Bislang ist die sensible Psyche der Turnschuhe noch unerforscht, sodass es auch in Zukunft schwierig sein wird, wirklich zu helfen.
Siehe auch 22.12.08
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.

Schreib ein Gedicht, lieber Leser!
Racker:Du hast einen Hund auf dem Kopf! 
Hach, war das schön, wie die Herren da durch die Wüste ritten, Kara Ben Nemsi und sein treuer Freund Hadschi! Mir lief dieSpucke im Munde zusammen, wenn ich daran dachte, wie lecker das Wasser aus der Wasserleitung schmeckte; eigentlich trank ich dieses Wasser nicht, es schmeckte immer etwas nach Eisenrohr und zerquetschten Mücken, aber angesichts der Notlage der Protagonisten, die irgendeinen Schurken verfolgten oder auf der Flucht vor diesem waren, und die mit einer gewissen Bauernschläue immer Sieger blieben,und angesichts ihres unsäglichen Durstes, gewann dieses Wasser einen Wert, der ins Unermessliche reichte. Danziger Goldwasser schießt mir durch den Kopf, was hier aber ein unpassender Vergleich ist. Ich ließ ein Glas Leitungswasser die Kehle hinabrinnen, die vom Lesen des Karl-May-Wälzers trocken geworden war.Ich vergaß den Geschmack nach Eisenrohr und zerdrückten Mücken, dachte an den wahren Wert des Wasser und versuchte die 24 oder 36 Vornamen von Hadschi auswendig runterzurattern. Damit würde ich morgen glänzen können. Alle Vornamen in weniger als 10 Sekunden.
Der lange Mensch wird gern bewundert und weiß nicht recht, ob er sich darüber freuen soll. Das Leben, das ihm vom Schicksal und den Genen in die Wiege gelegt wurde, ist nicht einfach. Es fängt damit an, dass im Schuhgeschäft die Regale bei Schuhgröße 45 plötzlich verschwinden oder nur noch mit Ladenhütern à la Elbkahn oder Kindersarg in Kunstlederausführung bestückt sind. Dabei trägt der lange Mensch gern auch große Schuhe, oder solche, die seinen Füßen entsprechen. He, Langer, komm du mal her, hat es in der Schule schon geheißen, der Lange war immer schnell erkennbar, denn sein Kopf ragte aus der Menge. An irgendetwas musste der Pädagoge der frühen Sechziger sich ja orientieren, denn die Nachkriegszeit hatte das nicht ermöglicht, sondern eine durch den Zweiten Weltkrieg ins Wanken geratene Kreatur allein gelassen. So konnte sich der Schulmeister nur der überdurchschnittlichen Minderheit widmen und sich an ihr abreagieren. Der Kleine war derweil unter der Schulbank oder unter dem Mattenwagen in der Turnhalle verschwunden. Der lange Mensch trägt meistens zu kurze Hosen und einen zu kleinen Hut, dabei wirkt sein Kopf im Verhältnis zum Körper eher winzig, weshalb man dem Langen eine mindere Intelligenz zuschreibt. Das hat natürlich Auswirkungen auf seine Psyche, so dass der Aufgeschossene aufgegeben hat, sich immerzu zu profilieren. Er hat sein Gemüt, sein Hirn und sein ganzes Tun seinem Gesichtsausdruck angepasst, und der ist aufgrund gesellschaftlicher Ächtung eine Mischung aus verächtlich, wohl aus Selbstschutz, und dümmlich, wohl um nicht weiter auf sich aufmerksam zu machen. Selbst im Fußballstadion knallt gerade dem Langen ein Ball an den Kopf, während der Kleine eine neue Flasche köpft und sich das schäumende Gebräu in den Schlund gießt. Die Welt ist nicht gerecht, denkt der Lange, und sieht auch noch seine Mannschaft verlieren, die eigentlich aus kleinen drahtigen Burschen besteht und hätte gewinnen müssen. Na ja, letztlich hat der Soldatenkönig in Preußen schon die langen Kerls ausgehoben und zur Dekoration in seiner Nähe stehen lassen. Später wurden sie von einer bekannten Würstchenfirma zu Bockwurst in zarter Eigenhaut verarbeitet und landeten in der Dose. Ein unschöner, aber doch konsequenter Weg.
Jim-Bob: Sag mal, fühlst du dich diskriminiert?
Fussball ist nichts für Weicheier, wussten die alten Ritter im Mittelalter schon zu vermelden. Übergeblieben ist von der damals mit unterschiedlicher Begeisterung betriebenen Sportart die Aggressivität und die betrunkenen Fans, die sich in den frühen Tagen des Sports auf dem allgemeinen Turnierrasen wälzten und heute in Regionalzügen randalieren oder auch schon mal in die Gelenkstellen dieser Transportmittel pissen, weil gerade das Klo besetzt ist.
Erfüllt es uns nicht immer wieder mit Trauer, wenn wir Menschen von hinten sehen? Menschen von hinten im Schatten, obwohl die Sonne scheint, das ist noch eins drauf. Noch mehr Trauer, tiefe Depression, Tränen wollen sich über unsere Wange schieben, verstohlen tupfen wir mit dem Taschentuch an den Tränensäcken herum, um dem Entgegenkommenden nicht zu zeigen, wie Menschen von hinten auf uns wirken. Diese Menschen sind Sinnbild des Abschiednehmens, des Weggehens, des Alleinelassens, des Abgewendetseins. Ein schöner Rücken kann auch entzücken, sagten zum Trost unsere Vorfahren, aber geholfen hat dieser hohle Spruch nicht. Wir werden zurückgeführt in unsere Kindheit, als Uwe Ziegler uns einen Schneeball, oder war es sogar ein Kiesel?, vor den Kopf geworfen hat, um sich dann abzuwenden, schnell wegzugehen und uns mit unserem Schmerz grußlos alleine zu lassen. Menschen von hinten zeigen uns aber auch, dass wir selbst in diese Richtung gehen, dass die Nachkommenden uns ebenfalls von hinten sehen, dass die ganze Welt im Grunde hintereinander herläuft wie in einem ewigen Kreislauf. Das kann uns Trost sein, das kann helfen, an diesem Konflikt nicht zu zerbrechen. In diesem Sinne einen schönen, besinnlichen Sonntag.
Man stelle sich vor, eine halb geleerte Flasche steht am Fenster in einem Abteil eines Interregionalexpresses. Draußen fliegt die Landschaft scheinbar vorbei, was allerdings eine Täuschung ist, denn in Wirklichkeit bewegt sich der Zug. So relativ kann die Welt sein. Nun kommt der Dialektiker und glaubt, er könne aus diesen zwei Komponenten, die er These und Antithese nennt, etwas Neues machen, die Synthese. Jetzt weiß er aber nicht so recht ober er These und Antithese multiplizieren soll, oder dividieren oder gar potenzieren. Da er als Geisteswissenaschaftler kein Mathegenie ist, versteht sich von selbst, und so entscheidet er sich für das Additionsverfahren, das schon Marx als spätkapitalistisch und damit überflüssig bezeichnete. Aus dem Zug als These und der Flasche als Antithese ergibt sich für den zahlenunbegabten Dialektiver der FLASCHENZUG, was natürlich völlig falsch ist, denn es ist nur eine Flasche zu sehen. Flaschezug spricht sich aber nicht gut, so dass er pragmatisch wie er obendrein sein will, Wissenschaft fälscht, nur um der Sprachgefälligkeit willen. Der Leser aber denkt sich sofort: Hier war mal wieder eine Flasche am Zug. (Übrigens: Durch das Subtraktionsverfahren -Beispiel Auto minus Haut gleich Ho!- ergibt sich überhaupt nichts, denn im Wort Zug kommt kein einziger Buchstabe des Wortes Flasche vor. Pulle wäre halbwegs geschickter.Dann entsteht wenigstens Pllzeg, was vielleicht ein Wort aus dem Balkan sein könnte. Dialektik ist im Alltag vollkommen unbrauchbar.)
Man glaubt sich beim Zeitunglesen in einem relativ geschützten Medium, keiner kann einen abhören, man hinterlässt keine Spuren im Internet und man schließt nicht zufällig durch das Drücken eines falschen Knopfes einen Knebelvertrag ab, der einen finanziell in die Knie zwingt. Man glaubt mit einem überregionalen Tageblatt die richtige Wahl getroffen zu haben, weil man sich sein Leben lang geschämt hat, die Bildzeitung zu kaufen, obwohl da interessante Fotos zu sehen sind. Niveau ist Pflicht, knallt es durchs Hirn und daran will sich der Bildungsbürger halten.