Grillfleisch wird durch längeres Verweilen auf dem Grill zwar nicht gesünder, aber dunkler.
Vorteil: Man sieht nicht mehr genau, von welchem Tier es stammt und auch unästhetische Stellen und Einschlüsse werden geschickt kaschiert.
Man sollte verlauten lassen, es handele sich um eine Salzkruste, die das Beutetier ummantele; dann wird auch das Schwarze am Schweinebein geschluckt.
Häufig schmeckt ein Stück Grillgut nach einem Tier, das keiner essen will. Auch dieses Problem lässt sich durch "Übergrillen" elegant lösen.
Dass krebserregende Nitrosamine durch diesen Vorgang entstehen, sollte weiterhin als "Gerücht" verkauft werden, häufig hilft die völlig falsche Frage: Ist das nicht ein Dünger, der im Gemüseanbau benutzt wird?
Der Seitenhieb auf die Vegetarier - die leben nämlich auch nicht gesund- lässt unbeeindruckt weiterschlemmen.
Wie heißt es so schön: Iss man tüchtig, damit du was auf die Rippen kriegst....
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Tonnes Tagebuch: Ja, wo war'n Sie denn?
Liebes Tagebuch!
Wie ich es hasse! Oh, wie ich es hasse!
Da war ich in einem Konzert, Tschaikowsky, zwei Stunden lang Tschaikowsky, leise Töne, sanfte Töne, starke, Töne, laute Töne, richtig laute Töne! Hurra! schrie ich innerlich, das ist Tschaikosky, da muss er sich nicht in der kalten Newa umdrehen, da kann er sagen: Gut gemacht, Jungs, so habe ich es mir vorgestellt, so muss das rüberkommen.
Der Virtuose mit seiner Zaubergeige geigt furios und dann wieder zart, wie hingehaucht; wenn er gerade nichts zu spielen hat, steht er ein wenig unsicher herum, fängt dann an, mitzusummen, lächelt und schwankt ein bisschen hin und her, er ist nicht mehr auf der Bühne, sondern ganz in der Musik.
Hurra! Wie viel Seele hat die Musik, wie viel haben die Musiker!
Und das ist keine Frage, sondern ein Ausruf.
Sogar der Kritiker mit der Profilneurose schreibt am nächsten Tag gnädig über die Aufführung, fast, als habe es ihm ausgesprochen gut gefallen.
Fünf Tage später ein Leserbrief im selben Blatt, in dem auch der Kritiker veröffentlicht.
Ich will meinen Augen nicht trauen: Wo ist der Mann denn gewesen?
Ihm habe die Seele gefehlt. Also, nicht ihm; aber den anderen auf der Bühne.
Hallo, Meister?
Aus welchem kranken Hirn ist denn dieser Satz geboren? Welche verkrüppelte Beamtenseele, dessen Besitzer sich mit dem Wegstapeln und Zurückstapeln von Akten beschäftigen muss, zwingt denn den Wirtskörper zu solch einer hochpotenziert dummen Frage? Was hört der Kerl denn sonst? Beseelten Musikantenstadl?
Ich unterstelle, dass der Schreiber, dem offenbar die Empathie fehlt, wohl dem übersäuerten Milieu des eingebildeten Bildungsbürgertum entstammen muss, denn wo findet man solche arrogante Frechheiten, die die Schreibenden im Grunde bereits disqualifizieren, wenn nicht dort? Da, wo sich Selbstgefälligtkeit und Gefühlslosigkeit ständig Opfer suchen müssen, um den Druck loszuwerden, der sich angesichts der täglich erlebten Ungeliebtheit aufbaut.
Der Klugscheißer hackt auf dem Virtousen rum, denn der Klugscheißer muss nicht spielen, muss nichts leisten, kann aber jammern, dass die Musikanten nicht seine leergeräumte Seele mit neuem Inhalt gefüllt hätten. Das ist aber nicht die Aufgabe der Künstler, denn das geht gar nicht, weil in einem solchen Konzertbesucher der Platz für eine Seele nicht vorgesehen ist. Wie aber will er beurteilen, ob mit Seele gespielt wird, wenn er nicht weiß, was das überhaupt ist?
Die haben zu laut gespielt.
In schlichte Worte zusammengefasst der zweite Teil der Kritik.
Ja, verdammt, da ist eben kein Lautstärkeregler am Orchester! Schon mal drüber nachgedacht?
Und: Lautes muss laut gespielt werden, sonst ist es leise.
Binsenweisheit.
Lautstärkerregler hin und her; manchem wünscht man sich, wenn auch politisch nicht korrekt, einen Ein- und Ausstellknopf am Kopf.
Danke, liebes Tagebuch, dass ich mich mal wieder richtig aufregen durfte, das tut so gut, das befreit. Ich könnte dir jetzt noch den Namen des Briefschreibers nennen, irgendwas mit Sack oder Säckel, aber das tue ich nicht, weil man das nicht tut. Wegen politischer Korrektheit.
Vorhin habe ich einem Bettler einen Euro geschenkt. Das war auch schön.
Wie ich es hasse! Oh, wie ich es hasse!
Da war ich in einem Konzert, Tschaikowsky, zwei Stunden lang Tschaikowsky, leise Töne, sanfte Töne, starke, Töne, laute Töne, richtig laute Töne! Hurra! schrie ich innerlich, das ist Tschaikosky, da muss er sich nicht in der kalten Newa umdrehen, da kann er sagen: Gut gemacht, Jungs, so habe ich es mir vorgestellt, so muss das rüberkommen.
Der Virtuose mit seiner Zaubergeige geigt furios und dann wieder zart, wie hingehaucht; wenn er gerade nichts zu spielen hat, steht er ein wenig unsicher herum, fängt dann an, mitzusummen, lächelt und schwankt ein bisschen hin und her, er ist nicht mehr auf der Bühne, sondern ganz in der Musik.
Hurra! Wie viel Seele hat die Musik, wie viel haben die Musiker!
Und das ist keine Frage, sondern ein Ausruf.
Sogar der Kritiker mit der Profilneurose schreibt am nächsten Tag gnädig über die Aufführung, fast, als habe es ihm ausgesprochen gut gefallen.
Fünf Tage später ein Leserbrief im selben Blatt, in dem auch der Kritiker veröffentlicht.
Ich will meinen Augen nicht trauen: Wo ist der Mann denn gewesen?
Ihm habe die Seele gefehlt. Also, nicht ihm; aber den anderen auf der Bühne.
Hallo, Meister?
Aus welchem kranken Hirn ist denn dieser Satz geboren? Welche verkrüppelte Beamtenseele, dessen Besitzer sich mit dem Wegstapeln und Zurückstapeln von Akten beschäftigen muss, zwingt denn den Wirtskörper zu solch einer hochpotenziert dummen Frage? Was hört der Kerl denn sonst? Beseelten Musikantenstadl?
Ich unterstelle, dass der Schreiber, dem offenbar die Empathie fehlt, wohl dem übersäuerten Milieu des eingebildeten Bildungsbürgertum entstammen muss, denn wo findet man solche arrogante Frechheiten, die die Schreibenden im Grunde bereits disqualifizieren, wenn nicht dort? Da, wo sich Selbstgefälligtkeit und Gefühlslosigkeit ständig Opfer suchen müssen, um den Druck loszuwerden, der sich angesichts der täglich erlebten Ungeliebtheit aufbaut.
Der Klugscheißer hackt auf dem Virtousen rum, denn der Klugscheißer muss nicht spielen, muss nichts leisten, kann aber jammern, dass die Musikanten nicht seine leergeräumte Seele mit neuem Inhalt gefüllt hätten. Das ist aber nicht die Aufgabe der Künstler, denn das geht gar nicht, weil in einem solchen Konzertbesucher der Platz für eine Seele nicht vorgesehen ist. Wie aber will er beurteilen, ob mit Seele gespielt wird, wenn er nicht weiß, was das überhaupt ist?
Die haben zu laut gespielt.
In schlichte Worte zusammengefasst der zweite Teil der Kritik.
Ja, verdammt, da ist eben kein Lautstärkeregler am Orchester! Schon mal drüber nachgedacht?
Und: Lautes muss laut gespielt werden, sonst ist es leise.
Binsenweisheit.
Lautstärkerregler hin und her; manchem wünscht man sich, wenn auch politisch nicht korrekt, einen Ein- und Ausstellknopf am Kopf.
Danke, liebes Tagebuch, dass ich mich mal wieder richtig aufregen durfte, das tut so gut, das befreit. Ich könnte dir jetzt noch den Namen des Briefschreibers nennen, irgendwas mit Sack oder Säckel, aber das tue ich nicht, weil man das nicht tut. Wegen politischer Korrektheit.
Vorhin habe ich einem Bettler einen Euro geschenkt. Das war auch schön.
Ernst G.Meint: Kuss (2013)
Den Kuss hatte er sich romantischer vorgestellt. Der war
doch immer Station auf der Gesamtentwicklung des Werbens und Eroberns. Er hatte
ihn eher süß imaginiert, so wie von Dichtern besungen, beschrieben, bereimt.
Jetzt fühlte er sich nicht mehr Herr seiner Lage. Die
beworbene Dame hing an seiner Lippe, sie hatte sich förmlich festgesaugt und
wollte nicht loslassen.
Er fühlte sich bedrängt, seiner Eroberungsfähigkeiten
beraubt, gelähmt und zu Passivität verdammt.
Ein abruptes Trennen der Münder würde ein Fiasko auslösen.
Das war ihm fern, rückte in seinen Überlegungen aber mählich näher.
Wenn der Kuss schon nicht süß war, wie sollte der Rest
werden, vielleicht der Rest seines Lebens?
Die beworbene Dame musste Knoblauch gegessen haben, denn ihr
Kuss war eher würzig als süß. Zuckrig hätte es auch getan, aber der Hauch von
Gemüsebrühe blockierte seine Sensoren, die Synapsen waren am Japsen, sie
schrien Alarm!, keuchten und wollten besänftigt werden.
Ihr Kuss war nicht mal sanft, er war kräftig, besitzergreifend,
gefangennehmend.
Mit einem Ruck riss er den Kopf zurück, ein Schmatzen zeugte
von der Trennung der Lippen.
Entschuldigung, meine Dame, ich glaube, ich habe sie
verwechselt, murmelte er und eilte Richtung S-Bahn-Station. Die 11er um 19.01
konnte er noch schaffen, wenn er sich beeilte.
Wie Vorurteile entstehen
Mag sein, dass man verwirrt ist, weil alles um einen herum kopfsteht, oder man selber steht kopf, weil einem der Chef die unqualifizierte Meinung gesagt hat, sei es, weil der Hund unleidlich ist, oder die Katze sich nicht streicheln lässt, zusammengefasst, dass wir meinen, niemand habe uns lieb, dann kann das zu Verzerrungen der Wahrnehmung führen.
Ein Beispiel: Aus einer formschönen, aber ein wenig, da Silber, schwarz angelaufenen Halskette wird plötzlich eine Tapirfrau:
Nun ist es noch kein Vorurteil, dass eine Halskette als Tapirfrau identifiziert wird.
Aber da die Menschen herzlich wenig über Tapirfrauen wissen, füllt man die Lücken dieses Minimalwissens mit Vermutetem oder scheinbar Plausiblem.
Das Tapir ist eine Art langrüsseliges Wildschein und irgendwie ein Unpaarhufer, will sagen, ist mit zwei linken Beinen aufgestanden und verbreitet dann schlechte Laune.
Typisch Tapirfrau!, heißt es dann, Und die lange Nase immer überall reinstecken! Rumschnüffeln, ob's was zu riechen gibt. Ja, hallo! Jetzt mal Schluss damit, Tapirfrau!
Kannst kaum gucken aus deinem schwarzen Augen, und einen Eierkopp hast du auch! Also, halt dich zurück.
Im Grunde hast du doch den Intelligenzquotienten einer Halskette. Null nämlich, denn Halsketten haben kein Hirn!
Interessanterweise werde solche vorurteilshafte Reden von Männern geschwungen, die eine Frau als Chef haben, womit mal wieder bewiesen ist, dass es Frauen durchaus nachzusehen ist, wenn sie auf Gesicht und Äußeres achten und zum Gesichterschneider gehen, damit der ein paar Unebenheiten abfiletiert.
Denn wer will sich schon Diskriminierungen aussetzen, wenn das auch ohne geht.
Wer weiß, was der Brüderle dazu gesagt hätte; der ist ja auch so ein Augenmensch.
Ein Beispiel: Aus einer formschönen, aber ein wenig, da Silber, schwarz angelaufenen Halskette wird plötzlich eine Tapirfrau:
![]() |
| Formschöne Halskette |
![]() |
| Tapirfrau |
Aber da die Menschen herzlich wenig über Tapirfrauen wissen, füllt man die Lücken dieses Minimalwissens mit Vermutetem oder scheinbar Plausiblem.
Das Tapir ist eine Art langrüsseliges Wildschein und irgendwie ein Unpaarhufer, will sagen, ist mit zwei linken Beinen aufgestanden und verbreitet dann schlechte Laune.
Typisch Tapirfrau!, heißt es dann, Und die lange Nase immer überall reinstecken! Rumschnüffeln, ob's was zu riechen gibt. Ja, hallo! Jetzt mal Schluss damit, Tapirfrau!
Kannst kaum gucken aus deinem schwarzen Augen, und einen Eierkopp hast du auch! Also, halt dich zurück.
Im Grunde hast du doch den Intelligenzquotienten einer Halskette. Null nämlich, denn Halsketten haben kein Hirn!
Interessanterweise werde solche vorurteilshafte Reden von Männern geschwungen, die eine Frau als Chef haben, womit mal wieder bewiesen ist, dass es Frauen durchaus nachzusehen ist, wenn sie auf Gesicht und Äußeres achten und zum Gesichterschneider gehen, damit der ein paar Unebenheiten abfiletiert.
Denn wer will sich schon Diskriminierungen aussetzen, wenn das auch ohne geht.
Wer weiß, was der Brüderle dazu gesagt hätte; der ist ja auch so ein Augenmensch.
Tonnes Tagebuch: Eskimos
Liebes Tagebuch!
Es ist unglaublich, wenn man daran denkt, was auf der Welt alles zur gleichen Zeit passiert.
Ich habe vorhin daran gedacht und mir wurde ganz schwindlig.
Während ich das denke, dachte ich, stirbt vielleicht gerade ein Hund, da findet jemand Pferdefleisch in der Fertig-Lasagne und Putin sitzt im Kreml und setzt Patina an.
In derselben Zeit badet jemand im Mittelmeer und ein Kind in Pakistan näht einen Fußball, für den die Familie 35 Cent erhält. Jogi Löw macht ein Verdauungsschläfchen, während Leonardo diCapro Giselle Bündchen hinterherjammert, oder sich mit einer Neuen vergnügt. Der ist ganz schön fett geworden, aber es gibt ja immer Frauen, die auch das Dickliche mögen, weil es so gemütlich ist. Es sind wohl auch eher Geld und Ruhm und dicke Autos, die den Mann attraktiv machen.Oder dicke Zigarren. Rudi Assauer mit der Tatorkommissarin, heute hat er alles vergessen und sie ist froh darüber.
Während ich Tagebuch schreibe, läuft eine Familie durch den Schneematsch und ärgert sich über vorbeifahrende Autos, die ihnen Dreck an den Kinderwagen klatschen. Tempo 30 war das nicht. Und dann die Eskimos; was machen die jetzt? Bierdosen leeren und zusammenquetschen, über die Schulter mit geschlossenen Augen von der Schneebar in den Mülleimer werfen. Den gibt es aber gar nicht, nur so einen aus Schnee, der im Frühjahr wieder schmilzt. Aber dann sie die Eskimos wohl längst unterwegs zum Südpol, weil es da wärmer ist.
Wahnsinn. Einfach nur Wahnsinn.
Weisheit des Alltags: Löffel abgeben
Warum willst du den Löffel abgeben,
wenn du noch nicht mal alle Tassen im Schrank hast?
wenn du noch nicht mal alle Tassen im Schrank hast?
Lyrik des Tages: Hera Blind - Männer und Frauen (2013)
angelehnt an wände
keine eile
nichts zu tun
und wartend auf den bus
ruhend ihre Hände
weile eine weile!
spricht der typ mit nappajacke
ruhen ist ein muss!
sagt der mann mit hundekacke
unterm rechten fuß
nur die frauen schweigen
reden schon ist viel zu viel
denken nur an bügeln,plätten,sticken,
putzen, rubbeln, flicken,
bohnern,scheuern, kochen,
nieten -vorher lochen-
denken, nur dran denken,
denken diese frauen, nicht die zeit verschenken
an das tun, gedanken lenken
ohne eile
in die langeweile.
Traurig, traurig: Die Leselampe
An eine vergilbte, knittrige Leselampe mit Papierschirm zu starren, macht keine guten Gefühle: Es erinnert an die Vergänglichkeit des Seins, dass die Haut nicht mehr glatt, weiß und straff ist, sonder faltig, nikotingelb und lasch am Körper herunterhängt.
Die Leselampe ist so designt und schon seit jungen Jahren so gewesen. Sie altert nur mit der Verqualmung der Raumluft, bleibt aber insgeheim immer jung, denn sie nutzt sich nicht ab wie das gelesene Buch.
Wir aber sind wie das Buch, das die Leselampe bestrahlt. Ohne sie wären wir nicht nur schlaff und knittrig, sondern sogar schlecht beleuchtet, wenn nicht sogar unterbelichtet.
Traurige Perspektive; Abhilfe kann eine Stirnlampe bieten, die spart obendrein, weil mit LED-Birnen bestückt, wertvolle Energie.
Lustige Werbung: Die ersten Frühlingsboten sind da...
Was will uns der Anbieter sagen?
Die ersten Frühlingsboten sind da?
Die ersten Menschen kramen die Boliden aus dem Keller und fräsen über das graue Braun, das im letzten Jahr ein saftiger Rasen gewesen ist?
Schneeglöckchen, ja, die kann man abmähen. Das sind Frühlingsboten. Die Frage ist allerdings, warum?
Stehen lassen ist auch nicht schlecht, denn das ist ein Lichtblick in dunkler Zeit.
Vielleicht meint der pfiffige Anbieter auch, dass die Rasenmäher selbst die Frühlingsboten sind.
Lauscht, ihr Leute, lauscht, ob ihr das sonore Brummen eines Elektromähers oder das kraftvolle Scheppern eines Benziners hört.
Am verklärten Blick der Hinterherlaufenden könnt ihr die Botschaft ablesen: Es ist Frühling! Es gibt was zu mähen.
Auch wenn das nicht stimmt, stimmt der Vorgang, wenngleich ohne Mähertrag, ein auf das große Frühlingswohlbefinden, das den Gartenbesitzer jedes Jahr überkommt.
Die anderen versinken in intensiver Frühjahrsmüdigkeit und machen ein letztes Nickerchen vor dem Sommer.
Aber: Vielleicht gibt ja doch was zu mähen, man muss nur die Augen offen halten. Auch Gegner der Werbung stellen immer wieder fest: Werbung kann auch recht haben. Muss aber nicht.
Die ersten Frühlingsboten sind da?
Die ersten Menschen kramen die Boliden aus dem Keller und fräsen über das graue Braun, das im letzten Jahr ein saftiger Rasen gewesen ist?
Schneeglöckchen, ja, die kann man abmähen. Das sind Frühlingsboten. Die Frage ist allerdings, warum?
Stehen lassen ist auch nicht schlecht, denn das ist ein Lichtblick in dunkler Zeit.
Vielleicht meint der pfiffige Anbieter auch, dass die Rasenmäher selbst die Frühlingsboten sind.
Lauscht, ihr Leute, lauscht, ob ihr das sonore Brummen eines Elektromähers oder das kraftvolle Scheppern eines Benziners hört.
Am verklärten Blick der Hinterherlaufenden könnt ihr die Botschaft ablesen: Es ist Frühling! Es gibt was zu mähen.
Auch wenn das nicht stimmt, stimmt der Vorgang, wenngleich ohne Mähertrag, ein auf das große Frühlingswohlbefinden, das den Gartenbesitzer jedes Jahr überkommt.
Die anderen versinken in intensiver Frühjahrsmüdigkeit und machen ein letztes Nickerchen vor dem Sommer.
Aber: Vielleicht gibt ja doch was zu mähen, man muss nur die Augen offen halten. Auch Gegner der Werbung stellen immer wieder fest: Werbung kann auch recht haben. Muss aber nicht.
Georg Krakl: Huhn (2013)
im Tun.
Des Tages Körner picken,
und des Nachts auf einer Stange ruh'n.
Den Menschen will das so nicht glücken.
Fotokunst der Sechziger: Tulpen vor Gartenstühlen
![]() |
| Helmuth Neuton: Tulpen vor Gartenstühlen (1967) |
Die Betonplatte war fertig, die Gartenstühle standen, alles streng nach Norden ausgerichtet; die Tulpen blühten, das Schwein hatte die Mistkuhle das erste Mal seit dem Winter bewühlt. Der Himmel blau und die Menschen friedlich. Dorf hatte Ruh. Ülldülle, wie man es nannte, weil man die Schreibung ignorierte. Schöne Zeiten, als die Menschen sich einen Dreck um die Orthographie kümmerten, weil sie sie fälschlich für Vogelkunde hielten.
Waschbeckenmemory für junge Menschen
![]() |
| Josef Beuls: Waschbecken ist voll (2013), Currywurst auf Keramik |
Dafür gibt es, wie sie berechtigterweise sagen, qualifizierte Menschen: Den Müllwerker und die Eltern, vielleicht sogar den Nachbarn, weil er seinen Vorgarten gern ordentlich hat.
Bedrückend die Erkenntnis, die Erinnerung verloren zu haben: Wer ist Morfel?
Was war mit dem letzten Mix?
Woher kommt der Fleck auf der Hose, der auf dem Pullover und der am Hals?
Warum ist mir schwindlig?
Und dann der Blick ins Waschbecken: Alles ist wieder da!
Genau! Gestern Abend! 1 Currywurst, eine halbe Dose Pittjes, Chips mit Paprikageschmack und ordentlich Pommes mit Mayo, ein Kaugummi, komisch, kann eigentlich nicht von mir sein.
Klar, das war doch die Fete bei Moppel, Junge, Junge, ja klar. Klar, klarer, Korn. In der Reihenfolge und nicht anders. Jepp, der Kopf ist noch da und alles ist noch drin, im Kopf , also das Hirn.
Liebe Eltern! Nicht vorgreifen und Stöpsel in Waschbecken ziehen, bzw. das Becken anders freimachen!
Was weg ist, ist weg. Stimmt. Aber manchmal sollte man sich konservativ verhalten und bewahren. Damit aus dem Koma kein Wachkoma wird. Damit die Erinnerung bewahrt wird, aus der wieder doch immer lernen können.
In Null Koma nix ist der Nachwuchs aus dem Haus. Wenn er sich erinnert, dass er noch immer bei Mutti wohnt.
Kryptische Lyrik: Was will uns der Dichter sagen?
Gedicht von Wolf Wunderschreck:
So möcht ich werden:
unlängst wie die Südsee,
genügend wie die Leguane im Legoland,
gleisgültig wie Legolas,
und wie einer, der auf Sieg sitzt.
Tja, dieser flotte Fünfzeiler gibt dem Leser schon einige Aufgaben. Hier reimt sich nichts, also kann es nicht für den Heimatverbundenen, den Dörfler, gedacht sein.Dabei gibt es sehr schöne Reime auf -see oder -land, sogar auf schwitzt.
Das hat Wunderschreck aber wohl nicht gewollt, das sich alles so gefällig reimt.
Er bedient sich seiner Neologismus-Schatulle und wirft eine Neuerscheinungen aufs Papier: Gleisgültig. Versteckte Werbung für die Deutsche Bahn oder sogar für die Bundesnetzagentur? Man weiß es nicht, genauso wenig, wie man das Wort gleisgültig zu deuten vermag. Legolas, das Elbenspitzohr aus dem Herrn der Ringe, sei gleisgültig, will der Autor vermitteln, ein Vergleich den niemand zu deuten vermag, vielleicht steht er deshalb in der Bedeutung von "unvergleichlich"?
Was die Leguane in Legoland sollen, bleibt ebenfalls unerklärt. In Legoland sagen sich vielleicht Spatz und Fink "Guten Tag!" und Hase und Igel "Gute Nacht!", aber Leguane gibt es dort weißderdeubel nicht. Und dann "genügend"! Ja, das ist ja Schule! Genügend entspricht ausreichend! Der Zensur, die keiner haben wollte; dann lieber eine richtige Sechs!
Zeile 3 müsste man vielleicht mit "ausreichend gibt's hier nicht" übersetzen, um der Zeile wenigstens andeutungsweise einen Sinn zu geben.
Unlängst wie die Südsee, auch das klingt doch völlig schräg: Unlängst ist erst mal kein Adjektiv, Herr Wunderschreck, sondern ein Adverb, das sich nur schwer für die Beschreibung von Subjekten und Objekten und Substantiven oder wasweißdennich benutzen lässt, und zweitens ist die Südsee nicht das Gegenteil von Nordsee, was hier ja auch latent mitklingt. Mann, Mann Wunderschreck! Das ging doch alles mal besser!
Und dann noch: Wer ist Sieg? Also das lyrische Ich sitzt ja wohl auf Sieg! Ist das ein Pferd mit komischem Namen? Hippophiles schwingt hier mit? Da kann sich doch wirklich niemand sicher sein, und was nützen denn Gedichte, die unsicher sind, weil sie keiner versteht? Das taugt ja nicht mal zum Auswendiglernen.
Der Kracher ist Zeile 1: So möcht ich werden!
Erstens fehlt das e bei möchte, und: Liebes lyrisches Ich! Nein, danke! Ich möchte, nicht mal stellvertretend so werden!
Ab durch den Aktenvernichter!
So möcht ich werden:
unlängst wie die Südsee,
genügend wie die Leguane im Legoland,
gleisgültig wie Legolas,
und wie einer, der auf Sieg sitzt.
Tja, dieser flotte Fünfzeiler gibt dem Leser schon einige Aufgaben. Hier reimt sich nichts, also kann es nicht für den Heimatverbundenen, den Dörfler, gedacht sein.Dabei gibt es sehr schöne Reime auf -see oder -land, sogar auf schwitzt.
Das hat Wunderschreck aber wohl nicht gewollt, das sich alles so gefällig reimt.
Er bedient sich seiner Neologismus-Schatulle und wirft eine Neuerscheinungen aufs Papier: Gleisgültig. Versteckte Werbung für die Deutsche Bahn oder sogar für die Bundesnetzagentur? Man weiß es nicht, genauso wenig, wie man das Wort gleisgültig zu deuten vermag. Legolas, das Elbenspitzohr aus dem Herrn der Ringe, sei gleisgültig, will der Autor vermitteln, ein Vergleich den niemand zu deuten vermag, vielleicht steht er deshalb in der Bedeutung von "unvergleichlich"?
Was die Leguane in Legoland sollen, bleibt ebenfalls unerklärt. In Legoland sagen sich vielleicht Spatz und Fink "Guten Tag!" und Hase und Igel "Gute Nacht!", aber Leguane gibt es dort weißderdeubel nicht. Und dann "genügend"! Ja, das ist ja Schule! Genügend entspricht ausreichend! Der Zensur, die keiner haben wollte; dann lieber eine richtige Sechs!
Zeile 3 müsste man vielleicht mit "ausreichend gibt's hier nicht" übersetzen, um der Zeile wenigstens andeutungsweise einen Sinn zu geben.
Unlängst wie die Südsee, auch das klingt doch völlig schräg: Unlängst ist erst mal kein Adjektiv, Herr Wunderschreck, sondern ein Adverb, das sich nur schwer für die Beschreibung von Subjekten und Objekten und Substantiven oder wasweißdennich benutzen lässt, und zweitens ist die Südsee nicht das Gegenteil von Nordsee, was hier ja auch latent mitklingt. Mann, Mann Wunderschreck! Das ging doch alles mal besser!
Und dann noch: Wer ist Sieg? Also das lyrische Ich sitzt ja wohl auf Sieg! Ist das ein Pferd mit komischem Namen? Hippophiles schwingt hier mit? Da kann sich doch wirklich niemand sicher sein, und was nützen denn Gedichte, die unsicher sind, weil sie keiner versteht? Das taugt ja nicht mal zum Auswendiglernen.
Der Kracher ist Zeile 1: So möcht ich werden!
Erstens fehlt das e bei möchte, und: Liebes lyrisches Ich! Nein, danke! Ich möchte, nicht mal stellvertretend so werden!
Ab durch den Aktenvernichter!
Orakel: Kaffeesatz
Was wollte mir das Orakel sagen?
Alles ist rund.
Also, ungefähr rund, wenn man die Kanten etwas abrundet, bzw. aufrundet.
Braun. Das Leben ist braun. Was konnte das bedeuten?
Irgendwie erinnerte mich der Kaffeefilter an eine HJ-Mütze; warum, konnte ich nicht sagen. Hatte die HJ nicht so Schiffchen?
Beschiff dich nicht!, schrien sie damals, wenn jemand keine von diesen Mützen aufhatte und sie ihm aufs Maul hauen wollten. Beschifft haben die sich dann doch. Nicht vor Lachen.
Kaffee ist kalt. Auch so eine Botschaft. Und: Sei froh, dass der Prutt nicht in deiner Tasse gelandet ist.
Und der Filter? Ja, der Filter.
Infiltration.
Braunes Gedankengut infiltriert! Das kam mir in den Sinn.
Ich schlürfte an meinem Kaffee, der endlich trinkbar war.
Kaffee hat seinen Preis. Zum Beispiel einen alten Filter, der manchen Leuten als Orakel dient, wenn man ihn nicht entsorgt.
Ok. Wohin kam der alte Filter jetzt? Kompost? Restmüll? Gelber Sack? Brauner Sack? Hahaha.
Nicht lustig. Biotonne, ganz klar.
Die Erde war ja auch braun.
Alles ist rund.
Also, ungefähr rund, wenn man die Kanten etwas abrundet, bzw. aufrundet.
Braun. Das Leben ist braun. Was konnte das bedeuten?
Irgendwie erinnerte mich der Kaffeefilter an eine HJ-Mütze; warum, konnte ich nicht sagen. Hatte die HJ nicht so Schiffchen?
Beschiff dich nicht!, schrien sie damals, wenn jemand keine von diesen Mützen aufhatte und sie ihm aufs Maul hauen wollten. Beschifft haben die sich dann doch. Nicht vor Lachen.
Kaffee ist kalt. Auch so eine Botschaft. Und: Sei froh, dass der Prutt nicht in deiner Tasse gelandet ist.
Und der Filter? Ja, der Filter.
Infiltration.
Braunes Gedankengut infiltriert! Das kam mir in den Sinn.
Ich schlürfte an meinem Kaffee, der endlich trinkbar war.
Kaffee hat seinen Preis. Zum Beispiel einen alten Filter, der manchen Leuten als Orakel dient, wenn man ihn nicht entsorgt.
Ok. Wohin kam der alte Filter jetzt? Kompost? Restmüll? Gelber Sack? Brauner Sack? Hahaha.
Nicht lustig. Biotonne, ganz klar.
Die Erde war ja auch braun.
Graffiti interpretieren: Nordseebesucher
Die Menschen ärgern sich immer wieder über wahllos dahingesprühte Graffitis, die manchmal ohne Sinn und Verstand bleiben und eher danach aussehen, der Sprayer hätte seine Dose endgültig leergesprayt und die Düse gereinigt..
Dann tauchen Wandbotschaften auf, die auf den ersten Blick einen Sinn ergeben:
Parkplatz nur für Nordsee-Besucher.
Auf den ersten Blick wirkt das Graffito klar, geordnet und verständlich.
Vielleicht ein bisschen deutsch und schablonenhaft mit wenig Verve. Unkreativ, aber deutlich.
Erst wenn der Leser nachdenkt und feststellt, dass die Mauer, an die der Text gespritzt wurde, 200 km von der Nordseeküste entfernt ist, wird klar, dass sich hier jemand unter dem Deckmäntelchen des Deutsch-Ordentlichen dem Absurden hingegeben hat.
Hier zu parken und dann die Nordsee zu besuchen, um vielleicht ein Bad zu nehmen oder im Strandkorb den Möwen bei der Nahrungssuche in nicht ausgeleerten Papierkörben zuzusehen, erscheint idiotisch.
Der Nordseebesucher will, genau wie der Badegast an der Südsee, sein Auto in der Nähe seines Strandkorbes wissen und nicht, weil er vielleicht ein bis zwei Euros spart, einen Parkplatz fernab von weißen Stränden und vollen Abfalleimern, über denen Möwen kreisen.
Man kann dem kritisiertenb Graffito zugutehalten, dass unter dem Schriftzug eine Art Nordseewelle abgebildet ist, leider in Zementgrau. Aber dann das Gravierende: Ein vergittertes Fenster! Das zeigt dem Betrachter, dass sein Urlaub doch nur eine Flucht aus dem Gefängnis des Alltags ist, dem er eigentlich nicht entrinnen kann.
Die Nordsee ist darüber hinaus wirklich zementgrau, weil das Wattenmeer darunterliegt.
Immerhin macht folgende Tasache froh und lässt an die Menschen glauben: Der Parkplatz ist in der Regel unbesetzt.
Von Ferne hört man aber Möwengeschrei und ein subtiler Geruch nach Fisch dringt in die Nase des vorbei schlendernden Fußgängers.
Dann tauchen Wandbotschaften auf, die auf den ersten Blick einen Sinn ergeben:
Parkplatz nur für Nordsee-Besucher.
Auf den ersten Blick wirkt das Graffito klar, geordnet und verständlich.
Vielleicht ein bisschen deutsch und schablonenhaft mit wenig Verve. Unkreativ, aber deutlich.
Erst wenn der Leser nachdenkt und feststellt, dass die Mauer, an die der Text gespritzt wurde, 200 km von der Nordseeküste entfernt ist, wird klar, dass sich hier jemand unter dem Deckmäntelchen des Deutsch-Ordentlichen dem Absurden hingegeben hat.
Hier zu parken und dann die Nordsee zu besuchen, um vielleicht ein Bad zu nehmen oder im Strandkorb den Möwen bei der Nahrungssuche in nicht ausgeleerten Papierkörben zuzusehen, erscheint idiotisch.
Der Nordseebesucher will, genau wie der Badegast an der Südsee, sein Auto in der Nähe seines Strandkorbes wissen und nicht, weil er vielleicht ein bis zwei Euros spart, einen Parkplatz fernab von weißen Stränden und vollen Abfalleimern, über denen Möwen kreisen.
Man kann dem kritisiertenb Graffito zugutehalten, dass unter dem Schriftzug eine Art Nordseewelle abgebildet ist, leider in Zementgrau. Aber dann das Gravierende: Ein vergittertes Fenster! Das zeigt dem Betrachter, dass sein Urlaub doch nur eine Flucht aus dem Gefängnis des Alltags ist, dem er eigentlich nicht entrinnen kann.
Die Nordsee ist darüber hinaus wirklich zementgrau, weil das Wattenmeer darunterliegt.
Immerhin macht folgende Tasache froh und lässt an die Menschen glauben: Der Parkplatz ist in der Regel unbesetzt.
Von Ferne hört man aber Möwengeschrei und ein subtiler Geruch nach Fisch dringt in die Nase des vorbei schlendernden Fußgängers.
Brüderle und Schwesterle: Dirndl füllen
Brüderle: Ja, Schwesterle, du füllst doch nicht mal ein Dirndl!
Schwesterle: Du, Brüderle, könntest das schon schaffen,...
Brüderle: So mager wie du bist.
Schwesterle: ...mit deinem Speck.
Brüderle: Du halbe Portion, kein Holz vor der Hütten, aber immer auf die Titelseite wollen.
Schwesterle: Sei jetzt still, Brüderle, sonst verwandele ich dich in ein Reh!
Brüderle: Wenn schon, dann Bock.
Schwesterle: Das bist du doch schon...
Große Zähne wirken aggressiv
Früher hieß es: Die hat doch ein Pferdegebiss, das ist doch zum Wiehern!
Besonders Frauen mussten sich diesen Vorwurf gefallen lassen. Männer ließen einen Bart drüberwachsen und schwiegen.
Dann stellten Psychologen fest, dass ein Lachen, bei dem man natürlich Zähne zeigt, ein Akt der Aggression ist, eine Art Drohgebärde, um dem Gegner zu signalisieren: Vorsicht! Bissiger Zeitgenosse! Mit dem ist nicht zu spaßen! Der hat hier sein Revier, da musst du kuschen.
Wer zum Zahnarzt geht, sollte sich überlegen, was er will:
Wer aller Zähne verlustig ist, weil der Dehntest mal wieder zu tief ins Maul gegriffen hat, wirkt wie ein Weichei, dem man nur noch Brei zumuten kann.
Wer riesige Hauer, möglichst noch als Implantate und mit Brillanten verziert, im Mund hat, sollte sich vorsehen.
Mitmenschen, die auch ohne entsprechendes Zahnwerk aggressiv, sind, könnten die Botschaft missverstehen und gleich auf das neue Beißwerkzeug schlagen. Da gibt's sofort was auf die Frontzähne!, sagt Poppi immer, wenn er sich genervt fühlt, oder einfach nicht weiter weiß.
Aggressive Menschen wissen häufig nicht weiter; deswegen sind sie ja aggressiv.
Ihnen bleibt nur die Flucht nach vorn, um sich keine Blöße zu geben.
Neue Zähne sind teuer und vielleicht sogar gefährlich und mittelfristig gesundheitsgefährdend.
Manchmal reicht es, neue Messer und Gabel zu kaufen; vielleicht als Ergänzung auch einen Pürierstab. Das wirkt sowieso viel friedlicher.
Gestern vor einiger Zeit: Endloses Wachstum
Seit zwei Monaten saß Betti nun schon in der Küche und ich hatte damals gedacht, sie sei Wachs in meinen Händen, oder wenigstens, ich sei Wachs in ihren Händen.
Gefehlt. Sie verlangte Wachs.
Wachs!, sagte sie immer wieder.
Weil ich aber schon groß war, holte ich ihr Kerzen, Haushaltskerzen, angeblich tropffrei. Gefehlt, weit gefehlt!
Die Kerzen tropften wie damals auf die Weinflaschen der Siebziger Jahre, als wir vollkommen beduselt Pink Floyd hörten.
Leg doch mal eine Tür auf!, sagte Neppo, wenn er die Doors hören wollte, und fand das witzig. Nach einem Kübel Lambrusco kein Wunder.
Die Kerzen tropften auf Betti, die immer wiederholte: Wachs!
Betti, ich hatte mir von deinem Namen mehr versprochen,
mehr im Sinne von Nomen est Omen. Aber du sprachst kein Latein, hast nur rumgesessen und Wachs! gefaselt.
Ich habe keine Kerzen mehr und ich will auch keine mehr haben.
Kerzen, wie lächerlich. Zu Kerzen zu sagen: Wachs! Noch lächerlicher.
Betti, wer hat überhaupt behauptet, du hießest Betti?
Du sprichst doch nicht, ausgenommen dieses penetrante Wachs!
Betti saß und wisperte Wachs.
Die Kerzen tropften.
Ich legte eine Tür auf und hörte Pink Floyd.
Neppo trank Bordeaux.
Irgendwann hat alles ein Ende.
Gefehlt. Sie verlangte Wachs.
Wachs!, sagte sie immer wieder.
Weil ich aber schon groß war, holte ich ihr Kerzen, Haushaltskerzen, angeblich tropffrei. Gefehlt, weit gefehlt!
Die Kerzen tropften wie damals auf die Weinflaschen der Siebziger Jahre, als wir vollkommen beduselt Pink Floyd hörten.
Leg doch mal eine Tür auf!, sagte Neppo, wenn er die Doors hören wollte, und fand das witzig. Nach einem Kübel Lambrusco kein Wunder.
Die Kerzen tropften auf Betti, die immer wiederholte: Wachs!
Betti, ich hatte mir von deinem Namen mehr versprochen,
mehr im Sinne von Nomen est Omen. Aber du sprachst kein Latein, hast nur rumgesessen und Wachs! gefaselt.
Ich habe keine Kerzen mehr und ich will auch keine mehr haben.
Kerzen, wie lächerlich. Zu Kerzen zu sagen: Wachs! Noch lächerlicher.
Betti, wer hat überhaupt behauptet, du hießest Betti?
Du sprichst doch nicht, ausgenommen dieses penetrante Wachs!
Betti saß und wisperte Wachs.
Die Kerzen tropften.
Ich legte eine Tür auf und hörte Pink Floyd.
Neppo trank Bordeaux.
Irgendwann hat alles ein Ende.
Wurmfortsatz - Was sollte das sein?
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| Vassily Kannikski: Blindarm (2013) |
Was war unser Wurm? Was war der Fortsatz dieses Wurmes?
Wir kannten Regenwürmer. Vielleicht noch Lindwürmer, die wir als Kind mit dem Holzschwert in der Beeke erschlagen hatten. Das Wasser des kleinen Baches hatte sich rot gefärbt und uns Drachenhaut verliehen. Wir waren unzerstörbar, bis die ersten Krankheiten auftraten, bis der erste Krebs am Eingemachten nagte.
Wurmfortsatz.
Das war nur die Verlängerung irgendeines Wurmes.
Was sonst an uns herumbaumelte, konnte ja wohl keiner als Wurm bezeichnen. Auch wenn es so aussah.
Was hätte nur der Drachentöter Siegfried dazu gesagt?
Der konnte ja nichts sagen, weil er schon tot war.
Oder nie gelebt hatte. Das war der Preis dafür, Legende zu sein.
Mehr Fleisch statt teurer Pillen
Der Verband deutscher Pharmaindustrie hat angekündigt, die Preise für Medikamente kräftig zu erhöhen.
Begründung: Immer mehr Menschen neigten dazu, statt einer heilenden oder betäubenden Pille, ein Stück Fleisch mehr zu essen, denn darin seien, so zahlreiche Verbraucher, nicht nur genügend, sondern sogar mehr Antibiotika und andere Substanzen, als man wirklich akut brauche; man könne dadurch aber auch latente Krankheiten im Keim ersticken.
Zudem habe man ein manchmal schmackhaftes Mahl auf dem Tisch, das auch noch satt mache, was bei Medikamenten überhaupt nicht der Fall sei. Oft lösten die Appetit nach mehr aus, was wiederum die Magenschleimhäute angreife.
Der Verband deutscher Fleischesser empfiehlt Menschen mit grippalen Infekten zum Beispiel, bevorzugt Schweinenackensteak zu essen, denn dort werde die Spritze gesetzt, und dort sei auch die Konzentration der gespritzten Substanz am größten.
Dei Pharmaindustrie klagt weiter, dass sie millionenschwere Forschung betrieben habe, von der heute die Fleischindustrie profitiere und fordert eine Abgabe pro verkauftem Kilo.
Der Verbraucher reibt sich die Hände, fragt aber trotzdem: Was soll ich denn essen, wenn ich gar nicht krank ist?
Begründung: Immer mehr Menschen neigten dazu, statt einer heilenden oder betäubenden Pille, ein Stück Fleisch mehr zu essen, denn darin seien, so zahlreiche Verbraucher, nicht nur genügend, sondern sogar mehr Antibiotika und andere Substanzen, als man wirklich akut brauche; man könne dadurch aber auch latente Krankheiten im Keim ersticken.
Zudem habe man ein manchmal schmackhaftes Mahl auf dem Tisch, das auch noch satt mache, was bei Medikamenten überhaupt nicht der Fall sei. Oft lösten die Appetit nach mehr aus, was wiederum die Magenschleimhäute angreife.
Der Verband deutscher Fleischesser empfiehlt Menschen mit grippalen Infekten zum Beispiel, bevorzugt Schweinenackensteak zu essen, denn dort werde die Spritze gesetzt, und dort sei auch die Konzentration der gespritzten Substanz am größten.
Dei Pharmaindustrie klagt weiter, dass sie millionenschwere Forschung betrieben habe, von der heute die Fleischindustrie profitiere und fordert eine Abgabe pro verkauftem Kilo.
Der Verbraucher reibt sich die Hände, fragt aber trotzdem: Was soll ich denn essen, wenn ich gar nicht krank ist?
Als die Affen noch kein Internet hatten
Als wir noch auf den Bäumen saßen, fanden wir das nicht affig.
Erst als wir auf dem Boden der Tatsachen angekommen waren, fand wir Baumhocken affig.
Bis dahin hatten man uns gesagt, es heiße: Auf dem Boden der Tarzan.
Damit konnten wir nichts anfangen.
Dann lernten wir Tarzan kennen und er nannte sich Mensch und uns Affen.
Wir dachten nach und stellten fest, dass es "Auf dem Boden des Tarzan" heißen musste, denn Tarzan war männlich.
Tarzan hatte nämlich eine Liane, die hieß Jane.
Beide benahmen sich affig, und weil wir so nicht sein wollten, beschlossen wir, nicht weiter auf den Bäumen hocken zu bleiben. Wir gingen zu Boden.
Kurz darauf erfanden wir das Internet.
Tarzan hockte seitdem mit seiner Liane vor dem Bildschirm und wir wieder auf den Bäumen.
Nur Jane glaubt, sie sei reingelegt worden, und nannte sich fortan Liane.
So war alles wieder im rechten Lot und Tarzan hatte endlich etwas zu tun, bei dem er keinen störte.
Erst als wir auf dem Boden der Tatsachen angekommen waren, fand wir Baumhocken affig.
Bis dahin hatten man uns gesagt, es heiße: Auf dem Boden der Tarzan.
Damit konnten wir nichts anfangen.
Dann lernten wir Tarzan kennen und er nannte sich Mensch und uns Affen.
Wir dachten nach und stellten fest, dass es "Auf dem Boden des Tarzan" heißen musste, denn Tarzan war männlich.
Tarzan hatte nämlich eine Liane, die hieß Jane.
Beide benahmen sich affig, und weil wir so nicht sein wollten, beschlossen wir, nicht weiter auf den Bäumen hocken zu bleiben. Wir gingen zu Boden.
Kurz darauf erfanden wir das Internet.
Tarzan hockte seitdem mit seiner Liane vor dem Bildschirm und wir wieder auf den Bäumen.
Nur Jane glaubt, sie sei reingelegt worden, und nannte sich fortan Liane.
So war alles wieder im rechten Lot und Tarzan hatte endlich etwas zu tun, bei dem er keinen störte.
Wissenschaftlich festgestellt: Jugendliche bringen Opfer
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| Vassily Kannikski: Kotzfleck von oben (2013) |
Nach etwa zweieinhalb Stunden nämlich kommen sie regelmäßig wieder an die frische Luft, um den angestrebten Zustand des Nichtgefangenseins rituell durch lautes "Freiheit"-Schreien zu feiern. Leider ist die Artikulationsfähigkeit durch den vorher konsumierten Alkohol derart eingeschränkt, dass sich der Unbeteiligte eher in eine psychiatrische Klinik der Vergangenheit zurückversetzt fühlt, als man noch mit Elektroschocks experimentierte.
Das rituelle Schreien wird ergänzt durch Rauchopfer und das Ablegen der dazugehörigen Schachteln auf den Boden, gleich neben metallene Flaschenverschlüsse und Mundstücke, derer man sich für die Rauchopfer bedient hat.
Um das Wohlwollen von Mutter Erde zu gewinnen, denn nichts anderes haben die Aufschreienden im Sinn, erbricht der eine oder andere das in den Katakomben Konsumierte in die Vorgärten der Nachbarn, um den ewigen Kreislauf der Natur nachzubilden und symbolisch in Gang zu halten. Dieses Gemisch aus Fatburger und Hochprozentigem dient am nächsten Morgen dem ausgehungerten Vogel als Nahrung, vielleicht auch der Katze, manchmal der Ratte, die allesamt beschwingt von dannen fliegen, tigern und flitzen, um am Montag dann den großen Schädelschmerz als Akzeptanz des Opfers durch Mutter Erde zu empfinden.
Diese Botschaft haben die Freiheitsstrebenden bereits am Tag zuvor erhalten, um fröhlich und zufrieden - auch wenn die Mimik etwas mürrisch wirkt - zu beschließen, diesen erfolgreichen Opfergang am nächsten Wochenende noch einmal anzutreten, vielleicht nicht hier an diesem Ort, vielleicht aber doch. Alkohol wäre ja noch da.
Abgrund tief
Einst schrieb ich an die Innenseite der Toilettentür unseres
Schulklos:
Lebe gern am Abgrund
Lebenshoffnung: Grabfund
Dachte, weltberühmte Archäologen würden mich finden,
in eine Vitrine legen und der Öffentlichkeit als ein
besonders interessantes Fundstück
präsentieren, sodass ich zu Todzeiten - sagt man das überhaupt, wenn es zu
Lebzeiten nicht geklappt hat? - zu Ruhm und Berühmtheit gelangen würde.
Niemand aber macht sich die Mühe, in den Abgrund, in den ich
mittlerweile gestürzt war, zu schauen, denn wer, der nach oben will, schaut
nach unten, da wo die Kadaver lauern, die in Museen Karriere als Exponate
machen wollen?
Alle schauen nach oben, die nach oben wollen, die zu
Lebzeiten Karriere machen wollen, damit sie die Bewunderung, den Neid, den Hass
ihrer Mitmenschen genießen können.
Die Toten verharren. Ihnen ist kalt, weil sie nicht gewusst
haben, dass niemand sie eines Blickes würdigen würde.
Der Abgrund heißt nicht zu Unrecht Abgrund.
Auch wenn ich diesen Satz nicht vollständig verstehe und ihn
schon gar nicht erklären kann, so ahne ich, dass es ein wahrer Satz ist, eine
dieser unumstößlichen Wahrheiten, die einen aus der Bahn werfen kann.
Ein Abgrund hat die fatale Eigenschaft, dass er keine Rückkehr zulässt.
Nicht einmal eine Rückkehr als Exponat, denn wer, hätte er mich gefunden,
könnte zurück, wenn der vorherige Satz stimmte?
Es war ein schwerer Fehler, das Schulko für Schmierereien zu
benutzen.
Ben Ommen.
Tonnes Tagebuch: Sturm heute
Liebes Tagebuch!
Auf dem Weg zur Arbeit stürmte es ganz ordentlich. Temperaturwechsel von minus 8 Grad auf 12 Grad plus. Kein Wunder. Der Körper tobte, Kreislauf, kein Wunder, wie gesagt.
Ich dachte darüber nach, wie man sich verhalten sollte, wenn jetzt ein Baum auf die Straße krachen würde, vielleicht sogar auf mein Auto.
Jeder, der Gefahr im Straßenverkehr sieht, neigt dazu, zu bremsen. Das wäre hier aber völlig falsch, fiel mir ein.
Ein leichtes Knacken ließ mich aufhorchen und an den Straßenrand schauen. Saßen die Bäume noch fest? Der Knacklaut war aber von einer halb gefüllten Pullmoll-Dose gekommen, die im Fach in der Fahrertür hin- und herschlackerte.
Vollgas muss es sein!
Natürlich, wer bremst, liegt vielleicht nicht unter dem Baum, kracht aber in ihn hinein. Weil der Wagen ja nicht sofort steht, wenn man gebremst hat.
Vollgas und hoffen, dass man dem Sturz entgeht, dass man dem Tod unter dem Stamm wegschlüpft quasi.
Da empfiehlt sich ein Motor mit viel PS. Verstehe nicht, warum die immer in der Kritik stehen.
Mit einem schwachen Kleinwagen läge man als Sturmopfer Nr.1 im Alusarg, nachdem die Rettungssanitäter auf Wiederbelebung verzichtet hätten. Ohne Patientenverfügung, nur aus optischen Gründen. So ein Baum ist hart.
Vollgas. Das ist die einzige Chance.
Ich hoffe, der Sturm hört bald auf. Der Porschefahrer ist mal wieder im Vorteil, die alte Sozialratte.
Tonne
Auf dem Weg zur Arbeit stürmte es ganz ordentlich. Temperaturwechsel von minus 8 Grad auf 12 Grad plus. Kein Wunder. Der Körper tobte, Kreislauf, kein Wunder, wie gesagt.
Ich dachte darüber nach, wie man sich verhalten sollte, wenn jetzt ein Baum auf die Straße krachen würde, vielleicht sogar auf mein Auto.
Jeder, der Gefahr im Straßenverkehr sieht, neigt dazu, zu bremsen. Das wäre hier aber völlig falsch, fiel mir ein.
Ein leichtes Knacken ließ mich aufhorchen und an den Straßenrand schauen. Saßen die Bäume noch fest? Der Knacklaut war aber von einer halb gefüllten Pullmoll-Dose gekommen, die im Fach in der Fahrertür hin- und herschlackerte.
Vollgas muss es sein!
Natürlich, wer bremst, liegt vielleicht nicht unter dem Baum, kracht aber in ihn hinein. Weil der Wagen ja nicht sofort steht, wenn man gebremst hat.
Vollgas und hoffen, dass man dem Sturz entgeht, dass man dem Tod unter dem Stamm wegschlüpft quasi.
Da empfiehlt sich ein Motor mit viel PS. Verstehe nicht, warum die immer in der Kritik stehen.
Mit einem schwachen Kleinwagen läge man als Sturmopfer Nr.1 im Alusarg, nachdem die Rettungssanitäter auf Wiederbelebung verzichtet hätten. Ohne Patientenverfügung, nur aus optischen Gründen. So ein Baum ist hart.
Vollgas. Das ist die einzige Chance.
Ich hoffe, der Sturm hört bald auf. Der Porschefahrer ist mal wieder im Vorteil, die alte Sozialratte.
Tonne
Das Dorf reckt sich
Das Dorf hatte sich schon wieder verändert. Aus der alten Form, von oben gesehen, eines flachgeklopften Koteletts, war jetzt ein sich reckender Biber geworden, dem man das Fell abgezogen hatte, um daraus ein Paar Hausschuhe für die Angebetete zu machen.
Hausgeburt - das musste es immer sein, um authentischer Dorfbewohner zu sein.
Hausgeburt, das reimte sich auf Ausgeburt, aber das war Städterlyrik.
Was war mit den Klinikgeburten, den Angeheirateten, den Grenzbewohnern und vor allem: Was war mit den Zugereisten? Den Regionalmigranten?
Denen, die Kartoffeln ins Dorf brachten und dann in der Dorfkneipe ein paar Wacholder kippten? Das Klima im Dorf profitierte nur insoweit, als Nachrichten aus dem Umland eintrafen, gefiltert und verzerrt zwar, aber immerhin Neuigkeiten.
Schwere Zeiten für das Dorf, das als sich reckender und gehäuteter Biber Haltung bewahren musste.
ER geht...
![]() |
| Furchtbar schön hinter dem u. |
Angst macht ihm das „u“, das vor ihm saß, dieser dunkle Laut
mit einem Abgrund in seinem Zeichen, aber was sein musste, musste sein, wenn
man weiterkommen wollte.
So überwand das „Er“ das „u“ und es war gar nicht so
schlimm, wie es sich das
vorgestellt hatte.
Schließlich war es hinter dem „u“ angekommen: Furchtbar,
dachte es. Ja, furchtbar, damit
kann ich endlich etwas anfangen.
Vor ihm lag dieses furchtbar runde c und das furchtbar langweilige h,
das wie ein Gähnlaut wirkte und zusammen mit dem c ziemlich verschnarcht klang.
Hier ist mein Platz, dachte das „Er“. Furchtbar. Furchtbar schön. Hier will ich
bleiben.
Und so blieb es solange, wie ihm das furchtbare Getue um
furchtbare Felder, furchtbare Menschen, furchtbare Gespräche und furchtbare
Diskussionen und Verhandlungen nicht auf die Nerven gehen würde. Aber wohin
dann?
Berühmte Postkarten: Brett aus dem Skiurlaub
Ihr Lieben!
Viele Grüße aus dem Skiurlaub.
Hier liegt Schnee, ich hoffe bei euch auch.
Leider sind die Pisten sehr flach und mit dem Abfahrtslauf klappt es nicht so richtig, weil man nicht weiß, wo es nach unten geht.
Auch gibt es viele Zäune, aber keine Skilifte. Warum auch, wenn niemand weiß, wo oben ist. Gottseidank ist es meistens nebelig.
Viele Grüße
Brett
Viele Grüße aus dem Skiurlaub.
Hier liegt Schnee, ich hoffe bei euch auch.
Leider sind die Pisten sehr flach und mit dem Abfahrtslauf klappt es nicht so richtig, weil man nicht weiß, wo es nach unten geht.
Auch gibt es viele Zäune, aber keine Skilifte. Warum auch, wenn niemand weiß, wo oben ist. Gottseidank ist es meistens nebelig.
Viele Grüße
Brett
Fahrräder hängen rum
![]() |
| Originalfoto und Installation: Sönke W., 2013 |
Neuerdings muss man immer wieder und immer häufiger beobachten, dass Fahrräder in Bäumen hängen, um dort leb- und nutzlos zu verrotten.
Vermutlich hat sich hier die rasante Entwicklung der batteriemotorunterstützten Zweiräder niedergeschlagen, die das muskelbetriebene Fahrzeug vor die Sinnfragen stellt: Wer will denn auf mir noch sitzen? Wer will denn mit mir noch fahren? Muss denn alles batteriebetrieben sein, was ein bisschen Schweiß kosten könnte?
Ermittlungsbeamte stellen sich die Frage: Wer hat hier geholfen, denn ohne Frage ist wohl klar, dass ein 28er-Fahrrad sich nicht selbst in den Baum hängen kann.
Hilfsbereiten Radlern sei gesagt: Die Selbsttötung ist in Deutschland straffrei, denn man kann natürlich die Täter nicht nach der Tat belangen; Hilfestellung bei diesem autoaggressiven Akt ist ebenfalls straffrei, d.h., das Rad hinaufzuheben wäre legitim.
Wenn es dann hängt und sich nicht selbst befreien kann, weil es sich das Ganze noch einmal überlegt hat, wäre dann "unterlassene Hilfeleistung" anzukreiden, was wiederum nicht ohne Strafe abgeht.
Originalfoto: Sönke W.
Text zum Melodieselberausdenken: Unheimlich
Der Baron, Frontman der Gruppe Unheimlich hat Texte zum "Selberversingen" geschrieben, die seine Fans jetzt unter der Dusche oder am Lagerfeuer schmettern können. Erschienen sind die Texte als Bonustracks auf der neuen CD "Heimlichtuterei".
So wie du warst, bleib nicht hier,
geh kurz weg,
oder bleib, wo du bist,
Augenblick, oder kurzer Moment
ist ein Sack voll Zement,
den ich trage im Herzen
mit wohligen Schmerzen,
du hast mich verraten
mit Worten und Taten
jetzt gieß noch was Wasser drauf
rühr kräftig um
soll so sein:
Und mein Herz wird zu Stein.
Lass jetzt los, los, mein Freund, und jetzt sorge dich
nicht,
hältst du fest, wirst du seh’n,
Wie wir beide im Fluss der Unsäglichkeit kryptischer Scheiße
vergeh’n.
Tonnes Tagebuch: Winterstraße
Liebes Tagebuch!
Der Winter hat uns fest im Griff, und da musste ich an die Menschen in Sibirien denken, und ob sie überhaupt Fahrradwege haben.
So weit die Füße tragen, hieß es damals in Schwarzweiß im Fernsehen, und ein Mann hatte sich Tausende von Kilometern aus Sibirien hinausgeschleppt, um nach Hause zu kommen. Jeder weiß, wenn man sich verirrt hat, läuft man im Kreis, man geht in seiner eigenen Spur weiter, immer wieder und wieder, bis das Ganz aussieht, als sei ein Radweg da. Was aber nützt der Radweg, wenn der Mensch zu Fuß geht?
Die Menschen in Sibirien sind arm, sie haben wahrscheinlich nicht einmal Fahrräder, denn wohin sollten sie mit diesen fahren? Sibirien ist so groß, dass man es mit dem Fahrrad nicht durchqueren kann. Vor allem weil es keine Radwege gibt.
Am Wegesrand meiner Wanderung sah ich einen Radweg und dachte: Wie gut es uns geht!
Und dann dachte ich: Vielleicht hat den ein sibirischer Mensch auf seiner großen Wanderung geschaffen, auf seiner Umlaufbahn, in seinem Kreis, der ihn gefangen hält, aus dem er nicht heraus kann, in dem er laufen muss wie der Hamster im Rad. In einigen Jahrzehnten wird aus diesem Radweg vielleicht ein Graben, voll mit Wasser, weil er tief genug ist, um dem Grundwasser Raum zu bieten.
Eines Tages wird das Grundwasser so hoch stehen, dass der sibirische Mensch, wenn er auf seiner Umlaufbahn wieder hier erscheint, einfach ertrinkt und erlöst wird aus diesem Kreislauf, in den ihn eine böse Fügung des Schicksals verdammt hat.
Zum Schluss dachte ich noch: Radwege strukturieren die Landschaft. Man erkennt Wiesen und Bäume und Felder und dazwischen ist ein Radweg. Wie schön. Und das nicht nur zur Winterszeit.
Tonne
Der Winter hat uns fest im Griff, und da musste ich an die Menschen in Sibirien denken, und ob sie überhaupt Fahrradwege haben.
So weit die Füße tragen, hieß es damals in Schwarzweiß im Fernsehen, und ein Mann hatte sich Tausende von Kilometern aus Sibirien hinausgeschleppt, um nach Hause zu kommen. Jeder weiß, wenn man sich verirrt hat, läuft man im Kreis, man geht in seiner eigenen Spur weiter, immer wieder und wieder, bis das Ganz aussieht, als sei ein Radweg da. Was aber nützt der Radweg, wenn der Mensch zu Fuß geht?
Die Menschen in Sibirien sind arm, sie haben wahrscheinlich nicht einmal Fahrräder, denn wohin sollten sie mit diesen fahren? Sibirien ist so groß, dass man es mit dem Fahrrad nicht durchqueren kann. Vor allem weil es keine Radwege gibt.
Am Wegesrand meiner Wanderung sah ich einen Radweg und dachte: Wie gut es uns geht!
Und dann dachte ich: Vielleicht hat den ein sibirischer Mensch auf seiner großen Wanderung geschaffen, auf seiner Umlaufbahn, in seinem Kreis, der ihn gefangen hält, aus dem er nicht heraus kann, in dem er laufen muss wie der Hamster im Rad. In einigen Jahrzehnten wird aus diesem Radweg vielleicht ein Graben, voll mit Wasser, weil er tief genug ist, um dem Grundwasser Raum zu bieten.
Eines Tages wird das Grundwasser so hoch stehen, dass der sibirische Mensch, wenn er auf seiner Umlaufbahn wieder hier erscheint, einfach ertrinkt und erlöst wird aus diesem Kreislauf, in den ihn eine böse Fügung des Schicksals verdammt hat.
Zum Schluss dachte ich noch: Radwege strukturieren die Landschaft. Man erkennt Wiesen und Bäume und Felder und dazwischen ist ein Radweg. Wie schön. Und das nicht nur zur Winterszeit.
Tonne
Tonnes Tagebuch: Bad Kissingen
Liebes Tagebuch!
Heute beim Nägelfeilen musste ich an Bad Kissingen denken.
Das Bad hat ein Casino, in dem man Geld verspielen kann und einen Klangpark, in dem man lustwandeln und komische Geräusche hören kann, wenn man zur rechten Zeit kommt.
Ich war nicht zur rechten Zeit dort und das Casino hatte geschlossen.
Ich aß damals eine Schale Pommes mit ein paar Salatblättern an Fertigsauce. Von dem Gericht musste ich den ganzen Abend noch aufstoßen. Aber ich hatte etwas mitgenommen aus Bad Kissingen, eben diesen Beigeschmack, diesen Nachgeschmack, diesen Geruch aus dem Magen im Mund.
Und dann musste ich an Vichy denken. Auch so ein komischer Bäderort. Allerdings in Frankreich.
Die Trinkhalle verrostet, das Wasser immer noch salzig und die Atmosphäre morbid, so als ob die Kranken nicht zur Heilung dort gewesen wären, sondern um vom Leben Abschied zu nehmen.
Ich habe beschlossen, mit dem Nägelfeilen vorsichtiger zu sein; vielleicht ist das nur noch jedes zweite Mal nach dem Nägelschneiden notwendig.
An was ich beim Nägelschneiden gedacht habe, weiß ich nicht mehr.
Vielleicht an Gudrun und ihren Satz: Da hast du dich aber geschnitten.
Tonne
Heute beim Nägelfeilen musste ich an Bad Kissingen denken.
Das Bad hat ein Casino, in dem man Geld verspielen kann und einen Klangpark, in dem man lustwandeln und komische Geräusche hören kann, wenn man zur rechten Zeit kommt.
Ich war nicht zur rechten Zeit dort und das Casino hatte geschlossen.
Ich aß damals eine Schale Pommes mit ein paar Salatblättern an Fertigsauce. Von dem Gericht musste ich den ganzen Abend noch aufstoßen. Aber ich hatte etwas mitgenommen aus Bad Kissingen, eben diesen Beigeschmack, diesen Nachgeschmack, diesen Geruch aus dem Magen im Mund.
Und dann musste ich an Vichy denken. Auch so ein komischer Bäderort. Allerdings in Frankreich.
Die Trinkhalle verrostet, das Wasser immer noch salzig und die Atmosphäre morbid, so als ob die Kranken nicht zur Heilung dort gewesen wären, sondern um vom Leben Abschied zu nehmen.
Ich habe beschlossen, mit dem Nägelfeilen vorsichtiger zu sein; vielleicht ist das nur noch jedes zweite Mal nach dem Nägelschneiden notwendig.
An was ich beim Nägelschneiden gedacht habe, weiß ich nicht mehr.
Vielleicht an Gudrun und ihren Satz: Da hast du dich aber geschnitten.
Tonne
Was ist eigentlich eine Radierung?
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| Vassily Kannikski: Ich und mein Radiergummi (2013) |
Man zeichnet ein Bild mit Bleistift und radiert alles wieder aus, was nicht gut aussieht, oder nicht aussieht wie das, was man zeichnen wollte.
Wenn man das Bild gut verkaufen kann, dann kann der Kunde das Bild auch selber ergänzen, was einigen einigermaßen Spaß macht.
Auf dem Kannikski-Bild links ist so einiges schief gelaufen.
Einfach mal die alten Buntstifte raus und fröhlich ergänzt, wo der "Meister" danebengekritzelt und ausradiert hat.
Spannend ist auch zu erfahren, was das Bild eigentlich darstellen sollte.
Wie wir Kannikski kennen, mal wieder nichts.
Lauerndes Dorf
Das Dorf wusste alles.
Dass es so ruhig dalag und von oben aussah wie ein Rindersteak, täuschte.
Es war weder Steak noch ruhig.
Das Dorf arbeitete ständig.
Wenn es für den Fremden stumm und friedlich dalag, so wusste der Eingeweihte, dass es auf der Hut war und lauerte.
Das Dorf war ständig in Alarmbereitschaft: Wer wollte seine Ganzheit, sein Einssein zerstören?
Der Zugereiste, der sich ansiedeln wollte, hatte immer den Beigeschmack des Gefärhlichen, des Bedrohlichen, des durch und durch Schlechten. Der Zugereiste war Fremdkörper im wahrsten Sinne des Wortes. Er musste aufpassen, dass das Dorf ihn nicht schluckte, einkapselte und dann in eitriger Beule bis zur Notwendigkeit des Herausschneidens brachte.
Das Dorf wusste alles. Das Dorf wusste sogar noch mehr.
Das Dorf war Macht.
Dass es so ruhig dalag und von oben aussah wie ein Rindersteak, täuschte.
Es war weder Steak noch ruhig.
Das Dorf arbeitete ständig.
Wenn es für den Fremden stumm und friedlich dalag, so wusste der Eingeweihte, dass es auf der Hut war und lauerte.
Das Dorf war ständig in Alarmbereitschaft: Wer wollte seine Ganzheit, sein Einssein zerstören?
Der Zugereiste, der sich ansiedeln wollte, hatte immer den Beigeschmack des Gefärhlichen, des Bedrohlichen, des durch und durch Schlechten. Der Zugereiste war Fremdkörper im wahrsten Sinne des Wortes. Er musste aufpassen, dass das Dorf ihn nicht schluckte, einkapselte und dann in eitriger Beule bis zur Notwendigkeit des Herausschneidens brachte.
Das Dorf wusste alles. Das Dorf wusste sogar noch mehr.
Das Dorf war Macht.
Das Loch in der Geschichte
Die kompetenten Herren in Grau und Beige mit den gestärkten Manschetten, in denen perlmuttene Knöpfe steckten, mit den dezenten, weil langweiligen Schlipsen und diesem Hüsteln zwischendurch, die mit gepflegten Händen die Noten in ein rotes Büchlein schrieben, hatten nicht bemerkt, dass die deutsche Geschichte, die sie uns Zöglingen vermitteln mussten, ein Loch hatte.
Ein riesiges Loch.
Wir waren am Rand des Loches angekommen. 1923.
Unser Geschichtsoberstudienrat hatte uns an den Rand geführt und wir standen gleichzeitig kurz vor dem Abitur.
Während wir uns als Schüler am Rand des Loches, der das Datum 1923 trug, aufhielten, waren wir zur selben Zeit als Menschen auf der anderen Seite des Loches: In der Gegenwart, in unserer persönlichen Gegenwart.
Hitler und alles danach hatte es scheinbar nie gegeben.
Wir standen an einem riesigen Loch in der Geschichte und schauten, wie es an Rändern häufig der Fall ist, in einen Abgrund.
Unten hätten wir ebendiese Pädagogen sehen müssen, die sich und ihre Vergangenheit verleugneten, verschwiegen, vergruben. Deren Gesinnung in Sätzen wie: Sie wollen doch wohl nicht mit einem Hilfsschüler zusammen ihr Pausenbrot essen? deutlich wurde,wenn sie sich etwa über eine Gesamtschule äußerten.
Aber wir erkannten nichts in jenem Abgrund. Die Männer in Grau standen uns im Rücken und drohten uns zu stoßen, wenn wir auch nur ein Wort darüber verlören. Sie schwiegen wir über die vergessene Zeit, wie sie es taten.
Ein riesiges Loch.
Wir waren am Rand des Loches angekommen. 1923.
Unser Geschichtsoberstudienrat hatte uns an den Rand geführt und wir standen gleichzeitig kurz vor dem Abitur.
Während wir uns als Schüler am Rand des Loches, der das Datum 1923 trug, aufhielten, waren wir zur selben Zeit als Menschen auf der anderen Seite des Loches: In der Gegenwart, in unserer persönlichen Gegenwart.
Hitler und alles danach hatte es scheinbar nie gegeben.
Wir standen an einem riesigen Loch in der Geschichte und schauten, wie es an Rändern häufig der Fall ist, in einen Abgrund.
Unten hätten wir ebendiese Pädagogen sehen müssen, die sich und ihre Vergangenheit verleugneten, verschwiegen, vergruben. Deren Gesinnung in Sätzen wie: Sie wollen doch wohl nicht mit einem Hilfsschüler zusammen ihr Pausenbrot essen? deutlich wurde,wenn sie sich etwa über eine Gesamtschule äußerten.
Aber wir erkannten nichts in jenem Abgrund. Die Männer in Grau standen uns im Rücken und drohten uns zu stoßen, wenn wir auch nur ein Wort darüber verlören. Sie schwiegen wir über die vergessene Zeit, wie sie es taten.
Georg Krakl: Weihnachten und Ostern (2013)
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| Vassily Kannikski: Weihnachtskrikelkrakel zu Ostern (2012) |
Das ist hier die Phrase.
Weihnachtsostern, Hasenmann.
Jeder wie er darf und wie er kann.
Frauenversteher im Frauenland
Ben war Frauenversteher, er hatte Stricken gelernt und konnte weinen, er hatte in einem Geburtsvorbereitungskurs mitgehechelt, für den Fall des Falesl und obwohl niemand in seinem Bekanntenkreis überhaupt schwanger gewesen war, er konnte kochen, Kinder vom Kindergarten holen und putzen, beherrschte Smalltalk über Schwangerschaftsbeschwerden und aufgespritzte Lippen (widerlich!), besaß eine beachtliche Zahl an Schuhen im Schrank stehen, hatte Qi Gong-Kurse besucht; Handarbeit hatte für ihn bei der VHS eine ganz neue Bedeutung bekommen, und überhaupt, zusammen mit der Zeitschrift Brigitte hatte er herausbekommen, wie Frauen ticken.
Er war mit dem alternativen Reiseveranstalter ins Frauenland gereist. Alles war lila, alles war weich und unmännlich, die Flüsse hießen Großer Zwirnsfaden und Die Nadel, die Berge hatten Namen wie Beauvoir und Schwarzer, eine große Wiesenlandschaft hieß Kittelschürze und das Moor nannte man Feuchtgebiet.
Ben blätterte in der Brigitte und suchte nach Erklärungen. Er fühlte sich nicht wohl.
Selbst die Sonne war hier weiblich und hatte diesen Blick wie Mutter früher, wenn er sein Zimmer aufräumen sollte.
Ben fühlte sich nicht wohl. Sein Bauch sagte ihm: Fahr nach Hause, alter Schwede!
Alles war umsonst gewesen. Frauen konnte man nicht verstehen. Nicht, wenn man ein Mann war.
Die ticken nicht richtig, flüsterte Ben und beschloss, in der nächsten lila Pause, die er in seinem Pflichtprogramm finden konnte, zurückzufliegen.
Er war mit dem alternativen Reiseveranstalter ins Frauenland gereist. Alles war lila, alles war weich und unmännlich, die Flüsse hießen Großer Zwirnsfaden und Die Nadel, die Berge hatten Namen wie Beauvoir und Schwarzer, eine große Wiesenlandschaft hieß Kittelschürze und das Moor nannte man Feuchtgebiet.
Ben blätterte in der Brigitte und suchte nach Erklärungen. Er fühlte sich nicht wohl.
Selbst die Sonne war hier weiblich und hatte diesen Blick wie Mutter früher, wenn er sein Zimmer aufräumen sollte.
Ben fühlte sich nicht wohl. Sein Bauch sagte ihm: Fahr nach Hause, alter Schwede!
Alles war umsonst gewesen. Frauen konnte man nicht verstehen. Nicht, wenn man ein Mann war.
Die ticken nicht richtig, flüsterte Ben und beschloss, in der nächsten lila Pause, die er in seinem Pflichtprogramm finden konnte, zurückzufliegen.
Visionäre Maler: Vassily Kannikski
| Vassily Kannikski: Die FDP löst sich auf (2013) |
Ja, was denn nun?
Da schreit es der Weserstadtanzeiger förmlich in die Welt hinaus: Nasse Finger können besser greifen!
Ja, toll! Das wussten wir doch schon, aber jetzt haben wir es schriftlich. Wissenschaftlich festgestellt. Trocken Brot etwa, oder einen Schwamm, Trockenhefe.
Menschen, die unter feuchten Fingern leiden, können aufatmen. Ihre Extremitäten haben einen Wert im Alltag bekommen und man weicht zwar dem Händedruck aus, aber respektiert jetzt das Feuchtgebiet in der Hand.
So weit, so gut.
Der interessierte Leser liest weiter und stellt fest, dass es sich gar nicht um nasse Finger, sondern um schrumpelige Finger handelt, die besser greifen können. Und dass die Gegenstände nass sein müssen.
Greisenhände greifen Generation Geldsack ab!, so könnte die BLÖD-Zeitung titeln.
Schrumpelige Hände greifen besser, denn die Schrumpeln ähneln den Saug- und Klebenäpfen von Tieren in der Natur, die häufig an senkrechten Wänden hängen und in die Gegend schauen. Greise hängen auch meistens rum und greifen nach Gegenständen, denen sie sich früher nicht zu nähern gewagt hätten, weil sie eben schrumpelige Finger frei Haus geliefert bekommen haben. Vom Leben nämlich.
Was nun der Glatte-Haut-Wahnsinn der jungen Generation in der Welt noch zu suchen hat, weiß niemand.
Der Weiß-nicht-genau-Journalismus sollte sich aber mal mit feuchtschrumpeligen Fingern an den Kopf fassen und feststellen, ob der noch da ist.
Ja, toll! Das wussten wir doch schon, aber jetzt haben wir es schriftlich. Wissenschaftlich festgestellt. Trocken Brot etwa, oder einen Schwamm, Trockenhefe.
Menschen, die unter feuchten Fingern leiden, können aufatmen. Ihre Extremitäten haben einen Wert im Alltag bekommen und man weicht zwar dem Händedruck aus, aber respektiert jetzt das Feuchtgebiet in der Hand.
So weit, so gut.
Der interessierte Leser liest weiter und stellt fest, dass es sich gar nicht um nasse Finger, sondern um schrumpelige Finger handelt, die besser greifen können. Und dass die Gegenstände nass sein müssen.
Greisenhände greifen Generation Geldsack ab!, so könnte die BLÖD-Zeitung titeln.
Schrumpelige Hände greifen besser, denn die Schrumpeln ähneln den Saug- und Klebenäpfen von Tieren in der Natur, die häufig an senkrechten Wänden hängen und in die Gegend schauen. Greise hängen auch meistens rum und greifen nach Gegenständen, denen sie sich früher nicht zu nähern gewagt hätten, weil sie eben schrumpelige Finger frei Haus geliefert bekommen haben. Vom Leben nämlich.
Was nun der Glatte-Haut-Wahnsinn der jungen Generation in der Welt noch zu suchen hat, weiß niemand.
Der Weiß-nicht-genau-Journalismus sollte sich aber mal mit feuchtschrumpeligen Fingern an den Kopf fassen und feststellen, ob der noch da ist.
Aggressives Laub bedroht Helgoland
Bronco lag am Boden.
Aggressives Laub bedrohte die Menschen und ganz Helgoland, das früher Legoland geheißen hatte. Bronco kauert auf der langen Anna, die so lang war, dass ihre Brosche einer Steilküste gleichkam.
Die lange Anna. Bronco seufzte. Seine alte Kindergartenspielgefährtin. Wie groß sie geworden war. Und Bronco war immer noch in sie verliebt. Wie zärtlich hatte sie ihn damals in ihren Händen gehalten, hatte ihn geherzt, geküsst und liebkost. Gut, einmal hatte sie mit Bronco nach Lasse geworfen, den am Kopf getroffen, sodass sogar fast etwas Blut geflossen wäre, wenn Lasse nicht so mit den Händen gefuchtelt und den Tropfen Blut verwischt hätte.
Lasse. Was mochte er heute tun?
Seinetwegen hatte ihn Tante Elfie in die Spielkiste im Keller verbannt, wo alles Spielzeug landet, das erst mal Pause haben soll.
Jetzt lag Bronco auf der langen Anna. Aber die schlief und merkte das nicht.
Das aggressive Laub hatte sich auf Bronco gelegt und versuchte, sich um ihn zu rollen, ihn einzupacken und dann zu verdauen.
Anna! Lange Anna!, schrie Bronco, ohne einen Laut von sich zu geben.
Anna grunzte jetzt ein wenig. Bronco hätte nicht herkommen sollen.
Aber die Liebe ist stärker als alle Lasses und und ganz Legoland, das heute Helgoland heißt, und überhaupt.
Plastik, das war sein Kreuz. Plastic people! Bronco summte das alte Lied von Frank Zappa und schloss die Augen.
Gegen aggressives Laub konnte nicht einmal die Liebe etwas ausrichten.
Plastic People anhören
Aggressives Laub bedrohte die Menschen und ganz Helgoland, das früher Legoland geheißen hatte. Bronco kauert auf der langen Anna, die so lang war, dass ihre Brosche einer Steilküste gleichkam.
Die lange Anna. Bronco seufzte. Seine alte Kindergartenspielgefährtin. Wie groß sie geworden war. Und Bronco war immer noch in sie verliebt. Wie zärtlich hatte sie ihn damals in ihren Händen gehalten, hatte ihn geherzt, geküsst und liebkost. Gut, einmal hatte sie mit Bronco nach Lasse geworfen, den am Kopf getroffen, sodass sogar fast etwas Blut geflossen wäre, wenn Lasse nicht so mit den Händen gefuchtelt und den Tropfen Blut verwischt hätte.
Lasse. Was mochte er heute tun?
Seinetwegen hatte ihn Tante Elfie in die Spielkiste im Keller verbannt, wo alles Spielzeug landet, das erst mal Pause haben soll.
Jetzt lag Bronco auf der langen Anna. Aber die schlief und merkte das nicht.
Das aggressive Laub hatte sich auf Bronco gelegt und versuchte, sich um ihn zu rollen, ihn einzupacken und dann zu verdauen.
Anna! Lange Anna!, schrie Bronco, ohne einen Laut von sich zu geben.
Anna grunzte jetzt ein wenig. Bronco hätte nicht herkommen sollen.
Aber die Liebe ist stärker als alle Lasses und und ganz Legoland, das heute Helgoland heißt, und überhaupt.
Plastik, das war sein Kreuz. Plastic people! Bronco summte das alte Lied von Frank Zappa und schloss die Augen.
Gegen aggressives Laub konnte nicht einmal die Liebe etwas ausrichten.
Plastic People anhören
Frauen dürfen jetzt Bärte tragen
Endlich durch: FRAUEN DÜRFEN BÄRTE TRAGEN. Einen zweiten Erfolg verbuchte jetzt die Welt-Gleichstellungsbehörde nach der Erlaubnis für das Aufspritzen von Lippen in Schlauchbootformat mit dem dringend erwartetem grünen Licht für die Behaarung an Wange, Kinn und Oberlippe.
Auch die Gender-Mainstream-Bewegung atmet auf, denn nun dürfen sich im Rahmen der Gleichbehandlung Männer die Haare im Gesicht entfernen lassen und auch eine Lippenverkleinerung vornehmen lassen.
Als erste Frau stellte Gans Glüücklich ihre smarte Pelzschicht in Berlin auf der Hair-Bag-2013 vor.
Auch die Gender-Mainstream-Bewegung atmet auf, denn nun dürfen sich im Rahmen der Gleichbehandlung Männer die Haare im Gesicht entfernen lassen und auch eine Lippenverkleinerung vornehmen lassen.
Als erste Frau stellte Gans Glüücklich ihre smarte Pelzschicht in Berlin auf der Hair-Bag-2013 vor.
Georg Krakl - Rituale: Hände schütteln (2013)
Besser wohl als Händeschütteln
ist doch Naserütteln
oder Ohrentütteln.
Besser wohl als Händereichen
ist das Lippenstreichen
oder Stirnerweichen
Allemal
Fürs Begrüßungsritual.
Guten Tag und guten Weg,
ihr Schüttelhände.
Ist wohl euer Ende
als Begrüßungskörperteile.
(Leider fehlt die letzte Zeile)
ist doch Naserütteln
oder Ohrentütteln.
Besser wohl als Händereichen
ist das Lippenstreichen
oder Stirnerweichen
Allemal
Fürs Begrüßungsritual.
Guten Tag und guten Weg,
ihr Schüttelhände.
Ist wohl euer Ende
als Begrüßungskörperteile.
(Leider fehlt die letzte Zeile)
Malen nach Zahlen - Heute: Übung für Anfänger
Übung 1: Die 2 bedeutet hier Schwarz. Feld(er) mit 2 ausmalen, und fertig ist das Bild!
Übung 2: Die 1 bedeutet hier auch Schwarz. Feld(er) ausmalen und schwupp! hat man ein schwarzes Bild.
Für Fortgeschrittene:
Übungen 3-12: Dasselbe mit den Fraben Blau, Grau, Ocker, Umbra und Pepita machen.
Wenn man 1 und 2 zusammenzieht, erhlät man 3. Für Farbe 3 ist aber kein Feld vorgesehen; daher bitte auf die Rückseite schmieren.
Nächste Woche: Wie van Gogh angefangen hat, der es mit Zahlen nicht so hatte, weil er meistens pleite war.
Übung 2: Die 1 bedeutet hier auch Schwarz. Feld(er) ausmalen und schwupp! hat man ein schwarzes Bild.
Für Fortgeschrittene:
Übungen 3-12: Dasselbe mit den Fraben Blau, Grau, Ocker, Umbra und Pepita machen.
Wenn man 1 und 2 zusammenzieht, erhlät man 3. Für Farbe 3 ist aber kein Feld vorgesehen; daher bitte auf die Rückseite schmieren.
Nächste Woche: Wie van Gogh angefangen hat, der es mit Zahlen nicht so hatte, weil er meistens pleite war.
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