Sportgeräte und andere Gefahren

Neulich beschloss ich, angesichts der Erkältungs-und Grippewelle und auch in Anbetracht vieler rückengeschädigter Leute, einfach mal gesünder zu leben, und dazu gehört, etwas Sport zu betreiben, um den Anfechtungen der mikrobiologischen Feinde zu trotzen.
Ich stöbere gern im Tchiboshop, denn da werden viele interessant aussehende, aber eigentlich unnütze Dinge angeboten, manchmal auch handliche Sportgeräte, die man ohne Weiteres aus dem Geschäft tragen kann.
Im Regal hing eine Art grüner Gummischwengel für 4€ 95, dessen Funktion auf Anhieb nicht erkennbar war. Ich schloss auf ein Küchengerät, da die Konsistenz an Silikon erinnerte. Vielleicht war es  ein Rohrreiniger oder ein Backgerät, um Löcher für Pflaumen oder Apfelstücke in einen Teig zu drücken.
Dann drängte sich der Gedanke auf, es handele sich um ein erotisches Hilfsmittel, das man in Geschäften für Ehehygjene, wie es früher mal hieß, erwerben kann, um bestimmte körperliche Wünsche zu erfüllen. Im dritten Anlauf ordnete ich das Objekt der Protethik zu, mit dem fehlende Körperteile wenigstens optisch ersetzt werden konnten. Mir fällt der Name des berühmten russischen Balletttänzer nicht ein, der sich eine Hasenpfote in die Strumpfhose gesteckt haben soll, um seine Männlichkeit zu unterstreichen.
Da der Tchiboshop dergleichen aber höchstens in Sonderaktionen oder gar nicht anbietet, musste der grüne Gegenstand ein Sportgerät sein.
Es handelte sich um einen Expander, der entgegen der traditionellen Bauweise aus einem kurzen Gummiband mit kugelartigen Verdickungen an jedem Ende bestand. Dieses Band sollte man auseinanderzugehen und darauf vertrauen, dass es nicht riss, sondern genügend dehnbar war, um nicht empfindliche Schmerzen oder sogar Verletzungen beim Trainierenden zu verursachen.
Ich dachte an den armen Semmlau in der Untersekunda, einem Wiederholer mit riesigen Nasenlöchern und ebenso riesigen Ohren, der aber trotz oder vielleicht wegen dieser Makel ein verträglicher Kerl war. Besagter Semmlau kam eines Morgens mit einem verpflasterten Ohr in die Klasse und erzählte auf mein Nachfragen, er habe sein Ohr in einen Expander bekommen, genauer gesagt in die Spiralfeder, die die Griffe mit den textilummantelten, aus tausend überlangen Marmeladengummis bestehenden Seilen verband. Diese Feder habe eine üble Verletzung verursacht, die die entsprechende großräumige Verpflasterung des Ohrs erforderlich gemacht habe.
Seit jenem Tag hatte ich einen gehörigen Respekt vor Expandern und war froh, dass meine Ohren eher klein und enganliegende waren.
Der Expander aus dem Kaffeeshop wirkte ungefährlicher, solange man nicht daran zog. Zwar gab es keine ohrenfressende Spiralfeder, wohl aber wirkte die durch Dehnung dünner werdende Gummiwurst unheilvoll, da man immer auch ein Reißen unterstellte, sodass beide Hälften sich wie zubeißende Klapperschlangen blitzartig auf die ziehenden Hände und Arme oder sogar in das erschrockene Gesicht bewegten.
Neben der Muskulatur wurden hier auch noch Mut und Vertrauen geschult. Daher eigentlich ein wunderbares Trainingsgerät für Motorik und Psyche. Ich kaufte das Objekt, auch wenn das Grün mir etwas zu grün war, weil es einen Stich ins Kalte hatte, und beschloss, es auszuprobieren.
Mutig schob ich das Gummiding auf das Förderband an der Kasse und ignorierte das Stirnrunzeln der Kassiererin. Zu seinen Einkäufen stehen, war ein weiteres Lernziel, was man mit dem Gummiorgan erreichen konnte. Das war eine Menge. Das Stirnrunzeln verschwand nicht aus dem Gesicht der Kassiererin, obwohl ich das Geld vollständig übergeben hatte.
Ich war voller Hoffnung, dass das Gerät auch meinem Körper und meiner jetzt doch verunsicherten Psyche guttun würde. Verschenken konnte ich es immer noch, denn die Einsatzmöglichkeiten waren ja mehr als vielfältig, und irgendwer würde sich schon finden lassen. Bedürfnisse hat doch jeder.

Tonnes Tagebuch:Spassrassismus im Alltag

Der klassische Spassrassist sieht unauffälliger
aus.
Liebes Tagebuch!
Im Handballverein wird gerne Pickup oder Milchschnitte gespielt. Wer ein paar Schwarze im Verein hat, kann das machen. Wer keine hat, dem bleibt nur geschnittenes Weißbrot als Spiel, in dem zwanzig Weiße hintereinander stehen. Das Spiel ist aber nicht beliebt, weil es merkwürdig aussieht und zu falschen Schlussfolgerungen veranlasst. 
Ein Pickup ist ein Tonabnehmer für Egitarren oder ein Kastenauto in Metalliclackierung oder in Schwarz. Dann gibt es noch einen Keks, wahrscheinlich von Bahlsen: Zwei helle Kekse ummanteln eine Scheibe Schokolade im Inneren. Pickup kann man, wenn man nicht gerade Tore werfen muss, prima im Mattenwagenraum spielen. Ein Weißer unten, ein Schwarzer in der Mitte, oben drauf noch ein Weißer. Bei der Milchschnitte ist es umgekehrt. Ob das rassistisch sei, habe ich die Handballer gefragt. Nö, sagten sie, wir sind ja die Weißen.
Farbige darf man ja nicht mehr sagen, political nicht correct. Der Amerikaner hat 's ja nötig. Trotzdem.
Manchmal fällt es mir schwer, das Wort Negative zu sagen, weil ich nicht als Rassist gelten möchte. Ich war damals sehr froh, als die digitale Fotografie erfunden wurde, und man diese Plastikstreifen nicht mehr brauchte.
Sich das Farbfernsehen wegzuwünschen, bringt nichts, denn in Schwarzweiß entkommen wir dem Alltagsrassismus ja auch nicht. Immerhin waren die, ich nenn sie jetzt mal Farbige, damals in den Sechzigern richtig Schwarz. Da musste man nicht nachdenken. Und dann kam das Farbfernsehen. Nicht jede Erfindung vereinfacht den Alltag. Schwarzweiß ist so schön übersichtlich.
Vielleicht ist es einfacher, etwas gegen Jäger zu haben, die sind keine Rasse und sprechen Latein, sind also wahrscheinlich gebildet. Etwas gegen etwas zu haben, soll ungemein den persönlichen Alltag entlasten.
Dabei spazieren zu gehen oder einen Verein zu gründen, hat etwas Sportliches und ist, folgt man dem Rat der Ärzte, gesund. Ich persönlich finde das aber eigentlich krank.
Anstrengender Tag heute, ich möchte auch mal was Schönes denken.

Neodadaismus: Theo von Doeskopp - Putzputz

Putzputzputz
Spiegelander Wanda
Wanderwanderwandersack
am Ruckruckruckzuckzuckende
GliederimVierteltakt
blasen dem GehirnLaufhirnRennhirnWanderhirn die Zellen weg
Wanderniere
Wanderschmiere
putzputzputz
die Zähne werden klein
wie Hänschen sein
OsterhaseBlumenvasePhrase
immerPhrasedreschendie Drescher
maschinellundschnell
Meridol ist zu teuer
Scheuer-
seife tut es auch
AugenwischundAugenweg
Dreck
zum Zweck
der Profitmaiximilian.

Astronautenprobleme


Nils: An irgendwas erinnert mich dieser Planet.
Juri: Ja, mich auch. Ich überlege schon die ganze Zeit.
Nils: Ich glaube, an die Kleine aus dem Shop für Astronautenbedarf.
Jurij: Hmm, weiß nicht.
Nils: Na, die kennst du nicht. Der Russe hat doch keinen Astronautenshop. Der muss doch immer alles selber basteln.
Juri: Fang nicht wieder so an.
Nils: Mandy oder Mirinda.
Jurij: Und? Hatteste was mit der?
Nils: Eben nicht. Die ließ immer tief blicken, aber mehr war dann nicht. Hab sie mal auf eine Tube Schwarzwälderkirsch und einen Lattelutscher eingeladen, da hat sie mich ganz doof angeguckt.
Juri: So sind die Mandys und Mirindas der Welt.
Nils: Jetz werd nicht sentimental.
Juri: Romantisch.
Nils: Die Berge da, diese Rundungen, diese Wölbungen, und dann diese spitzen Kappen, die so etwas Nippeliges haben, ganz wie Mirinda, wenn sie sich über den Tresen beugte und ihr 'Bitteschön' fragte.
Juri: Ich dachte, sie hieß Mandy.
Nils: Oder Mandy. Weiß ich nicht so genau.
Juri: Bei den Bergen muss ich immer an Mutter denken.
Nils: Jetzt fang nicht damit an.
Juri: Der beste Freund eines Mannes ist die Mutter.
Nils: Muss es nicht Freundin heißen?
Juri: Ich will nach Hause!
Nils: Jetzt hör mal auf zu jammern.
Juri: Du könntest ein bisschen Verständnis aufbringen.
Nils: Hör mal, ich fliege doch nicht ins All, um mir deine Mutterprobleme anzuhören.
Juri: Ich habe keine Probleme mit Mutter.
Nils: Sonst noch was? Ich bin hier jedenfalls nicht dein Therapeut.
Juri: Aber mit Mandy anfangen.
Nils: Mirinda.
Juri: Jetzt fang nicht damit wieder an.
Nils: Du Vollrusse!
Juri: Selber einer.
Nils: Hättste wohl gern?
Juri: Auf keinen Fall.
Nils: Grausam. All. Überall All. Allüberall. Übel. Richtig übel. Und ich allein mit einem Russen.
Juri: Ich fliege morgen nach Hause.
Nils: Womit denn?
Juri: Scheiß Amischlitten.
Nils: Sei froh, dass das mitfahren durftest.
Juri: Hilfe! Mama!

Astronauten in der Krise

Nils: Ich finde das mittlerweile schrecklich, den ganzen Tag den Helm zu tragen.
Juri: Dann setz ihn doch ab.
Nils: Und was soll ich dann atmen?
Juri: Siehste. Der Helm hat schon seine Funktion.
Nils: Ich habe fettige Haare, die müsste ich mal waschen.
Juri: In einem Monat sind wir ja wieder unten.
Nils: Die jucken und müffeln schon.
Juri: Zu Hause wäscht du doch auch nicht so oft die Haare.
Nils: Hallo? Was soll das denn jetzt?
Juri: Na, sieht jedenfalls so aus.
Nils: Booh, das hat noch keiner gesagt.
Juri: Wir sind ja hier unter uns, das hört ja keiner.
Nils: Und die Bodenstation?
Juri: Ach, die erzählen nix weiter.
Nils: Schön wär's. Morgen steht das im Netz.
Juri: Haarnetz, haha!
Nils: Du Kameradenschwein.
Juri: Jetzt tu mal nicht so. Wer hat mir denn die Tube Astronautenspeise mit Schweineschnitzelgeschmack aufgefressen?
Nils: Aufgegessen, Juri, Menschen essen nämlich, vielleicht nicht da, wo du herkommst.
Juri: Was ist das denn jetzt, bist du Rassist?
Nils: Bist du nicht weiß?
Juri: Schon.
Nils: Also.
Juri: Ich habe meinen Helm abgestellt, ich höre dich nicht mehr!
Nils: Ach, das sagst du doch immer, wenn du nicht weiterweißt. Aber abgestellt wird doch da gar nichts.
Juri: Tu ich nicht. Und ich habe abgestellt.
Nils: Dass ich nicht lache.
Juri: Lach doch. Ich hör dich nicht.
Nils: Russe.
Juri: Selber Arschloch.

Tonnes Tagebuchs: Hörfehler im Alltag

Liebes Tagebuch,
Neulich hörte ich im Autoradio von einem Nina-4-Zettel und ich dachte darüber nach, was wohl ein Nina-4-Zettel sein könnte. Klar, dachte ich sofort, da hat sich jemand versprochen und ich habe mich obendrein verhört, wahrscheinlich sollte es Din-A-4-Zettel heißen.
Mir wurde plötzlich auch bewusst, dass es keine Din-A-4-Zettel gibt, die heißen nämlich  Din-A-4- Blätter, von  Din-A-4-Zetteln hatte ich noch nie gehört, denn ein Zettel ist etwas anderes als ein Blatt, und Blatt passt eher zu einer Industrienorm als Zettel, denn der Zettel wirkt eher knittrig und schlampig abgerissen, was mir insgesamt nicht behagt und in der Industrie eigentlich gar keinen Platz hat.
Ich fragte mich, wann denn ein Blatt ein Zettel ist, und wann ein Zettel ein Blatt und ob die Größe entscheidend ist. Einen Zettel in Größe Din-A-4 gibt es nicht, ich fände es jedenfalls absurd, ein Zettel muss kleiner sein, es klingt ja auch eher wie Drittel oder Viertel und das ist weniger als ein Ganzes. Zettel reimt sich auf Vettel, und die hat in der Industrie nichts zu suchen, die findet man eher in einer Kneipe, und da schreibt sie die getrunkenen Biere auf einem Bierdeckel oder einem Zettel auf. Weil keiner so viel saufen kann, dass das ein Din-A-4-Blatt füllen könnte, nimmt sie nur einen Zettel, der von einem kleinen Zettelblock abgerissen wird, meistens mit einem Werbeaufdruck der Brauerei, die die Einrichtung finanziert hat. Wenn der Zettel voll ist, ist man selber auch voll, das ist gut durchdacht und ökologisch vertretbar, da wird kein Baum zu viel abgeholzt.
Was aber ein Nina-4-Zettel sein soll, das war mir an dieser Stelle des Nachdenkens noch nicht klar geworden. Könnte es sich um die vierte Nina in einer Reihe von  Beziehungen handeln, die, um sie zum katalogisieren und zu kategorisieren, einfach nummeriert wurde. Wie viel andere Namen und Zahlen mochte es in diesem Aktenordner des Lebens geben, und was für ein zwischenmenschliches Chaos sollte hier geordnet werden?
Was schrieb man denn auf einen Nina-4-Zettel? Und warum hat sie nicht ein richtiges Blatt verdient?
Dann aber fragte ich mich, ob sich die Radiomoderatorin versprochen hatte oder ich mich ohne Fremdeinwirkung nur verhört hatte. Warum hatte ich Nina und nicht Dina gehört?
Als mir einfiel, dass Dina so an dienen erinnerte und Nina vor dem inneren Auge als adrette Osteuropäerin erschien und natürlich mehr punkten konnte als eine Tätigkeit, die jedem und vor allem mir schwerfällt, war ich am Ziel und musste Auto und Autoradio verlassen.

Neuer Name für Gauland

AfD-Vize Alexander Gauland möchte unbestätigten Gerüchten zufolge seinen Namen ändern , um der Partei ein schärferes Profil zu geben. Gesetzt den Fall, er werde zum Parteivorsitzenden gewählt, wolle er den Namen Gauleiter statt Gauland tragen. Der abgewählte Lucke  könne sich dann Lücke nennen.
'Mut zum Lucke!', konterte der angeblich.

Zu lange Titel in der Kunst: Malewisch - Paris H...

Quasimir Malwisch: Titel nebenan (2015)
Quasimir Malewisch: Paris Hillbillion wacht Neujahr auf und sieht ihre Orchideen im Badezimmer, die sie schon immer in dieser Farbe gehasst hat, weil ihre Mutter sie ihrer Freundin seinerzeit schenkte, und nicht ihr,macht ein Selfie mit ihrem Eierfon, das der Osterhase lustigerweise letztes Jahr in die Lackstiefel gelegt hatte, denn ihr Bademantel steht offen und zeigt eine Menge Fleisch, das es  sonst nicht zu haben gibt, um zu demonstrieren, dass sie Silvester gefeiert hat und jetzt so kaputt ist, dass sie es nicht einmal mehr schafft, ihren Bademantel zuzuhalten. (2014)

Dazu die Fachzeitschrift "Malen und Zahlen":
Unglaublich. Malewisch malt ja schön bunt und könnte Ostern mit dem Bild als Vorlage für Eierfarben punkten, aber wenn er Schriftsteller werden will, hätte er die Kleckserei doch lieber früher schon aufgegeben. Rein inhaltlich ist der Titel aber auch wenig zu gebrauchen; wer interessiert sich schon für eine Paris Hillbillion? B-Promi fürs nächste Dschungelcamp? Tipp: Vor dem Selfie mit Kakerlakenpaste beschmieren! Da muss Malewisch nicht mehr drüberwischen mit dem Flächenpinsel.

Moderne Schule: Über das Ermahnen und Strafen

Sie haben mich ermahnt, aber ich habe doch gar nichts gemacht!, heult der Schüler und der Lehrer ordnet der Heulsuse drei Minuspunkte in Sozialer Duldsamkeit zu. Gleichzeitig ärgert er sich, dass der Zögling immer noch nicht kapiert hat, dass der Pädagoge nur seinen Erziehungsauftrag erfüllt: Auf das Leben vorbereiten. Der Chef wird doch auch nicht die Sekretärin ermahnen, wenn er sich an dem Mitarbeiter mit den Pickeln im Gesicht und der Brille mit den Glasbausteinen abarbeiten kann, da hätte er ja Mitarbeiter bleiben können und wäre nicht Chef geworden.
Hart werden und aushalten, dulden, gedemütigt werden und trotzdem hochmotiviert weiterarbeiten, das sind die Themen, auf die Schule vorbereiten soll. Die Sekretärin, die mal wieder ein zweistündiges Privatgespräch über den Firmenapparat geführt und die Termine des Chefs verschlampt hat, erwartet eine Einladung zu einem Candlelightdinner, der mit den Glasbausteinen kriegt den Dreck ab.
Wenn der Lehrer also ermahnt, dann geht es weder um den eigentlichen Tatbestand, noch um die richtige Person. Es geht um Erziehung fürs Leben, und da sollte jeder froh sein, wenn er mal eine Ladung ätzende  Pädagogensäure abbekommt, denn das macht hart und widerstandsfähig, das macht letztendlich lebensfähig. Die Gelobten sollten sich in Heulkrämpfen am Boden wälzen, weil sie es im Leben schwer haben werden, die Ermahnten dagegen können sich freuen.
Wenn der Pädagoge den Falschen tadelt und ermahnt, so hat das auch einen erzieherischen Wert für die anderen Lerner im Raum. Zum einen wird hier stellvertretend bestraft, aber jeder fühlt sich angesprochen und duckt sich hinter der verbotenerweise auf dem Tisch liegenden Tasche weg, in dem Glauben, der Korrekturblitz könne ihn nicht treffen. Zum anderen bekommt er live und fast hautnah mit, dass es im Leben, und zwar angefangen in der Schule, nicht immer gerecht zugeht. Bevor die Schockstarre im Berufsleben einsetzt, wird sie hier vorweggenommen und jeder kann sich daran sie gewöhnen und den Umgang mit ihr einüben. Je mehr der Klassenkamerad runtergemacht wird, desto besser der Trainingseffekt für den Rest der Klasse. Dem Delinquenten, dem der meistens dran ist, weil er sowieso immer dran ist, kann man auf dem Zeugnis als Entschädigung soziale Kompetenz attestieren, obwohl es schwierig ist, die Opferrolle in schöne Worte zu kleiden.
Die Vorwegnahme der Wirklichkeit könnte man das Ziel des Pädagogen nennen, und so hat auch der Zeigestockschwinger selber die Möglichkeit, wenigstens gefühlt das normale Leben zu erfahren und muss nicht nur in seinem Kontinuum angestaubter Lehrpläne und überholter Lerntechniken verharren. Das macht ihn entspannter im Unterricht.
Wenn ein Schüler sich beschwert, so kann das seine Kritikfähigkeit erweitern, vor allem, wenn der Lehrer widerspricht und ihm unter Androhung einer Sonderaufgabe bedeutet, endlich still zu sein und zu schlucken. Endlich Ruhe zu geben, denn das mache einen guten Bürger später aus. Warum nicht schon heute damit anfangen? Demut und Unterordnung kann man nicht aus dem Ärmel schütteln, das will gelernt sein. Wenn der Schüler sich nicht beschwert, kann er trotzdem abgestraft werden, damit die aus vorherigen Stunden erlernte Demut gefestigt wird.
Neben dem Gerechtigkeitssinn kann auch der Ungerechtigkeitssinn geschult werden, denn es geht nicht immer danach, wer Recht hat, sondern wer Recht bekommt.Das ist besonders in der neuen liberalen Marktwirtschaft zu finden, da regieren persönlicher Vorteil und Wegbeißen des Konkurrenten.
Nicht jaulen, nicht jammern, nicht schmerzjodeln , liebe Zöglinge! 
Auch der Lernstoffvermittler braucht einen Kanal, um seine Frustrationen loszuwerden. Vielleicht hat er einen Einlauf vom Schulleiter bekommen, vielleicht sein Schlüsselbund verlegt oder sein Parkplatz war durch eine Lehramtsanwärterin besetzt, das alles muss er loswerden. Gemäß dem Prinzip 'nach oben buckeln, nach unten treten' hält der Schüler symbolisch sein entsprechendes Körperteil hin und sorgt für einen Pädagogen, den man ertragen kann, weil er sich abreagieren konnte.
Wer später einmal Chef werden will, kann hier schon die entsprechenden Social Skills beobachten und vielleicht an seinem Hund ausprobieren, denn der bellt ja nur und beißt nicht.
Alle anderen sollten sich gut überlegen, ob sie sich Pickel, Segelohren, Übergewicht oder kurze Beine leisten können. Denn die werden nicht Sekretärin beim Chef, die sind dann die Glasbausteineträger, die dafür herhalten müssen, dass der Chef sich abreagieren kann, weil seine Sekretärin wieder Mist gebaut hat, er aber nicht auf das Candlelightdinner verzichten möchte.
Die Schönheitschirurgie hält kompetente Fratzenschneider bereit, die aus jedem Buchhalter eine schöne Tippse machen können.
Immer dran denken: Fürs Leben lernen wir, nicht für die Schule, und das ist kein Zuckerschlecken. 

Bildbesprechung - Quasimir Malewisch: Diffus (2015)

Quasimir Malewisch: Diffus (2015)
Malewisch hat mal wieder auf seiner Leinwand herumgewischt und da steht der Name  passend zum Produkt: Blasse Farben und ein paar kindhafte Striche sagen dem Betrachter wohl eher gar nichts. Angedeutet ein Gesicht, das wohl einäugig ist, der Mund zweifelnd hilflos. Zwei dynamische Striche ziehen sich durchs Bild, da muss dem Meister wohl der Stift ausgerutscht sein.
Kunst soll ja provozieren oder Denkanstöße geben. Pastellfarbe hat noch nie jemanden herausgefordert, sie ist in höchstem Maße gesellschaftsstabilisierend, da affirmativ, weil sie die Kontraste in einer Gemeinschaft verblassen lässt. Bitter. Das passt zur Ikeaküche und zum durchdesignten Wohnzimmer, passt zur Tapete oder zum Schlafanzug des Besitzers, der chamäleongleich in der Coach kauert und auf die Spätnachrichten wartet, weil es zu früh ist, ins Bett zu gehen.
Quasimir....Quasi,dir fällt nichts ein, was es zu tun gibt? Kasimodo wäre auch ein schöner Vorname. Der Nachname passt schon. Malewisch und Maleweg.

Georg Krakl: Am Jahresende (2014)


Am Jahresende wird uns klar,
wie klein wir sind und schief,
verglichen mit Gebäuden oder Schiffen oder einem Samowar.
Vielleicht war's auch ein Samurai, ein König oder Zar,
wir wissen's nicht, ein Fernsehstar
könnt's auch gewesen, welcher  frohbelippt ins Schalkespiel reinlief
und den wir dann belachen,
weil wir so gerne Witze über Fernsehmenschen machen.
Vielleicht im neuen Jahr, wenn sich die Welt gut eingepegelt,
bekommen wir den Kram geregelt.

Tonnes Tagebuch: Was man so denkt

Liebes Tagebuch!
Manchmal denke ich, was ich so denke! Also, ich überlege, was mir so einfällt und warum. Manchmal, wenn ich ein Wort brauche, fällt es mir nicht ein, und dann fallen mir Worte ein, die ich eigentlich gar nicht denken will und auch nicht brauchen kann.
Neulich stehe ich an der Kasse, vor mir eine Kundin, die Mühe hat, ihr Portemonnaie zu zücken und den richtigen Betrag herauszukramen. Ich denke, das kann dauern und mein Blick schweift von der Kassiererin, einer grauhaarigen Frau von kräftiger Statur, die etwas Muttihaftes an sich hat, aber trotzdem mit einer mädchenhaften Piepsstimme spricht, über die Warentrennstäbe, das Förderband-heißt es überhaupt Förderband, oder ist das mehr im Bergbau?- bis zu einem der Kasse nahen Regal, in dem Zeitschriften gelagert sind und zum Kauf angeboten werden. Ein Heft fällt mir ins Auge, es ist aber ein wenig verdeckt durch das Gestänge des Regals. Das Heft ist mit "Nutti" betitelt. Ich stutze und überlege, warum man der Flut der Fachzeitschriften und der bevölkerungsschichtenundgruppenbezogenen Magazine noch ein weiteres mit dem Titel "Nutti" zuführt, und wenn, was dann wohl der Inhalt eines solchen Heftes sein und wie groß denn die Adressatengruppe sein könnte, und ob die überhaupt hier in diesem Laden kauft, und wenn, ob sie sich denn traut, diese Heft offen auf das Transportband - ah das klingt schon besser- zu legen und zu bezahlen, womit sie sich unter Umständen - das passt jetzt auch nicht - outen würde.
Bevor ich weiter überlegen kann, muss ich einen Schritt vortreten, und kann erkennen, dass die Zeitschrift "Mutti" heißt. Die Muttihafte an der Kasse piepst mir den Betrag vor, den ich zahlen muss, 21€ 98 und ich denke im Abgehen  noch, ob dass Muttimäßige der Dame an der Kasse mich auf diesen falschen Weg geleitet hat.
Im weiteren Abgehen höre ich hinter mir das Wort Taschenschlampe. Bevor ich weiter nachdenken kann, was denn Taschenschlampen sind, piepst es an der Kasse zur Kollegin rüber: Hilde, was kosten die Taschenlampen?
Ich weiß nicht, was los ist, dass ich dermaßen falsch wahrnehme. Ich weiß auch nicht, ob da ein Ohrenarzt der richtige Therapeut wäre. Bevor ich darüber nachdenken kann, fällt mir die lustige Begebenheit mit Tanja ein, als sie mir erzählt, dass sie neulich beim Ohrenarzt angerufen habe, man aber nicht abgenommen habe. Wahrscheinlich hätte man das nicht gehört. Hahaha, musste die Tanja lachen, und das beim Ohrenarzt. Ich habe dann auch mitgelacht, weil ich nicht unhöflich sein wollte, denn auch ein Ohrenarzt kann mal etwas überhören. Ich habe sogar schon einen Ohrenarzt gesehen, der ein Hörgerät getragen hat. Das kommt vor, auch wenn es keine gute Werbung für betreffende Praxis ist.
Ich bin gespannt, was ich morgen so alles höre.

Mit Geräten sprechen

Mittlerweile neigen wir dazu, auch mit eigentlich unbelebten Gegenständen zu sprechen, vielleicht weil uns die menschlichen Gesprächspartner ausgegangen sind.
Menschen, die in ihr Smartphone sprechen, telefonieren oft gar nicht mit einem Menschen, sondern mit ihrem technischen Gerät. Früher sprach man mit seinem Auto, mit dem Regal, dem Dampfdrucktopf oder seinem Schmierkäse, der unerlaubterweise zerlaufen war.
Folgerichtig müsste man seinen unbelebten Zuhörern auch ein Gehirn zuweisen, denn sonst erübrigte sich ja das Gespräch, es wären die Worte dann sinnbildlich vor die leere Wand gesprochen.
Schön wäre es, zu wissen, was diese Nichtwesen denken. Das ist nicht einfach, denn schon beim nahen Verwandten, dem Tier, speziell dem Hund, können wir dessen inneren Vorgänge nur an der Reaktion des Schwanzes und anderer Körperteile ablesen, und daraus seine Gedankengänge schlussfolgern.
Ein vielleicht gut geeignetes Instrument des Gedankenergründens ist ein Rechtschreibprogramm, auf dessen Vorschläge man einfach eingeht, dessen Schreibangebote man vorbehaltlos zulässt, um Näheres von dem dazugehörigen Programm oder vielleicht sogar vom Trägergerät selbst, also dem Pc oder dem Tablet, zu erfahren.
Wie geht man vor?
Also: Einfach mal wahllos eine Buchstabenfolge eintippen und sehen, was angeboten wird. Dann schauen, was das Programm als Nächstes, dem Wort Folgendes, vorschlägt.
Schwupp ist ein Prosagedicht oder ein wirrer Text fertig. Das Getippte gilt es dann zu entschlüsseln, was wohl die schwierigste Aufgabe ist.
Hier ein Gedicht, das das iPad des Autors geschrieben hat:

Mein Schreibhilfeprogramm: Ich (2015)

Hilfslinien
Mov
Klub kannte
Lkw
Öko
Getestet worden ist das
Ich habe mich schon auf dem Weg nach oben auf der Suche nach einem Bericht des Tages mit Dem Thema
Ich
Ich
Ich
Gemacht

Was das alles bedeutet, na, da wollen wir doch mal sehen, was das Jahr so bringt...

Wie die Fliese sein - Mut und Feigheit

Sei wie die Fliese unter den Füßen der Starken und Schwachen, dulde den Schweiß, den Geruch, die Feigheit, die aus den Poren strömt, die Verlogenheit. Diese Füße haben die Besitzer an Orte getragen, an denen sie mutig ihre Meinung zeigen wollten, aber nur feige die eigenen Ressentiments multiplizierten, wo sie nach Ausgrenzung schrien, um selbst in gemütlicher Abgeschirmtheit zu verharren. Wo die Fußbesitzer Pamphlete unterzeichneten, die ihre wirklichen Interessen verschleierten, wo sie Wutbürger sein wollten und Gutbürger, wo sie Mutbürger hätten sein sollen, aber die Angst vor der Besitzstandsminderung sie daran hinderte. Wo sie mitlaufen konnten oder aufspringen auf einen Zug, der keine Bremsen hat. Wo sie sich in einer Gemeinschaft der Gerechten finden konnten, denen der gerechte Zorn auf immer gehört. Wo sie sich in der Menge verstecken konnten und doch dabei waren. Wo sie ihr Maul aufreißen  und doch schweigen konnten, schweigen und summen,dass alles gut werde, und dass sie Anteil am Gutwerden haben.
Die Fliese aber bleibt unten und wartet auf den Tag der Reinigung.
Denn was wie Mut und Gut und Wut klingt, ist oft nur Feigheit.

Hoeneß soll neuen Namen erhalten

KD Butzibutzi: Hoeness hinter Gittern (2014)
Deutschlands bekanntester Steuerbetrüger und Nebenerwerbslügner Ullrich Hoeneß musst auf dringendem Anraten und Wünschen der Staatskanzlei seinen Verdienstorden zurückgeben, da sein Verdienst eben nicht mit der ehrlichen Arbeit  eigener Hände erwirtschaftet wurde, sondern mithilfe dubioser Berufs - Hinterziehungsassistenten im eigenen Land und in angrenzenden Schurkenstaaten. Weihnachten durfte der Häftling zu Hause bei seiner Familie kräftig feiern, inklusive Übernachtung in den heimischen Federn.
Das Volk fühlt sich zurecht verhöhnt,  und scharfe Zungen fordern, den Mann von Hoeneß in Verhoenesßumzutaufen. Den Eintrag beim Standesamt wolle man durch eine gemeinschaftliche Sammelaktion finanzieren.
Hoeneß selber bezeichnet sich im Gegenzug als antirassistisch, daher habe er sich bewusst für Schwarzgeld eingesetzt, weil das ja auch eine Chance verdiene. Sein Vorschlag - wenn schon  Namensänderung - Fairhoeneß.


Schneewittchen begleitet ihre Kinder zum Spielplatz





Nicht mehr schöner als die Stiefmutter sein müssen. Sich nie mehr in einen engen Glassarg pressen lassen. Einen neuen Namen annehmen. Snowwhite klingt besser. Oder einfach Nana.

Nur die Handtasche hält sie noch fest. Oder umgekehrt. Ich sollte sie einfach wegschmeißen, denkt sie. Was ist schon drin? Ein alter Taschenspiegel. Zigaretten. Der Haustürschlüssel. Sie seufzt. Ruft die Kinder und geht.

Toastbrot oder Trostboot?

Besonders nach Feiertagen gerät die Welt aus den Fugen, die Dingen verkehren sich, was oben war, ist unten und was links war, wählt plötzlich FDP.
Dann steht man vor dem Herd und sieht eine Scheibe trocken Brot mit hohem Weißmehlanteil, der ja ungesund sein soll. Dann fällt einem der Name für das ungesunde Lebensmittel ein: Toastbrot. Und dann fällt noch ein weiteres Wort wie vom Himmel, dass es eigentlich noch gar nicht gegeben hat.
Trostboot.
Das Hirn arbeitet auf Hochtouren, um herauszubekommen, was denn ein Trostboot sein könnte.
Eine neapolitanische Gondel mit ihrem jaulenden Gondoliero ja wohl kaum, das wäre kein Trost, da bräuchte man Trost. Vielleicht ein Kanonenboot, das einen vor imaginären Feinden schützt. Oder ein U-Boot, in dem man sich verstecken könnte wenn es brenzlig wird, in dem man einfach abtauchen könnte, um dann mit dem Sehrohr, oder heißt es Seerohr, weil es ja auf See ist, oder besser im See, will sagen, im Meer -muss es da nicht Meerrohr heißen?- ich verstricke mich, das sind die nachwirkenden Feiertage.
Mein Trostboot treibt auf deinen Tränen.
Das ist eine schöne Zeile, vielleicht für einen lyrischen Schlager für eine enttäuschte Schlagersängerin, die in schwarzer Unterwäsche auftritt, und dem EX vorsingt, dass er sich wohl grämen und auch heulen muss, weil sie ihn nämlich wegen der Tanja verlassen habe, was ihr nichts ausmache, denn sie, die singende Unterwäsche, könne ihn noch trösten in ihrem Trostboot, das allerdings auf seinem Tränensee herumdümpele und sich aus dem Geschniefe nichts mache, also gar kein richtiger Trost sein könne.
Hier verstrickt sich die unterbewäschte Schlagersängerin und muss aufpassen, kein Eigentor in Sachen Exbeziehung zu schießen.
Mein Trostboot
Treibt auf deinem See der Tränen.
Ich esse schläfrig mein geschmiertes Toastbrot
Und muss, ich sing's nur ungern, gähnen.

Ja, so klingt es rund, so passt das in einen Schläger und so schadet man auch keinem.
Schlager mit Lebensmitteln haben eine geringe Gewinnwarnung, was absurd klingt, aber heißt, dass das Stück mal so richtig die Konsumenten abgreift, weil die so doof sind, das zu kaufen.

Bald kommt eine feiertagefreie Zeit, wo mal wieder richtig durchgearbeitet werden kann und keine Zeit für Romatizismen ist, auf dass der Geist frei und klar werde, um sich der Anfeindungen des Alltags zu erwehren.

Weihnachten in China verboten

Jetzt ist es soweit: Weihnachten wird in China verboten. Es gäbe genügend Weihnachtsmänner im Land, und die Parteispitze dulde nicht, dass ein bärtiger Sackträger oder ein sackiger Bartträger ihr Konkurrenz mache.
Kurzerhand wurde beschlossen, dass der traditionelle Weihnachtsschnee jetzt dreckig-grau sein solle, was dieser besonders in den Industriegebieten schon seit Jahren in vorauseilendem Gehorsam geschafft hatte; die Bevölkerung solle aber weiterhin laut ausrufen: Das ist das weißeste Weiß meines Lebens!
Da  besonders die jüngere Damenwelt sich mehr und mehr an dekadentem Ski-Fahren ergötzt hatte, wurden dieser kurzerhand die roten Uniformen auf ein Minimum wegrasiert, um sie an ihren Auftrag zu erinnern.
Auf die Anfrage bei der Parteispitze, um welchen Auftrag es sich handele, kam bislang keine Antwort, lediglich der Hinweis, dass Unwissen ein schwerer Verstoß dagegen sei. Man schenkte sich die Nachfrage, wogegen.
Abweichlerische Ski-FahrerInnen fordern unter #Sheena im Easton, dass das riesige Land jetzt Skina geschrieben werden solle, um auf die Problematik von Dekadenz und Rechtschreibschwäche hinzuweisen.

Georg Krakl: Weihnachten

An Weihnachten
den Wein achten.
Sonst dicker Kopf
wie Kickerdopf.


Aus G. Krakl: Gedichte mit unbekannten Wörtern drin (2014)

Bilderrätsel des Tages

Welches beliebte Fest in Deutschland und China ist hier gemeint?

-Wovalhnachten
-Wkrummerkreishnachten
-Weihnachten
-Ostern?


Für dieses Rätsel gibt es jetzt mal keine Lösung. Es ist so dämlich, dass man damit sogar ein Preisausschreiben in beliebten Flachblättern gestalten könnte. Wer das nicht rauskriegt, ist doof und gewinnt eine Kaffeemaschine.

Alltag im All

Jeder denkt, wenn er das Wort Alltag hört oder liest, dass dieser im All entstanden ist, oder vielleicht einen Dauerzustand in der Schwerelosigkeit darstellt.
Endlich hat die Raumfahrt und ihre angegliederten Wissenschaftler festgestellt - und damit endlich ein Argument für ihre Existenzberechtigung geliefert - dass dem nicht so ist.
Das All kennt überhaupt keinen Tag und folgerichtig auch keinen Alltag. Im All fehlt nämlich ein Horizont, an dem die Sonne aufgehen kann, um zu signalisieren: Ein neuer Tag bricht an!
Sonnen gibt es im All genug, aber an Horizonten mangelt es seit Jahrmillionen. Selbst ein gedachter Horizont, wie er in der Mathematik schon mal berechnet wird, um etwas Wirklichkeitsbezug herzustellen, hilft nicht weiter.
Auf die Erkenntnis, dass es keinen Alltag im All gibt, hätten wir Menschen auch ohne Raumfahrt kommen können. Denn wir erleben jeden Tag, dass der Alltag uns fast erdrückt. Im All herrschat Schwerelosigkeit. Manchen Menschen fehlt ein Horizont, sodass sie sich in merkwürdigen Gruppierungen scharen und die Welt in Abendland und Morgenland unterteilen, dazu bräuchten sie allerdings einen Horizont.
Popwissenschaftler stellten vor Jahren schon fest: Hintern Horizont geht's weiter. Die Philosophen wissen: Hinter dem Horizont ist der nächste Horizont, und dahinter der übernächste und immer so weiter. Sie drücken das natürlich etwas eleganter aus, sodass man das nicht gleich versteht.
Trotzdem: Im All ist von dem nichts zu finden, und darum ist es so trostlos im All, weil ohne Perspektive, denn wenn ein Horizont fehlt, kann es auch nicht dahinter weitergehen.
Es ist überhaupt dunkel im All und man weiß auch nicht wo links, rechts, vorne und hinten sind. Damit will sich die Wissenschaft demnächst beschäftigen.
Also: Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Alltag nicht aus dem All kommt, wohl eher das Leipziger Allerlei.

Dresden

Im Abendland
geht
die Sonne unter

Haustiere im Trend: Fische

Vassily Kannikski:
Kein Fleisch, kein Fischstäbchen (2014)
Ein jeder braucht ein Haustier; nur die harten Menschen, die sich darauf berufen, unabhängig und frei zu sein, in Wirklichkeit aber ihre wahren Gefühle nicht zeigen wollen, verzichten auf die lieben Gesellen, die uns Geplagten das Leben verschönen.
Neben Hund, Katze, Maus ist der Fisch ein Tier ganz oben auf der Rankingliste.
Da er sich schlecht streicheln lässt, keine Laute von sich gibt und sowieso keine Gefühlsregungen zeigt -höchstens vielleicht die Vorlage für die Schnappatmung liefert, der wir uns bedienen, wenn Unverschämtes auf uns niederprasselt- fragt sich der Ottonormalstreichler: Warum hält man sich Fische?
Der Aquarienfreund weiß um Antwort:
Da ist endlich mal einer, der die Klappe hält. Dem kann ich erzählen, was ich will, der sagt nix, der fragt nix, der hält die Klappe. Und wenn ich auch nichts sage, da sagt der nicht: Warum sagst du nichts? Sag doch mal was! Was ist denn los? Nie sagst du was! Andere Männer erzählen auch mal was. Der hält sein Maul. Bei Fischen darf man auch Maul sagen. Und wenn ich sage: Halt dein Maul!, dann macht der das, weil der ja immer sein Maul hält.
Bei einem Hund geht das doch gar nicht. Der bellt, der macht Krach, der macht richtig Dezibel. Und Dezibel habe ich auf der Arbeit genug. Wenn ich zum Hund sage: Halt die Schnauze - das darf man bei Hunden ja - dann bellt der einfach weiter. Da müsste ich in die Hundeschule mit dem, und dann noch kontrollieren, ob der seine Hausaufgaben macht. Nein, das ist nichts für mich. Ich will meine Ruhe, und da ist der Hund weg. Gut, die Wilma ist auch weg, ich oder der Fisch, hat sie gesagt, und dann war sie weg. Jetzt habe ich einen zweiten Fisch, der sagt genauso wenig wie der erste, und das ist gut, das ist richtig gut. Jetzt kann ich einfach mal loslassen, wenn ich von der Arbeit komme, entspannen, nicht gestresst im Sofa, weil ich gleich keine Antworten auf die immer gleichen Fragen habe. Warum kommst du so spät, hast du wieder ein Bier getrunken, nie bringst du mal Blumen mit, andere Männer denken an ihre Frauen, stell deine Schuhe in den Flur, du könntest mal duschen nach der Arbeit, ich weiß gar nicht, was ich überhaupt hier noch soll, hinter dir rumputzen kann ich, aber sonst?
Mit einem Fisch ist Ruhe. Das ist doch Lebensqualität. Und deshalb steht der Fisch eigentlich auf Platz eins der Haustierrankingliste. Und nicht die Katzen. Die kratzen nämlich. Und Hunde stinken, besonders wenn es regnet.
Jeder ist ersetzbar, habe ich Wilma gesagt, sogar der Fisch. Aber da war sie schon weg.

Hörfehler und religiöse Irritationen

Schmutzengel haben Kotflügel.

Günter Krass - Schreckensmasken auf den Märkten

Angst in den Augen und auf den Gesichtern der Menschen auf den glühweinverzehrenden Märkten. Die Erde unter ihnen, das Pflaster, worunter wir den Strand vermuten, befleckt. Ist der Glühwein erst einmal vergossen, so will mancher volkstümeln, dann, ja, was dann?
Hier aber setzt der Verstand schon aus, denn das hirntötende Mischgetränk wirkt besonders, wenn es erhitzt wird und benebelt anfangs nur, später wiegt es in einer Art Puschengemütlichkeit, dass jeder glaubt, er gehöre irgendwo zu.
Die Einsamkeit wird runtergespült, während die Engel vom Kinderkarussell das tausendste Stille Nacht skandieren.
Früher haben wir Pflastersteine geworfen, heute besudeln wir sie mit gesellschaftsstabilisierenden Rauschsäften, weil uns der Mut zur Veränderung fehlt.
Wenn die Buden und Verkaufsstände abgebaut, sehen wir das Übel: Hier das tiefe Rot des selbstverliebten Bekleckerns, dort das unschuldige Hell, über dem die Hütten gestanden haben. Wir vergießen unsere Tränen ob verpasster Chancen und träumen vom Plastersteinwurf. In tiefer Depression gehen wir an den Medizinschrank, entnehmen ihm zwei Aspirin und etwas Heftpflaster, um uns in peinlicher Selbstbestrafung die Augen zu verkleben.

Wolf Wunderschreck - Mein Eipätt-Gedicht ohne Tastatur

Ich Die Das
Ich Die Das
Das Die Die
Ich Ich Die Das
Das Das Ich Die
Die Ich Die Das Die Die Ich
Ich Ich Die Ich Die Ich Ich Ich Ich Ich Die Die Die Die Das Das Das Die Die Die Ich Ich

Theo von Doeskopp - perfekt

ich habe gelächelt wo mir zum heulen war
ich habe geschluckt wo mir zum kotzen war
ich habe geschwiegen wo ich hätte schreien sollen
ich habe geweint wo ich hätte lachen müssen
ich habe eingesteckt wo ich hätte austeilen müssen
ich habe genommen wo ich hätte geben müssen
ich habe gebuckelt wo ich hätte nein sagen müssen
ich habe weggesehen
ich habe weggehört
ich habe weggetan
ich habe vertröstet
ich habe vergeudet
ich habe vertan
ich habe verlebt

ich bin gewesen
ich bin
perfekt

Heinrich Böller - Schmalkopf – Fetthals – Schweinenacken


Die drei Kameraden Schmalkopf, Fetthals und Schweinenacken sind seit Jahren unterwegs auf der Suche nach frischen Brötchen. Sie nennen es „auf der Jagd sein“, denn sie wollen die Brötchen nicht bezahlen, sondern gratis, ohne dass ihnen Kosten entstehen, einsacken. Sie schleichen sich an ahnungslose Bäckerburschen, die mit dem Bäckerwagen Umwege fahren, um die Liebste noch einmal anzuhupen, an Postboten, die unter Lindenbäumen frühstücken und Pakete liegen lassen, an Fernfahrer, die auf Autobahnrastplätzen ohne WC pinkeln, an Treckerfahrer, deren Anhänger nicht beleuchtet sind und an zu schnell Fahrende  in tiefergelegten Autos, die kleine Kinder gefährden. Manchmal schleichen sie sich auch an Männer, die Plastiksäcke mit Herbstlaub vor zu schnell fahrende Autos werfen, um gefährdete Kleinkinder zu beschützen.
Schmalkopf, Fetthals und Schweinenacken können die Beschlichenen  problemlos ihrer Brötchen, ihrer frischen Brötchen, berauben, weil die gerade mit anderen Dingen beschäftigt sind. Menschen, die ihr Brötchen sorgfältig essen, also von der Spitze nach hinten  bis zum Ende und mit der Unterseite nach unten, wobei der Belag nicht mehr als 1 cm über das Brötchen hinausragen darf, belästigen sie nicht. Sie wissen, dass sie bei denen keine Chance haben. Die drei finden aber immer genügend Opfer, damit aus einem Hals ein Fetthals und einem Nacken ein Schweinenacken werden kann. Schmalkopf ist der langsamste der drei, und wenn er gerade mit dem Essen loslegen will, haben die anderen zwei seine Brötchen meistens schon aufgegessen. Das hat aber auch sein Gutes: Er ist der schmalste. Damit entspricht er wenigstens dem Schönheitsideal unserer Zeit.