A bis Z des Rock: Alice Cooper

Alice Cooper hatte mit Vorurteilen zu kämpfen. Erst mal war er schon zu alt, als er anfing Musik zu machen und es stellte sich raus, dass er ein reicher Pinkel war, auf jeden Fall der Sohn dieser. Um von der Musik abzulenken,   schminkte er sich die Augen, als sei er ein verheultes Schulmädchen, hängte sich eine Schlange um und trug eine löchrige Ganzkörperstrumpfhose. Die Haare hatten was von unserer Andrea Berg, die ja auch immer in Unterwäsche auftrat, um von der Musik abzulenken.
Das war dann insgesamt Protest gegen die reichepinkligen Eltern und die ganze amerikanische Sippschaft, mit denen Alice Cooper nichts zu tun haben wollte. Eine Zeitlang wohnte er - wohl wieder aus Protest - neben Howard Carpendale, der daraus das Lied "Tür an Tür mit Alice" machte. Smokey machte im Gegenzug ein Lied über Howard Carpendale mit dem Titel "Next door to Alice".
Was uns aber allen unter den Nägeln brannte, war die Frage: Was macht der Mann, der ja trotz des irreführenden Namens kein Mädchen war, wenn er mal pinkeln muss? Konnte man die Löcher in der Strumpfhose als Verzweiflungstaten deuten, wenn es dann doch pressierte? Musste er sich immer ganz ausziehen, und hatte er genügend Zeit dazu, während die Band die Gitarren stimmte? Nach dem Ausziehen kam ja das Wiederanziehen und da musste man schon die richtigen Löcher in der Strumpfhose treffen, wenn man zeitnah und punktgenau auf der Bühne stehen wollte, um mit seiner Python von der Musik abzulenken und gegen die ganze amerikanische Meschpoke zu protestieren.
Und die Python - sollte sich nicht den Penisneid bei Frauen schüren, so wie es Rudolf Nurejew damals mit seiner Hasenpfote machte, die er sich in die Tanzhose geschoben hatten, damit diese prallgefüllt die Kraft des Russen an sich repräsentieren sollte, auch wenn seinem Land den Rücken gekehrt hatte? Klar ist, dass sich Legenden über das Outfit bilden, denn Musik geht da rein und da wieder raus und hinterlässt vielleicht nur einen Hörschaden.
Alice Cooper aber bleibt. Seite an Seite mit Rudolf Nurejew und dem ganzen Bolschoi-Theater.

Wenn Metaphern nicht greifen: Preise streichen

Da geistert dieser Bartträger, der einem Angestellten der Russenmafia ähnelt, seit Wochen durch Prospekte und Märkte einer deutschen Einkaufskette, hält einen roten Pinsel, was ja auf den ehemals kommunistischen Ostblock hindeutet, und signalisiert: Ich bin so doof, dass ich mit diesem Pinsel angefangen habe, die Preise zu streichen. Und zwar rot.
Wir wissen nicht, was dieser graue Herr, der mit dem Adjektiv supergeil verbunden scheint, denkt, was mit Preisen passiert, die man rot streicht. Ja, genau, die sind dann hinterher rot und niemand kann sie lesen. Was nützen aber dem Kunden Preise, die rot angestrichen sind und warum ist das supergeil?
Vielleicht für die Preise, die sich an den empfindlichsten Stellen durch einen Naturborstenpinsel berührt fühlen und dann abgehen wie Schmidts Katze, was dem Kunden wiederum nicht gefallen wird, denn der liebt eher die ruhigen und flachen Preise, die das Portemonnaie nicht belasten.
Vielleicht macht der Mann auch nur seinen Job, denn der streicht in einem grauen Anzug und dazu trägt er Sonnenbrille, obwohl in Geschäften in der Regel die Sonne nicht scheint. Mag sein, er ist blind; aber dann kann man sich das Streichen auch schenken; selbst mit Sonnenbrille in geschlossenen Räumen ohne Sonneninstrahlung kann das Tragen einer Sonnenbrille beim Streichen nur zum Überschmieren und Danebenklecksen führen, was wiederum eine Gefahr für den sauberen Anzug des Mannes darstellt, denn bekanntlich geht Farbe schlecht raus, vor allem wenn das erst nach Feierabend bearbeitet werden kann.
Die Deutsche Aufsicht für scheiß Werbung DASW sollte mal eine Wörtchen mit der Marktkette sprechen, was man unter "Preise streichen" versteht, und dass hier der Kunde für dumm gehalten und verkauft wird. Wenn man mit einer Kette überhaupt reden kann, denn die ist so stark, wie das schwächste Glied. Schon wieder so ein doofer Vergleich. Einkaufen kann zur Last werden, wenn man ständig von schlecht sitzenden Metaphern geistig angegrapscht wird. Vielleicht geht dass ja auch nicht...


Ins Essen starren

Da sitzt man am Tisch und starrt in sein Essen, das nicht appetitlich aussieht. Ein Hungergefühl ist vergangen. Und man denkt, woher das Essen wohl kommen mag, dass das so schaurig aussieht und wer es wohl angerührt oder sogar so gar gekocht hat? Angerührt - das Wort hat hier auch noch eine andere Bedeutung, denn das Essen hat bestimmt keiner angerührt, nicht mal der, der es angerührt hat.
Das klingt verwirrend, ist es aber nicht, denn das Verb anrühren hat doppelte Bedeutung, die eine hat mit der anderen nichts zu tun. Wer sich dann noch angesichts der Pampe angerührt fühlt, drückt vornehm und eher im Religiösen gebräuchlich aus, dass eine Mahlzeit - hier ein undefinierbarer Brei - den Menschen angerührt hat, ihn gewogen und nachdenklich gemacht hat, vielleicht ein Anstoß war, ob man das Vorgesetzte überhaupt essen kann.
Lasst uns nicht eine schlichte und eventuell auch schlechte Mahlzeit einfach vom Tisch wischen. Betrachten wir sie eingehend, dann fallen den Menschen Wörter ein, die mehrfache Bedeutungen haben. Das ist schön und bereichert den Alltag. Und macht obendrein satt, wenn man lange genug starrt. Schnell hat man eine Mahlzeit und die dazugehörigen Joules gespart.

Rikki don't lose that number - Was Musik so alles mit einem macht...

Fred hatte sich unter Steely Dan etwas ganz anderes vorgestellt, so einen knallharten Kerl, Bautyp Hochofenstahlarbeiter, der abends noch in die Mukki-Bude geht und als Personalchef in der Rockergang Free Willies oder so ähnlich tätig ist, dort Prospects prüft, was natürlich nicht die Werbehefte vom Lidl oder Aldi sind, sondern Anwärter auf eine Mitgliedschaft im Motoradclub.
Und dann sollte Rikki seine Nummer nicht verlieren, er sollte sie sich selbst zuschicken in einem Brief! Das machen heute viele, die an Gedächtnisschwund leiden, dass sich sich selbst Mails schicken, in denen sie sich selbst erinnern, eine Mail abzufrufen, die etwas Wichtiges enthält, denn in der Regel tut sie das ja nicht, es sei denn der Chef hat was geschickt. Heute würde man sich auch eher eine WhatsApp-Nachricht zusenden, das geht aber nicht ohne zweites Handy.
Rikki, don't lose that number, brummte Fred mit und musste an das beharrliche und penetrante Eselsbrückengehabe des Englischlehrers denken, der ständig psalmodierte: to lose mit einem o, weil das o weg ist, lost, also verloren, to loose aber heißt lösen und to louse mit ou eine Stadt in Frankreich ist.
Toulouse or not Toulouse, grunzten wir in unseren Schulbänken, und nahmen das Leid der Autofahrer mit Navigationssystem, das sich zwischen zwei Alternativen nicht entscheiden kann, vorweg.
Von Toulouse oder not Toulouse kamen wir direkt in den Hamlet zu Toby oder not Toby, auf deutsch Tobias oder nicht Tobias, die Frage mit dem Totenschädel, aber Tobias ist nicht Rikki, und Rikki ist ein ostdeutscher Namen, ein ostzonaler Name hätten wir damals gedacht, wenn wir gewusst hätten, dass es junge Menschen in der Ostzone gegeben hat.
Von der sogenannten DDR wussten wir nur, dass es in der Magdeburger Börde Löß gab und dort Rotkohl angebaut wurde. Sozialismus eben. Rotkohl.
Jetzt steht Rikki da neben Danny und Ringo und Maik, und sie schauen Mandy, Nancy und Cindy nach. Rikki versucht, die Nummer nicht zu verlieren. Darunter stellt er sich etwas anderes vor, mehr eine Nummer mit Mandy, Nancy oder Cindy. Aber die waren scharf auf Danny. Die Welt war ungerecht. Er verstand sowieso nicht genug von dem englischen Text.
Fred wusste, dass Rikki ein Mungo war, der Schlangen tötete, das hatte er bei Donovan erfahren, Rikki Tikki Tavi hieß der mit vollem Namen. Da musste man ganz genau aufpassen, dass man den Vokal korrekt auswarf. Politisch nicht korrekt, das  gab es zwar noch nicht, aber eine Ahnung davon. Überhaupt war die Aktion Sorgenkind gerade erst angelaufen, und da machte man keine Scherze, höchsten wenn man unter Seinesgleichen war.
Fred war verwirrt. Was sollte diese ganze Geschichte mit der Nummer? Es gab ja noch nicht mal ein Handy. Auch den Begriff Festnetz gab es nicht, Telefon hieß das. Wer sich keine höchstens vierstellige Telefonnummer merken konnte, der hatte auch keinen Anspruch auf eine Nummer. Da konnte einem Rikki nicht leid tun. Steely Dan blättert in den Prospects wie in einem offenen Buch. Leider konnte er nicht lesen. Da half auch keine Mukki-Bude; eine Rockergang, die sich Free Willies nannte, war sowieso zu ignorieren, vielleicht hatten die den Film "Free Willy"nie gesehen, da hätten die noch mal schwer überlegt, ob so ein Name nicht eine Art Selbstdiskriminierung ist.
Wie weit ausladend und doch so einladend, wie ausschweifend und doch abschweifend konnte Rockmusik nur sein....




Georg Krakl - Sich mal gern haben können

Fern im Osten
saßen die, die gern an Füßen und an Fingern kosten,
starrend auf die Müden
fern im Süden.
Fern im Westen
saßen zwölf der Menschheit Besten;
fern im Norden
ein paar Horden,
die gern morden.
Und weil sie alle fern,
hatten sie sich gern.



G. Brüder-Grimm: Hänsel heißt eigentlich Mobbe

Gretel: Weißt du, Hänsel, dass du eigentlich Mobbe heißt?
Hänsel: Hä?
Gretel: Hänseln sagte man früher, als die Menschen noch seltene deutsche Wörter kannten, wenn jemand mal so richtig fertiggemacht wurde, weil er zum Beispiel eine Hasenscharte hatte.
Hänsel: Hä?
Gretel: Ja, sowas wie du unter der Nase hast. Die Narbe. Ist ja operiert worden. Nicht schön, aber sieht irgendwie aus wie bei Joaquin Phönix, nur nicht so gut.
Hänsel: Ich verstehe gar nix.
Gretel: Ist klar, man hänselt auch Leute, die nie was verstehen.
Hänsel: Verstehe.
Gretel: Nee, ist jetzt zu spät.
Hänsel: Was willst du eigentlich sagen?
Gretel: Du heißt eigentlich Mobbe.
Hänsel: Ist das ein Regal von IKEA?
Gretel: Jetzt werd mal nicht lustig.
Hänsel: Also, was jetzt?
Gretel: Hänseln heißt heutzutage Mobben. Wenn man das n hinten weglässt...
Hänsel: Und warum sollte ich das weglassen?
Gretel: Du hast eben keine Ahnung, verstehst nix.
Hänsel: Mobbe und Gretel verirrten sich im Wald. Klingt doch scheiße.
Gretel: Moderne Zeiten eben.
Hänsel: Gab' da nicht auch einen Bosse bei IKEA?
Gretel: Bullerbü.
Hänsel: Ist das neben Köttbullar?
Gretel: Vergiss es.
Hänsel: Hast du mich gerade gemobbt?
Gretel: Gehänselt.
Hänsel: Blöde Kuh.
Gretel: Selber.




Neues von Vorgestern

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister und noch einer junger Spunt auf dem politischen Parkett, weiß in jugendlicher Vorausschau: Krebs ist in 10 bis 20 Jahren heilbar. Also, Leute, regt euch nicht auf, und verschwendet nicht die Gelder der Krankenkassen! Wer eher stirbt, tut was für die Gemeinschaft. Und wer hoffen kann, kommt die letzten Monaten doch besser über die Runden. Spahn hat es wohl eher mit Adenauer, und sinngemäß wird ihn in 10 Jahren das Geschwätz von vor 10 Jahren nicht mehr interessieren. Man kann sich vorstellen, dass er als Wunderheiler durch die Lande zieht und mit seinen Spahnzangen Zahnspangen repariert und Ferkel kastriert, oder als Berater bei Ursula von der Leyen in der Bundeswehr arbeitet, denn da reichen Vorahnungen, richtig Ahnung haben muss keiner; die meisten wissen nicht einmal, was sie beraten sollen, bzw. wen und wozu. Uschi's Moorbrand, ein 40%iger Schnaps wird dann Geld in die Kassen spülen, denn den Schaden, den eine völlig hirnverbrannte Truppe durch das Inbrandsetzen der Naturlandschaft angerichtet hat, begleicht der Steuerzahler. Sicherheit kostet eben.
Die hat doch einen Schuss!, wettert mancher, und meint, dass die Heeresführerin den Schuss nicht gehört hat. Sie habe einen Hau, was landläufig unter Dachschaden läuft, und es fehle Leyden leider das Know How. Ist aber auch egal, denn die Geräte sind alle kaputt oder schießen daneben, wie es sich für eine defensive Friedensarmee gehört. Wo das Geld geblieben ist, dazu müsste man wohl ein paar Berater engagieren, die investigativ tätig werden könnten.
Da bleibt dann nicht mehr viel für Olaf Scholz, der die Rente mal ordentlich aufstocken will. Es sieht fast danach aus, dass der den Reichen nehmen und den Armen geben will. Das hat Robin Hood damals schon versucht, und der hat es nicht mal in die Politik geschafft. Passend zur Rentenankündigung wird aber sofort verlautet: Die Wirtschaft brummt gar nicht mehr! Da wird ja bald gar kein Geld mehr da sein! Das mit der Rente geht gar nicht. So fügt sich doch eins zum anderen, und jeder hat geahnt: Hätte meine Reinigungskraft  Aktien gekauft, wie der Merz empfiehlt, dann stünde sie mit 63 gut da, könnte sich einen Porsche leisten, einen 200-PS-Zauberbesen und hieße vermutlich Bibi Blackrock.
Das Volk ist dumm und die Politiker profitieren. Merkt ja keiner.

Bin ich hier richtig?

Immer mehr Sportler*innen fragen sich: Bin ich hier richtig? Wieder kein Tor gemacht, wieder auf dem schweißnassen Hallenboden ausgerutscht, wieder den Zweikampf gegen die Nr. 9 verloren. Und überhaupt: Warum laufen alle vor mir weg? Rieche ich nicht gut? Warum hat mir Tjorben den Stinkefinger gezeigt? Und warum schmeißt das Publikum mit Radiergummis?
In diesem Wust der Fragen, deren Antworten fehlen, bleibt den Sportler*innen nur, schnell den Eigengeruchstest zu machen, d.h. den Kopf ins Trikot zu stecken und eine kräftige Nase von dem zu nehmen, was nach oben strömt. Wer nicht genügend Antworten durch die olfaktorische Qualitätsprüfung erhält, geht auf das WC und schaut auch untenrum mal nach. Wer sich beim Rausgehen die weitere Frage stellt, ob er/sie denn die richtige geschlechtsspezifische Toilettenwahl getroffen hat, sollte schnell beim Verein eine Bedürfniskabine für Diverse bestellen. Wie die dann aussehen soll, sei dahingestellt. In Grundschulen in Bayern ist diese Baumaßnahme längst im Gange (1).
(1) https://www.wochenblatt.de/boulevard/regensburg/artikel/273628/diverse-toiletten-fuer-grundschueler


G.Brüder-Grimm: Hänsel und Gretel

Hänsel: Weißt du eigentlich, wie peinlich es ist, eine Schwester zu haben, die Gretel heißt?
Gretel: Wo?
Hänsel: Was wo? In der Schule natürlich. Alle haben Schwestern, die Mandy, Nancy oder Cindy heißen. Aber Gretel...
Gretel: Weiß du überhaupt, was dein Name als Verb bedeutet?
Hänsel: Hä?
Gretel: Ja nicht Hä....Hänsel! Hänseln. Die hänseln mich. Das ist Mobbing.
Hänsel: Ich versteh nichts mehr. Gretel wird gehänselt. Wie soll das denn gehen? So als ob Hänsel gegretelt wird. Ist das auch Mobbing.
Gretel: Jetzt werd nicht albern.
Hänsel: Du aber auch nicht. Gretel -  das ist so wie Purzel.
Gretel: Aber Hänsel ist besser, was?
Hänsel: Wenn meine Eltern das so ausgesucht haben.
Gretel: Das sind auch meine Eltern. Wo ist Papas Neue überhaupt her? Voll die Hexe.
Hänsel: Internet.
Gretel: .....
Hänsel: Wenn du wenigstens Greta heißen würdest.
Gretel: Greta liegt in Kriechenland.
Hänsel: Ach, was soll's...


Sommerlatte hat neues Parfüm

Silvio Sommerlatte, geb. Berlusconi, macht auch in Parfüms, Duftwässerchen und Benebelungssubstanzen: Nach Bungabunga, dem erfolgreichen Spritzmittel für die paarungswilligen Herren, jetzt das Eau de Kolonne, das so riecht, wie es heißt. Nach einer völlig aufgestauten, aber in Reih und Glied stehenden Fitnessbudentruppe in der prallen Mittagssonne nach 40 Liegestützen, falls die überhaupt jeder hinkriegt. Lecker. Ist das nicht.
Silvia Sommerlatt heißt dagegen seit vielen Jahren schon Königin von Schweden. Sie ist mit Gustav Adolf von Schweden verheiratet. Wie dessen Eltern dazu kommen, ihr Kind Adolf zu nennen, bleibt erschütternd ungeklärt. Amerikanische Wissenschaftler vermuten übermäßigen Genuss von Knäckebrot an Köttbullar zu einer Tasse Glögg, oder der zu häufige und lange Aufenthalt in einem Raum, in dem auch ein Billy-Regal stand.

Selbstgemalte Bilder an der Wohnzimmerwand

Otto Didakt - Kuhfuß (2018)
Die Tanja hat Jahre lang genervt, da muss ein Bild über das Sofa. Wir gehören ja nicht zu den Leuten, die ihre Bilder nach ihrer Einrichtung aussuchen, zum Beispiel nach der Garnitur oder den Tapeten, wir haben sowieso nur weiße Wände ,aber man muss da auch hinkucken können, so ein Bild begleitet dich den den ganzen Tag, also wenn du den ganzen Tag zu Hause bist, und nachts träumt man vielleicht davon.

Also habe ich selbst eins gemalt, bin ja mittelmäßig erfolgreich in diesen Dingen, hab noch nie ein Bild verkauft, aber schon eine Ausstellung gehabt, alle sagen: Ja schön, toll, interessant. Gut, würde ich mir nicht gerade ins Wohnzimmer hängen, aber im Arbeitszimmer, da ginge das.

Das Bild, das ich gemalt habe und das jetzt im Wohnzimmer hängt, ist überwiegend beige und blau, ein bisschen rot und gelb, nicht ganz abstrakt, aber diffus genug, um sich was Eigenes vorstellen zu können. Die Leute wollen ja nicht wie Ochsen vor dem Berg stehen und fragen, was soll das denn? Da kann ich aber nichts erkennen. Dann wüsste man gleich, dass das Kulturbanausen sind. Ein paar archaische Strichmännchen sind auch drauf, so wie auf frühen Höhlenmalereien. Das ist dann was für den Anfänger, der kann dann sagen: Ach, da sind ja Strichmännchen, die kann ich auch.

Und dann sagt die Tanja: Dahinten sehe ich einen Kuhfuß.
Ein Kuhfuß mir war nie aufgefallen. Ich wollte auch nie einen Kuhfuß malen.  Aber jetzt, wo die Tanja das sagt, sehe ich auch einen Kuhfuß. Und ist der Kuhfuß erst mal in der Welt, dann bleibt er auch da und kommt nicht mehr raus. 
Jetzt hängt über dem Sofa ein Kuhfuß, wohl eher ein Bein einer toten Kuh, von der Decke auf dem Bild, oder aus dem Himmel, das kann man nicht genau sagen. In eine kahle Landschaft, und kleine Strichmännchen wandern dort unter dem Fuß herum, wahrscheinlich Vegetarier, die gegen den ganzen perversen Fleischkonsum protestieren wollen, oder ratlos nach Grünzeug suchen, das sie alternativ essen können. Die Landschaft gibt aber nichts her, die ist öde und unfruchtbar.Die Kuh ist das Symbol der Fruchtbarkeit. Für die Hindus ist sie heilig, weil vielleicht die Oma darin steckt, also seit der nächsten Wiedergeburtsrunde.

Jetzt kann ich das Bild auch nicht mehr unbedarft anschauen, es nicht mehr unbefleckt auf mich wirken lassen. Es sieht eher aus wie ein Teil eines Schlachthofs, wo gerade eine Kuh geschlachtet worden ist und rechts daneben hängt noch etwas Pansen und vielleicht ein Stück Fell in der Luft an unsichtbaren Haken, und links unten ein Rinderherz, das kann ich mir nicht den ganzen Tag angucken. Auch eine Kuh hat ein Herz. Das tut weh. Eigentlich könnte ich das Bild sofort wieder abnehmen.
Niemand, und ich meine niemand, würde es wagen, einem Gerhard Richter oder Pablo Picasso die Frage zu stellen: Was soll das denn? Das sieht ja aus wie ein Kuhfuß? Wie profan, was wollen Sie denn damit sagen, bezw. malen?
Dem unbekannten Künstler, der vielleicht qualitativ in Bezug auf Farbverbrauch und Buntheit des Bildes in nichts nachstehen muss, den kann man den größten Quatsch fragen, nur weil man plötzlich einen Kuhfuß sieht. 

Der Respekt vor den Menschen  scheint verloren, aber wir sind ja unter uns, da kann man das doch wohl fragen, und jeder, der kommt und vielleicht erst auf den zweiten Blick das Bild erblickt, weil es sich harmonisch an die Wand über dem Sofa schmiegt, wird gefragt: Sag mal, siehst du da nicht auch einen Kuhfuß? Ja, klar, der Gefragte will ja nicht wahrnehmungsdoof erscheinen und stimmt lieber als zu widersprechen. Ja, stimmt, sehe ich auch, warum hängt der da?

Schade, ein Bild einfach zu genießen, das geht heute nicht mehr; vielleicht eine Folge des maßlosen Fleischkonsums und der Massentierhaltung. Früher sagte man abschreckend: Wenn du auf diesem Bild was erkennst, dann hast du BSE. Was ist das denn?, fragte dann das Gegenüber. Rinderwahn. Ja, das Bild ist eine Erinnerung an den Rinderwahn und was der mit uns Menschen gemacht hat. In Dänemark bauen sie einen Zaun gegen Wildschweine, weil sie Angst vor der Spanischen Schweinegrippe haben. Wer sich sowas ausdenkt, hat beim Rinderwahn nicht richtig aufgepasst.
Morgen hänge ich das Bild wieder ab. Schweinfuß! Das hat man früher im Eintopf gegessen und meine Oma hat dieReste abgenagt, bis nur noch Separatorenfleisch übrig war. Das ging dann an die Hühner. Heute macht man eine DLG-prämierte Wurst daraus.

Morgen kommt das Bild von der Wand. Wer weiß.worüber ich sonst übermorgen nachdenken muss.

Georg Krakl - Meine Russenmütze

Meine Russenmütze kann ich so gut tragen,
nur mein Schiwago-Kragen
knickt gern ab.
Die Mütze sitzt ganz fest, der Kragen macht oft schlapp.

Die Mütze hält die Ohren warm,
der Kragen flattert mir am Oberarm.
Die Mütze sitzt ganz unbeirrt
am Kopf; der Kragen ist jetzt restlos abgeschmiert.


Und sollt' ich mich entscheiden,
für Russenmütze oder doch Schiwago-Kragen,
da kann ich schlicht und einfach sagen:
Die Mütze kann ich besser leiden.


Unangezogen

Der Sittenwächter schrie: Ihr seid nackt, das ist ungezogen!
Die Nackten schrieen zurück: Unangezogen, Meister! So viel Zeit muss sein.
Der Sittenwächter: Unangezogen herumzulaufen ist ungezogen!
Die Nackten: Wer einen Anzug trägt, kann auch anzüglich sein.
Der Sittenwächter, der zufällig seinen Zweireiher anhatte: Versteh ich nicht.
Die Nackten lachten und liefen weg: Wir auch nicht. Eigentlich sind wir nur umgezogen und haben die Kleiderkartons noch nicht gefunden.
Sie kicherten, denn sie glaubten diesen Schwachsinn selber nicht.

Alle Menschen sind gleich

Gerhard Richtig - Thomas ist Anders
Thomas ist anders, und wäre er der einzige Mensch auf der Welt, wäre es ihm gleich. Denn eigentlich sind alle Menschen gleich, nur nicht die, die anders sind.
Wenn aber Thomas der einzige Mensch auf der Welt wäre, wäre er nichts anders, weil es niemanden gäbe, der anders als Thomas wäre, so dass sich die beiden voneinander unterscheiden könnten.
Ein Frau zum Beispiel, da könnte Thomas direkt vergleichen, was anders ist.
Wenn eine zweite Frau dazukäme, die genauso wäre wie die erste Frau, dann wäre Thomas immer noch anders und alle Frauen wären gleich.
Aber wo auf der Welt gibt es schon zwei gleiche Frauen?
Und deshalb ist jeder anders.
Auch Thomas. Und alle Frauen.

Was brauchen wir denn?

Jeder denkt: Um einen Menschen zu identifizieren, muss ich den auch sehen. Gefehlt!
Es reicht ein kleiner Teil, nehmen wir mal die blauen Hände, oder besser blaue Prahlhände, die davon erzählen wollen, wie groß der nasse, feuchte, lange, fette Aal ist, den der Handbesitzer aus dem Brackwasser gepuhlt hat. Ja, klar, das ist der Friedrich März, oder der Karl Mai, Juli Zeh eher nicht, die hat rote Hände, typisch Waschfrau, aber der März, der der ist es!
Dabei ist wohl doch eher das sorgenvoll umfaltete Auge der Indikator für den sauerländischen Tropf, der bei der CDU vor die Karrenbauer gespannt werden soll, um die soziale Marktwirtschaft zu entwickeln. Ein Widerspruch in sich. Der einsame Nichtmillionär auf seinem Blackrock ist Protagonist des Neoliberalismus, was auf deutsch heißt: Haste nix, biste nix. Kannste aber Aktien kaufen, wenn deine Rente zu klein ausfällt. Ach, wir brauchen so wenig, den Rest denken wir uns aus. Sozial...das kommt in christdemokratiach gar nicht vor! Ach egal, irgendwo wird es schon drinstecken, vielleicht im Verdauungstrakt des Blauhändlers. da wo er noch die Niederlage gegen eine Frau verarbeitet.

Georg Krakl - Sachen mit Drachen

Deine Frischlinge
Werden Mischlinge,
Sprach der Drache
Zu der Bache.

Eigengeruchsprüfung im Trend

Ich kann mich gut riechen! Wer das sagen kann, hat schon gewonnen, denn er mag sich und hat sich angenommen. Vielleicht weil er oder sie streng riecht, denn strenge Gerüche kann man leichter riechen als unstrenge. Wer „den kann ich nicht riechen sagt“,  meint ja nicht, dass der andere nicht stinkt oder dass man selbst die Nase voll hat und an olfaktorischen Angeboten nichts in den Kopf dringt, sondern dass man den Geruch des anderen nicht aushält. Hier wird ja gern die männliche Form des Satzbaus genommen, denn Frauen mögen es nicht, wenn sie stinken, oder wenn andere denken und womöglich sagen, dass sie unangenehm röchen. Deswegen gibt es ja Douglas, mit dessen oder deren Produkten kann man jeden ungeliebten Geruch wegzerstäuben.
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass tägliches Duschen ungesund ist. Wenn man den Körper in Ruhe lässt, bildet er eine schützende Kruste, so dass sogar der Hautwiderstand ansteigt und sich allen Anfeindungen erwehren kann. Das geht allerdings mit unangenhemen Gerüchen einher. Der gesundheitsbewusste Mensch wägt täglich ab, ob ob er sich selbst noch gut riechen kann, oder ihm die soziale Isolation zusetzt, wenn die Mitmenschen naserümpfend das Weite suchen. In diesem Dilemma steckt der moderne Mensch, denn wenn er den schützenden Schild auf der Haut einweicht und abschrubbt, nähern sich ihm vielleicht nette Mitmenschen wieder, diese bergen aber gleichzeitig das Risiko gefährlicher Infektionen, wenn sie in naiver Herzlichkeit das große Drücken kriegen, eigentlich aber nur selbst gedrückt werden wollen, weil sie selbst vor zwei Stunden geduscht haben.
Immer häufiger begegnen wir Menschen, die in ihre Kleidung hineinschnuppern, etwa am Kragen ihrer Bluse oder in Trikots. Bin ich das oder meine Klamotten?, scheinen sie zu fragen, und ob sie vielleicht ein neues Hemd anziehen sollen, oder sich alles auszuwechseln lohnt? Probleme, die es zu Zeiten des ritualisierten Duschen nicht gab. Hilfe und vielleicht Lösung bietet der Sport. Hier stinken in der Regel alle wie furzende Iltisse und es droht nicht das soziale Aus. Darüber hinaus ist der strenge Geruch eine sensible  Waffe, die einen Zweikampf entscheiden kann.
Auch für den Waidmann hat der Trend Bedeutung, kann er doch endlich im Wald ungestört der Jagd nachgehen, das Wildschwein läuft nicht mehr weg, sondern hält den ungewaschenen Ballermann für einen, wenn auch komisch aussehenden Artgenossen.
Stinke, wem Gestank gegeben, so lautete schon eine alte Volksbotschaft, als es  noch verpönt war, seine Dramgase in einem geschlossenen Raum abzugeben. Kein Thema, lautet die Antwort heute aus ungefragten Mündern.

Georg Krakl - Gedicht zu falscher Jahreszeit

Es ist Frühling,
wenn der Bauer auf dem Traktor sitzt,
mit dem Sprühding
hintendran, und die Felder spritzt,


Bodos Welttag des Loches

In diesem Jahr werden zum Welttag des Loches besonders die Ränder der Löcher geehrt. Jedes Loch hat nur einen Rand, das ist einzigartig, denn selbst die Straße hat mindestens zwei. Vielleicht ist der Mensch noch in der engeren Wahle, wenn man ihm andeutet: Halt endlich deinen Rand!, und damit meint, er solle sofort die Klappe halten.
Der Rand eines Loches hat nicht nur begrenzende Funktion, sondern auch hohe Bedeutung für die Existenz der Menschheit, ja sogar des ganzen Universum.
Ein  einziges Loch ohne Rand ließe alles in sich verschwinden, denn seineAausdehnung wäre unendlich. Wir könnten nicht herumstehen und in ein Loch schauen, denn es wäre nichts da, auf das wir unsere Füße stellen könnten.
Die Koexistenz von Loch und Rand, diese notwendige Symbiose macht unser Leben erst lebensmöglich. Niemand könnte sich aus einem Loch ziehen, weil es keinen Rand gibt, an dem er sich festhalten kann.
Wir fragen uns: Ist der Rand nicht sogar wichtiger als das Loch?
Das Eine ist ohne das Andere nicht vollständig. Das Loch würde in grenzenlosem Größenwahn enden und glauben, es könne sich immer weiter ausdehnen, obwohl es bereits die Unendlichkeit erreicht hat, und der Rand verkümmerte am Ende eines Kleides, an einem Acker, an einem Teller oder an der Straße; so sind beide mehr als die schlichte Summe ihrerselbst. Am Welttag des Loches wollen wir dessen gedenken, und auch der Tatsache Rechnung tragen, wie klein die Welt wäre, wenn sie nur aus einem Loch ohne Rand bestünde. Sie wäre nämlich gar nicht da.

Heute an der Kasse: Rundesummeneinkaufen

Liebes Tagebuch!
Heute stehe ich an der Kasse im Treukauf und habe ein paar Kleinigkeiten für das Frühstück gekauft. Die Summe beträgt genau 5 € und ich bin erstaunt, denn bei den krummen Preisen, die an die Ware angeklebt sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass man einen geraden Betrag erhält. Die Kassiererin freut sich, da haben Sie aber gut eingekauft, und ich freue mich, dass ich morgens um halb neun schon ein Lob erhalte in unserer häufig so loblosen Zeit. Ja, haha, antworte ich, und denke, was soll daran gut sein, dass ich eine runde Summe zusammengekauft habe? Eine Mausefalle und etwas Rattengift hätten vielleicht 10 € ergeben, was wäre daran gut, dass ich vorgehabt hätte, Mäuse mit Metallbügeln zu töten und Rattengift auszustreuen, das auch die Nachbarskatze zu sich nehmen könnte. Gut daran wäre, dass die dann nicht mehr auf den Rasen kacken würde, weil auch die Verdauung zu Ruhe gekommen wäre. Im Treukauf gibt es zwar Mausefallen, aber kein Rattengift. Von daher waren meine Überlegungen sinnlos. So freute ich mich mit der Kassiererin, die darüber vergaß, mich nach der Deutschlandkarte zu fragen, und ich antwortete nicht: Nein, keine Deutschlandkarte, ich will auch keine haben, wollte ich noch nie, das ist nur Auskundschaften von Konsumverhalten, gut dass ich kein Rattengift in der Einkaufstasche habe, wer weiß, welche Rückschlüsse daraus gezogen werden würden, etwa wenn die Nachbarskatze verschwunden wäre, oder tot unter dem Rhododendron gefunden worden wäre, worüber dann ein ausführlicher Bericht in der Lokalpresse stünde, weil Sauregurkenzeit wäre, und Katzen immer gehen. Die müssen jetzt ja sowieso aufpassen, weil der Jäger wieder Katzen schießen darf, dafür haben CDU und FDP gesorgt, und die Jägerschaft kann aufatmen, das Öko-Remmel-Gesetz der SPD ist weg, und die dürfen jetzt auch herumballern, wenn sie die Teilnahme an Schießübungen nachweisen können. Keine Prüfung! Da kann auch der Blinde mal schießen, und der muss nicht mal ein Tonröhrchen an der Schießbude getroffen haben. Dagegen ist mein Rattengift, das ich ja gar nicht kaufen konnte, harmlos.
Die Kassiererin freut sich noch immer und ich überlege, warum sie mich so erwartungsfroh ansieht. Das Geld, genau, ich gebe ihr einen schönen 5-€-Schein, und es ist gut, dass ich den habe, denn sonst hätte mir die runde Summe nichts genutzt. Nein, keine Deutschlandkarte sage ich, ohne gefragt worden zu sein. Weiß ich doch, sagt die Kassiererin, das sagen Sie doch jedes Mal. Was für ein schöner Start in diesen Tag und ich überlege, ob man daraus ein Hobby machen könnte: Einkaufen für runde Summen, sodass irgendwann das ganze Kleingeld überflüssig wäre. Nie mehr einen dicken Hintern durch zu viele Centstücke im Portemonnaie! Vielleicht würde man Dinge kaufen, die man gar nicht braucht, aber das machte man am Black Friday auch, oder Dinge, die man vielleicht irgendwann oder die irgendwer aus der Bekanntschaft brauchen könnte. Vielleicht wäre dann auch mal eine Dose Rattengift in meinem Einkaufswagen, nur um die beide Nullen hinter dem Komma und die Null direkt vor dem Komma zu erreichen. Wer Gift hat, wird es irgendwann einsetzen, das war eine alte Kriegsweisheit, und ich verwarf den Gedanken, aus dem Rundensummeneinkauf ein Hobby zu machen. Trotzdem: In der Apotheke würde ich noch einmal versuchen, auf eine runde Summe zu kommen. Ich bin gespannt, für welche Krankheiten ich einkaufen werde und wie die Dame am Tresen reagieren wird, vielleicht lässt sie ein paar Traubenzucker und paar Hustenbonbons mehr springen. Mit 5 € könnte ich allerdings nicht viel erreichen, da hängt die Preislatte schön höher. Ein schöner Morgen war es  allemal, das konnte ja noch ein guter Tag werden!

Georg Krakl - Du Elefant!

Du Elefant!
Du bist so elegant!
Dein Schwanz ist lang und dünn; hat hinten eine Quaste.
Und wenn ich deine Haut betrachte und betaste,
dann scheint sie grau und dick und faltig.
Dein Rüssel ist gewaltig.

Nur deine Ohren sind mir schnurz.
Da mag ich die von Österreichs Kanzler Kurz.

Georg Krakl - Soziales Verhalten im Laufe der Zeit

Einer für alle.
Heiner für Halle.
Rainer für Ralle.
Keiner für Kalle.

Ernst Jüngel - Die Mauer ist weg

Vincent van Eijnoor - Blick über den Tellerrand 
Die Mauer ist weg, ist verschwunden!
War eben noch da!
Sie war uns doch Stütze.
Wie soll'n wir gesunden?
Wir kranken an dem, was wir sah'n:
Freies Feld ohne Grenzen, die ganz große Leere;
Und Menschen, die eben noch Flüchtlinge waren,
entschwunden dem tödlichen Meere,
woll'n plötzlich gleich sein mit mir
und mit dir und mit allen Weißen.
Sie werden uns Gute bescheißen,
die leichtgläubig freigiebig sind.
Die sich nicht wehren!
Die friedlich ihr Leben leben
und alles für Fremdlinge geben,
welche brabbeln und gestikulieren,
dass wir die Kontrolle verlieren,
über das, was uns Goldes wert,
den eigenen Herd,
und den Großbildfernseher,
die Frau, das Kind und das Auto mit Allradantrieb.
Der Fremde, er schleicht wie ein Dieb,
macht große Augen, sein Lächeln ist schief,
will das Herz uns zerreißen,
das unermüdlich pumpt und pocht in jedem Weißen,
in jedem Guten, in jedem Menschen mit Anstand,
der arbeitet und schuftet mit eigener Hand,
nicht spekuliert
auf Almosen und Hartz vier.
Wir,
wir sind das Volk, wir sind im Recht!
Jetzt her mit der Mauer!
Es war doch nicht alles schlecht.







Jetzt neu: Spahnzange

Jens Spahn, scherzhaft auch Spahnferkel genannt und in Ableitung davon auch Sparferkel, Bundesgesundheitsminister und bekannt für ungewöhnliche Maßnahmen, die ihn selbst wenig betreffen, weil er genug Geld einfährt, hat einen neuen Vorschlag zur Kostendämpfung gemacht:
Zahnspangen sollen selbst mit der dann so genannten Spahnzange korrigiert werden. Jedes Kind weiß doch, dass der Zahnarzt so lange an dem Dinge schraubt und dreht, bis es wehtut und sich die Zähne einem neuen Rechtsruck fügen, so Spahn. Das könne jetzt jeder selbst erledigen und erhalte nach 10maliger Anwendung die Kosten für die Spahnzange ersetzt.
Nicht nur für den oralen Bereich ist das neue Instrument geeignet, auch für die Beschneidung von eingewachsenen Zehennägel könne man das Universalwerkzeug verwenden. Auch die Ferkelkastration sei ein wenig weniger schmerzhaft mit der Zange und so wolle Spahn, der schon in Verhandlung mit einem großen deutschen Werzeughersteller steht,  auch mit Kollegin Glöckner ins Gespräch kommen, um das leidige Herumeiern zum Thema schmerzfreie Hodenentfernung bei Schweinen zu beenden.
Ein werbewirksamer Slogan ist schon gefunden:
Probleme mit der Zahnspange?
Greife schnell zur Spahnzange!


Sport: Neue Formen des Freuens

Fußballer umarmen sich, wenn sie sich freuen, etwa über ein schönes Tor, vielleicht den Anschlusstreffer, oder sogar das Führungstor. Meistens geht dem das Hochreißen des Trikots voraus, um das Unterhemd zu zeigen, oder aber die blanke Brust.
Der DFB hat nun empfohlen, dieser oft in der Kritik stehenden Sitte entgegenzuwirken. Männer weinen nicht, Männer umarmen sich nicht, weil sie heterogen sind und Männer reißen ihr Trikot nicht in der Öffentlichkeit hoch. Das haben Männer nicht nötig. Männer freuen sich eigentlich anders.
Eine gesellschaftlich akzeptierte Art des Freuens ist das Freudenhocken.
Der Schütze und die Vorbereiter des Tores hocken sich hin und lachen, sie schauen in die Richtung des gegnerischen Tores, fassen sich an das Kinn, als ob sie die Szene analysierten und wirken eher, als hätten sie beim Murmelspiel ein paar schöne Glaskugeln versenkt. Da fasst niemand wen an, da bleibt die blanke Brust bedeckt. Gleichzeitig ist dieses Freudenritual eine schöne Dehnübung. Wenn die Mannschaft hier einen Glückstreffer platziert hat und insgesamt scheiße gespielt hat, stimmt die Haltung auch. Fehlen nur noch eine paar Blatt Papier.

PS: Der Plural von Blatt (Toilettenpapier) heißt nicht Blätter, auch nicht Blatter (> Sepp Blatter > FIFA > ungetreue Geschäftsbesorgung) sondern merkwürdigerweise 400 Blatt, dreilagig.

Du bist anders

Du bist anders.
Du aber auch.
Ich bin ein Mensch.
Ich auch.
Alle Menschen sind gleich.
Du aber nicht.
Du auch nicht.
Einer allein kann nicht anders sein.
Wer sagt das denn.
Logik. Du musst ja anders als irgendwer sein. Sonst merkt man das doch gar nicht.
Und warum ist der andere dann nicht anders?
Der ist dann auch anders.
Und beides sind Menschen? Da sind ja alle Menschen anders.
Irgendwie nicht. Weil ja alle Menschen gleich sind.
Versteh ich nicht.
Ich auch nicht.
Gottseidank.
Wem?
Hä?

Georg Krakl - Bockige Zicke (Gedicht mit einem langen und widersprüchlichen letzten Vers)

Das fettig' Haar so lockig,
die Manschesterhose weit und glockig,
und des Mannes Janker eher stockig.
Bleiche Haut so pockig
und der Spruch: Ach, die, die block ich,
ja, die lass ich mir mal kommen, die ist flockig.
Und so artischokig.

Dieses alles und viel mehr,
danach und auch davor,
drang an der Zicke Aug' und Ohr. Die wurde darauf bockig.



Georg Krakl - Dame und Herren

Die Dame, die gern willig,
denkt: Dann still ich
eben,
geht den Herren was daneben.

Tennisarme - Neue Krankheiten im Sport

Besonders im Tennissport sind Krankheiten häufig. In dieser Sportart tauchte die erste Symptomengruppe auf, die speziell auf die übermäßige Benutzung des rechten Arms bei Rechtshändern, oder des linken bei Linkshändern hindeutete und sich im Arm schmerzhaft bis zum Ellbogen ausdehnte.
Demonstrativ zeigten Tennisspieler, wenn sie bei exzessiver Benutzung der Hände erwischt worden waren, ihre erhobenen Arme, um damit auszudrücken, dass sie nichts "gemacht" hätten, sondern nur gespielt.

Neuerdings schleicht sich ein neues Krankheitsbild ein, vor dem schon Päpste, die heute nicht mehr im Dienst sind, gewarnt hatten: Das "Ausgebeulte Hosentaschensyndrom".
Tennisarme findet man auch im Bereich zölibatärer Geistlicher, auch wen die sich sportlich gar nicht betätigten.
Vielleicht sollte man einen anderen Namen wählen, der nicht die Tennisspieler, die ja wirklich mit dem Ball spielen, diskreditiert. Sport und Krankheit, das ist seit jeher ein unleidliches Gespann.

Menschenskind!

Die Frau des Astronauten hasst den Mond
Schwarzes Loch im Abendbrot
Neil: Juri, ist noch Schwarzwälderkirsch in der Tube?
Juri: Habe ich gestern genossen, Genosse!.
Neil (die Tube betrachtend): Das hast du aber schön ausgedrückt.
Juri: Amerikaner wäre noch ein bisschen da.
Neil: Das ist diskriminierend.
Juri: Einfach genießen, Genosse!
Neil: Sag nicht immer Genosse zu mir!
Acryl












Immer wieder Pausenclown
Hauptsache Lacher
Ich konnte selber über mich lachen bzw. weinen.
Lächerlich ist nicht lachhaft ist nicht lustig ist nicht leben.
Ein Schlag ans Ohr ist besser als gar kein Körperkontakt.
Das ist lustig.
Ich muss weinen.
Acryl










SCholera (An der Schule kranken)
Krankheit schult
Schule ist die Form, in die wir gedrücktgeschobengequetscht werden, damit uns die Gesellschaft ausbacken und genießbar machen kann. Wer ist die Gesellschaft?
Acryl













Vordenker nachdenkend
Andenker umdenkend
Nachhaltig vorhalten und runterbrechen
Draufschauen drübergucken 
Was macht das mit mir?
Ich bin ganz bei dir.
Das macht Sinn.
Anüberlegen Anundfürsich
Acryl





Ausstellungseröffnung am Sonntag, 30.9.2018 um 11 Uhr VHS Bad Oeynhausen Foyer, Kaiserstr.14, Bad Oeynhausen. Die ausstellung läuft bis zum 3.11.2018

Poesie im Alltag: Strumpf

Versunken im Strumpf der Gefühle.
Bis zum Knie drin.

Vom Nebentisch abgehört.

Als wir Fische waren

Gerdfried Henneking - Als wir Fische waren/Sprachlos (2010)
Wir sind der Schwarm!, skandierten die Fische, weil sie es leid waren, aus ihrem Wasser gezogen und den Menschen zum Fraß hingeworfen zu werden. Wir sind der Schwarm!, schrien sie aus tiefster Seele, wenn denn Fische eine Seele haben, doch niemand hörte sie. Es waren stumme Schreie, die auf taube Ohren stießen.
Wir können Fisch, summten die Fischer in bestem Neudeutsch vor sich hin und puhlten ein wenig Schmalz aus den winderprobten Ohren. 
Ist noch Fisch da?, fagte der Esser. 
Wird allmählich knapp…., antwortete die Fischthekenbesatzung. 
Dann lass uns reinhauen!, nickte der Esser und haute rein.
Mein Schwarm war immer Viktor de Kowa, flüstert die Uroma und löffelte die Suppe aus, die man ihr eingebrockt hatte.

Der Ozean war derweil still.

Das Bild ist zu sehen: Ab 30.9. -Ausstellungseröffung um 11 Uhr -  bis zum 5. 11. 2018 im Foyer der VHS Bad Oeynhausen. "Menschenskind!" zeigt ca. 60 Bilder in Acryl und Mischtechnik

Nie wieder Höhlenmensch

Die Höhle des Löwen, dachte Motz, rein zu diesem Sauarsch von Löwe, Hubert Löwe, Sachbearbeiter für Motzens Kleinscheiß, die Macht, die über Ja und Nein entscheiden durfte. Löwe, was für ein Name für einen kleinen Angestellten! Aber es stimmte: Die männlichen dieser Tiere gingen ja nie selber auf die Jagd, nur wenn es sein musste, weil die Frau gerade weggelaufen war, ansonsten schliefen die doch immer, furzten und verdauten die letzte Antilope, die Mutti angeschleppt hatte. Der König der Tiere riss sie dann auf und biss sich ein paar besonders feine Stücke heraus. Antilopen aufreißen, das bekam eine ganz neue Bedeutung. In der Disko dachte Motz immer an Gazellen, wenn er anmutige Mädchen entdeckte. Leider waren die meistens überschminkt aufgebretzelt und entsprachen dann nicht mehr seiner Wunschliste. Vielleicht hätten sie auch nein gesagt. Motz hatte feuchte Hände, klammerte sich an seine Unterlagen und stürzte sich in die Höhle des Löwen: Moin, Scheff!, platzte er in den Raum und Sachbearbeiter Löwe schaute konsterniert in Richtung Motz: Mahlzeit, Meister!, versuchte Löwe das übliche Begrüßungsniveau zu verlassen und adäquat zu kontern. Er hasste das plump Vertrauliche. Gut gebrüllt, Löwe!, haute Motz mutig raus und grinste dabei. Löwe grinste nicht. Das war kein guter Anfang, kroch es in Motzens Rücken hoch. Spaß beiseite!, kleinlautete er weiter, um den misslungenen Eingangsakt zu neutralisieren. Seine Unterlagen waren jetzt auf DIN-A-6 geknickt. Das Stammhirn hatte mittlerweile das Kommando übernommen, und wie damals im Bärenschlaflager, wenn die Bärin aufgeweckt worden war, gab es nur drei Möglichkeiten: Angriff, Flucht oder Erstarren. Motz stand bewegungslos vor dem Schreibtisch des Sachbearbeiters und konnte keinen Finger krumm machen. Rühren!, scherzte Löwe und grinste dabei nicht. (Fortsetzung kann sich jeder denken. Das Bild ist zu sehen: Ab 30.9. -Ausstellungseröffung um 11 Uhr -  bis zum 5. 11. 2018 im Foyer der VHS Bad Oeynhausen. "Menschenskind!" zeigt ca. 60 Bilder in Acryl und Mischtechnik)

Georg Krakl - Welt kaputt

Der Rand verlässt das Band.
Das Herz ist ohne Hand.
Der Saus ist weg. Alleine Braus.
Auch Bein
geht fort. Und Stein
ist ganz allein
am Boden. Asche 
sitzt in einer Flasche.
Sack hängt ohne Asche da. 
Und ohne Kopf, da muss der Kragen
schier verzweifeln und verzagen.
Die Welt zerschellt,
-weil ohne Gott- 
ist Schrott und Schutt.
Den Gott sucht Asche
in der Flasche.
Längst vergessen ist der Sack. Der Sonne
ist der Mond verschwunden, der sucht seine Sterne. 

Gott, nur Gott,
Der auch den Schutt, den Schrott, 
die Asche mit dem Sack, 
den Kopf auch ohne Kragen, 
Herz und Schmerz, 
auch Stein und Bein, 
und Saus und Braus 


und Sonne, Mond und Sterne liebt, 
der hat uns Menschen trotzdem gerne.

Gerhard Richtig - Schwarzweiß Bretterwand 2018

Gerhard Richtig - Schwarzweiß Bretterwand 2018
Georg Krakl - Schwarzweiß Bretterwand

Gewidmet Horst Seehöfer

Schwarz und Weiß
gleichen Warz' und Schweiß
oder Harz und Eis,
wie man weiß.

Wie apart,
Heidi, sagt der Bayern-Horst,
das ist nichts für Weiße.
Das ist Scheiße.

Grenzen sind für mich und dicht.
Überschritten wird hier nicht.



Schwestern unter sich: CDU und CSU - Das Ende des Pinocchio-Syndroms

Endlich reden die Koalitionspartner Klartext. Das darf den Bürger freuen und beruhigen. Nach wochenlangem Streit um das Umgehen mit Flüchtlingen wird endlich gesagt, was jeder denkt, und das kann der Bürger verstehen. Kurze und deutliche Botschaften, wie sie auch daheim in den Wohnzimmern gesendet werden, kein Verbrämen und Umdenheißenbreireden, kein Taktieren und Intrigieren. Endlich wird Politik verstehbar. Die Flüchtlinge sind derweil außenvor, wie man auf mittelneudeutsch zu sagen pflegt, und das ist ja sowieso im Interesse der Kontrahenten.

Elfriede Jellischrek - Die Kaviarspielerin

Die Kaviarlehrerin Erika Strohhut stürzt wie ein Wirbelwind in die Wohnung, die sie mit ihrer Mutter teilt.
"Komm", ruft sie ungestüm,"lass uns ein Spielchen machen, ich habe auf meiner Fortbildung ein paar Tricks dazugelernt!" Die Mutter grummelt aus ihrem Lehnstuhl Unverständliches in das Fernsehzimmer und Erika wiederholt ihr Ansinnen.
"Komm, ein kleines Spielchen, ich mache auch eine neue Dose auf!"
"Das wird ja wohl mal Zeit, der ganze Kühlschrank stinkt nach Fisch!", zischt die Mutter jetzt Verständliches ins Wohnzimmer.
"Komm, setz dich her!" Erika ist enthusiastisch.
"Nimm einfach die Dose aus dem Kühlschrank und lass die neue zu. Mir riechen die Finger nach jedem sinnlosen Fischeierpopeln eklig, ich mag das heute nicht und wahrscheinlich auch morgen nicht. Also, gib jetzt Ruhe, ich möchte Sturm der Liebe gucken und da stört Fischgeruch gewaltig, vor allem bei den Liebesszenen!", ergänzt die Mutter energisch.
"Du bist ein Serienjunkie, Mutter! Komm, lass uns eine Runde Kaviar spielen, mehr muss es ja gar nicht sein. Da kommst du mal auf andere Gedanken!"
Die Mutter schleicht zum Kühlschrank, holt die angebrochene Dose Beluga-Kaviar heraus, dreht sich zu Mitte der Küche hin und kippt den Inhalt der Dose auf den Fußboden.
"Hier, spiel alleine! Die Regel kennst du ja: Wer am meisten Eier aufgesammelt hat, wenn kein Ei mehr auf dem Boden liegt, hat gewonnen....Da bist du endlich mal Erste! Ich geh jetzt Sturm der Liebe gucken."
Erika sitzt mit heruntergeklappter Kinnlade am Küchentisch. "Mutter, du bist unmöglich!"
"Nichts ist unmöglich...", singt die Mutter beim Hinausschleichen.
"Ich hasse dich!", zischt Erika ihr hinterher.
"Besser als gar kein Gefühl!", hört sie aus dem Fernsehzimmer.

Stephan I. Meyer - Bis(s) zum Morgenkauen

Meine Mutter fuhr mich heruntergelassenen Scheiben zum Flughafen. Ich dachte, während der Wagen vor sich hin schaukelte, über diese Metapher nach: Mit heruntergelassenen Scheiben. Wenn meine Mutter bildhafte Ausdrücke benutzte, wusste ich, dass sie wieder mal schlecht drauf war, oder supergut, also mal wieder depressiv oder manisch war. Mit heruntergelassenen Scheiben ließ sich eigentlich nicht fahren, was konnte sie meinen, Bremsscheiben? Bremsscheiben fuhren ja auch nicht, sondern bremsten eher.  Hatten wir denn Scheibenbremsen in unserem neuen SUV? Scheiben jedenfalls konnten nicht von sich aus fahren, dazu brauchten sie immer eine Achse. Irgendwelche Antiken hatten ja auch das Rad schon erfunden, aber konnten damit nicht fahren, wahrscheinlich schossen sie auf die Scheiben, mit Pfeil und Bogen oder mit Tontauben. Ich dachte an meine eigene Fahrradprüfung in Klasse 5, da hatte ich doch glatt ein paar Pylonen, die ich damals noch für einäugige Riesen gehalten hatte, umgerissen. Die Nacht vorher hatte ich denkbar schlecht geschlafen, denn mit einem  24"-Fahrrad zwischen einäugigen Monstern herumzukurven, das machte mir Angst. Gottseidank waren es dann nur orange-weiße Plastikhütchen und ich atmete auf. Den Führerschein habe ich heute noch im Portemonnaie, falls ich ihn mal brauche. Während ich über das Herunterlassen von Scheiben nachdachte, kaute ich auf ein paar Frühstücksresten herum, so wie man gelangweilt ein Kaugummi dental durchknetet, das schon völlig geschmacklos geworden ist. Und ich wusste plötzlich ganz genau, wenn dies ein Roman wäre, in dem ich mitspielte und meine Mutter mit heruntergelassenen Scheiben, dann wäre hier der Höhepunkt erreicht. Falls der Roman "Bis(s) zum Morgenkauen" hieße, denn das war jetzt reines Morgenkauen, gelangweilt, genervt, leicht flugangstbeträufelt und fade. Das hatte keinen Biss. Es schmeckte wie durchgekaut, wie ausgelutscht, wie abgeleckt, oder noch schlimmer: Wie angeleckt. Das machte kleine Kinder immer, wenn sie etwas für sich haben wollten. Tommi saß damals mit angeleckten Ohren in der Spielecke. Britta hatte mit ihrer Zunge über seine Ohren geschlabbert und beanspruchte Tommi jetzt nur für sich. Angeblich habe ihn jeder haben wollen, damals. Ich wollte ihn auf keinen Fall mehr haben, denn angeleckte Ohren stinken erbärmlich nach verwesender Kinderspucke. Beim Nachempfinden dieses Geruchs und gleichzeitigem und gelangweiltem Herumkauen auf Frühstückcerialien, also Haferflocken und anderem Brösel, hatte ich mir innen in die Backe gebissen. Ich schmeckte den metallenen Geschmack von Blut. Jetzt hatte ich meinen Biss. Den Biss zum Morgenkauen. Passend zum Morgenkauen. Ich versuchte, das Seitenfenster des SUV herunterzulassen, aber es war schon unten. Warum das? Es gab doch eine Klimaanlage. Ich spuckte das Gemisch aus Blut, Spucke und Frühstücksresten durch die Fensteröffnung. Die Hälfte landete auf meinem Kragen, durch den Fahrtwind wieder hereingedrückt, die andere an der Verkleidung der Tür, weil ich nicht genug Druck hatte aufbauen können. Da hatte ich meinen Biss. Endlich wusste ich auch, was die Metapher "mit heruntergelassenen Scheiben" bedeutete. Es war gar keine Metapher. Das konnte ja noch ein interessanter Flug werden. Mutter ließ die Scheiben hochfahren und schaute mich gereizt von der Seite an. Was ist mit dir los, schien sie zu fragen. Ich guckte zurück, also ob ich auch etwas sagte. Tat ich in Wirklichkeit aber gar nicht. Das Blut hatte aufgehört zu rinnen, jetzt tat es weh. Ein Tag, um nicht zu fliegen.

Georg Krakl - Angesichts des Gipfels

Er fand sein Gemächt
gar nicht schlecht.

Es gab zwar so Frauen,
die wollten mal schauen
und sagten so Sachen
und mussten dann lachen.

Das war ihm nicht recht;
sein Gemächt,
das war prächtig und echt.

Doch angesichts jenes mächtigen Gipfels des riesigen Berges
erschien es ihm wie der Zipfel des oft so verhöhnten, verspotteten Zwerges,
den er nicht bemitleidet hatte.
Es war ihm die Latte
macchiato kein Trost.
Er fühlte sich ohnmächtig, schicksalsumtost.

Der Berg aber schwieg und mit ihm der Gipfel.
So sang er: "Gelobt sei's Gemächt,
denn was echt ist, ist echt,
auch wenn's nur ein Zipfel."

Ameisen halten die Zwerge für Riesen.
Vom Mond aus gesehen ist der Berg ziemlich klein.
Das hat Galileo unlängst bewiesen.
Und so soll es wohl weiterhin sein....








Begattungsinstitute

Partnervermittlungsbörsen sollen demnächst Begattungsinstitute genannt werden. Damit soll verhindert werden, dass die Vermittlungsportale in den Verdacht geraten, aus Profitgründen unter dem Deckmäntelchen der Prämisse "Niemand soll alleine einsam sein" ihr Geschäft zu betreiben, bzw. in Verdacht zu geraten, man habe irgendetwas mit Kuppelei zu tun. Der Beruf der Kupplerin war in der Vergangenheit ja eher wenig beliebt, es sei denn man konnte eine gute Partie machen oder seine Bedürfnisse befriedidgt sehen. Der Begriff "Begattungsinstitut" sei die Rückkehr ins seriöse Fach, so konnte man unlängst lesen. Eine Klage des "Deutschen Verbandes der Bestattungsinstitute" wird vorbereitet. Man darf gespannt sein.

Neo-Kubismus (Klötzchenkunst): Vassily Kanniksky - Nackte Männerköpfe

Vassily Kanniksky: Nackte Männerköpfe (2014)

Günter Krass: Neulich beim Herumschwimmen

Neulich, als ich so herumschwamm, steckte ich aus lauter Neugier den Kopf unter Wasser, und dort sah ich eine Frau in einem Bikini, die eine Elektrogitarre in den Händen hielt und darauf spielte.
Sie hatte den Kopf verzückt nach hinten und zur Seite gelegt; das Wasser spielte mit ihren Haaren.
Hallo, gute Frau, sagte ich, denn die Frau war nicht unattraktiv, haben Sie schon gemerkt, dass sie die Gitarre verkehrt herum halten?
Die Frau reagierte auf meine Frage nicht, sondern verharrte in der Verzückung.
Mir fiel ein, dass man sich in Musikerkreisen gern duzt. Zwar war ich kein Musiker, aber die Frau versuchte ja durch ihre Gestik und die innige Umarmung des Saiteninstrumentes zu dieser Gruppe klangerzeugender Menschen zu gehören.
Du spielst, als seist du Linkshänderin!, wurde ich etwas vertraulicher und hoffte, die Frau würde reagieren. Die aber zeigte keine Regung.
So wie Jimi Hendrix damals!
Ich hoffte, einen entscheidenden Impuls gegeben zu haben, denn wer will nicht wie Jimi Hendrix Gitarre spielen können? (Anm. der Red.: Stefan Mrotz, der spielt Trompete)
Die Frau blieb unberührt von meiner Frage.
Ist es nicht gefährlich, unter Wasser eine Stromgitarre zu spielen? Vor allem, weil dies gar kein Strom, sondern ein einfacher Fluss ist!
Meine provokante Frage sollte die Dame aus der Reserve locken. Natürlich hatte ich gesehen, dass gar kein Kabel in die Gitarre gesteckt worden war.
Nichts. Die Frau reagierte nicht.
Ich gab auf, denn mir war die Luft ausgegangen.
Enttäuscht schwamm ich nach Hause zurück und legte meine alte Jimi Hendrix-Platte auf, die gemütlich auf dem Plattenspieler knackte und knisterte..

Auf dem Campingplatz belauscht: Mutter, da geht eine Frau....


Mutter?! Hier geht eine Frau in Stöckelschuhen und Nylonstrümpfen.....Natürlich ist das was Besonderes, das ist hier auf dem Campingplatz....Ja, Mutter ich bin hier auch auf dem Campingplatz, sonst könnte ich die Frau ja nicht sehen,sie trägt ein....Ja, was will ich mit einer Frau? Wie kommst du darauf, dass....Das Kleid ist seitlich geschlitzt....Ja,schon, sie sieht schon ganz gut aus, irgendwie.....Ja, weiß ich doch, gut, das war ein Flop damals, da habe ich mich geirrt, ich hätte auf dich hören sollen.....jetzt hör doch mal zu.....wieso nicht in diesem Ton....Mutter! Gleich ist sie weg.....Ich meine doch nur, ob ich die vielleicht ansprechen sollte....Ja, was weiß ich, deswegen rufe ich doch an.....Übers Wetter sprechen ist doch langweilig......Was sie mit Stöckelschuhen auf dem Campingplatz macht?.....Ja, das interessiert doch gar nicht, ich habe auch ein Oberhemd an....Ja, das du gebügelt hast, das weiße, ja, seit gestern, nein, es hat keine Flecken!....Mutter!Jetzt hör doch mal auf,nein...,ja....,ich bin auch auf dem Campingplatz.....weil ich hier Urlaub mache....Wieso sollte ich eine Ferienwohnung....Darum geht es doch gar nicht....Ich will lediglich....Lediglich? Wieso klingt das geziert?....Gestelzt?....Jetzt hör mal auf....ich habe nur gemeint, weil...wegen dem Flop von damals mit Rita.... Ob die im Zelt wohnt?....Das weiß ich doch nicht, ja, da muss ich hinterher gehen....nein, das kann ich mir nicht vorstellen...Stöckelschuhe und Zelt, das passt irgendwie nicht....ja, sie ist geschminkt...dezent....Lippenstift.....die Augen etwas....die Haare schulterlang.....B-Körbchen schätze ich....Mutter, ich meine, was willst du denn jetzt....ob sie Deutsch spricht....keine Ahnung, das ist hier Frankreich....ach, du meinst, dann wohl Holländisch....was hast du denn jetzt wieder gegen Holländer?....Holländerinnen!....Jetzt hört mit diesen alten Kamellen auf....Jetzt ist sie weg....ich muss...Mutter...ich leg jetzt auf....jaja man kann ein Handy nicht auflegen, habe ich selber gesagt....ich beende das Gespräch....ja...nein....weg! Schwupp. Weg. Aus den Augen....mag sein, dass sie morgen schon wieder abreist. Welche Sprache unsere Kinder denn mal sprechen sollen....ich weiß doch noch nicht mal....vergiss es, Mutter....vergiss es....Tschüss! Nein, ich rufe nachher nicht noch mal an......auf jeden Fall nicht vor neun....