lena!
Sei nicht traurig. Auch wenn das nicht jedem passiert: Dänemark ist nicht Norwegen.
Bodos Welt fordert seit Jahren mehr Erdkunde für Schulkinder.
Mallorca liegt bei Hannover, jedenfalls glauben das viele Neuntklässler noch, man sei da eingestiegen und nach 2 Stunden ausgestiegen. 
Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.....So oder ähnlich haspelte Andy Möller und bewies einmal mehr: Was Hänschen nicht gelernt hat, weiß Hans auf keinen Fall.
Erkunde hin oder her, du, liebe Lena, du hast jedenfalls mal den ersten Platz gemacht. Damit stehst du in einer gedachten Reihe mit Nicole und ein bisschen mit Udo Jürgens, obwohl Österreich nicht Deutschland ist. 
Aber was ist schon was es ist? Richtig: Die Liebe. Sagt jedenfalls Erich Fried. Der aber keine Schlagertexte schreibt.
Was war denn mit Natalie? Plaudert wie ein Wasserfall, so kaskadenmäßig, und wird abgeschlagen. Unsere Schnatterlie! Da hatte ich mehr erwartet. Gestern jedenfalls.

Nach dem ESC ist vor dem ESC, wie Sepp Herberger sinngemäß philosophiert hätte.
Manchmal wüsncht man sich, es gebe kein Danach.
Gruß
Bodo

Bodos Briefe: Liebe Natalie!

Liebe Natalie!
Aus redaktionellen Gründen schreibe ich diesen Brief schon vor dem Contest, denn ich weiß, dass du heute Abend gewonnen haben wirst.
Du hast alles, was eine Siegerin im European Songcontest braucht:
Du bist blond, du bist rassig, temperatmentvoll, über 30 und lebst in keiner Beziehung und hast wahrscheinlich ein alleinerziehendes Kind; du hast kräftige Oberarme und einen starken Willen, was dein ausgeprägtes Kinn mir zeigt.
Du bist vollbusig und hebst dich angenehm von den Kleiderständern der Modebranche ab. Du bist zeltfesttauglich, mit dir möchte man mal ein Pils stemmen oder zwei, oder in der Sektbar Brüderschaft trinken; vielleicht heißt es heutzutage auch Geschwisterschaft.
Du trägst gern hellblau, obwohl du ein Mädchen bist.
In einem Dirndl würdest du dem Brüderle gefallen und du hast dir eine Strähne schwarz getönt, weil du gegen Rassismus in der Schlagerbranche bist.
Du hast alles. Einfach alles. Nur das Lied ist scheiße.

Es grüßt dich Bodo.


Ted Willjems: Im Land der Plastikfrauen (5)


Frepp, altes Glubschauge, krall dir deinen Zeitspanner und wirf mal einen Blick auf diese Plastikfrau: Mundschutzbarbie.
Also, wie ich dir schon geschrieben habe, sind die hier alle antiseptisch, klinisch rein. Da hast du gleich dieses Gefühl: Passiert nichts. Da gibt es kein fremdes Virus, das hinterher unsern Heimatplaneten killt.
Da darf man einen Schritt näher rücken.
Wir als Fleischlinge sind ja dem Kuss nicht abgeneigt, und die meisten Plastikfrauen tragen keinen Mundschutz; wenn man sie küsst, merkt man, dass sie auch an den Lippen hart sind. Man muss ja nicht küssen.
Mundschutz-Barbie hat da schon ein Signal gesetzt: Küssen nicht nötig, meine Lippen sind hart, das ist nichts für Fleischlinge, da mach dir mal keine Gedanken oder Hoffnungen.
Das erotische Element ist hier der Verzicht. Der Verzicht auf den Kuss etwa.
Ich glaube fest, dass das die Botschaft ist. Fass mich an, aber küss mich nicht!
Im Land der Plastikfrauen heißen alle weiblichen Wesen Barbie. Um sie zu unterscheiden, haben sie einen Beinamen, Gletscherfrisurbarbie oder eben Mundschutzbarbie.
Letzte Woche war ich mit Migränebarbie in einer Art Chinarestaurant. Du glaubst es nicht. Nach einer Tüte Glutamat war nicht nur die Migräne da, sondern auch ein steifer Hals, dabei war der doch schon vorher hart gewesen. Den Rest kannst du vergessen.
Auf Mundschutzbarbie setze ich voll. Sie trägt einen weißen Kittel, was das Reine, das Unschuldige, das Unberührte so unterstreicht. Ich glaube, ich bin verknallt.
Ich würde gern mal einen Blick unter den Mundschutz werfen, das scheint aber tabu zu sein. Auf jeden Fall in der Öffentlichkeit nicht erwünscht.
Frepp, reiß dich zusammen, wenn ich dir solche Dinge schreibe!
Hast du mit deinem Zeitspanner rausgekriegt, was Gletscherfrisurbarbie gestern, vorgestern und vorvorgestern und vielleicht auch an den Abenden davor gemacht hat? Du weißt doch: Wegen der Sprüche der Plastikkerle an der Bar…
By the way (Off the Rekord): Wie kann man sein Kind nur Kinderschutzbundbarbie nennen?! Das ist ein Plastikmädchen, das Mundschutzbarbie betreut. Ich fasse es nicht.
Auf bald.
Gruß ins vorletzte Jahrtausend, oder wohin? Weiß immer noch nicht, wo und wann ich hier bin.
Gondo

Der Japaner


Der Japaner war nicht immer so gelbblass, wie er heute manchmal wirkt, so kulturell gehetzt, so dauernd fotografierend und ruhelos.
Vor vielen Jahren war er eine schillernde Gestalt, die aber wenig im Ausland Beachtung fand, weil die Reisetechniken  noch nicht ausgereift waren.
Farbenfrohe Gesichter sorgten für gute Laune, die Frisur war in eine Art Großohrenperücke hineingeföhnt, sodass man dem Inselbewohner immer eine gute Portion Musik mit vielleicht fetten Bässen zugeordnet hätte.
Wenn es was zu schneiden oder stechen gab, hing ein scharfes Schwert mit tausendfach gefalteter Klinge an der Schulter. Enthauptung war damals schon völlig geräusch- und schmerzlos.
Ein Schielen der Augen verlieh den später Blassen etwas Schelmenhaftes.
Heute steht der Japaner oft im Weg, wenn man eine Sehenswürdigkeit oder ein Denkmal fotografieren, oder einfach betrachten möchte.
Schade eigentlich, denn die Welt könnte um einiges bunter sein und auch das Sushi ginge ein Portion föhlicher runter.



Tragik des Rapses


Warum ist der Raps so gelb, dachte ich als Kind immer und war erschreckt, dass sich Rehe in ihm berauschten und umkamen.
Rhapsodie in Gelb, fabuliere ich, nachdem ich Gershwin gehört hatte.
Damals war Raps selten, Autos fuhren mit ihm nicht und als Salatöl war er nicht denkbar. Niemand wusste, wie die Samenkapseln aussahen und was man mit dem Samen anfangen konnte, außer ihn wieder auszustreuen für die nächste Ernte. Ein völlig nutzloser Kreislauf, ein perpetuum mobile, das nicht nur sich selbst reproduzierte sondern Überschuss erwirtschaftete und vielleicht in einigen Jahrtausenden die ganze Erde überwuchern würde, die Menschheit im eigenen Keim, der längst ein Krebsgeschwür geworden sein würde, erstickte.
Raps. Täuschende Schönheit. Aber welche Schönheit ist denn mehr als ein Schein? Das Sein der Schönheit reduziert sich doch aufs Schönsein und das wiederum ist doch nur Schein. Ist es denn Vollkommenheit, wenn Sein und Schein identisch sind? Oder ist es nur die Vorwegnahme des Privatfernsehens? Nein, ist es nicht, denn das Privatfernsehen scheint noch nicht einmal schön zu sein.
Damit reduziert sich der Raps auf eine tragische Funktion. Herumzustehen und zu stinken, damit Rehe sich an ihm berauschen und sterben.
Schade um die schöne Natur.

Auragucken

Moppel: Deine Aura ist ganz gelb!
Horst: Toll!
Moppel: Wieso toll?
Horst: Na, gelb ist doch toll.
Moppel: Find ich nicht.
Horst: Wieso das denn? Du hast doch gar keine Aura.
Moppel: Doch.
Horst: Und? Welche Farbe?
Moppel: Die ist unsichtbar.
Horst: Quatsch. Die muss doch eine Farbe haben.
Moppel: Immer nur haben, haben, haben. Es geht doch ums Sein.
Horst: Das ist ja Fromm.
Moppel: Wieso schreibst du denn Fromm groß?
Horst: Na und ?
Moppel: Das ist keine Antwort.
Horst: Weiß ich selber.
Moppel: Scheiß-Esoteriker.
Horst: Bist du aggressiv? Da sind so schlechte Schwingungen.
Moppel: Aggressiv? Dass ich nicht lache.
Horst: Dann lach doch! Soll ja helfen!
Moppel: Weißt du eigentlich, dass du hier nur Imperative raushaust?
Horst: Was soll das jetzt wieder?
Moppel (leise): Er weiß nicht, was Imperative sind, aber eine gelbe Aura haben! Eigentlich eine pissgelbe Aura.

Wolf Wonderschreck: Gewalt (1993)

Gehämmere stürmt erneut dein Gehirn
Ekelzerstäuber umspritzen deine Schweißdrüsen
wecken deine Angst
Antworten auf ungestellte Fragen martern dein Inneres
lallendes Gegenüber ballt die Faust
tatenlos zusehen wie die Gewalt näherkommt

Geifriges Bemühen um
Einheit und Zwiespalt
waberndes Etwas klatscht auf den Beton
Auwehgeschrei im Blumenbeet
lustvolles Stöhnen übertüncht von
tropfköpfigem Glotzauge vor laufender Kamera

Großes Maul
erdrückende Erregung
Wiegelei und Wogen schwachsinniger Unkenrufe
Arm ab
Lastkähne der überfrachteten Gesellschaft
trotten den Gang hinab

Geradeausgerede von Ordnung
ehernen Werten der Abschaumgesellschaft
wechseljahriges Geflenne der Geschichte
Antipasta oder Antizipation der
Leerformeln, Lobgesänge, Litaneien
Tod

Schweine sind gar nicht so

Heinzi: Was willst du denn mal werden?
Bruno: Formfleisch.
Heinzi: Wieso das denn, ich dachte Elektriker?
Bruno: Hat keine Zukunft.
Heinzi: Und warum Formfleisch?
Bruno: Das gibt einem Halt.
Heinzi: Ist das denn ein Ausbildungsberuf?
Bruno: Das geht wie von selbst. Wie geschmiert praktisch.
Heinzi: Ich weiß nicht...
Bruno: Ich schon. Immer noch besser als Wurst.
Kuno: Von Bruno kannst du dir mal ne Scheibe abschneiden, Heinzi.
Heinzi: Ja, später vielleicht.



Momentaufnahme: Vatertag im Raps

Der Raps blüht und verströmt diesen merkwürdig-würzigen Geruch, der bei manchen Menschen Waschzwänge auslöst. Da ein halber Motorradfahrer, der sich durch eine Menge Vatertagswanderer gequetscht hat und vielleicht mit seelischem Schaden davonbraust, weil man ihn angepöbelt hat.
Hey, Easy-Rider auf deinem 40qcm-Chopper! So etwa kann die Diffamierung gelautet haben. Schwer für einen Menschen, dessen Hintern auf 125 qcm hockt und ein Brausen am Ausgang spürt.
Die Rapsfliege poltert durch die Lüfte, wie verquer die Flügel, unstrukturierte Flugpläne zeugen von tierischem Chaos.
Die Sonne dann, warm, stechend. Dann eine Wolke. Ein Hund mit Besitzerin. Wohin wird er seine Exkremente setzen?
Die Vatertagsgesellschaft macht laute Töne und setzt sich Richtung Wald ab.
Und dann die Frage: Gibt es überhaupt halbe Motorradfahrer, oder muss es heißen: Fahrer auf halbem Motorrad?
Brennend die Frage, bedenkt man, dass die ersten Vaterschaftsgesellschaften bereits eine Stoffwechselspende auf den Mutterboden oder Asphalt abgegeben haben.
Friedlich alles, Land eben.

Tagesorakel: Bo - Die Zersplitterung

Bo - Die Zersplitterung
Ja, der Chinese hüllt sich gern in Weisheiten, die keiner versteht.
Warum das Gebilde jetzt Zersplitterung heißt, kann man nur ahnen; ist doch alles schön geordnet und überschaubar.
Dem Westler fallen da eher Begriffe ein wie "umgestülpter Zahnputzbecher" oder "Loch mit Deckel".
"Tür" ginge auch noch, also, ohne Türblatt, eher "Tor".
Wenn die obere Platte zerbrechen würde, dann ist ja immer noch keine Zersplitterung da, sondern dann hat man zwei schöne Stapel, vielleicht Kaminholz, was viel gemütlicher ist als Zersplitterung.
Überhaupt: Was zersplittert denn heutzutage noch? Plastik und andere unzerstörbare Werkstoffe bieten doch der Zerstörungswut des Cholerikers schon lange nichts mehr. Der muss jetzt immer Frau und Kinder anschreien und kann sich nicht am Möbelstück degoutieren und das in Stücke holzen.
Was ein umgestülpter Zahnputzbecher aber für den Tag bedeutet, das weiß hier im Westen keiner. Vielleicht wird es heute feucht, weil letzte Tropfen vom gestrigen Putzvorgang nach unten sickern. Eher nicht.
Tor. "Tor sei das Zeichen. Hinderlich ist es, hindurchgehen zu wollen. Dann bist du einer."
Nur was für Leute, die Wortspiele verstehen.
Vorsicht am heutigen Tag sei geboten. Sicherheitshalber schon mal etwas Geld spenden.
Kontonummer auf Anfrage.

Falsch verstandene Metaphern: Einen heben gehen

Ich bin verliebt in deine Oberarme, sagte Karl.
In meine Oberarme?, fragte Marianne. Warum nicht in meine Augen, meinen Busen, meine schlanken, aber muskulösen Beine, in meine Seele vielleicht, so wie es alle Leute tun?
Ich bin verliebt in deine Oberarme, sagte Karl und wiederholte sich.
Das ist ja interessant, seufzte Marianne.
Wollen wir einen heben gehen?, fragte Karl.
Marianne war sich nicht sicher, ob sie in irgendetwas von Karl verliebt war, oder jemals verliebt sein würde, aber warum nicht einen heben gehen?
Ok, sagte sie, gehen wir einen heben.
Ich starte mit 50 kg  liegend auf der Bank zum Aufwärmen, jubelte Karl und die Freude spritzte nur so aus seinen Augen. Wie viel soll ich dir auflegen?
Auflegen, auflegen, murmelte Marianne, wie unromantisch. Und das kühle Hefe zerfiel vor ihren Augen.

Jetzt grüne Eier auf dem Markt


Die eierlegende Industrie hat genügend Skandale hinter sich. Dioxin im Dotter, Käfighaltung und Antibiotika im Frühstücksei sind nur drei Beispiele für einen unsäglichen Imageverlust. Den Menschen bleibt der Eierlöffel im Halse stecken; aber was sollen sie sonst essen, man kann nicht alles im Kuchenteig verrühren, wo der Unrat unsichtbar wird.
Genmanipulateure haben sich jetzt intensiv der Imageaufbesserung der Geschassten hingegeben und das grüne Ei entwickelt. Eigentlich ist es kein richtiges Ei, denn die in der DNS veränderte Brunnenkresse sorgt für das Ei-artige Aussehen, sogar der Eierbecher könnte mitgegessen werden, das sagt man aber lieber nicht. "Früher hat man aus Kressen Brunnenringe gebaut, heute sind wir einen Schritt weiter", so der Pressesprecher des Verbandes deutscher Stadt- und Landeier.
Der Konsument frohlockt: Endlich Gesundheit pur. Zum täglichen Cholesterin gesellt sich die gehörige Portion Vitamine, und das alles in einem Biss.
Aus dem Geöffneten Ovum sprießt das Grüne nur so heraus und rührt das Öko-Herz.
Welcher Hahn hier zugetreten haben soll, interessiert mal wieder keinen.