Jetzt kommt die Krampenkarre

Angelehnt an die neue Verteidigungsministerin soll der deutsche Panzer jetzt "Krampenkarre" heißen. Das Wort mache die Bundeswehr für junge Menschen attraktiv, da sie es mit eigenem, aber verbotenem Tun verbinde und in Aussicht stelle, in der Armee Ähnliches tun zu dürfen. Selbst Greise erinnern sich gern an das Krampenschießen im Klassenzimmer, wenn man heimlich versuchte, dem ungeliebten Kameraden ein Auge auszuschießen. "Das kann auch mal ins Auge gehen!", predigten die Erwachsenen, "Und dann läuft das aus!" Leider ist das nicht so einfach, einen Volltreffer zu landen. "Wenn hier was ausläuft, dann doch wohl erst mal die Gorch Fock", so AKK 47 , die mit bürgerlichem Namen Kalshinikov-Karrenbauer heißt und für Jahrgang 47 noch prächtig im kniefreien Sommerrock vor den Gewehrpräsentierenden daherschreitet.
Die Wehrexperten, die bei der Postenvergabe leer ausgegangen waren, empfehlen, dass sich das alte Von-der-Leyen-Beraterteam durch gegenseitigen Krampenbeschuss selber dezimiere und somit Kosten spare. "Da müsse man auch mal ein Auge zudrücken, bzw. beide, wenn so ein Berater nicht mehr zu retten sei", so verlaute es aus dem Ministerium, wie unsichere Quellen bestätigen.

Georg Krakl - Spahn im Alter

Am Spahn, der speit,
nagt der Zahn der Zeit.

Georg Krakl - Folge dem Geld! Folge der Macht! Zum 16.7.2019

Bleiben Sie behütet!,
sagt die Führerin der Bundeswehr,
ich sage dann mal tschüss!
Ihre Arbeit wird vergütet,
auch das Tun am Schießgewehr.
Leichen werden eingetütet
und mit Ehren beigesetzt.
Bleiben Sie behütet, besser noch: behelmt am Kopf,
dass Sie keinen auf die Mütze kriegen
und dann blutbeschmiert in einer Pfütze liegen,
später dann im Lazarett
im Bett
am Tropf.
Achten Sie auf Ihren Kopf!
Ich geh nach Europa.
Halt es mit dem Rat von Opa:
Folg' dem Geld und folg' der Macht!
Zahl ein gutes Honorar
an die gierige Beraterschar.
Das Volk will die nicht lieben,
auf die kannst du die Fehler schieben:
Nichts kapiert
und doch kassiert.
Folg' dem Geld! Und folg' der Macht!
Europa, Deutschland: Gute Nacht!

Beraterteam und Waffenbauer
hoffen jetzt auf Annekräht Kramp-Karrenbauer.

Georg Gregorowitsch Krakl - Russland


Mit Kusshand
nehm ich Russland
für ein Kilo Flusssand,
dann sind wir nicht mehr Schlussland!
Sprach der Zar von Ostverdrussland,
und griff sich an der Krone 
Schussrand.
Der redet Stuss fand 
sein Verweser, der Zar, der ist ist nicht ohne.
Den stellen wir vor eine Schusswand.
Und schon
ist Revolution.
Und  nichts mit Russland,
Kusshand
für ein Kilo Flusssand.


Georg Krakl - Willkommen

Willkommen,
all ihr Frommen!
Die andern
sollen weiterwandern.
Oder draußen
bleiben,
Petitionen schreiben,
sich am Drahtzaun reiben.
Draußen,
das ist außen
vor
dem Zaun, der Mauer oder Grenze.

Willkommen,
all ihr Frommen,
hier im Paradiese.
Hinten rechts die Liegewiese.
Da bräunt schon die halbe AfD,
und der Söder liegt daneben, wie er früher schon danebenlag.
Kurz ist im Seniorenbrunnen, Strache ist Toiletten putzen.
Musste deshalb ganz kurz stutzen.

Besser Klos im Himmel schrubben als die Hölle heizen.
nicht mit Scheuermitteln geizen.
Scheuer drückt die Hilfsschulbank,
sei im Kopfe schlicht und krank.
Alles sei vergeben.
Nur nicht sein Verkehrsministerleben.
Für die Sicherheit bemüht sich Horst mit Maaßen,
den wir viel zu schnell vergaßen.
So hat jeder was zu tun,
Eier legt sogar das blinde Huhn.

Müssen denn die Bösen Engel werden,
damit endlich Ruhe ist auf Erden?








Blick in die Zukunft (Aphorismen aus "Aus dem Leben eines Saugesichts" von Joseph von Eichenschorff)

Was gestern noch jung,
ist heute schon alt.
Was heute noch warm,
ist morgen schon kalt.
------

Seit ich nicht mehr höre,
was ich sage,
weiß ich nicht mehr,
was ich denke.

------
So kann die Welt bestehen

Wer liegt,
will nicht sitzen.
Wer nackt ist,
will nicht schwitzen.
Wer sitzt,
will nicht stehen.
Wer steht,
will nicht gehen.

Liegen,
nackig sitzen,
stehen.

Wer so tut,
der bleibt,
wenn auch beleibt,
bevor er sich an ander'n reibt
und schluckt, was ihm der Arzt verschreibt.

So kann die Welt bestehen,
wenn alle liegen, sitzen, nackig schwitzen,
stehen, sich an ander'n reiben, schlucken,
was die Ärzte so verschreiben.Und nicht gehen.
Nicht gehen.
Einfach nicht gehen.



Günter Krass - Ich und die Russen(1)

Mein erster Russe hieß Ilja Rogoff, mit vollständigem Namen Ilja Rogoff Knoblauchpillen 104 Jahre alt.  Einhundertvier Jahre, damals, als ich noch sehr jung war, ein unwahrscheinliches Alter, das man vielleicht durch den Biss eines Vampirs, der ja im Östlichen beheimatet ist, erlangen konnte. Heute ist das schon fast normal, die Medizin schreitet voran, alles ist möglich, die Leute werden steinalt, obwohl sie es gar nicht wollen.
Ilja Rogoff hing an einem Reck im Schaufenster der Löwenapotheke. Da es in einem Apothekenschaufenster eigentlich nichts zur Schau zu stellen gab, was nicht  zu Hause im Regal stand, hatte man ein kleines Reck aufgebaut, den Ilja Rogoff drangehängt und nun hieß es eine Art Umschwung vorzustellen, die wohl demonstrieren sollte, dass der Russe Rogoff zwar 104 Jahre alt war, aber er immer noch in der Lage war, einen Perma-Umschwung hinzulegen, bei dem wir mittelmäßigen, aber jungen Sportler uns die Schultern ausgekugelt hätten. Rogoff aber machte Umschwung um Umschwung, rücksichtslos gegen seine Schultergelenke, so als sei er ferngesteuert durch Knoblauchpillen. Ziemlich schnell erkannte ich aber, dass nicht der Mann sich um die Stange drehte, sondern die Stange mit dem Mann. Seine Hände waren fest mit der Reckstange verbunden, sodass er keine Chance hatte, den ewigen Kreislauf der Sportmaschine zu beenden.
Knoblauchpillen halfen also auch gegen Folter.
Trotz des Wissens, dass hier nicht durch Willenskraft geturnt wurde, war es immer wieder spannend, wenn der dünne Mann sich bis zu einem Art Wendepunkt emporgehievt hatte, und dann plötzlich sein ganzer Bewegungsapparat auf der anderen Seite der Stange runterrasselte. Mit ausgekugelten Schultergelenken natürlich, um dann wieder vor vorn zu beginnen.
Ich lernte damals: Der Russe ist alt, der Russe riecht nach Knoblauch, der Russe macht immer weiter, auch wenn er durchdreht.
Vielleicht war der Russe auch gar kein Russe, sondern ein Bulgare. Das war aber letztlich egal.

Georg Krakl - Was ich dir noch sagen will

Was ich dir noch sagen will,
Kann ich nicht in Worte fassen.
Ach, da bin ich lieber still
Und werd‘ es einfach lassen.

Bagdad kommt vor Berlin

Im Nachhinein erklärt US-Außenminister Pompeo die Absage seines geplanten Berlin-Besuchs mit den Tücken des Alphabets. Zu spät habe er bemerkt, dass Bagdad im Alphabet vor Berlin komme. Seine Reisen seien alphabetisch geordnet, um ein neutrales Verfahren ohne Bevorzugungen umzusetzen.
Auch Präsident Donald Truck sei es nicht aufgefallen; der habe sofort verfügt, dass das Alphabet der amerikanischen Computer-Tastatur angepasst werde, da könne man dann immer ablesen, welcher Buchstabe nach welchem kommt; auch der Chinese könne nicht meckern, denn immerhin sei es auch möglich, von oben nach unten oder umgekehrt zu buchstabieren.
Folgt man dem neuen amerikanischen Alphabet, seien vor Berlin noch Zagreb, Xanadu, Chitzen Iza und Vodnjan Ziele, allesamt bedeutende Hauptstädte bedeutender Staaten, die auch ein Anrecht hätten, besucht zu werden.
Kanzlerin Merkel und Außenminister Heiko Maas hatten durch die Absage frei und schauten sich bei Sahneschnittchen und einem Latte macchiato einen Film mit der maasschen Lebensgefährtin Natalie Wörner an, nachdem Maas es abgelehnt hatte, auf Wunsch der Kanzlerin ein paar japanische Heikos zu schreiben.

Gorch Fock soll U-Boot werden

Die Gorch Fock soll zum U-Boot umgebaut werden, so bisher unbeständige Aussagen aus dem Bundesverteidigungsministerium. "Insgesamt die günstigere Variante", so Bundesverteidigungsministerin von der Leyen. Damit sei dann die unleidliche Angelegenheit vom Erdboden bzw. der Meeresoberfläche verschwunden. Die Gorch Fock bestehe ja aus Holz und sei damit umweltverträglich, alle Materialien seien biologisch abbaubar. Einwände von Kritikern, dass man noch kein U-Boot besitze, wenn man ein Schiff versenke, wurden mit dem Hinweis abgeschmettert, dass man sich um neue Berater, die vor allem im Bereich "Geld versenken" Kompetenz auswiesen, bemühe.
Es seien genügend Fehler gemacht worden, es sei bereits viel Geld verbrannt worden, da sei es an der Zeit, für eine abschließende Lösung zu sorgen.
Experten wüssten allerdings noch nicht, wie sie die Gorch Fock dicht bekommen sollen, was eine Grundvoraussetzung für ein U-Boot ist. "Aber im Verteidigungsministerium sind ja auch nicht alle dicht", so eine Expertenmeinung, und die Ministerin habe was am Keks, das sei ja auch familienbedingt.
Personelle Veränderungen seien nicht vorgesehen, so die Ministerin, abgesehen von der Aufstockung des Beraterteams. Man hoffe, dass bis zum Umbau kein Krieg ausbreche; abschließend habe Deutschland aber immerhin ein U-Boot aus Holz, was wegweisend für eine ökologische Kriegsführung sein könnte.


Georg Krakl - Rehe und Krähe

Wenn ich Rehe
sehe,
während ich, was paradox, auf einem Hochsitz stehe,
wünscht' ich, dass ich eine Krähe,
die was krähte und das beste Saatgut säte,
sähe.
Wenn ich keine Rehe
sehe,
während ich, was paradox, auf einem Hochstand sitze,
wünscht' ich, dass ich eine Berberitze,
die was in mein Holz reinritzte,
-ja, vielleicht ein Herz-,
dabei vor Eifer schwitzte,
sähe.
Und nicht immer diese blöde Saatgutkrähe,
die ich tief im Inneren verschmähe.

Ach, ihr Böcke und ihr Ricken,
lass euch hier nicht blicken!




Alte Naive für Dötschland: Impfpflicht

Impflicht
für den Pimpf nicht.

Georg Krakl - Zipfel zu Schwertern!



Weichlich weich,
dann hart und härter,
werden aus den Zipfeln, manchmal gleich
und manchmal später, Schwerter.

Unbeschwert
der Stahl dem Kampf entgegen!
Doch nicht unversehrt
zu bleiben käme ungelegen.

An Erfahrung und Blessuren reichlich reich
wünscht das Schwert, es wäre wieder weich.

Georg Krakl - Möhren und Gurken

Schecksohn Pollack -
Schweiz/Alles nur geklaut (2019)
Auf Föhr, da leben Föhren,
und in meinem Garten Möhren,
und ganz grüne große Gurken.
In der Schweiz, da leben Schwarzgeldschurken.

Auf alle Föhren,
Gurken, Möhren
könnt ich schwören.

Die Schwarzgeldschurken muss ich gottseidank nicht sehen,
weil die Alpen davor stehen.


Treppenstufenkontingent

Beim Treppensteigen gestern dachte ich so bei mir: Gibt es wohl ein lebenszeitliches Treppenstufenkontingent? Sagen wir: 400 000 Stufen rauf, 400 000 runter. Wenn die aufgebraucht sind, ist es aus mit Treppensteigen. Und wer nicht mehr rauf kommt, muss ja auch nicht wieder runter.
Dann dachte ich weiter, ob man Frauen vielleicht zu viele Gefälligkeiten erweist. Müll runterbringen, Kartoffeln hochholen, Wäsche runterbringen, nach dem Waschen wieder raufholen, und vor allem: Dauernd die bestellten Pakete hochholen und hinterher die Rücksendung wieder nach unten bringen. Besonders problematisch ist es, wenn man im  ersten oder zweiten Stock wohnt. Dann kann so ein Kontingent schnell aufgebraucht sein, je nach dem, wie viel die Dame im Internet bestellt. Frauen leben länger, heißt es in  der Statistik und das kann man auch in  der Umgebung beobachten. Wie viele alte Frauen sitzen ohne Partner rum, machen sich aber trotzdem einen schönen Tag mit Kuchenessen und Bustouren zum Spargelessen. So als seien sie ganz froh, dass der Mann viele Stufen für sie gegangen ist und sein  Treppenstufenkontingent schneller verbraucht hat und damit früher aus dem Leben scheiden musste.
Man kann überlegen, der Frau die Bitte, an die Tür zu gehen und nachzusehen, wer da geklingelt habe, abzuschlagen. Vielleicht hätte man mittelfristig eine längere Lebenserwartung. Aber wie reagiert die Frau auf eine abschlägige Antwort? Wohl doch eher mit Unwohlsein und Übellaunigkeit. Das wäre die Hölle für den Treppensteigenverweigerer. In der  Hölle mit erhöhter Lebenserwartung  zu schmoren, das könnte eine Quälerei werden. Dann lieber ein kurzes Leben im Paradies. Obwohl: Treppauf, treppab, treppauf, treppab - So sah das Paradies ja wohl auch nicht aus.
Vielleicht gab es aber auch gar kein Treppenstufenkontingent und meine Sorge war unberechtigt. Ich wurde dann doch in meinen Überlegungen unterbrochen, weil es an der Tür klingelte. Ich bin dann trotz meiner schweren Gedanken die 35 Stufen hinabgestiegen; es war mal wieder DHL mit einem Paket. Es hätte aber auch die Schwiegermutter sein können, und die wartete nicht gern vor der Tür, wenn sie langanhaltend auf den Knopf gedrückt hatte. Vielleicht waren Himmel und Hölle auch nur eine Erfindung der Kirche, um die Leute bei Laune zu halten.

Georg Krakl - Der Kranich

Der Kranich
kann nich'
hören.
Ach, ich glaube,
der ist wohl eine Taube.



Platten aus der Hülle holen - Richtig gemacht

Man kann die Menschheit in zwei Gruppen einteilen: Der einen ist es aus Unwissenheit über die Verletzlichkeit einer Vinyl-Platte egal, wie sie die Tonscheibe aus dem Cover und der Schutzhülle holt, sie greift mit staub- oder fettbehafteten Fingern in die Hülle und fasst das Objekt einfach an, zieht es raus und klatscht es lieblos auf den Platternteller. Was allein können schon die säurehaltigen Absonderungen der Haut an unerwünschten Nebengeräuschen erzeugen und die Frage „Na, wohl am Lagerfeuer aufgenommen, die Platte? Wie das knistert….“ wird ergänzt „Hast du mit Brandbeschleuniger gearbeitet?“. Der ersten Gruppe bedeutet diese versteckte Kritik oder Schadenfreude mit immanentem Hohn über die Unfähigkeit, eine empfindliche Vinylplatte adäquat zu behandeln, überrhaupt nichts. Eine Platte war ein Gebrauchsgegenstand und wenn man das Gedudel später nicht mehr hören konnte, dann wurde daraus nach Erhitzung im Backofen eine dekorative Chipsschale geformt, die man gut verschenken konnte, zum Beispiel an Leute, die dumme Fragen stellten.


Die zweite Gruppe verhielt sich völlig anders: Sie stellte erst einmal die Frage, ob es sich lohnte, die Platte aufzulegen, denn man musste Zeit haben, um die Plattenseite zu Ende zu hören. Ein vorzeitiges Abheben der Nadel erzeugte immer eine kleine Beschädigung und ein unerwünschtes, hässliches Knackgeräusch, was wiederum den Hörgenuss beeinträchtigte.


Hatte man eine Abspielentscheidung getroffen, wurde die Platten inklusive Schutzhülle aus der Plattentasche (bei Rockmusik Cover) geholt. Entscheidend war der Mittelfinger, der heutzutage in der Regel zweckentfremdet eingesetzt wird. Er ist der längste Finger, der am besten geeignet ist, auf dem Loch in der Mitte der Platte zu landen und Halt zu finden. Der Daumen legte sich an den Rand der Scheibe und die anderen Finger stabiliserten die Lage des Mittelfingers, der immer noch auf dem Loch ruhte, auf dem Plattenlabel, bzw. auf dem Papieraufkleber (bei Volksmusik oder deutschem Schlager). Der Handrücken lupfte die Plattenhülle etwas an und vorsichig konnte so die Platte aus der Ummantelung gezogen werden. Nun musste der Plattenliebhaber umgreifen, sodass die Handflächen sanft an die Seiten der Scheibe drückten. Jetzt war die Platte bereit, aufgelegt zu werden. Hatte man vergessen, die Kunststoffabdeckhaube des Plattenspielers zu öffnen, musste der Vorgang, wie auch nach dem Abspielgenuss später, umgekehrt durchgeführt werden. Vorsichtig legte man nun die Platte mittig auf die Matte des Plattenspielers, sodass ein Metallstift sich direkt in das Loch schieben konnte, um für zentriertes Abspielen zu sorgen. Wer hier bereits erotische Parallelen assoziiert, sollte bedenken, dass es sich trotz aller Feinfühligkeit um ein streng rational durchdachtes Verfahren handelte, das dem Plattenwohl diente, nicht aber zwingend vorgeschrieben war.


Der wirkliche Lieberhaber benutzte keinen Automatik-Plattenspieler, der die Nadel brutal in die Startrille fallen ließ, was ein dumpfes Blbbb erzeugte. Vielmehr wurde die Nadel samt Tonabnehmer auf Startposition gebracht und mittels Tonarmlift sanft und kontrolliert in die Rille gesetzt, um ledigleich ein leises blppp hören zu lassen. Die Zeit, eine Hörentscheidung zu treffen, die Rüstzeiten und die Abhörzeiten, konnten zusammen für eine LP-Seite schon eine Stunde betragen, sodass vielfach die Hörentscheidung negativ ausfiel und die Platte im Regal blieb. Das verhinderte Beschädigungen und sorgte für einen langjährigen uneingeschränkten Hörgenuss.





Eine Untergruppe der eben vorgestellten, waren die Lenco-Clean-Nassabspieler. Davon zu berichten, würde den Abend sprengen. Wer schon mal eine selbstgebastelte Chipsschale verschenkt hat, wird wissen zu welcher Gruppe er gehört.

Plattenspielermeditation

Als Kinder waren wir fasziniert von der sich drehenden Scheibe und es war nicht nötig, eine schwarze Platte mit Rillen, die beim Aufsetzen der Nadel erst kratzende und dann tönend-knisternde Känge abgab, aufzulegen. Stumm blickten wir auf die Drehscheibe, bis das Muster im Zentrum immer mehr verschwamm und eins wurde mit unserem stillen Verharren und Warten auf irgendetwas, was da kommen könnte. Es kam nichts, die Scheibe drehte sich und wir wurden müder und müder. Dann erschien es uns so, als wolle sich der Tonarm aus seiner Befestigung lösen, als wolle die Nadel in nichtvorhandene Rillen springen und uns den Klangzauber des Himmels vermitteln, Engelsgesänge vorjubilieren, Aeolsharfen anzupfen, die Geigen zum Schwingen bringen, und die Hymnen des Paradieses und der Ewigkeit direkt in unser Ohr summen. Lange konnten wir auf das sich drehende Rund starren und die Welt um uns vergessen, vielleicht bis Mutter "Abendessen jetzt, los, wasch dir mal die Hände und dann zackzack!" rief, ein Sakrileg, wahrlich, aber ein notwendiges Übel, um uns wieder in die Wirklichkeit mit all ihren Bedürfnissen zu holen. Wir hätten bis zum Eve of Destruction noch dort gesessen und uns der Rechtsdrehung hingegeben. Tief durchatmen, Arme fest, Augen auf! war unser Schlagwort, dann schlugen wir die Augen auf, wenn sie geschlossen waren, und sahen vor uns die unermüdliche Bewegung des Plattentellers, der uns mit 33 Umdrehungen verzaubert hatte. Oft waren wir benommen und nicht wirklich in der Welt der Dampfkartoffeln, des Erbsengemüses und der Schweinefrikadellen; dann beschlossen wir, das nächste Mal 45 Umdrehungen zu wählen. Wer wusste denn damals schon, was Geschwindigkeit bei einem Menschen bewirken kann.


Heute kann kein MP3-Player das leisten, was der Plattenspieler der Volksgesundheit gegeben hatte. Moderne Technik muss nicht immer zum Wohle der Menschen sein.

A bis Z des Rock: Brian Auger und Julie Driscoll

Julie Driscoll, als sie einmal ihren Text vergessen hatte...
Wenn wir von damals alle, wir, die damals jung waren, an Julie Driscoll denken, dann haben wir ihre Haare vor Augen, ihre Frisur, obwohl die Mütter es nie eine Frisur genannt hätten und den Vätern wäre sie zu dünn, zu flach, zu kalt gewesen.
Einen riesigen Busch verkräuselter Flocken, mit dem die Julie in unserer Erinnerung durch keine Tür passte, rufen wir aus unserem Inneren ab; in Wirklichkeit war die Frisur begrenzt und es war Marsha Hunt, die durch keine Tür passte, und darüber hinaus schwarz war, was ihr ein originäres Bluesfeeling attestierte. Darum musste sich Julie Drsicoll bemühen, auch wenn sie wohl irgendwie singen konnte. Das interessierte uns weniger. Julie Driscoll konnte so abgefahren und lässig die Lippen schürzen, den Muskel unter der Nase dermaßen kürzen, dass man fast ein Fauchen spürte, oder wähnte zu hören.  Wir wollten Julie Driscoll ganz, sie sollte uns gehören und wir überlegten, ob sie wohl was mit Brian Auger hatte. Oder gehabt hatte. Das hätten wir schade gefunden, weil es ihr Image in uns, ihr Image der singenden Göttin, die abgeklärt und flachbrüstig ihre Lieder hinausschmetterte, ohne sich um die Anbetenden zu kümmern, weil es dieses Image zerstört hätte. Da hätten wir uns auch in Lena Valaitis verlieben können. Was auch einige taten, ohne es zu erwähnen natürlich. Denn Lena Valaitis hatte was, abgesehen von den bekloppten Liedern, die man ja ausstellen konnte.
Brian Auger war im Weg. Er spielte Orgel. Sah aus wie der junge Gerard Depardieu, der damals wirklich noch jung war. Er trug Rüschenhemden. Unverzeihlich. Aber wir fingen an, über den Kauf einer Heimorgel nachzudenken. Nur mal so. Einfach aus Interesse.
Die günstigsten gab es bei Dr.Böhm. Das war damals bei uns um die Ecke. Aber die musste man selber zusammenbauen. Deshalb waren die so günstig. Selber spielen musste man auch. Und was war, wenn das mit dem Zusammenbauen nicht klappte? Wenn das mit dem Spielen nicht klappte? Und überhaupt: Wenn es mit Julie Driscoll nicht klappte?
Heute haben wir den riesigen Haarbusch Julie Driscolls in Erinnerung und wenn wir ein wenig im Internet herumblättern, stellen wir fest, dass sie eigentlich ganz kurze Haare hatte. Und dass sie heute fast 50 Jahre älter ist.
Welche Frisur mag sie wohl haben?

A bis Z des Rock: Cohen - Traurige Musik mit Maultrommel und Gitarre

Faszinierend, dachten wir damals und beneideten Leonard Cohen um seinen Gitarrenspielerbonus. Egal, wie du aussahst, egal, was du sonst warst, wenn du  drei Akkorde auf der Wandergitarre spielen konntest und das Lied, das du sangst von dir war, oder irgendwie an Beatles oder Cat Stevens erinnerte, dann lagen dir die Frauen zu Füßen. Manchmal die, die du gar nicht wolltest, aber immerhin. Die andere hatte sich schon dein Kumpel, der nicht dein Kumpel sein sollte, geschnappt, weil er die Hände frei hatte. Kameradenschwein, dachtest du und würdest demnächst einen Song darüber schreiben, aber rein optisch und quantitativ warst du der Sieger, der Womanizer.

Faszinierend, dachten wir damals, wie sich so ein Mann hinstellen kann, billige Gitarre mit Nylonsaiten und eine Maultrommel, vielleicht eine Dreiergruppe morbid jubilierender Mädels, eine traurige Stimme, die Kerzen erlöschen ließ und dieses nöselnde Timbre an den passenden Stellen! Und dann einfach ein Star sein!
Nach jedem Lied, das aus dem Lautsprecher gekrochen war, das kaum in der Lage war, selbst zu stehen und selbst zu klingen, dachten wir daran, dass das Leben keinen Sinn hatte.
Cohen - das war aktive Sterbehilfe.
Vielleicht sollten wir Gitarrespielen lernen.
Mal was Trauriges hören.

A bis Z des Rock: Cohen Runtermacher

Wir waren gut drauf. Hatten Deep Purple gehört, hatten mit den Oberkörpern hospitalistisch gewackelt, vor und und zurück, wir hatten den FLOW, obwohl wir das Wort nicht kannten, waren in einer Art Rausch ohne Drogen, vielleicht mit zweidrei Bieren, die Welt gehörte uns, bei jedem Riff von Richie B wiederholte sich die Botschaft: Ihr habt die Kraft, ihr seid die Macht, ihr seid die Zukunft.

Und dann, ohne Vorwarnung: Leonard Cohen. Nylonsaitengitarre, Maultrommeln, und scheinbar von Cohen hypnotisierte Backgroundsängerinnen.

Alles war sofort wieder da. Wir landeten von unserem Höhenflug. Uns wurden die Flügel von jetzt auf nichts weggenommen, Sturzflug, ohne Fallschirm, harte Landung, nein, Aufprall.

Alles war wieder da:
Die fünf in Mathe. Barni hatte ein Auge auf Rita geworfen, die in Frage gekommen wäre, wenn Sigrid nicht endlich weniger spröde, weniger abweisend wäre. Das Generve: Die Haare sind zu lang, was sollen die Leute denken. Kreuzigung. Verdammte Kreuzigung: Wurde man in der Hölle gekreuzigt? Andere behaupteten, die Hölle sei die längste Theke der Welt. Der Welt? Die Hölle war doch gar nicht Welt! Dauerparty. Hölle war Hölle. Und dann: Wenn wir in den Himmel kämen, Konjunktiv zwei, die Deutscharbeit war auch daneben gegangen, wo bitteschön sollten wir uns treffen? Wie könnten wir uns wiederfinden? Da war doch nichts. Große Liegewiese? Im Schwimmbad war das ja schon schwierig. Da konnte man sagen: Ich bin die rote Badehose. Die Gummiente.

Im Paradies waren doch alle nackt? Oder gäbe es Einheitskleidung? Das war dann eher Internierungslager. Ich wollte aber auch nicht alle nackt sehen. Das wäre nicht schön. Liebe, Religion, Schule, Eltern. Existenziell. Morbide. Und Leonard Cohen hatte seinen Grabgesang angestimmt.

Immer und immer Entscheidungen, die zerrissen: Noch ein Bier? Noch mal an Sigrid? Nach Hause gehen?

Jetzt ist Cohen alt, aber wir sind es auch.
Der Trost: Daran wird sich nichts mehr ändern.

A bis Z des Rock: Genesis - Nursery Crime

Es war immer ein Risiko, den Plattenladen an der Bäckerstraße zu betreten, vor allem wenn man für einen bargeldlosen Langhaarigen gehalten wurde, der sich ohne Kaufabsicht diverse Platten auflegen ließ, um mal reinzuhören, wie er es ausdrückte, und vielleicht ungeschickt seine Fingerabdrücke auf den schwarzen Rillen hinterlassen hatte, weil er in dilettantischer Manier die Scheibe aus dem Futteral zu klauben versucht hatte.
Eigentlich hatte der junge Musikliebhaber den Eindruck, dass hier gar nichts verkauft werden sollte, jedenfalls nicht an ihn, der sein sauer Erspartes nicht für eine minderwertige Platte rausschmeißen konnte. Da hieß es: Mal eben reinhören.
Der Freundlichste des Familienbetriebs war der ältere Bruder des Inhabers, dessen eines Auge so wild in der Höhle herumwanderte, dass man annehmen musste, das andere sei aus Glas und unbeweglich; niemals wusste man, in welches man blicken sollte, denn die Höflichkeit erforderte den Blickkontakt beim Äußern des Hörerwunsches. Dieser schielende Bruder war nur vertretungsweise im unteren Plattenbereich des Laden, sondern eher oben in der Abteilung Blechblasinstrumente zu finden. Wenn er dann vertretungsweise unten war,  legte dann ohne zu murren die Wunschplatte auf und vermittelte den Eindruck, er halte den Interessierten nicht für einen schnorrenden Gammler, sondern für einen Menschen.
Der Rest der Familie - Mutter, Vater und Tochter - hatten allesamt etwas Bissiges, etwas Natternhaftes und Giftiges an sich; so dass der junge Mensch, der sich in den Laden getraut hatte, sich fast genötigt fühlte, die gehörte Platte zu kaufen, auch wenn sie ihm nicht gefiel, anstatt sich im Folterkeller an Fleischhaken aufgehängt wiederzufinden, um dort mit einer Heino-Platte dauerbeschallt zu werden.
Und trotzdem siegte immer Entdeckertrieb. Was gab es Neues? Was konnte man den anderen voraus haben, das sie noch nicht kannten und das in ein paar Jahren der neue Stern am Rockhimmel sein würde.
Fred blätterte in den neuen Alben und stieß auf eine, deren Cover in angenehmen Grün-Gelb gehalten, was ihn irgendwie an die schönsten Winnetou-Sammelbilder erinnerte und so ein wohliges Gefühl nach Sinn und Gerechtigkeit in ihm auslöste. Für die Sammelbilder war Fred längst zu alt, aber das Gefühl war konditioniert.
Bei näherem Betrachten des Gemäldes, das die Basis des Covers bildete, entdeckte er frisch gemähten Rasen in Zentralperspektive, was dem Ganzen etwa Erhabenes und Entrücktes zugleich verlieh. Ein Mädchen mit dümmlicher Spitzenhaube und knielangem Kleid, unter dem sie braune Wollstrümpfe trug holte zu einem Schlag mit einem Krocketschläger aus, um damit einen vor ihr liegenden Puppen- oder Kinderkopf zu treffen, der an der Schnittstelle am Hals blutete. Im Hintergrund eine auf altertümlichen Rollschuhen fahrende Gouvernante, oder auch Nurse, die einen Rohrstock als Balancierhilfe benutzte.
So viel englisch-adlige Perversion weckte Freds Interesse, was denn wohl die schwarzen Rillen hergeben würden?
Missmutig legte die Tochter des Hauses mit spitzen Finger und zusammengepressten Lippen die Platte auf, als gehöre ihr der Kinderkopf, an dem sie gleich getroffen werden würde.
Genesis - nie gehört, murmelte Fred, aber die Musik gefiel ihm. Er zückte sein Portemonnaie und zahlte 22 DM auf den Tisch, eine enorme Summe im Jahr 1971.
Kindergartenvebrechen. Was für ein Anfang einer neuen musikalischen Freundschaft. Fred verließ den Laden unbeschadet, denn er hatte gekauft. Die Familie schaute stumm, aber wahrscheinlich zufrieden über den Verkaufserfolg, hinter Fred her, der seine nächste Genesis-Platte in Bielefeld an einem Plattenbulli mit Importplatten aus Frankreich für 16 DM erstehen würde. Das wusste er aber noch nicht.

A bis Z des Rock: The Rolling Stones

Wat es dat denn?, fragte Oma Uns an Weihnachten, als die Platte "Get off of my Cloud" von den Rolling Stones auf dem neuen Monarch-Plattenspieler von Neckermann, dem größten Versandhaus neben Quelle, lief. Der Plattenspieler war mit grauem Kunststoff bezogen und hatte einen eingebauten Lautsprecher. Die Klangregelung bestand aus lauter oder leiser, ein rotes Lämpchen leuchtete, wenn das Gerät unter Strom stand. Ein Klappdeckel machte das Gerät transportfähig; die Nadel wurde von Hand aufgelegt, der Sound war ausreichend und man konnte erkennen, um welches Stück es sich handelte.
Das doppelte off of war verstörend für Sprachanfänger des Englischen. Lag hier ein Schreibfehler vor - off mit zwei f - oder handelte es sich um den Sprachfehler eines Stotterers, den man zum Titel stilisiert hatte?
Egal. Die Oma fragte noch einmal: Wat es dat denn?, und brachte ihr Erstaunen und auch ihre Verstörung zum Ausdruck, dass man die Geräusche, die aus dem Plattenspieler quollen, als Musik bezeichnete.
Schnell wurde eine Platte mit Volksmusik aufgelegt, die der Cousin mit "Brotzeit im Walde" betitelt hatte, weil sich auf dem Cover der Platte eine Familie unter einem Baum auf einer Picknick-Decke ausgebreitet hatte, um dort Selbstgeschmiertes und Kaffee zu konsumieren. Hoch Heidecksburg und das Kufsteinlied schepperten durch Nadel, Gerät und Lautsprecher. Die Oma war beruhigt, dass die Musik nicht verloren war und schlief ein.
Als sie dann endgültig im Bett lag und weiterschlief, legten die Jüngeren unter den Weihnachtsfeiernden noch einmal die Geräusche-Platte auf. Nach dreimaligem Abspielen beharrte der Cousin auf Hoch Heidecksburg und Kufsteinlied, weil die Familie so lecker eine Brotzeit im Walde abhielt. Wie vielfältig Musik sein konnte und wie vielfältig der Geschmack. Das Ohr ist das Tor zur Seele, hatte ein weiser Mann mal gesagt. Der Eintritt zur Seele war an diesem Weihnachtsabend fehlgeschlagen; möglicherweise hatte der Mensch gar keine Seele mehr, sondern bereits "Sympathy for the Devil" und diese dem Besungenen überlassen. Das sollte sich aber erst später herausstellen, denn diese Platte gab es noch gar nicht.

Der Knabe...

Neulich las ich
"Der Knabe im Mohr"
und dachte: Wie gut, dass es Rechtschreibung gibt.

A bis Z des Rock: Alice Cooper

Alice Cooper hatte mit Vorurteilen zu kämpfen. Erst mal war er schon zu alt, als er anfing Musik zu machen und es stellte sich raus, dass er ein reicher Pinkel war, auf jeden Fall der Sohn dieser. Um von der Musik abzulenken,   schminkte er sich die Augen, als sei er ein verheultes Schulmädchen, hängte sich eine Schlange um und trug eine löchrige Ganzkörperstrumpfhose. Die Haare hatten was von unserer Andrea Berg, die ja auch immer in Unterwäsche auftrat, um von der Musik abzulenken.
Das war dann insgesamt Protest gegen die reichepinkligen Eltern und die ganze amerikanische Sippschaft, mit denen Alice Cooper nichts zu tun haben wollte. Eine Zeitlang wohnte er - wohl wieder aus Protest - neben Howard Carpendale, der daraus das Lied "Tür an Tür mit Alice" machte. Smokey machte im Gegenzug ein Lied über Howard Carpendale mit dem Titel "Next door to Alice".
Was uns aber allen unter den Nägeln brannte, war die Frage: Was macht der Mann, der ja trotz des irreführenden Namens kein Mädchen war, wenn er mal pinkeln muss? Konnte man die Löcher in der Strumpfhose als Verzweiflungstaten deuten, wenn es dann doch pressierte? Musste er sich immer ganz ausziehen, und hatte er genügend Zeit dazu, während die Band die Gitarren stimmte? Nach dem Ausziehen kam ja das Wiederanziehen und da musste man schon die richtigen Löcher in der Strumpfhose treffen, wenn man zeitnah und punktgenau auf der Bühne stehen wollte, um mit seiner Python von der Musik abzulenken und gegen die ganze amerikanische Meschpoke zu protestieren.
Und die Python - sollte sich nicht den Penisneid bei Frauen schüren, so wie es Rudolf Nurejew damals mit seiner Hasenpfote machte, die er sich in die Tanzhose geschoben hatten, damit diese prallgefüllt die Kraft des Russen an sich repräsentieren sollte, auch wenn seinem Land den Rücken gekehrt hatte? Klar ist, dass sich Legenden über das Outfit bilden, denn Musik geht da rein und da wieder raus und hinterlässt vielleicht nur einen Hörschaden.
Alice Cooper aber bleibt. Seite an Seite mit Rudolf Nurejew und dem ganzen Bolschoi-Theater.

Wenn Metaphern nicht greifen: Preise streichen

Da geistert dieser Bartträger, der einem Angestellten der Russenmafia ähnelt, seit Wochen durch Prospekte und Märkte einer deutschen Einkaufskette, hält einen roten Pinsel, was ja auf den ehemals kommunistischen Ostblock hindeutet, und signalisiert: Ich bin so doof, dass ich mit diesem Pinsel angefangen habe, die Preise zu streichen. Und zwar rot.
Wir wissen nicht, was dieser graue Herr, der mit dem Adjektiv supergeil verbunden scheint, denkt, was mit Preisen passiert, die man rot streicht. Ja, genau, die sind dann hinterher rot und niemand kann sie lesen. Was nützen aber dem Kunden Preise, die rot angestrichen sind und warum ist das supergeil?
Vielleicht für die Preise, die sich an den empfindlichsten Stellen durch einen Naturborstenpinsel berührt fühlen und dann abgehen wie Schmidts Katze, was dem Kunden wiederum nicht gefallen wird, denn der liebt eher die ruhigen und flachen Preise, die das Portemonnaie nicht belasten.
Vielleicht macht der Mann auch nur seinen Job, denn der streicht in einem grauen Anzug und dazu trägt er Sonnenbrille, obwohl in Geschäften in der Regel die Sonne nicht scheint. Mag sein, er ist blind; aber dann kann man sich das Streichen auch schenken; selbst mit Sonnenbrille in geschlossenen Räumen ohne Sonneninstrahlung kann das Tragen einer Sonnenbrille beim Streichen nur zum Überschmieren und Danebenklecksen führen, was wiederum eine Gefahr für den sauberen Anzug des Mannes darstellt, denn bekanntlich geht Farbe schlecht raus, vor allem wenn das erst nach Feierabend bearbeitet werden kann.
Die Deutsche Aufsicht für scheiß Werbung DASW sollte mal eine Wörtchen mit der Marktkette sprechen, was man unter "Preise streichen" versteht, und dass hier der Kunde für dumm gehalten und verkauft wird. Wenn man mit einer Kette überhaupt reden kann, denn die ist so stark, wie das schwächste Glied. Schon wieder so ein doofer Vergleich. Einkaufen kann zur Last werden, wenn man ständig von schlecht sitzenden Metaphern geistig angegrapscht wird. Vielleicht geht dass ja auch nicht...


Ins Essen starren

Da sitzt man am Tisch und starrt in sein Essen, das nicht appetitlich aussieht. Ein Hungergefühl ist vergangen. Und man denkt, woher das Essen wohl kommen mag, dass das so schaurig aussieht und wer es wohl angerührt oder sogar so gar gekocht hat? Angerührt - das Wort hat hier auch noch eine andere Bedeutung, denn das Essen hat bestimmt keiner angerührt, nicht mal der, der es angerührt hat.
Das klingt verwirrend, ist es aber nicht, denn das Verb anrühren hat doppelte Bedeutung, die eine hat mit der anderen nichts zu tun. Wer sich dann noch angesichts der Pampe angerührt fühlt, drückt vornehm und eher im Religiösen gebräuchlich aus, dass eine Mahlzeit - hier ein undefinierbarer Brei - den Menschen angerührt hat, ihn gewogen und nachdenklich gemacht hat, vielleicht ein Anstoß war, ob man das Vorgesetzte überhaupt essen kann.
Lasst uns nicht eine schlichte und eventuell auch schlechte Mahlzeit einfach vom Tisch wischen. Betrachten wir sie eingehend, dann fallen den Menschen Wörter ein, die mehrfache Bedeutungen haben. Das ist schön und bereichert den Alltag. Und macht obendrein satt, wenn man lange genug starrt. Schnell hat man eine Mahlzeit und die dazugehörigen Joules gespart.

Rikki don't lose that number - Was Musik so alles mit einem macht...

Fred hatte sich unter Steely Dan etwas ganz anderes vorgestellt, so einen knallharten Kerl, Bautyp Hochofenstahlarbeiter, der abends noch in die Mukki-Bude geht und als Personalchef in der Rockergang Free Willies oder so ähnlich tätig ist, dort Prospects prüft, was natürlich nicht die Werbehefte vom Lidl oder Aldi sind, sondern Anwärter auf eine Mitgliedschaft im Motoradclub.
Und dann sollte Rikki seine Nummer nicht verlieren, er sollte sie sich selbst zuschicken in einem Brief! Das machen heute viele, die an Gedächtnisschwund leiden, dass sich sich selbst Mails schicken, in denen sie sich selbst erinnern, eine Mail abzufrufen, die etwas Wichtiges enthält, denn in der Regel tut sie das ja nicht, es sei denn der Chef hat was geschickt. Heute würde man sich auch eher eine WhatsApp-Nachricht zusenden, das geht aber nicht ohne zweites Handy.
Rikki, don't lose that number, brummte Fred mit und musste an das beharrliche und penetrante Eselsbrückengehabe des Englischlehrers denken, der ständig psalmodierte: to lose mit einem o, weil das o weg ist, lost, also verloren, to loose aber heißt lösen und to louse mit ou eine Stadt in Frankreich ist.
Toulouse or not Toulouse, grunzten wir in unseren Schulbänken, und nahmen das Leid der Autofahrer mit Navigationssystem, das sich zwischen zwei Alternativen nicht entscheiden kann, vorweg.
Von Toulouse oder not Toulouse kamen wir direkt in den Hamlet zu Toby oder not Toby, auf deutsch Tobias oder nicht Tobias, die Frage mit dem Totenschädel, aber Tobias ist nicht Rikki, und Rikki ist ein ostdeutscher Namen, ein ostzonaler Name hätten wir damals gedacht, wenn wir gewusst hätten, dass es junge Menschen in der Ostzone gegeben hat.
Von der sogenannten DDR wussten wir nur, dass es in der Magdeburger Börde Löß gab und dort Rotkohl angebaut wurde. Sozialismus eben. Rotkohl.
Jetzt steht Rikki da neben Danny und Ringo und Maik, und sie schauen Mandy, Nancy und Cindy nach. Rikki versucht, die Nummer nicht zu verlieren. Darunter stellt er sich etwas anderes vor, mehr eine Nummer mit Mandy, Nancy oder Cindy. Aber die waren scharf auf Danny. Die Welt war ungerecht. Er verstand sowieso nicht genug von dem englischen Text.
Fred wusste, dass Rikki ein Mungo war, der Schlangen tötete, das hatte er bei Donovan erfahren, Rikki Tikki Tavi hieß der mit vollem Namen. Da musste man ganz genau aufpassen, dass man den Vokal korrekt auswarf. Politisch nicht korrekt, das  gab es zwar noch nicht, aber eine Ahnung davon. Überhaupt war die Aktion Sorgenkind gerade erst angelaufen, und da machte man keine Scherze, höchsten wenn man unter Seinesgleichen war.
Fred war verwirrt. Was sollte diese ganze Geschichte mit der Nummer? Es gab ja noch nicht mal ein Handy. Auch den Begriff Festnetz gab es nicht, Telefon hieß das. Wer sich keine höchstens vierstellige Telefonnummer merken konnte, der hatte auch keinen Anspruch auf eine Nummer. Da konnte einem Rikki nicht leid tun. Steely Dan blättert in den Prospects wie in einem offenen Buch. Leider konnte er nicht lesen. Da half auch keine Mukki-Bude; eine Rockergang, die sich Free Willies nannte, war sowieso zu ignorieren, vielleicht hatten die den Film "Free Willy"nie gesehen, da hätten die noch mal schwer überlegt, ob so ein Name nicht eine Art Selbstdiskriminierung ist.
Wie weit ausladend und doch so einladend, wie ausschweifend und doch abschweifend konnte Rockmusik nur sein....




Georg Krakl - Sich mal gern haben können

Fern im Osten
saßen die, die gern an Füßen und an Fingern kosten,
starrend auf die Müden
fern im Süden.
Fern im Westen
saßen zwölf der Menschheit Besten;
fern im Norden
ein paar Horden,
die gern morden.
Und weil sie alle fern,
hatten sie sich gern.



G. Brüder-Grimm: Hänsel heißt eigentlich Mobbe

Gretel: Weißt du, Hänsel, dass du eigentlich Mobbe heißt?
Hänsel: Hä?
Gretel: Hänseln sagte man früher, als die Menschen noch seltene deutsche Wörter kannten, wenn jemand mal so richtig fertiggemacht wurde, weil er zum Beispiel eine Hasenscharte hatte.
Hänsel: Hä?
Gretel: Ja, sowas wie du unter der Nase hast. Die Narbe. Ist ja operiert worden. Nicht schön, aber sieht irgendwie aus wie bei Joaquin Phönix, nur nicht so gut.
Hänsel: Ich verstehe gar nix.
Gretel: Ist klar, man hänselt auch Leute, die nie was verstehen.
Hänsel: Verstehe.
Gretel: Nee, ist jetzt zu spät.
Hänsel: Was willst du eigentlich sagen?
Gretel: Du heißt eigentlich Mobbe.
Hänsel: Ist das ein Regal von IKEA?
Gretel: Jetzt werd mal nicht lustig.
Hänsel: Also, was jetzt?
Gretel: Hänseln heißt heutzutage Mobben. Wenn man das n hinten weglässt...
Hänsel: Und warum sollte ich das weglassen?
Gretel: Du hast eben keine Ahnung, verstehst nix.
Hänsel: Mobbe und Gretel verirrten sich im Wald. Klingt doch scheiße.
Gretel: Moderne Zeiten eben.
Hänsel: Gab' da nicht auch einen Bosse bei IKEA?
Gretel: Bullerbü.
Hänsel: Ist das neben Köttbullar?
Gretel: Vergiss es.
Hänsel: Hast du mich gerade gemobbt?
Gretel: Gehänselt.
Hänsel: Blöde Kuh.
Gretel: Selber.




Neues von Vorgestern

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister und noch einer junger Spunt auf dem politischen Parkett, weiß in jugendlicher Vorausschau: Krebs ist in 10 bis 20 Jahren heilbar. Also, Leute, regt euch nicht auf, und verschwendet nicht die Gelder der Krankenkassen! Wer eher stirbt, tut was für die Gemeinschaft. Und wer hoffen kann, kommt die letzten Monaten doch besser über die Runden. Spahn hat es wohl eher mit Adenauer, und sinngemäß wird ihn in 10 Jahren das Geschwätz von vor 10 Jahren nicht mehr interessieren. Man kann sich vorstellen, dass er als Wunderheiler durch die Lande zieht und mit seinen Spahnzangen Zahnspangen repariert und Ferkel kastriert, oder als Berater bei Ursula von der Leyen in der Bundeswehr arbeitet, denn da reichen Vorahnungen, richtig Ahnung haben muss keiner; die meisten wissen nicht einmal, was sie beraten sollen, bzw. wen und wozu. Uschi's Moorbrand, ein 40%iger Schnaps wird dann Geld in die Kassen spülen, denn den Schaden, den eine völlig hirnverbrannte Truppe durch das Inbrandsetzen der Naturlandschaft angerichtet hat, begleicht der Steuerzahler. Sicherheit kostet eben.
Die hat doch einen Schuss!, wettert mancher, und meint, dass die Heeresführerin den Schuss nicht gehört hat. Sie habe einen Hau, was landläufig unter Dachschaden läuft, und es fehle Leyden leider das Know How. Ist aber auch egal, denn die Geräte sind alle kaputt oder schießen daneben, wie es sich für eine defensive Friedensarmee gehört. Wo das Geld geblieben ist, dazu müsste man wohl ein paar Berater engagieren, die investigativ tätig werden könnten.
Da bleibt dann nicht mehr viel für Olaf Scholz, der die Rente mal ordentlich aufstocken will. Es sieht fast danach aus, dass der den Reichen nehmen und den Armen geben will. Das hat Robin Hood damals schon versucht, und der hat es nicht mal in die Politik geschafft. Passend zur Rentenankündigung wird aber sofort verlautet: Die Wirtschaft brummt gar nicht mehr! Da wird ja bald gar kein Geld mehr da sein! Das mit der Rente geht gar nicht. So fügt sich doch eins zum anderen, und jeder hat geahnt: Hätte meine Reinigungskraft  Aktien gekauft, wie der Merz empfiehlt, dann stünde sie mit 63 gut da, könnte sich einen Porsche leisten, einen 200-PS-Zauberbesen und hieße vermutlich Bibi Blackrock.
Das Volk ist dumm und die Politiker profitieren. Merkt ja keiner.

Bin ich hier richtig?

Immer mehr Sportler*innen fragen sich: Bin ich hier richtig? Wieder kein Tor gemacht, wieder auf dem schweißnassen Hallenboden ausgerutscht, wieder den Zweikampf gegen die Nr. 9 verloren. Und überhaupt: Warum laufen alle vor mir weg? Rieche ich nicht gut? Warum hat mir Tjorben den Stinkefinger gezeigt? Und warum schmeißt das Publikum mit Radiergummis?
In diesem Wust der Fragen, deren Antworten fehlen, bleibt den Sportler*innen nur, schnell den Eigengeruchstest zu machen, d.h. den Kopf ins Trikot zu stecken und eine kräftige Nase von dem zu nehmen, was nach oben strömt. Wer nicht genügend Antworten durch die olfaktorische Qualitätsprüfung erhält, geht auf das WC und schaut auch untenrum mal nach. Wer sich beim Rausgehen die weitere Frage stellt, ob er/sie denn die richtige geschlechtsspezifische Toilettenwahl getroffen hat, sollte schnell beim Verein eine Bedürfniskabine für Diverse bestellen. Wie die dann aussehen soll, sei dahingestellt. In Grundschulen in Bayern ist diese Baumaßnahme längst im Gange (1).
(1) https://www.wochenblatt.de/boulevard/regensburg/artikel/273628/diverse-toiletten-fuer-grundschueler


G.Brüder-Grimm: Hänsel und Gretel

Hänsel: Weißt du eigentlich, wie peinlich es ist, eine Schwester zu haben, die Gretel heißt?
Gretel: Wo?
Hänsel: Was wo? In der Schule natürlich. Alle haben Schwestern, die Mandy, Nancy oder Cindy heißen. Aber Gretel...
Gretel: Weiß du überhaupt, was dein Name als Verb bedeutet?
Hänsel: Hä?
Gretel: Ja nicht Hä....Hänsel! Hänseln. Die hänseln mich. Das ist Mobbing.
Hänsel: Ich versteh nichts mehr. Gretel wird gehänselt. Wie soll das denn gehen? So als ob Hänsel gegretelt wird. Ist das auch Mobbing.
Gretel: Jetzt werd nicht albern.
Hänsel: Du aber auch nicht. Gretel -  das ist so wie Purzel.
Gretel: Aber Hänsel ist besser, was?
Hänsel: Wenn meine Eltern das so ausgesucht haben.
Gretel: Das sind auch meine Eltern. Wo ist Papas Neue überhaupt her? Voll die Hexe.
Hänsel: Internet.
Gretel: .....
Hänsel: Wenn du wenigstens Greta heißen würdest.
Gretel: Greta liegt in Kriechenland.
Hänsel: Ach, was soll's...


Sommerlatte hat neues Parfüm

Silvio Sommerlatte, geb. Berlusconi, macht auch in Parfüms, Duftwässerchen und Benebelungssubstanzen: Nach Bungabunga, dem erfolgreichen Spritzmittel für die paarungswilligen Herren, jetzt das Eau de Kolonne, das so riecht, wie es heißt. Nach einer völlig aufgestauten, aber in Reih und Glied stehenden Fitnessbudentruppe in der prallen Mittagssonne nach 40 Liegestützen, falls die überhaupt jeder hinkriegt. Lecker. Ist das nicht.
Silvia Sommerlatt heißt dagegen seit vielen Jahren schon Königin von Schweden. Sie ist mit Gustav Adolf von Schweden verheiratet. Wie dessen Eltern dazu kommen, ihr Kind Adolf zu nennen, bleibt erschütternd ungeklärt. Amerikanische Wissenschaftler vermuten übermäßigen Genuss von Knäckebrot an Köttbullar zu einer Tasse Glögg, oder der zu häufige und lange Aufenthalt in einem Raum, in dem auch ein Billy-Regal stand.

Selbstgemalte Bilder an der Wohnzimmerwand

Otto Didakt - Kuhfuß (2018)
Die Tanja hat Jahre lang genervt, da muss ein Bild über das Sofa. Wir gehören ja nicht zu den Leuten, die ihre Bilder nach ihrer Einrichtung aussuchen, zum Beispiel nach der Garnitur oder den Tapeten, wir haben sowieso nur weiße Wände ,aber man muss da auch hinkucken können, so ein Bild begleitet dich den den ganzen Tag, also wenn du den ganzen Tag zu Hause bist, und nachts träumt man vielleicht davon.

Also habe ich selbst eins gemalt, bin ja mittelmäßig erfolgreich in diesen Dingen, hab noch nie ein Bild verkauft, aber schon eine Ausstellung gehabt, alle sagen: Ja schön, toll, interessant. Gut, würde ich mir nicht gerade ins Wohnzimmer hängen, aber im Arbeitszimmer, da ginge das.

Das Bild, das ich gemalt habe und das jetzt im Wohnzimmer hängt, ist überwiegend beige und blau, ein bisschen rot und gelb, nicht ganz abstrakt, aber diffus genug, um sich was Eigenes vorstellen zu können. Die Leute wollen ja nicht wie Ochsen vor dem Berg stehen und fragen, was soll das denn? Da kann ich aber nichts erkennen. Dann wüsste man gleich, dass das Kulturbanausen sind. Ein paar archaische Strichmännchen sind auch drauf, so wie auf frühen Höhlenmalereien. Das ist dann was für den Anfänger, der kann dann sagen: Ach, da sind ja Strichmännchen, die kann ich auch.

Und dann sagt die Tanja: Dahinten sehe ich einen Kuhfuß.
Ein Kuhfuß mir war nie aufgefallen. Ich wollte auch nie einen Kuhfuß malen.  Aber jetzt, wo die Tanja das sagt, sehe ich auch einen Kuhfuß. Und ist der Kuhfuß erst mal in der Welt, dann bleibt er auch da und kommt nicht mehr raus. 
Jetzt hängt über dem Sofa ein Kuhfuß, wohl eher ein Bein einer toten Kuh, von der Decke auf dem Bild, oder aus dem Himmel, das kann man nicht genau sagen. In eine kahle Landschaft, und kleine Strichmännchen wandern dort unter dem Fuß herum, wahrscheinlich Vegetarier, die gegen den ganzen perversen Fleischkonsum protestieren wollen, oder ratlos nach Grünzeug suchen, das sie alternativ essen können. Die Landschaft gibt aber nichts her, die ist öde und unfruchtbar.Die Kuh ist das Symbol der Fruchtbarkeit. Für die Hindus ist sie heilig, weil vielleicht die Oma darin steckt, also seit der nächsten Wiedergeburtsrunde.

Jetzt kann ich das Bild auch nicht mehr unbedarft anschauen, es nicht mehr unbefleckt auf mich wirken lassen. Es sieht eher aus wie ein Teil eines Schlachthofs, wo gerade eine Kuh geschlachtet worden ist und rechts daneben hängt noch etwas Pansen und vielleicht ein Stück Fell in der Luft an unsichtbaren Haken, und links unten ein Rinderherz, das kann ich mir nicht den ganzen Tag angucken. Auch eine Kuh hat ein Herz. Das tut weh. Eigentlich könnte ich das Bild sofort wieder abnehmen.
Niemand, und ich meine niemand, würde es wagen, einem Gerhard Richter oder Pablo Picasso die Frage zu stellen: Was soll das denn? Das sieht ja aus wie ein Kuhfuß? Wie profan, was wollen Sie denn damit sagen, bezw. malen?
Dem unbekannten Künstler, der vielleicht qualitativ in Bezug auf Farbverbrauch und Buntheit des Bildes in nichts nachstehen muss, den kann man den größten Quatsch fragen, nur weil man plötzlich einen Kuhfuß sieht. 

Der Respekt vor den Menschen  scheint verloren, aber wir sind ja unter uns, da kann man das doch wohl fragen, und jeder, der kommt und vielleicht erst auf den zweiten Blick das Bild erblickt, weil es sich harmonisch an die Wand über dem Sofa schmiegt, wird gefragt: Sag mal, siehst du da nicht auch einen Kuhfuß? Ja, klar, der Gefragte will ja nicht wahrnehmungsdoof erscheinen und stimmt lieber als zu widersprechen. Ja, stimmt, sehe ich auch, warum hängt der da?

Schade, ein Bild einfach zu genießen, das geht heute nicht mehr; vielleicht eine Folge des maßlosen Fleischkonsums und der Massentierhaltung. Früher sagte man abschreckend: Wenn du auf diesem Bild was erkennst, dann hast du BSE. Was ist das denn?, fragte dann das Gegenüber. Rinderwahn. Ja, das Bild ist eine Erinnerung an den Rinderwahn und was der mit uns Menschen gemacht hat. In Dänemark bauen sie einen Zaun gegen Wildschweine, weil sie Angst vor der Spanischen Schweinegrippe haben. Wer sich sowas ausdenkt, hat beim Rinderwahn nicht richtig aufgepasst.
Morgen hänge ich das Bild wieder ab. Schweinfuß! Das hat man früher im Eintopf gegessen und meine Oma hat dieReste abgenagt, bis nur noch Separatorenfleisch übrig war. Das ging dann an die Hühner. Heute macht man eine DLG-prämierte Wurst daraus.

Morgen kommt das Bild von der Wand. Wer weiß.worüber ich sonst übermorgen nachdenken muss.

Georg Krakl - Meine Russenmütze

Meine Russenmütze kann ich so gut tragen,
nur mein Schiwago-Kragen
knickt gern ab.
Die Mütze sitzt ganz fest, der Kragen macht oft schlapp.

Die Mütze hält die Ohren warm,
der Kragen flattert mir am Oberarm.
Die Mütze sitzt ganz unbeirrt
am Kopf; der Kragen ist jetzt restlos abgeschmiert.


Und sollt' ich mich entscheiden,
für Russenmütze oder doch Schiwago-Kragen,
da kann ich schlicht und einfach sagen:
Die Mütze kann ich besser leiden.


Unangezogen

Der Sittenwächter schrie: Ihr seid nackt, das ist ungezogen!
Die Nackten schrieen zurück: Unangezogen, Meister! So viel Zeit muss sein.
Der Sittenwächter: Unangezogen herumzulaufen ist ungezogen!
Die Nackten: Wer einen Anzug trägt, kann auch anzüglich sein.
Der Sittenwächter, der zufällig seinen Zweireiher anhatte: Versteh ich nicht.
Die Nackten lachten und liefen weg: Wir auch nicht. Eigentlich sind wir nur umgezogen und haben die Kleiderkartons noch nicht gefunden.
Sie kicherten, denn sie glaubten diesen Schwachsinn selber nicht.

Alle Menschen sind gleich

Gerhard Richtig - Thomas ist Anders
Thomas ist anders, und wäre er der einzige Mensch auf der Welt, wäre es ihm gleich. Denn eigentlich sind alle Menschen gleich, nur nicht die, die anders sind.
Wenn aber Thomas der einzige Mensch auf der Welt wäre, wäre er nichts anders, weil es niemanden gäbe, der anders als Thomas wäre, so dass sich die beiden voneinander unterscheiden könnten.
Ein Frau zum Beispiel, da könnte Thomas direkt vergleichen, was anders ist.
Wenn eine zweite Frau dazukäme, die genauso wäre wie die erste Frau, dann wäre Thomas immer noch anders und alle Frauen wären gleich.
Aber wo auf der Welt gibt es schon zwei gleiche Frauen?
Und deshalb ist jeder anders.
Auch Thomas. Und alle Frauen.

Was brauchen wir denn?

Jeder denkt: Um einen Menschen zu identifizieren, muss ich den auch sehen. Gefehlt!
Es reicht ein kleiner Teil, nehmen wir mal die blauen Hände, oder besser blaue Prahlhände, die davon erzählen wollen, wie groß der nasse, feuchte, lange, fette Aal ist, den der Handbesitzer aus dem Brackwasser gepuhlt hat. Ja, klar, das ist der Friedrich März, oder der Karl Mai, Juli Zeh eher nicht, die hat rote Hände, typisch Waschfrau, aber der März, der der ist es!
Dabei ist wohl doch eher das sorgenvoll umfaltete Auge der Indikator für den sauerländischen Tropf, der bei der CDU vor die Karrenbauer gespannt werden soll, um die soziale Marktwirtschaft zu entwickeln. Ein Widerspruch in sich. Der einsame Nichtmillionär auf seinem Blackrock ist Protagonist des Neoliberalismus, was auf deutsch heißt: Haste nix, biste nix. Kannste aber Aktien kaufen, wenn deine Rente zu klein ausfällt. Ach, wir brauchen so wenig, den Rest denken wir uns aus. Sozial...das kommt in christdemokratiach gar nicht vor! Ach egal, irgendwo wird es schon drinstecken, vielleicht im Verdauungstrakt des Blauhändlers. da wo er noch die Niederlage gegen eine Frau verarbeitet.

Georg Krakl - Sachen mit Drachen

Deine Frischlinge
Werden Mischlinge,
Sprach der Drache
Zu der Bache.

Eigengeruchsprüfung im Trend

Ich kann mich gut riechen! Wer das sagen kann, hat schon gewonnen, denn er mag sich und hat sich angenommen. Vielleicht weil er oder sie streng riecht, denn strenge Gerüche kann man leichter riechen als unstrenge. Wer „den kann ich nicht riechen sagt“,  meint ja nicht, dass der andere nicht stinkt oder dass man selbst die Nase voll hat und an olfaktorischen Angeboten nichts in den Kopf dringt, sondern dass man den Geruch des anderen nicht aushält. Hier wird ja gern die männliche Form des Satzbaus genommen, denn Frauen mögen es nicht, wenn sie stinken, oder wenn andere denken und womöglich sagen, dass sie unangenehm röchen. Deswegen gibt es ja Douglas, mit dessen oder deren Produkten kann man jeden ungeliebten Geruch wegzerstäuben.
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass tägliches Duschen ungesund ist. Wenn man den Körper in Ruhe lässt, bildet er eine schützende Kruste, so dass sogar der Hautwiderstand ansteigt und sich allen Anfeindungen erwehren kann. Das geht allerdings mit unangenhemen Gerüchen einher. Der gesundheitsbewusste Mensch wägt täglich ab, ob ob er sich selbst noch gut riechen kann, oder ihm die soziale Isolation zusetzt, wenn die Mitmenschen naserümpfend das Weite suchen. In diesem Dilemma steckt der moderne Mensch, denn wenn er den schützenden Schild auf der Haut einweicht und abschrubbt, nähern sich ihm vielleicht nette Mitmenschen wieder, diese bergen aber gleichzeitig das Risiko gefährlicher Infektionen, wenn sie in naiver Herzlichkeit das große Drücken kriegen, eigentlich aber nur selbst gedrückt werden wollen, weil sie selbst vor zwei Stunden geduscht haben.
Immer häufiger begegnen wir Menschen, die in ihre Kleidung hineinschnuppern, etwa am Kragen ihrer Bluse oder in Trikots. Bin ich das oder meine Klamotten?, scheinen sie zu fragen, und ob sie vielleicht ein neues Hemd anziehen sollen, oder sich alles auszuwechseln lohnt? Probleme, die es zu Zeiten des ritualisierten Duschen nicht gab. Hilfe und vielleicht Lösung bietet der Sport. Hier stinken in der Regel alle wie furzende Iltisse und es droht nicht das soziale Aus. Darüber hinaus ist der strenge Geruch eine sensible  Waffe, die einen Zweikampf entscheiden kann.
Auch für den Waidmann hat der Trend Bedeutung, kann er doch endlich im Wald ungestört der Jagd nachgehen, das Wildschwein läuft nicht mehr weg, sondern hält den ungewaschenen Ballermann für einen, wenn auch komisch aussehenden Artgenossen.
Stinke, wem Gestank gegeben, so lautete schon eine alte Volksbotschaft, als es  noch verpönt war, seine Dramgase in einem geschlossenen Raum abzugeben. Kein Thema, lautet die Antwort heute aus ungefragten Mündern.

Georg Krakl - Gedicht zu falscher Jahreszeit

Es ist Frühling,
wenn der Bauer auf dem Traktor sitzt,
mit dem Sprühding
hintendran, und die Felder spritzt,


Bodos Welttag des Loches

In diesem Jahr werden zum Welttag des Loches besonders die Ränder der Löcher geehrt. Jedes Loch hat nur einen Rand, das ist einzigartig, denn selbst die Straße hat mindestens zwei. Vielleicht ist der Mensch noch in der engeren Wahle, wenn man ihm andeutet: Halt endlich deinen Rand!, und damit meint, er solle sofort die Klappe halten.
Der Rand eines Loches hat nicht nur begrenzende Funktion, sondern auch hohe Bedeutung für die Existenz der Menschheit, ja sogar des ganzen Universum.
Ein  einziges Loch ohne Rand ließe alles in sich verschwinden, denn seineAausdehnung wäre unendlich. Wir könnten nicht herumstehen und in ein Loch schauen, denn es wäre nichts da, auf das wir unsere Füße stellen könnten.
Die Koexistenz von Loch und Rand, diese notwendige Symbiose macht unser Leben erst lebensmöglich. Niemand könnte sich aus einem Loch ziehen, weil es keinen Rand gibt, an dem er sich festhalten kann.
Wir fragen uns: Ist der Rand nicht sogar wichtiger als das Loch?
Das Eine ist ohne das Andere nicht vollständig. Das Loch würde in grenzenlosem Größenwahn enden und glauben, es könne sich immer weiter ausdehnen, obwohl es bereits die Unendlichkeit erreicht hat, und der Rand verkümmerte am Ende eines Kleides, an einem Acker, an einem Teller oder an der Straße; so sind beide mehr als die schlichte Summe ihrerselbst. Am Welttag des Loches wollen wir dessen gedenken, und auch der Tatsache Rechnung tragen, wie klein die Welt wäre, wenn sie nur aus einem Loch ohne Rand bestünde. Sie wäre nämlich gar nicht da.

Heute an der Kasse: Rundesummeneinkaufen

Liebes Tagebuch!
Heute stehe ich an der Kasse im Treukauf und habe ein paar Kleinigkeiten für das Frühstück gekauft. Die Summe beträgt genau 5 € und ich bin erstaunt, denn bei den krummen Preisen, die an die Ware angeklebt sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass man einen geraden Betrag erhält. Die Kassiererin freut sich, da haben Sie aber gut eingekauft, und ich freue mich, dass ich morgens um halb neun schon ein Lob erhalte in unserer häufig so loblosen Zeit. Ja, haha, antworte ich, und denke, was soll daran gut sein, dass ich eine runde Summe zusammengekauft habe? Eine Mausefalle und etwas Rattengift hätten vielleicht 10 € ergeben, was wäre daran gut, dass ich vorgehabt hätte, Mäuse mit Metallbügeln zu töten und Rattengift auszustreuen, das auch die Nachbarskatze zu sich nehmen könnte. Gut daran wäre, dass die dann nicht mehr auf den Rasen kacken würde, weil auch die Verdauung zu Ruhe gekommen wäre. Im Treukauf gibt es zwar Mausefallen, aber kein Rattengift. Von daher waren meine Überlegungen sinnlos. So freute ich mich mit der Kassiererin, die darüber vergaß, mich nach der Deutschlandkarte zu fragen, und ich antwortete nicht: Nein, keine Deutschlandkarte, ich will auch keine haben, wollte ich noch nie, das ist nur Auskundschaften von Konsumverhalten, gut dass ich kein Rattengift in der Einkaufstasche habe, wer weiß, welche Rückschlüsse daraus gezogen werden würden, etwa wenn die Nachbarskatze verschwunden wäre, oder tot unter dem Rhododendron gefunden worden wäre, worüber dann ein ausführlicher Bericht in der Lokalpresse stünde, weil Sauregurkenzeit wäre, und Katzen immer gehen. Die müssen jetzt ja sowieso aufpassen, weil der Jäger wieder Katzen schießen darf, dafür haben CDU und FDP gesorgt, und die Jägerschaft kann aufatmen, das Öko-Remmel-Gesetz der SPD ist weg, und die dürfen jetzt auch herumballern, wenn sie die Teilnahme an Schießübungen nachweisen können. Keine Prüfung! Da kann auch der Blinde mal schießen, und der muss nicht mal ein Tonröhrchen an der Schießbude getroffen haben. Dagegen ist mein Rattengift, das ich ja gar nicht kaufen konnte, harmlos.
Die Kassiererin freut sich noch immer und ich überlege, warum sie mich so erwartungsfroh ansieht. Das Geld, genau, ich gebe ihr einen schönen 5-€-Schein, und es ist gut, dass ich den habe, denn sonst hätte mir die runde Summe nichts genutzt. Nein, keine Deutschlandkarte sage ich, ohne gefragt worden zu sein. Weiß ich doch, sagt die Kassiererin, das sagen Sie doch jedes Mal. Was für ein schöner Start in diesen Tag und ich überlege, ob man daraus ein Hobby machen könnte: Einkaufen für runde Summen, sodass irgendwann das ganze Kleingeld überflüssig wäre. Nie mehr einen dicken Hintern durch zu viele Centstücke im Portemonnaie! Vielleicht würde man Dinge kaufen, die man gar nicht braucht, aber das machte man am Black Friday auch, oder Dinge, die man vielleicht irgendwann oder die irgendwer aus der Bekanntschaft brauchen könnte. Vielleicht wäre dann auch mal eine Dose Rattengift in meinem Einkaufswagen, nur um die beide Nullen hinter dem Komma und die Null direkt vor dem Komma zu erreichen. Wer Gift hat, wird es irgendwann einsetzen, das war eine alte Kriegsweisheit, und ich verwarf den Gedanken, aus dem Rundensummeneinkauf ein Hobby zu machen. Trotzdem: In der Apotheke würde ich noch einmal versuchen, auf eine runde Summe zu kommen. Ich bin gespannt, für welche Krankheiten ich einkaufen werde und wie die Dame am Tresen reagieren wird, vielleicht lässt sie ein paar Traubenzucker und paar Hustenbonbons mehr springen. Mit 5 € könnte ich allerdings nicht viel erreichen, da hängt die Preislatte schön höher. Ein schöner Morgen war es  allemal, das konnte ja noch ein guter Tag werden!

Georg Krakl - Du Elefant!

Du Elefant!
Du bist so elegant!
Dein Schwanz ist lang und dünn; hat hinten eine Quaste.
Und wenn ich deine Haut betrachte und betaste,
dann scheint sie grau und dick und faltig.
Dein Rüssel ist gewaltig.

Nur deine Ohren sind mir schnurz.
Da mag ich die von Österreichs Kanzler Kurz.

Georg Krakl - Soziales Verhalten im Laufe der Zeit

Einer für alle.
Heiner für Halle.
Rainer für Ralle.
Keiner für Kalle.

Ernst Jüngel - Die Mauer ist weg

Vincent van Eijnoor - Blick über den Tellerrand 
Die Mauer ist weg, ist verschwunden!
War eben noch da!
Sie war uns doch Stütze.
Wie soll'n wir gesunden?
Wir kranken an dem, was wir sah'n:
Freies Feld ohne Grenzen, die ganz große Leere;
Und Menschen, die eben noch Flüchtlinge waren,
entschwunden dem tödlichen Meere,
woll'n plötzlich gleich sein mit mir
und mit dir und mit allen Weißen.
Sie werden uns Gute bescheißen,
die leichtgläubig freigiebig sind.
Die sich nicht wehren!
Die friedlich ihr Leben leben
und alles für Fremdlinge geben,
welche brabbeln und gestikulieren,
dass wir die Kontrolle verlieren,
über das, was uns Goldes wert,
den eigenen Herd,
und den Großbildfernseher,
die Frau, das Kind und das Auto mit Allradantrieb.
Der Fremde, er schleicht wie ein Dieb,
macht große Augen, sein Lächeln ist schief,
will das Herz uns zerreißen,
das unermüdlich pumpt und pocht in jedem Weißen,
in jedem Guten, in jedem Menschen mit Anstand,
der arbeitet und schuftet mit eigener Hand,
nicht spekuliert
auf Almosen und Hartz vier.
Wir,
wir sind das Volk, wir sind im Recht!
Jetzt her mit der Mauer!
Es war doch nicht alles schlecht.







Jetzt neu: Spahnzange

Jens Spahn, scherzhaft auch Spahnferkel genannt und in Ableitung davon auch Sparferkel, Bundesgesundheitsminister und bekannt für ungewöhnliche Maßnahmen, die ihn selbst wenig betreffen, weil er genug Geld einfährt, hat einen neuen Vorschlag zur Kostendämpfung gemacht:
Zahnspangen sollen selbst mit der dann so genannten Spahnzange korrigiert werden. Jedes Kind weiß doch, dass der Zahnarzt so lange an dem Dinge schraubt und dreht, bis es wehtut und sich die Zähne einem neuen Rechtsruck fügen, so Spahn. Das könne jetzt jeder selbst erledigen und erhalte nach 10maliger Anwendung die Kosten für die Spahnzange ersetzt.
Nicht nur für den oralen Bereich ist das neue Instrument geeignet, auch für die Beschneidung von eingewachsenen Zehennägel könne man das Universalwerkzeug verwenden. Auch die Ferkelkastration sei ein wenig weniger schmerzhaft mit der Zange und so wolle Spahn, der schon in Verhandlung mit einem großen deutschen Werzeughersteller steht,  auch mit Kollegin Glöckner ins Gespräch kommen, um das leidige Herumeiern zum Thema schmerzfreie Hodenentfernung bei Schweinen zu beenden.
Ein werbewirksamer Slogan ist schon gefunden:
Probleme mit der Zahnspange?
Greife schnell zur Spahnzange!


Sport: Neue Formen des Freuens

Fußballer umarmen sich, wenn sie sich freuen, etwa über ein schönes Tor, vielleicht den Anschlusstreffer, oder sogar das Führungstor. Meistens geht dem das Hochreißen des Trikots voraus, um das Unterhemd zu zeigen, oder aber die blanke Brust.
Der DFB hat nun empfohlen, dieser oft in der Kritik stehenden Sitte entgegenzuwirken. Männer weinen nicht, Männer umarmen sich nicht, weil sie heterogen sind und Männer reißen ihr Trikot nicht in der Öffentlichkeit hoch. Das haben Männer nicht nötig. Männer freuen sich eigentlich anders.
Eine gesellschaftlich akzeptierte Art des Freuens ist das Freudenhocken.
Der Schütze und die Vorbereiter des Tores hocken sich hin und lachen, sie schauen in die Richtung des gegnerischen Tores, fassen sich an das Kinn, als ob sie die Szene analysierten und wirken eher, als hätten sie beim Murmelspiel ein paar schöne Glaskugeln versenkt. Da fasst niemand wen an, da bleibt die blanke Brust bedeckt. Gleichzeitig ist dieses Freudenritual eine schöne Dehnübung. Wenn die Mannschaft hier einen Glückstreffer platziert hat und insgesamt scheiße gespielt hat, stimmt die Haltung auch. Fehlen nur noch eine paar Blatt Papier.

PS: Der Plural von Blatt (Toilettenpapier) heißt nicht Blätter, auch nicht Blatter (> Sepp Blatter > FIFA > ungetreue Geschäftsbesorgung) sondern merkwürdigerweise 400 Blatt, dreilagig.

Du bist anders

Du bist anders.
Du aber auch.
Ich bin ein Mensch.
Ich auch.
Alle Menschen sind gleich.
Du aber nicht.
Du auch nicht.
Einer allein kann nicht anders sein.
Wer sagt das denn.
Logik. Du musst ja anders als irgendwer sein. Sonst merkt man das doch gar nicht.
Und warum ist der andere dann nicht anders?
Der ist dann auch anders.
Und beides sind Menschen? Da sind ja alle Menschen anders.
Irgendwie nicht. Weil ja alle Menschen gleich sind.
Versteh ich nicht.
Ich auch nicht.
Gottseidank.
Wem?
Hä?

Georg Krakl - Bockige Zicke (Gedicht mit einem langen und widersprüchlichen letzten Vers)

Das fettig' Haar so lockig,
die Manschesterhose weit und glockig,
und des Mannes Janker eher stockig.
Bleiche Haut so pockig
und der Spruch: Ach, die, die block ich,
ja, die lass ich mir mal kommen, die ist flockig.
Und so artischokig.

Dieses alles und viel mehr,
danach und auch davor,
drang an der Zicke Aug' und Ohr. Die wurde darauf bockig.



Georg Krakl - Dame und Herren

Die Dame, die gern willig,
denkt: Dann still ich
eben,
geht den Herren was daneben.

Tennisarme - Neue Krankheiten im Sport

Besonders im Tennissport sind Krankheiten häufig. In dieser Sportart tauchte die erste Symptomengruppe auf, die speziell auf die übermäßige Benutzung des rechten Arms bei Rechtshändern, oder des linken bei Linkshändern hindeutete und sich im Arm schmerzhaft bis zum Ellbogen ausdehnte.
Demonstrativ zeigten Tennisspieler, wenn sie bei exzessiver Benutzung der Hände erwischt worden waren, ihre erhobenen Arme, um damit auszudrücken, dass sie nichts "gemacht" hätten, sondern nur gespielt.

Neuerdings schleicht sich ein neues Krankheitsbild ein, vor dem schon Päpste, die heute nicht mehr im Dienst sind, gewarnt hatten: Das "Ausgebeulte Hosentaschensyndrom".
Tennisarme findet man auch im Bereich zölibatärer Geistlicher, auch wen die sich sportlich gar nicht betätigten.
Vielleicht sollte man einen anderen Namen wählen, der nicht die Tennisspieler, die ja wirklich mit dem Ball spielen, diskreditiert. Sport und Krankheit, das ist seit jeher ein unleidliches Gespann.

Menschenskind!

Die Frau des Astronauten hasst den Mond
Schwarzes Loch im Abendbrot
Neil: Juri, ist noch Schwarzwälderkirsch in der Tube?
Juri: Habe ich gestern genossen, Genosse!.
Neil (die Tube betrachtend): Das hast du aber schön ausgedrückt.
Juri: Amerikaner wäre noch ein bisschen da.
Neil: Das ist diskriminierend.
Juri: Einfach genießen, Genosse!
Neil: Sag nicht immer Genosse zu mir!
Acryl












Immer wieder Pausenclown
Hauptsache Lacher
Ich konnte selber über mich lachen bzw. weinen.
Lächerlich ist nicht lachhaft ist nicht lustig ist nicht leben.
Ein Schlag ans Ohr ist besser als gar kein Körperkontakt.
Das ist lustig.
Ich muss weinen.
Acryl










SCholera (An der Schule kranken)
Krankheit schult
Schule ist die Form, in die wir gedrücktgeschobengequetscht werden, damit uns die Gesellschaft ausbacken und genießbar machen kann. Wer ist die Gesellschaft?
Acryl













Vordenker nachdenkend
Andenker umdenkend
Nachhaltig vorhalten und runterbrechen
Draufschauen drübergucken 
Was macht das mit mir?
Ich bin ganz bei dir.
Das macht Sinn.
Anüberlegen Anundfürsich
Acryl





Ausstellungseröffnung am Sonntag, 30.9.2018 um 11 Uhr VHS Bad Oeynhausen Foyer, Kaiserstr.14, Bad Oeynhausen. Die ausstellung läuft bis zum 3.11.2018