Das sollte sich jeder vor dem Schminken überlegen: Wie will ich auf andere Menschen wirken?
Wer eine labberige Nase hat, sollte nicht auch noch eine Schüppe ziehen, das wirkt unsympathisch, das wirkt absoßend unkommunikativ. Da kann auch mit bester Schminke nicht abgeholfen werden, es sei denn, man schreibt mit Kajalschrift fett auf die Stirn: Ich bin schön.
Das würde jedoch die Glaubwürdigkeit in Frage stellen.
Schminke sollte nur das natürliche Gesicht verstärken bzw. kleine Mängel kaschieren.
Wie man Parfüm nicht zum Überdecken von Körpergeruch benutzen sollte, oder um sein Gegenüber zu betäuben, so sollte auch Schminke dezent eingesetzt werden.
Wer weit auseinander stehende Augen hat und wem zusätzlich die Ohren fehlen, der kann mit dem Chemiemalkasten nicht viel ausrichten.
Mut zur Hässlichkeit ist manchmal geboten, man kann betonen, was man nicht unterdrücken kann und so stilprägend sein, wenn das Outfit dem Zeitgeist entspricht.
Muss aber nicht sein.
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Wenn die Zeit läuft
Die Zeit läuft, dachte E.
Er hatte so viel schaffen wollen, er wollte noch so viel schaffen.
Wie viel Zeit blieb denn noch?
Es geht nicht immer nach der Reihenfolge, sagte die Tante immer, manchmal sind auch die Jungen dran.
E. war nicht mehr jung und die Zeit lief.
Die Zeit lief aber immer.
Sie war schon gelaufen, als er zwanzig gewesen war. Da hatte er ein Buch schreiben wollen.
Jetzt, Jahrzehnte später, hatte er es immer noch nicht geschrieben.
Er hatte immer so viel zu sagen gehabt.
Jetzt war es vielleicht schon zu spät.
Jetzt fehlten ihm die Worte; die Uhren tickten und das Geräusch schnürte ihm die Kehle zu.
Alles konnte morgen schon zu Ende sein.
Wenn er ein Buch geschrieben hätte, sollten die Menschen es auch gelesen haben.
Das wollte er erleben, er wollte ihre Antworten auf die Fragen in seinem Buch.
Es war zum Verzweifeln.
Morgen würde er anfangen.
Spätestens übermorgen.
Vielleicht war es ja nicht zu spät.
Es geht nicht immer nach der Reihenfolge, sagte seine Tante immer.
Manchmal aber schon, dachte E.
Übermorgen.
Er hatte so viel schaffen wollen, er wollte noch so viel schaffen.
Wie viel Zeit blieb denn noch?
Es geht nicht immer nach der Reihenfolge, sagte die Tante immer, manchmal sind auch die Jungen dran.
E. war nicht mehr jung und die Zeit lief.
Die Zeit lief aber immer.
Sie war schon gelaufen, als er zwanzig gewesen war. Da hatte er ein Buch schreiben wollen.
Jetzt, Jahrzehnte später, hatte er es immer noch nicht geschrieben.
Er hatte immer so viel zu sagen gehabt.
Jetzt war es vielleicht schon zu spät.
Jetzt fehlten ihm die Worte; die Uhren tickten und das Geräusch schnürte ihm die Kehle zu.
Alles konnte morgen schon zu Ende sein.
Wenn er ein Buch geschrieben hätte, sollten die Menschen es auch gelesen haben.
Das wollte er erleben, er wollte ihre Antworten auf die Fragen in seinem Buch.
Es war zum Verzweifeln.
Morgen würde er anfangen.
Spätestens übermorgen.
Vielleicht war es ja nicht zu spät.
Es geht nicht immer nach der Reihenfolge, sagte seine Tante immer.
Manchmal aber schon, dachte E.
Übermorgen.
NSA gelingt Durchbruch bei Körnerbrötchen
Die NSA hat in enger Zusammenarbeit mit Pentagon und CIA - alle haben ihre Computerkapazitäten zusammengeschmissen - endlich einen Durchbruch bei der Dekodierung von Körnerbrötchen erreicht.
Jahrzehntelang, im Grunde seit Erfindung des Körnerbrötchen, hat man gerätselt, wie die Verschlüsselung geheimer Botschaften auf Lebensmitteln aussehen könnte. Man hat blinde Agenten mit ihrem ausgeprägten Tastsinn eingesetzt - ohne Ergebnis. Jahrelang wurden Körnerbrötchenesser, Vegetarier, Veganer und Vollwertköstler als terroristische Gruppe eingestuft und abgehört.
Außer Rezepten und Umweltblabla war aber dabei nichts Wichtiges herausgekommen.
Jetzt endlich ist ein Code gefunden worden, der die Brötchen - vorerst nur von der Unterseite her - lesbar macht.
Auf einem besonders schönen Exemplar fand man die Backanleitung und eine Liste der Inhaltstoffe, die aber allesamt als unbedenklich eingestuft werden konnten. Weiterhin lasen sich Tipps zum Genuss der kleinen Brote, besonders der Hinweis, mindestens dreißigmal zu kauen und erst dann zu schlucken.
Die Nationale Sicherheit scheint nicht gefährdet zu sein, es sei denn, die eher harmlos wirkenden Texte wären doppelt kodiert, und die eigentlichen Mitteilungen versteckten sich hinter bestimmten Wörtern. Dinkel könnte für Anthrax stehen, der Urweizen Kamut für Rainer Calmund und Sonnenblumenkerne für das bei der Kernspaltung entstehende Plutonium.
Es werde weiter gesucht, so die NSA, da man jetzt bei eingeschränkter Telefonüberwachung Kapazitäten frei habe. Pentagon und CIA hätten auch Spaß an der Sache, vor allem weil man die leckeren Objekte nach dem Lesen mit feiner T-Wurst bestrichen - vorzeitg liquidierte Veganer müssten sich im Grabe umdrehen! - essen könne.
Jahrzehntelang, im Grunde seit Erfindung des Körnerbrötchen, hat man gerätselt, wie die Verschlüsselung geheimer Botschaften auf Lebensmitteln aussehen könnte. Man hat blinde Agenten mit ihrem ausgeprägten Tastsinn eingesetzt - ohne Ergebnis. Jahrelang wurden Körnerbrötchenesser, Vegetarier, Veganer und Vollwertköstler als terroristische Gruppe eingestuft und abgehört.
Außer Rezepten und Umweltblabla war aber dabei nichts Wichtiges herausgekommen.
Jetzt endlich ist ein Code gefunden worden, der die Brötchen - vorerst nur von der Unterseite her - lesbar macht.
Auf einem besonders schönen Exemplar fand man die Backanleitung und eine Liste der Inhaltstoffe, die aber allesamt als unbedenklich eingestuft werden konnten. Weiterhin lasen sich Tipps zum Genuss der kleinen Brote, besonders der Hinweis, mindestens dreißigmal zu kauen und erst dann zu schlucken.
Die Nationale Sicherheit scheint nicht gefährdet zu sein, es sei denn, die eher harmlos wirkenden Texte wären doppelt kodiert, und die eigentlichen Mitteilungen versteckten sich hinter bestimmten Wörtern. Dinkel könnte für Anthrax stehen, der Urweizen Kamut für Rainer Calmund und Sonnenblumenkerne für das bei der Kernspaltung entstehende Plutonium.
Es werde weiter gesucht, so die NSA, da man jetzt bei eingeschränkter Telefonüberwachung Kapazitäten frei habe. Pentagon und CIA hätten auch Spaß an der Sache, vor allem weil man die leckeren Objekte nach dem Lesen mit feiner T-Wurst bestrichen - vorzeitg liquidierte Veganer müssten sich im Grabe umdrehen! - essen könne.
Georg Krakl - Die Welt
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| Dieses Bild passt nicht zum Gedicht. |
wenn sie gar nicht bunt wär,
wär' sie vielleicht eckig
und vom Farbton dreckig.
Beruf und Anforderung
Heute: Vollzugsbeamte
Der Anwärter auf den Beruf des Vollzugsbeamten sollte über einen kräftigen Schließmuskel verfügen.
Der Anwärter auf den Beruf des Vollzugsbeamten sollte über einen kräftigen Schließmuskel verfügen.
Zum Namenstag: Georg Krakl - Eugen (2014)
Eugen
will sich nicht beugen,
möcht' gern bezeugen,
dass Günther Verheugen
mit ihm nicht verwandt,
und nicht mal bekannt.
Wir sollten ihn lassen,
den Eugen,
so mag er bezeugen,
was auf allen Straßen
schon längst ist bekannt:
Er ist nicht verwandt!
Der Eugen
mit Roth
-das wär' was, doch der ist schon tot -
geschweige Verheugen.
will sich nicht beugen,
möcht' gern bezeugen,
dass Günther Verheugen
mit ihm nicht verwandt,
und nicht mal bekannt.
Wir sollten ihn lassen,
den Eugen,
so mag er bezeugen,
was auf allen Straßen
schon längst ist bekannt:
Er ist nicht verwandt!
Der Eugen
mit Roth
-das wär' was, doch der ist schon tot -
geschweige Verheugen.
Aus dem Land aus Knete
Nichts los in der schönen neuen Welt.
Also: Leben in die Bude!
Frau gemacht.
Ging ein paar Tage gut, dann wird genörgelt. Will zu zweit aufs Klo und braucht wen zum Quatschen. Auch will sie nicht immer alleine putzen.
Mann gemacht aus Rippe der Frau.
Mann stutzt. Fragt gleich, ob es eine Konferenzschaltung gibt und was überhaupt die Frau da macht.
Ob noch Bier im Kühlschrank ist.
Frau stutzt: In welchem Kühlschrank?
Nörgelt. Mann ist zu nichts zu gebrauchen. Kann nicht mal Kohlen aus dem Keller holen, weil kein Keller da ist.
Zweite Frau gemacht.
Mann stutzt. Was soll das denn jetzt? Hätte lieber eine Konferenzschaltung besorgen sollen.
Und einen Flachbildschirmfernseher.
Frau 1 guckt grimmig. Was soll denn Frau 2 hier?
Das mit dem Klogehen hätte sich jetzt ja auch überholt. Wenn kein zweiter Mann da ist, dann darf da auch keine zweite Frau sein.
Verzweifelt.
Alles noch mal zu einem dicken Klumpen Lehm zusammengedrückt und von vorne angefangen.
Golden Retriever geknetet. Feiner Hund. Der freut sich immer. Egal was ich mache.
Endlich wieder Ruhe in der schönen neuen Welt.
Es muss nicht immer was los sein....
Also: Leben in die Bude!
Frau gemacht.
Ging ein paar Tage gut, dann wird genörgelt. Will zu zweit aufs Klo und braucht wen zum Quatschen. Auch will sie nicht immer alleine putzen.
Mann gemacht aus Rippe der Frau.
Mann stutzt. Fragt gleich, ob es eine Konferenzschaltung gibt und was überhaupt die Frau da macht.
Ob noch Bier im Kühlschrank ist.
Frau stutzt: In welchem Kühlschrank?
Nörgelt. Mann ist zu nichts zu gebrauchen. Kann nicht mal Kohlen aus dem Keller holen, weil kein Keller da ist.
Zweite Frau gemacht.
Mann stutzt. Was soll das denn jetzt? Hätte lieber eine Konferenzschaltung besorgen sollen.
Und einen Flachbildschirmfernseher.
Frau 1 guckt grimmig. Was soll denn Frau 2 hier?
Das mit dem Klogehen hätte sich jetzt ja auch überholt. Wenn kein zweiter Mann da ist, dann darf da auch keine zweite Frau sein.
Verzweifelt.
Alles noch mal zu einem dicken Klumpen Lehm zusammengedrückt und von vorne angefangen.
Golden Retriever geknetet. Feiner Hund. Der freut sich immer. Egal was ich mache.
Endlich wieder Ruhe in der schönen neuen Welt.
Es muss nicht immer was los sein....
"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Siebzigerjahrekachel-Meditation
Da sitzt man an einem Ort, dem man das Attribut still zugewiesen hat, und der Geist kommt nicht zur Ruhe; der ganze Körper, die Seele und der Verstand, Überich, Unterich und mittendrin das echte Ich, warten, dass etwas passiert, dass der selbstreinigende Prozess beginnt; aber nichts passiert und nun setzt das große Rattern im Kopf ein, weil sich der Sitzende vor nichts mehr fürchtet als vor der Langeweile. Die Suche beginnt nach zerfledderten Zeitschriften, nach einem Lexikon der Heilkräuter, nach einem Pilzbestimmungsbuch oder einem Ratgeber für Mieter, nach irgendetwas, das jetzt interessant genug ist, vom inhaltsleeren Warten abzulenken, und sei es auch noch so zerfleddert und noch so hässlich, nach etwas, was der hoffend Sitzende im Wohnzimmerbereich nicht anfassen, geschweige denn lesen würde.
Und dann fällt der Blick auf die Wand vor ihm. Auf die grün-schimmernde Wand, auf die gekachelte Wand, auf die mit Siebzigerjahrekacheln verflieste Wand in Siebzigerjahregrün.
Vier Nieren zieren jedes Objekt, das in seiner Anordnung und der Reihung der Fliesen jeden unruhigen Geist in glückliche Trance versetzen kann.
Aber selbst das einzelne Objekt kann in die tiefe Entspannung führen.
Vier Nieren. Eine links, eine rechts, eine oben, eine unten. Super!, sagt das Hirn. Der ideale Organspender, der kann sich sogar selber zwei Nieren spendieren!
Ruhigwerden.
Vier grüne Nieren.
Saure Nieren habe ich nie gemocht, denkt der Sitzende. Ekelhaft, überhaupt, Innereien. Gut, Stippgrütze, das ging, da war ja auch alles drin, schön geschreddert, dass man nicht auf erkennbaren Teilen herumkauen musste, ordentlich gewürzt und scharf angebraten ging das. Und dann hatte man das Cholesterin erfunden. Da war das Essen nicht nur fettig, sondern auch noch ungesund. Zugunsten der Ärzte und der Pharmaindustrie.
Ruhigwerden. Konzentrieren. Fließen lassen.
Hahaha, Fliesen lassen! fällt mir ein. Genau, diese Sanitärstube müsste mal neu gefliest werden. Wer kann denn hier entspannt eine Sitzung halten, wenn er ständig diese mandala-artigen Gebilde in Rauswurf-Grün vor Augen hat.
Auf die Symmetrie konzentrieren. Auf die Wohlgestalt, das Ästhetische.
Das Hirn wehrt sich, aber es hat bereits verloren.
Die Augen werden starr und der Körper übernimmt dieses Verharren, wird schwerer und schwerer. Der Sitzende ist nicht mehr ganz da. Sein Geist schwebt in Höhe des Spülkastens, der kurz unter der Decke angebracht ist. Dreißiger Jahre, flackert ein kurzer Gedanke auf. Dann wieder Ruhe.
Erst der Gedanke, dass die grünen Nieren auch verschimmelte Champignons sein könnten, weckt aus der Versenkung.
Der Sitzende stellt fest, dass alles erledigt ist, das es zu einem Geschäftsabschluss gekommen ist, dass der Prozess der Ausscheidung vollendet ist.
Die grünen Siebzigerjahrekacheln scheinen freundlich zu lächeln. Der Sitzende lächelt zurück. Alles ist gut. Was vorher noch Gegner war, ist jetzt Freund. Frieden kehrt ein.
Wer solches probiert hat, weiß, dass jede noch so unsinnige Tätigkeit, jeder noch so hässliche Raum in ein sinnvolles Ritual eingebunden werden kann, wenn das Tun mit Andacht geschieht, wenn wir uns versenken in das Belanglose und es dadurch schön machen.
Und dann fällt der Blick auf die Wand vor ihm. Auf die grün-schimmernde Wand, auf die gekachelte Wand, auf die mit Siebzigerjahrekacheln verflieste Wand in Siebzigerjahregrün.
Vier Nieren zieren jedes Objekt, das in seiner Anordnung und der Reihung der Fliesen jeden unruhigen Geist in glückliche Trance versetzen kann.
Aber selbst das einzelne Objekt kann in die tiefe Entspannung führen.
Vier Nieren. Eine links, eine rechts, eine oben, eine unten. Super!, sagt das Hirn. Der ideale Organspender, der kann sich sogar selber zwei Nieren spendieren!
Ruhigwerden.
Vier grüne Nieren.
Saure Nieren habe ich nie gemocht, denkt der Sitzende. Ekelhaft, überhaupt, Innereien. Gut, Stippgrütze, das ging, da war ja auch alles drin, schön geschreddert, dass man nicht auf erkennbaren Teilen herumkauen musste, ordentlich gewürzt und scharf angebraten ging das. Und dann hatte man das Cholesterin erfunden. Da war das Essen nicht nur fettig, sondern auch noch ungesund. Zugunsten der Ärzte und der Pharmaindustrie.
Ruhigwerden. Konzentrieren. Fließen lassen.
Hahaha, Fliesen lassen! fällt mir ein. Genau, diese Sanitärstube müsste mal neu gefliest werden. Wer kann denn hier entspannt eine Sitzung halten, wenn er ständig diese mandala-artigen Gebilde in Rauswurf-Grün vor Augen hat.
Auf die Symmetrie konzentrieren. Auf die Wohlgestalt, das Ästhetische.
Das Hirn wehrt sich, aber es hat bereits verloren.
Die Augen werden starr und der Körper übernimmt dieses Verharren, wird schwerer und schwerer. Der Sitzende ist nicht mehr ganz da. Sein Geist schwebt in Höhe des Spülkastens, der kurz unter der Decke angebracht ist. Dreißiger Jahre, flackert ein kurzer Gedanke auf. Dann wieder Ruhe.
Erst der Gedanke, dass die grünen Nieren auch verschimmelte Champignons sein könnten, weckt aus der Versenkung.
Der Sitzende stellt fest, dass alles erledigt ist, das es zu einem Geschäftsabschluss gekommen ist, dass der Prozess der Ausscheidung vollendet ist.
Die grünen Siebzigerjahrekacheln scheinen freundlich zu lächeln. Der Sitzende lächelt zurück. Alles ist gut. Was vorher noch Gegner war, ist jetzt Freund. Frieden kehrt ein.
Wer solches probiert hat, weiß, dass jede noch so unsinnige Tätigkeit, jeder noch so hässliche Raum in ein sinnvolles Ritual eingebunden werden kann, wenn das Tun mit Andacht geschieht, wenn wir uns versenken in das Belanglose und es dadurch schön machen.
Georg Krakl: Den Winter angenehm machen (2014)
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| Pawel Pikass: Winternhintern (2014) |
Unter deinem Hintern
wollen wir, die Füße, überwintern.
Denn wo,
wenn nicht am Po,
ist es so:
warm
wie unterm Arm
so fein
wie hier am Überbein
so angenehm und ruhig irgendwie
wie dort am linken Knie
so seicht und so sonor
wie da im linken Mittelohr?
Alles, alles, alles unter deinem Hintern.
Da woll'n wir, die Füße, überwintern.
Am Bauch der Welt
Wo war sie nicht überall gewesen?
Am Kopf der Welt, am Arm der Welt.
Sogar am Bein der Welt.
An Ohr, Oberlippe, rechter Hand, Schulterblatt, Fuß, Knie und Nabel der Welt.
Jetzt war sie hier angekommen und alle hatten sie gewarnt.
So schlimm war das doch gar nicht und alles so schön rosa.
Gitti seufzte.
Sie war allein, denn niemand wollte an diesem Ort sein.
Vorurteil!, schrie es in Gitti. Mangelnde Informationen!, schrie es in Gitti weiter. Stereotypes Gelabere!, rasselte Gitti ihr stichwortartiges Plädoyer herunter.
Olfaktorisch, ok, war das eine Herausforderung. Es kam in Schüben, und das war ganz harter Toback.
Aber Gitti hatte das entschieden. Sie hatte entschieden hier zu sein. Und Entscheidungen mussten umgesetzt werden, so war das eben. Da musste Gitti jetzt durch.
Am Kropf der Welt, genau, da war Gitti noch nicht gewesen. Vielleicht würde sie nächste Woche dorthin gehen.
Am Kopf der Welt, am Arm der Welt.
Sogar am Bein der Welt.
An Ohr, Oberlippe, rechter Hand, Schulterblatt, Fuß, Knie und Nabel der Welt.
Jetzt war sie hier angekommen und alle hatten sie gewarnt.
So schlimm war das doch gar nicht und alles so schön rosa.
Gitti seufzte.
Sie war allein, denn niemand wollte an diesem Ort sein.
Vorurteil!, schrie es in Gitti. Mangelnde Informationen!, schrie es in Gitti weiter. Stereotypes Gelabere!, rasselte Gitti ihr stichwortartiges Plädoyer herunter.
Olfaktorisch, ok, war das eine Herausforderung. Es kam in Schüben, und das war ganz harter Toback.
Aber Gitti hatte das entschieden. Sie hatte entschieden hier zu sein. Und Entscheidungen mussten umgesetzt werden, so war das eben. Da musste Gitti jetzt durch.
Am Kropf der Welt, genau, da war Gitti noch nicht gewesen. Vielleicht würde sie nächste Woche dorthin gehen.
Wenn alles so verschwommen ist...
Was kann es bedeuten, wenn wir vor einem Schrank stehen und nur Schloss, Knauf und Holz der Schranktür erscheinen uns deutlich und klar abgegrenzt?
Alles andere ist verschwommen, unklar und bleibt unserer Wahrnehmung verborgen.
Da etwas Blau, dort etwas Schwarz, ein Stück Fleischfarbenes, vielleicht eine Schulter oder ein schlichter Nacken; im Hintergrund schimmert Verborgenes hervor, mag sein, ein alter Kerzenständer oder ein Bücherregal.
Das verschließt sich uns und wir werden wieder auf das klar umrissene Schloss zurückgeführt, nicht das, in dem die unerzogene Rotzlöffelin Dornrosa, genannt Dörnröschen, vor sich hin schlummert und deren Unterbewsstsein darauf wartet, dass die hundert Jahre rum sind, sondern das, das uns ein- oder sogar ausschließt.
Hier treffen wir auf unsere ureigenen Ängsten des Nichtdazugehörens, des Außenvorbleibens und der Einsamkeit.
Dabei ist es so einfach, die Botschaft zu verstehen:
Wenn du vor einem Schrank stehst und dir Fragen stellst, auf die du keine Antwort weißt, dann bist du einfach beschränkt.
Hahaha, lacht der Wortspieler, und ergänzt: Lieber beschränkt mit Schrank als mit Stollenwand. Denn die ist 80er Jahre. Und wer will das denn?
Alles andere ist verschwommen, unklar und bleibt unserer Wahrnehmung verborgen.
Da etwas Blau, dort etwas Schwarz, ein Stück Fleischfarbenes, vielleicht eine Schulter oder ein schlichter Nacken; im Hintergrund schimmert Verborgenes hervor, mag sein, ein alter Kerzenständer oder ein Bücherregal.
Das verschließt sich uns und wir werden wieder auf das klar umrissene Schloss zurückgeführt, nicht das, in dem die unerzogene Rotzlöffelin Dornrosa, genannt Dörnröschen, vor sich hin schlummert und deren Unterbewsstsein darauf wartet, dass die hundert Jahre rum sind, sondern das, das uns ein- oder sogar ausschließt.
Hier treffen wir auf unsere ureigenen Ängsten des Nichtdazugehörens, des Außenvorbleibens und der Einsamkeit.
Dabei ist es so einfach, die Botschaft zu verstehen:
Wenn du vor einem Schrank stehst und dir Fragen stellst, auf die du keine Antwort weißt, dann bist du einfach beschränkt.
Hahaha, lacht der Wortspieler, und ergänzt: Lieber beschränkt mit Schrank als mit Stollenwand. Denn die ist 80er Jahre. Und wer will das denn?
Georg Krakl: Mikrophon (1998)
Am guten Mikrophon
da hatte schon
Kollegin X geschleckt.
Es hatte nicht geschmeckt.
Kollege Z dagegen
fand den Geschmack verwegen.
Der eine mag's, die and're nicht.
Die Weisheit ist sehr schlicht.
Ein Mikrophon
gehört - lebt man mit Strom verstärkt - zum guten Ton.
da hatte schon
Kollegin X geschleckt.
Es hatte nicht geschmeckt.
Kollege Z dagegen
fand den Geschmack verwegen.
Der eine mag's, die and're nicht.
Die Weisheit ist sehr schlicht.
Ein Mikrophon
gehört - lebt man mit Strom verstärkt - zum guten Ton.
Das Triptychon in der brotlosen Kunst: Schlendrian und Battermann
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| Piet Schlendrian: Triptychon vom Großmaul (2014) |
der schreie den ersten Schrei.
Ansonsten halte er sich.
Bruno Battermann 1.24, Vers 2
Das Großmaul in Kunst und Lyrik
![]() |
| Piet Schlendrian: Großmaul (2014) |
Großes Maul, große Zähne.
Kleine Augen, keine Träne.
Kann nicht hören,
fehlen Öhren.
Kann nicht riechen,
höchstens stinken.
Kann nicht grüßen,
höchstens winken.
Einem Kellner, einem Taxi und Lakaien.
Kommt dann keiner, muss es schreien.
Hauen
wir dem Großmaul auf das Selbige.
Schauen,
was passiert:
Großmaul nimmt die Nahrung gern passiert.
Mutierende Weihnachtsmänner
Jetzt, wo es in Riesenschritten auf Ostern zugeht, kommt es zu einer merkwürdigen Veränderungen der Weihnachtsmänner, vornehmlich derer aus Schokolade mit Silberpapierummantelung.
Ihr Gesichtsausdruck mutiert von der auoritär-freundlichen Mimik in eine ängstlich-selbstzweiflerische, so als verzehre sich der Rotmantel selbst, so als fresse er sich von innen auf und schrumpfe mit jedem Tag.
Aus dem beruhigenden Äußeren wird eine bemitleidenswerte Kreatur, die man nur zum Fressen gern haben kann, den mehr gibt sie nicht her.
Wer sie länger an sein Herz drückt, um sie zu trösten, muss mit bräunlichen Hautverfärbungen rechnen, die insgesamt nicht schön aussehen und erst nach Geruchs- oder Geschmacksprobe den verborgenen Reiz offenbaren.
Mit der Kleinschädeligkeit geht aber auch eine zunehmende Kalorienarmut einher, die den überfressenen nachweihnachtlichen Menschen zugute kommt.
Bereiten wir uns seelisch auf die Osterhasenparade vor, die Regal warten bereits.
Ihr Gesichtsausdruck mutiert von der auoritär-freundlichen Mimik in eine ängstlich-selbstzweiflerische, so als verzehre sich der Rotmantel selbst, so als fresse er sich von innen auf und schrumpfe mit jedem Tag.
Aus dem beruhigenden Äußeren wird eine bemitleidenswerte Kreatur, die man nur zum Fressen gern haben kann, den mehr gibt sie nicht her.
Wer sie länger an sein Herz drückt, um sie zu trösten, muss mit bräunlichen Hautverfärbungen rechnen, die insgesamt nicht schön aussehen und erst nach Geruchs- oder Geschmacksprobe den verborgenen Reiz offenbaren.
Mit der Kleinschädeligkeit geht aber auch eine zunehmende Kalorienarmut einher, die den überfressenen nachweihnachtlichen Menschen zugute kommt.
Bereiten wir uns seelisch auf die Osterhasenparade vor, die Regal warten bereits.
Eine Fliege macht noch keinen Sommer
Junge: Schau mal, Oma! Eine Fliege. Eine Fliege macht noch keinen Sommer; sagt man doch so.
Oma: Schwalbe, Junge, Schwalbe. Was lernt ihr eigentlich in der Schule?
Junge: Oma, das ist doch eine Fliege.
Oma: Es heißt aber Schwalbe.
Junge: Versteh ich nicht. Eine Fliege ist eine Fliege und eine Schwalbe eine Schwalbe.
Oma: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Junge: Das hier ist aber eine Fliege. Eine tote Fliege.
Oma: Das ist ein bildhafter Ausdruck. Es müssen schon zwei Fliegen sein, damit es ein Sommer wird.
Junge: Jetzt hast du auch Fliege gesagt.
Oma: Diese Jugend von heute, Junge, da bist du keine Ausnahme. Weiß nichts, aber rotzfrech. Dumm und stark, das wäre eine schöne Kombination, dumm, stark und gehorsam, daraus hat man früher Soldaten gemacht, aber heutzutage. Die stehen ja nicht mal im Bus auf, wenn eine alte Frau hereinkommt.
Junge: Oma, du fährst du gar nicht Bus. Du lässt dich doch überall hinkutschieren.
Oma: Aber wenn ich Bus führe! Konjunktiv zwei! Den kennt ihr doch überhaupt nicht mehr, weil euch die Phantasie fehlt! Ihr wollt alles haben; aber Wünsche kann man das nicht nennen, das sind Absichten. Die Möglichkeit euch die Möglichkeit vorzustellen, etwas könnte sein oder nicht sein, das fehlt euch doch völlig.
Junge: Oma, jetzt hast du Hamlet zitiert.
Oma: Wohl eher Shakespeare.
Junge: Oma, du bist eine echte Klugscheißerin.
Oma: Das hätte ich mal zu meiner Großmutter sagen sollen, die hätte mich versohlt, nach Strich und Faden.
Junge: Besser nicht, ich mache doch Tae-Kwon-Do, Oma, und rutscht einem schon mal der Fuß, ein Bein, die Faust oder die Stirn aus, also so als Reflex, da kann man gar nichts machen, so wie den Großen früher immer die Hand ausgerutscht ist.
Oma: Armes Deutschland! Wohin soll das alles noch führen.
Junge: Warum ist die Fliege wohl so groß? Unser Dackel ist da ja kleiner.
Oma: Die Schwalben werden ja auch immer größer.
Junge: Seit wann das denn?
Oma: Vielleicht solltet ihre jungen Leute auch mal Zeitung lesen.
Junge: Du liest doch nur die Todesanzeigen.
Oma: Ich interessiere mich eben für meine Mitmenschen.
Junge: Wenn sie tot sind! Oma, lass uns doch wieder lieb sein.
Oma: Sprich mir nach! Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Junge: Oma!
Oma: Mach schon!
Junge: Nur Fliegen sind schöner.
Oma: Keine Widerworte mehr.
Junge: Null problemo.
Oma: Und sprich gefälligst deutsch!
Junge: Hast du noch Eis im Kühlfach?
Oma: Schwalbe, Junge, Schwalbe. Was lernt ihr eigentlich in der Schule?
Junge: Oma, das ist doch eine Fliege.
Oma: Es heißt aber Schwalbe.
Junge: Versteh ich nicht. Eine Fliege ist eine Fliege und eine Schwalbe eine Schwalbe.
Oma: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Junge: Das hier ist aber eine Fliege. Eine tote Fliege.
Oma: Das ist ein bildhafter Ausdruck. Es müssen schon zwei Fliegen sein, damit es ein Sommer wird.
Junge: Jetzt hast du auch Fliege gesagt.
Oma: Diese Jugend von heute, Junge, da bist du keine Ausnahme. Weiß nichts, aber rotzfrech. Dumm und stark, das wäre eine schöne Kombination, dumm, stark und gehorsam, daraus hat man früher Soldaten gemacht, aber heutzutage. Die stehen ja nicht mal im Bus auf, wenn eine alte Frau hereinkommt.
Junge: Oma, du fährst du gar nicht Bus. Du lässt dich doch überall hinkutschieren.
Oma: Aber wenn ich Bus führe! Konjunktiv zwei! Den kennt ihr doch überhaupt nicht mehr, weil euch die Phantasie fehlt! Ihr wollt alles haben; aber Wünsche kann man das nicht nennen, das sind Absichten. Die Möglichkeit euch die Möglichkeit vorzustellen, etwas könnte sein oder nicht sein, das fehlt euch doch völlig.
Junge: Oma, jetzt hast du Hamlet zitiert.
Oma: Wohl eher Shakespeare.
Junge: Oma, du bist eine echte Klugscheißerin.
Oma: Das hätte ich mal zu meiner Großmutter sagen sollen, die hätte mich versohlt, nach Strich und Faden.
Junge: Besser nicht, ich mache doch Tae-Kwon-Do, Oma, und rutscht einem schon mal der Fuß, ein Bein, die Faust oder die Stirn aus, also so als Reflex, da kann man gar nichts machen, so wie den Großen früher immer die Hand ausgerutscht ist.
Oma: Armes Deutschland! Wohin soll das alles noch führen.
Junge: Warum ist die Fliege wohl so groß? Unser Dackel ist da ja kleiner.
Oma: Die Schwalben werden ja auch immer größer.
Junge: Seit wann das denn?
Oma: Vielleicht solltet ihre jungen Leute auch mal Zeitung lesen.
Junge: Du liest doch nur die Todesanzeigen.
Oma: Ich interessiere mich eben für meine Mitmenschen.
Junge: Wenn sie tot sind! Oma, lass uns doch wieder lieb sein.
Oma: Sprich mir nach! Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Junge: Oma!
Oma: Mach schon!
Junge: Nur Fliegen sind schöner.
Oma: Keine Widerworte mehr.
Junge: Null problemo.
Oma: Und sprich gefälligst deutsch!
Junge: Hast du noch Eis im Kühlfach?
Neues aus Allerwärts: Lobeshymne
Singmehr Gabriel, Bundesministerium für Leibesübungen, will, dass der Song "Turn!Turn!Turn!" von den Byrds neue Lobeshymne seines Ministeriums wird.
Für Leute, die nicht singen können, gehe auch die Originalversion von Pete Seger, der manchmal in eine Arte Sprechgesang falle, was besonders Menschen mit vollem Mund entgegenkomme. Also, ihm, dem Gabriel, auf jeden Fall.
Reinhören und mitsingen (hier klicken)
Für Leute, die nicht singen können, gehe auch die Originalversion von Pete Seger, der manchmal in eine Arte Sprechgesang falle, was besonders Menschen mit vollem Mund entgegenkomme. Also, ihm, dem Gabriel, auf jeden Fall.
Reinhören und mitsingen (hier klicken)
Paraneujahr - Wenn man sich verfolgt fühlt
Frau: Herr Polizist, ich fühle mich von einem riesigen Füller verfolgt.
Polizist: Hauptwachtmeister.
Frau: Nein, von einem Füller.
Polizist: Also, mein Titel ist Hauptwachtmeister.
Frau: Ich habe mir vier Tüten Briefpapier gekauft. Vielleicht kann ich ihn damit ablenken?
Polizist: Wen jetzt?
Frau: Den Riesenfüller.
Polizist: Es gibt keine Riesenfüller.
Frau: Doch, doch, zum Beispiel einen von Pelikan.
Polizist: Das sind doch Vögel, die ihren Sack am Schnabel haben, um Fisch zu transportieren.
Frau: Das ist eine Firma, die Füller herstellt.
Polizist: Aber sich nicht Riesenfüller. Dann müsste es ja Riesenhände geben, die damit schreiben können.
Frau: Der Riesenfüller verfolgt mich aber.
Polizist: Das sind doch Hirngespinste. Was es nicht gibt, kann einen auch nicht verfolgen.
Frau: Doch.
Polizist: Also, das wäre jetzt ein Fall für die Klappse. Rein theoretisch ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen.
Frau: Sind vier Tüten Briefpapier genug, um den Riesenfüller abzulenken.
Polizist: Wie groß ist denn der Füller?
Frau: Ja, riesig.
Polizist: Etwas genauer muss es schon sein.
Frau: Drehen Sie sich doch mal um!
Polizist. (dreht sich um) Verdammte Hacke, der ist ja riesig.
Frau: Sag ich doch.
Polizist: Da würde ich aber noch mal vier Tüten nachordern.
Frau: Ich will aber gar nicht verfolgt werden.
Polizist: Fünf Tüten; sicher ist sicher.
Frau: Ich kann doch nicht ständig Briefpapier nachkaufen.
Polizist: Nicht ständig, nur bis der Vorgang erledigt ist.
Frau: Können Sie den nicht verhaften?
Polizist: Für Riesenfüller haben wir keine Handschellen.
Frau: Mal wieder typisch. Kann ich jetzt noch mal in den Schreibwarenladen dackeln!
Polizist: Briefpapier gibt es auch günstig im Internet!
Frau: Wo ist das denn?
Polizist: Ist auch egal.
Polizist: Hauptwachtmeister.
Frau: Nein, von einem Füller.
Polizist: Also, mein Titel ist Hauptwachtmeister.
Frau: Ich habe mir vier Tüten Briefpapier gekauft. Vielleicht kann ich ihn damit ablenken?
Polizist: Wen jetzt?
Frau: Den Riesenfüller.
Polizist: Es gibt keine Riesenfüller.
Frau: Doch, doch, zum Beispiel einen von Pelikan.
Polizist: Das sind doch Vögel, die ihren Sack am Schnabel haben, um Fisch zu transportieren.
Frau: Das ist eine Firma, die Füller herstellt.
Polizist: Aber sich nicht Riesenfüller. Dann müsste es ja Riesenhände geben, die damit schreiben können.
Frau: Der Riesenfüller verfolgt mich aber.
Polizist: Das sind doch Hirngespinste. Was es nicht gibt, kann einen auch nicht verfolgen.
Frau: Doch.
Polizist: Also, das wäre jetzt ein Fall für die Klappse. Rein theoretisch ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen.
Frau: Sind vier Tüten Briefpapier genug, um den Riesenfüller abzulenken.
Polizist: Wie groß ist denn der Füller?
Frau: Ja, riesig.
Polizist: Etwas genauer muss es schon sein.
Frau: Drehen Sie sich doch mal um!
Polizist. (dreht sich um) Verdammte Hacke, der ist ja riesig.
Frau: Sag ich doch.
Polizist: Da würde ich aber noch mal vier Tüten nachordern.
Frau: Ich will aber gar nicht verfolgt werden.
Polizist: Fünf Tüten; sicher ist sicher.
Frau: Ich kann doch nicht ständig Briefpapier nachkaufen.
Polizist: Nicht ständig, nur bis der Vorgang erledigt ist.
Frau: Können Sie den nicht verhaften?
Polizist: Für Riesenfüller haben wir keine Handschellen.
Frau: Mal wieder typisch. Kann ich jetzt noch mal in den Schreibwarenladen dackeln!
Polizist: Briefpapier gibt es auch günstig im Internet!
Frau: Wo ist das denn?
Polizist: Ist auch egal.
Kurzgeschrieben: Lücken
Die
Lücken in ihrem Leben füllt sie mit Alkohol, auf dass es ganz werde.
Steter
Tropfen höhlte es noch mehr.
Fleisch doch Fleisch
Es gibt Tage, da fällt einem alles runter, Tage, da rennt man ständig vor einen Türrahmen, und dann Tage, da beißt man sich auf die Zunge oder ins Gewebe neben den Backenzähnen.
Kommt Letzteres zusammen mit dem Status eines Vegetariers, dann stellt sich die dringende Frage: Ist die Sache mit dem Fleisch noch nicht gegessen?
Auch wenn das irgendwie sprachlich zusammengetackert klingt, als habe hier das Unter-Ich wieder mal die Wörter generiert, so ist doch die Seinsfrage im Raum. Kann sich der Vegetarier als Allesfresser von seinem alten Sein lösen? Kann er vom Frikadellen-Schlucker, vom Schnitzel-Schlotzer, vom Grill-Gustl mutieren in die echte Lebenswirklichkeit, die von Gemüse und Obst bestimmt ist?
Oder stellt er sich an der Frischetheke mit handgeschnitzten Ananas-Schnitten die Frage, ob eine Bratwurst und eine Tube Senf nicht doch die Alternative sind?
Kommt Letzteres zusammen mit dem Status eines Vegetariers, dann stellt sich die dringende Frage: Ist die Sache mit dem Fleisch noch nicht gegessen?
Auch wenn das irgendwie sprachlich zusammengetackert klingt, als habe hier das Unter-Ich wieder mal die Wörter generiert, so ist doch die Seinsfrage im Raum. Kann sich der Vegetarier als Allesfresser von seinem alten Sein lösen? Kann er vom Frikadellen-Schlucker, vom Schnitzel-Schlotzer, vom Grill-Gustl mutieren in die echte Lebenswirklichkeit, die von Gemüse und Obst bestimmt ist?
Oder stellt er sich an der Frischetheke mit handgeschnitzten Ananas-Schnitten die Frage, ob eine Bratwurst und eine Tube Senf nicht doch die Alternative sind?
Die Macht der Farben: Violett
![]() |
| Piet Schlendrian: Lila ist keine Farbe, sondern ein Zustand (2014) |
Das ganze letzte Jahr hatte sich die Frage immer und immer wieder gestellt: Warum tragen Menschen Lila? Ist das nicht die Farbe der kirchlichen Sexualmatadore?
Und: Ist Violett Lila, oder umgekehrt?
Eine ganze, wenn auch erfolglose Partei, hat sich so benannt, die nur von Frauen und deren Bewunderern gewählt wird. Dabei wählen nicht mal alle Frauen diese Partei, sondern CDU.
Taucht man ins Unterbewusste der Pulloverträger und Parteimitglieder ein, dann kann die Zuordnung von Charaktereigenschaften gemäß der künstlerischen Farbensymbolik weiterhelfen.
Introvertiertheit und Statik werden attestiert - Bischof Verschwenderling von Limburg bestätigt als Ausnahme die Regel - , gleichzeitig aber auch eine Extravaganz - hier fallen uns Frauen mit großen Hüten ein - und eine Traurigkeit, wie sie im Buche steht. Wir blicken sofort auf das Geschlecht, die bei jedem rührseligen Film die Packung Tempos zückt und den Kinosaal vollschnieft. Sehnsucht paart sich mit Melancholie; die gefährliche Kombination hat schon Kriege verlieren lassen, wenn der Feldherr von einer extravaganten Mätresse abgelenkt wurde, die ihm ständig was vorheulte, von wegen keine Zeit und denkt immer nur an das Eine, nämlich, wie man den Feind schlagen kann und hat keine Augen für meinen großen Hut. Die Folge dieses Verhaltens sind schließlich Unnatürlichkeit - hier kommt wieder der violette Verschwenderling aus Limburg ins Spiel - und ein gerütteltes Maß an Niedergedrückheit.
Darum sei allen Jahresanfängern geraten: Trag keinen lila Pullover, auch wenn Mama ihn gestrickt hat. Trag keine lila Roben, nur um Messdiener zu beeindrucken. Es geht um das Ganze und nicht um den Einzelnen. Und: Achte mal auf Menschen mit Lila!
Das muss gut werden
Wie war mir so komisch; die Blätter so bunt, so stückelig, die Welt ingesamt rund und der Himmel so blau, endlich so blau, wie er genau vor tausend Jahren vielleicht gewesen sein mag, als noch MIttelalter war und die Menschen gar nicht wussten, dass sie im Mittelalter lebten, weil es ihnen keiner gesagt hatte. Und ich denke wieder nach über "keiner hat etwas gesagt"....wie soll das gehen, wenn keiner da ist, aber etwas sagt, zum Beispiel: Ihr lebt gar nicht im Mittelalter?
Am Himmel der Imperativ: Ein gutes Jahr 2014! Plötzlich fällt mir ein: Kann Ursula von der Leyen überhaupt schießen? Hat sie gedient? Was soll aus der Bundeswehr werden, wenn sich jeder Gefreite bei Mama ausheulen kann? Und überhaupt: Kann denn jeder alles? Wo bleibt die Kompetenz? Christina Schröder, die hat es allen gezeigt. Erst Familienministerin ohne Kinder. Zack, jetzt kommt das zweite. Erkenntnis erzwingt Handlung, wenn sie sinnvoll sein will. Da muss der Schwarzgeldfahnder auch mal selber Schwarzgeld verstecken. Damit er mitreden kann. Es ist ein Jammer. Schießen reicht doch auch nicht mehr als Schlüsselkompetenz für die Bundeswehr.
Warum sind die Blätter so bunt, wo doch Winter ist?
Ich sehe es positiv: Das muss ein gutes Jahr werden. Alles so schön bunt hier.
Am Himmel der Imperativ: Ein gutes Jahr 2014! Plötzlich fällt mir ein: Kann Ursula von der Leyen überhaupt schießen? Hat sie gedient? Was soll aus der Bundeswehr werden, wenn sich jeder Gefreite bei Mama ausheulen kann? Und überhaupt: Kann denn jeder alles? Wo bleibt die Kompetenz? Christina Schröder, die hat es allen gezeigt. Erst Familienministerin ohne Kinder. Zack, jetzt kommt das zweite. Erkenntnis erzwingt Handlung, wenn sie sinnvoll sein will. Da muss der Schwarzgeldfahnder auch mal selber Schwarzgeld verstecken. Damit er mitreden kann. Es ist ein Jammer. Schießen reicht doch auch nicht mehr als Schlüsselkompetenz für die Bundeswehr.
Warum sind die Blätter so bunt, wo doch Winter ist?
Ich sehe es positiv: Das muss ein gutes Jahr werden. Alles so schön bunt hier.
Fotokurs: Langweilige Bilder interessant machen
Langeweilige Zeit, langweilige Bilder.
Das Wetter betrübt, die Gegend öde, ein Denkmal am
Horizont touristisch, aber tausendmal gesehen.
Was tun, wenn das einzig Interessante ein bronzener
Monarch ist, der seine nachlässige Hand über das Land hält, nicht um zu schützen,
sondern weil ihn sein Schulter-Nacken-Syndrom schmerzt und er erkunden will, wo
es nun wirklich herkommt.
Da wird es Zeit, selbst Hand anzulegen, um aus
Knipsaufnahmen echte Fotos zu machen.
Die Trübness mit etwas Blau in eine schöne Melancholie
gespritzt und immer wieder die Schärfe nachjustiert, sodass Verdecktes sichtbar
wird. Immer und immer wieder den HDR-Schalter betätigt, und was auch immer das
heißt - (Halt den Rand?) plötzlich erscheinen da die Wesen, die unseren Alltag so
quälend und so beängstigend machen.
Flattergeister, die die Hundebesitzer umschwirren, wenn
ihre kleinen Kacker an der falschen Stelle ihr Häufchen machen.
Flattergeister, die nichts bewirken, außer einem diffusen
Gefühl der Schuld oder der Schadenfreude.
Dem einen geht es so: Huch, da habe ich aber schuld an
einer Verunreinigung.
Dem andere so: Scheiße, dem habe ich’s gegeben. Geschisssen
drauf!
Zwischen Schuld und Fäkalphantasie schwankt das
Gefühlsrepertoire der Nebulösen, die den lieben langen Tag nichts anderes zu
tun haben, als auf Menschen mit sozialen Defiziten zu warten. Und wer ist schon
vollkommen?
Flattergeister. Auch wenn sie zu den nutzlosesten
Nutzwesen gehören, sie sind doch Geschöpfe, die eine Funktion haben. Wir, die
Halbblinden, können diese nicht erkennen. Das ist aber nicht die Schuld der
Flattergeister, sondern unsere eigene.
Ohne ein Fotobearbeitungsprogramm wüsste wir gar nicht,
dass es sie gibt.
Aber immerhin machen sie aus einem langweiligen Foto einen
richtigen Hingucker.
Also: Nicht alles löschen, was doof aussieht. Mehr hinter
den Vorhang schauen. Da gibt es immer was zu entdecken. Und wenn es nur
Flattergeister sind.
Georg Krakl: Dass man auch versteht (2013)
Wenn die Kerzen nicht mehr zünden,
wünscht man, dieses zu ergünden,
dass man auch versteht,
was das Weltrad dreht.
Wenn die Schüsse nicht mehr schrecken
oder starten oder fangen,
wenn die Nüsse nicht mehr wälen
oder köpfen oder haseln,
gilt es Neugier aufzuwecken,
und Entdeckergeist zu quälen,
an Erkenntnis grob zu schlecken,
nicht mehr ahnungslos herumzubaseln.
Dass man auch versteht,
Was, vielleicht auch wer, das Weltrad dreht.
wünscht man, dieses zu ergünden,
dass man auch versteht,
was das Weltrad dreht.
Wenn die Schüsse nicht mehr schrecken
oder starten oder fangen,
wenn die Nüsse nicht mehr wälen
oder köpfen oder haseln,
gilt es Neugier aufzuwecken,
und Entdeckergeist zu quälen,
an Erkenntnis grob zu schlecken,
nicht mehr ahnungslos herumzubaseln.
Dass man auch versteht,
Was, vielleicht auch wer, das Weltrad dreht.
Wolf Wunderschreck: Begreifen (2013)
Begrabbeln
und Begreifen
sind zwei Paar Schuhe.
Nicht anfassen,
nur gucken.
Begrapschen
und Begrabbeln.
Da passt zusammen, was zusammengehört.
Begreifen.
Begreifen.
Schuster,
bleib bei deinem Rappen!
und Begreifen
sind zwei Paar Schuhe.
Nicht anfassen,
nur gucken.
Begrapschen
und Begrabbeln.
Da passt zusammen, was zusammengehört.
Begreifen.
Begreifen.
Schuster,
bleib bei deinem Rappen!
Fatale Hörfehler: Kurzarmigkeit
Wie hatte er seinen Arzt bekniet, wie hatte er ihm seine Sorgen und seine Beschwerden vorgepredigt!
Aber der Doktor hatte wieder nicht zugehört. Hektisch, wie er immer war, wenn der Laden brummte, hatte er sich etwas in den Rezeptblock gemurmelt, bzw. seit ein paar Jahren in die Tastatur seines Computers, hatte gegrummelt und gebrummelt, geschnieft und geseufzt,geknatscht und geknarzte, dass es ein Freude gewesen wäre, wenn es nicht um die eigene Befindlichkeit gegangen wäre.
Kurzarmigkeit! Sein Leben lang hatte er darunter gelitten; wenn er an eine Tasse wollte, reichten die Arme nicht hin. Tritt doch einen Schritt näher!, war der fromme Rat. Aber darum ging es ja nicht. Endlich einmal normal zugreifen, ednlich einmal drankommen, wie der Durchschnittsbürger das auch machte, darum ging es.
Sei Hausarzt, sein feiner Hausarzt aber hörte nicht hin und nicht zu.
Kurzatmigkeit!, zischte es durch die Backen, als hätten sie kleine Löcher, damit der Dampf austreten konnte, unter dem der Mediziner stand. Das Rezept war schnell ausgedruckt.
Kurzarmigkeit, nicht Kurzatmigkeit!
Er verließ enttäuscht die Praxis, das Rezeptblatt flog vor der Tür ins Rosenbeet. Gegen Kurzarmigkeit gab es wohl kein Mittel. Traurig. Aber einfach mal zuhören, das war doch nicht zu viel verlangt!
Hausarzt, dachte er, Hausarzt! Als ob Häuser einen Arzt bräuchten!
Aber der Doktor hatte wieder nicht zugehört. Hektisch, wie er immer war, wenn der Laden brummte, hatte er sich etwas in den Rezeptblock gemurmelt, bzw. seit ein paar Jahren in die Tastatur seines Computers, hatte gegrummelt und gebrummelt, geschnieft und geseufzt,geknatscht und geknarzte, dass es ein Freude gewesen wäre, wenn es nicht um die eigene Befindlichkeit gegangen wäre.
Kurzarmigkeit! Sein Leben lang hatte er darunter gelitten; wenn er an eine Tasse wollte, reichten die Arme nicht hin. Tritt doch einen Schritt näher!, war der fromme Rat. Aber darum ging es ja nicht. Endlich einmal normal zugreifen, ednlich einmal drankommen, wie der Durchschnittsbürger das auch machte, darum ging es.
Sei Hausarzt, sein feiner Hausarzt aber hörte nicht hin und nicht zu.
Kurzatmigkeit!, zischte es durch die Backen, als hätten sie kleine Löcher, damit der Dampf austreten konnte, unter dem der Mediziner stand. Das Rezept war schnell ausgedruckt.
Kurzarmigkeit, nicht Kurzatmigkeit!
Er verließ enttäuscht die Praxis, das Rezeptblatt flog vor der Tür ins Rosenbeet. Gegen Kurzarmigkeit gab es wohl kein Mittel. Traurig. Aber einfach mal zuhören, das war doch nicht zu viel verlangt!
Hausarzt, dachte er, Hausarzt! Als ob Häuser einen Arzt bräuchten!
Februar, wer bist du?
Eine alte Bauernregel besagt: Gleicht der Februar einem abgerollten Knäuel, wird das das Jahr ein rechtes Gräuel.
Damit ist schon zusammengefasst, um was es geht.
Den Februar hätte jeder gern aus dem Kalender gestrichen.
Die Tage werden länger, aber es ist kalt. Die Heizung brummt und das Geld fließt vom Konto förmlich in die Taschen der Ölmultis.
Dabei ist der Monat noch viel mehr als ein lästiger Energiefresser.
Denn das Gräuel kommt ja nicht von allein, bzw. nur vom Ölbrenner im Dauerbetrieb.
Das wahre Gesicht liegt zwischen Blau und Grün und Grau. Er hat so seine Kreise und einen wackeligen Horizont.
Was als Eisberg begann, ist nur eine doofe Karnevalsmütze. Ein Herz hat er nur halb und ist daher der Monat der Unentschlossen und Halbherzigen. Auch die Hartherzigen mit Hörfehler finden sich hier zurecht und repräsentiert.
Insgesamt aber lässt sich sagen: Wenn der Monat nicht so kurz wäre, gehörte er abgeschafft. Aber heutzutage hat man es eher mit den Minderheiten, und zu denen gehört der 28-Täger auf jeden Fall.
Vielleicht wird nächstes Jahr ja alles anders.
Damit ist schon zusammengefasst, um was es geht.
Den Februar hätte jeder gern aus dem Kalender gestrichen.
Die Tage werden länger, aber es ist kalt. Die Heizung brummt und das Geld fließt vom Konto förmlich in die Taschen der Ölmultis.
Dabei ist der Monat noch viel mehr als ein lästiger Energiefresser.
Denn das Gräuel kommt ja nicht von allein, bzw. nur vom Ölbrenner im Dauerbetrieb.
Das wahre Gesicht liegt zwischen Blau und Grün und Grau. Er hat so seine Kreise und einen wackeligen Horizont.
Was als Eisberg begann, ist nur eine doofe Karnevalsmütze. Ein Herz hat er nur halb und ist daher der Monat der Unentschlossen und Halbherzigen. Auch die Hartherzigen mit Hörfehler finden sich hier zurecht und repräsentiert.
Insgesamt aber lässt sich sagen: Wenn der Monat nicht so kurz wäre, gehörte er abgeschafft. Aber heutzutage hat man es eher mit den Minderheiten, und zu denen gehört der 28-Täger auf jeden Fall.
Vielleicht wird nächstes Jahr ja alles anders.
Amazonamazon
Amazonamazon,
ich krieg so viele Pakete und Päcken, ich frage mich woher?
Ich hab sie bestellt, das geht fast automatisch,
Amazonamazon,
ich bin Prime-Mitglied, das ist prima, das ist oberprima, Primus, ja ich wäre gern mal Primus gewesen, das deutsche Wort heißt Streber, das hat aber nie geklappt, Primaten wären gerne Prime-Mitglied, wenn sie könnten, wie sie wollten,
Amazonamazon, schon wieder ein Paket, ein neuer Zusteller, der hat sich geirrt, ist umhergeirrt, jetzt hab ich das Paket von Anja von zwei Häusern weiter, mal sehen, was bei Anja liegt von mir, ich bin so froh, dass es Pakete gibt, Bescherung jeden Tag und ich bestimme, wie die aussieht,
Amazonamazon
in nachhaltigen Kartons, keine Monokulturkartonagen, nicht gespritzt und genetisch nicht modifiziert, infiltriert, nicht kupiert und nicht zensiert, richtige Pappe, handgepappte Wellen, wellgepappte Hände von richtigen Erwachsenen, keine Kinderarbeit, vielleicht Inderarbeit, aber die wollen ja auch leben,
Amamzonamazon,
wie heißt mein Zusteller?, er spricht gebrochenes Deutsch, der ist nicht von hier, er sieht nicht nach Amazonien aus, vielleicht ein Pole, ein Kasache oder ein Gebrochen-Deutscher, Amazonamazon,
korrekt und ganz genau, das klingt nach Amazonasgebiet, nach Umwelt und Regenwald, nach Lunge der Welt, das ist da, wo die Luft herkommt, die wir atmen, die Lungenflügel die Welt, wo hunderttausend Indios stehen und die Kolben von selbstgeschnitzten Luftpumpen rein und raus stoßen, pfeifende Töne der Pumpe abpressen, einen Gesang erzeugen, der uns wissen lässt: Es ist noch Luft da. Immer und immer wieder treiben die muskulösen Arme die Kolben rein und raus, rein und raus, rein und raus, die sehnigen Oberkörper glänzen vor Schweiß.
Amazonamazon,
es weihnachtet sehr, die Paketzusteller geben sich die Klinke in die Hand und ich bin froh, dass ich für neue Arbeitsplätze gesorgt habe, für Warenausdemregalsucher, für Wareneinpacker, Zukleber, Etikettierer, Wegschieber und Zulieferer, ich bin ein guter Mensch, auch die Indios haben etwas zu lachen, wenn ihre Luftpumpen quietschen.
Amazonamazon,
es weihnachtet sehr und ich bin dabei.
ich krieg so viele Pakete und Päcken, ich frage mich woher?
Ich hab sie bestellt, das geht fast automatisch,
Amazonamazon,
ich bin Prime-Mitglied, das ist prima, das ist oberprima, Primus, ja ich wäre gern mal Primus gewesen, das deutsche Wort heißt Streber, das hat aber nie geklappt, Primaten wären gerne Prime-Mitglied, wenn sie könnten, wie sie wollten,
Amazonamazon, schon wieder ein Paket, ein neuer Zusteller, der hat sich geirrt, ist umhergeirrt, jetzt hab ich das Paket von Anja von zwei Häusern weiter, mal sehen, was bei Anja liegt von mir, ich bin so froh, dass es Pakete gibt, Bescherung jeden Tag und ich bestimme, wie die aussieht,
Amazonamazon
in nachhaltigen Kartons, keine Monokulturkartonagen, nicht gespritzt und genetisch nicht modifiziert, infiltriert, nicht kupiert und nicht zensiert, richtige Pappe, handgepappte Wellen, wellgepappte Hände von richtigen Erwachsenen, keine Kinderarbeit, vielleicht Inderarbeit, aber die wollen ja auch leben,
Amamzonamazon,
wie heißt mein Zusteller?, er spricht gebrochenes Deutsch, der ist nicht von hier, er sieht nicht nach Amazonien aus, vielleicht ein Pole, ein Kasache oder ein Gebrochen-Deutscher, Amazonamazon,
korrekt und ganz genau, das klingt nach Amazonasgebiet, nach Umwelt und Regenwald, nach Lunge der Welt, das ist da, wo die Luft herkommt, die wir atmen, die Lungenflügel die Welt, wo hunderttausend Indios stehen und die Kolben von selbstgeschnitzten Luftpumpen rein und raus stoßen, pfeifende Töne der Pumpe abpressen, einen Gesang erzeugen, der uns wissen lässt: Es ist noch Luft da. Immer und immer wieder treiben die muskulösen Arme die Kolben rein und raus, rein und raus, rein und raus, die sehnigen Oberkörper glänzen vor Schweiß.
Amazonamazon,
es weihnachtet sehr, die Paketzusteller geben sich die Klinke in die Hand und ich bin froh, dass ich für neue Arbeitsplätze gesorgt habe, für Warenausdemregalsucher, für Wareneinpacker, Zukleber, Etikettierer, Wegschieber und Zulieferer, ich bin ein guter Mensch, auch die Indios haben etwas zu lachen, wenn ihre Luftpumpen quietschen.
Amazonamazon,
es weihnachtet sehr und ich bin dabei.
Wer bist du, Januar?
Da gibt es Menschen, die behaupten, dass Zahlen farbig sind und nach etwas schmecken, die 6 etwa ist rot und schmeckt nach Allzweckreiniger.
Oder ähnlich.
Jetzt tauchen Hypersensitive auf und wollen dem tumben Volk weismachen, dass Monate nicht nur farbig sind, komisch schmecken und auch aufdringlich riechen, sondern sogar ein Aussehen haben, das menschlichen Wesen ähnelt.
Der Januar soll ein buckliges Männlein sein, das gern kleine Frauen mit kurzen Haaren auf dem Kopf und einem knallroten Kirschmund anspricht. Es trägt ein hellblaues Schlabberlätzchen und eine orangefarbene Kappe. Die Ohren sind klein und der Haarwuchs spärlich, was durch die Mütze hindurch aber nicht zu erkennen ist. Ein paar Härchen lediglich haben sich durch die lose gestrickten Maschen gedrängt und stehen wirr ab. So weit so gut und wer es glaubt, der isses auch, spricht der wahrheitsbekundende Kindermund.
Des tumben Volkes einer hält dagegen:
Der Januar ist so ein Schlackriger, Dreckiger, manchmal gelbgestreifter Weißer, aber immer Nasskalter, Ungemütlicher, manchmal so was von voll daneben, dass einem Hören und Sehen und Riechen vergeht. Mal ganz klar zusammengefasst. Von wegen "Riecht nach Allzweckreiniger mit einem Spritzer Moschus und Patschuli"! Geschenkt, Januar. Voll geschenkt!
Oder ähnlich.
Jetzt tauchen Hypersensitive auf und wollen dem tumben Volk weismachen, dass Monate nicht nur farbig sind, komisch schmecken und auch aufdringlich riechen, sondern sogar ein Aussehen haben, das menschlichen Wesen ähnelt.
Der Januar soll ein buckliges Männlein sein, das gern kleine Frauen mit kurzen Haaren auf dem Kopf und einem knallroten Kirschmund anspricht. Es trägt ein hellblaues Schlabberlätzchen und eine orangefarbene Kappe. Die Ohren sind klein und der Haarwuchs spärlich, was durch die Mütze hindurch aber nicht zu erkennen ist. Ein paar Härchen lediglich haben sich durch die lose gestrickten Maschen gedrängt und stehen wirr ab. So weit so gut und wer es glaubt, der isses auch, spricht der wahrheitsbekundende Kindermund.
Des tumben Volkes einer hält dagegen:
Der Januar ist so ein Schlackriger, Dreckiger, manchmal gelbgestreifter Weißer, aber immer Nasskalter, Ungemütlicher, manchmal so was von voll daneben, dass einem Hören und Sehen und Riechen vergeht. Mal ganz klar zusammengefasst. Von wegen "Riecht nach Allzweckreiniger mit einem Spritzer Moschus und Patschuli"! Geschenkt, Januar. Voll geschenkt!
Gregor Baselnicht: Wie Kunst entsteht
![]() |
| Gregor Baselnicht: Mutti steht kopf (2012) |
Baselnicht zu seinem Werk „Mutti
steht kopf“:
Also, es war im Urlaub, ich saß
da im Garten und hatte einen Kaffee im Aufguss. Ich wartete, dass die Kanne
voll wurde.
Ich hatte zufällig eine
Blankokarteikarte dabei und diese auf den Tisch gelegt.
Zack, klatschte ich den Filter,
denn es war ja Filterkaffee, auf die Karte und ließ die Sache in der Sonne
einköcheln.
Bei diesem Vorgang musste ich an
Mutti denken, und was die gesagt hätte, wenn ich den Kaffeefilter auf den
Tisch, wenn auch erst mal auf eine Blankokarteikarte, geklatscht hätte.
Da wäre der Teufel los gewesen.
Ich freute mich also, dass ich
erwachsen war und ich machen konnte, was ich wollte.
Gitti kam dann auch nach draußen
und wollte gleich losmäkeln. Wie Mutti, dachte ich und hob den Zeigefinger.
Das wird Kunst!, verlautete ich.
Davon leben wir schließlich.
Gitti keifte sofort los: Seit
wann das denn?
Ich versuchte zu ergänzen: Wenn
ich mal berühmt bin.
Gitti pestete weiter: Dann musst
du aber vorher sterben.
Ich schluckte. Der Kaffeefilter
war mittlerweile eingeköchelt und ein Bild war entstanden.
Guck mal, sagte ich zu Gitti,
wieder eine Weltreise geschaffen, so finanziell jedenfalls, wenn ich das Bild
verkaufe.
Sieht ein bisschen wie du aus,
so als wenn Theo dir in den Magen getreten hätte. Theo ist der Sohn. Gittis
Sohn.
Da stand Gitti nicht drauf.
Da war sie wie Mutti. Konnte
keinen Spaß verstehen, aber Hauptsache, kein Kaffeefilter auf dem Esstisch.
Komm ich dreh es um, dann sieht
es aus wie Mutti.
Gitti war kurz vor dem Explodieren.
Ich habe das Bild dann „Mutti
steht kopf“ genannt und es Gitti gewidmet. 10 Prozent vom Reinerlös habe ich
ihr angeboten.
Sie hat aber nur weitergekeift,
dass 10 Prozent von nichts auch nichts sei. Darauf konnte ich nichts sagen.
Bossen: Doppelter Stinkefinger
Du denkst, dein Chef ist mies, oder deine Cheffin. Sie bosst und disst und spritzt mit verbalem Ätznatron um sich, wird persönlich, ist beleidigend und verletzend, macht auf große Mutti und ungezogenes Kind; wenn du dich wehrst, verwandelt sie sich in das Opfer, heult und jammert und meldet sich krank.
Du hast ein paar Tage Ruhe. Aber das Problem bleibt.
Es widerstrebt dir, auf dasselbe Niveau zu sinken, auch wenn das heilsam wäre. Du trittst eine Lawine an Coaches und Mediatoren los, die dich und dein Problem beraten wollen.
Wir können über alles sprechen, sagst du. Nur nicht mit Mutti.
Die Psychologen schmunzeln über deine feine Variation eines alten Nervenheilwitzes.
Vielleicht gehst du mal in dich. Vielleicht denkst du mal nach. Vielleicht geht es anderen noch schlechter. Nicht immer sich selbst in den Mittelpunkt stellen! Mal etwas mehr Distanz, mal die Sache von oben betrachten, mal ins Ausland schauen, vielleicht in die USA.
Da gibt es die Steigerung, so wie die USA immer die Steigerungen parat haben. Alles geht größer, lauter, unverschämter.
Doppelter Stinkefinger, vom Chef gezeigt, das ist erst mal Hardcore. Du kommst du mit deinen Muttierfahrungen nicht an. Da würde gelächelt, wenn du das in einer US-Selbsthilfegruppe erzähltest.
Was für untoppbar gilt, lässt sich immer noch steigern.
Der Chef ordnet die Finger deinen Körperregionen zu, einer gehört in dein beschissenes irisches (wenn du Ire bist) na du weißt schon, der andere geht ins Auge, das kein normales Auge ist, sondern das eines Menschen, der sich auf ein Küchengerät mit x in der Mitte reimt. Der Beleidigte entschuldigt sich dann aber auch ganz nett, dass er den Chef zu solchen Gesten und Äußerungen provoziert hat.
Also, Schluss mit dem Gejammere; es geht immer noch eine Nummer schlimmer.
Auch in den USA: Stell dir einfach vor, was bei eine Fau rauskäme.
Maul halten und weiterarbeiten, du Jammerlappen!
Du hast ein paar Tage Ruhe. Aber das Problem bleibt.
Es widerstrebt dir, auf dasselbe Niveau zu sinken, auch wenn das heilsam wäre. Du trittst eine Lawine an Coaches und Mediatoren los, die dich und dein Problem beraten wollen.
Wir können über alles sprechen, sagst du. Nur nicht mit Mutti.
Die Psychologen schmunzeln über deine feine Variation eines alten Nervenheilwitzes.
Vielleicht gehst du mal in dich. Vielleicht denkst du mal nach. Vielleicht geht es anderen noch schlechter. Nicht immer sich selbst in den Mittelpunkt stellen! Mal etwas mehr Distanz, mal die Sache von oben betrachten, mal ins Ausland schauen, vielleicht in die USA.
Da gibt es die Steigerung, so wie die USA immer die Steigerungen parat haben. Alles geht größer, lauter, unverschämter.
Doppelter Stinkefinger, vom Chef gezeigt, das ist erst mal Hardcore. Du kommst du mit deinen Muttierfahrungen nicht an. Da würde gelächelt, wenn du das in einer US-Selbsthilfegruppe erzähltest.
Was für untoppbar gilt, lässt sich immer noch steigern.
Der Chef ordnet die Finger deinen Körperregionen zu, einer gehört in dein beschissenes irisches (wenn du Ire bist) na du weißt schon, der andere geht ins Auge, das kein normales Auge ist, sondern das eines Menschen, der sich auf ein Küchengerät mit x in der Mitte reimt. Der Beleidigte entschuldigt sich dann aber auch ganz nett, dass er den Chef zu solchen Gesten und Äußerungen provoziert hat.
Also, Schluss mit dem Gejammere; es geht immer noch eine Nummer schlimmer.
Auch in den USA: Stell dir einfach vor, was bei eine Fau rauskäme.
Maul halten und weiterarbeiten, du Jammerlappen!
Metaphern im Alltag: Günter Krass - Sie stand im Regen
Sie stand im Regen
obwohl die Sonne schien.
Man hatte sie dort stehen gelassen
und war an den Strand gegangen.
Jetzt stand sie im Regen,
die anderen badeten in der Sonne.
Sie weinte,
aber niemand bemerkte ihre Tränen,
die sich mit den Regentropfen vermischten.
Der Himmel weint auch, dachte sie.
Vielleicht sind es Freudentränen, dachte der Himmel.
Tu einen Schritt, sagte der Boden,
der ihr unter den Füßen weggezogen wurde,
tu einen Schritt, du musst hier nicht stehen.
Schließlich verlor sie ihn unter den Füßen,
mit ihm den Halt.
Sie stürzte hinab,
um den Dingen auf den Grund zu gehen.
Die anderen erwärmten ihr sonniges Gemüt.
obwohl die Sonne schien.
Man hatte sie dort stehen gelassen
und war an den Strand gegangen.
Jetzt stand sie im Regen,
die anderen badeten in der Sonne.
Sie weinte,
aber niemand bemerkte ihre Tränen,
die sich mit den Regentropfen vermischten.
Der Himmel weint auch, dachte sie.
Vielleicht sind es Freudentränen, dachte der Himmel.
Tu einen Schritt, sagte der Boden,
der ihr unter den Füßen weggezogen wurde,
tu einen Schritt, du musst hier nicht stehen.
Schließlich verlor sie ihn unter den Füßen,
mit ihm den Halt.
Sie stürzte hinab,
um den Dingen auf den Grund zu gehen.
Die anderen erwärmten ihr sonniges Gemüt.
Wer war Güpi?
Güpi hatte eine Hasenscharte.
Güpi hatte rote Haare und Sommersprossen und blasse Haut.
Güpi war zwei Klassen unter uns.
Güpi war anders als wir.
Güpi hatte keine Freunde.
Güpi war uns aufgefallen. Güpi war dran.
Wir kannten das Wort Mobbing nicht, aber alle wussten, wie es ging.
Ey, Güpi, sag mal was!, riefen wir, damit Güpi etwas sagte.
Wir wollten hören, wie die Worte durch den Hasenschartenfleischwolf klangen.
Wir wollten rätseln, was er gesagt hatte.
Wir lachten, wenn Güpi etwas sagte, denn er glaubte, dass wir wirklich mit ihm reden wollten.
Wir wollten nicht reden, wir wollten hören.
Wir wollten nicht mehr die grauen Säcke hören, die unsere Lehrer waren. Was hatten sie uns beigebracht?
Wir wussten es nicht.
Wir wussten, dass wir mit Leuten, die anders sind als wir, nicht unser Pausenbrot essen sollten.
Wir waren Gymnasiasten.
Wir waren nicht Hilfsschüler.
Wir waren nicht Schwarze.
Wir waren deutsch und gut und Gymnasiasten. Das predigten uns die grauen Säcke.
Güpi konnte einstecken, er war robust.
Manchmal, wenn er heulte, lief eine feine Spur Rotz seine Hasenscharte entlang.
Wer aber war Güpi? Wir kannten nicht mal seinen Namen.
Güpi hatte rote Haare und Sommersprossen und blasse Haut.
Güpi war zwei Klassen unter uns.
Güpi war anders als wir.
Güpi hatte keine Freunde.
Güpi war uns aufgefallen. Güpi war dran.
Wir kannten das Wort Mobbing nicht, aber alle wussten, wie es ging.
Ey, Güpi, sag mal was!, riefen wir, damit Güpi etwas sagte.
Wir wollten hören, wie die Worte durch den Hasenschartenfleischwolf klangen.
Wir wollten rätseln, was er gesagt hatte.
Wir lachten, wenn Güpi etwas sagte, denn er glaubte, dass wir wirklich mit ihm reden wollten.
Wir wollten nicht reden, wir wollten hören.
Wir wollten nicht mehr die grauen Säcke hören, die unsere Lehrer waren. Was hatten sie uns beigebracht?
Wir wussten es nicht.
Wir wussten, dass wir mit Leuten, die anders sind als wir, nicht unser Pausenbrot essen sollten.
Wir waren Gymnasiasten.
Wir waren nicht Hilfsschüler.
Wir waren nicht Schwarze.
Wir waren deutsch und gut und Gymnasiasten. Das predigten uns die grauen Säcke.
Güpi konnte einstecken, er war robust.
Manchmal, wenn er heulte, lief eine feine Spur Rotz seine Hasenscharte entlang.
Wer aber war Güpi? Wir kannten nicht mal seinen Namen.
Lustige Weihnachtsmützen
Es ist Weihnachtszeit!
Das wissen wir alle, denn die Menschen werden hektisch, nehmen laufend Amazon-Pakete an oder irren in Innenstädten herum und suchen vergebens nach Geschäften.
Jahrelang predigte das Weserblatt: Keine Nikoläuse, keine Weihnachtsmänner, keine Mütze in Rot!
Jetzt ist alles anders.
Täglich erscheint ein Foto mit Menschen, die rote Mützen tragen, die wiederum signalisieren sollen, dass es Vorweihnachtszeit ist! Dass es bald soweit ist! Dass wir bald die Bescherung haben!
Als ob wir es nicht selbst wüssten, denn wir sind hektisch und nehmen täglich Pakete - hauptsächlich die unserer Nachbarn, die gerade nicht da sind - an.
Wenn wir nicht unterstellen wollen, dass Menschen mit roten Mützen auf dem Kopf die Menschen ohne rote Mützen für blöd halten, kann es nur einen anderen Grund haben:
Die Rotbemützten haben eine Botschaft!
Hallo, es ist bald Weihnachten und wir sind gar nicht blöd und wissen das!
Hallo, wir sind locker drauf, auch wenn wir schicke weiße Blusen und dunkle Anzüge tragen!
Und der Kaninchenzüchter mit roter Mütze reiht sich ein: Hallo, Kaninchenzüchten ist schön, und besonders vor Weihnachten. Jetzt ist Weihnachten, und das wollen wir zeigen, vor allem, dass Kaninchenzüchten auch vor Weihnachten schön ist. Wir halten euch nicht für blöd.
Der Leser atmet auf; er ist nicht blöd. Das musste aber auch mal gezeigt werden. Und da hat die rote Mütze ihre Berechtigung.
Denen, die mit diesen Botschaften nichts anfangen können, sei ein Trost: Die Osterhasen scharren schon in den Lagerräumen, um baldigst in die Regale zu hoppeln. Dann heißt es: Mütze ab! Obwohl: Bis zum 5.März ist noch Karneval. Da passt die ja auch prima rein.
Das wissen wir alle, denn die Menschen werden hektisch, nehmen laufend Amazon-Pakete an oder irren in Innenstädten herum und suchen vergebens nach Geschäften.
Jahrelang predigte das Weserblatt: Keine Nikoläuse, keine Weihnachtsmänner, keine Mütze in Rot!
Jetzt ist alles anders.
Täglich erscheint ein Foto mit Menschen, die rote Mützen tragen, die wiederum signalisieren sollen, dass es Vorweihnachtszeit ist! Dass es bald soweit ist! Dass wir bald die Bescherung haben!
Als ob wir es nicht selbst wüssten, denn wir sind hektisch und nehmen täglich Pakete - hauptsächlich die unserer Nachbarn, die gerade nicht da sind - an.
Wenn wir nicht unterstellen wollen, dass Menschen mit roten Mützen auf dem Kopf die Menschen ohne rote Mützen für blöd halten, kann es nur einen anderen Grund haben:
Die Rotbemützten haben eine Botschaft!
Hallo, es ist bald Weihnachten und wir sind gar nicht blöd und wissen das!
Hallo, wir sind locker drauf, auch wenn wir schicke weiße Blusen und dunkle Anzüge tragen!
Und der Kaninchenzüchter mit roter Mütze reiht sich ein: Hallo, Kaninchenzüchten ist schön, und besonders vor Weihnachten. Jetzt ist Weihnachten, und das wollen wir zeigen, vor allem, dass Kaninchenzüchten auch vor Weihnachten schön ist. Wir halten euch nicht für blöd.
Der Leser atmet auf; er ist nicht blöd. Das musste aber auch mal gezeigt werden. Und da hat die rote Mütze ihre Berechtigung.
Denen, die mit diesen Botschaften nichts anfangen können, sei ein Trost: Die Osterhasen scharren schon in den Lagerräumen, um baldigst in die Regale zu hoppeln. Dann heißt es: Mütze ab! Obwohl: Bis zum 5.März ist noch Karneval. Da passt die ja auch prima rein.
Menschen und HIlfsmittel
Die Vereinsamung der Menschen schreitet voran und da, wo man früher eine helfende Hand oder ein tröstendes Wort hatte, greift man heute zum Hilfsmittel.
Nicht um Hilfe bitten! Das könnte den Eindruck von Schwäche hinterlassen.
Menschen werden überflüssig; manch einer küsst sein Smartphon oder streichelt den PC.
Wer einen schweren Kopf hat, nimmt lieber die Kopfstütze als Trost, die sagt wenigstens nicht, dass man mal wieder die Haare waschen könnte.
Die Dinge halten ihre Klappe, und wir dürfen bleiben, wie wir sind.
Veränderung schafft Unsicherheit, und die sorgt für Angst.
Wenn jemand mit seinem Bücherregal spricht, war das früher ein Symptom, das in einer Nervenheilanstalt behandelt werden sollte. Heute wundert es niemanden, wenn Menschen beim Discounter mit der Ware sprechen, weil sie ein Headphone umgeschnallt haben und bei Mutti nachfragen, ob sie die Dose Pfirsiche kaufen dürfen. Mutti ist weit genug weg, sodass sie keine Angst machen kann. Notfalls schaltet man aus und greift zu Mandarinen. Letztendlich geht es Mutti nichts an, welches ungesunde Essen auf den Tisch kommt.
Nur diese dumpfe Ahnung von Einsamkeit wabert in der Luft. Und das ist nicht schön.
Nicht um Hilfe bitten! Das könnte den Eindruck von Schwäche hinterlassen.
Menschen werden überflüssig; manch einer küsst sein Smartphon oder streichelt den PC.
Wer einen schweren Kopf hat, nimmt lieber die Kopfstütze als Trost, die sagt wenigstens nicht, dass man mal wieder die Haare waschen könnte.
Die Dinge halten ihre Klappe, und wir dürfen bleiben, wie wir sind.
Veränderung schafft Unsicherheit, und die sorgt für Angst.
Wenn jemand mit seinem Bücherregal spricht, war das früher ein Symptom, das in einer Nervenheilanstalt behandelt werden sollte. Heute wundert es niemanden, wenn Menschen beim Discounter mit der Ware sprechen, weil sie ein Headphone umgeschnallt haben und bei Mutti nachfragen, ob sie die Dose Pfirsiche kaufen dürfen. Mutti ist weit genug weg, sodass sie keine Angst machen kann. Notfalls schaltet man aus und greift zu Mandarinen. Letztendlich geht es Mutti nichts an, welches ungesunde Essen auf den Tisch kommt.
Nur diese dumpfe Ahnung von Einsamkeit wabert in der Luft. Und das ist nicht schön.
Zwischen Traum und Wirklichkeit: Amsterdam
Von Amsterdam zu träumen, weil die Hamster ham, die schäumen, das hab ich im Traum mir abgeschminkt, weil jetzt vielleicht ein Geldpreis winkt, ein Gutschein auch, und ich frage mich, kann denn ein Gutschein winken, kann Geld wirklich stinken, ach, wenn die Metaphern hinken, dann ist Eiszeit in der Seele, dann ist Klumpen in der Kehle, hätte gern drei Kugeln, Schoko, Schoko, Kroko! Kroko hamse se nicht? Dann nehm ich, ach, ich schäme mich, nicht den Nerz, war ein Scherz, Schoko, Schoko,Rosenwurz, was, das schmeckt nach Dosenfurz? Ja, Meister Kugelmacher! Nehm ich Kleister, Schoko, Schoko,Kleister und nicht Kroko, auch nicht Antilope oder Loipe. Wie schmeckt Loipe? So nach Schnee und Skiabdruck, nach Binnensee und nie nach Stuck, vielleicht ein bisschen nach Tapete oder Tapirschwanz,nach fein zerspanter Weihnachtsgans, mit einem Hauch von Hamsterfell, der ganz schnell ranzig wird, ach, Danzig, Danzig, ach, von dieser Stadt will ich jetzt träumen, weil da die Wellen schäumen, wo braune Gischt auf meine weißen Turnschuh zischt und mir versaut. Vor Danzig hat mir immer schon gegraut.
Ballsport: Was ist los in Bayern?
Man fragt sich: Hat Mediendirektor Markus Hörwick einen Ball vor den Kopf gekriegt und ist er seitdem "nicht mehr sauber am Ticken", wie man in der Sechzigern gern auch im Ruhrgebiet fragte?
Pepsi Guardiola ist sauer, weil ein Spieler Trainingsgeheimnisse ausgeplaudert hat.
Hörwick mischt sich dazu und versucht zu dämpfen:
"Das Thema werde 'ganz klein aufgehangen'.
Mal abgesehen vom Partizip Perfekt des Verbs "aufhängen" - alle wissen, dass das bestimmten Menschengruppen Schwierigkeiten bereitet - was meint Hörwick damit?
Hat der Mann einen der in Pakistan oder mittlerweile in China zu Dumpingpreisen handgenähten Fußbälle vor den Schädel bekommen und lallt jetzt dummes Zeug?
Früher hielt man die Fußballer für doof, heute hat man eher die Manager im Blick, die sich beim Stehlen, sprich: beim Steuerbetrug, erwischen lassen.
Zutreffend ist das Adjektiv eigentlich für Leute, die diffusen Brei kauen und durch vollen Mund Blödsinn nuscheln.
Nicht Hörwick. Hörweck. Hörweck! Als Imperativ. Das wär's! Leider steht der Unsinn geschrieben, und ein Liesweck! gibt es nicht.
Pepsi Guardiola ist sauer, weil ein Spieler Trainingsgeheimnisse ausgeplaudert hat.
Hörwick mischt sich dazu und versucht zu dämpfen:
"Das Thema werde 'ganz klein aufgehangen'.
Mal abgesehen vom Partizip Perfekt des Verbs "aufhängen" - alle wissen, dass das bestimmten Menschengruppen Schwierigkeiten bereitet - was meint Hörwick damit?
Hat der Mann einen der in Pakistan oder mittlerweile in China zu Dumpingpreisen handgenähten Fußbälle vor den Schädel bekommen und lallt jetzt dummes Zeug?
Früher hielt man die Fußballer für doof, heute hat man eher die Manager im Blick, die sich beim Stehlen, sprich: beim Steuerbetrug, erwischen lassen.
Zutreffend ist das Adjektiv eigentlich für Leute, die diffusen Brei kauen und durch vollen Mund Blödsinn nuscheln.
Nicht Hörwick. Hörweck. Hörweck! Als Imperativ. Das wär's! Leider steht der Unsinn geschrieben, und ein Liesweck! gibt es nicht.
Vereinfachung der deutschen Sprache
Der Verein zur Vereinfachung der Deutschen Sprache (VzVdDS) hat vorgeschlagen, das Wort "Damenarmbanduhr" in die kürzere Form "Darmbanduhr" zu transformieren.
Jemand, der das neue Wort sechzigmal ausspricht, soll eine Minute Zeit gespart haben. Das könne man hochrechnen und hätte dann am Lebensende ein erkleckliches Sümmchen Zeit auf dem Konto.
Aus dem Männerlager wird allerdings Kritik laut, da man als Mann das Wort "Damenarmbanduhr" nur selten ausspräche, wenn überhaupt, dann vielleicht zwei- bis dreimal im Leben. Drei Sekunden Zeitersparnis wären nicht genug, um über die Wortneuschöpfung überhaupt ansatzweise zu diskutieren. Das würde nämlich Zeit vergeuden, und schnell sei man im Minus. Wertvolle Minuten würden am Ende des Lebens fehlen.
Der Verband der Uhrenverkäufer dementiert und fördert das neue Wort, denn den Mitglieder ginge schon einige Zeit flöten. Die könnte eine "Darmbanduhr" kompensieren.
Allerdings wehrt sich der Verband gegen eine Verweiblichung des Wortes Uhr, angelehnt an die Tendenzen an der Uni Leipzig. "Uhrin" diffamiere dann doch eine hochangesehene Zunft, die sich manchmal auf den Wecker gehe aber immer noch wisse, was die Uhr tickt, oder wann's Zeit wird.
Jemand, der das neue Wort sechzigmal ausspricht, soll eine Minute Zeit gespart haben. Das könne man hochrechnen und hätte dann am Lebensende ein erkleckliches Sümmchen Zeit auf dem Konto.
Aus dem Männerlager wird allerdings Kritik laut, da man als Mann das Wort "Damenarmbanduhr" nur selten ausspräche, wenn überhaupt, dann vielleicht zwei- bis dreimal im Leben. Drei Sekunden Zeitersparnis wären nicht genug, um über die Wortneuschöpfung überhaupt ansatzweise zu diskutieren. Das würde nämlich Zeit vergeuden, und schnell sei man im Minus. Wertvolle Minuten würden am Ende des Lebens fehlen.
Der Verband der Uhrenverkäufer dementiert und fördert das neue Wort, denn den Mitglieder ginge schon einige Zeit flöten. Die könnte eine "Darmbanduhr" kompensieren.
Allerdings wehrt sich der Verband gegen eine Verweiblichung des Wortes Uhr, angelehnt an die Tendenzen an der Uni Leipzig. "Uhrin" diffamiere dann doch eine hochangesehene Zunft, die sich manchmal auf den Wecker gehe aber immer noch wisse, was die Uhr tickt, oder wann's Zeit wird.
Georg Krakl: Schlussmachen (2103)
![]() |
| Jetzt ist mal Schluss, z.B. mit Bluterguss |
mit all dem Stuss
von Kunstgenuss
und Überdruss
und Hexenschuss
mit Tinnitus
und Bluterguss
Kumulus
am Himmel
Weihnachtsmarktgewimmel
und Unterdruss
und Überfluss
und Überbein
im Sportverein
mit Ferkeltod
und Merkelrot
mit Wahlversprechen
Aalgebrechen
Nur-1-Euro-Jobs
und Alkopops
mit Steuersenkung
Hirnverrenkung
Schluss mit Energie
und Synergie
und Sympathie
und Empathie
und Apathie
und Aderlass
und Unterlass
und Badespass
und Reisepass
und Regenguss
und Zungenkuss
und Zaubernuss
und Pfiffikus
und Sozius
und Syndikus
und Armverschluss
und Ibichen des Kranikus
und Ikarus
das ist Beschluss
Es ist jetzt Schluss
mit Omnibus!
Und Schluss
mit Linienbus!
Schön wäre Überschuss.
Ansonsten Schluss
mit Omnibus!
Jetzt ist mal Schluss,
endgültig Schluss.
und Unterdruss
und Überfluss
und Überbein
im Sportverein
mit Ferkeltod
und Merkelrot
mit Wahlversprechen
Aalgebrechen
Nur-1-Euro-Jobs
und Alkopops
mit Steuersenkung
Hirnverrenkung
Schluss mit Energie
und Synergie
und Sympathie
und Empathie
und Apathie
und Aderlass
und Unterlass
und Badespass
und Reisepass
und Regenguss
und Zungenkuss
und Zaubernuss
und Pfiffikus
und Sozius
und Syndikus
und Armverschluss
und Ibichen des Kranikus
und Ikarus
das ist Beschluss
Es ist jetzt Schluss
mit Omnibus!
Und Schluss
mit Linienbus!
Schön wäre Überschuss.
Ansonsten Schluss
mit Omnibus!
Jetzt ist mal Schluss,
endgültig Schluss.
Gescheiterte oder gescheite Gescheitelte?
Manchmal sind die Gescheitelten die Gescheiterten, auch wenn
sie nicht so wirken und gern die Gescheiten sein wollen; vielleicht sind sie an
ihrem Wunsch zerbrochen. Dabei vermitteln Gescheitelte so viel Gutes:
Der ordentliche Scheitel verbreitet immer das Gefühl von Ordnung
und von Bürokratismus, der wiederum ein gutes Gefühl der Sicherheit gibt.
Der Scheitel ist die Liste am Kopf.
Er macht übersichtlich.
Der Mensch wird am Kopf in zwei Bereiche geteilt, einen
kleinen und einen großen und er erhält dadurch Struktur, wenn auch ohne Inhalt.
Sie wird der Mensch fassbarer und damit auch liebenswerter;
all die Unfassbaren, weil schmierig und unstrukturiert und irgendwie glitschig,
bleiben gehasst.
Die Gescheitelten werden geliebt, dessen können sie sich
gewiss sein.
Der mit dem Mittelscheitel ist nicht für klein und groß,
sondern er betont das Gleichgroße, den Ausgleich, die Harmonie. Er ist im
Universum das Besondere, denn er hebt sich ab von der Rechtslinksmasse oder der
Linksrechtsmenge, die am liebsten im Gleichschritt herumtrampeln würde. Der
Mittelgescheitelte ist der Ausgewogene.
Nicht umsonst kommt das Wort gescheit von Scheitel. Und wer
möchte das nicht sein? Wenigstens möchte er so wirken.
Deswegen begegnet gescheitelten Menschen mit Respekt, denn
im Grunde genommen haben sie es nicht leicht. Leicht ist es, ein Wuschelkopf zu
sein. Wo aber sollten die Friseure bleiben, wenn es nur eine Welt voller
Wuschelköpfe gäbe?
Kunst mit dem Geodreieck: Piet Schlendrian - KWAdraht
![]() |
| Piet Schlendrian: KWAdraht (2013) |
Schlendrain, der alte Wenigmaler, benutzt in seinem aktuellen Bild, das man gern dem Neoplastizismus von Piet Mondrian zuordnen möchte, sogar nur noch drei Farben, wahrscheinlich ist ihm das Deckweiß ausgegangen.
Mit seinem Titel KWAdraht erregt er, wenn überhaupt, mehr Aufsehen, als durch seine Farbrechtecke.
Das Quadrat - man sollte mal ausmessen, ob es wirklich ein Quadrat ist, oder nur eine optische Täuschung - scheint an einem Draht zu hängen, wenn auch nicht mittig, was eine Schieflage zur Folge hätte. Das Viereck ist aber absolut im Lot und ausgefüllt mit roter Farbe. Das Blau ähnelt einer Schleuse gleich rechts angestaut und links abgelassen, das Quadrat wirkt wie ein Damm, der nicht hält, denn unter ihm spült das Blaue auf die andere Seite. Osmose scheint zu drohen, die jeder Gymnasiast aus der Schule kennt. Die Membran fehlt allerdings und ist damit nicht mal semipermeabel.
Das Quadrat, das nach dem Kreis auf Platz zwei der vollkommenen geometrischen Körper steht und in der Quadratur des Kreises Berühmtheit erlangt hat, symbolisiert wohl die penetrante Matheformelpaukerei und kritisiert ihren Sinn, denn die Fläche, wäre sie ein Körper, überwindet die Gesetze von Mathematik und Physik, die ja wohl verwandt sind.
Was das Gelbe soll? Hier gibt der Künstler sich scheinbar selber die Antwort auf die Frage nach der Qualität des Bildes: Nicht das Gelbe vom Ei.
Damit wäre wohl alles gesagt und den Spekulationen - besonders in der Vorweihnachtszeit - ist ein Ende gesetzt.
Georg Krakl - Lyrik (2013)
Die Menschen, die so weitgelaufen und so offentürig,
die den Füchsen gleich, so schlau und schnürig,
die nicht träge, aber rührig,
die erwärmt im Herzen schnell die Lyrik.
Auch den schlichten
Reimgedichten
wohnt ein Anfang inne.
Also dann, in diesem Sinne!
(Hermann Hesse gewidmet)
die den Füchsen gleich, so schlau und schnürig,
die nicht träge, aber rührig,
die erwärmt im Herzen schnell die Lyrik.
Auch den schlichten
Reimgedichten
wohnt ein Anfang inne.
Also dann, in diesem Sinne!
(Hermann Hesse gewidmet)
Georg Krakl - Der Rezensent (2013)
Der Rezensent schreibt sein Geschwafel
gern auf eine Schiefertafel.
Hab ich Mist geschrieben?
Weggewischt und abgerieben!
Und Papier gespart! Den ungefällten Bäumen wiegt das schwer.
Was will Rezensent noch mehr?
Selber mal Gedichte schreiben!
Doch in ihm steckt nicht ein Keim
von Reim.
Gedichte schreiben, Rezensent? Das lass mal lieber bleiben!
Es liegen dir das Wischen und das Reiben
und das Schreiben von Geschwafel
auf der Schiefertafel.
gern auf eine Schiefertafel.
Hab ich Mist geschrieben?
Weggewischt und abgerieben!
Und Papier gespart! Den ungefällten Bäumen wiegt das schwer.
Was will Rezensent noch mehr?
Selber mal Gedichte schreiben!
Doch in ihm steckt nicht ein Keim
von Reim.
Gedichte schreiben, Rezensent? Das lass mal lieber bleiben!
Es liegen dir das Wischen und das Reiben
und das Schreiben von Geschwafel
auf der Schiefertafel.
Reime, die in die Geschichte eingingen: Georg Krakl - Einmal (2013)
Halt den Schnabel,
Abel!
Einmal
ist Kainmal.
Abel!
Einmal
ist Kainmal.
Farben in der Notaufnahme
![]() |
| Blau - da bist du in der Notaufnahme eigentlich falsch. |
Natürlich hatte die Dame am Aufnahmeschalter der Notaufnahme einen Moment Zeit. Eben noch hatte sie mit dem Pfleger über die Urlaubspläne gesprochen.
Ich hatte auch einen Moment Zeit. Ich wartete zwar, aber nicht darauf dranzukommen. Ich hatte gesessen, hatte gestanden, war herumgegangen.
Es gab keine Lesemappen, nur langweilige Prospekte über das Krankenhaus. Diese aber hundertfach.
Beim Herumwandern war mein Blick auf die schönen Farben einer Wandtafel gefallen.
Hier wurden Patienten bestimmten Farben zugeteilt; je nach Dringlichkeit der Behandlung, je nach Schwere der Erkrankung.
Ich fragte die Dame an der Rezeption: Woher weiß denn der Patient, dass er blau ist?
Die Dame stutzte, ich korrigierte meine Frage, denn die war offensichtlich missverständlich.
Er schwankt oder sieht doppelt, ergänze ich leise, frage aber dann: Woher weiß denn der Patient, dass er rot ist? Um Missverständnissen vorzubeugen, deute ich auf die Wandtafel.
Da hinten, die Wandtafel! Wo tauchen denn die Farben wieder auf, damit der Patient weiß, dass er rot,orange, gelb, grün oder blau ist?
Der Patient merkt das schon ...., antwortete der Weißkittel.
Bekommt der einen Laufzettel mit der Farbe?, lasse ich nicht locker.
Nein, die knappe Antwort.
Vielleicht sprüht man ihm die Farbe auf die Stirn, die nur die Behandelnden sehen können, denke ich für mich.
Das ist mal irgendwann festgelegt worden, damit man die Reihenfolge der Behandlungen sinnvoll strukturiert. Die Notfälle zuerst.
Aber woher weiß denn der Patient, dass er rot ist. Oder blau? Das sagt ihm doch keiner.
Nein. Der Patient merkt das an der Wartezeit.
Aha. Ich denke nach.
Je länger ich warte, desto ungefährlicher die Erkrankung. Ein Trugschluss zu denken, dass man nach langen Wartezeiten das Krankenhaus gesund verlässt, weil man es scheinbar auch gesund betreten hat.
Wenn ich lange warten muss, werde ich oft rot - weil ich mich ärgere.
Wer rot ist, kommt sofort dran, das ist ja so festgelegt, ergänzt die Dame, aber ich kann mich nicht richtig mit dem Farbensystem anfreunden.
Jetzt taucht ein neuer Patient auf und ich vermute, der ist höchstens grün, denn man erkundet erst, welcher Krankenkasse er angehört und ob er eine Versicherungskarte dabei hat. Dann kann es nicht so dringend sein. Vielleicht ist er auch orange, und kann nicht sofort drankommen, obwohl nicht viel los ist in dieser Nacht. Aber so hat man seine auf der Wandtafel festgelegte Wartezeit sinnvoll überbrückt.
Ich sollte mich nicht beklagen, ich als Nichtpatient, als lediglich Wartender, ich habe keine Farbe und auch keine offizielle Wartezeit.
Ich will nach Hause. Alle Prospekte sind gelesen, alle Gänge abgegangen, jede Wandtafel betrachtet.
Die Dame an der Rezeption hat jetzt keinen Moment Zeit mehr, aber ich kann mich gedulden. Vielleicht wird sie ihre Antwort noch ergänzen.
Gelernt habe ich auf jeden Fall etwas. Ob es etwas Sinnvolles ist, bleibt abzuwarten.
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