Gartengespräche


Moppel: Weißt du, dass du total hässlich aussiehst?
Ronni: Nö.
Moppel: Hässlicher, als alles, was ich kenne?
Ronni: Du siehst auch nicht gut aus.
Moppel: Vielleicht wächst du eines Tages zu.
Ronni: Wie jetzt?
Moppel: Na, dass die Büsche über dich drüber wuchern.
Ronni: Komisches Deutsch.
Moppel: Lenk nicht ab.
Ronni: Habe ich dir schon gesagt, dass du supertotal hässlich aussiehst. Selbst für eine hässliche Gartenfigur siehst du noch hässlicher aus.
Moppel: Das ist hart.
Ronni: Wenn's doch stimmt.
Moppel: Ich dachte, du bist mein Freund.
Ronni: Wie kommst du denn darauf?
Moppel: Nur so.
Ronni: Hässliche Gartenfiguren haben keine Freunde.
Moppel: Du aber auch nicht.
Ronni: Bist du denn nicht mein Freund?
Moppel: Jetzt sowieso nicht mehr.

Themen der Zeit: Verweiblichung des Kollegiums führt zu verstärkter Unruhe

Nimm an, du bist ein Mann; du arbeitest mit anderen Menschen zusammen, vielleicht 90, ein großer Teil hat immer aus Männern bestanden; dein Arbeitsleben verlief in ruhigen Bahnen. Eines Tages spürst du eine Unruhe, du horscht in dich hinein, findest keinen Grund für diese Nervosität, horchst nach außen und schreckst auf: Hochfrequentes Geschnatter prallt an dein Ohr; du empfindest Schmerz, als seiest du von 1000 spitzen Pfeilen getroffen. Du reißt die Arme über den Kopf, um dich zu schützen, du sackst wie an-, nein, wie abgeschossen auf deinen Büroschemel und würdest am liebsten losheulen. Niemand der Schnatternden hat dich bemerkt, deine tiefe Stimme hat zwar untergründig einen Bass gelegt, doch verstehen kann dich keine, will dich keine, will dich keiner. Frauen!, schießt es durch deinen Kopf und du wirst matt und mutlos. Frauen haben die Macht. Sie reden lauter, sie gestikulieren stärker und sie brauchen dich nicht. Frauen haben das Ruder in der Hand, mittlerweile nicht nur um gegen den Strom der Männlichkeit zu paddeln, sondern auch um die Richtung anzugeben. Der Schlagmann der alten Galeere hat sich ersäuft, weil sein Trommeln gegen das laute Gegacker keine Chance mehr hatte. Du denkst nach, was eigentlich deine Aufgabe ist; du hast es vergessen und niemand bemerkt das. Du fühlst dich überflüssig. Früher hast du solche Geräusche als Kaffeklatsch diffamiert, heute es ist die stärkste Waffe der Klatschenden. Du weiß, wenn du deine Gedanken äußerst, wirst du als Frauenfeind abgestempelt, vielleicht symbolisch geteert und gefedert, wirst Märtyrer wider Willen und ohne Strahlkraft. Aber eins bleibt dir im Herzen: Die Wahrheit ist manchmal einfach frauenfeindlich.

Doris Dressing: Umarmende alte Männer - Was ist los?

Die Menge denkt: Der ist verwirrt! Rennt hier herum; mit suchendem Blick irrt er durch den Raum, die Arme ausgestreckt, verlegen grinsend, was seine Menschenliebe, nein, seine besinnungslose, falsch, bedingungslose Liebe allen Wesen gegenüber signalisieren soll. Ich bin gekommen, euch zu drücken, euch zu lieben. Ihr sollt teilhaben an der großen Umarmung, ihr sollt euch geborgen fühlen, zu Hause, sollt eure Heimat in meinen Armen finden, kommt her zu mir, ich bin euer Engel, auch wenn meine Hülle anderes sagen will, schaut meinen Kern, schaut in mein Innerstes, schaut mein Licht, das ihr in meinem Lächeln sehen könnt.
Es stolpert fast durch den Raum, lacht, juchzt hochtönig, stickst der jungen Frau scherzhaft in den Rücken, sie dreht sich um, Weibchentyp, lacht, haha, freut sich über Zuwendung; der Emanzentyp hätte klar sexuelle Belästigung attestiert. Jetzt ein Opfer: Mandy, die Zweiundzwanzigjährige, er schließt sie in die Arme, drückt sie an die Fettschicht auf seinem Brustkorb, greift fest in ihren Rücken und herzt sie. Ja, es ist Herzen, absichtsloses Herzen! Der Emanzentyp unterstellt dem alten Mann Gedanken: Ah, festes, junges, frisches Fleisch, ja, und der Duft, dieser Duft nach Jugend, nach glatter Haut, nach festem Fleisch, das keck..... Der Emanzentyp denkt hässlich weiter, das Weibchen freut sich über Zuwendung. Rümpft dann doch die Nase, riecht das Alter unter dem teuren Deo, unter dem Spritzer Parfüm zuviel, will sich aus den Armen winden, doch die halten fest und genießen den Moment, so als wollten sie drücken und gleichzeitig ausdrücken: Festes Fleisch, das kann man, das muss man drücken.
Was ist los mit umarmenden alten Männern?
Mich hat er nicht gedrückt.

Kunst kann so hässlich sein

Kunst kann so hässlich sein
von Gottfried Wenn (2009)

Kaputter Rahmen, goldbepinselt,
selbst der Hofhund winselt
ob des Lilas mittendrin.
Tante Marvin trägt das ohne Sinn,
Verstand fehlt auch, Tobi ist ganz hin-
gerissen
alles Leben so beschissen
bis die Tante kam.
Das Volk kennt keine Scham
und schreit igittegitt,
wär's wenigstens Brigitt.
Dem Tobi fehlen Worte
und geheime Orte
um dort die Tante M zu treffen.
Ich hör den Hofhund kleffen.

Barbie und Ken wagen einen Ausritt

Ken: Du bist etwas kräftiger um die Taille geworden, Barbie.
Barbie: Das Pferd hat so eine schöne Mähne.
Ken: Du musst die Hacken tief halten und die Aduktoren anspannen.
Barbie: Ich glaube du spinnst.
Ken: Wie jetzt?
Barbie: Dass du mir so ein schönes Pferd gekauft hast.
Ken: Die Zügel tiefer, nicht am Maul zerren.
Barbie: Sag nicht Maul zu mir.
Ken. Ich habe nicht Maul zu dir gesagt.
Barbie: Was soll das Pferd denken?
Ken: Pferde denken nicht. Das hier ist sowieso aus Plastik.
Barbie: Ein Plastikpferd?
Ken: Plastikpferde sind immer aus Plastik.
Barbie: Aufregend.
Ken: Nicht an der Mähne festhalten
Barbie: Ich falle sonst runter.
Ken: Du musst das Gleichgewicht halten.
Barbie: Das scheuert aber so.
Ken: Hast du wieder deine Reithose nicht an?
Barbie: Wir haben auch gar keinen Sattel.
Ken: Und?
Barbie: Fahrrad fahre ich auch nicht ohne Sattel.
Ken: Das wär lustig.
Barbie: Ich hab doch gar kein Fahrrad.
Ken: Eben.
Barbie:Und wenn das Pferd durchgeht?
Ken: Ist eh nur gemietet.
Barbie: Was?
Ken: Du hast Speck angesetzt.
Barbie: Wo?
Ken: An der Taille.
Barbie: Lass mich gefälligst los!
Ken: Bitte. Wie du meinst.
Barbie (fällt vom Pferd): Iiiiieeeehhhhhk!
Ken: Hab ich doch gesagt!
Barbie: Gar nichts hast du gesagt.
Ken: Sag ich doch.
Barbie: Du bist blöd.
Ken: Du auch.
Barbie: Ich will nach Hause. DSDS fängt gleich an.

Günther Krass: Erinnerungen - Maggi war unsere Würze

Zu jedem Essen gehörte es dazu, diese leise Oinkoinkoink, das die Maggi-Flasche machte, wenn der Esser sie rhythmisch Richtung Teller bewegte, um dem Mahl den richtigen Geschmack zu verleihen. In Maggi setzte jeder Vertrauen, Maggi konnte das Geschmacklose auf ein hohes Niveau bringen, unvorstellbar, ein Gericht ohne Maggi gekocht zu haben. Maggi war ein Muss.
Heute runzelte der angebliche Feinschmecker die Stirn, wenn die Hausfrau eine Flasche Maggi in der Küche stehen hat oder gar mit an den Tisch bringt, an dem gegessen werden soll. Maggi ist wie Tütensuppe, etwas für Banausen, für Grobschmecker, für Leute, die immer noch Hühnersuppe kochen oder Buchstabensuppe aus der Pappschachtel. Der Gourmet würzt dezenter, möglichst ohne Salz, weil der Blutdruck zu hoch ist, mit erlesenen Kräutern, die das fehlende Salz kompensieren sollen. Steht der Teller dampfend und kaum gefüllt auf dem Tisch, dann trennen sich Spreu und Weizen. Der eine löffelt die Suppe in kleinen Portionen, schlürft unhörbar, um zu zeigen, dass er seine Geschmacksnerven reizen möchte, um das volle Aroma aus der Nahrung zu lutschen, schiebt immer wieder ein "Ah, lecker!", "Ah, wunderbar!" oder "Ah, exzellent!" dazwischen, blickt dabei zur Hausfrau und nickt anerkennend. Das ist der Weizen. Die Spreu schielt nach dem Salz und beginnt eine großsprecherische Rede über Kochen, vor allem über andere Gerichte, die gerade nicht auf dem Tisch stehen und wie gut diese bei richtiger Kompostion der Zutaten schmeckten. Ist er sich sicher, dass die Essgemeinde an seinen Lippen hängt und lauscht, greift er zum Salz und kräftig zucken seine Hände über dem Mahl, das er nicht einmal probiert hat. Eine Beleidigung für Koch oder Köchin, denn die Speise wird nicht nur gerügt, sondern ihren Herstellern attestiert, dass sie per se von richtigem Würzen nichts verstehen, so als sei das ein Charakterzug. Auf Maggi verzichtet die Spreu, weil es ein verräterisches Geräusch macht. Wir aber, die wir dieses Geräusch lieben, denken in Ehrfurcht und Liebe an die vielen Hühnersuppen mit Eierstich, die die Flaschenwürze in unserer Kinderzeit veredelt hat.

Resopal: Werkstoff der 60er


Doris Dressing: Werzalith (2009)
Nach all den Tagen
Werzalith
muss ich sagen
sind wir quitt
nach all den Wochen
mit dem blonden Jochen
muss ich sagen Werzalith
mit ist Schitt
nach all den Jahren
Werzalith
kann ich endlich meine Liebe mir bewahren
und ich weiß zum Schlusse: Nie zu dritt!

Vincent van Eijnoor: Weiße Wand

Dem Menschen, der nach Ruhe und Kontemplation sucht, hat Eijnoor hier direkt in die Seele gesprochen. Magisch angezogen wird der Betrachter von dem weißen Fleck (!) im unteren rechten Bildviertel, der einlädt, fast zwingt, auf ihm zu verweilen.
Mehr bildimmanenten Zwang zum besinnenden Rückzug im positiven Sinne kennt man bei keinem anderen Künstler.
(Das Objekt ist Teil des Hauses Goebenstr.16 in Minden und befindet sich an der Ostseite im zweiten Stock. Material: Außenwandfarbe Weiß auf Hauswand, 2004)

Gebiss

Der weise Mann sagt:
Beiß dir nicht die Zähne aus an Dingen, wo doch gar keine Zähne da sind.



Rolf und Dieter: Raucher

Rolf: Hast du wieder geraucht?
Dieter: Wieso das denn?
Rolf: Na, weil da eine Kippe liegt.
Dieter: Ich habe noch nie geraucht.
Rolf: Wieso liegt dann da eine Kippe?
Dieter: Keine Ahnung.
Rolf: Komm, sag schon. Mir kannst du das doch erzählen.
Dieter: Ich habe nichts zu erzählen.
Rolf: Das ist mal wieder typisch.
Dieter: Was ist typisch.
Rolf: Mit Rauchen ein Problem haben, aber nicht darüber reden wollen.
Dieter: Du hast ein Problem mit Rauchen.
Rolf: Wie kommst du denn darauf? Ich rauch doch gar nicht.
Dieter: Ich auch nicht.
Rolf: Woher kommt dann die Kippe?
Dieter: Keine Ahnung.
Rolf: Dann tu die wenigstens in den Mülleimer.
Dieter: Wieso ich?
Rolf: Weil die nicht von mir ist. Die kann dann nur von dir sein.
Dieter: Wieso das denn?
Rolf: Hier ist sonst keiner.
Dieter: Das ist kein Beweis.
Rolf: Hauch mich mal an!
Dieter: Ich glaube, es geht los.
Rolf: Na also, da haben wir doch den Beweis. Du hast geraucht, willst nicht darüber sprechen und anhauchen willst du mich auch nicht.
Dieter: Ich hab Mundgeruch.
Rolf: Sag dich doch, alter Dickschädel.

Finanzkrise und Gegenmaßnahmen

Mitleidige Bürger haben ihres Postens und ihres Geldes entledigte Banker mit Spenden bedacht. Küchengeräte, die sie selber nicht mehr brauchen und die sie vielleicht vor vielen Jahren mal von den Zinsen ihrer Sparguthaben oder mit den Dividenden ihrer Aktien bezahlt haben, sollen nun den Mittellosen zugeführt werden. So kerht der gewinn zurück an den Ursprung. Ein Kühlschrank gehört fasst überall zum Angebot, sinnbildlich wollen die Menschen sagen: Auch wenn es dir dreckig geht, immer kühlen Kopf bewahren! Und wo es ein Kühlschrank nicht schafft, steht ein zweiter bereit, der zu flüstern scheint: Cool sein, cool bleiben. Nichts anmerken lassen. Der Bürger ist doof und kriegt sowieso nichts mit!
Der Bürger selbst hat sich eine Spüle für den Notfall hingestellt, wenn er einen Banker trifft, der gerade sein überhitztes Brokergemüt entwärmen möchte, um zusammen mit seiner Lederaktentasche und seinem Schlips ein Vorstellungsgesprächvorzubereiten und anzugehen. Der so Verschreckte dreht einfach die Nirostaschalen mit Spülwasserablauf um, und kann seinen Mageninhalt, der ihm bei Angesichtigwerdung des ÜBELtäters emposchießt, kontrolliert zu Boden bringen.
Der gesunde Menschenverstand versteckt sein Geld wieder im Sparstrumpf unter der Matratze oder im Wäschefach im Schlafzimmerschrank.

Das will keiner: Weihnachtssymbole im Mai

Mit Weihnachtssymbolen kann man im Mai Menschen verärgern, die auf dicke Spargelmännchen aus aufgepumpter Plastikfolie eingestellt sind. Denn der Weihnachtsschmuck löst überhaupt nicht das aus, was er soll, nicht Liebe, Hoffnung, Erwartungsfreude auf Geschenke und einen guten Tropefen, den man endlich in großen Menagen und ohne schlechtes Gewissen konsumieren darf, nein, es ist eher die Verdauungstörung, der Familienstreit, der abgebrannte Baum und der beim Glatteis gebrochene Oberschenkel, der von Symbolen ausgelöst wird, die nicht in die Jahreszeit passen. Alles zu seiner Zeit, sagt schon der Volksmund. Wie man Weihnachten keinen Spargel isst und Muscheln nicht in Monaten ohne r oder mit r- die meisten vergessen das ohnehin- so kann man nicht illuminierbare Weihnachtssterne aus künstlichem Tannengrün an Bushaltestelle aufhängen. Das macht aggressiv und bereitet cholerische Anfälle für den August vor, wenn schon die ersten Weihnachtsmänner aus den Regalen grinsen und Erinnerungen an Verdauungstörungen, Streit und Suff freirütteln. Damit reicht es dann, aber das nächste Fest steht schon wieder vor der Tür. Wie aber sollen die Menschen sich auf die frohen Botschaften einschwingen, wenn die alten noch übel aufstoßen? Also: Vorsicht mit unbedachter Dekoration. Das Volk allgemein ist sensibel und nicht unendlich belastbar.

Rolf und Dieter: Stonehenge

Rolf: Stonehenge habe ich mir anders vorgestellt.
Dieter: Wieso Stonehenge?
Rolf: Na, da, wo so Steinplatten aufeinandergestapelt sind. Wo keiner weiß, wer das gemacht hat und warum....
Dieter: Das ist nicht Stonehenge.
Rolf: Jetzt sehe ich es auch.
Dieter: Was willst du eigentlich sagen?
Rolf: Na ja, immer tust du so, als ob wir irgendetwas Berühmtes besichtigen und dann ist es das gar nicht.
Dieter: Das sind eindeutig die Tonfiguren aus dem VHS-Töpferkurs von letzter Woche. Torsten, Helmut und Wolfgang.
Rolf: Ich finde, die sahen anders aus.
Dieter: Na, das sind doch Tonfiguren.
Rolf: Viel zu lange Arme haben die doch, die hätten wirklich Spurrillen neben sich, wenn die die Straße entlanggingen....
Dieter: Die haben sich selber getöpfert. Vielleicht auch aus Lehm.
Rolf: Ja, fürs Leben reicht's wieder nicht und für den Tod auch nicht.
Dieter: Wirst du jetzt sentimental?
Rolf: Was soll das denn heißen?
Dieter: Dass du wieder komisch wirst.
Rolf: Ich kann nicht darüber lachen.
Dieter: Wer von den dreien ist eigentlich Helmut?
Rolf: Der mit den langen Armen.
Dieter: Witzig.
Rolf: Eben. Werd mal nicht komisch.
Dieter: Sag ich doch.
Rolf: Eigentlich bin ich ein Engel. Genau. Ein Engel, der seine Flügel am Kopf trägt.
Dieter: Das sind deine Ohren.
Rolf: Ich bin ein Engel.
Dieter(schnaubt und zeigt): Aber mit sonem Rüssel.
Rolf: Na, und?
Dieter: Wo liegt eigentlich Stonehenge?

Kleiner machen, Leute!

Was ein kleines, farbiges Objekt in die graue Welt des Alltags bringen kann, das zeigt hier das "Gerdwin Compendium".
Wer mehr wissen will, klickt hier:
THE GERDWIN COMPENDIUM

Endreimlyrik:Georg Krakl - Zu kurz

Zu kurz

Das eine seiner Beine war zu kurz.
Es sah so aus, als tät er hinken.
Die Arme schlaff und schlackernd. Als wäre er am Winken,
so wirkte es. Es war ihm schnurz.

Plattenbesprechung: Mallet - Du gib mir dein Geld

Du gib mir dein Geld!
Sind hundert Euro, hab schon nachgezählt.
Wenn mir ein jeder auf der Welt
nur hundert Euro gibt, dann bin ich reich wie Ackermann,
dann bin ich reich wie Ackermann, oh yeah...

Auf den ersten Horch denkt der Hörer: Hallo, was ist das denn? Wer ist denn hier von seinen Medikamenten abgesetzt worden? Wer versucht hier in Musik zu kompensieren? Die klassischen Komponisten und alle Protagonisten von Rock, Blues und Liedern aus dem Alpenvorland müssten sich im Grabe umdrehen, dränge nur eine Schallwelle an ihre verschütteten Ohren.
Eine penetrante Kalimbatonfolge, durch Verzerrer, Kompressor und Chorus gedreht, soll den Konsumenten wohl in eine meditative Stimmung versenken; eher wird das Nervenkostüm auf eine Belastungsprobe gestellt, wenn das scheppernde Instrument aus Afrika die handgeschmiedeten Klangnägel ächzen lässt. Abgeschlagen im Hintergrund eine Stimme, die Wehmut ausdrücken will, und resigniert, aber recht schief, eine schlichte Melodie intoniert. Auch hier wohl mehrere Effektgeräte im Einsatz, die es aber nicht schaffen, den Tönen mehr Präsenz zu verleihen.
Komponist und Interpret Mallet hat hier eine Art deutschen Ethno-Schlager entwickelt, der eigentlich ein Widerspruch in sich ist; vielleicht ist diese Komponente das, was zum Nachdenken anregen soll, das, was provozieren soll.
Ob das beabsichtigt ist, lässt der dürftige Text, in dem man weder Strophe noch Kehrreim identifizieren kann, offen.Um als Schlager durchzugehen, fehlt dem Lied doch das Gechliffene, das Glatte, die Geradlinigkeit. Das „oh, yeah“ am Ende hebt den Eindruck von Schlager sowieso wieder auf, und der Hörer bleibt verunsichert zurück. Nur das Gejammere der Kalimba wirbt für das Etikett „Ethno“.
Eins aber ist sicher: Das Stück kann man sich schenken. Ethno kann jeder zu Hause mit der Handkurbelkaffeemühle spielen, und deutsche Schlager sind sowieso in jedem Plattenschrank. Und den kann man ja mal wieder öffnen und die Nadel eine gute, schwarze Rille durchpflügen lassen.

Neues in der Welt der Musik: Mallet - Du gib mir dein Geld

Eine Plattenbesprechung folgt morgen.

Früh übt sich: Die Konkurrenz schläft nicht

Die Konkurrenz schläft nicht, das haben jetzt auch Kinderspielzeughersteller erkannt und geben Tretmobile heraus, die den Anschein erwecken, als könnte man mit ihnen in der Gegend herumfahren und selbständig lenken. Herumfahren ist zwar möglich, aber nicht allein. Jedes Mobil ist gekoppelt an ein anderes, das allerdings ein Stückchen vorauseilt. Egal, wie groß die Strampelbemühungen von Kevin sind, er wird den Gegner nicht einholen; er weiß nicht mal, dass er für den Gegner mittritt. Immer wieder wird das Autofahren in Modellen reizen und motivieren, immer wieder wird Kevin antreten, um endlich sein Erfvolgserlebnis zu haben. Bekommen wird er es nie.
Das Modell des Doppeltretmobils hat großen Anklang in der Industrie gefunden. Man kann, so die Meinung einschlägiger Arbeitgeberkreisen, nicht früh genug beginnen, auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Und da sei es so, dass die einen arbeiteten und die anderen arbeiten ließen. Das würde zwar niemand laut sagen, aber ein Spielzeug wie das Doppeltretmobil habe doch auch eine Vorgeschichte. Im Unterbewusstsein sei das Wissen verankert, dass es eine Oberklasse und eine Unterklasse gebe, warum nicht in diese Richtung schulen? Gegen das Unterbewusstsein solle man sich nicht wehren, das habe schon Psychoanalytiker Freud gesagt. Das Schulministerium will unter Federführung der blonden Frau Sommer dafür sorgen, dass verbindliche Empfehlungen des Hausarztes und des angegliederten Sachbearbeiters im Sozialamt die Zuordnung der Kinder vornehmen. Kevin bleibt also im zurückliegenden Auto, da kann er strampeln was er will, denn seine Eltern sind auf die finanzielle Hilfestellung des Staates angewiesen.

The Gerdwin Compendium

Jetzt anklicken: www.gerdwin.de

Hässliche Tierattrappen beleidigen das Auge

Eigentlich sind die Tierfiguren, die in den Vorgärten verschiedener Hausbesitzer baumeln, schon an sich eine Beleidigung. Wo gepflegt geschnittenes Grün regieren sollte, da hängt eine lieblos zusammengetackerte Puppe, die entfernt nach Tier aussieht, etwa nach einer Art Storch, der eine ungeschickte Laubsägearbeit als Kopf zeigt, an den ein Sack aus Plastik gehängt ist, der sich leicht bläht. Was der Bastler mit diesem Monstrum genetischer Fehlentwicklungen ausdrücken will, bleibt im Dunkeln. Freude spendet dieses Etwas nicht; das Auge blickt beleidigt und fast gedemütigt zu Boden. So viel Hässlichkeit ist kaum zu ertragen. Geht man einen Schritt weiter im Denken, kommt man schnell auf eine andere Botschaft, die alle kinderlosen Menschen mit dem Wunsch nach Nachwuchs aufschreien lassen muss. Der Klapperstorch war seit jeher Sinnbild für das Baby, den Säugling, den Sohn oder die Tochter. Der Klapperstorch zog das Kind nach einer irgendwie ungeschlechtlichen Zeugung aus einem See, um sie den zukünftigen Eltern vor das Fenster zu legen. Als Gebühr biss er der Mutter ins Bein, weshalb sie eine Woche im sogenannten Wochenbett liegen musste. Dass man den Menschen solchen Schwachsinn immer noch klar machen will, ist nicht mehr zeitgemäß. Der eigentliche Reibungspunkt ist aber der Sack am Kopf des Langschnäblers. Jedem Mann mit Kinderwunsch wird hier drastisch vor Augen geführt, woran das Nachwuschsvorhaben gescheitert ist: Im Beutel ist nichts als Luft.
Ein Verbot hässlicher Gartendekoration ist dringend erforderlich!

Die Wissenschaft hat festgestellt: Realismus

Jetzt ist es bewiesen: Es gibt ihn, den real existierenden Realismus.

Endreimlyrik: Hermann Döns - Schorf

Schorf
So wie der Torfstecher hebt den Torf,
so tat sein Fingernagel mit dem Schorf
auf seinem Unterarm.
Das Blut quoll rot und warm.
"Geronnen Blut kann ich wie Rotwurst gut verdauen,
auch ohne groß zu kauen",
und dachte weiter, "lieber mir den Bauch verrenken,
als dem Leben was zu schenken.

Sollten schlechte Zeiten kommen,
dächt' ich: Hättste bloß vom Schorf genommen!"

Aus: Papenburg-Elegie 2009

Endreimlyrik: Hermann Döns - Afrika (Antirassistisch)

Afrika
Chorgesänge
von 8 Dilettanten vorgetragen
ziehen sich oft in die Länge
penetrant in hohen Lagen
unerträglich in den Tiefen.
Melodien,
die aus dem Ruder liefen.
Rhythmen aus dem trägen Wien.
Ihr Soprane, seid jetzt still!
Singt nicht mehr so schrill!
Auch Bassisten schweigen mal!
Das klingt doch nach Negerkral!
Die Bassisten: Ruhe jetzt,
weil das Afrika verletzt!

Aus: Papenburg-Elegie (2009)

Endlreimlyrik:Hermann Döns - Der Schmied (2009)

Der Schmied
Die Dämme'rung dämmert
und der Schmied haut wie behämmert
auf sein kaltes Eisen.
Er will beweisen,
dass man aus einer Pflugschar Schwerter machen kann.
Vielleicht auch einen Skilift oder ein, zwei Starkbierhumpen,
oder eine Büste von Klaus Mann.
Auf jeden Fall zwei Eisenklumpen.

Es ist längst Nacht, niemand will wachen,
als Schmied und Hammer und ihr Eisen Feierabend machen.
Letztendlich konnt' der Mann beweisen:
Aus kaltem Eisen formt man kaltes Eisen.

Aus: Papenburg-Elegie 2009

Auch Erwachsene sollen Versteckspielen trainieren

Nicht nur Kindern kann man heute vorwerfen, sie ernährten sich nur von Chips und Fernsehen und seien deshalb überwichtig, auch Erwachsene dürften nicht besser dran sein. Gerade Spiele wie Verstecken, Kriegen, Packen und Hinkelpiss scheitern heute an den körperlichen Möglichkeiten der Spielenden. Gerade Sachbearbeiter in den städtischen Behörden haben aufgrund monotoner und bewegungsarmer Arbeit sinnvolle Ablenkung mit dem ganzen Körper in den Mittagspausen besonders nötig.
Versteckspielen wird von der Bundesgesundheitsministerin besonders hervorgehoben und soll im Rahmen des Vorschulunterrichts und von Fördermaßnahmen sowohl in der Grund- als auch in den weiterführenden Schulen trainiert werden. Im Erwachsenenalter ist es oft zu spät; unbestritten sind die ungeheueren Möglichkeiten des Spiels: Körperliches Geschick( Wie komme ich in die Regentonne oder durch das Kellerfenster?) paart sich mit Kreativität (Welche Ausrede habe ich, wenn ich zu schnell gefunden werde?), vereint sich ferner mit Konzentrationschulung (Wie hieß die Tusse aus Zimmer 47 noch?) und dem Aufbau sozialer Kompetenzen (Ich lass mal was sehen, sonst finden die Idioten mich nie, oder sitzen wieder die ganze Zeit in der Eisdiele und beobachten, wie ich hinter den Betonklötzen kauere und den Tschiboshop im Auge behalte, wo sie sonst immer hocken, weil sie zu faul sind wirklich zu suchen.) Zum Versteckspielen gehört aber auch die Möglichkeit, einen Gegenstand zu finden, der größer ist als man selber, damit dieser einen auch verdecken kann. Das will nicht immer gelingen, wenn man nur eine halbe Stunde Pause hat. Man darf die Schuld aber nicht den Gegenständen geben, denn die sind wie sie sind. Oft wollen die Leute gefunden werden, weil sie sich sonst allein fühlen. Dann aber ist es besonders bitter, wenn niemand einen sucht und daher auch nicht findet.

Als einmal die Queen in Weserstadt war.....

Herr Gerd: Herr Win! Da unten steht die Queen...
Herr Win: Herr Gerd, jetzt runtergeh'n, das ist's nicht wert.
Herr Gerd: Ach, ich dachte, einmal nur der Queen die Hand zu schütteln, das wär nett.
Herr Win: Wir wollen nicht Prinzipien rütteln.
Obwohl, sie ist adrett.
Herr Gerd: Ja, eben! Und....einmal im Leben jener Queen die Hand zu geben?
Herr Win: Ich sag noch mal, Prinzip geht vor.
Herr Gerd: Ok. Vielleicht noch mal im Chor?
Die Herren Win und Gerd gemeinsam: Prinzip geht vor!

Zwei Zwergelefanten auf dem Weg in die Südsee

Die Zwergelefanten Rolf und Dieter stehen auf einer Metalllampe in einem Vorgarten kurz hinter Osnabrück.
Rolf:Ich dachte, wir wollten in die Südsee...
Dieter: Ja, gut, das hatten wir gesagt.
Rolf: Das sieht hier aber nicht so aus wie in der Südsee.
Dieter: Woher weißt du denn, wie es in der Südsee aussieht?
Rolf: Weiß man eben.
Dieter: Wer ist man?
Rolf: Südsee sieht anders aus.
Dieter: Vielleicht brauchen wir noch ein Weilchen.
Rolf: Die Landschaft ändert sich aber seit Stunden nicht.
Dieter: Sagt man eigentlich an der Südsee oder in der Südsee?
Rolf: Keine Ahnung. Auf jeden Fall soll es da warm sein.
Dieter: Man sagt auf jeden Fall an der Nordsee.
Rolf. Weißer Sand und Palmen sollen da sein.
Dieter: Weil in der Nordsee, dann wäre man ja drin, das wäre nicht schön, vor allem wenn man Urlaub machen will.
Rolf: Das hier ist kein Strand, das eher Metall. Metallböden in der Südsee, das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Dieter: Wo, sagtest du, läge die Südsee?
Rolf: Ich habe gar nichts gesagt, du hast gesagt, wir gehen jetzt in die Südsee und ich sollte einfach hinterher laufen.
Dieter: Weiß ich gar nicht mehr.
Rolf: Nach Südsee sieht das hier nicht aus. Zu viel Metall.
Dieter: Wir können ja noch ein Stück gehen, da muss irgendwann der Strand kommen.
Rolf: Zwischendurch kommt es mir vor, als wenn wir im Kreis laufen.
Dieter: Glaub ich nicht.
Rolf: Ich schon.
Dieter: Schweigeminute ab 3!....1, 2, ...3!
Rolf: ---

Endreimlyrik: Hermann Döns - Böses Kind

Böses Kind
Mutti, Vati, ich möchte ein Hautier, ein eigenes Hautier!
Die Eltern erschrocken, die Tochter macht Fehler beim Sprechen!
Zum Logopäden geschwind, sonst wäre die Zukunft verbaut ihr.
Zum Fachmann zu gehen, das Kind will’s versprechen.
Gesetzt, dass die Eltern ein Hautier besorgen, vielleicht einen Hund,
vielleicht eine Katze, Kaninchen, Agame.
Egal sei der Name,
nur ein Hautier soll’s sein.
Gekauft wird ein Hund. Nachdem er verdroschen
spricht das Kind: Ich hab nichts versproschen.
Ihr könnt nur nicht hören.
Geht! Wascht euch die Öhren!

Schweinedenkmal in deutscher Kleinstadt

Der Tourist und Besucher der Kleinstadt erwartet ein angenehmes Ambiente, milde Temperaturen, freundliche Menschen und Bürgersteige, auf denen Hunde nicht ihre Geschäft erledigt haben. Das Kleinstädtische wollte und sollte immer Richtschnur sein für das Denken, das Fühlen und das Handeln der Menschheit. Wo es dir in der Kleinstadt gutgeht, da geht es auch der ganzen Welt gut! Dieser eher kryptisch anmutende Satz galt lange Zeit als Imperativ: Lass es dir gutgehen in der Kleinstadt, dann geht es auch der Welt gut. Dieser Trugschluss veranlasste viele Menschen, in die Kleinstädte zu ziehen und so entstanden die Großstädte, in denen aber das Unheil wie Natternbrut an den Brückenpfeiler und Häuserwänden hochzüngelte und an der Unschuld der Menschen leckte, um es mit seinem giftigen Odem zu verderben. Die Dörfer schwollen aufgrund nachfolgender Landflucht zu Kleinstädten heran und verödeten zu Brachen und Fußballplätzen. Erst mit aufkommender Überbevölkerung konnten sie ihre alte Aufgabe, die Beherbergung der Großfamilie, die in den Großstädten als asozial gilt, übernehmen.
Die Menschen in der Kleinstadt aber waren enttäuscht, dass sie plötzlich in Großstädten lebten und die ehemaligen Dörfler, die jetzt Kleinstädter waren, erregten sich ebenfalls und lösten die Großfamilien auf. "Schweinerei! Große Schweinerei ist das!", brüllten sie und ließen vor Wut sogar den unbestimmten Artikel weg. Da sie aber keinem die Schuld geben konnten an der Entwicklung, höchstens vielleicht sich selbst, setzten sie der Schweinerei ein Denkmal. Die Touristen und Besucher aber ergötzen sich an den poussierlichen Borstentieren, die aus Stein sind und keinerlei Dreck auf den Gehwegen verursachen. "Schau mal da, wie süß", sagt die Oma dem Knirps," daraus werden in Echt die Bratwürste und das Mett gemacht." Beim Zurücktreten, um das Denkmal besser betrachten zu können, tritt sie in die Hinterlassenschaft eines magenerkrankten Boxerrüden. "Verdammte Hunde, wollt ihr ewig leben?", zischt sie zornig vor sich hin und zerrt den Knirps aus der Gefahrenzone.
Die Kleinstadt jedoch ruht wieder in sich, in ihrem freundlichen Ambiente und mit ihren ebenso freundlichen Bürgern, die vom Tanz in den Mai 2010 träumen. Aber bis dahin ist ja noch lang.

Diskriminierung: Roter Mann

Der rote Mann wird nach wie vor diskriminiert. Wohl hatte ihn der weiße Amerikaner nach Entdeckung des Reservats in dieses überführt, aber als in diesem unfruchtbaren Land Öl gefunden wurde, hatte der Ureinwohner auch dort keinen Platz mehr. In einem nicht mal gegenseitigen Wirtschaftsabkommen und mit dem Versprechen, Deutschland nicht in einen atomaren Panzergraben zu verwandeln, falls der Russe oder noch wahrscheinlicher, der Chinese, gegen Westen rückt, wurden die roten Männer auf deutsche Städte verteilt, wo sie unauffällig unter das Volk gemischt werden sollen, bzw. als Deko an Textilbekleidungsgeschäften und In-Kneipen, die auch alkoholische Getränke verkaufen, drapiert werden. Als Erinnerung an seine einstige Wehrhaftigkeit, als er noch auf einem Appaloosa mit dem Bogen in der Hand über die Prärie galoppierte, wird jedem der sogenannten Eingeborenen eine rotgefärbte Stange beigefügt, die dem Betrachter sagt: Auch wenn der rote Mann nackt ist, weil ihn der Amerikaner all seiner Güter beraubt hat, so hat er doch eine rote Stange, mit der er dir schnell eins überziehen kann. Also, habe Respekt und fixiere den Menschen nicht, starre nicht auf die Sitzfläche des Stuhls und suche nicht nach protzigem Federschmuck. Mach dir lieber ein Schild, auf dem steht: Wo ein roter Mann ist, da muss auch ein schwarzer her, und ein weißer und ein gelber, denn wir wollen eine bunte Gesellschaft sein! Dann marschiere mit diesem Schild durch Ibbenbüren, weil man irgendwo anfangen muss.

Versteckte Botschaften in Gedichten: Nicht Kern, sondern Zen

Nicht Kern, sondern Zen
Nicht kleckern,
sondern klotzen.
Nicht keckern,
sondern kotzen.
Nicht eckern,
sondern otzen.
Nicht ckern,
sondern Tzen.
Nicht Kern,
sondern Zen.

Hermann Döns (2009)
Genial, wie der Leser von Döns allmählich von der schlichten Aussage, die letztlich nur Redensart und Volksratschlag ist(kleckern/kLotzen), über das Tierreich(keckern) zur archaischen Verdauungsverweigerung (kotzen), über Neologismen(eckern/otzen) zu dadastischer Form(ckern/tzen), vom Verb alsdann zum Substantiv, gleichbedeutend mit der Menschheitsgeschichte, vom westlichen Volksempfinden ([Pudels] Kern) zur östlichen Philosophie (Zen) geführt wird. Wo hat man je mehr mit weniger Worten ausgedrückt?

Endreimlyrik: Georg Krakl - Primel (Frühling 99)

Das hat niemand so gewollt,
dass die Primel schmollt.
Was hat sie denn nur vergrämt?
Wer denn nur hat sie beschämt?
Hat man sie entblättert?
Oder gar beklettert?
Hat man sie beleidigt?
Oder nicht genug verteidigt?
Viel zu viel gegossen?
Ihren Liebsten just erschossen?
Trat man ihr das zarte Blatt
einfach platt?
Quetschte ihre seid'nen Blüten
wie gebrauchte Brötchentüten?
Was ist denn passiert?
Hat man sie püriert?
Mit dem Rasenmähgerät kupiert?
Massakriert?
Opariert?
Omariert?
Ach, hier hör ich lieber auf.
Primel, Primel, schmollst ja immer noch!
Haue mit dem Spaten drauf,
schmeiß sie in ein Loch,
das ich grade ausgehoben.
Zu- ist besser noch als aufgeschoben.
Primel, Primel! Musst nicht grollen.
Das hat dir jetzt nichts gebracht: Zu schmollen.
(Foto: Keine Primel)

Sich zeigen in der Kleinstadt

Die Stadt lebt; es ist ein Samstagmorgen der sonnigen Art: Hallo, allerseits,hallo,hi, Robbi, da bin ich, hier ist die Tanja, das ist meine Gefährtin, nein, wir sind nicht verheiratet, aber wir leben zusammen, heiraten ist was für Kleinkarierte. Ragazza! Eine Latte, due Espressi, ach, Sie sind Deutsche, macht nichts, dasselbe für uns, und Wasser dazu. Hallo Tom, ja du, wir hatten eine schweren Nacht, neinnein, das Übliche, und wie ist es mit euch?, hey, Richard, ja du, genau, toller Tag, ja, hier rumsitzen und gucken, das ist wie Kino, ups, habe gar kein Geld dabei, Ricardo, schreibst du's auf?, kein Problem?, danke, ich les da gerade ein tolles Buch, ja, Tanja ich weiß, es ist eigentlich deins, wissenschaftlich, über deutschen Wahnwitz, von damals bis heute, historischer Abriss, nein, für mich keine Latte, hier bitte, ich nehm die due Espressi, hallo Karl, mussmuss, ruf mal an, Paul, ach du, Rita, ja, setzt euch, keine Zeit, ja wir müssen auch gleich, Spargel, ja ist Saison, heute werden wir mal den grünen probieren, lecker, mit Parmaschinken, ach nee, Bündner Fleisch, das ist mir zu pappig, der deutsche Wahnwitz, selbst Hitler soll ihn besessen haben, deswegen war er Wagnerfan, Wotan und Wahnwitz, muss man gelesen haben, spannend, fast wie ein Roman, Ragzza! Pagare! Hallo? Man sagt nicht pagare? L'additione? Das versteht hier doch keiner, die sind doch alle deutsch, Ragazza, pagare! Subito! Prego, man will ja höflich bleiben, haha. Tschau denn, ja, demnächst, man sieht sich. Falls man nicht erblindet. Scherz.

Depressive Gärten

Ein Garten sollte fröhlich sein, sollte Lebensfreude versprühen, sollte Wachstum signalisieren, sollte Fruchtbarkeit verdeutlichen. Dann stellt ein Gartenbesitzer, der sowieso einen ungepflegten Garten sein eigen nennt, Figuren in die Beete, die eine tiefe Depression auf den Betrachter laden. Der Spaziergänger, der sich zum Hobby gemacht hat, die Nachbargärten in regelmäßigen Abständen zu inspizieren, wird unendlich traurig; die Tränen stehen ihm in den Augen und er schafft es kaum, sich nach Hause zu schleppen. Fast gefangen genommen ist er von skurrilen Figuren, die den guten deutschen Gartenzwerg ersetzen wollen, weil der vielleicht sein fröhliches Lachen und seine frohen Farben benutzt, um die Menschen glücklich zu machen. Depressive Gesichter, depressive Körperhaltung - der Betrachter kann nur in die melancholische Nachdenklichkeit abgleiten und das eigene Leben inklusive Garten in Frage stellen. Das ist nicht gut. Weg mit diesen jämmerlichen Figuren. Niemand weiß, was sie uns sagen wollen. Sie sehen aus wie missratene Versuche, eine Figur in Ton zu formen, in einem VHS-Töpferkurs für Linkshänder, dann aber micht Rechts geformt, entstanden. Der normale Bürger wünscht sich nicht solche Kurse, da tut es doch ein Makramee-Angebot, in dem Blumenampeln hergestellt werden, die schöne Duftgeranien beherbergen könnten. Was tun, wenn die Gartenbesitzer ihr Recht auf Privatsphäre und Eigentum einklagen? Da hilft kein Flechtzaun, denn der ist die Potenzierung der Depression und macht wirklich aggressiv. Ein wenig Feinfühligkeit, ein bisschen Mitdenken, eine kleine Portion Mitmenschlichkeit in diesen Zeitgenossen würden doch verdeutlichen, dass hier nicht nur das Auge, nein, die Seele des Menschen beleidigt wird. Haben unsere Schulen mal wieder versagt?

Frisch aus dem Reimlexikon: Befindlichkeit

Befindlich
Heut bin ich so befindlich
und Rosa macht auf kindlich.
Sie kuschelt nur für sich in ihrem Nerz.
Mich quält ganz tief Beziehungsschmerz.
Theodor Spontane (2009)

Gespräche in den Kühlschrank: Teewurst

Wenn du da bist, und ich sehe die Teewurst im Kühlschrank, denke ich: O, eine Teewurst! Es ist nicht meine Teewurst, denn ich bin Vegetarier und esse im Leben keine Teewurst. Ob die wohl noch gut ist? Die liegt doch schon länger da. Heute hat sie eine Kappe aus Alufolie, damit sie sich nicht verfärbt oder an den Rändern hart wird. Wie lange hält wohl so eine Teewurst, nachdem sie angeschnitten wurde? Ob sie wohl länger hält, wenn man ihr eine Kappe aus Alufolie aufsteckt? Ach, da steht ja noch das alte Glas Gurken, es ist fast leer, aber es hat sich unbemerkt in die letzte Reihe geschoben. Auch nicht mein Glas, aber du hast ja schon ein neues aufgemacht, das steht in der zweiten Reihe. Gurken halten sich geöffnet sehr lange. Länger als Teewurst auf jeden Fall.
Wenn du nicht da bist, denke ich: Ach, die Teewurst. Ach, du bist ja gar nicht da. Wann kommst du? Gut, dass die Teewurst im Kühlschrank liegt. Als wäre es ein Stück von dir. Auch wenn sie an den Kanten schon ein wenig hart ist. Da, das Glas Gurken. Ach ja, das andere auch. Ihr drei seid da, wie schön. Ihr lächelt mich an, so, wie es Teewürsten und Gurkengläsern möglich ist und flüstert: Sie kommt zurück. Ich ,die alte Teewurst, und wir, die alten Gurkengläser, sind doch noch da. Niemals würde sie ohne uns gehen. Niemals. Dann bin ich froh.

Abgerissene Puppenköpfe?

"Den Kindern zur Warnung, den Nachbarn zur Freude: Lasst euch gesagt sein, dass niemand, nicht Mensch, nicht Kind, nicht Hund, nicht sonstiges Getier diesen Rasen betritt, die gute englische Parkmischung, die ich jährlich mehrfach vertikutiere, regelmäßig auf gleiche Länge stutze, über dessen Qualität jeder Golfplatzgreenpfleger in Tränen ausbrechen würden, weil er diesen Standard nicht erreicht! Also, Füße weg aus diesem Garten, und schon gar nicht durch die Beete getrampelt, wenn die grüne Fläche tabu ist! Euch zur Mahnung liegen diese Puppenköpfe scheinbar friedlich in weichem Moos." Diesen Text würde mancher bei flüchtigem Hinsehen auf einem Verbotschild an der Grundstücksgrenze eines Vorstadtreihenhauses vermuten. Der Kenner blickt tiefer: Wer sich die Umgebung der Puppenköpfe genauer ansieht, wird feststellen, dass hier kein Hobbygärtner wohnt, der abends auf seinem Rasen liegt und ihn liebevoll streichelt. Dieser Garten ist verschlampt. Moos ist der Feind jeder ordentlichen Gartenanlage. Gestrüpp und Totholz ebenso. Reste von Rindenmulch deuten darauf hin, dass der Gartenbesitzer zu faul war, Unkraut zu jäten und fein zu harken. Selbst den Rindenmulch zu erneuern, war er zu bequem. Da sind abgerissene Puppenköpfe nur Anzeichen für ein Endlager für Hausmüll. Dem wirklichen Gärtner dreht sich der Magen um.

Dichters Hilferuf: Reim gesucht

Hallo!
Ich suche Reime auf
Fön
und Geburtstagstafel bei Kerzenschein.
Wer kann mir helfen?
Georg Krakl

Günter Krass: Erinnerungen - Café Stumpff

Samstags saßen wir als pubertierende Schüler, die gern nach Mädchen schielten und sich nach dem ersten Kuss sehnten, im CafÉ Stumpff und ließen uns von oben herab bedienen. Der Ober schaute in eine andere Richtung, wenn er unsere Kleinbestellung aufnahm und genauso servierte er das Bestellte. Der Laden war brechend voll, jedermann wunderte sich, warum so viele Stühle in dieem Café standen, sodass bis zu acht Personen an einem Vierertisch sitzen konnten. Warum wir denn wirklich hier saßen, wussten wir nicht; wir saßen, weil es die anderen taten, es glich einem Ritual, das keiner mehr hinterfragte. Samsatag bei Stampff, das war Gesetz, ungeschrieben, aber eingebrannt in unsere Herzen. Wir taten immer lässig, weil wir wussten, dass die anderen auch nur hier waren, weil wir hier waren, weil der Laden voll sein musste, weil hier kein Platz mehr sein sollte für etablierte Anzugträger, kein Platz für Greise und Frühergraute, nicht für Eltern, nicht für Lehrer, nicht für Leute über dreißig. Establishment bleib uns vom Hals! So taten wir und lehnten gelangweilt und existentialistisch in den Sitzmöbeln, rauchten, was das Zeug hielt und tranken schwarzen Kaffee. Wir versuchten, nicht zu husten. In Wirklichkeit aber waren wir da, um nach den Mädchen zu schielen, um zu gucken, ob sie nach uns schielten. Leckere Mädchen saßen herum, die nach Erdbeertorte rochen, die wir aber nicht bestellten, weil sie nicht existentialistisch genug war. Auch Mädchen und ihre Küsse waren nicht wirklich existentialistisch, und es blieb so oft und so lange beim Schielen. In der Zwischenzeit schleppte der Naivling Robert die schönsten Erdbeertortenstücke ab und ergötzte sich an deren Erdbeerduft. Irgendwann begannen wir, den Exitstentialismus zu hassen. Besonders den im Café Stumpff.
(Foto: Hässliche Kaffeehaus-Romantik, weit entfernt von Sartre oder Camus.)

Frage an die Leser: Hat ein Loch einen Rand?


Die Menschheit hat sich seit Anbeginn mit der Frage herumgeschlagen: Was ist ein Loch? Anfangs hatte man einfach eine Vertiefung in die Erde gebuddelt und geglaubt, den Idealfall eines Loches gefunden zu haben; Kritiker belehrten die Neandertaler eines Besseren und zeigten ihnen ein Loch in einem Knochen, der nicht einmal einen Boden hatte. Man konnte durch dieses Loch sogar sehen. Mit dem Zerfall des Feudalismus und dem Einsetzen der Industriellen Revolution entstanden immer neue Löcher, die im Portmonnaie, eins im Eimer und manchmal auch eins in der Lunge, aufgrund schwerster und unmenschlichster Arbeitsbedingen, die die Kapitalisten und Großbürger den Arbeitern aufzwangen.
Endpunkt der Ratlosigkeit, denn eine gültige Definition ist bislang nicht gefunden worden, war die Entdeckung des Schwarzen Lochs, ins das Gegenstände passen sollen, die größer als das Loch sind und in dem die Zeit stehen bleibt, weil es ein so langsames Loch ist.
Um solch futuristischer Astroromantik Einhalt zu gebieten, besinnen wir uns einmal auf das Wesentliche: Hat ein Loch einen Rand? Ist ein Loch ohne Rand überhaupt ein Loch und woraus darf der Rand bestehen, damit er ein Loch begrenzt, und weiterhin, wie dick darf dieser Rand sein? Muss man durch das Lochen sehen können, oder reicht es, wenn man mit dem Finger hineinfassen kann? Muss man etwas hineinstecken dürfen bzw. herausziehen? Muss das Loch immer die gleiche Größe haben, wenn es einmal als Loch definiert wurde?
Lieber Leser, wenn du eine Antwort weißt.....
(Foto: Müssen schwarze Löcher immer rund sein? Wie groß sind sie überhaupt?)

Für Freunde kurzer Texte: Kopfball

(Dieser Text besteht aus 17 Wörtern.)
Haben Sie das nicht auch manchmal? Der Kopf fühlt sich an wie eine Kugel? So, als habe man mit dieser Kugel drei Runden in die Vollen gekegelt? Und alle sind gefallen? So, als sei der Kopf durch einen Trommelrevolver katapultiert worden und in eine Betonwand gedrungen?
So, als seien Sie zwanzig Stunden Bestandteil eines aktiven Kugellagers gewesen, in dem sich ein Sandkorn verirrt hat?So, als seien sie das Druckwerkzeug einer Kugelkopfschreibmaschine gewesen, an dem eine Tipperin mit 1000 Anschlägen sitzt? Ich tippe ja.
Na, also.

Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Frühling


Die Weide trauert
um ihr üppiges Gezweig.
Die Sonne scheint nicht, ach, es schauert,
manch Kuchen ist noch Teig.
Der Fahrradschlauch noch ohne Luft,
die Brille ohne Auge,
der Blume fehlt der strenge Duft,
der Seife fehlt die Lauge.
Dem Lehrer fehlt die Tafel,
der Meise nur ein wenig Kohl,
dem Tauben das Geschwafel,
das Ei ist noch von Ostern hohl.
So fehlt mal dies und fehlt mal das.
Der Frühling hat's genommen,
um seine Pracht zu zeigen, und, ach was,
was red' ich da, der ist doch noch am Kommen,
da kann mal was danebengeh'n.
Ich kann das voll versteh'n.
Doch möcht ich auch nicht Frühling sein,
egal was grad nicht fehlt,
ich wäre lieber Sonnenschein,
der guckt nicht so gequält
und hätt's auch immer warm
und überzeugte meinen Schwarm
gar bunt gescheckter Vögel und Geziefer,
dass ihr Gesang viel schiefer
als der von Udo Lindenberg.
Das freut dann meinen Gartenzwerg,
der gar nicht singen kann.
Musst nicht verzagen,
sag ich, haue mit dem Hammer drauf.
Jetzt fühlt er sich zerschlagen.
Musst nicht verzagen,
wiederhole ich,
entspanne dich,
der Sommer kommt in hundert Tagen.

Mauskostüme für diskriminierte Banker

Was tut der Mensch nicht, um sich von der Masse abzuheben bzw. in ihr unterzugehen? Früher hat er als Banker gearbeitet und sich geärgert, dass der hörgestörte Mensch daraus unzulässigerweise das Wort "Hinterbänkler" gebildet hat, was er als Diskriminierung empfand. Als Gegenmaßnahme kaufte sich der Banker einen Anzug, dazu Hemd, Schlips, schwarze Schuhe und einen kleinen, damenhaften Lederkoffer, in dem er sein Butterbrot zur Arbeit trug, und begegnete den Mitmenschen mit Arroganz und Verachtung. Immer aber hatte er ein breites Grinsen auf dem Gesicht, denn er wollte dem zukünftigen Kunden unterschwellig vermitteln: Gib mir dein Geld! Bei mir bist du gut aufgehoben, ich mag dich, ich weiß wo dein Auto steht, du brauchst ein neues, ich habe einen Kredit, dein Haus sieht doof aus, bau dir ein neues! Alles eingefangen in einem breiten Grinsen, das ein Lächeln hatte werden sollen. Dem Kenner entging nicht, dass hinter dieser Botschaft die eigentliche stand: Ich zieh dich über den Tisch, du kannst deine Rostkarre weiterfahren, dein Haus ist wirklich doof, deine Frau auch, das interessiert mich aber nicht. Alles drin in einem breiten Grinsen, nur wurde der einfache Mitbürger von einem damenhaften Lederkoffer, in dem er hochqualifizierende Unterlagen vermutete, abgelenkt und gab bereitwillig sein Geld heraus. Im Lederkoffer war nur ein angebissenes Butterbrot mit Streichleberwurst.
Mittlerweile erzeugt nicht nur das Gesicht von Postganove Zumwinkel einen Würgereiz, sondern auch das Wort "Banker", ganz zu schwiegen von den Gestalten in Anzug und Lederschuhen mit damenhaften Lederkoffern, die die Tötungshemmung der Geprellten, wenn sie ihrer angesichtig werden, ruckartig entfernen.
Was bleibt den Gedemütigten übrig, als ihre smarte Businesskleidung gegen unauffällige Kostüme auszutauschen? So sieht man immer mehr Banker z.B in Mauskostümen zur Arbeit gehen, oft in Begleitung eines Bodyguards, den man für eine Flasche Klaren am Bahnhof direkt von der Parkbank wegengagieren kann.
Armes Deutschland, das sich von Ungeziefer in Kostümen ausrauben lässt, bzw. von als Ungeziefer Kostümierten und noch Mitleid mit den kleinen Nagern hat.
Der Tierfreund merkt an: So, wie es kein Unkraut gibt, gibt es auch kein Ungeziefer.
Mäuse seien nicht grundlegend schlechte Wesen, nur weil sie sich massenhaft vermehrten und anderen das Essen wegfräßen. Mäuse täten nur, was ihnen ins Nest gelegt sei. Also, nicht einfach draufhauen, wenn dir eine Maus über den Weg läuft, auch mal nett sein zu deinem Mitwesen. Man weiß ja auch nie, ob der Bodyguard vielleicht ein klaren(haha!) Moment hat und eine brenzlige Situation heraufbeschwört.

Beseelte Gegenstände

Man soll es nicht glauben, auch Tischklanten leben in irgendeiner Form, sie empfinden Schmerz und ärgern sich fürchterlich über Kopfverletzungen, wenn ein unachtsamer Tischkantenbenutzer etwa mit einem Stuhl oder einer Nähmaschine gegen das Holz gerammt ist. Schaut man genauer hin, erkennt man, dass die Tischkante nicht nur aus einer Kante an einem Tisch besteht, sondern in Wirklichkeit einem menschenähnlichen Wesen gleicht, das bei hoher Schmerzintensität sogar farbig anlaufen kann. Das Tragische ist, dass die Tischkante ihr Befinden nicht verbal äußern kann, sodass die meisten Mitmenschen glauben, es gebe gar keine lebenden Tischkanten. Dabei ist deren Funktion überaus nützlich, etwa, wenn mal wieder jemand über den Tisch gezogen werden soll. Darum: Demnächst etwas vorsichtiger mit Nähmaschine, Stuhl,Drehbank oder Motorroller, wenn du einen Tisch passierst.

Wahrnehmung: Die Multiplizität des Lebens

Es gibt Menschen, die missfallen einem auf den ersten Blick. Oder ihre Kleidung. Dann scheint es, als würden die Menschen oder diese Kleidung dir ständig wiederbegegnen, obwohl es dafür überhaupt keinen Grund gibt, so, als liefst du ständig in dieses Missfallen hinein. Plötzlich taucht die hässliche rote Jacke rechts neben dem Eingang zu einem hässlichen Kaufhaus auf, und das nicht nur einmal, nein vier-, fünf, sechs-, hundertmal. Dann links auf der Straßenseite, da wo die hässliche Bank haust, die deine Aktien verspielt hat, Rotejackerotejacke, es ist, als sei die Welt verrückt geworden und tanze vor deinen Augen einen Veitstanz, der dich verhöhnen will. Hahaha!Du hast keine hässliche rote Jacke und wirst nie eine haben, denn du hast die Größe nicht, nicht nur die leibliche, nein auch die innere nicht, dir für teures Geld eine pottenhässliche rote Jacke zu kaufen. Du liebst das Kleinkarierte, und das ist noch viel hässlicher als du es dir vorstellen kannst. Halt dieses kleinkarierte Muster mal neben eine hässliche rote Jacke!
Die Straße, auf der alles passiert, widert dich an, du bekomst Hass auf sie. Rotejackerotejacke! Ich kann mir keine rote Jacke leisten, die hässlich ist? Ich habe die Größe nicht? Innerlich nicht, äußerlich nicht? Nicht große Scheine, um sie zu bezahlen? Nur weil die hässliche Bank mit ihren noch hässlicheren Bankern meine Aktien verspielt hat? Dass ich nicht lache!
Jetzt stehst du am Scheideweg: Bleibst du der Kleinkarierte? Wirst du paranoid? Oder gehst du in das hässliche Kaufhaus mit deinem hässlichen Geld und kaufst dir eine pottenhässliche rote Jacke?
Zwei. Du kaufst dir zwei. Eine für sonntags, eine für alle Tage.

Endreimlyrik: Georg Krakl - Schildkröten

Schildkröten

Schildkröten-
töten
ist kein Sport
wohl aber Mord
denn Schildkröten haben eine Existenzberechtigung wie jedes Wesen
hab ich wo gelesen

Missverständnisse: Sägen bringt Rägen


Piet und Smolf sägen einen Baumstamm durch.
Piet: Hey, du darfst nicht schieben!
Smolf: Ich schiebe doch gar nicht.
Piet: Doch, das merke ich doch.
Smolf: Blödsinn.
Piet: Klar, die Säge klemmt ständig.
Smolf: Na, also, da haben wir's doch.
Piet: Nix da. Du schiebst.
Smolf: Ok, ok, aber nur ein bisschen.
Piet: Das bringt nix, weil dann die Säge klemmt.
Smolf: Aber wenn ich auch ziehe, bringt das doch auch nichts.
Piet: Wieso?
Smolf: Wenn ich ziehe und du ziehst auch, dann kommen wir ja nicht voran.
Piet: Nacheinander.
Smolf: Wie jetzt?
Piet: Wir müssen nacheinander ziehen.
Smolf: Dann müsste ich gar nicht hier sein? Du eine Stunde und dann ich eine Stunde?
Piet: Blödsinn.
Smolf: Das habe ich schon gesagt.
Piet: Nacheinander ziehen. Einmal ich, einmal du. Nicht schieben.
Smolf: Und was soll das bringen?
Piet: Dann sägt die Säge.
Smolf: Da bin ich aber froh. Voll die Verarsche.
Piet: Gar nicht. Versuch's mal.
Smolf: Wo bin ich denn hier? Leichte Arbeit mit netten Kollegen stand in der Zeitung, das kannste doch voll knicken, völlig die Pleite, hier son Klugscheißer, der auch erst einen Tag an der Säge steht und will erzählen, wie alles geht. Da geh ich doch lieber Spargel stechen. Oder Rasenkanten schneiden.Ich habe das gleich geahnt, dass das nix ist hier. Schieb nicht! Schieb nicht. Ziehen. Du musst ziehen. Verziehen, dass muss ich, und das tue ich jetzt: Ich verziehe mich.
Piet:(leise) Schon wiederne flachschädelige Mimose. (lauter) Ich arbeite sowieso lieber alleine! Smolf: Säg dich! Piet: Sich sägen bringt Rägen. (Es klatschen die ersten Tropfen auf den Boden. Donner grollt.)

Städte müssen sparen: Rotlichtmilieu

Es gibt katholische, mittelgroße Städte, die sparen an allen Ecken und Kanten. Früher entwickelte sich ein Rotlichtmilieu wie von selbst, da wurde sogar noch gewettert vom schwarzen Mann auf der Kanzel, mit Hölle und Verdammnis gedroht, und heute? Die Kassen sind leer; ein Rotlichtmilieu entsteht nicht einfach so, denn es existiert abesonders von den Menschen, die es aufsuchen und ihr Geld ausgeben. So bleiben die Touristenströme aus, denn eine Stadt, die von sich sagen muss, sie habe kein Rotlichtmilieu, wird von den großen Reisebussen mit pensionsberechtigten Senioren gemieden. Selbst, wenn diese Rotlicht früher für eine Ferkelerwärmungsvorrichtung hielten, womit sie nicht Unrecht hatten, scheinen sie heute damit doch andere Ferkeleien zu verbinden. Da heißt es, das Konsumenteninteresse wach zu halten und Wünsche zu wecken. Lächerlich sind allerdings Versuche, wie in einer mittelgroßen, katholischen Stadt mit leeren Kassen gesehen, einfach ein paar Straßenlampen mit roten Tüchern zu umhüllen, diese am Abend anzuschalten und zu hoffen, das der so illuminierte Straßenzug nun das verrucht-berüchtigte, aber für Reisebussenioren so attraktive Rotlichtmilieu sei. Betrug am Konsumenten durch hochverschuldete Kommunen!

Innerer Monolog: Als James Dean einmal nachdachte...

Was mache ich hier in Lengerich? Als Bestandteil eines Kriegerdenkmals vor einer evangelischen Kirche? Evangelisch? Oder war es protestantisch? Protestieren, protestieren, ja, das können sie, die Protestanten, als wenn es nichts Wichtigeres gäbe im Leben, als zu protestieren. Ja, klar, da muss man mich hier vor die Westfront kleben, weil ich zwei- oder dreimal den jungen Rebellen gespielt habe. Protestanten und Rebellen, das geht doch gar nicht, und dann in einer Stadt wie Lenegrich, das ist doch, als ob man Schweinskopfsülze an Vegetarier ausschenken wollte. Da brechen Welten zusammen, da kann doch niemand ernsthaft annehmen, dass das gut geht. Wenn es überhaupt geht. Und überhaupt. Ich merke gerade, dass ich auf Deutsch monologisiere. Ich kann gar kein Deutsch, ich kann nur dieses Bratkartoffelenglisch, das sie, die ständig auf der Lauer liegen, diese bigotten, fetten Wohlstandsbürger, Amerikanisch nennen. Ich habe das T-Shirt erfunden und den Wagen ohne Verdeck. Wo wird das gewürdigt? Vielleicht bin ich gar nicht James Dean. Wer weiß, wohin mich der Steinmetz verschlagen hat. Aber schön, dass ich deutsch denke, also auf Deutsch, da kann ich endlich eine Fremdsprache. Was heißt das denn noch auf Englisch? Hm, das fällt mir jetzt nicht ein. Schade eigentlich. Aber, was nutzt mir hier Englisch in Lengerich, die haben mit Deutsch doch schon Probleme. Und sprechen kann ich doch auch nicht, weil mein Kopf aus Sandstein ist. Das weiß doch jedes Kind, dass Steine nicht sprechen können. Fluch des Berühmtseins.

Der weise Mann sagt: Auto und Villa




Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Deutsche Städte (Darmstadt)

Darmstadt

Da, wo man es warm hat,
da ist Darmstadt.

Wo man einst krank wurd,
da liegt heute Frankfurt.

Und für viele bellt
ein dummer Hund in Bielefeld.

Cuxhaven, ach, Cuxhaven,
dich hab ich wohl verschlaven.

Aufgewacht bin ich in Darmstadt,
weil es soviel Darm hat.

Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Deutsche Städte (Wuppertal)

Wuppertal

Du, schnupper mal!
Hier riecht's extrem nach Wuppertal.

Harmonie bei Mümmelmanns

Mutter Mümmelmann hat mal wieder alles ins Lot gebracht. Was für eine Karwoche hatte hinter der Hasenfamilie gelegen! Dem Vater hatte man beim alljährlichen, vorösterlichen Ohrenwaschenlegenfönen das falsche Muster in die Muscheln tätowiert. Drin ist drin, war der stumpfe Kommentar des Übeltäters, der sich sogar erdreistete, für die Schandtat Geld zu nehmen. Immerhin habe er fixe Kosten und einen Dispokredit am Laufen, so die wenig glaubhafte Erklärung. Die missratenen Ohrenmuster brachten auch den Haussegen in Gefahr, als Tochter Katie losprustete: Guck mal, Papa hat Ohren wie der Fliesentisch von Onkel Fred. Vater Mümmelmann fiel in eine tiefe Depression, er fühlte sich verraten von Familie und Ohrenwaschenlegenföhner. Das Geld war futsch und Ostern stand vor der Tür. Weder Eierpunsch noch sei Lieblingsspiel "Ich bin der Weihnachtsmann" konnten Licht in die trübe Seele bringen. Erst am Ostersonntag änderte sichd as Leben wieder in die richtige Richtung: Willst du nicht mal nachsehen, Vati, ob der Osterhase da war?, raunte die Mutti in das kleinkarierte Ohr des Familienvorstands. Wieso denn, fragte der Vati, das sind wir doch selber. Wer weiß, wer weiß, die Mutti dann geheimnisvoll; der Vater spazierte zu Tür hinaus und kam mit glänzenden Augen zurück in die Wohnstube: Seht mal, was der Osterhase gebracht hat!, rief er laut. Ein Ei! Ein Ei mit einem Muster, das zu meinen Ohren passt! Die Mutti schmunzelte und zwinkerte Katie zu. Der Vati war wieder glücklich. Katie aber grübelte den ganzen Nachmittag darüber nach, ob es wirklich einen Osterhasen gab oder nicht, und wenn ja, ob sie das nicht selber wären, und wenn ja, wer dann das Ei gebracht hatte, beziehunsgweise warum.

Achtung im Ziergarten!

Obacht jetzt im Garten, wo alles aus den Erdlöchern hervorschießen will. Die unheimliche schwarze Folie ist wieder unterwegs. Sie nährt sich von üppigen Kräuter, jungen Pflänzchen und der Geldbörse der Gartenbesitzer. Sie liebt es, in Vorgärten von Menschen zu wachsen, die ihre Rasenkanten gerne mit der Nagelschere schneiden würden und ein Büschel Gras in den Rabatten für eine außerirdische Seuche halten, die es mit der Giftspritze zu beseitigen gilt. An diesen Orten wuchert sie in unglaublicherGeschwindigkeit und hinterlässt bleiche Gewächse und modriges organisches Material, das irgendwann einmal das Herz des Betrachters erfreut hat. Es kann helfen, ein paar Löcher in den Folie zu stechen, um wenigstens den härtesten Gartengesellen einen Platz an der Sonne zu sichern, eine wirksame Lösung ist das aber nicht. Ganz ungelegen kommt der schwarze Geselle den
Rasenkantenmitdernagelschereschneidern nicht: Wo keine Blume, kein Strauch, kein Bäumchen und kein Holunderbusch wachsen, da findet sich auch kein Unkraut, und das macht zufrieden und den Garten übersichtlich.

Brauchtum: Sandeimer aufhängen

Eine alte Tradition ist zu Ostern wieder neu entdeckt worden. Früher hängte man zum Frühjahr vor Ostern als Opfergabe für die Götter des Geschlechtsverkehrs und der Fruchtbarkeit ausgeblasene Gänse- und Hühnereier in die Bäume, damit es in Land und Garten nun auch richtig losgehen konnte. Dass in den Eier nichts drin war, interessierte die besagten Götter nicht, denn sie waren mit der Befruchtung der Landstriche und Äcker beschäftigt. Heute, in den Zeiten des Kunstdüngers und der künstlichen Besamung, ist sich niemand der tiefen Bedeutung des Brauches bewusst. Der dekorationsorientierte Mensch, der wenig über sein Tun nachdenkt, hängt ausgedientes Spielzeug in Sträucher und Bäume, und glaubt, damit die Gegend zu verschönen. Dass aber die vorgenannten Götter von Plastikmüll in der Natur allmählich genug haben, zeigt die Tatsache, dass in manchen Jahren der Frühling erst später kommt, oder es gleich mit dem Sommer weiter geht. Guter Geschmack hat seine Grenzen und auch die Fruchtbarkeit, und zwar dort, wo es richtig hässlich wird.

Der weise Mann sagt: Klammern




Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Synapsen/ Kolibri

Allerhöchste Zeit
Wenn die Ohren
bohren
und die Synapsen
flapsen
und die Augen
trotzdem taugen
dann ist es bald soweit
beziehungsweise allerhöchste Zeit.

Der Schrei des Kolobrei
Als der Kolobri
so herzerweichend schrie,
da macht' der Uhu
schnell die Ohren zu-u.

Tipps für Fotofreunde: Mach was aus deinem Bild

Oft sind Bilder langweilig, und wenn wir unsere Diashow den Verwandten und Bekannten zeigen, sind die ersten nach ein paar Minuten eingenickt, weil es nur fahle Farben zu sehen gibt, matte Motive und schlappe Schatten. Das muss nicht sein!
Jeder kann sein Bild aufwerten, wenn er etwas Geduld und Kreativität zeigt. Verwitterte Fensterinnenseiten werden leuchtend schön, wenn man einfach mal nachstreicht. Verkehrsschilder brauchen das auch gelegentlich, wenn sie nur als Stehimweg wirken und nicht den moralischen Zeigefinger in die Höhe halten und ein "Hier parken!" zuzurufen scheinen. Langweilige Hauswände kann man nach Herzenslust beschriften; ein "Peter ist doof" bietet für jeden etwas, der einfache Mensch freut sich, dass es Peter ist, der doof ist, und nicht er selbst, der Intellektuelle hat endlich einen Grund, sich über den Verfall der Kultur zu ereifern.
Tipp nebenbei: Nicht gleich die Fassade hochklettern und alles vor Ort neu gestalten; das kann Ärger geben, wenn einen die Polizei erwischt. Manchmal genügt es, ein wenig auf seinem Foto herumzumalen und es dann neu zu fotografieren. Verwandte und Bekannte weden es bei der nächsten Diashow danken.

Optische Täuschungen im Alltag

Da sieht man ein Bild, da ist ein Stück Rasen zu sehen, wahrscheinlich neben einer Jugendherberge, auf dem Rasen befindet sich eine Metallstange an der ein rechteckiges Brett befestigt ist, das weißgründig gehalten, von einem schwarzen Rahmen eingefasst ist, im Inneren des Brettes ein kleineres Rechteck, innen weiß, davor ein Metallring, daran ein Netz befestigt, das ganze Gebilde etwa 2,50 Meter hoch.Im Hintergrund gerade gewachsene Bäume,deren Äste nicht ganz ins Gleichförmige der Stämme passen wollen. Eine Brücke führt im Hintergrund weg von diesem Ort, ein mittelgroßes, bewaldetes Gebirge verdeckt den Blick auf den Horizont. Der Himmel ist grau. Eigentlich eine Szene, die den Gedanken an Selbstmord nahe legt, die schwere Depressionen evoziert, ohne Worte, nur durch Anwesenheit. Alles stellt sich aber als optische Täuschung dar.
Es handelt sich um ein Gestänge für Amateurbasketballer, der Rasen ist gar nicht grün, sondern besteht aus Moos und Unkraut, und die Bäume sind morsch und sollen demnächst von brennholzbedürftigen Exheizölverfeuerern in den Kamin gestopft werden. Die Brücke führt nach nirgendwo, vor allem aber nicht weg von diesem Ort, denn dann wäre ein kilometerlanger Stau zu erkennen, was man aber mitnichten tun kann. Der Himmel ist leer, nicht einmal Grau befindet sich dort, Grauen vielleicht. Das Wort Morgengrauen bekommt eine neue Bedeutung. Und das alles, weil man sich in einem schlichten Foto, das möglicherweise durch einen Bedienfehler des Kamerabesitzers entstanden ist, geirrt hat. Welche fatale Folgen das haben könnte! Also, Vorsicht beim unachtsamen Betrachten von Fotos, es besteht immer die Gefahr einer optischen Täuschung. Dem psychisch Labilen sei geraten, seine Speicherkarten möglichst nach Entnahme aus dem Gerät, spätestens aber noch vor morgen Früh zu löschen.

Der weise Mann sagt: Der Schwan







Neue Frühlingsfarben

Nach tristem Winter in Matschgrau endlich die neuen Frühlingsfarben! Der Meister der Farbe hat in die Gegend gekleckst, scheinbar ohne Sinn und ohne Struktur, und doch fügt sich alles harmonisch ineinander. Der Ökosockenliebhaber runzelt die Stirn, denn er vermutet Verstrahlung oder Okkupation durch Aliens, wenn der Vorbote des Sommers mal allzu kräftig in die Farbskala gegriffen hat. Der schwarzweißgekleidete Bänker sieht Hoffnung aufkeimen und dass eine Berufsgruppe, die zum Schimpfwort verkommen ist, wenigstens ihr Schnäppchen machen wird wie eh und je. Weg mit der Anzugdepression, hineingehüft ins frische, bunte Frühlingsgewand. Das hilft auch dem Bankkunden wieder, Vertrauen zu schöpfen, denn grelle Farben sind seit der Erfindung des Ostereis Garanten für Fruchtbarkeit und Erfolg. Es geht wieder aufwärts, zumindest in der Natur.

Endreimlyrik: Georg Krakl - Beinbehaarung


Im Licht des Abendscheins
Zählt’ ich die Haare durch auf meinen Beinen.
Vor Freude musst’ ich weinen.
Es fehlte mir nicht eins.

Der weise Mann sagt: Schrauben schrauben


Günther Krass: Erinnerungen - Meisterfleck

Als Schüler hatten wir immer davon geträumt, einen Meisterfleck zu produzieren, einen Fleck der sich abhob von der Menge der Flecken, die nichtssagend auf Hemden gekleckert worden waren, um sie zu versauen, wie wir es nannten, die aber mit Meisterflecken nichts zu tun hatten. Ein Meisterfleck verschönert, nein verschönt das Befleckte, er gibt ihm wertvolle Informationen, die es vorher nicht gehabt hat, und in der Summe ist es mehr, etwas Neues, das aus der Kombination von Fleck und Objekt praktisch neu geschaffen wird, geboren wird,als etwas, das es vorher nicht gegeben hat.So versuchten wir jahrelang, Meisterflecke zu erzeugen, immer aber blieb es beim Bekleckern, beim Einsauen und Verunreinigen. Den Schulkollegen schmierten wir Butter aufs Hemd, kippten Kakao auf ihre Nietenhosen oder bestrichen die Jacke mit Kalbsleberwurst, immer aber sah es nach einem selbst gemachten Fleck aus, der nichts mit wahrer Meisterschaft zu tun hatte. Dann eines Tages wollte in einem Biergarten an unserem Tisch eine Flasche mit Bluna umkippen, Georg hielt die Flasche im Kippvorgang auf, verhinderte, dass sich ein großer Teil des Flascheninhalts auf die Tischdecke ergoss, nicht aber, dass ein Spritzer genau ins Blumenmuster der Tischdecke gelangte. Und dieser Spritzer war es, der einen echten Meisterfleck zeugte. Einen, der sich symbiotisch mit dem Gewebe und seinem aufgedruckten Muster verband und etwas ganz Neues und Aufregendes gebar. Wir staunten mit offenen Mündern, in die wir voller Ehrfurcht Bier gossen, eins nach dem anderen, bis wir den Fleck erst doppelt sahen und schließlich nicht mehr erkennen konnten. Wir torkelten nach Hause und träumten noch einmal, wie unser alter Traum wahr geworden war. Danke, gute alte Blunaflasche!