Winfried Hackeböller: Test ROSTERON (2010)

Ja, hallo, Hackeböller, was ist los? Mal kurz auf die Testosteronkrise in einer Künstlerkarriere anspielen? Sollen sich andere Gedanken machen, wie es dem alten Rostler geht? Oder soll dem Betrachter auf den Zahn gefühlt werden, im übertragenen Sinne?
Dass hier ein Eisenproppen in einem Sud aus Dachpappenteer steht, hat ja wohl keine tiefergehende Beudeutung, im Sinne von: Das ist nicht von Pappe, oder: Pappenheim und deine Pappenheimer, die deckt der Dachdecker selbst. Im ganzen viel zu trivial, man weiß doch gar nicht, was der Künstler sagen will. Vielleicht will er ja auch gar nichts sagen und wir haben hier einen schönen Fall von Projektion? Künstler, die nichts zu sagen haben, die wünscht sich doch der Mensch. Endlich mal Ruhe im Ohr, Ruhe im Kopf.
Aber, wer kauft schon so ein Objekt? Und überhaupt: Wo sollte man das hinstellen?

Kryptische Schlagertextplagiate: Xavier Naidoo - Du bist wie ein Segen

Xavier Voodoo:
Du hast mir gerade noch gefehlt, du bist wie der Regen
Du hast mir immer schon gefehlt, wie Regen nach dem Regen

Du bist kein Mädel auf Erden, du bist kein Mädelsgesicht, ich will nichts mit dir werden, ich will nur weg, doch man lässt mich nicht

Ich habe ihnen nichts getan, also hab ich ihnen nichts gesagt,

ich habe ihnen nichts gesagt, also habe ich ihnen nichts geschrieben, ich habe ihnen nicht geschrieben, also habe ich ihnen nichts vorgelesen, ich habe ihnen nicht vorgelesen, also habe ich ihnen nichts vorgesungen, ich habe ihnen nichts vorgesungen, also habe ich ihnen keinen ausgegeben, ich habe ihnen keinen ausgegeben, also bin ich allein an der Theke geblieben, oh, yeah, yeahyeah.


Denn du hast kein Mädelsgesicht, das hab ich nie gesagt, und du bist kein Mädel auf Erden, das habe ich ihnen nie gesagt, also habe ich ihnen nichts getan, du bist kein Mädel auf Erden, du bist kein Mädelsgesicht, ich will nichts mit dir werden, ich will nur weg, doch man lässt mich, oh no, no, no. Yeah......


Original hören

Gedichte und Hintergrund: Theo van Doeskopp - Monotonie (1973)


Der Neo-Dadaist Theo van Doeskopp studiert in den 70er Jahren an der Pädagogischen Hochschule in Bielefeld. Bereits damals fällt es ihm schwer, sich morgens in die Vorlesung über die Grundlagen der Psychologie zu schleppen. Häufig entscheidet er, seinen Schlaf fortzusetzen und später ihm Begleitbuch nachzulesen, was er versäumt haben könnte.
Wenn er es doch einmal schafft, diese um acht Uhr in aller Herrgottsfrühe beginnende Veranstaltung zu besuchen, lullt ihn die sanfte, sonore Stimme des Dozenten schnell ein, sodass er sich bereits gegen halb neun in einer Art Dämmerzustand, in einer Art Trance, in einer Welt zwischen Traum Tag zu befinden glaubt.
Ich wäre besser liegen geblieben! Dieser Gedanke schleppt sich in sein Hirn, Doeskopp ist frustriert, als aggressionsgehemmter Mensch gleitet er in eine mittlere Depression.
Er füllt ein Blatt seines Kollegblockes mit dem Wort MONOTONIE. Jeden Buchstaben trägt er sorgfältig in ein Kästchen, bis die DIN-A-4-Seite gefüllt und die Vorlesung beendet ist. Er glaubt in diesem Moment, die konkrete Poesie erfunden zu haben, deren Form auf den Inhalt schließen lässt! In der Universitätsbuchhandlung stellt er enttäuscht fest, dass es die schon gibt. Sein inneres Kontrollsystem schafft es nur schwer, die darob entstehende Aggression zu kanalisieren. Er will sein Werk sofort vernichten, beschließt dann aber, nach einem - für uns heute nicht mehr nachvollziehbaren- Muster, einen Teil zu extrahieren und anderes lyrisches Genre zu entdecken.
Auch das hat wohl nicht geklappt, denn „Monotonie“ blieb ein Einzelwerk.
Erst viel später nennt Theo von Doeskopp sich Neo-Dadaist und erinnert damit an den Kurzzeitdadaisten Theo van Doesburg, der in Wirklichkeit Christian Emil Marie Küpper hieß.



MONOTONIE

MONOTONIE

MONO

ONO

O NO

NO

O

O TONI

TONI

TONI

O NIE

NIE

IE

I

I

NIE

O NIE

TONI

TONI

ON NIE

O TONI

NO TONI

O NO TONI

O NOT O NIE

O NO TONI

MO NO

O NO

MONOTONIE





Privatier Sepp Ackerer: Du nicht gut!

Hörte man früher nicht immer "Dunichtgut"? Das ist ein Dunichtgut!? Hinterher wusste man mehr über sich und versuchte im Rahmen der selbsterfüllenden Prophezeiung diesem Image zu entsprechen und ging ins Topmanagement.
Dabei war der Spruch DUNICHTGUT entstanden, als die ersten Gastarbeiter in den Sechzigern ins Land strömten, um den Deutschen damals schon die Arbeit, die sie ohnehin nicht gerne taten, wegzunehmen. Da die Gastarbeiter, anfangs Italiener und Spanier, nur wenig Deutsch sprachen, bemüßigte man sich als kultivierter Nordeuropäer dem eher unsteten Südländler ein paar Brocken über seinen Status beizubringen. Die Grammatik wurde verkürzt, alles ins Präsens gesetzt, wenn überhaupt jemand Zeit hatte, und mit entsprechender Mimik und Gestik, denen die Heißlandbürger sowieso verfallen sind, aufbereitet. Jeder hoffte, dass er verstanden wurde und der Angesprochene die geraubte Arbeit zurückgab, oder wenigstens das Geld, das er dafür erhalten hatte. Wenn dann einer dieser schwarzhaarigen Kollegen ein "Dat hätze mal für misch sagen sollen" in den Raum rotzte, war Polen auch ohne Spargelsaison offen. Jetzt ging es aber los! Da musste sich der Mensch im eigenen Land von dahergelaufenen Allestuern beleidigen lassen. Wo sollte denn das im Witschaftswunder befindliche Land enden?
Gehdochwiederdahinwoduhergekommenbist!, ranzte man die Unerbetenen an; als man jedoch bemerkte, dass die Arbeit in bestimmten Sparten liegen blieb, wendete man den Ausdruck auf Republik-Flüchtlinge aus der Ostzone an, wenn sie ihren kommunistischen Quatsch in der Sozialen Marktwirtschaft verbreiten wollten.
Wir Manager aber haben uns entwickelt: Aus dem erstunkenen Etikett für den Gastarbeiter, wobei dieses Wort bereits seine baldige Rückkehr ins Heimatland implizierte, ist die volle Wahrheit geworden: Jetzt im auskeimenden 21.Jahrhundert sind wir die wirklichen und wahren DUNICHTGUTE der Nation. Unser Schaden soll es jedenfalls nicht sein!

Gestern bei Hertie: Das Mettbrötchen

Gestern bei Hertie. Ich in der Backwarenabteilung, will Brötchen kaufen. Eine Verkäuferin bedient einen gesetzten Mann um die sechzig, dreht ihm Pfeffer aus einer Pfeffermühle auf ein Brötchen, das mit rosa Mett bestrichen und Zwiebelringen belegt ist. Ein weiterer Kunde, halblanges glattes Haar, einen altmodischen Hut auf dem Kopf, gekleidet mit beigefarbenem Blouson und einer Feincordhose in undefinierbarer Farbe steht daneben. Ein zweite Verkäuferin füllt mir Brötchen in die Tüte.
Mann mit Hut (deutet auf das Mettbrötchen): Haben Sie schon mal an das Tier gedacht?
Kunde: Welches Tier?
Mann mit Hut: An das Tier auf Ihrem Brötchen!
Kunde: Ich seh kein Tier. Das ist Mett.
Mann mit Hut: Das war aber mal ein Tier.
Kunde: Kann ich mir nicht vorstellen.
Mann mit Hut: Wohl begrenzte Vostellugsgabe, was? Ja, so seid ihr alle, vor der Moral kommt das Fressen, Massentierhaltung ist doch ein Fremdwort, Hauptsache, es schmeckt, aber welches Leid dahinter steckt, das kümmert hier keinen. Augen zu und weitermachen wie bisher....
Verkäuferin: Hören Sie, wir hatten doch schon mal ein Gespräch. Wenn Sie die Kunden belästigen, müssen Sie gehen, das hatten wir doch schon.
Mann mit Hut: Wir leben hier in einer Demokratie, da kann jeder seine Meinung sagen, das nennt man Meinungsfreiheit.
Verkäuferin: Aber nicht, wenn Sie Kunden belästigen.
Mann mit Hut: Der Mann hat Schwein auf dem Brötchen.
Kunde: Schwein sieht anders aus. Das hier ist Mett.
Mann mit Hut: Mett wird aus Schwein gemacht.Das ist faktisch geschreddertes Schwein. Das Schwein hat mal gelebt, das war ein Lebewesen wie du und ich.
Kunde: Ich bin kein Schwein.
Mann mit Hut: Aber ein Allesfresser. Genau wie das Schwein, das ist auch ein Allesfressser. Das würde wahrscheinlich, wenn es sich das aussuchen könnte, Sie gerne auf einem Brötchen mit Zwiebelringen fressen, nachdem Sie ein Jahr lang in einem Käfig gesessen und Speiseabfälle, Antibiotika und Mastbeschleuniger gefressen haben. Tageslicht wäre für Sie ein Fremdwort.
Kunde: Ich nehm noch einen Kaffee zu dem Brötchen.
Verkäuferin: Sie müssen jetzt gehen, Sie belästigen hier die Kunden, das geht zu weit!
Mann mit Hut: Holen Sie doch die Polizei! Damit habe ich kein Problem.
Verkäuferin: Gehen Sie jetzt!
Mann mit Hut(im Weggehen): Ja, wenn's um Kinder geht, da wird ein Bohai drum gemacht, aber an Tiere denkt keiner, ihr seid doch alle zu blöd, das zu kapieren, holt doch die Polizei, ihr seid völlig blöd.
Ich: Ich nicht.
Kunde: Blödes Schwein.
Verkäuferin: Kann man sagen.
Ich: Zu wem?
Verkäuferin II: Möchten Sie eine Tragetasche?
Ich: Danke, geht schon.

Georg Krakl: Steigerung (2010)

Es strömt Wasser ein, mein Käpt'n, Schiff ist leck!
Ess Bratwurst gern, mein Käpt'n, die ist lecker.
Der Käpt'n drauf: Mein guter Maat,
du machst hier grad Verbalspagat.
Der Maat: Ach, lieber Käpt'n, geh doch weck!
Grammatik geht mir auf den Wecker.

Der Käpt'n grunzt: Orthografie,
die konntest du noch nie.

Es kommt auf die Perspektive an

Was so aussieht, als sei es ein monumentaler Dom, ist in Wirklichkeit ein Flachdachhaus, ein schlichter Bungalow. Der Frosch in uns macht alles groß. Nichtigkeiten pumpen wir zur Wichtigkeit auf; von oben betrachtet, mit dem Vogel in uns, vielleicht einem Geier, sagen wir: Was soll der ideenlose Bau da unten, das ist doch nur ein großes Zimmer mit Betondecke oben drauf? Der Vogel will nicht weiterreden und fliegt davon, um einen Frosch zu finden und ihm zu lauschen, was der von monumentalen Domen zu berichten hat. Und immer und immer muss der Frosch von gigantischen Megabauten erzählen, so als sauge der Geier es förmlich auf, so als wolle der Vogel Kraft tanken, um von oben sagen zu können: Schwachsinniger Furz, den ein Mensch da in die Ecke gestellt hat! Das ist doch kein Gebäude, das ist eine Zumutung!
Der Vogel kann nicht anders, denn seine Wahrnehmung ist die aus der Vogelperspektive, die von oben herab, die nur arrogante und ignorante Urteile über Untenliegendes zulässt. Der Frosch ist in der gleichen Bredouille, er kann nur aufgedunsenen Schwachsinn über die Welt verlauten, weil er sie so sieht. Mit seinen glubschigen Froschaugen betrachtet er alles aus der Froschperspektive und gilt durch seine übertriebenen Ausführungen über Bauwerke als Aufschneider und Angeber.
Seit die Menschen jedoch festgestellt haben, dass es Wesen gibt, die aus der Froschperspektive sehen, und Wesen, die das aus der Vogelperspektive tun, haben diese Wesen Namen: Frosch und Vogel.
Jedes Großmaul, das uns über den Weg läuft, ermuntern wir mit einem jovialen "Komm, sei kein Frosch!", den Mund zu halten. Dem, der alles klein und flach macht, rufen wir zu: Du hast nicht nur einen Vogel, du bist sogar einer!

Georg Krakl: Nackter Frauenfuß (2010)


Und es war Sommer. Das erste Mal kein Regen.
Ein nackter Frauenfuß winkt aus der Männer bunt Gewühle.
Ich war erstarrt, ich konnt mich nicht bewegen.
Mir fehlten adäquate Herzgefühle.
Der Jungfrau mit dem schönen Fuß,
der schickt ich einen letzten Gruß.
Als reife Frau sah sie die Sonne lachen.
Vorbei die schöne Zeit. Da kann man nichts mehr machen.






Und es war Sommer. Mehr zum Thema:
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Der bebilderte Mensch im Zeitalter der postmedialen Revolution

Früher schrieb man Postkarten oder seitenlange Briefe, dann wurde das Telefon erfunden und alle dachte: Wie gut, dass niemand meinen Blödsinn aufschreibt, den ich hier rede. Der Anrufbeantworter war Ausdruck der Sprachlosigkeit der Menschen; stereotype Antworten reichten, um ein Gespräch abzuwürgen, das hatte so effektiv noch keine Zeit hingekriegt. Dann brach die Zeit der Handys an und der dazugehörigen Verschuldung bis über beide Ohren aufgrund brutaler Knebelverträge und unüberschaubarer Tarifdschungel. Schließlich bemalten sich die Menschen mit feinen Nadeln, an denen Farbe klebte. Je näher einem das Gegenüber kam, desto mehr gab es zu lesen. Für Analphabeten hatte man sogar Bildchen auf dem Körper und die geheimsten Stellen hatten endlich wieder Überraschungen parat.
Wenn der Mensch ausgelesen war, kam ein neuer. So musste sich niemand mehr langweilen oder peinliche Telefongesprächen führen. Die Bevölkerung aber wuchs und wuchs durch diese Art des Austausches, sodass sich die Menschen immer häufiger auf großen Wiesen und Plätzen versammeln mussten, um überhaupt mal etwas frische Luft zu bekommen. Die war in den Wohnungen bereits weggeatmet. Auf den Wiesen und Plätzen aber konnte man neuen Lesestoff anwerben und sich unterhaltsame Nachmittage und Abende machen. Vielleicht waren die Menschen nicht glücklich, aber sie hatten immer etwas zu gucken.

Der große Haushaltscheck

Merle:Und, wo ist jetzt der "große" Haushaltscheck?
Penny: Haushaltsscheck schreibt man mit Doppel-S!
Merle: Das ist ja ganz was Neues!
Penny: Haushalts-Ceck, das ist so, als wenn einer kommt und guckt, ob alles ok ist.
Merle: Nichts ist ok. Ich brauche das Geld.
Penny: Dann bist du durchgefallen.
Merle: Hab ich doch gleich gewusst.
Penny: Warum regst du dich dann so auf?
Merle: Einer muss es ja tun.

Großes Flüsseraten 2010

Laura: Hm, ist das die Oder?
Tetty: Ist Oder denn ein Fluss?
Mandy: Wieso nicht? Elbe ist doch auch einer....
Tetty: Man sagt doch "Entweder, oder..."
Mandy: Man sagt auch "Immer dasselbe!"
Laura: Weichsel?
Tetty: Ist das nicht an Anhängern dran?
Laura: Das ist Deichsel.
Mandy: Auf jeden Fall ist das ein Fluss und kein See. Er fließt von rechts nach links....
Tetty: Von oben nach unten.
Mandy: Seh ich nicht.
Laura: Ist ja nur ganz wenig.
Mandy: Können wir nicht was anderes spielen?

Völkerverständlichkeit

Er: Erdogan!
Sie: Merkel!

(Auf Deutsch:
Er: Ich bin zu Boden gegangen!)
Sie: Habe ich gemerkelt. )

Geister unter sich

Moppel trifft Bert in der Oberwelt.

Wie lange arbeitest du schon als Geist?
Weiß gar nicht mehr....
Und sonst?
Ich habe früher in Obstler gemacht.
Aha. Was ist das denn?
Himbeergeist und so.
Interessant.
Findest du? Und du?
Geschäftsführer.
So.
Geisterbahn.
Wie schrecklich.
Findest du?
Ich hasse Geisterbahnen.
Wieso das denn?
Ich bin schreckhaft.
Besser als einzelhaft.
Hahahahahahah......Witz...guter Witz.......
Ja,ne?
Wird Einzelhaft nicht groß geschrieben?
Ja, korrekt.
Dann war der Witz doch nicht so gut.
Schade.

Moppel beabsichtigt zu sagen, dass ihm alles hier auf den Geist gehe. Das wäre aber sehr flach, ganz ganz flach. Moppel schweigt.

Aufdenflussstarren als Seniorensport

Immer mehr Menschen leiden an Erkrankungen des Bewegungsapparates, weil sie häufig falsch herumstehen. Nehmen wir das einfache Beispiel eines älteren Mannes, der einen Fluss betrachten möchte. Versunken steht er am Metallgeländer und starrt auf das sich träge dahin wälzende Gewässer. Bereits nach 2 Stunden tun ihm Lendenwirbel, die Kniescheiben und das Hüftgelenk weh, auch verspürt er einen Spannungskopfschmerz, der seinen verkrampften Schultermuskeln entspringt.
Morgen wir er seinen Hausarzt belästigen, dessen Budgetierung sowieso schon im Eimer ist, weil Quartalsende naht, dann schleppt er sich zum Orthopäden, der die versammelte Geräteschaft an diesem  Patienten ausprobieren wird, weil der neue Jaguar finanziert werden muss. Zwei Berufsheiler mit unterschiedlicher Motivation prallen auf einen Patienten, der sich beide Gänge hätte sparen können. Vom langen Sitzen im Wartezimmer des Orthopäden droht dem Simulanten wider Willen möglicherweise eine Thrombose, die durch das Aufkrempeln der Hosenbeine hätte vermieden werden können.
Für lange Stehen an müdewälzenden Flüssen gibt es jetzt im Sanitätsfachhandel Bruststative, die das auf die Lenden- und anderen Wirbel drückende Gewicht reduzieren und ein folgenloses Aufdenflussstarren ermöglicht, was mittlerweile gleich nach dem Vögelbetrachtenohnegrund eine beliebte Sportart geworden ist.
Auch im Alter hat der Mensch Freude an sinnvollen Tätigkeiten, die manchmal durch körperliche Unzulänglichkeiten verhindert werden.
Die moderne Hilfsmitteltechnik hat aber für fast jede Gelegenheit Abhilfe anzubieten.

Winfried Hackeböller: Rostlichtmilieu (2010)

Die Genussschiene fahren
Wenn schon Schiene, dann Genussschiene, sagte Suchtberaterin Meggie zu Suchtberater Thorsten, der sein Nicken verweigert. Fortbildung.
Wenn Rotwein, dann nicht gleich den ganzen Kanister, vielleicht mal nur ein Glas. Genießen ohne Reue eben.
Na, sagt Thorsten, da habe ich dich aber schon anders gesehen. 
Weißt du noch auf der Fete bei Albert? Da warst du ganz schön neben der Spur. Da hast du doch angefangen, dich auszuziehen.
Das war ich nicht, jetzt Meggie. Da musst du mich verwechseln. 
Ich kenn nicht so viele wie dich, ergänzt Thorsten.
Das tut hier nichts zur Sache, es geht um kontrollierten Genuss, um Verhinderung von Sucht.
Die Gruppe schweigt. 
Aha, bemerkt einer leise.
Thorsten errötet.
Ok, ok. Als neben der Spur war das Stichwort, H0 quasi.
Was H0? Was soll das jetzt? Meggie wirkt verspannt.
Eher hysterisch.
Die Sau, denkt Meggie, Thorsten die alte Sau. Heute Abend bleibe ich nicht in seiner 0-Spur, heute Abend geht's an den Kanister.
Wo waren wir stehengeblieben?
Du hast wirklich angefangen, dich auszuziehen.
Mir war halt warm.
Es war auf der Terrasse. 12 Grad höchstens. Und nur, weil der Rudi dabei war.
Du hast doch keine Ahnung. Rudi. Wer soll das denn schon wieder sein?
Mit dem bist du doch dann abgezogen.
Du meinst Benno.
Also doch.
Was, doch?
Du hast dich doch ausgezogen.
Angefangen, angefangen, jetzt bleib mal sachlich.
Die Gruppe schweigt. Betreten.
Ja gut erst mal, fasst Teilnehmer Jürgen zusammen, wann sehen wir uns dann wieder?
Meggie zuckt mit den Schultern.
Thorsten antwortet antwortet leise: Ich meld mich.
Immer lässt er das e weg. Ich kenn dich, ich meld mich. 
Meld dich, sagt Jürgen.
Und immer schön auf der Genussschiene bleiben, lacht Thorsten.
Selber, grinst Bob erleichtert, und vergiss die Meggie nicht!


Vincent van Eijnoor: Depressive Gruppe (2008)

Willi: Dieser Farbkleckser hat mein Gesicht verschmiert. Nennt sich Kunstmaler.
Horst: Denk einfach, es wäre Karneval.
Willi: Du siehst doch auch völlig vermahlen aus.
Horst: Vermalt, wenn schon vermalt.
Kurt: Ich fühl mich nicht gut, dieses Rot auf Gelb ist frustrierend, und aggressiv darf ich nicht werden, also, was bleibt?
Matze und Erni: Ddddddddeeeeeee-pppppreeeeeee- ssioooooooon!
Kurt: Genau.
Willi: Stell dich mal nicht so an, ich habe das Gefühl, ich hätte einen Nagel im Kragen.....
Horst: Hast du ja auch, das Bild hängt nämlich schon.
Willi: Super, ich mal wieder. Und keiner sagt was.
Horst: Du stehst eben immer in der Mitte.
(Heute mit Lesehilfe: Das Rote wird NICHT gesprochen.)

Dicke neue Welt


Die Welt sieht ganz anders aus. Der alte Mercator hat damals geglaubt, Europa sei der Mittelpunkt der Welt, nur weil er Deutscher war. Also: Europa schön groß darstellen, den Rest kann man dann vergessen, der wirkt immer etwas verkrümmt und zurückgeblieben. In Wirklichkeit sieht es ganz anders aus auf der Welt und den richtigen Karten dazu: Europa ist nämlich klein und hässlich verkrumpelt, ein Wirrwarr aus Küstenschlitzen und krummen Gebirgen. Afrika hatte Mercator klein und dick dargestellt, das soll heute noch suggerieren, dass sich die Afrikaner schöne Bäuche angefuttert hätten. In Wahrheit bringt der schwarze Kontinent kaum Bäuche hervor, höchstens solche aus Mangelsituationen heraus. Amerika will immer gern drahtig und schlank dargestellt werden, Mercator hat damals den Indianern Rechnung getragen. Indianer waren nämlich immer schlank und drahtig, heute sind sie ausgerottet; die Nachfahren der Missetäter sind dick und unansehnlich, denn die Amerikaner ernähren sich hauptsächlich von McDonald's und von Marshmallows, die sie sogar grillen oder Salaten beimengen. Eine adäquate Darstellung Nordamerikas auf einer Weltkarte müsste also gedrungen übergewichtig sein, wenn man sowas überhaupt abbilden kann.
Klar bleibt: Afrika ist dürr und dünn. Da lässt sich in Zeiten moderner Messtechniken und verfeinerter Darstellungsarten nichts mehr dran rütteln. Doch bei solchen Themen klammern sich die Menschen an Irr- und Aberglaube. Nur weil es aus einem Computer kommt, muss es noch lange nicht richtig sein!, schreien sie eher hilflos. Solche Ignoranz gehört bestraft. Der Erlös sollte dann in korrigierte Weltkarten und ein Umerziehungsprogramm gesteckt werden.

Alltagsituationen: Graue Haare


Sag mal, hast du was mit deinen Haaren gemacht?
Grau gefärbt.

Günter Krass: Wespennest

Wie lange noch?, fragt Piet. Halbe Stunde, sagt sein Vater Fred, Bodos Onkel.
Lauft schon mal vor!, schlägt Bodos Vater vor, der mit Opa das Schlusslicht der Fünfergruppe bildet.
Die Wanderer sind auf dem Weg zu Tante Hulda. Einer Bergwirtschaft, in der es für die Großen je ein kleines Helles und die Jungen Sinalco und Butterkekse gibt.
Bodo und Piet sind gelangweilt. Heute ist Sonntag, die kleine Wanderung zum Wilden Schmied dauert gerade so lange, dass alle zum Mittagessen pünktlich am Tisch sitzen können.
Die Mütter kochen. Tante Linchen hat Hilfe von Oma Uns.
Kuck mal da!
Piet rennt ins Unterholz, trotz der guten Sonntagskleidung und der Gefahr sie zu verschmutzen oder, noch schlimmer, sie zu beschädigen.
Sonntagskleidung muss geschont werden. Selbst sonntags hängt sie lieber im Schrank. Erst wenn sie beginnt nicht mehr zu passen, wird aus ihr Alltagkleidung.
Bodo rennt hinter Piet her. Beide sind mit Stöcken bewaffnet, die sie am Wegesrand gefunden haben. Mit den Stöcken stochern sie im Laub herum. Eine Pilzgruppe wird freigelegt. Die beiden rätseln, ob die Pilze wohl essbar sind und schnüffeln an ihnen wie junge Hunde.
Au!, schreit Bodo plötzlich. Eine Wespe hat ihn ins Bein gestochen. Unter seinem Hintern tauchen immer mehr Wespen aus einem Wespenloch auf. Wütend fliegen sie um die Jungen herum. Hilfe!, schreit Piet, Wespen!
Die Erwachsenen bleiben stehen, schauen sich kurz um, zücken ihre Spazierstöcke und rennen mutig dem Feind entgegen.
Der Vater fasst Bodo am Arm und schlägt auf eine Wespe ein, die sich auf Bodos Bein gesetzt hat. Onkel Fred macht das mit Piet, Opa haut in die Luft, um dort ein paar Treffer zu landen.
Schlag folgt auf Schlag, die Jungen schreien, diesmal vor Schmerzen, die von den Stöcken verursacht werden.
Die Wespen werden immer wütender, die Väter schlagen unerbittlich weiter, Opa hat einen Lufttreffer erzielt. Die Wespe ist aber nur betäubt.
Schließlich erkennen alle, dass es besser ist die Flucht zu ergreifen. Sie laufen und laufen, bis die Wespen die Verfolgung aufgeben.
Opa ist der Langsamste, weil er die kürzesten Beine hat; die Jungen sind sowieso schneller, weil sie richtig rennen.

Außer Atem, verschwitzt und durstig erreicht die Gruppe Tante Hulda. Bodos und Piets Beine und Hintern tun weh, obwohl jeder nur einen Wespenstich abbekommen hat.
Die Erwachsenen trinken ihr kleines Helles in einem Zug, die Jungen saugen die Sinalco durch einen Strohhalm aus der Flasche.

Da habt ihr zu Hause aber was zu erzählen, meint Opa.

Die Jungen fragen sich, ob er wohl die Wespen meint, oder die Tracht Prügel die ihnen die Väter verabreicht haben.
Auf dem Rückweg teilen sich die beiden eine Kleinpackung Butterkekse und alle machen einen großen Bogen um die Stelle, an der der Kampf am Wespennest stattgefunden hat.

Andy Werwohl: Spülbürste (2009)




Werwohl, der alte Scharlatan, hat mal wieder im Gerümpel gefischt, ein paar Dosen Extremfarben aufgemacht und hofft jetzt, dass jemand ein Objekt, das in jedem Einkaufsmarkt für 99 Cent zu haben ist, für teuer Geld an den eingebildeten Kunstfatzke verkauft. Kohle machen, auch wenn ich kein Kumpel bin!, scheint seine Devise zu lauten.

Heinrich Bumm: Nebel 6

Jetzt Rocco! Die alte Töle kläfft wieder das ganze Haus zusammen, als wenn die nichts Besseres zu tun hätte! Vielleicht mal eine Ratte fangen oder einen von den Rotzlöffeln aus der Nachbarschaft, die hier herumlungerten und blöde Scherze auf seine Kosten machten, vertreiben. Der dumme Hund wedelt ja noch fröhlich mit dem Schwanz! Nutzloses Viech, fraß eine Dose nach der anderen leer und musste auch noch ständig in der Gegend herumgeführt werden, damit es nicht den Rasen vollschiss. Das ist ein sauberer Hund, keifte Etti immer übertrieben freundlich, und meinte wohl damit: Dich mögen nicht mal Hunde! Wie Rocco stank, wenn es regnete! Erbärmlich.
Vielleicht sollte er sich die Leine schnappen und eine Runde um das Maisfeld drehen. Das gab 5 Punkte auf der immerwährenden Haushaltsliste. Dafür musste Herman erst mal Frühstücksgeschirr abwaschen oder alle Mülleimer getrennt in die Tonnen entsorgen. Mit dem Hund gehen war eigentlich auch gesund. Andere machten das als Freizeitbeschäftigung, lächerlich.
Was wäre eigentlich, wenn alle diese Haushaltsliste ignorierten? Wenn der eine 5 Punkte hätte, die andere aber 500 oder 5000?
Hinter Etti konnte doch keiner herpunkten. Gartenarbeit, exzessiv - 20 Punkte. Da müsste er viermal mit dem Hund, dann hätte Etti aber schon wieder irgendwas anderes gemacht.
Seine Augen wurden schwer und er nickte ein.

Heinrich Bumm: Nebel 5

Ein Geräusch hatte ihn geweckt.
Teresa. Ach, das Frollein hatte sich auch endlich mal erhoben. Die Mutter ackert im Garten und das Fräulein Tochter ist sich zu fein, mal Unkraut zu jäten. Hauptsache, die Frisur sitzt.
Stundenlang vorm Spiegel stehen, da durfte niemand was sagen, da wurde die Mutter zur Löwin, bellte zurück, wenn er ins Bad wollte, lass sie mal jetzt, lass sie mal jetzt, hack nicht immer auf Teresa herum.
Die heilige Teresa. Auch so ein Name. Das passte doch vorne und hinten nicht.
Vierzehn Jahre, aber immer die Bluse einen Knopf zu weit auf.
Wenn er was sagte, zickte sie rum. Früher waren die Mädchen bescheidener. Er wusste nicht, was sie gegen ihn hatte. Bloß nicht anfassen! Hupps, kleine Porzellanfrau. Aber den Hintern nicht bewegen können. Er überlegte, aufzustehen.
Gleich wäre das Bad sowieso blockiert. Schminkstunde.
Er drehte sich um.Das Bett ächzte leise.

Heinrich Bumm: Nebel 4

Die Blase war voll. Er war kein Sitzpinkler, keine Memme, er war frei und wild, nicht domestiziert. Sein Blick fiel auf die Flasche Domestos. Hier musste alles glänzen, aus der Kloschüssel sollte man essen können, so sauber sollte sie sein. Er blickte durch das Schrägfenster in den Garten. Da unten rotierte sie förmlich, man konnte in den Büschen nur ihren Hintern sehen, den Hintern, den er mal so begehrt hatte, über den er Gedichte geschrieben hatte. Er wackelte im Gestrüpp, irgendwas hatte sie rausgerupft, jetzt schleppte sie es zum Komposthaufen. Auch so eine Erfindung! Als wenn es keine Biotonne gäbe!
Der Druck in seiner Blase ließ nach. Im Stehen pinkeln, das war es, das war das letzte Recht, das dem Mann geblieben war; früher hätte keine Frau gewagt auch nur ein Wort darüber zu verlieren, heute hing an jedem Spülkasten ein Verbotsschild.
Er schaute nach unten. Shit. Fucking shit. Man sollte beim Pinkeln nicht aus dem Fenster schauen, dachte er mürrisch. Vielleicht würde es schon trocken sein, bevor sie reinkam. Der Garten war groß. Das dauerte immer. Traurig legte er sich noch einmal ins Bett. So konnte das nicht weitergehen.

Böser Mann und böse Frau


Sie lauern überall. Sie tarnen sich als Priester oder FDP-Politiker. Böse Männer. Wir spielten früher: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann und dachten an dunkel vermummte Kerle, die Kinder fraßen. Dabei waren es lediglich die wechselnden Ortsvereinsvorsitzenden der CDU.
Böse Männer hießen später BÖSE ONKELZ und schreiben sich auch noch falsch. Sie hämmerten auf verstimmten Gitarren herum und grölten uns in bester Vatertagslaune rechte Stereotype in die Ohren.
Böse Männer, böse Männer, gefressen haben sie uns nicht. Vielleicht sind wir jetzt die bösen Männer!
Heute CDU gewählt? FDP? Onkelz-Krach durch die Box geheizt und dabei Bier gesoffen? Springerstiefel geputzt, Schnürsenkel geweißt?
Wo sind zum Teufel die bösen Frauen?
Es gibt sie und sie nennen sich Victoria Beckhamandeggs, Heidi Klumpen und Angela Merkelnix.
Sie tragen aufgearbeitete Brüste und Dreiknopfkostüme.
Sie reden uns rein.
Sie wollen nicht schweigen, wenn wir sprechen.
Sie wollen der Kuchen sein und nicht Krümel.
Verdammt.

Lippenbekenntnisse: Mundharmonika


Die Mundharmonika ist ein unterschätztes Instrument.
Als Kind wusste ich nicht, dass beim Ausatmen andere Töne entstehen, als beim Einsaugen.
Ich hätte das Instrument erlernen dürfen, weil es billiger war als eine Gitarre oder Geige.
Das Instrument interessierte mich aber nicht, weil es so wenig Töne abgab.
Ich dachte darüber nach, dass manche Frauen Haare auf den Zähnen hatten, Mundhaar.
Ich dachte an Monika, die Schwester von Rudi, die in unserer Straße wohnte.
Diese Monika hatte Haare auf den Zähnen. Sie war die Mundhaar -Monika.
Heute tut es mir leid, die Monikas der Welt beleidigt zu haben.
Leuten wie Neil Young ist zu verdanken, dass die Mundharmonika
als Instrument doch noch ihren Platz im Weltinstrumentarium gefunden hat.

Lippenbekenntnisse: Das Gesicht hinterm Spiegel


Ich habe geduscht, ich habe mich rasiert, ich habe Salben und Pasten aufgetragen, Rasierwasser eingeklopft, Nasen- und Ohrenhaare gezupft und trotzdem: Wer blickt mich da im Spiegel an?
Und hinter dem Spiegel: Ist da nichts?
Wo ist das Gesicht, das immer schon da, das immer schön war, das immer existiert hat, bevor die Welt erschaffen wurde? Dieses Gesicht, das nicht altert, das auf Salben und Pasten und Haarentferner verzichten kann?
Und: Die Geliebte - werde ich sie dazu bringen, dieses Gesicht, dieses überdauernde, schöne Gesicht zu lieben, oder zählt sie die Augenringe und runzelt die Stirn darüber, wie schnell die Haare in den Ohren nachwachsen? Ist die Seele noch was wert?
So viel wert, dass sie keinen Gedanken an einen schönen, frischen, faltenfreien, unverbrauchten Jüngling verschwendet?

Heinrich Bumm: Nebel 3

Wie konnte man sein Kind Herman nennen! Herman, den Tiefkühlpommefritesfallenlasser. Herman, den Loser. Der musste mal zusammengeschissen werden. Gut, Herman wollte ihn nicht als Vater akzeptieren. Aber, er hatte seine Mutter geheiratet. Da war nichts dran zu rütteln. Da konnte Hermann die ganze Tiefkühltruhe ausräumen.
Herman. Bestimmt nach so einem Herman van Veen-Konzert gezeugt, in tiefster Not und Depression, in Verzweiflung, ertrunken im Weltschmerz. Auch wenn die Welt untergeht, zeugen wir doch noch schnell einen Sohn und nennen ihn Herman.
Sie buddelte im Garten herum, er lag im Bett.
Es ging ihm nicht gut.
Das interessierte keinen. Selbst seine Mutter schabte mit der Wurzelbürste auf den S-Steinen.
Herman kurvte mit der Mofa durch die Gegend, anstatt seiner Mutter zur Hand zu gehen.
Der fraß sich hier durch. Aber arbeiten? Nitschewo!
So waren die Bengels von heute.
Hauptsache Mofa.
Er war früher Fahrrad gefahren.
Einen kurzen Moment schlief er ein und träumte, wie er Jeanette ein betörendes Lied vorgespielt hatte in dieser rotweintrunkenen Nacht. Jeanette. Ja, der Duft der Jugend. Jeanette ohne Kind! Ungebunden, ungezwungen. Frei.
Die Sonne hatte sein Kopfkissen erreicht. Es schlug im Wohnzimmer leise zwölf.

Heinrich Bumm: Nebel 2

Er drehte sich auf die linke Seite und starrte auf den Digitalwecker. Sie redete und redete.Immer.Sie im Garten redete sie mit sich und manchmal mit den Blumen. Sie redete auf ihn ein. Als wolle sie ihn überreden. Überreden, mit Betonung auf über. Wie sie sich aufregte, wenn er ihren Sohn zusammenschiss, weil der eine Tüte Tiefkühlpommesfrites auf den Küchenboden hatte fallen gelassen. Gut, dass das nicht sein Sohn war. Und schade, dass er selbst den Fußboden nicht gewischt hatte. Aber es war auch seine Küche. 60% würden ihm gehören, wenn er das Haus abbezahlt haben würde. Nein. Es gehörte ihm jetzt schon. Die Schulden hatten schon lange nichts mehr mit dem Haus zu tun. Man sollte keinen fremden Kinder heiraten. Aber das hatte er damals nicht gewusst.

Kochen nach Zahlen

















Georg Krakl: Mahl N. nach Zahlen (2010)

Was ich diese Woche
koche?
Wer weiß, ich werde Zahlen suchen, Dreien, Sechsen, ein paar Vieren
und vielleicht mal Kohlrouladen ausprobieren.

(Bild: Vincent van Eijnoor: Kochen nach Zahlen [2010])

Texte, die nicht zu Fotos passen: Ostereier


Der Hammer
Kurzdeutsch
Seit Erfindung des Zahnarztes und der dazugehörigen Zahnklammer hat sich die Sprechfähigkeit des Deutschen mehr und mehr zurückgebildet. Setzte früher der Intellekt Grenzen des Verstehens, so kommen heute auch noch die Ohren dazu. Bezeichnete das allseits flächendeckend bekannte Duschgel, mit harten g intoniert, ein Schmiermittel für den reinigenden Glitt der Hände über den feuchten Körper, so ist dieser Sinn heutzutage mehr und mehr entstellt. Hatte die Zahnklammer anfangs infolge verrotteter Speisereste hinter den diversen Drähten lediglich verstärkten Mundgeruch zur Folge, so beeinflußt sie zunehmend sowohl den Sprachgebrauch, d.h. manches wird unaussprechlich und damit vermieden, als auch die Sprache selbst: Duschgel taucht plötzlich in ganz anderen Zusammenhängen auf. „Duschgelieber nach Hause!“ verabschiedet sich neuerdings die zähnlich umklammerte Discothekenbesucherin von ihrem Betänzer und deutet einmal an, daß der Abend beendet ist, zum anderen, daß er oder die Situation ihr stinkt. Also: Eine satzimmanente Kritik, die man immer leugnen kann, indem der Zeigefinger auf die Zahnklammer gerichtet wird.
Die Entwicklung des Kurzdeutschen deutet sich hier an. Zwei Wörter werden verschmolzen in einem neuen. Bald wird es nicht mehr Kurzdeutsch lauten, sondern Keusch (eigentlich: Kurtsch oder Keutsch, aber die Sprache hat ja einen eigenen Kopf)
Schlauch heißt demnach „Schlau auch“, „Bratwurst“ bedeutet logischerweise „Brand hat wiel Durst“ und wartet auf die Feuerwehr.
(Feuerwehr bedeutet: Feier heuer wer Ehre. Allmählich zeigt sich die Sinnentleerung der deutschen Sprache in ihrem ganzen Ausmaß!)
Es gibt noch viel zu tun nach der Rechtschreibreform. Was tun eigentlich die Linksschreiber? Lassen die sich das gefallen? Wo ist die Lobby, die nach der Linkrechtschreibreform kräht? Aber, das ist ein anderes Thema und ein ziemlich dummer Witz.

Heinrich Bumm: Nebel

Als der undurchdringliche und so angenehme Nebel der Gefühle sich gelichtet hatte, entdeckte er einen hässlichen Pickel an ihrem Hals. Auch störte ihn, dass sie schon im Garten arbeitete, während er noch im Bett lag. Und das mit dem kleinen dicken Ritter ging ihm gewaltig auf den Zeiger.

Heimlich gelesen: Postkarten

Hallo Heike!
Am Hundestrand war ich natürlich nicht, weil ich gar keinen Hund habe. Hundebesitzer sind ja eine besondere Sorte Mensch, die das Schnitzel in der Linken halten und mit der Rechten die Ohrmuschel von Hasso kraulen.
Andere füttern streunende Katzen auf Fuerteventura und übernehmen sogar eine Patenschaft, um ein Tier mit nach Hause zu begleiten, kostenfrei und nicht in Richtung Tierversuche; auch wenn der forsche Daimler-Testfahrer darauf hofft, auf einer kanarischen Katze die Griffigkeit seiner neuen Reifen zu erproben. M+S, Matsch und Schnee ist ja schon länger ein Markenzeichen.
Was will ich sagen? Wie isses und wie geht es? Vielleicht ist bald wieder ein Marathon, auf dem wir uns nicht sehen.
Bodo

Absendeort: Unbekannt, irgendwo am Meer
Leser: Ralli, Postbote im Zustellbezirk X (Der Redaktion bekannt), er hat das Foto auf der Vorderseite vergessen, bzw. vergessen anzusehen. Disziplinarverfahren ist anhängig.

Dumme Wortspiele: Mundhaar-Monika

Es gab eine Zeit, da haben sich Menschen über Wortspiele kaputtgelacht. Heute ist das nicht mehr zeitgemäß, oder, wie man aus dem Westen von über den Ozean hört, politisch nicht korrekt, was auch immer der Werte-Amerikaner damit meint.
Mundhaar-Monika war so ein Wortspiel und diskriminierte alle Monikas auf der Welt. Man trat ihnen zu nahe, ohne sie wirklich zu kennen; das schürt Vorurteile, das lässt alte stereotype Verhaltensweisen auch gegen andere Frauen wieder aufleben.
Es blieb ja nicht dabei, dass man sich mit der Vorstellung von einer Dame des vorgenannten Namens begnügte, die einfach nur Haare auf den Zähnen hatte. Das war ja eine Metapher, die jeder nachvollziehen konnte. Der muss mal das Gebiss rasiert werden!, brüllte der verschreckte Mann, wenn es die Kontrahentin verbal zu arg getrieben hatte.
Nein, irgendwie setzte sich die Vorstellung in den Köpfen fest, besagte Dame habe einen Mund voller Haare, also Mundhaar, mit dem man regelmäßig zum Friseur müsse und das ihr, falls es nicht kurz gehalten würde, das Atmen und Schlucken schwer machte.
Gedankenlosigkeit regiert die Welt, wie anderswo, so auch hier: Ein schlichtes und tragbares Instrumente, praktischer als die Wandergitarre und der Walking Bass zusammen, musste herhalten, um die Damenwelt zu verunsichern. Niemand wollte plötzlich sein Kind Monika nennen, dabei ist es ein Name voller Musik und Poesie. Er ist enthalten in Wörter wie Mundharmonika, Handharmonika, Schifferklavier und Bandoneon. Das weiß vielleicht niemand und das ist das Tragische an der Geschichte. Vielleicht sollten wir demnächst vorsichtiger sein, wenn wir Namen verballhornen und uns auf die eigentlichen Werte besinnen: Musik und Poesie.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Diät


Man nimmt nicht von dem ab, was man isst,
sondern von dem, was man nicht isst.

Georg Krakl: Hirsch und Geweih (2010)


Das geht nicht zusammen:
Hirsch und Ei
am Geweih
da schrammen
Welten
aufeinander
wie die Kelten
auf den großen Alexander,
oder warn's die Anamnesen?
Als sei es gestern erst gewesen,
so hab ich's doch vergessen.
Auf jeden Fall: Es war in Hessen.

Elche unter dem Röntgenschirm


Wenn man Elche röntgt, erkennt man, dass sie durchaus etwas Menschliches haben. Wir glauben es mit einem tumben Tier zu tun zu haben, das ein Paar Schaufeln vor der Stirn trägt. Richtig ist, dass nach ihm der Elchtest benannt wurde, in dem es darum geht, kleine Autos von Daimler-Benz umzuwerfen und schadenfroh zu lachen.
Manche machen lange Nasen, andere aber heben die Hände wie zwei Schaufeln vor die Stirn und grölen ihr "Ätschmann, umgefallen!". Das ist nicht lustig, aber es gefällt denen, die es tun. Daimler-Benz ist über diesen Trend besorgt. Die restliche Autoindustrie versucht das Wort Hybrid richtig zu buchstabieren und hat damit genug zu tun.
Immer mehr Elche haben aber Lunte gerochen und gehen zum Röntgen, um sich dann als Schwede oder Finne registrieren zu lassen. Im Alter hätten sie dann Anspruch auf eine Rente.

Neues vom Vulkan


Die allgemeine Vulkanaschehysterie provozierte bereits erste Halluzinationen. Im Roten Moor in der Nähe von Weserstadt materialisierte sich vor den Augen besorgter Wanderer eine riesige Wolke, die Teile des Moores in den Himmel brachte. Da kein besonders reger Flugverkehr in der näheren Umgebung stattfindet, ausgenommen ein paar Segelflugzeuge und verirrte Propellorkleinmaschinen, denkt man eher an ein Flugverbot für Vögel, die in ihrem Bestand bedroht sind. Irgendetwas muss auf jeden Fall passieren, damit die Öffentlichkeit mitbekommt, dass die Behörden, in diesem Falle die Verwaltung von Moordorf, die durchaus nicht durchgehend rot ist, den Bürger mit seinen Sorgen nicht allein lässt.
Vorsorglich ist auch fernab großer Flughäfen ein Startverbot für Düsenmaschinen erlassen worden, ebenso ein Absturzverbot für Transfermaschinen, die mit verklebten Düsen die Flächengemeinde überfliegen.
Unbeirrt dieser Maßnahmen spuckt der Eyafjölldifelljodahurfidibumm weiter seine Eis- und Lavamischung in den isländischen Himmel.

Peter Fußke: Affe (2000)

Jetzt sitzt sie auf dem Baum und wundert sich wie sie dorthin gekommen ist. Sie hat ihr Muttermal betrachtet, das groß und haarig auf ihrem Arm wächst. Immer wenn sie es betrachtet, blitzen Bilder auf, als erzählten sie von einer unbekannten Vergangenheit. Das Mal ist schon immer da gewesen. Die Eltern haben es mit Sorge betrachtet, als sie Säugling und Kind war. Jetzt ist sie 18. Mit jedem Tag erfährt sie mehr über das Verborgene, über die Lust, in Bäumen zu klettern. Sie sieht die Menschen unter sich, sie sind ihnen fremd in ihren engen Kleidern und mit ihren steifen und eckigen Bewegungen. Morgen wird sie Kleider ausziehen und einen weiteren Teil ihrer Vergangenheit zurückholen.

Georg Krakl: Hund (1998) Ein Zyklus

Der Hund allgemein

Im Grunde ist er ohne Nutzen
Er taugt nicht wie das Schwein
Als Braten, ständig putzen
Muss man, ist nicht rein,
Das Biest. Erklärt denn froh:
Dies ist ein Hundeklo!
Und setzt ganz ohne Zagen
Die Reste aus dem Hundemagen
In eine Zimmerecke.
Ach, du, verrecke!
Dummer Köter, alte Töle!
Purzel denkt: Das kommt wohl vom
Getriebeöle,
das hab ich heute Morgen weggeschleckt.
Im Grunde hat es nicht geschmeckt.


Das Haustier



Ein Haustier und nichts and’res ist es.
Was man ihm gibt, das frisst es.
Und es säuft den kühlen Trank,
zerlegt die Puppe von Denise als Dank.


Hasso: Einer kurzen Begegnung gewidmet
(nach Kristiane Alles-Wiemansnimmt)

Ich führte dich aus
Ein,zwei Abende.

Jetzt bin ich
Hunderte von Kilometern
Fort-
Im Tierheim.

Ein Stück von dir
Ist mitgekommen.

Ich glaub es ist ein Finger.


Allzweckwesen

Der Hund ist gut zum Herzerfreuen
Und auch zum Steinerweichen.
Nur schlecht geht mit ihm Straßestreuen,
beziehungsweise Wändestreichen.
Er eignet sich als Stolperfalle
Und wohl als Allesfresser,
weit weniger als Gartenkralle
und einfach nicht als Küchenmesser.

So manche schöne Sachen
Kann man mit Hunden gar nicht machen.
Und hätt ich dieses nicht gelesen,
ich sagte: Fifi ist ein Allzweckwesen.

Günter Krass: Strumpfhosen (2005)

Hilfe! schreit Rita, weil sie eine Laufmasche im Strumpf hat, in den Nylonstrümpfen, solchen denen man mit einem eingerissenen Fingernagel nicht zu nahe kommen darf, nicht weil vielleicht eine unlautere Absicht unterstellt werden oder vielleicht dieser Fingernagel, bzw. sein Riss, eine weitere Laufmasche erzeugen könnte, sondern weil es ein Gefühl ist, das Gänsehaut zur Folge hat. Es gleicht dem billigen Satin-Schlafanzug, den Karl in Kindertragen tragen musste, weil er nun einmal geschenkt worden war, der innen angeraut war, aber außen eine unerbittliche Glätte hatte, die jede Unebenheit an einem Nagel übel nahm und bestrafte. Durch eine Gänsehaut nämlich, die entstand, wenn nun dieser Nagel über den glatten, ekligen Stoff strich und irgendwie, eigentlich unmöglich, hängen blieb. Rita schreit um Hilfe, weil ihr Lebenskonzept oder ihr Tagesplan in Gefahr ist. Die Laufmasche bedroht die wesentlichen Sicherheiten in ihrem Leben: Ihre Schönheit oder ihre Unversehrtheit. Der unverletzte Strumpf ist gleichzeitig Symbol ihrer Reinheit, ihrer seelischen Jungfräulichkeit, die sich jede Frau neu erwerben kann, wie sie glaubt, wenn sie sich neu verliebt und dies aus ganzem Herzen tut. Hilfe, eine Laufmasche! Vielleicht ist der Strumpf sogar eine Strumpfhose, was den Schaden nur größer machte, den seelischen in erster Linie, denn die Strumpfhose ist nicht nur das Instrument, das die diversen Unterbekleidungen zusammenhält, die nicht nur ein weiterer, wenn auch dünner Schutz vor Kälte ist, sie stellt vielmehr die Jungfräulichkeit dar, postuliert sie, erneuert sie sogar, wenn es denn sein muss. Die Strumpfhose mit dem verstärkten Zwickel ist Zivilisation, ist Kultur, ist Sitte und Gesetz, ist die Sicherheit, der man sich sicher sein will. Sie ist Herberge dem Allerheiligsten, dem, das es zu verschenken gilt den Auserwählten, den Edlen. Immer aber ist Rita missbraucht worden, ihre Leicht- oder Gutgläubigkeit, andere nannten es Naivität, denn es waren keine Edeln, die Auserwählten waren nur von Rita und keiner höheren Macht auserwählt oder hatten sich selber auserwählt. Hilfehilfe, schreit Rita, mein Leben ist futsch!
Die Strumpfhose, die dünne Maske ihrer Sexualität, ihres Menschseins, ihres Frauseins, ist beschädigt und jeder kann es sehen.
Karl steht in der Nähe und fragt sich, was los ist. Eine Laufmasche, das kann und darf nicht wahr sein!
Strumpfhosen haben ihm nie gefallen, immer ist er mit seinen eingerissenen Fingernägeln hängen geblieben, und die wenigen Male, wo er in die Nähe von Beinen, von Frauenbeinen und deren Strumpfhosen gekommen ist, sind ihm verdorben worden. Er kann nicht verstehen, was Hilfeschreie wegen einer billigen Strumpfhose bewirken sollen.
Trübsinnig schaut er Ritas Bein entlang. Ihr Kleid ist geschlitzt. Das ist absurd.

Ein geschlitztes Kleid mit einer Strumpfhose kombinieren. Das ist Aufforderung zum Tanz, während man selbst im Rollstuhl sitzt.
Das ist die versklavte Erotik, die Kasteiung der Verlierer, die nie das schönste Mädchen abbekommen, die Kreuzigung der ewig Letzten, die verstohlen an ihren Zigaretten nuckelten und heimlich die Knutschenden beobachteten und sich keine Regung in der Hose gönnten, weil sie um ihr Scheitern wussten.
Verdammt, denkt Karl, Rita ist eine Frau, ich bin ein Mann.
Was daran ist bitteschön falsch? Ich will doch auch nur das Eine, das alle wollen. Immer und immer wieder. Geliebt werden. Und, Rita, wäre deine Strumpfhose voller Laufmaschen, ich würde dir eine weitere Laufmasche machen und dafür, dass du sie schweigend hinnimmst, würde ich dich nur noch mehr lieben.
Ritarita.
Ich bin doch nur ein Mann.

Alte selbstverliebte Männer wollen junge Frauen


Da glauben alte selbstverliebte Männer sie bräuchten junge Frauen, um jung zu bleiben, um zu beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören, dass sie kein Facelifting nötig haben, um diese und jene jugendhafte Dame zu betören, und wissen doch nicht, dass sie im Umfeld des Jungen eher alt aussehen. Geraten sei ihnen, als Pfleger in einem Altenheim zu arbeiten, dort sind sie die Jungen.
Die alten selbstverliebten Männer setzen fest auf den Hofeffekt, den Haloeffekt; der Schein der Frische soll auf sie fallen und soll sie beleuchten, belichten und liften, sie ins Ewigjungbleiben liften und Unsterblichkeit vermitteln.
Falsch: Neben dem Schöne wirken sie hässlich, neben dem Erfrischenden eher verwesend, neben dem Duftenden viel mehr wie der Misthaufen unter dem Hahn, der sie sein wollen.
Oh, welcher Trug, man könne teilhaben an den folgenden Generationen, die unsere Kinder und Enkelkinder sind.
Auch wenn die alten sebstverliebten Männer nie ein Kind gezeugt haben, so wollen sie mit einem zusammen sein,und können es doch nicht, denn dann leckt der Tod an ihnen...

Ich und Hadschi Halef Omar


Kara Ben Nemsi: Wie siehst du eigentlich unter deiner Kappe aus, Hadschi?
Hadschi: Gesundheit, Siddhi!
Kara Ben Nemsi: Sag nicht Siddhi zu mir, Hadschi!
Hadschi: Gesundheit, Effendi!
Kara Ben Nemsi: Für dich immer noch Kara, meinetwegen auch Ben Nemsi!
Hadschi: Gebongt.
Kara Ben Nemsi: Also, Hadschi....
Hadschi: Gesundheit, Effendi, die Nacht war kalt, du wirst dich verkühlt haben.
Kara Ben Nemsi: Schon wieder Effendi!
Hadschi: Jetzt sagst du Effendi zu mir, das ist doch mein Part!
Kara Ben Nemsi: Hadschi! Ich...
Hadschi: Gesundheit, Gesundheit, langes Leben und Krankheit folgt, Effenberg!
Kara Ben Nemsi: Effenberg, was soll das jetzt?
Hadschi: Mein Respektbeweis, Effenberg.
Kara Ben Nemsi: Effenberg, Effenberg! Dann doch lieber Effendi!
Hadschi: Klar, Siddhi!
Kara Ben Nemsi: Effendi, wenn schon nicht Effenberg!
Hadschi: Na, also, klappt doch. Gesundheit nochmals.
Kara Ben Nemsi: Ich werf erst mal zwei ASS C ein.
Hadschi: Ich schwöre ja auf Meditonsin, Kara.
Kara Ben Nemsi (genervt): Versteh mir einer den Orient!

Hasso ist ein Krampfhund


Ich sag immer: Hasso, mein bester Freund, Hasso, mein Krampfhund. Der bringt ja schon über 40 kg auf die Waage und groß genug ist er auch, aber aggressiv? Ich weiß nicht. Der klefft, wenn der Briefträger kommt, den kennt er, da weiß er, dass der nichts tut. Aber sonst? Hasso schläft viel und und frisst. Er jault auch, wenn das Fressen nicht pünktlich kommt. Es wäre ihm lieb, wenn ich ihn Gassi tragen würde, bei Regenwetter würde er seine Geschäftsabwicklungen im Hause erledigen, da muss ich manchmal mit dem Stock drohen. Dann knurrt er. Ein Hund, der sein Herrchen anknurrt? Das ist nicht in Ordnung, vor allem dass sich dieser Hund hinter diesem Herrchen versteckt, wenn eine Situation brenzlig wird, wenn zwielichtige Typen den Weg kreuzen oder ein richtiger Kampfhund auftaucht. Hasso ist ein Krampfhund, es ist nämlich ein Krampf mit ihm. Basta. Ich frage mich, wozu dieses Tier nütze ist?
Manchmal denke ich, wir machen das Schnellstraßenspiel: Ich auf der einen Seite, der Hund auf der anderen. Ich halte die Wurst, der Hund läuft los und ein Auto rauscht heran. Nur, wie erkläre ich hinterher, warum ich mit einer Wurst am Wegesrande sitze?
Ein oder zwei Monate Tierheim, verschärftes Tierheim, das wärs vielleicht. Da hat er noch eine Chance, da kann er sich besinnen, da sieht er mal, wie es anderen Hunden geht. Echt Krampf mit dem Hund.

Welt im Wandel


Rotes Moor.
Früher Rotes Meer.
Lautverschiebung.
Das e verschwindet mhr und mhr.

Fliesentisch mit nackten Frauen drauf


Was soll das sein? Ein postmoderner Fliesentisch, der durch einen Lichteffekt in die Kunstkategorie hochgepusht wurde und von den wirklichen Problemen der Welt ablenken soll? Wir fragen uns: Was sind die wirkliche Probleme der Welt?

Immer wieder hört man dazu: Also mir sind Fliesentische ein Problem, die finde ich so schlimm, ich könnte, mir wird schlecht, also gut, dass man die problemlos (Eskapismus! Es geht doch um Probleme!) abwischen kann. In meine Wohnung kommen die nicht rein.
Dabei sind Fliesentische Erfindungen des kleinen Mannes und der Heimwerker und Bastler.

Die Probleme der Welt wegwischen und seine Ruhe haben, das will der Mensch. Einmal im Jahr einen kleineren Betrag spenden und das Gewissen beruhigen, das schafft ein sanftes Ruhekissen.
Ein großes Problem sieht die Frauenbewegung gegen sexistische Darstellung in der Werbung und auf Haushaltsmöbeln: Wenn man weit genug zurückgehe und gute Augen habe, könne man erkennen, dass eine unbekleidete Frau vor einem Palmwedel in einem Freizeit- und Spaßbad vorbeigehe. Sie trage Stöckelschuhe in Weiß und habe sonst nichts an. Das sei im höchsten Maße sexistisch. Fliesentische dieser Art gehörten verboten.
Manch einer kann nicht weit genug zurückgehen, um sein Gehirn zu einer solchen Fehlleistung anzuregen, auch wenn er es wollte.
Manch einer sieht ein paar Frösche aus der Vogelperspektive oder eine demoliertes Fahrrad, dem der Lenker fehlt. Das Gehirn setzt das zusammen, was ihm passt. Der eine hat Hunger auf Froschschenkel, dem anderen fehlt ein City-Lenker, mit dem ihm die Hände nicht mehr einschlafen.
Und die Probleme?
Da soll sich die Welt mal nicht so anstellen. Jeder hat doch so seine Probleme. Und lösen muss die jeder für sich. Die wird für die Welt auch keine Ausnahme gemacht.

Winfried Hackeböller: Kruzifix (2010)


Endlich mal Farbe in deinem Werk, Hacke, alter Rostler!
So mag der schlichte Betrachter ausrufen, aber wenn man genau hinschaut, gehört der rote Knopf gar nicht zum Kunstwerk. Hackeböller reduziert hier mal wieder extrem auf sein Lieblingsmaterial: Rostiges Eisen. Allerdings will das noch nicht so richtig in Gang kommen, auch Rost lässt manchmal auf sich warten.Vielleicht hat Hackeböller aber auch eine Variation seines bisherigen Stils erreicht: Das Nichtrostende als Sinnbild des Überdauernden, des Ewigen. Metaphysik lässt grüßen!, intoniert jovial der Bildungsbürger, und weiß nicht, dass er mit seinem Einwurf voll daneben getroffen hat. Da kommt der rote Knopf wieder ins Spiel, der von einem überdimensionierten Bauchnabel ablenken will und über dem Materiellen schwebt.
Wenn uns der Kopf rot wird, so haben wir Bluthochdruck oder eine gehörige Portion Schamgefühl, weil wir mal wieder unser Lästermaul aufgerissen haben und uns beim Volk beliebt machen wollten.
Aber das kennt man ja nicht anders, und Hackeböller hat das schön zusammengefasst.

Gefährliche Natur im Winter


Im Winter gleicht die Natur einer Zipfelmütze, oder besser einer roten Schultüte, die eine Nase hat. Die Zipfelmütze oder Schultüte ruht den Winter vor sich hin, ihr Herz schlägt unhörbar in der Tiefe und hat eine Frequenz von einem Schlag pro Woche. Das ist wenig, aber es reicht, um zu überwintern. Ein weißmilchiger Kreislauf arbeitet im Innern der Zipfelmütze oder der Schultüte, um Schadstoffe auszufiltern und ein paar Krumen aus der Umgebung aufzunehmen. Diese werden dann in Blattgold umgewandelt, anstatt in den lebenswichtigen Sauerstoff, was den Winter so gefährlich macht. Ein brisanter Goldrausch kann uns Menschen umhauen wie ein Vollrausch mit Tullamore Dew, von einem Sauerstoffrausch hat aber noch nie jemand gehört, weil dieser immer unter der Rubrik Glücksgefühle oder Endorphinewerdenausgestoßen abgelegt wird. Darum also Vorsicht, Menschen, wenn ihr euch im Winter in die Natur begebt! Sind wir nicht damals auf die dämliche Zipfelmütze des Sandmännchens reingefallen, damit wir vor Raumschiff Orion ins Bett gingen? Oder auf die blöde Schultüte, die uns mit Süßigkeiten verlocken sollte, in die Volksschule zu gehen und Dinge zu lernen, die wir selbständig nie entdeckt hätten, und die uns nie im Leben gefehlt hätten, weil wir nicht gewusst hätten, dass es sie überhaupt gibt. Deo-Spray! Shampoo! Wir haben uns zu willfährigen Konsumsklaven machen lassen, die jeden Dreck kaufen, den die Industrie auf den Markt rotzt. Warum nicht lange aufbleiben und endlich nach Mensch riechen? Das ist Natur! Auch wenn die aussieht wie eine Zipfelmütze oder eine Schultüte! Im Winter zumindest.

Pawel Pikass: Frühling (2010)


Pikass zu seinem Bild: Wie ein kleiner weißer Vogel schwebt der Frühling heran und setzt sich auf die Natur, um ihr von hinten, kaum merklich, seinen fruchtbaren Finger in den Kopf zu stoßen, damit die Natur erwache und sich entfalte, als ob sie das nicht selber könne. Aber es ist ein Ritual, ein Sacre du printemps, ein hämmernder Rhythmus, der dem Ungeschulten Kopfschmerzen bereiten mag. Sind wir nicht alle des Winters müde? Nach drei Minuten und 17 Sekungen geht ganz schön die Post ab! Da werden die Jünglinge aber lebhaft. (Reinhören)
Da passt das Bild doch ganz schön. Rot wie der Weihnachtsmann und weiß wie Schnee. Wer da nicht an den Frühling denkt, glaubt wohl an den Osterhasen.

Der Frühling ist da


Der Frühling ist da. In seinen Traditionsfarben Rot und Weiß steht er in allen Gärten und macht die Menschen nervös. Einige schauen nicht hin und täuschen Frühjahrsmüdigkeit vor, andere bekommen rote Ohren, weil sie zu genau einen Blick riskieren. Der Frühling ist gelassen, er kann es sich leisten, er hat Zeit, ein ganzes Vierteljahr, eine Zeitspanne, die ein normaler Mensch nicht zur Verfügung hat, um gelassen zu sein; um gelassen zu werden auch nicht. Niemand will seine Mitmenschen lassen, denn die sollen gefälligst in gleichen Abhängigkeiten leben wie man selber. Neid macht sich breit. Der aufgekratzte Mitbürger starrt den Frühling an und bewundert insgeheim, wie unerbittlich gelassen er sich an die Bestäubung der Umwelt macht. Da macht ihm keiner was vor, aber auch keiner was nach. Das kann nur der Frühling. Dem Rotohrigen wird jetzt auch der eine oder andere Finger rot, auf den er sich gebissen hat: Vor Wut, dass ihm verweigert wurde, dieses Jahr der Frühling zu sein. Aber der Frühling, das ist das große Missverständnis, lässt keine Statisten Hauptrollen spielen. Der Mensch möge sich in die Frühjahrsmüdigkeit zurückziehen und ein paar Schläfchen halten, bis es Sommer ist. Aber auch da gibt es genug Anlässe zu Neid und Missgunst. Es ist einfach im Menschen drin. Da hilft auch nicht, darüber hinweg zu schlafen. Verdammt.

Fritz und Oshi: Lass die Schlange los!

Kundaliniorientierte Beratung intermediärer Systemprozesse
Fritz Ruhpert Oshi Henneke GmbH


In Zeiten wirtschaftlichen Abgangs und der Zerstörung interpersoneller Systeme ist es hilfreich und vielleicht sogar lebens- wenn nicht überlebenswichtig, seinen Blick auf effiziente Programme zu richten, die destruktive Niedergangsenergien zu bündeln und zu kanalisieren verstehen.
Niemand wird von sich behaupten können, frei von diesen Lebensenergie bindenden Kräften zu sein. Vielmehr ist jeder in Teilabhängigkeit von dieser dunklen Macht, die uns allen das Leben schwer macht.
Sei es ihr marodes Wirtschaftsunternehmen, ihr zerstrittener Schützenverein oder vielleicht das Projektfeld „Eigener Herd“, alles wird durchdrungen von Blockaden, denen sie hilflos ausgeliefert sind, vor denen sie wie ein Stück Treibholz hängen. Nichts fließt mehr.

Kundaliniorientierte Beratung bietet ein Konzept, das, getreu dem Motto „Lass die Schlange los!“, neue Flussmöglichkeiten durch die bewusste Wahrnehmung des PC-Muskels und seiner Umgebung eröffnet. Die Zeiten von „Nicht an die Schnecke fassen!“ sind Vergangenheit, die Zukunft gehört der Kraftschlange, die sich an Ihrer inneren Flöte hochhangelt und unerbittlich den Siegeszug Ihres Projektes initiiert.

Schon wenige Minuten am Tag werden Sie und Ihre Mitarbeiter auf eine ganz andere Ebene des Erfolges bringen und dort halten. Einmal losgelassen, ist diese Energie unerschöpflicher Quell ihres Erfolges.
Ärger mit dem Vorgesetzten? PC-Muskel und Atem in Verbindung mit dem rechten Ton lösen ihr Problem unkonventionell.
Kassiererin zickt rum? Ein kurzes Zucken im unteren Bereich Ihres Körper reicht schon, um vielleicht sogar einen Preisnachlass zu erhalten. Mühelos. Einfach durch ihre Strahlkraft.
Menschen beeindrucken und überzeugen, das ist unser Konzept.
Wir beraten Sie gern!

Wenn Frauen sich knipsen...


Frauen haben es nicht einfach, wenn sie sich ein Bild machen wollen von der Freundin oder Cousine, mit der sie gerade einen Wochenendtrip machen, um dem öden Alltag zu Hause zu entkommen. Auch wenn der Trip anstrengend und alles andere als schön war, muss auf dem Bild zum Ausdruck kommen: Wir haben uns super verstanden, wir haben uns köstlich amüsiert. Das Ganze war einsame Spitze!
Aber dann geht es los. Da Frauen häufig große und kleine Taschen mitschleppen, in denen sie die wichtigsten Utensilien untergebracht haben, die sie benötigen, um das Aussehen so zu korrigieren, dass es auf Fotos etwas hermacht und Glück ausstrahlt, dauert es seine Zeit, bis ein Foto überhaupt gemacht werden kann. Obwohl im digitalen Zeitalter niemand mehr auf die Verschwendung wertvollen Filmmaterials achten muss, klappt es einfach nicht, ein paar Aufnahmen so aus Lust und Laune zu schießen und sie bei Nichtgelingen wieder zu löschen. Misstrauen herrscht, wenn es um die Präsentation der eigenen Gestalt geht. Wird die Freundin die missratenen Bilder vielleicht anderen in der eigenen Abwesenheit zeigen und damit in der Rankingliste der begehrten Frauen den Platz streitig machen?
Also: Erst mal die richtige Position, das richtige Make up, die korrekt sitzende Kleidung. Dann ein zwei Schuss Dreiwettertaft, damit auch die Frisur sitzt. Im Spiegel kontrolliert, noch einmal korrigiert. So kann das eine gute Weile gehen und es dämmert bereits. Jetzt ist das Licht zu schwach, um vorteilhafte Bilder zu machen. Blitzlicht? Überhaupt nicht dran zu denken! Blitzlicht macht hässlich, weil es brutal die Wirklichkeit abbildet.
Schließlich verzichtet die kritische Frau auf Bilder von ihr und beschränkt sich auf die alten Gebäude, die bereits im Kasten sind. Dass man hier gewesen ist, wird man wohl mündlich glaubhaft machen müssen.
Der Mann hat in der Zeit bereits eine Powerpoint-Präsentation hingelegt.

Günter Krass: Astronautengeburtstagsfeier (2000)


Seit zwei Jahren kreisten Willi, Rudi, Torsten und Kai jetzt um die Erde. Jeden Tag stellten sie sich die Frage: „Warum bin ich Astronaut geworden?“ Jeden Tag gab es Essen aus der Tube. Jeden Tag war die einzige körperliche Bewegung das Drehen ihrer Daumen. Däumchendrehen nannten sie das auf der Erde. Jeden Tag fragten sie sich: „Ist jetzt Tag oder Nacht?“ Nicht einmal der Funkwecker funktionierte.
Gestern hatte Kai Geburtstag. Kerzen anzünden war verboten. Um zu tanzen oder Topfschlagen zu veranstalten gab es keinen Platz in der engen Raumkapsel. Die engsitzenden Raumhelme juckten genau wie die blauen Plastikraumanzüge. Das war die schlimmste Geburtstagsfeier, die alle erlebt hatten. „Wie alt bist du eigentlich geworden?“, wollte Willi wissen. „Keine Ahnung“, flüsterte Kai. „Ist klar“, sagte Rudi, und Torsten drückte sich ein Stück Geburtstagstorte aus der Tube. Mit Schwarzwälderkirschgeschmack.

Günter Krass: Oma Rudolf räumt auf (2000)


Oma Rudolf kann nichts liegen sehen. Sie hat den unverständlichen Drang, alles aufzuräumen, wie sie es nennt. Dabei liegen Sachen nicht einfach herum, sondern sind nach einer ganz bestimmten Idee geordnet. Der Plastiktrecker im Wohnzimmer steht da, weil das Wohnzimmer der Acker ist und der muss gepflügt werden. Der Stoffhund ist eigentlich ein Pferd, das macht sich neben einem Acker immer gut. Der Brummkreisel ist eine Ballenpresse, und die braucht jeder Bauer, der sein Heu oder Stroh pressen will. Vor allem braucht er sie vor dem nächsten Regenschauer. Der Rollschuh ist ein Anhänger und die Buntstifte sind Weidezäune, alles Sachen die zu einer ordentlichen Landwirtschaft gehören. Dafür hat Oma Rudolf kein Verständnis. Sie räumt auf. Jeden Tag, jede Stunde. Nur weil sie mit im Haus wohnt und meint, alle müssten ihre Ordnung verstehen.
Und natürlich, weil sie irgendwann oder vor ein paar Tagen auf dem Anhänger ausgerutscht ist. Dabei hätte sie doch sehen müssen, dass das ein Rollschuh ist!

Günter Krass: Oberlehrer Kastenkopp unterrichtet (2000)


Oberlehrer Kastenkopp unterrichtet Jürgen und Bruno. Die beiden sind noch klein und Oberlehrer Kastenkopp gibt sich alle Mühe, sie zu ordentlichen Männern zu machen. Jungen weinen nicht, Jungen tragen keine roten Schuhe, Jungen haben die Hände an der Hosennaht, Jungen bügeln keine Taschentücher. Jungen sind schnell und widerstandsfähig, sie können gut turnen und sind wieselflink. Jungen sind stark und wissen sich immer zu helfen. Jungen sagen Mädchen, wo’s lang geht. „Helmut!“ brüllt es aus dem Fenster. „Ups“, sagt Oberlehrer Kastenkopp,“ meine Frau, was will die denn?“ „Helmut!“, brüllt es erneut. „Ja, Wilma!Was ist denn?“ Oberlehrer Kastenkopps Stimme klingt besorgt. „Helmut!“ Wilma Kastenkopp ruft nur „Helmut!“, nicht mehr. „Hm“, murmelt Oberlehrer Kastenkopp, „äh, Jungs, ich glaube, ich muss...“. Jürgen und Bruno sind verwundert. Eben hatten sie noch soviel lernen sollen. Jetzt musste Oberlehrer Kastenkopp. Was er musste, wussten die beiden aber nicht. „Jungen wissen immer, was Mädchen wollen, Jungs!“ sagte Oberlehrer Kastenkopp leise und rannte schnell ins Haus.