Goerg Krakl - Muttertag






Am Muttertag
freut mich,
dass Mutter
Butter
mag.
Ich schenke ihr drei Pfund.
Das schmeckt und macht sie rund.

Eine Dystopie: Georg Krakl - Im Abendland

 Eine Dystopie „Im Abendland“


Im Abendland. Da geht die Sonne unter.

Das macht die dunklen Mächte munter.


Dabei wissen wir so viel,

wir glauben’s einfach nicht.

Wir suchen Weg und Ziel,

weg ist der Weg,

weg Straße, Brücke oder wenigstens ein Steg.

Irgendwie

geht’s um Demokratie.


Deutschland ist ein Abendland.

Da geht die Sonne unter.

Das macht die Dunkelblauen munter,

und im Dunkelauenland, da taucht so mancher unter,

munkelt braun,

die wolln uns unser Munkelland versauen,

da wo die Wahrheit handgeschnitzt

und gerne auch mal zugespitzt

wird, die das Volk verstört,

betört,

und an die Urne führt, (und an die Orrne föhrt)

das Dunkelblaue wählen.



Deutschland hieß ja früher Gauland.

Deutschland ist auch Schauland:

Kann man schunkeln, munkeln und verdunkeln.

Was zu hell im Kopfe stört,

mit Blasmusik und Maibock, Wies’n,

Ballermann und Wendler einfach weggeröhrt,

was unsern Spasss verdirbt,

bevor die Hoffnung stirbt.


Die Erde stöhnt:

Der Mensch ist lange schon verwöhnt.

Jetzt einen Punkt hier setzen,

einen Kipppunkt mit drei p,

dann ist mal Schluss mit Schwätzen!


Die Demagogen 

schreien:

Wir hab’n nicht gelogen!

Alles wahr, was wahr war!



Die jetzt noch unblau sind, die stehen an der Wand.

Wir schaffen das,

das grunzte einst die Kanzlerin.

Wir raffen das,

das BankenAs.

Wir raffen das,

das BankenAas-

(Vielleicht doch mit AA und  Kinderkacki handgeschrieben.)


Die Demonstranten gegen rechts, die heißen Meute. 

Plural Meuten, sagte damals Meuten.

Erst mal federn, teeren und dann häuten.

Meuten ist ist jetzt weg.

Weg ist auch der Weg. Das war der Zweck.


Queer, das heißt nicht quer.

Der Quere, der spazieren geht, der lässt sich ein,

macht sich so gern gemein,

mit rechten

schlechten

selbstgerechten,

obsoleten

Chauvinistendödeln,

die die Zeit verblödeln

da im Internet,

und Dinge rausposaunen,

obwohl sie  dieses Instrument nicht spielen,

Scheiße reden bis der Arzt kommt,

-bist der Zahnarzt kommt,

oder Rechtsanwalt-

dass es endlich knallt.

Q-uerdenker spielen nicht Posaune

aus irgendeiner Laune,

wohl aber mit der 

De mo kra tie


Deutschland ist das Abendland.

Da geht die Sonne unter.

Was früher hell und farbig anzuschau’n,

das wird so dunkelbraun.


Der Tipp vom Reiseunternehmen: 

Jetzt mit  dem Billigflieger

zugedröhnt (Achtung: Haschisch bald legal!)

in Ballerländer fliegen!

Den Alltag mal vergessen,

nicht mehr Haare raufen, 

aus dem Eimer saufen!

Zugedröhnt (Ich wiederhole: Haschisch bald legal!)

und das Hirn dann ab ins Hochregal!

Oder in den Keller,

Treppe runter geht es schneller.



Jetzt einen Punkt hier setzen,

einen Kipppunkt mit drei p,

dann ist mal Schluss mit Schwätzen!

Die Erde stöhnt:

Der Mensch ist viel zu lange schon verwöhnt.


Tonnes Tagebuch - Weltuntergang



Liebes Tagebuch!

Heute schaute ich mir die Sonne an, wie sie rot am Himmel stand. Sonnenaufgang.
Und dann dachte ich, dass die Sonne gar nicht aufgeht, sondern die Welt, nein, die Erde eigentlich untergeht.
Ich erinnerte mich düster, dass die Sonne sich nicht um die Erde dreht, sondern umgekehrt die Erde um die Sonne. Oder so ähnlich.

Und dann dachte ich, was wohl passieren würde, wenn der Sonnenaufgang heute ausfiele, beziehungsweise der Erduntergang und was passieren würde, wenn die Erde wirklich unterginge? Das wäre wohl das Ende der Menschen, und die Erde könnte endlich neu anfangen. Wahrscheinlich würden Ratten und Insekten die Herrschaft übernehmen, die ja bekanntlich einen viel schnelleren Vermehrungsdurchlauf haben und eine viel bessere Anpassungsfähigkeit. Ratten und Insekten wären als Herrscher der Erde wohl auch nicht schlechter als der Mensch.

Der Mensch überschätzt sein Sein ja sowieso.
Das sieht man oft an Politiker, die ahnungslos, aber wirkmächtig sind.
Die nichts wissen wollen, aber trotzdem große Scheiße bauen können.
Der Mensch hält sich für die Krönung der Schöpfung.
Mir scheint, dass beim lieben Gott damals etwas schief gelaufen ist.
Er hat dann schnell, den Teufel erfunden, auf den man alles schieben kann.


Plötzlich war die Sonne verschwunden. Allerdings nur hinter einer Wolkenschicht.
Alle warten schon lange auf Regen, Wolken reichen nicht. Früher hieß das Trockenheit, heute heißt das Dürre.
Eine neue Sahelzone in Deutschland. Die Bauern müssen stöhnen. Jetzt auch noch auf Spritzmittel verzichten, das geht gar nicht; und die Gülle, die muss doch auch asugebracht werden. Die Tanks sind voll.
Wolken reichen nicht. Da muss auch was rauskommen.
Wahrscheinlich stammen die Wolken von Abgasen der Flugzeuge auf dem Weg nach Mallorca oder in die Türkei, wo man jetzt besonders viel für sein Geld bekommt. Wer es mit politischen Systemen nicht so genau nimmt, kann in die Türkei fliegen und dort Urlaub machen. Dort traf er früher auf Russen, die sich am Buffet riesige Platten mit Fleisch und sonstigen Speisen vollluden, um sie dann auf ihrem Tisch halb aufgegessen stehen zu lassen. Das sei alles schon im Preis drin, erläutern Experten. Was könnte man an Geld sparen, wenn jeder so äße wie ich.

Heute weiß man, dass übermäßiger Fleischkonsum zu Krieg führt, auf jeden Fall aber aggressiv macht. Völlerei ist ja eine der Todsünden.

Plötzlich muss ich an Wölki denken, an Kindesmissbrauch, geifernde Männer in schwarzen Kleidern, oder roten oder purpurnen. Ist Lügen eine Todsünde?

Da schimmert die Sonne wieder durch die Wolken, und ich denke: Die Erde ist doch nicht untergegangen. Vielleicht ist das sogar schade für die Erde, vielleicht ging es ihr ohne ohne die Menschen besser. Ratten und Insekten sind auch nicht schlecht, die machen auf jeden Fall nicht so viel Dreck Und müssen nicht über Tempo 130 nachdenken, weil sie keine SUVs fahren. Die sind mit ihrer Mobilität zufrieden.

So viele Gedanken an einem Morgen, an dem die Welt nicht untergeht.
Wer weiß, was sonst noch so passiert.
Vielleicht lege ich mich doch wieder hin.

Günter Krass - Der Teufel gegen Gott (Ein Prozess)

Teufel: Sag mal, was soll der Scheiß?
Gott: Welcher Scheiß?
Teufel: Ja, alles hier.
Gott: Ist doch ruhig hier, die Engel pfeifen es aus allen Wolken, hallelujah. Wo habe ich nur meine Harfe?
Teufel: Jetzt lenk nicht ab!
Gott: Wieso?
Teufel: Das weiß ich doch nicht.
Gott: Na, dann ist ja gut.
Teufel: Noch mal: Was soll der Scheiß?
Gott: Jetzt hör mal mit dieser blöden Theodizee-Frage auf!
Teufel: Ach, das ist die Theodizeefrage? Was der Scheiß soll?
Gott: In etwa.
Teufel: Ja, und was jetzt?
Gott: Kümmer dich um die Seelen, dass du mal ein paar abgreifen kannst, dann bist du auch ausgeglichener. Zufriedener.
Teufel: Ja kuck doch mal runter! Was da los ist!
Gott: Habe ich 1942 erst.
Teufel: Klasse. Erst die Menschheit zusammenkneten und aus Rippen fräsen und dann alle hundert Jahre mal gucken, was die so machen?
Gott: Alle 80 Jahre. 1942 war vor achtzig Jahren.
Teufel: Du hast doch keine Ahnung.
Gott: Das regelt sich alles von selbst. Ist so angelegt.
Teufel: Kukk dir die Menschen mal an! Da sind doch kaum noch Seelen zu finden.
Gott: Nicht mein Problem.
Teufel: Wenn ich die paar Exoten jetzt abfische, kommt keiner mehr in den Himmel!
Gott: Ist eh schon zu voll.
Teufel: Super! Ich weiß, was ich tun werde.
Gott: Das ist doch gut. Und was?
Teufel: Austreten.
Gott: Die Toiletten sind am Ende von Wolke 7. Wölki 7, hahaha!
Teufel: Austreten. Aus der Kirche.
Gott: Warst du denn drin?
Teufel: Zur Hölle! Verdammt noch mal! 


Georg Krakl - Befehl ist Befehl (2022)




Befehl ist Befehl.
Beschweren kannst du dich hinterher.

(Siehe auch: Im Westen nichts Neues, E.M.Remarque)



Im Osten nichts Neues,
im Norden nicht,
im Süden nicht.

Georg Krakl - Kölln

Was sölln
wir uns in Kölln
verstölln?
Wir wollen uns drin aalen,
dass wir Ostwestfalen
sind...

Im Westen wie immer

BÄNG!!SKI No real kunstwork

 
Was aus einem Friedenssymbol werden kann...

Die Zeit tickt nicht

Georg Krakl - Alles in Butter

Mutter!
Alles in Butter
auf dem Krabbenkutter!
Ohne dich
gäb' es mich
nicht.
Mutter! Bin dein Sohn, ein Mann,
und nicht ganz dicht.

Zum Weltfrauentag: Ohne die Frauen gäbe es die Männer nicht. (Thomas Bach*e, aus: Gender ohne Tender - Gendern ohne anzueckern, IOC-Verlag 2022, S.14)


Monotonie - Sprechstück für drei sIRIöse Stimmen


MONOTONIE - Krakls Frühwerk, während einer sich ziehenden Vorlesung 1973 geschrieben. Neu vertönt 2022 mit drei SIRIösen Stimmen.

Liegen - Günter Krass gelesen von SIRI männlich


Manchmal ist alles zu spät, was niemals zu früh gewesen ist. Dran bleiben, wenn man ab ist. Jeder Morgen bietet eine neue Chance. Jeder Morgen bietet eine neue Schanze.(Skispringer-Ausgabe, 2022 Nr.5) (Klon Fu-Zeh - Westliche Weiheiten, Nr.283)

Schul(d)gefühl - Bild und Ton: Georg Krakl (1994/2022)

SIRI liest Georg Krakl: KURZ

Siri gibt sich Mühe. Ob sie alles versteht, weiß keiner.

Krakl hat über Kurz, den großohrigen Ex-Kanzler von Österreich, gekrakelt.
Kurz wollte sich erst ums Kind kümmern, ist dann doch dem Lukrativen ins Silikontal gefolgt. Abrupt nicht mehr korrupt. 
Und wenn: Merkt ja keiner. Bzw. will keiner wissen. Derweil bleibt Österreich nationalistisches Entwicklungsland. Selber schuld.

Georg Krakl - Den Stenz beim Sterz



Zieh - nicht nur - zum Scherz
den Stenz beim Sterz,
heb ihn am Zipfel hoch empor!
Der kreischt wie nie zuvor.


Und dass er schwört:
Nie wieder
unerlaubt die Finger an ein Mieder,
oder andere Stellen, nie wieder
das leiseste NEIN überhört!

Georg Krakl - Schneebesen

 



















Zwischen all den Wendern und Löffeln und Schabern,

die den ganzen Tag über Schnee von gestern

und aufgekratzten Schwestern

labern,

steckte seit damals bis heute der Rührbesen.

Ich war so berührt gewesen.

 

Und plötzlich rotierte voll Anmut der Besen, er rührte,

ich spürte,

er schlug einen Schaum,

und wisperte leise: Ich bin nur ein Traum.


Georg Krakl - Gedicht mit einer Berufsbezeichnung als Metapher drin

Mein lieber Herr Kanalarbeiter,
Sie machen den Kanal hier breiter,
bis zur Oder, bis zur Neiße,
von der Elbe bis zum Rhein
für die ganze braune Scheiße
hier im Land.
Aber gibst uns kein Papier zum Wischen
an die Hand;
und so kann der braune Brei
sich mit den Quergehirnen mischen.
Zeichen an der Wand auf Schwarzweißrot.
Heute Demokrat und morgen tot.
Unter Kreuzen, unter Haken,
und bleichen Leichenlaken.

Mein  lieber Herr Kanalarbeiter,
hör doch auf,
und mach nicht weiter!

Theo von Doeskopp (Georg Krakl) - Zeitform


perfekt oder Perfekt?
Was tun, wenn man nichts tut.
Was tun, wenn man nichts tut?
Was tun, wenn man nichts tut!
Nicht nur Grammatik.
Zeichen setzen, Zeichen lesen, Zeichen deuten.

Bild/Skulptur: Tschakko Metti - Pappkopp aus Paierknödel an Schatten (2021)

Georg Krakl - Langer Winter

Georg Krakl - Langer Winter (2010)



Der raue Reif

am Ast

wirkt steif

und fast

ein wenig dumm.

Der Baum bleibt derweil stumm.

Zum Überwintern

hülf’ ein warmer Hintern.




Der Himmel hatte sie gemacht

Hätte er damals gewusst, dass der Himmel sie gemacht hatte..
Er hätte sie gefragt.
Er wäre losgegangen.
Er hätte sie umarmt.
Er hätte sie geküsst.
Ihre Wange gestreichelt.

Damals wusste er nicht,
dass der Himmel irgendwas macht.
Scheiße.

Jetzt war er in der Hölle.

Linguistik - Lautverschiebung 2021

Lautverschiebung

Knick dich
ins Vieh!

Georg Krakl - Gaulands Jacke

Gauland, deine braune Jacke

mit dem Grünton, schlicht kariert,

die habe ich sehr lange angestiert

und nachgedacht: Ich find' sie Kacke.

Tägliche Hörfehler

Neulich vor zwei Tagen kam mir der Begriff "Unterbefurztsein" ins Ohr und ich grübelte sofort los, was es mit diesem Wort wohl auf sich haben mochte. Man muss sich befurzt machen ... hieß es an anderer Stelle und ich  blieb ratlos und verwirrt. War es denn erstrebenswert, so etwas wie ein Befurztsein zu erwerben oder gar zu besitzen? Ich assoziierte üble Gerüche, so wie sie nach Kohl- und übermäßigen Fleischgerichten mit vielen Zwiebeln entstehen und das soziale Umfeld veröden lassen.

Gab es denn auch ein Oberbefurztsein oder musste es heißen Überbefurztsein?
Die Sprache war schon ein gewagtes Terrain und ich traute mich mal wieder kaum aus dem Haus, um nicht Menschen mit Befurztseinserweiterung zu begegnen. Was hätten sie anfangen sollen mit einem frisch geduschten Mitmenschen, der sich seine Körpergerüche in Drogeriemärkten besorgte und nicht wartete, bis diese von selbst entstünden? 
Ich beschloss mich wieder ins Bett zu legen, um mich mit der Nase unter der Decke an meinen gestern erworbenen Körpergerüchen zu ergötzen.
Ein Tag der beschissen anfing, musste nicht kacke enden.

 

Georg Krakl - Gedichte aus dem Schmierheft

Wegerich


Wegerich auf dem Weg.

Der eine spitz, der and're breit.
So kommen die nicht weit.

Und ohne Feinripp-Unterhemden
im besten Fall bis Emden.

 

Alles fließt gar nicht.

Ein Stuhl steht. Ein Tisch steht. Ein Bein geht. Wasser fließt.

Taliban


Ein Produkt der CIA. Seit 1990 unverwüstbar. Unzerwüstbar. wo die Wüste doch so nah. Öles Bruder. Dein sei auch mein.

Ohne Worte.

Georg Krakl - Blaue Augen (2021)

 Mädchen mit den blauen Augen,

willst zur Braut nicht taugen.

Freier seien

autodromisch,

hippodromisch,

velodromisch

oberbauchsyndromisch

                        komisch.



(Georg Krakl, 2021)

Bibi Du Bai dabei

Bibi ist dabei und ist so begeistert. Dubai - Das Ferienparadies. Oah, wie ist das schön! Bibi entgeistert. Geist ist weg. Sklaven? Menschenrechte? Ja, was denn jetzt? Man kann nicht alles haben. Urlaub ist Urlaub, da will man was Schönes sehen. Dubai eben. Menschenrechte haben wir ja in Deutschland schon. Einfach mal Sonne und Luxus genießen.
Bibi Dubai (anklicken und wundern)

Welttag der Feinrippherrenunterhose mit Eingriff

Nicht schön, aber hässlich. Ein Muss, da keine Alternative vorhanden.
Dann endlich: Die gemusterte Unterhose. Anfang der Siebziger.
 

Günter Krass - Wenn du da bist

Wenn du da bist und ich sehe die Teewurst im Kühlschrank, denke ich: Oh, eine Teewurst. Es ist nicht meine Teewurst. Ich bin Vegetarier und esse im Leben keine toten Tiere im Form einer Teewurst. Eine Teewurst hat etwas Glattes. Etwas Beruhigendes. Ob die wohl noch gut ist? Die liegt schon länger da. Heute hat sie eine Kappe aus Alufolie, damit sie sich nicht verfärbt oder an den Rändern hart wird. Wie lange hält wohl so eine Teewurst, wenn sie angeschnitten ist? Ach, da steht auch noch ein altes Glas Gurken, es ist fast leer, aber hat sich unbemerkt in die hintere Reihe geschoben. Auch nicht mein Glas, ah, aber du hast aber schon ein neues aufgemacht. Gurken halten sich auch geöffnet sehr lange. Länger als Teewurst auf jeden Fall.

Wenn du nicht da bist, denke ich: Ach, die Teewurst. Ach, du bist ja gar nicht da. Wann kommst du denn? Gut, dass die Teewurst noch im Kühlschrank liegt. Sie flüstert mich an: Sie kommt zurück. Ich, die alte Teewurst bin ja noch hier. Niemals würde sie ohne mich gehen. Es sei denn, sie hat mich vergessen.

Aus der Anfangszeit des Mobiltelefons: Schnurlos verschwunden


Früher war er auf Draht. Er stand auf der Leitung. Sie hatte ihn an der Strippe. 

Ach, was für Zeiten, als Derrick noch zum Telefon gehen mußte, oder Harry schickte. Heute der schnelle Griff an die Hose, dass kurzantennige Sprechmittel herausgerissen und ans Ohr gepresst. Wie lieblich die Gäste, die nicht ihre Apparatur in das Sofakissen drücken, um jederzeit ein Gespräch führen zu können, wie man etwa einen Eimer Pflaumen pflückt, oder warum der Topfkuchen verdorben ist, bzw. wie Schalke gespielt hat. Da konnten noch Freundschaften entstehen. Heute wackelt jede Halbintelligenz, die ein Formular ausfüllen kann und deren Dispokredit nicht überzogen ist, mit der  coltähnlichen Stusswaffe durch das Einkaufszentrum. John Wayne hätte seine Freude gehabt an solch Wichtigtuerei, wobei bedacht werden sollte, dass das Wort Wicht natürlich im Detail steckt. Drohgebärde, Imponiergehabe oder exhibitionistisches Outing? Ich ruf dich an! Ich bin wichtig! Ich kann überall telefonieren! Diese drei sollen Motivation sein, sich mit solchem Ballast zu behängen? 

Ich gebe zu: Es gab Zeiten, da hat das Schnurtelefon auch genervt. Als der Wählkasten so leicht war und die Strippe so stramm, nämlich. Da hatte man  nach dem Griff zum Hörer gleich auch die Restapparatur vor der Brust hängen, die sich an aufgedrehter Schnur langsam zurückkräuselte. Nicht schön, wahrlich. Aber was waren das für Dinger: Diese schwarzen, fetten Geräte, die schwer in der Hand lagen, und die jedem Sprecher den Mut gaben, das zu sagen, was er sagen wollte. Kein hektisches Gehechele, kein Business-Röcheln kurz vorm Verfall des Dow-Jones. Das satte Klacken, als fiele eine Mercedes-Tür ins Schloss, selbst nach schlechtem Gespräch, war eine sinnliche Erfahrung, die heute kaum noch jemand nachempfinden kann. Ach, wärn sie doch schnurlos verschwunden, diese Handys und Mobiles und was weiß ich samt ihren Usern. Telly Savalas gen. Kojak würde sich den finalen Schuss setzen, erführe er die unsägliche Schande, die seinem Namen widerfahren ist, nachdem die Telekom ihren werbewirksamen Esprit verspritzen wollte. Und Harry Belafonte rannte seinerzeit ahnunglos ins offene Messer: Hey, Mister Telliman, telli me Banana.... Und Onkel Tom hat in seiner Hütte noch nicht einmal Strom.


Damals vor ein paar Wochen: Trump tritt per Twitter zurück

Trump tritt per Twitter nicht zurück, wie aus inoffiziellen Quellen verlautet wird. Lediglich, wenn man versuche ihn zu treten, trete er zurück, besonders in aufdringliche Lügen-Reporter. Es sei auch notwendig bei Auftritten antizipatorisch vorzutreten, um ein Nachtreten zu vermeiden. Drauftreten sei am effektivsten, da bleibe der Getretene an dem Boden, an den er gehöre. Dort könne er den Dingen auf den Grund gehen.
Trittbrettfahrer seien gewarnt,  die auf den Zug aufsprängen. Das Aufsprängen von Zügen sei noch ein ganz anderes Thema. Wer in einem Atemzug sitze, sollte den Mund nicht so weit aufreißen, der im Gegenzug den Kopf nicht aus dem Fenster halten. Klare Ansagen, die den politischen Gegner im Zaum halten.
Demnächst in einem Zug:
*Die Antizipation der Frau - Was bleibt von der Gleisstellung? Können Frauen Zugführer werden?
*Ist die Bestrafung von Schwarzfahrern rassistisch?
*Trump heißt jetzt Amerika-Fürst.
*Schwarze sollen zu Migranten erklärt werden, da sie seit dem 16.Jahrhundert millionenfach in die USA eingewandert seien. Afrika seit ein sicherer Herkunftskontinent. Das Gleiche gelte für die Indianer, die bereits seit der letzten Eiszeit aus Asien gekommen seien. Auch Asien gelte sicher als Herkunftskontinent.

Georg Krakl - Gedicht mit einer überlangen Zeile hintendran

 

Der Sturm dort, Schatz,

verkühlt dir deinen Wurmfortsatz.

Du musst’ die Hülle zieh’n

darüber und der Gülle flieh’n,

die dein Immunsystem zerstört.

Ach, hört

die Stimme des Propheten,

die lieblicher als Blechtrompeten

klingt

und dir das Lied vom Fortsatzwurm

vorsingt,


der jedem Sturm

trotzt

und vor geballter Kraft

strotzt.



Halt deinen Wurmfortsatz

wohlweislich warm,


denn Menschen ohne Blinddarm

sind arm.


Drum fühl den Sturm dort, Schatz!

Er will den Wurmfortsatz

in jede Himmelsrichtung treiben

und sich an deiner drohenden Immunsysteminsuffizienz voll Schadenfreude reiben.

Dada Neo 2021

Der Politik aufs Maul geschaut. Zungenreden und Lallen für Erwachsene und alte Kinder bzw. kindische Alte. Mit Dada macht man nichts verkehrt. Dada ist Psychohygiene. Mal rauslassen, was immer schon rauswollte.

Georg Krakl - Zwischen Traum und Wirklichkeit (Amsterdam)

Von Amsterdam zu träumen, 

weil die Hamster ham, die schäumen, 

habe ich im Traum mir abgeschminkt, 

weil jetzt vielleicht ein Geldpreis winkt, 

ein Gutschein 

und ich frage mich, kann denn ein Gutschein winken, und kann Geld denn wirklich stinken, 

ach, wenn die Metaphern hinken, 

dann ist Eiszeit in der Seele, 

dann ist Klumpen in der Kehle, 

hätte gern drei Kugeln, 

Schoko, Schoko, Kroko! 

Kroko hamse se nicht? 

Dann nehme ich, ich schäme mich, 

den Nerz, das war ein Scherz, 

Schoko, Schoko,Rosenwurz, 

was, das schmeckt nach Dosenfurz? 

Ja, du Meister Kugelmacher! 

Nehm ich Kleister, Schoko, Schoko,

Kleister und nicht Kroko, 

auch nicht Antilope oder Loipe. 

Wie schmeckt Loipe? 

So nach Schnee und Skiabdruck, 

nach Binnensee und nie nach Stuck, 

vielleicht ein bisschen nach Tapete oder Tapirnase,

und nach frisch zerschlag’ner Deckelvase, 

einem Hauch von Hamsterfell, 

der ganz schnell ranzig wird, 

ach, Danzig, Danzig, 

ach, von dieser Stadt will ich jetzt träumen, 

weil alle Wellen schäumen, 

wo die braune Gischt auf meine weißen Turnschuh zischt und mir versaut. 

Vor ranzig Danzig hat mir immer schon gegraut.

Amsterdam, ja, Amsterdam,

das will ich loben, das ich nicht verschroben,

Amsterdam! Weil die da Hamster ham.