Er: Ich bin dann mal weg!
Sie: Was ist?
Er:Ich geh dann mal.
Sie: Wie, du gehst dann mal, was soll das denn heißen?
Er:Ich glaube, das ist jetzt besser so.
Sie: Das kannst du doch nicht machen.
Er:Ein Mann muss seinen Weg gehen.
Sie: Und was ist mit dem Teil hier?
Er:Welches Teil?
Sie: Das jetzt hierbleibt? Warum nimmst das nicht mit?
Er:Es heißt doch: Wenn ich geh, dann geht nur ein Teil von mir.
Sie: Das heißt doch nicht, dass das jetzt hier liegenbleibt.
Er:Doch. Es geht nur ein Teil von mir.
Sie: Das müsste aber heißen, wenn ich geh, dann bleibt ein Teil von mir hier liegen.
Er:Das ist unromantisch.
Sie: Die Wirklichkeit ist meistens nicht romantisch.
Er:Aber heißt es nicht auch: Wenn ich schlaf, dann schläft nur ein Teil von mir?
Sie: Das habe ich ja gemerkt.
Er:Was soll das jetzt heißen?
Si:e Kannst du dir doch denken.
Er:Nein, weiß ich nicht, ich habe ja geschlafen.
Sie: Das Teil aber auch.
Er:Jetzt wirst du persönlich.
Sie: Wenn du das Teil hier liegen lässt, dann gehe ich.
Er:Du auch? Dann ist ja keiner mehr, der bleibt.
Sie: Doch. Meine Wärme. Weiß doch jeder: Wenn du gehst, bleibt deine Wärme hier. Also meine.
Er: Ok.Dann geh du, ich bleibe hier, ist vielleicht auch besser für das Teil.
Sie: Tja, Tschüss denn. Ach bevor ich gehe: Heißt es eigentlich das Teil oder der Teil?
Er:Ist doch jetzt sowieso egal.
Sie: Stimmt.
Hier mal klicken und hören: So bist du
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Bodos Welt-Wörterbuch: Träne, die
Träne, die...natürlich, feminin, weiblich also, ist doch klar, denn Jungen weinen nicht. Tränen sind weiblich und sie lügen nicht. Tränen sagten die Wahrheit, wenn sie sprechen könnten. Deswegen lassen Frauen Tränen fließen, und der Mann, der nicht weint, der nicht weinen will, der nicht weinen kann, ist der Gelackmeierte, denn er hat diesen Wahrheitsbonus nicht.
Der Mann muss die Wahrheit sagen, denn ihm fehlt die Möglichkeit, das nonverbal über diese andrenalinangereicherte Flüssigkeit, die aus den Augen läuft sagen zu können. Die Frau sagt immer die Wahrheit, wenn sie weint, das wissen wir, seit es Schlager gibt: Der Film war so schön, ach, ist die Katze niedlich, upps, tut mir leid, die Sache mit dem Günni, hat mit uns gar nichts zu tun, mach dir mal keinen Kopf.
Es ist nicht zum Heulen, denkt der Mann, nennen wir ihn Manni, denn Heulen geht gar nicht, bloß keine Schwäche zeigen, hart bleiben, das macht nichts, dass der Film rührselige Scheiße war, dass es überall nach niedlicher Katzenpisse stinkt, und wieso springt die mit dem schwachsinnigen Günni in die Falle, das ist ja wohl das Letzte, mit so einem Spast, so einer Halbintelligenz, es ist zum Heulen, aber ich lass das nicht raus, ein Indianer kennt keinen Schmerz, der blickt ins Weite und hofft, dass Manitou beim nächsten Blitz besser zielt, zum Beispiel in den unteren Bereich von Günni, oder in Sigrid, oder am besten in beide. Manni, schreit Günni, Dortmund hat verloren. Und Manni merkt, wie das Feuchte aus seinen Augen flennt. Dortmund, das durfte nicht wahr sein. Das sind Schmerzen.
Der Mann muss die Wahrheit sagen, denn ihm fehlt die Möglichkeit, das nonverbal über diese andrenalinangereicherte Flüssigkeit, die aus den Augen läuft sagen zu können. Die Frau sagt immer die Wahrheit, wenn sie weint, das wissen wir, seit es Schlager gibt: Der Film war so schön, ach, ist die Katze niedlich, upps, tut mir leid, die Sache mit dem Günni, hat mit uns gar nichts zu tun, mach dir mal keinen Kopf.
Es ist nicht zum Heulen, denkt der Mann, nennen wir ihn Manni, denn Heulen geht gar nicht, bloß keine Schwäche zeigen, hart bleiben, das macht nichts, dass der Film rührselige Scheiße war, dass es überall nach niedlicher Katzenpisse stinkt, und wieso springt die mit dem schwachsinnigen Günni in die Falle, das ist ja wohl das Letzte, mit so einem Spast, so einer Halbintelligenz, es ist zum Heulen, aber ich lass das nicht raus, ein Indianer kennt keinen Schmerz, der blickt ins Weite und hofft, dass Manitou beim nächsten Blitz besser zielt, zum Beispiel in den unteren Bereich von Günni, oder in Sigrid, oder am besten in beide. Manni, schreit Günni, Dortmund hat verloren. Und Manni merkt, wie das Feuchte aus seinen Augen flennt. Dortmund, das durfte nicht wahr sein. Das sind Schmerzen.
Georg Krakl - Tränen
Tränen
bringen mich zum Gähnen
und zum Schnaufen,
ausgenommen wenn sie Dampfschiffkapitänen
aus den Augen
fielen
auf der arbeitsreichen Hände Schwielen.
Dampfschiffkapitänetränen taugen.
Und die anderen? Wie sie selbstgefällig aus den Augen
laufen,
wie sie lange weilen,
nicht von jener Wange eilen,
die ich liebe, die ich Backe nenne,
die ich kenne,
wie sie plötzlich hocken
bis sie trocken
und in allen Falten
und Gesichterspalten
sich verstecken
dass als Salz
zum Beispiel falls
man Lust auf Würze spürt,
sich wünschte, diese wegzuschlecken.
Was wohl nicht zum Troste führt.
Lediglich der Nährstoffmangel wird behoben.
Damit hat sich die Funktion verschoben.
Deshalb schätze ich die Tränen
bei den Dickschiffkapitänen,
Trockentränen, die tun gut,
helfen bei Skorbut.
Weg ist die Romantik
über den Atlantik!
bringen mich zum Gähnen
und zum Schnaufen,
ausgenommen wenn sie Dampfschiffkapitänen
aus den Augen
fielen
auf der arbeitsreichen Hände Schwielen.
Dampfschiffkapitänetränen taugen.
Und die anderen? Wie sie selbstgefällig aus den Augen
laufen,
wie sie lange weilen,
nicht von jener Wange eilen,
die ich liebe, die ich Backe nenne,
die ich kenne,
wie sie plötzlich hocken
bis sie trocken
und in allen Falten
und Gesichterspalten
sich verstecken
dass als Salz
zum Beispiel falls
man Lust auf Würze spürt,
sich wünschte, diese wegzuschlecken.
Was wohl nicht zum Troste führt.
Lediglich der Nährstoffmangel wird behoben.
Damit hat sich die Funktion verschoben.
Deshalb schätze ich die Tränen
bei den Dickschiffkapitänen,
Trockentränen, die tun gut,
helfen bei Skorbut.
Weg ist die Romantik
über den Atlantik!
Lernen mit Musik: Du kannst nicht immer siebzehn sein
Mit achtzehn verstand Günter, was Chris Roberts uns vorsingen wollte: Du kannst nicht immer siebzehn sein. Mit achtzehn war das Leben sowieso besser, Günter konnte den Führerschein machen, ohne Zustimmung der Eltern trinken, rauchen, wählen, wen er wollte und heiraten. Heiraten wollte Günter nicht und zu wählen gab es auch nicht viel: Außer SPD gab es nur CDU und FDP. Er wartete auf die Einundreißigjährige, um mit ihr als Mann die Sonne aufgehen zu sehen. Die kam aber nicht. Wohl eine, die zwei Jahre jünger war als Günter, der klassische Abstand, um zu heiraten, was Günter auch später tat. Irgendwann klang ein Lied aus dem Radio, das behauptete, das Leben fange erst mit 66 Jahren richtig an. Schließlich war Günter sechzig und dachte: Noch sechs Jahre, dann geht es aber richtig los. Was war eigentlich mit der Zeit zwischen siebzehn und sechsundsechzig? Günter konnte sich nicht erinnern. Siebzehn sein konnte Günter nicht mehr, und sechundsechzig war er noch nicht. Bald würde er mehr wissen. Sechs Jahre. Ruckzuck waren die rum.
Irgendwann würde der Knochige kommen, das wusste Günter noch nicht, würde lächeln und vor sich hinsummen: Du kannst nicht immer neunzig sein.
Was lernen wir?
Schlager können nicht alle Lücken im Leben füllen.
Man soll nicht alles glauben, was Schlagersänger singen.
"Man kann nicht immer zweiundvierzig sein" wäre auch richtig gewesen. Oder sechzig bzw. einundsechzig.
Irgendwann würde der Knochige kommen, das wusste Günter noch nicht, würde lächeln und vor sich hinsummen: Du kannst nicht immer neunzig sein.
Was lernen wir?
Schlager können nicht alle Lücken im Leben füllen.
Man soll nicht alles glauben, was Schlagersänger singen.
"Man kann nicht immer zweiundvierzig sein" wäre auch richtig gewesen. Oder sechzig bzw. einundsechzig.
Lernen mit Musik: Buenos Dias Argentina
Buenos Dias Argentina hatte Udo Jürgens 1978 zur Fußballweltmeisterschaft gesungen: Rotglühende Sonne, der rauschende La Plata, auf dem Kopf den Sombrero und das Lied der Pampa. Ja, so war die Pampa, ein Ort der Schönheit und Harmonie, und nicht wie der Volksmund immer dröhnt: Heinz, der wohnt da irgendwo in der Pampa.Das ist Jottwedeh! Janzweitdraußen, da wo nix los is.
Udo Jürgens hatte vollkommen übersungen, das 1978 eine Militätdiktatur herrschte, das Menschen verhaftet und gefoltert wurden. Miltitärdiktatur ist ein Wort, auf das sich schwer ein Reimwort finden lässt. Deswegen taucht es im Schlagertext nicht auf. Berti Vogts, der insgesamt und überall zu klein Geratene äußert sich adäquat: "In Argentinien herrscht Ordnung. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen." Konnte er auch nicht, denn die waren alle verschwunden, 30 000, vom Erdboden verschwunden, vom Erdboden verschluckt, also unter der Erde.
Das lernen wir:
Wenn es irgendwo nicht schön ist, macht der Schlager es uns schön. Wir müssen ja nicht hinfahren.
Wenn Berti Vogts etwas nicht sieht, dann gibt es das nicht.
Die Pampa ist nicht wie bei uns, sondern singt ein Lied.
Selbst in einer Militärdiktatur ist die Abendsonne immer noch rot.
Udo Jürgens hatte vollkommen übersungen, das 1978 eine Militätdiktatur herrschte, das Menschen verhaftet und gefoltert wurden. Miltitärdiktatur ist ein Wort, auf das sich schwer ein Reimwort finden lässt. Deswegen taucht es im Schlagertext nicht auf. Berti Vogts, der insgesamt und überall zu klein Geratene äußert sich adäquat: "In Argentinien herrscht Ordnung. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen." Konnte er auch nicht, denn die waren alle verschwunden, 30 000, vom Erdboden verschwunden, vom Erdboden verschluckt, also unter der Erde.
Das lernen wir:
Wenn es irgendwo nicht schön ist, macht der Schlager es uns schön. Wir müssen ja nicht hinfahren.
Wenn Berti Vogts etwas nicht sieht, dann gibt es das nicht.
Die Pampa ist nicht wie bei uns, sondern singt ein Lied.
Selbst in einer Militärdiktatur ist die Abendsonne immer noch rot.
Georg Krakl - Deutscher Schlager hilft
Der Chef sagt: Du Versager!
Da hilft Deutscher Schlager.
Und bist du ein Ja,gerne-Sager,
dem es knirscht im Kugellager?
Hör jetzt Deutschen Schlager!
Ebbe herrscht im Vorratslager?
Ärger mit dem rechten Schwager?
Fetten Speck bestellt, geliefert wird er mager?
Wohnsitz am Atommülllager?
Da hilft Deutscher Schlager.
In schönen wie in schnöden Lebenslagen:
Deutscher Schlager hilft, der ist nicht zu schlagen.
Bodo fragt nebenbei: Ist die Steigerung von Schicksalsschlag der Schicksalsschlager?
Hier die Schicksalsmeldoie an klicken und hören.
Da hilft Deutscher Schlager.
Und bist du ein Ja,gerne-Sager,
dem es knirscht im Kugellager?
Hör jetzt Deutschen Schlager!
Ebbe herrscht im Vorratslager?
Ärger mit dem rechten Schwager?
Fetten Speck bestellt, geliefert wird er mager?
Wohnsitz am Atommülllager?
Da hilft Deutscher Schlager.
In schönen wie in schnöden Lebenslagen:
Deutscher Schlager hilft, der ist nicht zu schlagen.
Bodo fragt nebenbei: Ist die Steigerung von Schicksalsschlag der Schicksalsschlager?
Hier die Schicksalsmeldoie an klicken und hören.
Georg Krakl: Lieber (2016)
Lieber 100 Jahre
Hölle, Hölle, Hölle, Wolfgang Petry mit den Freundschaftsbändern
als ein Jahr mit Frauke Petri Afd in allen Bundesländern.
Hölle, Hölle, Hölle, Wolfgang Petry mit den Freundschaftsbändern
als ein Jahr mit Frauke Petri Afd in allen Bundesländern.
Georg Krakl - Blumenampel (2016)
Das Leben ist eine Blumenampel,
häufig hässlich,
viel Gehampel,
hängt so rum, das ist verlässlich,
schwingt im Wind
wenn andre stille sind
springt nicht auf Rot
springt nicht auf Grün.
und fängst du an dich zu bemüh'n,
bist du vielleicht schon tot.
Deshalb: Die Blumenampel
ist eher für Bitumentrampel.
Anmerkung: Bitumentrampel sind eigentlich Asphalttreter. Wenn die heiße Teermasse auf die Straße aufgebracht ist, kommen die Bitumentrampel oder Asphalttreter und trampeln bzw. treten auf ihr herum, bis sie glatt ist.
häufig hässlich,
viel Gehampel,
hängt so rum, das ist verlässlich,
schwingt im Wind
wenn andre stille sind
springt nicht auf Rot
springt nicht auf Grün.
und fängst du an dich zu bemüh'n,
bist du vielleicht schon tot.
Deshalb: Die Blumenampel
ist eher für Bitumentrampel.
Anmerkung: Bitumentrampel sind eigentlich Asphalttreter. Wenn die heiße Teermasse auf die Straße aufgebracht ist, kommen die Bitumentrampel oder Asphalttreter und trampeln bzw. treten auf ihr herum, bis sie glatt ist.
Überall deutscher Schlager - Tonnes Tagebuch
Liebes Tagebuch!
Neulich im Blumenladen wollte ich Stiefmütterchen kaufen und stand in einer Schlange, die aus drei Personen bestand. Die Frau am Schlangenkopf ließ sich einen Blumenstrauß binden und ich dachte, dass das immer seltener wird und ob die fertigen Sträuße an der Supermarktkasse zum Binden nach Marokko oder Vietnam geschickt werden, um sie dort von geschickten Kinderhänden binden zu lassen, und dass man doch das Warten gern in Kauf nehmen sollte, weil dann weniger Kinderarbeit auf der Welt nötig wäre. Weil ich lange warten musste, denn das Binden wurde sehr sorgfältig vorgenommen, dachte ich daran, dass Stiefmütterchen nicht die Blumen der Wahl sind, wenn man seine Liebste beschenken möchte, nicht mal zum Muttertag wären sie gut, und dann fiel mir erst ein Schlager mit Blumen ein: Tulpen aus Amsterdam und ich dachte, dass die Holländer, die sich in den Siebzigern in dunklen Hauseingängen in Einkaufsstraßen mit Billigblumen eingenistet hatten, die deutsche Blume doch nicht verdrängt haben, das Stiefmütterchen ist klein, aber deutsch, die Tulpe holländisch. Sie wächst aufdringlich in der Vase nach und man muss sie ständig beschneiden, weil sie sich immer über die anderen Blumen eines gemischten Straußes hinwegheben will. Rote Rosen summte ich plötzlich und wusste, dass das die Blumen sind, die die Liebe repräsentieren und die Ergebenheit des Mannes. Von Rosen aus Amsterdam hat niemand etwas gehört, Rosen gehören nicht zu den Billigblumen, und wenn, dann kommen sie aus Afrika und sind fair gehandelt, das heißt, die Landarbeiter tragen Gesichtsmasken, wenn sie ein Pflanzenschutzmittel verspritzen.
Die Frau vor mir schnaubte, weil es so lange dauert und stellte irgendwann ihre Topfblume demonstrativ auf denTresen und stürmte weg. Gut, dachte ich, dann bin ich einen Platz vorgerückt, das ist eine gute Zeitersparnis. Die Floristin - so werden Blumenverkäuferinnen, die Sträuße binden können, genannt- hatte eine rote Nase. Vielleicht ist sie erkältet, dachte ich, oder sie trinkt zu viel Rotwein. Die kleine Kneipe an unserer Ecke drängte sich auf, ein Schlager, von Peter Alexander gesungen, dem saubersten Schlagersänger überhaupt, der Ikone der deutschsprachigen Unterhaltungsmusik, der immer so ein gutmütiges Weinen im Gesicht hatte, als wäre er traurig, dass er seine Musik dem Publikum präsentieren musste. Ich überlegte noch, ob die Farbe der Nase von der Farbe des Getränks abhängt, das man im Übermaß zu sich nimmt?
Kann ich bei dem Herrn schon mal abziehen?, fragte die Rotnasige die Kundin, die sich doch sehr zeitaufwändig einen Strauß binden ließ. Vielleicht hatte ich auch irgendwie traurig gekuckt, als ich an Peter Alexander dachte und die kleine Kneipe.
Sie hatten die Hornveilchen?, fragte die Floristin. Äh, ja, murmelte ich, zehn Stück, und erwähnte nicht das Wort Stiefmütterchen, um nicht unnötig Wissenslücken im Bereich der Flora preiszugeben.
Nachdem sie sich erst verrechnet hatte, nannte sie mir den Preis: Fünf Euro fünfundneunzig.
Wie viel hatte ich doch nachdenken können für so wenig Geld. Vielleicht musste ich aber noch den Preis für den langzeitgebundenen Blumenstrauß dazurechnen, aber den zahlte ja die Dame, die immer noch vor mir dran war. Wo gab es denn überhaupt noch kleine Kneipen? Wo gab es noch Ecken mit kleinen Kneipen? Nach soviel Denken wäre ein kleines Bier und eine Schweigeviertelstunde an einer Theke wünschenswert. Da wo das Leben noch lebenswert ist. Was das bedeutet, darüber will ich lieber morgen nachdenken.
Neulich im Blumenladen wollte ich Stiefmütterchen kaufen und stand in einer Schlange, die aus drei Personen bestand. Die Frau am Schlangenkopf ließ sich einen Blumenstrauß binden und ich dachte, dass das immer seltener wird und ob die fertigen Sträuße an der Supermarktkasse zum Binden nach Marokko oder Vietnam geschickt werden, um sie dort von geschickten Kinderhänden binden zu lassen, und dass man doch das Warten gern in Kauf nehmen sollte, weil dann weniger Kinderarbeit auf der Welt nötig wäre. Weil ich lange warten musste, denn das Binden wurde sehr sorgfältig vorgenommen, dachte ich daran, dass Stiefmütterchen nicht die Blumen der Wahl sind, wenn man seine Liebste beschenken möchte, nicht mal zum Muttertag wären sie gut, und dann fiel mir erst ein Schlager mit Blumen ein: Tulpen aus Amsterdam und ich dachte, dass die Holländer, die sich in den Siebzigern in dunklen Hauseingängen in Einkaufsstraßen mit Billigblumen eingenistet hatten, die deutsche Blume doch nicht verdrängt haben, das Stiefmütterchen ist klein, aber deutsch, die Tulpe holländisch. Sie wächst aufdringlich in der Vase nach und man muss sie ständig beschneiden, weil sie sich immer über die anderen Blumen eines gemischten Straußes hinwegheben will. Rote Rosen summte ich plötzlich und wusste, dass das die Blumen sind, die die Liebe repräsentieren und die Ergebenheit des Mannes. Von Rosen aus Amsterdam hat niemand etwas gehört, Rosen gehören nicht zu den Billigblumen, und wenn, dann kommen sie aus Afrika und sind fair gehandelt, das heißt, die Landarbeiter tragen Gesichtsmasken, wenn sie ein Pflanzenschutzmittel verspritzen.
Die Frau vor mir schnaubte, weil es so lange dauert und stellte irgendwann ihre Topfblume demonstrativ auf denTresen und stürmte weg. Gut, dachte ich, dann bin ich einen Platz vorgerückt, das ist eine gute Zeitersparnis. Die Floristin - so werden Blumenverkäuferinnen, die Sträuße binden können, genannt- hatte eine rote Nase. Vielleicht ist sie erkältet, dachte ich, oder sie trinkt zu viel Rotwein. Die kleine Kneipe an unserer Ecke drängte sich auf, ein Schlager, von Peter Alexander gesungen, dem saubersten Schlagersänger überhaupt, der Ikone der deutschsprachigen Unterhaltungsmusik, der immer so ein gutmütiges Weinen im Gesicht hatte, als wäre er traurig, dass er seine Musik dem Publikum präsentieren musste. Ich überlegte noch, ob die Farbe der Nase von der Farbe des Getränks abhängt, das man im Übermaß zu sich nimmt?
Kann ich bei dem Herrn schon mal abziehen?, fragte die Rotnasige die Kundin, die sich doch sehr zeitaufwändig einen Strauß binden ließ. Vielleicht hatte ich auch irgendwie traurig gekuckt, als ich an Peter Alexander dachte und die kleine Kneipe.
Sie hatten die Hornveilchen?, fragte die Floristin. Äh, ja, murmelte ich, zehn Stück, und erwähnte nicht das Wort Stiefmütterchen, um nicht unnötig Wissenslücken im Bereich der Flora preiszugeben.
Nachdem sie sich erst verrechnet hatte, nannte sie mir den Preis: Fünf Euro fünfundneunzig.
Wie viel hatte ich doch nachdenken können für so wenig Geld. Vielleicht musste ich aber noch den Preis für den langzeitgebundenen Blumenstrauß dazurechnen, aber den zahlte ja die Dame, die immer noch vor mir dran war. Wo gab es denn überhaupt noch kleine Kneipen? Wo gab es noch Ecken mit kleinen Kneipen? Nach soviel Denken wäre ein kleines Bier und eine Schweigeviertelstunde an einer Theke wünschenswert. Da wo das Leben noch lebenswert ist. Was das bedeutet, darüber will ich lieber morgen nachdenken.
Was will uns die Presse eigentlich immer sagen?
Weniger Alkohol- und Tabakkonsum, dafür immer mehr übergewichtige Jugendliche. Ein passendes Foto dazu soll die Aussage belegen oder veranschaulichen: Man sieht drei Jugendliche, wenn man den Alterungsgrad der Hand betrachtet, die relativ schlank aussehen und sich abmühen, ihre alkoholischen Getränke zu halten. Insegsamt sind vier Getränke zu sehen, vermutlich mit Hochprozentigem versetzt, was früher vielleicht sechs Getränke gewesen sind, also zwei weniger als üblicherweise, was einen deutlichem Rückgang dokumentiert. Zwischen zwei Fingern eine Zigarette, früh hatte alle ihre Kippen in der Hand und am Getränk, heute ist die Feinmotorik nicht ausgeprägt genug, um alles koordiniert zu bekommen, dafür wird man aber dicker. Das sieht man auf dem Bild noch nicht, aber das kann ja noch kommen.
Eigentlich müsste die Bildunterschrift so lauten: Jugendliche trinken immer noch ordentlich, es raucht von drei Personen nur eine, und trotzdem werden die nicht dicker, das ist ungerecht."
Und die Presse? Ja, die ist die letzte, die ihre Texte liest. Und das ist gut so, sonst würde sie die ja nicht verstehen. Gemäß dem Motto: Ich kann zwar schreiben, aber nicht lesen.
Eigentlich müsste die Bildunterschrift so lauten: Jugendliche trinken immer noch ordentlich, es raucht von drei Personen nur eine, und trotzdem werden die nicht dicker, das ist ungerecht."
Und die Presse? Ja, die ist die letzte, die ihre Texte liest. Und das ist gut so, sonst würde sie die ja nicht verstehen. Gemäß dem Motto: Ich kann zwar schreiben, aber nicht lesen.
Wie heißt es richtig?
Marsregelvollzug?
Maßregelvollerzug?
Marsriegelvollzug?
Maas-Regelvollzug?
Antworten aufschreiben und gut aufgewahren. Man weiß nie, wozu man die noch mal brauchen kann.
Maßregelvollerzug?
Marsriegelvollzug?
Maas-Regelvollzug?
Antworten aufschreiben und gut aufgewahren. Man weiß nie, wozu man die noch mal brauchen kann.
Aliens im Wohnzimmer
Da ist die Tür!, schrie Tante Wilma den Alien an. So weit kommt das noch, wetterte sie weiter, erst meine gute Auslegware zufusseln und dann vielleicht noch die Welt erobern und im Universum rumposaunen, man haben wieder einen blauen Planeten gekapert, um sich an seinen Rohstoffen sattzusaugen.
Der Alien hatte versucht, sich auf seinen sechs Beinen, oder waren es Arme, oder vielleicht sogar ein paar Arme und ein paar Beine, also zwei bis drei jeweils, weil paar kleingeschrieben ist, auf dem Teppichboden im Wohnzimmer von Tante Wilma niederzulassen und etwas zu verschnaufen. Ein Leben als Alien war nicht leicht. Keiner traute einem über den Weg bzw. die Flugbahn, oder man wurde von zukunftsgeilen Perry-Rhodan-Lesern gestalkt.
Dabei war er rein zufällig hier gelandet, von wegen Untertasse, die fliegt, alles Blödsinn, seine Hyperraumklapperkiste hatte mal wieder den Geist aufgegeben, und die sah eher aus wie ein hässlich gestylter BMW, also noch hässlicher, als die sowieso schon waren.
Klmmnppfghfghjkhjkljhj, tutete der Alien Tante Wilma an, die aber nichts verstand, denn es hörte sich an, als habe man Angela Merkel ein in Terpentin getauchtes Putztuch in den Rachen gestopft.
Ich fussel nicht, wollte der Alien auf Alienesisch sagen, ich fussel überhaupt nicht, und einen blauen Planeten kapern, ich glaube, Tante Wilma (woher kannte er plötzlich Namen und Titel dieses Fleischlings?), das lohnt sich nicht, das ist nämlich Sondermüll hier, mal abgesehen von den unmenschlichen Menschen, die hier immer tierisch die Sau rauslassen und dächten, das würde keiner merken.
Nimm den Lappen raus,wenn du mit mir sprichst, trompetete Tante Wilma jetzt, und versuch bloß nicht, die Bundeskanzlerin zu imitieren, das habe ich genau rausgehört, auch wenn ich nicht verstanden habe, was du gesagt hast. Verstehe ich bei Merkel aber auch nicht. Und jetzt raus, aber dalli! Auch wenn du nicht fusselst.
Der Alien zischte ab und Tante Wilma wunderte sich, warum und woher sie wusste, dass Aliens und speziell dieser Alien nicht fusselte.
Ich sollte als Bundeskanzlerin-Imitator auftreten und noch ein paar Euro nebenher verdienen, dachte der Alien beim Abzischen, aber vorher müsste er noch einen Asylantrag stellen. Immerhin kam er nicht aus einem sicheren Drittland, in das er zurückgeschickt werden könnte. Aus einem sicheren Dritttuniverum schon, aber das stand im Formular nicht drin.
Was waren diese Menschen blöde! Hauptsache es gab ein Formular für alles! Dachten, ihr Planet wäre was wert....Der Alien lachte leise in sich hinein und zischte noch ein bisschen ab.
Der Alien hatte versucht, sich auf seinen sechs Beinen, oder waren es Arme, oder vielleicht sogar ein paar Arme und ein paar Beine, also zwei bis drei jeweils, weil paar kleingeschrieben ist, auf dem Teppichboden im Wohnzimmer von Tante Wilma niederzulassen und etwas zu verschnaufen. Ein Leben als Alien war nicht leicht. Keiner traute einem über den Weg bzw. die Flugbahn, oder man wurde von zukunftsgeilen Perry-Rhodan-Lesern gestalkt.
Dabei war er rein zufällig hier gelandet, von wegen Untertasse, die fliegt, alles Blödsinn, seine Hyperraumklapperkiste hatte mal wieder den Geist aufgegeben, und die sah eher aus wie ein hässlich gestylter BMW, also noch hässlicher, als die sowieso schon waren.
Klmmnppfghfghjkhjkljhj, tutete der Alien Tante Wilma an, die aber nichts verstand, denn es hörte sich an, als habe man Angela Merkel ein in Terpentin getauchtes Putztuch in den Rachen gestopft.
Ich fussel nicht, wollte der Alien auf Alienesisch sagen, ich fussel überhaupt nicht, und einen blauen Planeten kapern, ich glaube, Tante Wilma (woher kannte er plötzlich Namen und Titel dieses Fleischlings?), das lohnt sich nicht, das ist nämlich Sondermüll hier, mal abgesehen von den unmenschlichen Menschen, die hier immer tierisch die Sau rauslassen und dächten, das würde keiner merken.
Nimm den Lappen raus,wenn du mit mir sprichst, trompetete Tante Wilma jetzt, und versuch bloß nicht, die Bundeskanzlerin zu imitieren, das habe ich genau rausgehört, auch wenn ich nicht verstanden habe, was du gesagt hast. Verstehe ich bei Merkel aber auch nicht. Und jetzt raus, aber dalli! Auch wenn du nicht fusselst.
Der Alien zischte ab und Tante Wilma wunderte sich, warum und woher sie wusste, dass Aliens und speziell dieser Alien nicht fusselte.
Ich sollte als Bundeskanzlerin-Imitator auftreten und noch ein paar Euro nebenher verdienen, dachte der Alien beim Abzischen, aber vorher müsste er noch einen Asylantrag stellen. Immerhin kam er nicht aus einem sicheren Drittland, in das er zurückgeschickt werden könnte. Aus einem sicheren Dritttuniverum schon, aber das stand im Formular nicht drin.
Was waren diese Menschen blöde! Hauptsache es gab ein Formular für alles! Dachten, ihr Planet wäre was wert....Der Alien lachte leise in sich hinein und zischte noch ein bisschen ab.
Appelle und Fliehkräfte
Gestern schlagzeilte der Weseranzeiger "Appelle und Fliehkräfte" und der Leser runzelt die Stirn. Kryptische Überschrift oder Ergebnis euphemistischer Kreativität? Man mag es dem eher tumb daherkommenden CSU-Chef Seehofer nicht abnehmen und der Betulichkeit der Kanzlerin im Dreiknopfkostüm nicht zutrauen, das Wort erfunden zu haben: Fliehkräfte klingt doch viel schöner als Flüchtlinge!
Flüchtlinge - das provoziert doch Hilfsbereitschaft, oder wenigstens ein schlechtes Gewissen, das der Gutmensch - wenn auch als Unmensch des Jahres gekürt - sofort in Handlung umsetzen will, oder intensiv darüber nachdenkt.
Flüchtlinge. Da war das Wort Asylanten schon besser für den Deutschen, der Angst um seinen Arbeitsplatz oder seine Sozialzuwendung oder seinen BMW hat. Asylanten und Bummelanten, Querulanten und Intriganten. Die konnte man in einen Topf werfen und den Deckel draufhalten. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Aber Flüchltinge? Das Wort ist unerträglich vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit, wo Deutsche auch Flüchtlinge waren oder hätten sein müssen.
Da kommt das Wort Fliehkräfte schon besser an.
Das klingt wie Fachkräfte. Fachkräfte für Migration etwa, oder Fachkräfte für Lagerlogistik.
Fliehkräfte, das klingt kompetent und lebenstüchtig, da weiß man, dass die es alleine schaffen, was wir nicht schaffen, auch wenn es die Kanzlerin zur Litanei gemacht hat.
Fliehkräfte sind wie Fachkräfte sind wie Arbeitskräfte, und die kann man nach Bedarf freisetzen. Wie es die Wirtschaft nennt. Nicht ausweisen. Fachkräfte weist man nicht aus, man entlässt sie nicht mal, von ihren Verpflichtungen etwa, man setzt sie frei. Als seien sie vorher inhaftiert gewesen, und jetzt tut man ihnen etwas Gutes. Das Freisetzen der Fliehkräfte, da brummt auch der Seehofer zufrieden. Glückwunsch der christlich-sozialen Gesinnung! Und der christlich-demokratischen! Wenn man die Umstände nicht ändern will, dann wenigstens die Wörter. Damit die Welt besser wird, gib ihr einfach einen anderen Namen. Fliehkräfte. Warum ist da nicht schon eher jemand daruf gekommen, dann hätten wir uns das Debakel um Schaffenwir, Ausgleich und Obergrenzen sparen können, und niemand hätte sich einer kriegstreiberischen Türkei anbiedern müssen, die jetzt mit 6 Milliarden Euros in Saus und Braus leben kann, bzw. sich intensiver dem Kurdenproblem widmet. Fliehkräfte. Man kann nur hoffen, dass nicht eines Tages Europa und der Rest der Welt aus der Kurve fliegen.
Flüchtlinge - das provoziert doch Hilfsbereitschaft, oder wenigstens ein schlechtes Gewissen, das der Gutmensch - wenn auch als Unmensch des Jahres gekürt - sofort in Handlung umsetzen will, oder intensiv darüber nachdenkt.
Flüchtlinge. Da war das Wort Asylanten schon besser für den Deutschen, der Angst um seinen Arbeitsplatz oder seine Sozialzuwendung oder seinen BMW hat. Asylanten und Bummelanten, Querulanten und Intriganten. Die konnte man in einen Topf werfen und den Deckel draufhalten. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Aber Flüchltinge? Das Wort ist unerträglich vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit, wo Deutsche auch Flüchtlinge waren oder hätten sein müssen.
Da kommt das Wort Fliehkräfte schon besser an.
Das klingt wie Fachkräfte. Fachkräfte für Migration etwa, oder Fachkräfte für Lagerlogistik.
Fliehkräfte, das klingt kompetent und lebenstüchtig, da weiß man, dass die es alleine schaffen, was wir nicht schaffen, auch wenn es die Kanzlerin zur Litanei gemacht hat.
Fliehkräfte sind wie Fachkräfte sind wie Arbeitskräfte, und die kann man nach Bedarf freisetzen. Wie es die Wirtschaft nennt. Nicht ausweisen. Fachkräfte weist man nicht aus, man entlässt sie nicht mal, von ihren Verpflichtungen etwa, man setzt sie frei. Als seien sie vorher inhaftiert gewesen, und jetzt tut man ihnen etwas Gutes. Das Freisetzen der Fliehkräfte, da brummt auch der Seehofer zufrieden. Glückwunsch der christlich-sozialen Gesinnung! Und der christlich-demokratischen! Wenn man die Umstände nicht ändern will, dann wenigstens die Wörter. Damit die Welt besser wird, gib ihr einfach einen anderen Namen. Fliehkräfte. Warum ist da nicht schon eher jemand daruf gekommen, dann hätten wir uns das Debakel um Schaffenwir, Ausgleich und Obergrenzen sparen können, und niemand hätte sich einer kriegstreiberischen Türkei anbiedern müssen, die jetzt mit 6 Milliarden Euros in Saus und Braus leben kann, bzw. sich intensiver dem Kurdenproblem widmet. Fliehkräfte. Man kann nur hoffen, dass nicht eines Tages Europa und der Rest der Welt aus der Kurve fliegen.
Traumatische Träume
Es heulte der Wind und mir träumte, es wäre schon wieder Weihnachten, obwohl noch gar nicht Sommer gewesen war. Der Weihnachtsmann trat mir in Stanniol entgegen und sein Kopf wirkte irgendwie eingeknickt. Vielleicht hatte man mit ihm "Weihnachtsmannschlachten" gespielt und mir fiel ein, dass ich auch gerne diese Spiel gespielt hatte, aber immer nur zur Vorweihnachtszeit und ganz knapp nach dem Fest, wenn die rotbemantelten Sackträger ihre Schuldigkeit getan hatten und gehen konnten.
Gern brach ich dem Schokokerl das Genick durch einen kräftigen Daumendruck, oder den Kehlkopf durch denselben Druck auf der Gegenseite. Die Kollegin ließ gern die Brust und Bauchseite krachen und schlug manchmal mit der Faust auf die Figur, was mir aber irgendwie immer leid tat. Ein Weihnachtsmann sollte nicht leiden. Auch der Jäger versetzt dem Wild den Gnadenstoß, der, schnell geführt, das Leiden beendet und gleichzeitig eine gute Mahlzeit auf den Tisch bringt. So sollte das hier auch sein. Aber die Kollegin musste wohl kompensieren oder projizieren, auf jeden Fall etwas Psychologisches verarbeiten.
Und jetzt im Traum der Weihnachtsmann! Eine Art Schnee, wie aus ultraleichten Erdnussflips bestehend, rieselt herab und gab dem Ganzen ein merkwürdig sattes Flair. Vielleicht nicht Flair, eher eine Missstimmung. Ich beschloss, mich demnächst nach dem Erwachen sofort um das Erlernen des Luziden Träumens zu kümmern, denn da könnte man jeden Traum nach seinen Vorstellungen beeinflussen und im Notfall auch beenden, weil man ja wüsste, dass man träumte und was man träumte und dass man vielleicht den größten Blödsinn erlebte. Osterhase. Dem Weihnachtsmann was auf die Nase, dann wird es doch ein Osterhase! So reimte ich lautlos, und das passte in die Jahreszeit.
Ein Anfang war gemacht.
Gern brach ich dem Schokokerl das Genick durch einen kräftigen Daumendruck, oder den Kehlkopf durch denselben Druck auf der Gegenseite. Die Kollegin ließ gern die Brust und Bauchseite krachen und schlug manchmal mit der Faust auf die Figur, was mir aber irgendwie immer leid tat. Ein Weihnachtsmann sollte nicht leiden. Auch der Jäger versetzt dem Wild den Gnadenstoß, der, schnell geführt, das Leiden beendet und gleichzeitig eine gute Mahlzeit auf den Tisch bringt. So sollte das hier auch sein. Aber die Kollegin musste wohl kompensieren oder projizieren, auf jeden Fall etwas Psychologisches verarbeiten.
Und jetzt im Traum der Weihnachtsmann! Eine Art Schnee, wie aus ultraleichten Erdnussflips bestehend, rieselt herab und gab dem Ganzen ein merkwürdig sattes Flair. Vielleicht nicht Flair, eher eine Missstimmung. Ich beschloss, mich demnächst nach dem Erwachen sofort um das Erlernen des Luziden Träumens zu kümmern, denn da könnte man jeden Traum nach seinen Vorstellungen beeinflussen und im Notfall auch beenden, weil man ja wüsste, dass man träumte und was man träumte und dass man vielleicht den größten Blödsinn erlebte. Osterhase. Dem Weihnachtsmann was auf die Nase, dann wird es doch ein Osterhase! So reimte ich lautlos, und das passte in die Jahreszeit.
Ein Anfang war gemacht.
Georg Krakl - Ernst Jünger 1998
Auch Ernst Jünger wurde älter
und nach Stahlgewittern
langsam kälter
bis zum großen Zittern
vor dem Tod
dass mensch nicht fällt im Feld
nicht auf dem Schlachtplatz dieser Welt
sondern im Bett.
Solch Sterben
macht euch keine Kerben
in das Holz der kalten Waffen.
Bett, das bleibt wohl nur den Schlaffen.
Wir, die Straffen
wollen aufrecht bleiben
und uns notfalls selbst entleiben.
Den Helden formt der Tod.
Das ist sein täglich Brot.
Ernst Jünger wurde älter
und dann alt.
Zuletzt nur kälter
und jetzt - neunzehnachtundneunzig - kalt.
(Gott sei's gepriesen,
der Tod holt auch die Miesen.)
und nach Stahlgewittern
langsam kälter
bis zum großen Zittern
vor dem Tod
dass mensch nicht fällt im Feld
nicht auf dem Schlachtplatz dieser Welt
sondern im Bett.
Solch Sterben
macht euch keine Kerben
in das Holz der kalten Waffen.
Bett, das bleibt wohl nur den Schlaffen.
Wir, die Straffen
wollen aufrecht bleiben
und uns notfalls selbst entleiben.
Den Helden formt der Tod.
Das ist sein täglich Brot.
Ernst Jünger wurde älter
und dann alt.
Zuletzt nur kälter
und jetzt - neunzehnachtundneunzig - kalt.
(Gott sei's gepriesen,
der Tod holt auch die Miesen.)
Gruppentreffs stärken den Gruppenzusammenhalt
Schon wieder Gruppentreff, er hielt es nicht mehr aus, jede Woche die langweiligen Gesichter, die abgeschmackten Kleider, die pappig-vergelten Frisuren, der traurige Blick und die feuchten Hände. Gruppentreffs stärken das Gemeinschaftsgefühl, hatte der Therapeut gesagt, ja, hallo, welche Gemeinschaft? Gemeinsam gemein sein? War es das? Hier dachte doch jeder nur an sich, alle waren doch hier, um sich dieses verschissene Gruppengefühl zu holen, damit sie nicht zu Hause in der Sofaecke versauerten, damit sie sich nicht abgetrennt von der Welt fühlen mussten, dafür nahm jeder diese üblen Gestalten in Kauf, die alle am selben Problem litten. Was aber war das Problem? Er konnte sich nicht mehr erinnern. Irgendwie waren sie zusammengekommen, irgendwer hatte mal die Leitung gehabt, der war dann abgehauen, hatte sich aus dem Staub gemacht. Seitdem hatten sie sich aus Gewohnheit getroffen, ohne noch zu wissen, warum. Eine Stunde standen sie herum und starrten die Wände und den Fleck auf dem Lackschuh des Gegenüber an. Was war das Problem? Waren das hier die Anonymen Amnesietiker? Alles vergessen, oder was? Hinterher ging er immer einen trinken. Allein, natürlich. Anonymer Alkoholiker konnte er wohl nicht sein. Obwohl - in der Kneipe kannte er auch keinen, kannte ihn keiner. Anonym war er schon.
Was ist euer Problem?,brüllte es plötzlich aus ihm heraus. Halt's Maul, kam es leise zurück. Klappe. Schnauze. Halt die Fresse. Leise und zischend, so als habe er die Mittagsruhe in der Geschlossenen gestört. Dann eben nicht, dachte er und schwieg. Noch zehn Minuten, dann würde er einen trinken gehen. Vielleicht würde er den Wirt ansprechen und ihm seinen Namen sagen. Hauptsache nicht Anonymer Alkoholiker. Es war zum Heulen, aber die Blöße würde er sich nicht geben.
Was ist euer Problem?,brüllte es plötzlich aus ihm heraus. Halt's Maul, kam es leise zurück. Klappe. Schnauze. Halt die Fresse. Leise und zischend, so als habe er die Mittagsruhe in der Geschlossenen gestört. Dann eben nicht, dachte er und schwieg. Noch zehn Minuten, dann würde er einen trinken gehen. Vielleicht würde er den Wirt ansprechen und ihm seinen Namen sagen. Hauptsache nicht Anonymer Alkoholiker. Es war zum Heulen, aber die Blöße würde er sich nicht geben.
Im Spiegel
Bijonzi-Ravenna stand vor dem Spiegel und betrachtete sich. Wie es wohl ist, mich zu küssen?, fragte sie sich und presste ihre Lippen an das Glas. Mit der Zunge fuhr sie über die glatte Fläche und dachte: Wundersam glatt. Und kühl, fast kalt schon. Und man kommt auch gar nicht richtig weiter. Und alles so seitenverkehrt. Ja. Seitenverkehrt. Da wurde Bijonzi-Ravenna ganz traurig und begann sich zu schminken. Sei nicht traurig, Bijonzi-Ravenna, sagte sich Bijonzi-Ravenna, als sie den Kajal-Stift ansetzte, du musst dich ja nicht küssen. Das sollen andere tun.
Und damit wurde es doch noch ein schöner Tag.
Und damit wurde es doch noch ein schöner Tag.
Tod, wo ist dein Stengel ?(2)
Mensch: Du, Tod, man fragt doch so allgemein, Tod, wo ist dein Stängel?
Tod: Es heißt: Tod, wo ist dein Stachel.
Mensch: Was ich wissen wollte, ist, wie schreibt man eigentlich Stängel?
Tod: Es heißt Stachel.
Mensch: Schreibt man denn Stängel mit e oder mit ä?
Tod: Stachel.
Nein, Stängel.
Tod: Stachel.
Mensch: Stängel
Tod: Stachel.
Mensch: Stängel.
Tod: Stachel. Es heißt Stachel. Stachel. Stachel. Nicht Stängel.
Mensch: Ist ja auch egal.
Tod: Nein, ist es nicht.
Mensch: Meinetwegen auch das. Dafür bin ich jetzt aber der Klügere.
Tod: Ich glaube, es geht los.
Mensch: Ich habe nachgegeben.
Tod: Wann das denn?
Mensch: Eben gerade. Und es heißt: Der Klügere gibt nach.
Tod: Der Klügere sein, aber nicht wissen, wie man Stängel schreibt.
Mensch: Ich dachte es heißt Stachel.
Tod: Es reicht gleich.
Mensch: Stachel schreibt man mit a.
Tod: Das hat niemand bestritten.
Mensch: Und Stängel?
Tod: Stängel schreibt man mit ä, kommt von Stange.
Mensch: Ich dachte, man schreibt Stengel mit e.
Tod: Warum fragst du, wenn du alles besser weißt?
Mensch: Ich weiß es ja nicht, aber ich kenne Stengel nur mit e.
Tod: Neue Rechtschreibung. Gilt seit Anfang 2000. Stängel kommt von Stange. Wird mit ä geschrieben.
Mensch: Und deinen Stengel, schreibt man den mit e?
Tod: Aus. Feierabend, es reicht, finito. Ich hol jetzt meinen Stachel.
Mensch: Bringst du den Stängel auch mit? Oder ist das sogar eine Stange?
Tod: Es heißt: Tod, wo ist dein Stachel.
Mensch: Was ich wissen wollte, ist, wie schreibt man eigentlich Stängel?
Tod: Es heißt Stachel.
Mensch: Schreibt man denn Stängel mit e oder mit ä?
Tod: Stachel.
Nein, Stängel.
Tod: Stachel.
Mensch: Stängel
Tod: Stachel.
Mensch: Stängel.
Tod: Stachel. Es heißt Stachel. Stachel. Stachel. Nicht Stängel.
Mensch: Ist ja auch egal.
Tod: Nein, ist es nicht.
Mensch: Meinetwegen auch das. Dafür bin ich jetzt aber der Klügere.
Tod: Ich glaube, es geht los.
Mensch: Ich habe nachgegeben.
Tod: Wann das denn?
Mensch: Eben gerade. Und es heißt: Der Klügere gibt nach.
Tod: Der Klügere sein, aber nicht wissen, wie man Stängel schreibt.
Mensch: Ich dachte es heißt Stachel.
Tod: Es reicht gleich.
Mensch: Stachel schreibt man mit a.
Tod: Das hat niemand bestritten.
Mensch: Und Stängel?
Tod: Stängel schreibt man mit ä, kommt von Stange.
Mensch: Ich dachte, man schreibt Stengel mit e.
Tod: Warum fragst du, wenn du alles besser weißt?
Mensch: Ich weiß es ja nicht, aber ich kenne Stengel nur mit e.
Tod: Neue Rechtschreibung. Gilt seit Anfang 2000. Stängel kommt von Stange. Wird mit ä geschrieben.
Mensch: Und deinen Stengel, schreibt man den mit e?
Tod: Aus. Feierabend, es reicht, finito. Ich hol jetzt meinen Stachel.
Mensch: Bringst du den Stängel auch mit? Oder ist das sogar eine Stange?
Woran ich denke, wenn ich denke
Liebes Tagebuch!
Ich denke so viel und so oft. Nur am Morgen bin ich etwas schwerfällig, besonders beim Zeitungslesen. Heute morgen geht es gleich los: Heilfasten lässt Pfunde furzeln, lese ich, weil sich nach Fund eben ein furzeln anbietet, gemeint war aber purzeln, dass Pfunde purzeln. Ich hatte früher Schwierigkeiten einen Pruzelbaum zu machen, wohin die Pfunde purzeln, weiß ich nicht. Heute morgen scheine ich viel im unteren Bereich des menschlichen Körpers zu denken, auf einem Foto, an einem Bootsanleger geschossen, lese ich, dass die Slipeinlage für Wasserfahrzeuge gesperrt ist. Das Schild müsste bei dieser lustigen Verwechslung wahrscheinlich lachen, wenn es könnte, denn auf ihm stand das Wort Slipanlage. Ich konnte mir nur zusammenreimen, was eine Slipanlage ist. Mein Finanzberater hätte wohl nicht zu einer solchen geraten, und es schied wohl auch ein größeres Objekt, eine Anlage eben, mit tausend Slips befüllt, aus, vielmehr drehte es sich um eine Art Gleitanlage für Boote, damit diese besser ins Nasse kommen können. Warum eine Gleitanlage - könnte man nicht Rutsche sagen? - warum also eine Gleitanlage Slipanlage heißen muss, ist mir nicht bekannt. Der Slip hieß früher Schlüpfer, und das ist ein deutsches Wort, das jeder versteht. Schlüpferanlage klingt aber nicht gut. Vielleicht ist das europaweit normiert, damit auch der Österreicher genauso wie jeder andere Europäer sein Boot gleiten lassen kann.
Als ich im Auto zur Arbeitsstelle fuhr, sagte die Ansagerin, dass man mit großer Mühe das Asylpaket eingetütet habe. Sonst heißt es immer, dass ein Paket geschnürt wurde, was aber keiner mehr macht, die meisten kleben ihr Paket mit Paketklebeband zu, was ja auch reicht. Das Asylpaket mit großer Mühe zugeklebt - wie klingt das denn? Auch wenn dieser bildhafte Ausdruck mal was Neues wäre und der Wirklichkeit entspräche, so klingt er eher lächerlich. Man weiß ja auch nicht, wie groß das Paket ist. Es kann allerdings auch nicht groß sein, wenn es in eine Tüte passt. Das Asylpaket wurde mit großer Mühe eingetütet. Ich wusste nicht, dass man Pakete in Tüten steckt. Trägt man die dann in diesen zur Post, um sie dort auszutüten und aufzugeben? Das Asylpaket ist mit großer Mühe aufgegeben worden, das klingt verständlich und irgendwie ehrlich. Ein Paket zukleben und aufgeben. Überhaupt die ganze Asylgeschichte aufgeben, weil die ja im Paket steckt. Arme Flüchltinge!Armes Deutschland!
Nach Feierabend habe ich noch ferngesehen und von der Trennung eines Prominentenehepaares gehört und gesehen. Die Namen habe ich vergessen, weil mich ein Zitat der beiden irritierte: Wir haben uns getrennt, weil unsere Lebensmittelpunkte wohl zu weit voneinander entfernt waren. Ich musste sofort an Rabattmarken denke und Klebehefte, und dass die beiden wohl beide Sammler waren, vielleicht um eine teflonbeschichtete Pfanne als Treueprämie 10 € günstiger zu bekommen, und irgendwie hatten sie diese Lebensmittelpunkte zu weit auseinander geklebt, sodass das Rabattheft nicht korrekt beklebt war und damit die Prämie hinfällig, auf die die beiden sich so gefreut hatten. Das ist vielleicht ein Grund, sich zu trennen. Auf jeden Fall kommt man mit einem solchen Zitat ins Fernsehen. Vielleicht ist das auch von Edeka gesponsort worden. Ich musste dann an die armen Verkäuferinnen denken, die tausendmal am Tag fragen: Haben Sie die Deutschlandkarte?
Ich will immer antworten: Welchen Ort suchen sie denn? Vielleicht kann ich Ihnen auch so helfen. Nein, denke ich überhaupt nicht, ich denke, vielleicht kaufe ich mir eine Schirmmütze, auf der steht "Ich habe keine Deutschlandkarte und will auch keine haben, ich habe nie eine besessen und ich hasse es, Sammelpunkte zu sammeln, weil man sonst nichts mit ihnen machen kann, und ich möchte auch nicht gefragt werden, ob ich eine Deutschlandkarte habe, hatte oder haben wollen gehabt werde. Ruhe! Was muss ich zahlen?" Leider passt soviel Text nicht auf eine Mütze, und wenn, dann wäre es sehr kleingedruckt und könnte von der Frau an der Kasse nicht gelesen werden, weil die ja sitzen bleibt und nicht aufsteht, um meine Mütze zu lesen.
Ich glaube, ich höre jetzt auf zu schreiben, weil schon wieder Dinge denke, die ich vorhin noch nicht gedacht habe, und dadurch das, was ich vorhin gedacht habe, vielleicht vergesse. Bis morgen, liebes Tagebuch!
Ich denke so viel und so oft. Nur am Morgen bin ich etwas schwerfällig, besonders beim Zeitungslesen. Heute morgen geht es gleich los: Heilfasten lässt Pfunde furzeln, lese ich, weil sich nach Fund eben ein furzeln anbietet, gemeint war aber purzeln, dass Pfunde purzeln. Ich hatte früher Schwierigkeiten einen Pruzelbaum zu machen, wohin die Pfunde purzeln, weiß ich nicht. Heute morgen scheine ich viel im unteren Bereich des menschlichen Körpers zu denken, auf einem Foto, an einem Bootsanleger geschossen, lese ich, dass die Slipeinlage für Wasserfahrzeuge gesperrt ist. Das Schild müsste bei dieser lustigen Verwechslung wahrscheinlich lachen, wenn es könnte, denn auf ihm stand das Wort Slipanlage. Ich konnte mir nur zusammenreimen, was eine Slipanlage ist. Mein Finanzberater hätte wohl nicht zu einer solchen geraten, und es schied wohl auch ein größeres Objekt, eine Anlage eben, mit tausend Slips befüllt, aus, vielmehr drehte es sich um eine Art Gleitanlage für Boote, damit diese besser ins Nasse kommen können. Warum eine Gleitanlage - könnte man nicht Rutsche sagen? - warum also eine Gleitanlage Slipanlage heißen muss, ist mir nicht bekannt. Der Slip hieß früher Schlüpfer, und das ist ein deutsches Wort, das jeder versteht. Schlüpferanlage klingt aber nicht gut. Vielleicht ist das europaweit normiert, damit auch der Österreicher genauso wie jeder andere Europäer sein Boot gleiten lassen kann.
Als ich im Auto zur Arbeitsstelle fuhr, sagte die Ansagerin, dass man mit großer Mühe das Asylpaket eingetütet habe. Sonst heißt es immer, dass ein Paket geschnürt wurde, was aber keiner mehr macht, die meisten kleben ihr Paket mit Paketklebeband zu, was ja auch reicht. Das Asylpaket mit großer Mühe zugeklebt - wie klingt das denn? Auch wenn dieser bildhafte Ausdruck mal was Neues wäre und der Wirklichkeit entspräche, so klingt er eher lächerlich. Man weiß ja auch nicht, wie groß das Paket ist. Es kann allerdings auch nicht groß sein, wenn es in eine Tüte passt. Das Asylpaket wurde mit großer Mühe eingetütet. Ich wusste nicht, dass man Pakete in Tüten steckt. Trägt man die dann in diesen zur Post, um sie dort auszutüten und aufzugeben? Das Asylpaket ist mit großer Mühe aufgegeben worden, das klingt verständlich und irgendwie ehrlich. Ein Paket zukleben und aufgeben. Überhaupt die ganze Asylgeschichte aufgeben, weil die ja im Paket steckt. Arme Flüchltinge!Armes Deutschland!
Nach Feierabend habe ich noch ferngesehen und von der Trennung eines Prominentenehepaares gehört und gesehen. Die Namen habe ich vergessen, weil mich ein Zitat der beiden irritierte: Wir haben uns getrennt, weil unsere Lebensmittelpunkte wohl zu weit voneinander entfernt waren. Ich musste sofort an Rabattmarken denke und Klebehefte, und dass die beiden wohl beide Sammler waren, vielleicht um eine teflonbeschichtete Pfanne als Treueprämie 10 € günstiger zu bekommen, und irgendwie hatten sie diese Lebensmittelpunkte zu weit auseinander geklebt, sodass das Rabattheft nicht korrekt beklebt war und damit die Prämie hinfällig, auf die die beiden sich so gefreut hatten. Das ist vielleicht ein Grund, sich zu trennen. Auf jeden Fall kommt man mit einem solchen Zitat ins Fernsehen. Vielleicht ist das auch von Edeka gesponsort worden. Ich musste dann an die armen Verkäuferinnen denken, die tausendmal am Tag fragen: Haben Sie die Deutschlandkarte?
Ich will immer antworten: Welchen Ort suchen sie denn? Vielleicht kann ich Ihnen auch so helfen. Nein, denke ich überhaupt nicht, ich denke, vielleicht kaufe ich mir eine Schirmmütze, auf der steht "Ich habe keine Deutschlandkarte und will auch keine haben, ich habe nie eine besessen und ich hasse es, Sammelpunkte zu sammeln, weil man sonst nichts mit ihnen machen kann, und ich möchte auch nicht gefragt werden, ob ich eine Deutschlandkarte habe, hatte oder haben wollen gehabt werde. Ruhe! Was muss ich zahlen?" Leider passt soviel Text nicht auf eine Mütze, und wenn, dann wäre es sehr kleingedruckt und könnte von der Frau an der Kasse nicht gelesen werden, weil die ja sitzen bleibt und nicht aufsteht, um meine Mütze zu lesen.
Ich glaube, ich höre jetzt auf zu schreiben, weil schon wieder Dinge denke, die ich vorhin noch nicht gedacht habe, und dadurch das, was ich vorhin gedacht habe, vielleicht vergesse. Bis morgen, liebes Tagebuch!
Lücken im Alltag
![]() |
| Vladimir Malewisch: Lücken im Alltag (2016) |
Wir irren weiter umher und suchen den Füller, ohne zu wissen, dass es ihn gar nicht gibt, nicht von Lamy, nicht von Pelikan, und schon gar nicht von Geha, die sind nämlich pleite, was aber so ziemlich egal ist. Möglicherweise sollte wir froh sein, dass unsere Lücken nicht gefüllt werden, denn dann könnte man die Wirrniss des Alltags erkennen, wäre verstört ob der schrillen Buntheit und verworrenen Linieführung, ob der unstrukturierten Pinselführung des Lebens, das sich erlaubt, mit fettem Strich durch unsere Rechnungen zu malen.
Seien wir froh, dass wir nicht alles erkennen, denn dann wären wir vielleicht Lückenbüßer, die für das nicht Vorhandene die Rechnung zu zahlen hätten.
Also: Es muss nicht immer alles komplett sein. Oft reicht es, wenn es das Kartoffelpüree aus dem Paket ist. Den Rest denkt man sich einfach dazu, denn dazu sollte das Gehirn eigentlich da sein, wenn es denn da ist.
Wo bitteschön liegt Mendocino?
Auf der Straße nach Mendocino, sang Michael Holm damals, ein schmaler Kerl mit seltsamer Frisur, die wirkte als, wären die Haare immer schnell fettig und müssten ständig gewaschen werden. Bei Fernsehauftritten waren sie natürlich gewaschen, und deshalb machte Michael Holm immer einen ordentlichen Eindruck bei Frauen, die einen anderen Partner suchen. Er sah aus wie frisch geduscht und parat für eine keimfreie Umarmung. Er hätte gut der freundliche Verkäufer aus der Drogerie sein können, der einem die Fehler auf seinen Urlaubsfotos erklärte, ohne, dass man ihn darum gebeten hatte. Er wollte einfach freundlich sein.
Wo liegt denn Mendocino?, fragten wir uns, weil wir keine Ahnung hatten, als wir den Song im Original und auf Englisch hörten, wir, die wir nur rudimentär Englisch sprachen. Das Rätsel wurde von einem Quintett von Langhaarigen dargeboten, die wie dauerbekifft aussahen, wie wir später feststellten, nachdem wir mehr über Softdrogen erfahren hatten. Mendocino war ein Rätsel für uns, aber intuitiv spürten wir, dass das Lied aus lediglich zwei Akkorden bestand und damit überschaubar war. Anfänger im Gitarrespiel hätten gute Chancen gehabt, bei dem Lied mitspielen zu können.
Trotz aller Schlichtheit der Struktur blieb das Mysterium: Wo liegt Mendocino?
Und dann kam Michael Holm, der uns erklärte, dass es eine Straße nach San Fernando gab. Da stieg ein Mädchen ins Auto, die wollte nach Mendocino. Jetzt hatten wir schon zwei Orte, deren geographische Lage wir nicht kannten und natürlich auch kein Internet, um mal nachzugooglen, was da los war.
Jener frisch geduschte Michael Holm sah jedenfalls die Augen, die Haare und zwei goldene Spangen des Mädchens, die gleichzeitig einräumte, sie sähe jenen Holm gerne wieder. Just in diesem Augenblick vergaß der Sänger jedoch ihren Namen. Irgendwie musste das Mädchen mit dem an Amnesie leidenden Holm doch nach Mendocino geraten und ausgestiegen sein.
Die Lage des Ortes blieb dem Sänger im Gedächtnis, wie er dort hingekommen war, bleibt uns verborgen. Da er den Namen der jungen Frau nicht erinnern konnte, aber wohl das eindeutige Angebot eines weiteren Treffens, das ihm 1000 Küsse versprach und wohl auch noch etwas mehr, fuhr er dann ständig nach Mendocino und fragte die Menschen an den Türen, ob sie jenes Mädchen ohne Namen kennten. Hier haben alle Namen, war die schroffe Antwort genervter Dörfler in Mendocino, die es allmählich leid waren, immer dieselbe Frage zu hören, auf die es keine Antwort gab.
Mittlerweile schließen sich die Türen und man hört die Bärte der Schlüssel in den Löchern knacken, wenn Michael Holm in seinem PKW von der Straße nach Fernando in den Ort Mendocino abbiegt.
Dem Sänger bleibt die bittere Erkenntnis, dass keiner sein Mädchen ohne Namen kennt in Mendocino.
Michael Holm hat uns aber mit seinem traurigen Lied geholfen, in die raue Welt des Beats zu gelangen und festzustellen, dass nicht alles, was wie Englisch klingt, auch einen Sinn ergib oder besser als ein deutscher Schlager ist. Manchmal macht es nur die Frisur, und da hatte Michael Holm eindeutig punkten können.
Wo liegt denn Mendocino?, fragten wir uns, weil wir keine Ahnung hatten, als wir den Song im Original und auf Englisch hörten, wir, die wir nur rudimentär Englisch sprachen. Das Rätsel wurde von einem Quintett von Langhaarigen dargeboten, die wie dauerbekifft aussahen, wie wir später feststellten, nachdem wir mehr über Softdrogen erfahren hatten. Mendocino war ein Rätsel für uns, aber intuitiv spürten wir, dass das Lied aus lediglich zwei Akkorden bestand und damit überschaubar war. Anfänger im Gitarrespiel hätten gute Chancen gehabt, bei dem Lied mitspielen zu können.
Trotz aller Schlichtheit der Struktur blieb das Mysterium: Wo liegt Mendocino?
Und dann kam Michael Holm, der uns erklärte, dass es eine Straße nach San Fernando gab. Da stieg ein Mädchen ins Auto, die wollte nach Mendocino. Jetzt hatten wir schon zwei Orte, deren geographische Lage wir nicht kannten und natürlich auch kein Internet, um mal nachzugooglen, was da los war.
Jener frisch geduschte Michael Holm sah jedenfalls die Augen, die Haare und zwei goldene Spangen des Mädchens, die gleichzeitig einräumte, sie sähe jenen Holm gerne wieder. Just in diesem Augenblick vergaß der Sänger jedoch ihren Namen. Irgendwie musste das Mädchen mit dem an Amnesie leidenden Holm doch nach Mendocino geraten und ausgestiegen sein.
Die Lage des Ortes blieb dem Sänger im Gedächtnis, wie er dort hingekommen war, bleibt uns verborgen. Da er den Namen der jungen Frau nicht erinnern konnte, aber wohl das eindeutige Angebot eines weiteren Treffens, das ihm 1000 Küsse versprach und wohl auch noch etwas mehr, fuhr er dann ständig nach Mendocino und fragte die Menschen an den Türen, ob sie jenes Mädchen ohne Namen kennten. Hier haben alle Namen, war die schroffe Antwort genervter Dörfler in Mendocino, die es allmählich leid waren, immer dieselbe Frage zu hören, auf die es keine Antwort gab.
Mittlerweile schließen sich die Türen und man hört die Bärte der Schlüssel in den Löchern knacken, wenn Michael Holm in seinem PKW von der Straße nach Fernando in den Ort Mendocino abbiegt.
Dem Sänger bleibt die bittere Erkenntnis, dass keiner sein Mädchen ohne Namen kennt in Mendocino.
Michael Holm hat uns aber mit seinem traurigen Lied geholfen, in die raue Welt des Beats zu gelangen und festzustellen, dass nicht alles, was wie Englisch klingt, auch einen Sinn ergib oder besser als ein deutscher Schlager ist. Manchmal macht es nur die Frisur, und da hatte Michael Holm eindeutig punkten können.
Der Verschluckplattenspieler der 60er Jahre
Onkel Horst hatte einen Verschluckplattenspieler, in dem Singleplatten verschwanden. Immer hatte sich Bodo gefragt, was in diesem geheimen Kasten hinter dem magischen Schlitz passierte. Der Onkel und manchmal der Cousin, des Onkels Sohn, der vier Jahre älter war als Bodo, steckten eine Schlagerplatte in die schmale Öffnung, und es wirkte so, als ob der Apparat auch selbst mithülfe, indem er die schwarze Scheibe in sich sog. Was dann geschah, blieb dem Betrachter verborgen. Nach einigen Sekunden dröhnte Musik aus dem Kasten, immer die, die auch auf der Plattenhülle stand. Die Musik hatte unterschiedliche Qualität, aber gefiel dem Onkel. Alternativen gab es nicht, denn der Plattenschrank des Onkels war begrenzt. Die große Platten, auf denen sich bis zu 4o Minuten Musik befanden, passten nicht in den Kasten und blieben stumm. Auf den kleinen befanden sich Stücke, die man häufig im Radio hörte und durch das Hilfsmittel des Verschluckplattenspielers jederzeit zum Hören gebracht werden konnte. Der Verschluckplattenspieler sorgte dafür, dass man sich Musikstücke schneller überhörte, dass man ein feines und unangenehmes Zittern der Nerven spürte, wenn das Stück "schon wieder" im Radio gespielt wurde.
Was aber der Verschluckplattenspieler mit den Platten machte, wenn sie durch seinen Schlitz gedrungen waren, das blieb geheim.
Am Ende des Stückes spuckte er die schwarzen Platten aber immer wieder aus, so, als hätte er sie über.
Was aber der Verschluckplattenspieler mit den Platten machte, wenn sie durch seinen Schlitz gedrungen waren, das blieb geheim.
Am Ende des Stückes spuckte er die schwarzen Platten aber immer wieder aus, so, als hätte er sie über.
Literaturzitat:Der Morgen des Abendlandes
![]() | ||||
| Malewisch: Hingeschmierter Morgen (2016) |
Nun aber hatten sie sich die Finger verbrannt und schauten aus tumben Augen in dumpfen Schädeln auf das Ende, der ein Anfang war...( Aus: Brechmeier, Rolle - Als ich meinen Arsch vor der Pegida gerettet gehabt hatte, S.296, Leipzig und Dresden 2017)
Quasimir Malewisch: Blick aus dem Fenster bei unbedeckter Rückfront und Hang zur Weite (2016)
Malewisch, dieser Flächendecker mit Hang zu überlangen Titeln hat mal wieder - mal! wieder - zugeschlagen, was heißt, er hat mit seinem Flächenpinsel eine Fototapete übergetüncht und dabei eine prägnante Stelle als Blickfang freigelassen. Vielleicht ist ihm aber nur die Farbe ausgegangen. Die kryptischen Titel seiner sogenannten Werke stoßen eher ab als auf, Hang zur Weite, was soll das denn sein? Unbedeckte Rückfront, das ist doch ein Widerspruch in sich. Da lob ich mir doch lieber das Malen nach Zahlen, da muss man zwar nicht rechnen können, aber wenigstens zählen. (Aus: Malen und Zahlen, Heft 1, 2016, S.5)
Gedicht mit „Pils und Pelz und pulst“ drin
will sagen, Pils auf Pils rinnt in die Kehle,
dann umarmt und herzt die eine schnell die andere Seele,
und die kalte Frau im Pelz, sie schmilzt.
Dem Manne, der ein Pils verschluckt,
und in den Pelz reinguckt,
dem pulst
Das Blut und sorgt
ganz gut
für eine temporäre Unterleibsgeschwulst.
Das Herzgewummer wird zum Shittpuls
angesichts des Hunds der Dame, eines braungefleckten Pittbulls.
Das Pils, das will der Mann jetzt ohne Pelz und Puls genießen,
die schmilzend’ Frau wird wohl zu Boden fließen
müssen,
dahin, wo jener Pittbull liegt auf seinem Pitbullkissen.
Hoffnung im Alter
Seit ich nicht mehr hören kann,
was ich sage,
gehe ich mir nicht mehr so auf die Nerven.
Das Leben ist friedlicher geworden.
Aber auch einsamer.
was ich sage,
gehe ich mir nicht mehr so auf die Nerven.
Das Leben ist friedlicher geworden.
Aber auch einsamer.
Georg Krakl - Pulsgedicht
Schittpuls
im Angesicht des Pitbulls.
Das Frauchen dieses Kampfhunds sitzt im Pelz
an der Theke in der Linken schwebt ein Pils
und ihr Lächeln! große Zähne, weißer Schmelz.
Pilz und Pelz. Und Puls!
Pilz und Pelz und Puls.
Schittpuls.
Angesichts des Pittbulls.
Der König und sein Huhn: Hühnersuppe
König: Na,
Huhn, heute schon das Ei für den König gelegt?
Huhn: Ich
lege die Eier in erster Linie für mich.
König: Du
wirst schon wieder unverschämt.
Huhn: Die
Eier wollen eben raus, ob für den König, ob für den Eigenbedarf.
König: Das
könntest du auch angemessener ausdrücken.
Huhn: Wenn’s
doch so ist. Und überhaupt: Was heißt denn angemessen?
König: Dass
der König das Gefühl hat, dass er respektiert wird, dass seine Untertanen ihn
lieben, aber auch fürchten. Erst dann kann ein König herrschen zum Wohle der
Untertanen.
Huhn: Warum
willst du denn das Ei?
König: Ich
esse täglich ein Ei.
Huhn: Das
soll gerecht sein? Und das Volk?
König: Das
Volk hat seine eigenen Eier.
Huhn: Und wo
kommen die her?
König:
Natürlich von Hühnern, dumme Frage.
Huhn: Seit
wann das denn?
König: Werd
nicht frech!
Huhn: Jetzt
kommt die Nummer wieder. Wenn der König nicht weiterweiß, sind andere gleich
frech.
König: Wo
bleibt mein Ei?
Huhn: Keine
Ahnung, hattest du denn mal eins?
König: Das geht
dich gar nichts an.
Huhn: Aber
meins haben wollen.
König: Jetzt
wirst du unverschämt. Zum Henker
mit dir!
Huhn: Stehst
wohl auf Frikassée.
König:
Henker! Ich lasse Hühnersuppe aus dir machen!
Huhn: Zur
Hühnersuppe gehören immer zwei.
König:
Henker!
Huhn: Hühner
ist nämlich Plural. Aus mir kannst du nur Huhnsuppe machen.
König:
Henker! Henker!
Huhn: Das
Königreich der Richter und Henker. Witzig.
König:
Henker, der König wünscht Huhnsuppe!
Huhn:
Korrekt. Huhnsuppe aus einem Huhn.
König:
Henker!
Huhn: Nicht
mal der kommt. Toller König!
König: Es
ist zum Verzweifeln. Ein guter König braucht einen Henker. Ich kann doch nicht
alles selber machen.
Huhn: König,
ich bin dann mal weg. Das kann ja dauern, bis der Kollege da ist.
König: Du
bleibst hier.
Huhn: Ich geh kurz ein Ei legen.
Gib dem König was des Königs ist. Steht schon in der Bibel.
Georg Krakl - Gedicht mit Genmanipulation drin
Wir lieben roten Klatschmohn,
und meiden doch den Matsch-Klon.
und meiden doch den Matsch-Klon.
Der König und sein Huhn: Majestät, Herr König
Huhn: König?
König: Majestät, so viel Zeit muss sein.
Huhn: Was ist eigentlich ein guter König?
König: Na, ich.
Huhn: Aha.
König: Ich sorge für dich. Das macht einen guten König aus. Der sorgt für seine Untertanen und seine Hühner. Der sorgt sich um....
Huhn(unterbricht): Jetzt keine Regierungserklärung. Ich wollte nur wissen, was ein guter König ist.
König: Na, ich. Habe ich doch gesagt. Weil ich für dich sorge.
Huhn: Mir kommt vor, dass ich für dich sorge.
König: Wie kommst du denn darauf?
Huhn: Ich lege die Eier und du isst sie.
König: Andersrum wäre absurd.
Huhn: Wenn ich aber die Eier lege und für dich sorge, warum bin ich dann nicht König?
König: Weil ich der König bin.
Huhn: Das ist ja sehr überzeugend.
König: Ich gebe dir Schutz.
Huhn: Und wovor schützt du mich?
König: Dass dir keiner was zuleide tut.
Huhn: Wer sollte das sein?
König: Der Henker zum Beispiel.
Huhn: Warum sollte mir der etwas tun?
König: Weil du keine Eier mehr legst.
Huhn: Warum sollte ich das tun?
König: Keine Ahnung. Aus Trotz vielleicht?
Huhn: Aber es sind doch meine Eier. Da kann ich doch entscheiden, ob oder wann ich sie lege.
König: Die Eier gehören dem König.
Huhn: Wieso?
König: Das war schon immer so. Ein König ohne Eier ist wie ein Fahrrad ohne Kette. Wie Steuer ohne Erklärung. Wie Buch ohne Haltung. Für die Eier gewähre ich Schutz.
Huhn: Schutz vor dem Henker, der mir was antäte, wenn ich keine Eier mehr legte, die dem König gehören?
König: Jepp!
Huhn: Aber wenn mir der Henker etwas antut, dann kann ich doch auch keine Eier mehr legen.
König: Das liegt an der Struktur der Monarchie.
Huhn: Und dann?
König: Ein Huhn, das keine Eier mehr legt, kommt in die Suppe.
Huhn: ----
König: Wo gehst du hin?
Huhn: Ich geh erst mal ein Ei legen.
König: Majestät, so viel Zeit muss sein.
Huhn: Was ist eigentlich ein guter König?
König: Na, ich.
Huhn: Aha.
König: Ich sorge für dich. Das macht einen guten König aus. Der sorgt für seine Untertanen und seine Hühner. Der sorgt sich um....
Huhn(unterbricht): Jetzt keine Regierungserklärung. Ich wollte nur wissen, was ein guter König ist.
König: Na, ich. Habe ich doch gesagt. Weil ich für dich sorge.
Huhn: Mir kommt vor, dass ich für dich sorge.
König: Wie kommst du denn darauf?
Huhn: Ich lege die Eier und du isst sie.
König: Andersrum wäre absurd.
Huhn: Wenn ich aber die Eier lege und für dich sorge, warum bin ich dann nicht König?
König: Weil ich der König bin.
Huhn: Das ist ja sehr überzeugend.
König: Ich gebe dir Schutz.
Huhn: Und wovor schützt du mich?
König: Dass dir keiner was zuleide tut.
Huhn: Wer sollte das sein?
König: Der Henker zum Beispiel.
Huhn: Warum sollte mir der etwas tun?
König: Weil du keine Eier mehr legst.
Huhn: Warum sollte ich das tun?
König: Keine Ahnung. Aus Trotz vielleicht?
Huhn: Aber es sind doch meine Eier. Da kann ich doch entscheiden, ob oder wann ich sie lege.
König: Die Eier gehören dem König.
Huhn: Wieso?
König: Das war schon immer so. Ein König ohne Eier ist wie ein Fahrrad ohne Kette. Wie Steuer ohne Erklärung. Wie Buch ohne Haltung. Für die Eier gewähre ich Schutz.
Huhn: Schutz vor dem Henker, der mir was antäte, wenn ich keine Eier mehr legte, die dem König gehören?
König: Jepp!
Huhn: Aber wenn mir der Henker etwas antut, dann kann ich doch auch keine Eier mehr legen.
König: Das liegt an der Struktur der Monarchie.
Huhn: Und dann?
König: Ein Huhn, das keine Eier mehr legt, kommt in die Suppe.
Huhn: ----
König: Wo gehst du hin?
Huhn: Ich geh erst mal ein Ei legen.
Georg Krakl - Finanzmarkt
Die Gans quarkt
Finanzmarkt
Was will der alte Allyriker Krakl sagen?
Er ist sich nicht zu schade, auf Markt mit quarkt zu reimen.
Ein Versehen, oder eine stille Kritik an den Gebahren der dem Finanzmarkt Verfallenen?
Die Gans quakt - nimmt man den Satz als Metapher, so wird das Banale unserer Gegenwart deutlich. Auch wenn die Gans dem Schäferhund als Wachtier überlegen ist, so hält man ihr Gequake doch eher für Blödsinn. Die Gans regt sich auf, die Gans schnattert, die Gans quakt. Viel Lärm um nichts.
Und jetzt kommt Krakl und lässt die Gans quarken. Was für ein Quark, soll der Leser denken, kann der nicht reimen? Das will ein Lyriker sein?
Zu früh gefreut. Krakl lässt hier feinsinnig eine Gans tun, was nur die Milch kann, was selbst dem Quark nicht möglich ist, nämlich zu quarken. Es säuert, es gärt, das Flüssige wird greifbar, auch wenn es merkwürdig schmeckt. Wir sind sauer auf die Finanzmärkte, auf denen wir abgezockt werden, auf denen sich Glücksritter tummeln, die Profite kassieren wollen, während wir das Portemonnaie öffnen
und missbraucht werden, das Risiko zu tragen und die Verluste mit ehrlichem Geld zu begleichen.
Was für ein Quark, quarkt die Gans und wir müssen ihr Recht geben, denn wir sind in der selben Rolle, wir sind gesellschaftlich die dumme Gans, die sich diesen Quark servieren lässt und die nichts tun will und nichts tun kann. Die Profite bleiben privat, die Schulden werden vergesellschaftet.
Wir, die Gänse, sind nicht privat, wir sind die Masse, vielleicht Weihnachtsgänse, die man bei Bedarf schlachtet.
Die Gans quarkt
Finanzmarkt
Da muss kein Appell mehr kommen. Das lapidare "Finanzmarkt" brennt sich in die Hirne. Lasst uns hoffen, dass nicht wesentliche Teile beschädigt sind und die Botschaft des Krakelschen Gedichts im Gehörgang oder den Nasennebenhöhlen hängenbleibt, sondern ankommt, Erkenntnis provoziert und Handeln nach sich zieht. Erkennen ohne zu handeln, das bringt nämlich gar nichts.
Finanzmarkt
Was will der alte Allyriker Krakl sagen?
Er ist sich nicht zu schade, auf Markt mit quarkt zu reimen.
Ein Versehen, oder eine stille Kritik an den Gebahren der dem Finanzmarkt Verfallenen?
Die Gans quakt - nimmt man den Satz als Metapher, so wird das Banale unserer Gegenwart deutlich. Auch wenn die Gans dem Schäferhund als Wachtier überlegen ist, so hält man ihr Gequake doch eher für Blödsinn. Die Gans regt sich auf, die Gans schnattert, die Gans quakt. Viel Lärm um nichts.
Und jetzt kommt Krakl und lässt die Gans quarken. Was für ein Quark, soll der Leser denken, kann der nicht reimen? Das will ein Lyriker sein?
Zu früh gefreut. Krakl lässt hier feinsinnig eine Gans tun, was nur die Milch kann, was selbst dem Quark nicht möglich ist, nämlich zu quarken. Es säuert, es gärt, das Flüssige wird greifbar, auch wenn es merkwürdig schmeckt. Wir sind sauer auf die Finanzmärkte, auf denen wir abgezockt werden, auf denen sich Glücksritter tummeln, die Profite kassieren wollen, während wir das Portemonnaie öffnen
und missbraucht werden, das Risiko zu tragen und die Verluste mit ehrlichem Geld zu begleichen.
Was für ein Quark, quarkt die Gans und wir müssen ihr Recht geben, denn wir sind in der selben Rolle, wir sind gesellschaftlich die dumme Gans, die sich diesen Quark servieren lässt und die nichts tun will und nichts tun kann. Die Profite bleiben privat, die Schulden werden vergesellschaftet.
Wir, die Gänse, sind nicht privat, wir sind die Masse, vielleicht Weihnachtsgänse, die man bei Bedarf schlachtet.
Die Gans quarkt
Finanzmarkt
Da muss kein Appell mehr kommen. Das lapidare "Finanzmarkt" brennt sich in die Hirne. Lasst uns hoffen, dass nicht wesentliche Teile beschädigt sind und die Botschaft des Krakelschen Gedichts im Gehörgang oder den Nasennebenhöhlen hängenbleibt, sondern ankommt, Erkenntnis provoziert und Handeln nach sich zieht. Erkennen ohne zu handeln, das bringt nämlich gar nichts.
Sich mit einem Schäferhund bei Regenwetter anfreunden
![]() |
| Rex. Alle Hunde sollten Rex heißen. |
Es sei denn, er ist irgendwann mal gebissen worden. Der Mensch.
Hunde sind aber nicht nur Erleichterung, sondern könne auch Aufgabe sein.
Wenn Fifi dreimal am Mittwoch auf den Perser gekackt hat, dann heißt es, Demut zu zeigen vor der Kreatur und mit der Plastikhundeexkrementeschaufel bzw. der Hundeexkrementeplastikschaufel vom Fressnapf oder aus dem Fachhandel für Tierhygiene und einem Napf mit Seifenwasser, einer Bürste und einem Lappen auf den Bodenbelag einzuwirken.
Der Hund kann ja nichts dafür, denn er ist ja ein Freund.
Nicht mal den Zechkumpanen vom Vorabend würde man mit der Schnauze in das Falschgemachte stecken, weil das den Hineingesteckten aggressiv machen würde und eben auch menschenverachtend ist.
Schäferhund
Da ist der Schäferhund.
Der soll mein
Freund werden, denkt Klein-Uwe, und streckt vorsichtig die Hand aus.
Der Hund knurrt.
Er weiß nicht, dass Klein-Uwe lieb ist.
Klein-Uwe denkt,
warum muss es denn ein Schäferhund sein?
Der Hund ist eine
günstige Gelegenheit, sagt die Mutter.
Der Vater wünscht
sich einen deutschen Schäferhund. Damit er einen Freund hat.
Der Hund ist doch
nett, sagt die Mutter, und Klein-Uwe versucht Freundschaft zu schließen.
Der Hund kennt
das Wort überhaupt nicht.
Der Hund stinkt.
Der Hund stinkt!,
sagt Klein-Uwe.
Die Mutter
schüttelt den Kopf: Das tut der nur bei Regen.
Aber es regnet
doch überhaupt nicht, meint Klein-Uwe.
Irgendwo wird es
schon regnen, sagt die Mutter, weil der Vater endlich einen Freund braucht.
Aber er stinkt,
wiederholt Klein-Uwe.
Kannst du nicht
hören? ,fragt die Mutter, der stinkt nicht. Und wenn er stinkt, dann regnet es
irgendwo. Oder sollen wir wieder zum Ohren-Arzt?
Klein-Uwe
schüttelt den Kopf.
Wie heißt denn
der Hund? ,fragt Klein-Uwe.
Das ist doch erst
mal egal, sagt die Mutter.
Aber der Hund
knurrt, sagt Klein-Uwe.
Wenn er knurrt,
will er nur spielen, sagt die Mutter.
Was kann er denn
spielen?, fragt Klein-Uwe.
Die Mutter
schweigt, dann sagt sie: Das musst du schon selber rausfinden.
Spitz, pass auf? ,
fragt Klein-Uwe.
Der Hund knurrt.
Das wohl nicht,
sagt die Mutter, das ist ein Schäferhund.
Der Hund schnappt
zu und Klein-Uwe schreit auf.
Mensch, ärgere
dich nicht! ,sagt die Mutter, Mensch, ärgere dich nicht, sagt sie zu sich
selbst.
Klein-Uwe weint.
Der Hund sitzt kerzengerade und schaut irgendwie selbstgefällig drein.
Die Mutter
schluckt. Gleich kommt Vater, sagt sie.
Der Hund kann ja
nicht mal beim Maumau die Karten halten, flüstert Klein-Uwe.
Still jetzt!,
sagt die Mutter.
Und überhaupt:
Der stinkt, obwohl es nicht regnet, sagt Klein-Uwe noch leiser.
Der Hund knurrt.
Der Hund knurrt
lauter.
Die Mutter sagt:
Aus!
Der Hund knurrt.
Klein-Uwe weint.
Heute werden sie
keine Freunde, weil es nirgendwo regnet, denkt die Mutter.
Der Vater ist
nicht da.
Klein-Uwe weint.
Georg Krakl - Das Lachen der Fellachen
Wenn Fellachen
Sachen
machen
können sie bis 60 Stunden wachen
lassen es so richtig krachen
und dann hört man die Fellachen
herzhaft lachen.
Den Fellachen lachen hören
kann die schönste Frau betören.
Der Fellach
legt gerne flach.
Wenn die Pelztierjäger
Tiere in den Pelzen jagen,
wenn sie 60 Stunden lauern und dabei an Hühnerbeinen nagen,
wenn sie Tieren, ungeschoren,
ihre Felle ziehen über deren Ohren,
wenn sie richtig Kasse machen
hört man ihr FELLLachen.
Lieber als der Pelztierjäger Lachen
sind mir die Fellachen.
Sachen
machen
können sie bis 60 Stunden wachen
lassen es so richtig krachen
und dann hört man die Fellachen
herzhaft lachen.
Den Fellachen lachen hören
kann die schönste Frau betören.
Der Fellach
legt gerne flach.
Wenn die Pelztierjäger
Tiere in den Pelzen jagen,
wenn sie 60 Stunden lauern und dabei an Hühnerbeinen nagen,
wenn sie Tieren, ungeschoren,
ihre Felle ziehen über deren Ohren,
wenn sie richtig Kasse machen
hört man ihr FELLLachen.
Lieber als der Pelztierjäger Lachen
sind mir die Fellachen.
Schule: Appetitabregende Mitschüler
Berni hatte sich eingeschissen. Die Klasse stank. Die Klasse 1 stank. Bernie war zum zweiten Mal in dieser Klasse. Alle beäugten ihn und die Eltern munkelten, er sei nicht richtig. Wir Volksschulhirne folgerten: Nicht richtig heißt falsch. Seine große Schwester kam und holte ihn ab. Sie brachte ihn nach Hause, um Gestank und Ursache entfernen zu lassen. Bernie war wie eine Zeitbombe, auch wenn wir das Wort möglicherweise nicht kannten, aber er konnte jeden Moment losgehen, und der Gestank wäre wieder da gewesen.
Elsbeth lief eine Rotzspur aus der Nase bis auf die Lippe, die war gelblichgrün. Elsbeth war schmuddelig und roch, vielleicht weil sie in einem verfallenden Fachwerkhaus lebte und den Geruch angenommen hatte. Die Eltern waren schlichte Leute, der Vater ungelernter Arbeiter, Hilfsarbeiter hieß der früher, wie die Schüler, die nicht richtig waren, Hilfsschüler hießen, und man erzählte, die Eheleute hätten einmal sechs Richtige im Lotto gehabt, der Vater aber habe vergessen, den Schein abzugeben. Der klassische Fall und jeder rechnete, wie das Leben der drei aussähe, wenn der Schein seinen Weg in Lottoannahmestelle gefunden hätte. Manchmal, wenn der gelbgrüne Streifen zu lang war, leckte Elsbeth über die Lippe. An diesen Tagen brachte ich mein Schulbrot wieder mit nach Hause.
Steinhoff vier Jahre später auf dem Gymnasium schmierte seine Popel, nachdem er sie dem Nasenraum entnommen hatte und sich die Konsistenz als nicht rollbar erwies, gern an das Bein seiner Schulbank, oder, wenn das Objekt zu klein war, an seine dreiviertellange Lederhose. Er war der Einzige, der eine Hose aus Nappaleder trug und nicht eine aus rauem Leder, die nach und nach speckig wurde vom Händeabwischen. Niemand wollte gern in die Nähe seiner Bank, sprich in die Nähe des Tischbeins, noch seiner Lederhose kommen.
Steffensmeier ein paar Klassen später popelte auch und schob die Objekte dann, obwohl längst spätpubertierend, zwischen die Zähne, um sich an ihrem salzigen Geschmack zu ergötzen.Gleichzeitig rieb er mit der anderen Hand an seiner Jeans herum, im Bereich zwischen den beiden Fronttaschen, legte die Haut an der Nasenwurzel in Falten und stieß dabei gelegentlich Luft durch die Nase aus, wenn nicht gerade der Finger drin war.Der penetrierende Finger und die reibende Hand schienen sich perfekt zu ergänzen.
Schule bereitet auf das Leben vor, und jeder weiß, wenn er ähnliche Erfahrungen gemacht hat, dass nicht alles schön ist, aber dass man das Appetitabregende aushalten kann, und dass der Appetit sich wieder einstellt; spätestens, wenn Hunger dazu kommt.
Elsbeth lief eine Rotzspur aus der Nase bis auf die Lippe, die war gelblichgrün. Elsbeth war schmuddelig und roch, vielleicht weil sie in einem verfallenden Fachwerkhaus lebte und den Geruch angenommen hatte. Die Eltern waren schlichte Leute, der Vater ungelernter Arbeiter, Hilfsarbeiter hieß der früher, wie die Schüler, die nicht richtig waren, Hilfsschüler hießen, und man erzählte, die Eheleute hätten einmal sechs Richtige im Lotto gehabt, der Vater aber habe vergessen, den Schein abzugeben. Der klassische Fall und jeder rechnete, wie das Leben der drei aussähe, wenn der Schein seinen Weg in Lottoannahmestelle gefunden hätte. Manchmal, wenn der gelbgrüne Streifen zu lang war, leckte Elsbeth über die Lippe. An diesen Tagen brachte ich mein Schulbrot wieder mit nach Hause.
Steinhoff vier Jahre später auf dem Gymnasium schmierte seine Popel, nachdem er sie dem Nasenraum entnommen hatte und sich die Konsistenz als nicht rollbar erwies, gern an das Bein seiner Schulbank, oder, wenn das Objekt zu klein war, an seine dreiviertellange Lederhose. Er war der Einzige, der eine Hose aus Nappaleder trug und nicht eine aus rauem Leder, die nach und nach speckig wurde vom Händeabwischen. Niemand wollte gern in die Nähe seiner Bank, sprich in die Nähe des Tischbeins, noch seiner Lederhose kommen.
Steffensmeier ein paar Klassen später popelte auch und schob die Objekte dann, obwohl längst spätpubertierend, zwischen die Zähne, um sich an ihrem salzigen Geschmack zu ergötzen.Gleichzeitig rieb er mit der anderen Hand an seiner Jeans herum, im Bereich zwischen den beiden Fronttaschen, legte die Haut an der Nasenwurzel in Falten und stieß dabei gelegentlich Luft durch die Nase aus, wenn nicht gerade der Finger drin war.Der penetrierende Finger und die reibende Hand schienen sich perfekt zu ergänzen.
Schule bereitet auf das Leben vor, und jeder weiß, wenn er ähnliche Erfahrungen gemacht hat, dass nicht alles schön ist, aber dass man das Appetitabregende aushalten kann, und dass der Appetit sich wieder einstellt; spätestens, wenn Hunger dazu kommt.
Johnny und Amerika
Johnny aus Amerika
Eines Tages kehrte Onkel Fritz aus Amerika zurück und brachte Reiseandenken mit. Als Neffe bekam ich eine Puppe aus Weichgummi, die Johnny hieß.
Dieser Johnny bestand aus einem Stück, alle beweglichen Teile war Teil des Ganzen, die Kleidung konnte man nicht ausziehen, die Haare nicht kämmen, denn alles war Gummi und unzertrennlich miteinander verbunden. Johnny war ein Junge, das konnte man an den kurzen Hosen erkennen, auch war ein Teil der Kleidung blau gefärbt, sodass eine unerwünschte Geschlechtsbestimmung unter der Kleidung ausfallen konnte.
Nachdem wir mit diesem amerikanischen Johnny, mit dem wir nicht richtig warm werden konnten, ausgespielt hatten, beschlossen wir ihn am Erdhaufen zu beerdigen.
Wir hatten noch nie eine amerikanische Gummipuppe beerdigt, auch keine deutsche. Vielleicht einen Schmetterling oder einen kleinen Vogel, der vor eine Scheibe geflogen war.
Bei Tieren steckten wir meist ein kleines selbstgebasteltes Kreuz in die Erde, bei Johnny aus Amerika vergaßen wir das, wir wußten nicht, ob er überhaupt in der Kirche war und was mit den Amerikanern so allgemein los war.
Einige Tage vergingen und wir hatten Johnny zwischenzeitlich vergessen.
Dann waren wir plötzlich von Forschergeist beseelt und wollten wissen, wie sich eine amerikanische Gummipuppe verhält, wenn sie einige Tage beerdigt unter der Erde liegt.
Wir fanden Johnny nicht wieder. Er war verschwunden, oder wir suchten an allen Stellen, an denen er auf keinen Fall lag. Er war weg und blieb weg. Vielleicht hatte man sein Grab geöffnet und hatte ihn gestohlen. Oder er war einfach auf und davon, wer wusste schon, was amerikanische Gummipuppen so alles konnten.
Mit Amerika verknüpften wir diesen Vorfall, der nie aufgeklärt wurde, und so blieb dieses Rätsel stellvertretend für die großen Rätsel, die uns in den nächsten Jahren von Amerika aufgegeben wurden.
Bis dahin lernten wir Slim Sherman und Jesse Harper kennen, die am Fuß der Blauen Berge wohnten und für Gerechtigkeit sorgten, und Lassie, den ersten Hund, der schlauer war als sein Besitzer. Und Jeff und Rin Tin Tin und Fury. Und natürlich auch die Cartwrights und die Leute von der Shiloh-Ranch.
Aber es blieb immer ein morbider Hauch, der von Amerika herüber geweht war, und der uns mahnte, das sich hinter der Fernsehwelt die wirkliche Welt versteckt mit ihren grausamen Wahrheiten.Und das wir Johnny dort finden würden, aber wir vergaßen ihn mit jeder Folge amerikanischer Heldenserien mehr.
Tonnes Tagebuch: Diskriminierung im Supermarkt
Heute morgen fahre ich in den Supermarkt, um ein paar Lebensmittel zu kaufen und bleibe wie zufällig vor dem Teeregal stehen. Interessant finde ich ja immer die Yogi-Tees, die fein abgestimmt sein sollen auf die jeweilige Persönlichkeit oder das Geschlecht. Dann sehe ich in jenem Regal drei Teesorten, die alle für Frauen gedacht sind, und keinen einzigen Männer-Tee. Frauen Power leuchtet besonders kräftig heraus, und ich erwarte natürlich, dass die Gleichstellung auch für den Mann im Teeregal und überall durchgezogen wird. Ich weiß, dass es den Männertee gibt, aber hier ist er nicht zu finden. Sweet Chai daneben, auch typisch Frau, Hauptsache süß, gefriergetrocknete Schwarzwälder im Teebeutel. Chi Latte finde ich auch nicht, da denkt der Kunde vielleicht eher an den Mann, und Schoko ist auch eine weibliche Geschmacksrichtung. Fragt man eine Bedienung nach Männertee, dann assoziiert die sowieso gleich Prostata und Blasenschwäche und schickt den Frager in die Reformhausabteilung. Lieber den Mund halten und so tun, als sei dieser ganze Genderkram längst vergessen. Ich hoffe, dass wenigstens der Yogi, der seinen Titel für die Teesorten hergeben musste, ein Mann ist. Von einem weiblichen Yogi habe ich noch nicht gehört, vielleicht heißt die dann Yoga, und ich habe das überlesen. Immerhin: Der männlich Yogi kann, so stand das im Stern, einer Zeitung, die keiner mehr liest, mittels Geschlechtsorgan und Konzentration, kombiniert mit absoluter Kontrolle über den eigenen Körper, eine Kerze ausblasen, indem er in die Blase Luft einsaugt und die dann stoßartig herausschleudert, und wenn gut gezielt, eine Flamme zum Erlöschen bringt. Da hat der Mann der Frau etwas voraus, wenn er denn Yogi ist. Durch diesen Gedanken bin ich versöhnt mit der Diskriminierung der Männer im Teeregal. Und: Wirklich gut schmeckt der Yogi-Männertee auch nicht.
Wörter aus dem Hinterkopf....Gute Butter
Gute Butter hieß das damals, denn Butter ohne Adjektiv war ein Butterbrot. Machst du mir mal ein Butter, fragten wir Mutter, die dann schmierte, später sangen wir, meine Mutter schmiert die Butter immer an der Wand lang und erbosten diese damit. Gute Butter war ein Gut, ein Wert, eine Speise für besondere Tage, für Sonn-und Feiertage, die auf das Wochenende fielen, Weihnachtenosternpfingsten. Der Standardbestrich für alle Tage, für alltags eben, war Margarine, einfach auch Rama genannt, denn es gab keine Alternative, nur Rama als Würfel, und diese Rama schmeckte nicht besonders, vor allem wenn sie unter Marmelade auf dem Butterbrot klebte und dazu gezuckerter Muckefuck getrunken wurde. Muckefuck, das später irgendwie nach Gangsterrapper klang, der die Mutter seines Feindes sexuell belästigen wollte, Muckefuck, das sollte man lieber nicht englisch aussprechen, aber das kannten wir damals nicht, da waren die Beatles noch die Be-Atles, auch wenn ein Verdacht keimte, dass dieses Wort mit den im Radio angepriesenen Bietels identisch sein könnte.
Rama aber hatte sich trotz dieser schmierigen Konsistenz ins Gedächtnis gegraben, als die Margarine schlechthin, die Mutter aller Margarinen eben, die dann später von Florasoft abgelöst wurde, einem Pflanzenfett mit Wasser gepanscht, um die Streichfähigkeit auch aus damals auftauchenden, fast unerschwinglichen Kühlschränken heraus zu gewährleisten. Warum etwas, das mit Wasser gestreckt wurde, teurer war, als das Unverschnittene, blieb unbeantwortet. Rama, Rama schnarrten die Glatzköpfigen in orangefarbenen Kleidern, Hare, Hare, obwohl sie doch keine Haare, bis auf einen kleinen und fusseligen Pferdeschwanz, am Kopf trugen, Hase Krishna, Rama, Rama, schnarrten sie monoton, in den Händen kleine Zimbeln, die sie zusammenpatschten und himmelsglückliche Töne erzeugten, die das Hierseits vergessen machen sollten.
Die Krishnaleute waren irgendwie auch Vorläufer der viel späteren Punks, deren Frisuren irokesenartig der Haartracht eines Wildpferdes ähnelte, in den Händen eine Flasche Bier und ein stinkender Schäferhund neben sich.Die Zimbeln waren durch Ketten und durch die Gesichtsbacken gezogene Sicherheitsnadeln ersetzt, um dem Diesseits ein paar Mark abzutrotzen, ohne einen Finger krumm zu machen.
Das Gegenstück der Krishnaleute aber waren die Langhaarigen, die Gammler, die die Haare, die sogenannte Matte als Protest gegen den Krawattenmief der Erwachsenenwelt verstanden, und diese, um den Protest zu verstärken, möglichst naturbelassen wuchern ließen.
Wer jemals etwas hat wuchern lassen, wird sich sofort an Wucherungen erinnern, die der Facharzt gerne gegen Geld aus den Nasen zog. Die Frage sprang uns damals schon entgegen, warum jener Wucherungen ziehende Facharzt Hals-Nasen-Ohrenarzt hieß und nicht Hals-Nase-Ohrenarzt, denn jeder Mensch hat einen Hals, eine Nase und zwei Ohren? Oder aber Hälse-Nasen-Ohren-Arzt, weil er ja für die ganze Menschheit oder die Stadt zuständig war. Nicht auf alle Fragen hat das Leben eine Antwort. Das war die bittere Erkenntnis damals, und besonders die fehlenden Antworten sozialisierten uns. Die Butter aber wurde im Laufe der Zeit immer billiger, und das merkten wir, wenn es am Hintern juckte. Führte man die Hand an diesen Bereich, dann verlautete mindestens ein Erwachsener: Na, wir die Butter billiger? Und da konnten sie wohl in einem reichen Erfahrungsschatz bohren, der für jede unerwünschte Handbewegung die passende Bemerkung ausspuckte.
Nachdem sich die Butter zu einem riesigen Butterberg versammelt hatte, war ihr Niedergang bereits besiegelt. Wer sich nach oben schmiert, kann tief fallen, das wussten wir vom Hörensagen. Die Erfindung des Cholesterins war das Todesurteil des tierischen Fettes und der Abschied von leckerem Brotestrich. Böse Butter. Nie mehr gut. Selbst als Wandestrich war sie geächtet.
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