Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Menschen im Freiland
Farben im Wandel der Zeit
Die Lebensmittelindustrie hat sich umorientiert: Sie produziert nicht am Käufer vorbei gemäß dem Motto "Der Hunger treibt's schon rein", sondern bereitet ihre Speisen mit den natürlichsten Lebensmittelfarben zu, so dass ein kurzer Seitenblick auf die dargebotenen Köstlichkeiten das Wasser im Munde versammelt. Sahnehaltige Süßspeisen wie Torte und Biskuitrollen werden in dezentem Braun gehalten, damit der hohe Kaloriengehalt nicht auf das Gemüt schlägt, dazu weiße Tischdecken und das passende Porzellan, quasi als Sahneersatz, den man nicht verzehren kann, was wiederum das Gewissen beruhigt (Von dem Weißen habe ich überhaupt nichts gegessen!). Umrahmt wird die Tafel von einer Garnitur rot-grüner PET-Flaschen mit Limonade, die durch die Farbkombination ROT-GRÜN dem Trinker mitteilt, er handele nach sozialdemokratischer Ausrichtung in Verbindung mit einem Umweltbewusstsein, das sich die Grünen an die Brust geheftet haben. Vielleicht genügt diese Farbzusammenstellung nicht der Ästhetik eines Kunstmalers, wohl aber macht sie den Kampf mit dem Körpergewicht erträglicher und hält die Hoffnung aufrecht, diesen Kampf eines Tages zu gewinnen.
Tod eines Kritikers
Martin Walser hat eine Art Krimi geschrieben, er hat seinen Hass auf Leute kompensiert, die seine Bücher verrissen haben, die ihn einen echten Langeweiler genannt haben, und ihm ist hier ein Husarenstückchen gelungen: Genau so ein Buch, wie es die Kritiker immer wieder bekrittelt haben, ist ihm gelungen. Es ist kein Krimi, sondern eine Art Enthüllungsgeschichte. Der Literaturbetrieb wird kritisch betrachtet und beschrieben, wir erfahren endlich, was hinter den Kulissen passiert und warum die größten Langeweiler echte Bestseller schreiben können. Unter diversen Pseudonymen werden die unterschiedlichsten Charaktere vorgeführt, wir vermuten diesen und jenen, aber beweisen können wir nichts, alles ist Fiktion. Vielleicht wollte sich Walser an Elke Heidenreich rächen, die das Buch "Die Wand" so hochgelobt hat, dass es massenhaft verkauft wurde. Jeder, der es sah, las es, nur um rauszufinden, ob es wirklich so stinklangweilig ist, wie man munkelte, und jeder konnte erleben, wie der Betrieb funktioniert: Da muss nur eine Vielleserin ein paar kryptische Kommentare abliefern und schon steigt ein Stern auf am Nachthimmel der Schreiberlinge. Literaturpapst Reich-Anwitzki bekommt sein Fett ab und irgendwie hat der Leser am Ende das Gefühl, dass überhaupt keiner tot ist und dass auch gar keine Spannung in dem Buch war, wie sich das für einen Krimi eigentlich gehört. Das Buch hat eher etwas Meditatives. Nach einer halben Seite senken sich die Lider und der Kopf sackt zur Seite. Der Leser ist eingeschlafen und träumt vom langweiligsten Tatort aller Zeiten. Noch mal: Tot ist keiner, was ja auch schön ist, spannend ist auch nichts, was immerhin langweilig ist, und da freut es den Verbraucher, wenn er das Buch als Remittendenexemplar für € 2,95 gekauft hat; das sind immerhin satte 6 €, die dem Sparbuch oder einem gemeinnützigen Zweck zufließen können.
Zugvogel, wohin?
Es wird Herbst. Die Zugvögel sammeln sich, du stehst unter der Hochspannungsleitung und schreist hoch: Wohin, wohin wollt ihr? Keine Antwort. Wildes Geschnatter und Gepiepe, keiner versteht einen Ton, niemand weiß wahrscheinlich, wohin die Reise gehen soll, einige treten sie zum ersten Mal an.Dann triffst du auf einen Zugvogel, der einsam auf dem Andreaskreuz vor dem unbeschrankten Bahnübergang sitzt, verlassen von den Kollegen, die in der Ferne schnattern. Du fragst ein weiteres Mal: Zugvogel, wohin? Du betrachtest den kleinen Kerl, wie er zittrig auf dünnen, wackligen Beinen auf dem weiß-roten Blech kauert, eingehüllt in ein schlecht sitzendes Federkleid, das vielleicht vorher seinem älteren Bruder gehört hat. Zugvogel, wohin? Flüsterst du, um den kleinen Flieger nicht zu erschrecken. Auf den nächsten Zug, fiept es zaghaft zurück. Verdammt, denkst du, Vögel haben oft Probleme mit der Sprache! Zugvogel, ZUGvogel, was für ein Quatsch, der hat das total misstverstanden, das musst du klären, bevor die Kollegen auf der Hochspannung abrauschen! Du, Zugvogel, du hast da was falsch verstanden....Bevor du den Irrtum aufklären kannst, piept es: Ich komme sowieso aus Afrika und spreche kein Deutsch. Du nickst, weil du nicht verstehst. In diesem Moment kommt auch schon die E-Lok der Weserstadt-Kreisbahnen, der Vogel stemmt sich vom Andreasblech und fliegt kurzerhand hastenichgesehen auf den vorderen Tender, und weg ist er. Du denkst, dass Vögel auch nicht mehr so sind wie früher. Wobei .... wie waren die früher eigentlich?
Kleine Menschen
Mittlerweile neigen immer mehr kleine Menschen dazu, sich über große Menschen lustig zu machen. Oft reicht ein schlecht sitzender Hut und eine Körperlänge von 1Meter neunzig gegenüber einsfünzig und schon wird gelästert: Guck mal da! Über einsfünzig groß, aber einen schlechtsitzenden Hut tragen. Wie lustig! Selbst wenn keiner der Zwerge in der Nähe lacht, so ist das für den Riesen doch demütigend. Am liebsten würde er dem Wicht eins mit dem schlecht sitzenden Hut über die Rübe ziehen, dass dem Burschen Hören und Sehen vergeht, aber das Grundgesetz verbietet dies: Niemand darf, weil er zu klein ist, um über die Tischkante zu gucken, diskriminiert werden. Das lange Menschen mit schlecht sitzenden Hüten ebenfalls nicht diskriminiert werden dürfen, steht dort allerdings nicht. Da die Kleinen immer mehr werden, stellt sich die Frage: Ist eine Minderheit, wenn sie zahlenmäßig mehr ist als die Mehrheit, überhaupt noch eine Minderheit? Und wenn nein, kann man die dann nicht endlich mal so diskriminieren, dass sie ihr loses Mundwerk halten? Ja, da schweigt das Grundgesetz im Moment lieber.Da lacht der Bäcker: Teilchenbeschleuniger
Haha, hört man aus deutschen Backstuben. Teilchenbeschleuniger, murmelt Oma, wat soll dattan? Muss denn alles hektischer werden? Was der schlecht Informierte für eine bombastische Anlage zur Akkzeleration von Kuchstücken hält, ist in Wirklichkeit der Versuch aus schwarzen Löchern, die beim Beschleunigen entstehen könnten, die Herkunft des Menschen herauszulesen. Wer hat uns gemacht? Wo kommen wir her? Da schmunzelt der liebe Gott, denn er weiß das schon lange, sagt aber nichts. Viel interessanter wäre aber die Antwort auf die Frage: Wo werden wir enden, wenn wir so weiter machen wie bisher? Naja, die Wissenschaft hat ja immer mal ein paar Fragen von vorgestern auf Lager, deren Antworten nicht so wichtig sind; aber wenn sie dann mal da sind, sollten sie auch geglaubt werden. Auf jeden Fall könnte der liebe Gott endlich mal sagen, was er weiß. Das wäre nämlich die einfachste und billigste Lösung...
Vincent van Eijnoor: Küssen
Eijnoor hebt hier auf die alte Rassendiskriminierung ab: Dunkelhäutige küsst man nicht so gern, wie man sieht. Der weiße Mensch schaut, weil dem Bildungsbürgertum entstammend, indigniert. Welche Gefühlslage er damit wirklich verbindet, bleibt verborgen. Fatal nur: Negerküsse werden nach wie vor massenweise einverleibt.
Diese paradoxe Situation in Wohlgefallen aufzulösen, bleibt mal wieder dem Ernährungsminister vorbehalten, der sich derweil mit der Süßwarenindustrie herumschlagen muss, wiel sie gegen die Wörter "Schokohubbel" und "Eineweltküsse" opponiert.
Malerei kann gesellschaftskritisch sein. Muss aber nicht.
Diese paradoxe Situation in Wohlgefallen aufzulösen, bleibt mal wieder dem Ernährungsminister vorbehalten, der sich derweil mit der Süßwarenindustrie herumschlagen muss, wiel sie gegen die Wörter "Schokohubbel" und "Eineweltküsse" opponiert.Malerei kann gesellschaftskritisch sein. Muss aber nicht.
"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Durcharbeiten (Meditation)
(Foto: Sonntags um drei. Mal wieder nichts passiert. Selbst die Wachhäuschen stehen leer.)
Sonntags um drei in deutschen Wohnstuben: Depression. Morgen ist Montag, das Wochenende neigt sich dem Ende(!) zu, ein flaues Gefühl macht sich im Magen breit. Shit, denkt mancher Beamte, morgen geht der Zirkus wieder los, Shit, denkt der Fließbandarbeiter, morgen wieder ins Hamsterrad. Schnell wird noch ein Bier gekippt, um den Niedergang der Stimmung zu kompensieren. Was passiert da? Schlechtes Gewissen stellt sich ein, weil am Wochenende außer Fernsehen nichts passiert ist, weil die Erholung nicht geglückt ist, weil alles so ist wie immer, nur dass die Arbeit fehlte.
Da sind wir auch schon an der Wurzel des Unheils angelangt. Fünf Tage haben wir durchgearbeitet, plötzlich, zwar erwartet, aber doch plötzlich, als ob ein japanisches Gemüsemesser eine Gurke zerteilt, ist die Trennlinie da: Hier die Arbeit, da das Wochenende ohne Perspektive. Anfangs euphorische Gemütsbewegung, ah, jetzt ist das Wochenende am längsten, jetzt haben wir noch alles vor uns, aber.....eine dunkle Stimmung kriecht vom Bodenbelag an den Baumwollstrümpfen über die Kniescheibe durch die Unterhose zum Solar Plexus, dahin, wo unsere Mitte sein sollte, unser Ruhepol. Die Uhr tickt, mit jedem Zeitzählgeräusch schrumpft die Freizeit und damit die Chance, sich zu erholen, zu regenerieren, aufzutanken, Lebensmut zu schöpfen für die nächste Arbeitswoche. Die Depression ist da: Freizeitschmelze, Leere und fehlende Ideen, etwas mit der Zeit anzufangen, außer darüber nachzudenken, dass sie abläuft, sind ihre Zutaten.
Die Lösung ist einfach: Wie eine ständig wiederkehrende Bewegung einen Menschen in Trance versetzen kann, in der er sich vom Alltag entfernen und Kontakt mit seinem höheren Selbst aufnehmen kann, so geht das auch in der täglichen Arbeit. Das Stampfen der Maschinen kann Mantra sein, der Korrekturstift wird zur Gebetsmühle, wenn er in ewigem Gleichmut und immerwiederkehrenden Bewegungen über den fehlerhaften Text gleitet, das Glockenhelle der Kinderstimmen in der 6a ist die Klangschale des Alltags, die fein in uns resonieren kann. Das Übliche, das Gewöhnliche, das Normale einmal anders sehen, hören, fühlen, spüren; aus jedem Wort, das an uns gerichtet wird, ein Mantra machen, und uns dann tief versenken, in unserem innersten Brunnen Ruhe schöpfen, sie in uns vergießen, strömen lassen und weiter machen, unaufhörlich, ohne Pause, immer und immer weiter, bis die Ruhe uns überwältigt hat, bis die Ruhe die Herrschaft übernommen hat, bis wir selbst Ruhe sind. Wir sind Ruhe. Ich bin Ruhe. Vollkommene Ruhe. Dann wird es Zeit für einen kleinen Urlaub. Aber bis dahin heißt es: Durcharbeiten.
Wenn am Montag die Motoren wieder knattern, steht uns der Frust vor der Unterlippe und will sich rauskotzen. Das Wochenende war mal wieder voll daneben, ohne Effekt, ohne Erfolg
Da sind wir auch schon an der Wurzel des Unheils angelangt. Fünf Tage haben wir durchgearbeitet, plötzlich, zwar erwartet, aber doch plötzlich, als ob ein japanisches Gemüsemesser eine Gurke zerteilt, ist die Trennlinie da: Hier die Arbeit, da das Wochenende ohne Perspektive. Anfangs euphorische Gemütsbewegung, ah, jetzt ist das Wochenende am längsten, jetzt haben wir noch alles vor uns, aber.....eine dunkle Stimmung kriecht vom Bodenbelag an den Baumwollstrümpfen über die Kniescheibe durch die Unterhose zum Solar Plexus, dahin, wo unsere Mitte sein sollte, unser Ruhepol. Die Uhr tickt, mit jedem Zeitzählgeräusch schrumpft die Freizeit und damit die Chance, sich zu erholen, zu regenerieren, aufzutanken, Lebensmut zu schöpfen für die nächste Arbeitswoche. Die Depression ist da: Freizeitschmelze, Leere und fehlende Ideen, etwas mit der Zeit anzufangen, außer darüber nachzudenken, dass sie abläuft, sind ihre Zutaten.
Die Lösung ist einfach: Wie eine ständig wiederkehrende Bewegung einen Menschen in Trance versetzen kann, in der er sich vom Alltag entfernen und Kontakt mit seinem höheren Selbst aufnehmen kann, so geht das auch in der täglichen Arbeit. Das Stampfen der Maschinen kann Mantra sein, der Korrekturstift wird zur Gebetsmühle, wenn er in ewigem Gleichmut und immerwiederkehrenden Bewegungen über den fehlerhaften Text gleitet, das Glockenhelle der Kinderstimmen in der 6a ist die Klangschale des Alltags, die fein in uns resonieren kann. Das Übliche, das Gewöhnliche, das Normale einmal anders sehen, hören, fühlen, spüren; aus jedem Wort, das an uns gerichtet wird, ein Mantra machen, und uns dann tief versenken, in unserem innersten Brunnen Ruhe schöpfen, sie in uns vergießen, strömen lassen und weiter machen, unaufhörlich, ohne Pause, immer und immer weiter, bis die Ruhe uns überwältigt hat, bis die Ruhe die Herrschaft übernommen hat, bis wir selbst Ruhe sind. Wir sind Ruhe. Ich bin Ruhe. Vollkommene Ruhe. Dann wird es Zeit für einen kleinen Urlaub. Aber bis dahin heißt es: Durcharbeiten.
Wenn am Montag die Motoren wieder knattern, steht uns der Frust vor der Unterlippe und will sich rauskotzen. Das Wochenende war mal wieder voll daneben, ohne Effekt, ohne Erfolg
Schulexpertin Barbara "Barbie" Turat: Chancengleichheit
"Als ob die soziale Herkunft etwas mit Chancengleichheit zu tun hätte! Jeder hat die Chance. Jeder hat die Chance Abitur zu machen. Dann sind die Leute 19! 19 Jahre, da haben andere früher schon eine Familie ernährt. Auf eigenen Füßen haben die Menschen gelebt, nicht auf Kosten der Eltern. Hotel Mama, genau, abstillen, wenn das Kind dreißig ist. Mit 19 muss man wissen, was man will, da muss man seine Chance nutzen, da sind alle Unterschiede herausgewachsen aus den Kindern, die jetzt Erwachsene heißen. Wer das nicht kapiert, sollte auch kein Abitur machen. Chance nutzen heißt auch, dass man sich einen passenden Beruf sucht. Es muss nicht jeder studieren. Wir brauchen in unserem Staat auch gute Handwerker und auch Menschen, die Arbeiten machen, die wir früher den Ausländern überlassen haben. Da muss die oft verschrieene Hauptschule wieder ihren Beitrag leisten. Was sollen Hauptschulen, wenn alle Abitur machen wollen? So geht das nicht. Es gibt Begabungstypen, da kann man jetzt herumdeuteln, mal ehrlich, es gibt Schüler, die kann man durch 100 Fördermaßnahmen drehen, die bleiben, wie sie sind. Die müssten dann im Studium auch noch Fördermaßnahmen in Anspruch nehmen, und das geht nicht. Da soll selbständig gearbeitet werden. Noch mal von vorn: Es gibt die Chancengleichheit. Man muss sie nur ergreifen. Wie gesagt: Abitur - Muss man nicht unbedingt haben. Man kann auch anders glücklich werden. Sogar im Landtag hat nicht jeder Abitur. Jedenfalls hört es sich manchmal so an."
Irreführung durch die Presse
Auf den ersten Blick denkt der Leser: Aha, die EU...na was, solche Leute haben die jetzt im Parlament? Vielleicht sogar als Kommissare? Und dann erhöhen die auch noch den Druck auf Russland. Halt! Das ist vielleicht Russland, was ich da sehe, oder ein paar Vertreter aus Novosibirsk. Ach, nein, Russen sehen irgendwie anders aus. Mit Kopftuch und Kittelschürze, oder wenigstens einem Haufen Goldschmuck, da, wo Platz ist am Körper. Der Mann, falls es einer ist, trägt gar keine Pelzmütze Modell Breschnjew, der schaut vielmehr aus dem Kopf wie ein Kaninchen angesichts seines Schlächters, so als dächte es: Ob es weh tun wird? Quintessenz: Da sind weder EU noch Russland zu sehen noch scheint jemand unter Druck zu stehen.Der Blick schweift weiter und findet die nächste Überschrift: Der Trend geht zum kurzen Pony. Interessant. Das Foto zeigt fünf Menschen, die den Trend zum kurzen Pony darstellen sollen. Zwei Blondinen haben etwas Fummeliges vor der Stirn, das nicht wie ein Pony aussieht; der männlich wirkenden Person hat man die Haare nach oben gestylt, für eine Frisur in Form einer Pelzmütze hat es wohl nicht gereicht, für einen Pony hat man die falsche Kämmrichtung gewählt. Zwei Damen tragen einen Pony, der ihnen gerade noch erlaubt, einen Blick ins Handtäschchen zu werfen, um nach dem Lippenstift zu wühlen. Das sind dann wohl kurze Ponys. Die langen sollen früher, als die noch im Trend waren, bis zum Kinn und noch tiefer gereicht haben. Man hat sie dann in der Mitte zerteilt und die Frisurhälften hinter die Ohren geschoben, was zur Erfindung des Mittelscheitels führte. Oder gehört der Text vielleicht zu einem anderen Bild, einem Pferdesportbild, auf dem neue Zuchterfolge präsentiert werden. Kurze Ponys, halb so lang wie die alten. Der dazugehörige Text erscheint vielleicht morgen. Oder ist gestern schon erschienen. Wir wissen alle: Zeitunglesen ist eine spannende Sache, und wenn man Glück hat, erfährt man sogar etwas Neues.
Witze über Hunde und China: Erniedrigend
Durch die Wand gehen
Praktisch: Haustiere in der Dose
Nachrichten genau lesen
Und dann zurückgepfiffen! Genauer lesen! Habe ich etwas nicht verstanden? Habe ich etwas übersehen?
Fatal ist nur, wenn ich wirklich nichts überlesen habe... Was dann?
Chinesen in Deutschland
Die Chinesen haben Deutschland und speziell Weserstadt erreicht. In ihren traditionellen Drachenbooten sind sie die großen Flüsse in das europäische Land gerudert; Menschen haben sie ja genug, die einen einfachen Außenbordmotor ersetzen können. Über den Young C Young- Fluss, den Ob, die Donau und schließlich den Mittellandkanal haben sie nach erfolgreicher Schleusung am Wasserstraßenkreuz die Schiffsmühle an der Westfälischen Pforte(Porta Westfalica) angesteuert. Die Invasion scheint friedlicher Natur zu sein, denn bisher konnten keine Waffen an Bord der drei Boote Stephan, Stephan II und Stephan III entdeckt werden; allerdings soll das auch nur schwer möglich gewesen sein, da der Platz für die Ruderer gebraucht wurde. Nach erfolgreicher Landung verteilten die Asiaten bleihaltiges Kinderspielzeug und einen Teil der übriggebliebenen Goldmedaillen an die Bevölkerung; im Anschluss wurden verschiedene ortsansässige China-Restaurants auf die korrekte Rechtschreibung chinesischer Schriftzeichen in den Speisekarten überprüft. Über die Weser, die Nordsee und die jetzt eisfreie Behringestraße oder Nordwestpassage will man die Heimat erreichen; eine genaue Route muss noch erarbeitet werden, da die Boote nicht hochseetauglich sind. Interessant ist im Zusammenhang mit dem Besuch, dass der deutsche Name Stephan sich im Land der Stäbchenesser durchgesetzt hat. Dort heißt er allerdings
Step-Han, was soviel wie Chinesischesbootdasbleihaltigeskinderspielzeuganbordhat bedeutet.
Bis letzte Woche waren die Boote noch zu besichtigen. Die Weser soll jetzt aufgrund von Nachfragen besorgter Bürger auf Glutamat untersucht werden.
Tipps für Blindenhunde und Kinder: Rot oder Grün
Nachtrag: Schieß- und Kostümfest in Weserstadt
"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Zuspätkommermeditation
Früher habe ich mich über notorische Zuspätkommer aufgeregt, ich hatte das Gefühl, dass sie meine Lebenszeit vergeudeten, meine wertvolle Zeit, die ich nun nutzlos herumstehen musste, um auf die Unpünktlichen zu warten. Mittlerweile weiß ich, dass ich dadurch der Zeitvergeudung auch noch den Stressfaktor hinzufüge, was meine Lebenserwartung noch einmal drastisch verringert. In der Ruhe bleiben, verharren, geduldig sein, annehmen, dankbar sein. Das sind die Grundtugenden, die ein langes Leben versprechen, warten können, lieben, den Blick fürs Kleine und Unbedeutende schärfen, obwohl es schon halb fünf ist und wir uns doch um Viertel nach vier treffen wollten. Die Mitte finden. Nicht nur suchen und suchen, rastlos, gehetzt, nein, finden. Die Mitte finden und atmen, tief atmen, weiteratmen, bis die Ruhe kommt, sie kommt, warte einfach, und ausatmen, schnauben, wie ein Pferd, wenn es entspannt, ausatmen und einatmen, nicht mit den Zähnen knirschen, ein dunkles Raunen hilft manchmal, nicht den Passanten fixieren, ruhig bleiben, er wird gleich kommen, ich nehme das nicht persönlich, wenn der mich versetzt, der weiß auch, dass ich meine Zeit nicht gestohlen habe, im Grunde könnte ich auch hinterm Haus in meinem Liegestuhl liegen und ein gutes Buch lesen, ich hätte mich gar nicht auf diese blöde Geschichte einlassen sollen. Und dann wieder: ausatmen, zählen, Affirmationen wispern, ich bin ganz ruhig, alles wird gut, ich lasse und werde gelassen, ich bin gelassen, ich kippe vor Gelassenheit fast um, ruhig, ganz ruhig, dieses alte Pferdenarrenmantra, ruhig, Brauner, ganz ruhig, wer streicht mir durch die lückenhafte Mähne? Wer salbt mein Bein mit Pferdekühlungsgel? Da kommt er endlich, der traut sich wahrhaftig noch zu kommen, dieser miese alte Sack, dieser Zeitdieb, dieser..... Hey, Olli! Ich glaube ich höre nicht richtig, macht hier noch auf katzenfreundlich, als sei nichts gewesen, ist etwas später geworden, kann man wohl sagen, haha, darauf bin ich selber gekommen. Na, Tommi, dann aber mal los, höre ich mich sagen, das kann eigentlich nicht wahr sein, ich verrate mich selber, das ist Verrat, nein, das ist die Wirkung der Meditation, deren Zielen, zu lieben und zu vergeben, sich niemand entziehen kann, nicht einmal ich. Langsam strömt die Ruhe in mich und ich weiß, dass ich alles richtig gemacht habe.
Henri von Glucksrad-Karre: Aus meinem Tagebuch
Kostümfest-Nachlese: Junggesellenkompanie
Innenstadtkorrespondent Peter Henne
"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Zeit
Die Zeit ist ein Fluss ohne Ufer; wer in ihm ertrinkt, ist nicht zu retten. Wohin sollte er auch gehen, da der Fluss keine Ufer hat. So bleibt ihm nur, mit dem Strom zu schwimmen oder zu ertrinken. Aber wohin schwimmen? Das Leben in der Zeit ist wie ein falsches Bild zu einem falschen Text. Wie das Bild von Pilzen nicht zu einem Fluss passt, so ist nicht jede Weiheit weis, aber jede Dummheit dumm. Wer weis.
Neuer Sport für Kinder: Geradeauslaufen
Vor Jahren ist schon von Sportmedizinern festgestellt worden, dass immer weniger Kinder und Jugendliche rückwärts laufen können. Die Konsequenz, die daraus gezogen wurde, war der Verbot des wettbewerbsmäßigen Rückwärtslaufens, was einen ganzen Wirtschaftszweig in der Sportbekleidungsindustrie an den Rand des Abgrunds bracht. Zwar hatte man versucht, durch Kleidung für das Seitwärtslaufen zu kompensieren; aber niemand war wirklich an Seitwärtslaufen interessiert. Nun pellt sich nach langem Hin und Her eine neue Sportart aus dem Ei und will vielleicht auch bald im Licht des olympischen Feuers erstrahlen: Das Geradeauslaufen. Häufig kann man beobachten, dass es jungen Menschen schwer fällt, 50 oder 100 Meter ohne Schlangenlinie zu laufen und da anzukommen, wo der Zeitnehmer steht. Selbst Läufe ohne Zeitnehmer führten zu unhaltbaren Zuständen: Kinder verliefen sich, liefen zu weit oder kamen überhaupt nirgends an.Die neue Sportart soll diese Orientierungslosigkeit beheben und zu einem geordneten Geradeauslaufen führen. Auf rotem Untergrund ist gefordert, in einer Bahn zu bleiben, die durch weiße Striche oder ein Stück Rasen begrenzt ist. Wer als Erster am Endpunkt der Bahn ankommt und dort stehenbleibt, hat gewonnen. Wenn zwei Bewerber gleich schnell sind, ist der schnellere Sieger. Kann man auch hier keine Entscheidung treffen, beginnt man von vorne. Das erinnere ihn stark an den 100m-Lauf, bemerkte Wettkampfteilnehmer Peter P., allerdings sei er dann immer andersrum gelaufen. Die Sportbekleidungsindustrie freut sich, wieder einen Batzen Geld mit überflüssiger Spezialsportbekleidung verdienen zu können.
Bildbetrachtung: Vincent van Eijnoor - Schnabel

Halt lieber den Schnabel, sonst geht's auf den Hauklotz. Mit gekürzter Rübe lässt sich schlecht Kritik üben.
(Zum Verhalten der Menschen im 21.Jahrhundert: Ich möchte meine Ruhe haben. Demonstranten? Gab es die nicht im letzten Jahrhundert? Sind die nicht verfolgt und ausgerottet worden?)
Können Fische Freunde sein?
Wenn es denn wirklich ein Fisch sein muss und eineFreundschaft entstehen soll, dann braucht das Zeit. Das muss sich alles entwickeln. Da hilft es nicht, den Fisch ständig aus dem Wasser zu holen, dann wieder reinzustecken, damit er nicht abnippelt, dann wieder rauszuholen, wieder reinzustecken, wieder rauszuholen.... Abhilfe kann ein Aquarium bringen. Der Fisch hat seine Ruhe und tut, als würde er zuhören. Und wenn sein Freund, der Mensch, einmal anschmiegen möchte, dann bietet das glatte Glas des Schwimmkastens eine angenehme, wenn auch kühle Fläche für den geprüften Kopf. Ein paar Spritzer Glasreiniger anschließend beseitigen lästige Fettspuren, die dem schuppigen Freund den Blick auf die 20.00 Uhr- Nachrichten versperren. Für unterwegs und den Urlaub tut es auch der Dosenfisch, etwa Hering in Tomatensauce, oder, wer das Tier etwas größer haben will, Thunfisch mit Erbsen in Öl.
Zum Heulen: Warum wir weinen
Also erst mal: Jungen und Männer weinen nicht, weil sie gar keinen Grund haben zu weinen. So schlimm kann das doch alles gar nicht sein, egal was es ist. Nicht mal aus Schmerz wird geweint, denn Schmerzen sind, wie der Indianer schon festgestellt hat, eine Illusion. Einbildung. Da gibt es also auch nichts zu heulen. Heulen ist sowieso der richtige Begriff. Heulsuse nannten wir Rollo damals in der Volksschule, wenn er bei jedem Donnerschlag des gerade aufgezogenen Gewitters in der zweiten Stunde aufschluchzte und ein Beben und Zittern durch seinen mageren Körper ging. Heulsuse war fast wie Mädchen. Du Mädchen, du Angsthase, du Schissbüchse. Dabei weiß heutzutage jeder, dass auch Mädchen und Frauen nicht weinen, denn es gibt nichts zu weinen. Vielleicht haben die auch nichts zu lachen, das ist dann wieder traurig, und darüber könnte man weinen. Tut aber keiner. Oder vielleicht gibt es doch eine einzige Ausnahme, warum ein halbnackter Junge mit einem Blechhelm auf dem Kopf weinen könnte: Die Familie sitzt vor dem Fernseher, die Eltern haben sich schön einen gekippt und ratzen jetzt friedlich auf der Couch. Das Kind ist noch wach und will Richterin Barbara Salesch gucken oder einen anderen Dreck im Privatfernsehen. Dumm ist, dass Tommi, Bubis Vater auf der Fernbedienung liegt. Bubi weiß, dass es ein paar saftige Maulschellen setzt, wenn er den erschöpften Erziehungsberechtigten aus dem Koma holt. Das ist zum Heulen. Und dann soll das auch ein Junge tun.
Rotkappen unterwegs
Kostümfest und Tierschutz
Kostümfest in Weserstadt: Platz 10
Nachdem man mit Luftgewehren auf einen Holzadler geschossen hat, präsentiert man sich in erster Linie in einem Umzug durch die beliebtesten Straßen. Alljährlich wird auch ein Kostümwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich jeder, der in einer Verkleidungskompanie organisiert ist, beteiligen kann. 2008 gewinnt das Kostüm "Gute-Laune-Bär" den 10. Platz und hat sich aufgrund mangelnder kreativer Konkurrenz nach fünf Anläufen seit dem Jahr 2000 peu à peu vom 64. Platz hochgearbeitet. Die richtige Kombination schlichter Ideen haben hier zum Erfolg geführt: Ein Beerdigungsanzug wird mit einem Paar Sargträgerhandschuhen kombiniert, dazu wird ein schwarzer Zylinder auf den Kopf gesetzt, eine Sonnebrille, eine schwarze Fliege mit Klemmbügel dazugegeben, schwarze Schuhe und ein weißes Oberhemd angezogen. Ein Schneide- und Stechwerkzeug nebst Etui, das man sich an den Gürtel hängen kann, komplettiert das Ensemble. Das Wesentliche ist aber die gute Laune, die durch rhythmische Körperbewegung zum Hohenfriedbergermarsch des vorauseilenden Spielmannzuges stilvoll dem Publikum verdeutlicht wird. Ein gewisses Maß an Übergewicht ist wünschenswert, denn der Bär ist auch in der freien Natur nicht der Schlankste. Die Vorfreude auf ein paar kühle Bierchen tut das Übrige, damit der Wettbewerbsteilnehmer authentisch wirkt. "Der freut sich aber!", staunt Tante Wilma vor der Fischhalle. Und Recht hat sie.
Bodos Welt-Wörterbuch: Flächenbäcker
Flächenbäcker: Der Flächenbäcker verbreitet sich schnell über riesige Flächen, über Landkreise, über Städte und Gemeinden. Er hinterlässt in diesen Gebieten mässig große Brötchen, die bei dem Versuch, sie aufzuschneiden, zersplittern. Vorsicht ist bei diesem Vorgang deshalb geboten, ebenso beim Verzehr, da sich die scharfkantigen Splitter gern ins Zahnfleisch schieben oder in Zahntaschen absetzen und dort verwesen. Der Flächenbäcker erzeugt seine Ware aus großen Tüten, in denen immer schon alles enthalten ist, und mit einem Backautomaten, der direkt am Verkaufstresen eingesetzt wird. Der Flächenbäcker formt letztlich nur die eingeweichten Tüteninhalte zu gleichmäßigen Klumpen, bzw. bedient eine Maschine, die dies für ihn tut, und lässt dann eine weitere Maschine, die von der Backwarenfachverkäuferin bedient wird, die Feuchtlinge zu einem sogenannten Brötchen aufblähen und verhärten. Je nach Back- und aktuellem Verkaufszeitpunkt können die Produkte heiß, warm oder pappig an den Mann oder die Frau gebracht werden. Der Bäcker nennt sich Bäcker aus Leidenschaft oder ähnlich. Der Verbraucher benutzt Nelkenöl, um seine Verletzungen im Mundinnenraum zu heilen.
"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Gittermeditation
Geht es dir nicht auch manchmal wie dem Gefangenen in der Untersuchungshaft, dem Freigänger oder dem Ausgenüchterten in der Verwahrungszelle? Du fühlst dich beengt, dein Leben ist unfrei, du bist Gefangener deiner eigenen Zwänge. Warum muss der Löffel in der Löffelablage liegen, das Kartoffelschälmesser im Messerblock stecken und warum darf der Fernseher nicht auf standby stehen? Fragen, die dir niemand beantwortet.Wenn du deinen Carport immer schon einfriedigen wolltest, dann bietet sich die gute Gelegenheit, hier einen Meditationsraum zu gestalten. Wenn das Unfreie überwinden willst, dann musst du dich mit ihm konfrontieren.
Ein Eisengitter schützt deinen Carport einmal vor unerwünschten Eindringlingen und stellt andereseits eine gute Vorlage da, in die tiefe Entspannung zu kommen, um schließlich nach ein oder zwei Jahren regelmäßiger Übung den Weg in die Freiheit zu finden. Setze dich bequem hin und beginne links oben (Rechtshänder und Menschen, die falsch herum schreiben, beginnen rechts oben) bei dem ersten Gitterrechteck. Verharre einige Minuten und richte deinen Blick auf das nächste daneben. Nach und nach arbeite dich bis zum letzten Rechteck rechts unten vor. Du spürst die tiefe Entspannung, die dich erfüllt und weißt: Es hat sich gelohnt. Der erste Schritt auf einem weiten Weg in die Freiheit ist getan!
Hässliche Kaufanreize
Du schlenderst locker die Einkaufsstraße hinunter und denkst: Lange nichts gekauft! Wird mal wieder Zeit! Ich weiß zwar nicht was, aber irgendetwas wird sich schon finden. Neue Teefilter bringen nicht den Kick, den du am Samstag brauchst, der dir das Wochenendgefühl vermittelt und dich zufrieden macht. Vielleicht ein Feuerzeug oder ein Paket Zahnseide, vielleicht eine neue Badehose oder einen Lenkdrachen. Die Auslagen der Geschäfte bringen keinen Anreiz, sie sind keine Hilfe, vielmehr bringen sie eine quälende Leere in deinen Schädel. Vielleicht könntest du deiner Frau mal was Neues mitbringen, einen klasse Dosenöffner, einen Glaskeramikschaber gegen eingebrannte Speisereste, oder ein neues Deo. Plötzlich siehst die Schaufensterpuppe: Lila Haare, grell überzeichnete Konturen, übertrieben geschminkt, ein riesiger, aufgerissener Mund, der bis in den Schlund blicken lässt, ein verächtliches Lachen, das dir das Gefühl gibt: Das kenn ich doch....
Du beschließt, ein Bierchen zu trinken; es ist Samstag und damit kann man nichts verkehrt machen.
Ausgefallene Sportarten im Sommer
"Es ist nicht das Fahrgefühl in der Gondel, das kann ich auch im Winter haben", sagt Walter "Schneekanone" Scheetofpehl, der in Badehose und Gummischuhen in seinem Hängefahrzeug sitzt, "es ist das Bewusstsein. Denn das Bewusstsein bestimmt das Sein. Ich fühl mich gut, wenn mir bewusst wird, was hier für eine Sau-Verschwendung betrieben wird. Super. Und: Ich habe das Geld. Das ist der Kick. Die Schneekatzen rotieren hier meinetwegen und vielleicht noch wegen Willy. Aber der hat auch das Geld." Kritiker monieren, es habe immer gegolten, dass das Sein das Bewusstsein bestimme, jedenfalls habe Marx das gesagt. Wer Marx denn sei, fragte Scheetofpehl, und ob der auch Geld habe. Ihm sei jedenfalls egal, wierum es im gut gehe.
Oberkrims, der beliebte Ski-Ort in Österreich, freut sich über den Sommerrummel, auch wenn den Bewohnern durch die ständige Schneeschmelze das Wasser allmählich bis zum Hals stehe.
Geheimnis gelüftet: Hydrant von innen
Dass der Hydrant in Wirklichbkeit ganz anders aussieht als man denkt, konnte jetzt durch eine notwendige Öffnung bewiesen werden. Da die Feuerwehr dringend Wasser benötigte, war es geboten, den roten Burschen zu zerlegen und man hatte damit einen Blick hinter die Signalfarbenkulisse.
Na, viel gab's da nicht zu entdecken. Nach einer knappen halben Stunde war dann auch der Feuerwehr, die vorher gemütlich bei einem Bierchen im Feuerwehrhaus gesessen hatte, klar, wie die Sache funktioniert. Vollkommen unspektakulär: Schlauch anschrauben, Hahn aufdrehen- Wasser marsch!
Trauer nur bei den Geheimniskrämern, denen wieder ein Mysterium entrissen wurde.
Günther Krass: Erinnerungen - Der Mann ohne Unterleib
Ganz früher, als Kind und dann als junger Mensch, habe ich über Karl-Heinz Köppcke, diesen intergren Nachrichtensprecher, nachgedacht, den ich, genau wie Hans -Joachim Kuhlenkampf, für eine ältere Dame gehalten habe, die gern einmal auf ein Stück Kuchen vorbeigekommen wäre. Diese Tatsache, eine Frau zu sein, hätte aber impliziert, dass Karl-Heinz Köppcke einen Unterleib besessen hätte, an dem man unzweifelhaft sein Geschlecht hätte bestimmen können. Unter Köppcke befand sich in unserem Wohnzimmer nur das Mahagonitischchen, auf dem der Fernseher stand. Karl-Heinz Köppcke war eher ein Mann ohne Geschlecht, der lediglich aus einem Oberleib bestand, den er zum Nachrichtenlesen und –sprechen benötigte, und um dort eine seiner vielen ähnlich aussehenden Krawatten zu tragen. Noch früher gab es kein Fernsehen bei uns, nur bei Tante Anni. Dort staunte ich über den kleinen, rundlichen, hutzligen, gemütlichen Apparat, und jetzt weiß ich auch, warum Tante Anni mich so an Hilde Nocker erinnert. Hilde Nocker ist eine Spur weiblicher als Klaus Havenstein, der ähnlich androgyn wie Köpcke eine beruhigende Tantigkeit ausstrahlte. Hilde Nocker und Klaus Havenstein brachten durch ihre gesetzten Stimmen Gemütlichkeit, die der Engländer und schon gar der Amerikaner nicht kennen, die sie nur ahnen, aber kein Wort dafür haben, so dass ihnen das Gefühl immer indifferent bleiben muss. Hilde Nocker war die zwangsläufige Asssoziation zu einem Stück Mocca-Torte, die es oft bei Tante Anni gab und das jene mir durch penetrantes, wiederholtes Nachfragen aufnötigte. Mir fiel es schwer, nein zu sagen, und so sagte ich ja. Ja, Tante Anni, ich nehme noch ein Stück Moccatorte, weil die mich so an Hilde Nocker erinnert. Tante Hilde, nicht die Nocker übrigens, kaufte Mocca-Torte gern bei Lükemeier, dem örtlichen Bäcker. Gekaufter Tortenboden aber war und ist ein Desaster. Niemand mag diese süßlichen Matten wirklich, die Bequemlichkeit siegt aber immer, und, mit genügend Moccacreme bestrichen, lässt sich das Ganze mit Kaffee aufgegossen verdauen.
Karl-Heinz Köppcke schenkte Vertrauen. Aus seinem Munde gesprochen wirkte jede Katastrophe so, dass sie uns nie betreffen konnte. Der wüsteste Wirbelsturm würde uns unter unseren Dächern unbeweht, unbestürmt und unverletzt lassen, so lange nur Karl-Heinz Köppcke sprach. Er war Meditation und Hypnose in einem. So deutsch. So gemütlich, so durchdringend beruhigend. Und die Erwartung von Hilde Nocker und Klaus Havenstein potenzierten dieses Gefühl, steigerten es ins Unermessliche, um uns in tiefe und angenehme Träume zu schaukeln.
Und dafür waren die Unterleibe der genannten vollkommen überflüssig.
Karl-Heinz Köppcke schenkte Vertrauen. Aus seinem Munde gesprochen wirkte jede Katastrophe so, dass sie uns nie betreffen konnte. Der wüsteste Wirbelsturm würde uns unter unseren Dächern unbeweht, unbestürmt und unverletzt lassen, so lange nur Karl-Heinz Köppcke sprach. Er war Meditation und Hypnose in einem. So deutsch. So gemütlich, so durchdringend beruhigend. Und die Erwartung von Hilde Nocker und Klaus Havenstein potenzierten dieses Gefühl, steigerten es ins Unermessliche, um uns in tiefe und angenehme Träume zu schaukeln.
Und dafür waren die Unterleibe der genannten vollkommen überflüssig.
Neues aus der Flächengemeinde: Schützenkönig nicht zurückgetreten
Er wolle und werde nicht zurücktreten, soll der Schützenkönig einer großen Flächengemeinde in Nordostostwestfalen mitgeteilt haben. Er werde sich den Weg zu vorgezogenen Neuwahlen nicht freischießen. Waffengewalt ihm Amt sei ohnehin verboten und zurücktreten könne er gar nicht, nur zurückschießen. Der König werde immer noch durch "ins Schwarze Treffen" oder "den Vogel abgeschossen Haben" ermittelt.
Neues aus dem Schulministerium: Kopfnoten
Unklar bleibt, ob die Ministerin die Ankündigung selbst öffentlich sagen durfte, oder ob sie von Tagesschausprecherin Petra Gerster synchronisiert wurde. Wie festgestellt wurde, nimmt man der Sprecherin sogar die unglaubwürdigtsen Nachrichten ab, weil sie so seriös wirke.
Lesehilfe für Ungeübte: Dieser Text ist eine Satire.
Tipp für Wenigleser: Der Text kann auch als Hörbuch bestellt werden.
Der Weg ist weg
Robbi ist grimmig, weil er keine Antwort weiß: „Sei mal ruhig!“, fährt er Freddi an, „irgendwo wird’s schon langgehen.“
Klaus denkt nach. „Wir sind von da gekommen und wollen nach dort, oder mehr nach links, nee, warte mal...“.
Sein Gemurmel geht im allgemeinen Gebrabbel der anderen unter. „Noch sind wir nicht da“, bemerkt Gustav schlau. „Super, du bist ein Schnellmerker!“, grunzt Freddi. „Wir sind nicht da, aber hier!“ „Genau!“, bestätigt Horst und schaut in die Luft. Robbi kratzt sich am Hintern, das macht er immer, wenn er nachdenkt.
Gleich muss die Lösung kommen, denn die Kratzstelle am Hintern brennt schon. „Ach, wir gehen erst mal weiter; besser als hier nur rumzustehen“, hat sich Robbis Hintern überlegt.
„Was tun ist wichtig, nicht nur tatenlos rumstehen. Dann weiß man hinterher, was man getan hat! Auch wenn’s falsch war.“
Horst ist zufrieden. Die anderen hören gespannt zu. Gustav runzelt die Stirn. „Was tun“, murmeln sie, „was tun.“ Gustav dreht sich eine Zigarette und schweigt schlau.
„Und wenn wir ganz woanders ankommen?“, fragte Freddi.
„Egal“, antwortet Horst, „Hauptsache, wir kommen an.“
„Na, wenn du meinst“, gibt Freddi kleinlaut bei.
Alle trotten los. Endlich ankommen, darum ging es doch, egal wo.
Wer hatte bloß das Wandern erfunden?
Vorurteile aktuell: Angler
Petrus Heil schreibt:Ich habe schon viele Angler gesehen, aber nur ganz wenige, die etwas Essbares, abgesehen von einem hilflosen Regenwurm, an der Angel hatten. Angler sind arme Jäger. Das sind Männer, die durch die Jagdprüfung gefallen sind, weil sie nicht genug Geld hatten, um sich einen hübschen Drilling und zünftige Knickerbocker zu kaufen. Angler geben sich den Schein von innerer Ruhe, dabei sind sie in Wirklichkeit nervöse Hemden, denen in ihrer Freizeit nichts anderes bleibt, als der Hausfrau, die zu Hause schuftet, unter den Füßen weg zu sein, um sie in ihrer ungeteilten Tätigkeit nicht zu behindern. Es sind Männer, die nicht einmal Frauenarbeit erledigen können; die nicht einmal einen Teppich saugen können, weil sie das nicht lernen wollten. Um nicht stumpf vor dem Fernseher zu verdicken, suchen sie sich eine Tätigkeit, die irgendwie auf die Anfänge des menschlichen Lebens zurückweist: Sammler und Jäger seien sie alle gewesen. Sammler, Jäger und Angler. Der Angler ist ja auch Jäger, ein erfolgloser eben. Aber sein Tun erweckt den Anschein von sinnvoller Tätigkeit. Er gleicht dem Computerbegeisterten, der den ganzen Tag damit verbringt, eine sinnvolle Aufgabe für seine zahlreichen Programme zu suchen, und, da ihm nichts einfällt, ein Spiel nach dem anderen runterballert und CDs mit nackten Frauen auf den Bildschirm lädt.
Da im Urlaub kein Bedarf an Computerunterstützung besteht, muss die Angel her, die das Nutzloseste in der heutigen Zeit nach dem Mozarella-Schneider ist, und alle Beobachter glauben macht, hier werde sinnvoll geschafft.
Nervös kümmert sich der Angler um ein Aussehen voller Ruhe; für den Betrachter, der längst weiß, dass Angeln nicht mehr zeitgemäß ist, sondern ein Zeitverplempern für Leute, die nicht lesen können oder kein Kreuzworträtsellexikon haben, soll es nach Kontemplation aussehen. Der Angler nennt das dann Abschalten. Der Zyniker behauptet, dass der Fischfeind sein Gehirn außer Betrieb setze und diesen Zustand durch das Halten eines Stockes mit Schnur und Angelhaken kaschiere. Es sei ihm letztlich egal, ob am Ende etwas dranhänge oder nicht. Der Vorgang sei wichtiger als das Ziel. Hiermit nähere er sich der östlichen Weisheit, die ja auch empfiehlt, das Hirn zu Ruhe zu bringen und die hohe Kunst des Nichtdenkens zu üben.
Da im Urlaub kein Bedarf an Computerunterstützung besteht, muss die Angel her, die das Nutzloseste in der heutigen Zeit nach dem Mozarella-Schneider ist, und alle Beobachter glauben macht, hier werde sinnvoll geschafft.
Nervös kümmert sich der Angler um ein Aussehen voller Ruhe; für den Betrachter, der längst weiß, dass Angeln nicht mehr zeitgemäß ist, sondern ein Zeitverplempern für Leute, die nicht lesen können oder kein Kreuzworträtsellexikon haben, soll es nach Kontemplation aussehen. Der Angler nennt das dann Abschalten. Der Zyniker behauptet, dass der Fischfeind sein Gehirn außer Betrieb setze und diesen Zustand durch das Halten eines Stockes mit Schnur und Angelhaken kaschiere. Es sei ihm letztlich egal, ob am Ende etwas dranhänge oder nicht. Der Vorgang sei wichtiger als das Ziel. Hiermit nähere er sich der östlichen Weisheit, die ja auch empfiehlt, das Hirn zu Ruhe zu bringen und die hohe Kunst des Nichtdenkens zu üben.
Camping und Seelennot
Wenn Schuhe mahnen
Da sitzt du erschöpft in der Regionalbahn, die Temperatur leicht erhöht, weil der Wagen überhitzt, schlecht belüftet und gefüllt ist, lässt deinen Blick umherschweifen, schaust durch lange nicht geputzte Fenster, die Landschaft rattert vorüber, denkst über den Nothammer an der Seitenverkleidung nach, nimmst den Mann mit dem Notebook in den Blick, und denkst, dass die Welt sich auflöst, aus den Fugen gerät, explodiert, schmilzt, wegfließt, sich nach außen krempelt, eckig wird, dreckig, morbide und nur Greenpeace die Rettung sein kann, Greenpeace und Sigmar Gabriel, der alte Doppelsitzpolitiker, dieser viel zu fette Mann, diese Kosmopolit-Kugel, verwirfst diesen Gedanken, stellst dir vor, wie der ein Bio-Schnitzel in den Mund schiebt, Fett glänzt in den Mundwinkeln, und verzweifelst an deiner Ohnmacht, an deiner Hilflosigkeit, Ratlosigkeit, Tatenlosigkeit, Gefangenheit in deinem langweiligen Alltag, der dieser Fahrt mit der Regionalbahn gleicht, in mittelmäßigem Tempo von Station zu Station zu rappeln, nichts passiert, Menschen steigen aus, Menschen steigen ein, niemanden lernst du kennen, niemanden verabschiedest du, nur der Zugbegleiter spricht mit dir: Die Fahrkarte, bitte! Iregndwann wirst du die Endstation erreicht haben. Dann wirst du gehen müssen. Plötztlich und endlich fällt dein Blick auf die Schuhe eines jungen Mädchens: Schwarze Turnschuhe mit Totenköpfen! Das soll dir Mahnung sein. Vergänglichkeit. Nutze den Tag, diese Fahrt, diese Station, die Möglichkeit, einen Blick auf deinen Nächsten zu werfen. Nutze das Leben. Ein Lächeln tastet sich vorsichtig auf deine Lippen. Der Mann mit dem Notebook lächelt zurück, das Mädchen mit den Totenkopfschuhen wippt fast übermütig mit dem Fuß. Der Nothammer hängt ruhig an der Seitenwand. Und du weißt: Es geht weiter. Trotz allem geht es weiter. Der Zugbegleiter fragt: Jemand zugestiegen? Du lächelst ihn an und fragst: Wo?
Warum Menschen in Zelten Urlaub machen
Fragt man den einen oder die andere, hört man: Die frische Luft! Im Freien sitzen (Klar, wer will schon unter einer minimalen Dunstglocke sein neues Deo ausprobieren?). Man kann jederzeit wieder abreisen (Wer baut denn sein Zelt noch mal irgendwo auf? Masochisten?Sonst: Ab nach Hause!) oder bleiben (Es sei denn, es hat drei Tage lang beregnet. Dann sind das Mobiliar und die Wäsche für 3 Wochen klamm oder nass. Das Brot schimmelt, gibt es aber täglich neu.). Es ist schön (Sehr subjektiv. Philosophischer Ansatz; kann nicht weiter diskutiert werden). Es ist naturnah, naturverbunden(Wo ist die Natur, fragt sich mancher, wenn er morgens aus seiner Schlafkabine kriecht und den wegen einer schlaffen Luftmatratze schmerzenden Rücken dehnt? Ringsherum Zelte. Natur? Ein Baum. Etwas Gras. Ein Stromkasten. Eine Nachtleuchte.) Man kann Menschen beobachten (Hautnah, das stimmt.) Nicht nur beobachten kann man sie, auch belauschen. Welche Körpergeräusche geben sie von sich außer einer, gelegentlich unverständlichen, Sprache? In welcher Lautstärke tun sie das? Kann man dadurch auf den Bildungsstand schließen? Spekulationen, spannender als Kreuzworträtsellösen.)
Ach, spricht der erfahrene und weise Camper, es ist wie ein Film. Und du machst selber mit. Welches Genre kann das sein? Abenteuer? Familienfilm? Natur-Doku? Daily Soap? Ein Stoff für Lars von Trier und seine Handkamera: Jeden Tag dasselbe Spiel. Minimale Veränderungen und ab und zu mit der Kamera wackeln. Auf 95 Minuten zusammenschneiden. Fertig. Titel: Small World. Oder: Himmelszelte. Oder: Geschlossene Gesellschaft. Musik von Tom Waitts: In the neighbourhood. Besetzung: Nicole Kidman (Rezeption), Tom Hanks (Elektrokarrenfahrer, Platzanweiser), Die Fußbroichs (Dauercamper), Martina Gedeck (Macht zum ersten Mal mit ihren vier Kindern alleinerziehend Urlaub), Sascha Hehn (Bademeister am Platzpool), Mick Jagger (Animationsprogramm am Abend: Lieder zu Gitarre und Playback), Udo Lindenberg (Thekendauergast), Johannes Heesters (Hat das Campen vor 103 Jahren erfunden). 1000 Laiendarsteller für die Massenszenen. Ein typischer DOGMA-Film. Das Schöne: Man muss ihn nicht verstehen!
Schönes Geschenk: Hässliche Puppen
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