Mode und Käse

Wer sich den Modetrends entziehen und auf Trendsetting setzen will, sollte  diese neue und schöne Schmuck- und Bastelidee genauer betrachten: Selbstgemachte Käseanhänger zieren den Oberkörper des Trägers und bieten gleichzeitig eine Zwischenmahlzeit für Notsituationen.
Gern verwendet man gelöcherten Käse, etwa Emmentaler oder Leerdamer. Um das Loch herumschneiden, an die Kette hängen und ferig ist der Schmuck!
Das Schöne darüber hinaus: Der Anhänger verändert jeden Tag seine Form und Konsistenz und erweckt den Eindruck, man wechsele täglich das Geschmeide.
Ach wenn manche das Ganze mit einem platten "Alles Käse!" abtun wollen, so wird sich der Modebeflissenen der Magie des Selbstgebastelten nicht entziehen können.
Olfaktorisch bieten Esrom und Havarti die größten Chancen, wahrgenommen zu werden.
Und darum geht es doch überhaupt in der Mode: Nicht gut aussehen, sondern auffallen.

Wenn es mal zu bunt wird

Unsere Wahrnehmung ist immer themenorientiert:
Wenn wir Hunger haben, suchen wir ein Bild nach einem Butterbrot ab oder fahnden nach einer anderen Nahrungsquelle, so, wie wir es als Säuglinge gelernt haben.
Ist uns so trüb und sieht die Welt schwarzweiß aus, lechzen wir nach Farbe.
Wenn wir wieder Lust auf geometrische Figuren haben, dann fällt uns an einer Dame ohne Oberkörperbekleidung vielleicht ein rechter Winkel auf, der aus der Frau wächst und sich zum Himmel emporreckt.
Ist die eine Gesichtshälfte der Person rot, dann vermuten wir, wenn wir unseren selbstgerechten Tag haben, einen schlagenden Ehemann und absolvieren schnell ein paar Klimmzüge, um uns zu stählen. Der Ehemann könnte uns begegnen und wir wollen natürlich der Stärkere sein und dem Ungeheuer ein paar verpassen.
Wenn uns nach Leerstellen ist, weil sowieso alles viel zu voll ist, dann achten wir auf die Lücken in unserem Gegenüber. Wo ist ein Loch, eine Kerbe, ein Fenster, das blass und unbedeutend herumsitzt, -steht oder -liegt?
Dass aber letztlich die Gesamtperson das Wichtige und Entscheidende ist, erkennen wir, wenn der Mensch vor uns verschwunden ist, wahrscheinlich mit einer schnippischen Geste.
Der Rat bleibt: Männer, nicht auf Ziegen starren! Wir sind hier ja nicht im NSA-Trainingscamp!

Gedichte mit Gebäudeteilen drin: Garagendach

Georg Krakl - Mein Garagendach (2014)
Mein Garagendach
ist flach
und wenn es regnet,
steht das Wasser drauf,
als sei es durch den  Himmel selbst gesegnet.
Darum nehm' ich diesen Mangel gern in Kauf.

Denn gesegnete Garagendächer
werden niemals flächer, niemals schwächer.

Ja, man sagt ja gern: Der Regen,
der bringt Segen
auch den Teilen an Gebäuden.
Einen Segen soll man nicht vergeuden.

Darum bleibt das Dach
weiter flach,
dass der Segen, wenn es gießt,
nicht am Rande runterfließt.








Günter Krass: Paul


Paul auf dem weißen Gaul übers Stoppelfeld. Nichts wie weg von hier!
Dahinter die Mutter auf zähem Esel. Das muss Vater sein, denkt Paul.
Wenn ich Sporen hätte, gäbe ich die jetzt, weißer Gaul!, denkt Paul das Pferd an.
Das Pferd rennt, was das Zeug hält. Zaumzeug fehlt, man galoppiert einfach so; Paul klemmt die Beine zusammen, die Aduktoren brennen bereits.
Die Mutter ruft das Übliche hinterher:
Kämm dir die Haare, Paul!
In der Hose gehst du nicht ins Dorf!
Hast du saubere Fingernägel?
Was ist mit der Unterwäsche? Falls du ins Krankenhaus kommst.
Es ist zum Krankwerden, denkt Paul.
Dem Gaul hängt die Zunge raus. Aber er hält durch, weiß, dass es um alles geht.
Oder um nichts, denkt der Esel, der zäh bleibt, die Mutter erträgt, die zetert und keift.
Der Hals, hast du dir den Hals gewaschen?
Was sollen die Leute denken?
Was sollen die Leute denken?
Welche Leute?, denkt Paul, das hier ist ein Stoppelfeld, da sind keine Leute.
Falls Leute vorbeikommen, ruft die Mutter.
Da stürzt der Gaul und ist tot.
Blödes Pferd, denkt Paul.
Blöder Reiter, denkt der Gaul im Pferdehimmel.
Der zähe Esel trottet mit seiner Bürde heran.
Geschwindigkeit ist nicht alles, schnaubt er.
Ich hab’s dir doch gesagt, sagt die Mutter.
Was?, fragt Paul.
Vorhin, antwortet die Mutter.
Das Pferd im Himmel denkt: Gut, dass alles ein Ende hat. Sogar die Wurst.
Das Pferd kommt in die Wurst, sagt die Mutter und Paul wischt sich den Staub von der Hose.
Wo ist das nächste Krankenhaus, wo er seine Socken vorzeigen kann, oder die Unterhose? Alles frisch. Fingernägel blitzsauber.
Der Esel kaut lässig auf ein paar Grashalmen herum.

Günter Krass: Knie auf dem Sofa


Sie hat das Knie auf dem Sofa und schaut das gestreckte Bein hinab bis an die Ferse. Elegant, denkt sie, und tippt mit dem Mittelfinger der rechten Hand leicht auf den rechten Oberschenkel. Ihr Haar hängt herab und scheint nach Frühling zu duften.

Nur das Sofa ist unpässlich. Es zetert los:

1.Mit dem Knie sich aufzustützen ist für ein Sofa nicht bequem.
2.Es gibt Falten im Überwurf, denn das Knie verteilt die einwirkende Kraft nicht gleichmäßig sondern punktuell. Das ist auch schlecht für den Federkern.
3.Man sollte sich nicht selbst bewundern, das gibt Ärger, weiß ja jedes Kind, nur dieses zu groß gewordene wohl nicht. Wenn bewundern, dann das Sofa, das hier seit Jahrzehnten rumsteht und seine Dienste anbietet. Ohne zu murren.
Da wäre ein "Oh, was für ein schönes Sofa!" vielleicht nicht unangebracht.
4.Wer lange Haare hat, verliert schon mal ein paar, die dann auf dem Sofa landen und das Arrangement ungepflegt wirken lassen. 

Also, weg mit dem Knie! Ab in die Ecke, das steht ein Sessel. Der sieht nicht mehr gut aus, da kommt es auf ein paar Haare und die ein oder andere Druckstelle nicht an.
Und überhaupt. Das Sofa ist eine Ottomane. Das klingt vornehm. 
Jedenfalls sind Sofas auch nur Wohnmöbel, und denen gebührt ein gewisser Respekt.

Sie steht jetzt auf, als habe sie die feine Botschaft geahnt.
Hässliches Sofa, denkt sie. Und erst der Überwurf. So knittrig. So voller langer Haare, und dort, ein kurzes krauses! Da setz ich mich nicht hin.
Holla, dahinten steht ja ein schicker Sessel; na, der sieht aus, als wenn er hart im Nehmen ist, und doch bequem. Da will ich mich hinsetzen.

Das Sofa fällt in eine tiefe Depression nach dem Motto: 
Niemand mag mich. Ich wäre so gern besessen.
Und es stellt sich die Frage: Stehe ich, weil ich Beine habe, oder liege ich, weil meine Längsachse parallel zum Boden verläuft?

Es gibt nichts Schlimmeres als denkende Sofas. Furzende Sessel vielleicht.

Moppel, Pit und Peti schreiben Geschichte

Wie schreibt man Geschichte?
Moppel: Wie schreibt man eigentlich Geschichte?
Pit: Ich glaube groß....
Peti: Mit t auf jeden Fall.
Pit: Und mit Doppel-Ch.
Moppel: Wie spricht man das denn aus?
Peti: Geschichte. So, wie man's schreibt.
Moppel: Aha.
Pit: Noch Fragen?
Moppel: Erst mal nicht.

Georg Krakl: Weltmeisterschaft 2014

Wenn die Dribbler antizipieren
und doch die Bälle oft im Nichts krepieren:
Baller!Baller!,
sag ich: zielt genau und schießet wohl,
denn das Ziel da ist das Goal
der gegnerischen Schusspartei!
Das eigene zu treffen: Da ist nichts dabei!
Der Ball gehört ans Ziel!
So gewinnt man jedes Spiel.

Georg Krakl: Aus dem Zyklus "Kaputte Fische" (2014)

Theo von Doeskopp: Kaputter Fsch (2014)
Der Barsch
ist am Marsch
durch die Institutionen
-die in der Regel in großen Verwaltungsgebäuden wohnen-
zerbrochen.
Genau wie der Rochen.


Der Schellfisch
ist zerschellt.
In die Tiefe gesackt
und verschollen.
Abgekackt.

Der Hai
ist entzwei.

Der Barsch
ist im Arsch.

Butt.
Kaputt.



Alltagsironie: Selten blöd

Du bist wirklich selten blöd!, schrie Myrthe ihm hinterher.
Besser als immer doof, raunte er zurück.

Peter-Pan-Syndrom: Lebenshilfe im Gartenhäuschen


Für Erfahrungen im Grenzbereich, deren Bearbeitung den vorübergehenden oder längeren Aufenthalt in Schrebergartenhäuschen, Baumhütten, Schuppen, Atombunkern, Hundehütten oder Einmannzelten erfordert.

1.Situation 1: Die Luft ist dick. Es hat gekracht, nein, ein Schwelbrand hat die Atmosphäre verdorben. Alle schauen stumpf in eine Ecke. Niemand sagt  ein Wort. Alles befindet sich praktisch auf Messers Schneide. Dicke Luft.

Den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben ist die eine Sache; die andere wäre, die Sache auf die Spitze zu treiben, um eine explosive Entladung zu provozieren, welche die Luft reinigt.Gefahr.
Achtung: Besser Rückzug ins Wochenend- oder Gartengeräteaufbewahrungshäuschen und eine angesteckt! Inhalieren und ausatmen. Die dicke Luft förmlich nachbilden, um sie anschließend zu überwinden. Ruhe. Nicht ein Spaten wackelt. Die Schubkarre wagt nicht zu quietschen. Der Vertikutierer schweigt.

2.Situation 2: Die Luft ist immer noch dick. Es ist zum Schwindligwerden. Die dämlichsten Antworten seit Bestehen der Wohngemeinschaft, und wo sind die hundert dummen Fragen dazu? Schwindel und Schwindeleien. Wie von der Schindel getroffen. Wanken. Alles dreht sich. Achtung: Rückzug ins Spatenhäuschen, ein freundliches Wort zur Schubkarre und dann den Korkenzieher angesetzt!
Ein, zwei Gläschen guten Roten inkubiert (oder so)und alles Schwindlige hat Ursache und Sinn. Lecker. Gläschen Nummer drei beschleunigt die Katharsis. Die Inkubation schreitet fort. Die Wohngemeinschft fragt: Was der wieder ausbrütet?

3.Situation: Es ist viel gesagt worden. Jeder denkt: Es ist alles gesagt worden.  Wörter und Worte schwirren im Kopf herum. Innerer Monolog. Es ist zum Heulen. Es ist zum Hinschmeißen: Alles oder sich selbst! Quatschköpfe und Quasselstrippen, Labertaschen und Tratschtanten. Stille, Stille, wo bist du? Geschnatter, Gequake, Gegacker. Widerlich. Achtung: Verstärken, potenzieren und schließlich mehrfach ableiten.
Hinsetzen! Heulen! Ganz ruhig! Ein gutes Buch lesen. Da sind viele Wörter drin. Der Kopf wird frei. Das Buch denkt für mich. Bevorzugt Bücher lesen, deren Titel die Wörter „sitzen“ und „weinen“ beinhalten. Alles ist im Fluss. Gut sind Titel, die auch das Wort „Fluss“ anbieten. Um wen geht’s denn hier überhaupt? Um mich!!!! Um mich! Also, Tipp: Der Titel sollte auch das Wort „ich“ enthalten. Leider gibt es nicht sehr viele Bücher, die das erfüllen.

4.Situation: Alles kommt zusammen. Das sind die Tage, wo jeder gern nach Australien oder Irland auswanderte. Aber: Da ist auch nichts besser. Wer kann schon vor sich selber wegrennen? Und Irland ist viel zu nah. Grönland. Grönland ist an der Grenze, das ginge gerade so. Besser ist( und billiger bzw. risikofreier): Gartenhäuschen mit Zigarren, Rotwein und einem guten Buch!

Wohl dem, der ein Gartenhäuschen besitzt, in dem sich Spaten, Schubkarre und Vertikutierer "Gute Nacht" sagen!

Unheimliche Begegnung mit der Waldfee


Hallo Waldfee mit deinem roten Schleier, der deinen Leib umspielt!
Hallo Mensch!
Hallo, Waldfee mit deinem roten Schleier, der deinen Leib umspielt, warum trägst du sonst nichts auf dem Körper?
Hallo Mensch, es muss wohl so sein.
Hallo Waldfee mit dem roten Schleier und sonst nichts auf dem Leib, warum rauchst du denn neuerdings, das hast du doch früher nicht getan?
Hallo Mensch, es hat alles seine Zeit.
Hallo rauchende Waldfee, die hier fast nackt im Wald rumsteht, was willst du von mir?
Hallo Mensch, das musst du dich fragen.
Hallo Waldfee, die da raucht und einen roten Schleier trägt, der ihren Körper nicht verdeckt, das frage ich doch. Warst du vielleicht beim Friseur? Die Frisur ist mir neu und umschmeichelt deine bloßen Schultern?Hast du das für mich getan?
Hallo Mensch, stelle nie zwei Fragen zum Scherz, denn das gibt nur Schmerz.
Hallo Waldfee, die du hier so bloß und nackig, nur mit einem Schleier bedeckt, welcher rot und transparent ist, auf einem Felsen stehst, wie ist dein Name?
Hallo Mensch, ein Name ist immer Schall und Rauch und manchmal Legion.
Hallo Waldfee, sag einfach mal wie du heißt!
Hallo Mensch, das ist eine Frage, die ich verstehe.
Hallo Waldfee, das war keine Frage. Aber egal. Wie heißt du?
Hallo Mensch, mein Name ist Iris.
Ach, Iris, die aus dem Auge?
Hallo Mensch, die aus dem Auge.
Ach, Iris,Iris. Jetzt weiß ich Bescheid.
Hallo Mensch, dann kann ich ja gehen.
Ja, klar, Iris aus dem Auge! Man sagt doch, aus dem Auge, aus dem Sinn.
Hallo Mensch, dann mach's gut.
Ja,Iris, dann Tschüss! 

Tonnes Tagebuch: Männer auf dem Platz

Liebes Tagebuch!
Gestern schaute ich aus dem Fenster, gegen Viertel vor elf, und blickte, da ich aushäusig war, auf eine Anlage mit 8 Plätzen, von denen einer durch drei weißhaarige, eher übergewichtige Männer und einen Glatzköpfigen mit weißem Schnauzbart belegt war. Eigentlich bestanden war.
Ein kleiner gelber Ball kullerte hin und her und die vier Männer wischten mit einer Art Tennisschläger durch die Luft, möglicherweise war das die Ursache für die Bewegung der kleinen gelben Bälle.
Liebes Tagebuch, ich will dir eigentlich nicht schreiben, dass es sich wirklich um Tennisschläger und Tennisplätze handelte, denn Tennis ist doch ein Bewegungssport.
Was machen vier Männer mit zu viel Speck zu bester Arbeitszeit in Deutschland, dann, wenn sogar die Arbeitslosen Schlange vor dem ARGE-Büro stehen, wenn die Hausfrauen durchsaugen und die Kinder sich in Kindergarten und Schule soziale Kompetenzen erwerben lassen müssen?
Es wirkte lustlos, wie die Männer ihre Körper über den roten Kunststoff schleppten, wie sie an ihren weißen Höschen zupften, weil die am Gürtel spannten, wie sie ihre Frisur mit gespreizten Finger richteten oder mit der flachen Hand den Schweiß von der Glatze wischten.
Ich empfand es als Affront gegen die Arbeitenden, denn ich selbst musste arbeiten.
Wie kann man sich öffentlich einem scheinbar für diese Männer unerquicklichen Vergnügen hingeben, wenn andere arbeiten?
Irgendwer arbeitet doch immer, sogar nachts, hätte ich früher gesagt.
Tennis ist längst ein Volkssport und kann niemanden mehr beeindrucken.
Was aber sollte die Aktion, wenn sie 1. nichts Besonders war und 2.nicht mal Spaß machte?
Ich konnte mich nicht der Erkenntnis erwehren, dass ihr Ziel die Demütigung derer war, die diesen Luxus finanzierten.

Im Gedanken empfahl ich Golf zu spielen, weil der nächste Platz 30 km entfernt lag und noch weniger Bewegung verlangte, als das hier Gebotene.
Oder Polo. Dann wäre mit den Herren der dazugehörige Anblick verschwunden.

Nichtdenken

Tipp des Meditationstrainers:
Denk dran, nichts zu denken!

Rätsel der Woche: Fische oder nicht?

Was kann das sein?, fragt sich der Rätselfreund und rätselt vor sich hin.
Auch in der Rätsel-Community ist Schweigen und Stirnrunzeln angesagt.
Manch einer will erkennen, dass es sich um eine von Oberkörperbekleidung befreite Dame handeln könnte, die sich zurücklehnt.
Das muss aber falsch sein.
Im unteren Bereich erkennt man einen Fisch, der gerade versucht, das Weite zu suchen. Gleich vor dem Tier ein Kampfrochen, der ihm die Luft abdrücken und zur Unterwasser-Pythom mutieren will. Wahrscheinlich das Ergebnis eines Castings von RTL oder so.
Ein Saugnapf aus dem Küchenbereich, an dem man Küchentücher aufhängen kann, nähert sich, weil es gerade im Unterwasserbereich immer wichtiger wird, auch mal was abzutrocknen. Denn der Fisch ist nass, es sei denn der Schwede oder Norweger trocknet ihn.

Georg Krakl: Paradox (2014)

Der Heilbutt
ist kaputt.

Krakl spart mit Worten, das weiß man mittlerweile. Das hat natürlich System, das hat auch Grund:
Lakonisch beschreibt der Dichter, dass ein Fisch, der Heilbutt, eben kaputt sei. Nicht irgendein Fisch, sondern der Heilbutt, als Symbol der bedrohten Fischwelt, als Heiler unter den Fischen, als der, der anzeigt, wenn die Wasserwelt baden geht. Der Heilbutt, im Sinne des Ganzbuttes, dem nichts fehlt, der ganz und gar vollständig ist, der in Einheit mit der Natur lebt, der sich unbeschadet im heilen Ozean mit kräftigen Schwanzschlägen bewegt, der ist kaputt.
Vielleicht hat Krakl zum Wort kaputt aus Reimgründen gegriffen; ein anderes wäre auch nicht möglich, denn es drückt lapidar und und unpathetisch aus, was wir alle längst wissen.
Die Lebenswelt unseres Fischfutters ist bedroht, sie ist beschädigt. Der Butt kann nur noch Butt sein, nicht aber Heilbutt, denn das lässt sich nicht so einfach reparieren, was da entzwei gegangen ist.
Krakl hätte auch schreiben können:

Der Hai
ist entzwei.

oder

Der Barsch
ist im Arsch.

Alles nichts gegen die obigen Zeilen. Das eine zu nett, zu geziert, zu prätentiös.
Das andere platt und herb, was jeden Lyrikfreund vor den Kopf stößt.
Der kaputte Heilbutt, das ist paradox und zeigt in seiner Widersprüchlichkeit, wo wir gelandet sind.
Der Hering ist vom Massennahrungsmittel zur Delikatesse verkommen, den Matjes gibt es nur noch im VIP-Zelt und man schlotzt ihn in den Verdauungstrakt wie ehemals den teuren Beluga-Kaviar.
Krakl zeigt in seinem Zweizeiler, dass man mehr nicht braucht, um die Menschen aufzuwühlen und sie misstrauisch gegenüber jeder Fischfrikadelle und ihrer Produzenten werden zu lassen.
Die Welt kracht aus den Fugen.
Der Heilbutt
ist kaputt.
Und der Heilbutt steht für alles, was heil war.
Der Butt ist Schutt.
Das ist die nächste Stufe; und vor der sollten wir uns hüten.

Drinnen oder draußen

Drinnen oder draußen?, dachte Ben, als er die Sonne betrachtete.
Ich sitz hier in meiner Küche, die vielleicht die Welt bedeutet, die vielleicht die Welt ist, denn es ist eine Alno-Küche, eine teure Küche, die sich nicht jeder leisten kann, und deren technische Hilfsmittel, wie etwa der Kühlschrank, vor der Sonne schützen, vor ihrer unerbittlichen Wärme, die Eis schmilzen lässt, die den Schimmel auf den Käse und die Brotscheiben bringt, wenn sie sich mit Wasser verbindet.
Ausgesperrt oder eingesperrt? Ben blickte durch das Gitter und wartete auf die Antwort.
Das Größere ist immer draußen, hatte einmal ein weiser Mann gesagt, an den sich Ben nicht erinnern konnte.
Die Küche war größer als die Schublade, dann war die Küche draußen und die Schublade drinnen.
Wenn man nicht raus kann, ist man drin.Auch so ein weiser Spruch.
Die Sonne konnte definitiv nicht raus, nicht raus aus ihrer Umlaufbahn. Oder war es die Erde? Jedenfalls konnte sie nicht in die Küche, also kam sie nicht raus, weil sie nicht rein konnte, und damit war sie drinnen. Und Ben in seiner Küche draußen.
Schade, dachte Ben, dass ich niemanden habe, dem ich das erzählen kann.
Komm doch mal raus aus deiner Butze, hatte irgendwer, an den sich Ben nicht mehr erinnern konnte, gesagt. Wenn der Recht hatte, dann war er drin.
Drin sein, dabei sein, in sein, abei sein. Jaja, dachte Ben, alles so ein Durcheinander. Wer sollte sich da noch auskennen?
Die Sonne definitiv nicht, das stand schon mal fest.
Ben drehte den Kühlschrank 2 Einheiten höher. Kühlen muss der Kühlschrank, murmelte er und ließ die Rollläden runter, damit die Sonne nicht rausgucken konnte. Denn die war drin.
Und immerhin war es ja Bens Küche.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Der Clown

Es gibt ihn in jedem Bekanntenkreis, in jedem Verein und unter den Arbeitskollegen: Den Clown. Wo es ihn nicht gibt, fehlt er einfach. Er macht die Witze, wir lachen darüber. Wir lachen auch, wenn wir die Witze platt finden, weil wir dazugehören wollen. Wir wollen Teil einer Gemeinde sein, die ihre Gemeinsamkeit im gemeinsamen Lachen über den Clown findet, weil sie sonst nichts hat, und die die lauten Töne bevorzugt, weil sie so deutlich sind, so erkennbar, so durchhörbar, deshalb so verständlich. Der Clown ist ein Einzelkind oder das Kind, das ein Junge werden sollte, obwohl es ein Mädchen ist. Er hat schon auf Geburtstagen der Erwachsenen seine Aufführungen gehabt, alle haben geklatscht, weil der kleine Mensch schon so lustige Sachen machen konnte. Das ist so geblieben. Obwohl der Clown schon groß ist, profitiert er immer noch vom Kindsein, greift zurück auf die alten Mechanismen. Das schräge Lachen der Gemeinde entlohnt ihn. Er ist glücklich in diesem Moment. Er glaubt sich selber als Teil dieser Menschengruppe, als dazugehörig, obwohl sie nicht mit, sondern nurüber ihn lachen, weil sei selbstgefällig denken: Gut, dass ich nicht so bin. Dabei steckt hinter der Maske die graue Einsamkeit, die Leere, der Misserfolg, Fuß zu fassen, seine Mitte zu finden, mit dem zufrieden zu sein, was ihm gegeben ist. Er rennt von Mensch zu Mensch, sucht seine Anerkennung, seine Aufgehobenheit, sein Angenommensein, und findet nichts. Der Clown ändert nicht sich, er tauscht die Menschen aus, mit denen er zusammen ist, denn sie erfüllen nicht seine Sehnsüchte; sie sind schuld an der Misere, sind Ursache für die Verdorbenheit der Welt, für die Mauern, die uns umgeben, die ihn nicht heranlassen an ihr Innerstes, weil sie ihn schon kennen. Sie haben schon erfahren, was es heißt, benutzt zu werden, ein Instrument gewesen zu sein, ein Mittel, aber auf keinen Fall ein Mensch. So macht der Clown weiter seine Scherze, immer auf der Suche nach neuen Menschen, die die Tragik seiner Komik noch nicht erkannt haben, die er noch nicht vertrieben hat. Und das ist kein Scherz, das ist nicht lustig, nicht zum Lachen. Das ist zum Heulen.

Weisheit süddeutscher Zeltfeste: Schunkeln

Mit Furunkeln
am Hintern ist schlecht Schunkeln.

"stream-of-consciousness-technique": Formulare ausfüllen

Karl sitzt am Küchentisch, ein Formular vor sich. Ja, gut, den Name angeben, das kann wohl jeder, sonst wüssten die gar, nicht , wer ich wäre, da hört der Spaß aber auf, von wegen Spaß mit langen a, das ist Spass mit Doppel-s, dann die Straße, Geburtsort, wer will das wissen, wenn da so ein weinseliger Vorstadtbeamter, Häuschen im Grünen versteht sich, zwei Kinder und eine Frau die Yogakurse besucht, weil sie den alten Wackelkopf nicht mehr aushält, wenn der abends nach Hause kommt, seinen Schlips zurechtrückt, die Hausschuhe paratgestellt und die Flasche Bier geleert, im Sessel sein Nickerchen macht, weil es im Büro heute so unruhig war, Publikumsverkehr, eine Person war da und die hatte sich noch verlaufen, was soll aus Deutschland werden, wenn sich degenerierte Sesselfurzer um die Belange der Bürger kümmern, über deren Anträgen Butterbrote verzehren und Kaffee trinken, den möchte ich sehen , der mir einen Kaffeefleck auf mein Formular trinkt, dem müsste man mit der bloßen Hand, Geburtsdatum, warum ist das wichtig, wenn es um eine belanglose, ich seh es vor mir, wie diese hirnlosen Staatsdiener sich vor Lachen die feisten Bäuche halten, weil sie sich köstlich amüsieren, dass ein rechtschaffener Bürger wirklich glaubt, sein Anliegen, in Form eines Formulars der Behörde vorgetragen, in den nächsten zehn Jahren bearbeitet werden würde. Ich glaube, ich sauge erst mal Staub oder räume die Spülmaschine aus.Karl steht auf und saugt Staub.

Günter Krass: Erinnerungen - Über den Wolken

Damals dachte ich noch, dass über den Wolken die Freiheit reisengroß sei. Ich war gestürzt und hatte mir die Haut unter der Nase aufgeschürft. Ich lag auf dem Rasen und starrte selbstbemitleidet in den Himmel. Wind Nord-Ost kam es mir in den Sinn, als ich die Luftbewegung am linken Ohr bemerkte. Jetzt auf einer Startbahn stehen, vielleicht Startbahn o4, was auch immer das bedeuten mochte, ein leises Motorengeräusch war zu hören, wohl Onkel Rudi, de ferne seinen Rasen mähte, oder mit der Motorsense seinen Graben ausmäht, nein, halt, das war ein schärferes Geräusch, bis hier hörte ich die Motoren, denn irgendwo da draußen musste ein Zweiter seinen Rasen mähen, so war das immer, wenn einer angefangen hatte, war schnell ein Weiterer dabei, jetzt dröhnte es in meinen Ohren, sie hatten ihre Gashebel bis zum Anschlag aufgezogen, dann der Regen, ich hatte ihn gar nicht bemerkt, der Asphalt nass, dachte ich beim Aufstehen, und - wie ein Schleier staubte der Regen. Der Asphalt bebte, als Günni in seinem Ford Capri an mir vorbeizog, wie ein Pfeil eben. Ich beschloss an diesem Nachmittag, Gitarre zu lernen und irgendwann als Liedermacher Karriere zu machen, wenigstens als Schlagersänger. Die Wunde unter der Nase war auch schon fast zugeheilt.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Sei wie der Wassertropfen

Ich habe Rücken, heißt es immer wieder, wenn Menschen auf ihre Unbeweglichkeit angesprochen werden. Der Sichfürweisehaltende, der hinter den Worten sucht, und das Okkulte, das Unentdeckte finden will, bietet gleich Erklärungen an: Der hat kein Rückgrad, die ist halsstarrig, starrsinnig, unbeweglich, unflexibel, verstopft und ein Geizkragen. Alles versteckt im Satz: Ich habe Rücken.
Wir sollten ablassen von Negativem, sollten uns dem Positiven hinwenden, sollten alte Gewohnheiten ablegen und Neues zulassen, damit das Alte ersetzt wird. Das biege ich schon hin, spricht der Rückengeplagte in seinem Alltagsstarrsinn, und glaubt, durch Biegen und Brechen die Probleme zu lösen, die ihm das Leben entgegenstellt. Gefehlt! Biegen und Brechen sind nur Ausdruck und Verlängerung seines Leidens, das die Unentwickeltheit seines Bewusstsein, seines Seins allgemein, widerspiegelt. Sei wie der Tropfen auf dem grünen Blatte, kann der Rat sein, der sein Leben in andere Bahnen lenkt. Sich den Gegebenheiten des Lebens anpassen, nicht starr herumsitzen, nicht durch die Gegend hinken, sondern sich anschmiegen, in die Ritzen und geheimsten Orte des Lebens kriechen, den Makrokosmos entdecken, das Hohle ausfüllen, die Leere in Fülle verwandeln. Der Wassertropfen macht es uns vor. Klein und unbedeutend erscheint er uns, und doch ist er Teil des großen Ozeans, aus dem wir alle stammen, und in dem wir zurückkehren werden. Mit meinem Rücken geht das nicht, ist die Ausrede, die schnell zu Hand ist. Vertane Zeit, wenn du auch nur einen Moment zögerst, den Rat zu befolgen. Aus dem Stand heraus wie der Wassertrofen sein, ohne Anlauf, ohne Vorlauf, ohne ein Morgenfangichan. Sieger sein über unsere Schwächen, denn wer sich selbst bezwingt, ist der Held! Wer wollte denn nicht immer der Held sein? Niemand. In diesem Sinne: Tropfen sein.

Günter Krass:Teller und Tasse


Eines Tasse kam des Weges lang.
Na, nicht mehr im Schrank?, fragte der Teller.
Wie kommst du darauf?, fragte die Tasse zurück.
Der Teller mochte eigentlich keine Gegenfragen, trotzdem antwortete er: Man sagt doch „Nicht mehr alle Tassen im Schrank, oder?“?
Das impliziert doch, dass alle Tassen in einem Schrank sein müssen, bemerkte die Tasse.
Ach du Schreckt, dachte der  Teller, eine Klugscheißer-Tasse, als wenn ich nicht mit mir selbst genug zu tun hätte.
Ich mein ja nur, man sagt das doch so, du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank, schob der Teller nach.
Das musst du einen Schrank fragen und nicht eine Tasse, Meister, konterte die Tasse.
Sag nicht Meister zu mir, sagte der Teller, wenn du mir was Gutes tun willst, sag Muskateller!
Ist das nicht  so ein süßer ungarischer Wein?, fragte die Tasse.
Süffig, nicht süß, und ungarisch nur, wenn er da auch gerade wächst, und Wein, weil es manchmal zum Heulen ist, dass man sich mit einer Tasse nicht unterhalten kann, heulte der Teller.
Ich bin eben keine Sammeltasse, antwortete die Tasse, aber ich glaube, dein Schrank, der hat nicht mehr alle Teller drin!, zischte die Tasse und zog von dannen.
Ich kabe keinen Schrank!, rief der Teller hinterher, aber die Tasse hörte schon nicht mehr.

Die Parabel von der Currywurst



„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, hatte eine Currywurst sich immer wieder sagen lassen müssen, aber sie wollte das nicht recht glauben.Sie hatte extra einen VHS-Kurs belegt, um mehr zu diesem Problem zu erfahren. Aber auch dort hatte man ihr nicht helfen können.

Die Currywurst hatte dann angefangen, die Welt um sie herum zu beobachten und stellte fest, dass zehn Leute an einer Wurstbude nicht mehr als zehn Leute an einer Wurstbude sind, denn sie redeten nicht miteinander, sondern standen nur herum, schlangen ihre Würste hinunter und gingen, wenn sie gezahlt hatten, weg, ohne ein Wort zu sagen. Jeden Tag konnte sie dieses Phänomen beobachten, und es war der erste Zweifel gelegt. 
Dann aber sah sie, wie ein Hobbywerker mit einem Haufen zerschlagener Fliesen hantierte und sie auf ein Holzgestell klebte, anschließend mit Fugenweiß beschmierte, dann abrieb und polierte. Entstanden war ein schöner Fliesentisch, über den sich jeder Haushalt gefreut hätte. „Hm“, dachte die Currywurst, „sollte die Hypothese doch stimmen? War ein schöner Fliesentisch nicht viel mehr wert als ein Haufen kaputter Fliesen?“
Der Hobbywerker ging mit seinem Arbeitsergebnis zu seiner Frau und wollte ihr eine Freude machen. „Nicht schon wieder ein Fliesentisch!“, rief die Frau erschrocken, als sie das Möbelstück sah. “Den kannst du gleich auf den Müll tun."
Der Hobbywerker war zwar traurig, dass er seiner Frau keine Freude machen konnte, aber er gehorchte, weil er nicht noch mehr zornige Worte auf sich ziehen wollte.
„So einfach scheint das nicht zu sein“, dachte der Bastler und überlegte, was er wohl anderes machen könnte.  
Die Currywurst aber ging verunsichert zurück an die Wurstbude und dachte nach. Sie beobachtete die Leute und hoffte, auf neue Erkenntnisse zu kommen.
"Stimmt es, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile?", fragte die Currywurst den Wurstbudenbesitzer.
"Was soll dat denn?", gab  der unfreundlich zurück.
"Du biss doch sone Körriwurst im Stück, dich schneid ich kaputt, und wenne dann in Teile biss, kommt Ketchup drüber und fertig ist die Mahlzeit! Und dann bisse mehr wert, als wenne hier im Stück rumstehst und kalt wirs! Ist dat klar? Und jetzt ab aufen Grill!"
Da sprang die ganze Currywurst auf den Grill und wollte sich wohl auch zerschneiden und mit Ketchup übergießen lassen, damit sie endlich mehr wert wäre als vorher.
Also sie so auf dem Grill lag, kamen ihr doch Zweifel, aber da war es schon zu spät.
"Na, also! Geht doch!", sagte der Wurstmann mit der Schere, "Schnabulieren, nicht diskutieren!" Und der nächstbeste Kunde schlotzte sich die Schnittwurst in den Wanst und grunzte dabei wohlig. "Dat is mehr wert als wie ein Schnitzel!" Presste er zwischen Rülpsen hervor, und der Wurstbudenbesitzer nickt dazu.

Bergsteigerprobleme: K2 und K2r

"Ok, ich gebe zu, es war blöd von mir, die Tube K2r im Basislager liegenzulassen; ich kann es aber nicht mehr ändern und ich werde verdammt noch mal nicht zurückgehen, und die Tube holen, nur weil du vielleicht einen Fleck Murmeltierscheiße in deiner neue Wanderhose gefunden hast. Der war doch bestimmt schon vorher drin, von deiner letzten Alpentour zum Beispiel. In siebentausend Metern Höhe gibt es nämlich gar keine Murmeltiere mehr. Also auch keinen Fleck." Knut antwortete nicht, er schmollte und schwieg. Oskar saß 3 Meter tiefer in einer Felsgrube und hatte den Kopf auf die Knie gelegt. Es war zum Verzweifeln! Zum Heulen. "Wer wollte denn unbedingt auf den K2? Du, du ganz allein. Blöde Idee, K2, nur weil dir im Schleckermarkt diese Tube K2r in die Hände gefallen ist. Dann dieses oberkluge Gequatsche, K2r, äh, warte mal, K2, ist das nicht ein Berg, ein Achttausender? Blabla." Knut ließ sich nicht erweichen, er schmollte. "Ich wäre zu Hause geblieben, wenn ich das gewusst hätte. Eine Tube K2r ans Gipfelkreuz des K2 nageln. Nur mal so. Als Gag, oder was?" Knut schrie seine Frage förmlich. "Wir hätten zu Hause bleiben sollen. Erst der lange Flug und dann sowas. Das Matterhorn hätt's ja auch mal getan!" Oskar war erschöpft, ausgepumpt, fertig.
Und dann leise Knut:" Matterhorn. So ein Blödsinn. Das ergibt doch gar keinen Sinn. Oder kennst du ein Fleckenmittel in der Tube, das Matterhornr heißt?" Da hatte er recht. Knut stand langsam auf, die Glieder taten ihm weh, und schleppte sich zu Oskar hinüber. "Komm, wir gehen zurück ins Basislager. Morgen ist auch noch ein Tag..."

Heute vor 6 Jahren und einem Tag: "Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Plattenspielermeditation


Als Kinder waren wir fassziniert von der sich drehenden Scheibe und es war nicht nötig, eine schwarze Platte mit Rillen, die beim Aufsetzen der Nadel erst kratzende und dann tönend-knisternde Känge abgab, aufzulegen. Stumm blickten wir auf die Drehscheibe, bis das Muster im Zentrum immer mehr verschwamm und eins wurde mit unserem stillen Verharren und Warten auf irgendetwas, was da kommen könnte. Es kam nichts, die Scheibe drehte sich und wir wurden müder und müder. Dann erschien es uns so, als wolle sich der Tonarm aus seiner Befestigung lösen, als wolle die Nadel in nichtvorhandene Rillen springen und uns den Klangzauber des Himmels vermitteln, Engelsgesänge vorjubilieren, Aeolsharfen anzupfen, die Geigen zum Schwingen bringen, und die Hymnen des Paradieses und der Ewigkeit direkt in unser Ohr summen. Lange konnten wir auf das sich drehende Rund starren und die Welt um uns vergessen, vielleicht bis Mutter "Abendessen jetzt, los, wasch dir mal die Hände und dann zackzack!" rief, ein Sakrileg, wahrlich, aber ein notwendiges Übel, um uns wieder in die Wirklichkeit mit all ihren Bedürfnissen zu holen. Wir hätten bis zum St.Nimmerleinstag noch dort gesessen und uns der Rechtsdrehung hingegeben. Tief durchatmen, Arme fest, Augen auf! war unser Schlagwort, dann schlugen wir die Augen auf, wenn sie geschlossen waren, und sahen vor uns die unermüdliche Bewegung des Plattentellers, der uns mit 33 Umdrehungen verzaubert hatte. Oft waren wir benommen und nicht wirklich in der Welt der Dampfkartoffeln, des Erbsengemüses und der Schweinefrikadellen; dann beschlossen wir, das nächste Mal 45 Umdrehungen zu wählen. Wer wusste denn damals schon, was Geschwindigkeit bei einem Menschen bewirken kann.
Heute kann kein MP3-Player das leisten, was der Plattenspieler der Volksgesundheit gegeben hatte. Moderne Technik muss nicht immer zum Wohle der Menschen sein.

Georg Krakl: Bluthochdruck (2014)

Vladimir Kanniksky: Bluthochdruck (2014)
Das Blut,
es drückt auf die Arterien und Venen,
auf Knochen, Kopf und Sehnen.
Der Kopf ist rot,
der Druck macht tot,
wenn man die richtigen Tabletten
nicht regelmäßig nimmt.
Dann ist man nicht zu retten.
Und der Arzt sagt: Stimmt.

Er schreibt dir ein Rezept dagegen.
Das ist ein Segen.



Gedichte mit Abfall drin: Georg Krakl - Pfingstrose und der Osten (2014)

Roy Lichtendorf: Phingstrhose (2014)
In meinem Beet
hat eine Pfingstrose
beigedreht.

In jenem Fleet
liegt eine Zingstdose,
wie ihr seht.

Das Fleet ist fern,
das Beet so nah mir wie der frische Morgen.
Ich hab' die Rose gern.
Die Dose sollte man entsorgen.

Das Verwachsen von Ost und West ist noch nicht abgeschlossen.
Krakl zeigt in seinem Endreim-orientierten Drei-Strophler die Narben.

Hier die Idylle der Heimat, symbolisiert durch das Beet, dem sich eine Pfingstrose, Symbol der Schönheit, vielleicht der Liebe, genähert hat, nein,die sogar beigedreht hat, wahrscheinlich um zu verweilen, weil es so schön im Beet ist.
Aus nautisch-maritimer Sicht ist dieser Vorgang allerdings schwierig, er ist wohl eher eine Allegorie, die die Vereinigung des Schönen und des Verweilens für eine gewisse Zeit darstellt. Einen immanent sexuellen Farbton über die Wörter Beet und Bett kann man wohl ausschließen, hier bleibt es bei der naiven, unschuldigen Gefühlslage.

Dort der graue und brackige Alltag im Fleet.
Der Kontrast. Ein Fleet, mit dem man eine dunkle Brühe assoziiert, Brackwasser, in dem niemand freiwillig schwimmen will.
Eine Zingstdose in ihm. Zingst als Beispiel für die Verwüstung des Osten, in dem das Krebsgeschür Tourismus -siehe das Steigenberger - die gesunden Zellen auffrisst.

"Wie ihr seht" - So spricht  Krakl den Leser an und will ihm zeigen, dass er nämlich nicht  sieht. Denn sonst hätte er es längst gesehen und aufgeschrieen ob der monopolkapitalistischen Vergewaltigung einer unberührten und unterbeleuchteten Provinz.
Das Fleet ist ihm fern, dem lyrischen Ich, oder dem Krakl, das weiß man nicht.
Er bleibt daheim im Beet, wo die Pfingstrose angedockt hat. Romantik pur.
Dort dümpelt die Zingstdose. Krakl drückt mit diesem Neologismus aus, was die Volksseele längst spürt: Der Osten wird eingedost und auf den Markt geworfen, leergesoffen wirft man die Verpackung, die den Schein symbolisiert, dem wir erlegen sind, ins Fleet, ins Brackwasser. Asche zu Asche, Müll zu Müll.
"Die Dose sollte man entsorgen" - Krakls letzter Appell. Wenn der Osten noch zu retten ist, dann durch Recycling. Die blühenden Felder sind abgemäht, die weißen Tauben sind taub. Was Politik in Jahrzehnten nicht gelungen ist, formt sich hier als Appell:
Müll - Macht was draus! Könnte man das Gedicht übersetzen.
Aber vielleicht ist das auch gar nicht gemeint.

Heute vor 6 Jahren: Das Verschwinden der sichtbaren Emotion

Das Leben schreibt seine Geschichten direkt in das Gesicht eines Menschen. Ausgeprägter Faltenwurf bürgt für eine bewegte Lebensgeschichte, alle Schattierungen des Menschseins lassen sich im gefurchten Antlitz erkennen, Freude und Leid, Seelenqual und Himmelhochjauchzen. Das ist Vergangenheit.
Heute zählt das glatte Gesicht, es erzählt aber nicht mehr. Der Uniformiertheit der Kleidung gesellt sich die der Gesichter zu. Langweilige Schönlinge neben messerscharf geglätteten Frauen, aufgespritzte Lippen unter korrigierten Nasen; gestraffte Lider, angelegte Ohren, gekappte Brauen und verpflanzte Haarbüschel sollen den Menschen schön machen. Hat früher das Hässliche, das Unebene, das Raue und Narbige sich eingeprägt, so verblasst heute jede Bekanntschaft, weil die Langeweile des Gesehenen den Betrachter betäubt. Die Menschen gleichen sich an und werden zur Masse. Der Individualist, für den sich trotz aller Gesichtsbügeleien jeder hält, verschwindet leise, dabei sollte er laut brüllen und dankbar für jede neue Furche, für jede Narbe und jeden Pickel, jedes Muttermal sein, denn es ist eine weitere Seite im Buch seines Lebens geschrieben worden.

Weisheit des Alltags: Kirschkuchen

Wenn du im Kirschkuchen eine blutige Schnittwunde zu finden glaubst, wird es Zeit den Bäcker zu wechseln.

Die GESCHÄFTSIDEE: Lass die Schlange los!


Die GESCHÄFTSIDEE: Jetzt Kunden werben! Erwerben Sie unser neuartiges Konzept für marode Wirtschaftsunternehmen und gestrauchelte Menschen: Da ist immer noch was zu holen! Positiv denken!
Hier der Musterbrief zum Einstieg in die Neue Welt:

Sehr geehrter Herr .................!


In Zeiten wirtschaftlichen Abgangs und  der Zerstörung interpersoneller Systeme ist es hilfreich und vielleicht sogar lebens- wenn nicht überlebenswichtig, seinen Blick auf effiziente Programme zu richten, die destruktive Niedergangsenergien zu bündeln und zu kanalisieren verstehen.
Niemand wird von sich behaupten können, frei von diesen Lebensenergie bindenden Kräften zu sein. Vielmehr ist jeder in Teilabhängigkeit von dieser dunklen Macht, die uns allen das Leben schwer macht.
Sei es ihr marodes Wirtschaftsunternehmen, ihr zerstrittener Schützenverein oder vielleicht das Projektfeld „Eigener Herd“, alles wird durchdrungen von Blockaden, denen sie hilflos ausgeliefert sind, vor denen sie wie ein Stück Treibholz hängen. Nichts fließt mehr.

Kundaliniorientierte Beratung  bietet ein Konzept, das, getreu dem Motto „Lass die Schlange los!“, neue Flussmöglichkeiten durch die bewusste Wahrnehmung des PC-Muskels und seiner Umgebung eröffnet. Die Zeiten von „Nicht an die Schnecke fassen!“ sind Vergangenheit, die Zukunft gehört der Kraftschlange, die sich an Ihrer inneren Flöte hochhangelt und unerbittlich den Siegeszug Ihres Projektes initiiert.

Schon wenige Minuten am Tag werden Sie und Ihre Mitarbeiter auf eine ganz andere Ebene des Erfolges bringen und dort halten. Einmal losgelassen, ist diese Energie unerschöpflicher Quell ihres Erfolges.
Ärger mit dem Vorgesetzten? PC-Muskel  und Atem in Verbindung mit dem rechten Ton lösen ihr Problem unkonventionell.
Kassiererin zickt rum? Ein kurzes Zucken im unteren Bereich Ihres Körper reicht schon, um vielleicht sogar einen Preisnachlass zu erhalten. Mühelos. Einfach durch ihre Strahlkraft.
Menschen beeindrucken und überzeugen, das ist unser Konzept.
Wir beraten Sie gern!

Mit freundlichem Gruß

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Zwölftonmusik - Was soll das?

Mögen Zwölftonmusik, wenn's gut klingt.
Musik lässt sich nicht einfach beschreiben. Oft fehhlen die Worte und man muss versuchen, seinem Gefühl Ausdruck zu geben. Das kann sein durch rhythmisches Hin-und Herbewegen des Oberkörpers, wie es vom Hospitalismus her bekannt ist, oder aber durch schlichte Bewegungen der Hand, die an das Dirigieren des Profis erinnern oder einfach an das Herunterdrücken des Stampfers oder Stempels einer Kaffeekanne für Aufgusskaffee. Esoterische Kreise entwickeln Tänze, die für alle verpflichtend sind und wobei wallende Gewänder in bunten Farben getragen werden müssen, oder stampfen stundenlang mit den Füßen auf Lehmboden, um in eine Art Trance zu verfallen. Das heißt doch: Musik geht ins Ohr und kommt aus dem Körper wieder heraus. Schlechtestes Medium ist dabei das Wort. Ein gefühlvoller Grunzlaut sagt mehr als ein wohlartikuliertes Ssssuper oder Ganzgroßeklassebesondersdiecelli.

Musik kann aber auch fassunglos machen. Das hat sie zur Zeit der Wende zum 20.Jahrhundert durch die Zwölftonmusik. Was andere als Ausdruck der kriegsvorbereitenden, imperialistischen Tendenzen in Europa interpretieren, ist wohl nichts anderes als Bequemlichkeit gewesen: Wo der ernsthafte Tönesetzer nach Ideen, nach Melodien sucht, rattert der Zwölftöner sein schlichtes Repertoire runter. Seriell, einer Maschine gleich, spult er eine wirre Reihe von 12 Tönen ab, wobei sich keiner wiederholen darf, bevor nicht die anderen 11 gespielt worden sind. Eine Wahnwitzidee! Selbst die DGG hat sich trügen lassen und Kompositionen aus der Baukastenwerkstatt der Zwölftöner veröffentlicht. Der Clou: Sie hat damit auch Geld verdient, weil der Hörer und Käufer nämlich auch bequem ist und sich von den gelb-weißen Covers der DGG beeindrucken lässt, anstatt einmal richtig hinzuhören. Wer merkt denn wirklich in all dem Gewirr, ob die 11 anderen Töne gespielt worden sind, bevor das eingestrichene As zum zweiten Mal ertönt? Da schweigt man doch lieber, als sich eine Schwäche einzugestehen.

Das Schlimmste aber ist, dass es Menschen gibt, die solche Konstruktionsmusik, die jeder Computer schnell mal raushauen kann, anscheinend genießen, die sich wohlig in den Sessel drücken, die Beine heben und seufzen ob des ernstzunehmenden Kunstwerkes, ob der Gefühlsgewalt, die dem Hörer angetan wird, im Positiven natürlich.
Da kann man sich doch nur ein Beadauern abringen, dass hier werbetechnische Bauernfängerei - wobei das Wort schon fehl am Platze ist, denn ein Bauer besitzt genügend Selbstachtung, um sich nicht durch eine Zwölfton-CD zu quälen - mit der Blasiertheit des Bildungsbürgertums gepaart wird, und so dem Schnellschnell-Komponisten, dem nichts Schönes mehr einfällt, den Lebensunterhalt  sichert.
Da ist der Griff in die Schlagerbox zu verstehen.Eskapismus nennt der Psychologe das, und der muss es ja wissen, weil er sein Geld damit verdient.



Parabel: Auf beiden Augen blind

Pawel "Pablo" Pikass: Wenn die Welt
rot sein soll, steck rote Gläser
in deine Brille" (2014)
Da setzte sich der Mann zwei Augenklappen auf und fühlte sich wie ein doppelter Seeräuber.
"Jetzt bin ich unsichtbar!", sagte er und hatte recht.
Er konnte sich nun nicht mal mehr im Spiegel betrachten und war für einen Menschen auf der ganzen Welt unsichtbar, für sich selbst nämlich.
"Auf in den Kampf, es gibt zu tun, packen wir's an!", sprach der Mann weiter und zitierte den berühmten Tiger im Tank, eine der häufigst erwähnten Alliterationen der Werbebranche zu Zeiten der Ölkrise oder danach.
Kurz darauf rannte er vor einen Laternenpfahl und trug eine Platzwunde davon, denn die Laterne hatte ihn wohl nicht kommen gesehen.
"Siehste!", sagte der Mann und fühlte sich in seinem Unsichtbarsein bestärkt.
"Eben nicht", dachte die Laterne und machte das Licht aus.

Assistent vom Weihnachtsmann

Der neue Assistent des Weihnachtsmannes heißt Ruth Knepprecht und ist weiblich.
Knut Rechtrepp und Recht Knupprecht zogen den Kürzeren, da sie männlich waren.
Zu Recht Knupprecht wurde während des Verfahrens noch geäußert, der Name erinnere zu sehr an "recht knusprig", was wiederum eine Diskriminierung der Brathähnchen darstelle.
Letzterer will aber vor das Arbeitsgericht gegen diese Bemerkung ziehen.

Heute vor 6 Jahren in Bodos Welt: Berufsziel: Diktator


Neben Alligator und Elevator gehört auch der Diktator zu den Berufen, deren Bezeichnung kaum jemand kennt, aber den aus dem Bauch heraus viele ergreifen wollen. Ich weiß nicht, was der tun muss, aber ich finde, das klingt so schön, so akademisch: Diktator. Das hört man Ausbildungsplatzsuchende sagen, und auch die ältere Generation schwärmt von den Möglichkeiten, die die Ausbildung bietet. Sagen, wo's langgeht. Sprechen, und alle müssen zuhören. Müssen, Betonung liegt auf müssen!
Blödsinn herumschreien und alle klatschen Applaus.
Vermutet man das Wort in der Nähe des Diktiergerätes, so liegt man nicht falsch: Der Diktator sagt, was das Diktiergerät aufnehmen soll. Heute hat man digitale Geräte, deren Aufzeichnungen man problemlos löschen kann.
Früher war das Volk das Diktiergerät, das alles ins Hirn schrieb, was der Meister sagte, und anschließend in die Tat umsetzte, egal, welcher Schwachsinn, welcher menschenverachtende Unsinn den zynischen Lippen entsprang. Das Diktiergerät hatte es sowieso nicht verstanden, aufgrund eines irreparablen Sprachfehlers des Sprechers, hatte aber alles aufgezeichnet. Aufgezeichnet, sagte der Diktator, und meinte ausgezeichnet. Dem Volk war es egal, Hauptsache es hatte eine feste Anstellung, denn Diktiergeräte mussten nicht denken. Ob aufgezeichnet oder ausgezeichnet - worin liegt denn schon der Unterschied?
Missverständnisse in Aussprache und Aufnahme haben zu den größten Katastrophen der Menschheit geführt. Warum will niemand Posh Spice werden? Weil das fast polnisch klingt, weil vor lauter S- und Sch-Lauten die Arbeitsplatte schwimmt! Diktator, ein gutes Wort. Kein s, kein sch. Etwas für Leute mit Sprachfehler. Manchmal reicht es auch, nicht malen zu können.

Tonnes Tagebuch: Zukunft und Kaffeefilter

Liebes Tagebuch!
Heute morgen dachte ich, ich könnte mal etwas über meine Zukunft erfahren und warf einen Blick auf meinen Kaffeefilter, denn der Satz in der Tüte soll ja etwas darüber sagen, wie es mit einem weitergehen könnte. Der Filter aber war irgendwie zusammengeklappt, er wirkte verschlossen, so als wolle er nichts von seinem Inneren preisgeben, nichts von dem Satz, den ich lesen müsste.
Den Satz lesen!, das ist doch auch absurd!
Im Satz lesen!, noch absurder.
Ist denn sogar der Kaffee bedeutungslos, der da vor sich hingammelt?
Hat fair gehandelter mehr Zukunft als der konventionelle, der mit Sklavenarbeit produziert wird, aber billiger auf den Markt kommt?
Kaffee! Ja früher hieß der Negerschweiß. Das darf man nicht mehr sagen. Wenn man das damals gewusst hätte, als man im Kaffeesatz gelesen hat, dann wär man heute auch nicht schlauer!
Stell dir mal vor, du wachst morgens auf, hast gerade deinen Koffeinschub getankt, der Filter liegt in der Ablage und du versuchst in die Zukunft zu blicken und liest in deinem Kaffee den Satz: In Zukunft heißt Kaffee nicht mehr Negerschweiß.
Was hätte man denn davon halten sollen?
Sag mal, Kaffee, spinnst du jetzt völlig? Negerschweiß sagt man doch heutzutage auch nicht mehr, auf jeden Fall nicht laut. Wenn, dann denkt man das doch.
Oder in dem Satz steht zu lesen: Schwitzen heißt demnächst transpirieren.
Was sollte denn das sein?
Und dann steht da noch: Aber es wird ein Mittel dagegen geben, mindestens aber gegen den Geruch von Schweiß: Das Deo.
Deo haben wir doch damals für den schlecht ausgesprochenen Namen Theo gehalten.
Und was würde es nützen, wenn ich heute in den Kaffeesatz schauen würde?
Demnächst gibt es ein Flomps.
Ja, was soll das denn sein?
In zwanzig Jahren wirst du es wissen, wird die Tüte sagen, in der der Satz steckt.
Im Moment ist das nicht relevant.
Aber Zukunft, das sind mindestens 20 Jahre sagt der Satz.
Ja, meine Güte, vielleicht habe ich gar keine Zukunft mehr, Tagebuch!
Ich steige auf Tee um, das ist erst mal ein Schritt.


Selfies im Kommen

Sich selbst mit dem Handy fotografieren und überall herumzeigen, obwohl es keiner sehen will, das ist schwer im Kommen. Sogar Prinz Harry Brot  hat sich diesem Hobby verschrieben und versucht, endlich eine passende royale Geliebte zu bekommen, deren Tischmanieren auch Großmutter gefallen.
Leider ist es hellblauen Taschen für poussierliche Damen nicht möglich, sich selbst zu fotografieren, obwohl die Taschen sich für schön halten und gerne von anderen wahrgenommen werden möchten.

Neuerdings gibt es Menschen, die ehrenamtlich Handtaschen mit dem Handy fotografieren und dann ins Internet stellen, damit auch diesen Mitobjekten in der Heilen Welt Genüge getan wird.
Eine schöne Idee. Es werden aber noch Sponsoren gesucht, die den Handtaschen ein Handy kaufen, damit die Fotos nicht immer auf den Smartphones fremder Leute verweilen und dort zweckentfremdet werden.

Optische Täuschungen: Mieze

Quasimir Malewisch: Katze mit lila Kugel
auf dem Kopf (2014)
Das hat Malewisch doch mal richtig gut hingekriegt. Was von Weitem aussieht wie eine Frau mit nacktem Oberkörper, ist in Wirklichkeit eine  Katze mit einer lila Kugel auf dem Kopf.
Die optische Täuschung ist mehr als gelungen und bedient nicht nur das klassische Wunschdenken des Betrachters, sondern spielt auch mit seinen geheimsten Wünschen.
Wer wollte nicht als Kind schon mit der Katze spielen, wenn er an sie herangekommen wäre?
Die aber zeigte die Krallen und fauchte, wenn man zu nahe kam.
Dann zischte der Zurückgewiesene: Ich wünschte, miese Mieze, du hättest eine lila Kugel auf dem Kopf, die könnte ich dann wegschnipsen, sodass sie einem Hund an den Kopf flöge, der dann meinte, dass du sie geschossen habest, woraufhin dieser sich dir blitzartige näherte, um dich zu malträtieren. Wie auch immer das aussähe. Verdient hättest du es allemal. Ich wollte ja nur kraulen.Soweit der Zurückgewiesene.
Das alles und noch viel mehr hat Malewisch, den man salopp auch Malewischundweg nennt, in seinem Bild vermalt. Da ist kein Tropfen Farbe zu viel.

Neo-Land Art: Hein Hopp - Rasen

Hein Hopp: Rasen (2014)
Georg Krakl: Rasen (2014)
Rasen steht.
Rasen wächst.
Rasen ruht.

Rasen rast nicht.