Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Hölle und Himmel
Günter Krass: Essays - Hähnchenfleisch (Auszug)
Frauen bestellen gern halbe Hähnchen, männliche halbe Hühner, braune, knusprige, ölig-glänzende Hähnchen. Diese kulinarische Missetat ist nicht mehr und nicht weniger als Verrat an den Männern zu deuten. Wundersam, dass die Emanzenbewegung dieses Tier, dieses halbe Tier, noch nicht in ihr Wappen gesetzt hat. Neben die Tranchierschere. Die gequälte und gedemütigte, die geschändete Kreatur als Symbolfigur des zwischenmenschlichen Fortschritts aus Frauensicht, die dem Mann niemals gerecht werden kann. Dass ich nicht lache! Des zwischenmenschlichen Ausverkaufs!
Aber solange der männliche Kollege am Nebentisch mitisst und wohlig grunzt, während ihm das Fett in den Mundwinkeln steht, erwarte ich kein Mitgefühl. Und der Fleischesser kann nicht einmal zur Brat- oder Currywurst greifen; das wäre die Krönung der makabren Veranstaltung. Die Wurst als Symbol der männlichen Erniedrigung vielleicht? Nein, danke!Vegetarier sollen bekanntlich länger leben. Allerdings sei ihr Leben nicht so schön. Bleibt denn eine echte Alternative? Soll der Mann plötzlich, nur weil er seine Spielgefährtin Britta „Du dumme Pute!“ nannte, als Protest gegen das, was ihm tagtätlich angetan wird, nun Putenfleisch essen? Ist es nicht erniedrigend, Gleiches mit Gleichem zu vergelten? Wenn eine Frau ein halbes Hähnchen isst, Mann, dann gib ihr auch deines dazu. Das hat Größe! Da schimmert der Morgenhimmel der Zukunft durch. Dumm, wenn die Dame die Geste nicht zu würdigen weiß und die zweite Hälfte auch verputzt. Zuvorkommenheit und gediegene Höflichkeit werden meist als plumpe Anmache gedeutet, und dann ist das Geschrei groß. Fazit beleibt: Zwei halbe Hähnchen sind noch kein ganzes. Und das umschreibt das Dilemma, in dem die Männerwelt seit einigen Jahren steckt und aus der es sich herauszuwinden gilt. Dass die Frauen da keine Hilfe sind, sondern es mit sich wohlmeinend den Karren weiter in den Dreck schieben, liegt auf der Hand. Den Männern bleibt nur, Abstand zu nehmen von der Gefühlsduselei der Vergangenheit, von gemeinsamer Haushaltskasse, vom Dufflecoat im Dreck,damit der Fuß der Dame trocken bleibt, von den ignorierten Wohlgefälligkeiten, den kleinen Aufmerksamkeiten, von dem Etwas-Mehr-Geben. Selbstverwirklichung blablabla. Irgendwo auf der Welt verhungert ein Kind, und du redest von Selbstverwirklichung. Makramee oder was?
Georg Krakl: Sandalen zur Sommerzeit (2009)
Irrglaube: Deutsche Post
Wettbewerb: Das hässliche Gesicht
Mutter-Sohn-Beziehung: Tragik mit Fassung
Und diese vielen Säulen und Pümpel und Pröppel und Klötze und Polder und wiesiealleheißen,Mutter? Ich fühle mich belagert. Was heißt hier, ich ticke nicht richtig? In dem Ton kannst du mit mir nicht reden! Nein, ich werde nicht mit der neuen Vorgesetzten, auch wenn das kein Oppurtunismus ist, jaja, nur Überlebensstrategie, was sind das? Versagensängste, die vielen Pümpel und Metalldinger hier? Komm, jetzt hör auf, das kannst du doch gar nicht beurteilen. Ich mich bei dir ausheulen? Ach, das ist dir jetzt lästig, aber rumsülzen, du kannst immer zu mir kommen, ich bin doch deine Mutter undsoweiter, weißt du, Mutter, du bist eben auch nur eine Frau! Nein, ich werde jetzt nicht unverschämt, das sind Tatsachen, nackte Tatsachen, damit musst du dich auch abfinden, wer hat denn Vater aus dem Haus getrieben? Weißt du was, Mutter, du kannst schon mal meinen Koffer packen. Ja, was, wo ich denn hinwill? Das werde ich dann schon sehen. Dann gehe ich ins Hotel, andere schaffen das auch! Wieso? Guck dir doch Udo Lindenberg an, der wohnt seit Jahren im Hotel. Ich lege jetzt auf. Was jetzt, ok, ein Handy kann man nicht auflegen, das ist es doch, was mich an dir so nervt, dieses ständige Klugscheißern und Besserwissen, nein ich will keinen Rinderschmorbraten heute Abend, nein, auch wenn das mein Lieblingsgericht ist. Schluss jetzt, Mutter, ich lege nicht auf, das geht ja gar nicht, wie du schon richtig bemerkt hast, mein Akku ist leer. Ich soll nicht zynisch werden? Ich werde nicht zynisch. Ja, genau. Und es gibt hier keine Steckdose zum Aufladen. Nein, hier gibt es nur, genau, lang, hart, aufrecht, ganz genau, du hast es begriffen, ja, danke, Mutter, nein, ich dich im ALtersheim unterbringen, wie komm ich denn dazu, nein, du musst schon selbst zurecht kommen, nein, das hast du dir jetzt vermasselt, gut, nach dem Essen, aber du packst den Koffer. Der Akku, Mutter, der Akku ist leer, ja, der piept schon, nein, das kann man nicht hören, nein, dann wüsste ja jeder, dass mein Akku leer ist. Wo kämen wir dann hin? Tschüss dann, nein, ich bin nicht sauer.
Grelle Blautöne erzeugen allergische Hautreaktionen
Georg Krakl: Deutsche Lyrik (2009)
Schiff im Hafen,
hast du gut geschlafen?
Du siehst noch müde aus, kaputt und voller Trauer?
Mich überkommt ein Schauer,
wenn ich solchen Schwachsinn lese.
Schiffe schlafen nicht, sie sind nicht müde, auch nicht traurig. Nur kaputt.
Und brauchen eine Schulter, um sich auszuruh'n.
Das tut
den Sturmgeprüften gut.
Dagegen bin ich nicht immun
Und gebe meine Schulter her für eine gute Sache,
auch wenn ich leise über deutsche Lyrik lache.
Denkmal mahnt zur Sauberkeit
Entsexualisierung von Fotos
Volksweisheiten: Zeigt her eure Schuh'
Falsche Getränke isolieren
Anders wäre es, wenn Jürgen den Sinn seines Lebens bereits gefunden hätte.
Rita Schlapper-Hammermann: Collage für Anfänger
Schule in NRW: Björn-Haut-Syndrom
UndBjörn HAUT ja nicht nur, nein er/sie schreibt ab, heult, lügt, schreit, wirft Papierkugeln, klaut Portemonnaies, obwohl er/sie das Wort überhaupt nicht schreiben kann, rennt durch die Klasse und pinkelt in Papierkörbe oder in fremde Turnschuhe.
Den PädagogInnen sitzen die Handflächen locker, gerne würden sie zischen: Der braucht mal den Arsch versohlt!, oder: Mandy braucht wirklich einen stumpfen Impuls! Aber das geht natürlich nicht. So kehrt sich die berechtigte Aggression nach innen mit all den negativen Folgen, über die dann gejammert und gestöhnt wird. Weitermachen bis 67! ist die Parole aus dem Bildungsministerium, das sich freut, weil es Geld spart und nicht selber unterrichten muss. Selber schuld. Wer auch immer.
Der weise Mann sagt: Sei wie das Huhn

Hübsche Bilder selbst gemacht
Das eigene Haus mal in richtig kräftigen Farben anstreichen, etwa in Knallrot und Fensterblau, die Büsche in Giftgrün umspritzen und dann ein schönes Foto mit der Digitalkamera machen. Das Foto in Postergröße ausdrucken, einen schönen Rahmen drumnageln und fertig ist das Bild an der Wand. Einfacher kann Kunst nicht sein, billiger wahrscheinlich auch nicht, denn ein Originalgemälde kostet doch beträchtlich, wohingegen beim Heimkünstlerverfahren nur die Farbe und der Anstrich bezahlt werden müssen, das Foto und der Rahmen sind läppische "Peanuts". Der Besuchereffekt entschädigt allemal: "Hey, das Bild kenne ich irgendwie?!" Dass der Gast gerade vor dem Objekt gestanden und den Klingelknopf gedrückt hat, lässt den Gastgeber und stolzen Bildbesitzer schmunzeln.
Betrügerische Ritter unterwegs
Mit Fotos von ihrem harten Arbeitstag versuchen heutezutage Betrüger auf sich aufmerksam zu machen und Steuergelder zu ergaunern, die ihnen gar nicht zustehen, sondern armen, verkrachten Banken. Der aufmerksame Bürger kann aber schnell diese Masche durchschauen, wenn er etwas genauer hinsieht: Erstens gab es zur Ritterzeit noch keine Fotoapparate, zweitens benutzten sie Pferde, um sich fortzubewegen und keine Motorroller, drittens hatten Frauen mit großen Hüten überhaupt nichts auf der Straße zu suchen, die mussten damals schön auf oder in ihrer Kemenate bleiben. Wer auf diese Kenneichen des Betrugs achtet und den Rat befolgt, immer kritisch auf den Mitbürger zu blicken, dem kann wenig passieren, zumal die meisten sowieso keine Steuergelder auf der Tasche haben.
Trost für traurige Betonhocker
Wenn man Kunst nicht verstehen kann...
Wir Kleinen hassten den Kunstlehrer Schnogel für die verwirrende Welt der Kunst, in der wir umherirrten, immer auf der Suche nach dem Können, immer auf der Flucht vor dem Nichtkönnen. Gelernt haben wir nichts dabei. Oder doch: Was Kunst nicht ist, das wissen wir jetzt ein Leben lang, die wir endlich groß sind und Vollbärte tragen, in die wir, wenn wir einen verdreckten Raum in einer Galerie oder einem öffentlichen Gebäude sehen,"Das ist doch keine Kunst, das kann doch jeder" nuscheln.
(Foto: Ein Beispiel für "Keine Kunst")
Rolf und Dieter: Apfel
Dieter: Hä?
Rolf: Das ist Englisch.
Dieter: Das habe ich mir auch gedacht. Ich verstehe aber kein Englisch, das weißt du genau.
Rolf: Ich spreche ganz gut.
Dieter: Willst du jetzt damit angeben?
Rolf: Will in Übung bleiben. Wusstest du, dass ich auch in englisch träume?
Dieter: Au, Backe.
Rolf: An apple a day keeps the doctor away.
Dieter: Und? Was heißt das jetzt?
Rolf: Ein Apfel am Tag hält den Doktor weg.
Dieter: Und wenn ich mal krank bin?
Rolf: Deswegen ja nicht.
Dieter: Weswegen?
Rolf: Wegen dem Apfel.
Dieter: Des Apfels. Wegen steht mit dem Genitiv. Das ist Deutsch.
Rolf: Genitiv?
Dieter: Nee,...des Apfels.
Rolf: Dem Apfel ist auch Deutsch.
Dieter: Aber falsches Deutsch.
Rolf: Hauptsache, ich werde verstanden.
Dieter: Ach.
Rolf: Was, ach?
Dieter: Warum hast du dann eben Englisch geredet?
Rolf: Ich glaube, so ein ganzer Apfel ist nicht gesund, da muss ich immer so aufstoßen von.
Dieter: Oh Mann, red lieber Englisch.
Rolf: Okay.
Gedichte mit Überlängen: Cuxhaven
In Cuxhaven
Hab ich an die tausendmal
Geschlafen
Hatte keine Wahl
Lag immer flach
Und niemals wach
Nur einmal musst ich mich zur weißen Schüssel ducken
Und grüne Galle spucken
Da hab ich durchwacht die Nacht, weil mir kotzübel vorm Kübel war und habe gezählt und gezählt und gezählt.
Nach mehr als 1000 Schafen
blieb ich wach in Cuxhaven
Freude bei Monitors
Das ist eine Freude bei Monitors! Untersuchungen haben ergeben, dass Ehepaare, die lange zusammen leben, immer mehr ihrem Fernsehapparat ähneln, vor dem sie die meiste gemeinsame Zeit verbringen. Damit passen sich Gesichtszüge und ihre Gesamtkonstitution automatisch auch an den Partner an. Das Phänomen kann man ebenfalls bei Hundebesitzern feststellen. "Du kuckst wie ein Auto!", zeugt von der Tatsache, dass die sonntägliche liebevolle Autowäsche den Menschen nicht nur im Inneren, sondern ganz stark auch im Äußeren verändert. Hackeböller: Stahlrohr in Megalith (2007)
Gartengespräche
Themen der Zeit: Verweiblichung des Kollegiums führt zu verstärkter Unruhe
Doris Dressing: Umarmende alte Männer - Was ist los?
Es stolpert fast durch den Raum, lacht, juchzt hochtönig, stickst der jungen Frau scherzhaft in den Rücken, sie dreht sich um, Weibchentyp, lacht, haha, freut sich über Zuwendung; der Emanzentyp hätte klar sexuelle Belästigung attestiert. Jetzt ein Opfer: Mandy, die Zweiundzwanzigjährige, er schließt sie in die Arme, drückt sie an die Fettschicht auf seinem Brustkorb, greift fest in ihren Rücken und herzt sie. Ja, es ist Herzen, absichtsloses Herzen! Der Emanzentyp unterstellt dem alten Mann Gedanken: Ah, festes, junges, frisches Fleisch, ja, und der Duft, dieser Duft nach Jugend, nach glatter Haut, nach festem Fleisch, das keck..... Der Emanzentyp denkt hässlich weiter, das Weibchen freut sich über Zuwendung. Rümpft dann doch die Nase, riecht das Alter unter dem teuren Deo, unter dem Spritzer Parfüm zuviel, will sich aus den Armen winden, doch die halten fest und genießen den Moment, so als wollten sie drücken und gleichzeitig ausdrücken: Festes Fleisch, das kann man, das muss man drücken.
Was ist los mit umarmenden alten Männern?
Mich hat er nicht gedrückt.
Kunst kann so hässlich sein
Kunst kann so hässlich seinvon Gottfried Wenn (2009)
Kaputter Rahmen, goldbepinselt,
Barbie und Ken wagen einen Ausritt
Barbie: Das Pferd hat so eine schöne Mähne.
Ken: Du musst die Hacken tief halten und die Aduktoren anspannen.
Barbie: Ich glaube du spinnst.
Ken: Wie jetzt?
Barbie: Dass du mir so ein schönes Pferd gekauft hast.
Ken: Die Zügel tiefer, nicht am Maul zerren.
Barbie: Sag nicht Maul zu mir.
Ken. Ich habe nicht Maul zu dir gesagt.
Barbie: Was soll das Pferd denken?
Ken: Pferde denken nicht. Das hier ist sowieso aus Plastik.
Barbie: Ein Plastikpferd?
Ken: Plastikpferde sind immer aus Plastik.
Barbie: Aufregend.
Ken: Nicht an der Mähne festhalten
Barbie: Ich falle sonst runter.
Ken: Du musst das Gleichgewicht halten.
Barbie: Das scheuert aber so.
Ken: Hast du wieder deine Reithose nicht an?
Barbie: Wir haben auch gar keinen Sattel.
Ken: Und?
Barbie: Fahrrad fahre ich auch nicht ohne Sattel.
Ken: Das wär lustig.
Barbie: Ich hab doch gar kein Fahrrad.
Ken: Eben.
Barbie:Und wenn das Pferd durchgeht?
Ken: Ist eh nur gemietet.
Barbie: Was?
Ken: Du hast Speck angesetzt.
Barbie: Wo?
Ken: An der Taille.
Barbie: Lass mich gefälligst los!
Ken: Bitte. Wie du meinst.
Barbie (fällt vom Pferd): Iiiiieeeehhhhhk!
Ken: Hab ich doch gesagt!
Barbie: Gar nichts hast du gesagt.
Ken: Sag ich doch.
Barbie: Du bist blöd.
Ken: Du auch.
Barbie: Ich will nach Hause. DSDS fängt gleich an.
Günther Krass: Erinnerungen - Maggi war unsere Würze
Resopal: Werkstoff der 60er
Doris Dressing: Werzalith (2009)
Nach all den Tagen
Werzalith
muss ich sagen
sind wir quitt
nach all den Wochen
mit dem blonden Jochen
muss ich sagen Werzalith
mit ist Schitt
nach all den Jahren
Werzalith
kann ich endlich meine Liebe mir bewahren
und ich weiß zum Schlusse: Nie zu dritt!
Vincent van Eijnoor: Weiße Wand
Rolf und Dieter: Raucher
Dieter: Wieso das denn?
Rolf: Na, weil da eine Kippe liegt.
Dieter: Ich habe noch nie geraucht.
Rolf: Wieso liegt dann da eine Kippe?
Dieter: Keine Ahnung.
Rolf: Komm, sag schon. Mir kannst du das doch erzählen.
Dieter: Ich habe nichts zu erzählen.
Rolf: Das ist mal wieder typisch.
Dieter: Was ist typisch.
Rolf: Mit Rauchen ein Problem haben, aber nicht darüber reden wollen.
Dieter: Du hast ein Problem mit Rauchen.
Rolf: Wie kommst du denn darauf? Ich rauch doch gar nicht.
Dieter: Ich auch nicht.
Rolf: Woher kommt dann die Kippe?
Dieter: Keine Ahnung.
Rolf: Dann tu die wenigstens in den Mülleimer.
Dieter: Wieso ich?
Rolf: Weil die nicht von mir ist. Die kann dann nur von dir sein.
Dieter: Wieso das denn?
Rolf: Hier ist sonst keiner.
Dieter: Das ist kein Beweis.
Rolf: Hauch mich mal an!
Dieter: Ich glaube, es geht los.
Rolf: Na also, da haben wir doch den Beweis. Du hast geraucht, willst nicht darüber sprechen und anhauchen willst du mich auch nicht.
Dieter: Ich hab Mundgeruch.
Rolf: Sag dich doch, alter Dickschädel.
Finanzkrise und Gegenmaßnahmen
Der Bürger selbst hat sich eine Spüle für den Notfall hingestellt, wenn er einen Banker trifft, der gerade sein überhitztes Brokergemüt entwärmen möchte, um zusammen mit seiner Lederaktentasche und seinem Schlips ein Vorstellungsgesprächvorzubereiten und anzugehen. Der so Verschreckte dreht einfach die Nirostaschalen mit Spülwasserablauf um, und kann seinen Mageninhalt, der ihm bei Angesichtigwerdung des ÜBELtäters emposchießt, kontrolliert zu Boden bringen.
Der gesunde Menschenverstand versteckt sein Geld wieder im Sparstrumpf unter der Matratze oder im Wäschefach im Schlafzimmerschrank.
Das will keiner: Weihnachtssymbole im Mai
Rolf und Dieter: Stonehenge
Kleiner machen, Leute!
Was ein kleines, farbiges Objekt in die graue Welt des Alltags bringen kann, das zeigt hier das "Gerdwin Compendium".Wer mehr wissen will, klickt hier:
THE GERDWIN COMPENDIUM
Endreimlyrik:Georg Krakl - Zu kurz
Das eine seiner Beine war zu kurz.
Es sah so aus, als tät er hinken.
Die Arme schlaff und schlackernd. Als wäre er am Winken,
so wirkte es. Es war ihm schnurz.
Plattenbesprechung: Mallet - Du gib mir dein Geld
Sind hundert Euro, hab schon nachgezählt.
Wenn mir ein jeder auf der Welt
nur hundert Euro gibt, dann bin ich reich wie Ackermann,
dann bin ich reich wie Ackermann, oh yeah...
Auf den ersten Horch denkt der Hörer: Hallo, was ist das denn? Wer ist denn hier von seinen Medikamenten abgesetzt worden? Wer versucht hier in Musik zu kompensieren? Die klassischen Komponisten und alle Protagonisten von Rock, Blues und Liedern aus dem Alpenvorland müssten sich im Grabe umdrehen, dränge nur eine Schallwelle an ihre verschütteten Ohren.
Eine penetrante Kalimbatonfolge, durch Verzerrer, Kompressor und Chorus gedreht, soll den Konsumenten wohl in eine meditative Stimmung versenken; eher wird das Nervenkostüm auf eine Belastungsprobe gestellt, wenn das scheppernde Instrument aus Afrika die handgeschmiedeten Klangnägel ächzen lässt. Abgeschlagen im Hintergrund eine Stimme, die Wehmut ausdrücken will, und resigniert, aber recht schief, eine schlichte Melodie intoniert. Auch hier wohl mehrere Effektgeräte im Einsatz, die es aber nicht schaffen, den Tönen mehr Präsenz zu verleihen.
Komponist und Interpret Mallet hat hier eine Art deutschen Ethno-Schlager entwickelt, der eigentlich ein Widerspruch in sich ist; vielleicht ist diese Komponente das, was zum Nachdenken anregen soll, das, was provozieren soll.
Ob das beabsichtigt ist, lässt der dürftige Text, in dem man weder Strophe noch Kehrreim identifizieren kann, offen.Um als Schlager durchzugehen, fehlt dem Lied doch das Gechliffene, das Glatte, die Geradlinigkeit. Das „oh, yeah“ am Ende hebt den Eindruck von Schlager sowieso wieder auf, und der Hörer bleibt verunsichert zurück. Nur das Gejammere der Kalimba wirbt für das Etikett „Ethno“.
Eins aber ist sicher: Das Stück kann man sich schenken. Ethno kann jeder zu Hause mit der Handkurbelkaffeemühle spielen, und deutsche Schlager sind sowieso in jedem Plattenschrank. Und den kann man ja mal wieder öffnen und die Nadel eine gute, schwarze Rille durchpflügen lassen.
Früh übt sich: Die Konkurrenz schläft nicht
Die Konkurrenz schläft nicht, das haben jetzt auch Kinderspielzeughersteller erkannt und geben Tretmobile heraus, die den Anschein erwecken, als könnte man mit ihnen in der Gegend herumfahren und selbständig lenken. Herumfahren ist zwar möglich, aber nicht allein. Jedes Mobil ist gekoppelt an ein anderes, das allerdings ein Stückchen vorauseilt. Egal, wie groß die Strampelbemühungen von Kevin sind, er wird den Gegner nicht einholen; er weiß nicht mal, dass er für den Gegner mittritt. Immer wieder wird das Autofahren in Modellen reizen und motivieren, immer wieder wird Kevin antreten, um endlich sein Erfvolgserlebnis zu haben. Bekommen wird er es nie.Das Modell des Doppeltretmobils hat großen Anklang in der Industrie gefunden. Man kann, so die Meinung einschlägiger Arbeitgeberkreisen, nicht früh genug beginnen, auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Und da sei es so, dass die einen arbeiteten und die anderen arbeiten ließen. Das würde zwar niemand laut sagen, aber ein Spielzeug wie das Doppeltretmobil habe doch auch eine Vorgeschichte. Im Unterbewusstsein sei das Wissen verankert, dass es eine Oberklasse und eine Unterklasse gebe, warum nicht in diese Richtung schulen? Gegen das Unterbewusstsein solle man sich nicht wehren, das habe schon Psychoanalytiker Freud gesagt. Das Schulministerium will unter Federführung der blonden Frau Sommer dafür sorgen, dass verbindliche Empfehlungen des Hausarztes und des angegliederten Sachbearbeiters im Sozialamt die Zuordnung der Kinder vornehmen. Kevin bleibt also im zurückliegenden Auto, da kann er strampeln was er will, denn seine Eltern sind auf die finanzielle Hilfestellung des Staates angewiesen.
Hässliche Tierattrappen beleidigen das Auge
Ein Verbot hässlicher Gartendekoration ist dringend erforderlich!
Die Wissenschaft hat festgestellt: Realismus
Endreimlyrik: Hermann Döns - Schorf
So wie der Torfstecher hebt den Torf,
so tat sein Fingernagel mit dem Schorf
auf seinem Unterarm.
Das Blut quoll rot und warm.
"Geronnen Blut kann ich wie Rotwurst gut verdauen,
auch ohne groß zu kauen",
und dachte weiter, "lieber mir den Bauch verrenken,
als dem Leben was zu schenken.
Sollten schlechte Zeiten kommen,
dächt' ich: Hättste bloß vom Schorf genommen!"
Aus: Papenburg-Elegie 2009
Endreimlyrik: Hermann Döns - Afrika (Antirassistisch)
Chorgesänge
von 8 Dilettanten vorgetragen
ziehen sich oft in die Länge
penetrant in hohen Lagen
unerträglich in den Tiefen.
Melodien,
die aus dem Ruder liefen.
Rhythmen aus dem trägen Wien.
Ihr Soprane, seid jetzt still!
Singt nicht mehr so schrill!
Auch Bassisten schweigen mal!
Das klingt doch nach Negerkral!
Die Bassisten: Ruhe jetzt,
weil das Afrika verletzt!
Aus: Papenburg-Elegie (2009)
Endlreimlyrik:Hermann Döns - Der Schmied (2009)
Die Dämme'rung dämmert
und der Schmied haut wie behämmert
auf sein kaltes Eisen.
Er will beweisen,
dass man aus einer Pflugschar Schwerter machen kann.
Vielleicht auch einen Skilift oder ein, zwei Starkbierhumpen,
oder eine Büste von Klaus Mann.
Auf jeden Fall zwei Eisenklumpen.
Es ist längst Nacht, niemand will wachen,
als Schmied und Hammer und ihr Eisen Feierabend machen.
Letztendlich konnt' der Mann beweisen:
Aus kaltem Eisen formt man kaltes Eisen.
Aus: Papenburg-Elegie 2009
Auch Erwachsene sollen Versteckspielen trainieren
Versteckspielen wird von der Bundesgesundheitsministerin besonders hervorgehoben und soll im Rahmen des Vorschulunterrichts und von Fördermaßnahmen sowohl in der Grund- als auch in den weiterführenden Schulen trainiert werden. Im Erwachsenenalter ist es oft zu spät; unbestritten sind die ungeheueren Möglichkeiten des Spiels: Körperliches Geschick( Wie komme ich in die Regentonne oder durch das Kellerfenster?) paart sich mit Kreativität (Welche Ausrede habe ich, wenn ich zu schnell gefunden werde?), vereint sich ferner mit Konzentrationschulung (Wie hieß die Tusse aus Zimmer 47 noch?) und dem Aufbau sozialer Kompetenzen (Ich lass mal was sehen, sonst finden die Idioten mich nie, oder sitzen wieder die ganze Zeit in der Eisdiele und beobachten, wie ich hinter den Betonklötzen kauere und den Tschiboshop im Auge behalte, wo sie sonst immer hocken, weil sie zu faul sind wirklich zu suchen.) Zum Versteckspielen gehört aber auch die Möglichkeit, einen Gegenstand zu finden, der größer ist als man selber, damit dieser einen auch verdecken kann. Das will nicht immer gelingen, wenn man nur eine halbe Stunde Pause hat. Man darf die Schuld aber nicht den Gegenständen geben, denn die sind wie sie sind. Oft wollen die Leute gefunden werden, weil sie sich sonst allein fühlen. Dann aber ist es besonders bitter, wenn niemand einen sucht und daher auch nicht findet.
Als einmal die Queen in Weserstadt war.....
Herr Win: Herr Gerd, jetzt runtergeh'n, das ist's nicht wert.
Herr Gerd: Ach, ich dachte, einmal nur der Queen die Hand zu schütteln, das wär nett.
Herr Win: Wir wollen nicht Prinzipien rütteln.
Obwohl, sie ist adrett.
Herr Gerd: Ja, eben! Und....einmal im Leben jener Queen die Hand zu geben?
Herr Win: Ich sag noch mal, Prinzip geht vor.
Herr Gerd: Ok. Vielleicht noch mal im Chor?
Die Herren Win und Gerd gemeinsam: Prinzip geht vor!
Zwei Zwergelefanten auf dem Weg in die Südsee
Rolf:Ich dachte, wir wollten in die Südsee...
Dieter: Ja, gut, das hatten wir gesagt.
Rolf: Das sieht hier aber nicht so aus wie in der Südsee.
Dieter: Woher weißt du denn, wie es in der Südsee aussieht?
Rolf: Weiß man eben.
Dieter: Wer ist man?
Rolf: Südsee sieht anders aus.
Dieter: Vielleicht brauchen wir noch ein Weilchen.
Rolf: Die Landschaft ändert sich aber seit Stunden nicht.
Dieter: Sagt man eigentlich an der Südsee oder in der Südsee?
Rolf: Keine Ahnung. Auf jeden Fall soll es da warm sein.
Dieter: Man sagt auf jeden Fall an der Nordsee.
Rolf. Weißer Sand und Palmen sollen da sein.
Dieter: Weil in der Nordsee, dann wäre man ja drin, das wäre nicht schön, vor allem wenn man Urlaub machen will.
Rolf: Das hier ist kein Strand, das eher Metall. Metallböden in der Südsee, das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Dieter: Wo, sagtest du, läge die Südsee?
Rolf: Ich habe gar nichts gesagt, du hast gesagt, wir gehen jetzt in die Südsee und ich sollte einfach hinterher laufen.
Dieter: Weiß ich gar nicht mehr.
Rolf: Nach Südsee sieht das hier nicht aus. Zu viel Metall.
Dieter: Wir können ja noch ein Stück gehen, da muss irgendwann der Strand kommen.
Rolf: Zwischendurch kommt es mir vor, als wenn wir im Kreis laufen.
Dieter: Glaub ich nicht.
Rolf: Ich schon.
Dieter: Schweigeminute ab 3!....1, 2, ...3!
Rolf: ---
Endreimlyrik: Hermann Döns - Böses Kind
Mutti, Vati, ich möchte ein Hautier, ein eigenes Hautier!
Die Eltern erschrocken, die Tochter macht Fehler beim Sprechen!
Zum Logopäden geschwind, sonst wäre die Zukunft verbaut ihr.
Zum Fachmann zu gehen, das Kind will’s versprechen.
Gesetzt, dass die Eltern ein Hautier besorgen, vielleicht einen Hund,
vielleicht eine Katze, Kaninchen, Agame.
Egal sei der Name,
nur ein Hautier soll’s sein.
Gekauft wird ein Hund. Nachdem er verdroschen
spricht das Kind: Ich hab nichts versproschen.
Ihr könnt nur nicht hören.
Geht! Wascht euch die Öhren!
Schweinedenkmal in deutscher Kleinstadt
Die Menschen in der Kleinstadt aber waren enttäuscht, dass sie plötzlich in Großstädten lebten und die ehemaligen Dörfler, die jetzt Kleinstädter waren, erregten sich ebenfalls und lösten die Großfamilien auf. "Schweinerei! Große Schweinerei ist das!", brüllten sie und ließen vor Wut sogar den unbestimmten Artikel weg. Da sie aber keinem die Schuld geben konnten an der Entwicklung, höchstens vielleicht sich selbst, setzten sie der Schweinerei ein Denkmal. Die Touristen und Besucher aber ergötzen sich an den poussierlichen Borstentieren, die aus Stein sind und keinerlei Dreck auf den Gehwegen verursachen. "Schau mal da, wie süß", sagt die Oma dem Knirps," daraus werden in Echt die Bratwürste und das Mett gemacht." Beim Zurücktreten, um das Denkmal besser betrachten zu können, tritt sie in die Hinterlassenschaft eines magenerkrankten Boxerrüden. "Verdammte Hunde, wollt ihr ewig leben?", zischt sie zornig vor sich hin und zerrt den Knirps aus der Gefahrenzone.
Die Kleinstadt jedoch ruht wieder in sich, in ihrem freundlichen Ambiente und mit ihren ebenso freundlichen Bürgern, die vom Tanz in den Mai 2010 träumen. Aber bis dahin ist ja noch lang.
Diskriminierung: Roter Mann
Versteckte Botschaften in Gedichten: Nicht Kern, sondern Zen
Nicht kleckern,
sondern klotzen.
Nicht keckern,
sondern kotzen.
Nicht eckern,
sondern otzen.
Nicht ckern,
sondern Tzen.
Nicht Kern,
sondern Zen.
Hermann Döns (2009)
Genial, wie der Leser von Döns allmählich von der schlichten Aussage, die letztlich nur Redensart und Volksratschlag ist(kleckern/kLotzen), über das Tierreich(keckern) zur archaischen Verdauungsverweigerung (kotzen), über Neologismen(eckern/otzen) zu dadastischer Form(ckern/tzen), vom Verb alsdann zum Substantiv, gleichbedeutend mit der Menschheitsgeschichte, vom westlichen Volksempfinden ([Pudels] Kern) zur östlichen Philosophie (Zen) geführt wird. Wo hat man je mehr mit weniger Worten ausgedrückt?
Endreimlyrik: Georg Krakl - Primel (Frühling 99)
Das hat niemand so gewollt,
dass die Primel schmollt.
Was hat sie denn nur vergrämt?
Wer denn nur hat sie beschämt?
Hat man sie entblättert?
Oder gar beklettert?
Hat man sie beleidigt?
Oder nicht genug verteidigt?
Viel zu viel gegossen?
Ihren Liebsten just erschossen?
Trat man ihr das zarte Blatt
einfach platt?
Quetschte ihre seid'nen Blüten
wie gebrauchte Brötchentüten?
Was ist denn passiert?
Hat man sie püriert?
Mit dem Rasenmähgerät kupiert?
Massakriert?
Opariert?
Omariert?
Ach, hier hör ich lieber auf.
Primel, Primel, schmollst ja immer noch!
Haue mit dem Spaten drauf,
schmeiß sie in ein Loch,
das ich grade ausgehoben.
Zu- ist besser noch als aufgeschoben.
Primel, Primel! Musst nicht grollen.
Das hat dir jetzt nichts gebracht: Zu schmollen.
(Foto: Keine Primel)
Sich zeigen in der Kleinstadt
Depressive Gärten
Frisch aus dem Reimlexikon: Befindlichkeit
Heut bin ich so befindlich
und Rosa macht auf kindlich.
Sie kuschelt nur für sich in ihrem Nerz.
Mich quält ganz tief Beziehungsschmerz.
Theodor Spontane (2009)
Gespräche in den Kühlschrank: Teewurst
Wenn du nicht da bist, denke ich: Ach, die Teewurst. Ach, du bist ja gar nicht da. Wann kommst du? Gut, dass die Teewurst im Kühlschrank liegt. Als wäre es ein Stück von dir. Auch wenn sie an den Kanten schon ein wenig hart ist. Da, das Glas Gurken. Ach ja, das andere auch. Ihr drei seid da, wie schön. Ihr lächelt mich an, so, wie es Teewürsten und Gurkengläsern möglich ist und flüstert: Sie kommt zurück. Ich ,die alte Teewurst, und wir, die alten Gurkengläser, sind doch noch da. Niemals würde sie ohne uns gehen. Niemals. Dann bin ich froh.


