Günter Krass - Die Parabel vom Drückfrosch


Drückfrosch drückte gern und ausgiebig, besonders Frauen. Er drückte sie alle, ob sie ihm nun bekannt waren oder nicht, es war ihm ein Anliegen, sie zu herzen und zu drücken, und er wollte natürlich auch, dass sie ihn drücken wollten.
Er empfand sich selbst als  Engel, der die Liebe in die Welt brachte, denn es gab keinen, der soviel drückte und herzte, keinen, der so nahe auf andere zuging, so schnell in deren Sphäre drang wie Drückfrosch. Er wusste, dass alle, und besonders Frauen, ein Bedürfnis auf Nähe hatten, dass sie es aber nicht artikulieren oder zeigen konnten, und dass er, Drückfrosch, den Mut hatte, den ersten Schritt zu tun.
Und wirklich, viele hatten sich drücken lassen.
Manche waren enttäuscht, wenn Drückfrosch sie einfach losließ, um eine andere zu drücken, nur weil diese eine Andere den Raum betrat. Drückfrosch drückte unbeirrt weiter, so als ob er eine innere Liste ausfüllte, die ihm eines Tages zeigen würde: Viel gedrückt, gut gedrückt, gut gemacht, bester Drückfrosch des Jahrhunderts!
Ich lasse mich nicht mehr von Drückfrosch drücken, dachten eines Tages viele, der ist mir zu lose, der hüpft von einer zur anderen und wenn es ernst wird, frisst er Fliegen und verschwindet oder quakt laut herum, er sei nicht der Richtige, vielleicht zum Drücken, aber keiner für die Ewigkeit.
Die Menschen, besonders die Frauen, blieben zurück mit ihrer Enttäuschung und beobachteten Drückfrosch aus der Distanz. Wenn eine Neue gedrückt wurde, dachten sie, na, die wird auch noch ihre Erfahrungen machen.
Nachdem Drückfrosch so viel gedrückt und gedrückt hatte, und so viele in seinen Armen sich hatten wohlfühlen müssen, sich hatten herzen lassen müssen, wollte Drückfrosch auch etwas zurück haben. Ich habe so viel Liebe geschenkt, wie ein kleiner Engel, quakte er laut oder leise und immer wieder, wann bekomme ich denn etwas zurück? Er quakte und quakte und quakte und die Menschen, besonders die Frauen, besannen sich und gingen, liefen, stürmten auf Drückfrosch zu, um ihn ihrerseits zu herzen und zu drücken. Nun waren es aber sehr viele, die solches taten, und Drückfrosch kam unter dieser Menge zu liegen, und wurde förmlich erdrückt von so viel Liebe, von so viel Drücken.
Am Ende des Herzens und Drückens war Drückfrosch platt. Er lag am Boden und hauchte sein Leben aus. Das Leben, die Menschen, besonders die Frauen, hatten ihn erdrückt.
Er war voller Trauer, denn er hatte sich etwas anderes gewünscht.
Drückt euch doch selbst, drückt euch ins Knie!, quakte er leise wie ein Hauch und enttäuscht schloss er die großen Augen zum letzten Mal.
Die Menschen, besonders die Frauen, drückten sich selbst, und wenn ein neuer Drückfrosch kam, dann waren sie vorsichtig und traten einen Schritt zurück.
Nur ins Knie drücken, das wollten die Menschen, und auch hier besonders die Frauen, nicht.





Karl Japsers: Kann man ein Loch ausschneiden?

Ein blaues Loch oder die neue Flagge von Japan?
Zuerst einmal muss man ein Loch definieren, und hier wird es ja schon schwierig, denn eigentlich gibt es gar kein Loch. Das Loch definiert sich nämlich über seine Umrandung, ohne diese wäre es ein Nichts. Und das Nichts ausschneiden geht nicht, das wussten wir schon als Kinder.
Vielmehr wenn man was ausschnitte, so wäre es die Umrandung, selbst wenn man ganz nahe am Loche schneiden würde, wenn sich die Entfernung zu diesem extrem Null nähern würde, so bliebe immer noch etwas Umrandung übrig, auch wenn die kaum sichtbar und mit der nächsten Wäsche im Fusselsieb verschwunden wäre.
Mit der Umrandung verschwände auch das Loch, obwohl es jetzt unendlich groß wäre. Es ist aber dann so groß, dass es niemand mehr als Loch erkennen könnte, sondern glaubte, er stünde vor dem Universum. In Wirklichkeit sieht der Betrachter aber jetzt das Universum durch ein unendliches Loch.
Ein Loch zunähen, das ginge schon eher.
Was aber wäre gewonnen, schnitte man ein Loch aus? Nur ein noch größeres Loch, und das sollte ja zu vermeiden sein, weil mit Nichtglück assoziiert.

Eskapismus: Die Flucht aus dem Alltag

Überall ist es schöner, nur hier nicht!

Dieser misslungene Einsatz des Komparativs kann einem das Leben versauern, wenn man ihn ständig hört und wenn man sich in die depressive-resignative Stimmung des Sprechenden ziehen lässt. Früher war alles besser, inklusive Zukunft, in anderen Ländern sowieso, überhaupt ist der augenblickliche Ort die schlechteste Wahl.

Nehmen wir den Osterhasen. Der jammert ständig, dass er zuviel Arbeit hat, dass die Hühner frech sind, nicht die Eier, nämlich farbige, legen, die er bestellt hat, dass er schlecht bezahlt werde und zu wenig Freizeit habe, da er auch noch dem Weihnachtsmann die Bestellliste führen müsse. Mit den Hühner könne man weder eine richtige Beziehung noch eine Art Freundschaft aufbauen; die würden zwar immer laut gackern und herumrennen, wenn er komme, insgeheim stünde der Osterhase aber ganz unten in der Hackordnung.
Damals in Eierland! Das ist seine Parole, die er einem Mantra gleich immer wieder vor sich hin murmelt oder psalmodiert.
Damals in Eierland, da waren die Hühner freundlich, haben gut gearbeitet, farbige Eier in der richtigen Größe gelegt, sie in meine Kiepe getan und sogar noch verteilt. Ich habe dann die Ostereierliste abgehakt und konnte mich der Kontemplation widmen, um mich für den verantwortungsvollen Beruf zu regenerieren, damit der nächste Einsatz in elf Monaten wieder ein makelloser Erfolg werden konnte.

Hier ist alles anders, jammert er, auch die Anerkennung, der Respekt der Bevölkerung fehle, manche machten sich über ihn lustig, weil er mit vorstehenden Zähnen und großen Ohren nicht der Prototyp eines schönen Wesens sei.
Mit seinem Gehalt sei nicht weit zu kommen, und überhaupt seien die Engel verbeamtet und hätten ausgesorgt. Die würden ja auch nicht mehr machen als singen und ein bisschen in der Gegend herumfliegen.
Dann musst du wohl zurück nach Eierland, klopft ihm der Weihnachtsmann wohlwollend auf die Schulter.
Der Osterhase bricht in Tränen aus. Das hat er nicht erwartet. Wird er denn nicht gebraucht, ist er einfach austauschbar, kümmert es niemanden, wenn sein Platz leer bleibt?
Jeder ist ersetzbar, ergänzt der Weihnachtsmann, dann setzen wir einen Engel auf deine Stelle, der ist dann beamtet, da haben wir sowieso weniger Sozialabgaben; die Bestellliste kann dann ein 1-€-Jobber übernehmen, das ist ja Saisonarbeit; oder der Pfingstochse, der muss ja nur ein paar Haken machen.
Aber Haken machen ist doch meine Spezialfertigkeit, schluchzt der Hase.
Haken schlagen, korrigiert der Weihnachtsmann, Haken schlagen und wegrennen. Da hättest du Recht.
Und wenn es in Eierland nicht mehr so schön ist?, heult der Eierbote weiter.
Da könnte man dann nichts machen, schließt der rotbemantelte Bartträger die Fragestunde und schiebt den Osterhasen vor die Tür. Wo's nach Eierland geht, weiß du ja...

Günter Krass - Das Leben finden


Der Rucksack drückt, die Füße schmerzen, Bruno will weiter, Bruno will weg, von  zu Hause, von allem, weg vom alten Leben, um ein neues Leben zu finden, weg vom Zwang, vom Eingezwängtsein, weg von den Erziehungsberechtigten, von den Vorschriften, den Anweisungen, den Empfehlungen, den Regeln, den Absurditäten, die die Luft rauben, die den Hals zuschnüren, den Leib erdrücken, die wie ein Haufen Mutterboden lasten, der dir auf dein Gesicht geworfen worden ist, denkt Bruno. Der dich erstickt.
Die Füße schmerzen, der Rucksack drückt, Bruno will weg, weg von sich, von dem, der er ist und war und sein soll. Bruno fängt an zu rennen, wo ist der Horizont, denkt er, da wo es weiter gehen soll? Da wo die Zukunft beginnt?
Der Rucksack drückt, denn in ihm hat Bruno das Vergangene aufbewahrt, falls er es noch einmal brauchen könnte. Bruno weiß, er sollte diesen Sack, diese Last, dieses alte Leben wegschmeißen, weit weg, in einen Abgrund, um nie wieder daran rühren zu müssen.
Da ist der Horizont, hier ist der Abgrund! Das Eine nicht ohne das Andere.
Den Rucksack endlich wegwerfen, die Last loswerden, denkt Bruno, den Sack einfach in den Abgrund fallen lassen! Langsam lässt Bruno den Rucksack auf den Boden gleiten, er spürt, wie er leicht wird, befreit, als könne er fliegen. Bruno hebt sich empor und fliegt und fliegt. Die Luft saust an seinen Wangen vorbei. Endlich frei, denkt Bruno, endlich unendlich endlich.
Der Aufprall ist kurz und hart und blutig. Brunos Glieder zerschmettert, der Schädel aufgeplatzt. Bruno lächelt. Das neue Leben im Tod gefunden.

(Zu Mozart: Violinkonzert Nr.3, Adagio)

Georg Krakl - Tautologien und seltene Wörter

Der kleine Zwerg
auf hügeligem Berg,
der Nachbar eines großen Riesen,
eines guten, nicht der fiesen,
aß so gerne Werg.

Das hatten einst der fiesen Riesen Schergen
den kleinen Zwergen
zwangseinverleibt.

Drang's ein? Er bleibt,
der Nachgeschmack.

Nur einer unter vielen, dieser eine Zwerg
aß gerne Werg.

Für alle andern hieß es. Finger in den Hals, zackzack!

Spuckt aus den Werg!
Denn du bist nicht allein, du kleiner Zwerg!
Und wehrt euch gegen fiese Riesen
gegen Riesefiesen,
was auch immer das bedeutet,
welche Glocke manchmal läutet,
welcher Wecker weckt
und welcher Schrecken schreckt.
Spuck aus den Werg,
und sei ein ganzer kleiner Zwerg!

Die großen Zwerge gibt es nicht,
die mit dem Strome schwimmen, liebt man schlicht
und einfach, sagen wir,  man hasst sie
und man fasst sie
gern am Kragen.
Das können die nur schwer ertragen.

Der einzelartig-wundersame Zwerg,
der sich verliebt hat in den Werg,
der muss verschwinden,
und wenn wir keinen Ausweg finden,
dann wird der kurz erschossen.
Der schaut dann erst mal leicht verdrossen.
Doch später denkt er, ach, vorbei die Kinderzeit!
Die großen Riesen und die kleinen Zwerge mögen keine Minderheit.





Günter Krass - Orchideen nicht mögen

Als ich heute Morgen ins Wohnzimmer kam, hatte sich die Orchidee, die Müllerschulzes geschenkt hatten, merkwürdig verändert. Wieso magst du keine Orchidee?, fragte die Orchidee, die Müllerschulzes übereignet hatten, weil sie bei uns zum Abendessen eingeladen gewesen waren, was einmal im Jahr vorkam, immer wechselweise, mal hier, mal bei den Müllerschulzes.
Wieso kannst du sprechen?, fragte ich im Gegenzug.
Vielleicht beantwortest du erst mal meine Frage, entgegnete die Orchidee.
Habe ich nie gesagt, dass ich Orchideen nicht mag, versuchte ich mich aus der Bredouille zu ziehen.
Allerdings hast du das gesagt, und zwar bisher dreiundzwanzig Mal in deinem Leben, schmetterte mit die Pflanze entgegen und begann, alle Daten und Gelegenheiten, fein säuberlich und chronologisch geordnet, vorzutragen, nicht ohne auf einen bissigen Unterton zu verzichten.
Ich schluckte. Gegen Listen war nur schwer etwas anzubringen. Mit Listen konnte man Argumente totschlagen und die zum Schweigen bringen, die sie vortrugen.
Äh...,stammelte ich und schaute auf die Uhr.
Sechs Uhr zehn. Der Tag war schon gelaufen. Was sollte noch alles kommen?
Ich muss dann mal, sagte ich mit dem Blick auf die Uhr, und verschwand in Richtung Toilette.
Im Hinausgehen hörte ich ein leises Zischen, das irgendwie gefährlich klang.
Seit heute Morgen weiß ich, warum ich keine Orchideen mochte.

Heinrich Böller - keiner

keiner
kein Einziger und keine Einzige
keine einzige Person kein Mann keine Frau
keine Menschenseele
keiner,
kein Mensch;
keine Macht der Welt,
nicht eine, nicht eine Einzige, nicht ein Einziger, nicht einer
kein Aas; kein Schwanz, kein Schwein, kein Teufel;
keine Sau

keine lebendige Seele

hat den Mund aufgemacht
die Stimme erhoben
ein Wort gesagt

Vladimir Kanniksky - Frauen sind Ringe (2013)

Vladimir Kanniksky - Frauen sind Ringe (2014)
Was will uns Kanniksky mit seinem Bild sagen? Vage lässt sich ein Frauenkörper vor einem Bett vermuten, dann stilisierte Ringe aus schwerem Eisen, die im Kontrast zum eigentlichen Begehr stehen: Ringe als Geschmeide, als Besiegelung der Liebe, als Beweis der Ewiglichkeit einer Beziehung.
Unbemerkt werden sie zu schweren Ketten, die den so Beringten am Boden halten, den sie unbeweglich machen, zum Dasein und Dableiben zwingen.
Wahrscheinlich mal wieder frauenfeindlich, denn Kanniksky ist so. Da lässt er sich genauso wenig ändern, wie jeder andere auch.
Immerhin: Das Bild hat schöne Farben und passt gut zu einer gelben Couchgarnitur oder einem lila Ecktisch.
Die Frage ist ja immer auch: Soll ich die Tapete nach dem Bild kaufen oder das Bild nach der Tapete?

Georg Krakl - Nina Ruge

Aus jeder Rille jeder Fuge
strahlt die stark geschminkte Nina Ruge
ihr 'alles wird gut'
heraus.
Wenn Sie dann lächelnd aus
dem Fernsehraume stöckelt,
dann scheint es, dass die Schminke bröckelt,
und mit ihr alle Welt,
aus der sie uns berichtete,
wofür sie Make up schichtete,
um Furchen, Rillen, Falten
flach zu spachteln und gestalten,
dass die Not der Welt,
dem Zuschauer gefällt.

Kluge
Nina Ruge.
Weiß, dass hinter Schein
Das Sein
versteckt.
Wo man getötet wird, zerbombt verreckt.

Ach, Welt, ich möcht' dich überschminken,
dann säh ich deine Opfer winken
und leise rufen: Hab' nur Mut,
du Fernsehvolk, es wird schon alles gut.






Georg Krakl: Alle Tassen im Schrank


Heute morgen zählt’ ich alle Tassen, die im Schrank.
Fehlte keine,
doch die eine,
die war krank.
Sie hatte mit zwei Tellern was gehabt
Und den Henkel sich zerschabt.
Sie schien daran zu leiden,
sie tat die Teller meiden.
Ich hoffte sehr, sie würd’ genesen,
stürbe nicht daran, dass sie schwer krank.
Im Abendblatt, da stünd’ im Sterbefall zu lesen:
Er hat nicht alle Tassen mehr im Schrank.

Auf den Körper achten

Wenn die Speise röhrt,
sind Magen Darm verstört.

Georg Krakl: Im Hinternnetz

Im Hinternetz da sitzt mein Hintern
schon seit vielen Sommern, vielen Wintern.
Ganz ohne Internet
fand jenes Netz den Hintern nett.

Georg Krakl: Mittellandkanal

Fahr ich mit dem Fahrrad am Kanal,
Denk ich: Ach, wie schmal
Und doch so lang ist dies Gewässer!
Und: Ist es wohl besser
Laut zu lamentieren, laut zu schreien,
Wenn's Wasser weg wär'? Oder kurz zu fluchen
Und dann selber schnell zu suchen?

Ohne Wasser ist der Mittellandkanal
Höchstens lang und schmal,
Aber kein Gewässer.
Suchen ist im Grunde besser.
Lang und schmal
Ist auch ein Schal
Und wohl auch ein Kabel
Und die Schnur am Nabel,
Die Giraffe
Und die schlanke Glaskaraffe,
Der Lakai und auch der Laffe.
Die Banane und der Motorbootanlasser.

Der Kanal, der braucht noch Wasser.
Wie fatal, wenn's Wasser weg ist,
Und am Grunde nur noch Dreck ist.

Fahr ich mit dem Fahrrad am Kanal,
Denk ich: Lang und schmal.
Doch für ein Kunstgewässer
Ist es mit  etwas Wasser besser.




Probleme mit dem Rechtschreibprogramm

Manche Menschen lesen ihre Mails nicht mehr durch und Vertrauen blind ihrem Rechtschreibprogramm, weil sie denken, das macht das schon, das ist nicht auf den Kopf gefallen.
Getäuscht! Rechtschreibprogramme sind oft Missgeburten weltfremder Programmierer, die vielleicht Linkshänder sind und Probleme mit dem Wort 'Rechtschreibprogramm' haben, dabei hat dieses nichts mit dem Rechtsschreiben zu tun.  Der schwache Rechtschreiber erkennt noch nicht einmal, dass Rechtschreibung und Rechtsschreibung zwei völlig anders geschriebene Wörter sind. Auch ihre Bedeutung ist unterschiedlich.
Man sollte seinem Rechtschreibprogramm jedenfalls nicht blind vertrauen.
Wer etwa schreibt 'Wir haben die ganze Nacht durchgeschuftet' muss sich nicht wundern, wenn das Programm daraus 'Wir haben die ganze Nacht durchgeschüttet' macht. Der eine hat vielleicht bis zum Umkippen gearbeitet, der andere hat sich bis zum Abwinken und Stillstand der Augen die Kante gegeben. Da kann schnell ein falscher Eindruck entstehen. Also, aufgepasst!

Das kommt dabei heraus, wenn man sein Rechtschreibprogramm ganz alleine schreiben lässt:

Mein Rechtschreibprogramm schreibt einen Text:
Das hat sich in die Hand und der andere nicht so einfach nicht so schlimm wenn du es dir schmecken lassen wir es mal so schlecht und der ist doch auch mal ein wenig später auch die ganze Welt.
Die beiden anderen Ländern der Erde ist ein schöner Abend werden die ersten drei hundert Meter entfernt und die Kinder sind wir uns auf den ersten drei hundert Meter entfernt und die Kinder sind wir.
Ich habe ein neues Auto kaufen und dann noch mal ein paar Tage nach dem ersten Weltkrieg bezahlt werden muss und die Kinder sind wir in der Stadt und der Rest der Welt der kontinuierlichen Spracherkennung ist ein Test.

Vorbild sein

Früher, als sie noch drall und fesch, war sie unsere Heidi Klumpen, da wussten wir, was wir hatten. Mit zunehmenden Alter und nach einer möglicherweise anstrengenden Beziehung zu einem gewissen Seal (zu Deutsch: Babyrobbe, aus deren Fell man früher Damenschuhe für den Winter und ganzjährige Kinderportmonnaies machte), zeigt das ehemalige Wunderfräulein, wie junge Mädchen heute vor dm Catwalk auszusehen haben, damit sie in die eingelaufene Kleidung passen, die die Requisiteurin einer hirnlosen Selektionsshow zu heiß gewaschen hat. Die kleinere Heidi heißt jetzt konsequenterweise Klum. Sie selbst hat, passend zum verpatzten Waschprogramm der Modelappen, wohl zu heiß geduscht, denn auch sie wirkt irgendwie eingelaufen, so als habe ein harter Strahl aus dem Massagekopf der Dusche alles Gewebe entfernt und nur noch die Faszien und ein paar Knochen übriggelassen. Der Deutsche Verein für natürliche Essenrückgabe und Magersucht will sie auf jeden Fall für den Job einer Botschafterin buchen. Und wenn die nächste Topmodelsuche noch schlechter läuft als die letzte, wäre das auf jeden Fall ein sicherer Arbeitsplatz. Vorbild sein will gelernt sein, das lässt sich nicht so einfach aus dem dünnen Arm schütteln.

Parabel: Aktionstag beim Orakel

Die ältere Frau mit dem Hut, der ein bisschen an die Plastikkrägen erinnerte, den überzüchtete Setter nach einer Augenoperation tragen, hatte sich für den heutigen Tag vorgenommen, mal wieder mit dem Orakel zu plaudern. 50 Goldrandteller kostete eine Frage, drei Fragen war Minimum und wenn das Orakel eine Frage nicht beantworten konnte, dann bekam man das Geld zurück und dazu noch mal die selbe Summe.
Hallo Orakel, sagte die ältere Frau mit dem Hut, wie geht's?
Das Orakel, das ein riesiger rotgeschminkter Mund in der Felswand war, sagt: Gut, wie immer, selbst auch?
Die erste Frage war damit gestellt, die Antwort ok.
Ich stell hier die Fragen, entgegnete die Frau mit dem Hut, du gibst die Antworten, denn du bist das Orakel.
Ich wollte nur freundlich sein, seufzte das Orakel.
Wie viel sind 69,538 geteilt durch 4.876.953,23? Die ältere Frau mit dem Hut hatte sich die Frage zurechtgelegt, in der Hoffnung, das Orakel würde scheitern.
Auf wie viele Stellen hinterm Komma?, fragte das Orakel und wirkte gar nicht unsicher.
Wie viele gibt es denn?, jetzt die Frau mit Hut.
Das solltest du schon wissen, sonst sagst du hinterher wieder, ich hätte falsch geantwortet. Dabei weißt du mal wieder nicht das Ergebnis, oder?
Wenn ich schon alles wüsste, ginge ich ja nicht zum Orakel. Die ältere Dame wurde unruhig.
Geschenkt, ich weiß sowieso nicht, was ich mit deiner Antwort anfangen sollte.
Letzte Frage: Wie viel Geld ist auf meinem Konto?, setzte die ältere Frau mit Hut zur alles entscheidenden Frage an, die ihr 150 Goldrandteller einbringen sollte.
Nichts, antwortete das Orakel.
Falsch!, kreischte die ältere Frau mit Hut im Freudentaumel. Es müssten 50 Goldrandteller im Minusbereich sein! Verloren! Drei Fragen kosten 150 und ich hatte nur 100 auf dem Konto! Jetzt musst du 150 Goldrandteller extra rausrücken! Haha! Orakel hat verloren, Orakel hat verloren, skandierte die Frau mit Hut und hüpfte dabei auf der Stelle.
Gar nicht falsch, auf deinem Konto sind 0 Goldrandteller, entgegnete das Orakel.
Wieso das denn?, fragte die Frau mit Hut misstrauisch und hatte das Tanzen eingestellt.
Heute ist Aktionstag: Drei Fragen für den Preis von zwei.Das Geld ist auch schon abgebucht, sonst wäre die Antwort ja richtig falsch gewesen! (Richtig falsch....was ist das denn für ein Blödsinn, murmelte das Orakel vor sich hin.)
Die Frau mit Hut riss sich den Hut vom Kopf, schmiss ihn zu Boden und stampfte und trampelte darauf herum, bis er aussah wie ein zerschossener Kopfsalat.
Orakel, ich hasse dich!,zischte die Frau ohne Hut und stampfte weiter auf ihrem Hut herum, der gar keiner mehr war.
Lehre: Unterschätze niemals ein Orakel, nur weil es sich die Lippen geschminkt hat.

Muttis Buckel


Jochen war ein Schnüffler. Schon früh hatte er gelernt: Der Geruch von Mutti war Sicherheit, besonders der Geruch ihres Buckels. Immer wenn er Angst hatte, wenn die kleine Welt um ihn  herum explodieren wollte, dann schnupperte er an Muttis Buckel und alles war in Ordnung. 
Hässliche Dinge hatten die Kinder in der Schule über Mutti gesagt: Dass sie einen Rucksack unter dem Kleid trüge und dass sie vier Brüste habe, zwei vorne und zwei hinten.
Jochen tat das weh, besonders für Mutti, die ja nichts für den ausgeprägten Rücken konnte und sich nicht wehrte, weil sie ja bei den Demütigungen nicht dabei war. Wenn Mutti Jochen von der Schule abholte, dann sagten die Kinder nichts, blickten verstohlen auf Muttis Rücken, oder kicherten leise ins Fäustchen. Wenn man sie fragte, warum sie lachten, sagte sie: "Nur so!", oder "Keine Ahnung, ich lach halt."
Wenn Jochen traurig war, dass die Kinder über Mutti lachten, stöberte er mit seiner Nase in den Sofakissen, um Muttis Witterung aufzunehmen und schließlich an ihrer Bluse zu landen und schließlich an ihrem Rücken, um den beruhigen Buckelduft einzuatmen. Mutti lachte dann immer und sagte: Na, jetzt übertreib mal nicht; dass Buckel Kinder zum Lachen bringen, das weiß ich, aber dass sie Kinder glücklich machen, das ist doch ein Ding der Unmöglichkeit.
Irgendwann kam es zum Bruch. Jochen erzählte von Buckelpisten, die man mit Skiern runterfahren könnte, von Buckelhauben - er meinte Pickelhauben - von Buckelschilden, von Buckelfliegen, Buckelrindern und der österreichischen Buckelkraxe. Die Mutti zog sich immer mehr zurück von Jochen, der fast manisch nach zusammengesetzten Hauptwörtern mit Buckel suchte.
Schließlich schenkte er ihr ein Buch über Buckelwale und behauptete, dass diese richtige Lieder sängen, deren Strophen drei Stunden lang seien.
Du Missgeburt, schleuderte sie Jochen ins Gesicht, man macht keine Witze über Bucklige. Das gilt seit Aktion Sorgenkind.
Sorgenrind!, rief Jochen und dachte natürlich an Sorgenbuckelrind.
Die Mutter schleppte Jochen zum Arzt und der stellte  Pubertät im fortgeschrittenen Stadium fest. Da könne man nichts machen, das wüchse sich mit der Zeit heraus.
Herauswachsen. Das Verb blieb in Muttis Ohr.
So war es damals auch bei ihr gewesen. Alles wuchs heraus. Auch das Ding auf dem Rücken. Jochens Tage waren wohl gezählt.

Das königliche Ei

König: Na, Huhn, heute schon das Ei für den König gelegt?
Huhn: Ich lege die Eier in erster Linie für mich. 
König: Du wirst schon wieder unverschämt. 
Huhn: Die Eier wollen eben raus, ob für den König, ob für den Eigenbedarf. 
König: Das könntest du auch angemessener ausdrücken. 
Huhn: Wenns doch so ist. Und überhaupt: Was heißt denn angemessen?
König: Dass der König das Gefühl hat, dass er respektiert wird, dass seine Untertanen ihn lieben, aber auch fürchten. Erst dann kann ein König herrschen zum Wohle der Untertanen. 
Huhn: Warum willst du dann das Ei?
König: Ich esse täglich ein Ei. 
Huhn: Das soll gerecht sein? Und das Volk?
König: Das Volk hat seine eigenen Eier. 
Huhn: Und wo kommen die her?
König: Natürlich von Hühnern, dumme Frage. 
Huhn: Seit wann das denn?
König: Werd nicht frech!
Huhn: Jetzt kommt die Nummer wieder. Wenn der König nicht weiterweiß, sind andere gleich frech.
König: Wo bleibt mein Ei?
Huhn: Keine Ahnung, hattest du denn eins?
König: Das geht dich gar nichts an. 
Huhn: Aber meins haben wollen.
König: Zum Henker mit dir!
Huhn: Dann friss doch Frikassee!
König: Henker!
Huhn: Nicht mal der kommt. Toller König!




Sportgeräte und andere Gefahren

Neulich beschloss ich, angesichts der Erkältungs-und Grippewelle und auch in Anbetracht vieler rückengeschädigter Leute, einfach mal gesünder zu leben, und dazu gehört, etwas Sport zu betreiben, um den Anfechtungen der mikrobiologischen Feinde zu trotzen.
Ich stöbere gern im Tchiboshop, denn da werden viele interessant aussehende, aber eigentlich unnütze Dinge angeboten, manchmal auch handliche Sportgeräte, die man ohne Weiteres aus dem Geschäft tragen kann.
Im Regal hing eine Art grüner Gummischwengel für 4€ 95, dessen Funktion auf Anhieb nicht erkennbar war. Ich schloss auf ein Küchengerät, da die Konsistenz an Silikon erinnerte. Vielleicht war es  ein Rohrreiniger oder ein Backgerät, um Löcher für Pflaumen oder Apfelstücke in einen Teig zu drücken.
Dann drängte sich der Gedanke auf, es handele sich um ein erotisches Hilfsmittel, das man in Geschäften für Ehehygjene, wie es früher mal hieß, erwerben kann, um bestimmte körperliche Wünsche zu erfüllen. Im dritten Anlauf ordnete ich das Objekt der Protethik zu, mit dem fehlende Körperteile wenigstens optisch ersetzt werden konnten. Mir fällt der Name des berühmten russischen Balletttänzer nicht ein, der sich eine Hasenpfote in die Strumpfhose gesteckt haben soll, um seine Männlichkeit zu unterstreichen.
Da der Tchiboshop dergleichen aber höchstens in Sonderaktionen oder gar nicht anbietet, musste der grüne Gegenstand ein Sportgerät sein.
Es handelte sich um einen Expander, der entgegen der traditionellen Bauweise aus einem kurzen Gummiband mit kugelartigen Verdickungen an jedem Ende bestand. Dieses Band sollte man auseinanderzugehen und darauf vertrauen, dass es nicht riss, sondern genügend dehnbar war, um nicht empfindliche Schmerzen oder sogar Verletzungen beim Trainierenden zu verursachen.
Ich dachte an den armen Semmlau in der Untersekunda, einem Wiederholer mit riesigen Nasenlöchern und ebenso riesigen Ohren, der aber trotz oder vielleicht wegen dieser Makel ein verträglicher Kerl war. Besagter Semmlau kam eines Morgens mit einem verpflasterten Ohr in die Klasse und erzählte auf mein Nachfragen, er habe sein Ohr in einen Expander bekommen, genauer gesagt in die Spiralfeder, die die Griffe mit den textilummantelten, aus tausend überlangen Marmeladengummis bestehenden Seilen verband. Diese Feder habe eine üble Verletzung verursacht, die die entsprechende großräumige Verpflasterung des Ohrs erforderlich gemacht habe.
Seit jenem Tag hatte ich einen gehörigen Respekt vor Expandern und war froh, dass meine Ohren eher klein und enganliegende waren.
Der Expander aus dem Kaffeeshop wirkte ungefährlicher, solange man nicht daran zog. Zwar gab es keine ohrenfressende Spiralfeder, wohl aber wirkte die durch Dehnung dünner werdende Gummiwurst unheilvoll, da man immer auch ein Reißen unterstellte, sodass beide Hälften sich wie zubeißende Klapperschlangen blitzartig auf die ziehenden Hände und Arme oder sogar in das erschrockene Gesicht bewegten.
Neben der Muskulatur wurden hier auch noch Mut und Vertrauen geschult. Daher eigentlich ein wunderbares Trainingsgerät für Motorik und Psyche. Ich kaufte das Objekt, auch wenn das Grün mir etwas zu grün war, weil es einen Stich ins Kalte hatte, und beschloss, es auszuprobieren.
Mutig schob ich das Gummiding auf das Förderband an der Kasse und ignorierte das Stirnrunzeln der Kassiererin. Zu seinen Einkäufen stehen, war ein weiteres Lernziel, was man mit dem Gummiorgan erreichen konnte. Das war eine Menge. Das Stirnrunzeln verschwand nicht aus dem Gesicht der Kassiererin, obwohl ich das Geld vollständig übergeben hatte.
Ich war voller Hoffnung, dass das Gerät auch meinem Körper und meiner jetzt doch verunsicherten Psyche guttun würde. Verschenken konnte ich es immer noch, denn die Einsatzmöglichkeiten waren ja mehr als vielfältig, und irgendwer würde sich schon finden lassen. Bedürfnisse hat doch jeder.

Tonnes Tagebuch:Spassrassismus im Alltag

Der klassische Spassrassist sieht unauffälliger
aus.
Liebes Tagebuch!
Im Handballverein wird gerne Pickup oder Milchschnitte gespielt. Wer ein paar Schwarze im Verein hat, kann das machen. Wer keine hat, dem bleibt nur geschnittenes Weißbrot als Spiel, in dem zwanzig Weiße hintereinander stehen. Das Spiel ist aber nicht beliebt, weil es merkwürdig aussieht und zu falschen Schlussfolgerungen veranlasst. 
Ein Pickup ist ein Tonabnehmer für Egitarren oder ein Kastenauto in Metalliclackierung oder in Schwarz. Dann gibt es noch einen Keks, wahrscheinlich von Bahlsen: Zwei helle Kekse ummanteln eine Scheibe Schokolade im Inneren. Pickup kann man, wenn man nicht gerade Tore werfen muss, prima im Mattenwagenraum spielen. Ein Weißer unten, ein Schwarzer in der Mitte, oben drauf noch ein Weißer. Bei der Milchschnitte ist es umgekehrt. Ob das rassistisch sei, habe ich die Handballer gefragt. Nö, sagten sie, wir sind ja die Weißen.
Farbige darf man ja nicht mehr sagen, political nicht correct. Der Amerikaner hat 's ja nötig. Trotzdem.
Manchmal fällt es mir schwer, das Wort Negative zu sagen, weil ich nicht als Rassist gelten möchte. Ich war damals sehr froh, als die digitale Fotografie erfunden wurde, und man diese Plastikstreifen nicht mehr brauchte.
Sich das Farbfernsehen wegzuwünschen, bringt nichts, denn in Schwarzweiß entkommen wir dem Alltagsrassismus ja auch nicht. Immerhin waren die, ich nenn sie jetzt mal Farbige, damals in den Sechzigern richtig Schwarz. Da musste man nicht nachdenken. Und dann kam das Farbfernsehen. Nicht jede Erfindung vereinfacht den Alltag. Schwarzweiß ist so schön übersichtlich.
Vielleicht ist es einfacher, etwas gegen Jäger zu haben, die sind keine Rasse und sprechen Latein, sind also wahrscheinlich gebildet. Etwas gegen etwas zu haben, soll ungemein den persönlichen Alltag entlasten.
Dabei spazieren zu gehen oder einen Verein zu gründen, hat etwas Sportliches und ist, folgt man dem Rat der Ärzte, gesund. Ich persönlich finde das aber eigentlich krank.
Anstrengender Tag heute, ich möchte auch mal was Schönes denken.

Neodadaismus: Theo von Doeskopp - Putzputz

Putzputzputz
Spiegelander Wanda
Wanderwanderwandersack
am Ruckruckruckzuckzuckende
GliederimVierteltakt
blasen dem GehirnLaufhirnRennhirnWanderhirn die Zellen weg
Wanderniere
Wanderschmiere
putzputzputz
die Zähne werden klein
wie Hänschen sein
OsterhaseBlumenvasePhrase
immerPhrasedreschendie Drescher
maschinellundschnell
Meridol ist zu teuer
Scheuer-
seife tut es auch
AugenwischundAugenweg
Dreck
zum Zweck
der Profitmaiximilian.

Astronautenprobleme


Nils: An irgendwas erinnert mich dieser Planet.
Juri: Ja, mich auch. Ich überlege schon die ganze Zeit.
Nils: Ich glaube, an die Kleine aus dem Shop für Astronautenbedarf.
Jurij: Hmm, weiß nicht.
Nils: Na, die kennst du nicht. Der Russe hat doch keinen Astronautenshop. Der muss doch immer alles selber basteln.
Juri: Fang nicht wieder so an.
Nils: Mandy oder Mirinda.
Jurij: Und? Hatteste was mit der?
Nils: Eben nicht. Die ließ immer tief blicken, aber mehr war dann nicht. Hab sie mal auf eine Tube Schwarzwälderkirsch und einen Lattelutscher eingeladen, da hat sie mich ganz doof angeguckt.
Juri: So sind die Mandys und Mirindas der Welt.
Nils: Jetz werd nicht sentimental.
Juri: Romantisch.
Nils: Die Berge da, diese Rundungen, diese Wölbungen, und dann diese spitzen Kappen, die so etwas Nippeliges haben, ganz wie Mirinda, wenn sie sich über den Tresen beugte und ihr 'Bitteschön' fragte.
Juri: Ich dachte, sie hieß Mandy.
Nils: Oder Mandy. Weiß ich nicht so genau.
Juri: Bei den Bergen muss ich immer an Mutter denken.
Nils: Jetzt fang nicht damit an.
Juri: Der beste Freund eines Mannes ist die Mutter.
Nils: Muss es nicht Freundin heißen?
Juri: Ich will nach Hause!
Nils: Jetzt hör mal auf zu jammern.
Juri: Du könntest ein bisschen Verständnis aufbringen.
Nils: Hör mal, ich fliege doch nicht ins All, um mir deine Mutterprobleme anzuhören.
Juri: Ich habe keine Probleme mit Mutter.
Nils: Sonst noch was? Ich bin hier jedenfalls nicht dein Therapeut.
Juri: Aber mit Mandy anfangen.
Nils: Mirinda.
Juri: Jetzt fang nicht damit wieder an.
Nils: Du Vollrusse!
Juri: Selber einer.
Nils: Hättste wohl gern?
Juri: Auf keinen Fall.
Nils: Grausam. All. Überall All. Allüberall. Übel. Richtig übel. Und ich allein mit einem Russen.
Juri: Ich fliege morgen nach Hause.
Nils: Womit denn?
Juri: Scheiß Amischlitten.
Nils: Sei froh, dass das mitfahren durftest.
Juri: Hilfe! Mama!

Astronauten in der Krise

Nils: Ich finde das mittlerweile schrecklich, den ganzen Tag den Helm zu tragen.
Juri: Dann setz ihn doch ab.
Nils: Und was soll ich dann atmen?
Juri: Siehste. Der Helm hat schon seine Funktion.
Nils: Ich habe fettige Haare, die müsste ich mal waschen.
Juri: In einem Monat sind wir ja wieder unten.
Nils: Die jucken und müffeln schon.
Juri: Zu Hause wäscht du doch auch nicht so oft die Haare.
Nils: Hallo? Was soll das denn jetzt?
Juri: Na, sieht jedenfalls so aus.
Nils: Booh, das hat noch keiner gesagt.
Juri: Wir sind ja hier unter uns, das hört ja keiner.
Nils: Und die Bodenstation?
Juri: Ach, die erzählen nix weiter.
Nils: Schön wär's. Morgen steht das im Netz.
Juri: Haarnetz, haha!
Nils: Du Kameradenschwein.
Juri: Jetzt tu mal nicht so. Wer hat mir denn die Tube Astronautenspeise mit Schweineschnitzelgeschmack aufgefressen?
Nils: Aufgegessen, Juri, Menschen essen nämlich, vielleicht nicht da, wo du herkommst.
Juri: Was ist das denn jetzt, bist du Rassist?
Nils: Bist du nicht weiß?
Juri: Schon.
Nils: Also.
Juri: Ich habe meinen Helm abgestellt, ich höre dich nicht mehr!
Nils: Ach, das sagst du doch immer, wenn du nicht weiterweißt. Aber abgestellt wird doch da gar nichts.
Juri: Tu ich nicht. Und ich habe abgestellt.
Nils: Dass ich nicht lache.
Juri: Lach doch. Ich hör dich nicht.
Nils: Russe.
Juri: Selber Arschloch.

Tonnes Tagebuchs: Hörfehler im Alltag

Liebes Tagebuch,
Neulich hörte ich im Autoradio von einem Nina-4-Zettel und ich dachte darüber nach, was wohl ein Nina-4-Zettel sein könnte. Klar, dachte ich sofort, da hat sich jemand versprochen und ich habe mich obendrein verhört, wahrscheinlich sollte es Din-A-4-Zettel heißen.
Mir wurde plötzlich auch bewusst, dass es keine Din-A-4-Zettel gibt, die heißen nämlich  Din-A-4- Blätter, von  Din-A-4-Zetteln hatte ich noch nie gehört, denn ein Zettel ist etwas anderes als ein Blatt, und Blatt passt eher zu einer Industrienorm als Zettel, denn der Zettel wirkt eher knittrig und schlampig abgerissen, was mir insgesamt nicht behagt und in der Industrie eigentlich gar keinen Platz hat.
Ich fragte mich, wann denn ein Blatt ein Zettel ist, und wann ein Zettel ein Blatt und ob die Größe entscheidend ist. Einen Zettel in Größe Din-A-4 gibt es nicht, ich fände es jedenfalls absurd, ein Zettel muss kleiner sein, es klingt ja auch eher wie Drittel oder Viertel und das ist weniger als ein Ganzes. Zettel reimt sich auf Vettel, und die hat in der Industrie nichts zu suchen, die findet man eher in einer Kneipe, und da schreibt sie die getrunkenen Biere auf einem Bierdeckel oder einem Zettel auf. Weil keiner so viel saufen kann, dass das ein Din-A-4-Blatt füllen könnte, nimmt sie nur einen Zettel, der von einem kleinen Zettelblock abgerissen wird, meistens mit einem Werbeaufdruck der Brauerei, die die Einrichtung finanziert hat. Wenn der Zettel voll ist, ist man selber auch voll, das ist gut durchdacht und ökologisch vertretbar, da wird kein Baum zu viel abgeholzt.
Was aber ein Nina-4-Zettel sein soll, das war mir an dieser Stelle des Nachdenkens noch nicht klar geworden. Könnte es sich um die vierte Nina in einer Reihe von  Beziehungen handeln, die, um sie zum katalogisieren und zu kategorisieren, einfach nummeriert wurde. Wie viel andere Namen und Zahlen mochte es in diesem Aktenordner des Lebens geben, und was für ein zwischenmenschliches Chaos sollte hier geordnet werden?
Was schrieb man denn auf einen Nina-4-Zettel? Und warum hat sie nicht ein richtiges Blatt verdient?
Dann aber fragte ich mich, ob sich die Radiomoderatorin versprochen hatte oder ich mich ohne Fremdeinwirkung nur verhört hatte. Warum hatte ich Nina und nicht Dina gehört?
Als mir einfiel, dass Dina so an dienen erinnerte und Nina vor dem inneren Auge als adrette Osteuropäerin erschien und natürlich mehr punkten konnte als eine Tätigkeit, die jedem und vor allem mir schwerfällt, war ich am Ziel und musste Auto und Autoradio verlassen.

Neuer Name für Gauland

AfD-Vize Alexander Gauland möchte unbestätigten Gerüchten zufolge seinen Namen ändern , um der Partei ein schärferes Profil zu geben. Gesetzt den Fall, er werde zum Parteivorsitzenden gewählt, wolle er den Namen Gauleiter statt Gauland tragen. Der abgewählte Lucke  könne sich dann Lücke nennen.
'Mut zum Lucke!', konterte der angeblich.

Zu lange Titel in der Kunst: Malewisch - Paris H...

Quasimir Malwisch: Titel nebenan (2015)
Quasimir Malewisch: Paris Hillbillion wacht Neujahr auf und sieht ihre Orchideen im Badezimmer, die sie schon immer in dieser Farbe gehasst hat, weil ihre Mutter sie ihrer Freundin seinerzeit schenkte, und nicht ihr,macht ein Selfie mit ihrem Eierfon, das der Osterhase lustigerweise letztes Jahr in die Lackstiefel gelegt hatte, denn ihr Bademantel steht offen und zeigt eine Menge Fleisch, das es  sonst nicht zu haben gibt, um zu demonstrieren, dass sie Silvester gefeiert hat und jetzt so kaputt ist, dass sie es nicht einmal mehr schafft, ihren Bademantel zuzuhalten. (2014)

Dazu die Fachzeitschrift "Malen und Zahlen":
Unglaublich. Malewisch malt ja schön bunt und könnte Ostern mit dem Bild als Vorlage für Eierfarben punkten, aber wenn er Schriftsteller werden will, hätte er die Kleckserei doch lieber früher schon aufgegeben. Rein inhaltlich ist der Titel aber auch wenig zu gebrauchen; wer interessiert sich schon für eine Paris Hillbillion? B-Promi fürs nächste Dschungelcamp? Tipp: Vor dem Selfie mit Kakerlakenpaste beschmieren! Da muss Malewisch nicht mehr drüberwischen mit dem Flächenpinsel.

Moderne Schule: Über das Ermahnen und Strafen

Sie haben mich ermahnt, aber ich habe doch gar nichts gemacht!, heult der Schüler und der Lehrer ordnet der Heulsuse drei Minuspunkte in Sozialer Duldsamkeit zu. Gleichzeitig ärgert er sich, dass der Zögling immer noch nicht kapiert hat, dass der Pädagoge nur seinen Erziehungsauftrag erfüllt: Auf das Leben vorbereiten. Der Chef wird doch auch nicht die Sekretärin ermahnen, wenn er sich an dem Mitarbeiter mit den Pickeln im Gesicht und der Brille mit den Glasbausteinen abarbeiten kann, da hätte er ja Mitarbeiter bleiben können und wäre nicht Chef geworden.
Hart werden und aushalten, dulden, gedemütigt werden und trotzdem hochmotiviert weiterarbeiten, das sind die Themen, auf die Schule vorbereiten soll. Die Sekretärin, die mal wieder ein zweistündiges Privatgespräch über den Firmenapparat geführt und die Termine des Chefs verschlampt hat, erwartet eine Einladung zu einem Candlelightdinner, der mit den Glasbausteinen kriegt den Dreck ab.
Wenn der Lehrer also ermahnt, dann geht es weder um den eigentlichen Tatbestand, noch um die richtige Person. Es geht um Erziehung fürs Leben, und da sollte jeder froh sein, wenn er mal eine Ladung ätzende  Pädagogensäure abbekommt, denn das macht hart und widerstandsfähig, das macht letztendlich lebensfähig. Die Gelobten sollten sich in Heulkrämpfen am Boden wälzen, weil sie es im Leben schwer haben werden, die Ermahnten dagegen können sich freuen.
Wenn der Pädagoge den Falschen tadelt und ermahnt, so hat das auch einen erzieherischen Wert für die anderen Lerner im Raum. Zum einen wird hier stellvertretend bestraft, aber jeder fühlt sich angesprochen und duckt sich hinter der verbotenerweise auf dem Tisch liegenden Tasche weg, in dem Glauben, der Korrekturblitz könne ihn nicht treffen. Zum anderen bekommt er live und fast hautnah mit, dass es im Leben, und zwar angefangen in der Schule, nicht immer gerecht zugeht. Bevor die Schockstarre im Berufsleben einsetzt, wird sie hier vorweggenommen und jeder kann sich daran sie gewöhnen und den Umgang mit ihr einüben. Je mehr der Klassenkamerad runtergemacht wird, desto besser der Trainingseffekt für den Rest der Klasse. Dem Delinquenten, dem der meistens dran ist, weil er sowieso immer dran ist, kann man auf dem Zeugnis als Entschädigung soziale Kompetenz attestieren, obwohl es schwierig ist, die Opferrolle in schöne Worte zu kleiden.
Die Vorwegnahme der Wirklichkeit könnte man das Ziel des Pädagogen nennen, und so hat auch der Zeigestockschwinger selber die Möglichkeit, wenigstens gefühlt das normale Leben zu erfahren und muss nicht nur in seinem Kontinuum angestaubter Lehrpläne und überholter Lerntechniken verharren. Das macht ihn entspannter im Unterricht.
Wenn ein Schüler sich beschwert, so kann das seine Kritikfähigkeit erweitern, vor allem, wenn der Lehrer widerspricht und ihm unter Androhung einer Sonderaufgabe bedeutet, endlich still zu sein und zu schlucken. Endlich Ruhe zu geben, denn das mache einen guten Bürger später aus. Warum nicht schon heute damit anfangen? Demut und Unterordnung kann man nicht aus dem Ärmel schütteln, das will gelernt sein. Wenn der Schüler sich nicht beschwert, kann er trotzdem abgestraft werden, damit die aus vorherigen Stunden erlernte Demut gefestigt wird.
Neben dem Gerechtigkeitssinn kann auch der Ungerechtigkeitssinn geschult werden, denn es geht nicht immer danach, wer Recht hat, sondern wer Recht bekommt.Das ist besonders in der neuen liberalen Marktwirtschaft zu finden, da regieren persönlicher Vorteil und Wegbeißen des Konkurrenten.
Nicht jaulen, nicht jammern, nicht schmerzjodeln , liebe Zöglinge! 
Auch der Lernstoffvermittler braucht einen Kanal, um seine Frustrationen loszuwerden. Vielleicht hat er einen Einlauf vom Schulleiter bekommen, vielleicht sein Schlüsselbund verlegt oder sein Parkplatz war durch eine Lehramtsanwärterin besetzt, das alles muss er loswerden. Gemäß dem Prinzip 'nach oben buckeln, nach unten treten' hält der Schüler symbolisch sein entsprechendes Körperteil hin und sorgt für einen Pädagogen, den man ertragen kann, weil er sich abreagieren konnte.
Wer später einmal Chef werden will, kann hier schon die entsprechenden Social Skills beobachten und vielleicht an seinem Hund ausprobieren, denn der bellt ja nur und beißt nicht.
Alle anderen sollten sich gut überlegen, ob sie sich Pickel, Segelohren, Übergewicht oder kurze Beine leisten können. Denn die werden nicht Sekretärin beim Chef, die sind dann die Glasbausteineträger, die dafür herhalten müssen, dass der Chef sich abreagieren kann, weil seine Sekretärin wieder Mist gebaut hat, er aber nicht auf das Candlelightdinner verzichten möchte.
Die Schönheitschirurgie hält kompetente Fratzenschneider bereit, die aus jedem Buchhalter eine schöne Tippse machen können.
Immer dran denken: Fürs Leben lernen wir, nicht für die Schule, und das ist kein Zuckerschlecken. 

Bildbesprechung - Quasimir Malewisch: Diffus (2015)

Quasimir Malewisch: Diffus (2015)
Malewisch hat mal wieder auf seiner Leinwand herumgewischt und da steht der Name  passend zum Produkt: Blasse Farben und ein paar kindhafte Striche sagen dem Betrachter wohl eher gar nichts. Angedeutet ein Gesicht, das wohl einäugig ist, der Mund zweifelnd hilflos. Zwei dynamische Striche ziehen sich durchs Bild, da muss dem Meister wohl der Stift ausgerutscht sein.
Kunst soll ja provozieren oder Denkanstöße geben. Pastellfarbe hat noch nie jemanden herausgefordert, sie ist in höchstem Maße gesellschaftsstabilisierend, da affirmativ, weil sie die Kontraste in einer Gemeinschaft verblassen lässt. Bitter. Das passt zur Ikeaküche und zum durchdesignten Wohnzimmer, passt zur Tapete oder zum Schlafanzug des Besitzers, der chamäleongleich in der Coach kauert und auf die Spätnachrichten wartet, weil es zu früh ist, ins Bett zu gehen.
Quasimir....Quasi,dir fällt nichts ein, was es zu tun gibt? Kasimodo wäre auch ein schöner Vorname. Der Nachname passt schon. Malewisch und Maleweg.

Georg Krakl: Am Jahresende (2014)


Am Jahresende wird uns klar,
wie klein wir sind und schief,
verglichen mit Gebäuden oder Schiffen oder einem Samowar.
Vielleicht war's auch ein Samurai, ein König oder Zar,
wir wissen's nicht, ein Fernsehstar
könnt's auch gewesen, welcher  frohbelippt ins Schalkespiel reinlief
und den wir dann belachen,
weil wir so gerne Witze über Fernsehmenschen machen.
Vielleicht im neuen Jahr, wenn sich die Welt gut eingepegelt,
bekommen wir den Kram geregelt.

Tonnes Tagebuch: Was man so denkt

Liebes Tagebuch!
Manchmal denke ich, was ich so denke! Also, ich überlege, was mir so einfällt und warum. Manchmal, wenn ich ein Wort brauche, fällt es mir nicht ein, und dann fallen mir Worte ein, die ich eigentlich gar nicht denken will und auch nicht brauchen kann.
Neulich stehe ich an der Kasse, vor mir eine Kundin, die Mühe hat, ihr Portemonnaie zu zücken und den richtigen Betrag herauszukramen. Ich denke, das kann dauern und mein Blick schweift von der Kassiererin, einer grauhaarigen Frau von kräftiger Statur, die etwas Muttihaftes an sich hat, aber trotzdem mit einer mädchenhaften Piepsstimme spricht, über die Warentrennstäbe, das Förderband-heißt es überhaupt Förderband, oder ist das mehr im Bergbau?- bis zu einem der Kasse nahen Regal, in dem Zeitschriften gelagert sind und zum Kauf angeboten werden. Ein Heft fällt mir ins Auge, es ist aber ein wenig verdeckt durch das Gestänge des Regals. Das Heft ist mit "Nutti" betitelt. Ich stutze und überlege, warum man der Flut der Fachzeitschriften und der bevölkerungsschichtenundgruppenbezogenen Magazine noch ein weiteres mit dem Titel "Nutti" zuführt, und wenn, was dann wohl der Inhalt eines solchen Heftes sein und wie groß denn die Adressatengruppe sein könnte, und ob die überhaupt hier in diesem Laden kauft, und wenn, ob sie sich denn traut, diese Heft offen auf das Transportband - ah das klingt schon besser- zu legen und zu bezahlen, womit sie sich unter Umständen - das passt jetzt auch nicht - outen würde.
Bevor ich weiter überlegen kann, muss ich einen Schritt vortreten, und kann erkennen, dass die Zeitschrift "Mutti" heißt. Die Muttihafte an der Kasse piepst mir den Betrag vor, den ich zahlen muss, 21€ 98 und ich denke im Abgehen  noch, ob dass Muttimäßige der Dame an der Kasse mich auf diesen falschen Weg geleitet hat.
Im weiteren Abgehen höre ich hinter mir das Wort Taschenschlampe. Bevor ich weiter nachdenken kann, was denn Taschenschlampen sind, piepst es an der Kasse zur Kollegin rüber: Hilde, was kosten die Taschenlampen?
Ich weiß nicht, was los ist, dass ich dermaßen falsch wahrnehme. Ich weiß auch nicht, ob da ein Ohrenarzt der richtige Therapeut wäre. Bevor ich darüber nachdenken kann, fällt mir die lustige Begebenheit mit Tanja ein, als sie mir erzählt, dass sie neulich beim Ohrenarzt angerufen habe, man aber nicht abgenommen habe. Wahrscheinlich hätte man das nicht gehört. Hahaha, musste die Tanja lachen, und das beim Ohrenarzt. Ich habe dann auch mitgelacht, weil ich nicht unhöflich sein wollte, denn auch ein Ohrenarzt kann mal etwas überhören. Ich habe sogar schon einen Ohrenarzt gesehen, der ein Hörgerät getragen hat. Das kommt vor, auch wenn es keine gute Werbung für betreffende Praxis ist.
Ich bin gespannt, was ich morgen so alles höre.

Mit Geräten sprechen

Mittlerweile neigen wir dazu, auch mit eigentlich unbelebten Gegenständen zu sprechen, vielleicht weil uns die menschlichen Gesprächspartner ausgegangen sind.
Menschen, die in ihr Smartphone sprechen, telefonieren oft gar nicht mit einem Menschen, sondern mit ihrem technischen Gerät. Früher sprach man mit seinem Auto, mit dem Regal, dem Dampfdrucktopf oder seinem Schmierkäse, der unerlaubterweise zerlaufen war.
Folgerichtig müsste man seinen unbelebten Zuhörern auch ein Gehirn zuweisen, denn sonst erübrigte sich ja das Gespräch, es wären die Worte dann sinnbildlich vor die leere Wand gesprochen.
Schön wäre es, zu wissen, was diese Nichtwesen denken. Das ist nicht einfach, denn schon beim nahen Verwandten, dem Tier, speziell dem Hund, können wir dessen inneren Vorgänge nur an der Reaktion des Schwanzes und anderer Körperteile ablesen, und daraus seine Gedankengänge schlussfolgern.
Ein vielleicht gut geeignetes Instrument des Gedankenergründens ist ein Rechtschreibprogramm, auf dessen Vorschläge man einfach eingeht, dessen Schreibangebote man vorbehaltlos zulässt, um Näheres von dem dazugehörigen Programm oder vielleicht sogar vom Trägergerät selbst, also dem Pc oder dem Tablet, zu erfahren.
Wie geht man vor?
Also: Einfach mal wahllos eine Buchstabenfolge eintippen und sehen, was angeboten wird. Dann schauen, was das Programm als Nächstes, dem Wort Folgendes, vorschlägt.
Schwupp ist ein Prosagedicht oder ein wirrer Text fertig. Das Getippte gilt es dann zu entschlüsseln, was wohl die schwierigste Aufgabe ist.
Hier ein Gedicht, das das iPad des Autors geschrieben hat:

Mein Schreibhilfeprogramm: Ich (2015)

Hilfslinien
Mov
Klub kannte
Lkw
Öko
Getestet worden ist das
Ich habe mich schon auf dem Weg nach oben auf der Suche nach einem Bericht des Tages mit Dem Thema
Ich
Ich
Ich
Gemacht

Was das alles bedeutet, na, da wollen wir doch mal sehen, was das Jahr so bringt...

Wie die Fliese sein - Mut und Feigheit

Sei wie die Fliese unter den Füßen der Starken und Schwachen, dulde den Schweiß, den Geruch, die Feigheit, die aus den Poren strömt, die Verlogenheit. Diese Füße haben die Besitzer an Orte getragen, an denen sie mutig ihre Meinung zeigen wollten, aber nur feige die eigenen Ressentiments multiplizierten, wo sie nach Ausgrenzung schrien, um selbst in gemütlicher Abgeschirmtheit zu verharren. Wo die Fußbesitzer Pamphlete unterzeichneten, die ihre wirklichen Interessen verschleierten, wo sie Wutbürger sein wollten und Gutbürger, wo sie Mutbürger hätten sein sollen, aber die Angst vor der Besitzstandsminderung sie daran hinderte. Wo sie mitlaufen konnten oder aufspringen auf einen Zug, der keine Bremsen hat. Wo sie sich in einer Gemeinschaft der Gerechten finden konnten, denen der gerechte Zorn auf immer gehört. Wo sie sich in der Menge verstecken konnten und doch dabei waren. Wo sie ihr Maul aufreißen  und doch schweigen konnten, schweigen und summen,dass alles gut werde, und dass sie Anteil am Gutwerden haben.
Die Fliese aber bleibt unten und wartet auf den Tag der Reinigung.
Denn was wie Mut und Gut und Wut klingt, ist oft nur Feigheit.