Hässliche Tierattrappen beleidigen das Auge

Eigentlich sind die Tierfiguren, die in den Vorgärten verschiedener Hausbesitzer baumeln, schon an sich eine Beleidigung. Wo gepflegt geschnittenes Grün regieren sollte, da hängt eine lieblos zusammengetackerte Puppe, die entfernt nach Tier aussieht, etwa nach einer Art Storch, der eine ungeschickte Laubsägearbeit als Kopf zeigt, an den ein Sack aus Plastik gehängt ist, der sich leicht bläht. Was der Bastler mit diesem Monstrum genetischer Fehlentwicklungen ausdrücken will, bleibt im Dunkeln. Freude spendet dieses Etwas nicht; das Auge blickt beleidigt und fast gedemütigt zu Boden. So viel Hässlichkeit ist kaum zu ertragen. Geht man einen Schritt weiter im Denken, kommt man schnell auf eine andere Botschaft, die alle kinderlosen Menschen mit dem Wunsch nach Nachwuchs aufschreien lassen muss. Der Klapperstorch war seit jeher Sinnbild für das Baby, den Säugling, den Sohn oder die Tochter. Der Klapperstorch zog das Kind nach einer irgendwie ungeschlechtlichen Zeugung aus einem See, um sie den zukünftigen Eltern vor das Fenster zu legen. Als Gebühr biss er der Mutter ins Bein, weshalb sie eine Woche im sogenannten Wochenbett liegen musste. Dass man den Menschen solchen Schwachsinn immer noch klar machen will, ist nicht mehr zeitgemäß. Der eigentliche Reibungspunkt ist aber der Sack am Kopf des Langschnäblers. Jedem Mann mit Kinderwunsch wird hier drastisch vor Augen geführt, woran das Nachwuschsvorhaben gescheitert ist: Im Beutel ist nichts als Luft.
Ein Verbot hässlicher Gartendekoration ist dringend erforderlich!

Die Wissenschaft hat festgestellt: Realismus

Jetzt ist es bewiesen: Es gibt ihn, den real existierenden Realismus.

Endreimlyrik: Hermann Döns - Schorf

Schorf
So wie der Torfstecher hebt den Torf,
so tat sein Fingernagel mit dem Schorf
auf seinem Unterarm.
Das Blut quoll rot und warm.
"Geronnen Blut kann ich wie Rotwurst gut verdauen,
auch ohne groß zu kauen",
und dachte weiter, "lieber mir den Bauch verrenken,
als dem Leben was zu schenken.

Sollten schlechte Zeiten kommen,
dächt' ich: Hättste bloß vom Schorf genommen!"

Aus: Papenburg-Elegie 2009

Endreimlyrik: Hermann Döns - Afrika (Antirassistisch)

Afrika
Chorgesänge
von 8 Dilettanten vorgetragen
ziehen sich oft in die Länge
penetrant in hohen Lagen
unerträglich in den Tiefen.
Melodien,
die aus dem Ruder liefen.
Rhythmen aus dem trägen Wien.
Ihr Soprane, seid jetzt still!
Singt nicht mehr so schrill!
Auch Bassisten schweigen mal!
Das klingt doch nach Negerkral!
Die Bassisten: Ruhe jetzt,
weil das Afrika verletzt!

Aus: Papenburg-Elegie (2009)

Endlreimlyrik:Hermann Döns - Der Schmied (2009)

Der Schmied
Die Dämme'rung dämmert
und der Schmied haut wie behämmert
auf sein kaltes Eisen.
Er will beweisen,
dass man aus einer Pflugschar Schwerter machen kann.
Vielleicht auch einen Skilift oder ein, zwei Starkbierhumpen,
oder eine Büste von Klaus Mann.
Auf jeden Fall zwei Eisenklumpen.

Es ist längst Nacht, niemand will wachen,
als Schmied und Hammer und ihr Eisen Feierabend machen.
Letztendlich konnt' der Mann beweisen:
Aus kaltem Eisen formt man kaltes Eisen.

Aus: Papenburg-Elegie 2009

Auch Erwachsene sollen Versteckspielen trainieren

Nicht nur Kindern kann man heute vorwerfen, sie ernährten sich nur von Chips und Fernsehen und seien deshalb überwichtig, auch Erwachsene dürften nicht besser dran sein. Gerade Spiele wie Verstecken, Kriegen, Packen und Hinkelpiss scheitern heute an den körperlichen Möglichkeiten der Spielenden. Gerade Sachbearbeiter in den städtischen Behörden haben aufgrund monotoner und bewegungsarmer Arbeit sinnvolle Ablenkung mit dem ganzen Körper in den Mittagspausen besonders nötig.
Versteckspielen wird von der Bundesgesundheitsministerin besonders hervorgehoben und soll im Rahmen des Vorschulunterrichts und von Fördermaßnahmen sowohl in der Grund- als auch in den weiterführenden Schulen trainiert werden. Im Erwachsenenalter ist es oft zu spät; unbestritten sind die ungeheueren Möglichkeiten des Spiels: Körperliches Geschick( Wie komme ich in die Regentonne oder durch das Kellerfenster?) paart sich mit Kreativität (Welche Ausrede habe ich, wenn ich zu schnell gefunden werde?), vereint sich ferner mit Konzentrationschulung (Wie hieß die Tusse aus Zimmer 47 noch?) und dem Aufbau sozialer Kompetenzen (Ich lass mal was sehen, sonst finden die Idioten mich nie, oder sitzen wieder die ganze Zeit in der Eisdiele und beobachten, wie ich hinter den Betonklötzen kauere und den Tschiboshop im Auge behalte, wo sie sonst immer hocken, weil sie zu faul sind wirklich zu suchen.) Zum Versteckspielen gehört aber auch die Möglichkeit, einen Gegenstand zu finden, der größer ist als man selber, damit dieser einen auch verdecken kann. Das will nicht immer gelingen, wenn man nur eine halbe Stunde Pause hat. Man darf die Schuld aber nicht den Gegenständen geben, denn die sind wie sie sind. Oft wollen die Leute gefunden werden, weil sie sich sonst allein fühlen. Dann aber ist es besonders bitter, wenn niemand einen sucht und daher auch nicht findet.

Als einmal die Queen in Weserstadt war.....

Herr Gerd: Herr Win! Da unten steht die Queen...
Herr Win: Herr Gerd, jetzt runtergeh'n, das ist's nicht wert.
Herr Gerd: Ach, ich dachte, einmal nur der Queen die Hand zu schütteln, das wär nett.
Herr Win: Wir wollen nicht Prinzipien rütteln.
Obwohl, sie ist adrett.
Herr Gerd: Ja, eben! Und....einmal im Leben jener Queen die Hand zu geben?
Herr Win: Ich sag noch mal, Prinzip geht vor.
Herr Gerd: Ok. Vielleicht noch mal im Chor?
Die Herren Win und Gerd gemeinsam: Prinzip geht vor!

Zwei Zwergelefanten auf dem Weg in die Südsee

Die Zwergelefanten Rolf und Dieter stehen auf einer Metalllampe in einem Vorgarten kurz hinter Osnabrück.
Rolf:Ich dachte, wir wollten in die Südsee...
Dieter: Ja, gut, das hatten wir gesagt.
Rolf: Das sieht hier aber nicht so aus wie in der Südsee.
Dieter: Woher weißt du denn, wie es in der Südsee aussieht?
Rolf: Weiß man eben.
Dieter: Wer ist man?
Rolf: Südsee sieht anders aus.
Dieter: Vielleicht brauchen wir noch ein Weilchen.
Rolf: Die Landschaft ändert sich aber seit Stunden nicht.
Dieter: Sagt man eigentlich an der Südsee oder in der Südsee?
Rolf: Keine Ahnung. Auf jeden Fall soll es da warm sein.
Dieter: Man sagt auf jeden Fall an der Nordsee.
Rolf. Weißer Sand und Palmen sollen da sein.
Dieter: Weil in der Nordsee, dann wäre man ja drin, das wäre nicht schön, vor allem wenn man Urlaub machen will.
Rolf: Das hier ist kein Strand, das eher Metall. Metallböden in der Südsee, das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Dieter: Wo, sagtest du, läge die Südsee?
Rolf: Ich habe gar nichts gesagt, du hast gesagt, wir gehen jetzt in die Südsee und ich sollte einfach hinterher laufen.
Dieter: Weiß ich gar nicht mehr.
Rolf: Nach Südsee sieht das hier nicht aus. Zu viel Metall.
Dieter: Wir können ja noch ein Stück gehen, da muss irgendwann der Strand kommen.
Rolf: Zwischendurch kommt es mir vor, als wenn wir im Kreis laufen.
Dieter: Glaub ich nicht.
Rolf: Ich schon.
Dieter: Schweigeminute ab 3!....1, 2, ...3!
Rolf: ---

Endreimlyrik: Hermann Döns - Böses Kind

Böses Kind
Mutti, Vati, ich möchte ein Hautier, ein eigenes Hautier!
Die Eltern erschrocken, die Tochter macht Fehler beim Sprechen!
Zum Logopäden geschwind, sonst wäre die Zukunft verbaut ihr.
Zum Fachmann zu gehen, das Kind will’s versprechen.
Gesetzt, dass die Eltern ein Hautier besorgen, vielleicht einen Hund,
vielleicht eine Katze, Kaninchen, Agame.
Egal sei der Name,
nur ein Hautier soll’s sein.
Gekauft wird ein Hund. Nachdem er verdroschen
spricht das Kind: Ich hab nichts versproschen.
Ihr könnt nur nicht hören.
Geht! Wascht euch die Öhren!

Schweinedenkmal in deutscher Kleinstadt

Der Tourist und Besucher der Kleinstadt erwartet ein angenehmes Ambiente, milde Temperaturen, freundliche Menschen und Bürgersteige, auf denen Hunde nicht ihre Geschäft erledigt haben. Das Kleinstädtische wollte und sollte immer Richtschnur sein für das Denken, das Fühlen und das Handeln der Menschheit. Wo es dir in der Kleinstadt gutgeht, da geht es auch der ganzen Welt gut! Dieser eher kryptisch anmutende Satz galt lange Zeit als Imperativ: Lass es dir gutgehen in der Kleinstadt, dann geht es auch der Welt gut. Dieser Trugschluss veranlasste viele Menschen, in die Kleinstädte zu ziehen und so entstanden die Großstädte, in denen aber das Unheil wie Natternbrut an den Brückenpfeiler und Häuserwänden hochzüngelte und an der Unschuld der Menschen leckte, um es mit seinem giftigen Odem zu verderben. Die Dörfer schwollen aufgrund nachfolgender Landflucht zu Kleinstädten heran und verödeten zu Brachen und Fußballplätzen. Erst mit aufkommender Überbevölkerung konnten sie ihre alte Aufgabe, die Beherbergung der Großfamilie, die in den Großstädten als asozial gilt, übernehmen.
Die Menschen in der Kleinstadt aber waren enttäuscht, dass sie plötzlich in Großstädten lebten und die ehemaligen Dörfler, die jetzt Kleinstädter waren, erregten sich ebenfalls und lösten die Großfamilien auf. "Schweinerei! Große Schweinerei ist das!", brüllten sie und ließen vor Wut sogar den unbestimmten Artikel weg. Da sie aber keinem die Schuld geben konnten an der Entwicklung, höchstens vielleicht sich selbst, setzten sie der Schweinerei ein Denkmal. Die Touristen und Besucher aber ergötzen sich an den poussierlichen Borstentieren, die aus Stein sind und keinerlei Dreck auf den Gehwegen verursachen. "Schau mal da, wie süß", sagt die Oma dem Knirps," daraus werden in Echt die Bratwürste und das Mett gemacht." Beim Zurücktreten, um das Denkmal besser betrachten zu können, tritt sie in die Hinterlassenschaft eines magenerkrankten Boxerrüden. "Verdammte Hunde, wollt ihr ewig leben?", zischt sie zornig vor sich hin und zerrt den Knirps aus der Gefahrenzone.
Die Kleinstadt jedoch ruht wieder in sich, in ihrem freundlichen Ambiente und mit ihren ebenso freundlichen Bürgern, die vom Tanz in den Mai 2010 träumen. Aber bis dahin ist ja noch lang.

Diskriminierung: Roter Mann

Der rote Mann wird nach wie vor diskriminiert. Wohl hatte ihn der weiße Amerikaner nach Entdeckung des Reservats in dieses überführt, aber als in diesem unfruchtbaren Land Öl gefunden wurde, hatte der Ureinwohner auch dort keinen Platz mehr. In einem nicht mal gegenseitigen Wirtschaftsabkommen und mit dem Versprechen, Deutschland nicht in einen atomaren Panzergraben zu verwandeln, falls der Russe oder noch wahrscheinlicher, der Chinese, gegen Westen rückt, wurden die roten Männer auf deutsche Städte verteilt, wo sie unauffällig unter das Volk gemischt werden sollen, bzw. als Deko an Textilbekleidungsgeschäften und In-Kneipen, die auch alkoholische Getränke verkaufen, drapiert werden. Als Erinnerung an seine einstige Wehrhaftigkeit, als er noch auf einem Appaloosa mit dem Bogen in der Hand über die Prärie galoppierte, wird jedem der sogenannten Eingeborenen eine rotgefärbte Stange beigefügt, die dem Betrachter sagt: Auch wenn der rote Mann nackt ist, weil ihn der Amerikaner all seiner Güter beraubt hat, so hat er doch eine rote Stange, mit der er dir schnell eins überziehen kann. Also, habe Respekt und fixiere den Menschen nicht, starre nicht auf die Sitzfläche des Stuhls und suche nicht nach protzigem Federschmuck. Mach dir lieber ein Schild, auf dem steht: Wo ein roter Mann ist, da muss auch ein schwarzer her, und ein weißer und ein gelber, denn wir wollen eine bunte Gesellschaft sein! Dann marschiere mit diesem Schild durch Ibbenbüren, weil man irgendwo anfangen muss.

Versteckte Botschaften in Gedichten: Nicht Kern, sondern Zen

Nicht Kern, sondern Zen
Nicht kleckern,
sondern klotzen.
Nicht keckern,
sondern kotzen.
Nicht eckern,
sondern otzen.
Nicht ckern,
sondern Tzen.
Nicht Kern,
sondern Zen.

Hermann Döns (2009)
Genial, wie der Leser von Döns allmählich von der schlichten Aussage, die letztlich nur Redensart und Volksratschlag ist(kleckern/kLotzen), über das Tierreich(keckern) zur archaischen Verdauungsverweigerung (kotzen), über Neologismen(eckern/otzen) zu dadastischer Form(ckern/tzen), vom Verb alsdann zum Substantiv, gleichbedeutend mit der Menschheitsgeschichte, vom westlichen Volksempfinden ([Pudels] Kern) zur östlichen Philosophie (Zen) geführt wird. Wo hat man je mehr mit weniger Worten ausgedrückt?

Endreimlyrik: Georg Krakl - Primel (Frühling 99)

Das hat niemand so gewollt,
dass die Primel schmollt.
Was hat sie denn nur vergrämt?
Wer denn nur hat sie beschämt?
Hat man sie entblättert?
Oder gar beklettert?
Hat man sie beleidigt?
Oder nicht genug verteidigt?
Viel zu viel gegossen?
Ihren Liebsten just erschossen?
Trat man ihr das zarte Blatt
einfach platt?
Quetschte ihre seid'nen Blüten
wie gebrauchte Brötchentüten?
Was ist denn passiert?
Hat man sie püriert?
Mit dem Rasenmähgerät kupiert?
Massakriert?
Opariert?
Omariert?
Ach, hier hör ich lieber auf.
Primel, Primel, schmollst ja immer noch!
Haue mit dem Spaten drauf,
schmeiß sie in ein Loch,
das ich grade ausgehoben.
Zu- ist besser noch als aufgeschoben.
Primel, Primel! Musst nicht grollen.
Das hat dir jetzt nichts gebracht: Zu schmollen.
(Foto: Keine Primel)

Sich zeigen in der Kleinstadt

Die Stadt lebt; es ist ein Samstagmorgen der sonnigen Art: Hallo, allerseits,hallo,hi, Robbi, da bin ich, hier ist die Tanja, das ist meine Gefährtin, nein, wir sind nicht verheiratet, aber wir leben zusammen, heiraten ist was für Kleinkarierte. Ragazza! Eine Latte, due Espressi, ach, Sie sind Deutsche, macht nichts, dasselbe für uns, und Wasser dazu. Hallo Tom, ja du, wir hatten eine schweren Nacht, neinnein, das Übliche, und wie ist es mit euch?, hey, Richard, ja du, genau, toller Tag, ja, hier rumsitzen und gucken, das ist wie Kino, ups, habe gar kein Geld dabei, Ricardo, schreibst du's auf?, kein Problem?, danke, ich les da gerade ein tolles Buch, ja, Tanja ich weiß, es ist eigentlich deins, wissenschaftlich, über deutschen Wahnwitz, von damals bis heute, historischer Abriss, nein, für mich keine Latte, hier bitte, ich nehm die due Espressi, hallo Karl, mussmuss, ruf mal an, Paul, ach du, Rita, ja, setzt euch, keine Zeit, ja wir müssen auch gleich, Spargel, ja ist Saison, heute werden wir mal den grünen probieren, lecker, mit Parmaschinken, ach nee, Bündner Fleisch, das ist mir zu pappig, der deutsche Wahnwitz, selbst Hitler soll ihn besessen haben, deswegen war er Wagnerfan, Wotan und Wahnwitz, muss man gelesen haben, spannend, fast wie ein Roman, Ragzza! Pagare! Hallo? Man sagt nicht pagare? L'additione? Das versteht hier doch keiner, die sind doch alle deutsch, Ragazza, pagare! Subito! Prego, man will ja höflich bleiben, haha. Tschau denn, ja, demnächst, man sieht sich. Falls man nicht erblindet. Scherz.

Depressive Gärten

Ein Garten sollte fröhlich sein, sollte Lebensfreude versprühen, sollte Wachstum signalisieren, sollte Fruchtbarkeit verdeutlichen. Dann stellt ein Gartenbesitzer, der sowieso einen ungepflegten Garten sein eigen nennt, Figuren in die Beete, die eine tiefe Depression auf den Betrachter laden. Der Spaziergänger, der sich zum Hobby gemacht hat, die Nachbargärten in regelmäßigen Abständen zu inspizieren, wird unendlich traurig; die Tränen stehen ihm in den Augen und er schafft es kaum, sich nach Hause zu schleppen. Fast gefangen genommen ist er von skurrilen Figuren, die den guten deutschen Gartenzwerg ersetzen wollen, weil der vielleicht sein fröhliches Lachen und seine frohen Farben benutzt, um die Menschen glücklich zu machen. Depressive Gesichter, depressive Körperhaltung - der Betrachter kann nur in die melancholische Nachdenklichkeit abgleiten und das eigene Leben inklusive Garten in Frage stellen. Das ist nicht gut. Weg mit diesen jämmerlichen Figuren. Niemand weiß, was sie uns sagen wollen. Sie sehen aus wie missratene Versuche, eine Figur in Ton zu formen, in einem VHS-Töpferkurs für Linkshänder, dann aber micht Rechts geformt, entstanden. Der normale Bürger wünscht sich nicht solche Kurse, da tut es doch ein Makramee-Angebot, in dem Blumenampeln hergestellt werden, die schöne Duftgeranien beherbergen könnten. Was tun, wenn die Gartenbesitzer ihr Recht auf Privatsphäre und Eigentum einklagen? Da hilft kein Flechtzaun, denn der ist die Potenzierung der Depression und macht wirklich aggressiv. Ein wenig Feinfühligkeit, ein bisschen Mitdenken, eine kleine Portion Mitmenschlichkeit in diesen Zeitgenossen würden doch verdeutlichen, dass hier nicht nur das Auge, nein, die Seele des Menschen beleidigt wird. Haben unsere Schulen mal wieder versagt?

Frisch aus dem Reimlexikon: Befindlichkeit

Befindlich
Heut bin ich so befindlich
und Rosa macht auf kindlich.
Sie kuschelt nur für sich in ihrem Nerz.
Mich quält ganz tief Beziehungsschmerz.
Theodor Spontane (2009)

Gespräche in den Kühlschrank: Teewurst

Wenn du da bist, und ich sehe die Teewurst im Kühlschrank, denke ich: O, eine Teewurst! Es ist nicht meine Teewurst, denn ich bin Vegetarier und esse im Leben keine Teewurst. Ob die wohl noch gut ist? Die liegt doch schon länger da. Heute hat sie eine Kappe aus Alufolie, damit sie sich nicht verfärbt oder an den Rändern hart wird. Wie lange hält wohl so eine Teewurst, nachdem sie angeschnitten wurde? Ob sie wohl länger hält, wenn man ihr eine Kappe aus Alufolie aufsteckt? Ach, da steht ja noch das alte Glas Gurken, es ist fast leer, aber es hat sich unbemerkt in die letzte Reihe geschoben. Auch nicht mein Glas, aber du hast ja schon ein neues aufgemacht, das steht in der zweiten Reihe. Gurken halten sich geöffnet sehr lange. Länger als Teewurst auf jeden Fall.
Wenn du nicht da bist, denke ich: Ach, die Teewurst. Ach, du bist ja gar nicht da. Wann kommst du? Gut, dass die Teewurst im Kühlschrank liegt. Als wäre es ein Stück von dir. Auch wenn sie an den Kanten schon ein wenig hart ist. Da, das Glas Gurken. Ach ja, das andere auch. Ihr drei seid da, wie schön. Ihr lächelt mich an, so, wie es Teewürsten und Gurkengläsern möglich ist und flüstert: Sie kommt zurück. Ich ,die alte Teewurst, und wir, die alten Gurkengläser, sind doch noch da. Niemals würde sie ohne uns gehen. Niemals. Dann bin ich froh.

Abgerissene Puppenköpfe?

"Den Kindern zur Warnung, den Nachbarn zur Freude: Lasst euch gesagt sein, dass niemand, nicht Mensch, nicht Kind, nicht Hund, nicht sonstiges Getier diesen Rasen betritt, die gute englische Parkmischung, die ich jährlich mehrfach vertikutiere, regelmäßig auf gleiche Länge stutze, über dessen Qualität jeder Golfplatzgreenpfleger in Tränen ausbrechen würden, weil er diesen Standard nicht erreicht! Also, Füße weg aus diesem Garten, und schon gar nicht durch die Beete getrampelt, wenn die grüne Fläche tabu ist! Euch zur Mahnung liegen diese Puppenköpfe scheinbar friedlich in weichem Moos." Diesen Text würde mancher bei flüchtigem Hinsehen auf einem Verbotschild an der Grundstücksgrenze eines Vorstadtreihenhauses vermuten. Der Kenner blickt tiefer: Wer sich die Umgebung der Puppenköpfe genauer ansieht, wird feststellen, dass hier kein Hobbygärtner wohnt, der abends auf seinem Rasen liegt und ihn liebevoll streichelt. Dieser Garten ist verschlampt. Moos ist der Feind jeder ordentlichen Gartenanlage. Gestrüpp und Totholz ebenso. Reste von Rindenmulch deuten darauf hin, dass der Gartenbesitzer zu faul war, Unkraut zu jäten und fein zu harken. Selbst den Rindenmulch zu erneuern, war er zu bequem. Da sind abgerissene Puppenköpfe nur Anzeichen für ein Endlager für Hausmüll. Dem wirklichen Gärtner dreht sich der Magen um.

Dichters Hilferuf: Reim gesucht

Hallo!
Ich suche Reime auf
Fön
und Geburtstagstafel bei Kerzenschein.
Wer kann mir helfen?
Georg Krakl

Günter Krass: Erinnerungen - Café Stumpff

Samstags saßen wir als pubertierende Schüler, die gern nach Mädchen schielten und sich nach dem ersten Kuss sehnten, im CafÉ Stumpff und ließen uns von oben herab bedienen. Der Ober schaute in eine andere Richtung, wenn er unsere Kleinbestellung aufnahm und genauso servierte er das Bestellte. Der Laden war brechend voll, jedermann wunderte sich, warum so viele Stühle in dieem Café standen, sodass bis zu acht Personen an einem Vierertisch sitzen konnten. Warum wir denn wirklich hier saßen, wussten wir nicht; wir saßen, weil es die anderen taten, es glich einem Ritual, das keiner mehr hinterfragte. Samsatag bei Stampff, das war Gesetz, ungeschrieben, aber eingebrannt in unsere Herzen. Wir taten immer lässig, weil wir wussten, dass die anderen auch nur hier waren, weil wir hier waren, weil der Laden voll sein musste, weil hier kein Platz mehr sein sollte für etablierte Anzugträger, kein Platz für Greise und Frühergraute, nicht für Eltern, nicht für Lehrer, nicht für Leute über dreißig. Establishment bleib uns vom Hals! So taten wir und lehnten gelangweilt und existentialistisch in den Sitzmöbeln, rauchten, was das Zeug hielt und tranken schwarzen Kaffee. Wir versuchten, nicht zu husten. In Wirklichkeit aber waren wir da, um nach den Mädchen zu schielen, um zu gucken, ob sie nach uns schielten. Leckere Mädchen saßen herum, die nach Erdbeertorte rochen, die wir aber nicht bestellten, weil sie nicht existentialistisch genug war. Auch Mädchen und ihre Küsse waren nicht wirklich existentialistisch, und es blieb so oft und so lange beim Schielen. In der Zwischenzeit schleppte der Naivling Robert die schönsten Erdbeertortenstücke ab und ergötzte sich an deren Erdbeerduft. Irgendwann begannen wir, den Exitstentialismus zu hassen. Besonders den im Café Stumpff.
(Foto: Hässliche Kaffeehaus-Romantik, weit entfernt von Sartre oder Camus.)

Frage an die Leser: Hat ein Loch einen Rand?


Die Menschheit hat sich seit Anbeginn mit der Frage herumgeschlagen: Was ist ein Loch? Anfangs hatte man einfach eine Vertiefung in die Erde gebuddelt und geglaubt, den Idealfall eines Loches gefunden zu haben; Kritiker belehrten die Neandertaler eines Besseren und zeigten ihnen ein Loch in einem Knochen, der nicht einmal einen Boden hatte. Man konnte durch dieses Loch sogar sehen. Mit dem Zerfall des Feudalismus und dem Einsetzen der Industriellen Revolution entstanden immer neue Löcher, die im Portmonnaie, eins im Eimer und manchmal auch eins in der Lunge, aufgrund schwerster und unmenschlichster Arbeitsbedingen, die die Kapitalisten und Großbürger den Arbeitern aufzwangen.
Endpunkt der Ratlosigkeit, denn eine gültige Definition ist bislang nicht gefunden worden, war die Entdeckung des Schwarzen Lochs, ins das Gegenstände passen sollen, die größer als das Loch sind und in dem die Zeit stehen bleibt, weil es ein so langsames Loch ist.
Um solch futuristischer Astroromantik Einhalt zu gebieten, besinnen wir uns einmal auf das Wesentliche: Hat ein Loch einen Rand? Ist ein Loch ohne Rand überhaupt ein Loch und woraus darf der Rand bestehen, damit er ein Loch begrenzt, und weiterhin, wie dick darf dieser Rand sein? Muss man durch das Lochen sehen können, oder reicht es, wenn man mit dem Finger hineinfassen kann? Muss man etwas hineinstecken dürfen bzw. herausziehen? Muss das Loch immer die gleiche Größe haben, wenn es einmal als Loch definiert wurde?
Lieber Leser, wenn du eine Antwort weißt.....
(Foto: Müssen schwarze Löcher immer rund sein? Wie groß sind sie überhaupt?)

Für Freunde kurzer Texte: Kopfball

(Dieser Text besteht aus 17 Wörtern.)
Haben Sie das nicht auch manchmal? Der Kopf fühlt sich an wie eine Kugel? So, als habe man mit dieser Kugel drei Runden in die Vollen gekegelt? Und alle sind gefallen? So, als sei der Kopf durch einen Trommelrevolver katapultiert worden und in eine Betonwand gedrungen?
So, als seien Sie zwanzig Stunden Bestandteil eines aktiven Kugellagers gewesen, in dem sich ein Sandkorn verirrt hat?So, als seien sie das Druckwerkzeug einer Kugelkopfschreibmaschine gewesen, an dem eine Tipperin mit 1000 Anschlägen sitzt? Ich tippe ja.
Na, also.

Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Frühling


Die Weide trauert
um ihr üppiges Gezweig.
Die Sonne scheint nicht, ach, es schauert,
manch Kuchen ist noch Teig.
Der Fahrradschlauch noch ohne Luft,
die Brille ohne Auge,
der Blume fehlt der strenge Duft,
der Seife fehlt die Lauge.
Dem Lehrer fehlt die Tafel,
der Meise nur ein wenig Kohl,
dem Tauben das Geschwafel,
das Ei ist noch von Ostern hohl.
So fehlt mal dies und fehlt mal das.
Der Frühling hat's genommen,
um seine Pracht zu zeigen, und, ach was,
was red' ich da, der ist doch noch am Kommen,
da kann mal was danebengeh'n.
Ich kann das voll versteh'n.
Doch möcht ich auch nicht Frühling sein,
egal was grad nicht fehlt,
ich wäre lieber Sonnenschein,
der guckt nicht so gequält
und hätt's auch immer warm
und überzeugte meinen Schwarm
gar bunt gescheckter Vögel und Geziefer,
dass ihr Gesang viel schiefer
als der von Udo Lindenberg.
Das freut dann meinen Gartenzwerg,
der gar nicht singen kann.
Musst nicht verzagen,
sag ich, haue mit dem Hammer drauf.
Jetzt fühlt er sich zerschlagen.
Musst nicht verzagen,
wiederhole ich,
entspanne dich,
der Sommer kommt in hundert Tagen.

Mauskostüme für diskriminierte Banker

Was tut der Mensch nicht, um sich von der Masse abzuheben bzw. in ihr unterzugehen? Früher hat er als Banker gearbeitet und sich geärgert, dass der hörgestörte Mensch daraus unzulässigerweise das Wort "Hinterbänkler" gebildet hat, was er als Diskriminierung empfand. Als Gegenmaßnahme kaufte sich der Banker einen Anzug, dazu Hemd, Schlips, schwarze Schuhe und einen kleinen, damenhaften Lederkoffer, in dem er sein Butterbrot zur Arbeit trug, und begegnete den Mitmenschen mit Arroganz und Verachtung. Immer aber hatte er ein breites Grinsen auf dem Gesicht, denn er wollte dem zukünftigen Kunden unterschwellig vermitteln: Gib mir dein Geld! Bei mir bist du gut aufgehoben, ich mag dich, ich weiß wo dein Auto steht, du brauchst ein neues, ich habe einen Kredit, dein Haus sieht doof aus, bau dir ein neues! Alles eingefangen in einem breiten Grinsen, das ein Lächeln hatte werden sollen. Dem Kenner entging nicht, dass hinter dieser Botschaft die eigentliche stand: Ich zieh dich über den Tisch, du kannst deine Rostkarre weiterfahren, dein Haus ist wirklich doof, deine Frau auch, das interessiert mich aber nicht. Alles drin in einem breiten Grinsen, nur wurde der einfache Mitbürger von einem damenhaften Lederkoffer, in dem er hochqualifizierende Unterlagen vermutete, abgelenkt und gab bereitwillig sein Geld heraus. Im Lederkoffer war nur ein angebissenes Butterbrot mit Streichleberwurst.
Mittlerweile erzeugt nicht nur das Gesicht von Postganove Zumwinkel einen Würgereiz, sondern auch das Wort "Banker", ganz zu schwiegen von den Gestalten in Anzug und Lederschuhen mit damenhaften Lederkoffern, die die Tötungshemmung der Geprellten, wenn sie ihrer angesichtig werden, ruckartig entfernen.
Was bleibt den Gedemütigten übrig, als ihre smarte Businesskleidung gegen unauffällige Kostüme auszutauschen? So sieht man immer mehr Banker z.B in Mauskostümen zur Arbeit gehen, oft in Begleitung eines Bodyguards, den man für eine Flasche Klaren am Bahnhof direkt von der Parkbank wegengagieren kann.
Armes Deutschland, das sich von Ungeziefer in Kostümen ausrauben lässt, bzw. von als Ungeziefer Kostümierten und noch Mitleid mit den kleinen Nagern hat.
Der Tierfreund merkt an: So, wie es kein Unkraut gibt, gibt es auch kein Ungeziefer.
Mäuse seien nicht grundlegend schlechte Wesen, nur weil sie sich massenhaft vermehrten und anderen das Essen wegfräßen. Mäuse täten nur, was ihnen ins Nest gelegt sei. Also, nicht einfach draufhauen, wenn dir eine Maus über den Weg läuft, auch mal nett sein zu deinem Mitwesen. Man weiß ja auch nie, ob der Bodyguard vielleicht ein klaren(haha!) Moment hat und eine brenzlige Situation heraufbeschwört.

Beseelte Gegenstände

Man soll es nicht glauben, auch Tischklanten leben in irgendeiner Form, sie empfinden Schmerz und ärgern sich fürchterlich über Kopfverletzungen, wenn ein unachtsamer Tischkantenbenutzer etwa mit einem Stuhl oder einer Nähmaschine gegen das Holz gerammt ist. Schaut man genauer hin, erkennt man, dass die Tischkante nicht nur aus einer Kante an einem Tisch besteht, sondern in Wirklichkeit einem menschenähnlichen Wesen gleicht, das bei hoher Schmerzintensität sogar farbig anlaufen kann. Das Tragische ist, dass die Tischkante ihr Befinden nicht verbal äußern kann, sodass die meisten Mitmenschen glauben, es gebe gar keine lebenden Tischkanten. Dabei ist deren Funktion überaus nützlich, etwa, wenn mal wieder jemand über den Tisch gezogen werden soll. Darum: Demnächst etwas vorsichtiger mit Nähmaschine, Stuhl,Drehbank oder Motorroller, wenn du einen Tisch passierst.

Wahrnehmung: Die Multiplizität des Lebens

Es gibt Menschen, die missfallen einem auf den ersten Blick. Oder ihre Kleidung. Dann scheint es, als würden die Menschen oder diese Kleidung dir ständig wiederbegegnen, obwohl es dafür überhaupt keinen Grund gibt, so, als liefst du ständig in dieses Missfallen hinein. Plötzlich taucht die hässliche rote Jacke rechts neben dem Eingang zu einem hässlichen Kaufhaus auf, und das nicht nur einmal, nein vier-, fünf, sechs-, hundertmal. Dann links auf der Straßenseite, da wo die hässliche Bank haust, die deine Aktien verspielt hat, Rotejackerotejacke, es ist, als sei die Welt verrückt geworden und tanze vor deinen Augen einen Veitstanz, der dich verhöhnen will. Hahaha!Du hast keine hässliche rote Jacke und wirst nie eine haben, denn du hast die Größe nicht, nicht nur die leibliche, nein auch die innere nicht, dir für teures Geld eine pottenhässliche rote Jacke zu kaufen. Du liebst das Kleinkarierte, und das ist noch viel hässlicher als du es dir vorstellen kannst. Halt dieses kleinkarierte Muster mal neben eine hässliche rote Jacke!
Die Straße, auf der alles passiert, widert dich an, du bekomst Hass auf sie. Rotejackerotejacke! Ich kann mir keine rote Jacke leisten, die hässlich ist? Ich habe die Größe nicht? Innerlich nicht, äußerlich nicht? Nicht große Scheine, um sie zu bezahlen? Nur weil die hässliche Bank mit ihren noch hässlicheren Bankern meine Aktien verspielt hat? Dass ich nicht lache!
Jetzt stehst du am Scheideweg: Bleibst du der Kleinkarierte? Wirst du paranoid? Oder gehst du in das hässliche Kaufhaus mit deinem hässlichen Geld und kaufst dir eine pottenhässliche rote Jacke?
Zwei. Du kaufst dir zwei. Eine für sonntags, eine für alle Tage.

Endreimlyrik: Georg Krakl - Schildkröten

Schildkröten

Schildkröten-
töten
ist kein Sport
wohl aber Mord
denn Schildkröten haben eine Existenzberechtigung wie jedes Wesen
hab ich wo gelesen

Missverständnisse: Sägen bringt Rägen


Piet und Smolf sägen einen Baumstamm durch.
Piet: Hey, du darfst nicht schieben!
Smolf: Ich schiebe doch gar nicht.
Piet: Doch, das merke ich doch.
Smolf: Blödsinn.
Piet: Klar, die Säge klemmt ständig.
Smolf: Na, also, da haben wir's doch.
Piet: Nix da. Du schiebst.
Smolf: Ok, ok, aber nur ein bisschen.
Piet: Das bringt nix, weil dann die Säge klemmt.
Smolf: Aber wenn ich auch ziehe, bringt das doch auch nichts.
Piet: Wieso?
Smolf: Wenn ich ziehe und du ziehst auch, dann kommen wir ja nicht voran.
Piet: Nacheinander.
Smolf: Wie jetzt?
Piet: Wir müssen nacheinander ziehen.
Smolf: Dann müsste ich gar nicht hier sein? Du eine Stunde und dann ich eine Stunde?
Piet: Blödsinn.
Smolf: Das habe ich schon gesagt.
Piet: Nacheinander ziehen. Einmal ich, einmal du. Nicht schieben.
Smolf: Und was soll das bringen?
Piet: Dann sägt die Säge.
Smolf: Da bin ich aber froh. Voll die Verarsche.
Piet: Gar nicht. Versuch's mal.
Smolf: Wo bin ich denn hier? Leichte Arbeit mit netten Kollegen stand in der Zeitung, das kannste doch voll knicken, völlig die Pleite, hier son Klugscheißer, der auch erst einen Tag an der Säge steht und will erzählen, wie alles geht. Da geh ich doch lieber Spargel stechen. Oder Rasenkanten schneiden.Ich habe das gleich geahnt, dass das nix ist hier. Schieb nicht! Schieb nicht. Ziehen. Du musst ziehen. Verziehen, dass muss ich, und das tue ich jetzt: Ich verziehe mich.
Piet:(leise) Schon wiederne flachschädelige Mimose. (lauter) Ich arbeite sowieso lieber alleine! Smolf: Säg dich! Piet: Sich sägen bringt Rägen. (Es klatschen die ersten Tropfen auf den Boden. Donner grollt.)

Städte müssen sparen: Rotlichtmilieu

Es gibt katholische, mittelgroße Städte, die sparen an allen Ecken und Kanten. Früher entwickelte sich ein Rotlichtmilieu wie von selbst, da wurde sogar noch gewettert vom schwarzen Mann auf der Kanzel, mit Hölle und Verdammnis gedroht, und heute? Die Kassen sind leer; ein Rotlichtmilieu entsteht nicht einfach so, denn es existiert abesonders von den Menschen, die es aufsuchen und ihr Geld ausgeben. So bleiben die Touristenströme aus, denn eine Stadt, die von sich sagen muss, sie habe kein Rotlichtmilieu, wird von den großen Reisebussen mit pensionsberechtigten Senioren gemieden. Selbst, wenn diese Rotlicht früher für eine Ferkelerwärmungsvorrichtung hielten, womit sie nicht Unrecht hatten, scheinen sie heute damit doch andere Ferkeleien zu verbinden. Da heißt es, das Konsumenteninteresse wach zu halten und Wünsche zu wecken. Lächerlich sind allerdings Versuche, wie in einer mittelgroßen, katholischen Stadt mit leeren Kassen gesehen, einfach ein paar Straßenlampen mit roten Tüchern zu umhüllen, diese am Abend anzuschalten und zu hoffen, das der so illuminierte Straßenzug nun das verrucht-berüchtigte, aber für Reisebussenioren so attraktive Rotlichtmilieu sei. Betrug am Konsumenten durch hochverschuldete Kommunen!

Innerer Monolog: Als James Dean einmal nachdachte...

Was mache ich hier in Lengerich? Als Bestandteil eines Kriegerdenkmals vor einer evangelischen Kirche? Evangelisch? Oder war es protestantisch? Protestieren, protestieren, ja, das können sie, die Protestanten, als wenn es nichts Wichtigeres gäbe im Leben, als zu protestieren. Ja, klar, da muss man mich hier vor die Westfront kleben, weil ich zwei- oder dreimal den jungen Rebellen gespielt habe. Protestanten und Rebellen, das geht doch gar nicht, und dann in einer Stadt wie Lenegrich, das ist doch, als ob man Schweinskopfsülze an Vegetarier ausschenken wollte. Da brechen Welten zusammen, da kann doch niemand ernsthaft annehmen, dass das gut geht. Wenn es überhaupt geht. Und überhaupt. Ich merke gerade, dass ich auf Deutsch monologisiere. Ich kann gar kein Deutsch, ich kann nur dieses Bratkartoffelenglisch, das sie, die ständig auf der Lauer liegen, diese bigotten, fetten Wohlstandsbürger, Amerikanisch nennen. Ich habe das T-Shirt erfunden und den Wagen ohne Verdeck. Wo wird das gewürdigt? Vielleicht bin ich gar nicht James Dean. Wer weiß, wohin mich der Steinmetz verschlagen hat. Aber schön, dass ich deutsch denke, also auf Deutsch, da kann ich endlich eine Fremdsprache. Was heißt das denn noch auf Englisch? Hm, das fällt mir jetzt nicht ein. Schade eigentlich. Aber, was nutzt mir hier Englisch in Lengerich, die haben mit Deutsch doch schon Probleme. Und sprechen kann ich doch auch nicht, weil mein Kopf aus Sandstein ist. Das weiß doch jedes Kind, dass Steine nicht sprechen können. Fluch des Berühmtseins.

Der weise Mann sagt: Auto und Villa




Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Deutsche Städte (Darmstadt)

Darmstadt

Da, wo man es warm hat,
da ist Darmstadt.

Wo man einst krank wurd,
da liegt heute Frankfurt.

Und für viele bellt
ein dummer Hund in Bielefeld.

Cuxhaven, ach, Cuxhaven,
dich hab ich wohl verschlaven.

Aufgewacht bin ich in Darmstadt,
weil es soviel Darm hat.

Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Deutsche Städte (Wuppertal)

Wuppertal

Du, schnupper mal!
Hier riecht's extrem nach Wuppertal.

Harmonie bei Mümmelmanns

Mutter Mümmelmann hat mal wieder alles ins Lot gebracht. Was für eine Karwoche hatte hinter der Hasenfamilie gelegen! Dem Vater hatte man beim alljährlichen, vorösterlichen Ohrenwaschenlegenfönen das falsche Muster in die Muscheln tätowiert. Drin ist drin, war der stumpfe Kommentar des Übeltäters, der sich sogar erdreistete, für die Schandtat Geld zu nehmen. Immerhin habe er fixe Kosten und einen Dispokredit am Laufen, so die wenig glaubhafte Erklärung. Die missratenen Ohrenmuster brachten auch den Haussegen in Gefahr, als Tochter Katie losprustete: Guck mal, Papa hat Ohren wie der Fliesentisch von Onkel Fred. Vater Mümmelmann fiel in eine tiefe Depression, er fühlte sich verraten von Familie und Ohrenwaschenlegenföhner. Das Geld war futsch und Ostern stand vor der Tür. Weder Eierpunsch noch sei Lieblingsspiel "Ich bin der Weihnachtsmann" konnten Licht in die trübe Seele bringen. Erst am Ostersonntag änderte sichd as Leben wieder in die richtige Richtung: Willst du nicht mal nachsehen, Vati, ob der Osterhase da war?, raunte die Mutti in das kleinkarierte Ohr des Familienvorstands. Wieso denn, fragte der Vati, das sind wir doch selber. Wer weiß, wer weiß, die Mutti dann geheimnisvoll; der Vater spazierte zu Tür hinaus und kam mit glänzenden Augen zurück in die Wohnstube: Seht mal, was der Osterhase gebracht hat!, rief er laut. Ein Ei! Ein Ei mit einem Muster, das zu meinen Ohren passt! Die Mutti schmunzelte und zwinkerte Katie zu. Der Vati war wieder glücklich. Katie aber grübelte den ganzen Nachmittag darüber nach, ob es wirklich einen Osterhasen gab oder nicht, und wenn ja, ob sie das nicht selber wären, und wenn ja, wer dann das Ei gebracht hatte, beziehunsgweise warum.

Achtung im Ziergarten!

Obacht jetzt im Garten, wo alles aus den Erdlöchern hervorschießen will. Die unheimliche schwarze Folie ist wieder unterwegs. Sie nährt sich von üppigen Kräuter, jungen Pflänzchen und der Geldbörse der Gartenbesitzer. Sie liebt es, in Vorgärten von Menschen zu wachsen, die ihre Rasenkanten gerne mit der Nagelschere schneiden würden und ein Büschel Gras in den Rabatten für eine außerirdische Seuche halten, die es mit der Giftspritze zu beseitigen gilt. An diesen Orten wuchert sie in unglaublicherGeschwindigkeit und hinterlässt bleiche Gewächse und modriges organisches Material, das irgendwann einmal das Herz des Betrachters erfreut hat. Es kann helfen, ein paar Löcher in den Folie zu stechen, um wenigstens den härtesten Gartengesellen einen Platz an der Sonne zu sichern, eine wirksame Lösung ist das aber nicht. Ganz ungelegen kommt der schwarze Geselle den
Rasenkantenmitdernagelschereschneidern nicht: Wo keine Blume, kein Strauch, kein Bäumchen und kein Holunderbusch wachsen, da findet sich auch kein Unkraut, und das macht zufrieden und den Garten übersichtlich.

Brauchtum: Sandeimer aufhängen

Eine alte Tradition ist zu Ostern wieder neu entdeckt worden. Früher hängte man zum Frühjahr vor Ostern als Opfergabe für die Götter des Geschlechtsverkehrs und der Fruchtbarkeit ausgeblasene Gänse- und Hühnereier in die Bäume, damit es in Land und Garten nun auch richtig losgehen konnte. Dass in den Eier nichts drin war, interessierte die besagten Götter nicht, denn sie waren mit der Befruchtung der Landstriche und Äcker beschäftigt. Heute, in den Zeiten des Kunstdüngers und der künstlichen Besamung, ist sich niemand der tiefen Bedeutung des Brauches bewusst. Der dekorationsorientierte Mensch, der wenig über sein Tun nachdenkt, hängt ausgedientes Spielzeug in Sträucher und Bäume, und glaubt, damit die Gegend zu verschönen. Dass aber die vorgenannten Götter von Plastikmüll in der Natur allmählich genug haben, zeigt die Tatsache, dass in manchen Jahren der Frühling erst später kommt, oder es gleich mit dem Sommer weiter geht. Guter Geschmack hat seine Grenzen und auch die Fruchtbarkeit, und zwar dort, wo es richtig hässlich wird.

Der weise Mann sagt: Klammern




Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Synapsen/ Kolibri

Allerhöchste Zeit
Wenn die Ohren
bohren
und die Synapsen
flapsen
und die Augen
trotzdem taugen
dann ist es bald soweit
beziehungsweise allerhöchste Zeit.

Der Schrei des Kolobrei
Als der Kolobri
so herzerweichend schrie,
da macht' der Uhu
schnell die Ohren zu-u.

Tipps für Fotofreunde: Mach was aus deinem Bild

Oft sind Bilder langweilig, und wenn wir unsere Diashow den Verwandten und Bekannten zeigen, sind die ersten nach ein paar Minuten eingenickt, weil es nur fahle Farben zu sehen gibt, matte Motive und schlappe Schatten. Das muss nicht sein!
Jeder kann sein Bild aufwerten, wenn er etwas Geduld und Kreativität zeigt. Verwitterte Fensterinnenseiten werden leuchtend schön, wenn man einfach mal nachstreicht. Verkehrsschilder brauchen das auch gelegentlich, wenn sie nur als Stehimweg wirken und nicht den moralischen Zeigefinger in die Höhe halten und ein "Hier parken!" zuzurufen scheinen. Langweilige Hauswände kann man nach Herzenslust beschriften; ein "Peter ist doof" bietet für jeden etwas, der einfache Mensch freut sich, dass es Peter ist, der doof ist, und nicht er selbst, der Intellektuelle hat endlich einen Grund, sich über den Verfall der Kultur zu ereifern.
Tipp nebenbei: Nicht gleich die Fassade hochklettern und alles vor Ort neu gestalten; das kann Ärger geben, wenn einen die Polizei erwischt. Manchmal genügt es, ein wenig auf seinem Foto herumzumalen und es dann neu zu fotografieren. Verwandte und Bekannte weden es bei der nächsten Diashow danken.

Optische Täuschungen im Alltag

Da sieht man ein Bild, da ist ein Stück Rasen zu sehen, wahrscheinlich neben einer Jugendherberge, auf dem Rasen befindet sich eine Metallstange an der ein rechteckiges Brett befestigt ist, das weißgründig gehalten, von einem schwarzen Rahmen eingefasst ist, im Inneren des Brettes ein kleineres Rechteck, innen weiß, davor ein Metallring, daran ein Netz befestigt, das ganze Gebilde etwa 2,50 Meter hoch.Im Hintergrund gerade gewachsene Bäume,deren Äste nicht ganz ins Gleichförmige der Stämme passen wollen. Eine Brücke führt im Hintergrund weg von diesem Ort, ein mittelgroßes, bewaldetes Gebirge verdeckt den Blick auf den Horizont. Der Himmel ist grau. Eigentlich eine Szene, die den Gedanken an Selbstmord nahe legt, die schwere Depressionen evoziert, ohne Worte, nur durch Anwesenheit. Alles stellt sich aber als optische Täuschung dar.
Es handelt sich um ein Gestänge für Amateurbasketballer, der Rasen ist gar nicht grün, sondern besteht aus Moos und Unkraut, und die Bäume sind morsch und sollen demnächst von brennholzbedürftigen Exheizölverfeuerern in den Kamin gestopft werden. Die Brücke führt nach nirgendwo, vor allem aber nicht weg von diesem Ort, denn dann wäre ein kilometerlanger Stau zu erkennen, was man aber mitnichten tun kann. Der Himmel ist leer, nicht einmal Grau befindet sich dort, Grauen vielleicht. Das Wort Morgengrauen bekommt eine neue Bedeutung. Und das alles, weil man sich in einem schlichten Foto, das möglicherweise durch einen Bedienfehler des Kamerabesitzers entstanden ist, geirrt hat. Welche fatale Folgen das haben könnte! Also, Vorsicht beim unachtsamen Betrachten von Fotos, es besteht immer die Gefahr einer optischen Täuschung. Dem psychisch Labilen sei geraten, seine Speicherkarten möglichst nach Entnahme aus dem Gerät, spätestens aber noch vor morgen Früh zu löschen.

Der weise Mann sagt: Der Schwan







Neue Frühlingsfarben

Nach tristem Winter in Matschgrau endlich die neuen Frühlingsfarben! Der Meister der Farbe hat in die Gegend gekleckst, scheinbar ohne Sinn und ohne Struktur, und doch fügt sich alles harmonisch ineinander. Der Ökosockenliebhaber runzelt die Stirn, denn er vermutet Verstrahlung oder Okkupation durch Aliens, wenn der Vorbote des Sommers mal allzu kräftig in die Farbskala gegriffen hat. Der schwarzweißgekleidete Bänker sieht Hoffnung aufkeimen und dass eine Berufsgruppe, die zum Schimpfwort verkommen ist, wenigstens ihr Schnäppchen machen wird wie eh und je. Weg mit der Anzugdepression, hineingehüft ins frische, bunte Frühlingsgewand. Das hilft auch dem Bankkunden wieder, Vertrauen zu schöpfen, denn grelle Farben sind seit der Erfindung des Ostereis Garanten für Fruchtbarkeit und Erfolg. Es geht wieder aufwärts, zumindest in der Natur.

Endreimlyrik: Georg Krakl - Beinbehaarung


Im Licht des Abendscheins
Zählt’ ich die Haare durch auf meinen Beinen.
Vor Freude musst’ ich weinen.
Es fehlte mir nicht eins.

Der weise Mann sagt: Schrauben schrauben


Günther Krass: Erinnerungen - Meisterfleck

Als Schüler hatten wir immer davon geträumt, einen Meisterfleck zu produzieren, einen Fleck der sich abhob von der Menge der Flecken, die nichtssagend auf Hemden gekleckert worden waren, um sie zu versauen, wie wir es nannten, die aber mit Meisterflecken nichts zu tun hatten. Ein Meisterfleck verschönert, nein verschönt das Befleckte, er gibt ihm wertvolle Informationen, die es vorher nicht gehabt hat, und in der Summe ist es mehr, etwas Neues, das aus der Kombination von Fleck und Objekt praktisch neu geschaffen wird, geboren wird,als etwas, das es vorher nicht gegeben hat.So versuchten wir jahrelang, Meisterflecke zu erzeugen, immer aber blieb es beim Bekleckern, beim Einsauen und Verunreinigen. Den Schulkollegen schmierten wir Butter aufs Hemd, kippten Kakao auf ihre Nietenhosen oder bestrichen die Jacke mit Kalbsleberwurst, immer aber sah es nach einem selbst gemachten Fleck aus, der nichts mit wahrer Meisterschaft zu tun hatte. Dann eines Tages wollte in einem Biergarten an unserem Tisch eine Flasche mit Bluna umkippen, Georg hielt die Flasche im Kippvorgang auf, verhinderte, dass sich ein großer Teil des Flascheninhalts auf die Tischdecke ergoss, nicht aber, dass ein Spritzer genau ins Blumenmuster der Tischdecke gelangte. Und dieser Spritzer war es, der einen echten Meisterfleck zeugte. Einen, der sich symbiotisch mit dem Gewebe und seinem aufgedruckten Muster verband und etwas ganz Neues und Aufregendes gebar. Wir staunten mit offenen Mündern, in die wir voller Ehrfurcht Bier gossen, eins nach dem anderen, bis wir den Fleck erst doppelt sahen und schließlich nicht mehr erkennen konnten. Wir torkelten nach Hause und träumten noch einmal, wie unser alter Traum wahr geworden war. Danke, gute alte Blunaflasche!

Der weise Mann sagt: Abitur


Die Lügen der Kuscheltiere

Kuscheltieren wird zu viel nachgesehen. Sie werfen sich heulend auf den Tisch und besudeln die gute Tischdecke rücksichtslos und man vergisst, dass Kuscheltiere ihre Existenzberechtigung durch gut gemachte Lügengeschichten erhalten. So ist ihrem Verhalten immer zu misstrauen. Jahrelang hat einem der kleine Kerl aufgetischt, er sei der einzige, der wahre, der beste Freund und das in guten wie in schlechten Zeiten, und hat damit eine der großen Lebenslügen geliefert, die ein normal Denkender nicht glauben wird: Man habe einen Freund. Das Perfide ist, dass es unser Kuscheltier ohne Worte tut. Es erwartet, dass wir seine Geschichte aus dem Stand heraus glauben, sie praktisch vor dem Glauben erfinden und seine Kosungen, die wir auch noch selbst herbeiführen müssen, als Bestätigung betrachten. Wenn man Kuscheltieren nicht gerecht wird, fangen sie an, unhandlich, schmuddelig oder flach zu werden, so als hätten sie Teile ihres Innenlebens verloren.
Wenn unser schlechtes Gewissen nicht spontan reagiert, täuschen sie die Folgen eines Organraubes vor, wobei jedes Kleinkind, das mal einen Teddy operiert hat, weiß, dass Kuscheltiere keine Organe besitzen, sondern nur Holzwolle oder Plastikkügelchen.
Ist das schlechte Gewissen da, setzt die Sorge um das Tier ein, das man wohl irgendwann unbeaufsichtigt gelassen hat und kassiert jetzt die Strafe. Man kann letztlich nur im Innenleben des Knuddelkerles prokeln und nach verschwundenem Material suchen, das aber keiner finden wird, da es ja verschwunden ist. Was bleibt, ist, eine Handvoll Basmatireis in den schlaffen Körper zu füllen und zu hoffen, dass dann wieder alles gut ist. Wenn das nichts bringt, sollte jeder Kuscheltierbesitzer deutlich zeigen, wer der Herr im Haus ist und mal „Kochbeutelreis“ spielen, da platzt dem Kleinen dann der Kragen.

Alter Zwist auch an Currywurst

Der alte Zwist zwischen Vegetarier und Fleischesser bricht immer wieder auf, besonders an der Fritteusebude mit Bratwurstrost, wo neben den vegetarischen Pommes auch die sogenannte Currywurst angeboten wird.Der fleischlose Naturköstler, der heimlich gerne Gummibärchen vertilgt und glaubt, die seien nicht aus gemahlenen Knochen gestorbener Tiere, versucht dem Fleichesser die Mahlzeit zu verderben, weil der ihm am letzten Samstag wieder den kleinen vegetarischen Auflauf auf der Betriebsfeier vor der Nase weggelöffelt hat. Na, wieder feingeraspelten Allesfresser auf der Pappe? In Eigendarm? Sehr lecker, hormonangereicherte Fettkinkel zu verspeisen, die mit Milcheiweiß und Farbstoff in eine Art feste Masse stabilisiert worden sind, inklusive einem Beutel, der vormals Exkremente durch das Verstorbene transportiert hat. Da kann man doch froh sein, wenn das Schwein kurz vorm Schlachthof die Herzmittel und Betablocker gekriegt hat, die zu deinen passen! Ich würde lieber noch mal den Arzt, Apotheker oder Schlachtermeister befragen, falls die was sagen dürfen. Kann auch sein, dass die ein Schweigeabkommen oder Schweineabkommen, kommt sich eh gleich, mit der tierkörperverarbeitenden Industrie geschlossen haben, das ihnen Auskünfte verbietet, dafür aber kostengünstiger unbelastetes Qualitätshack beschert. Na, dann guten Appetit, wünscht der Vegetarier, und wischt sich das Fett aus den Mundwinkeln, das die Pomme frites hinterlassen haben. Fleischessen in derÖffentlichkeit ist nicht mehr selbstverständlich ungestört; die Salatfreunde werden mutiger.

Klimawandel und Vorratshaltung

Klimawandel hin und her, letztlich weiß man nicht mehr, woran man ist, mal ist es kalt, mal warm. Verstehen kann man, dass die Mammuts damals aus Verwirrung ausgestorben sind, weil sie aus Versehen dem Eis entgegengelaufen sind, und nicht, was besser gewesen wäre, vor ihm zu fliehen. Auch in bürgerlichen Haushalten scheint sich Verwirrung auszubreiten. Hat man die Vorratshaltung alkoholischer Getränke normalerweise dem nachbarlichen Auge vorenthalten, scheint sich heute der abgeklärte Mensch des 21.Jahrhunderts ungeniert der unvorhergesehenen Kälte zu bedienen. Was der Kühlschrank nicht mehr fasst, wird dem Balkon anvertraut, der bereits Stützstreben vorinstalliert hat, Marke "Neue Eiszeit"; niemand hat scheinbar mehr Angst, als Alkoholiker zu gelten, fröhlich wird auf den Niedergang der Erde gezecht, wer weiß was es morgen noch zu trinken gibt, und vielleicht ist das Bier dann viel zu warm. Dieses Riskio will heute niemand mehr eingehen, jedem ist die eigene Leber die nächste, und was kümmern uns Mammuts, die kennen wir nur aus dem Zoo, dort heißen sie allerdings Elefanten und sind noch gar nicht ausgestorben. Das gibt Hoffnung, dass wir weiter machen können wie bisher, denn sonst wären wir gar nicht da, wo wir jetzt sind. Und - wer will denn unbedingt woanders sein? Prost.

Berlin bleibt Berlin?

Ach, waren das Zeiten, als Berlin noch Berlin war, eine schöne Mauer hatte, über die man nur an zwei Stellen gucken durften, um sich anzusehen, wie man auf keinen Fall leben wollte. Da galt noch der Spruch, wenn jemand an den bestehenden gesellschaftflichen Zuständen herumnörgelte: Geh doch in den Osten! Schon war der Nöseler stumm. Berlin zu erreichen war aufregend; die herrischen und kalten Grenzbeamten, die dich mit eiskaltem Blick musterten, dich weiterwinkten oder festhielten, da wusste jeder sofort, woher der Begriff "Kalter Krieg" kam. Heute werden an solchen Stellen Pommes frites gegessen oder gymnastische Übungen von ungelenkigen Autofahrern gemacht. Und überhaupt: Berlin hat sich verändert, es ist farbiger geworden, es ist größer geworden, sogar das Brandenburger Tor hat sich verändert, seit die Telecom sich dort breit gemacht hat. Die Quadrilla sieht nicht mehr aus wie früher, die Menschen laufen häufig hilferufend und Arme empostreckend durch die Gegend und suchen eine U-Bahn-Station, die sie nach Hause bringt. Andere wiederum schmeißen mit Bargeld um sich, in der Hoffnung den Hut eines Straßenmusiker zu treffen. Berlin ist Hauptstadt. Bonn war leichter zu schreiben.

Bodos Landleben

Jetzt neu! Auch für dich, ob du Garten hast oder nicht:
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Mal reinschauen!

Günther Krass – Erinnerungen: Hühnerschlachten

Eine Tötung zweiter Klasse, also weniger laut, weniger dramatisch, weniger rührend, weil unser Herz nicht am Opfer hing, wie etwa einem Kaninchen, war das Hühnerschlachten. Der Tod begleitete die Jungen auf dem Dorf ständig, weil immer irgendein Tier zu Tode gebracht wurde, um der Familie oder den Nachbarn Nahrung zu sein. Gleichsam wurde der eigene Tod und der der lieb gewonnenen Verwandten vorbereitet und seine Verarbeitung trainiert.
Der Großvater trug in der Linken das Huhn an den Füßen zum Hauklotz, auf den schon Generationen der Eierleger ihren Kopf hatten legen müssen. In der rechten Hand hatte er das Beil fest im Griff. Mein Cousin Walter und ich hielten uns auf Abstand. Eigentlich verabscheuten wir das Töten, und doch faszinierte es uns, fast heimlich beobachteten wir das mörderische Tun der Älteren, obwohl es uns nie verboten worden war.
Dann ging es los, der Großvater wirbelte das wie starr hängende Tier durch die Luft, windemühlenflügelartig drehte der Arm Runde um Runde, mit ihm das verurteilte Huhn, das durch diese wilde Bewegung benommen werden sollte, um sich nicht den anschließenden Tötungsakt zu vergegenwärtigen und eher überraschend den Schlag mit kalten Eisen zu empfangen.
Nach der Schleuderbewegung zog der Hühnerschlächter das Tier über den Klotz, so, dass Kopf und Hals flach auf diesem zu liegen kamen und der Hals gleichzeitig ein wenig gestreckt wurde.
Mit der Rechten holte der Großvater aus und ließ das Beil auf die dargebotene Blöße sausen, um Kopf und Hals vom Rumpf zu trennen. Nicht immer traf der Großvater punktgenau, manchmal ging der Schlag völlig daneben, manchmal wurde nur ein Teil des Halses getroffen und in jedem solcher Fälle war ein zweiter Schlag notwendig. Der Kopf fiel nach erfolgreicher Tat zu Boden auf einen kleinen Haufen mit Sprickern, klein geschlagenen dünnen Zweigen, die beim Feuermachen benötigt wurden. Blut blieb auf dem Klotz zurück. Der Großvater hielt den zuckenden Rumpf fest in der Hand und wartete, bis der rote Saft aus dem verstümmelten Huhn geflossen war und es allmählich ruhiger wurde. Das sind nur die Nerven, beruhigte man uns Beobachter, wenn wir fragten, was das Huhn denn nach dem Beilschlag noch mitbekomme. Hühner, die ausgelegt hatten, waren zäh und landeten meistens in einer Suppe, die uns immer gut schmeckte. Sie wurde am Sonntag serviert, den Rest gab es montags. Nur das Fleisch wollte uns nicht recht munden, denn wir dachten darüber nach, wie lange ein Wesen Schmerz empfindet, wenn ihm der Kopf abgeschlagen worden war. Vielleicht war ihm jetzt sogar die Suppe zu heiß? Und- was machte, nein, dachte der Kopf wohl gerade?
(Foto: Wüste Träume verfolgten uns gelegentlich in den Nächten nach dem Schlachten.)

Der weise Mann sagt: Die Zeit vergeht


Bach oder Beethoven

Herr W: Das ist doch Bach, was da läuft...
Herr G: Nein, Beethoven.
Herr W: Klingt aber wie Bach.
Herr G: Bach war doch blind.
Herr W: Beethoven war taub.
Herr G: Nicht ganz; dafür konnte er noch gut sehen.
Herr W: Beethoven konnte sich nicht mal selber hören.
Herr G: Da gab's noch keine CD-Player.
Herr W: Aber Orchester.
Herr G: Die laufen aber nicht.
Herr W: Bach war jedenfalls blind, oder stark sehbehindert, weil er im Dunkeln Noten abegeschrieben hat.
Herr G: Wie das denn? Im Dunkeln?
Herr W : Vielleicht hatte er eine Kerze an, aber mehr nicht.
Herr G: Ich dachte, der sei blind gewesen.
Herr W: Hinterher. Deswegen ja.
Herr G: Könnte auch Schubert sein.
Herr W: Das da? Nicht im Leben.
Herr G: Schubert hatte Syphilis.
Herr W: Ach.
Herr G: Musiker sind oft nicht gesund.
Herr W: Da ist was dran.
Herr G: Vielleicht ist es ein früher Schubert, als er noch nach Bach klang.
Herr W: Wann soll das denn gewesen sein?
Herr G: Na, damals.
Herr W: Hast du auch was von Jethro Tull da?
Herr G: Heute nicht.

Endreimlyrik: Georg Krakl - Weiße Möwe

Weiße Möwe vor rosa Grund,
im Landeanflug, die anderen nicht interessiert,
halten den Schnabel, wie wir unseren Mund,
sitzen auf Stahl exponiert.
Weiße Möwe vor rosa Grund,
ernährst dich von Müll, das ist nicht gesund.
Ach, introvertiert
wirkt der Rest und etwas geziert.
Weiße Möwe vor rosa Grund,
zurück an die Nordsee!
Von Fisch und Touristen, so sollst du dich nähr'n,
Zurück an die Nordsee, da(nn) hab'n wir dich gern!

Die Parabel vom Brückengeländer

Eines Tages sagte das Brückengeländer zur Brücke: "So viele Jahre nun bin ich schon Brückengeländer, so viele Jahre habe ich Menschen Halt gegeben, die diesen Fluss überqueren wollten, so viele Jahre musste ich mir selbst immer Halt sein, wenn es mir einmal schlecht ging. Ich will nun losgehen und etwas anderes tun. Ich will ein anderes, ein neues Leben."
Die Brücke war darüber traurig und auch gekränkt; sie fragte: "Habe ich dir nicht auch immer Halt gegeben? Ohne mich lägst du im Fluss, müsstest vielleicht um dein Leben kämpfen oder wärst längst ertrunken und würdest im Schlamm des Flussbettes verrosten?"
Das Brückengeländer sprach: "Brücke, das habe ich nicht bedacht, aber ich will es auch nicht mehr bedenken, ich will schon heute losgehen, denn jede Minute des Wartens ohne Handeln ist eine verlorene Minute."
Die Brücke versuchte das Geländer umzustimmen, denn sie hatte Angst, allein zu sein, Angst, dass die Menschen sie nicht mehr überqueren würden, wenn sie ganz ohne Geländer dastünde: "Bedenke, wie viele Jahre wir gemeinsam Verbracht haben, wie gut es uns immer gegangen ist und wie viele Jahre wir noch gemeinsam in Harmonie, ja in Symbiose, verbringen könnten! Bleib und sei mit deinem Leben zufrieden!"
Das Geländer aber ließ sich nicht umstimmen: "Ich weiß nicht was Harmonie und Symbiose sind, das hat mir niemand gesagt, weil ich immer nur hier an diesem Ort, auf dieser Brücke gewesen bin. Ich will aber losgehen und es lernen, so, wie ich auch andere Dinge erfahren und lernen möchte. Mein Entschluss ist gefasst!"
Die Brücke schwieg und Tränen standen ihr in Ritzen,Fugen und an den Nieten.
"Ich habe beschlossen, mir einen schönen Wagen zu suchen, mich mit diesem zusammen zu tun und ein Geländerwagen zu werden. Da werde ich endlich einmal am Anfang eines zusammengesetzten Substantivs stehen!"
Die Brücke wusste nicht genau, was zusammengesetzte Substantive sind, aber sie wollte sich nicht die Blöße geben, danach zu fragen. Eines aber wusste sie: Es gab keine Geländerwagen. Vielleicht meinte das Geländer, das nun seine Sachen packte, einen Geländewagen. Die Brücke schwieg aber weiter, denn sie war gekränkt und sie wusste, dass es keinen Zweck haben würde, diesen Irrtum aufzuklären, zu entschlossen war das Geländer, diesen Ort zu verlassen. Eines Tages würde es aber den fatalen Irrtum erkennen und vielleicht zurückkehren. "Die bitterste Form des Lernens", murmelte die Brücke, "ist die durch Erfahrung." Das Geländer sagte: "Tschüss, Brücke, mach's gut, alte Stahlbetonplatte!""Bis denn", sagte die Brücke, sah dem Geländer nach, bis es hinter den Bäumen verschwand und dachte: "Warum hat es mich 'alte Stahlbetonplatte' genannt?"

Der weise Mann sagt: Farbige


Rembrandt: Der Mann mit dem Synthetikhelm

Berühmt geworden ist nur das Bild Rembrandts "Der Mann mit dem Goldhelm". Dabei ist sein Pendant "Der Mann mit dem Synthetikhelm" zu Unrecht in den Abstellkammern der Kunstgeschichte gelandet, verstaubt und nicht beachtet.
Das Bild, das während des 30jährigen Krieges entstand, ist Sinnbild für die aufschreiende Kreatur, für das sinnlose Sterben in mörderischer Zeit. Und alles im Namen der Religion!
Was mögen diese blinden Augen gesehen haben, was hat die spitze Nase gerochen, was der zahnlose Mund geschmeckt?
Kriegskost ist dem Mann Speise gewesen, der Tod hat ihm seine Beute auf den Tisch gelegt; ob dessen ist er wahnsinnig geworden. Was mögen seine Ohren gehört haben? Tief hat er sich den Helm heruntergezogen, um nicht das Jammern und Wehklagen zu hören. Verzweifelt an seinem eigenen Tun, nur noch Maske, entäußert seiner Menschlichkeit, Fassade das Gesicht, als könnte der Betrachter hinter die Leinwand schauen, hinter diesen Schuldigen im ewigen Treiben der Kriegsherren, so mahnt uns das Bild zur Umkehr. Das rote Bänzel am Helm ist die Hoffnung; es hängt da, wo das Hirn sitzen sollte, als Erinnerung daran, das wir als Menschen denken können und uns des Tuns gewahr werden: Kein Tier führt Krieg, wir aber sagen: Der hat sich tierisch daneben benommen. Dabei meinen wir menschlich.
"Der Mann mit dem Synthetikhelm" gehört in die größten Galerien, damit ein jeder sich mit dem eigenen Ego konfrontieren kann, um aus dieser Provokation geläutert und als neuer Mensch hervorzugehen.

Da lacht der Leser: Hoch zu Ross

Wer morgens mit verklebten Augen, den ersten dampfenden Kaffee in der Hand, in die regionale Morgenzeitung schaut, merkt vielleicht nicht viel, sein Hirn hat noch keine Betriebstemperatur erreicht, es genügen ein paar Fotos und eingängige Textzeilen in Großdruck, damit der Leser zufrieden ist. Das Unterbewusstsein reagiert subtiler, irgendwann flüstert es dem Leser ein: Da ist was falsch, man will dich mal wieder aufs Glatteis führen, sie verkaufen dich für dumm. Und dann kommst du drauf: Hoch zu Ross - So ist ein Bild in der unterhaltenden Rubrik untertitelt, du schaust dir das gerasterte Foto an, das ja nur aus kleinen Punkten und weißen Flächen besteht. Da macht es Klick! Wo sind denn die Pferde, auf denen die Damen hoch sitzen sollen? Es stehen zwar ein paar der Vierbeiner hinter ihnen, aber die wie im Zirkus kostümierten Damen sitzen definitiv nicht auf diesen. Sind die Tiere nicht im Bild, denn auch die Unterleiber der Damen sind nicht abgebildet? Dann muss es sich um Zwergponies handeln, auf denen man aber nicht "hoch zu Ross" sitzen kann. Da Männer für den Reitsport begeistert werden sollen, wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, hier auch Männer abzubilden, die nicht hoch zu Ross sitzen, quasi als Impuls, sie auf die Reittiere zu hieven. Vielleicht sind die Zirkusdamen in Wirklichkeit Männer, das kann man allerdings nicht erkennen. Möglicherweise hatten sie vorher als "Damen ohne Unterleib" gearbeitet und sich nach einer kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit männliche Unterleibe anbringen lassen, um in Bereichen arbeiten zu können, die Zukunft haben.
Der Leser ist verwirrt am frühen Morgen. Hoffentlich kann er darüber wenigstens lachen.

Der weise Mann sagt: Atmen


Dogma-Film: Das Leben ist ein langer, brauner Fluss

Was wissen wir über den Dogma-Film? Er ist immer etwas wacklig, weil mit der Handkamera gefilmt, man kann nicht direkt erkennen, worum es geht, kryptische Sprüche, häufig auf Dänisch, verwirren uns und irgendwie wirkt alles verschwommen. So, wie das Leben spielt. Wir stellen Fragen und bekommen keine Antworten, Kindergeschrei potenziert die aufkeimende Aggression, dass man Zeit und Geld verschwendet hat, sich das Machwerk anzusehen. Wir schmettern unsere dänischen Legos an die Stollenwand und das Einzige, an das wir uns positiv erinnern, sind die orangefarbenen Würste, die es in dänischen Vergnügungsparks haufenweise gibt, die aber keinen Schaden anrichten können, weil wir sie nach der nächsten Achterbahnfahrt wieder auswürgen. Der Dogmatiker ist's zufrieden und reibt sich die gichtigen Hände.
Hier der Film: Das Leben ist ein langer, brauner Fluss

Fliesentisch für Moderatorenteam

Ein begeisterter Zuschauer des WDR-Fernsehens, der aber nicht genannt werden will, der aber besonders gern Aktuelle Stunde guckt, hat uns ein Foto mit diesem Anschreiben geschickt:
"Ich bin völlig begeistert von den Moderatoren Thomas und seiner Assistentin Susanne, die immer so locker und mit viel Witz durch die Aktuelle Stunde führen, einfach amüsant, wie sie sich gegenseitig die Wurst vom Brot zu nehmen versuchen, Thomas immer auf der Suche nach einer witzigen Formulierung, und dabei fasst er schon mal in die Klamottenkiste oder auf den Grabbeltisch, das ist dann besonders lustig, Susanne immer auf lockiges Haar bedacht und ein Dekolleté, das ihre Jugendlichkeit unterstreicht, dabei merkt doch jede Halbintelligenz, dass ihr das Altern unheimlich schwer fällt, da wird schon mal zur Tusche gefasst und die Falte links, die neu ist, genauso übertüncht wie die anderen, die schon gestern oder seit mehreren Jahren da sind. Um meine Freude über die beiden, die so gut zusammenpassen, auszudrücken, habe ich einen Fliesentisch gebastelt. Es zeigt die beiden bis zum Bauch, Thomas hält seinen Ansagentext gerollt lässig in der Hand. Susanne ist gut drauf wie immer, vielleicht ein Spritzer Migräne zu viel im linken Auge.Thomas hat sein Hemd mit dem Muster an, das aussieht wie verquirlter Taubenkot, und Susanne ist perfekt gestylt.
Das Schöne an Fliesentischen ist, dass sie Ausdruck höchster Popeligkeit sind. Sie sehen nicht nur hässlich aus, sie sind auch unpraktisch, weil man an keiner Stelle sein Glas abstellen kann, ohne dass es wackelt. Meistens kippt es sogar um, wenn man es weiter zur Tischmitte schieben will. Das Allerschönste am Fliesentisch aber ist, dass man Thomas' schlechte Witze nicht hört und dass Susannes Falten geglättet werden, ganz ohne Messer und Betäubung. Ich weiß jetzt nur nicht, was ich mit dem Tisch machen soll, denn in mein Wohnzimmer passt der nicht. Das Motiv finde ich sehr schön, könnte auch als Kirchenfenster dienen, wenn die Fliesen durchsichtig wären. Wenn jemand Rat weiß, bitte melden! "
Wer das Taubenkot-Muster sehen will: Hässliches Hemd