Günter Krass - Kairo

Email Nölde - Kairo oder Koln (2017)
Kairo mit den spitzen Türmen hat mich aus der Kindheit gerissen. Die Hitze und die Männer in langen Kleidern, die in fremder Sprache auf mich einredeten, gestikulierten und drohten, wie mir schien. 
Die Hitze malte den Gestank der toten Tiere förmlich an die Wände. Und Kairo war nur ein Moloch aus Wänden, zu denen keine Räume gehörten. Ein Mädchen schaute mich aus der Ferne an, so dass ich mich sofort in sie verliebte, weil ich wusste, dass sie unerreichbar bleiben würden. Erst jetzt konnte ich ruhig weiterschlafen. Ich wusste, dass auch ich geliebt wurde. Sie hatte mich angeschaut und würde das Bild nie vergessen: Wie ich in dem Kairo mit den spitzen Türmen in der Hitze des Tages auf offener Straße mit offenen Augen träumte, unsichtbar für alle, die mir auswichen. Sie sah mich. 

Menschliches Streben

Kies Hering - Menschliches Streben (2014)
Streben und Sterben sind ja eng verwandt. Erst wenn man einige Sekunden das Wort Streben betrachtet, erkennt man, dass das r nur ein wenig nach links wandern muss, um den finalen Lebensvorgang zu initiieren.
Streben, das will ein jeder, sogar, ohne zu wissen, wonach. Es ist im Grunde eine Kardinaltugend, die in der Wiege zu finden ist. Streben nach der Brustwarze der Mutter, nach dem Förmchen im Kita-Sandkasten, nach dem Platz eins beim Kopfrechnen und einen direkten Thekenplatz bei der heißumworbenen Mandy, die man vielleicht nur gut findet, weil sie alle haben wollen. Die psychisch Deformierten streben nach mehr, nach Macht, nach Geld, nach Posten in der Politik, nach dem Kanzleramt, nach dem Parteivorsitz der FDP, weil denen in der letzten Zeit die Leute ausgegangen sind, und woher sollen die alle kommen, da muss man jeden nehmen, da stehen die Chancen gut auf einen besonderen Platz. Streben, streben und dann plötzlich sterben. Oder vorhersehbar sterben, noch schlimmer! Und dann die Frage: Wofür war dein Streben? Ja, was weiß denn ich? Ich hab's ja nicht direkt geschafft. Die Warze war ein Gumminippel, statt ein Förmchen zu greifen habe ich die Katzkacke von Kitatiger Maunz erwischt. Kopfrechnen - da war der Hotte schneller. Nur die Mandy, die habe ich gekriegt, nachdem sie schon alle gehabt hatten, die habe ich dann geheiratet. Da hätte ich auf meinen Bauch hören sollen: Mandy? Lass die Finger davon. Wenn der Körper welkt, gibt es nicht einmal ein Hirn, mit dem du dich unterhalten könntest.
Auch in der FDP hat's nicht geklappt. Da ist jetzt der Lindner. Den habe ich immer für einen schwulen Schlagersänger gehalten. Jetzt stehe ich da. Ich hasse Streber.


Lustiger Bundestag mit Norbert Lammert

Natürlich ist dieser Dialog ein Fake. Das ist ja heute normal. Wie könnte der richtige Text lauten?
Dobrindt: Hallo, meine Katze Maut.
Lammert: Die hast doch gar keine Katze.
D: Seit wann duzen wir uns denn?
L: Wir sowieso nicht. Du bleibst schön beim Sie. Ich bin immer noch der Herr Bundestagspräsident.
D: Ich dachte, der hieße Jauch.
L: Du meinst Gauck.
D:Also, sind wir jetzt per Du, oder nicht?
L: Du weißt nicht mal, wie ich heiße, und willst mich duzen?
D: Wie heißen Sie denn?
L: Bundestagspräsident. Nicht Bundespräsident. Bundestagspräsident Lammert.
D: Ziemlich lang für einen Namen.
L: Ach, vergiss es.
D: Ok. Ist auch besser. Das kann sich doch sowieso keiner merken.

Denken wir Neu! - Was ist mit der FDP los?

Die Freien Demokraten starten durch; vorne weg Yuppie Lindner, dieser zeitlose und altersresistente Demagoge, mitten drin Kubicki, der jetzt mit einem Todesstoß gegen Rechtschreibung und Grammatik zu Felde zieht und die Große Schlacht, die um Macht und Einfluss, gewinnen will.
Denken wir Neu!, lässt er in einer Anzeige in einem Tageblatt  lesen.
Diese drei Worte sind nicht allein die Botschaft, dieser Imperativ ist ja erst mal ohne Inhalt, denn er meint wahrscheinlich: Denken wir neu!, und das kann jeder. Einfach mal nicht FDP wählen, wäre der Rat für FDP-Wähler. Für alle anderen: Auch diesmal nicht FDP wählen; selbst wenn das nicht neu ist, neu wäre dann, das viel bewusster zu tun.
Vielleicht ist NEU aber nicht nur ein orthographischer
Ausrutscher, vielleicht ist neu ja eine Idee, oder gar ein Paradigma! Paradigmenwechsel, das klingt wie die Wechseljahre für Männer, denn die FDP ist schon irgendwie männlich-markig-eigenwillig-anders-und dagegen. Domestizierte Revoluzzer stehen zur Wahl, die ihren Business-Anzug im revolutionären Kampf gegen alles, was ihnen nicht passt, nicht mit dem Blut des Kassenfeindes besudeln wollen. Kassenfeind - das sind alle, die dem Kassemachen im Weg stehen, die dem Neoliberalismus nicht die Treue geschworen haben.
Der schlichte Mensch kehrt zurück zur Rechtschreibung der Politiker. Denken wir Neu! Vielleicht sagt das einfach, dass jeder so schreiben darf, wie er mag. Du bist frei, du kannst schreiben, wie du willst, oder wie du kannst! Das bezieht auch alle Bildungsfernen mit ein, inklusive Schlechtdeutschsprechende mit Migrationshintergrund.(1) Damit ist die FDP nicht mehr die Partei der Rechtsanwälte und Zahnärzte, sondern endlich eine Volkspartei, die jeder wählen. Aber nicht muss! Denn das ist Kennzeichen des Liberalismus.
Wir können Deutsch. Das wäre mal was fürs nächste Plakat. Auch wenn das zu den Fake-News gehört.


Anmerkung der Red. : Es handelt sich nicht um Bayern.

JA

Er schwieg immer nur. Die Menschen, die mit ihm lebten, sprachen mit ihm. Er gab keine Antwort. Sie hätten gern gewusst, was er dachte. Er schaute nur stumm vor sich hin und sagte nichts.
Irgendwann begannen die Menschen, Unsinn zu reden. Sie wollten nur ein Ja oder Nein, ein Nicken oder Kopfschütteln. Sie wollten eine Bestätigung oder eine Ablehnung dessen, was sie gesagt hatten. Er schwieg. So begannen sie zu stammeln und zu faseln. Das Schweigen war ihnen unerträglich geworden.
Schließlich schwiegen sie auch und wandten sich von ihm ab.
In seinem Inneren kreiste ein Wort: Ja. Es schwirrte und kreiste in seinem Kopf und setzte sich ganz selten zur Ruhe. Wenn er es aufnehmen und aussprechen wollte, sprang es weg und schwirrte und kreiste von neuem in seinem Kopf. Es war schneller als seine Gedanken. Seine Zunge war wie gelähmt. Er hetzte hinter dem Ja her. Aber er fasste es nicht und konnte es nicht über die Zunge bringen. Gern hätte er ein einziges Mal Ja gesagt.

JA 2
Paul sagte immer Ja. Die Leute wussten das. Sie wussten auch, dass Paul nur schwer Nein sagen konnte.

So stellten die Leute ihre Fragen so, dass die Antwort immer Ja lauten konnte. Oft war Paul anderer Meinung. Trotzdem sagte er Ja. Irgendwann merkte er, wie die Leute fragten. „Hm“, sagte er sich, „niemand ist wirklich an meiner Antwort interessiert.“

Zigarette


Er hatte lange nicht geraucht. Dann schloss er gelegentlich ein Mahl mit einem Espresso und einer Zigarette.

Dann rauchte er seine „Tageszigarette“. Danach  zündete er zwei Zigaretten am Tag an. Warum auch nicht? Er wollte sein Leben selbst bestimmen und aus zwei Zigaretten wurden mehr. Als er eines Tages nervös nach Kleingeld für den Automaten suchte, sagte er sich: „Ich bin frei; ich tue, was ich will.“

Dein wahres Gesicht

Sie ging nicht aus dem Haus, wenn sie nicht geschminkt war. Sie putzte morgens ihre Zähne und duschte. Sie rauchte eine Zigarette und trank eine Tasse Kaffee. Anschließend ging sie noch einmal vor den Spiegel und trug ihr Make-up auf. Es war braun und dick. Die Augen betonte sie mit dicken, schwarzen Strichen. Das Rot ihres Lippenstiftes passte häufig zu ihrer Bluse. 
Die Leute, die sie kannten, wussten nicht, wie sie unter dieser Schminke aussah. Manchmal fragten sie sich, wie wohl ihr wirkliches Gesicht sei. Einer war mutig und sagte zu ihr:  „Zeig uns dein wirkliches Gesicht!“ Es schien, dass sie ihn nett fand, denn eines Morgens ging sie ungeschminkt aus dem Haus. Die Menschen betrachteten sie. Für einige, die sie vorher gekannt hatten, war sie plötzlich fremd. Sie erkannten sie erst beim zweiten Hinsehen. Die anderen fragten sich, was sich an ihr geändert habe.
Ihr Gesicht war unbeweglich. Es wirkte immer noch, als sei sie geschminkt. Nur an ihren Händen konnten sie erkennen, dass sich in ihr etwas bewegte. Sie glaubten, an ihren Händen eine Unruhe zu erkennen, die vorher nicht da gewesen war.
Sie baten: „Zeig uns dein wahres Gesicht!“

Da brach sie in Tränen aus.

Günter Krass - Die Neue (2005)

„Mutter, das ist Wilma!“ Harald sagte das sehr leise. Er wusste, wenn Mutter häkelte, wollte sie nicht sprechen.
„Wilma.“ Harald zögerte. „Wilma ist meine Frau!“
Er wusste nicht, wie er das anders ausdrücken sollte; mit dem Begriff Lebensabschnittsgefährtin wollte er nichts anfangen und seine Mutter würde das schon lange nicht können. Harald legte einen Arm um Wilma, als ob er noch einmal bekräftigen wolle, dass die Frau neben ihm wirklich Wilma war. Und dass es jetzt seine Frau sei.
Wann ist man die Frau eines Mannes? Wenn man miteinander geschlafen hatte?
Harald war sich nicht sicher.
Wenn man sein Leben teilen wollte, in guten wie in schlechten Tagen? Das klang wie abgedroschen. Bisher hatten seine Beziehungen zu Frauen nur wenig Dauer gehabt.
„Mutter!“ Die Angesprochene häkelte weiter, sprach etwas Unverständliches, murmelte etwas, das wie Guten Tag! klingen konnte, oder Hallo. Nein, Hallo würde sie nicht sagen. Das war nicht ihr Stil. Stil kann man das doch nicht nennen, widersprach er sich. Das ist doch eigentlich Unhöflichkeit, Borniertheit, Ignoranz. Harald bemerkte den aufsteigenden Ärger.
Was Wilma jetzt wohl dachte? Welchen Eindruck gewann sie von seiner Mutter? Würde sie auf seinen Charakter schließen? Immerhin war er ihr Sohn. „Das ist Wilma!“ sagte Harald, nachdem er sich noch einmal geräuspert hatte. Fast bewegungslos saß seine Mutter im Sessel. Nur die Finger bewegten sich flink und Masche um Masche fügte sich aneinander. Wie er diese possierlichen Taschentuchumrandungen hasste! Als Kind hatte er oft einen verschmierten Mund gehabt, von Schokolade oder Eis. Seine Mutter hatte dann in ein Taschentuch gespuckt und mit dem feuchten Stoff seine Haut saubergewischt. Er konnte sich an den üblen Geruch ihres Speichels erinnern. Er hatte es gehasst. Auch jetzt ekelte ihn die Erinnerung daran.
Sie hatte auch dafür gesorgt, dass seine Frauen ihm davongelaufen waren. Keine war gut genug gewesen. Hinterher, wenn sie fort waren, hatte sie ihm ihren Reindruck geschildert. Und dann die Vorwürfe: Die hättest du halten sollen. Immer war es zu spät gewesen.
„Komm, Wilma! Wir gehen!“
Aber Wilma hatte sich schon unbemerkt aus seinem Arm gelöst und war in den Flur gegangen. Er hörte, wie sie leise die Haustür öffnete.
„Mach’s gut, Mutter.“
Seine Mutter hob kurz den Kopf, so als wolle sie das Geschehen bestätigen. Sie blickte Harald kurz an, um anzudeuten, dass er es mal wieder nicht geschafft habe. Dann senkte sie den Kopf und konzentrierte sich auf die Häkelarbeit. Ihre Finger bewegten sich flink und reihten Masche an Masche."Wilma!", wisperte sie,"was für ein Name! Nichts für Harald."

Georg Krakl - Gedicht mit einem Fetisch drin

Beim Streifen durch den Märchenwald, da fand ich einen Fee-Tisch;
In einer Tasse heißen Wassers hing ein Tee-Fisch.
Das arg’ Gebräu, das machte scheu,
Nicht nur die Menschen, auch die Feen.
Hab keine mehr gesehen.

Im Märchenwald ist mir jetzt kalt,
Ich sehne mich nach heißem Trank.
Der Fisch-Tee ist schon kalt.
Ach, Tisch-Fee, Tisch-Fee, hilf! Mein Herz ist krank.

Es dreht sich mir der Magen,
Müsst’ ich die Tasse leeren.
Ich kann mich meiner Sehnsucht nach der Tisch-Fee nicht erwehren.
Mir bleibt nur kalter ungesüßter Tee vom Fisch und grenzenloses Klagen.

Quintessenz:
Ohne Tisch-Fee, 
ohne Fee-Tisch
Nur mit Fisch-Tee
bleibt der Tee-Fisch 
nur ein Fetisch.


Wie große Nasen wirken

Männern mit kräftigen Nasen attestiert man gern eine gewisse Präsenz im Geschlechterkampf: An der Nase des Mannes erkennst du den Johannes.
Dieser abgegriffene Spruch zeigt, auf was der Mann in seiner Physiognomie reduziert wird. Das ist ungerecht.
Frauen mit langen Nasen dagegen wirken traurig und eher lethargisch. Ihr Mund sieht dadurch gleich kleiner aus, ihre Sprechfähigkeit scheint eingeschränkt und es könnte schwierig werden, mit ihr mal richtig einen kippen zu gehen. Durch die große Nase erscheint das Hirnbehältnis klein und damit auch das Hirn selbst.
Das ist ungerecht.
Frauen können denken.
Die Frage ist natürlich immer, was ?

Manch eine mag diese Sätze als immanent frauenfeindlich einstufen.
Fakt ist aber, dass hier dem Mann ein Spiegel vorgehalten wird. In der langen Nase, die ja auch bei Männern eher Kleinhirnigkeit assoziieren lässt, sieht er die eigene Zulänglichkeit, oder, im schlimmen Fall, die eigene UnzuLÄNGlichkeit.
Deutlicher muss man ja wohl kaum werden.
Der Rat ist: Versöhnung mit den Frauen. Ok, ihr seid mehr, wohin man auch schaut, lange Nasen können schön sein.
Müssen aber nicht, weder bei Mann, noch bei Frau.

Denkmal für Pinörkel

Endlich hat es der Pinörkel geschafft: Man hat ihm ein Denkmal gesetzt.
Stellvertretend für die Pinörkel, die uns geläufig und gegenwärtig sind, die wir mit Namen kennen und die wir persönlich ansprechen,  entstand an einem unbenannten Ort das "Denkmal des unbekannten Pinörkels", der den eigentlichen Weltpinörkel repräsentiert und MIllionen und Abermillionen der kleinen Helfer im Alltag und der liebgewonnenen Spielgefährten ehren soll.
Wir alle wissen zu schätzen, was die Pinörkel für uns leisten, wie sie uns helfen und wie sie sogar dem einsamen Menschen ein Gefährte sein können, wenn dieser einmal in einer stillen Stunden jemanden braucht, der ihm zuhört.
Der nächste Schritt, den es zu tun gilt, wäre die Einführung eines "Welttages des Pinörkels". Für welchen Blödsinn gibt es nicht schon Welttage? Und da kommt es auf einen weiteren doch wohl nicht an. Verdient hätte es der kleine Freund.

Satz der Woche: Zeit

Wer keine Zeit hat,
kann sich auch keine nehmen.


Gottfried Gottesmann: Morgenansprache - Sieh es positiv - Tag am 23.7.


Egal, was passiert, heute sehen wir es positiv. Die Kaffeetasse kippt um, der Henkel bricht ab, der Kaffee ergießt sich über die Häkeldecke von Tante Trude. Die ist hässlich, die war hässlich, heute gab es einen Grund, die wegzutun, und die Kaffeetasse vom Hasskollegen Rolle kann endlich auch in den Müll. Der Tritt in Hundeexkremente erstickt deinen Wunsch nach  einem Freund, der zuhören kann ohne zu antworten; der schlappe Reifen tut kund, heute sei nicht nur Sieh-es-positiv-Tag, sondern auch Welt-Orgasmus-Tag. Du pumpst alle Reifen auf, auch die von Susannes Fahrrad und fühlst dich gut, weil das Werk gut war. Als dann einer der Reifen nach einer Testfahrt platzt, ärgerst du dich nicht, sondern denkst, dass der Orgasmus als solcher, losgelöst von der funktionierenden Beziehung, überschätzt wird und in den meisten Fällen sowieso eine Täuschung ist. Es ist gerade mal Mittag und du siehst das positiv, denn da kann noch einiges auf dich zukommen.



Gottfried Gottesmann: Morgenansprache - Die Welt schöner machen





Am Fenster standen zwei hässliche Tiere, die wohl Dekorationszwecke erfüllen sollten. Sie waren aus Holz oder Kunststoff oder einem anderen unleidlichen Material.

Sie taten mir leid, denn sie waren so hässlich, dass sie niemand lieben würde.

Alles hat eine Seele, sagt der Yogi und verknotet die Beine.

Wer mit Hässlichkeit bestraft ist, sollte sich nicht das Schöne zum Ziel setzen, sondern versuchen, dem Hässlichen etwas Schönes abzugewinnen.
Allerlei Philosophisches war in meinem Kopf umtriebig und ich konnte keinen klaren Gedanken fassen.
Wie konnte ich den hässlichen Tieren helfen? Vielleicht war ihnen gar nicht bewusst, dass sie hässlich waren, und vielleicht war ich es, den sie unansehnlich und  widerlich fanden. Oder sie nahmen mich gar nicht wahr. Ignoranz ist eine schlimme Haltung. Die müsste bestraft werden, damit die Ignoranten lernen, lernen, lernen. Tolerant zu sein, etwa. Leben zu lassen. Das Unansehnlich hat schließlich auch eine Existenzberechtigung, nämlich, das Ansehnliche deutlich zu machen. Wo keine Zwei ist, kann auch keine Eins entdeckt werden.
Dumme Tiere. Wie konnte man so bar jeder Empathie sein und dabei selbst auch so hässlich? Wie konnte man sich auch noch über andere erheben?
Ich packte die beiden schnell an den Hälsen und stopfte sie in den Mülleimer.
Ich atmete durch und wusste, dass ich den Raum, das Haus, die Straße, den Ort, die Welt ein bisschen schöner gemacht hatte.

Georg Krakl - Am Anfang war der Laut 2

Am Anfang war der Laut,
zum Beispiel wenn man kaut,
man denkt noch in Geräuschen
und lässt sich gerne täuschen:
Das Schmatzen ist ein Ratzen,
Das Köcheln gleicht dem Röcheln,
Das Summen ist ein Brummen,
das Ratschen eher Klatschen.

Man hat kein Wort für das Gehörte,
das eben noch das Hirn betörte.
So wie das Land den Ort,
so braucht der Laut das Wort.

Zuerst, da war der Laut,
zum Beispiel wenn man kaut und dann verdaut.
Man denkt noch in Gerüchen und Geräuschen,
lässt sich täuschen
und vergisst, was eben war.
Dass sich Vergessen dann nicht etabliert,
hat man den Laut schnell buchstabiert.
Entstanden ist ein Wort,
selbst für den stillen Ort.
Knatterzischen mit Geruchsverstärker und im Abgang Knurz,
heißt banal und treffend Furz.
So weiß jeder, was gemeint,

und die Menschen gleicher Sprache sind geeint.

Georg Krakl - Zackenbarsch

Schatz, da hinten hast du ein paar Arschmacken,
da seh ich 14 Barschzacken.
Darum gleicht dein Mackenarsch
im Ganzen einem Zackenbarsch.

Georg Krakl - Gerechte Welt


Heute nächtens um halb vier
da hatte ich Gespür
Und Willen
Meinen Wunsch nach mehr Gerechtigkeit für unsre Welt zu stillen.
Wollte Mächtige, Mogule, Spekulanten, Umweltschweine und Finanzberater, außerdem die ganze Politik so richtig hart betrafen.
Bin dann leider wieder eingeschlafen.



Familienausflug mit Eis

Familienausflug mit Eis
Mutti darf ich ein Eis?, fragt der Sohn. Junge, du hast doch schon so eine lange Zunge! Jetzt auch noch ein Eis. Was sollen die Leute denken?
Dass ich am Eis lecke, Mutti, da ist doch wohl nichts dabei!
Schon, du weißt, dass das mit der Zunge keinen guten Eindruck macht.
Das kommt aber nur, Mutti, weil du damals dran gezogen hast, als die festgefroren war. Am Balkongeländer, nur weil ich mal probieren wollte, wie ein gefrorenes Balkongeländer schmeckt.
Und, wie hat es geschmeckt?, fragt die Mutter.
Nach Metall, nach kaltem Metall, nicht besonders. Aber dann war ich auch schon festgefroren und ich hab mich nicht mehr auf dem Geschmack konzentrieren können.
Wenn du jetzt ein Eis bekommst, du Quälgeist, dann versprich mir, die Arme eng an den Körper zu legen, nicht wieder wie letztes Mal mit ausgestreckten Armen Erdbeereis....
Mutti, das sagst du mir jetzt zum hundertsten Mal, ich kann's nicht mehr hören. Heute nehme ich Schoko.
Und versprich mir, Kind, nicht wieder quer über den Tisch in den Erdbeerbecher von fremden Leuten hineinzulecken.
Ok, ist gebongt.
Der Vater schaltet sich entnervt ein: Darf ich auch mal was sagen?
Die Mutter erwidert: Eigentlich nicht.
Ich hätte gerne eine Bratwurst.
Gute Idee, quiekt das Kind, dann spielen wir wieder "Klau mir den Senf ohne die Hände zu benutzen".
Neenee, sagt der Vater, mein Senf gehört mir, und du lässt die Zunge im Mund, ist das klar?
Spielverderber!
Also, kein Eis?
Dochdoch, ich mach ja schon. Was sollten denn auch die Leute sagen, wenn ich dir den Senf weglecke?
Das sagt Mutti immer.
Stimmt aber.
Fragen können nicht stimmen; Fragen sind Fragen. Die Antworten können nicht stimmen, oder richtig sein.
Ich nehme Schoko heute.
Die Zunge vom Tisch!, zischt Mutti.
Vier Kugeln.

Georg Krakl - Vatertag

Vatertag.
Da macht der Mann was  Vater mag.
Mit dem Bollerwagen laufen.
Saufen.
Weiterlaufen.
Noch was saufen.
Weiterlaufen.
Kurz Verschnaufen.
Noch zwei Bierchen kaufen.
Und die saufen.
Und dazu ein Korn
Jetzt hier vorn,
Da drückt es:  An den Baum und laufen lassen.
Dann Getränke fassen.
Weiterlaufen,
Weitersaufen.
Trinken.
Da den Frauen winken.
Noch ein Bier,
Erst mal hier,
Dann  da vorn,
Noch ein Korn.
Weiterlaufen.
Saufen.
Kippen.
Magenmuskel trotzen.
Geht nicht. Also kotzen.
Jetzt nicht wippen.
Trinken, kübeln, kippen.
Nicht nur nippen.
Kippen.

Erst rein, dann um...

Georg Krakl - Am Anfang war der Laut

Zuerst, da war der Laut,
zum Beispiel wenn man kaut
und dann verdaut.
Man denkt noch in Gerüchen und Geräuschen,
lässt sich täuschen
und vergisst, was eben war.

Dass sich Vergessen dann nicht etabliert,
hat man den Laut schnell buchstabiert.
Entstanden ist ein Wort,
selbst für das Phänomen am stillen Ort.
Knatterzischen mit Geruchsverstärker und im Abgang Knurz,
heißt banal und treffend Furz.
So weiß jeder, was gemeint,
und die Menschen gleicher Sprache sind geeint.

Georg Krakl: Röhrengedicht mit falschem Konjunktiv II

Der Hirsch röhrt laut im Wald,
durch Brunfthormone durchgeknallt.
Die Spreise röhrt im Magen,
der kann die nicht vertragen.
Die Dommel röhrt im Unterholz,
ist auf die neue Trommel stolz.


Nicht jeder, der das hört,
weiß, was ihn stört,
wenn es in seinen Ohren röhrt.
Und denkt: Bevor ich den Verstand verlöre,
da gückt ich in die Röhre.

Der Hirsch macht weiter wie bisher,
die Speise ist jetzt sauer,liegt im Magen quer.
Die Dommel sucht ihr Dommelrohr
und röhrt so laut wie nie zuvor.








Georg Krakl - Der gute Jäger

Der gute Jäger, der mit Plastikkugeln schießt, ist still
und auch verdrossen.
Die Tiere tun nicht was er will.
Sie haben heute auf den Mann  zurückgeschossen.

(Weil sie nicht besoffen,
hab'n sie auch getroffen.)



Welttag der Ösophagen

Georg Krakl - Speise
Wenn die Speise in der Speiseröhre röhrt,
dann ist der Verdauungstrakt gestört.

Maiwies'n überall

Jedes Dorf und jeder Flecken hat nicht nur sein Oktoberfest, sondern auch seine Maiwies'n. Früher verachtete man den Bajuwaren, der behäbig, glubschäugig und fettfingrig in die Bierzelte torkelte, sich das Bier in den Wanst kippte und der Bedienung in den Hintern kniff, um zu zeigen: Hier kommt ein Hanswurst. Und der hat Durst. Der kann lachen, weil er Witze über andere macht, die nicht so sind wie er. Der macht Sachen, wenn er denn seinen Arsch von der Bierzeltgarnitur hoch kriegt, der kann die Blaskapelle dirigieren und dem tanzen die Mäuse und Möpse nach der Fuchtel, wenn er genügend intus hat. Auch wenn das die Ärsche, die Mäuse und die Möpse ganz anders sehen. Der Mops ist ein armer Hund mit flachgeschlagener Schnauze, der nicht mehr richtig riechen kann, die Maus ein Ungeziefer, das sich hinter den Brotkörben, die zur Haxe verteilt werden, versteckt, und die Ärsche stecken in Lederhosen, die doch eher unbeweglich machen, auch wenn man den Latz vorne aufklappen kann, um unter den Biertisch zu brunzen, wie es der Bayrische gerne ausdrückt. Mit Verachtung schauten wir auf diesen südlichen Ekelmann, heute sind wir selber einer. Die nordische Bedächtigkeit unter Einfluss der zunehmenden Migration mutiert in das Bedürfnis, eine eigene Gruppe zu bilden, die sich abgrenzen kann. Wir wissen doch alle, dass die Öffnung der Gesellschaft schnellstmöglich die Abgrenzung, die Begrenzung und möglichst auch die Ausgrenzung nach sich zieht. Wer eine eigene Gruppe darstellen will, muss sich äußere Merkmale aneignen, die auch im Vollsuff von jedem Grenzdebilen erkannt werden können, und dazu gehören nunmal Lederhose mit Geschirr,  Trottelhut aus Filz und Kniestrümpfe. Die Damen glauben, es reiche, wenn sie ihre Brüste teilentblößten, da könne man sofort erkennen, zu welcher Gruppe sie gehörten. Wer eine eigene Gruppe bildet, hat Kraft und solidarische Gemeinschaft, sich gegen das Fremde zu wehren, selbst wenn die Verkleidung und das südländisch-deutsche Gebahren ihm selber fremd sind.
Egal - Gut ist, was froh macht. Also: Ein Prosit und drauf gschissen!

Georg Karl - Zweizeiler mit Denkerstirne drin

In Falten legt der Freier seine Denkerstirne,
trifft er auf Äußerungen einer Stänkerdirne.

McDonald's beliefert Bundeswehr

Ursula von der Leyen, Mutter aller Kompanien, hat JA gesagt. Nach zähen Verhandlungen ist jetzt alles unter Dach und Fach: McDoof, wie der Volksmund den Fleischbrötchenhersteller aus den USA nennt, liefert ab demnächst Versorgungspakete an die hungernde Soldatenwelt. Der Schießburger wird ein Teil dieses Caterings sein, ein spezielles Bundeswehr-Arrangement, überwiegend in Carmouflage  gehalten, damit der Essende im Einsatz nicht vom neidischnm Feind erschossen wird.
Nachtisch? Sicher. Eisebombe special. Damit jeder Einsatz auch ein kulinarisches Showdown werden kann. Dessert Storm quasi.

Winnetou 4: Ostern im Western

Winnetou und Old Shatterhand treffen sich auf einem Hügel in Jugoslawien. Kurz vor Ostern.

OS:Winnetou, roter Bruder, dies Jahr wieder Eier verstecken?
W: Charlie, mein Blutsbruder, ist schon wieder Eierfest? 
OS:Ostern, Winnetou, Ostern. Wie haben Ostern, ihr habt den Western.
W: Das sagst du jedes Jahr.
OS:Weil du das nicht behältst.
W: Euer wichtigstes Fest nach dem Geburtstag.
OS:Weihnachten, Winnetou, Weihnachten.
W: Ostern. Ist das nicht wie Weihnachten, nur ohne Geschenke?
OS:Genau. Deswegen habe ich’s ja mehr mit Weihnachten. Ich mag sowie keine Eier.
Trotzdem: Roter Bruder, hast du meine Eier schon versteckt?
W: Ich dachte, das macht der Osterhase.
OS:Wie alt bist du eigentlich?
W: 31.
OS:Und du glaubst immer noch an den Osterhasen?
W: Ich wollte dir eine Freude machen. Aber du glaubst ja auch an den Weihnachtsmann.
OS:An irgendwas muss man doch glauben.
W: Irgendwen.
OS:Seit wann sprichst du so gut deutsch? Der Weihnachtsmann bringt wenigstens Geschenke.
W: Deine Eier habe ich im Silbersee versteckt.
OS:Das darfst du doch nicht verraten! Dann muss ich doch nicht mehr suchen.
W: Die vom letzten Jahr sind auch noch drin.
OS:Du weißt ganz genau, dass ich nicht schwimmen kann.
W: Deswegen ist das doch ein tolles Versteck, weil du da nicht suchst. Deswegen sage ich ja: Deine Eier sind im Silbersee.
OS:Am Arsch. 
W: Jetzt wirst du nieveaulos.
OS:Du kannst Niveau noch nicht mal schreiben.
W: Ich weiß aber, was es heißt.
OS:Du weißt ganz genau, dass ich nicht schwimmen kannst.
W: Aber tauchen geht doch. Wer nicht schwimmen kann, taucht schnell unter.
OS:Tauchen, tauchen. Ostern soll Freude machen.
W: Mir macht das Spaß, dich beim Suchen zu sehen.
OS:Spaß ist nicht Freude.
W: Dann glaub doch an den Weihnachtsmann, du Angsthase.
OS:Osterhase.
W: Eben nicht.

OS:Mir reichts, ich geh jetzt Komanchen schießen.

Georg Krakl - Das Ei

Am Anfang war die Henne,
dann das Ei.
Der Mensch hieb letzteres entzwei.
Kein groß Geflenne.

Der Mensch, er hat gespürt,
dass man es rührt
und in die Pfanne tut
solange brutzelt, bis es gut,
und ohne Not
auf Brot
serviert
und ungeniert

dann isst
und dann vergisst

dass unter der zerbrochnen Schale noch ein Wesen reifen wollte,
das gackern und auch Eier legen sollte.

Gut, dass die Henne erste war
und nicht das Ei.
Sie kann dem Menschen weiter Eier legen.
Der Mensch, der ist gerührt,
so wie das Ei, und spürt:
Dass jeder isst, so wie er isst,
und nicht mehr denken muss: Das ist ein Segen.

Georg Krakl - Oster-Lied



Der Osterhase hat für mich ein Ei versteckt.
Das Ei ist rot.
Der Treiber hat das Tier dann aufgeschreckt.
Der Jäger schoss ihn tot.

Geblieben ist das rote Ei,
ein Hasenleben geht so schnell vorbei.

Dem Treiber und dem Jäger fehlt die Pietät;
bereuen käme ohnehin zu spät.

Gedenkt am Osterfest

des Hasen, wenn ihr seine Eier esst.

Pädagogentagebuch: Urinale evaluieren

Liebes Tagebuch!
Ob ich fehle, wenn ich irgendwann weg bin? Wie schnell sind Lücken, wenn man eine hinterlässt, zugekippt, zugeschmiert, zugewachsen. Denk an Löcher im Rasen - wie schnell sind sie wieder grün; im günstigsten Fall vertritt man sich den Fuß an dem nicht mehr sichtbaren Loch, oder der Mähroboter bleibt stehen, weil die Räder in der Luft drehen, so als wollte er deiner gedenken. Ich frage mich, ob Mähroboter überhaupt zur Andacht fähig sind und wohin steuert die Menschheit, wenn sie die ihr eigenen Qualitäten Maschinen überlassen will. Jeder ist ersetzbar. Auch der Mähroboter. 

Du denkst, der Laden kommt ohne dich nicht aus, aber in Wirklichkeit ist es umgekehrt. 

Der Fahrstuhl kriegt die Tür nicht mehr schnell genug auf. Der Hausmeister meint, es sei Zeit zu gehen, und der muss es ja wissen. Neulich im Zielstockwerk bin ich gleich wieder runtergefahren und stand dann im Keller vor einer Putzfrau mit ihrem Arbeitswagen, die wohl auch nach oben wollte, mich aber runtergeholt hatte. Ich wollte eigentlich oben aussteigen, sagte ich ihr, und sie entschuldigte sich. Ich ließ sie stehen, denn Platz war nur für sie in der Kabine, nicht aber für ihren Putzwagen, und erreichte endlich mein Ziel. 

Die Unterrichtsstunde hatte ohne mich begonnen. Das hatte zwar nicht geschadet, aber gelernt hatte auch keiner etwas. Das nennt man seit ein paar Jahren Qualitätssicherung. Wenn der Schüler nach der Stunde nicht dümmer geworden ist, dann ist sein Wissen gesichert. Wenn der Unterricht das schafft, dann ist er von guter Qualität. Qualitätssicherung.

Wer wird wohl auf meinem Platz sitzen, wenn ich weg bin. Ich sitze seit fast 20 Jahren immer auf dem selben Platz. Eigentlich gibt es keine festen Plätze im Lehrerzimmer, nur Lehrkräfte, die immer auf dem selben Stuhle hocken, als wollten sie etwas ausbrüten. 
Mich stört das nicht, solange niemand auf meinem Stuhl sitzt. Dann trete ich immer ganz nahe an die Sitzende - wir haben ja viel mehr Frauen im Kollegium, sodass es wahrscheinlicher ist, dass eine weibliche Lehrkraft den Stuhl okkupiert hat - und fange an, über ihre Schulter oder ihren Kopf weg mein Butterbrot oder einen Post-it-Zettel an mich zu nehmen, ein Schulbuch, das dort liegt, oder ein Heft, das ich eigentlich noch korrigieren müsste, oder ein Dodekaeder, das der Kollege Haschke dort platziert hat, um seinen eigenen Platz zu markieren. Die Fehlsitzende erklärt dann irgendwann, sie stünde gleich auf, sie müsse das Gespräch noch beenden, was aber in einer Schule in der Regel nicht passiert, vielmehr laufen mehrere Gespräch gleichzeitig, die aber nicht beendet werden.

Beim Pinkeln habe ich überlegt, dass man die Benutzung der drei Urinale auf dem Herrenklo evaluieren könnte, das wäre mal was Sinnvolles. Dazu drei Säulendiagramme vielleicht in unterschiedlichen Gelbtönen.

Nach dem Händewaschen auf Schweinegrippenart versuche ich zwei Papiertücher zu nehmen. Der Behälter ist aber so vollgestopft, dass ein Drittel des Vorrats aus der Box kommt. Verschwendung.

Pilzgedicht mit einem Rechtschreibfehler drin

Der Hallimarsch,
der ist im Arsch.
Man hat ihn einfach so zertreten.
Da hilft kein Beten.
Jetzt hofft er, dass das Pilzgeflecht,
genannt Myzel, ihn rächt.

Günter Krass - Mutti und der grüne Mann

Mutti, da ist ein grüner Mann.
Kind, es gibt keine grünen Männer.
Er fasst dir an den Hintern, Mutti!
Es gibt nur Grüne Tante.
Der Mann ist grün.
Du bist noch grün hintern den Ohren, Kind, da sieht man schon mal grüne Männer. Grüne Tante gibt es, da kann man sich die Hände mit sauber machen.
Mit Tante Trude kann ich mir die Hände nicht sauber machen, höchstens an Tante Trude, aber dann wird sie immer schnell giftig.
Grüne Tante ist ein Reinigungsmittel.
Der Mann ist grün und sieht nicht nach Reinigungsmittel aus.Der fasst dir schon wieder an den HIntern.
Das kann nicht sein. Mein Hintern gehört mir.
Aber ich sehe es ganz deutlich. Was macht er da? Warum reibt er seine Hände an deinem Hintern, Mutti?
Ich merke nichts, was soll denn sein?
Vielleicht säubert er seine Hände an dir.
Das kommt ja wohl gar nicht in Frage! Niemand wischt sich an mir ab.
Der tut's aber.
Vielleicht möchte er was anderes.
Ja, was denn? Was denn?
Vielleicht will er mich heiraten.
Wieso wischt er denn dann seine Hände an dir ab?
Was weiß ich. Ich kenne den überhaupt nicht. Andere Länder, andere Sitten. Eigentlich ist der ja gar nicht da.
Mutti, jetzt spricht er.
Ja, was denn, Kind, macht er mir einen Heiratsantrag?
Er sagt, verdammt, ich kriege die Hände nicht sauber. Ist noch was Grüne Tante da?
Das gibt's doch nicht, Kind!
Doch, doch, doch.
Schade. Ich hätte gern mal einen grünen Mann geheiratet.
Geh mal in den Keller, da ist noch Grüne Tane im Regal neben der Waschmaschine.
(Kind ab) Einmal könnte der Kleine doch recht haben.....

Rumblödeln

...heißt jetzt rumtrumpeln.

Rolf und Dieter: Tassen im Schrank

Rolf: Du hast nicht alle Tassen im Schrank.
Dieter: Das ist nicht mein Schrank.
Rolf: Und die Tasse da?
Dieter: Da ist keine Tasse.
Rolf: Eben.
Dieter: Was soll das heißen?
Rolf: Da fehlt eine Tasse im Schrank.
Dieter: Na und?
Rolf: Ist das denn deine Tasse?
Dieter: Eine Tasse, die nicht da ist, kann auch keinem gehören.
Rolf: Vielleicht war da ja mal eine Tasse.
Dieter: Woher willst du das denn wissen?
Rolf: Kann doch sein.
Dieter: Ist aber nicht bewiesen.
Rolf: Wäre es denn deine Tasse, wenn eine da gewesen wäre?
Dieter: Wäre es meine Tasse gewesen, muss es heißen. Sie ist ja nicht mehr da.
Rolf: Also war da doch deine Tasse.
Dieter:Konjunktiv ist shit. Zählt nicht, verstehst du? Möglichkeitsform. Hättehätte liegt im Bette.
Rolf: Aber du räumst die Möglichkeit ein?
Dieter: Alles ist möglich.
Rolf: Also doch.
Dieter: Mit dir kann man nicht diskutieren.
Rolf: Dito.
Dieter: Nenn mich nicht Dito!
Rolf: Habe ich doch gar nicht.
Dieter: Eben gerade.
Rolf: Ich sag jetzt nichts mehr.
Dieter: Du hast aber angefangen.
Rolf(leise): Überhaupt nicht.
Beide entfernen sich Richtung Leselampe.

Georg Krakl - Regenwurmanbetung

Vincent van Eenoor -Regenwurmanbetung (2017)
In schwerem Sturm
dem Tode nah
mein wundes Auge sah
den Regenwurm.
Ich hätte drauf gewettet:
Er hatte mich gerettet.

Jetzt will ich nicht mehr auf ihn treten,
sondern ganz bescheiden zu ihm beten.







Es ist oft wundersam, wie Religionen entstehen und welche religionsstiftenden Impulse verantwortlich sind.
Hannes, der Säufer torkelte einst aus seiner Stammkneipe, voll des Fusels, und voll des Gefasels, das er an der Theke nicht hatte unterbringen können. Voll war auch sein Herz, denn er suchte nach einem neuen Zuhause, wo er sich zuhause fühlen konnte. Seine Stammkneipe konnte das nicht sein, denn da stand immer jemand hinter dem Tresen und forderte ihn auf endlich seinen Deckel zu bezahlen.
Hannes brauchte ein Ziel, und das sollte Damaskus sein; deshalb machte er sich auf den Weg, um nach Damaskus zu schwanken.
Bereits nach 15 Meter stolperte er über einen aus dem gepflasterten Gehweig herauslugenden Stein, der wohl durch den letzten Frost nach oben getrieben worden war. Er stürzte, fiel auf die Hände und stieß mit der Nase  auf den harten, aber regennassen Boden. Ein dünner Blutsfaden rann aus der Nase bis auf die Lippen, so als zeichnete das Schicksal eine Hasenscharte in das sonst makellose, vielleicht etwas aufgedunsene Gesicht des Zechers. Hannes öffnete die Augen, die er vor Schmerz zusammengekniffen hatte und blickte auf einen Regenwurm, der in der dunklen Nacht sein Quartier verlassen hatte. Der Regenwurm verharrte plötzlich und Hannes hatte das Gefühl, als wolle er ihm etwas sagen. Können Regenwürmer überhaupt sprechen?, fragte sich Hannes, und versuchte in die Augen des Wurms zu blicken. Regenwürmer haben keine Augen, sprach es in Hannes' Kopf. Und überhaupt, Hannes, sprach es weiter, du weißt doch gar nicht wo Damaskus liegt! Geh mal wieder zurück in deine Stammkneipe und beruhige dich mit einem Herrengedeck, Pils und Korn, das kennst du ja.
Hannes fühlte ein Glücksgefühl, das seinen ganzen Körper durchströmt. Genau. Nicht Damaskus. Herrengedeck! Ach, wie lange hatte er dieses Wort nicht mehr gehört! Oder gedacht, denn zu hören war ja nichts gewesen. Das war ein guter Rat: Man soll keine Ziele wählen, von denen man nicht weiß, wo sie liegen, wo käme man da hin?
Hannes rappelte sich auf und schwankte zurück in die Kneipe und an den Tresen. Pils und Korn, Manni, geht auf meinen Deckel. Und den würde er auf jeden Fall morgen bezahlen, oder übermorgen.

Berufsgruppen im Bild: Musiker

Es ist immer dasselbe.

Berufsgruppen im Bild: Hausfrauen mit Handtaschen

Hausfrauen mit Handtaschen in Wallung

Was ist eigentlich ein Zeitfenster?

Da haben wir nur ein knappes Zeitfenster, meint Bankangestellter Fred, als er Miranda die Modalitäten ihres neusten Kredites über den Tresen schiebt. Miranda schielt unsicher zu Seite und meint dann salomonisch: Aha. Als stiller Beobachter der Szene denke ich über das, was der Geldmann gesagt hat, nach.
Ich zerlege erst mal das Wort. Zeit und Fenster. Ist doch klar. Ein Fenster ist ein Loch in der Wand, durch das man gucken kann, oder durch das der neugierige Nachbar gucken kann und durch das Licht fällt, um einen Raum aufzuhellen. Es gibt manchmal einen Fensterrahmen, darin sitzt Glas, weil es durchsichtig ist, und den Rahmen braucht man, um das Fenster auf- und zuzumachen. Es gibt zusammengesetzte Wörter mit Fenster, die vom Material beeinflusst sind: Holzfenster und Kunststofffenster, und Wörter, die auf den Sitz (oder die Lage? Den Stand?) der Fenster deuten: Kellerfenster, Dachfenster, Kirchenfenster.
Was also ist ein Zeitfenster? Sitzt es, liegt es , steht es in der Zeit? Dann wäre es ein Loch, das von einem Zeitrahmen umgeben ist. Ein Loch in der Zeit heißt aber, dass da gar keine Zeit ist. Also, wir haben im Zeitfenster keine Zeit. Das macht die Sache mit unseren Terminen noch dramatischer, wir haben wenig Zeit und in der verfügbaren Zeit ist auch noch ein Loch. Durch das könnten wir gucken, aber dafür haben wir keine Zeit. Die Frage ist auch: Wohin gucken wir denn? Nach draußen oder drinnen?
Mal angenommen, das Fenster sitzt, liegt oder steht in der Zeit, dann wäre das einfacher: Wir könnten aus der Zeit gucken wie aus einer Kirche oder hinein, wie in einen Keller. Aber das wäre auch ein Loch in der Zeit, das wir uns gar nicht leisten können.
Und sowieso: Zeit ist eine Illusion. Das Fenster gibt's doch gar nicht, denkt Miranda, und Recht hat sie. Man soll nicht jedem Bankangestellten glauben, der mit Modewörtern um sich schmeißt.
Eine knappe Zeittür....das klingt irgendwie nicht gut, obwohl man dann wenigstens hindurchgehen könnte, wohin auch immer.

Leben mit dem Müll

Das Schulministerium hat noch einmal deutlich auf die sinnstiftende Funktion von Unrat, Überflüssigem und Unentsorgbarem in Lehrerzimmern hingewiesen.
Zwar stimme es, dass die wachsenden Haufen an Geräten und  Papieren, alten Lebensmitteln, Pfandflaschen und Turnschuhen den eigentlichen Arbeitsraum schrumpfen ließen, andererseits sähe sich der Lehrerkörper getrieben, den Unterricht aufzusuchen, da die Räume für die Schüler zwar nicht gemütlicher, wohl aber weniger ungemütlich aussähen. Auch der beim Einatmen eingesogene Staub sei geringer als im Pausenaufenthaltsraum der PädagogInnen. Diese unterrichtsbezogene Flucht aus dem Lehrerzimmer erhöhe die Präsenz im Klassenraum und verbessere die Qualität des Unterrichts, da er eher beginnen könne.

Georg Krakl - Pilzgedicht

Knollenblätterpilz 2

Tollen Retter - Schmilz
Dahin mein Herz!- getroffen.
Bin vor Liebe wie besoffen.
Knollenblätterpilz
Gegessen
Und vergessen
Tollem Retter jenes anzusagen.
Liebe schwindet  durch den Magen.

Jetzt ist's zwölf, will sagen, kurz davor.
Da unten seh ich jenen Retter.
Ich steh vor dem Himmelstor.

Georg Krakl - Pilzgedicht

Knollenblätterpilz

Wenn du einen isst,
merkst du schnell, wer dich vermisst.

Heute vor neun Jahren - Richtigstellung: Feinkostgeschäft

Der Verband deutscher Feinkosthändler besteht darauf festzustellen, dass es nicht Feinkothandlung, sondern Feinkosthandlung heißt. Sollte weiterhin Feinkothandlung in Bodos Welt geschrieben werden, behalte man sich Schritte vor. Bodos Welt: Vorsicht beim Schritte machen, schnell kann man in Feinkot treten, den besonders kleine und junge Rassehunde produzieren. Dass es Geschäfte geben könnte, die solchen Unrat verkaufen, ist ein Gerücht. Es heißt wirklich Feinkosthandlung, da besteht kein Zweifel.

Schröder plant Grazprom

Gerhard "Agenda" Schröder, der es geschafft hat, dass in Deutschland nicht mehr die Soziale Marktwirtschaft die Gesellschaft in die roten Zahlen prasst, plant jetzt, nach seinem vor Jahren erfolgreichen StartUp bei Russlands Putin und Gazprom, ein Crowdfunding zu lancieren: GrazProm.
Wohlwissend und vorausschauend, dass Haschisch in seinen diversen Verabreichungsformen der Kassenschlager sein wird, macht er sich schon jetzt bereit,  hier die Führungsrolle zu übernehmen.  Wenn die Metapher "die Nase dran haben" nicht ganz greift, so ist doch klar: Da ist noch was zu holen. Einmal Kanzler, immer Kanzler, und Geld macht sexy wie Macht das macht, da muss man nicht mehr ganz taufrisch sein. Und wer will nicht sexy sein? Auch wenn die Tüte schon mal den Blickwinkel verstellt und aus einem alten Sack einen prima Hanfbeutel macht...

Georg Krakl - Gedicht mit einem Endtag drin

Silvester
Trank er dies und trank er das,vor allem Trester.
Machte Sachen mit der Dame
Brachte sie zum Lachen
Und zum Weinen
Aß mit Senf die heißgeliebte Bartagame
Machte was mit ihren Beinen
Und dazwischen, was mit ihren Armen, ihrem Kopf.
An Neujahr, da kann sie nicht mehr weinen,
Ist sie still. Er hängt am Tropf.
Vorsatz für das Neue Jahr:
Neue Dame
Ohne Bartagame
Und Silvester
Nur  begrenzte Schlückchen Trester.