Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Gartengespräche
Themen der Zeit: Verweiblichung des Kollegiums führt zu verstärkter Unruhe
Doris Dressing: Umarmende alte Männer - Was ist los?
Es stolpert fast durch den Raum, lacht, juchzt hochtönig, stickst der jungen Frau scherzhaft in den Rücken, sie dreht sich um, Weibchentyp, lacht, haha, freut sich über Zuwendung; der Emanzentyp hätte klar sexuelle Belästigung attestiert. Jetzt ein Opfer: Mandy, die Zweiundzwanzigjährige, er schließt sie in die Arme, drückt sie an die Fettschicht auf seinem Brustkorb, greift fest in ihren Rücken und herzt sie. Ja, es ist Herzen, absichtsloses Herzen! Der Emanzentyp unterstellt dem alten Mann Gedanken: Ah, festes, junges, frisches Fleisch, ja, und der Duft, dieser Duft nach Jugend, nach glatter Haut, nach festem Fleisch, das keck..... Der Emanzentyp denkt hässlich weiter, das Weibchen freut sich über Zuwendung. Rümpft dann doch die Nase, riecht das Alter unter dem teuren Deo, unter dem Spritzer Parfüm zuviel, will sich aus den Armen winden, doch die halten fest und genießen den Moment, so als wollten sie drücken und gleichzeitig ausdrücken: Festes Fleisch, das kann man, das muss man drücken.
Was ist los mit umarmenden alten Männern?
Mich hat er nicht gedrückt.
Kunst kann so hässlich sein
Kunst kann so hässlich seinvon Gottfried Wenn (2009)
Kaputter Rahmen, goldbepinselt,
Barbie und Ken wagen einen Ausritt
Barbie: Das Pferd hat so eine schöne Mähne.
Ken: Du musst die Hacken tief halten und die Aduktoren anspannen.
Barbie: Ich glaube du spinnst.
Ken: Wie jetzt?
Barbie: Dass du mir so ein schönes Pferd gekauft hast.
Ken: Die Zügel tiefer, nicht am Maul zerren.
Barbie: Sag nicht Maul zu mir.
Ken. Ich habe nicht Maul zu dir gesagt.
Barbie: Was soll das Pferd denken?
Ken: Pferde denken nicht. Das hier ist sowieso aus Plastik.
Barbie: Ein Plastikpferd?
Ken: Plastikpferde sind immer aus Plastik.
Barbie: Aufregend.
Ken: Nicht an der Mähne festhalten
Barbie: Ich falle sonst runter.
Ken: Du musst das Gleichgewicht halten.
Barbie: Das scheuert aber so.
Ken: Hast du wieder deine Reithose nicht an?
Barbie: Wir haben auch gar keinen Sattel.
Ken: Und?
Barbie: Fahrrad fahre ich auch nicht ohne Sattel.
Ken: Das wär lustig.
Barbie: Ich hab doch gar kein Fahrrad.
Ken: Eben.
Barbie:Und wenn das Pferd durchgeht?
Ken: Ist eh nur gemietet.
Barbie: Was?
Ken: Du hast Speck angesetzt.
Barbie: Wo?
Ken: An der Taille.
Barbie: Lass mich gefälligst los!
Ken: Bitte. Wie du meinst.
Barbie (fällt vom Pferd): Iiiiieeeehhhhhk!
Ken: Hab ich doch gesagt!
Barbie: Gar nichts hast du gesagt.
Ken: Sag ich doch.
Barbie: Du bist blöd.
Ken: Du auch.
Barbie: Ich will nach Hause. DSDS fängt gleich an.
Günther Krass: Erinnerungen - Maggi war unsere Würze
Resopal: Werkstoff der 60er
Doris Dressing: Werzalith (2009)
Nach all den Tagen
Werzalith
muss ich sagen
sind wir quitt
nach all den Wochen
mit dem blonden Jochen
muss ich sagen Werzalith
mit ist Schitt
nach all den Jahren
Werzalith
kann ich endlich meine Liebe mir bewahren
und ich weiß zum Schlusse: Nie zu dritt!
Vincent van Eijnoor: Weiße Wand
Rolf und Dieter: Raucher
Dieter: Wieso das denn?
Rolf: Na, weil da eine Kippe liegt.
Dieter: Ich habe noch nie geraucht.
Rolf: Wieso liegt dann da eine Kippe?
Dieter: Keine Ahnung.
Rolf: Komm, sag schon. Mir kannst du das doch erzählen.
Dieter: Ich habe nichts zu erzählen.
Rolf: Das ist mal wieder typisch.
Dieter: Was ist typisch.
Rolf: Mit Rauchen ein Problem haben, aber nicht darüber reden wollen.
Dieter: Du hast ein Problem mit Rauchen.
Rolf: Wie kommst du denn darauf? Ich rauch doch gar nicht.
Dieter: Ich auch nicht.
Rolf: Woher kommt dann die Kippe?
Dieter: Keine Ahnung.
Rolf: Dann tu die wenigstens in den Mülleimer.
Dieter: Wieso ich?
Rolf: Weil die nicht von mir ist. Die kann dann nur von dir sein.
Dieter: Wieso das denn?
Rolf: Hier ist sonst keiner.
Dieter: Das ist kein Beweis.
Rolf: Hauch mich mal an!
Dieter: Ich glaube, es geht los.
Rolf: Na also, da haben wir doch den Beweis. Du hast geraucht, willst nicht darüber sprechen und anhauchen willst du mich auch nicht.
Dieter: Ich hab Mundgeruch.
Rolf: Sag dich doch, alter Dickschädel.
Finanzkrise und Gegenmaßnahmen
Der Bürger selbst hat sich eine Spüle für den Notfall hingestellt, wenn er einen Banker trifft, der gerade sein überhitztes Brokergemüt entwärmen möchte, um zusammen mit seiner Lederaktentasche und seinem Schlips ein Vorstellungsgesprächvorzubereiten und anzugehen. Der so Verschreckte dreht einfach die Nirostaschalen mit Spülwasserablauf um, und kann seinen Mageninhalt, der ihm bei Angesichtigwerdung des ÜBELtäters emposchießt, kontrolliert zu Boden bringen.
Der gesunde Menschenverstand versteckt sein Geld wieder im Sparstrumpf unter der Matratze oder im Wäschefach im Schlafzimmerschrank.
Das will keiner: Weihnachtssymbole im Mai
Rolf und Dieter: Stonehenge
Kleiner machen, Leute!
Was ein kleines, farbiges Objekt in die graue Welt des Alltags bringen kann, das zeigt hier das "Gerdwin Compendium".Wer mehr wissen will, klickt hier:
THE GERDWIN COMPENDIUM
Endreimlyrik:Georg Krakl - Zu kurz
Das eine seiner Beine war zu kurz.
Es sah so aus, als tät er hinken.
Die Arme schlaff und schlackernd. Als wäre er am Winken,
so wirkte es. Es war ihm schnurz.
Plattenbesprechung: Mallet - Du gib mir dein Geld
Sind hundert Euro, hab schon nachgezählt.
Wenn mir ein jeder auf der Welt
nur hundert Euro gibt, dann bin ich reich wie Ackermann,
dann bin ich reich wie Ackermann, oh yeah...
Auf den ersten Horch denkt der Hörer: Hallo, was ist das denn? Wer ist denn hier von seinen Medikamenten abgesetzt worden? Wer versucht hier in Musik zu kompensieren? Die klassischen Komponisten und alle Protagonisten von Rock, Blues und Liedern aus dem Alpenvorland müssten sich im Grabe umdrehen, dränge nur eine Schallwelle an ihre verschütteten Ohren.
Eine penetrante Kalimbatonfolge, durch Verzerrer, Kompressor und Chorus gedreht, soll den Konsumenten wohl in eine meditative Stimmung versenken; eher wird das Nervenkostüm auf eine Belastungsprobe gestellt, wenn das scheppernde Instrument aus Afrika die handgeschmiedeten Klangnägel ächzen lässt. Abgeschlagen im Hintergrund eine Stimme, die Wehmut ausdrücken will, und resigniert, aber recht schief, eine schlichte Melodie intoniert. Auch hier wohl mehrere Effektgeräte im Einsatz, die es aber nicht schaffen, den Tönen mehr Präsenz zu verleihen.
Komponist und Interpret Mallet hat hier eine Art deutschen Ethno-Schlager entwickelt, der eigentlich ein Widerspruch in sich ist; vielleicht ist diese Komponente das, was zum Nachdenken anregen soll, das, was provozieren soll.
Ob das beabsichtigt ist, lässt der dürftige Text, in dem man weder Strophe noch Kehrreim identifizieren kann, offen.Um als Schlager durchzugehen, fehlt dem Lied doch das Gechliffene, das Glatte, die Geradlinigkeit. Das „oh, yeah“ am Ende hebt den Eindruck von Schlager sowieso wieder auf, und der Hörer bleibt verunsichert zurück. Nur das Gejammere der Kalimba wirbt für das Etikett „Ethno“.
Eins aber ist sicher: Das Stück kann man sich schenken. Ethno kann jeder zu Hause mit der Handkurbelkaffeemühle spielen, und deutsche Schlager sind sowieso in jedem Plattenschrank. Und den kann man ja mal wieder öffnen und die Nadel eine gute, schwarze Rille durchpflügen lassen.
Früh übt sich: Die Konkurrenz schläft nicht
Die Konkurrenz schläft nicht, das haben jetzt auch Kinderspielzeughersteller erkannt und geben Tretmobile heraus, die den Anschein erwecken, als könnte man mit ihnen in der Gegend herumfahren und selbständig lenken. Herumfahren ist zwar möglich, aber nicht allein. Jedes Mobil ist gekoppelt an ein anderes, das allerdings ein Stückchen vorauseilt. Egal, wie groß die Strampelbemühungen von Kevin sind, er wird den Gegner nicht einholen; er weiß nicht mal, dass er für den Gegner mittritt. Immer wieder wird das Autofahren in Modellen reizen und motivieren, immer wieder wird Kevin antreten, um endlich sein Erfvolgserlebnis zu haben. Bekommen wird er es nie.Das Modell des Doppeltretmobils hat großen Anklang in der Industrie gefunden. Man kann, so die Meinung einschlägiger Arbeitgeberkreisen, nicht früh genug beginnen, auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Und da sei es so, dass die einen arbeiteten und die anderen arbeiten ließen. Das würde zwar niemand laut sagen, aber ein Spielzeug wie das Doppeltretmobil habe doch auch eine Vorgeschichte. Im Unterbewusstsein sei das Wissen verankert, dass es eine Oberklasse und eine Unterklasse gebe, warum nicht in diese Richtung schulen? Gegen das Unterbewusstsein solle man sich nicht wehren, das habe schon Psychoanalytiker Freud gesagt. Das Schulministerium will unter Federführung der blonden Frau Sommer dafür sorgen, dass verbindliche Empfehlungen des Hausarztes und des angegliederten Sachbearbeiters im Sozialamt die Zuordnung der Kinder vornehmen. Kevin bleibt also im zurückliegenden Auto, da kann er strampeln was er will, denn seine Eltern sind auf die finanzielle Hilfestellung des Staates angewiesen.
Hässliche Tierattrappen beleidigen das Auge
Ein Verbot hässlicher Gartendekoration ist dringend erforderlich!
Die Wissenschaft hat festgestellt: Realismus
Endreimlyrik: Hermann Döns - Schorf
So wie der Torfstecher hebt den Torf,
so tat sein Fingernagel mit dem Schorf
auf seinem Unterarm.
Das Blut quoll rot und warm.
"Geronnen Blut kann ich wie Rotwurst gut verdauen,
auch ohne groß zu kauen",
und dachte weiter, "lieber mir den Bauch verrenken,
als dem Leben was zu schenken.
Sollten schlechte Zeiten kommen,
dächt' ich: Hättste bloß vom Schorf genommen!"
Aus: Papenburg-Elegie 2009
Endreimlyrik: Hermann Döns - Afrika (Antirassistisch)
Chorgesänge
von 8 Dilettanten vorgetragen
ziehen sich oft in die Länge
penetrant in hohen Lagen
unerträglich in den Tiefen.
Melodien,
die aus dem Ruder liefen.
Rhythmen aus dem trägen Wien.
Ihr Soprane, seid jetzt still!
Singt nicht mehr so schrill!
Auch Bassisten schweigen mal!
Das klingt doch nach Negerkral!
Die Bassisten: Ruhe jetzt,
weil das Afrika verletzt!
Aus: Papenburg-Elegie (2009)
Endlreimlyrik:Hermann Döns - Der Schmied (2009)
Die Dämme'rung dämmert
und der Schmied haut wie behämmert
auf sein kaltes Eisen.
Er will beweisen,
dass man aus einer Pflugschar Schwerter machen kann.
Vielleicht auch einen Skilift oder ein, zwei Starkbierhumpen,
oder eine Büste von Klaus Mann.
Auf jeden Fall zwei Eisenklumpen.
Es ist längst Nacht, niemand will wachen,
als Schmied und Hammer und ihr Eisen Feierabend machen.
Letztendlich konnt' der Mann beweisen:
Aus kaltem Eisen formt man kaltes Eisen.
Aus: Papenburg-Elegie 2009
Auch Erwachsene sollen Versteckspielen trainieren
Versteckspielen wird von der Bundesgesundheitsministerin besonders hervorgehoben und soll im Rahmen des Vorschulunterrichts und von Fördermaßnahmen sowohl in der Grund- als auch in den weiterführenden Schulen trainiert werden. Im Erwachsenenalter ist es oft zu spät; unbestritten sind die ungeheueren Möglichkeiten des Spiels: Körperliches Geschick( Wie komme ich in die Regentonne oder durch das Kellerfenster?) paart sich mit Kreativität (Welche Ausrede habe ich, wenn ich zu schnell gefunden werde?), vereint sich ferner mit Konzentrationschulung (Wie hieß die Tusse aus Zimmer 47 noch?) und dem Aufbau sozialer Kompetenzen (Ich lass mal was sehen, sonst finden die Idioten mich nie, oder sitzen wieder die ganze Zeit in der Eisdiele und beobachten, wie ich hinter den Betonklötzen kauere und den Tschiboshop im Auge behalte, wo sie sonst immer hocken, weil sie zu faul sind wirklich zu suchen.) Zum Versteckspielen gehört aber auch die Möglichkeit, einen Gegenstand zu finden, der größer ist als man selber, damit dieser einen auch verdecken kann. Das will nicht immer gelingen, wenn man nur eine halbe Stunde Pause hat. Man darf die Schuld aber nicht den Gegenständen geben, denn die sind wie sie sind. Oft wollen die Leute gefunden werden, weil sie sich sonst allein fühlen. Dann aber ist es besonders bitter, wenn niemand einen sucht und daher auch nicht findet.
Als einmal die Queen in Weserstadt war.....
Herr Win: Herr Gerd, jetzt runtergeh'n, das ist's nicht wert.
Herr Gerd: Ach, ich dachte, einmal nur der Queen die Hand zu schütteln, das wär nett.
Herr Win: Wir wollen nicht Prinzipien rütteln.
Obwohl, sie ist adrett.
Herr Gerd: Ja, eben! Und....einmal im Leben jener Queen die Hand zu geben?
Herr Win: Ich sag noch mal, Prinzip geht vor.
Herr Gerd: Ok. Vielleicht noch mal im Chor?
Die Herren Win und Gerd gemeinsam: Prinzip geht vor!
Zwei Zwergelefanten auf dem Weg in die Südsee
Rolf:Ich dachte, wir wollten in die Südsee...
Dieter: Ja, gut, das hatten wir gesagt.
Rolf: Das sieht hier aber nicht so aus wie in der Südsee.
Dieter: Woher weißt du denn, wie es in der Südsee aussieht?
Rolf: Weiß man eben.
Dieter: Wer ist man?
Rolf: Südsee sieht anders aus.
Dieter: Vielleicht brauchen wir noch ein Weilchen.
Rolf: Die Landschaft ändert sich aber seit Stunden nicht.
Dieter: Sagt man eigentlich an der Südsee oder in der Südsee?
Rolf: Keine Ahnung. Auf jeden Fall soll es da warm sein.
Dieter: Man sagt auf jeden Fall an der Nordsee.
Rolf. Weißer Sand und Palmen sollen da sein.
Dieter: Weil in der Nordsee, dann wäre man ja drin, das wäre nicht schön, vor allem wenn man Urlaub machen will.
Rolf: Das hier ist kein Strand, das eher Metall. Metallböden in der Südsee, das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Dieter: Wo, sagtest du, läge die Südsee?
Rolf: Ich habe gar nichts gesagt, du hast gesagt, wir gehen jetzt in die Südsee und ich sollte einfach hinterher laufen.
Dieter: Weiß ich gar nicht mehr.
Rolf: Nach Südsee sieht das hier nicht aus. Zu viel Metall.
Dieter: Wir können ja noch ein Stück gehen, da muss irgendwann der Strand kommen.
Rolf: Zwischendurch kommt es mir vor, als wenn wir im Kreis laufen.
Dieter: Glaub ich nicht.
Rolf: Ich schon.
Dieter: Schweigeminute ab 3!....1, 2, ...3!
Rolf: ---
Endreimlyrik: Hermann Döns - Böses Kind
Mutti, Vati, ich möchte ein Hautier, ein eigenes Hautier!
Die Eltern erschrocken, die Tochter macht Fehler beim Sprechen!
Zum Logopäden geschwind, sonst wäre die Zukunft verbaut ihr.
Zum Fachmann zu gehen, das Kind will’s versprechen.
Gesetzt, dass die Eltern ein Hautier besorgen, vielleicht einen Hund,
vielleicht eine Katze, Kaninchen, Agame.
Egal sei der Name,
nur ein Hautier soll’s sein.
Gekauft wird ein Hund. Nachdem er verdroschen
spricht das Kind: Ich hab nichts versproschen.
Ihr könnt nur nicht hören.
Geht! Wascht euch die Öhren!
Schweinedenkmal in deutscher Kleinstadt
Die Menschen in der Kleinstadt aber waren enttäuscht, dass sie plötzlich in Großstädten lebten und die ehemaligen Dörfler, die jetzt Kleinstädter waren, erregten sich ebenfalls und lösten die Großfamilien auf. "Schweinerei! Große Schweinerei ist das!", brüllten sie und ließen vor Wut sogar den unbestimmten Artikel weg. Da sie aber keinem die Schuld geben konnten an der Entwicklung, höchstens vielleicht sich selbst, setzten sie der Schweinerei ein Denkmal. Die Touristen und Besucher aber ergötzen sich an den poussierlichen Borstentieren, die aus Stein sind und keinerlei Dreck auf den Gehwegen verursachen. "Schau mal da, wie süß", sagt die Oma dem Knirps," daraus werden in Echt die Bratwürste und das Mett gemacht." Beim Zurücktreten, um das Denkmal besser betrachten zu können, tritt sie in die Hinterlassenschaft eines magenerkrankten Boxerrüden. "Verdammte Hunde, wollt ihr ewig leben?", zischt sie zornig vor sich hin und zerrt den Knirps aus der Gefahrenzone.
Die Kleinstadt jedoch ruht wieder in sich, in ihrem freundlichen Ambiente und mit ihren ebenso freundlichen Bürgern, die vom Tanz in den Mai 2010 träumen. Aber bis dahin ist ja noch lang.
Diskriminierung: Roter Mann
Versteckte Botschaften in Gedichten: Nicht Kern, sondern Zen
Nicht kleckern,
sondern klotzen.
Nicht keckern,
sondern kotzen.
Nicht eckern,
sondern otzen.
Nicht ckern,
sondern Tzen.
Nicht Kern,
sondern Zen.
Hermann Döns (2009)
Genial, wie der Leser von Döns allmählich von der schlichten Aussage, die letztlich nur Redensart und Volksratschlag ist(kleckern/kLotzen), über das Tierreich(keckern) zur archaischen Verdauungsverweigerung (kotzen), über Neologismen(eckern/otzen) zu dadastischer Form(ckern/tzen), vom Verb alsdann zum Substantiv, gleichbedeutend mit der Menschheitsgeschichte, vom westlichen Volksempfinden ([Pudels] Kern) zur östlichen Philosophie (Zen) geführt wird. Wo hat man je mehr mit weniger Worten ausgedrückt?
Endreimlyrik: Georg Krakl - Primel (Frühling 99)
Das hat niemand so gewollt,
dass die Primel schmollt.
Was hat sie denn nur vergrämt?
Wer denn nur hat sie beschämt?
Hat man sie entblättert?
Oder gar beklettert?
Hat man sie beleidigt?
Oder nicht genug verteidigt?
Viel zu viel gegossen?
Ihren Liebsten just erschossen?
Trat man ihr das zarte Blatt
einfach platt?
Quetschte ihre seid'nen Blüten
wie gebrauchte Brötchentüten?
Was ist denn passiert?
Hat man sie püriert?
Mit dem Rasenmähgerät kupiert?
Massakriert?
Opariert?
Omariert?
Ach, hier hör ich lieber auf.
Primel, Primel, schmollst ja immer noch!
Haue mit dem Spaten drauf,
schmeiß sie in ein Loch,
das ich grade ausgehoben.
Zu- ist besser noch als aufgeschoben.
Primel, Primel! Musst nicht grollen.
Das hat dir jetzt nichts gebracht: Zu schmollen.
(Foto: Keine Primel)
Sich zeigen in der Kleinstadt
Depressive Gärten
Frisch aus dem Reimlexikon: Befindlichkeit
Heut bin ich so befindlich
und Rosa macht auf kindlich.
Sie kuschelt nur für sich in ihrem Nerz.
Mich quält ganz tief Beziehungsschmerz.
Theodor Spontane (2009)
Gespräche in den Kühlschrank: Teewurst
Wenn du nicht da bist, denke ich: Ach, die Teewurst. Ach, du bist ja gar nicht da. Wann kommst du? Gut, dass die Teewurst im Kühlschrank liegt. Als wäre es ein Stück von dir. Auch wenn sie an den Kanten schon ein wenig hart ist. Da, das Glas Gurken. Ach ja, das andere auch. Ihr drei seid da, wie schön. Ihr lächelt mich an, so, wie es Teewürsten und Gurkengläsern möglich ist und flüstert: Sie kommt zurück. Ich ,die alte Teewurst, und wir, die alten Gurkengläser, sind doch noch da. Niemals würde sie ohne uns gehen. Niemals. Dann bin ich froh.
Abgerissene Puppenköpfe?
Dichters Hilferuf: Reim gesucht
Ich suche Reime auf
Fön
und Geburtstagstafel bei Kerzenschein.
Wer kann mir helfen?
Georg Krakl
Günter Krass: Erinnerungen - Café Stumpff
(Foto: Hässliche Kaffeehaus-Romantik, weit entfernt von Sartre oder Camus.)
Frage an die Leser: Hat ein Loch einen Rand?
Endpunkt der Ratlosigkeit, denn eine gültige Definition ist bislang nicht gefunden worden, war die Entdeckung des Schwarzen Lochs, ins das Gegenstände passen sollen, die größer als das Loch sind und in dem die Zeit stehen bleibt, weil es ein so langsames Loch ist.
Um solch futuristischer Astroromantik Einhalt zu gebieten, besinnen wir uns einmal auf das Wesentliche: Hat ein Loch einen Rand? Ist ein Loch ohne Rand überhaupt ein Loch und woraus darf der Rand bestehen, damit er ein Loch begrenzt, und weiterhin, wie dick darf dieser Rand sein? Muss man durch das Lochen sehen können, oder reicht es, wenn man mit dem Finger hineinfassen kann? Muss man etwas hineinstecken dürfen bzw. herausziehen? Muss das Loch immer die gleiche Größe haben, wenn es einmal als Loch definiert wurde?
Lieber Leser, wenn du eine Antwort weißt.....
Für Freunde kurzer Texte: Kopfball
Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Frühling
um ihr üppiges Gezweig.
Die Sonne scheint nicht, ach, es schauert,
manch Kuchen ist noch Teig.
Der Fahrradschlauch noch ohne Luft,
die Brille ohne Auge,
der Blume fehlt der strenge Duft,
der Seife fehlt die Lauge.
Dem Lehrer fehlt die Tafel,
der Meise nur ein wenig Kohl,
dem Tauben das Geschwafel,
das Ei ist noch von Ostern hohl.
So fehlt mal dies und fehlt mal das.
Der Frühling hat's genommen,
um seine Pracht zu zeigen, und, ach was,
was red' ich da, der ist doch noch am Kommen,
da kann mal was danebengeh'n.
Ich kann das voll versteh'n.
Doch möcht ich auch nicht Frühling sein,
egal was grad nicht fehlt,
ich wäre lieber Sonnenschein,
der guckt nicht so gequält
und hätt's auch immer warm
und überzeugte meinen Schwarm
gar bunt gescheckter Vögel und Geziefer,
dass ihr Gesang viel schiefer
als der von Udo Lindenberg.
Das freut dann meinen Gartenzwerg,
der gar nicht singen kann.
Musst nicht verzagen,
sag ich, haue mit dem Hammer drauf.
Jetzt fühlt er sich zerschlagen.
Musst nicht verzagen,
wiederhole ich,
entspanne dich,
der Sommer kommt in hundert Tagen.
Mauskostüme für diskriminierte Banker
Mittlerweile erzeugt nicht nur das Gesicht von Postganove Zumwinkel einen Würgereiz, sondern auch das Wort "Banker", ganz zu schwiegen von den Gestalten in Anzug und Lederschuhen mit damenhaften Lederkoffern, die die Tötungshemmung der Geprellten, wenn sie ihrer angesichtig werden, ruckartig entfernen.
Was bleibt den Gedemütigten übrig, als ihre smarte Businesskleidung gegen unauffällige Kostüme auszutauschen? So sieht man immer mehr Banker z.B in Mauskostümen zur Arbeit gehen, oft in Begleitung eines Bodyguards, den man für eine Flasche Klaren am Bahnhof direkt von der Parkbank wegengagieren kann.
Armes Deutschland, das sich von Ungeziefer in Kostümen ausrauben lässt, bzw. von als Ungeziefer Kostümierten und noch Mitleid mit den kleinen Nagern hat.
Der Tierfreund merkt an: So, wie es kein Unkraut gibt, gibt es auch kein Ungeziefer.
Mäuse seien nicht grundlegend schlechte Wesen, nur weil sie sich massenhaft vermehrten und anderen das Essen wegfräßen. Mäuse täten nur, was ihnen ins Nest gelegt sei. Also, nicht einfach draufhauen, wenn dir eine Maus über den Weg läuft, auch mal nett sein zu deinem Mitwesen. Man weiß ja auch nie, ob der Bodyguard vielleicht ein klaren(haha!) Moment hat und eine brenzlige Situation heraufbeschwört.
Beseelte Gegenstände
Man soll es nicht glauben, auch Tischklanten leben in irgendeiner Form, sie empfinden Schmerz und ärgern sich fürchterlich über Kopfverletzungen, wenn ein unachtsamer Tischkantenbenutzer etwa mit einem Stuhl oder einer Nähmaschine gegen das Holz gerammt ist. Schaut man genauer hin, erkennt man, dass die Tischkante nicht nur aus einer Kante an einem Tisch besteht, sondern in Wirklichkeit einem menschenähnlichen Wesen gleicht, das bei hoher Schmerzintensität sogar farbig anlaufen kann. Das Tragische ist, dass die Tischkante ihr Befinden nicht verbal äußern kann, sodass die meisten Mitmenschen glauben, es gebe gar keine lebenden Tischkanten. Dabei ist deren Funktion überaus nützlich, etwa, wenn mal wieder jemand über den Tisch gezogen werden soll. Darum: Demnächst etwas vorsichtiger mit Nähmaschine, Stuhl,Drehbank oder Motorroller, wenn du einen Tisch passierst.
Wahrnehmung: Die Multiplizität des Lebens
Die Straße, auf der alles passiert, widert dich an, du bekomst Hass auf sie. Rotejackerotejacke! Ich kann mir keine rote Jacke leisten, die hässlich ist? Ich habe die Größe nicht? Innerlich nicht, äußerlich nicht? Nicht große Scheine, um sie zu bezahlen? Nur weil die hässliche Bank mit ihren noch hässlicheren Bankern meine Aktien verspielt hat? Dass ich nicht lache!
Jetzt stehst du am Scheideweg: Bleibst du der Kleinkarierte? Wirst du paranoid? Oder gehst du in das hässliche Kaufhaus mit deinem hässlichen Geld und kaufst dir eine pottenhässliche rote Jacke?
Zwei. Du kaufst dir zwei. Eine für sonntags, eine für alle Tage.
Endreimlyrik: Georg Krakl - Schildkröten
Schildkröten-
töten
ist kein Sport
wohl aber Mord
denn Schildkröten haben eine Existenzberechtigung wie jedes Wesen
hab ich wo gelesen
Städte müssen sparen: Rotlichtmilieu
Innerer Monolog: Als James Dean einmal nachdachte...
Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Deutsche Städte (Darmstadt)
Da, wo man es warm hat,
da ist Darmstadt.
Wo man einst krank wurd,
da liegt heute Frankfurt.
Und für viele bellt
ein dummer Hund in Bielefeld.
Cuxhaven, ach, Cuxhaven,
dich hab ich wohl verschlaven.
Aufgewacht bin ich in Darmstadt,
weil es soviel Darm hat.
Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Deutsche Städte (Wuppertal)
Du, schnupper mal!
Hier riecht's extrem nach Wuppertal.
Harmonie bei Mümmelmanns
Achtung im Ziergarten!
Obacht jetzt im Garten, wo alles aus den Erdlöchern hervorschießen will. Die unheimliche schwarze Folie ist wieder unterwegs. Sie nährt sich von üppigen Kräuter, jungen Pflänzchen und der Geldbörse der Gartenbesitzer. Sie liebt es, in Vorgärten von Menschen zu wachsen, die ihre Rasenkanten gerne mit der Nagelschere schneiden würden und ein Büschel Gras in den Rabatten für eine außerirdische Seuche halten, die es mit der Giftspritze zu beseitigen gilt. An diesen Orten wuchert sie in unglaublicherGeschwindigkeit und hinterlässt bleiche Gewächse und modriges organisches Material, das irgendwann einmal das Herz des Betrachters erfreut hat. Es kann helfen, ein paar Löcher in den Folie zu stechen, um wenigstens den härtesten Gartengesellen einen Platz an der Sonne zu sichern, eine wirksame Lösung ist das aber nicht. Ganz ungelegen kommt der schwarze Geselle denRasenkantenmitdernagelschereschneidern nicht: Wo keine Blume, kein Strauch, kein Bäumchen und kein Holunderbusch wachsen, da findet sich auch kein Unkraut, und das macht zufrieden und den Garten übersichtlich.
Brauchtum: Sandeimer aufhängen
Doofe Gedichte: Theodor Spontane - Synapsen/ Kolibri
Wenn die Ohren
bohren
und die Synapsen
flapsen
und die Augen
trotzdem taugen
dann ist es bald soweit
beziehungsweise allerhöchste Zeit.
Der Schrei des Kolobrei
Als der Kolobri
so herzerweichend schrie,
da macht' der Uhu
schnell die Ohren zu-u.
Tipps für Fotofreunde: Mach was aus deinem Bild
Oft sind Bilder langweilig, und wenn wir unsere Diashow den Verwandten und Bekannten zeigen, sind die ersten nach ein paar Minuten eingenickt, weil es nur fahle Farben zu sehen gibt, matte Motive und schlappe Schatten. Das muss nicht sein!Jeder kann sein Bild aufwerten, wenn er etwas Geduld und Kreativität zeigt. Verwitterte Fensterinnenseiten werden leuchtend schön, wenn man einfach mal nachstreicht. Verkehrsschilder brauchen das auch gelegentlich, wenn sie nur als Stehimweg wirken und nicht den moralischen Zeigefinger in die Höhe halten und ein "Hier parken!" zuzurufen scheinen. Langweilige Hauswände kann man nach Herzenslust beschriften; ein "Peter ist doof" bietet für jeden etwas, der einfache Mensch freut sich, dass es Peter ist, der doof ist, und nicht er selbst, der Intellektuelle hat endlich einen Grund, sich über den Verfall der Kultur zu ereifern.
Tipp nebenbei: Nicht gleich die Fassade hochklettern und alles vor Ort neu gestalten; das kann Ärger geben, wenn einen die Polizei erwischt. Manchmal genügt es, ein wenig auf seinem Foto herumzumalen und es dann neu zu fotografieren. Verwandte und Bekannte weden es bei der nächsten Diashow danken.
Optische Täuschungen im Alltag
Es handelt sich um ein Gestänge für Amateurbasketballer, der Rasen ist gar nicht grün, sondern besteht aus Moos und Unkraut, und die Bäume sind morsch und sollen demnächst von brennholzbedürftigen Exheizölverfeuerern in den Kamin gestopft werden. Die Brücke führt nach nirgendwo, vor allem aber nicht weg von diesem Ort, denn dann wäre ein kilometerlanger Stau zu erkennen, was man aber mitnichten tun kann. Der Himmel ist leer, nicht einmal Grau befindet sich dort, Grauen vielleicht. Das Wort Morgengrauen bekommt eine neue Bedeutung. Und das alles, weil man sich in einem schlichten Foto, das möglicherweise durch einen Bedienfehler des Kamerabesitzers entstanden ist, geirrt hat. Welche fatale Folgen das haben könnte! Also, Vorsicht beim unachtsamen Betrachten von Fotos, es besteht immer die Gefahr einer optischen Täuschung. Dem psychisch Labilen sei geraten, seine Speicherkarten möglichst nach Entnahme aus dem Gerät, spätestens aber noch vor morgen Früh zu löschen.
Neue Frühlingsfarben
Endreimlyrik: Georg Krakl - Beinbehaarung
Zählt’ ich die Haare durch auf meinen Beinen.
Vor Freude musst’ ich weinen.
Es fehlte mir nicht eins.

