Küchengespräche: Wischlappen und Spülbürste

Spülbürste: Na, du Waschlapp?
Wischlappen: Hast du eben Schlappschwanz zu mir gesagt?
Spülbürste: Nee, na, du Waschlapp, habe ich gesagt.
Wischlappen: Was soll das?
Spülbürste:Hätte ich sagen sollen: Na, du Schlappwa?
Wischlappen: Auch nicht.
Spülbürste: Und dann?
Wischlappen: Wischlappen hättest du sagen können.
Spülbürste: Und du hättest dann Schlappschwinz verstanden, oder was?
Wischlappen: Das kränkt mich.
Spülbürste: Tschulldjung!
Wischlappen: Sag nicht Schuljung' zu mir!
Spülbürste: Wieso, war echt gemeint.
Wischlappen: Eben. Ich kein Schuljunge.
Spülbürste: Ist klar.
Wischlappen: Dir ist das vielleicht egal.
Spülbürste: Ist es nicht. Also: Ent-schul-di-gung.
Wischlappen: Ist jetzt sowieso zu spät.Spülbürste:(denkt) Boo, der ist ja schlimmer als die Scheuerbürste unter der Spüle.
Wischlappen:(denkt) Völlig bescheuert. Wie kann man mit der Einstellung nur als Spülbürste arbeiten?

Ehekrisen: Hast du die Spülmaschine ausgeräumt?

Leser Theo schreibt an Bodos Welt aus tiefer Not heraus:
Immer wenn ich mir vorgenommen habe, die Spülmaschine auszuräumen, ist sie schon ausgeräumt, und dann muss ich mir abends wieder dieses selbstgefällige Gesicht von Herta ansehen, dieses selbstgefällige, und, noch schlimmer, enttäuscht-vorwurfsvolle, das mich stumm fragt: Warum hast du die Spülmaschine nicht ausgeräumt. Irgendwann kommt dann ein Spruch dazu: Du könntest auch mal die Spülmaschine ausräumen, und ich kann nur einräumen, dass ich das ja vorgehabt hätte, und Herta fragt, warum ich es dann nicht gemacht hätte. Weil ich zu spät gekommen sei, kann ich nur antworten, und sie dann, warum ich das nicht morgens machen w ürde, ich stünde doch sowieso immer früher auf.Ich dann wieder, dass ich sie nicht wecken wolle, das klappert doch immer so, und dann bis du wieder unzufrieden, wenn du die letzte halbe Stunde vor dem Wecker nicht schlafen kannst. Ich könnte die Maschine doch leise ausräumen, das geht nicht sage ich. Ich mache sowieso viel zu viel hier im Haushalt und du machst eigentlich gar nichts, du nimmst dir immer nur was vor. Sie hätte eben keine Geduld, erwidere ich dann, die Menschen hätten alle keine Geduld mehr, alles müsse immer zackzack gehen, alles sofort und komplett, keiner könne mehr warten, nur noch Hektik und schnellschnell. Irgendwann sei es mit dem Warten und der Geduld vorbei, spätestens, wenn der Müll an zu stinken fange und die Wollmäuse unter der Nase hingen. Sie solle mal nicht übertreiben, bisher sei doch immer alles geregelt worden. Ja, weil sie es mache, ich würde doch keinen Handschlag machen. Dabei meine ich es ehrlich, ich will endlich mal die Spülmaschine ausräumen, und wenn es nur ist, um sagen zu können: Ich habe die Spülmaschine ausgeräumt! Und was hast du schon gemacht?
Aber ich habe keine Chance. Herta hat nicht die Geduld und ich vermute, dass sie den ganzen Haushaltskram erledigt, nur um sagen zu können: Ich habe die Spülmaschine ausgeräumt, die Wäsche gewaschen und aufgehängt, abgenommen, gebügelt und eingeräumt, eingekauft, gekocht und geputzt, den Müll runtergebracht, die Rechnungen überwiesen. Und was hast du gemacht? Was hast du gemacht? Das ist doch demütigend.

Der weise Mann sagt: Hässliche Mütze


Der weise Mann sagt:
Habe immer einen klaren
und festen Blick,
dann kann
eine hässliche Mütze
deine Mitmenschen
nicht erschrecken.

Die Katze auf dem heißen Backblech


Das ist natürlich die Lösung des Rätsel vom Vortag: Die Katze auf dem heißen Backblech, ein Theaterstück des amerikanischen Schriftstellers Tennissee (vormals Tegernsee) Williams.
Hier eine Kurzfassung des Dramas:
Big Daddy: Na, Katze, was machst du denn auf dem heißen Backblech?
Katze: Das siehst du doch!
Big Daddy: Jetzt werd mal nicht gleich unverschämt.
Katze: Dumme Frage, dumme Antwort.
Big Daddy: Also, was machst du da?
Katze (zur Seite sprechend): Er merkt es nicht.
Big Daddy: Hallooo! Jemand daheim?
Katze: Zu Haus!
Big Daddy: Wie, zu Haus?
Katze: Wie ich sagte, zu Haus.
Big Daddy: Warum bist du so aggressiv?
Katze: Ich bin nicht aggressiv.
Big Daddy: Hast du mich gar nicht mehr lieb?
Katze: Wie kommst du denn darauf?
Big Daddy: Weiß nicht.
Katze: Natürlich hab ich dich nicht mehr lieb!
Big Daddy: Hab ich doch gemerkt.
Katze: Schnellmerker.
Big Daddy: Und warum hast du mich nicht mehr lieb, wenn ich fragen darf?
Katze: Das weißt du genau.
Bid Daddy: Weil ich dir die abgelaufene Dose Katzenfutter in den Napf getan habe?
Katze: Dreimal darfst du raten.
Big Daddy: Zählt das schon?
Katze: Was kann ein einzelner Mensch blöd sein, sein Gehirn mal 64 und du bist immer noch im Intelligenzbereich einer Stubenmaus.
Big Daddy: Stubenfliege.
Katze: Mein ich doch.
Big Daddy: Dann sag das auch.
Katze: Stubenfliege.
Big Daddy: Was soll das jetzt?
Katze: Ich hab Stubenfliege gesagt.
Big Daddy: Hab ich gehört.
Katze: Freut mich, dass du nicht schwerhörig bist.
Big Daddy: Komm da mal vom Backblech runter, das ist unhygienisch.
Katze: Geht nicht.
Big Daddy: Wie, geht nicht?
Katze (schärfer im Ton): Geht nicht, weil du mich eben auf dem Blech in den Ofen geschoben und auf 120° Umluft gestellt hast. Ich komm jetzt nicht mehr runter. Und eins von den sieben Leben ist auch futsch.
Big Daddy: Bist du jetzt sauer?
Katze: Genau.
Bid Daddy: Tschuldigung. Ich dachte es wär der Hund gewesen.
Katze:(lacht gekünstelt) Haha, dass ich nicht lache.

Georg Krakl: Vogelmord

Amsel wurd' erdrosselt in den frühen Morgenstunden
im nahen Stadtpark aufgefunden.
Laut war das Geschnatter
einer ortsbekannten Ringelnatter
wohl gewesen.
Man konnte in derZeitung lesen:
Amsel wurd' erdrosselt in den frühen Morgenstunden
von einem Jogger aufgefunden,
der vom Geschnatter einer Natter irritiert
die Amsel hat entdeckt,
sie war verreckt,
das Aug' gebrochen, irisiert.
Wer weiß,
was irisiert nun wieder heiß?


Ein Glücksfall, dass es sich um eine Amsel gehandelt hat; bei einer Drossel geht das gar nicht. Man hätte sie erwürgen müssen, eramseln ist schlicht unmöglich. Manch einer denkt, dass sich Lyrik oft lächerlich macht, und recht hat er. Vor allem dieser schlechte Reim am Ende: Weiß - heiß, grammatikalisch völlig falsch. Hauptsache Betroffenheit, Hauptsache jemand ist tot, Hauptsache jemand findet einen Toten, Hauptsache ein Fremdwort ist drin. Irisiert?

Theaterstücke raten


Welches Theaterstück eines amerikanischen Schriftstellers, dessen Nachname auch der Genitiv eines Vornamens sein könnte, ist hier dargestellt?
a) Die heiße Katze auf dem Wellblech
b) Die Katze auf dem heißen Backblech
c) Ben Hur

Die Parabel von der Thermoskanne, dem Trinkbecher und der Tischklingel

Es begab sich aber, dass eine Thermoskanne, ein Trinkbecher und eine Tischklingel unzufrieden waren mit ihrem Leben:
"Ich bin es leid, ständig warme Getränke in mir zu haben, nur um sie warm zu halten und mich dann auszugießen an Menschen, denen es egal ist, ob ein Tee 35 oder 45 oder gar 80° heiß ist", sprach die Thermoskanne und schnaufte verdrießlich.
"Ich bin es leid, ständig von Menschen an den Mund geführt zu werden und Tee, den man vorher lieblos in mich getan hat, in geöffnete Münder zu kippen", beklagte sich der Trinkbecher und ergänzte, dass er es unerträglich finde, nicht einmal richtig ausgewaschen zu werden, wenn der Trinkvorgang beendet sei. "Widerlich", bestätigte die Thermoskanne. "Und du, worüber beklagst du dich, Tischklingel?", fragten die Thermoskanne und der Trinkbecher wie aus einem Munde. "Ich bin es satt, immer auf dem Tisch herumzustehen und zu warten, dass jemand mich drückt...." "Jajaja, ich werde auch nie gedrückt", unterbrachen Thermoskanne und Trinkbecher. " Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt jemals richtig gedrückt worden bin", dachte der Trinkbecher laut, "man hat mich immer nur fest zugeschraubt, aber nie fest gedrückt, dabei ist das so wichtig in einer lieblosen Zeit..." "Lasst mich aussprechen", unterbrach die Tischklingel, "ich bin es also satt, immer auf dem Tisch zu stehen und zu warten, dass irgendwer mich drückt, denn erst wenn ich gedrückt werde, kann ich meiner Bestimmung als Tischklingel Genüge tun und einen Klingelton abgeben. Ich will endlich etwas Sinnvolles tun."
"Kann man denn Klingeltöne nicht auch im Internet herunterladen?". fragte die Thermoskanne leise. "Still jetzt!", zischte der Trinkbecher.
"Ich möchte mit euch in die weite Welt hinausziehen und ein neues Leben anfangen!", sprach die Tischklingel, und Thermoskanne und Trinkbecher nickten dazu.
"Aber was können wir denn, damit wir in der großen weiten Welt bestehen können, und dass wir unseren Lebensunterhalt verdienen können?", fragte der Trinkbecher.
"Also, ich kann warme Getränke warm halten", sprach die Thermoskanne.
"Das ist schon mal was", lobte der Trinkbecher und ergänzte: "Ich kann Getränke in mich aufnehmen und sie in geöffnete Münder kippen."
"Und du Tischklingel, was kannst du?", fragte die Thermoskanne und der Trinkbecher wieder wie aus einem Munde.
"Wenn mich jemand drückt, dann kann ich klingeln", sprach die Tischklingel.
"Das ist ja toll", jubelten die beiden, "wir drücken dich auch, wenn du uns auch mal drückst."
"Das will ich tun", sagte die Tischklingel und lächelte.
"Dann kann's ja losgehen", freute sich der Trinkbecher.
"Genau", setzte die Thermoskanne nach.
"Morgen um acht am Tor zu weiten Welt", entschied die Tischklingel.
"Versprochen", klang es wie ein Satz von Trinkbecher und Thermoskanne.
Und weil sie müde waren, gingen sie zu Bett und träumten von einem neuen Leben in der großen weiten Welt.

Nachrichten zum Wegspülen: Verkehrsminister geblitzt

Dass NRW-Verkehrsminister Wittke im Geschwindigkeitsrausch bei 110 in geschlossener Ortschaft geblitzt wurde, ist schlimm genug; dass es ein Freitagmorgen gegen acht Uhr war, lässt kurz grübeln: Na, zu früh fängt der auch nicht an, der ist doch frühestens um neun in seinem Büro! Dass er allerdings auf dem Weg zu einem Jagdausflug war, das stimmt nachdenklich. Hat ein Verkehrsminister am Freitag frei, vielleicht, weil da immer Stau auf den Autobahnen wegen der Berufspendler ist? Ist der VM auch für den Bereich Pflege, Hege und Totschießenvontieren zuständig und will sich an Ort und Stelle davon überzeugen, dass die Tiere wirklich tot sind, und dass es auch die richtigen Tiere sind, auf die geschossen wurde? Oder finden bei Jagdausflügen konspirative Gespräche statt, in denen Dinge besprochen werden, die nur das Ohr eines entseelten Tieres treffen dürfen oder das eines Jagdgenossen? Vielleicht macht Wittke einfach nur ein verlängertes Wochenende, denn darauf hatte er sich schon lange gefreut, im Ministerium krankgemeldet, er ist ja sein eigener Chef, und schnell zu den Waidkollegen gerast, um das günstige Büchsenlicht bis 9 Uhr 30 noch auszunutzen. Schnellfahren verhindert, das man erkannt wird. Leider n icht immer. Der Bürger ist beunruhigt, denn der besitzt nicht mal ein Gewehr.

Günther Krass: Erinnerungen - Guckis beim Konfirmandenunterricht

Was ist an diesem Bild aus dem Weserstadtboten vom 2.Februar 2009 falsch?
Natürlich ist der Mann hinter dem Fotapparat nicht Oliver Wittke, Verkehrsminister von NRW, und auch kein Polizeibeamter, der den Benannten bei seiner rasenden Fahrt durch eine Ortschaft geknipst oder geblitzt hat, denn der Mann hat kein Polizeimütze auf und der Fotoapparat hat überhaupt kein Blitzlicht, mit dem man hätte blitzen können. Was der rote Faden vor der Stirn des Abgebildeten bedeutet, bleibt ebenfalls ungeklärt. Das hämische Grinsen im Gesicht des Apparathalters gibt weitere Rätsel auf. Irgendwie erinnert der Apparat an Situationen in der Vergangenheit, ohne dass dem Betrachter sofort einfallen könnte, um was es sich handelt. Ein Telefongespräch mit dem Alleswisser Günter Krass, der durch diverse Publikationen auf sich aufmerksam gemacht hat, könnte Licht in das dunkle Bild bringen:
Telefongespräch mit Günter Krass (Abschrift):
Bodos Welt: Herr Krass, wir setzen die Hoffnung in Sie, uns nach Betrachtung des Fotos auf der Titelseite des Weserstadt-Boten bei der Entschlüsselung der optischen Botschaft weiterzuhelfen. Was sagt Ihnen das Objekt?
Günter Krass: Na, erst mal: Peinlich, peinlich. Ein Verkehrsminister wird beim Rasen erwischt. Dass Politiker sich erwischen lassen, ist ja insgesamt ein heilsamer und entspannender Effekt für uns einfache Bürger, die Sie alle sind. Hier ist doch wieder ein Tritt ins journalistische Fettnäpfchen dokumentiert.
Sie haben recht, wenn Sie behaupten, dass weder Wittke noch Geschwindigkeitsmessgerät zu sehen sind.
Ehrlich gesagt, was mir einfällt, ist meine Konfirmandenzeit, da hatte Udo Brandhorst eine kleinen Plastikfotoapparat bei sich, der just so aussah wie der abgebildete. Er machte aber keine Bilder mit diesem, sondern ließ uns hineinschauen und konnte uns stolz eine Serien von etwa 12 Bilder mit unbekleideten Frauen präsentieren. Woher er den Apparat hatte, ließ er offen. Wir unbedarften Konfirmanden, die wir hinter dem Gemeindehaus standen und Pause zwischen zwei anstrengenden Stunden mit Pastor Griff machten, rangelten darum, einen Blick in die obskure Box zu werfen, denn die Möglichkeit der heutigen Jugend, im Internet massenhaft solche Fotos zu betrachten, war uns nicht gegeben. Viel zu früh schritt der schwarzgekleidete Gottesmann zurück ins Gebäude, was uns Zeichen war, dass die Pause beendet war, und ließ uns wieder fromm sein. Dass Polizisten am Straßenrand stehen und solche Bilder betrachten, während der Verkehrsminister (schöne Zweideutigkeit!) vorbeirast, ist völlig absurd. Dem Redakteur gehört inklusive Chefredakteur auf die Finger geklopft, aber nicht zu zaghaft!

Songlines

Jetzt ein Video gucken? http://www.youtube.com/watch?v=74v6_CCr6pE

Möhrenessen als Vertrauensbeweis


Kann ich mir mal eine Möhre nehmen?, heißt es oft im Frühstücksraum, denn die liegen da frisch und mundgerecht vorbereitet im Frühstücksbeutel und verlocken besonders Menschen, die morgens keine Lust haben, sich selbst ein paar der farbenfrohen Stangen zu schrappen, wie man landläufig sagt, die aber Wert auf gesunde Ernährung legen.
Der Gefragte sagt freundlich sein "Greifzu" und spannt die Kiefermuskeln an, denn seine genau abgezählte, besser abgeschälte, Möhrenration schwindet dahin, wenn die Hand des Fragers zwei- oder dreimal in die Tüte greift. Bevor Unmut aufkommt, sollte sich der Mundberaubte klar machen, dass hier ein großer Vertrauensbeweis vorliegt. Macht man sich klar, wie Möhren für das Frühstück vorbereitet werden, so wird deutlich, dass hier ein Herd übelster Keime vorliegen kann. Wer weiß denn, wie die Erziehung zum Händereinigen aus den Fünfzigerjahren, als man im Rahmen der Entnazifizierung seine Hände zigmale am Tag in Unschuld wusch oder seine Kinder waschen ließ, heute noch Auswirkungen hat? Was ist vor dem Schälen passiert? Ein Toilettengang, ein morgendliches Popeln oder ein Kratzen in der Gesäßspalte? Mal kurz durch die fettigen Haare gewischt und dann im Ohr gebohrt? Alles Tätigkeiten, die sein müssen, die sich aber keiner vor dem Schälen einer Möhre, die man gleich essen wird, wünscht. Vor allem, wenn es eine fremde Möhre ist.
Also: Wenn dir jemand deine Möhren wegisst, dann erlebst du, wie viel Vertrauen deine Mitmenschen in dich setzen, wie wenig Dreck und Schmutz sie an dir vermuten, und das kann dich richtig froh stimmen. Da isst jeder auch mal eine Möhre weniger.

Versuch mit lebenden Weihnachtsbäumen gescheitert

Die Deutsche Weihnachtsbaumersatz-Industrie erklärt ihren Versuch, den deutschen Tannenbaumwald zu retten, indem nur noch lebende Weihnachtsbäume in den Haushalten stehen sollen, für gescheitert. In vielen Dörfern und Städten sieht man jetzt auf den Weihnachtsbaumabholkarren Personen in Baumnetzen, die der enttäuschte Kunde nicht mehr haben will, obwohl sie bei guter Ernährung auch im nächsten Jahr dem Fest der Liebe durch ihren Einsatz Glanz verleihen könnten. Besonders Kinder und alte Leute eigneten sich schlecht für den Job, in dem vor allem Geduld, Schmerzunempfindlichkeit und ein trainierter Bewegungsapparat gefordert sind. Bereits nach einer halben Stunde habe sich der Weihnachtsbaumersatz Kevin beklagt, ihm täten die Arme weh vom Kerzenhalten und vier mal sei heißer Wachs auf Handrücken, Stirn und linkes Ohr geflossen, und er habe die Weihnachts-CD durch sein Heulen übertönt, berichtet eine Familie aus Uffeln. Die Nachbarn können ähnliche Erfahrungen weitergeben: Tobi habe schon nach 10 Minuten auf Klo gemusst, er habe partout nicht die Pampers bis 60 kg benutzen wollen, so habe man die Kerzen löschen und die gesamte Dekoration inklusive Lametta und Engelshaar entfernen müssen, das sei eine Heidenarbeit gewesen.
Das Bemühen um die Schonung des deutschen Waldes ist wohl gescheitert. Die Weihnachtsbaumersatz-Industrie muss sich demnächst vor Gericht verantworten. Denise-Chantal, Chloé und Tom haben Anzeige wegen illegaler Kinderarbeit erstattet. Da wünscht man im nachhinein Frohes Fest!

Kleintierhaltung wird anspruchsvoller

Jeder mag sich an den Film "Die Katze auf dem heißen Blechdach" erinnern, und jeder, der ihn gesehen hat und Kleintierliebhaber ist, hat sich anschließend gefragt: "Meine Güte, wo war denn jetzt die Katze? Und wo war denn das heiße Blechdach mit der Katze?" Dass der Filmtitel nichts anderes als ein bildhafter Ausdruck gewesen ist, wird erst viel später klar, wenn man versucht, mit der hauseigenen Mieze diesen Film nachzustellen. Dass es nicht reicht, das Maunzerle durch ein Heizgerippe, das schnell aus einem Toaster ausgebaut worden ist, zu schicken, versteht sich von selbst. Ein Toaster ist kein Blechdach. Auch ein hochvoltiger Weihnachtstern kann da nicht helfen, denn ein Dach ist ein Dach, wie ein Stuhl ein Stuhl ist, und ein Tisch ein Tisch. Das wusste schon Peter Bichsel. Klar, die Katze bleibt nicht Katze, wenn man sie dem Erzfeind Feuer nahe bringt, dann wird sie zum Tiger und verweigert schließlich den ohnehin seltenen Gehorsam. Aber: Tiere brauchen Unterhaltung. Es reicht nicht mehr das Herumgezappe vom einem privaten Sender auf den nächsten. Auch ist es nervig, ständig zu hören, dass es auf alles 20% gibt, außer Tierfutter. Weißt heißt das überhaupt? Außer Tierfutter? Muss es nicht heißen "außer auf Tierfutter"? Unsere animalischen Freunde können vielleicht kein Kreuzworträtsel lösen, aber so einiges kriegen sie doch mit.
Damit es nicht langweilig wird, lässt der engagierte Tierhalter den Peter durch Feuerreifen, brennende Weihnachtssterne oder in eine Biotonne springen, manchmal wird der Kleine auch über die Autobahn gelockt, mit einer nicht reduzierten Dose Whiskas etwa, das trainiert das Überleben. Alte Mensch-Tier-Beziehungen lassen sich durch ein bisschen Kreativität aufpeppen. Und davon profitieren doch alle.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Diffuse Bilder

Du wachst auf, oder schlägst die Augen auf, die du eine Zeit, du weißt nicht wie lange, geschlossen hattest, und denkst: Ist morgen oder Tag oder halb drei? Wo bist du?
Was du siehst ist etwas Verschwommenes, etwas nicht Greifbares, etwas Entrücktes, das du nicht fassen kannst, nicht verstehst.
Du bist ratlos und stößt sauer auf. Ups, das war das letzte Pils, das steht dir im Kragen und wird irgendwie seinen Platz verändern, nach unten, nach oben, das ist noch nicht entschieden. Dein Schädel brummt. Die Erinnerung setzt wieder ein. Du bist mit dem Kopf gegen den Bürgersteig geknallt, als du auf dem Weg nach Hause war. Aus deiner Lieblingskneipe hinaus, kurz auf die Straße, dann vor den Bürgersteig. Ein Fahrradfahrer ist dir über die Finger gefahren, als du dich an der Bordsteinkante hochziehen wolltest, oder heranziehen, oder festhalten, das alles ist nicht mehr präsent, nur der brummende Kopf und die schmerzenden Finger. Das diffuse Bild, das du siehst, verändert sich nicht, aber du kannst es immer noch nicht einordnen. Vielleicht Karabinerhaken an der Eiger-Nordwand? Dann denkst über die Gründe dieser Diffusion nach und kommst darauf: Der Fusel war es, der das Trugbild produziert hat. Der Fusel, den man dir in der Lieblingskneipe ins Glas gegossen hat, den du runtergurgeltest, weil du ihn bezahlen musstest. Nein, antwortet es in dir, die Fusel müsste es heißen, wenn es was mit diffus zu tun haben wollte. Die Fusel, das geht nicht, vielleicht Plural, dann muss es doch die Fusseln heißen, das ist aber was anderes. Du grübelst weiter, das Bild bleibt verschwommen, du weißt noch immer nicht, um was es sich handelt, vielleicht ist es eine Handtasche, die du einem alten Mütterchen in deinem Fuseltran entrissen hast. Ach, nein, das kann nicht sein, du bist nicht aggressiv, du bist nichtraffgierig. Aber du gibst die Hoffnung nicht auf, befiehlst sie dir förmlich, denn etwas Tröstliches hat das Diffuse doch: Du kannst immer noch unterscheiden zwischen "der Fusel", "die Fusseln" und "diffus", und weißt darüber hinaus, dass "die Fusel" falsch ist. Gut, dass du in deiner Lieblingskneipe warst. Vielleicht wären dir diese Unterschiede niemals aufgefallen. Schätze die kleinen Ereignisse und Erkenntnisse im Leben, auch wenn du am Boden bist!




Dörfliche Kunst immer beliebter

Dörfliche Kunst wird bei den Menschen immer beliebter. Sie sind es wohl satt, sich an merkwürdigen Objekten, denen man keine Erklärung zuweisen kann, zu versuchen und abzustrampeln. Wenn man sich am Sonntag entspannen will, geht man in den nahen, wenn auch kleinen Kurpark und ergötzt sich an Kunst, die jeder verstehen kann. Wer will sich denn das Hirn zermartern, wenn doch abends der Tatort durch die Röhre rasselt und genug Aufgaben stellt, die die Nacht unruhig zu werden versprechen? Dem Baum flugs einen roten Schal umgebunden und schon weiß jeder, dass dieses Kunstobjekt einen Baum zeigt, dem man einen roten Schal umgebunden hat. Wer will denn mehr? Hier muss nicht die gequälte Kreatur Modell gestanden haben, hier muss nicht Betroffenheit an den Haaren gezogen werden, hier soll es einfach schön sein, schön und überschaubar. Diese Art der Kunst wird immer beliebter mit der wachsenden Unüberschaubarkeit von Wirtschaftsprozessen und der Entfremdung der Manager von den Leuten, die ihnen das Geld besorgen, das ihnen eigentlich gar nicht zusteht. Schlichte Kunst, dörfliche Kunst, für Menschen, die in der Einfachheit die Welt erkennen wollen.
Nur die Bäume schreien auf. Wer weiß, warum jetzt wieder?

Falsch gebrauchte Metaphern: Tee von gestern

Da kommt eine Frau, die von sich gelegentlich behauptet, dass sie sich "angepisst" fühle, wenn Männer nach ihren Vorstellungen dumme Bemerkungen machten und weist eine Entschuldigung eines Herrn, der sich entlasten möchte zurück mit den Worten: Das ist Tee von gestern. Dabei greift sie zu ihrer Metallthermoskanne und quetscht einen letzten Tropfen aus dem stählernen Behältnis, um zu demonstrieren, dass sie recht hat. Ein kalter, wahrscheinlich übelschmeckender Tropfen fällt auf die Arbeitsplatte und ihrer Ansicht nach sei die Sache jetzt ausgestanden.
Weit gefehlt! In der Regel lassen sich Männer nicht mit inhaltsleeren Floskeln abspeisen, die in sich schon nicht stimmen.
Tee von gestern will an "Schnee von gestern" erinnern und eine ähnliche Reiz-Reaktions-Dispostion erzeugen, was aber nicht klappt, obwohl der Tee annähernd so kalt sein muss wie der besagte Schnee.
Korrekt heißt die Redensart: Schnee vom letzten Jahr. Denn wenn der diesjährige Schnee, der seit zwei Wochen am Boden liegt, nicht weggetaut ist, dann ist es immer noch der aktuellste Schnee, den wir uns vorstellen können. Und damit taugt die Redewendung überhaupt nicht, es sei denn, er ist kurzfristig weggetaut. Letztlich wäre es einfacher, die oben beschriebene Dame würde sich nicht immer "angepisst" fühlen, dann wären Entschuldigungen, auf die sie mit falschen Metaphern anwortet, überflüssig.

Die Morgenansprache (Abschrift): Die Parabel vom Weinberg

Sprecherin: Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Sie hören die Morgenansprache mit dem Abteilungsleiter für unreligiöse Texte im Gerdwin Compendium, Petrus Geerd.
Heute „Die Parabel vom Weinberg“
Geerd: Der Weinbergbesitzer schickte seine Knechte aus und trug ihnen auf, den Weinberg, den er sein eigen nannte, auszutrinken.
„Toller Herr, unser Herr“, freuten sich die Knechte über ihren Auftrag. „Endlich mal wieder richtig einen zischen!“, klang es auf ihrem Weg zum Weinberg.
Alle sie dort ankamen, mussten sie aber feststellen, dass sie den Weinberg gar nicht austrinken konnten, denn die Trauben saßen allesamt noch an den Weinstöcken und ließen sich nur essen .Auch Alkohol war in den Früchten nicht enthalten.
„Was sollen wir tun?“, fragten sich die Knechte. „Befehl ist schließlich Befehl, und wir wollen doch unsern Herrn nicht enttäuschen. Also runter mit dem Zeug!“, sprach einer. Doch die anderen zweifelten, ob das der richtige Weg sei und schlugen vor, zum Herrn zurückzukehren und nachzufragen.
„Warum tut ihr nicht, was ich euch sage?“, fragte der Herr und wirkte erbost.
„Herr, wir können den Weinberg nicht austrinken, auch wenn wir es wollten, weil er nicht flüssig ist“, antworteten die Knechte, „aber wir wollen auch alles richtig machen, deshalb fragen wir dich, was wir tun sollen?“
„Nun gut“, antwortete der Herr, der jetzt nachdenklich geworden war, „dann geht eben in den Weinkeller. Aber nicht wieder austrinken wie vor drei Jahren! Immer zwei teilen sich eine Flasche vom dem Silvaner, der weg muss!“
„Danke, Herr, das wollen wir tun“, sprachen die Knechte erfreut.
Der Herr grübelte: Knechte, die zweifeln und nicht wissen, was sie zu tun haben, das geht nicht, wenn man Herr im eigenen Haus bleiben will. Ich hätte auch sagen können: Macht Kopfstand und lacht herzhaft mit dem Hintern. Oder wie vor zwei Jahren: Zeichnet einen Strich auf den Boden und kriecht drunterher. HerrdieWelt, war das ein Gerobbe und Gekratze gewesen damals! Was kann daran so schwer sein, einen Weinberg auszutrinken?, dachte der Weinbergbesitzer weiter.
Mir sind, ehrlich gesagt, Knechte lieb, die gehorchen und tun, was ich sage, schließlich gilt immer noch: Befehl ist Befehl!
Die Knechte aber saßen im Weinkeller und teilten sich ihre Flasche Silvaner, der sowieso weg musste.
„Toller Herr, unser Herr“, schallte es aus dem Gemäuer.
„Da macht Kechtschaft Spaß!“
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Tag und bleibe Ihr Petrus Geerd!
Sprecherin: Sie hörten die Morgenansprache mit einem Beitrag von THE GERDWIN COMPENDIUM Minden.
Demnächst auch als Podcast zum Runterbrechen.

Lesergedichte: Dietlinde Windig-Licht

Amerikanische Präsidenten
Lincoln
musste pincoln


Fremd sein
Fremd zu sein bedarf es wenig
und wer fremd ist wird nicht Kenig(König)

Copyright Dietlinde Windig-Licht 2009

Philosophischer Tisch: Das Wein-Axiom

Ein Aufjaulen am philosophischen Tisch: Einer der Disputanten behauptet, er habe einen der drei Sätze gefunden, mit dem die Welt zu erklären wäre. Jahrelang hatten die Teilnehmer versucht, schlichte Axiome zu finden, mit denen alles, aber auch wirklich alles zu beweisen ist.
"Wer Wein predigt, trinkt auch Wein!" wird auf den runden Tisch geworfen, die Gläser scheppern, der Wirt stutzt, die Gäste verstummen. "Wasser predigen und Wein trinken heißt das doch", tönt es aus dem Off, und die kleine Denkergemeinde sieht die gerade aufgestellte Hypothese vom Gesprächsbelauschern zerstört. Doch in diesem Moment schafft es einer der fünf Anwesenden, wahrscheinlich Dr.Karasack, das in sich Unstimmige selbst zu erkennen und das Axiom zu widerlegen: "Der Satz setzt voraus, dass man Weintrinker ist, wenn er für die ganze Welt gelten soll. Das aber ist schon mal falsch. Richtig wäre: Die ganze Welt trinkt Hefeweizen. Dann könnte man das Axiom aufstellen, dass wer Hefeweizen predige, auch Hefeweizen trinke.", so Karasack. "Und was ist mit den Wassertrinkern?", fragt Evi und ist betroffen. "Genau", jetzt Wanda," gerade in der dritten Welt, da haben die nicht mal Zugang zu sauberem Wasser!" Dr.Karasack lässt sich nicht verleiten, von seiner These abzuweichen. "Ich sage Hefeweizen. Vor allem, wenn Wein, dann Rotwein,Weißwein oder Rosé? Weinschorle?Trocken oder lieblich?" Der philosophische Tisch ist sprachlos; soviel Scharfsinn nach dem dritten Hefe hätte Dr.Karasack niemand zugetraut.
"Dietlinde, noch mal ne Ladung Weisen!", schreit Karasack durch das jetzt wieder schwafelnde und bramabarsierende Pubklikum an die Theke.
Die Suche geht weiter.

In Mobilien investieren

Das hat uns der Amerikaner beigebracht: In Immobilien zu investieren kann gefährlich sein, da liegt am Ende nicht nur das eigene Konto im Argen, sondern die ganze Weltwirtschaft. Jetzt haben wir den Salat, nur weil der blauäugie Amerikaner, der sonst gerne Kriegsofpern Kaugummis und Schokolade verteilt, sich ein paar Häuser gekauft hat, die von maroden Abzockbanken finanziert wurden. Darüber hinaus ist es schon eine Zumutung den Satz „Ich möchte in Immobilien investieren“auszusprechen. Da ist der Banker in der Regel überfordert, da das Gemummel des sprachlich Unausgebildeten eher wie „Innommilienimmvenieren“ klingt.
Findige deutsche Kleininvestoren haben sich jetzt eine Lösung zurechtgelegt, die einleuchten will: In Mobilien investieren. Auf der einen Seite wird dem sprachlichen Holperstein der Grund weggegraben, anderseits hat eine bewegliche Wohneinheit den Vorteil, dass man im Falle einer Pfändung schnell mittels überall verfügbarer Zugmaschinen die Behausung aus der Reichweite des Gerichtsvollziehers bringen kann.
Besonders geeignet für diese Art der Investition sind Bauwagen, die sich nicht nur in einer Großbaustelle gut unterbringen lassen, sondern auch preislich günstig liegen, sodass ein gebrauchtes Objekt bei einer Laufzeit von 20 Jahren bei 1% Tilgung und 2% Disagio für einen monatlichen Betrag von 2,50 € zu haben ist. Da kann doch der Bungalow in Malibu getrost verrotten oder in die Reißzähne von Kredithaien geraten.

Georg Krakl: Bleiches Gesicht (2009)


Bleiches Gesicht,
ich kenn' dich nicht.
Gelbes Gesicht,
bist Chinese oder sonst ein Asiat?
Gehörst zur Schickeria? Zum Proletariat?

Du bist nicht gelb. Bist eher bleich, Gesicht.
Und ich: Ich kenn dich nicht.

Philosophischer Nebentisch: Zeit

Was ist schon Zeit? Entweder man hat sie oder man hat sein nicht. Also ich habe wenig Zeit, sagt Gernot, nachdem er sein Pilsglas abgesetzt hat.
Kann man Zeit denn haben? Die läuft doch sowieso weiter, wendet Horst ein.Zeit ist eine Illusion, schlaumeiert Klaus. Eigentlich ist die gar nichts ohne den Raum,
Watt, sagt Knut, du meinst, wenn wir hier diesen Raum, diese Kneipe sagen wir mal, nicht hätten, dann gäbe es keine Zeit? Dann können wir vor die Tür gehen und ich kann ein Bierchen mehr trinken.
Red keinen Quatsch, korrigiert Gernot, draußen ist doch auch Raum, alles ist Raum, nur dass da keine Wände sind.
Genau, sagt Klaus, oder hast du schon gesehen, dass der Weltraum Wände hat? Am besten noch tapeziert! Klaus lacht und Knut schaut verärgert.
Meine Frau hat jede Menge Zeit, als die treibt doch keiner, die sitzt zu Hause und überlegt, ob sie erst Wischen soll oder doch eine Runde mit Freddi um den Block geht, damit der nicht wieder hinters Sofa macht. Oder ob sie eine Verkaufssendung im Fernsehen guckt. Die hat Zeit, während ich gerade zur Arbeit hetze. Die hat Zeit, mit oder ohne Raum. Knut wird nachdenklich.
Die könnte ja als Raumpflegerin arbeiten, gibt sogar mehr Geld in die Kasse, schlägt Gernot vor.
Wer den Raum pflegt, hat automatisch mehr Zeit, philosophiert Klaus.
Seit wann das denn?, wendet Gernot ein.
Habe ich nur so gesagt, jetzt Klaus.
Mit dir kann man auch kein ernsthaftes Gespräch führen, murmelt Gernot und trinkt einen Schluck Pils.
Knut wird unruhig: Ich muss, Leute, die Zeit drängt, meine Frau sitzt bestimmt schon vor dem Dschungelcamp, das gucken wir immer zusammen, will sie jedenfalls, und was Gemeinsames machen Ist nicht schlecht in einer Beziehung. Also, wird Zeit. Tschüss denn.
Jau tschüss, die anderen. Hat nie Zeit, der Bursche, spricht Klaus in sein Glas. Gernot nickt. Wenn, dann nur zeitweise. Aber meistens nie.
Trinken wir noch einen?, fragt Klaus. Jupp, kontert Gernot. Wir haben Zeit...

Vier Rohre wollen in die weite Welt


Da stehen sie nun und schauen aufs offene Meer. Der blanke Hans scheint ihnen kalt und nass und ungemütlich. Aber die vier Rohre aus Oldenburg haben beschlossen in die weite Welt zu ziehen. Nun stehen sie an der Küste, der Landweg ist zu Ende, die Reise geht durchs Wasser.
"Kannst du schwimmen?, fragt Rohr 1 und wackelt verlegen hin und her.
"Weiß nicht, hab's noch nicht probiert", spricht Rohr 2.
"Rückenschwimmen habe ich mal versucht", ergänzt Rohr 3," war jetzt aber nicht so doll. Also, nicht so weit."
"Was ist denn Schwimmen?, fragt Rohr 4.
"Ok", jetzt Rohr 1 wieder, " zurück nach Oldenburg und erst mal einen Schwimmkurs belegen. Im Hallenbad geht das."
"Ist das geheizt?", fragt Rohr 2.
"Ja, sicher", weiß Rohr 3.
"Na, dann lass uns gehen", ergänzt Rohr 4, "in Oldenburg ist es auch schön."
"Und weit", jetzt Rohr 4, das traurig ist, den ganzen Weg umsonst gegangen zu sein.
"Aber nicht so weit wie die weite Welt", tröstet Rohr 1.

Vegetarier überlisten

Das hassen Fleischesser: Vegetarier auf ihren Grillfeten, die die Beilagen im Akkord wegfuttern, als seien sie ausgehungerte Kühe, die auf den Gemüsegarten losgelassen worden sind.
So hat sich der listige Grillfan, der Fleisch gerne kiloweise auf den Rost legt, ausgedacht, dem gehassten Treiben ein Ende zu bereiten und den Grünzeugvertilgern ein paar Frikadellen aus echtem Mett unterzujubeln, um dann zu beobachten, ob die das überhaupt merken. Das Vorurteil gilt nach wie vor: Die merken nichts, weil sie kein Fleisch essen. Fleisch wird als großer Aufmerksammacher unter den Grilltaschenliebhabern gehandelt, auf jeden Fall, merkt Bobbi immer auf, wenn der Duft gegrillten Fleisches ins Wohnzimmer strömt, er aber gerade vor dem Fernseher bei einem Fläschchen Bier eingenickt ist.
"Lieber Vegetarier", so beginnt die trügerische Ansprache, "du hast mal wieder den Teller voll mit Unfleischlichem. Nimm doch hier ein paar Veggi-Kötbulla dazu."
Köttbulla klingt jedem wie Verdautes aus dem Hundekörper, aber mit dem Veggi davor erhält es gleich den gewünschten Gesundheitsaspekt.
"Es sind feine Frikadellen ohne Fleisch, die aus Sägemehl und Holzleim plus einigen Farbstoffen bestehen und die ein schwedischer Möbelhersteller von den östlichen Grenznachbarn Deutschlands bezieht, weil sie dort billiger ist. Der Vegetarier, immer neugierig, wie seine Speisekarte erweitert werden kann, greift zu und beißt rein, die Erklärung der Inhaltsstoffe hat er in seinem Eifer überhört. "Uäh, schmeckt nach Sägemehl", würgt der penible Feinschmecker hervor. "Quatsch", erwidert der Gastgeber, "keine Spur von Sägemehl oder Holzleim! Was wie Sägemehl schmeckt, ist in Wirklichkeit Schweinefleisch!"
Ein Schenkelklopfer. Die Fleischesser biegen sich vor Lachen und der Vegetarier ist froh, dass die Holzbuletten an ihm vorbeigereicht worden sind. Guten Appetit! Besser geraspeltes Schwein als gefeilte Holzpalette aus dem Recycle-Shop.

Ferngesteuerte Touristen

"Ich wollte eigentlich diesen Pfahl fotografieren!", sagt die Fotografin, als sie ihre Kamera auf einen angespitzten Holzbalken richtet, der einmal einen Schiffsanleger an der Nordsee gestützt hat. "Hach", spricht nun der ältere,übergewichtige Tourist in unscheinbarer Freizeitkleidung, "da könnense auch mich fotografieren, ich bin spitz wie ein Pümpel!" Die Fotografin ärgert sich über das missratene Foto und kontert: "Pümpel sind nicht spitz, Pümpel sind tumb. Und: Was ist überhaupt ein Pümpel?" Der Tourist lacht breit: "Na, einer wie ich!" "Herbert!" schreit es da aus dem Hintergrund. Seine Frau. "Du sollst nicht immer Fotografinnen anquatschen, die einen angespitzten Holzbalken fotografieren wollen!" "Pfahl!", korrigiert die Fotografin.
Die Eehefrau hält in der Hand eine Fernbedienung. "Da drück ich jetzt mal auf MUTE", flüstert sie, und der Tourist in seiner unscheinbaren Freizeitkleidung, der gern ein Pümpel wäre, verstummt. "Mutti", ruft es in ihm. Die Fotografin kann endlich ihren Pfahl fotografieren. "Das ist nicht mein Pfahl", sagt sie noch.

Der Geruch eingecremter Frauen

Der Jogger stampft seine Runde durch den Stadtpark; sein Fleece dünstet aus, er läuft ein wenig schneller, um dem Geruch nach Arbeit und Bewegung, nach workout und runningpoint zu entgehen. Tiere laufen nicht mehr weg, wenn er an ihnen vorbeitrampelt. Zwei Frauen kommen ihm entgegen, den Blick zu Seite gerichtet, ihn bloß nicht anschauend, das haben sie wohl in der Selbstverteidigungsgruppe gelernt, nicht in die Augen schauen, das provoziert. Vielleicht sind sie angewidert von seinem Geruch, vom Tier in ihm, vom Würzigen, Erdigen, Urigen, Archaischen, von dem, was früher die Frauen angezogen hat. Das ist nicht mehr zeitgemäß, nach Mensch in Bewegung zu riechen. Das hat uns die Kosmetikindustrie ausgetrieben. Die Frauen riechen nach einer Mischung aus Nivea und Sheabutter plus 3% Jojobaöl. Sie riechen, als hätten sie vor dem Laufen geduscht und sich anschließend eingecremt, um jedem Entgegenkommenden entgegenzuduften: Wir sind sauber, egal, was wir machen! Wir stinken nicht!
Der Saubermann wird von der Sauberfrau abgelöst. Traurige Gleichberechtigung.

Sich an einer Weide auf einer Weide weiden

An einer Weide
standest du im duft'gen Kleide
auf dich war ich so wild
und wollte schnell ein Bild
ich hatte so Verlangen
du warst schon aus dem Bild gegangen

als ich die Kamera endlich soweit hatte, dass ich das Bild machen konnte. Blöde Technik...

Wilde Feiern auf Friedhöfen?

Was soll der Spaziergänger denken, der sich auf einem meditativen Friedhofsgang befindet, wenn er einen Blick in die Müllkörbe wirft?
Hat hier eine abgedrehte, morbide Gruppe verkorkster Freizeitversager bei Grablichtern wüste Gesänge intoniert und Schnaps aus Flaschen getrunken, die durch Plastiktüten getarnt waren?
Nach den roten Plastikhüllen für die Partybeleuchtung zu urteilen, müssen mindestens 8 Personen ihr Unwesen getrieben haben an einem Ort, der der Ruhe, nein der Stille, der Nachdenklichkeit, dem Gedenken, der Trauer, der Selbstbesinnung und des Bewusstwerden der eigenen Vergänglichkeit vorbehalten ist. Wie weit muss es diese Menschen getrieben haben? Oder waren es nur 4 Ruhestörer, die jeder zwei Lichter dabei hatten? Denkbar wären auch 16 Personen, von denen sich immer zwei ein Licht geteilt haben. Eher unwahrscheinlich, denn Ruhestörer teilen nicht gern. So kann die Annahme, es habe sich um 32 Personen gehandelt, so dass immer vier sich eine Beleuchtung geteilt haben müssten, verworfen werden, eben aus den genannten Gründen. Das gilt ebenso für eine Gruppe von 64 Personen, undenkbar eigentlich, wenn man da in der hinteren Reihe steht, sieht man von den Talglampen nichts und vom Schnaps noch etwas abzubekommen, wäre völlige Illusion.
Möglich, dass es nur eine Person war, die hier gefeiert hat, die hätte genug zu trinken gehabt und volle Beleuchtung. Und das ist ein triftiger Grund.

Grausame Läden in Polen

Wer Polen verlassen will, weil er sich an der schönen Landschaft sattgesehen hat, kommt nicht umhin, an Straßenläden vorbeizufahren, die dem Augen und der Seele Schaden zufügen könnten. Wird manch Mitbürger schon aggressiv, wenn er einen Gartenzwerg in Nachbars Garten sichtet und greift spontan zum Hammer, so ist sein Nervenkostüm auf dieser Fahrt aufs Äußerste strapaziert. Nicht nur, dass hier Gartenzwerge feilgeboten werden, auch andere Wesen, die man längst ins Unterbewusste abgedrängt hatte, werden noch einmal zu Stein und zu realen Objekten, die sich jeder in den Kofferraum laden darf, wenn er vorher genügende Zloti, oder besser Euro, über den Tisch hat gehen lassen. Ob er zu Hausen dann den Hammer einsetzt und sich für den Seelenschaden rächen will oder eine schöne Stelle im insgesamt hässlichen Vorgarten sucht, um dem geschmacklosen I noch ein Tüpfelchen aufzusetzen, ist dem Verkäufer egal. Interessant ist allerdings, dass sich der Osten auf die veränderte Bedürfnislage der westwärts fahrenden Konsumenten eingestellt hat: Es gibt auch unspezifische Holztafeln, blau oder rot gestrichen, die dem Gartenzwerghasser und Steinpilzsammeler(Haha!) oder Steinkorbkliebhaber mit Zerstörungambitionen eine Alternative bieten. Bei etwaigen Grenzkontrollen erleben diese Käufer nicht mehr ein hämische Grinsen der Zollbeamten (Was hat der denn für einen Scheiß gekauft?), sondern eher den interessiert-neugierigen Blick des Fahnders, der sich fragt, wie und wo hier Drogen versteckt worden sind. Auf jeden Fall rät der Pschologe: Lieber eine rote oder blaue Holztafel im heimischen Garten zerhacken, als einen hässlichen Gartenzwerg in Trümmer prügeln. Der Zwerg hat doch noch zu viel Menschliches, als dass solches Tun nicht von Schuldgefühlen begleitet würde. Und wwer will die schon haben?

Hessen: War doch klar

Der lesefaule und lesegehemmte Hessen wählt einfach: Wörter mit einer Silbe und die an irgendetwas erinnern, bestmöglich sogar noch primäre Bedürfnisse wie das Verlangen nach zubereitetem Essen ansprechen, bekommen ihr Kreuz. Längere Wörter oder Wörter mit zu vielen Umlauten werden als Bedienungsanleitung oder Allgemeine Geschäftsbedingungen erkannt, die man natürlich nicht wählen kann, weil die keiner Partei angehören. So hatte Roland Koch in Hessen mal wieder die Nase vorn, wenn auch nicht viel weiter als im Vorjahr. Sein Kontrahent, wie war doch noch sein Name, jedenfalls hatte zuviel verschiedene Vokale und vor allem zu viele Umlaute in seinem Doppelnamen, der eher an eine wohlsituierte Dame mit Wohltätigkeitsambitionen erinnert, dazu noch einen Bindestrich und diverse Konsonanten,und ging als Kleingedrucktes im Wahlurnengetümmel unter. Die von Koch geführte CDU muss nun zur Strafe mit der FDP regieren.

Wahl in Hessen (Bericht von 14.30 Uhr)

Dass die SPD wenig Chancen hat, diese Wahl zu gewinnen, ist doch klar. Bereits in der letzten Runde hatte Roland "Lügennase" Koch beste Chance, sämtliche Legastheniker des Landes auf seine Seite zu ziehen. Koch liest sich einfach besser als Ypsilanti. Jetzt tritt Schäfer-Gümpel an, den man anfänglich mit Gaffer-Schniepel verwechselt hatte, mit einem Doppelnamen, der klassisch gesehen auf eine Frau verweist, und straft damit alle Lese-Rechtschreibschwächlinge ab: Den könne die gar nicht wählen, weil es zu lange dauert, den Namen zu lesen und einem SPD-Kandidaten zuzuordnen. Dabei sind Legastheniker schlau, wenn es um Rechnen und anderes geht. Schade, es wäre einen Versuch wert gewesen. Aber in Hessen kann auch ein Koch den Brei verderben, und dagegen hat es ein Schläfer-Gerümpel ganz ganz schwer. Oder wie der sich schrieb. Da fängt der Schweiß doch schon an, dass man nicht genau erkenkann wasdawerdaistdadaist. Blabal. Politist!

Ausgestorbene Wörter: Ruckdudde

Ein schönes deutsches Wort könnte "Ruckdudde"sein. Was es genau bedeutet, ist bisher unbekannt geblieben, man kann Vermutungen anstellen, dass es irgendetwas Technisches ist, vielleicht ein Bauteil einer Dreschmaschine oder eines Förderbandes für Pfandflaschenkisten. Um 1970 herum ist das Wort entstanden, als ein gelangweilter Gymnasiast im Deutsch- und Erdkundeunterricht, vielleicht auch in Physik oder Geschichte, nach Beschäftigung für sein Hirn suchte und es für eine gute Idee hielt, neue Wörter zu schöpfen. Er hatte bereits, leider erfolglos, eine Materialsammlung für ein Lexikon der Lautmalerei begonnen( Aaah, arf, arghhhh, bumms, boller, brech, badautz), das es bereits gab. Nach Abbruch des Unterfangen widmete er sich planlos der Erzeugung von Neologismen. Gegen 10.14 Uhr am 3.September 1970 schrieb er, widersinnigerweise in der Englischstunde, das Wort "Ruckdudde" auf seinen Notizblock und erfreute sich am Wohllaut der Vokale und Konsonanten.
Nachdem er eine Woche später das Blatt seines Notizblockes umschlug, um endlich eine neue Seite zu beginnen, verschwand mit den anderen Notizen, die keinerlei Bedeutung für seine Bildung besaßen, auch das Wort Ruckdudde. Erst achtungvierzig Jahre später sollte sich der damalige Gymnasiast wieder des Wortes erinnern. Ein Lächeln flog über sein Gesicht, denn er hatte das Wort in der kurzen Woche seiner Existenz liebgewonnen. Eine Bedeutung konnte er ihm allerdings auch nach so langer Zeit nicht zuweisen. Da er es in der ganzen Zeit an keiner Stelle gehört oder gelesen hatte, ging er davon aus, dass es ausgestorben sei. Wir, die Leser monotoner Bücher mit reduziertem Sprachcode, sind um ein schönes Wort ärmer.
(Foto: Vielleicht mag man sich eine Ruckdudde wie oben abgebildet vorstellen. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist eine Ruckdudde kleiner, kantiger oder noch spitzer, bzw. stumpf.)

Rotraud Grauth-Mechtig: Dortmund 2


Es reimt sich auf Dortmund
So schön Deutscher Sportbund.
Den Reim auf Essen
Hab' ich vergessen.
"...ist ein Höhepunkt der krtischen Lyrik. Dortmund, die Stadt mit den meisten Staublungen, mit der höchsten Unbeweglichkeitsrate, dieses Zentrum von Trunksucht und ungeschicktem Ballsport auf professioneller Ebene, wird durch die Verknüpfung mit dem Deutschen Sportbund auf eine Ebene transportiert, die Hoffnung schimmern lässt. Es gibt noch etwas zu retten, ihr seid nicht am Ende!Die tröstlichen Zeilen sind Lebenshilfe par excellence, die gleichzeitig Handlungsanweisung sind: Tu was, raus aus den Sesseln, weg die Schlappen, aus den Fernseher!
Grandios dann die Zeilen zur Industriestadt Essen, der Dichter hat einen Reim auf Essen vergessen. Welch sprachlicher Kunstgriff, im Wort vergessen verbirgt sich das Wort Essen. Ein Paradox, das sich durch die schlichte Sprache aufzulösen vermag, die dem Betrachter die ganze Problematik des Ruhrgebietes auf zeigen will: Den Konkurrenzdruck der Städte, die heimliche Rangliste, die triste Romantik von Selbstmordgefährdeten. Das treibt Grauth -Mechtig an die Spitze regionler Lyriker und lässt mit Dortmund 2 ein Vorzeigegedicht der Weltldichtung vermuten....." (Aus: Helmut Karasack: Sternstunden des Endreims, Dortmund 2008, S. 804)
Georg Krakl: Gespräch mit einem Pitbull (Dortmund)
Heimatkunde für Hunde
Dieser Ort, Hund
heißt Dortmund
Biologie
Dieser Knochen,
den du mitgebracht,
gehörte einst zu Jochen,
der jetzt nicht mehr lacht.

Windfried und Edger: Wer ist Hildegard Knef? ( Das Schweigen 3 )

Windfried und Edger stehen am Mittellandkanal. Sie haben 90 Minuten für ihr Remake von "Das Schweigen"geschwiegen. Probeaufnahmen sind im Kasten. Benno packt seine Kamera ein.
Windfried: Wer spielt denn die Hildegard Knef, du oder ich?
Edger: Wen?
Windfried: Ich finde du, du hast doch die volleren Lippen.
Edger: Von wem sprichst du überhaupt?
Windfried: Dein Mund ist auch breiter. Kommt besser, wenn du dann "Für mich soll's rote Rosen regnen" singst.
Edger: Hildegard Knef? Die macht doch in "Das Schweigen" gar nicht mit.
Windfried: Also einer muss es machen. Ich denke, du.
Edger: Hallo? Hörst du mit überhaupt zu?
Windfried: Wieso?
Edger: Wies0? Weil Hildegard Knef nicht im "Schweigen" mitmacht.
Windfried: Noch nicht. Wir haben hier ja auch bisher nur rumgestanden und geschwiegen. Jetzt wird es mal Zeit, eine Frau einzubringen. Damit sich der Zuschauer nicht langweilt. Hat auch eine erotische Komponente.
Edger: Ich fasse es nicht.
Winfried: Hieß Bergmann eigentlich Ingemar oder Ingrid?
Edger: Weiß ich doch nicht.
Winfried: Auf jeden Fall war er eine Frau.
Edger: Ich drehe durch.

Missratene Reime: Rotraud Grauth-Mechtig - Dortmund 2008


Graue Stadt am Meer
bist du nicht.
Da verwechsel ich dicht.
Bist nicht Leer
oder Aurich oder Stade oder Emden.
Bist nicht Stadt der vielen Verklemmden.
Bist Dortmund, einfach Dortmund.
Das finde ich total in Ordnund.

Günther Krass: Erinnerungen - Russisch Brot

Wir lernten lesen, indem wir die Nudeln aus der Buchstabensuppe fischten und am Tellerand zu Wörtern aufreihten. Pratzlib oder schrubtar waren Begriffe, die wir nicht kannten, die sich aber aus dem Angebot des Suppentellerbodensatzes ergaben. Später entdeckte meine Mutter das Russisch Brot im Regal des Konsums und brachte es mit nach Hause. Zu besonderen Tagen wurde es zum Muckefuck oder Kaffee gereicht und durfte nur wortweise konsumiert werden. Da wir Zweitklässler nur wenig Wörter kannten, die über zwei Silben hinausgingen, schoben wir Kohldampf und nährten uns zwangsläufig mit Keksen, die nach Blechbüchse schmeckten, weil sie bereits 4 Wochen vor Weihnachten gebacken worden waren, und es nun kurz vor Ostern war.
Damals begriffen wir nicht, dass unsere Lust am Wörterbilden und anschließenden Einverleiben der Buchstaben zukunftsweisend war. Weit vor der Erfindung des Hiphop, weit vor Gettoblaster, Hose-in-den-Kniekehlen und Goldkettchen, entstand der Begriff "Ompen". Uns war nicht klar, was hinter diesem Wort einmal stecken würde. Viele Jahre später erst bezeichnete es einen Vorgang im Rahmen der Beatbox und der Bodypercussion. Ompen ist das Dungdiffdedisch und das Itsitsits der Rapper, wenn sie sich in Stimmung für einen Freestyle-Rap bringen wollen. Dass Raps auf Englisch oder auf Deutsch vorgetragen werden, mag den Russen, der damals noch Sowjetbürger hieß, stören, aber auch der Russe ist nicht mehr, was er mal war; heutzutage macht er Urlaub in einem All-inclusive-Hotel in der Türkei und lädt sich am Büffet den Teller so voll, dass man von den Resten ein Schwein ein Jahr lang durchfüttern könnte.
Geblieben ist aus der vergangenen Zeit "ompen", ein Wort, das die Menschen lieben müssen.

Farbe bringt Leben in den Winter

Herrlich, wie es manche Menschen verstehen, Farbe in den tristen Winter zu bringen! Der Garten befindet sich in seiner Ruhephase, selbst der Waschbeton rührt sich nicht vom Fleck und die Blumen und Gewächse, Bäume und Büsche verharren still und warten auf den Frühling. Wie schön mutet da ein einfacher Betonkübel an, formschön gegossen und richtig auf dem Gehweg platziert, gelb gestrichen, um den übermütigen Radfahrer zu warnen: Vorsicht! Verletzungsgefahr!
Im Sommer hätte man diese Augenweide vielleicht übersehen oder mit Worten wie"Nä, watt hässlich" oder "Vatter, kuck mal, wie potthässlich, wie oberpotthässlich!" bedacht, jetzt aber im Winter, wo die Menschen nach bunten Flecken lechzen, trifft er auf ein Urbedürfnis und hilft über die schlimme Jahreszeit.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Weiser weißer Vogel

Werde wie der weise weiße Vogel; und wenn dein Inneres nicht so weit ist, wenn es nicht leer ist von Weisheit, leer ist, zu warten, was dir gesagt wird, um es der Welt mitzuteilen, dann arbeite an deinem Äußeren. Wir Wissenden kennen die hermetische Weisheit: Wie innen so außen, wie außen, so innen, wie oben so unten. Das ist Grundlage der Astrologie und lässt dich hoffen. Beginne mit deinem Gesicht, mit deiner Miene, mit deinem Blick. Lerne vom weisen weißen Vogel, der vielleicht gerade meditiert, weil es zum Fliegen zu kalt ist. Halte die Augen leicht geschlossen, blicke zu Boden, was Demut repräsentiert und ein nach Innengekehrtsein. Halt den Schnabel! Das will dir sagen: Still jetzt, lass die anderen reden, da kommt genug Blödsinn zusammen, den du mit kurzen, prägnanten, manchmal vielleicht kryptischen Worten bedienen kannst. So wie der weise weiße Vogel ganz selten einen Laut von sich gibt, so sei auch du sparsam mit deinen Worten. Je weniger du sagst, desto wertvoller wird das einzelne Wort. Achte auf deine Körperhaltung, steh oder sitz aufrecht, dann kann die Energie fließen, der Betrachter denkt an seine ausgeleierte Bandscheibe und strafft sich wie von selbst. Du bist sein Vorbild. Er beginnt automatischmit dem Lauschen, weil er heilende Worte von dir will. Du aber lässt ihn warten, weil du gerade keine heilenden Worte auf Lager hast und weil du auch keine heilenden Worte kennst. Der Wartende denkt: Wie weise, der weise Mann. Kein Wort zu viel, keins zu wenig. Da will ich mal schön zuhören und alles aufschreiben, damit ich nichts vergesse; wer weiß, wozu ich das mal brauchen kann.
Bleibe an einem Ort, beweg dich nicht viel, renn nicht herum, wie es die Toren machen. Du ruhst in dir. Das wirkt sich auf die Betrachter aus. Sie werden ruhig, veilleicht sogar ein bisschen schläfrig, aber das ist nicht schlimm, sondern lässt dir Zeit, dich zu sammeln und eine Antwort auf die Frage "Was soll der Blödsinn?" zu geben. Bleib ganz ruhig, wenn du keine Antwort in dir hörst, du bist vielleicht noch nicht so weit. Vielleicht kaufst du dir erst noch einen weißen Anzug, einen weißen Rollkragenpullover und weiße Schuhe, das ist immer gut, denn Weiß ist die Farbe der Erleuchtung.
Dann heißt es nur noch warten, dass sich der äußere Effekt ins Innere arbeitet, dass es in dir wirkt, wie es außen schon vorbereitet ist. Und wenn du in deinem Kopf nur, wie du es nennst, gequirlte Affenscheiße findest, bleib ruhig, sie kann der Dünger sein, damit die Weisheit in dir wächst. Denn alles hat einen Sinn, selbst der Blödsinn, wie das Wort schon sagt.

Östliche Weisheit: Halber Mantel

Triffst du auf einen armen Mann, dann zerreiß nicht gleich deinen Mantel in zwei Hälften, um die eine Hälfte dem armen Mann zu geben. Schau erst, ob der arme Mann überhaupt einen halben Mantel brauchen kann.

Windfried und Edger: Das Schweigen (Teil 2)

Windfried und Edger stehen wieder am Mittellandkanal. Hinter der Kamera steht Benno. Noch einmal sind Probeaufnahmen für ihr Remake von "Das Schweigen". Nach 60 Minuten des Schweigens:
Windfried: Jetzt wäre die Nacktszene dran.
Edger: Wird da auch geschwiegen?
Windfried: Ja sicher.
Edger: Und wer soll die machen?
Windfried: Ja, ich nicht.
Edger: Ich auch nicht.
Windfried: Ohne Nacktszene ist das ein ganz anderer Film.
Edger: Trotzdem.
Windfried: Ist doch nur Schwarzweiß.
Edger: Eben.
Benno: Ich mach das!
Windfried: Du bist doch hinter der Kamera.
Benno: Na, und?
Windfried: Da sieht man dich doch gar nicht.
Edger: Ist doch egal?
Benno: Hauptsache wir haben eine Nacktszene.
Windfried: Ich weiß nicht.
Benno: Das passt schon.
Edger: Was nicht passt, wird passend gemacht.
Benno: Das ist noch richtiges Handwerk.
Windfried: Aber in Schwarzweiß, das ist Bedingung.
Benno: Na, klar.
Edger: Eben.

Windfried und Edger: Sag mal was (Das Schweigen 1)

Seit 90 Minuten stehen Windfried und Edger am Mittellandkanal zu Probeaufnahmen für ihren neuen Film, ein Remake von "Das Schweigen", und schweigen.
Windfried: Sag mal was!
Edger: Was?
Windfried: Irgendwas.
Edger: Irgendwas?
Windfried: Sag ich doch.
Edger: Dann sag du!
Windfried: Was?
Edger: Irgendwas!
Windfried: Blöde Unterhaltung.
Edger: Klappe!
Windfried: Meinst du mich?
Edger: Quatsch, Benno.
Windfried: Wieso Benno?
Edger: Das ist doch unser Kameramann.
Windfried: Der hat doch gar nichts gesagt.
Edger: Das sagt man aber so.
Windfried:So?
Edger: Benno, Klappe!
Benno: Hab schon!
Edger: Alles im Kasten?
Benno: Klaro.
Windfried: Heißt das nicht "Alle auf dem Kasten"?
Edger und Benno: Nö.

Schöne kalte Jahreszeit?

Da wollen einem die Mitmenschen weismachen, dass die kalte Jahreszeit mit ihrem Frost und ihrem Raureif, ihrer Glätte und ihren zugefrorenen Autofenstern, den spiegelblanken Bürgersteigen und dem verunglückten Postboten, der dich in Regress nehmen will, weil du nicht pünktlich um 7 den Zuweg zu deiner Wohnung gestreut hast - Frage: Wann kommt denn die Post um 7? Das kann doch höchstens der völlig verspätete Zeitungszusteller gewesen sein!-, dass diese Jahreszeit schön ist, romantisch, mit ihrem kalten Hauch, ihren übereisten Blumen, der sanft in Schnee gehüllten Landschaft und dem stillen Licht der Sonne, das für wenige Stunden über das nahe Gebirge blinzelt.
Papperlapapp! Wie im Kleinen, so im Großen. Was ist an verreiften Hagebutten romantisch? Es ist doch nur Gestrüpp, das sich kurzzeitig in neuem Outfit präsentiert! Letztendlich ist es wirklich nur unangenehmes Buschwerk, sprich, heilloses Durcheinander, so wie wir es allmorgendlich auf den Straßen erleben, wenn Autofahrer aufgrund ihres Restalkohols vielleicht oder psychischer Defekte fahren, als sei erhöhte Geschwindigkeit die einzige Möglichkeit den schwierigen Straßenverhältnissen zu entkommen oder sich verhalten, als ob alle anderen Verkehrsteilnehmer stünden, als habe sie die Nacht eingefroren, um darauf zu warten, dass ein treuer Bernhardiner sie wieder ins Leben leckt.
Kälte hin und her, aber wir sollten nicht übertreiben und unsere Sehnsucht nach Romantik im Rahmen erhöhter Heizkosten und erweiterter Unfallgefahr stillen!Die Rechnung zahlt letztendlich auch der verstiegende Sonnenuntergangmit JamesLastmusikliebhaber.

Östliche Weisheit: Zähnespucken

Wenn du einen einzelnen Zahn ausspuckst, dann spucke einen zweiten hinterher, dass dein Feind nicht denke, du seist ein zahnloses Männlein oder Weiblein.

Metaphern helfen nicht immer

Manchmal fehlen einem die passenden Wörter und Worte, und dann greift man zu einem bildhaften Ausdruck, der Metapher, die dem Zuhörer erklären soll, wie es einem geht oder welche Empfindungen man selbst hat, wenn zum Beispiel ein Ziegelstein vom Dach fällt und uns knapp vor die Füße. "Das war knapp", reicht da nicht immer, da muss man schon nachlegen, etwa: "Ich fühl mich wie ein Kitz, das gerade dem Mähdrescher entgangen ist!" Der Zuhörer runzelt die Stirn und wendet ein: "Du wiegst 101 kg, da kannst du doch nicht von einem Kitz reden!" "Ja, wenn ich mich aber so fühle", erwiderst du und machst große Augen, so wie es Rehjunge tun, wenn die Mutter mal eben auf einen Sprung in den Wald ist, und es allein im Getreidefeld hockt, während im Hintergrund das monotones Brummen und Rattern des Mähungeheuers zu hören ist. "Da haste aber mal wieder Glück gehabt!", entspannt der Kritiker die Situation, weil er nichts schlimmer findet, als wenn 101 kg-Männer den Blick eines einsamen Kitzes imitieren.
"Ich fühl mich wie eine Stahlstange im Zaun bei eisiger Kälte!", ist der nächste Versuch. "Was hat das denn mit heruntergefallenen Dachpfannen zu tun?", fragt dein Begleiter. "Ziegelstein. Das war ein Ziegelstein!", korrigierst du diesmal. "Ja eben, was hat das mit Ziegelsteinen zu tun?", hakt der andere nach. "Du hast eben keinen Sinn für Gefühle! Das nennt man Empathie, wenn man sich in einen anderen Menschen hineinempfinden kann", versuchst du das Gespräch in richtige Bahnen zu lenken. "Du bist dumm wie Brot", schlägt der andere knallhart zurück. Das hat gesessen. Du bist still. Volltreffer. Versenkt. Metaphern - manchmal helfen sie nicht. Aber dann! Bumm!Wie eine Urgewalt. Wie ein Tsunami in lauer Januarnacht. Wie ein Kanonenschlag im Stuhlkreis.
Vielleicht solltest du abnehmen. Jetzt zum Frühjahr wäre eine gute Gelegenheit.

Staatlich geförderte Einsamkeit

Zwei kalte Sitzschalen aus Metall, auf zwei Meter Abstand an einen Querholm geschraubt, ohne Rückenlehne, ohne Armlehne: Das mag man für Kunst halten. "Das ist doch keine Kunst!", schreit Pit und hat vielleicht Recht. Aber, wie bereits Filzhutträger Beuys wusste: Jeder kann ein Künstler sein, und wenn man mal eben ein paar Rückenlehnen abbricht und drei Sitze im Zwischenraum demontiert, dann ist das Sachbeschädigung oder Kunst, je nach dem, wer das Ganze betrachtet, oder wer sich darüber aufregt und Anzeige erstattet. Wahrscheinlich wird man es von behördlicher Seite gerne als Kunst nehmen wollen, denn dann müsste der Schaden nicht repariert werden, sondern sollte die Leute zum Nachdenken motivieren. Der Staat spart Geld, und das Volk, das müden Fußes vorbeitrottet, ärgert sich über fehlende Ruhesitze und denkt nach, warum das so ist, oder, was es zu bedeuten hat, wenn zwei Metallschalen, auf denen vielleicht schon Leute sitzen, so weit auseinanderstehen?
Was mag die Installation ausdrücken? Das liegt doch auf der Hand, wodurch die Behauptung, es handele sich um Kunst, in Frage gestellt wird. Was soll Kunst, wenn sie jeder sofort versteht? Trotzdem: Die Vereinsamung des Menschen wird dargestellt. Da sitzt möglicherweise noch nicht mal jemand, und wenn schon nicht, dann sogar zwei Meter von einem möglichen Sitzpartner entfernt! Das ist doch verschroben! Leute ohne Rückgrad können hier sitzen, denn die Rückenlehnen fehlen, die sie nicht brauchen, weil sie als Klumpen Mensch zusammengekauert der Zukunft harren. Bitterböse, aber durchschaubar. Das ist keine Kunst. Das ist einfacher Sachschaden. Das muss man reparieren. Der Staat will Geld sparen und fördert indirekt die Vereinsamung der Menschen, fördert die Einsamkeit, die verhindert in die Rebellion zu gehen, in die Solidarität, ja sogar verhindert, in die Mitmenschlichkeit zu gehen, weil er die Sache beschädigt lässt. Ach, wenn es doch wie früher sein könnte, als jeder sagen durfte: Der Staat bin ich! Dann wäre einiges anders.

Pelztiere unterwegs

Die Artgenossen schlafen in ihren Höhlen oder sind Richtung Süden gewandert, um an den Touristik-Küsten Nahrung zu finden; währenddessen spazieren Fuchs, Zobel oder Bisamratte, in Gruppen zusammengenäht und gealterten, weiblichen Menschen um den erschlaffenden Körper gehängt, durch die kalte Winterluft.
Mancher Kunstpelz- oder Goretexträger greift kurz in Richtung Glock oder Luger, um sich seiner Sicherheit zu vergewissern, denn der Anblick pelzbehängter Damen, denen ihr ideenloser Gatte eine makabre Freude machen wollte, löst archaische Reaktionen aus. Adrenalin wird ruckartig ausgeschüttet, weil sich der PETA-Freund einem wilden Pelztier ausgesetzt fühlt, das in jedem Moment seine scharfen Eckzähne in Kehle oder Genick schlagen wird. Ein Blick auf das schlecht gestraffte und ungeschickt überschminkte Gesicht signalisiert Entwarnung. Die Tiere sind längst tot, vielleicht vergast oder erschlagen, und 12 tote Silberfüchse machen noch keinen Grizzly. Da heißt es sich entspannen und die Hände weg vom Schießgerät halten. Manchem krampft sich jedoch die Hand um den Kugelspender, wenn er diese Gedankenlosigkeit auf Beinen ins Outback wanken und damit förmlich um ein waidmännisches Ende flehen sieht.