Schon wieder Gruppentreff, er hielt es nicht mehr aus, jede Woche die langweiligen Gesichter, die abgeschmackten Kleider, die pappig-vergelten Frisuren, der traurige Blick und die feuchten Hände. Gruppentreffs stärken das Gemeinschaftsgefühl, hatte der Therapeut gesagt, ja, hallo, welche Gemeinschaft? Gemeinsam gemein sein? War es das? Hier dachte doch jeder nur an sich, alle waren doch hier, um sich dieses verschissene Gruppengefühl zu holen, damit sie nicht zu Hause in der Sofaecke versauerten, damit sie sich nicht abgetrennt von der Welt fühlen mussten, dafür nahm jeder diese üblen Gestalten in Kauf, die alle am selben Problem litten. Was aber war das Problem? Er konnte sich nicht mehr erinnern. Irgendwie waren sie zusammengekommen, irgendwer hatte mal die Leitung gehabt, der war dann abgehauen, hatte sich aus dem Staub gemacht. Seitdem hatten sie sich aus Gewohnheit getroffen, ohne noch zu wissen, warum. Eine Stunde standen sie herum und starrten die Wände und den Fleck auf dem Lackschuh des Gegenüber an. Was war das Problem? Waren das hier die Anonymen Amnesietiker? Alles vergessen, oder was? Hinterher ging er immer einen trinken. Allein, natürlich. Anonymer Alkoholiker konnte er wohl nicht sein. Obwohl - in der Kneipe kannte er auch keinen, kannte ihn keiner. Anonym war er schon.
Was ist euer Problem?,brüllte es plötzlich aus ihm heraus. Halt's Maul, kam es leise zurück. Klappe. Schnauze. Halt die Fresse. Leise und zischend, so als habe er die Mittagsruhe in der Geschlossenen gestört. Dann eben nicht, dachte er und schwieg. Noch zehn Minuten, dann würde er einen trinken gehen. Vielleicht würde er den Wirt ansprechen und ihm seinen Namen sagen. Hauptsache nicht Anonymer Alkoholiker. Es war zum Heulen, aber die Blöße würde er sich nicht geben.
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Im Spiegel
Bijonzi-Ravenna stand vor dem Spiegel und betrachtete sich. Wie es wohl ist, mich zu küssen?, fragte sie sich und presste ihre Lippen an das Glas. Mit der Zunge fuhr sie über die glatte Fläche und dachte: Wundersam glatt. Und kühl, fast kalt schon. Und man kommt auch gar nicht richtig weiter. Und alles so seitenverkehrt. Ja. Seitenverkehrt. Da wurde Bijonzi-Ravenna ganz traurig und begann sich zu schminken. Sei nicht traurig, Bijonzi-Ravenna, sagte sich Bijonzi-Ravenna, als sie den Kajal-Stift ansetzte, du musst dich ja nicht küssen. Das sollen andere tun.
Und damit wurde es doch noch ein schöner Tag.
Und damit wurde es doch noch ein schöner Tag.
Tod, wo ist dein Stengel ?(2)
Mensch: Du, Tod, man fragt doch so allgemein, Tod, wo ist dein Stängel?
Tod: Es heißt: Tod, wo ist dein Stachel.
Mensch: Was ich wissen wollte, ist, wie schreibt man eigentlich Stängel?
Tod: Es heißt Stachel.
Mensch: Schreibt man denn Stängel mit e oder mit ä?
Tod: Stachel.
Nein, Stängel.
Tod: Stachel.
Mensch: Stängel
Tod: Stachel.
Mensch: Stängel.
Tod: Stachel. Es heißt Stachel. Stachel. Stachel. Nicht Stängel.
Mensch: Ist ja auch egal.
Tod: Nein, ist es nicht.
Mensch: Meinetwegen auch das. Dafür bin ich jetzt aber der Klügere.
Tod: Ich glaube, es geht los.
Mensch: Ich habe nachgegeben.
Tod: Wann das denn?
Mensch: Eben gerade. Und es heißt: Der Klügere gibt nach.
Tod: Der Klügere sein, aber nicht wissen, wie man Stängel schreibt.
Mensch: Ich dachte es heißt Stachel.
Tod: Es reicht gleich.
Mensch: Stachel schreibt man mit a.
Tod: Das hat niemand bestritten.
Mensch: Und Stängel?
Tod: Stängel schreibt man mit ä, kommt von Stange.
Mensch: Ich dachte, man schreibt Stengel mit e.
Tod: Warum fragst du, wenn du alles besser weißt?
Mensch: Ich weiß es ja nicht, aber ich kenne Stengel nur mit e.
Tod: Neue Rechtschreibung. Gilt seit Anfang 2000. Stängel kommt von Stange. Wird mit ä geschrieben.
Mensch: Und deinen Stengel, schreibt man den mit e?
Tod: Aus. Feierabend, es reicht, finito. Ich hol jetzt meinen Stachel.
Mensch: Bringst du den Stängel auch mit? Oder ist das sogar eine Stange?
Tod: Es heißt: Tod, wo ist dein Stachel.
Mensch: Was ich wissen wollte, ist, wie schreibt man eigentlich Stängel?
Tod: Es heißt Stachel.
Mensch: Schreibt man denn Stängel mit e oder mit ä?
Tod: Stachel.
Nein, Stängel.
Tod: Stachel.
Mensch: Stängel
Tod: Stachel.
Mensch: Stängel.
Tod: Stachel. Es heißt Stachel. Stachel. Stachel. Nicht Stängel.
Mensch: Ist ja auch egal.
Tod: Nein, ist es nicht.
Mensch: Meinetwegen auch das. Dafür bin ich jetzt aber der Klügere.
Tod: Ich glaube, es geht los.
Mensch: Ich habe nachgegeben.
Tod: Wann das denn?
Mensch: Eben gerade. Und es heißt: Der Klügere gibt nach.
Tod: Der Klügere sein, aber nicht wissen, wie man Stängel schreibt.
Mensch: Ich dachte es heißt Stachel.
Tod: Es reicht gleich.
Mensch: Stachel schreibt man mit a.
Tod: Das hat niemand bestritten.
Mensch: Und Stängel?
Tod: Stängel schreibt man mit ä, kommt von Stange.
Mensch: Ich dachte, man schreibt Stengel mit e.
Tod: Warum fragst du, wenn du alles besser weißt?
Mensch: Ich weiß es ja nicht, aber ich kenne Stengel nur mit e.
Tod: Neue Rechtschreibung. Gilt seit Anfang 2000. Stängel kommt von Stange. Wird mit ä geschrieben.
Mensch: Und deinen Stengel, schreibt man den mit e?
Tod: Aus. Feierabend, es reicht, finito. Ich hol jetzt meinen Stachel.
Mensch: Bringst du den Stängel auch mit? Oder ist das sogar eine Stange?
Woran ich denke, wenn ich denke
Liebes Tagebuch!
Ich denke so viel und so oft. Nur am Morgen bin ich etwas schwerfällig, besonders beim Zeitungslesen. Heute morgen geht es gleich los: Heilfasten lässt Pfunde furzeln, lese ich, weil sich nach Fund eben ein furzeln anbietet, gemeint war aber purzeln, dass Pfunde purzeln. Ich hatte früher Schwierigkeiten einen Pruzelbaum zu machen, wohin die Pfunde purzeln, weiß ich nicht. Heute morgen scheine ich viel im unteren Bereich des menschlichen Körpers zu denken, auf einem Foto, an einem Bootsanleger geschossen, lese ich, dass die Slipeinlage für Wasserfahrzeuge gesperrt ist. Das Schild müsste bei dieser lustigen Verwechslung wahrscheinlich lachen, wenn es könnte, denn auf ihm stand das Wort Slipanlage. Ich konnte mir nur zusammenreimen, was eine Slipanlage ist. Mein Finanzberater hätte wohl nicht zu einer solchen geraten, und es schied wohl auch ein größeres Objekt, eine Anlage eben, mit tausend Slips befüllt, aus, vielmehr drehte es sich um eine Art Gleitanlage für Boote, damit diese besser ins Nasse kommen können. Warum eine Gleitanlage - könnte man nicht Rutsche sagen? - warum also eine Gleitanlage Slipanlage heißen muss, ist mir nicht bekannt. Der Slip hieß früher Schlüpfer, und das ist ein deutsches Wort, das jeder versteht. Schlüpferanlage klingt aber nicht gut. Vielleicht ist das europaweit normiert, damit auch der Österreicher genauso wie jeder andere Europäer sein Boot gleiten lassen kann.
Als ich im Auto zur Arbeitsstelle fuhr, sagte die Ansagerin, dass man mit großer Mühe das Asylpaket eingetütet habe. Sonst heißt es immer, dass ein Paket geschnürt wurde, was aber keiner mehr macht, die meisten kleben ihr Paket mit Paketklebeband zu, was ja auch reicht. Das Asylpaket mit großer Mühe zugeklebt - wie klingt das denn? Auch wenn dieser bildhafte Ausdruck mal was Neues wäre und der Wirklichkeit entspräche, so klingt er eher lächerlich. Man weiß ja auch nicht, wie groß das Paket ist. Es kann allerdings auch nicht groß sein, wenn es in eine Tüte passt. Das Asylpaket wurde mit großer Mühe eingetütet. Ich wusste nicht, dass man Pakete in Tüten steckt. Trägt man die dann in diesen zur Post, um sie dort auszutüten und aufzugeben? Das Asylpaket ist mit großer Mühe aufgegeben worden, das klingt verständlich und irgendwie ehrlich. Ein Paket zukleben und aufgeben. Überhaupt die ganze Asylgeschichte aufgeben, weil die ja im Paket steckt. Arme Flüchltinge!Armes Deutschland!
Nach Feierabend habe ich noch ferngesehen und von der Trennung eines Prominentenehepaares gehört und gesehen. Die Namen habe ich vergessen, weil mich ein Zitat der beiden irritierte: Wir haben uns getrennt, weil unsere Lebensmittelpunkte wohl zu weit voneinander entfernt waren. Ich musste sofort an Rabattmarken denke und Klebehefte, und dass die beiden wohl beide Sammler waren, vielleicht um eine teflonbeschichtete Pfanne als Treueprämie 10 € günstiger zu bekommen, und irgendwie hatten sie diese Lebensmittelpunkte zu weit auseinander geklebt, sodass das Rabattheft nicht korrekt beklebt war und damit die Prämie hinfällig, auf die die beiden sich so gefreut hatten. Das ist vielleicht ein Grund, sich zu trennen. Auf jeden Fall kommt man mit einem solchen Zitat ins Fernsehen. Vielleicht ist das auch von Edeka gesponsort worden. Ich musste dann an die armen Verkäuferinnen denken, die tausendmal am Tag fragen: Haben Sie die Deutschlandkarte?
Ich will immer antworten: Welchen Ort suchen sie denn? Vielleicht kann ich Ihnen auch so helfen. Nein, denke ich überhaupt nicht, ich denke, vielleicht kaufe ich mir eine Schirmmütze, auf der steht "Ich habe keine Deutschlandkarte und will auch keine haben, ich habe nie eine besessen und ich hasse es, Sammelpunkte zu sammeln, weil man sonst nichts mit ihnen machen kann, und ich möchte auch nicht gefragt werden, ob ich eine Deutschlandkarte habe, hatte oder haben wollen gehabt werde. Ruhe! Was muss ich zahlen?" Leider passt soviel Text nicht auf eine Mütze, und wenn, dann wäre es sehr kleingedruckt und könnte von der Frau an der Kasse nicht gelesen werden, weil die ja sitzen bleibt und nicht aufsteht, um meine Mütze zu lesen.
Ich glaube, ich höre jetzt auf zu schreiben, weil schon wieder Dinge denke, die ich vorhin noch nicht gedacht habe, und dadurch das, was ich vorhin gedacht habe, vielleicht vergesse. Bis morgen, liebes Tagebuch!
Ich denke so viel und so oft. Nur am Morgen bin ich etwas schwerfällig, besonders beim Zeitungslesen. Heute morgen geht es gleich los: Heilfasten lässt Pfunde furzeln, lese ich, weil sich nach Fund eben ein furzeln anbietet, gemeint war aber purzeln, dass Pfunde purzeln. Ich hatte früher Schwierigkeiten einen Pruzelbaum zu machen, wohin die Pfunde purzeln, weiß ich nicht. Heute morgen scheine ich viel im unteren Bereich des menschlichen Körpers zu denken, auf einem Foto, an einem Bootsanleger geschossen, lese ich, dass die Slipeinlage für Wasserfahrzeuge gesperrt ist. Das Schild müsste bei dieser lustigen Verwechslung wahrscheinlich lachen, wenn es könnte, denn auf ihm stand das Wort Slipanlage. Ich konnte mir nur zusammenreimen, was eine Slipanlage ist. Mein Finanzberater hätte wohl nicht zu einer solchen geraten, und es schied wohl auch ein größeres Objekt, eine Anlage eben, mit tausend Slips befüllt, aus, vielmehr drehte es sich um eine Art Gleitanlage für Boote, damit diese besser ins Nasse kommen können. Warum eine Gleitanlage - könnte man nicht Rutsche sagen? - warum also eine Gleitanlage Slipanlage heißen muss, ist mir nicht bekannt. Der Slip hieß früher Schlüpfer, und das ist ein deutsches Wort, das jeder versteht. Schlüpferanlage klingt aber nicht gut. Vielleicht ist das europaweit normiert, damit auch der Österreicher genauso wie jeder andere Europäer sein Boot gleiten lassen kann.
Als ich im Auto zur Arbeitsstelle fuhr, sagte die Ansagerin, dass man mit großer Mühe das Asylpaket eingetütet habe. Sonst heißt es immer, dass ein Paket geschnürt wurde, was aber keiner mehr macht, die meisten kleben ihr Paket mit Paketklebeband zu, was ja auch reicht. Das Asylpaket mit großer Mühe zugeklebt - wie klingt das denn? Auch wenn dieser bildhafte Ausdruck mal was Neues wäre und der Wirklichkeit entspräche, so klingt er eher lächerlich. Man weiß ja auch nicht, wie groß das Paket ist. Es kann allerdings auch nicht groß sein, wenn es in eine Tüte passt. Das Asylpaket wurde mit großer Mühe eingetütet. Ich wusste nicht, dass man Pakete in Tüten steckt. Trägt man die dann in diesen zur Post, um sie dort auszutüten und aufzugeben? Das Asylpaket ist mit großer Mühe aufgegeben worden, das klingt verständlich und irgendwie ehrlich. Ein Paket zukleben und aufgeben. Überhaupt die ganze Asylgeschichte aufgeben, weil die ja im Paket steckt. Arme Flüchltinge!Armes Deutschland!
Nach Feierabend habe ich noch ferngesehen und von der Trennung eines Prominentenehepaares gehört und gesehen. Die Namen habe ich vergessen, weil mich ein Zitat der beiden irritierte: Wir haben uns getrennt, weil unsere Lebensmittelpunkte wohl zu weit voneinander entfernt waren. Ich musste sofort an Rabattmarken denke und Klebehefte, und dass die beiden wohl beide Sammler waren, vielleicht um eine teflonbeschichtete Pfanne als Treueprämie 10 € günstiger zu bekommen, und irgendwie hatten sie diese Lebensmittelpunkte zu weit auseinander geklebt, sodass das Rabattheft nicht korrekt beklebt war und damit die Prämie hinfällig, auf die die beiden sich so gefreut hatten. Das ist vielleicht ein Grund, sich zu trennen. Auf jeden Fall kommt man mit einem solchen Zitat ins Fernsehen. Vielleicht ist das auch von Edeka gesponsort worden. Ich musste dann an die armen Verkäuferinnen denken, die tausendmal am Tag fragen: Haben Sie die Deutschlandkarte?
Ich will immer antworten: Welchen Ort suchen sie denn? Vielleicht kann ich Ihnen auch so helfen. Nein, denke ich überhaupt nicht, ich denke, vielleicht kaufe ich mir eine Schirmmütze, auf der steht "Ich habe keine Deutschlandkarte und will auch keine haben, ich habe nie eine besessen und ich hasse es, Sammelpunkte zu sammeln, weil man sonst nichts mit ihnen machen kann, und ich möchte auch nicht gefragt werden, ob ich eine Deutschlandkarte habe, hatte oder haben wollen gehabt werde. Ruhe! Was muss ich zahlen?" Leider passt soviel Text nicht auf eine Mütze, und wenn, dann wäre es sehr kleingedruckt und könnte von der Frau an der Kasse nicht gelesen werden, weil die ja sitzen bleibt und nicht aufsteht, um meine Mütze zu lesen.
Ich glaube, ich höre jetzt auf zu schreiben, weil schon wieder Dinge denke, die ich vorhin noch nicht gedacht habe, und dadurch das, was ich vorhin gedacht habe, vielleicht vergesse. Bis morgen, liebes Tagebuch!
Lücken im Alltag
![]() |
| Vladimir Malewisch: Lücken im Alltag (2016) |
Wir irren weiter umher und suchen den Füller, ohne zu wissen, dass es ihn gar nicht gibt, nicht von Lamy, nicht von Pelikan, und schon gar nicht von Geha, die sind nämlich pleite, was aber so ziemlich egal ist. Möglicherweise sollte wir froh sein, dass unsere Lücken nicht gefüllt werden, denn dann könnte man die Wirrniss des Alltags erkennen, wäre verstört ob der schrillen Buntheit und verworrenen Linieführung, ob der unstrukturierten Pinselführung des Lebens, das sich erlaubt, mit fettem Strich durch unsere Rechnungen zu malen.
Seien wir froh, dass wir nicht alles erkennen, denn dann wären wir vielleicht Lückenbüßer, die für das nicht Vorhandene die Rechnung zu zahlen hätten.
Also: Es muss nicht immer alles komplett sein. Oft reicht es, wenn es das Kartoffelpüree aus dem Paket ist. Den Rest denkt man sich einfach dazu, denn dazu sollte das Gehirn eigentlich da sein, wenn es denn da ist.
Wo bitteschön liegt Mendocino?
Auf der Straße nach Mendocino, sang Michael Holm damals, ein schmaler Kerl mit seltsamer Frisur, die wirkte als, wären die Haare immer schnell fettig und müssten ständig gewaschen werden. Bei Fernsehauftritten waren sie natürlich gewaschen, und deshalb machte Michael Holm immer einen ordentlichen Eindruck bei Frauen, die einen anderen Partner suchen. Er sah aus wie frisch geduscht und parat für eine keimfreie Umarmung. Er hätte gut der freundliche Verkäufer aus der Drogerie sein können, der einem die Fehler auf seinen Urlaubsfotos erklärte, ohne, dass man ihn darum gebeten hatte. Er wollte einfach freundlich sein.
Wo liegt denn Mendocino?, fragten wir uns, weil wir keine Ahnung hatten, als wir den Song im Original und auf Englisch hörten, wir, die wir nur rudimentär Englisch sprachen. Das Rätsel wurde von einem Quintett von Langhaarigen dargeboten, die wie dauerbekifft aussahen, wie wir später feststellten, nachdem wir mehr über Softdrogen erfahren hatten. Mendocino war ein Rätsel für uns, aber intuitiv spürten wir, dass das Lied aus lediglich zwei Akkorden bestand und damit überschaubar war. Anfänger im Gitarrespiel hätten gute Chancen gehabt, bei dem Lied mitspielen zu können.
Trotz aller Schlichtheit der Struktur blieb das Mysterium: Wo liegt Mendocino?
Und dann kam Michael Holm, der uns erklärte, dass es eine Straße nach San Fernando gab. Da stieg ein Mädchen ins Auto, die wollte nach Mendocino. Jetzt hatten wir schon zwei Orte, deren geographische Lage wir nicht kannten und natürlich auch kein Internet, um mal nachzugooglen, was da los war.
Jener frisch geduschte Michael Holm sah jedenfalls die Augen, die Haare und zwei goldene Spangen des Mädchens, die gleichzeitig einräumte, sie sähe jenen Holm gerne wieder. Just in diesem Augenblick vergaß der Sänger jedoch ihren Namen. Irgendwie musste das Mädchen mit dem an Amnesie leidenden Holm doch nach Mendocino geraten und ausgestiegen sein.
Die Lage des Ortes blieb dem Sänger im Gedächtnis, wie er dort hingekommen war, bleibt uns verborgen. Da er den Namen der jungen Frau nicht erinnern konnte, aber wohl das eindeutige Angebot eines weiteren Treffens, das ihm 1000 Küsse versprach und wohl auch noch etwas mehr, fuhr er dann ständig nach Mendocino und fragte die Menschen an den Türen, ob sie jenes Mädchen ohne Namen kennten. Hier haben alle Namen, war die schroffe Antwort genervter Dörfler in Mendocino, die es allmählich leid waren, immer dieselbe Frage zu hören, auf die es keine Antwort gab.
Mittlerweile schließen sich die Türen und man hört die Bärte der Schlüssel in den Löchern knacken, wenn Michael Holm in seinem PKW von der Straße nach Fernando in den Ort Mendocino abbiegt.
Dem Sänger bleibt die bittere Erkenntnis, dass keiner sein Mädchen ohne Namen kennt in Mendocino.
Michael Holm hat uns aber mit seinem traurigen Lied geholfen, in die raue Welt des Beats zu gelangen und festzustellen, dass nicht alles, was wie Englisch klingt, auch einen Sinn ergib oder besser als ein deutscher Schlager ist. Manchmal macht es nur die Frisur, und da hatte Michael Holm eindeutig punkten können.
Wo liegt denn Mendocino?, fragten wir uns, weil wir keine Ahnung hatten, als wir den Song im Original und auf Englisch hörten, wir, die wir nur rudimentär Englisch sprachen. Das Rätsel wurde von einem Quintett von Langhaarigen dargeboten, die wie dauerbekifft aussahen, wie wir später feststellten, nachdem wir mehr über Softdrogen erfahren hatten. Mendocino war ein Rätsel für uns, aber intuitiv spürten wir, dass das Lied aus lediglich zwei Akkorden bestand und damit überschaubar war. Anfänger im Gitarrespiel hätten gute Chancen gehabt, bei dem Lied mitspielen zu können.
Trotz aller Schlichtheit der Struktur blieb das Mysterium: Wo liegt Mendocino?
Und dann kam Michael Holm, der uns erklärte, dass es eine Straße nach San Fernando gab. Da stieg ein Mädchen ins Auto, die wollte nach Mendocino. Jetzt hatten wir schon zwei Orte, deren geographische Lage wir nicht kannten und natürlich auch kein Internet, um mal nachzugooglen, was da los war.
Jener frisch geduschte Michael Holm sah jedenfalls die Augen, die Haare und zwei goldene Spangen des Mädchens, die gleichzeitig einräumte, sie sähe jenen Holm gerne wieder. Just in diesem Augenblick vergaß der Sänger jedoch ihren Namen. Irgendwie musste das Mädchen mit dem an Amnesie leidenden Holm doch nach Mendocino geraten und ausgestiegen sein.
Die Lage des Ortes blieb dem Sänger im Gedächtnis, wie er dort hingekommen war, bleibt uns verborgen. Da er den Namen der jungen Frau nicht erinnern konnte, aber wohl das eindeutige Angebot eines weiteren Treffens, das ihm 1000 Küsse versprach und wohl auch noch etwas mehr, fuhr er dann ständig nach Mendocino und fragte die Menschen an den Türen, ob sie jenes Mädchen ohne Namen kennten. Hier haben alle Namen, war die schroffe Antwort genervter Dörfler in Mendocino, die es allmählich leid waren, immer dieselbe Frage zu hören, auf die es keine Antwort gab.
Mittlerweile schließen sich die Türen und man hört die Bärte der Schlüssel in den Löchern knacken, wenn Michael Holm in seinem PKW von der Straße nach Fernando in den Ort Mendocino abbiegt.
Dem Sänger bleibt die bittere Erkenntnis, dass keiner sein Mädchen ohne Namen kennt in Mendocino.
Michael Holm hat uns aber mit seinem traurigen Lied geholfen, in die raue Welt des Beats zu gelangen und festzustellen, dass nicht alles, was wie Englisch klingt, auch einen Sinn ergib oder besser als ein deutscher Schlager ist. Manchmal macht es nur die Frisur, und da hatte Michael Holm eindeutig punkten können.
Der Verschluckplattenspieler der 60er Jahre
Onkel Horst hatte einen Verschluckplattenspieler, in dem Singleplatten verschwanden. Immer hatte sich Bodo gefragt, was in diesem geheimen Kasten hinter dem magischen Schlitz passierte. Der Onkel und manchmal der Cousin, des Onkels Sohn, der vier Jahre älter war als Bodo, steckten eine Schlagerplatte in die schmale Öffnung, und es wirkte so, als ob der Apparat auch selbst mithülfe, indem er die schwarze Scheibe in sich sog. Was dann geschah, blieb dem Betrachter verborgen. Nach einigen Sekunden dröhnte Musik aus dem Kasten, immer die, die auch auf der Plattenhülle stand. Die Musik hatte unterschiedliche Qualität, aber gefiel dem Onkel. Alternativen gab es nicht, denn der Plattenschrank des Onkels war begrenzt. Die große Platten, auf denen sich bis zu 4o Minuten Musik befanden, passten nicht in den Kasten und blieben stumm. Auf den kleinen befanden sich Stücke, die man häufig im Radio hörte und durch das Hilfsmittel des Verschluckplattenspielers jederzeit zum Hören gebracht werden konnte. Der Verschluckplattenspieler sorgte dafür, dass man sich Musikstücke schneller überhörte, dass man ein feines und unangenehmes Zittern der Nerven spürte, wenn das Stück "schon wieder" im Radio gespielt wurde.
Was aber der Verschluckplattenspieler mit den Platten machte, wenn sie durch seinen Schlitz gedrungen waren, das blieb geheim.
Am Ende des Stückes spuckte er die schwarzen Platten aber immer wieder aus, so, als hätte er sie über.
Was aber der Verschluckplattenspieler mit den Platten machte, wenn sie durch seinen Schlitz gedrungen waren, das blieb geheim.
Am Ende des Stückes spuckte er die schwarzen Platten aber immer wieder aus, so, als hätte er sie über.
Literaturzitat:Der Morgen des Abendlandes
![]() | ||||
| Malewisch: Hingeschmierter Morgen (2016) |
Nun aber hatten sie sich die Finger verbrannt und schauten aus tumben Augen in dumpfen Schädeln auf das Ende, der ein Anfang war...( Aus: Brechmeier, Rolle - Als ich meinen Arsch vor der Pegida gerettet gehabt hatte, S.296, Leipzig und Dresden 2017)
Quasimir Malewisch: Blick aus dem Fenster bei unbedeckter Rückfront und Hang zur Weite (2016)
Malewisch, dieser Flächendecker mit Hang zu überlangen Titeln hat mal wieder - mal! wieder - zugeschlagen, was heißt, er hat mit seinem Flächenpinsel eine Fototapete übergetüncht und dabei eine prägnante Stelle als Blickfang freigelassen. Vielleicht ist ihm aber nur die Farbe ausgegangen. Die kryptischen Titel seiner sogenannten Werke stoßen eher ab als auf, Hang zur Weite, was soll das denn sein? Unbedeckte Rückfront, das ist doch ein Widerspruch in sich. Da lob ich mir doch lieber das Malen nach Zahlen, da muss man zwar nicht rechnen können, aber wenigstens zählen. (Aus: Malen und Zahlen, Heft 1, 2016, S.5)
Gedicht mit „Pils und Pelz und pulst“ drin
will sagen, Pils auf Pils rinnt in die Kehle,
dann umarmt und herzt die eine schnell die andere Seele,
und die kalte Frau im Pelz, sie schmilzt.
Dem Manne, der ein Pils verschluckt,
und in den Pelz reinguckt,
dem pulst
Das Blut und sorgt
ganz gut
für eine temporäre Unterleibsgeschwulst.
Das Herzgewummer wird zum Shittpuls
angesichts des Hunds der Dame, eines braungefleckten Pittbulls.
Das Pils, das will der Mann jetzt ohne Pelz und Puls genießen,
die schmilzend’ Frau wird wohl zu Boden fließen
müssen,
dahin, wo jener Pittbull liegt auf seinem Pitbullkissen.
Hoffnung im Alter
Seit ich nicht mehr hören kann,
was ich sage,
gehe ich mir nicht mehr so auf die Nerven.
Das Leben ist friedlicher geworden.
Aber auch einsamer.
was ich sage,
gehe ich mir nicht mehr so auf die Nerven.
Das Leben ist friedlicher geworden.
Aber auch einsamer.
Georg Krakl - Pulsgedicht
Schittpuls
im Angesicht des Pitbulls.
Das Frauchen dieses Kampfhunds sitzt im Pelz
an der Theke in der Linken schwebt ein Pils
und ihr Lächeln! große Zähne, weißer Schmelz.
Pilz und Pelz. Und Puls!
Pilz und Pelz und Puls.
Schittpuls.
Angesichts des Pittbulls.
Der König und sein Huhn: Hühnersuppe
König: Na,
Huhn, heute schon das Ei für den König gelegt?
Huhn: Ich
lege die Eier in erster Linie für mich.
König: Du
wirst schon wieder unverschämt.
Huhn: Die
Eier wollen eben raus, ob für den König, ob für den Eigenbedarf.
König: Das
könntest du auch angemessener ausdrücken.
Huhn: Wenn’s
doch so ist. Und überhaupt: Was heißt denn angemessen?
König: Dass
der König das Gefühl hat, dass er respektiert wird, dass seine Untertanen ihn
lieben, aber auch fürchten. Erst dann kann ein König herrschen zum Wohle der
Untertanen.
Huhn: Warum
willst du denn das Ei?
König: Ich
esse täglich ein Ei.
Huhn: Das
soll gerecht sein? Und das Volk?
König: Das
Volk hat seine eigenen Eier.
Huhn: Und wo
kommen die her?
König:
Natürlich von Hühnern, dumme Frage.
Huhn: Seit
wann das denn?
König: Werd
nicht frech!
Huhn: Jetzt
kommt die Nummer wieder. Wenn der König nicht weiterweiß, sind andere gleich
frech.
König: Wo
bleibt mein Ei?
Huhn: Keine
Ahnung, hattest du denn mal eins?
König: Das geht
dich gar nichts an.
Huhn: Aber
meins haben wollen.
König: Jetzt
wirst du unverschämt. Zum Henker
mit dir!
Huhn: Stehst
wohl auf Frikassée.
König:
Henker! Ich lasse Hühnersuppe aus dir machen!
Huhn: Zur
Hühnersuppe gehören immer zwei.
König:
Henker!
Huhn: Hühner
ist nämlich Plural. Aus mir kannst du nur Huhnsuppe machen.
König:
Henker! Henker!
Huhn: Das
Königreich der Richter und Henker. Witzig.
König:
Henker, der König wünscht Huhnsuppe!
Huhn:
Korrekt. Huhnsuppe aus einem Huhn.
König:
Henker!
Huhn: Nicht
mal der kommt. Toller König!
König: Es
ist zum Verzweifeln. Ein guter König braucht einen Henker. Ich kann doch nicht
alles selber machen.
Huhn: König,
ich bin dann mal weg. Das kann ja dauern, bis der Kollege da ist.
König: Du
bleibst hier.
Huhn: Ich geh kurz ein Ei legen.
Gib dem König was des Königs ist. Steht schon in der Bibel.
Georg Krakl - Gedicht mit Genmanipulation drin
Wir lieben roten Klatschmohn,
und meiden doch den Matsch-Klon.
und meiden doch den Matsch-Klon.
Der König und sein Huhn: Majestät, Herr König
Huhn: König?
König: Majestät, so viel Zeit muss sein.
Huhn: Was ist eigentlich ein guter König?
König: Na, ich.
Huhn: Aha.
König: Ich sorge für dich. Das macht einen guten König aus. Der sorgt für seine Untertanen und seine Hühner. Der sorgt sich um....
Huhn(unterbricht): Jetzt keine Regierungserklärung. Ich wollte nur wissen, was ein guter König ist.
König: Na, ich. Habe ich doch gesagt. Weil ich für dich sorge.
Huhn: Mir kommt vor, dass ich für dich sorge.
König: Wie kommst du denn darauf?
Huhn: Ich lege die Eier und du isst sie.
König: Andersrum wäre absurd.
Huhn: Wenn ich aber die Eier lege und für dich sorge, warum bin ich dann nicht König?
König: Weil ich der König bin.
Huhn: Das ist ja sehr überzeugend.
König: Ich gebe dir Schutz.
Huhn: Und wovor schützt du mich?
König: Dass dir keiner was zuleide tut.
Huhn: Wer sollte das sein?
König: Der Henker zum Beispiel.
Huhn: Warum sollte mir der etwas tun?
König: Weil du keine Eier mehr legst.
Huhn: Warum sollte ich das tun?
König: Keine Ahnung. Aus Trotz vielleicht?
Huhn: Aber es sind doch meine Eier. Da kann ich doch entscheiden, ob oder wann ich sie lege.
König: Die Eier gehören dem König.
Huhn: Wieso?
König: Das war schon immer so. Ein König ohne Eier ist wie ein Fahrrad ohne Kette. Wie Steuer ohne Erklärung. Wie Buch ohne Haltung. Für die Eier gewähre ich Schutz.
Huhn: Schutz vor dem Henker, der mir was antäte, wenn ich keine Eier mehr legte, die dem König gehören?
König: Jepp!
Huhn: Aber wenn mir der Henker etwas antut, dann kann ich doch auch keine Eier mehr legen.
König: Das liegt an der Struktur der Monarchie.
Huhn: Und dann?
König: Ein Huhn, das keine Eier mehr legt, kommt in die Suppe.
Huhn: ----
König: Wo gehst du hin?
Huhn: Ich geh erst mal ein Ei legen.
König: Majestät, so viel Zeit muss sein.
Huhn: Was ist eigentlich ein guter König?
König: Na, ich.
Huhn: Aha.
König: Ich sorge für dich. Das macht einen guten König aus. Der sorgt für seine Untertanen und seine Hühner. Der sorgt sich um....
Huhn(unterbricht): Jetzt keine Regierungserklärung. Ich wollte nur wissen, was ein guter König ist.
König: Na, ich. Habe ich doch gesagt. Weil ich für dich sorge.
Huhn: Mir kommt vor, dass ich für dich sorge.
König: Wie kommst du denn darauf?
Huhn: Ich lege die Eier und du isst sie.
König: Andersrum wäre absurd.
Huhn: Wenn ich aber die Eier lege und für dich sorge, warum bin ich dann nicht König?
König: Weil ich der König bin.
Huhn: Das ist ja sehr überzeugend.
König: Ich gebe dir Schutz.
Huhn: Und wovor schützt du mich?
König: Dass dir keiner was zuleide tut.
Huhn: Wer sollte das sein?
König: Der Henker zum Beispiel.
Huhn: Warum sollte mir der etwas tun?
König: Weil du keine Eier mehr legst.
Huhn: Warum sollte ich das tun?
König: Keine Ahnung. Aus Trotz vielleicht?
Huhn: Aber es sind doch meine Eier. Da kann ich doch entscheiden, ob oder wann ich sie lege.
König: Die Eier gehören dem König.
Huhn: Wieso?
König: Das war schon immer so. Ein König ohne Eier ist wie ein Fahrrad ohne Kette. Wie Steuer ohne Erklärung. Wie Buch ohne Haltung. Für die Eier gewähre ich Schutz.
Huhn: Schutz vor dem Henker, der mir was antäte, wenn ich keine Eier mehr legte, die dem König gehören?
König: Jepp!
Huhn: Aber wenn mir der Henker etwas antut, dann kann ich doch auch keine Eier mehr legen.
König: Das liegt an der Struktur der Monarchie.
Huhn: Und dann?
König: Ein Huhn, das keine Eier mehr legt, kommt in die Suppe.
Huhn: ----
König: Wo gehst du hin?
Huhn: Ich geh erst mal ein Ei legen.
Georg Krakl - Finanzmarkt
Die Gans quarkt
Finanzmarkt
Was will der alte Allyriker Krakl sagen?
Er ist sich nicht zu schade, auf Markt mit quarkt zu reimen.
Ein Versehen, oder eine stille Kritik an den Gebahren der dem Finanzmarkt Verfallenen?
Die Gans quakt - nimmt man den Satz als Metapher, so wird das Banale unserer Gegenwart deutlich. Auch wenn die Gans dem Schäferhund als Wachtier überlegen ist, so hält man ihr Gequake doch eher für Blödsinn. Die Gans regt sich auf, die Gans schnattert, die Gans quakt. Viel Lärm um nichts.
Und jetzt kommt Krakl und lässt die Gans quarken. Was für ein Quark, soll der Leser denken, kann der nicht reimen? Das will ein Lyriker sein?
Zu früh gefreut. Krakl lässt hier feinsinnig eine Gans tun, was nur die Milch kann, was selbst dem Quark nicht möglich ist, nämlich zu quarken. Es säuert, es gärt, das Flüssige wird greifbar, auch wenn es merkwürdig schmeckt. Wir sind sauer auf die Finanzmärkte, auf denen wir abgezockt werden, auf denen sich Glücksritter tummeln, die Profite kassieren wollen, während wir das Portemonnaie öffnen
und missbraucht werden, das Risiko zu tragen und die Verluste mit ehrlichem Geld zu begleichen.
Was für ein Quark, quarkt die Gans und wir müssen ihr Recht geben, denn wir sind in der selben Rolle, wir sind gesellschaftlich die dumme Gans, die sich diesen Quark servieren lässt und die nichts tun will und nichts tun kann. Die Profite bleiben privat, die Schulden werden vergesellschaftet.
Wir, die Gänse, sind nicht privat, wir sind die Masse, vielleicht Weihnachtsgänse, die man bei Bedarf schlachtet.
Die Gans quarkt
Finanzmarkt
Da muss kein Appell mehr kommen. Das lapidare "Finanzmarkt" brennt sich in die Hirne. Lasst uns hoffen, dass nicht wesentliche Teile beschädigt sind und die Botschaft des Krakelschen Gedichts im Gehörgang oder den Nasennebenhöhlen hängenbleibt, sondern ankommt, Erkenntnis provoziert und Handeln nach sich zieht. Erkennen ohne zu handeln, das bringt nämlich gar nichts.
Finanzmarkt
Was will der alte Allyriker Krakl sagen?
Er ist sich nicht zu schade, auf Markt mit quarkt zu reimen.
Ein Versehen, oder eine stille Kritik an den Gebahren der dem Finanzmarkt Verfallenen?
Die Gans quakt - nimmt man den Satz als Metapher, so wird das Banale unserer Gegenwart deutlich. Auch wenn die Gans dem Schäferhund als Wachtier überlegen ist, so hält man ihr Gequake doch eher für Blödsinn. Die Gans regt sich auf, die Gans schnattert, die Gans quakt. Viel Lärm um nichts.
Und jetzt kommt Krakl und lässt die Gans quarken. Was für ein Quark, soll der Leser denken, kann der nicht reimen? Das will ein Lyriker sein?
Zu früh gefreut. Krakl lässt hier feinsinnig eine Gans tun, was nur die Milch kann, was selbst dem Quark nicht möglich ist, nämlich zu quarken. Es säuert, es gärt, das Flüssige wird greifbar, auch wenn es merkwürdig schmeckt. Wir sind sauer auf die Finanzmärkte, auf denen wir abgezockt werden, auf denen sich Glücksritter tummeln, die Profite kassieren wollen, während wir das Portemonnaie öffnen
und missbraucht werden, das Risiko zu tragen und die Verluste mit ehrlichem Geld zu begleichen.
Was für ein Quark, quarkt die Gans und wir müssen ihr Recht geben, denn wir sind in der selben Rolle, wir sind gesellschaftlich die dumme Gans, die sich diesen Quark servieren lässt und die nichts tun will und nichts tun kann. Die Profite bleiben privat, die Schulden werden vergesellschaftet.
Wir, die Gänse, sind nicht privat, wir sind die Masse, vielleicht Weihnachtsgänse, die man bei Bedarf schlachtet.
Die Gans quarkt
Finanzmarkt
Da muss kein Appell mehr kommen. Das lapidare "Finanzmarkt" brennt sich in die Hirne. Lasst uns hoffen, dass nicht wesentliche Teile beschädigt sind und die Botschaft des Krakelschen Gedichts im Gehörgang oder den Nasennebenhöhlen hängenbleibt, sondern ankommt, Erkenntnis provoziert und Handeln nach sich zieht. Erkennen ohne zu handeln, das bringt nämlich gar nichts.
Sich mit einem Schäferhund bei Regenwetter anfreunden
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| Rex. Alle Hunde sollten Rex heißen. |
Es sei denn, er ist irgendwann mal gebissen worden. Der Mensch.
Hunde sind aber nicht nur Erleichterung, sondern könne auch Aufgabe sein.
Wenn Fifi dreimal am Mittwoch auf den Perser gekackt hat, dann heißt es, Demut zu zeigen vor der Kreatur und mit der Plastikhundeexkrementeschaufel bzw. der Hundeexkrementeplastikschaufel vom Fressnapf oder aus dem Fachhandel für Tierhygiene und einem Napf mit Seifenwasser, einer Bürste und einem Lappen auf den Bodenbelag einzuwirken.
Der Hund kann ja nichts dafür, denn er ist ja ein Freund.
Nicht mal den Zechkumpanen vom Vorabend würde man mit der Schnauze in das Falschgemachte stecken, weil das den Hineingesteckten aggressiv machen würde und eben auch menschenverachtend ist.
Schäferhund
Da ist der Schäferhund.
Der soll mein
Freund werden, denkt Klein-Uwe, und streckt vorsichtig die Hand aus.
Der Hund knurrt.
Er weiß nicht, dass Klein-Uwe lieb ist.
Klein-Uwe denkt,
warum muss es denn ein Schäferhund sein?
Der Hund ist eine
günstige Gelegenheit, sagt die Mutter.
Der Vater wünscht
sich einen deutschen Schäferhund. Damit er einen Freund hat.
Der Hund ist doch
nett, sagt die Mutter, und Klein-Uwe versucht Freundschaft zu schließen.
Der Hund kennt
das Wort überhaupt nicht.
Der Hund stinkt.
Der Hund stinkt!,
sagt Klein-Uwe.
Die Mutter
schüttelt den Kopf: Das tut der nur bei Regen.
Aber es regnet
doch überhaupt nicht, meint Klein-Uwe.
Irgendwo wird es
schon regnen, sagt die Mutter, weil der Vater endlich einen Freund braucht.
Aber er stinkt,
wiederholt Klein-Uwe.
Kannst du nicht
hören? ,fragt die Mutter, der stinkt nicht. Und wenn er stinkt, dann regnet es
irgendwo. Oder sollen wir wieder zum Ohren-Arzt?
Klein-Uwe
schüttelt den Kopf.
Wie heißt denn
der Hund? ,fragt Klein-Uwe.
Das ist doch erst
mal egal, sagt die Mutter.
Aber der Hund
knurrt, sagt Klein-Uwe.
Wenn er knurrt,
will er nur spielen, sagt die Mutter.
Was kann er denn
spielen?, fragt Klein-Uwe.
Die Mutter
schweigt, dann sagt sie: Das musst du schon selber rausfinden.
Spitz, pass auf? ,
fragt Klein-Uwe.
Der Hund knurrt.
Das wohl nicht,
sagt die Mutter, das ist ein Schäferhund.
Der Hund schnappt
zu und Klein-Uwe schreit auf.
Mensch, ärgere
dich nicht! ,sagt die Mutter, Mensch, ärgere dich nicht, sagt sie zu sich
selbst.
Klein-Uwe weint.
Der Hund sitzt kerzengerade und schaut irgendwie selbstgefällig drein.
Die Mutter
schluckt. Gleich kommt Vater, sagt sie.
Der Hund kann ja
nicht mal beim Maumau die Karten halten, flüstert Klein-Uwe.
Still jetzt!,
sagt die Mutter.
Und überhaupt:
Der stinkt, obwohl es nicht regnet, sagt Klein-Uwe noch leiser.
Der Hund knurrt.
Der Hund knurrt
lauter.
Die Mutter sagt:
Aus!
Der Hund knurrt.
Klein-Uwe weint.
Heute werden sie
keine Freunde, weil es nirgendwo regnet, denkt die Mutter.
Der Vater ist
nicht da.
Klein-Uwe weint.
Georg Krakl - Das Lachen der Fellachen
Wenn Fellachen
Sachen
machen
können sie bis 60 Stunden wachen
lassen es so richtig krachen
und dann hört man die Fellachen
herzhaft lachen.
Den Fellachen lachen hören
kann die schönste Frau betören.
Der Fellach
legt gerne flach.
Wenn die Pelztierjäger
Tiere in den Pelzen jagen,
wenn sie 60 Stunden lauern und dabei an Hühnerbeinen nagen,
wenn sie Tieren, ungeschoren,
ihre Felle ziehen über deren Ohren,
wenn sie richtig Kasse machen
hört man ihr FELLLachen.
Lieber als der Pelztierjäger Lachen
sind mir die Fellachen.
Sachen
machen
können sie bis 60 Stunden wachen
lassen es so richtig krachen
und dann hört man die Fellachen
herzhaft lachen.
Den Fellachen lachen hören
kann die schönste Frau betören.
Der Fellach
legt gerne flach.
Wenn die Pelztierjäger
Tiere in den Pelzen jagen,
wenn sie 60 Stunden lauern und dabei an Hühnerbeinen nagen,
wenn sie Tieren, ungeschoren,
ihre Felle ziehen über deren Ohren,
wenn sie richtig Kasse machen
hört man ihr FELLLachen.
Lieber als der Pelztierjäger Lachen
sind mir die Fellachen.
Schule: Appetitabregende Mitschüler
Berni hatte sich eingeschissen. Die Klasse stank. Die Klasse 1 stank. Bernie war zum zweiten Mal in dieser Klasse. Alle beäugten ihn und die Eltern munkelten, er sei nicht richtig. Wir Volksschulhirne folgerten: Nicht richtig heißt falsch. Seine große Schwester kam und holte ihn ab. Sie brachte ihn nach Hause, um Gestank und Ursache entfernen zu lassen. Bernie war wie eine Zeitbombe, auch wenn wir das Wort möglicherweise nicht kannten, aber er konnte jeden Moment losgehen, und der Gestank wäre wieder da gewesen.
Elsbeth lief eine Rotzspur aus der Nase bis auf die Lippe, die war gelblichgrün. Elsbeth war schmuddelig und roch, vielleicht weil sie in einem verfallenden Fachwerkhaus lebte und den Geruch angenommen hatte. Die Eltern waren schlichte Leute, der Vater ungelernter Arbeiter, Hilfsarbeiter hieß der früher, wie die Schüler, die nicht richtig waren, Hilfsschüler hießen, und man erzählte, die Eheleute hätten einmal sechs Richtige im Lotto gehabt, der Vater aber habe vergessen, den Schein abzugeben. Der klassische Fall und jeder rechnete, wie das Leben der drei aussähe, wenn der Schein seinen Weg in Lottoannahmestelle gefunden hätte. Manchmal, wenn der gelbgrüne Streifen zu lang war, leckte Elsbeth über die Lippe. An diesen Tagen brachte ich mein Schulbrot wieder mit nach Hause.
Steinhoff vier Jahre später auf dem Gymnasium schmierte seine Popel, nachdem er sie dem Nasenraum entnommen hatte und sich die Konsistenz als nicht rollbar erwies, gern an das Bein seiner Schulbank, oder, wenn das Objekt zu klein war, an seine dreiviertellange Lederhose. Er war der Einzige, der eine Hose aus Nappaleder trug und nicht eine aus rauem Leder, die nach und nach speckig wurde vom Händeabwischen. Niemand wollte gern in die Nähe seiner Bank, sprich in die Nähe des Tischbeins, noch seiner Lederhose kommen.
Steffensmeier ein paar Klassen später popelte auch und schob die Objekte dann, obwohl längst spätpubertierend, zwischen die Zähne, um sich an ihrem salzigen Geschmack zu ergötzen.Gleichzeitig rieb er mit der anderen Hand an seiner Jeans herum, im Bereich zwischen den beiden Fronttaschen, legte die Haut an der Nasenwurzel in Falten und stieß dabei gelegentlich Luft durch die Nase aus, wenn nicht gerade der Finger drin war.Der penetrierende Finger und die reibende Hand schienen sich perfekt zu ergänzen.
Schule bereitet auf das Leben vor, und jeder weiß, wenn er ähnliche Erfahrungen gemacht hat, dass nicht alles schön ist, aber dass man das Appetitabregende aushalten kann, und dass der Appetit sich wieder einstellt; spätestens, wenn Hunger dazu kommt.
Elsbeth lief eine Rotzspur aus der Nase bis auf die Lippe, die war gelblichgrün. Elsbeth war schmuddelig und roch, vielleicht weil sie in einem verfallenden Fachwerkhaus lebte und den Geruch angenommen hatte. Die Eltern waren schlichte Leute, der Vater ungelernter Arbeiter, Hilfsarbeiter hieß der früher, wie die Schüler, die nicht richtig waren, Hilfsschüler hießen, und man erzählte, die Eheleute hätten einmal sechs Richtige im Lotto gehabt, der Vater aber habe vergessen, den Schein abzugeben. Der klassische Fall und jeder rechnete, wie das Leben der drei aussähe, wenn der Schein seinen Weg in Lottoannahmestelle gefunden hätte. Manchmal, wenn der gelbgrüne Streifen zu lang war, leckte Elsbeth über die Lippe. An diesen Tagen brachte ich mein Schulbrot wieder mit nach Hause.
Steinhoff vier Jahre später auf dem Gymnasium schmierte seine Popel, nachdem er sie dem Nasenraum entnommen hatte und sich die Konsistenz als nicht rollbar erwies, gern an das Bein seiner Schulbank, oder, wenn das Objekt zu klein war, an seine dreiviertellange Lederhose. Er war der Einzige, der eine Hose aus Nappaleder trug und nicht eine aus rauem Leder, die nach und nach speckig wurde vom Händeabwischen. Niemand wollte gern in die Nähe seiner Bank, sprich in die Nähe des Tischbeins, noch seiner Lederhose kommen.
Steffensmeier ein paar Klassen später popelte auch und schob die Objekte dann, obwohl längst spätpubertierend, zwischen die Zähne, um sich an ihrem salzigen Geschmack zu ergötzen.Gleichzeitig rieb er mit der anderen Hand an seiner Jeans herum, im Bereich zwischen den beiden Fronttaschen, legte die Haut an der Nasenwurzel in Falten und stieß dabei gelegentlich Luft durch die Nase aus, wenn nicht gerade der Finger drin war.Der penetrierende Finger und die reibende Hand schienen sich perfekt zu ergänzen.
Schule bereitet auf das Leben vor, und jeder weiß, wenn er ähnliche Erfahrungen gemacht hat, dass nicht alles schön ist, aber dass man das Appetitabregende aushalten kann, und dass der Appetit sich wieder einstellt; spätestens, wenn Hunger dazu kommt.
Johnny und Amerika
Johnny aus Amerika
Eines Tages kehrte Onkel Fritz aus Amerika zurück und brachte Reiseandenken mit. Als Neffe bekam ich eine Puppe aus Weichgummi, die Johnny hieß.
Dieser Johnny bestand aus einem Stück, alle beweglichen Teile war Teil des Ganzen, die Kleidung konnte man nicht ausziehen, die Haare nicht kämmen, denn alles war Gummi und unzertrennlich miteinander verbunden. Johnny war ein Junge, das konnte man an den kurzen Hosen erkennen, auch war ein Teil der Kleidung blau gefärbt, sodass eine unerwünschte Geschlechtsbestimmung unter der Kleidung ausfallen konnte.
Nachdem wir mit diesem amerikanischen Johnny, mit dem wir nicht richtig warm werden konnten, ausgespielt hatten, beschlossen wir ihn am Erdhaufen zu beerdigen.
Wir hatten noch nie eine amerikanische Gummipuppe beerdigt, auch keine deutsche. Vielleicht einen Schmetterling oder einen kleinen Vogel, der vor eine Scheibe geflogen war.
Bei Tieren steckten wir meist ein kleines selbstgebasteltes Kreuz in die Erde, bei Johnny aus Amerika vergaßen wir das, wir wußten nicht, ob er überhaupt in der Kirche war und was mit den Amerikanern so allgemein los war.
Einige Tage vergingen und wir hatten Johnny zwischenzeitlich vergessen.
Dann waren wir plötzlich von Forschergeist beseelt und wollten wissen, wie sich eine amerikanische Gummipuppe verhält, wenn sie einige Tage beerdigt unter der Erde liegt.
Wir fanden Johnny nicht wieder. Er war verschwunden, oder wir suchten an allen Stellen, an denen er auf keinen Fall lag. Er war weg und blieb weg. Vielleicht hatte man sein Grab geöffnet und hatte ihn gestohlen. Oder er war einfach auf und davon, wer wusste schon, was amerikanische Gummipuppen so alles konnten.
Mit Amerika verknüpften wir diesen Vorfall, der nie aufgeklärt wurde, und so blieb dieses Rätsel stellvertretend für die großen Rätsel, die uns in den nächsten Jahren von Amerika aufgegeben wurden.
Bis dahin lernten wir Slim Sherman und Jesse Harper kennen, die am Fuß der Blauen Berge wohnten und für Gerechtigkeit sorgten, und Lassie, den ersten Hund, der schlauer war als sein Besitzer. Und Jeff und Rin Tin Tin und Fury. Und natürlich auch die Cartwrights und die Leute von der Shiloh-Ranch.
Aber es blieb immer ein morbider Hauch, der von Amerika herüber geweht war, und der uns mahnte, das sich hinter der Fernsehwelt die wirkliche Welt versteckt mit ihren grausamen Wahrheiten.Und das wir Johnny dort finden würden, aber wir vergaßen ihn mit jeder Folge amerikanischer Heldenserien mehr.
Tonnes Tagebuch: Diskriminierung im Supermarkt
Heute morgen fahre ich in den Supermarkt, um ein paar Lebensmittel zu kaufen und bleibe wie zufällig vor dem Teeregal stehen. Interessant finde ich ja immer die Yogi-Tees, die fein abgestimmt sein sollen auf die jeweilige Persönlichkeit oder das Geschlecht. Dann sehe ich in jenem Regal drei Teesorten, die alle für Frauen gedacht sind, und keinen einzigen Männer-Tee. Frauen Power leuchtet besonders kräftig heraus, und ich erwarte natürlich, dass die Gleichstellung auch für den Mann im Teeregal und überall durchgezogen wird. Ich weiß, dass es den Männertee gibt, aber hier ist er nicht zu finden. Sweet Chai daneben, auch typisch Frau, Hauptsache süß, gefriergetrocknete Schwarzwälder im Teebeutel. Chi Latte finde ich auch nicht, da denkt der Kunde vielleicht eher an den Mann, und Schoko ist auch eine weibliche Geschmacksrichtung. Fragt man eine Bedienung nach Männertee, dann assoziiert die sowieso gleich Prostata und Blasenschwäche und schickt den Frager in die Reformhausabteilung. Lieber den Mund halten und so tun, als sei dieser ganze Genderkram längst vergessen. Ich hoffe, dass wenigstens der Yogi, der seinen Titel für die Teesorten hergeben musste, ein Mann ist. Von einem weiblichen Yogi habe ich noch nicht gehört, vielleicht heißt die dann Yoga, und ich habe das überlesen. Immerhin: Der männlich Yogi kann, so stand das im Stern, einer Zeitung, die keiner mehr liest, mittels Geschlechtsorgan und Konzentration, kombiniert mit absoluter Kontrolle über den eigenen Körper, eine Kerze ausblasen, indem er in die Blase Luft einsaugt und die dann stoßartig herausschleudert, und wenn gut gezielt, eine Flamme zum Erlöschen bringt. Da hat der Mann der Frau etwas voraus, wenn er denn Yogi ist. Durch diesen Gedanken bin ich versöhnt mit der Diskriminierung der Männer im Teeregal. Und: Wirklich gut schmeckt der Yogi-Männertee auch nicht.
Wörter aus dem Hinterkopf....Gute Butter
Gute Butter hieß das damals, denn Butter ohne Adjektiv war ein Butterbrot. Machst du mir mal ein Butter, fragten wir Mutter, die dann schmierte, später sangen wir, meine Mutter schmiert die Butter immer an der Wand lang und erbosten diese damit. Gute Butter war ein Gut, ein Wert, eine Speise für besondere Tage, für Sonn-und Feiertage, die auf das Wochenende fielen, Weihnachtenosternpfingsten. Der Standardbestrich für alle Tage, für alltags eben, war Margarine, einfach auch Rama genannt, denn es gab keine Alternative, nur Rama als Würfel, und diese Rama schmeckte nicht besonders, vor allem wenn sie unter Marmelade auf dem Butterbrot klebte und dazu gezuckerter Muckefuck getrunken wurde. Muckefuck, das später irgendwie nach Gangsterrapper klang, der die Mutter seines Feindes sexuell belästigen wollte, Muckefuck, das sollte man lieber nicht englisch aussprechen, aber das kannten wir damals nicht, da waren die Beatles noch die Be-Atles, auch wenn ein Verdacht keimte, dass dieses Wort mit den im Radio angepriesenen Bietels identisch sein könnte.
Rama aber hatte sich trotz dieser schmierigen Konsistenz ins Gedächtnis gegraben, als die Margarine schlechthin, die Mutter aller Margarinen eben, die dann später von Florasoft abgelöst wurde, einem Pflanzenfett mit Wasser gepanscht, um die Streichfähigkeit auch aus damals auftauchenden, fast unerschwinglichen Kühlschränken heraus zu gewährleisten. Warum etwas, das mit Wasser gestreckt wurde, teurer war, als das Unverschnittene, blieb unbeantwortet. Rama, Rama schnarrten die Glatzköpfigen in orangefarbenen Kleidern, Hare, Hare, obwohl sie doch keine Haare, bis auf einen kleinen und fusseligen Pferdeschwanz, am Kopf trugen, Hase Krishna, Rama, Rama, schnarrten sie monoton, in den Händen kleine Zimbeln, die sie zusammenpatschten und himmelsglückliche Töne erzeugten, die das Hierseits vergessen machen sollten.
Die Krishnaleute waren irgendwie auch Vorläufer der viel späteren Punks, deren Frisuren irokesenartig der Haartracht eines Wildpferdes ähnelte, in den Händen eine Flasche Bier und ein stinkender Schäferhund neben sich.Die Zimbeln waren durch Ketten und durch die Gesichtsbacken gezogene Sicherheitsnadeln ersetzt, um dem Diesseits ein paar Mark abzutrotzen, ohne einen Finger krumm zu machen.
Das Gegenstück der Krishnaleute aber waren die Langhaarigen, die Gammler, die die Haare, die sogenannte Matte als Protest gegen den Krawattenmief der Erwachsenenwelt verstanden, und diese, um den Protest zu verstärken, möglichst naturbelassen wuchern ließen.
Wer jemals etwas hat wuchern lassen, wird sich sofort an Wucherungen erinnern, die der Facharzt gerne gegen Geld aus den Nasen zog. Die Frage sprang uns damals schon entgegen, warum jener Wucherungen ziehende Facharzt Hals-Nasen-Ohrenarzt hieß und nicht Hals-Nase-Ohrenarzt, denn jeder Mensch hat einen Hals, eine Nase und zwei Ohren? Oder aber Hälse-Nasen-Ohren-Arzt, weil er ja für die ganze Menschheit oder die Stadt zuständig war. Nicht auf alle Fragen hat das Leben eine Antwort. Das war die bittere Erkenntnis damals, und besonders die fehlenden Antworten sozialisierten uns. Die Butter aber wurde im Laufe der Zeit immer billiger, und das merkten wir, wenn es am Hintern juckte. Führte man die Hand an diesen Bereich, dann verlautete mindestens ein Erwachsener: Na, wir die Butter billiger? Und da konnten sie wohl in einem reichen Erfahrungsschatz bohren, der für jede unerwünschte Handbewegung die passende Bemerkung ausspuckte.
Nachdem sich die Butter zu einem riesigen Butterberg versammelt hatte, war ihr Niedergang bereits besiegelt. Wer sich nach oben schmiert, kann tief fallen, das wussten wir vom Hörensagen. Die Erfindung des Cholesterins war das Todesurteil des tierischen Fettes und der Abschied von leckerem Brotestrich. Böse Butter. Nie mehr gut. Selbst als Wandestrich war sie geächtet.
Beziehungsgespräche: Schwimmweste
Frau: Schatz, warum hast du denn deine Schwimmweste an?
Mann: Weil ich doch nicht schwimmen kann.
Frau: Aber wenn du eine Schwimmweste anhast, dann musst du doch gar nicht schwimmen.
Mann: Will ich ja auch gar nicht.
Frau: Und warum hast du sie dann an?
Mann: Falls ich mal schwimmen können müsste.
Frau: Wann soll das denn sein?
Mann: Falls jetzt die Flut kommt....
Frau: Aber doch nicht im Weserbergland.
Mann: ...oder eine riesige Welle aus Dreckwasser und Geröll.
Frau: Wo soll die denn herkommen?
Mann: Das weiß ich doch nicht, aber es kann ja sein. Dann will ich vorbereitet sein.
Frau: Ich dachte, wir wollten essen gehen.
Mann: Das können wir doch.
Frau: Aber nicht mit der Schwimmweste.
Mann: Mit Schwimmweste. Falls das Restaurant plötzlich unter Wasser steht.
Frau: Wir sind doch nicht auf dem Schiff.
Mann: Auf dem Schiff sowieso nie ohne Schwimmweste.
Frau: Aber es ist doch nur die Pommesschmiede um die Ecke.
Mann: Schon wieder Pommes. Das ist doch nicht Essengehen.
Frau: Doch, wir gehen da ja hin.
Mann: Damit du was trinken kannst und wir den Wagen stehen lassen können? Du wärst nämlich mit Fahren dran.
Frau: Nein, weil es nur um die Ecke ist.
Mann: Pommesschmiede. Das ist nicht Essen gehen, das ist Essen stehen. Da kann man nicht mal sitzen.
Frau: Das wäre mit der Schwimmweste ja auch schwierig. Da kämst du ja nicht mal an dein Essen ran.
Mann: Pommes ist doch kein Essen.
Frau: Sind.
Mann Was, sind?
Frau: Plural. Pommes sind kein Essen.
Mann: Sag ich doch.
Frau: Ich glaube, ich mach uns ein paar Schnittchen.
Mann: Aber mit Gürkchen.
Frau: Ja,sicher.
Mann: Und die Schwimmweste bleibt an.
Frau: Wie du willst. Vielleicht regnet es ja noch draußen.
Mann: Drinnen ja wohl nicht.
Frau: Warum bist du denn so aggressiv?
Mann: Eben.
Frau: Hoffentlich wird die neue Garnitur nicht nass.
Mann: Wolltest du nicht Schnittchen machen? Bring doch auf einem Weg ein Bier mit, ich komm mit der Schwimmweste nicht den Keller runter.
Mann: Weil ich doch nicht schwimmen kann.
Frau: Aber wenn du eine Schwimmweste anhast, dann musst du doch gar nicht schwimmen.
Mann: Will ich ja auch gar nicht.
Frau: Und warum hast du sie dann an?
Mann: Falls ich mal schwimmen können müsste.
Frau: Wann soll das denn sein?
Mann: Falls jetzt die Flut kommt....
Frau: Aber doch nicht im Weserbergland.
Mann: ...oder eine riesige Welle aus Dreckwasser und Geröll.
Frau: Wo soll die denn herkommen?
Mann: Das weiß ich doch nicht, aber es kann ja sein. Dann will ich vorbereitet sein.
Frau: Ich dachte, wir wollten essen gehen.
Mann: Das können wir doch.
Frau: Aber nicht mit der Schwimmweste.
Mann: Mit Schwimmweste. Falls das Restaurant plötzlich unter Wasser steht.
Frau: Wir sind doch nicht auf dem Schiff.
Mann: Auf dem Schiff sowieso nie ohne Schwimmweste.
Frau: Aber es ist doch nur die Pommesschmiede um die Ecke.
Mann: Schon wieder Pommes. Das ist doch nicht Essengehen.
Frau: Doch, wir gehen da ja hin.
Mann: Damit du was trinken kannst und wir den Wagen stehen lassen können? Du wärst nämlich mit Fahren dran.
Frau: Nein, weil es nur um die Ecke ist.
Mann: Pommesschmiede. Das ist nicht Essen gehen, das ist Essen stehen. Da kann man nicht mal sitzen.
Frau: Das wäre mit der Schwimmweste ja auch schwierig. Da kämst du ja nicht mal an dein Essen ran.
Mann: Pommes ist doch kein Essen.
Frau: Sind.
Mann Was, sind?
Frau: Plural. Pommes sind kein Essen.
Mann: Sag ich doch.
Frau: Ich glaube, ich mach uns ein paar Schnittchen.
Mann: Aber mit Gürkchen.
Frau: Ja,sicher.
Mann: Und die Schwimmweste bleibt an.
Frau: Wie du willst. Vielleicht regnet es ja noch draußen.
Mann: Drinnen ja wohl nicht.
Frau: Warum bist du denn so aggressiv?
Mann: Eben.
Frau: Hoffentlich wird die neue Garnitur nicht nass.
Mann: Wolltest du nicht Schnittchen machen? Bring doch auf einem Weg ein Bier mit, ich komm mit der Schwimmweste nicht den Keller runter.
Jugendsatz des Jahres 2015
Der Deutsche Verein für Kontinenz hat jetzt den Jugendsatz des Jahres 2015 gekürt. Nach langen Beratungen einigte die Jury sich auf den Satz "Läuft bei dir".
Tonnes Tagebuch: Handygestützte Hundeführerin und matschige Zucchini
Liebes Tagebuch!
Heute fuhr ich mit dem Fahrrad so vor mich hin und es kam
mir ein junges Mädchen mit zwei
Hunden entgegen, die nur schwer zu zügeln waren, denn das junge Mädchen blickte auf ihr Handy, das sie in der rechten Hand hielt. Mit der linken versuchte sie, die Hunde kurz zu halten und an den Straßenrand zu zwingen, damit diese mich als Radfahrer wohl nicht vom Sattel holen sollten. Mir fiel ein, dass das Wort zügeln eher für Pferde gebräuchlich ist und bei Hunden, deren Anfang und Ende aufgrund der Wuselig- und Zotteligkeit ihrer Behaarung nicht sofort ermitteln kann, eher unangebracht ist. Ich vermutete den Kopf der Hunde da, wo das kürzere Hundestück hinter dem Leinenansatz zu sehen war und drückte mich entsprechend tief in den Sattel, um auf meinem, wie man lustigerweise sagt, Drahtesel sicher davongaloppieren zu können, falls das Handyfräulein vollends die Kontrolle verlieren würde.
Ich dachte darüber nach, was auf dem Handy wohl von der herbstlichen Szene ablenken könnte? Hier die Sonne, die frische Luft, der blaue Himmel, das bunte Laub und die verzottelten Hunde ohne Anfang und Ende, und dort ein kleiner Kasten mit ein paar Mikrochips. Vielleicht war sie gerade am Liken oder Chatten oder einer ähnlich bedeutenden Aufgabe im Rahmen der smartphonen Möglichkeiten, oder aber sie suchte nach einer APP, etwa mit dem Titel „Die perfekte Hundeführerin“, „Den Anfang bei Hunden finden“, oder „Gassigehen handygestützt“. Vielleicht war sie auch im Dogchat, wo sich Hundeführer unterhalten und Tipps geben, wie man Exkremente mit dem Plastiktütchen am effektivsten entfernt. Welch warmes Gefühl muss es sein, wenn der sozial kompetente Gassigeher in den Beutel greift, denn die Empfindung wird ja auch durch die Größe des Hundes beeinflusst.
Hunden entgegen, die nur schwer zu zügeln waren, denn das junge Mädchen blickte auf ihr Handy, das sie in der rechten Hand hielt. Mit der linken versuchte sie, die Hunde kurz zu halten und an den Straßenrand zu zwingen, damit diese mich als Radfahrer wohl nicht vom Sattel holen sollten. Mir fiel ein, dass das Wort zügeln eher für Pferde gebräuchlich ist und bei Hunden, deren Anfang und Ende aufgrund der Wuselig- und Zotteligkeit ihrer Behaarung nicht sofort ermitteln kann, eher unangebracht ist. Ich vermutete den Kopf der Hunde da, wo das kürzere Hundestück hinter dem Leinenansatz zu sehen war und drückte mich entsprechend tief in den Sattel, um auf meinem, wie man lustigerweise sagt, Drahtesel sicher davongaloppieren zu können, falls das Handyfräulein vollends die Kontrolle verlieren würde.
Ich dachte darüber nach, was auf dem Handy wohl von der herbstlichen Szene ablenken könnte? Hier die Sonne, die frische Luft, der blaue Himmel, das bunte Laub und die verzottelten Hunde ohne Anfang und Ende, und dort ein kleiner Kasten mit ein paar Mikrochips. Vielleicht war sie gerade am Liken oder Chatten oder einer ähnlich bedeutenden Aufgabe im Rahmen der smartphonen Möglichkeiten, oder aber sie suchte nach einer APP, etwa mit dem Titel „Die perfekte Hundeführerin“, „Den Anfang bei Hunden finden“, oder „Gassigehen handygestützt“. Vielleicht war sie auch im Dogchat, wo sich Hundeführer unterhalten und Tipps geben, wie man Exkremente mit dem Plastiktütchen am effektivsten entfernt. Welch warmes Gefühl muss es sein, wenn der sozial kompetente Gassigeher in den Beutel greift, denn die Empfindung wird ja auch durch die Größe des Hundes beeinflusst.
Eben war ich noch in einem Fachgeschäft für Kleintierbedarf
und -futter gewesen, dem Fressnapf, und hatte dort, wie die Fachkraft es nannte,
in der Vögelecke über Berufsaussichten für Fachkräfte im Kleintierbedarf- und
Futtermitteleinzelhandel gesprochen. Bei dem Wort Vögelecke hatte die Dame um
die dreißig merkwürdig gekichert, oder besser gegickelt, so als wenn ein
Hamster über einen Katzenwitz lacht. In der Vögelecke waren wirklich eine Reihe
Vögel in einer Voliere aus Glas und machte einen enormen Lärm, sodass sich die
Ecke eigentlich wenig für ein Gespräch eignete. Allerdings regte sie auch nicht
zu anderen Tätigkeiten an, einmal aufgrund des durchdringenden Vogelgeplappers
und zum anderen, weil der Laden olfaktorisch unter würzigriechenden Läden eine
Spitzenposition einnehmen würde.
Nachdem ich mich von der handygestützten Hundeführerin
entfernt hatte, die bestimmt gottgefällig war, weil sie in dieser Demuts- und
Gebetshaltung, den Kopf gesenkt, zwei Mitgeschöpfe an die frische Luft
brachte, traf ich auf eine Gruppe
Grundschulkinder, die mit ihrer Lehrerin buntes Herbstlaub sammelte. Das taten
die Schüler in der Nähe eines Flüchtlingsheimes, das hinter den sich
entlaubenden Bäumen momentan noch versteckt lag. Es drängte sich mir der
Gedanke auf, dass sich die Gruppe wohl unauffällig an das Flüchtlingsheim
bewegen wollte, um einmal, wie es die heutige Pädagogik vorsieht, lebensnah
Erfahrungen zu machen und nicht nur aus den Medien mit Informationen gespeist
zu werden. Ein echten Flüchtling zu sehen, ohne ihn natürlich anzufassen, wäre
schon ein Ereignis, über das es sich am Mittagessen der Mutter zu erzählen
lohnte und auf jeden Fall spannender, als das kleine Einmaleins mit sieben.
Allerdings sind Flüchtlingslager in der Regel abgeschottet, sodass man
eher von einem Getto sprechen kann, was wohl dem Schutz der Flüchtlinge dienen
soll. Mir fiel dann ein, ob die enttäuschten Grundschulkinder nicht ersatzweise einen
Gettoblaster betrachten und vielleicht sogar anfassen könnten, und ob dieses
Gerät nicht eine genauso unnütze Sache ist, wie etwa der Laubbläser, mit dem
man das Herbstlaub in die Nachbarsgärten blasen, oder auf seinem Grundstück
gleichmäßig verteilen kann.
Gettoblaster und Getto schreibt man heutzutage ohne h hinter
dem G, genau wie Spaghetti, wohl um Menschen entgegenzukommen, die zu faul sind,
unbequeme Schreibweisen auswändig zu lernen oder generell unter einer
Rechtschreibschwäche leiden. Ob sie Getto oder Spagetti in der vereinfachten
Schreibung ohne Fehler hinbekommen, ist bislang nicht belegt. Ohne h spricht
man Ghetto wie Dschetto und Spaghetti wie Spadschetti aus, denn die Wörter kommen wohl aus dem Italienischen. Es gibt ja auch Leute, die im Gegenzug Zutschini statt Zucchini sagen, weil sie die gurkige Frucht zu
lange garen, sodass sie eine matschige Konsistenz annimmt.
Es ist schon wundersam, liebes Tagebuch, dass man von einem
Flüchtlingslager auf matschige Zucchini kommt, eigentlich sogar von einer
handygestützten Hundeführerin aus, und ich frage mich, ob ich mir Gedanken machen
muss. Ach, eigentlich denke ich sowieso schon zu viel und der Tag hat ja noch
ein paar Stunden, in denen vielleicht nichts passiert, über das ich nachdenken
kann.
Die Menschen um uns herum
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| Pablo Inkasso: Hirnmassage (2015) |
Dann bist du in der Nähe der Politik, da wo das Eindringliche herrscht, das, was dich beherrschen will, das dir einflüstert, wo du dein Kreuz zu machen hast, um es anschließend auf dich zu nehmen und die Konsequenzen zu tragen.
Auch wenn hier zwei Metaphern falsch kombiniert wurden, so ist doch klar: Du kannst nicht alles glauben, was dir gesagt wird. Sogar deine eigenen Worte gehören unter einen Generalverdacht, denn du kannst nicht beweisen, ob es deine sind, oder ob du nur etwas nachplapperst, was dir andere vorgebrabbelt haben.
Die Gedanken sind frei. Ja, wer hat das denn gesagt? Da kann man ein feines Volkslied runterlallen und ist frohgemut, dass einem ein Stückchen Freiheit geblieben ist, eine Nische, in der alles erlaubt zu sein scheint. Weit gefehlt. Du weißt es nur noch nicht. Aber du wirst es schon merken. Die Brainpolice ist keine Erfindung der Gegenwart. Spätestens wenn dir deine Gedanken als Wort im Hals umgedreht werden und mit ihnen vielleicht auch der Hals, dann wird dir das klar werden. Der Wendehals ist nicht Vergangenheit; das wird dir dann klar werden.
Bis dahin: Lass dich von Merkel, Seehofer und Co in den Schlaf singen, stell es dir einfach mal vor, nur vorstellen, wie auf einer Traumreise, dein rechter Arm ist ganz schwer, bleischwer, du bist ganz ruhig. Du hörst die sanften Stimmen von Merkel, Seehofer und Peter Altmeier, Schäuble, und schließlich Söder, Markus Söder wie Söderbrennen, Söder mit seinem missratenen Haarschnitt, den man gottseidank nicht hören kann.
Wenn du dann einschlafen kannst, bist normalerweise tot.
Weltweit: Heute ist Gefüllte-Eier-Tag!
Weltweit wird der gefüllten Eier gedacht.
Diese Speise, die wohl parallel zu den beliebten Spargelröllchen entstanden sein muss, verliert immer mehr an Präsenz auf deutschen Tellern.
Der Mensch ergötzt sich eher an mikrowellenbeschleunigten Currywürsten, die ihren strengen Geruch auch in Großraumbüros verbreiten, an in altem Fett gegarten Kartoffelstäbchen, oder an merkwürdig gleich aussehenden Speisen, die im heimischen Thermomix zusammengemixt wurden und das Etikett "besonders wertvoll" beanspruchen, weil mit hochpreisiger Küchenmaschine zubereitet.
Vergessen das gute gekochte Ei, dem man liebevoll das Innere entnimmt, um Platz für interessante Füllungen zu schaffen und den Speiseplan zu bereichern.
Dem Vergessen engegenzuwirken ist das Ziel des Welttages der gefüllten Eier. Ebenso werden wir uns um das gute Butterbrot, den gelben Pudding und das aus unerklärlichen Gründen verhasste Hühneefrikassee in Form des Ragout fin kümmern.
Diese Speise, die wohl parallel zu den beliebten Spargelröllchen entstanden sein muss, verliert immer mehr an Präsenz auf deutschen Tellern.
Der Mensch ergötzt sich eher an mikrowellenbeschleunigten Currywürsten, die ihren strengen Geruch auch in Großraumbüros verbreiten, an in altem Fett gegarten Kartoffelstäbchen, oder an merkwürdig gleich aussehenden Speisen, die im heimischen Thermomix zusammengemixt wurden und das Etikett "besonders wertvoll" beanspruchen, weil mit hochpreisiger Küchenmaschine zubereitet.
Vergessen das gute gekochte Ei, dem man liebevoll das Innere entnimmt, um Platz für interessante Füllungen zu schaffen und den Speiseplan zu bereichern.
Dem Vergessen engegenzuwirken ist das Ziel des Welttages der gefüllten Eier. Ebenso werden wir uns um das gute Butterbrot, den gelben Pudding und das aus unerklärlichen Gründen verhasste Hühneefrikassee in Form des Ragout fin kümmern.
Alle denken an mich nicht
Und dann ist sie wieder da, die Melancholik, diese Mischung aus allumfassender Traurigkeit und Schmerz. Ja, es schmerzt, wenn sich niemand kümmert, wenn es niemanden interessiert, wie es mir geht, wenn alles vorbeiläuft am Leid des Nachbarn, der vielleicht vereinsamt in seinem Gartenhäuschen sitzt und sich versteckt, damit seine Schreie nicht gehört werden, wenn der Krampf wieder kommt, wenn es schmerzt. Weltschmerz, globaler Schmerz, universaler, universeller Schmerz.
Das ist unsere Zeit, unsere neue Zeit: Unbemerkt das Einzelschicksal, unbemerkt das individuelle Los, jeder interessiert sich nur für sich, für sein Fortkommen oder sein wohliges Hierbleiben, Wellness auf jeder Ebene, perverse Wellness, nicht einmal mehr Mitleid kennt der Mensch, das ist ihm schon zu viel Leid, da leidet er ja vielleicht selbst, und das passt nicht zum Zeitgeist, der Erfolg verlangt, der Glück und Schönheit fordert, Schlanksein, Ranksein, nur das Bankkonto darf fett sein, oder schmal und der fette Rest in der Schweiz oder in Luxemburgliechtensteincayman.
Da die Villen im Tessin, hier das Gärtenhäuschen, dessen Wände so viel Schmerz gehört haben. Melancholik. Da kommt wieder eine, aber draußen kommt niemand.
Und dann diese Jammerer, die glauben, sie litten den größten Schmerz, sie trügen das Leid der Welt, und ich sage, sie sind nicht Jesus, der hat das nämlich für uns getan, damit wir frei sind.
Nur bei mir hat das nicht geklappt. Ich sitze hier verloren, gebeugt, gekrümmt, gekrampft.
Diese Jammerer sollten sich mal ans Kreuz schlagen lassen, dann wissen die, was Schmerzen sind. Ich habe es im Kreuz, ist die einzige Aussage. In diesem Zusammenhang.
Ich mag es nicht, wenn die ganze Welt jammert, obwohl der Zeitgeist Spass mit Doppel-s angesagt hat.
Spasmen quälen mich, Seelenspasmen.
Niemand kann nachempfinden, wie ich leide. niemand will das, und das schmerzt noch mehr, das macht den Schmerz unerträglich. Alle denken nur an sich, dieser uralte Spruch, als Witz gemeint, alle denken nur an sich, nur ich denke an mich, das ist kein Witz, das ist Neoliberalismus, das ist bitterer Ernst.
Das ist unsere Zeit, unsere neue Zeit: Unbemerkt das Einzelschicksal, unbemerkt das individuelle Los, jeder interessiert sich nur für sich, für sein Fortkommen oder sein wohliges Hierbleiben, Wellness auf jeder Ebene, perverse Wellness, nicht einmal mehr Mitleid kennt der Mensch, das ist ihm schon zu viel Leid, da leidet er ja vielleicht selbst, und das passt nicht zum Zeitgeist, der Erfolg verlangt, der Glück und Schönheit fordert, Schlanksein, Ranksein, nur das Bankkonto darf fett sein, oder schmal und der fette Rest in der Schweiz oder in Luxemburgliechtensteincayman.
Da die Villen im Tessin, hier das Gärtenhäuschen, dessen Wände so viel Schmerz gehört haben. Melancholik. Da kommt wieder eine, aber draußen kommt niemand.
Und dann diese Jammerer, die glauben, sie litten den größten Schmerz, sie trügen das Leid der Welt, und ich sage, sie sind nicht Jesus, der hat das nämlich für uns getan, damit wir frei sind.
Nur bei mir hat das nicht geklappt. Ich sitze hier verloren, gebeugt, gekrümmt, gekrampft.
Diese Jammerer sollten sich mal ans Kreuz schlagen lassen, dann wissen die, was Schmerzen sind. Ich habe es im Kreuz, ist die einzige Aussage. In diesem Zusammenhang.
Ich mag es nicht, wenn die ganze Welt jammert, obwohl der Zeitgeist Spass mit Doppel-s angesagt hat.
Spasmen quälen mich, Seelenspasmen.
Niemand kann nachempfinden, wie ich leide. niemand will das, und das schmerzt noch mehr, das macht den Schmerz unerträglich. Alle denken nur an sich, dieser uralte Spruch, als Witz gemeint, alle denken nur an sich, nur ich denke an mich, das ist kein Witz, das ist Neoliberalismus, das ist bitterer Ernst.
Folgen der Rechtschreibreform
Watttim.
Watttina.
Watttom.
Watttoni.
Watttrude.
Seit der Erfindung des unbegrenzten Dreifachkonsonanten im Rahmen der allerletzten Rechtschreibreform gibt es außerhalb des Wortes Sauerstoffflasche so schöne Möglichkeiten, auf interessante Sachverhalte durch ungewöhnliches Schreiben und Lesen hinzuweisen.
Man nehme an, es gäbe eine Schar von Wattführern, die die Namen Tim, Tina, Tom, Toni und Trude hießen. Diese könnte man mit dem Wort Watt durch einen Dreifachkonsonanten verbinden und das könnte bewirken, dass der Watttourismus in einem beliebigen Urlaubsort nach vorn gebracht würde.
Mit dem Europäischen Rat müsste geklärt werden, ob Stellenausschreibungen auf Bewerber beschränkt werden können, deren Vornamen mit T beginnen, oder ob man vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Diskriminierung klagen könnte und auch Vornamen, die mit G oder H oder Z oder ähnlich beginnen, zugelassen werden müssten; was wiederum die eigentliche Idee zerstören würde.
Man sieht mal wieder: Die Vorschriften passen nicht immer zu den Idee, und diese nicht zur Wirklichkeit. Europa hin oder her.
Vielleicht könnte man in Dresden ja mal dafür oder dagegen spazieren gehen, die Richtung wäre egal, Hauptsache bewegen.
Watttina.
Watttom.
Watttoni.
Watttrude.
Seit der Erfindung des unbegrenzten Dreifachkonsonanten im Rahmen der allerletzten Rechtschreibreform gibt es außerhalb des Wortes Sauerstoffflasche so schöne Möglichkeiten, auf interessante Sachverhalte durch ungewöhnliches Schreiben und Lesen hinzuweisen.
Man nehme an, es gäbe eine Schar von Wattführern, die die Namen Tim, Tina, Tom, Toni und Trude hießen. Diese könnte man mit dem Wort Watt durch einen Dreifachkonsonanten verbinden und das könnte bewirken, dass der Watttourismus in einem beliebigen Urlaubsort nach vorn gebracht würde.
Mit dem Europäischen Rat müsste geklärt werden, ob Stellenausschreibungen auf Bewerber beschränkt werden können, deren Vornamen mit T beginnen, oder ob man vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Diskriminierung klagen könnte und auch Vornamen, die mit G oder H oder Z oder ähnlich beginnen, zugelassen werden müssten; was wiederum die eigentliche Idee zerstören würde.
Man sieht mal wieder: Die Vorschriften passen nicht immer zu den Idee, und diese nicht zur Wirklichkeit. Europa hin oder her.
Vielleicht könnte man in Dresden ja mal dafür oder dagegen spazieren gehen, die Richtung wäre egal, Hauptsache bewegen.
Welttag der roten Kleidungsstücke
Welttag der roten Kleidungsstücke. Wie trist wirkte die Welt, wie Grau in Grau, wie blass und farblos, wie öde und schnöde, wie deprimierend, wenn es nicht die Farbe Rot gäbe. Das Rot lässt zwar alles um sich herum verblassen und scheint unangemessen zu dominieren wie in früheren Jahren das Grün, das Braun und schließlich das unselige Umbra, aber es ist wenigstens eine Farbe, die uns daran erinnert, dass es keine Farbfilme mehr gibt und alles nur noch digital gespeichert wird.
So ist es eine schöne Geste, den Welttag der roten Kleidungsstück zu begehen, denn niemand kann gezwungen werden, diese zu kaufen und dann auch noch zu tragen, sondern hätte jederzeit sein Kostüm in Schlammfarbe anziehen können. Und das ist nicht chic, besonders, wenn es regnet.
So ist es eine schöne Geste, den Welttag der roten Kleidungsstück zu begehen, denn niemand kann gezwungen werden, diese zu kaufen und dann auch noch zu tragen, sondern hätte jederzeit sein Kostüm in Schlammfarbe anziehen können. Und das ist nicht chic, besonders, wenn es regnet.
Neue Mode: Schrecklich
Jedes Jahr dasselbe. Die Models stakeln über den Laufsteg und zeigen die neuesten Kreationen, die der halbseidene Meister hingeworfen hat, das Publikum schlürft am Champagner und hält Canapées in den spitzen Fingern. Dann will die Gattin unbedingt ein Kleid des Couturiers erwerben lassen und das Portemonnaie des Mannes schrumpft wie die kranke Leber. Trotzdem wird gezahlt, denn alles andere gäbe Krach, und den kann ein Mann mit Schrumpfleber nicht gebrauchen, da soll es lieber der Geld- und nicht der Herzbeutel sein, der sich schmerzhaft zusammenzieht und einen Infarkt ankündigt. Wer weiß, was morgen ist, denkt der Betuchte und zückt die Scheine , in die er so heiß verliebt ist. Er weiß, was kommen wird. Da Kleid wird nicht halb so gut aussehen wie an bei der flotten Achtzehnjährigen vom Laufsteg; es wird eher eine Farce sein, und er wird gute Miene zu hässlichem Spiel machen. Das Schlimste: Die Männer werden Wilma zu Füßen liegen, sie werden sich an sie schmiegen, am Saum ihres neuen Kleides schnüffeln und leise grunzen um zu signalisieren, ich nähme dich, wenn dich dein Alter nicht mehr will. Gebuckelt wird und Speichel geleckt, nur um teilzuhaben an der Ablösesumme, die sich bei einer Scheidung zu Verfügung stellen müsste. Geld und neues Kleid lassen eine unschöne Frau vergessen. Bittere Erkenntnis des 21.Jahrhunderts.
G.Fried: Geschichten vom jungen Bodo - Der Zahn

Bodo sitzt am Wohnzimmertisch. Er hält den Mund leicht geöffnet, aus dem ein schwarzer Zwirnsfaden herausguckt und schlaff bis zur Küchentür hängt.
Der Zwirnsfaden ist an der Klinke festgeknotet. Das andere Ende des Fadens ist um einen Zahn in Bodos Mund gewickelt. Auf der linken Seite ist es der dritte von der Mitte aus gezählt.
Es ist ein Milchzahn, der schon seit Tagen locker sitzt.
Bodo fasst mit dem Finger an den Zahn, um zu überprüfen, ob er sich nicht schon gelöst hat oder vielleicht ganz einfach, ohne einen winzigen Schmerz, am Finger kleben bleibt.
Der Zahn hat weder das eine getan, noch tut er das andere.
„Du musst den Zahn mit dem Faden an eine Tür binden“, hat Onkel Fritz ihm geraten. „Und dann“, hat er weiter geraten, „schlägst du die Tür zu und zack, ist der Zahn draußen. Da merkst du überhaupt nichts.“
Onkel Fritz wollte ihn beruhigen.
Bodo hat, wie nötig, den Zahn mit der Türklinke verbunden.
Onkel Fritz ist manchmal etwas barsch im Ton, aber er meint es gut und ist vertrauenswürdig.
„Da merkst du gar nichts“, erinnert sich Bodo an seine Worte. Wieso gab es eigentlich Zahnärzte, wenn jeder seine Zähne schmerzfrei mit der Türklinke ziehen konnte?
Bodo zweifelt an Onkel Fritzens Worten. Oder hat der gemeint, dass man sich erst die Tür vor den Kopf schlagen soll, um dann ohnmächtig zu Boden zu stürzen und im Fallen – darum muss der Faden kurz genug sein - den Zahn zu verlieren?
Bodo ist schon einmal mit dem Kopf vor eine Tür gelaufen. Das hat weh getan. Die Beule hat die Mutter mit einem kalten Messer aus dem Essbesteck gekühlt, oder eigentlich wieder in den Kopf gedrückt.
Schmerzfrei? Weit gefehlt!
Bodo fasst an den Zahn schiebt ihn hin und her. Zahnärzte nehmen einen Haken, fassen unter den Zahn und ziehen dran, und Kinder, die vor Ehrfurcht vor dem weißen Kittel und den spitzen Gegenständen ganz starr sind, sagen hier kein Wort. Aber schmerzfrei ist das nicht.
Warum soll ausgerechnet die schwere Wohnzimmertür zur Küche den Zahn schmerzfrei entfernen?
Der Zahn sitzt locker, das fühlt Bodo ganz deutlich. Nur – wer soll die Tür zuschlagen, wer wollte die Verantwortung übernehmen, dass wirklich kein Schmerz zu spüren ist? Onkel Fritz müsste das eigentlich, aber der ist nicht da.
„Du musst die Tür einfach zuschlagen“, hat er gesagt.
„Du“, denkt Bodo und schluckt, „das bin ich“.
Oder wäre es besser, sich auf die andere Seite der Tür zu setzen, die Tür zu schließen und zu warten, dass zufällig der Vater oder die Mutter die Tür aufreißen und der Zahn in einem heraus wäre. Schmerzfrei.
Bodos Eltern reißen keine Türen auf. Sie machen das immer in aller Ruhe, und was das für den Zahn bedeuten kann, will sich Bodo nicht vorstellen.
Außerdem: die Mutter ist im Keller, der Vater in der Werkstatt. Beide müssten erst einmal durch die Küche ins Wohnzimmer gehen, um dann blitzschnell türaufreißend wieder herein zu kommen.
„Das kann dauern“, denkt Bodo. „Du musst es selber tun“, denkt er. „Niemand kann mir helfen“.
Nervös schiebt er an seinem Zahn. Er muss sich entscheiden, wann er die Tür zuschlagen will. Er kann nicht den ganzen Nachmittag hier sitzen.
„Ich zähle bis drei“, nimmt er sich vor.
„Halt, bis drei ist zu kurz“.
Bodo überprüft noch einmal die Fadenlänge – der Faden darf , wie gesagt, nicht zu lang sein – und den Sitz des Knotens.
Nur die vorschriftsmäßige Ausführung des Vorhabens garantiert Schmerzfreiheit.
„Vielleicht warte ich eine Minute“, sagt sich Bodo und blickt zur Wohnzimmeruhr, die träge tickt.
Die Wohnzimmeruhr hat keinen Sekundenzeiger. „Das ist schlecht“, denkt Bodo, den Zeigefinger immer noch im Mund, „es muss schon ganz genau eine Minute sein. Ohne Sekundenzeiger kann ich nicht wissen, wann die Zeit um ist“.
Bodo überlegt. 5 Minuten sind zwar länger, aber auch nicht genauer abzulesen.
Bodo spürt einen süßlichen Geschmack im Mund.
„Woher einen Sekundenzeiger nehmen?“, überlegt er, „Oder eine Uhr mit Sekundenzeiger?“
Ihm fällt ein, dass der Wecker im Elternschlafzimmer einen kleinen Sekundenzeiger har, der auf einem eigenen, kleinen Zahlenkreis mit 60 Strichen läuft.
Aber um den zu holen, müsste er den Faden vom Zahn lösen.
Das Süßliche im Mund ist noch da. Bodos Zunge rührt mit etwas Hartem im Mund herum.
„Der Schlafzimmerwecker. Gut“, entschließt er sich.
Mit Daumen und Zeigefinger fasst er das Harte im Mund, mit dem die Zunge gespielt hat.
„Der Zahn!“ Eine heiße Welle schießt in Bodos Körper hoch, sein Herz klopft schneller.
„Der Zahn!“ jubelt es in ihm. „Da ist er ja!“ Dann zieht er den Zwirnsfaden mit dem Koten am Ende durch die Lippen.
„Schmerzfrei“, denkt Bodo. „Das ist schmerzfrei. Von wegen Tür und Faden!
Weisheit der Woche: Weiche Ziele
Manchmal trifft uns, die weichen Ziele,
Das Leben
Und wir haben die Chance,
Das Leben zu treffen.
Das Leben
Und wir haben die Chance,
Das Leben zu treffen.
Filme verstehen: Du bist nicht dabei
KUCKanleitung:
Dabei sein ist alles! Das denkt doch jeder, denn jeder hat Angst vor dem Abgetrenntsein, dem Ausgeschlossensein, dem Alleinsein.
Du willst dabei sein. Egal was es ist, egal, wer es ist. Das Dabeisein definiert deinen Wert. Nur wer dabei ist, ist wer.
Früher hieß es: Haste was, biste was.
Daraus haben die Glatzen "Hasste was, biste was" gemacht, auch wenn sie diesen sprachlichen Schlenker nicht verstehen können.
Und dann eine Bilderfolge mit Typen, zu denen niemand zählen möchte. Du bist nicht dabei, verspricht der Vorspann. Wenn wir die mürben Gesichter betrachten, werden wir froh. Ich bin nicht dabei, denkst du, und erkennst windeseilig, dass das Debeisein eben nicht alles ist, dass es manchmal besser ist, nicht dabei zu sein, abgetrennt zu sein, für sich zu sein. Und seinen Wert trotzdem zu behalten.
Im Nachspann wird alles auf den Kopf bestellt. "Oder doch.", heißt es da. Keine Frage. Eine Antwort, die nicht der Kucker gibt, sondern der Film. Du bist nicht so gut, wie du dich selber findest. Oder doch. Punkt. Offen bleibt die Frage, wie es weiter gehen soll. Mit dir, mit euch, mit allen.
Die Botschaft: Kuck erst mal hin, wo du mitmachst. Vielleicht sind es hässliche Pegiden, die montags spazieren gehen. Oder noch schlimmer.
Der Film: Du bist nicht dabei Bodos Weltfilmproduktion 2015
Endlich: Kuck-Anleitungen für Videos!
Für Leute, die nicht wissen, was sie sich eigentlich alles angucken, hier Kuckanleitungen für ausgewählte Videos:
HUNDELEBEN - Ein Film aus Bodos Weltfilmproduktion 2011
KUCKanleitung:
Film nicht verstanden? Warum Siebenmal die selbe Szene, aber mit unterschiedlicher Musik?
Dem Hundebseitzer zerreißt es das Herz, wenn er den armen Kläffer hinter einem Bretterzaun durch ein gerade für seinen Schädel passend herausgesägtes Loch gucken und bellen sieht.
Siebenmal wiederholt sich die Szene, mit jeweils anderer Musik unterlegt. Sieben ist eine magische und mythische Zahl: Die sieben Berge, die sieben Zwerge, die sieben Riesen und die sieben Miesen, sieben auf einen Streich und auch Sandsieben sind die Themen, die die Menschheit von Kindesbeinen an berührt.
Wie wirken die Szenen mit unterschiedlicher Musik?
Mal heiter, mal unheimlich, mal spannungssteigernd, mal verwirrend und verstörend, dann entspannend und fast langweilig.
Zum Schluss aber merkt der Hundefreund wieder auf: Eine asiatisch klingende Melodie bohrt sich in sein Hirn und flüstert "Chinarestaurant". Da werden sofort alle Klischees abgerufen und Sorge um die bedrohte Kreatur erfüllt den Menschen.
Dabei handelt es sich letztlich nur um einen Bretterverschlag im Ostdeutschland (Raben) der 90er Jahre. Zu Mauerzeiten war auch dieses Loch geschlossen, denn warum hätte es dem Hund besser gehen sollen als dem Besitzer?
Fazit: Musik kann Inhalte verstärken, aber auch verfremden und zerstören.
Also, Musikhörer: aufgepasst!
Mit dem Strom fliegen - Ein Film aus Bodos Weltfilmproduktion 2015
Nicht verstanden?
Es heißt eigentlich gegen den Strom schwimmen. Aber hier ist kein Wasser zu sehen, wohl aber eine Hochspannungsleitung, und in der fließt Strom. Da Vögel in der Regel fliegen, sieht man sie nicht schwimmen. Das ginge ja auch gar nicht, weil der Strom nicht im Flussbett ist, sondern in der Leitung.
Dass die Stromwirtschaft das sponsort, ist doch klar. Wohin denn mit den vielen Überschüssen? Kann man doch steuerlich absetzen.
Zugvögel - Ein Film aus Bodos Weltfilmproduktion 2015
KUCKANLEITUNG: Du verstehst nicht, was der Film bedeutet? Hier ein paar Tipps, die dir helfen, das, was hinter den Bildern steckt, zu verstehen.
Die Deutsche BAHN ist ein großes Wirtschaftsunternehmen, das vor allem mit Zügen arbeitet. Vielleicht ist dein Zug auch schon mal zu spät gekommen. Vielleicht bist du aber noch nie mit dem Zug gefahren, das wäre schade. Vielleicht hast du in deinem Leben bis jetzt nur mal einen ZUg bekommen und hattest Schmerzen am Hals. Grandios wäre allerdings, wenn du diesen Zug im Zug bekommen hättest. Dann würdest du alles verstehen.
Zugvögel wiederum sind Vögel, die wegziehen und herziehen und wieder wegziehen. Das nennt man auch Zug.
Zugvögel mit der Deutschen Bahn in Verbindung zu bringen ist ein Sprachwitz, weil hier dasselbe Wort "Zug" in ambivalenter Bedeutung benutzt wird. Immer pünktlich weg heißt es am Ende. Das ist Ironie, denn die Bahn und ihr Zug sind meistens nie pünktlich da.
Wenn du jetzt nicht weiß, was ambivalent heißt, solltest du erst mal zu Schule gehen. Alles andere dann später.
HUNDELEBEN - Ein Film aus Bodos Weltfilmproduktion 2011
KUCKanleitung:
Film nicht verstanden? Warum Siebenmal die selbe Szene, aber mit unterschiedlicher Musik?
Dem Hundebseitzer zerreißt es das Herz, wenn er den armen Kläffer hinter einem Bretterzaun durch ein gerade für seinen Schädel passend herausgesägtes Loch gucken und bellen sieht.
Siebenmal wiederholt sich die Szene, mit jeweils anderer Musik unterlegt. Sieben ist eine magische und mythische Zahl: Die sieben Berge, die sieben Zwerge, die sieben Riesen und die sieben Miesen, sieben auf einen Streich und auch Sandsieben sind die Themen, die die Menschheit von Kindesbeinen an berührt.
Wie wirken die Szenen mit unterschiedlicher Musik?
Mal heiter, mal unheimlich, mal spannungssteigernd, mal verwirrend und verstörend, dann entspannend und fast langweilig.
Zum Schluss aber merkt der Hundefreund wieder auf: Eine asiatisch klingende Melodie bohrt sich in sein Hirn und flüstert "Chinarestaurant". Da werden sofort alle Klischees abgerufen und Sorge um die bedrohte Kreatur erfüllt den Menschen.
Dabei handelt es sich letztlich nur um einen Bretterverschlag im Ostdeutschland (Raben) der 90er Jahre. Zu Mauerzeiten war auch dieses Loch geschlossen, denn warum hätte es dem Hund besser gehen sollen als dem Besitzer?
Fazit: Musik kann Inhalte verstärken, aber auch verfremden und zerstören.
Also, Musikhörer: aufgepasst!
Mit dem Strom fliegen - Ein Film aus Bodos Weltfilmproduktion 2015
Nicht verstanden?
Es heißt eigentlich gegen den Strom schwimmen. Aber hier ist kein Wasser zu sehen, wohl aber eine Hochspannungsleitung, und in der fließt Strom. Da Vögel in der Regel fliegen, sieht man sie nicht schwimmen. Das ginge ja auch gar nicht, weil der Strom nicht im Flussbett ist, sondern in der Leitung.
Dass die Stromwirtschaft das sponsort, ist doch klar. Wohin denn mit den vielen Überschüssen? Kann man doch steuerlich absetzen.
Zugvögel - Ein Film aus Bodos Weltfilmproduktion 2015
KUCKANLEITUNG: Du verstehst nicht, was der Film bedeutet? Hier ein paar Tipps, die dir helfen, das, was hinter den Bildern steckt, zu verstehen.
Die Deutsche BAHN ist ein großes Wirtschaftsunternehmen, das vor allem mit Zügen arbeitet. Vielleicht ist dein Zug auch schon mal zu spät gekommen. Vielleicht bist du aber noch nie mit dem Zug gefahren, das wäre schade. Vielleicht hast du in deinem Leben bis jetzt nur mal einen ZUg bekommen und hattest Schmerzen am Hals. Grandios wäre allerdings, wenn du diesen Zug im Zug bekommen hättest. Dann würdest du alles verstehen.
Zugvögel wiederum sind Vögel, die wegziehen und herziehen und wieder wegziehen. Das nennt man auch Zug.
Zugvögel mit der Deutschen Bahn in Verbindung zu bringen ist ein Sprachwitz, weil hier dasselbe Wort "Zug" in ambivalenter Bedeutung benutzt wird. Immer pünktlich weg heißt es am Ende. Das ist Ironie, denn die Bahn und ihr Zug sind meistens nie pünktlich da.
Wenn du jetzt nicht weiß, was ambivalent heißt, solltest du erst mal zu Schule gehen. Alles andere dann später.
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