Shortbook: Karl May - Durch die Wüste

Halef: Ist das hier warm...
Karl: Heiß, echt heißt.
Halef: Sag ich doch. Richtig warm.
Sigurd: Du bist ja auch ein Eingeborener.
Halef: Was soll das denn heißen?
Karl: Ist das noch weit?
Sigurd: Ich habe Durst.
Halef: Was soll das heißen, Eingeborener?
Sigurd: Na, dass du das warm findest.
Karl: Da hinten! Das sind, glaube ich, Fellachen.
Sigurd: Mit wieviel l wird Fellachen eigentlich geschrieben?
Karl: Kommt drauf an wie viele es sind.
Sigurd: Ach. Neue Rechtschreibung, oder?
Karl: Alles klar?
Sigurd: Jep.
Karl: Warum haben wir eigentlich diese roten Klamotten an?
Sigurd: Na, weil es so heiß ist.
Halef: Warm.
Sigurd: Ja, du als Eingeborener, du könntest auch Schwarz tragen.
Halef: Was soll das jetzt wieder? Das ist diskriminierend!
Karl: Hört auf! Dahinten kommen die Fellachen!
Halef: Ich seh nix.
Sigurd: Wie viele sind es denn?
Karl: Kommt drauf an, mit wieviel l sie sich schreiben.
Sigurd: Na, dann mal lso.
Halef: Wird ja auch Zeit.
Karl: Genau.
(Die drei bewegen sich langsam weiter. Falls Pferde dabei sind: Scheritt, Zügel aus der Hand kauen lassen.)

Neues aus der Flächengemeinde: Schwarze Liste

Der informelle Mitarbeiter „IM Bastau“ hat dem Regierungsoberhaupt der Flächengemeinde eine schwarze Liste zukommen lassen, in der Bürger aufgeführt sind, die Rechtsbrüche begangen haben sollen, wie etwa Rasenmähen nach Feierabend, Baden im Kanal, Langschläferei an Sonntag in Kombination mit dem Versäumen des Gottesdienstes oder Laub-in-den-Garten-des-Nachbarn-schütten. Fäschlicherweise war die Liste zuerst beim Schützenkönig gelandet, der sich aber als nicht zuständig fühlte und das Dokument zurückschickte. Der Bürgermeister, jetzt in Besitz des belastenden Materials, droht damit, dieses zu veröffentlichen, wenn weiterhin die Lüge verbreitet werde, er wolle zurücktreten. Auch sei gelogen, er habe irgendwann einen Strafbefehl wegen Untreue angenommen. Hier sei eine Diffamierungskampagne im Gange, die ihn um seine redlich erherrschte Pension bringen wolle. Der Schützenkönig hat sich indes bereiterklärt, eine Interims-Regentschaft zu übernehmen, falls es wider Erwarten zu einem Rücktritt komme.

Mensch und Hund

Die Hundebesitzer werden ihren Tieren im Laufe der Zeit immer ähnlicher - diese These vertritt die Menschundtier-Psychologie seit Jahren und Recht hat sie. Wenn man einem pudelartigen Wesen gegegnet, dessen Kopf auf Kinderhandballgröße toupiert oder aufgeplüscht wurde, sodass der Restkörper ziemlich schlapp daherdackelt, dann stellt sich die Frage, wie Herrchen und Frauchen aussehen. Vielleicht hat ein Modehundecoiffeur streng nach Vorbild gearbeitet, um die These der Wissenschaft zu untermauern, vielleicht haben Mutti oder Vati selbst Hand angelegt und bei Erreichen der Halskrause die Arbeit eingestellt, weil ein Gewitter den Einsatz strombetriebener Werkzeuge verhindert hat; die Frage bleibt weiterhin offen. Möglich, dass die Tierliebhaber einen durch übermäßigen Fernsehsesselmissbrauch degenerierten Körper durch eine Entlockung des Tierkörpers nachgebildet haben und betonen wollen, dass sie einen im Verhältnis zur Körpermasse übergroßen Kopf besitzen; möglich aber auch, dass die Betonung auf dem Intellekt liegen soll oder wenigstens auf dem Kopf, dessen sich der Mensch im 21.Jahrhundert immer mehr bedienen sollte, weil die natürlichen Anfeindungen und Herausforderungen des Lebens den Bewegungsapparat vernachlässigen und schrumpfen lassen. Bedenkt man weiter, dass der Kopf des aufgepeppten Hundes zu 70 Prozent aus Fell und Luft besteht, könnte man auf die Idee kommen, den Hunderhaltern fehlt die nötige Gehirnmasse, um überhaupt die Basis-Frage zu stellen: Warum habe ich solch einen Hund? Oder noch einfacher: Was macht dieses Tier an meiner Leine?

Korrektur: Flächengemeinde

Die Position der vor einigen Tagen erwähnten Flächengemeinde muss korrigiert bzw. präzisiert werden: Sie befindet sich in Nordostostwestfalen und dort eher im Süden, genauer im Südwesten, sodass sich die Ortstbeschreibung wie folgt darstellt: Südwestnordostostwestfalen.
Die Standortbeschreibung passt zu den Dingen, dir dort passieren. Keiner weiß genau, an welcher Stelle er sich befindet, vor allem weiß keiner, welchen Standpunkt der Bürgermeister genau hat, wenngleich er gestern bei einer Ehrung von Sportler händeschüttelnd gesichtet worden ist. Wo er sich befunden haben mag, als es um eine öffentliche Stellungnahme zum Tatbestand der Untreue ging, ist bis heute unklar. Die Flächengemeinde atmet auf, dass der dringlich Vermisste doch noch den Weg zu einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung gefunden hat. Weg ist eben doch nicht ganz weg.
Ergänzt werden muss, dass die Annahme, das Oberhaupt einer Flächengemeinde sei der Schützenkönig, falsch ist. Leser vermuteten, dass letzterer völlig daneben geschossen und so sein Amt verloren hätte. Richtig ist aber: Wenn der Bürgermeister über das Ziel hinausschießt, hat er sich auf keinen Fall selbst abgeschossen. In diesem Fall gelten nur Rücktritt oder Abwahl. Lediglich der Schützenkönig wird durch einen neuen ersetzt, wenn er nicht ins Schwarze trifft.
Schützenkönige haben darüber hinaus keinen Anspruch auf eine Pension, da sie in der Regel nur ein Jahr im Amt bleiben. Dafür können sie aber von den Freibierkontingenten des neuen Königs profitieren und erhalten blitzende Orden und Plaketten, die sie auch öffentlich tragen dürfen.

Modetrend: Paarhüte aus Frankreich

Frankreich galt immer schon als Geburtsland neuer Modetrends, seien es damals die Nietenhose, anschließend die Manchesterhose oder später die Badekappe, der Lederschlips und die rosa Unterhose für Mädchen, alles Erfindungen der französischen Haute Couture.
Jetzt konnte die baguette-futternde Schneiderwirtschaft einen echten Coup landen: Den Paarhut.
Selbst größtköpfige Paare haben mühelos Platz unter dem dekorativen Gummigestell, das aus biologisch angebautem Kautschuk bzw. biologisch abbaubarem Erdöl hergestellt wird. Neben seiner Umweltverträglichkeit brilliert das Modegeschöpf durch eine weitere Funktion: Es dient der Verschönerung der Umwelt; einmal ist es selber sehr harmonisch in Form und Geruch, zum anderen verdeckt es überwiegend die Gesichter der modebewussten Träger. Für die Behüteten erweist es sich von Vorteil, die Kopfbedeckung zu tragen, um unerwünschten Gesprächen mit unbeliebten Bekannten auszuweichen. Das gilt allerdings auch für die Gegenpartei: Wer will schon Leute kennen und dann noch mit ihnen reden, die aufblasbare Hüte in Hellblau für zwei Personen tragen, mit denen man mühelos einen mittelgroßen Fluß überqueren könnte?
Mit Geschick hat die Modebranche mal wieder das gewinnträchtige Geschäft mit einer wichtigen gesellschaftlichen Funktion verbunden. Danke.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Luftmatratzenmeditation

Dem gestressten Menschen, der mit seinem Zelt und er ganzen Familie unterwegs ist, um aus- und abzuspannen, um einmal loszulassen von der Alltagsroutine, sei die Luftmatratzenmeditation als schöner Einstieg in die Regenerationsphase empfohlen. Das Gute kann hier leicht mit dem Nützlichen verbunden werden, da die meisten Matratzen nächtlings gegen halb drei so inkontinent geworden sind, dass des Schläfers Rücken den Boden berührt und an den schlecht verheilten Bandscheibenvorfall erinnert. Am nächsten Tag muss die faltbare Schlafunterlage sowieso aufgepumpt werden, warum also nicht kombiniert mit einer strukturierten Meditation?
Ein Schattenplatz für die Übung ist anzuraten. Vorab miss deinen Puls. Liegt dein Ruhepuls höchstens bei 80, so kannst du die Zahl 4 als Maßeinheit benutzen. Liegt er höher, musst du auf 6 oder 8 umsteigen. Sollte er über 130 liegen, ist ein Arztbesuch vorzuschalten. Suche dir eine bequeme Sitz- oder Stehposition. Konzentriere dich auf das, was du tun willst: Einen schlaffen Gummisack bis kurz vor dem Platzen aufblasen. Rhythmisch.
Vier (oder 6 oder 8) Herzschläge einatmen, vier Schläge die Luft anhalten, dann vier Schläge in das Ventil der Matratze ausatmen, vier Schläge abwarten und die leere Lunge genießen. Das Ganze beginnt von vorn. Ziel ist das prall gefüllte Luftbett, also nicht vorher aufgeben! Wenn dem Meditierenden schwarz vor Augen wird, so ist das lediglich ein Trugbild, von dem sich der Ruhesuchende sofort distanzieren sollte. Laufen lassen, vorbeigleiten lassen, es ist unwichtig. Es wird auch wieder hell. Weiteratmen.
Für den Anfänger bieten sich am Anfang leichte Badematratzen an, der Fortgeschrittene und Meister darf sich an einer Doppelliege mit einer Höhe von 40 cm der Ruhe hingeben. In der Regel kommt es nicht zu Hyperventilationssyndromen; vielmehr schreitet man mit zunehmender Luftansammlung im Gummibett auf höhere Bewusstseinsebenen.
Mögen die Nachbarn am Zeltplatz grinsen; das Ergebnis spricht für sich: Entspannung total und am Ende des Urlaubs eine völlig neue Weltsicht.

Bildkommentar


Für die Analphabeten unter unseren Lesern hier der Bildkommentar zur aktuellen Lage der Kommunalpolitik einer zufällig ausgewählten Flächengemeinde im Norden Nordrhein-Westfalens, genauer in Nordostwestfalen.

Kartoffelnase: Neues aus der Flächengemeinde

Das Gekrähe ist groß. Da hat der Gemeindechef mal ein paar Bauhofarbeiter an seinem Haus arbeiten lassen, während der Arbeitszeit und unbezahlt. Jetzt soll er bestraft werden. Sogar von Rücktritt wird geredet. Herrschaften! Das geht doch alles ein bisschen weit. Auch wenn der Bürgermeister erst alles zugegeben hatte, nachdem ihm der Staatsanwalt zu Leibe gerückt war, widerruft er jetzt. Das ist doch sein gutes Recht! Allein Bürgermeister und Staatsanwalt, das geht schon gar nicht zusammen. Das ist doch eine Befleckung der weißen Weste, die der Mann seit Jahren vor dem Bauch trägt! Das ist schon Strafe genug. Ich kann doch verstehen, dass der Mann seine Pension, und die ist nicht knapp, retten will, hat er doch selbst auf WDR 3 gesagt, Aktuelle Stunde, vor laufender Kamera. Das kann man ihm doch abnehmen! Pension: Daraufhin hat er unermüdlich hingearbeitet. Das kann man doch nicht einfach kürzen oder zusammenstreichen. Nur weil er ein paar Gemeindearbeiter, die wahrscheinlich sowieso nur in der Ecke saßen und auf Feierabend gewartet haben, sinnvoll beschäftigt hat. Das ist doch Rausschmeißen von Steuergeldern, wenn die nur rumsitzen. Und wenn es den Bürgermeister entlastet, dann hat der doch mehr Energie, sich um die Gemeinde zu kümmern. Dass das alles jetzt ganz anders gewesen sein soll, das ist doch klar. Das hat er doch vom großen Dicken gelernt, vom XXXL-Kanzler, von Super-Birne. Klappe halten und aussitzen. Passiert doch nix. Das ist doch sein gutes Recht. Und mal ehrlich: Wer in der Gemeinde würde nicht gern mal ein paar Arbeiter die eigene Bude auf Vordermann bringen? Kostenlos. Solange es keiner merkt...
Das Gekrähe ist doch nur Neid.


Lebensweisheiten:
Unwahres wird durch Wiederholen nicht wahr.
Wahres bleibt wahr.

Farbenlehre: Rot (Dienstag, 8.7.08)

Wer mit kräftigen Farben arbeiten will, dem sei Rot ans Herz gelegt. Einfach eintunken und auf die Leinwand, Pappe oder an das Garagentor des Nachbarn! Rot macht was her, zeugt von Energie, Erotik(im Wort sogar enthalten), Feuer und Verboten im Straßenverkehr. In der Malen-nach-Zahlen-Rangordnung erhält Rot die Nummer 1.

Tipp: Wer sich teure Malen-nach Zahlen-Unterlagen nicht kaufen will, nimmt einfach ein Blatt Papier, schreibt eine 1 drauf und malt so lange, bis die 1 und alles Weiße nicht mehr zu sehen sind. Das Schöne: Es ist ein eigenes Bild entstanden, dass nicht den Kunstklischees der Hersteller von Massenware entspricht.

Für Freunde kurzer Texte: Kopfball ( Montag, 7.7.08)


Sie spielten gerne Kopfball. Diesmal war es der von Bubi.

Vincent van Eijnoor: Kind im Schatten (Sonntag, 6.7.08)

Kind: Warum hat Großmutter so große Ohren?
Vater: Sowas fragt man nicht!
Kind: Wieso nicht?
Vater: Oma hat keine großen Ohren.
Kind: Ich finde schon.
Vater: Das ist relativ.
Kind: Was ist denn relativ?
Vater: Im Verhältnis.
Kind: Das verstehe ich nicht.
Vater: Im Verhältnis zum Elefanten hat Oma kleine Ohren.
Kind: Oma ist kein Elefant.
Vater: Eben.
Kind: Warum sagt man das nicht mit den großen Ohren?
Vater: Weil Oma kein Elefant ist.
Kind: Weiß ich doch.
Vater: Na, siehste.
Kind: Und Rotkäppchen?
Vater: Kenn ich nicht.

Zurücktreten oder zurück treten? (Samstag, 5.7.08)

In einer großen Flächengemeinde in NRW will der Bürgermeister zurücktreten, weil von der Staatsanwaltschaft Strafantrag wegen Untreue gestellt worden ist. Nach langem Zögern und Schweigen hat er erklärt, die Strafe anzunehmen und zurückzutreten. Die FWG gibt ihm 7-10 Wochen, um diesen Schritt zu machen, die SPD will ihn sofort. Es passiert aber nichts. Vielleicht haben Poltiker und Gemeinde die Worte falsch ausgelegt. Anstatt einen Schritt nach hinten in extremer Zeitlupe zu erwarten oder zu erhoffen, sollte sich jeder der Techniken autoritärer Systeme erinnern: Ab morgen wird zurückgetreten! Und zwar nach hinten, wenn der Gegner dort steht. Der SPD sind schon mal, folgt man dem Mindener Tageblatt vom 1.7.08, strafrechtliche Konsequenzen angedroht worden, wenn sie nicht aufhöre Druck zu machen. Etwas mehr Kreativität in der Interpretation von Sätzen und Texten kann man ja wohl erwarten...

Zeitgenossen: Der Angeber (Freitag, 4.7.08)

Den kennen wir doch alle: Den Angeber. Bei dem ist alles besser, ist alles größer, länger, weicher, härter,überlegter, unüberlegter, gesetzter, gestandener, wertvoller, wertloser, roter, grüner, gelber, blauer und farbiger. Farbloser. Schlimmer. Noch schlimmer. Am schlimmsten. Am erfolgreichsten. Wir versinken im Boden oder grübeln: Was haben wir verkehrt gemacht? Was ist schief gelaufen? Was können wir tun, um uns aus diesem Schlamassel herauszuholen? Am liebsten würden wir den Angeber fragen, denn der muss ja die Antworten parat haben. Er könnte uns sagen, wie er es gemacht hat. Wie er der Größte, der Längste, der Weichste, der Härteste geworden ist. Wie er der Überlegteste (?) und gleichzeitig der Unüberlegteste (?) werden konnte. Wie er alles geschafft hat! Wie er noch farbiger werden konnte als ein Farbiger. Noch Schwarzer als Alice Schwarzer. Es ist zum Heulen. Aber auch das wird er besser können. Trost bleibt uns nur in der Erkenntnis, dass der Angeber auch der Allerentbehrlichste ist. Danke, lieber Superlativ!

Lehrerschicksal/Morgendrama: Keine Lust auf Schule? (Donnerstag, 3.7.08)

Du liegst in molligwarmen Daunensäcken, draußen heult der Februarwind, die Scheiben deines Autos sind vereist. Die letzten Bilder einer Südseeinseln blitzen hinter deinen Lidern auf. Aus der Traum! Dein Wecker lässt sich nicht noch einmal beschwichtigen, bereits dreimal hast du seinen Knopf hart getroffen, ihn beschimpft und beleidigt. Du weißt, wenn du ihn jetzt in Richtung Frisierkommode schleuderst, hat der Tag unwiderruflich begonnen.
Also hoch, die Schlaffalten weggebügelt! Die Neuerwerbungen der Lebensfurchen aus der gestrigen 6.Stunde bleiben leider, da hilft auch keine Massage mit Penatenbabypopocreme. Da hilft einfach Entspannung. Gestern bist du vorm Fernseher eingenickt, und das verspannt noch mehr. Dein Gefühl stammt aus dem Mittelalter: Aufs Rad geflochten und mit Eisenstangen malträtiert. Die Zahl deiner Knochen hat sich verdoppelt. Adrenalin schießt in deine Blutbahn: Heute Bio in der 8z! Du gießt dir heißen Kaffee in den Hals und bringst deinen Kreislauf auf Trab. Du weißt genau, morgen wirst du es anders machen! Das erste Weckerläuten wird das Startsignal sein. Du wirst mehr Zeit haben und dich in Ruhe darauf vorbereiten, Schullust zu empfinden! Die Hektik, die hat schuld. Alles muss jetzt so schnell gehen. Und die Falten, die das Gesicht in Millimeterpapier verwandeln! Also, ab morgen! Wenn nur diese Südseeinsel nicht kurz vorm Aufwachen wär!

Verdorbene Maissilage (Mittwoch, 2.7.08)

Kecht: He, Bauer, wie ist die Lage?
Bauer: Maissilage!
Knecht: Wie jetzt?
Bauer: Verdorben, Knecht.
Knecht: Nenn mich nicht Knecht, das ist diskriminierend.
Bauer: Früher konnten Knechte das Wort nicht mal aussprechen, geschweige denn schreiben.
Knecht: Knecht?
Bauer: Nee, diskriminierend.
Knecht: Ist es ja auch....
Bauer: Was jetzt?
Knecht: Ich bin landwirtschaftlich-technischer Assistent.
Bauer: Schreib das mal auf.
Knecht: Nö, mach ich nicht. Ich bin ja nicht dein Sklave.
Bauer: Dann nennst du mich nicht mehr Bauer.
Knecht: Wie denn dann?
Bauer: Weiß nicht.
Knecht: Mal was anderes. Wie schreibt man eigentlich Maissilage?
Bauer: Wie man's spricht....hinten Lage...und vorne Maissi
Knecht: Sind Maissi nicht diese langen, schwarzen Krieger, die ständig auf dem Boden herumhüpfen?
Bauer: Massai.
Knecht: Wusst ich's doch!
Bauer: Die Maissilage ist verdorben.
Knecht: Hab ich noch gar nicht gehört, dass es denen so schlecht geht....
Bauer: Knecht, du bist doof!
Knecht: Nenn mich nicht Knecht!
Bauer: Landwirschaftlich-technischer Assistent, du bist doof!
Knecht: Das hört sich schon anders an.
Bauer: Wenn du meinst.
Knecht: Ja, meine ich.

Plattenbesprechung: Yes - Drama - Song No. 4 (Dienstag, 1.7.08)

Yes – Drama – Song No.4
Man muss dieses Stück nicht hören. Das steht auf jeder CD, die heute auf den Markt gebracht wird. Urheberrechte sind geschützt, aber hören muss man das nicht. So auch den Song No. 4 von Yes. Anfangs mag der geneigte und der Gruppe Yes gewogene, weil an pompösen Rock orientierte Hörer denken, es handele sich um eine Workshop-Übungs-CD für talentierte Nachwuchsbands ohne Keyboarder. Am Ende, wenn er denn dahin gelangt, mag er denken: Stimmt. Was geht ihm zwischendurch durch den Kopf?
Ich muss meine Bratkartoffeln noch brutzeln. Lecker. Das nervt jetzt aber. Wird hier noch gesungen? Ist Jon Anderson schon gestorben? Ich habe schon lange nicht mehr Gitarre gespielt, da könnte ich jetzt prima mitspielen, ist wie ein Karaoke_Stück, dessen Titel man nicht kennt, der Alptraum jedes Amateursängers, steht auf der Bühne und der PC-Schirm gibt keinen Text raus. Ha! Instrumental-Stück. Kann ich nur Luftgitarre spielen. Ok. Dumdieldumdiedeldumdididdadödeldidududmdudmdudmdu….verspielt. Mist. Selbst die einfachen Dinge sind manchmal schwer. Ah, jetzt irgendwie anders, aber immer noch kein Thema. Fomdididididaafom. Das ist kein Thema. Hier fehlt ein Lied. Was ist eigentlich mit Rick Wakeman? Ist der tot? Jon Anderson immer noch nicht zu hören. Hör Zu abbestellen, wenn ich in den Urlaub fahre. Ian Anderson, nee, das ist Jethro Tull. Uii, das Schlagzeug, jetzt so straight, so durchwirkt, so gleichmäßig, Rock eben, überschaubar. Schon wieder ein Wechsel. Was kann ich denn hinterher nachsingen, wenn ich im Bett liege und mich langweile? Nicht einschlafen kann? Was soll ich da summen? Stille, nein, Stille, Hackhackhackda. Nichts zum Behalten. Gleich ist die Zeit rum und ich könnte hinterher nicht sagen, was ich da gehört habe. Flageoletts. Interessant. Steve Howe eigentlich? Oder mehr die „Tribute to Yes“-Band, die ein eigenes Stück aufgenommen hat? Ich weiß jetzt, warum ich Yes schon so lange nicht mehr höre. Überholt. Überhört. Überhölt. Voll höl eben.

Genforschung: Weiterentwickelter Hund (Montag, 30.6.08)


Endlich hat die Gentechnologie etwas Nützliches aus dem Hund gemacht. Wurde er bislang schlicht als guter Kamerad oder Freund des Menschen bezeichnet, der trotzdem dessen Bürgersteige vollkackt, hat die genetische Weiterentwicklung im Labor jetzt etwas hervorgebracht, der den milde stimmen wird, der schon einmal in die Hinterlassenschaften eines Rottweilers getreten ist. Der Muff-Terrier ist nicht nur quicklebendiger Spielkamerad, Jagdbegleiter oder letztes Glied in der Familienhierarchie, an dem sich jeder abreagieren kann, nein er nützt den Menschen mit kalten Händen oder Füßen bis Größe 38 als wunderbare Wärmequelle. Wenn Beppo mal wieder auf Herrchens oder Frauchens Schoße Platz genommen hat, steckt diese einfach die kalten Körperteile in eine Art Stulpen, die den Hunden am Hals und am Gesäß wachsen. Dort werden die schlecht durchbluteten Gliedmaßen flugs auf Hundekörpertemperatur gebracht. Ein sanftes Schaben in den Stulpen erzeugt beim Hund ein Wohlbefinden und vertreibt gleichzeitig lästige Parasiten, die sich dort gern einnisten. Ein gutes Gefühl bleibt: Eine Wissenschaft, der man jahrelang nachsagte, sie wolle lediglich Menschen mit Schweinsköpfen züchten, hat den Beweis angetreten, dass sich doch zu irgendwas nütze ist.

Frauenschicksale: Allein im Schrank (Sonntag, 29.6.08)

Einsam hing sie im Schrank. Eingereiht zwischen Unterröcken, Blusen, Kleidern und Wintermänteln. Lange schon war sie nicht hervorgeholt worden. Wen hätte sie kleiden sollen in ihrer Nacktheit? An den Geruch von Mottenkugeln hatte sie sich längst gewöhnt. Manchmal schmerzte die Stelle an ihrem Kopf, in die der Kleiderhaken gedreht war. Hin und wieder ging die Schranktür auf. Hin und wieder zu.

Im Fernsehen aufgeschnappt: Tankstellendeutsch?

Ein Mitarbeiter einer Tankstelle, die kurz zuvor erfolglos überfallen worden war (Der Maskierte nahm seine Maske ab und steckte seine Pistole ein, als ein Polizeiauto zufällig auf das Gelände fuhr, und kaufte anschließend eine Packung Kaugummi.) erklärte im Fernsehen das Geschehen: „Der Mann hat seinen Plan umgeschwemmt und seine Maskade abgenommen.“
Wohl unter Schock kam dieser Satz zustande, dessen Inhalt nun entschlüsselt werden soll. Fragen die offen geblieben sind: Mit welcher Flüssigkeit hat der Räuber sein Vorhaben umgeschwemmt? Ist es überhaupt möglich, einen Plan in der Form zu beseitigen? Hat er dazu den Inhalt seiner Waffe benutzt, die möglicherweise eine Wasserpistole war? Was ist Maskade? Falsch ausgesprochen für Maskara? Hatte er sich in Windeseile abgeschminkt? Meinte der Mitarbeiter vielleicht Kaskade, die beim Umschwemmen entstanden war? Hat diese Kaskade die Maske umgeschwemmt und führte damit zum Neologismus „Maskade“? Die Ermittlungen laufen nun auch gegen den Mitarbeiter und sollen dem Deutschen Institut für Sprachforschung zur Verfügung gestellt werden.

Zeit des Unrats: Urlaub

Was bringe ich denn Tante Ursi aus der Wachau mit? Was Landestypisches? Weiß Ursi denn, wo die Wachau liegt? Letztens hat sie noch von Wallachai gesprochen, das soll hinter Uchte oder Warmsen liegen, da, wo es so flach ist. Was ist denn landestypisch für die Wachau?Fragen über Fragen ergießen sich auf geplagte Urlauber, die ihr Ziel zufällig gewählt haben und nun in Bedrängnis kommen, ein schönes Mitbringsel zu präsentieren. Aus Moorbad Senkelteich brachten Nobbis Großeltern damals eine Negerpuppe mit, wegen des Moorbads und der ihm entsteigenden Mohren, die vorher weiß gewesen waren. Der Ort stand ihr auf die Brust geschrieben. Die Puppe war mit einem Baströckchen bekleidet, hatte kurzes Kraushaar, das in die Bakalithoberfläche eingearbeitet war und trug an den Ohrläppchen geldstückartige Ohrhänger. Nobbi hatte damit nichts Landestypisches in der Hand, wohl aber ein paar Informationen über eine ethnische Gruppe, die nicht weiß war. Der Großmutter brachte er dann einige Jahre später einen röhrenden Hirsch aus St.Andreasberg mit, der mit 24 Karat Gold überzogen war und auf einem Kunststofffuß stand, auf dem ein Kunststoffschild über den Herkunftsort Auskunft gab. Der fand dann seinen Platz auf dem erst vor zwei Jahren angeschafften Fernseher gemäß dem Motto: Natur und Technik. Ein Reiseandenken soll Freude machen, es soll eine positive Verknüpfung mit dem Schenkenden herstellen und natürlich auch Neid erwecken: Da wollte ich auch schon mal hin! Warum sind die jetzt da gewesen? Der Neid der Beschenkten wertet die Qualität des Urlaubs noch einmal auf. Die missratenen Tagen erhalten einen neuen Anstrich, sie erscheinen in neuem Licht; und die Erinnerung wird ausgetauscht. Das Knabbern der Holzwürmer im Nachttisch wird ersetzt durch den romantischen Gesang der Lerche, die geschmacklose Tomatensuppe ohne Fettaugen durch eine legierte Petersilienwurzelsuppe auf Ambrosiabett, was auch immer das sein mag. Wohl überlegt sei, was den Daheimgebliebenen offeriert wird! Die Kosten werden durch das anschließende Glückgefühl nicht nur wettgemacht, sondern Körper und Seele fahren einen Schatz ein, von dem sie bis zum nächsten Urlaub mehr als zehren können.

US-Studie: Schlagsahne macht dick

Seit längerem arbeiten US-amerikanische Wissenschaftler an der Ergründung des Übergewichts ihrer Landsleute. Standen bisher Hamburger und gegrillte Marshmellows in Verdacht, überflüssige Kilos auf den Körper zu bringen, hat man sich in der jüngeren Vergangenheit den Auswirkungen verschiedener Getränke gewidmet. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Schlagsahne macht dick.
In einem Selbstversuch konnte festgestellt werden, dass vier Flaschen Sprühsahne, selbst wenn es sich um H-Milch handelt, dicker machen als zwei Flaschen Apfelschorle bzw. eine Flasche Mineralwasser. Die Flasche Mineralwasser muss nicht einmal ausgetrunken sein, um diese deutliche Erkenntnis zu ermöglichen. Welche Konsequenzen aus der Studie gezogen werden, ist noch unklar. Fest steht aber, dass man sich etwas unbeschwerter dem Konsum der fleischgefüllten Weißmehlbrötchen oder der gummiartigen Zuckermasse widmen kann. Der tägliche Blick in den Cholesterinspiegel macht vielleicht nach dem Verlassen der Personenwaage etwas unruhig; aber alle sind gespannt, was die Wissenschaft in diesem Zusammenhang Neues herausfindet.

Vegetarier übertreiben maßlos

Unsere Konsumgesellschaft kann es sich leisten, Menschen zu dulden, die sich den Luxus leisten, auf bestimmte Speisen zu verzichten. Das ist in Zeiten von drohenden Hungersnöten eine Schande. Früher wurde gegessen, was auf den Tisch kam. Der Familienvorstand in einer dörflichen Wohngemeinschaft nagte selbst die letzten Schwartenreste eines Schweineschwanzes ab, aus dem vorher ein Eintopf gekocht worden war. Von wegen, ich esse kein Fleisch! Der arrogante Vegetarier murmelt etwas von nicht artgerechter Haltung, von grausamen Schlachtmethoden, von Antibitotika und Hormonen, die über das verzehrte Fleisch in unsere Körper gelangen und uns resistent beim Hausarzt machen. Tiere hätten eine Seele, wird gejammert, als wenn die Erdbeere nicht auch eine Art Kreatur wäre! Wir würdigen das Fleisch doch dadurch, dass wir es essen, und nicht, indem wir mit langen Zähnen den Teller von uns schieben. Das Tier ist schon tot, soll es denn umsonst gestorben sein? Der Bratwurstesser an der Grillbude weiß, was sich gehört und tut es. Auch ein totes Schwein muss wissen, dass sein Leben einen Sinn gehabt hat. Vielleicht betet der Wurstesser still und bittet das tote Tier um Verzeihung und dankt ihm, dass es Nahrung sein wollte. Das haben wir doch alle von den Indianern gelernt.

Schon vergessen? Tamagotchi (Dienstag, 24.6.08)

Das Tamagotchi! Alle Welt brüllt und jault (ausgenommen Hersteller und Besitzer), dass hier die Achtung vor dem Leben verlorengeht, dass der Umgang mit wirklichen Wesen pervertiert wird. Ein Computerpet, mit Chips gefüttert, ersetzt das richtige Haustier, ist aber noch anspruchsvoller, denn es kann eben nicht einige Stunden zu Hause sitzen und vier Stockwerke zusammenjaulen. Nein, es strebt vielmehr dem virtuellen Friedhof zu, denn die Resettaste, die angeblich den User Gott gleichsetzt, diese Wiederbelebungstaste ist nicht beliebig oft benutzbar. Wenn wir demnächst vielleicht Nekrologe unserer Lieben mit „Game over“ kommentieren müssen, zeugt das wohl von der Vereinnahmung und Entmündigung (wenn die Worte fehlen, ist der Mund ja nur noch zum Essen o.ä. da) durch die feingewebte, inter-nette Gesellschaft. Ha, welch Unsinn! Gerade das Tamagotchi, weil es ja kein richtiges Tier ist, kann ein Ventil sein, unsere nicht kanalisierten Aggressionen angst- und schuldfrei ins Freie zu leiten. Besonders der Pädagoge kann mit erhobenem Zeigefinger dem Zögling endlich einmal seine Überlegenheit demonstrieren. Bubi, der sein Tamagotchi mitten in der Relistunde hat pillern lassen, bevor ihm die virtuelle Blase geplatzt wäre, wird jetzt erkennen, was Leben und Tod bedeuten. Der Tod als neuer Anfang eines immerwährenden Kreislaufs. Flugs ist das Gerät dem Störenfried entwunden, und ein dumpfes Kracken, bzw. ein leises Blubbern aus der Blumenvase in der Sofaecke deuten auf den unresettable Abgang des Plastik-Parasiten hin. Bubi hat Tränen in den Augen, würde jetzt gern im Internet einige homepages zur Bestattung blättern und Formalitäten hinsichtlich dieses gewaltsamen Todes seines Lieblings erledigen. Aber dieser Mordbube an der Tafel duldet kein unentschuldigtes Verlassen des Klassenzimmers. So bleibt nichts, als ein paar treffende Argumente dem eigenen Hirne zu entziehen, um der lieben Omi heute nachmittag die 30 Märker für ein neues Tier abzuschwatzen. Der Pädagoge erwähnt noch etwas von Schöpfungsmythos, und Bubi denkt: das kann nicht schwer sein! 30 Mark.... ein Kleckerbetrag...
peanuts....

Das Tamagotchi (jap. たまごっち, Wortschöpfung aus tamago (dt. „Ei“) und wotchi (von engl. watch, dt. „Uhr“)) ist ein aus Japan stammendes Elektronikspielzeug, das in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre weltweit überaus populär war und im Jahr 2004 wieder neu aufgelegt wurde. www.wikipedia.org

Mode für Männer: Die Gürteltasche

Sixpack hin und her. Was, wenn du einen gut antrainierten Onepack dein eigen nennst, Rita aber vermutet, du habest eine todlangweilige Gürteltasche unter dem T-Shirt? So was trägt man nur im Urlaub, um Scheckkarte, Peseten und Hotelschlüsselknochen bzw. Eincheckkarte fürs Apartment getrennt zu transportieren. Eine Gürteltasche ist weniger unmännlich als eine Hand- oder Umhängetasche. Aber maskulin? Ich weiß nicht....
Die Gürteltasche unterstreicht vielleicht, was nicht zu verbergen ist. Wo der Bauch über den Gürtel quillt, kann ihn die Gürteltasche neutralisieren oder sogar betonen, so dass beide zum Stil werden.Das ist doch das Geheimnis der Haute Couture. Wenn nichts mehr zu zeigen bleibt, weil alles offen ist, verdeckt man was, um es hinterher wieder ent-decken zu können. Das Lüften des Geheimnisses, das Ent-Blättern, das Gefühl, der Einzige zu sein, der das Entblößte sehen darf, ist die Erotik der Kleidungsindustrie. Wenn Rita, statt über den frisch geölten Schmerbauch zu streichen, an der robusten Gürteltasche hängen bleibt und sich mit dieser ausgiebig beschäftigt, wenn sie Reißverschlüsse öffnet, in Fächer fasst, in kleinen, aufgesetzten Taschen tastet, dann entbehrt der Bauchträger nichts.
Schwierige Sätze; aber Berufsschneider und Erfinder von Schnittvorlagen sind komplizierte Berufe. Bei Männern gibt es nicht viel zu erfinden. Der Anzug wird zum Kleid. Das wäre Revolution. Die Gürteltasche ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Schöner Wohnen


Im grünen Wohnen ist schöner Wohnen. Anheimelnde Atmosphäre, sanftes Licht, leises Rauschen der Blätter, dörfliche Anmut im Neubaugebiet.
Der Nachbar um die Ecke, immer bereit zu einem kleinen Pläuschchen, oder zu einem gutgemeinten Rat, etwa den Rasen betreffend oder die Rabatten, die sich als unkrautdurchwuchert erwiesen haben und dem Auge wehtun, ist kommunikativ. Es handele sich um Wildkräuter, dieses Argument wird nicht akzeptiert, überhaupt sei hier noch einiges in Ordnung zu bringen, man habe hier so seine ungeschriebenen Gesetze. Daran halte sich jeder. Man müsse hier nicht wohnen, wer sich der Gemeinschaft entziehe, sei selber schuld, jedem sei seine Chance geboten. Nachbarschaftshilfe werde groß geschrieben. Wem nicht zu helfen sei, der müsse eben alleine klar kommen. Da biete sich die Anonymität der Städte eher an.
Das Grün schmeichelt der Seele, die Ruhe dringt durch das Auge ein, und durch das Ohr, das das sanfte Wogen der jungen Bäume aufnimmt.

Flagge zeigen

Tor
schreit es in mir
Tor, Tor
immer lauter
Tor
Ihr Toren
die Welt gerät aus den Fugen
schmilzt dahin und verhungert
Der Fußballfan lungert
vorm Stadion, säuft, grölt, feiert
Alles verschleiert
Flagge zeigen
Fahne
erste Sahne
Schweini Poldi Frings
Dings
Dongs
Didel
dudödadumm
Dummdumm

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Blick aus dem Fenster

Nicht jedem ist es beschieden, wenn er aus seinem Fenster blickt, saftige Auen, weite Ebenen oder ein kräftiges Bergmassiv zu bewundern. Der Blick aus dem Fenster aber ist der Seele dienlich; er sorgt für Entspannung und entschädigt dafür, nicht draußen zu sein und auch in die Aura des Gesehenen zu tauchen, um sich von dessen positiver Energie erfüllen zu lassen. Schon der Hinterhöfler in Berlin und anderen Großstädten um die Jahrhundertwende wusste, dass schönes Wohnen mit Reichtum gleichzusetzen war. Er selbst darbte und verlagerte seine Glücksfindung auf ein Leben nach dem Tod, vielleicht auf eine Liegewiese oder einen 5-Sterne-Campingplatz mit jeder Menge Engel. Nun können wir nicht immer unseren Standort und damit unseren Blickwinkel ändern. Machen wir etwas aus dem, was wir vor unserem Fenster sehen. Der Blick auf einfache Eternitplatten im Schieferdesign vermittelt uns Sicheheit. Diese Kombination aus Natur und wetterfester Kunststoffästhetik kann die Ruhe vermitteln, die im Stress und in der Hektik des Alltags verweigert bleibt. Die Gleichförmigkeit der Plattenanordnung sagt uns, dass sich alles wiederholt und erst aufhört, wenn wir es überwunden haben. Wir müssen uns ändern, nicht die Eternitplatten. Wir haben einen freien Willen, nicht der Regenschutz, der geduldig seiner Bestimmung harrt. Käme jetzt der Platzregen, könnten wir uns wohlig in uns zurückziehen und empfinden, dass wir aufgehoben sind im Universum, dass wir beschützt sind, und dass alles seinen Sinn hat.

Wissen am Morgen: Patriotismus

Es ist Donnerstag, der 19.06.2008, das Autoradio läuft, 7 Uhr 15, N-Joy. Die Frage des Morgens. Was ist ein Patriot? Nein, bessere Frage: Was ist, wenn man Patriotismus hat? Die Befragten: Junge Menschen, die keine Ahnung haben. Trotzdem Vermutungen: Hat das nicht was mit Patronen zu tun, also das ist eine Art Kampfeinheit der Bundeswehr. Der Patriot! Das ist ein Film, mit Mel Gibson (Gibsons...sind das nicht spezielle Affen?), der war Patriot. Und? Ja, weiß nicht. Patriot eben. Und die Krankheit: Patriotismus oder Patronismus, eine Form von Schussfestigkeit. Wenn jemand einen Schuss hat und man merkt es nicht. Moderatorin: Patriotismus ist, wenn jemand eine Fahne...Das ist Alkoholismus!...eine Fahne an sein Auto klebt und so zeigt, dass er sein Vaterland liebt. Ein Ding! Was genau ist Vaterland?

Wettrennen am Himmel


In der letzten Auflage des Rennens zwischen Sonne und Mond konnte die Sonne mal wieder einen klaren Sieg davontragen. Hier sieht man sie, wie sie in der Zielgeraden am Mond vorbeischießt und kaum noch zu bremsen ist. Wi gratulieren und sagen Gute Nacht bzw. Guten Tag!

Leben mit Prognosen: Der Kaffeesatz

Früher belächelt, im Zuge der Teilchen-Physik immer wahrscheinlicher: Lebensprognosen aus dem Kaffeesatz.
Damals hielt man jedes Wortgebilde, in dem die Buchstabenfolge KAFFEE vorkam, für einen Kaffeesatz, heute ist man sensibler. Das sich am Boden Abgesetzte ist Hilfe für einen Orakelspruch, der das Leben entscheidend beeinflussen kann. Der Schamane wühlt in Eingeweiden frisch getöteter Rinder, um den Weg ins gepriesene Land zu finden, der Hobby-Wahrsager tut es lieber ohne Blut. Was soll man auch sonst tun, wenn in den Büro- und Amtsstuben der Kaffee ausgetrunken ist? Die Wand anstarren oder den Bleistift spitzen und anschließend auf den sogenannten Publikumsverkehr warten? Dazu müsste man erst das "Geschlossen"-Schild umdrehen. Also saugt man die letzten Reste aus der Tasse, damit ein brauner Kaffeemehlhaufen übrig bleibt. Den stürzt man auf den Aktendeckel und kann mit dem Lesen beginnen. Was will uns der braune Haufen sagen? Was bringt die Zukunft? Sätze wie "Morgen bleibt die Küche kalt" oder "Keine Ahnung" sind keine Seltenheit, aber auch schwer zu deuten. Entscheidend ist, wie auch unsere Altvorderen wussten, was mit diesen Sätzen anzufangen ist. Erst dann kann sich ein sinnvoller Lebensplan entwickeln. Morgen koche ich also nicht und von den meisten Dingen habe ich sowieso keine Ahnung. Damit lässt sich doch schon was anfangen, wenigstens bis morgen.

Andy Doth: Gaukelei auf Schotter

Wer will denn den Menschen weismachen, dass Saurier in einem Terrain, dessen Betreten per Eintrittsgeld reglementiert ist, leben? Was soll denn der Zahlungswillige hier? Sich vielleicht so fühlen, als sei er in die Zeit der Riesenechsen gereist und müsse sich ihrer nun erwehren? Die stehen aber nur starr und stumm herum und glotzen feist in eine andere Richtung. Schau einem Saurier nicht in die Augen, ist der gutgemeinte Rat, den man sich in Jurassic Park 4 holen konnte; woher soll allerdings der Saurier wissen, dass ein Mensch ihm gerade in die Augen schaut, denn solche Lebewesen waren zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Erdoberfläche. Was soll denn den Konsumenten noch alles vorgegaukelt werden? Wer will denn glauben, dass sich die Urviecher auf geschotterte Flächen gestellt und ein Gesicht wie aus Hartgummi gemacht haben? Das ist doch keine für den gehetzten Menschen sinnvolle Zeitverwendung, das ist Zeitverschwendung.Neben den Sauriern befinden sich auch noch Schilder, in den Boden gerammt, die den wissenschaftlichen Namen präsentieren. Blödsinn! Denn auch dieser ist eine Erfindung des Menschen. Die Riesentiere haben sich vielleicht vollkommen andere Namen gegeben, die ihrer Sprech- bzw. Artikulationsmöglichkeit entsprachen und zu ihnen passten. Rex etwa, Schnecki oder Hans Krankl. Was Saurier aber immer schon hassten -das haben wissenschaftliche Nachforschungen ergeben- war dummes Herumstehen vor Holzschildern mit wissenschaftlichen Namen auf geschotterten Flächen und das Ansprechen des Kollegen mit seinem Vornamen. Das sollte jeder bedenken, der 5 € bezahlt und ein sinnentleertes Gelände betritt, das von Plastikfiguren bevölkert wird.

Mensch und Garten: Der Strukturgarten


Klare Linien beherrschen den Strukturgarten und ein begrenztes Farbspektrum, um den Betrachter nicht zu verwirren. Ausgewogene Materialien, hier Holz, Beton und Kunststoff, sorgen für vollendete Harmonie. Fast vermutete man diesen Garten in Japan; seine Strenge und gleichzeitig Anmut wecken im Spaziergänger den Wunsch nach tiefer Meditation. Selbst im Mai, wenn alles ringsherum erblüht und grünt, bleibt dieser Garten, was er ist: Strukturiert, harmonisch, überschaubar und damit fassbar. Kein wuseliges Chaos, kein Brummen und Summen, kein störender Blütenmüll verunstaltet den Boden. Sommers wie winters ruht dieser Garten förmlich in sich und will sich dem Besitzer andienen als Vehikel, sich der Gesundung seiner Psyche und damit auch seines Körpers zu widmen. Vollkommenheit herrscht über das Chaos, sie ordnet Seele und Organe neu, damit sie dem Menschen zur Glücksfindung dienen können. Und das ist im höheren Sinne ihre Aufgabe.

Andi Doth: Sind Fußgänger denn blöd?

Man denkt: Wie fürsorglich! Wie verantwortungsbewusst! Da hat die Stadtverwaltung ein Schild aufgestellt, das Fußgänger warnt, diesen Weg zu benutzen, da er überflutet ist. Lug und Trug sind die Techniken unserer Zeit. Von der Publikumsverarschung im Fernsehen über die Rechtschreibprobleme der Tageszeitung bis in die Etagen der Schreibttischschläfer muss sich der Bürger zunehmender Tendenzen erwehren, ihn für blöd zu verkaufen.
Das Warnschild ist nicht Ausdruck der Sorge um den Bürger, nein, es ist Anlass der Erheiterung auf den Schreibstuben. Vielleicht ist hier eine versteckte Kamera installiert, um live mitzuerleben, wie der Fußgänger, der sich an Verbote und Gebote halten will, weil er guter Bürger sein will, in das Nass begibt, um zu entziffern, was auf der Tafel steht. Wenn er dann hüfthoch vom verseuchten Flusswasser umspült wird, erkennt er den üblen Trick auf den zweiten Blick: Nicht in den Fluss gehen, du Blödmann! könnte auf dem Brett stehen. Kleingedruckt: Ist jetzt sowieso zu spät. Ab nach Hause und umziehen, sonst gibt es eine Blasenentzündung! Die Schreibstube liegt vor Lachen platt und kommt mal wieder nicht zum Arbeiten. Wer reguliert den Schaden? Natürlich der Bürger, der für den Spott einmal nicht zu sorgen hat; das übernimmt die Verwaltung. Arbeitsteilung, denkt der naive Bürger und ergänzt dann doch scharfsinnig, die haben ja sonst vielleicht nichts zu tun.

Englisch für in Deutschland Bleibende: Is here not tell?

Is here not tell?
Wenn diese Worte schön gebunden gesprochen werden, ergibt sich sofort ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Portiers. Er wird freudestrahlend antworten:
Jess, dat isn Hotel! Zumindestens im Ruhrgebiet so um Dortmund rum. Aber da spricht man eigentlich sowieso kein Englisch.

Führungsstile - Digital oder analog?

Knigge ist tot. Das wohl auch schon länger. Anfangs hatte man mit dem sofortigen Verfall der Sitten gerechnet, aber dem ist wohl nicht so. Dennoch: Wir essen zwar immer noch mit Messer und Gabel, wir stehen immer noch im Bus auf, wenn ein altes, einbeiniges Mütterchen ihre Plastiktüten durch den Gang schiebt, wir helfen der Angebeteten gern aus dem Mantel und sprechen die Ehefrau mit „Ey, Hasi!“ an, obwohl wir etwas anderes denken, aber in anderen Bereichen sind solche Benimmlichkeiten nicht konserviert, und niemand weiß, wer hier korrigierend und dirigierend einschreiten könnte. Wo könnte man den aktuellen Stand der Diskussion nachlesen, wo nachschlagen, wie man sich Untergebenen gegenüber verhält, was eigentlich im Zuge der Neuen Zeit nicht nur angemessen sondern auch notwendig ist, um einen Produktionsbetrieb, welcher Art auch immer, zu höchsten Effektivität zu bringen?
Ist es noch in Ordnung, seine Meinung klar zu formulieren und sie anordnend mit scharfer Stimme und vielen Worten, den Widerspruch verhindernd, zu intonieren? Der Ton macht die Musik, und die ist im 20.Jahrhundert ja auch nicht gerade schön. Ist es angemessen, die digitale Sau rauszulassen, den machohaften Führungsstil zu pflegen, den besserwisserischen weil besserwissenden, der mundtödlich wirkt, der schnell und direkt ist, in Krisensitutationen die einzige Möglichkeit bietet, satt zurückzuschlagen, dem Feind keine Chance zu lassen? Die Bundeswehr jubelt bei der Rückkehr dieser immer wieder belächelten bzw. heimlich zu Hause beweinten Art der Demotivation: Handeln aus dem Druck der Übermacht heraus. Holzhammermotivationen!
Oder hat der Neue Manager endlich nach Selbsterfahrungskurs in der Schwitzhütte und anschließendem Sonnentanzritual, das Pfeifchen locker im Mundwinkel, kapiert, dass der Neue Untertan in den Arm genommen werden will? Er soll die Große Mutter, die Allesgebärende spüren, soll seine Motivation von innen erhalten, soll schöpferisch und empfangend zugleich sein, sich verbinden mit der Natur, sein Seelenheil gerettet wissen, und wacker seine Arbeitskraft einsetzen, unermüdlich schaffen mit entrücktem, verzücktem Lächeln, wie in Trance seine Listen ausfüllen, seine Dinge gestalten, mit dem Gefühl, in seinem Vorgesetzten die Manifestation des Guten gefunden zu haben, der seinem Leben den rechten Sinn geben kann. Nicht die Maske, nein, die Göttin dahinter ist das Objekt der lebensgestalterischen Begierde. Ist denn das so schwer zu verstehen?
Das letzte Führungskräfteseminar verschlafen? Ist es immer noch nötig, in diese spätmittelalterlichen Show- oder Schaukämpfe zu verfallen? Wer ist der stärkste im ganzen Land? Ich fahr ihm übers Maul, dann weiß er, woran er ist! Der dürftige Inhalt wird durch die Form kaschiert. Das ist die preiswerte Methode jeder Talkshow. Wetten, dass ich das schaffe? Dass ich das durchsetze? Die werden schon sehen! Nur: Falsches wird durch Lautstärke oder penetrante Wiederholung nicht richtig. Eine Hoffnung, ein Trost: Wahres bleibt trotz ständiger Wiederholung, trotz Leise- und Lautstärke, trotz Lautschwäche sogar, immer wahr. Die Wortgewalt entlarvt sich als Schwäche, als hilfloser Versuch, überhaupt eine Frage zuzulassen, die das schwankende Gerüst der Argumentation zu Fall bringen könnte. Wie wir miteinander umgehen, lässt auch auf unser Innenleben schließen. Wer den Schwachen angreift, kann sich keinen Stärkeren leisten, muss sich als Schwacher einen scheinbar Schwächeren suchen, um sein Selbstbild zu polieren, um sich selbst zu erhöhen durch Erniedrigung anderer. Rigides Tun und Denken ist der spröde Panzer, der vor der Entdeckung des weichen Kerns, der Unsicherheit, der Angst, der Haltlosigkeit schützen soll, ein SELBSTSCHUTZ letztendlich.
Die Menge steht dabei und ist platt, sie staunt, und fragt sich, warum die Menge so dumm ist?

Schulinspektion - Qualitätsanalyse (Teil 7): Raucher

Assistent Harald öffnet sein Tagebuch: Wie geht eine Schule mit ihren Rauchern um? Das ist doch eine Frage, deren Antwort tief blicken lässt. Endlich, denken der Schulleiter oder ähnlich Disponierte, kann ich denen beikommen. Da haben die doch jahrelang in einem stillen Kämmerlein vor sich hingeschwelt, einen pädagogischen Brand vielleicht vermieden, aber immer auf kleiner Flamme ihr Süppchen gekocht, und jetzt endlich ist der Ofen aus. Das wurde auch mal Zeit. Gut, denken Besagt weiter, vielleicht habe ich da auch meine Schwächen, trinke gern mal ein Gläschen, esse fettes Fleisch und Currywurst und sowieso zu viel, vor allem Süßigkeiten, bewege mich nur hinterm Schreibtisch und habe eine Abneigung gegen Arbeit, aber mit dem Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden wird der Schulgesundheit ein Dienst erwiesen. Vorbild können die doch nicht sein, abhängig von ihren Stängeln, Inhalatoristenpack, das in seiner Schwäche auch noch Selbstmitleid beweihräuchert, sich als Minderheit, wohl auch noch verfolgte fühlt, die sich in ihrer Kleingruppe durch rituelles Abfeuern von Tabakröhren in ihrem Gruppengefühl stärkt und glaubt, gegen alles Mögliche opponieren zu können. Eine Stinker- und Stänkergruppe! Das wurde Zeit, wirklich Zeit, ein Ende zu setzen. Da haben wir es nun. Und was denken Außenstehende, wenn sie die ihres Raumes entledigten Menschen sehen, wie sie traurig hinter einem Busch stehen, allein, vielleicht zu zweit, wie sie im Auto sitzen, weil sie nicht auf dem Gelände bleiben dürfen und eine Runde um den Block drehen, bis die Zigarette aufgeraucht ist? Traurig, denken Außenstehende, sehr traurig, hätten einfach nicht mit dem Rauchen anfangen sollen.
Was sagt das über eine Schule aus? Gehorsame Schule, gute Schule. Minderheiten sind zu tolerieren, aber eben nicht alle. Da kann man nichts machen. Will man aber auch nicht.

Andi Doth: Trügerisches Rot

Was erwartet man von Rot? Erotik, Feuer, Spannung, Energie, Lebensfreude. Keine Farbe ist mit mehr Begriffen besetzt als diese Farbe. Hier wird die versagte Liebesbeziehung kompensiert, der Frühjahrsmüdigkeit, die sich als Sommerschläfrigkeit erweist, entgegengewirkt, die Kraft geschöpft, dem Chef mal gehörig den Marsch zu blasen, der Nachbarin endlich ein Friedensangebot über den Komposthaufen zu werfen und den neuen Ferrari doch auf Ratenzahlungsbasis zu bestellen, in Rot natürlich. Nun greift man zur Erdbeere, die rot und reif, all das erfüllen soll, deren Aroma die Konzentration aller Begehrlichkeiten sein muss, und beißt in sie hinein, stellt fest, dass sie eher wie eine Tomate schmeckt, eine holländische, neutral und nicht definierbar, feucht und etwas matschig, und die Scheinwelt implodiert im Schädel. Niedergeschlagen greifen wir zur Schlagsahnespritze, um dem Ganzen noch etwas Zucker und Fett zu geben, dazu einen Hauch künstlicher Vanille. Tomate mit Schlagsahne. Ein Trost: Tomaten sind auch rot. Ein Rat für den Obstesser mit seinen Lebenslügen: Greif lieber zur Stachelbeere, die schmeckt wenigstens wie sie aussieht!

Kinderarbeit auch in Deutschland



Auf ausgewiesenen Großbaustellen herrscht ständig Druck, dass die vorgegebenen Termine nicht eingehalten werden und die Kosten nicht explodieren, denn die Angebote sind selten das, was sie versprochen haben. Hinterher heißt es sparen, wenn der Auftraggeber das Portemonnaie nicht aus der Tasche holt und die schlampige Planung mitfinanziert. Der Ostarbeiter, der für wenig Geld schwarz auf dem Bau schuftet, wird immer seltener; die Ansprüche steigen; viele sind in besser zahlenden Nachbarländern und stechen Spargel. Die industrielle Reservearmee wird mobilisiert. Ein fragwürdiges Unterfangen, aber angesichts mangelnder Ausbildungsplätze eine Chance für 10-12jährige Schüler, Kontakte zu knüpfen, Talent zu beweisen und einen Ausbildungsplatz um 2014 zu ergattern. Für die Arbeit als Baggerfahrer zahlen die Eltern lediglich 1,50 € die Stunde und können zufrieden sein, alles für den Sprössling getan zu haben. Die Arbeitswelt braucht mehr solcher Ideen. Kritikern wird entgegengehalten, dass den Knirpsen die Arbeit sogar Spaß mache, da sie ja nicht dauernd mit dem Aufsitzmäher von Opa durch dessen Garten knattern könnten.






Worte der Besinnung ( Samstag, 7.6.08)




Einhalten - wo andere vorhalten.



Innehalten - wo andere nachhalten.



Anhalten - wo andere abhalten.



Halten - wo andere weiterfahren.






Männergespräche: Die Taube

Hotte: Sind Tauben eigentlich behindert?
Fred: Wieso?
Hotte: Weil sie doch nichts hören....
Gustav: Das weißt du doch gar nicht.
Hotte: Tauben können nicht hören, das lernt man doch schon in der Schule.
Bob: Ach, was, wie lange ist das denn schon her?
Hotte: Also, behindert oder nicht?
Fred: Darüber macht man keine Witze.
Hotte: Wieso?
Fred: Das ist political nicht correct.
Hotte: Was ist das denn?
Fred: Englisch.
Bob: Du hast eine Taube auf der Schulter...
Hotte: Ja, guck dir das an, seid nicht so laut, sonst fliegt sie weg.
Gustav: Die hört doch sowieso nichts.
Fred: Jetzt hat sie auf deine Schulter gekackt.
Hotte: Siehste, das habe ich jetzt davon. Das ist total beknackt.
Fred: Bekackt.
Hotte: Blöde Taube!
Gustav: Die hört das doch sowieso nicht.
Hotte: (schiebt die Taube von der Schulter, die dann wegfliegt) Hau ab, du Ferkel!
Fred: Das ist, als ob du zu einem Pferd Ochse sagst, oder zu einer Schlange Krokodil.
Hotte: Die hört doch eh nichts.
Bob: Da wär ich nicht so sicher.
Hotte: Kommt, lasst uns Elfer raus! spielen!

Gleichstellung: Mädchenname (Donnerstag, der 5.6.08)

Da haben wir es wieder: Mit der Gleichstellung der Frau ist es nicht weit her. Die Gleichstellungbeauftrage hat geschlafen, denn die Ungleichstellung lauert überall, und das seit Jahrtausenden. "Mädchenname" - ein Beispiel für die Vertraktheit des Themas. Es gibt keinen Jungennamen. "Mädchenname" ist daher diskriminierend, wenn er einer Frau zugewiesen ist. Der Mann trägt nur einen Namen, einen Haus- oder Nachnamen, aber keinen Jungennamen. "Mädchenname" ist also untergeordnet dem Oberbegriff "Name". Der Mann greift mal wieder ins Volle, er gibt sich nicht mit Unterbegriffen ab. "Jungen- und Mädchenname" ist auch keine Lösung. Was aber tun, wenn die Männerwelt sogar in so einem perfiden Fall die Oberhand behält?
Mittlerweile können ja auch Männer bei der Eheschließung den Namen ihrer Frau annehmen. Für den Namen vor der Ehe wird aber noch kein Pendant gesucht. Das hat man schlicht vergessen oder will gar nicht suchen. "Vorehename" als geschlechterübergreifender Begriff? Vor welcher Ehe denn, kommt die berechtigte Frage. Wer befindet sich denn heutzutage noch in einer Ehe, und wenn, dann doch wohl nicht in der ersten. Mit "Vorehename" tut man auch so, als sei das ein Zustand der Glücklosigkeit, der Minderwertigkeit, des Dämmerzustandes. Dabei ist es oft genau umgekehrt. Und wer ist schuld? Die Männer. Zumindest für die Gleichstellungsbeauftragte. Also, liebe Leser, sucht mal einen schönen Namen. Arielle! Fred! Robbi! Anne! Euer Rat ist gefragt!

Nur schauen - nicht denken

Mal nichts denken, mal einfach hinschauen und betrachten. Kontemplieren. Ein Entenküken, wie niedlich, ach, ist das süß, und wie es mit den Beinchen strampelt. Ist auch schon alles dran, was so eine Ente braucht. Nein, wie niedlich, ach, in dem Alter sind die alle so süß. Und später, ach, ist die lecker, also, wenn die so knusprig gebraten auf dem Tisch liegt, vielleicht sogar beim Chinesen, in Bierteig frittiert. Lecker. Wenn der ölige Saft die Mundwinkel hinabläuft, vielleicht auf die gute Hose tropft, das geht schwer raus, da bleibt immer ein Rand, ein Fleck oder ein Schatten. Das ist eklig. Ente ist sowieso zu fett. Schmeckt schnell tranig, und verdauen, da sieht es auch nicht gut aus. Dies Aufstoßen nach dem Essen, die schwere Nacht, schlaflos oder von Albträumen geplagt. Ente. Ente eben. Gottseidank keine Gans. Ach, ich weiß nicht, sogar Lachs soll voll von Antibiotika sein, Hormone sind da drin, die Menge. Was kann man denn heute noch essen? Ist doch alles verseucht. Wenn sie klein sind, sind sie süß. Aber irgendwann werden sie eklig. Alle.

Loslassen können - oder nicht?

Wir haben gelernt: Wenn du an der Dachrinne hängst oder dich über einem Abgrund an ein einsames Enziangewächs gekrallt hast: Nicht loslassen! Wer weiß, wo du landest? Der Esoteriker weiß es besser: Lass los, damit du frei wirst. Superidee! Wenn ich in den Abgrund stürze, kann ich einen Moment wie ein Vogel, so frei, fliegen. Allerdings nur nach unten. Mit dem Landen werde ich es dann nicht so haben; da ist der Vogel dem Menschen um Einiges voraus, weshalb er das Fliegen dann immer wieder üben kann. Das geht uns Menschen ab. Wir landen nur einmal. Wenn ich die Dachrinne loslasse, treffe ich vielleicht auf das Sprungtuch der Feuerwehr oder die Dachrinne hängt im Erdgeschoss und ich stehe direkt über dem Rosenbeet, sinniert der tiefgründig Denkende, der esoterisch Angehauchte. Mundkeule!, schreit der Realist. Sicher ist sicher! Ich lasse nicht los, was will ich denn im Sprungtuch der Feuerwehr? Neue Menschen kennen lernen? Da gehe ich doch lieber zur nächsten Übung oder zum Kreisfeuerwehrtag. Loslassen lohnt nur, wenn man das, was man festhält, nicht mehr haben will. Und wer will das schon? Also - ich meine, das muss doch jeder selber wissen.

Vincent van Eijnoor: Menschen im Wohnblock






Das große Trostlos gezogen.

Neue Trends: Abdeckfolien für Tattoos

Endlich sind sie da: Für Leute, die ihre Tattoos nicht in der Öffentlichkeit zeigen wollen, damit man sie nicht in die Kategorie "Nachmittags-Talkshow" einstuft, für Leute, die ihre Tattoos endlich selber hässlich finden, für Menschen, deren Figur nicht mehr zum Körperbild passt, und für solche, die Tattoos insgesamt übel finden, aber zwölf davon auf ihrer Haut verteilt haben und unsichtbar machen wollen. Ein Klassiker ist das sogenannte Arschgeweih, das bei der Herstellung durch den Stichelzeichner die Form eines schlanken Hirschgeweihes hat, später mit zunehmender Körperveränderung, eher den Schaufeln eines kapitalen Elches entspricht.
Manchmal sogar erschlaffen die Schaufeln und hängen als lose Lappen über der Hose. Das wollen weder Betrachter noch Besitzerin der Hose. Die Industrie hat jetzt diverse Abdeckfolien aus Baumwolle und Synthetik auf den Markt gebracht, die vorgaukeln sollen, es handele sich um eine Art nützliches Kleidungsstück; in Wirklichkeit sollen aber nur unschöne Bildchen kaschiert und ein unversehrter Körper vorgetäuscht werden. Es ist eben mittlerweile wie mit privaten Fotoalben; die öffnet man auch nicht jeden Tag der Öffentlichkeit zur Einsichtnahme, sondern setzt sich an besonderen Tagen ins Sofa und blättert zu einer guten Tasse Kaffee oder einem Glas Wein in der Vergangenheit.

So doof können Mützen machen

Früher gab es Jockey-Mützen, die aus Stoff bestanden, einem Schirm und einem Kunststoffemblem, das einen Reiter mit Pferd darstellen sollte, und nicht aus den heutigen Hartschalen. Das war zu Zeiten, als Pferde noch langsam galoppierten und die Reiter nach einem Sturz nicht im Koma verharrten. Seitdem die Zeiten schneller geworden sind, seitdem alles globalisiert wird, die Pferde rennen, was das Zaumzeug hält, kann sich niemand mehr erlauben, ohne Schutzhelm seinem Sport nachzugehen. Der Radfahrer tut es, der Inline-Skater und der Skifahrer; bald wird es auch der Walker tun, der Mensch auf dem Heimtrainer und der Schachspieler ist bald in puncto Hartschale im Zugzwang, um die internationalen, nein, weltweiten Trends nicht zu verpassen. Der Stoffmütze mit Schirm bleibt nur noch eine Nische. Nicht einmal als Sonnenschutz dient sie den Augen, denn meistens findet man sie bei Personen, die ihren Kopf falsch herum auf dem Hals haben, deren Vorsicht eher Nachsicht ist, deren Vorausschauen ein Hinterhergucken werden muss, und die die Kappe tragen, um von dieser Indisponiertheit abzulenken. In Kombination mit weiten, zu tief hängenden Hosen macht die Mütze einen doofen Eindruck auf den Betrachter. Aber haben die nicht auch geschrien, als der Minirock auf die Straße kam, und haben sie nicht noch lauter geschrien, als er durch den Maxirock wieder abgelöst wurde, nachdem aus Moralisten Voyeure geworden waren, denen man quasi die Augen ausgestochen hatte, bzw. die Bildröhre gestohlen hatte? Wenn der Vergleich auch hinkt, bleibt die Frage: Wer guckt sich den wirklich gerne Mützen an, die auf verdrehten Köpfen sitzen?

Missverständnisse im Alltag



Ey komm, lass uns Mohn klatschen, sagt die Glatze zur anderen. Wie, klatschen?, fragt die zweite Glatze. Na, zack und drauf, dass es eben klatscht, erläutert die erste. Und was ist Mohn?, die zweite. Mohn, sind Mohn eben, kommt von Mohnköpfe, sagt die erste leicht genervt. Haben die denn auch Glatzen, damit es klatscht?, die zweite. Weiß ich nicht, kommst du jetzt mit oder nicht? Der erste Kahlkopf stampft mit seinem Springerstiefel auf den Boden.

Beide ab.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, seinen Wortschatz auf mindestens 150 Wörter zu erweitern und die paar Wörter auch richtig auszusprechen.

Andy (Das Gegengift) Doth: Serielle Kunst

Da haben wir es doch wieder mal: Wenn die Ideen ausgehen, dann reduziert man sich auf ein paar Teile, die irgendwo herumliegen oder -stehen. Wenn die dann noch gleich aussehen und irgendwie im rechten Winkel oder parallel sind, dann nennt man das seriell. Sogar die Fotografie bedient sich dieser Augenwischerei. Vier Gitterstäbe reichen schon, um ein Bild zu veröffentlichen. Das ist Hohn. Erfunden haben dieses spärliche Herumkünstlern die Musiker. Als ihnen Anfang des 20.Jahrhunderts die Töne ausgingen, haben sie einfach 2 bis 3 herausgegriffen, daraus minimalistische Melodien gebildet, das vorwärts, rückwärts, umgekehrt geklimpert, runtergewürgt und ausgwürgt , wiedergekäut, miteinander kombiniert und gehofft, sie hätten endlich eine neue Musik, die noch nicht dagewesen wäre. Der Zwölftöner setzte noch eins drauf und benutzte gleich alle 12 Töne, sodass möglischt schiefe Tonfolgen entstanden, die dem mitteleuropäischen Ohr Qualen bereiten sollten. Konstruktivismus. Wo bleibt die Emotion? Vergammelt in lauten und leisen Passagen, der einzigen Gestaltungsmöglichkeit in einem Tonmalkasten, in dem nur drei Farben sind; der Rest klingt schrill. Einfallslosigkeit mag ja Kunst erzeugen, das sieht man an der Volkstümlichen Hitparade, aber ob man das so nennen darf, ist fraglich. Immerhin gibt es CDs dieses Musikgenres, auf dem jedes Stück dem anderen gleicht.
Unglaublich, was diese einfallslosen Zeiten gebären!

Tennis - Ein Sport verkommt

Wenn man das dumpfe Pocken hört, das der Filzball auf der Schlägerbespannung hinterlässt, denkt manch einer mit Wehmut daran, was aus Tennis geworden ist. Früher nannte man es den "weißen" Sport, Männer wie Frauen spielten in blütenfrischer Sportkleidung. Die Damen trugen strahlendweiße Röckchen, die Herren elegante, häufig lange, Hosen. Niemand sah den Menschen an, dass sie Sport trieben, niemand stellte sich vor, dass Schweiß in den Achselhöhlen für Flecken im Hemd und üble Gerüche sorgen würde. Der weiße Sport war Hygiene par excellence. Nichts konnte sauberer sein. Keine marodierenden Fans, die dem Unparteiischen Schläge androhen oder dessen Auto zerstören wollen. Das Bemühen um Eleganz und Rhythmus war erstes Anliegen; verpönt waren orgasmusartiges Gestöhne oder die übereifrige Judorolle, um den Ball noch zu ergattern, weil die Füßen nicht pünktlich aus dem Quark gekommen sind.
Heute kann sich jeder Lackel in Schlabberhose und entsprechendem Sweatshirt auf den roten Platz bewegen; heute kann jeder laut johlen, grunzen, ächzen oder in Tränen ausbrechen. Es kümmert niemanden mehr. Tennis ist Volkssport geworden und passt sich auch optisch der Volksvorliebe in puncto Mode an. Schön ist, was bequem ist. Plastikwäsche und übergroße Baumwollteile, die schnell ausleiern, wirft man sich eilig über den nicht immer durchtrainierten Körper und kaschiert unelegante Bereiche. Die Farbe spielt überhaupt keine Rolle mehr. Ob das T-Shirt zum Rot des Platzes oder zum Gelb des Balles passt - völlig uninteressant. Ästhetik wird ignoriert. Der gestärkte Kragen des Herrentennishemdes und der lenorgespülte, kurze Rock der Dame sind verschwunden. Dazu fehlt die Zeit und die Liebe zum Detail. Jeder drischt seine Bälle übers Netz, Hauptsache der Gegner muss laufen, um den Ball zu holen; die Eleganz einer Sportart für den betuchten Individualisten mutiert zum belanglosen "Ballüberdieleine" für Menschen, die Spaß am Schweißgeruch haben und sich gerne aus der Altkleidersammlung bedienen. Das hat diese Sportart nicht verdient.

Europäische Einheit

Wie schön, wenn Ost und West sich gut verstehen. Welche Symbolkraft haben einfache Gegenstände; in ihrer Kombination sind sie mehr als die Summe ihrer Inhalte oder lediglich ihrer Behälter. Eine Wodkaflasche, gestern Abend an einer Autowaschanlage mit den Kollegen geleert, treibt zusammen mit einer Dose, die wohl einmal ein stark zuckerhaltiges Getränk aufbewahrt hat und als Energy-Drink dem Konsumenten Kraft und Durchhaltevermögen versprochen hat. Östliche Autohygiene und westliches Durchhaltevermögen dümpeln vetraut nebeneinander im morastigen Wasser eines Nebenarmes der Weser, der Elbe oder der Oder.
Wer immer noch glaubt, dass Ost und West nicht zusammenwachsen können, weil sie nicht zusammengehören, weil sie charakterlich zu unterschiedlich seien, hier die Strebsamen, Kräftigen,Beständigen, dort die versoffenen Diebe und Faulpelze, die nicht ohne Anweisung einen Finger krumm machen, nährt nur die jahrhundertealten Vorurteile und stellt sich damit ins Aus. Das hat der Europäer, wenn es ihn denn gibt, nicht nötig. Und irgendwie sind wir doch alle ein bisschen Europäer, zumindest geographisch.

Vincent van Eijnoor: Kopfdruck

Anlehnen kann zur Qual werden für den, der die Anlehnung ertragen muss. Den Kopf auf seinen Nächsten stützen ist eine Respektlosigkeit dem Stützenden gegegnüber, dessen Bedürfnisse und Interessen werden nicht berücksichtigt, nur der Eigennutz regiert und diktiert das Verhalten. Das muss nicht sein.
Ein lautes NEIN! kann eine Grenze ziehen, nein!, ich will nicht, dass du dein Kinn auf meine Fontanelle legst. Das empfinde ich nicht nur als peinlich, sondern auch als höchst unangenehm. Die meisten Leute können nicht nein sagen. So passiert es immer wieder im öffentlichen Nah- und Fernverkehr, wenn die Sitzplätze vergeben sind, dass Reisende den Mitreisenden als Ablagefläche für ihr müdes Haupt suchen; vollkommen belanglos bleibt, ob das dem Mitreisenden passt. Der hat plötzlich so einen Druck auf dem Kopf und spürt die nächste Migränewelle anrollen, schluckt vorsichtshalber ein paar Pillen. Völlig zu unrecht belastet er Leber und Nieren, ist abgedröhnt und bekommt von der schönen Reise kaum noch etwas mit. Wenn der Zugbegleiter kommt, kann er kaum seine Fahrkarte hochhalten und lallt etwas von "Die ssweite von links dassis meinefrau...."
Der Kontrolleur presst seinen Stempel auf die Karte und wendet sich dem Kopfaufstützer zu. Der stellt sich schlafend und macht auf siamesischen Zwilling, worauf der Kartenmann stirnrunzelnd weitergeht, weil er nicht genau weiß, ob die als eine oder zwei Personen durchgehen. Hätte er nachgehakt, dann wäre ihm ein Schwarzfahrer in die Lappen gegangen. So aber ist dem unentgetlichen Zugfahren und dem Vortäuschen einer Behinderung wieder einmal Vorschub geleistet worden. Darum ein klares NEIN! zum Kopfaufstützen durch wildfremde Personen.

Beschaulichkeit beim Tee: Steinenachmittag

Tee verbreitet Gemütlichkeit, und Gemütlichkeit mit genügend Zeit entwickelt sich zu Beschaulichkeit. Man will sich nicht nur an die warme Tasse schmiegen, sondern der Szene auch einen Sinn geben. Ältere Menschen treffen sich gern bei einer Tasse Orange Pekoe oder Ostfriesenbrocken, um sich über gemeinsame und unterscheidende Krankheiten auszutauschen. Themennachmittage sind immer öfter zu beobachten. Jeder bringt ein Objekt mit und es wird erzählt, es werden Erfahrungen ausgetauscht und heißdampfender Tee, vielleicht mit einem Spritzer Rum, getrunken. Nieren- und Gallensteine liegen auf den nett dekorierten Tischen, blankpoliert oder rau und unbehandelt, erzählen sie von leidvollen Krankenhausaufenthalten mit arroganten Schwestern und unbeholfenen Ärzten, laut schnarchenden Mitpatienten und aufdringlichen Krankenbesuchern, die sich in die Gespräch wildfremder Menschen einmischen und alles besser wissen. Ein Nachmittag mit dem Thema Steine geht herum wie im Fluge, am Ende steckt jeder seine Erinnerungsstücke in die Tasche und fährt zufrieden nach Hause, wohlwissend, dass er doch am meisten von allen Anwesenden gelitten hat.

Sinnvolle Mathematik: Limes gegen O

Endlich kann ich der Mathematik einen Sinn geben. Damals, es war Ende der Sechziger und wir zweifelten an allem, was die Lehrer sagten, stellte sich auch mir die Frage: Was soll der Scheiß? Wenn etwas gegen 0 geht, entfleucht der Rest im Unendlichen. Wann braucht man das? Und was ist eigentlich mit dem Tatbestand, dass man diese Null nie erreicht, sich immer nur nähert? Das ist doch frustrierend. Ein Fall für den Therapeuten; nichts, was in Mathebücher gehört. Jetzt, im gereiften Alter, kann ich dem Ganzen einen Sinn geben: Ein Gespräch ergab, dass Regenwürmer nicht in die Wechseljahre kommen. Zu dieser These gesellte sich die Erkenntnis, dass man Regenwürmer mit dem Spaten teilen kann, woraufhin sie als zwei unabhängige Individuen weiterleben können. Sie leben zwei Leben, ihre Lebenszeit hat sich verdoppelt. Nun stelle man sich vor, man führte diesen Teilungsvorgang immer wieder durch, immer und immer wieder, so dass die Länge der neu entstehenden Regenwürmer gegen Null geht. Die Gesamtlebensdauer der Würmer, wenn man dann noch von Würmer sprechen kann, da ihre Breite ja länger als ihre Länge bzw. breiter ist, geht bei diesem Vorgang gegen Unendlich. So hat die Mathematik endlich die Ewigkeit erfunden. Endlich! Haha! Unendlich eigentlich. Viel wichtiger aber ist die Antwort auf meine damals gestellte Frage: Was soll der Scheiß? Schöner Nebeneffekt: Wechseljahre und Regenwürmer haben auch eine Daseinsberechtigung in der Sinnfindung der Mathematik bekommen.

Leute von heute

Nehmen wir mal nur diesen Schnappschuss, aufgenommen auf jeder x-beliebigen Frühjahrsmesse, in einem Einkaufscenter oder im Gedränge einer Prozession für einen unbekannten Heiligen in Altötting. Die Menschen, egal in welcher Umgebung sie sich aufhalten, sind, wie sie sind: Leute von heute. Sie stecken die Nase in fremder Leute Angelegenheiten, gehen auf Tuchfühlung, wo Abstand gefordert wäre,schweigen sich an, wo man Gespräche dringend führen müsste, und zerreißen sich das Maul über ihr gemeinsames Kind, weil das zu kleine Ohren hat und deshalb nicht hören will. Vor allem: Sie schreiben oder reden über völlig belanglose Dinge, als ginge es darum, Sprechblasen oder Seiten zu füllen. Immer mehr Menschen stutzen deshalb, obwohl Zweidrittel der Bevölkerung nicht mehr weiß, was das Wort überhaupt heißt. Auf Nachfragen kamen Antworten wie: Doof gucken, Haare schneiden und Gewehr mit abgesägtem Lauf. Die Genforschung widmet sich derweil der Produktion und Aufzucht von Chimären, also monsterartigen Mischwesen aus Tier und Mensch. Welche skurrilen Formen da möglich sind, kann sich der kreative Denker wohl vorstellen. Völlig übersehen wird aber, dass es auch ohne Gentechnologie schon jede Menge Chimären gibt. Die wissen es nur nicht und fahren lieber betrunken Zug, um dem Auswärtsspiel ihrer Mannschaft beizuwohnen.