Starker Konkurrenzdruck macht kreativ. In Krankenhäusern und auch Arztpraxen bietet man jetzt zu Zeiten, wenn der Ansturm auf teure Geräte nachzulassen droht, das sogenannte "Happy Aua".
Zum halben Preis werden Leistungen angeboten, die nicht im Abrechnungskatalog der Krankenkassen stehen. Wer IGel immer noch für Tiere hält, die im Garten hüstelnd durchs Gebüsch krabbeln, ist schlecht informiert. Individuelle Gesundheitsleistungen, abgekürzt IGel, sind Leistungen, die vielleicht nicht notwendig, wohl aber individuell, d.h. aus der eigenen Tasche, bezahlt werden. Immer weniger Menschen wollen ein Extra-Röntgenbild inklusive Alu-Rahmen, wenn es doch zwischen den Zehen juckt. "Happy Aua" schafft neue Anreize und belebt natürlich auch die - nach eigener Aussage - stagnierende Medizinbranche. Es muss nicht unbedingt etwas wehtun, wenn man "Happy Aua" nutzen will. Im Mittelpunkt sei ja auch der Kontakt zwischen Patienten und Gesundheitsdienstleister; da muss man auch mal als Patient selber losgehen und einen Schritt auf die "Men in White" machen, wobei "Men" Synonym für "Frau in Weiß" sein kann, wie jeder weiß.
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Georg Krakl - Gedicht mit nicht gelungener Metapher am Ende
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| Gerhard Richtig - Der Dichter ist nicht ganz dicht (2018) |
Die Kraft des Gedichts
Gesicht wie püriert oder frisch operiert,
das Hirn eng verschnürt, zugeschmiert
im Innen zermahlen,
es schwirren die Wörter und Zahlen,
zum Lesen und Teilen und Malen.
Die Liebe dahin,
das Herz ist so schwer,
und letzte Tropfen aus letzten Flaschen hängen am Kinn,
alles leer,
nur Stau statt Verkehr.
Zum Zahlen fehlen die Scheine,
zum Mahlen die Zähne. Ach, jedem das Seine!
Das ist dir kein Trost,
wärst gerne gekost
gedrückt
und gestreichelt
geschmeichelt.
Da ist aber nichts,
kein winziges Lob eines wingzigsten Wichts.
In dir kein Streben
um weiterzuleben.
Und dann: Etwas Licht.
Ein Gedicht.
Wie es reimt
und keimt
und Zerbrochenes leimt!
Gedicht, ob püriert oder frisch konstruiert:
Ist dir Motor fürs Leben.
Ach, Reimhaufen du, ich schmeichle hier nicht.
Du bist ein Gedicht!
Georg Krakl - Rotraud
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| Neon Rauh - Rotraud Rothaut 2018 |
in der Sonne,
Kind des Lichts!
Nackt im Schatten hinterm Traktor
Eingecremt mit Lichtschutzfaktor
Trugest nichts
Und oben kein Ozon
Zum Schutz. Nur des Bauern Sohn.
Rotraud
Ist jetzt Rothaut.
(Unverbrannte Stellen gibt es, welch ein Segen!
Da, wo jener Bauernsohn gelegen.)
Nachrichten aus dem Aggroministerium: Singvögel schuld am Insektensterben
Diese ernähren sich in der Regel ausschließlich von Insekten, weil ihnen der typische Körnerpickerschnabel fehlt. Gerade in den letzten Jahren scheint der Appetit der Insektenfresser ungezügelt.
Gemeinsam mit dem Heimatministerium will man nun Maßnahmen ergreifen, etwa die Legalisierung des Luftgewehrgebrauchs auf dem eigenen Grundstück. Es sei durchaus ein Anreiz, auf lebende Objekte zu schießen, wenn es denn der guten Sache dient. "Man muss also nicht mehr Jägersmann werden, wenn man mal was schießen will, was sich bewegt", so die Botschaft aus dem Ministerium für Aggro-Industrie und Umwälzschutz.
Weiterhin wolle man Zugvögeln, die sich von Insekten ernähren, eine Wiedereinreise verbieten, falls sie nicht auf den Verzehr Insekten verzichteten.
Zugvögeln - diesem Problem wolle man sowieso einen Riegel vorschieben, so verlautet es aus dem Verkehrtministerium. Auch die Deutsche Bahn nickt dazu.
"Wir sind auf einem guten Weg", so Stimmen aus dem AGRO-Ministerium, "wohin der auch immer führen mag."
Weisheiten der Welt: Schlangen
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| Neon Rauh - Frau im Schlangenhaus |
Aus dem Nahen Osten
(DDR 1987)
Georg Krakl - Frühling
Es ist Frühling.
Und da spritzt der Landmann
Nicht von Hand, man
Sieht er hat ein Sprühding.
Das sprotzt Gülle
In die ländliche Idülle.
Und da spritzt der Landmann
Nicht von Hand, man
Sieht er hat ein Sprühding.
Das sprotzt Gülle
In die ländliche Idülle.
Tonnes Tagebuch - Rassige Zweikämpfe
Liebes Tagebuch!
Neulich las ich in der Tageszeitung, dass sich Nachwuchsfußballer "rassige Zweikämpfe" geliefert hätten und ich konnte erst mit dem Begriff rassig nichts anfangen. Obwohl eigentlich schon. Ich dachte da erst mal an rassige Zigeunerinnen, wie sie auf auf Ölgemälden der Elterngeneration gern abgebildet wurden. Keiner weiß, warum diese Ölgemälde, die meiste weißbebluste und üppigbebuste junge Frauen mit schwarzem Haar zeigten, überhaupt aufgehängt wurden. Die jungen Frauen trugen große goldene Ohrringe und blickten den Betrachter verführerisch an. Die Ehemänner schielten zurück, wenn die Ehefrauen das nicht sahen und hätten wohl gerne etwas mehr in die Bluse geguckt und auch schon mal Hand angelegt und vielleicht sogar ein Stündchen mit der Dame und einem Schafverbracht, natürlich vollkommen unverbindlich, denn jeder wusste, dass diese rassigen Zigeunerinnen nicht für die Ewigkeit planten, sondern mehr in den Tag hineinlebten, an den Haustüren billigen Tand gegen hart erarbeitete D-Mark tauschen wollten oder heimlich in die Wohnzimmer schlüpften, um sich an den Errungenschaften der Wirtschaftswunderzeit dauerhaft zu ergötzen, was bedeutete, dass sie diese mitnahmen, ohne dafür zu bezahlen. Nicht mal ihren Tand tauschten sie ein. Rassige Zigeunerinnen waren für die deutsche Hausfrau Menschen zweiter Klasse, die es auf Hab und Gut und auf den attraktiven, wenn auch bereits zum bauchfettansatzneigenden Ehemann abgesehen hatten. Wenn die Ehefrau im Raum war, schauten die Männer allesamt gelangweilt an die hässliche Tapete, um dann, wenn sie sich allein wähnten, die Augen schnell zum Ölgemälde lenkten, um durch kleine Zotigkeiten anzudeuten, dass sie ja auch schließlich Männer waren. Als Frau kam die natürlich insgesamt nicht in Frage. Man wusste ja auch nicht, mit wem sie es schon getrieben hatte.
In Zeiten, wo es verpönt ist, von Zigeunerschnitzeln oder Zigeunersauce - die ja beide eine gewisse Schärfe aufweisen, wie sie auch bei der rassigen Ölgemäldedame vermutet wird - zu sprechen, scheint es befremdlich, dass jemand von rassigen Zweikämpfen spricht. Vielleicht war auch rassisch gemeint, denn häufig kommen gute Fußballer aus fremden Ländern, deren Bewohner dunklere Häute haben, als die Eingeborenen in der eigenen Heimat. Man sagt eigentlich nicht Eingeborene, wenn man von deutschen Bürgern spricht, wenngleich der Begriff stimmt. Aber Eingeborener klingt so, als wolle man das Wort Neger vermeiden, und bedient sich eines neutraleren Begriffes. Wenn der aber neutral wäre, könnte man ihn auch auf Deutsche anwenden, tut man aber nicht.
In Zeiten des Wiederaufkeimens des braunen Gedankengutes ist das Wort rassisch für Bildungsbürger, die als selbstreflektiert gelten wollen, nicht angemessen.
Es ist ja auch gar nicht rassisch zu lesen, sondern rassig.
Rassig- wir denken wieder an die Frau in weißer und vorne tief dekolletierter Bluse mit den goldenen Riesenkreolen im Ohr, rote, volle Lippen hat sie auch noch-rassig steht dann für schnell und kraftvoll, ohne Rücksicht auf die eigenen Knochen, mit dem Willen zum Sieg, mit der Absicht auch ins Wohnzimmer zu schleichen und Statussymbole zu entwenden, mit einer Schärfe, die einem bis ins Hirn schießt, so als habe man sich eine halbe Tube Löwensenf extra mit dem Esslöffel verabreicht- also rassig, das können die Deutschen eigentlich nicht, weil sie das alles nicht sind. Sie sind verlässlich, pünktlich, ordentlich. Vielleicht etwas langweilig, sodass sie sich kaum Chancen bei der rassigen Ölgemäldetante ausrechnen; aber Qualität zahlt sich letztendlich aus. Und eine Ehefrau, die lieber bügelt, als gebügelt zu werden, zeigt, dass sie ein aktives Mitwesen ist, und nicht passiv alles geschehen lässt.
Vielleicht wäre es Zeit, ein schönes Ölgemälde aufzuhängen, das ein Stück des schönen deutschen Waldes zeigt. Der ist nicht rassig, aber da ist alles drin, was ein Wald braucht. Und das reicht.
Neulich las ich in der Tageszeitung, dass sich Nachwuchsfußballer "rassige Zweikämpfe" geliefert hätten und ich konnte erst mit dem Begriff rassig nichts anfangen. Obwohl eigentlich schon. Ich dachte da erst mal an rassige Zigeunerinnen, wie sie auf auf Ölgemälden der Elterngeneration gern abgebildet wurden. Keiner weiß, warum diese Ölgemälde, die meiste weißbebluste und üppigbebuste junge Frauen mit schwarzem Haar zeigten, überhaupt aufgehängt wurden. Die jungen Frauen trugen große goldene Ohrringe und blickten den Betrachter verführerisch an. Die Ehemänner schielten zurück, wenn die Ehefrauen das nicht sahen und hätten wohl gerne etwas mehr in die Bluse geguckt und auch schon mal Hand angelegt und vielleicht sogar ein Stündchen mit der Dame und einem Schafverbracht, natürlich vollkommen unverbindlich, denn jeder wusste, dass diese rassigen Zigeunerinnen nicht für die Ewigkeit planten, sondern mehr in den Tag hineinlebten, an den Haustüren billigen Tand gegen hart erarbeitete D-Mark tauschen wollten oder heimlich in die Wohnzimmer schlüpften, um sich an den Errungenschaften der Wirtschaftswunderzeit dauerhaft zu ergötzen, was bedeutete, dass sie diese mitnahmen, ohne dafür zu bezahlen. Nicht mal ihren Tand tauschten sie ein. Rassige Zigeunerinnen waren für die deutsche Hausfrau Menschen zweiter Klasse, die es auf Hab und Gut und auf den attraktiven, wenn auch bereits zum bauchfettansatzneigenden Ehemann abgesehen hatten. Wenn die Ehefrau im Raum war, schauten die Männer allesamt gelangweilt an die hässliche Tapete, um dann, wenn sie sich allein wähnten, die Augen schnell zum Ölgemälde lenkten, um durch kleine Zotigkeiten anzudeuten, dass sie ja auch schließlich Männer waren. Als Frau kam die natürlich insgesamt nicht in Frage. Man wusste ja auch nicht, mit wem sie es schon getrieben hatte.
In Zeiten, wo es verpönt ist, von Zigeunerschnitzeln oder Zigeunersauce - die ja beide eine gewisse Schärfe aufweisen, wie sie auch bei der rassigen Ölgemäldedame vermutet wird - zu sprechen, scheint es befremdlich, dass jemand von rassigen Zweikämpfen spricht. Vielleicht war auch rassisch gemeint, denn häufig kommen gute Fußballer aus fremden Ländern, deren Bewohner dunklere Häute haben, als die Eingeborenen in der eigenen Heimat. Man sagt eigentlich nicht Eingeborene, wenn man von deutschen Bürgern spricht, wenngleich der Begriff stimmt. Aber Eingeborener klingt so, als wolle man das Wort Neger vermeiden, und bedient sich eines neutraleren Begriffes. Wenn der aber neutral wäre, könnte man ihn auch auf Deutsche anwenden, tut man aber nicht.
In Zeiten des Wiederaufkeimens des braunen Gedankengutes ist das Wort rassisch für Bildungsbürger, die als selbstreflektiert gelten wollen, nicht angemessen.
Es ist ja auch gar nicht rassisch zu lesen, sondern rassig.
Rassig- wir denken wieder an die Frau in weißer und vorne tief dekolletierter Bluse mit den goldenen Riesenkreolen im Ohr, rote, volle Lippen hat sie auch noch-rassig steht dann für schnell und kraftvoll, ohne Rücksicht auf die eigenen Knochen, mit dem Willen zum Sieg, mit der Absicht auch ins Wohnzimmer zu schleichen und Statussymbole zu entwenden, mit einer Schärfe, die einem bis ins Hirn schießt, so als habe man sich eine halbe Tube Löwensenf extra mit dem Esslöffel verabreicht- also rassig, das können die Deutschen eigentlich nicht, weil sie das alles nicht sind. Sie sind verlässlich, pünktlich, ordentlich. Vielleicht etwas langweilig, sodass sie sich kaum Chancen bei der rassigen Ölgemäldetante ausrechnen; aber Qualität zahlt sich letztendlich aus. Und eine Ehefrau, die lieber bügelt, als gebügelt zu werden, zeigt, dass sie ein aktives Mitwesen ist, und nicht passiv alles geschehen lässt.
Vielleicht wäre es Zeit, ein schönes Ölgemälde aufzuhängen, das ein Stück des schönen deutschen Waldes zeigt. Der ist nicht rassig, aber da ist alles drin, was ein Wald braucht. Und das reicht.
Georg Krakl - Suppenhuhn und Schäferhund
hatte einst ein Schäferstündchen
mit einem Suppenhuhn.
Da gab’s nicht viel zu tun
Du bist so nackt und weich
und auch so bleich,
ein wenig kalt,
vielleicht schon alt,
kannst keine Eier legen,
musst in die Suppe wohl deswegen.
So sprach der Hund,
dein Mund,
der ist ein Schnabel.
Hab dich zum Fressen gern,
mein Suppenstern.
Ich ess dich ausnahmsweise mit der Gabel.
mit einem Suppenhuhn.
Da gab’s nicht viel zu tun
Du bist so nackt und weich
und auch so bleich,
ein wenig kalt,
vielleicht schon alt,
kannst keine Eier legen,
musst in die Suppe wohl deswegen.
So sprach der Hund,
dein Mund,
der ist ein Schnabel.
Hab dich zum Fressen gern,
mein Suppenstern.
Ich ess dich ausnahmsweise mit der Gabel.
Georg Krakl - Blutdruck (Extended Version)
Blutdruck
Das Blut,
es drückt auf die Arterien und Venen,
auf Knochen, Kopf und Sehnen.
Der Kopf ist rot,
der Druck macht tot,
wenn man die richtigen Tabletten
nicht regelmäßig nimmt.
Dann ist man nicht zu retten.
Und der Arzt sagt: Stimmt.
Er schreibt dir ein Rezept dagegen.
Das ist ein Segen.
Beide lachen sie.
Der Blutbedrückte und die Pharmaindustrie.
Liegt im Trend: Amazonfasten
Kurz vor der Fastenzeit taucht bei mündigen Bürgern immer wieder die Frage auf: Auf was soll ich denn dieses Jahr verzichten. Schon wieder Alkohol? Wir haben doch noch so viel Rotwein im Keller. Auf Fleisch? Wer soll denn die vielen Wildschweine essen? Und das ganze Mastvieh. Da hat man ja eine gesellschaftliche Verantwortung. Auf Süßigkeiten zwischendurch? Und dann die Marmelade dreifach dick schmieren? Lächerlich. Essen? Ich esse doch sowieso nur wie ein Spatz….Hier taucht eine neue Idee auf. Das Amazon-Fasten. Mal nichts bestellen bei Amazon. Muss ja nicht gleich sechs Wochen lang sein. Aber mal so eine Woche. Oder nur ein Teil pro Woche bestellen.Und dann nicht gleich mit Prime Lieferung gratis am nächsten Tag! Nein. Lieferung in 10 bis 23 Tagen. Ok, Gratisversand sollt es schon sein. Und kostenlose Rücksendung bei Nichtgefallen, oder um den Karton loszuwerden. Also, zwei Teile bestellen und ein Teil zurücksenden. Ratatazong, weg ist der Karton. Man muss auch an die Paketzusteller denken, die sollen nicht ihre Arbeit verlieren, nur weil ich Amazonfasten mache. Man kann ja auch Kleinigkeiten bestellen, so bis 5€ etwa. Man fragt sich natürlich, wenn man die Versandkosten abzieht, und die Verpackung, was ist das Produkt dann eigentlich noch wert? Man muss eben etwas suchen, und auch das ist der Sinn des Fastens: Suchen. Suchen um etwas zu finden. Und häufig erweitert sich der Horizont, oder der Kopf wird zum Denken angeregt, so als ob man ihm ein Gedicht vorläse.
Ein Beispiel:
Brave Pioneer Bandana Kopftuch UV Schutz Biker Tuch Bandana Cap Kappe Fahrrad Mütze Piratentuch Beach Kopftuch Baumwolle Unisex Körpererziehung Erwachsene
Unisex Baumwolle Bandana Fur Haarverlust
(Hunter Grun)
(Grun ist ein Supermutanten-Behemoth in der Vim!-Pop-Fabrik im Jahr 2287)
3,95 Euro. Keine Versandkosten. Lieferung zwischen dem 7. und 23.3. 2018, wenn ich sofort bestelle. Also vor drei Wochen.
Suchen und finden. Gesucht und gefunden.
Amazonfasten. Für alle, denen sonst nichts einfällt.
Hörfehler der Woche? Am dümmsten besiedelt...
Heute im ARD-Livestream-Programm liest mir die Nachrichtensprecherin vor, dass die Uckermark die am dümmsten besiedelte Gegend in ganz Deutschland sei. Auch dass Theodor Fontäne, der Erfinder der Gartensprinkelanlagen, die Gegend einfach wunderbar gefunden habe, und dass eine gewisse Angela Kasner, die später Bundeskanzlerin werden sollte, hier geboren sei.
Ich bezweifle, dass eine wohl eher konservative Vorleserin hier die Kanzlerin mit Gegend und dumm, nein sogar mit am dümmsten zu verbinden wagen würde und überlege, ob mein Gehirn mir einen Streich gespielt hat, weil es gerade diese Wörter "am dümmsten" hören will.
Gemeint hat die ARD-Informantin wohl "am dünnsten" besiedelte Gegend.
Wie ber kommt es zu einer auditiven Fehlleistung?
Kann es sein, dass gerade unintelligente Menschen Uckermark für eine Währung halten, mit der im Sozialismus der DDR gezahlt worden ist, und die nicht einmal ihren Materialwert wert war?
Kann es sein, dass Theodor Fontäne in Wirklichkeit Theodor Storm hieß und ein deutscher Dichter war, und dass es dumm ist, die beiden zu verwechseln. So als ob man Karl May mit Juli Zeh verwechselte.
Kann sein, dass besagt Angela Kasner dumm war, dann aber schlau genug wurde, ihren Namen in Merkel ändern zu lassen, der ja im Weitesten mit merken, bemerken, anmerken und vermerken zu tun hat, was bedeutet, dass hier eine riesige Festplatte alles behält, was man nicht vergessen soll.
Kann sein, dass man Angela Merkel nicht für dünn hält, sodass man die Gegend nicht mit dem Begriff "am dünnsten" verbindet.
Vielleicht und das ist wohl am wahrscheinlichsten, ist es wirklich so, dass die Uckermark die am dümmsten besiedelte Gegend ist. Sogar eine zugereiste und niedergelassene Ausländerin aus Polen ist gegen Ausländer, also quasi gegen sich selbst. Das ist dumm. Will nicht, bestätigt sie in einem Interview auf Deutsch mit entlasteter Grammatik.
Vielleicht will man aber einfach die herausragende Stellung in Deutschland nicht aufgeben: Ob am dünnsten oder am dümmsten besiedelt, das sei völlig egal. Hauptsache Platz 1.
Ich bezweifle, dass eine wohl eher konservative Vorleserin hier die Kanzlerin mit Gegend und dumm, nein sogar mit am dümmsten zu verbinden wagen würde und überlege, ob mein Gehirn mir einen Streich gespielt hat, weil es gerade diese Wörter "am dümmsten" hören will.
Gemeint hat die ARD-Informantin wohl "am dünnsten" besiedelte Gegend.
Wie ber kommt es zu einer auditiven Fehlleistung?
Kann es sein, dass gerade unintelligente Menschen Uckermark für eine Währung halten, mit der im Sozialismus der DDR gezahlt worden ist, und die nicht einmal ihren Materialwert wert war?
Kann es sein, dass Theodor Fontäne in Wirklichkeit Theodor Storm hieß und ein deutscher Dichter war, und dass es dumm ist, die beiden zu verwechseln. So als ob man Karl May mit Juli Zeh verwechselte.
Kann sein, dass besagt Angela Kasner dumm war, dann aber schlau genug wurde, ihren Namen in Merkel ändern zu lassen, der ja im Weitesten mit merken, bemerken, anmerken und vermerken zu tun hat, was bedeutet, dass hier eine riesige Festplatte alles behält, was man nicht vergessen soll.
Kann sein, dass man Angela Merkel nicht für dünn hält, sodass man die Gegend nicht mit dem Begriff "am dünnsten" verbindet.
Vielleicht und das ist wohl am wahrscheinlichsten, ist es wirklich so, dass die Uckermark die am dümmsten besiedelte Gegend ist. Sogar eine zugereiste und niedergelassene Ausländerin aus Polen ist gegen Ausländer, also quasi gegen sich selbst. Das ist dumm. Will nicht, bestätigt sie in einem Interview auf Deutsch mit entlasteter Grammatik.
Vielleicht will man aber einfach die herausragende Stellung in Deutschland nicht aufgeben: Ob am dünnsten oder am dümmsten besiedelt, das sei völlig egal. Hauptsache Platz 1.
Tipps für die Regierungsbildung
Politik besteht häufig aus Nullen, die sich aufgebläht haben, aber keinen Inhalt bieten.
Wenn es möglich wäre, einen Kanzler oder eine Kanzlerin zu finden, der oder die eine Eins wäre, dann könnten ihr sämtlich Nullen folgen und es ergäbe eine Regierungsmannschaft, die richtig was wert ist. Bei 6 MinisterInnen schon 1 Million irgendwas. Aber woher die Eins nehmen? Nullen sind ja genug da.
Wenn es möglich wäre, einen Kanzler oder eine Kanzlerin zu finden, der oder die eine Eins wäre, dann könnten ihr sämtlich Nullen folgen und es ergäbe eine Regierungsmannschaft, die richtig was wert ist. Bei 6 MinisterInnen schon 1 Million irgendwas. Aber woher die Eins nehmen? Nullen sind ja genug da.
Bodos Welt-Wörterbuch: Arschbombe und Co 2 - Die 60er Jahre
BMW
Ein BMW war nicht die Bezeichnung für ein relativ unbedeutendes Auto - es sei denn, jemand hatte die Karosse dem Vater entliehen und konnte damit, natürlich mit den Kameraden angefüllt, durch die Straßen brettern - sondern die Bezeichnung für ein flachbrüstiges Mädchen, das in etwa dem Zuschnitt Francoise Hardy entsprach, der französischen Chansonette, die von angeblichen Oberweitenmängeln durch lange Haare und ein Asch Aspiré, ein gehauchtes h, das die Französin nicht ausprechen kann, ablenkte und damit erotische Versprechen ausflüsterte, die sie aufgrund der regionalen Distanz gar nicht einhalten konnte. Sie war für uns alle unerreichbar, sodass wir uns, wahrscheinlich aus Enttäuschung und um diese zu kompensieren, auf die fachmännische Beurteilung ihrer Brustwarzen konzentrierten, so als seien wir nicht wirklich interessiert an einem Blick oder einer Berührung. BMW - Das bedeutete "Brett mit Warzen" .Aufgrund der Unerreichbarkeit rückte der BMW in Form eines Autos wieder in Blickpunkt. Derjenige, der ein flachbrüstiges Mädchen seine Freundin nannte, musste sich natürlich von den Neidern das "BMW" bieten lassen.
Manche Unbeweibten betranken sich und schluckten dazu BMW, was eigentlich WMB heißen musste: Wacholder mit Boonekamp. BMW ging aber besser runter und besser rein ins Ohr.
Pinte
Das ist die Kneipe, wo der Wirt weiß, wie du bist und wieviel du brauchst, um richtig schicker (stamm, voll, dicke, abgefüllt, breit...) zu sein. Damals im "Im Stillen Winkel" war das Hermann, der Mengen an Bier ausschüttete, die wir in uns hineinschütteten, bis wir eine Art Trancezustand erreicht hatten. Wenn ihr auffallt, fliegt ihr raus!, war das prophylaktische Satzgebilde, mit dem er die Angetrunkenen bei der Stange halten wollte. Wir konterten mit einem Gruppensprechgesang: Hermann, was müssen wir tun, um aufzufallen? Obgleich das schon eine Art des Auffallens war, blieben alle im Raum; niemand flog raus. Ärger gab es nur, wenn Billiardspieler die Hand ins Loch hielten, um das Verschwinden der schwarzen Kugel zu verhindern und das Spiele in die Länge zu ziehen. Es ging um Geld; das musste man in den Schlitz werfen und wenn die schwarze Kugel versenkt worden war, dann war Schluss und Zeit für frisches Geld.
Im Deichhof spielten wir vier Könige, ein Spiel zum dem nicht viel gehörte, lediglich ein gutes Schluckvermögen, etwas Geld und die Fähigkeit, das Gesoffene nicht wieder auszugöbeln.
Karten werden aus einem 32er Blatt gezogen; der erste König bestellt, der zweite trinkt an, der dritte trinkt aus, der vierte bezahlt. Getrunken wurde ein Stiefel. Die Wandprobe war obligatorisch. Lief noch etwas Bier aus dem Glasschuh, musste der dritte König selbst zahlen.
Ein BMW war nicht die Bezeichnung für ein relativ unbedeutendes Auto - es sei denn, jemand hatte die Karosse dem Vater entliehen und konnte damit, natürlich mit den Kameraden angefüllt, durch die Straßen brettern - sondern die Bezeichnung für ein flachbrüstiges Mädchen, das in etwa dem Zuschnitt Francoise Hardy entsprach, der französischen Chansonette, die von angeblichen Oberweitenmängeln durch lange Haare und ein Asch Aspiré, ein gehauchtes h, das die Französin nicht ausprechen kann, ablenkte und damit erotische Versprechen ausflüsterte, die sie aufgrund der regionalen Distanz gar nicht einhalten konnte. Sie war für uns alle unerreichbar, sodass wir uns, wahrscheinlich aus Enttäuschung und um diese zu kompensieren, auf die fachmännische Beurteilung ihrer Brustwarzen konzentrierten, so als seien wir nicht wirklich interessiert an einem Blick oder einer Berührung. BMW - Das bedeutete "Brett mit Warzen" .Aufgrund der Unerreichbarkeit rückte der BMW in Form eines Autos wieder in Blickpunkt. Derjenige, der ein flachbrüstiges Mädchen seine Freundin nannte, musste sich natürlich von den Neidern das "BMW" bieten lassen.
Manche Unbeweibten betranken sich und schluckten dazu BMW, was eigentlich WMB heißen musste: Wacholder mit Boonekamp. BMW ging aber besser runter und besser rein ins Ohr.
Pinte
Das ist die Kneipe, wo der Wirt weiß, wie du bist und wieviel du brauchst, um richtig schicker (stamm, voll, dicke, abgefüllt, breit...) zu sein. Damals im "Im Stillen Winkel" war das Hermann, der Mengen an Bier ausschüttete, die wir in uns hineinschütteten, bis wir eine Art Trancezustand erreicht hatten. Wenn ihr auffallt, fliegt ihr raus!, war das prophylaktische Satzgebilde, mit dem er die Angetrunkenen bei der Stange halten wollte. Wir konterten mit einem Gruppensprechgesang: Hermann, was müssen wir tun, um aufzufallen? Obgleich das schon eine Art des Auffallens war, blieben alle im Raum; niemand flog raus. Ärger gab es nur, wenn Billiardspieler die Hand ins Loch hielten, um das Verschwinden der schwarzen Kugel zu verhindern und das Spiele in die Länge zu ziehen. Es ging um Geld; das musste man in den Schlitz werfen und wenn die schwarze Kugel versenkt worden war, dann war Schluss und Zeit für frisches Geld.
Im Deichhof spielten wir vier Könige, ein Spiel zum dem nicht viel gehörte, lediglich ein gutes Schluckvermögen, etwas Geld und die Fähigkeit, das Gesoffene nicht wieder auszugöbeln.
Karten werden aus einem 32er Blatt gezogen; der erste König bestellt, der zweite trinkt an, der dritte trinkt aus, der vierte bezahlt. Getrunken wurde ein Stiefel. Die Wandprobe war obligatorisch. Lief noch etwas Bier aus dem Glasschuh, musste der dritte König selbst zahlen.
Bodos Welt-Wörterbuch: Arschbombe und Co - Die 60er Jahre
Arschbombe
Eine Arschbombe machte man im Sommerbad, da, wo man auch
auf der Liegewiese rauchte und Pommes Frites aß.
Eine Arschbombe wurde vom Beckenrand oder vom Einerbrett
abgeworfen.
Vom Dreier war das nicht zu empfehlen, da man neben der
Badehose auch seine Zeugungsfähigkeit verlieren konnte. Jedenfalls tat es so
weh, dass sich dieser Eindruck einstellte.
Arschbomben waren etwas für Angeber, für Naßmacher und
die, die keinen Köpper machen wollten, weil ihnen immer das Wasser in die Nase
stieg, was sich anfühlte, als zerstörte sich gerade das Hirn.
Schlimm waren Popel, die mit den Abgetauchten an die
Wasseroberfläche kamen. Folge eines Köppers, bei dem man Luft aus der Nase
gestoßen hatte während des Eintauchens.
Bei der Arschbombe werden die Beine angezogen und die Arme
um die Unterschenkel gedrückt. Wer
am meistens spritzte, war der Sieger. Vorbereitung aufs Leben.
Parka
Der Parker war das Kleidungsstück des Protests, je
speckiger und bemalter er war, desto mehr Protest drückte der Besitzer aus.
Er stammte aus dem US-Warenlager und war immer grün. Alle
anderen Farben waren verpönt und andere Formen ebenso. Sie galten als
domestizierte C&A-Klamotten, die immer wie frisch imprägniert und das
Angepasste und Etablierte darstellten.
Leider waren Firmen wie C&A auf den Zug aufgesprungen,
als klar war, dass der Parka die Uniform für die Friedensbewegung war, für die
Vietnamkriegsgegner und für alle, die gegen alles Mögliche waren.
Negerköpper
Heute verbotener Begriff. Mit dem Kopf zuerst ins Wasser
springen, dabei die Hände an die Hosennaht halten, wenn sie dagewesen wäre. Ein
Sprung für Mutige, weil man nichts mit den Händen wegdrücken konnte, um den
Kopf zu schützen.
Woher der Begriff kam, wusste keiner. Auch hatte er mit
Negern, also schwarzen Menschen, nichts zu tun.
Der Negerköpper war ein Sprung für Superangeber und daher
irgendwann Pflichtprogramm für alle, die nicht als Weichei oder halber Hahn
gelten wollt
Fluppe
Eine Fluppe war eine Zigarette. Man rauchte nicht, weil es
schmeckte, sondern weil man es tat. Am besten fing man vor 16 an damit, damit
man mit 16 das erste Mal aufhören konnte. Das attestierte Lebenserfahrung und
einen harten Kern, eine Gelassenheit, die sich von den Erwachsenen abhob,
obwohl die auch rauchten, oft auch nur, weil man es tat.
Die Fluppe wurde auch Zigurd genannt, vielleicht hätte man
es auch mit ieh geschrieben, von Ziehen abgeleitet; wir dachten aber eher an
Sigurd, den Held aus einem schmalen Heft, der mit Tarzan und Tibor und Prinz
Eisenherz konkurrierte.
Sigurd rauchte höchstwahrscheinlich nicht, denn es gab in
seiner Zeit noch keine Zigaretten.
Kippe und Lungenbrötchen waren auch gängige Namen. Oder
Zichte und Glimmstängel.
Die Kraft des Bildes - Zeitungsartikel und Blickfänger
Na, da sind mal endlich drei junge Männer von der Polizei verhaftet worden! Und dem Haftrichter vorgeführt! Na also, geht doch, denkt das Volk laut und freut sich, dass mal was passiert, dass Schluss ist mit dem ständigen DuDu!, mach das nicht noch mal, sonst wirst du dem Haftrichter vorgeführt!
Dann, beim zweiten Blick auf das Foto, kommt das Volk vielleicht ins Grübeln: Fünf Raubüberfälle und drei Männer, das macht insgesamt 15 Personen, dann kommt der Haftrichter dazu, das sind 16, abgesehen mal von den Polizisten, die die Gruppe verhaftet haben, da ist man locker bei 20. Zu sehen ist aber nur eine Person.
Bist du doof?, fragt das Maul des Volkes. Ein Diebestrio besteht aus drei Leuten. Der Haftrichter kommt dazu, das sind dann vier. Auf dem aussagekräftigen Foto sieht man eine Wand, an der herumgekritzelt wurde, so wie es früher die Gefangenen getan haben sollen, um ihre Tage zu zählen und nicht das Zeitgefühl zu verlieren. Die Wand ist scharf, im Hintergrund eine unscharfe Person auf einer einfachen Liege mit dreigestreiften Turnschuhen einer bekannten deutschen Sportartikelfirma und in dunklen Jeans. Die unscharfe Person liegt auf der Seite zu einer getünchten Kalksandsteinwand gewandt.
Bildunterschrift: Die drei jungen Männer wurden dem Haftrichter vorgeführt. Was grammatikalisch fragwürdig klingt - "wurden vor den Haftrichter geführt" hätte auch gereicht - wirft im Zusammenhang mit dem Foto einige Fragen auf:
Ist das der Haftrichter auf dem Foto? Warum liegt der? Wieso trägt der Freizeitkleidung, wenn Jugendlichen Respekt vor der Justiz vermittelt werden soll? Ist das sein Arbeitszimmer, in dem man scheinbar nur liegen oder stehen kann?
Oder ist das gar einer der drei jungen Männer, der hier den Tag verschläft, anstatt dem Haftrichter vorgeführt zu werden. Wo sind die anderen zwei Männer? Die Tür steht offen, sonst hätte man den Dritten ja nicht fotografieren können; sind die entflohen, weil die Vollzugsbeamten schlampig oder bestechlich sind?
Ist das überhaupt das richtige Bild zum Artikel, oder wurde es durch einen Zufallsgenerator ausgelost und ist so auf die Seite gelangt, weil niemand den Kram betrachtet und liest?
Fragen über Fragen und niemand, der sie beantworten kann. Mittlerweile sind die drei jungen Männer über alle blauen Berge, wenn diese Metapher erlaubt ist, und der Haftrichter, der sich aus Verzweiflung betrunken hat, schläft seinen Rausch aus. Dabei hatte er schon die guten Turnschuhe angezogen, um die Verfolgung aufzunehmen. Arme Justiz! Armes Deutschland! Arme Tageszeitung.
Dann, beim zweiten Blick auf das Foto, kommt das Volk vielleicht ins Grübeln: Fünf Raubüberfälle und drei Männer, das macht insgesamt 15 Personen, dann kommt der Haftrichter dazu, das sind 16, abgesehen mal von den Polizisten, die die Gruppe verhaftet haben, da ist man locker bei 20. Zu sehen ist aber nur eine Person.
Bist du doof?, fragt das Maul des Volkes. Ein Diebestrio besteht aus drei Leuten. Der Haftrichter kommt dazu, das sind dann vier. Auf dem aussagekräftigen Foto sieht man eine Wand, an der herumgekritzelt wurde, so wie es früher die Gefangenen getan haben sollen, um ihre Tage zu zählen und nicht das Zeitgefühl zu verlieren. Die Wand ist scharf, im Hintergrund eine unscharfe Person auf einer einfachen Liege mit dreigestreiften Turnschuhen einer bekannten deutschen Sportartikelfirma und in dunklen Jeans. Die unscharfe Person liegt auf der Seite zu einer getünchten Kalksandsteinwand gewandt.
Bildunterschrift: Die drei jungen Männer wurden dem Haftrichter vorgeführt. Was grammatikalisch fragwürdig klingt - "wurden vor den Haftrichter geführt" hätte auch gereicht - wirft im Zusammenhang mit dem Foto einige Fragen auf:
Ist das der Haftrichter auf dem Foto? Warum liegt der? Wieso trägt der Freizeitkleidung, wenn Jugendlichen Respekt vor der Justiz vermittelt werden soll? Ist das sein Arbeitszimmer, in dem man scheinbar nur liegen oder stehen kann?
Oder ist das gar einer der drei jungen Männer, der hier den Tag verschläft, anstatt dem Haftrichter vorgeführt zu werden. Wo sind die anderen zwei Männer? Die Tür steht offen, sonst hätte man den Dritten ja nicht fotografieren können; sind die entflohen, weil die Vollzugsbeamten schlampig oder bestechlich sind?
Ist das überhaupt das richtige Bild zum Artikel, oder wurde es durch einen Zufallsgenerator ausgelost und ist so auf die Seite gelangt, weil niemand den Kram betrachtet und liest?
Fragen über Fragen und niemand, der sie beantworten kann. Mittlerweile sind die drei jungen Männer über alle blauen Berge, wenn diese Metapher erlaubt ist, und der Haftrichter, der sich aus Verzweiflung betrunken hat, schläft seinen Rausch aus. Dabei hatte er schon die guten Turnschuhe angezogen, um die Verfolgung aufzunehmen. Arme Justiz! Armes Deutschland! Arme Tageszeitung.
Georg Krakl - An Chauvi
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| Gerhard Trichter - Weltdame (2017) |
streckt sich die Dämlichkeit, bereit
und sehnsuchtsvoll,
der stolzen Herrlichkeit,
weit offen und auch dehnungsweit,
ja förmlich liebestoll,
entgegen.
Der Mann
macht, was er kann.
G.Krakl: Glyphosat - Jetzt auch im Bier!
Glyphosat!
Nützt dem Bürger, nützt dem Staat.
Auch im Bier
ist Glyphosat zu finden.
Schützt die Pflanzen
und auch dir
den Körper, die Organe und des Hirnes Rinden.
Schützt dem Staat die Steuergelder.
Wenn denn die Konzerne zahlen,
kann der Staat mit Mehreinnahmen prahlen.
Pflanzen, Bürger sind geschützt, Steuergelder!
Glyphosat muss auf die Felder!
Und die Tiere?
Stehen Schmiere,
wenn der Bauer doppelt spritzt,
weil das Glyphosat so locker sitzt.
Und Monsanto, der Konzern,
lacht dann gern.
Die Bauern schmusen
Gift verspritzend neuerdings mit BAYER Leverkusen.
Landwirtschaftsmister Schmidt schert aus - Rinderwahn?
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| Lügen machen lange, dicke Nasen und kurze Beine. |
An Glyphosat genippt? In einer Legebatterie oder in einem Schweinemastbetrieb übernachtet? Stopfleber?
Oder wollte der unscheinbare Schmidt mal im Rampenlicht stehen, mal dem Papi gefallen und gegen die Mutti opponieren, so aus einer politpubertären Haltung heraus. Oder hat Monsanto kräftige Argumente überwiesen?
Man hofft, dass der Bayer kinderlos und ohne Enkel ist, damit diese nicht für die Schweinerei herhalten müssen. Verlogenes Pack da oben. Wir leider hier unten.
Georg Krakl - Gedicht mit einer Explosion drin
Ich sag' zum Spatz:
Spatz, Platz!
Und was beim Hund nie klappt,
weil der schnell eingeschnappt,
das funktioniert:
Der Spatz, der explodiert.
Spatz, Platz!
Und was beim Hund nie klappt,
weil der schnell eingeschnappt,
das funktioniert:
Der Spatz, der explodiert.
Ratgeber: Tropfnasen wirken unattraktiv
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| Pawel Pikass - Tropfnase tropft tropf tropf (2017) |
Gerade in der kalten Jahreszeit kommt es immer wieder zur Tropfnase, die nicht einmal Symptom eines Infektes sein muss, sondern die lediglich die durch die Kälte verflüssigten Nasen- und Nebenhöhlensekrete absondert. Egal ob mit oder ohne Infekt, die Tropfnase wirkt, genau wie die Schniefnase, unattraktiv.
Ein potentieller Partner, der vielleicht eine Partnerin schon des längeren fixiert hat, fühlt sich im Moment des Handelns, des Avisierens und Akquirierens einer Herzensdame etwa, eher pikiert und verschreckt, so als störe ihn das fremde Feuchte, dessen Imagination ihn anfangs angezogen hat - allerdings körperlich anders verortet, und nicht auf die Riechorgane bezogen-, so als stoße sie ihn förmlich ab. Auch andersherum, wenn dem Mann die Nase tropft, wirkt sie bei den Damen nicht attraktivitätssteigernd; zwar zieht das Organ immer eine phallische Assoziation nach sich und das Tropfen erinnert ebenfalls an einen damit zusammenhängenden Vorgang, doch will die aphrodisierende Wirkung ausbleiben und es wird eher eine gewisse Frigidiät generiert, die wohl auch zur Jahreszeit passt. Wer einen Partner sucht, sollte das im Sommer tun und im Winter, falls eine Tropfnase zu erwarten ist, zu Hause bleiben. Echte Liebe allerdings achtet nicht auf den Tropfen, wenn sie den ganzen Ozean haben kann.
Georg Krakl - Gedicht mit Klatschmohn drin
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| Paul Klee-Blatt - Klatschmohn, tratschend (2017) |
auf dem Quatschthron
tratscht so gerne mit dem Klatschmohn.
Das Land zerfällt derweil in Schutt und Asche.
Der Thronbesteiger? Eine Plaudertasche.
Will meinen: Eine Flasche.
Wirtschaftszynismus: Ruff wird Co-Chef bei Tönnies
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| Pawel Pikass - Quäle nie ein Schwein zum Schein (2017) |
Ruff - früher ein Markenprodukt aus der Schweinefütterungsbranche und manchen bekannt als der zentrale Laut der Schweinesprache, wird jetzt den Todgeweihten präsentiert und zeugt vom Zynismus, der sich in Wirtschaft, Massentierhaltung und Finalbearbeitung tierischer Produkte breitmacht.
Den Schweinen müsste es, wenn sie kritisch zu denken gelernt hätten, wie eine Verhöhnung vorkommen, wie eine Verspottung ihrer qualvollen Mast und ihrer abstoßenden Tötung. Der massenhafte Verzehr setzt allem noch oben einen drauf.
Ein Andres Ruff - das ist Missachtung unserer Mitwesen.
Ein andres Ruff muss her, ein Ruff, das von glücklichen Schweinen zeugt.
Georg Krakl - Gedicht mit einem Tier drin (Stieglitz)
Der Stieglitz
Will nach Liegnitz.
Ist ein Billigflieger, weiß nicht wo das liegt.
Egal. Er fliegt.
Liegnitz
Liegt in Polen.
Und den Stieglitz
Will das rechte Regiment im Parlament vom Himmel holen.
Ich will nach Liegnitz,
flüstert seinen Häschern jener Stieglitz,
und ich bin ein armes Fistelding,
will sagen Distelfink.
Aua, so schrein die Jäger, au, das sticht!
So häschern wir dich eben nicht!
Liegnitz muss wohl irgendwo in Polen liegen.
Hier ist ja auch Schengenraum.
Merkt man kaum.
Kannst jetzt weiterfliegen.
Mag wohl sein, es war es nicht Liegnitz,
denkt der Stieglitz,
sondern Priegnitz?
Der Stieglitz
Will nach Priegnitz.
Ist ein Billigflieger, weiß nicht wo das liegt.
Egal. Er fliegt.
(Eigentlich müsste es "in die Priegnitz/Prignitz" heißen. Aber da der Stieglitz die Priegnitz gar nicht kennt, weiß er auch nichts von einem Artikel.)
Will nach Liegnitz.
Ist ein Billigflieger, weiß nicht wo das liegt.
Egal. Er fliegt.
Liegnitz
Liegt in Polen.
Und den Stieglitz
Will das rechte Regiment im Parlament vom Himmel holen.
Ich will nach Liegnitz,
flüstert seinen Häschern jener Stieglitz,
und ich bin ein armes Fistelding,
will sagen Distelfink.
Aua, so schrein die Jäger, au, das sticht!
So häschern wir dich eben nicht!
Liegnitz muss wohl irgendwo in Polen liegen.
Hier ist ja auch Schengenraum.
Merkt man kaum.
Kannst jetzt weiterfliegen.
Mag wohl sein, es war es nicht Liegnitz,
denkt der Stieglitz,
sondern Priegnitz?
Der Stieglitz
Will nach Priegnitz.
Ist ein Billigflieger, weiß nicht wo das liegt.
Egal. Er fliegt.
(Eigentlich müsste es "in die Priegnitz/Prignitz" heißen. Aber da der Stieglitz die Priegnitz gar nicht kennt, weiß er auch nichts von einem Artikel.)
Welches Instrument passt zu mir? - Der Ratgeber
Ein beliebtes Volksinstrument ist das Akkordeon, auch volkstümlich Quetschkommode oder Schifferklavier genannt.
Seine Vorteile liegen auf der Hand: Es ist laut, hat viele Tasten und Knöpfe, und einen Blasebalg, der durch Öffnen und Schließen gleichzeitig die Armmuskulatur schult.
Man kann das Akkordeon, ohne einen Anhänger zu bemühen, transportieren und damit gehört es zum Vorläufer des Casio-Keyboards, das viele Jahre später entwickelt wurde und leider Batterien benötigt. Das Akkordeon wird aus Spielerkraft mit dem nötigen Lärmpotential gespeist und ist damit das eigentliche Öko-Keyboard. Seine Lautstärke ist immens und es geht dem Hörer unter Umständen, wenn die Spielfähigkeit des Akkordeonisten eingeschränkt ist, gehörig auf Ohren und Nerven.
Gelegentlich, und das ist lächerlich, wird kritisiert, das Akkordeon stelle heimlich die Rassentrennung dar, indem nämlich weiße und schwarze Tasten strikt getrennt seien. Überhaupt seien die schwarzen Tasten in der Minderheit. Auf der Knopfseite jedoch habe sich eine Unschar Schwarzer angesiedelt. Kein einziger weißer Knopf zu finden; da weiß man nicht, was man dazu sagen will. Allerdings versuche der Spieler ja diese Masse der schwarzen "Knöpfe" ständig von den weißen Tasten wegzuziehen, angeblich um das Instrument mit Luft zu füllen und schließlich irgendwie quäkende Töne abzugeben, so als verhöhne er die Musik Europas.
Das ist weit hergeholt, gedanklich jedenfalls.
Den Spieler stellt es vor schier unlösbare Aufgaben: Er muss die richtigen Tasten und Knöpfe finden, ohne hinzugucken, denn das Instrument sitzt senkrecht vor seinem Bauch. Weiterhin führen die beiden Hände unterschiedliche Bewegungen aus, was zur Verwirrung im Kopf führt. Der Spieler muss den Blasebalg immer mit Luft gefüllt halten, das erfordert Kraft und Ausdauer; wenn er vergessen hat, den Balg zu ziehen, hört man keinen Ton, was gelegentlich als angenehm empfunden wird. Weiterhin muss der Akkordeonist die nicht verbrauchte Luft, die durch eine Extraöffnung ausgeschieden wird, aushalten, da sie ihm direkt in die Nase geblasen wird. Je nach Alter des Gerätes führt das zu Würgereizen. Versuche mit Hunden haben ergeben, dass diese nicht intelligenter werden, wenn sie dem Gerät lauschen, viel mehr schauten sie eher dümmlich aus dem Pelz. Es fördere bei den Haustieren weiterhin die mangelnde Bereitschaft, überhaupt neben dem Herrchen zu sitzen.
Insgesamt halten sich Vor- und Nachteile die Waage, aber aus Tierschutzgründen sollte man vielleicht doch eher zur Mundharmonika greifen, die den Blase-Effekt aufgreift und darüberhinaus eine Reihe wohlklingender Zungen anbietet. Auch vermeidet man den linksseitigen Tennisarm, der Folge des übertriebenen Übens mit dem üppigen Blasebalg des Akkordeons ist.
Seine Vorteile liegen auf der Hand: Es ist laut, hat viele Tasten und Knöpfe, und einen Blasebalg, der durch Öffnen und Schließen gleichzeitig die Armmuskulatur schult.
Man kann das Akkordeon, ohne einen Anhänger zu bemühen, transportieren und damit gehört es zum Vorläufer des Casio-Keyboards, das viele Jahre später entwickelt wurde und leider Batterien benötigt. Das Akkordeon wird aus Spielerkraft mit dem nötigen Lärmpotential gespeist und ist damit das eigentliche Öko-Keyboard. Seine Lautstärke ist immens und es geht dem Hörer unter Umständen, wenn die Spielfähigkeit des Akkordeonisten eingeschränkt ist, gehörig auf Ohren und Nerven.
Gelegentlich, und das ist lächerlich, wird kritisiert, das Akkordeon stelle heimlich die Rassentrennung dar, indem nämlich weiße und schwarze Tasten strikt getrennt seien. Überhaupt seien die schwarzen Tasten in der Minderheit. Auf der Knopfseite jedoch habe sich eine Unschar Schwarzer angesiedelt. Kein einziger weißer Knopf zu finden; da weiß man nicht, was man dazu sagen will. Allerdings versuche der Spieler ja diese Masse der schwarzen "Knöpfe" ständig von den weißen Tasten wegzuziehen, angeblich um das Instrument mit Luft zu füllen und schließlich irgendwie quäkende Töne abzugeben, so als verhöhne er die Musik Europas.
Das ist weit hergeholt, gedanklich jedenfalls.
Den Spieler stellt es vor schier unlösbare Aufgaben: Er muss die richtigen Tasten und Knöpfe finden, ohne hinzugucken, denn das Instrument sitzt senkrecht vor seinem Bauch. Weiterhin führen die beiden Hände unterschiedliche Bewegungen aus, was zur Verwirrung im Kopf führt. Der Spieler muss den Blasebalg immer mit Luft gefüllt halten, das erfordert Kraft und Ausdauer; wenn er vergessen hat, den Balg zu ziehen, hört man keinen Ton, was gelegentlich als angenehm empfunden wird. Weiterhin muss der Akkordeonist die nicht verbrauchte Luft, die durch eine Extraöffnung ausgeschieden wird, aushalten, da sie ihm direkt in die Nase geblasen wird. Je nach Alter des Gerätes führt das zu Würgereizen. Versuche mit Hunden haben ergeben, dass diese nicht intelligenter werden, wenn sie dem Gerät lauschen, viel mehr schauten sie eher dümmlich aus dem Pelz. Es fördere bei den Haustieren weiterhin die mangelnde Bereitschaft, überhaupt neben dem Herrchen zu sitzen.
Insgesamt halten sich Vor- und Nachteile die Waage, aber aus Tierschutzgründen sollte man vielleicht doch eher zur Mundharmonika greifen, die den Blase-Effekt aufgreift und darüberhinaus eine Reihe wohlklingender Zungen anbietet. Auch vermeidet man den linksseitigen Tennisarm, der Folge des übertriebenen Übens mit dem üppigen Blasebalg des Akkordeons ist.
Günter Krass - Der Sternenhimmel
Vater, das soll der Sternenhimmel sein? Den habe ich mir aber anders vorgestellt.
Ich bin froh, dass du mal rausgegangen bist, um mal zu gucken. Ist der nicht schön?
Das ist ja ein totales Durcheinander. Vollkommen unaufgeräumt.
Gott hat seine eigene Ordnung.
Ich kann da aber keine erkennen. Das ist ja ein totales Durcheinander.
Das hast du schon mal gesagt. Schau einfach hin, dann wirst du schon eine Ordnung erkennen.
Das glaube ich nicht. Ich könnte ja was mit dem Sternenhimmel anfangen, wenn der so eine Art Rechteck wäre und die Sterne von oben links nach unten rechts angeordnet wären. Da könnte man die auch abzählen.
Nicht umsonst sagt man doch: Weißt du wieviel Sternlein stehen?
Ich fange da jetzt nicht an zu zählen. Bei so einem Chaos kommt man doch sofort wieder raus und kann von vorne anfangen.
Vielleicht reicht es, Junge, einfach zu staunen.
Staunen? Wieso sollte ich denn staunen? Ich bin überrascht.
Na, wenigstens etwas.
Also, wenn ihr in mein Zimmer kommt, dann seid ihr auch immer überrascht. Von Staunen keine Spur.
Dann räum das doch mal auf!
Ach, und der Sternenhimmel sollte nicht mal aufgeräumt werden?
Das kann nur der liebe Gott.
Der kann sich dann auch um mein Zimmer kümmern. Da kann er dann üben, wie er den Sternenhimmel aufräumen will. Und überhaupt: Ich habe auch eine Ordnung in meinem Zimmer, die bleibt euch nur verborgen.
Vielleicht solltest du ausziehen....
Ach, jetzt kommt die Nummer. Wenn du nicht weiterweißt, heißt es ausziehen. Wie ich das hasse, dieses Reinkommen, hallo, Junge bist du immer noch an deinem Rechner, willst du dich nicht mal langsam ausziehen und dich ins Bett legen? Mal schlafen, damit du morgen mal was für deine Zukunft tun kannst? Bewerbungen schreiben und so? Und dann: Wenn's dir hier nicht passt, kannst du ja ausziehen. Einfache Lösung, für euch mindestens.
Wär vielleicht mal Zeit, Junge, du bist jetzt 36.
Und wieso vergeuden wir hier die Zeit mit einem unaufgeräumten Sternenhimmel?
Mutter heult sich morgen wieder die Augen aus dem Kopf.
Dann kann die ja aufräumen. Da gibt's Bonuspunkte beim lieben Gott fürs Paradies.
Du bist ungerecht.Ich bin euer Sohn.
Du hast recht. Gott hat seinen Sohn übrigens kreuzigen lassen.
Das ist jetzt hart.
Ich bin froh, dass du mal rausgegangen bist, um mal zu gucken. Ist der nicht schön?
Das ist ja ein totales Durcheinander. Vollkommen unaufgeräumt.
Gott hat seine eigene Ordnung.
Ich kann da aber keine erkennen. Das ist ja ein totales Durcheinander.
Das hast du schon mal gesagt. Schau einfach hin, dann wirst du schon eine Ordnung erkennen.
Das glaube ich nicht. Ich könnte ja was mit dem Sternenhimmel anfangen, wenn der so eine Art Rechteck wäre und die Sterne von oben links nach unten rechts angeordnet wären. Da könnte man die auch abzählen.
Nicht umsonst sagt man doch: Weißt du wieviel Sternlein stehen?
Ich fange da jetzt nicht an zu zählen. Bei so einem Chaos kommt man doch sofort wieder raus und kann von vorne anfangen.
Vielleicht reicht es, Junge, einfach zu staunen.
Staunen? Wieso sollte ich denn staunen? Ich bin überrascht.
Na, wenigstens etwas.
Also, wenn ihr in mein Zimmer kommt, dann seid ihr auch immer überrascht. Von Staunen keine Spur.
Dann räum das doch mal auf!
Ach, und der Sternenhimmel sollte nicht mal aufgeräumt werden?
Das kann nur der liebe Gott.
Der kann sich dann auch um mein Zimmer kümmern. Da kann er dann üben, wie er den Sternenhimmel aufräumen will. Und überhaupt: Ich habe auch eine Ordnung in meinem Zimmer, die bleibt euch nur verborgen.
Vielleicht solltest du ausziehen....
Ach, jetzt kommt die Nummer. Wenn du nicht weiterweißt, heißt es ausziehen. Wie ich das hasse, dieses Reinkommen, hallo, Junge bist du immer noch an deinem Rechner, willst du dich nicht mal langsam ausziehen und dich ins Bett legen? Mal schlafen, damit du morgen mal was für deine Zukunft tun kannst? Bewerbungen schreiben und so? Und dann: Wenn's dir hier nicht passt, kannst du ja ausziehen. Einfache Lösung, für euch mindestens.
Wär vielleicht mal Zeit, Junge, du bist jetzt 36.
Und wieso vergeuden wir hier die Zeit mit einem unaufgeräumten Sternenhimmel?
Mutter heult sich morgen wieder die Augen aus dem Kopf.
Dann kann die ja aufräumen. Da gibt's Bonuspunkte beim lieben Gott fürs Paradies.
Du bist ungerecht.Ich bin euer Sohn.
Du hast recht. Gott hat seinen Sohn übrigens kreuzigen lassen.
Das ist jetzt hart.
Georg Krakl - Roter Mund
![]() |
| Pawel Pikass - Heike L. aus Wanne-Eickel (2017) |
Der rote Mund von Wanne-Eickel
Gehörte jener Heike L.
Die Menschen zugeneigt
Und auch bedingungslos
Will sagen stark verzweigt
Und bindungsgroß
Das Ruhrgebiet
In Kurgebiet
Verwandelte
Und aus dem Bauch und in den Bauch schnell handelte
So quasi ohne Kopf
Wodurch sich Bürgerliches schnell verwandelte
Weil sie’s dadurch verschandelte
Und alten Zopf
Abschneiden
Wollte. Und das kann das Bürgerliche gar nicht leiden.
Es soll doch bleiben wie es ist.
Das was man ändern will
Ob’s laut ob’s still
Das landet auf dem Mist.
Nicht roten Mund, den roten Mond
Ist man gewohnt.
So wie wir’s immer hatten.
Das Ruhrgebiet als Kurbegiet liegt jetzt im Schatten.
Ach, wär’s dabei geblieben,
Dann könnt’ ich dich, du Heike L.
Ganz herzlich lieben.
So grüßt dich ledigleich dein Wanne-Eickel.
Georg Krakl - Herbst
![]() |
| Gerhard Trichter - Sommer scheidet (2017) |
Jetzt ist es Zeit, dass du allmählich erbst.
Bedenke noch: Vor jedem Erben
kommt das Sterben.
Georg Krakl - Liebe und Handwerk
![]() |
| Vincent van Eijnoor - Menschliche Beziehung (2017) |
Der Zimmermann
Treibt seinen Nagel in die Latte.
"Will der zeigen, was ich kann,
ist ja nicht aus Watte.
Sie ist, so scheint mir, reichlich stolz,
Aus gutem festem Holz
zwar, doch mein Nagel ist aus Eisen.
Das werd’ ich ihr mit kräft’ gem Hammerschlag beweisen.
Das wird sie schmiegsam machen, auch bescheiden.
So mag ich sie gut leiden."
Georg Krakl - An einen Arsch
Nach sieben Korn,
da lieg ich vorn.
Du und deine Neffen,
ihr seid wohl im Hinterntreffen.
da lieg ich vorn.
Du und deine Neffen,
ihr seid wohl im Hinterntreffen.
Georg Krakl - Konfrontationistische Psycho-Kacke
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| Pawel Pikass - Dein blaues Auge (2017) Dazu auch: Johannes Brahms - Dein blaues Auge |
keine Liebe
Erst ihr Schatten
zeigt uns, was wir wirklich hatten.
Und das Flennen
lässt uns ihren wahren Kern erkennen.
Georg Krakl - Gedicht mit Plusquamperfekt drin
Eine Amsel wurde kürzlich erdrosselt
auf ihrer Finka. Sie war ein Star gewesen.
So konnte man neulich lesen.
auf ihrer Finka. Sie war ein Star gewesen.
So konnte man neulich lesen.
Langeweile - Der Feind des Menschen
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Wer kennt das nicht? Im Fernsehen kommt nur Käse, der Computer ist kaputt, W-Lan heißt jetzt Weh-Lan, weil auch nichts funktioniert. Es regnet, die Handwerker kommen nicht, der Hund ist überfahren worden und zu allem Überfluss hast du auch noch unfreiwillig Urlaub.
Da schleicht sich Langeweile ein und versucht dich in eine Trance des Untätigen, der Bewegungslosigkeit, des Nichtdenkens und des Nichttuns zu ziehen. Alles wie gelähmt. Leblos. Du schaust gelangweilt aus dem Fenster und erblickst gegenüber endlich die neue Mieterin, die sich wohl ihrerseits gelangweilt, aber darüberhinaus nackt in einem Sessel fläzt und in den überwiegend in Frauenfarben gehaltenen Raum stiert. Sie hat die Beine übergeschlagen und die Arme lässig über die Sessellehnen gehängt, das Haar wirr im Gesicht, das nach Urlaubstagen ohne Grund aussieht und keiner ist da, mich anzuziehen, denkt sie vielleicht. Flugs bist du putzmunter und obwohl gar nichts in deinem Leben passiert ist, ist die Langeweile doch wie weggeblasen. Du musst über die Metapher lachen im Anblick der unbekleideten Dame, die einen straffen, wenn auch entspannten und locker unaufgeregten Körper hat, mit dem sie sich völlig ungehemmt in ihrer Wohnung mitten in den Raum setzt und sich von ihren Nachbarn betrachten lässt, sprich, von ihrem Nachbarn, denn du bist der einzige. Vielleicht solltest du ihr winken, quasi als Begrüßung zur neuen Nachbarschaft, oder hinübergehen und klingeln, mit einer Flasche Roten vielleicht, um auf gute Nachbarschaft anzustoßen. Beim Wort anstoßen musst du schlucken, etwas Speichel hat sich in deinem Kehlkopfraum gesammelt.
Plötzlich kommt dieser Hanswurst mit dem Sixpack-ja, Bauch!Nicht Flaschenkarton!- rein und wirft ihr einen Bademantel zu, der sie, ohne dass sie ihn anzieht bedeckt. Sie lässt ihn einfach auf ihrem Körper liegen, so als wolle sie für dich nicht die entspannte Haltung verändern, so als wollte sie wirklich, dass du winkst, dass du rüberkommst mit der Flasche Roten, um auf die neue Nachbarschaft und ihre freundschaftliche Weiterentwicklung anzustoßen.
Und dann dieser Hanswurst, der jetzt die Vorhänge zuzieht, dieser Spießer, diese hirnlose Qualle, diese Krake, die mit ihren unzähligen Finger ....du verbietest es dir weiterzudenken. Wie langweilig, wie langweilig, stöhnst und verfluchst alle bademantelzuwerfenden und vorhängezuziehenden Hanswürste der Welt. Du spürst, wie die Langeweile in dich strömt, wie sie dich lähmt und holst einen Korkenzieher, um den Roten zu öffnen und allein zu trinken. Da bleibt sowieso mehr für dich.
Neue Bilder von Gerhard Trichter
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| RambaZamba (2017) |
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| Nackter Mann im Wertstoffhof (2017) |
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| Blume durch Gummimatte (2017) |
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| Mann und Frau, ist doch klar...(2017) |
Georg Krakl - Gedicht mit Turban drin
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| Erich Hecksel - Bedeckt im Herbst ist gut (2017) |
Der Herbst ist da, es pfeift der Wind.
Die Blätter bunt und jedes Kind
Trägt einen Schal
Und wer am Kopfe kahl
bevorzugt Mütze, Kappe, Kippa, Tuch, Toupet und Turban oder Hut.
Der Herbst ist da, und das ist gut.
Georg Krakl - Klatschmohn
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| REU Lichtendorf - Klatschmond (2017) |
und meiden gern den Matsch-Klon.
Vorlesen lassen bei Youtube (mit Musik):
Klatschmohn zum Hören
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