Nils: Ich finde das mittlerweile schrecklich, den ganzen Tag den Helm zu tragen.
Juri: Dann setz ihn doch ab.
Nils: Und was soll ich dann atmen?
Juri: Siehste. Der Helm hat schon seine Funktion.
Nils: Ich habe fettige Haare, die müsste ich mal waschen.
Juri: In einem Monat sind wir ja wieder unten.
Nils: Die jucken und müffeln schon.
Juri: Zu Hause wäscht du doch auch nicht so oft die Haare.
Nils: Hallo? Was soll das denn jetzt?
Juri: Na, sieht jedenfalls so aus.
Nils: Booh, das hat noch keiner gesagt.
Juri: Wir sind ja hier unter uns, das hört ja keiner.
Nils: Und die Bodenstation?
Juri: Ach, die erzählen nix weiter.
Nils: Schön wär's. Morgen steht das im Netz.
Juri: Haarnetz, haha!
Nils: Du Kameradenschwein.
Juri: Jetzt tu mal nicht so. Wer hat mir denn die Tube Astronautenspeise mit Schweineschnitzelgeschmack aufgefressen?
Nils: Aufgegessen, Juri, Menschen essen nämlich, vielleicht nicht da, wo du herkommst.
Juri: Was ist das denn jetzt, bist du Rassist?
Nils: Bist du nicht weiß?
Juri: Schon.
Nils: Also.
Juri: Ich habe meinen Helm abgestellt, ich höre dich nicht mehr!
Nils: Ach, das sagst du doch immer, wenn du nicht weiterweißt. Aber abgestellt wird doch da gar nichts.
Juri: Tu ich nicht. Und ich habe abgestellt.
Nils: Dass ich nicht lache.
Juri: Lach doch. Ich hör dich nicht.
Nils: Russe.
Juri: Selber Arschloch.
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Tonnes Tagebuchs: Hörfehler im Alltag
Liebes Tagebuch,
Neulich hörte ich im Autoradio von einem Nina-4-Zettel und ich dachte darüber nach, was wohl ein Nina-4-Zettel sein könnte. Klar, dachte ich sofort, da hat sich jemand versprochen und ich habe mich obendrein verhört, wahrscheinlich sollte es Din-A-4-Zettel heißen.
Mir wurde plötzlich auch bewusst, dass es keine Din-A-4-Zettel gibt, die heißen nämlich Din-A-4- Blätter, von Din-A-4-Zetteln hatte ich noch nie gehört, denn ein Zettel ist etwas anderes als ein Blatt, und Blatt passt eher zu einer Industrienorm als Zettel, denn der Zettel wirkt eher knittrig und schlampig abgerissen, was mir insgesamt nicht behagt und in der Industrie eigentlich gar keinen Platz hat.
Ich fragte mich, wann denn ein Blatt ein Zettel ist, und wann ein Zettel ein Blatt und ob die Größe entscheidend ist. Einen Zettel in Größe Din-A-4 gibt es nicht, ich fände es jedenfalls absurd, ein Zettel muss kleiner sein, es klingt ja auch eher wie Drittel oder Viertel und das ist weniger als ein Ganzes. Zettel reimt sich auf Vettel, und die hat in der Industrie nichts zu suchen, die findet man eher in einer Kneipe, und da schreibt sie die getrunkenen Biere auf einem Bierdeckel oder einem Zettel auf. Weil keiner so viel saufen kann, dass das ein Din-A-4-Blatt füllen könnte, nimmt sie nur einen Zettel, der von einem kleinen Zettelblock abgerissen wird, meistens mit einem Werbeaufdruck der Brauerei, die die Einrichtung finanziert hat. Wenn der Zettel voll ist, ist man selber auch voll, das ist gut durchdacht und ökologisch vertretbar, da wird kein Baum zu viel abgeholzt.
Was aber ein Nina-4-Zettel sein soll, das war mir an dieser Stelle des Nachdenkens noch nicht klar geworden. Könnte es sich um die vierte Nina in einer Reihe von Beziehungen handeln, die, um sie zum katalogisieren und zu kategorisieren, einfach nummeriert wurde. Wie viel andere Namen und Zahlen mochte es in diesem Aktenordner des Lebens geben, und was für ein zwischenmenschliches Chaos sollte hier geordnet werden?
Was schrieb man denn auf einen Nina-4-Zettel? Und warum hat sie nicht ein richtiges Blatt verdient?
Dann aber fragte ich mich, ob sich die Radiomoderatorin versprochen hatte oder ich mich ohne Fremdeinwirkung nur verhört hatte. Warum hatte ich Nina und nicht Dina gehört?
Als mir einfiel, dass Dina so an dienen erinnerte und Nina vor dem inneren Auge als adrette Osteuropäerin erschien und natürlich mehr punkten konnte als eine Tätigkeit, die jedem und vor allem mir schwerfällt, war ich am Ziel und musste Auto und Autoradio verlassen.
Neulich hörte ich im Autoradio von einem Nina-4-Zettel und ich dachte darüber nach, was wohl ein Nina-4-Zettel sein könnte. Klar, dachte ich sofort, da hat sich jemand versprochen und ich habe mich obendrein verhört, wahrscheinlich sollte es Din-A-4-Zettel heißen.
Mir wurde plötzlich auch bewusst, dass es keine Din-A-4-Zettel gibt, die heißen nämlich Din-A-4- Blätter, von Din-A-4-Zetteln hatte ich noch nie gehört, denn ein Zettel ist etwas anderes als ein Blatt, und Blatt passt eher zu einer Industrienorm als Zettel, denn der Zettel wirkt eher knittrig und schlampig abgerissen, was mir insgesamt nicht behagt und in der Industrie eigentlich gar keinen Platz hat.
Ich fragte mich, wann denn ein Blatt ein Zettel ist, und wann ein Zettel ein Blatt und ob die Größe entscheidend ist. Einen Zettel in Größe Din-A-4 gibt es nicht, ich fände es jedenfalls absurd, ein Zettel muss kleiner sein, es klingt ja auch eher wie Drittel oder Viertel und das ist weniger als ein Ganzes. Zettel reimt sich auf Vettel, und die hat in der Industrie nichts zu suchen, die findet man eher in einer Kneipe, und da schreibt sie die getrunkenen Biere auf einem Bierdeckel oder einem Zettel auf. Weil keiner so viel saufen kann, dass das ein Din-A-4-Blatt füllen könnte, nimmt sie nur einen Zettel, der von einem kleinen Zettelblock abgerissen wird, meistens mit einem Werbeaufdruck der Brauerei, die die Einrichtung finanziert hat. Wenn der Zettel voll ist, ist man selber auch voll, das ist gut durchdacht und ökologisch vertretbar, da wird kein Baum zu viel abgeholzt.
Was aber ein Nina-4-Zettel sein soll, das war mir an dieser Stelle des Nachdenkens noch nicht klar geworden. Könnte es sich um die vierte Nina in einer Reihe von Beziehungen handeln, die, um sie zum katalogisieren und zu kategorisieren, einfach nummeriert wurde. Wie viel andere Namen und Zahlen mochte es in diesem Aktenordner des Lebens geben, und was für ein zwischenmenschliches Chaos sollte hier geordnet werden?
Was schrieb man denn auf einen Nina-4-Zettel? Und warum hat sie nicht ein richtiges Blatt verdient?
Dann aber fragte ich mich, ob sich die Radiomoderatorin versprochen hatte oder ich mich ohne Fremdeinwirkung nur verhört hatte. Warum hatte ich Nina und nicht Dina gehört?
Als mir einfiel, dass Dina so an dienen erinnerte und Nina vor dem inneren Auge als adrette Osteuropäerin erschien und natürlich mehr punkten konnte als eine Tätigkeit, die jedem und vor allem mir schwerfällt, war ich am Ziel und musste Auto und Autoradio verlassen.
Neuer Name für Gauland
AfD-Vize Alexander Gauland möchte unbestätigten Gerüchten zufolge seinen Namen ändern , um der Partei ein schärferes Profil zu geben. Gesetzt den Fall, er werde zum Parteivorsitzenden gewählt, wolle er den Namen Gauleiter statt Gauland tragen. Der abgewählte Lucke könne sich dann Lücke nennen.
'Mut zum Lucke!', konterte der angeblich.
'Mut zum Lucke!', konterte der angeblich.
Zu lange Titel in der Kunst: Malewisch - Paris H...
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| Quasimir Malwisch: Titel nebenan (2015) |
Dazu die Fachzeitschrift "Malen und Zahlen":
Unglaublich. Malewisch malt ja schön bunt und könnte Ostern mit dem Bild als Vorlage für Eierfarben punkten, aber wenn er Schriftsteller werden will, hätte er die Kleckserei doch lieber früher schon aufgegeben. Rein inhaltlich ist der Titel aber auch wenig zu gebrauchen; wer interessiert sich schon für eine Paris Hillbillion? B-Promi fürs nächste Dschungelcamp? Tipp: Vor dem Selfie mit Kakerlakenpaste beschmieren! Da muss Malewisch nicht mehr drüberwischen mit dem Flächenpinsel.
Moderne Schule: Über das Ermahnen und Strafen
Sie haben mich ermahnt, aber ich habe doch gar nichts gemacht!, heult der Schüler und der Lehrer ordnet der Heulsuse drei Minuspunkte in Sozialer Duldsamkeit zu. Gleichzeitig ärgert er sich, dass der Zögling immer noch nicht kapiert hat, dass der Pädagoge nur seinen Erziehungsauftrag erfüllt: Auf das Leben vorbereiten. Der Chef wird doch auch nicht die Sekretärin ermahnen, wenn er sich an dem Mitarbeiter mit den Pickeln im Gesicht und der Brille mit den Glasbausteinen abarbeiten kann, da hätte er ja Mitarbeiter bleiben können und wäre nicht Chef geworden.
Hart werden und aushalten, dulden, gedemütigt werden und trotzdem hochmotiviert weiterarbeiten, das sind die Themen, auf die Schule vorbereiten soll. Die Sekretärin, die mal wieder ein zweistündiges Privatgespräch über den Firmenapparat geführt und die Termine des Chefs verschlampt hat, erwartet eine Einladung zu einem Candlelightdinner, der mit den Glasbausteinen kriegt den Dreck ab.
Wenn der Lehrer also ermahnt, dann geht es weder um den eigentlichen Tatbestand, noch um die richtige Person. Es geht um Erziehung fürs Leben, und da sollte jeder froh sein, wenn er mal eine Ladung ätzende Pädagogensäure abbekommt, denn das macht hart und widerstandsfähig, das macht letztendlich lebensfähig. Die Gelobten sollten sich in Heulkrämpfen am Boden wälzen, weil sie es im Leben schwer haben werden, die Ermahnten dagegen können sich freuen.
Wenn der Pädagoge den Falschen tadelt und ermahnt, so hat das auch einen erzieherischen Wert für die anderen Lerner im Raum. Zum einen wird hier stellvertretend bestraft, aber jeder fühlt sich angesprochen und duckt sich hinter der verbotenerweise auf dem Tisch liegenden Tasche weg, in dem Glauben, der Korrekturblitz könne ihn nicht treffen. Zum anderen bekommt er live und fast hautnah mit, dass es im Leben, und zwar angefangen in der Schule, nicht immer gerecht zugeht. Bevor die Schockstarre im Berufsleben einsetzt, wird sie hier vorweggenommen und jeder kann sich daran sie gewöhnen und den Umgang mit ihr einüben. Je mehr der Klassenkamerad runtergemacht wird, desto besser der Trainingseffekt für den Rest der Klasse. Dem Delinquenten, dem der meistens dran ist, weil er sowieso immer dran ist, kann man auf dem Zeugnis als Entschädigung soziale Kompetenz attestieren, obwohl es schwierig ist, die Opferrolle in schöne Worte zu kleiden.
Die Vorwegnahme der Wirklichkeit könnte man das Ziel des Pädagogen nennen, und so hat auch der Zeigestockschwinger selber die Möglichkeit, wenigstens gefühlt das normale Leben zu erfahren und muss nicht nur in seinem Kontinuum angestaubter Lehrpläne und überholter Lerntechniken verharren. Das macht ihn entspannter im Unterricht.
Wenn ein Schüler sich beschwert, so kann das seine Kritikfähigkeit erweitern, vor allem, wenn der Lehrer widerspricht und ihm unter Androhung einer Sonderaufgabe bedeutet, endlich still zu sein und zu schlucken. Endlich Ruhe zu geben, denn das mache einen guten Bürger später aus. Warum nicht schon heute damit anfangen? Demut und Unterordnung kann man nicht aus dem Ärmel schütteln, das will gelernt sein. Wenn der Schüler sich nicht beschwert, kann er trotzdem abgestraft werden, damit die aus vorherigen Stunden erlernte Demut gefestigt wird.
Neben dem Gerechtigkeitssinn kann auch der Ungerechtigkeitssinn geschult werden, denn es geht nicht immer danach, wer Recht hat, sondern wer Recht bekommt.Das ist besonders in der neuen liberalen Marktwirtschaft zu finden, da regieren persönlicher Vorteil und Wegbeißen des Konkurrenten.
Nicht jaulen, nicht jammern, nicht schmerzjodeln , liebe Zöglinge!
Auch der Lernstoffvermittler braucht einen Kanal, um seine Frustrationen loszuwerden. Vielleicht hat er einen Einlauf vom Schulleiter bekommen, vielleicht sein Schlüsselbund verlegt oder sein Parkplatz war durch eine Lehramtsanwärterin besetzt, das alles muss er loswerden. Gemäß dem Prinzip 'nach oben buckeln, nach unten treten' hält der Schüler symbolisch sein entsprechendes Körperteil hin und sorgt für einen Pädagogen, den man ertragen kann, weil er sich abreagieren konnte.
Wer später einmal Chef werden will, kann hier schon die entsprechenden Social Skills beobachten und vielleicht an seinem Hund ausprobieren, denn der bellt ja nur und beißt nicht.
Alle anderen sollten sich gut überlegen, ob sie sich Pickel, Segelohren, Übergewicht oder kurze Beine leisten können. Denn die werden nicht Sekretärin beim Chef, die sind dann die Glasbausteineträger, die dafür herhalten müssen, dass der Chef sich abreagieren kann, weil seine Sekretärin wieder Mist gebaut hat, er aber nicht auf das Candlelightdinner verzichten möchte.
Die Schönheitschirurgie hält kompetente Fratzenschneider bereit, die aus jedem Buchhalter eine schöne Tippse machen können.
Immer dran denken: Fürs Leben lernen wir, nicht für die Schule, und das ist kein Zuckerschlecken.
Bildbesprechung - Quasimir Malewisch: Diffus (2015)
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| Quasimir Malewisch: Diffus (2015) |
Kunst soll ja provozieren oder Denkanstöße geben. Pastellfarbe hat noch nie jemanden herausgefordert, sie ist in höchstem Maße gesellschaftsstabilisierend, da affirmativ, weil sie die Kontraste in einer Gemeinschaft verblassen lässt. Bitter. Das passt zur Ikeaküche und zum durchdesignten Wohnzimmer, passt zur Tapete oder zum Schlafanzug des Besitzers, der chamäleongleich in der Coach kauert und auf die Spätnachrichten wartet, weil es zu früh ist, ins Bett zu gehen.
Quasimir....Quasi,dir fällt nichts ein, was es zu tun gibt? Kasimodo wäre auch ein schöner Vorname. Der Nachname passt schon. Malewisch und Maleweg.
Georg Krakl: Am Jahresende (2014)

Am Jahresende wird uns klar,
wie klein wir sind und schief,
verglichen mit Gebäuden oder Schiffen oder einem Samowar.
Vielleicht war's auch ein Samurai, ein König oder Zar,
wir wissen's nicht, ein Fernsehstar
könnt's auch gewesen, welcher frohbelippt ins Schalkespiel reinlief
und den wir dann belachen,
weil wir so gerne Witze über Fernsehmenschen machen.
Vielleicht im neuen Jahr, wenn sich die Welt gut eingepegelt,
bekommen wir den Kram geregelt.
Tonnes Tagebuch: Was man so denkt
Liebes Tagebuch!
Manchmal denke ich, was ich so denke! Also, ich überlege, was mir so einfällt und warum. Manchmal, wenn ich ein Wort brauche, fällt es mir nicht ein, und dann fallen mir Worte ein, die ich eigentlich gar nicht denken will und auch nicht brauchen kann.
Neulich stehe ich an der Kasse, vor mir eine Kundin, die Mühe hat, ihr Portemonnaie zu zücken und den richtigen Betrag herauszukramen. Ich denke, das kann dauern und mein Blick schweift von der Kassiererin, einer grauhaarigen Frau von kräftiger Statur, die etwas Muttihaftes an sich hat, aber trotzdem mit einer mädchenhaften Piepsstimme spricht, über die Warentrennstäbe, das Förderband-heißt es überhaupt Förderband, oder ist das mehr im Bergbau?- bis zu einem der Kasse nahen Regal, in dem Zeitschriften gelagert sind und zum Kauf angeboten werden. Ein Heft fällt mir ins Auge, es ist aber ein wenig verdeckt durch das Gestänge des Regals. Das Heft ist mit "Nutti" betitelt. Ich stutze und überlege, warum man der Flut der Fachzeitschriften und der bevölkerungsschichtenundgruppenbezogenen Magazine noch ein weiteres mit dem Titel "Nutti" zuführt, und wenn, was dann wohl der Inhalt eines solchen Heftes sein und wie groß denn die Adressatengruppe sein könnte, und ob die überhaupt hier in diesem Laden kauft, und wenn, ob sie sich denn traut, diese Heft offen auf das Transportband - ah das klingt schon besser- zu legen und zu bezahlen, womit sie sich unter Umständen - das passt jetzt auch nicht - outen würde.
Bevor ich weiter überlegen kann, muss ich einen Schritt vortreten, und kann erkennen, dass die Zeitschrift "Mutti" heißt. Die Muttihafte an der Kasse piepst mir den Betrag vor, den ich zahlen muss, 21€ 98 und ich denke im Abgehen noch, ob dass Muttimäßige der Dame an der Kasse mich auf diesen falschen Weg geleitet hat.
Im weiteren Abgehen höre ich hinter mir das Wort Taschenschlampe. Bevor ich weiter nachdenken kann, was denn Taschenschlampen sind, piepst es an der Kasse zur Kollegin rüber: Hilde, was kosten die Taschenlampen?
Ich weiß nicht, was los ist, dass ich dermaßen falsch wahrnehme. Ich weiß auch nicht, ob da ein Ohrenarzt der richtige Therapeut wäre. Bevor ich darüber nachdenken kann, fällt mir die lustige Begebenheit mit Tanja ein, als sie mir erzählt, dass sie neulich beim Ohrenarzt angerufen habe, man aber nicht abgenommen habe. Wahrscheinlich hätte man das nicht gehört. Hahaha, musste die Tanja lachen, und das beim Ohrenarzt. Ich habe dann auch mitgelacht, weil ich nicht unhöflich sein wollte, denn auch ein Ohrenarzt kann mal etwas überhören. Ich habe sogar schon einen Ohrenarzt gesehen, der ein Hörgerät getragen hat. Das kommt vor, auch wenn es keine gute Werbung für betreffende Praxis ist.
Ich bin gespannt, was ich morgen so alles höre.
Manchmal denke ich, was ich so denke! Also, ich überlege, was mir so einfällt und warum. Manchmal, wenn ich ein Wort brauche, fällt es mir nicht ein, und dann fallen mir Worte ein, die ich eigentlich gar nicht denken will und auch nicht brauchen kann.
Neulich stehe ich an der Kasse, vor mir eine Kundin, die Mühe hat, ihr Portemonnaie zu zücken und den richtigen Betrag herauszukramen. Ich denke, das kann dauern und mein Blick schweift von der Kassiererin, einer grauhaarigen Frau von kräftiger Statur, die etwas Muttihaftes an sich hat, aber trotzdem mit einer mädchenhaften Piepsstimme spricht, über die Warentrennstäbe, das Förderband-heißt es überhaupt Förderband, oder ist das mehr im Bergbau?- bis zu einem der Kasse nahen Regal, in dem Zeitschriften gelagert sind und zum Kauf angeboten werden. Ein Heft fällt mir ins Auge, es ist aber ein wenig verdeckt durch das Gestänge des Regals. Das Heft ist mit "Nutti" betitelt. Ich stutze und überlege, warum man der Flut der Fachzeitschriften und der bevölkerungsschichtenundgruppenbezogenen Magazine noch ein weiteres mit dem Titel "Nutti" zuführt, und wenn, was dann wohl der Inhalt eines solchen Heftes sein und wie groß denn die Adressatengruppe sein könnte, und ob die überhaupt hier in diesem Laden kauft, und wenn, ob sie sich denn traut, diese Heft offen auf das Transportband - ah das klingt schon besser- zu legen und zu bezahlen, womit sie sich unter Umständen - das passt jetzt auch nicht - outen würde.
Bevor ich weiter überlegen kann, muss ich einen Schritt vortreten, und kann erkennen, dass die Zeitschrift "Mutti" heißt. Die Muttihafte an der Kasse piepst mir den Betrag vor, den ich zahlen muss, 21€ 98 und ich denke im Abgehen noch, ob dass Muttimäßige der Dame an der Kasse mich auf diesen falschen Weg geleitet hat.
Im weiteren Abgehen höre ich hinter mir das Wort Taschenschlampe. Bevor ich weiter nachdenken kann, was denn Taschenschlampen sind, piepst es an der Kasse zur Kollegin rüber: Hilde, was kosten die Taschenlampen?
Ich weiß nicht, was los ist, dass ich dermaßen falsch wahrnehme. Ich weiß auch nicht, ob da ein Ohrenarzt der richtige Therapeut wäre. Bevor ich darüber nachdenken kann, fällt mir die lustige Begebenheit mit Tanja ein, als sie mir erzählt, dass sie neulich beim Ohrenarzt angerufen habe, man aber nicht abgenommen habe. Wahrscheinlich hätte man das nicht gehört. Hahaha, musste die Tanja lachen, und das beim Ohrenarzt. Ich habe dann auch mitgelacht, weil ich nicht unhöflich sein wollte, denn auch ein Ohrenarzt kann mal etwas überhören. Ich habe sogar schon einen Ohrenarzt gesehen, der ein Hörgerät getragen hat. Das kommt vor, auch wenn es keine gute Werbung für betreffende Praxis ist.
Ich bin gespannt, was ich morgen so alles höre.
Mit Geräten sprechen
Mittlerweile neigen wir dazu, auch mit eigentlich unbelebten Gegenständen zu sprechen, vielleicht weil uns die menschlichen Gesprächspartner ausgegangen sind.
Menschen, die in ihr Smartphone sprechen, telefonieren oft gar nicht mit einem Menschen, sondern mit ihrem technischen Gerät. Früher sprach man mit seinem Auto, mit dem Regal, dem Dampfdrucktopf oder seinem Schmierkäse, der unerlaubterweise zerlaufen war.
Folgerichtig müsste man seinen unbelebten Zuhörern auch ein Gehirn zuweisen, denn sonst erübrigte sich ja das Gespräch, es wären die Worte dann sinnbildlich vor die leere Wand gesprochen.
Schön wäre es, zu wissen, was diese Nichtwesen denken. Das ist nicht einfach, denn schon beim nahen Verwandten, dem Tier, speziell dem Hund, können wir dessen inneren Vorgänge nur an der Reaktion des Schwanzes und anderer Körperteile ablesen, und daraus seine Gedankengänge schlussfolgern.
Ein vielleicht gut geeignetes Instrument des Gedankenergründens ist ein Rechtschreibprogramm, auf dessen Vorschläge man einfach eingeht, dessen Schreibangebote man vorbehaltlos zulässt, um Näheres von dem dazugehörigen Programm oder vielleicht sogar vom Trägergerät selbst, also dem Pc oder dem Tablet, zu erfahren.
Wie geht man vor?
Also: Einfach mal wahllos eine Buchstabenfolge eintippen und sehen, was angeboten wird. Dann schauen, was das Programm als Nächstes, dem Wort Folgendes, vorschlägt.
Schwupp ist ein Prosagedicht oder ein wirrer Text fertig. Das Getippte gilt es dann zu entschlüsseln, was wohl die schwierigste Aufgabe ist.
Hier ein Gedicht, das das iPad des Autors geschrieben hat:
Mein Schreibhilfeprogramm: Ich (2015)
Hilfslinien
Mov
Klub kannte
Lkw
Öko
Getestet worden ist das
Ich habe mich schon auf dem Weg nach oben auf der Suche nach einem Bericht des Tages mit Dem Thema
Ich
Ich
Ich
Gemacht
Was das alles bedeutet, na, da wollen wir doch mal sehen, was das Jahr so bringt...
Menschen, die in ihr Smartphone sprechen, telefonieren oft gar nicht mit einem Menschen, sondern mit ihrem technischen Gerät. Früher sprach man mit seinem Auto, mit dem Regal, dem Dampfdrucktopf oder seinem Schmierkäse, der unerlaubterweise zerlaufen war.
Folgerichtig müsste man seinen unbelebten Zuhörern auch ein Gehirn zuweisen, denn sonst erübrigte sich ja das Gespräch, es wären die Worte dann sinnbildlich vor die leere Wand gesprochen.
Schön wäre es, zu wissen, was diese Nichtwesen denken. Das ist nicht einfach, denn schon beim nahen Verwandten, dem Tier, speziell dem Hund, können wir dessen inneren Vorgänge nur an der Reaktion des Schwanzes und anderer Körperteile ablesen, und daraus seine Gedankengänge schlussfolgern.
Ein vielleicht gut geeignetes Instrument des Gedankenergründens ist ein Rechtschreibprogramm, auf dessen Vorschläge man einfach eingeht, dessen Schreibangebote man vorbehaltlos zulässt, um Näheres von dem dazugehörigen Programm oder vielleicht sogar vom Trägergerät selbst, also dem Pc oder dem Tablet, zu erfahren.
Wie geht man vor?
Also: Einfach mal wahllos eine Buchstabenfolge eintippen und sehen, was angeboten wird. Dann schauen, was das Programm als Nächstes, dem Wort Folgendes, vorschlägt.
Schwupp ist ein Prosagedicht oder ein wirrer Text fertig. Das Getippte gilt es dann zu entschlüsseln, was wohl die schwierigste Aufgabe ist.
Hier ein Gedicht, das das iPad des Autors geschrieben hat:
Mein Schreibhilfeprogramm: Ich (2015)
Hilfslinien
Mov
Klub kannte
Lkw
Öko
Getestet worden ist das
Ich habe mich schon auf dem Weg nach oben auf der Suche nach einem Bericht des Tages mit Dem Thema
Ich
Ich
Ich
Gemacht
Was das alles bedeutet, na, da wollen wir doch mal sehen, was das Jahr so bringt...
Wie die Fliese sein - Mut und Feigheit
Sei wie die Fliese unter den Füßen der Starken und Schwachen, dulde den Schweiß, den Geruch, die Feigheit, die aus den Poren strömt, die Verlogenheit. Diese Füße haben die Besitzer an Orte getragen, an denen sie mutig ihre Meinung zeigen wollten, aber nur feige die eigenen Ressentiments multiplizierten, wo sie nach Ausgrenzung schrien, um selbst in gemütlicher Abgeschirmtheit zu verharren. Wo die Fußbesitzer Pamphlete unterzeichneten, die ihre wirklichen Interessen verschleierten, wo sie Wutbürger sein wollten und Gutbürger, wo sie Mutbürger hätten sein sollen, aber die Angst vor der Besitzstandsminderung sie daran hinderte. Wo sie mitlaufen konnten oder aufspringen auf einen Zug, der keine Bremsen hat. Wo sie sich in einer Gemeinschaft der Gerechten finden konnten, denen der gerechte Zorn auf immer gehört. Wo sie sich in der Menge verstecken konnten und doch dabei waren. Wo sie ihr Maul aufreißen und doch schweigen konnten, schweigen und summen,dass alles gut werde, und dass sie Anteil am Gutwerden haben.
Die Fliese aber bleibt unten und wartet auf den Tag der Reinigung.
Denn was wie Mut und Gut und Wut klingt, ist oft nur Feigheit.
Die Fliese aber bleibt unten und wartet auf den Tag der Reinigung.
Denn was wie Mut und Gut und Wut klingt, ist oft nur Feigheit.
Hoeneß soll neuen Namen erhalten
![]() |
| KD Butzibutzi: Hoeness hinter Gittern (2014) |
Deutschlands bekanntester Steuerbetrüger und Nebenerwerbslügner Ullrich Hoeneß musst auf dringendem Anraten und Wünschen der Staatskanzlei seinen Verdienstorden zurückgeben, da sein Verdienst eben nicht mit der ehrlichen Arbeit eigener Hände erwirtschaftet wurde, sondern mithilfe dubioser Berufs - Hinterziehungsassistenten im eigenen Land und in angrenzenden Schurkenstaaten. Weihnachten durfte der Häftling zu Hause bei seiner Familie kräftig feiern, inklusive Übernachtung in den heimischen Federn.
Das Volk fühlt sich zurecht verhöhnt, und scharfe Zungen fordern, den Mann von Hoeneß in Verhoenesßumzutaufen. Den Eintrag beim Standesamt wolle man durch eine gemeinschaftliche Sammelaktion finanzieren.
Hoeneß selber bezeichnet sich im Gegenzug als antirassistisch, daher habe er sich bewusst für Schwarzgeld eingesetzt, weil das ja auch eine Chance verdiene. Sein Vorschlag - wenn schon Namensänderung - Fairhoeneß.
Schneewittchen begleitet ihre Kinder zum Spielplatz
Nicht mehr schöner als die Stiefmutter sein müssen. Sich nie mehr in einen engen Glassarg pressen lassen. Einen neuen Namen annehmen. Snowwhite klingt besser. Oder einfach Nana.
Nur die Handtasche hält sie
noch fest. Oder umgekehrt. Ich sollte sie einfach wegschmeißen, denkt sie. Was
ist schon drin? Ein alter Taschenspiegel. Zigaretten. Der Haustürschlüssel. Sie
seufzt. Ruft die Kinder und geht.
Toastbrot oder Trostboot?
Besonders nach Feiertagen gerät die Welt aus den Fugen, die Dingen verkehren sich, was oben war, ist unten und was links war, wählt plötzlich FDP.
Dann steht man vor dem Herd und sieht eine Scheibe trocken Brot mit hohem Weißmehlanteil, der ja ungesund sein soll. Dann fällt einem der Name für das ungesunde Lebensmittel ein: Toastbrot. Und dann fällt noch ein weiteres Wort wie vom Himmel, dass es eigentlich noch gar nicht gegeben hat.
Trostboot.
Das Hirn arbeitet auf Hochtouren, um herauszubekommen, was denn ein Trostboot sein könnte.
Eine neapolitanische Gondel mit ihrem jaulenden Gondoliero ja wohl kaum, das wäre kein Trost, da bräuchte man Trost. Vielleicht ein Kanonenboot, das einen vor imaginären Feinden schützt. Oder ein U-Boot, in dem man sich verstecken könnte wenn es brenzlig wird, in dem man einfach abtauchen könnte, um dann mit dem Sehrohr, oder heißt es Seerohr, weil es ja auf See ist, oder besser im See, will sagen, im Meer -muss es da nicht Meerrohr heißen?- ich verstricke mich, das sind die nachwirkenden Feiertage.
Mein Trostboot treibt auf deinen Tränen.
Das ist eine schöne Zeile, vielleicht für einen lyrischen Schlager für eine enttäuschte Schlagersängerin, die in schwarzer Unterwäsche auftritt, und dem EX vorsingt, dass er sich wohl grämen und auch heulen muss, weil sie ihn nämlich wegen der Tanja verlassen habe, was ihr nichts ausmache, denn sie, die singende Unterwäsche, könne ihn noch trösten in ihrem Trostboot, das allerdings auf seinem Tränensee herumdümpele und sich aus dem Geschniefe nichts mache, also gar kein richtiger Trost sein könne.
Hier verstrickt sich die unterbewäschte Schlagersängerin und muss aufpassen, kein Eigentor in Sachen Exbeziehung zu schießen.
Mein Trostboot
Treibt auf deinem See der Tränen.
Ich esse schläfrig mein geschmiertes Toastbrot
Und muss, ich sing's nur ungern, gähnen.
Ja, so klingt es rund, so passt das in einen Schläger und so schadet man auch keinem.
Schlager mit Lebensmitteln haben eine geringe Gewinnwarnung, was absurd klingt, aber heißt, dass das Stück mal so richtig die Konsumenten abgreift, weil die so doof sind, das zu kaufen.
Bald kommt eine feiertagefreie Zeit, wo mal wieder richtig durchgearbeitet werden kann und keine Zeit für Romatizismen ist, auf dass der Geist frei und klar werde, um sich der Anfeindungen des Alltags zu erwehren.
Dann steht man vor dem Herd und sieht eine Scheibe trocken Brot mit hohem Weißmehlanteil, der ja ungesund sein soll. Dann fällt einem der Name für das ungesunde Lebensmittel ein: Toastbrot. Und dann fällt noch ein weiteres Wort wie vom Himmel, dass es eigentlich noch gar nicht gegeben hat.
Trostboot.
Das Hirn arbeitet auf Hochtouren, um herauszubekommen, was denn ein Trostboot sein könnte.
Eine neapolitanische Gondel mit ihrem jaulenden Gondoliero ja wohl kaum, das wäre kein Trost, da bräuchte man Trost. Vielleicht ein Kanonenboot, das einen vor imaginären Feinden schützt. Oder ein U-Boot, in dem man sich verstecken könnte wenn es brenzlig wird, in dem man einfach abtauchen könnte, um dann mit dem Sehrohr, oder heißt es Seerohr, weil es ja auf See ist, oder besser im See, will sagen, im Meer -muss es da nicht Meerrohr heißen?- ich verstricke mich, das sind die nachwirkenden Feiertage.
Mein Trostboot treibt auf deinen Tränen.
Das ist eine schöne Zeile, vielleicht für einen lyrischen Schlager für eine enttäuschte Schlagersängerin, die in schwarzer Unterwäsche auftritt, und dem EX vorsingt, dass er sich wohl grämen und auch heulen muss, weil sie ihn nämlich wegen der Tanja verlassen habe, was ihr nichts ausmache, denn sie, die singende Unterwäsche, könne ihn noch trösten in ihrem Trostboot, das allerdings auf seinem Tränensee herumdümpele und sich aus dem Geschniefe nichts mache, also gar kein richtiger Trost sein könne.
Hier verstrickt sich die unterbewäschte Schlagersängerin und muss aufpassen, kein Eigentor in Sachen Exbeziehung zu schießen.
Mein Trostboot
Treibt auf deinem See der Tränen.
Ich esse schläfrig mein geschmiertes Toastbrot
Und muss, ich sing's nur ungern, gähnen.
Ja, so klingt es rund, so passt das in einen Schläger und so schadet man auch keinem.
Schlager mit Lebensmitteln haben eine geringe Gewinnwarnung, was absurd klingt, aber heißt, dass das Stück mal so richtig die Konsumenten abgreift, weil die so doof sind, das zu kaufen.
Bald kommt eine feiertagefreie Zeit, wo mal wieder richtig durchgearbeitet werden kann und keine Zeit für Romatizismen ist, auf dass der Geist frei und klar werde, um sich der Anfeindungen des Alltags zu erwehren.
Weihnachten in China verboten
Jetzt ist es soweit: Weihnachten wird in China verboten. Es gäbe genügend Weihnachtsmänner im Land, und die Parteispitze dulde nicht, dass ein bärtiger Sackträger oder ein sackiger Bartträger ihr Konkurrenz mache.
Kurzerhand wurde beschlossen, dass der traditionelle Weihnachtsschnee jetzt dreckig-grau sein solle, was dieser besonders in den Industriegebieten schon seit Jahren in vorauseilendem Gehorsam geschafft hatte; die Bevölkerung solle aber weiterhin laut ausrufen: Das ist das weißeste Weiß meines Lebens!
Da besonders die jüngere Damenwelt sich mehr und mehr an dekadentem Ski-Fahren ergötzt hatte, wurden dieser kurzerhand die roten Uniformen auf ein Minimum wegrasiert, um sie an ihren Auftrag zu erinnern.
Auf die Anfrage bei der Parteispitze, um welchen Auftrag es sich handele, kam bislang keine Antwort, lediglich der Hinweis, dass Unwissen ein schwerer Verstoß dagegen sei. Man schenkte sich die Nachfrage, wogegen.
Abweichlerische Ski-FahrerInnen fordern unter #Sheena im Easton, dass das riesige Land jetzt Skina geschrieben werden solle, um auf die Problematik von Dekadenz und Rechtschreibschwäche hinzuweisen.
Kurzerhand wurde beschlossen, dass der traditionelle Weihnachtsschnee jetzt dreckig-grau sein solle, was dieser besonders in den Industriegebieten schon seit Jahren in vorauseilendem Gehorsam geschafft hatte; die Bevölkerung solle aber weiterhin laut ausrufen: Das ist das weißeste Weiß meines Lebens!
Da besonders die jüngere Damenwelt sich mehr und mehr an dekadentem Ski-Fahren ergötzt hatte, wurden dieser kurzerhand die roten Uniformen auf ein Minimum wegrasiert, um sie an ihren Auftrag zu erinnern.
Auf die Anfrage bei der Parteispitze, um welchen Auftrag es sich handele, kam bislang keine Antwort, lediglich der Hinweis, dass Unwissen ein schwerer Verstoß dagegen sei. Man schenkte sich die Nachfrage, wogegen.
Abweichlerische Ski-FahrerInnen fordern unter #Sheena im Easton, dass das riesige Land jetzt Skina geschrieben werden solle, um auf die Problematik von Dekadenz und Rechtschreibschwäche hinzuweisen.
Georg Krakl: Weihnachten
An Weihnachten
den Wein achten.
Sonst dicker Kopf
wie Kickerdopf.
Aus G. Krakl: Gedichte mit unbekannten Wörtern drin (2014)
den Wein achten.
Sonst dicker Kopf
wie Kickerdopf.
Aus G. Krakl: Gedichte mit unbekannten Wörtern drin (2014)
Bilderrätsel des Tages
Welches beliebte Fest in Deutschland und China ist hier gemeint?
-Wovalhnachten
-Wkrummerkreishnachten
-Weihnachten
-Ostern?
Für dieses Rätsel gibt es jetzt mal keine Lösung. Es ist so dämlich, dass man damit sogar ein Preisausschreiben in beliebten Flachblättern gestalten könnte. Wer das nicht rauskriegt, ist doof und gewinnt eine Kaffeemaschine.
-Wovalhnachten
-Wkrummerkreishnachten
-Weihnachten
-Ostern?
Für dieses Rätsel gibt es jetzt mal keine Lösung. Es ist so dämlich, dass man damit sogar ein Preisausschreiben in beliebten Flachblättern gestalten könnte. Wer das nicht rauskriegt, ist doof und gewinnt eine Kaffeemaschine.
Alltag im All
Jeder denkt, wenn er das Wort Alltag hört oder liest, dass dieser im All entstanden ist, oder vielleicht einen Dauerzustand in der Schwerelosigkeit darstellt.
Endlich hat die Raumfahrt und ihre angegliederten Wissenschaftler festgestellt - und damit endlich ein Argument für ihre Existenzberechtigung geliefert - dass dem nicht so ist.
Das All kennt überhaupt keinen Tag und folgerichtig auch keinen Alltag. Im All fehlt nämlich ein Horizont, an dem die Sonne aufgehen kann, um zu signalisieren: Ein neuer Tag bricht an!
Sonnen gibt es im All genug, aber an Horizonten mangelt es seit Jahrmillionen. Selbst ein gedachter Horizont, wie er in der Mathematik schon mal berechnet wird, um etwas Wirklichkeitsbezug herzustellen, hilft nicht weiter.
Auf die Erkenntnis, dass es keinen Alltag im All gibt, hätten wir Menschen auch ohne Raumfahrt kommen können. Denn wir erleben jeden Tag, dass der Alltag uns fast erdrückt. Im All herrschat Schwerelosigkeit. Manchen Menschen fehlt ein Horizont, sodass sie sich in merkwürdigen Gruppierungen scharen und die Welt in Abendland und Morgenland unterteilen, dazu bräuchten sie allerdings einen Horizont.
Popwissenschaftler stellten vor Jahren schon fest: Hintern Horizont geht's weiter. Die Philosophen wissen: Hinter dem Horizont ist der nächste Horizont, und dahinter der übernächste und immer so weiter. Sie drücken das natürlich etwas eleganter aus, sodass man das nicht gleich versteht.
Trotzdem: Im All ist von dem nichts zu finden, und darum ist es so trostlos im All, weil ohne Perspektive, denn wenn ein Horizont fehlt, kann es auch nicht dahinter weitergehen.
Es ist überhaupt dunkel im All und man weiß auch nicht wo links, rechts, vorne und hinten sind. Damit will sich die Wissenschaft demnächst beschäftigen.
Also: Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Alltag nicht aus dem All kommt, wohl eher das Leipziger Allerlei.
Endlich hat die Raumfahrt und ihre angegliederten Wissenschaftler festgestellt - und damit endlich ein Argument für ihre Existenzberechtigung geliefert - dass dem nicht so ist.
Das All kennt überhaupt keinen Tag und folgerichtig auch keinen Alltag. Im All fehlt nämlich ein Horizont, an dem die Sonne aufgehen kann, um zu signalisieren: Ein neuer Tag bricht an!
Sonnen gibt es im All genug, aber an Horizonten mangelt es seit Jahrmillionen. Selbst ein gedachter Horizont, wie er in der Mathematik schon mal berechnet wird, um etwas Wirklichkeitsbezug herzustellen, hilft nicht weiter.
Auf die Erkenntnis, dass es keinen Alltag im All gibt, hätten wir Menschen auch ohne Raumfahrt kommen können. Denn wir erleben jeden Tag, dass der Alltag uns fast erdrückt. Im All herrschat Schwerelosigkeit. Manchen Menschen fehlt ein Horizont, sodass sie sich in merkwürdigen Gruppierungen scharen und die Welt in Abendland und Morgenland unterteilen, dazu bräuchten sie allerdings einen Horizont.
Popwissenschaftler stellten vor Jahren schon fest: Hintern Horizont geht's weiter. Die Philosophen wissen: Hinter dem Horizont ist der nächste Horizont, und dahinter der übernächste und immer so weiter. Sie drücken das natürlich etwas eleganter aus, sodass man das nicht gleich versteht.
Trotzdem: Im All ist von dem nichts zu finden, und darum ist es so trostlos im All, weil ohne Perspektive, denn wenn ein Horizont fehlt, kann es auch nicht dahinter weitergehen.
Es ist überhaupt dunkel im All und man weiß auch nicht wo links, rechts, vorne und hinten sind. Damit will sich die Wissenschaft demnächst beschäftigen.
Also: Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Alltag nicht aus dem All kommt, wohl eher das Leipziger Allerlei.
Haustiere im Trend: Fische
![]() |
| Vassily Kannikski: Kein Fleisch, kein Fischstäbchen (2014) |
Neben Hund, Katze, Maus ist der Fisch ein Tier ganz oben auf der Rankingliste.
Da er sich schlecht streicheln lässt, keine Laute von sich gibt und sowieso keine Gefühlsregungen zeigt -höchstens vielleicht die Vorlage für die Schnappatmung liefert, der wir uns bedienen, wenn Unverschämtes auf uns niederprasselt- fragt sich der Ottonormalstreichler: Warum hält man sich Fische?
Der Aquarienfreund weiß um Antwort:
Da ist endlich mal einer, der die Klappe hält. Dem kann ich erzählen, was ich will, der sagt nix, der fragt nix, der hält die Klappe. Und wenn ich auch nichts sage, da sagt der nicht: Warum sagst du nichts? Sag doch mal was! Was ist denn los? Nie sagst du was! Andere Männer erzählen auch mal was. Der hält sein Maul. Bei Fischen darf man auch Maul sagen. Und wenn ich sage: Halt dein Maul!, dann macht der das, weil der ja immer sein Maul hält.
Bei einem Hund geht das doch gar nicht. Der bellt, der macht Krach, der macht richtig Dezibel. Und Dezibel habe ich auf der Arbeit genug. Wenn ich zum Hund sage: Halt die Schnauze - das darf man bei Hunden ja - dann bellt der einfach weiter. Da müsste ich in die Hundeschule mit dem, und dann noch kontrollieren, ob der seine Hausaufgaben macht. Nein, das ist nichts für mich. Ich will meine Ruhe, und da ist der Hund weg. Gut, die Wilma ist auch weg, ich oder der Fisch, hat sie gesagt, und dann war sie weg. Jetzt habe ich einen zweiten Fisch, der sagt genauso wenig wie der erste, und das ist gut, das ist richtig gut. Jetzt kann ich einfach mal loslassen, wenn ich von der Arbeit komme, entspannen, nicht gestresst im Sofa, weil ich gleich keine Antworten auf die immer gleichen Fragen habe. Warum kommst du so spät, hast du wieder ein Bier getrunken, nie bringst du mal Blumen mit, andere Männer denken an ihre Frauen, stell deine Schuhe in den Flur, du könntest mal duschen nach der Arbeit, ich weiß gar nicht, was ich überhaupt hier noch soll, hinter dir rumputzen kann ich, aber sonst?
Mit einem Fisch ist Ruhe. Das ist doch Lebensqualität. Und deshalb steht der Fisch eigentlich auf Platz eins der Haustierrankingliste. Und nicht die Katzen. Die kratzen nämlich. Und Hunde stinken, besonders wenn es regnet.
Jeder ist ersetzbar, habe ich Wilma gesagt, sogar der Fisch. Aber da war sie schon weg.
Günter Krass - Schreckensmasken auf den Märkten
Angst in den Augen und auf den Gesichtern der Menschen auf den glühweinverzehrenden Märkten. Die Erde unter ihnen, das Pflaster, worunter wir den Strand vermuten, befleckt. Ist der Glühwein erst einmal vergossen, so will mancher volkstümeln, dann, ja, was dann?
Hier aber setzt der Verstand schon aus, denn das hirntötende Mischgetränk wirkt besonders, wenn es erhitzt wird und benebelt anfangs nur, später wiegt es in einer Art Puschengemütlichkeit, dass jeder glaubt, er gehöre irgendwo zu.
Die Einsamkeit wird runtergespült, während die Engel vom Kinderkarussell das tausendste Stille Nacht skandieren.
Früher haben wir Pflastersteine geworfen, heute besudeln wir sie mit gesellschaftsstabilisierenden Rauschsäften, weil uns der Mut zur Veränderung fehlt.
Wenn die Buden und Verkaufsstände abgebaut, sehen wir das Übel: Hier das tiefe Rot des selbstverliebten Bekleckerns, dort das unschuldige Hell, über dem die Hütten gestanden haben. Wir vergießen unsere Tränen ob verpasster Chancen und träumen vom Plastersteinwurf. In tiefer Depression gehen wir an den Medizinschrank, entnehmen ihm zwei Aspirin und etwas Heftpflaster, um uns in peinlicher Selbstbestrafung die Augen zu verkleben.
Hier aber setzt der Verstand schon aus, denn das hirntötende Mischgetränk wirkt besonders, wenn es erhitzt wird und benebelt anfangs nur, später wiegt es in einer Art Puschengemütlichkeit, dass jeder glaubt, er gehöre irgendwo zu.
Die Einsamkeit wird runtergespült, während die Engel vom Kinderkarussell das tausendste Stille Nacht skandieren.
Früher haben wir Pflastersteine geworfen, heute besudeln wir sie mit gesellschaftsstabilisierenden Rauschsäften, weil uns der Mut zur Veränderung fehlt.
Wenn die Buden und Verkaufsstände abgebaut, sehen wir das Übel: Hier das tiefe Rot des selbstverliebten Bekleckerns, dort das unschuldige Hell, über dem die Hütten gestanden haben. Wir vergießen unsere Tränen ob verpasster Chancen und träumen vom Plastersteinwurf. In tiefer Depression gehen wir an den Medizinschrank, entnehmen ihm zwei Aspirin und etwas Heftpflaster, um uns in peinlicher Selbstbestrafung die Augen zu verkleben.
Wolf Wunderschreck - Mein Eipätt-Gedicht ohne Tastatur
Ich Die Das
Ich Die Das
Das Die Die
Ich Ich Die Das
Das Das Ich Die
Die Ich Die Das Die Die Ich
Ich Ich Die Ich Die Ich Ich Ich Ich Ich Die Die Die Die Das Das Das Die Die Die Ich Ich
Ich Die Das
Das Die Die
Ich Ich Die Das
Das Das Ich Die
Die Ich Die Das Die Die Ich
Ich Ich Die Ich Die Ich Ich Ich Ich Ich Die Die Die Die Das Das Das Die Die Die Ich Ich
Theo von Doeskopp - perfekt
ich habe gelächelt wo mir zum heulen war
ich habe geschluckt wo mir zum kotzen war
ich habe geschwiegen wo ich hätte schreien sollen
ich habe geweint wo ich hätte lachen müssen
ich habe eingesteckt wo ich hätte austeilen müssen
ich habe genommen wo ich hätte geben müssen
ich habe gebuckelt wo ich hätte nein sagen müssen
ich habe weggesehen
ich habe weggehört
ich habe weggetan
ich habe vertröstet
ich habe vergeudet
ich habe vertan
ich habe verlebt
ich bin gewesen
ich bin
perfekt
ich habe geschluckt wo mir zum kotzen war
ich habe geschwiegen wo ich hätte schreien sollen
ich habe geweint wo ich hätte lachen müssen
ich habe eingesteckt wo ich hätte austeilen müssen
ich habe genommen wo ich hätte geben müssen
ich habe gebuckelt wo ich hätte nein sagen müssen
ich habe weggesehen
ich habe weggehört
ich habe weggetan
ich habe vertröstet
ich habe vergeudet
ich habe vertan
ich habe verlebt
ich bin gewesen
ich bin
perfekt
Heinrich Böller - Schmalkopf – Fetthals – Schweinenacken
Die drei Kameraden Schmalkopf, Fetthals und Schweinenacken
sind seit Jahren unterwegs auf der Suche nach frischen Brötchen. Sie nennen es
„auf der Jagd sein“, denn sie wollen die Brötchen nicht bezahlen, sondern
gratis, ohne dass ihnen Kosten entstehen, einsacken. Sie schleichen sich an
ahnungslose Bäckerburschen, die mit dem Bäckerwagen Umwege fahren, um die
Liebste noch einmal anzuhupen, an Postboten, die unter Lindenbäumen frühstücken
und Pakete liegen lassen, an Fernfahrer, die auf Autobahnrastplätzen ohne WC
pinkeln, an Treckerfahrer, deren Anhänger nicht beleuchtet sind und an zu
schnell Fahrende in tiefergelegten
Autos, die kleine Kinder gefährden. Manchmal schleichen sie sich auch an
Männer, die Plastiksäcke mit Herbstlaub vor zu schnell fahrende Autos werfen,
um gefährdete Kleinkinder zu beschützen.
Schmalkopf, Fetthals und Schweinenacken können die
Beschlichenen problemlos ihrer
Brötchen, ihrer frischen Brötchen,
berauben, weil die gerade mit anderen Dingen beschäftigt sind. Menschen, die
ihr Brötchen sorgfältig essen, also von der Spitze nach hinten bis zum Ende und mit der Unterseite
nach unten, wobei der Belag nicht mehr als 1 cm über das Brötchen hinausragen
darf, belästigen sie nicht. Sie wissen, dass sie bei denen keine Chance haben.
Die drei finden aber immer genügend Opfer, damit aus einem Hals ein Fetthals
und einem Nacken ein Schweinenacken werden kann. Schmalkopf ist der langsamste
der drei, und wenn er gerade mit dem Essen loslegen will, haben die anderen zwei seine
Brötchen meistens schon aufgegessen. Das hat aber auch sein Gutes: Er ist der
schmalste. Damit entspricht er wenigstens dem Schönheitsideal unserer Zeit.
Heinrich Böller - Der Löwe schmollt
Da liegt er nun der Löwe und schmollt. Er schaut grimmig,
damit ihn niemand fragt, warum er schmolle.
Das war auch wieder peinlich! Der Elefant hatte sich im Sand
eingebuddelt und nur ein Bein aus dem Sand herausgucken lassen. Durch seinen
Rüssel hatte er zum Löwen gesprochen.
„Hey, Löwe, alter Angeber! Ich bin’s, die Bettwurst. Komm
lass uns Armdrücken machen!“
„Wie nennst du mich? Alte Bettwurst?“ brüllte der Löwe
zornig über diese Unverschämtheit. Wie konnte eine Bettwurst den König der
Tiere als Angeber bezeichnen?
„Löwe, hast du Schiss vor einer Bettwurst?“
Der Elefant näselte ein wenig, weil er durch den Rüssel
sprechen musste. So klang seine Stimme täuschend echt, fast wie die einer
richtigen Bettwurst.
Der Löwe wusste, dass Bettwürste nur wenig Kraft haben und
zögerte, überhaupt zum Kampf anzutreten.
Er war kein Angeber und Angst hatte er schon lange nicht.
Also stand er auf und fauchte: „Na, dann komm, gleich wirst
du den Sand küssen.“
Der Elefant kicherte im Sand.
Hätte der Löwe die Ohren gespritzt, hätte er ein leises
Glicksen hören können. Der Löwe war aber nur mit der Herausforderung
beschäftigt und brachte sich in Position. Er fuhr seine Krallen ein, um einen
fairen Kampf zu liefern, denn Bettwürste haben keine Krallen und Elefanten
schon lange nicht.
Der Dickhäuter ließ den Löwen zappeln. Klar, er war viel
stärker als die Riesenkatze. Aber er wollte den Kampf genießen.
Anfangs gab er sich schwach, als sei er bereits am Ende
seiner Kräfte; dann wurde abwechselnd stärker und wieder schwächer.
Schließlich, als der Löwe schon anfing zu keuchen, drückte
er den gewaltigen Löwenarm mit der noch gewaltigeren Tatze an den Boden. Der
Löwe brüllt vor Ärger und wollte aufspringen, doch der Elefant hielt ihn am
Boden fest. Die schlimmsten Flüche stieß der Löwe aus, in denen auch das Wort
Bettwurst mehrmals vorkam. Der Elefant konnte sich kaum halten vor Lachen und
wäre fast erstickt, wenn er nicht blitzartig aus dem Sand aufgesprungen und
lachend gestanden hätte: „Löwe, alter Löwe, ich bin’s doch, der Elefant.
Kleiner Scherz. Komm, hab dich nicht so... “
Der Löwe brüllte und brüllte, vor Wut und Zorn und vor
Wasauchimmer. Am liebsten wäre er im Sande versunken.
„Du hast mich reingelegt!“
„Stimmt. Entschuldigung, alter Freund!“ versuchte der
Elefant den Löwen zu beruhigen.
„Aber ich hätte nie geglaubt, dass sich der König der Tiere
mit einer Bettwurst anlegen würde.“
Der Elefant entfernte sich leise und kicherte in genügendem
Abstand über diesen gelungenen Scherz.
Der Löwe verzog sich in den Schatten.
Seitdem sind Löwen und Elefanten nicht mehr gut aufeinander
zu sprechen. Da die Elefanten nur Pflanzen fressen und der Löwe der schwächere
ist, gehen sie sich heute aus dem Weg.
Günter Krass - Die Seele baumeln lassen
„Heute bin ich müde“, denkt Karl-Robert Kastenkopp.
„Andere lassen die Seele baumeln, da hinten zum Beispiel hängt wieder eine.
Seelen baumeln- so ein Blödsinn. Baumeln kann man von einem Baum. Dann muss man
die Seele irgendwie an einem Seil festmachen, runterlassen und dann baumeln
lassen. Dann baumelt sie. Wozu das gut sein soll, weiß ich auch nicht. Das ist
doch nur eine Ausrede für Faulpelze, die sich nicht trauen zu sagen: Ich bin
müde, mir reicht’s, basta, ich will ins Bett, ich will schlafen, ich habe keine
Lust den Hof zu fegen, ich habe keine Lust mein Zimmer aufzuräumen, ich habe
keine Lust wach zu bleiben. Ich bin müde. Egal, ob meine Seele baumelt. Wenn
ich schlafen gehe, kann die gleich mit schlafen gehen. Dann ruhen wir uns beide
aus und da braucht keiner einen Baum oder ein Seil oder eine Baumelei. Das geht
ganz einfach mit schlafen. Aber das ist wohl den Besserwissern zu schlicht.
Schlafen. Vor allem: Was machen die Leute, die vergessen ihre Seele wieder vom
Baum abzunehmen? Die weht dann tagelang im Wind herum, oder im Regen, wird
nass, oder dörrt vollkommen aus, weil die Sonne ständig scheint. So im warmen
Bett, da kann der Seele nichts passieren. Da ist es weich und warm, ein
bisschen feucht und ein bisschen trocken. Die Sonne scheint morgens durch das
Fenster und nachts guckt der Mond herein. Mehr kann sich keine Seele wünschen.
Und ich auch nicht.“ Karl-Robert geht ins Bett.
Günter Krass - Katrin, such die Brille!
„Katrin, du hast mit meiner Brille gespielt, jetzt such
sie!“ Der Vater ist ungehalten. Er will die Tageszeitung lesen und kann seine
Brille nicht finden. „Das war doch gestern, als ich mit ihr gespielt habe...“
Katrin versucht zu erklären, dass sie gar nicht wissen kann, wo die Brille ist.
„Seit gestern habe ich auch nichts mehr lesen können“, sagt der Vater. Sein Ton
wird bestimmter. Er will jetzt unbedingt die Zeitung lesen, den Sportteil vor
allem, und da, wie seine Lieblingsmannschaft Rotweiß Oberhausen gespielt hat.
Grünweiß Unterhosen nennt Katrin sie immer. Sie kann das Wort Oberhausen oder
Oberhosen oder Unterhausen oder Wochenendhosen nicht mehr hören. Sowieso: Immer
Rotweiß oder Rotwein Oberhausen am Wochenende, das nervt doch auf Dauer. Katrin guckt trotzdem nicht genervt,
sondern eher geknickt auf den Boden, um so zu tun, als ob sie die Brille suche.
Sie hat sie gar nicht gehabt. Nur gestern kurz. „Hab sie schon! Alles klar!“
Der Vater klingt fröhlich entspannt. „War noch auf der Stirn. Weiß gar nicht,
wer die da hingesteckt hat...!“ Er lacht, als hätte er einen Witz gemacht.
Katrin entschließt sich, Fußball zu hassen.
Als die Astronauten ihre Helme abgenommen hatten...
Uwe: Was hast du denn gedacht?
Bert: Ja eben nicht.
Uwe: Dann wärst du wohl jetzt schon umgekippt.
Karl (leise) : Mir ist schlecht.
Bert: Das weiß ich selbst, dass ich umgekippt wäre. Aber warum haben wir drei Jahre die blöden Helme getragen und Sauerstoff aus der Tube geatmet?
Uwe: Dose.
Bert: Wie, Dose?
Uwe: Aus der Dose geatmet.
Bert: Ich habe durch den Helm geatmet, also, im Helm.
Karl: Mir ist schlecht. Die Luft bekommt mir nicht.
Uwe: Vielleicht hast du was Falsches gegessen.
Karl: Wieso gegessen?Wir werden doch künstlich ernährt.
Uwe: Dann eben getrunken.
Bert: Kotz bloß nicht in deinen Helm.
Uwe: Er hat doch gar keinen auf.
Bert: Vielleicht liegt es an der Luft.
Karl: Sag ich doch.
Bert: Komm, wir holen unsere Helme und setzen die wieder auf.
Uwe: Gute Idee.
Karl: Und wenn's mir, ich meine...weil mir doch schlecht ist.
Uwe: Du hast doch gar nichts gegessen.
Karl: Stimmt ja.
Bert: Hast du denn was getrunken?
Karl: Quatsch! Ich bin vollkommen nüchtern.
Bert: Ich meine was Falsches getrunken, wie man was Falsches essen kann, zum Beispiel Mineralwasser.
Uwe: Oder Apfelsaft.
Karl: Nicht so lange noch Bier im Kühlfach liegt.
Uwe: Na, dann ist ja gut.
Bert: Wie viel ist denn noch da?
Karl: Keine Ahnung, ich habe nicht gezählt.
Uwe: Kommt, wir gehen mal gucken.
Bert: Und die Helme?
Uwe: Ach, die Helme, die Helme. Du mit deinen Helmen.
Bert: Jetzt ich mit meinen Helmen. Ich habe erstens nur einen Helm und zweitens hast du zuerst den Helm abgesetzt, obwohl das verboten ist.
Uwe: Super, jetzt kommt wieder diese Tour.
Karl: Mir ist schlecht.
Uwe/Bert (zornig): Dann setz endlich deinen blöden Helm auf!
Karl: Und dann?
Uwe: Setz ihn auf!
Bert: Setz ihn verdammt noch mal auf! Ich kann's nicht mehr hören!
Karl: Ist ja gut.
Alle ab und Helme holen, dann Bier zählen.
Wolf Wunderschreck - Niemand (2014)
niemand liebt dich
niemand nährt dich
niemand tröstet dich
niemand fragt dich
niemand antwortet dir
niemand ist für dich da
niemand macht dir platz
niemand bietet dir einen stuhl an
niemand legt sich neben dich
niemand braucht dich
du bist niemand
niemand nährt dich
niemand tröstet dich
niemand fragt dich
niemand antwortet dir
niemand ist für dich da
niemand macht dir platz
niemand bietet dir einen stuhl an
niemand legt sich neben dich
niemand braucht dich
du bist niemand
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