Zwölftonmusik - Was soll das?

Mögen Zwölftonmusik, wenn's gut klingt.
Musik lässt sich nicht einfach beschreiben. Oft fehhlen die Worte und man muss versuchen, seinem Gefühl Ausdruck zu geben. Das kann sein durch rhythmisches Hin-und Herbewegen des Oberkörpers, wie es vom Hospitalismus her bekannt ist, oder aber durch schlichte Bewegungen der Hand, die an das Dirigieren des Profis erinnern oder einfach an das Herunterdrücken des Stampfers oder Stempels einer Kaffeekanne für Aufgusskaffee. Esoterische Kreise entwickeln Tänze, die für alle verpflichtend sind und wobei wallende Gewänder in bunten Farben getragen werden müssen, oder stampfen stundenlang mit den Füßen auf Lehmboden, um in eine Art Trance zu verfallen. Das heißt doch: Musik geht ins Ohr und kommt aus dem Körper wieder heraus. Schlechtestes Medium ist dabei das Wort. Ein gefühlvoller Grunzlaut sagt mehr als ein wohlartikuliertes Ssssuper oder Ganzgroßeklassebesondersdiecelli.

Musik kann aber auch fassunglos machen. Das hat sie zur Zeit der Wende zum 20.Jahrhundert durch die Zwölftonmusik. Was andere als Ausdruck der kriegsvorbereitenden, imperialistischen Tendenzen in Europa interpretieren, ist wohl nichts anderes als Bequemlichkeit gewesen: Wo der ernsthafte Tönesetzer nach Ideen, nach Melodien sucht, rattert der Zwölftöner sein schlichtes Repertoire runter. Seriell, einer Maschine gleich, spult er eine wirre Reihe von 12 Tönen ab, wobei sich keiner wiederholen darf, bevor nicht die anderen 11 gespielt worden sind. Eine Wahnwitzidee! Selbst die DGG hat sich trügen lassen und Kompositionen aus der Baukastenwerkstatt der Zwölftöner veröffentlicht. Der Clou: Sie hat damit auch Geld verdient, weil der Hörer und Käufer nämlich auch bequem ist und sich von den gelb-weißen Covers der DGG beeindrucken lässt, anstatt einmal richtig hinzuhören. Wer merkt denn wirklich in all dem Gewirr, ob die 11 anderen Töne gespielt worden sind, bevor das eingestrichene As zum zweiten Mal ertönt? Da schweigt man doch lieber, als sich eine Schwäche einzugestehen.

Das Schlimmste aber ist, dass es Menschen gibt, die solche Konstruktionsmusik, die jeder Computer schnell mal raushauen kann, anscheinend genießen, die sich wohlig in den Sessel drücken, die Beine heben und seufzen ob des ernstzunehmenden Kunstwerkes, ob der Gefühlsgewalt, die dem Hörer angetan wird, im Positiven natürlich.
Da kann man sich doch nur ein Beadauern abringen, dass hier werbetechnische Bauernfängerei - wobei das Wort schon fehl am Platze ist, denn ein Bauer besitzt genügend Selbstachtung, um sich nicht durch eine Zwölfton-CD zu quälen - mit der Blasiertheit des Bildungsbürgertums gepaart wird, und so dem Schnellschnell-Komponisten, dem nichts Schönes mehr einfällt, den Lebensunterhalt  sichert.
Da ist der Griff in die Schlagerbox zu verstehen.Eskapismus nennt der Psychologe das, und der muss es ja wissen, weil er sein Geld damit verdient.



Parabel: Auf beiden Augen blind

Pawel "Pablo" Pikass: Wenn die Welt
rot sein soll, steck rote Gläser
in deine Brille" (2014)
Da setzte sich der Mann zwei Augenklappen auf und fühlte sich wie ein doppelter Seeräuber.
"Jetzt bin ich unsichtbar!", sagte er und hatte recht.
Er konnte sich nun nicht mal mehr im Spiegel betrachten und war für einen Menschen auf der ganzen Welt unsichtbar, für sich selbst nämlich.
"Auf in den Kampf, es gibt zu tun, packen wir's an!", sprach der Mann weiter und zitierte den berühmten Tiger im Tank, eine der häufigst erwähnten Alliterationen der Werbebranche zu Zeiten der Ölkrise oder danach.
Kurz darauf rannte er vor einen Laternenpfahl und trug eine Platzwunde davon, denn die Laterne hatte ihn wohl nicht kommen gesehen.
"Siehste!", sagte der Mann und fühlte sich in seinem Unsichtbarsein bestärkt.
"Eben nicht", dachte die Laterne und machte das Licht aus.

Assistent vom Weihnachtsmann

Der neue Assistent des Weihnachtsmannes heißt Ruth Knepprecht und ist weiblich.
Knut Rechtrepp und Recht Knupprecht zogen den Kürzeren, da sie männlich waren.
Zu Recht Knupprecht wurde während des Verfahrens noch geäußert, der Name erinnere zu sehr an "recht knusprig", was wiederum eine Diskriminierung der Brathähnchen darstelle.
Letzterer will aber vor das Arbeitsgericht gegen diese Bemerkung ziehen.

Heute vor 6 Jahren in Bodos Welt: Berufsziel: Diktator


Neben Alligator und Elevator gehört auch der Diktator zu den Berufen, deren Bezeichnung kaum jemand kennt, aber den aus dem Bauch heraus viele ergreifen wollen. Ich weiß nicht, was der tun muss, aber ich finde, das klingt so schön, so akademisch: Diktator. Das hört man Ausbildungsplatzsuchende sagen, und auch die ältere Generation schwärmt von den Möglichkeiten, die die Ausbildung bietet. Sagen, wo's langgeht. Sprechen, und alle müssen zuhören. Müssen, Betonung liegt auf müssen!
Blödsinn herumschreien und alle klatschen Applaus.
Vermutet man das Wort in der Nähe des Diktiergerätes, so liegt man nicht falsch: Der Diktator sagt, was das Diktiergerät aufnehmen soll. Heute hat man digitale Geräte, deren Aufzeichnungen man problemlos löschen kann.
Früher war das Volk das Diktiergerät, das alles ins Hirn schrieb, was der Meister sagte, und anschließend in die Tat umsetzte, egal, welcher Schwachsinn, welcher menschenverachtende Unsinn den zynischen Lippen entsprang. Das Diktiergerät hatte es sowieso nicht verstanden, aufgrund eines irreparablen Sprachfehlers des Sprechers, hatte aber alles aufgezeichnet. Aufgezeichnet, sagte der Diktator, und meinte ausgezeichnet. Dem Volk war es egal, Hauptsache es hatte eine feste Anstellung, denn Diktiergeräte mussten nicht denken. Ob aufgezeichnet oder ausgezeichnet - worin liegt denn schon der Unterschied?
Missverständnisse in Aussprache und Aufnahme haben zu den größten Katastrophen der Menschheit geführt. Warum will niemand Posh Spice werden? Weil das fast polnisch klingt, weil vor lauter S- und Sch-Lauten die Arbeitsplatte schwimmt! Diktator, ein gutes Wort. Kein s, kein sch. Etwas für Leute mit Sprachfehler. Manchmal reicht es auch, nicht malen zu können.

Tonnes Tagebuch: Zukunft und Kaffeefilter

Liebes Tagebuch!
Heute morgen dachte ich, ich könnte mal etwas über meine Zukunft erfahren und warf einen Blick auf meinen Kaffeefilter, denn der Satz in der Tüte soll ja etwas darüber sagen, wie es mit einem weitergehen könnte. Der Filter aber war irgendwie zusammengeklappt, er wirkte verschlossen, so als wolle er nichts von seinem Inneren preisgeben, nichts von dem Satz, den ich lesen müsste.
Den Satz lesen!, das ist doch auch absurd!
Im Satz lesen!, noch absurder.
Ist denn sogar der Kaffee bedeutungslos, der da vor sich hingammelt?
Hat fair gehandelter mehr Zukunft als der konventionelle, der mit Sklavenarbeit produziert wird, aber billiger auf den Markt kommt?
Kaffee! Ja früher hieß der Negerschweiß. Das darf man nicht mehr sagen. Wenn man das damals gewusst hätte, als man im Kaffeesatz gelesen hat, dann wär man heute auch nicht schlauer!
Stell dir mal vor, du wachst morgens auf, hast gerade deinen Koffeinschub getankt, der Filter liegt in der Ablage und du versuchst in die Zukunft zu blicken und liest in deinem Kaffee den Satz: In Zukunft heißt Kaffee nicht mehr Negerschweiß.
Was hätte man denn davon halten sollen?
Sag mal, Kaffee, spinnst du jetzt völlig? Negerschweiß sagt man doch heutzutage auch nicht mehr, auf jeden Fall nicht laut. Wenn, dann denkt man das doch.
Oder in dem Satz steht zu lesen: Schwitzen heißt demnächst transpirieren.
Was sollte denn das sein?
Und dann steht da noch: Aber es wird ein Mittel dagegen geben, mindestens aber gegen den Geruch von Schweiß: Das Deo.
Deo haben wir doch damals für den schlecht ausgesprochenen Namen Theo gehalten.
Und was würde es nützen, wenn ich heute in den Kaffeesatz schauen würde?
Demnächst gibt es ein Flomps.
Ja, was soll das denn sein?
In zwanzig Jahren wirst du es wissen, wird die Tüte sagen, in der der Satz steckt.
Im Moment ist das nicht relevant.
Aber Zukunft, das sind mindestens 20 Jahre sagt der Satz.
Ja, meine Güte, vielleicht habe ich gar keine Zukunft mehr, Tagebuch!
Ich steige auf Tee um, das ist erst mal ein Schritt.


Selfies im Kommen

Sich selbst mit dem Handy fotografieren und überall herumzeigen, obwohl es keiner sehen will, das ist schwer im Kommen. Sogar Prinz Harry Brot  hat sich diesem Hobby verschrieben und versucht, endlich eine passende royale Geliebte zu bekommen, deren Tischmanieren auch Großmutter gefallen.
Leider ist es hellblauen Taschen für poussierliche Damen nicht möglich, sich selbst zu fotografieren, obwohl die Taschen sich für schön halten und gerne von anderen wahrgenommen werden möchten.

Neuerdings gibt es Menschen, die ehrenamtlich Handtaschen mit dem Handy fotografieren und dann ins Internet stellen, damit auch diesen Mitobjekten in der Heilen Welt Genüge getan wird.
Eine schöne Idee. Es werden aber noch Sponsoren gesucht, die den Handtaschen ein Handy kaufen, damit die Fotos nicht immer auf den Smartphones fremder Leute verweilen und dort zweckentfremdet werden.

Optische Täuschungen: Mieze

Quasimir Malewisch: Katze mit lila Kugel
auf dem Kopf (2014)
Das hat Malewisch doch mal richtig gut hingekriegt. Was von Weitem aussieht wie eine Frau mit nacktem Oberkörper, ist in Wirklichkeit eine  Katze mit einer lila Kugel auf dem Kopf.
Die optische Täuschung ist mehr als gelungen und bedient nicht nur das klassische Wunschdenken des Betrachters, sondern spielt auch mit seinen geheimsten Wünschen.
Wer wollte nicht als Kind schon mit der Katze spielen, wenn er an sie herangekommen wäre?
Die aber zeigte die Krallen und fauchte, wenn man zu nahe kam.
Dann zischte der Zurückgewiesene: Ich wünschte, miese Mieze, du hättest eine lila Kugel auf dem Kopf, die könnte ich dann wegschnipsen, sodass sie einem Hund an den Kopf flöge, der dann meinte, dass du sie geschossen habest, woraufhin dieser sich dir blitzartige näherte, um dich zu malträtieren. Wie auch immer das aussähe. Verdient hättest du es allemal. Ich wollte ja nur kraulen.Soweit der Zurückgewiesene.
Das alles und noch viel mehr hat Malewisch, den man salopp auch Malewischundweg nennt, in seinem Bild vermalt. Da ist kein Tropfen Farbe zu viel.

Neo-Land Art: Hein Hopp - Rasen

Hein Hopp: Rasen (2014)
Georg Krakl: Rasen (2014)
Rasen steht.
Rasen wächst.
Rasen ruht.

Rasen rast nicht.

Hund und Herr: Lyrikhund

Pawel "Pablo" Pikass: Hund, Herr und Sonne (2014)
Herrchen: Hund, was reimt sich auf schlau?
Hund: Wau!
Herrchen: Hund, was reimt sich auf rau?
Hund: Wau!
Herrchen: Hund, was reimt sich  auf Kaninchenbau?
Hund: Wau!
Herrchen: Hund, was reimt sich auf Frau?
Hund: Wau!
Herrchen: Hahaha! Braver Hund! Was reimt sich auf Feischbeschau?
Hund: Wau!
Herrchen: Ganz genau!
Hund Wau!
Herrchen: Nicht vorsagen!
Hund: Wau!
Herrchen: Hund, was reimt sich auf ganz genau?
Hund: Wau!
Herrchen: Ein schlauer Hund, das ist echt ne Schau!
Hund: Wau!
Herrchen: (tätschelt den Hund am Kopf) Du kleine Sau!
Hund: Wau!
Herrchen: (wirft dem Hund ein Leckerli auf den Boden) Belohnung, Hund! Kau!
Hund: Wau!
Herrchen: (spricht stolz zu sich selbst) Ein Lyrikhund. Toll. Wahnsinn.
Hund: (denkt, dass sein Herrchen die letzte Mettgurke im Ort ist, die glaubt, dass ein Hund reimen könnte, dass sein Herrchen ein Blötschkopp und Dummhansel ist, der nicht mal richtig an der Leine gehen kann) Wau!
Herrchen: Hahaha! Das hat sich aber jetzt nicht gereimt.


Anklicken:
Mal gucken, wie Herr und Hund im Film aussehen.

Wie der Herr, so der Hund

Pawel "Pablo" Pikass: Hund und Halter (2014)
Das sagte der Hundehalter zum Hund: Wir haben vieles gemeinsam, lieber Hund, ich habe einen Eierkopf und dein Kopf ist auch nicht schön. Ich gehe nicht gerne an der Leine und du auch nicht. Ich esse gerne Fleisch und du auch. Ich mag kein Dosenfleisch, aber dir ist das egal.
Und da geht es auch schon los. Ich beiße keine Briefträger, du aber mit Genuss und ich kacke nicht auf den Rasen des Nachbarn, weil ich nicht will, dass mich seine Frau dabei beobachtet. An seine Forsythie habe ich schon gepinkelt, als bei der letzten Gartenfete das Klo besetzt war. Du pinkelst an alles, was wie ein Busch oder eine Katze aussieht, selbst wenn ein Klo frei wäre. Man sagt zwar "Wie der Herr, so's Gescherr!" Das stimmt aber nicht, denn Menschen können denken und Hunde merken überhaupt nicht, wenn sie denken könnten.
Ganz wichtig: Hunde zählen nicht zu Gescherr!
Wer einen Hund überfährt, begeht juristisch höchstens Sachbeschädigung.
Also, reiß dich zusammen und komm demnächst gefälligst, wenn ich dich rufe.

Weisheit der Hühner: Fragen

Ein geschlachtetes Huhn fragt man nicht,
ob es noch ein Ei legen will.

Barbie und der pinkepinke Himmel

Barbie I. war klar: Der pinkepinke Himmel fraß die blaue Wirklichkeit.
Man musste nicht auf Droge sein, um den Himmel pink zu sehen. Man musste Barbie sein. Barbie I.
Barbiturate!, hatte irgendwer gescherzt. Dem war das Lachen vergangen.
Das durfte nicht sein. Disharmonie, was auch immer das sein mochte, Disharmonie zerstört das Gefüge der Welt, hatte Großmutter gesagt.
Gefüge, Gefüge, was auch immer das sein mochte, man konnte es zerstören.
Barbie I. sah an sich herunter: Ein schönes Gefüge, besonders da vorne. Das durfte nicht zerstört werden. Vorsicht vor Disharmonie! Wie mochte die wohl aussehen?
Vielleicht hellblau.
Egal, wenn sie käme, würde ihr das Lachens schon vergehen.
Der pinkepinke Himmel frisst die blaue Wirklichkeit, dachte Barbie I. Und wenn schon!


Pinkwelt



Auch die pinken
Klinken
öffnen Türen.

(Sagen wir: In Düren)



Brausender Beifall oder tosender Applaus?

Der Schreiber in örtlichen Tageblättern neigt zur Alliteration, um zu belegen, dass er mit den großen Klatschkolumnisten mithalten kann. Der gleiche Anlaut ist Pflicht und die Wortwohl wird ihr untergeordnet.
Brausender Beifall - Was soll das sein? Tosender Applaus ist als feststehender Wert bekannt, aber brausender Beifall muss sich noch in die Skala der differenzierten Geräuschäußerungen arbeiten. Immerhin kann der Künstler grob abhören, was das Publikum von seinen Produkten hält.
Brausend - Dieses Partizip Präsens, das die Dauer des Vorgangs verdeutlichen soll, ähnlich einer Gießkanne, die die Gartenblumen sanft beregnet, oder ähnlich einem Duschkopf, der einen Menschen berieselt, zeigt an, dass der Vorführende oder Vorgeführtgehabthabende einen dezenten Beifall verdient, der nicht das Tosen der Welt abruft und kein Erdbeben initiiert, aber doch stetig und rege herabplätschert. Prasseln wäre da schon eine Steigerung.
Dem Brotlosen drängt sich auf, dass die Applaudierenden kurz vor der Langeweile gesessen haben und nun froh sind, dass der Akt vorüber ist. Niemanden hat es vom Sessel gerissen, aber man ist allgemein angetan, vielleicht mäßig bis mittelmäßig.
Der Autor des Textes wollte vielleicht ausdrücken, dass der Applaus kräftig war, hat es aber vorgezogen, sich selbst darzustellen und seine persönlich empfundene Kunstfertigkeit im Bereich Schreiben und Schmieren in den Vordergrund zu stellen, sodass der eigentliche künstlerische Akt in den Hintergrund geraten ist und zudem noch falsch umschrieben wurde in puncto Klatschen.
Ein Katalog der brauchbaren Metaphern wäre interessant, um Missgriffe zu vermeiden und die Künstler nicht dergestalt zu frustrieren, dass sie demnächst verweigern aufzutreten.
Jeder mag Überlegungen anstellen, was folgende Applauskomponenten bewirken könnten:
Kraftstrotzendes Klatschen, totales Trommeln mit den Füßen, stattliches Stampfen, klangvolles Klappern der Hände, zünftiges Zusammenschlagen der Handflächen, achtbarer Applaus, betroffener Beifallsorkan, heftige Huldigung, großzügiges Gefallen, jovialer Jubel, respektable Resonanz. Alles in Form von Klatschen, Grunzen und Füßetrampeln.
Also, einfach mal ausprobieren und gucken, was passiert.
Den Schreibern aber sei geraten, zu schreiben ohne zu schmieren. Alternierende Alliterationen sind allemal allen angeraten, damit der Zwangscharakter des Eindruckschindens nicht zu deutlich wird.


Weisheiten der Hühner: Legen und Brüten

Bevor ein Ei nicht gelegt ist, sollte man nicht mit dem Ausbrüten beginnen.

Tippelnde Menschen

Ernst Broch: Tippelbruder (2014)
Immer häufiger sieht man Menschen, die sich komisch anmutend durch die Gegend bewegen, oft haben sie einen Hund dabei, den sie in tippelnden, hektischen Schritten auf dem Verdauungsgang begleiten, manchmal haben sie Stöcke, an denen sie sich festhalten, um nicht umzukippen.
Gelegentlich aber stochern Menschen mit angewinkelten Armen ohne jedes Hilfsmittel durch die Gegend, das Gesicht bleich oder puterrot, die Mimik erinnert an die Vorstufe zur Panik.
Fragte man sie, wohin des Weges sie laufen, lautete die Antwort in der Regel: Nach Hause.
Fragte man, woher sie kämen, wäre die Antwort dieselbe: Von zu Hause.
Welchen Sinn aber kann man aus einer Bewegung ableiten, deren Ziel es ist, am Start anzukommen?
Zwar haben diese Geher eine Stunde in ihrer Bewegung verbracht, sind aber keinen Meter vorangekommen, weil sie ja wieder zu Hause sind, da, wo sie vor 60 Minuten begonnen haben. Wie enttäuschend muss es sein, sich bewusst zu machen, dass sie da sind, wo sind immer schon waren. Was bedeutet das für ihre Entwicklung? Für ihre Größerwerdung als Mensch?
Aber Jesus hat doch gesagt, er sei das A und das O, der Anfang und das Ende!, wenden die Beweger ein, und doch verstehen wir nicht, was sie damit meinen.
Immerhin kann man ihre Bewegungsstrecke, wäre der ein roter Faden, durch Strecken und Ziehen zu einem Kreis machen, sodass mindestens der blasse Eindruck entsteht, man habe sich in einer idealen geometrischen Figur bewegt.
Aber: Auch das Hamsterrad ist rund.
Und irgendwie erinnern die zähen Männer und Frauen, wenn sie mit verbissenen Gesichtern Hund, Stock oder angewinkelte Arme durch die Gegend quälen, an Hamster, an Feldhamster vielleicht, die ja bekanntlich auf der Roten Liste stehen.
Und trotzdem: Ein Rest Unverstehen bleibt.
Und wir haben einen Grund, still im Sessel hocken zu bleiben, denn man muss ja nicht alles mitmachen.

Bruno und die Zauberpumps (2)

Bruno hatte der Versuchung nicht widerstehen können. Zum dritten Mal schlüpfte er in die Pumps Größe 45 aus dem Internet, die so aussahen, wie die seiner Chefin, nur eben 5 Nummern größer. Und das war ja auch der Sinn: Mindestens fünf Nummern größer zu sein als diese Dame, die roch als hätte man sie bei Douglas in die Bestäubungskammer gesperrt, dort wo lebenslängliche Düfte unter Hochdruck den Objekten und auf Wunsch den Menschen eingebrannt wurden, oder wie man das nennen sollte.
Bruno bemerkt heute schon vor dem Anziehen der Schuhe dieses Hochkochen der Kraft, der Macht, der ungebremsten Aggression.
Ich trete in dich rein, du Scheißschuh!, rotzte er raus, und dann ging auch schon die Tirade los. Bruno war wie von Sinnen, ein Außenstehender hätte ihn dem Tourette-Syndrom zugeordnet.
Weder er noch die Chefin kamen gut bei der Sache weg. Der Spiegel, vor dem er zum dritten Mal stand, war übersät von Speicheltropfen und klebrigeren Substanzen, irgendwie hatte er heute ganz tief unten ausgeholt.
Bruno schwankte ein bisschen und lehnte seinen Kopf an das kühle Spiegelglas.
Als er die Augen aufmachte, stand er vor einer Stollenwand. 70er Jahre.
Was ist das denn?, fragte Bruno leise, und seine Hand fuhr vorsichtig über die Regale, die kein Staubkörnchen aufwiesen.
Ledersofa, ach du Scheiße, entfuhr es Bruno, wo bin ich hier gelandet?
Mit einem Ruck ging die eichenfurnierte Tür auf und ein großer, ungeschlachter Kerl mit ungekämmten Haar kam herein und brüllte: Hör mal, Freundchen! Du hast mich wieder zugeparkt! Denk mal über dein Sozialverhalten nach, das lass ich mir als Trollo, und vor allem in meiner Funktion als Obertrolol nicht bieten! Vor allem nicht von einem Mädchen. Fahr deine Karre mal ganz schnell weg, bevor die Schwarze Gräfin die spitze Nase dran kriegt!
Bruno war wie gelähmt.
Zugeparkt? Trollo? Obertrollo? Klar, Trollos kannte er auch, oder Trolli, wie er sie heimlich im Plural nannte. Und der hier sah doch genau wie Menke aus, Manni Menke, der Lieblingswasserträger der Chefin.
Schwarze Gräfin? Wo war er gelandet.
Und nimm die Finger von der Stollenwand, Meister, sonst setzt es einen Satz heiße Ohren!, zischte Menke und holte Bruno zurück in die Wirklichkeit und in den Sozialraum der Schwarzen Gräfin.
Setzt es einen Satz, dachte Bruno, typisch Menke. Sprachcode oder Sprachkot?

Bald geht es weiter mit Bruno und den Zauberpumps.

Vincent van Eijnoor: Boris B. (einäugig) (2014)

Vincent van Eijnoor: Boris B. (2014)
Er sei damals ziemlich einäugig gewesen, als er sich in der Besenkammer versteckt habe. Dort sei er von einer hinter einem Putzeimer kauernden Raumpflegerin begriffen worden, woraufhin er ein Kind mit dieser gezeugt habe.
So Boris Decker, der sich kürzlich von Vinvent van Eijnoor hat porträtieren lassen.
Eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Bild von van Gogh sei da, der habe auch so eine hässliche Mütze, die jetzt aber, falls die Russen kommen, richtig schick werden dürfte. Auf jeden Fall sei die Anzahl der Ohren erheblich höher und das eine Auge sei auch nicht tragisch, denn auf dem sei er sowieso blind, wenn es um die Liebe gehe, wobei die Sache in der Besenkammer ja keine richtige Liebe gewesen sei, weil dafür nicht auch noch Zeit gewesen sei.
Das mit dem Bild sei aber in Ordnung, das habe so einen Symbolcharakter, dass man gar nicht weggucken könne.
Zugegebenermaßen habe aber van Gogh einen Knopf mehr an der Jacke und eine Pfeife im Mund. Wenn schon Rauchen, dann Zigarre, dann sehe er auch wieder dem Ben Becker ähnlich, der ja maßgeblich ein guter Schauspieler sein solle.
So weit, so gut.
Dass der Boris den Konjunktiv Eins fast durchgängig durchgehalten hat, ist aber dem Redakteur dieses Artikels zu verdanken.


Erst mal die Pumps tragen

Hans Arpel: Pumps (2014)
Bruno hasste seine Chefin.
Bruno war Indianerfreund.
Bevor du über jemanden urteilst, trage erst mal eine Meile seine Mokassins.
Brunos Chefin trug Pumps.
Wenn sie ein Mann wäre, könnte man sie cholerisch nennen. Aggressive Hysterie. Das war vielleicht der passende Ausdruck. Unfähigkeit verschleiern durch Rumbrüllen, Untätigkeit überdecken durch Zynismus. Bruno entschied, dass sie längst entlassen worden wäre, wenn die Chefin auch einen Chef gehabt hätte.
Er war nicht der Chef. Er musste die hysterische Aggressivität kompensieren.
Bruno wollte kein Opfer sein. Bruno wollte sich wehren.
Bevor du über jemanden urteilst, trage erst mal seine Mokassins. So oder so ähnlich hieß es doch.
Brunos Chefin trug Pumps. Nylonstrümpfe in Pumps. Hörte sich an wie Champignons in Bierteig.
Bruno lachte. Champignons mit Sch aber, murmelte er.
Im Internet hatt er sich Pumps bestellt. Größe 45. Übergröße. Bruno hatte Schuhgröße 45. Bei 45 war Schluss gewesen im Internet. Bruno hatte Glück gehabt.
Die Nylons waren nicht so wichtig, er hatte billige genommen, die musste er nur bis über die Knie ziehen und dann rein in die Dinger.
Riesig. Das waren Kähne. Sein alter Chef Günter hatte damals Sekt aus den Pumps seiner Angebeteten getrunken. Vor den Mitarbeitern. Aus Günter und der Angebeteten war aber nichts geworden.
Riesige Dinger. Brunos Füße waren wie geschaffen für die Schuhe.
Als er losging zum großen Spiegel, stieß er mit dem Kopf an die Wohnzimmerlampe und den Türrahmen zum Flur. Wahnsinn.
Bruno merkte, wie er innerlich zu kochen begann, wie die Kraft in ihm hochstieg, wie er richtig wütend wurde, auf die Chefin und vor allem auf sich.
Du Loser! Du Pimpf! Du Arschkrampe!, schrie er in den Spiegel. Sein Speichel flog auf das Glas und hinterließ kleine Tropfen. Du Niete, du Oberniete, du nichtsnutzige Oberkrampenniete!
Bruno schnaubte. Es war raus. Er hatte es rausgelassen. Das war richtig gut gewesen!
Bruno blickte auf die Speicheltropfen auf dem Spiegel.
Jetzt aber schnell raus aus den Pumps! Die mussten sowieso noch geputzt werden.
Morgen war ja auch noch ein Tag.

Gesichter sehen

Überall sah Rob Gesichter und Köpfe, selbst in der Schnittfläche gefällter Bäume.
Was mag in diesen Köpfen vorgehen, fragte er sich und überlegte, wie viel Jahre wohl dieses Gesicht im Bauminneren verharrt hatte, um endlich durch die Motorsäge ans Licht zu kommen?
Wenn er genauer hinsah, dann ähnelte das Baumgesicht einem älteren Fräulein, denn das war sie ja wohl auf jeden Fall, weil sie den Baum bisher nicht verlassen hatte, es ähnelte einem älteren Fräulein, dessen Augen tief in den Höhlen lagen und dessen Kopfkochenstruktur durch die pergamentene Haut schimmerte. Man konnte der Frau nicht in die Augen schauen, so dunkel, so tief, so verborgen waren die.
Wer aber könnte Vertrauen fassen und mit ihr ein Wörtchen wechseln? Denn war nicht ein Sinn der menschlichen Existenz die Kommunikation?
Rob hatte der Alten eine rote Zunge gemalt, denn Rot stand für Leben, für Erotik.
Die hohe Stirn gab der Dame etwas Verschlagenes, etwas Hinterhältiges, etwas Hexenartiges.
Verschlagene Erotik, das ging doch gar nicht.
Rob hofft, dass bald Moos über die Angelegenheit wachsen würde.
Überhaupt: Das  mit dem überall Gesichter Sehen, das musste er sich mal abschminken.
Die Säge war schuld. Falsche Stelle. Falscher Schnitt. Fair Schnitt wäre angesagt gewesen. So war das nur Verschnitt.
Rob wünschte sich mal ein schönes Gesicht, so eins wie es in der Buche steht.

Unregelmäßige Verben optimieren

Opa hat mir gehelft, sagt das Enkelkin und der Opa korrigiert natürlich, damit das Enkelkind sich korrekt ausdrücken kann. Opa hat geholfen, sagt er und nickt dabei.
Dem Enkelkind war nur die Hilfe wichtig, dem Opa das korrekte Sprechen.
Zwei Tage später denkt der Mann über das Erlernen von Sprache nach und findet, da ihm kein Reiomwort auf helfen einfällt, das es doch ziemlich aufwändig ist, dass ein Mensch für ein einzige Verb, das stark und unregelmäßig ist, eine grammatikalische Spitzfindigkeit lernen muss. Helfen, half, geholfen. Kein Reimwort, kein effektives Ausnutzen dieses Lernvorhangs ist möglich.
Belfen, delfen, melfen, gelfen, nelfen, spelfen - denkt der Opa und überlegt, nachdem er die Stammformen entsprechend gebildet hat - belfen, balf, gebolfen, delfen, dalf gedolfen, - überlegt, was denn diese Wörter, die man dem Kanon der bestehenden zufügen müsste, bedeudeten sollen, damit sie auch benutzt werden.
Belfen etwa könnte bedeuten, dass der Helfer zwar geholfen hat, aber nur ein bisschen, deshalb das b vorn. Er hat gebolfen ist etwas ganz anderes als beholfen oder unbeholfen.
Delfen - da hat man doll geholfen und vielleicht sogar eine Delle hinterlassen, vielleicht auf dem Brustkorb nach einer Reanimation.
Nun, denkt der Opa, da sollen sich die Sprachforscher die Köpfe zerbrechen, er hat jedenfalls ganz schön geschwolfen. Schwer geholfen, heißt es eigentlich, aber so klingt das doch eleganter und schneller. Zeitgemäßer eben.
Gegolft oder gegolfen, da scheiden sich noch die Geister. Aber was sollte golfen schon anderes meinen, als sinnlos in der Gegend mit kleinen Bällen herumzuschießen, und dabei das Grundwasser abzusenken, damit das Grün schön grün bleibt?
Gelfen, galf, gegolfen- so muss es ja auch korrekt heißen, aber das merkt der Reiche ja nicht, weil er ja hin und wieder von einem Golfball am Kopf getroffen wird, wonach ihm dann gegolfen werden muss. Was auch immer das bedeuten mag.Gegolfen. Will doch keiner wissen, und der am Kopf Getroffene hat es schon vergessen.
Schwere Sprache, die Sprache.

Dampfender Stuhl

Kurt betrachtete seinen Stuhl. Der dampfte. Definitiv.
Dampfender Stuhl.
 Am frühen Morgen dampfende Stühle zu sehen, war ihm fremd, verstörte ihn irgendwie.
Der Stuhl dampft, solange er heiß ist. War das nicht ein altes mongolisches Sprichwort?
Der Stuhl ist heiß.
Eine Fernsehsendung?
Es war noch so früh, der Kaffee war noch kalt und die Natur hatte erst vor wenigen Minuten den Tag begonnen.
Es war sein Stuhl der dampfte.
Der war nicht heiß, das wusste Kurt. Die Mongolen, Hatten die überhaupt Stühle? Die lebten doch in Zelten.
Die Sprache war vielschichtig. Mehrdeutig.
Der Heilige Stuhl. Bei uns am Stuhl, sagte die Sekretärin, die an der Uni arbeitete.
Die Sache mit dem Stuhl war sprachlich ein schwerer Gang. Besonders am frühen Morgen.
Definitiv war der Stuhl nicht heißt, sondern die Sonne, die ihn beschein. Der Stuhl war feucht. Und die Feuchtigkeit verdunstete im Gegenlicht.
Basta.
Dampfenden Stuhl sehen

Fotos ohne Inhalt

Was fasziniert uns daran, Bilder zu schießen, auf denen fast nichts zu sehen ist?
Vielleicht nur der Teil eines Balkongeländers, ein paar Baumspitzen am Bildrand und dann die diffuse Leuchtkugel, die wir Sonne nennen, und die sich vor einer Stunde aus den Wiesen erhoben hat, um den Tag mal wieder zu bescheinen.
Was bitteschön könnte die Bildaussage sein?
Und immer wieder geht die Sonne auf? Schlagerweisheiten als Foto?
The sun ain't gonna shine anymore? Langhaarigenromantik aus dem Photoshop für Menschen, die sich das nicht vorstellen können? Die Sonne will nicht mehr scheinen?
Wer's glaubt! Die Sonne zu personifizieren, das ist doch den schlichten Völkern und den braunverbrannten Hautgeschädigten vorbehalten.
Und wenn sie nicht mehr scheinen will, dann steht der Mond parat, der wartet ja nur darauf, ähnliche Anerkennung zu bekommen. Und da sind wir auch schon beim Thema: Wer Fotos schießt, auf denen kaum was zu sehen ist, damit die Menschen ans Nachdenken kommen, der will durch nur Aufmerksamkeit, der will doch nur Anerkennung, der will doch nur dieses: "Ja, toll, schönes Foto! Ist das euer Balkongeländer? Ja, fein, schön, sieht solide aus, ist das neu? Ach, ja? So teuer. Na, trifft ja keinen Armen!" hören.
Widerlich.
Digitalfotografie ist widerlich.
Hier kann jeder losknipsen und hat noch nicht mal das Risiko, dass er wertvolles Material verschwendet!
Wenn ich die Sonne wäre, würde ich mal ein paar Tage mit dem Scheinen aufhören. Nur mal so als Test.

Tag des offenen Loches

Alle Welt hat Tage der offenen Tür, einen Tag der offenen Herzen, der offenen Fenster oder der offenen Öffentlichkeit.
Es wird Zeit für einen Tag des offenen Loches.
Das Denkwürdige ist dabei, dass sich gleichzeitig die Frage stellt: Ist ein Loch denn nicht immer offen? Und wenn es erst aufgemacht werden muss, war es dann vorher geschlossen und somit überhaupt kein Loch, sondern vielleicht eine Wand, eine Bodenplatte oder ein Luftballon?
Die Philosophie greift hier wieder ganz tief in die Kiste mit den dummen Fragen.
Früher machte man sich keine Gedanken über die Definition eines Loches und stellte auch nicht die Frage, ob der Rand mit zum Loch gehört oder ein eigenes Objekt der Wahrnehmung ist.
Wenn ein Loch abgedeckt ist, etwa durch eine Holzplatte, ein Frühstücksbrettchen oder eine Heizdecke, dann wird es der Wahrnehmung entzogen, ist aber fiktiv oder als Imago noch existent, wohl aber nicht in seiner Bedeutung als Abwesenheit von des sie umgebenden Materials. Ein Loch im Kopf war vormals ausgefüllt von Kopfmaterie, also Knochen, Haut und anderen Substanzen. Wird ein Loch im Kopf, wo diese Kopfmaterie fehlt, mit einem Pflaster geschlossen oder etwa mit Montageschaum, so kann man eigentlich nicht mehr von einem Loch sprechen, im Sonderfall höchstens von einem im Kopf, das unsachgemäß geschlossen wurde.
Um diesen Fragen ein paar passende Antworten zu liefern, ist es wohl an der Zeit, einen Tag des offenen Loches zu installieren.
Vielleicht auch um der Begrenztheit des menschlichen Denkens zu gedenken, um zu zeigen, dass die Phänomene der Welt nicht endgültig erklärt werden können und dass es manchmal auch gar nicht lohnt, diese zu analysieren.
Trost für alle: Ein Loch im Knie wächst von alleine zu. Allerdings ist es ja auch kein richtiges Loch, weil man nicht durchs Knie auf die andere Seite des Beines gucken kann.
Was allerdings wieder zu der Frage führt: Muss ein Loch tiefer sein als breit und muss man an der anderen Seite rausgucken können, damit ein Loch ein Loch ist?

Heute: Tag des offenen Maules

Gepflegte Zähne und ein guter Atem, der nicht nach verwester Antilope müffelt, halten möglicherweise den Ordnungshüter von einer Verwarnung wegen Falschverzehrs eines Schoßhündchens ab.

Zur Europawahl: Ein schlankes Kinn

Früher galt das Doppelkinn als Zeichen des gut genährten Politikers, der nicht an Halsstarrigkeit leidet.
Heute, in Zeiten der Diäten, ist Schlankhalsigkeit gefordert, damit man erkennen kann, ob der Parlamentarier ein Rückgrad hat.
"Ich habe mir die Doppelkinnimplantate entfernen lassen, die haben mich sowieso jahrelang gestört, und außerdem waren das diese günstigen aus dem Osten, wo niemand das Haltbarkeitsdatum kennt.
Einen großen Hals  kann ich auch anders haben, den Dingern weine ich nicht nach!", so der bekannte Europapolitiker Elmar Brocken.
Und so strahlt uns der Allerweltskerl Brocken von den Plakaten entgegen, und jeder fragt sich: Verdammt, wer ist das denn, der da so schlankhalsig von der Pappe grinst?
Nun, abspecken soll ja auch der Wähler, denn wenn die Diäten steigen, muss das ja einer finanzieren, und statistisch gesehen hat der Wähler europaweit Übergewicht. Da muss auch mal ein Bierchen weniger drin sein! Auch wenn die Metapher paradox erscheint, ist die Botschaft eindeutig: Fetthals und Fette Jahre, das geht gar nicht.
Also, wählen gehen oder nicht! Sieht doch sowieso keiner.


Monolog der Woche: Horst Hass - Osterfeuer danach

Man denkt, dass es nach Ostern endlich gut ist mit Rauch machen, mit Abfackeln von Gartenabfällen, mit Ins-Feuer-Glotzen und Stockbrot und Biersaufen unter Aufsicht der Feuerwehr.
Der dreiste Ackerbesitzer, der eine Schneise für den Brand geschlagen hat, lässt weiterbrennen. Oder besser: Weiterschwelen. Kann kein Ende finden, legt wahrscheinlich heimlich immer noch was nach, obwohl das verboten ist.
Es stinkt sogar verboten, aber den Riesentreckerreifenbesitzer schert nicht, wenn es dem Zugereisten oder dem Kleinkötter in die Schlafstube kriecht und sein Schlaf sich zu einer pestilenzverbreitenden Tortur entwickelt, die nicht nur Kofschmerz bereitet, sondern auch üble Nachgerüche hinterlässt, die sogar die Hausstaubmilbe vertreibt.
Ja, kann denn der großsprecherische Landmann nicht einmal ein Ende finden, muss er denn immerzu und immerfort, wie schon seit Ewigkeiten, beweisen, dass er den größeren Trecker hat? Dass er die grüne Mütze aufhat, die aber nicht das Naturverbundene symbolisiert, sondern zeigt, wer den längeren Atem hat?
Der Agronaut stickert auf dem Felde und fährt dann in seine entfernte Laube, um sich dort aufs Ohr zu hauen.
Aufs Ohr hauen, das ist des Kleinkötters Wunsch, sich endlich aus der Knechtschaft, aus der Hörigkeit zu befreien, endlich durchatmen zu dürfen, endlich als gleichwertiger Mansch ohne Trecker angesehen zu werden.
Fürher hat doch jeder, und der Landmann besonders, seinen Sondermüll hinterm Haus verbrannt und die Überreste im Garten verscharrt, gemäß dem Motto: Was ich nicht sehe, gibt es nicht!
Das ist heute aber nicht mehr tragfähig!
Trete die Osterfeuer aus und befreit die Menschen, damit sie nicht unter die Treckerreifen geraten! Wer hat überhaupt die Osterfeuer erfunden?

Nur Fliegen sind größer

Junge: Die Fliegen werden auch immer größer, Oma, guck mal die!
Oma: Zu meiner Zeit waren die noch größer.
Junge: Wer's glaubt. Die da passt doch in keine Handtasche.
Oma: Auch unsere Handtaschen waren damals größer.
Junge: Aha.
Oma: Und dann kam der Russe und hat sie uns weggenommen.
Junge: Mit den Fliegen?
Oma: Ach, Junge, rede nicht so einen Unsinn. Wer hätte sich denn damals eine Fliege in die Handtasche gepackt? Und vor allem: Warum?
Junge: Weil sie reinpasste. Man macht alles Mögliche, nur weil es geht.
Oma: Ja, was denn, ja, was denn?
Junge: Mit Drohnen Krieg führen.
Oma: Du meinst, das ist eine Drohne da?
Junge: Nein, das ist eine Fliege.
Oma: Haben wir denn wieder Krieg?
Junge: War nur ein Beispiel.
Oma: Mit Krieg macht man keine Beispiele.
Junge: Ich muss zum Sport, Oma.
Oma: Dann kommt wohl bald der Russe...
Junge: Bis denn, Oma.
Oma: Ob Sergej wohl  noch meine Handtasche hat?

Einzigartigkeit

Malewisch: Neo-suprematistische Eierköpfe (2014)
Jeder ist in seiner Einzigartigkeit einzigartig, dachte Steffen, und überlegte, ob das ein Spruch für das Große Buch  der Weisheiten sei. Besonders ich, ergänzte Steffen, und dachte daran, dass Ostern der Tag war, an dem seiner Kopfform gehuldigt  wurde.
Steffen hatte irgendetwas Diffuses gelernt und warder richtigen Ortsgruppe beigetreten; heute diente er einer mächtigen Frau, die durch geheime Handzeichen das Volk ruhig hielt und in dem Glauben ließ, alles sei gut.
Nichts war gut. Das wenigstens wusste Steffen, aber er musste mitmachen und wusste auch, dass er den Platz an ihrer Seite seiner besonderen Kopfform zu verdanken hatte. Überhaupt war der Teil des Körpers ungemein groß im Verhältnis zum Rest, sodass man denken musste, ein ausgesprochen großes Hirn würde hinter der Knochenschale beherbergt.
Die mächtige Frau, die Handzeichen machte, duldete keine schönen Menschen neben sich, weil die sie selber hässlicher machen würden, und weil jedermann glaubte, dass sich Schönheit und Geist nicht paarten.
Steffen hatte seine Wahl getroffen. Er wollte der mächtigen Frau nahe sein, damit diese schöner wirkte und weil sich wegen dieser Nähe niemand traute, hinter ihm herzurufen. "Eierkopf, rede nicht so'n Scheiß!" Zum Beispiel.
Was aber störte ihn an dem Satz "Jeder ist in seiner Einzigartigkeit einzigartig"?
Ach, dachte Steffen, eigentlich nichts; ab damit ins Große Buch der Weiheiten! Damit er auch endlich einen Spruch drin hatte. Das "Besonders ich" wollte er aber weglassen; auch wenn es stimmte.

Piet Schlendrian: Ostereier (2014)

Piet Schlendrian: Ostereier (2014)
Mal wieder typisch Schlendrian: Wenn es alle Welt rund haben will, macht er es auf eckig. Nicht, dass er wirklich opponieren wollte, es geht nur um Aufmerksamkeit.
Ach, der Schlendrian, der alte Faulpelz, heißt es in der Kunstgemeinde, der hatte mal wieder keine Lust, seinen Eierzirkel rauszuholen.
Ostereier mit dem Geodreieck gemalt, ja wo hat man das denn schon gesehen?
Ja, sicher, tausendmal im Kubismus, das ist doch nicht neu!
Die Farbgebung auch wieder typisch: Weil ihm das Blau ausgegangen ist, ist es Ostern eben bewölkt. Vielleicht regnet es sogar. Da macht Eiersuchen keinen Spaß. Das hätte sich Schlendrain hinter die Ohren malen sollen. Oder besser: Hinter die Löffel!

Etappe 13: Georg Krakl - Im Breisgau (2014)

Im Breisgau
stöhnt man über Weißklau.
Die Unterhosen und die Unterhemden
sind jetzt zum Befremden
braun.
Nicht lecker anzuschaun.

Etappe 13: Im Lande Tulpan

Stell dir vor, du lebst im Lande Tulpan, wo sich die dunklen Lande zusammengetan haben, dass kein großes Wasser zwischen ihnen ist, und wo das Leben gespeist wird aus riesigen unterirdischen Behältern, in denen  die lebenswichtige Flüssigkeit still steht und sich ihrer Bedeutung nicht bewusst ist.
Im Lande Tulpan aber ist es trocken, die Bewohner sind trocken, sodass immer drei sich zusammenfinden müssen, damit sie für Nachkommenschaft sorgen können. Unter Schmerzen zeugen sie diese, und sie verbrennen fast an der Reibung, die keine Flüssigkeit kühlt. Und wiederum drei andere, die sich zusammengetan haben, schließen sich zu einem doppelten Dreibund zusammen, aus dem schließlich und unter großen Anstrengungen, weil das Feuchte fehlt, das ihre Bewegungen schmiert, ein neues Leben entsteht.
Die Alten aber erzählen ihre Geschichten, in denen es große Wasser gegeben hat, die die Ländern voneinander trennte, in denen es um Macht und Sieg und Herrschaft ging.
Als noch alles wie geschmiert verlief, wo die Tränen flossen und die Körpersäfte sich vereinten und eine neue Flüssigkeit bildeten, die angereichert war mit glückselig machenden Substanzen, wo die Menschen lieben konnten, wo sie hassen konnten, wo sie Leben schenkten und Leben nahmen, denn das ist der Preis, die Angst und die Hoffnung, die Liebe und der Tod, um im Dasein einen Sinn zu entdecken; der aber blieb trotz allem verborgen. Die Menschen klammerten sich an die Hoffnung, ihn irgendwo zu entdecken.
Eines Tages hatten die Menschen genug von ihrem Leben und wollte Sicherheit und Frieden und Einssein.
Sie vereinigten die Kontinente und die Völker, und sie erzählten sich vom Guten König auf dem goldenen Thron; beide hatte niemand je gesehen.
Es verschwanden der Hass und mit ihm die Liebe, es verschwand die Gier nach Macht und Sieg und Herrschaft; es kehrte die Sicherheit ein und die Langeweile und die Gewissheit, dass es keinen Sinn des Lebens gibt. Denn das ist der Preis.
Die dunklen Lande blieben eins und dunkel und das Wasser stand still im Unten.
Das Leben wartete.
Und so bleiben die dunklen Lande eins, bis die Alten aufhören werden, ihre Geschichten zu erzählen.

Wer aber noch Wasser hat, der trinke, wer noch lieben kann, der liebe, und wer hassen kann, tue das, denn es ist nur die Umkehr der Liebe. Nur das Wasser kann man nicht umkehren.

Etappe 12: Die Schlagzeile der Woche - Crystal Meth

Wer ist Crystal Meth?
Was wir schon lange vermutet haben, bestätigt die lokale Presse endlich: Crystal Meth ist die Freundin von Hasi Osterwald, der seinen Lebensunterhalt saisonbedingt nur im Frühjahr mit dem Verstecken von bunten Eiern bestreitet.
Was also sollte neu daran sein, dass er und seine Freundin Crystal auf dem Vormarsch sind? Wenn nicht an diesem Wochenende, wann dann? Jetzt ist die Zeit, wo gearbeitet wird, wenn man seinen Job machen will. Niemand will Ostereier Ende Mai.
"Hasi und Crystal sind unterwegs", diese Schlagzeile hätte wohl auch das Informationsbedürfnis der Leserschaft befriedigt, auf ein martialisches "Vormarsch" sollte man gerade zu Ostern verzichten.
"Vormärz" klingt noch ganz gut, ergibt aber im Gesamtzusammenhang keinen Sinn, denn der Vormärz wäre ja der Februar und der liegt schon ein paar Wochen zurück.
Schade, dass auch die Provinzpresse immer mehr auf sensationsheischende Texte zurückgreift, um überhaupt gelesen zu werden.
Das Volk flüchtet sich mehr und mehr in die Leserechtschreibschwäche.
Hoffen wir, dass die Eier rechtzeitig auf demTisch liegen.

Kunst darf nicht aus dem Rahmen fallen

Pawel Pikass: Napf (2014)
Erst wenn sie einen Rahmen haben, bekommen die Dinge einen Wert.

Der Schein sorgt für das Sein.


Bekenntnisse eines Schokohasen


Etappe 11: Schlagzeile der Vorwoche - Maiwies'n

Da freuen sich alle, die im Oktober keine Zeit hatten. Und die, die auch im nächsten Oktober keine Zeit haben werden.
Jetzt kommt die Maiwies'n.
Bayrisch im Mai - Das ist das Versprechen. Nicht in Bayern, nein direkt hier im Norden, wo das Land angeblich von Sturköppen bevölkert ist, die endlich einmal, besser zweimal im Jahr die bayrische Feierart kennen lernen sollen.
Neben Karneval ist es die lustigste Zeit im Jahr, denn die Geburtenrate schnellt nach neun Monaten rapide in die Höhe.
"Wie Bayern feiern" heißt: Sich in Krachlederne quetschen, in Dirndl zwängen, deren Einblicköffnungen endlich freilegen, was Männeraugen wollen. Alltags führt das zu sexistischem Verhalten, in Bayern nennt man es Lebensart.
Nur gucken, nicht fummeln! lautet der Imperativ und die Maiwies'n-Besucher, die in der Regel nach der ersten Maß das letzte "e" von Maiwiesen weggelallt haben, kompensieren durch Aussaufen von vergorenenem Gerstensaft , durch Abnagen fetttriefender Hähnchenschenkel oder Haxen inklusive der untertischigen Entsorgung und dem Mitstampfen zu dummdusseliger Musik. Und was machen die knusprigen Frauen in ihren Dirndln? Welken, denn Feiern macht schlechte Haut. Da heißt es, schnell einen Krachledernen angeln, damit die Doofen nicht aussterben.
Wann wir Bayern endlich Freistaat?

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 10 - Georg Krakl - Gedichte für über all

Haushaltsrolle, Elvistolle - Fertig kann ein Gedicht sein
Eins in jedem Haushalt,
denn das formt der Küchenfrau Gestalt.
Eins in jedem Urwald,
denn das lässt den Indio nicht kalt,

eins in jedem Rauminhalt,
da vielleicht mit Vorbehalt.
Eins in jedem Rechtsanwalt,
dann zahlt der gern Unterhalt.
Eins in jeder Gasanstalt,
das verschließt den Restluftspalt.
Eins in jeder Missgestalt,
die wird schließlich schön.
Eins in jedem Fön,
der wird richtig heiß.
Eins für jeden Scheiß,
und eines für die Haftanstalt,
dann bleibt der Häftling durchgeknallt.

Eins für jede Lebenslage,
denn dann bleibt das Leben keine Frage.
Eins als Hilfe für das Sterben;
denn da freuen sich die Erben.

Ein Gedicht,
sei's noch so schlicht,
erweitert uns'ren Tellerrand
durch das ganze Land
bis hinein ins weite All
bis zurück zum allerersten Sündenfall.

Selbst der Fön
find't das sehr schön.
Weil's sich reimt.

Schön geschleimt.

Heute vor 5 Jahren: Erziehung und Familie - Hab dicke Finger

Mutter: Du hast ganz schön dicke Finger!
Vater: Wer?
Mutter: Du auch!
Kind: Und du hast rote Augen.
Mutter: Werd nicht frech!
Kind: Wenn's doch stimmt.
Vater: Ruhe jetzt, kein Wort mehr. Ihr habt beide rote Augen und dicke Finger.
Kind: Ich nicht, ich bin doch erst 11.
Mutter: Fängst du schon wieder an? Guck doch mal in den Spiegel!
Vater: Nicht nötig, ich weiß wie ich aussehe.
Kind: Aber nicht heute.
Vater: Werd nicht frech.
Kind: Das hat Mutter auch gesagt.
Vater: Plapper nicht alles nach!
Kind: Du hast doch nachgeplappert.
Vater: Hörst du nicht? Werd nicht wieder frech! Gleich setzt es was.
Mutter: Jetzt hack nicht ständig auf dem Kind herum.
Vater: Du erziehst es ja nicht.
Mutter: Wer hat denn gestern mit dem Kind eine Flasche Wodka verputzt?
Vater: Du hast mitgetrunken.
Mutter: Na und? Der Schnaps war aus der Haushaltskasse.
Kind: Jetzt geht das wieder los.
Mutter und Vater: Du bist still! Musst du nicht längst in der Schule sein?
Kind: Ich geh nicht, ich hab Kopfschmerzen.
Mutter: Ich auch, aber deswegen gehe ich noch lange nicht nicht zur Schule.
Vater: Du bist doch längst entlassen.
Mutter: Ist auch gut so.
Vater: Mir brummt auch der Schädel. Das war bestimmt wieder dieser billige Kartoffelschluck.
Mutter: Wodka war das.
Vater: Genau.
Kind: Ich leg mich wieder hin.
Mutter: Zweiter.
Vater: Ok, ich mach den Letzten.

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 9 - Mein trauriger Kaktus

Was ist mit meinem Kaktus los?, fragt sich Fredo. Einst war er so schlank und rank, so prick und gar nicht dick, da stand er stolz gereckt und wollte in den Himmel wachsen.
Jetzt liegt er auf der Seite, als sei er müde, als wolle er nicht mehr, was auch immer es zu wollen gibt für einen Kaktus.
Der Hals immer noch schlank und rank, der Kopf aber dick und schwer, dass der Hals ihn nicht zu tragen vermag.
Kaktus denkt zu viel, schießt es Fredo in den Kopf.
Worüber aber sollte ein Kaktus nachdenken? Dass er ihn, den Fredo, letzte Woche gestochen hat, als er ihn gießen wollte?
Kakteen brauchen wenig Wasser, denkt Fredo, es sind Wüstenpflanzen. Aber wenn ich meinen Kaktus schon mal gieße, sollte er wenigstens dankbar sein und nicht stechen.
Fredo zweifelt daran, dass der Kaktus darüber nachdenkt. Und wenn: Kann denn ein Kaktus Schuld empfinden? Wohl eher nicht. Der ist doch wie alle Pflanzen. In der Sonne rumstehen, nichts weiter tun und sich vermehren. Das, wovon alle Männer träumen. Deshalb trinken die auch so viel, weil ihre Träume eben nur Träume bleiben.
Ein Kaktus denkt nicht. Das sollte klar sein. Aber:  Empfindet er vielleicht?
Das kann doch nicht von ungefähr kommen, dass sich der auf die Seite legt und so tut, als sei er depressiv, oder als ob er schlafe, oder als sei ihm das ganze Gießen und Wachsen und in der Sonne Stehen und das Nichtstun und das sich Vermehren zuwider, abgrundtief zuwider. Genau genommen hatte sich dieser Kaktus überhaupt nicht vermehrt, er hatte sich nur vergrößert, und das hat soviel mit Vermehrung zu tun wie die unaufhaltliche Gewichtszunahme bei Männern. Die wachsen eben, werden aber nicht mehr.
Vielleicht hat dieser Irrglaube den Kaktus in diese verzweifelte Lage gebracht.
Wie war ihm zu helfen? Wie konnte man ihn aufrichten? War das Bild dieses Sukkulenten eine Allegorie auf die Menschen, auf das Leben schlechthin?
Fredo merkte, wie er plötzlich müde wurde und das dringende Bedürfnis verspürte, sich auf die Seite zu legen und ein wenig nachzudenken. Ein Viertelstündchen, murmelte Fredo, und war bei der letzten Silbe schon eingeschlafen.

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 8 - Wenn ich tot wäre

Wenn ich tot wäre, dachte Ben, der Atheist, könnte ich endlich mal ausschlafen.
Aber, dachte Ben, und er bemerkte richtig, dass es immer ein Aber gab, aber wenn ich tot wäre, müsste ich auch liegenbleiben, wenn ich ausgeschlafen hätte, und vielleicht, nein, wahrscheinlich wüsste ich gar nicht, dass ich ausgeschlafen hätte, weil ich ja tot wäre.
Ben entschied, dass es nicht erstrebenswert sei, tot zu sein.
Schade, dass er kein Christ oder Moslem oder Jude war. Dann könnte es ja nach dem Tod weitergehen. Vielleicht durften die ja in ihren Paradiesen ausschlafen, denn was war paradiesischer als auszuschlafen, wenn man eigentlich aufstehen musste? Obwohl, und Ben bemerkte folgerichtig, es gibt immer ein Obwohl, obwohl, dachte Ben, vielleicht hatten die im Paradies ja gar keinen Grund mehr aufzustehen, weil ja alles so superparadiesisch war? So alleswievonselbst? An Milch und Honig gedacht, schon war das Glas voll!
Ben mochte keine Milch mit Honig.
Milch und Honig, das war wie Molch mit Honig, oder besser, Molch mit Senf. Igitt.
Ben stellte fest, dass es nicht einfach war, Atheist zu sein. So perspektivelos, so düster, ohne Aussicht auf irgendwas.
Liegenbleiben, liegenbleiben. Der Preis dafür hieß: Totsein.
Vielleicht sollte er Agnostiker werden, dachte Ben, da könnte man sich ein Türchen offen halten, wenn es denn doch einen Gott und ein Paradies gäbe.
Denn im Ernstfal, wenn es das alles doch nicht gibt,l wäre er sowieso tot. Agnostiker. Das hörte sich doch gut an.
Da musste man nicht so viel erklären, weil die Leute das Wort nicht kannten.
Diagnostiker, hahaha, lachte Ben, das war der Hausarzt und da fragte doch auch keiner, ob die Diagnose stimmte.
Jetzt aber mal raus aus den Federn!
Gestorben werden konnte immer noch. Musste ja nicht gerade heute sein.

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 7 - Namen für Kinder: Rha-Barbara

Eltern unserer Zeit geben ihren Kinder Namen, die jeden stutzen lassen, denn sie wollen, dass ihre Kinder einzigartig sind. Wenn die Zöglinge dann nur den ganzen Tag auf Facebook rumdaddeln, dann soll wenigstens der Name einzigartig sein, er soll für Verwunderung sorgen, so als ob ein Wunderkind vor den Hörern des Namens stünde.
Rha-Barbara wäre doch eine schöne Bereicherung, denn die üblichen Savannah, Ethan, Methan und Dakota, Lambrusco, Chiara-Chianti, Schackeline und Zeddrick sind doch längst abgedroschen und abgelutscht, sie klingen immer noch nach den gewöhnlichen Sprachklopsen, und nur eine neue Schreibweise bringt die Verwunderung nicht auf Touren.
Rha-Barbara. Das ist eine Markenlücke.
Erstmal gibt es einen Wiedererkennungseffekt. Es erinnert an etwas Frische, etwas Obstiges oder Gemüsiges.
Dann der Halt in der Sprachverwirrnis: Barbara. Den Namen kennt jeder, in der Spaßform Barbie allen Mädels bekannt. Den Jungen verhasst, denn Barbie liebt Ken und der sieht definitv sixpackartiger aus als jeder Schulkamerad.
Rha - Das H hinter dem R gibt dem Ganzen etwas Fremdes, etwas Unerklärliches, etwas Esoterisch-Übernatürliches. Das kommt an, da sagt keiner ein böses Wort, weil niemand einen Fluch auf sich ziehen will.
Rha - War das nicht der Sonnengott der alten Ägypter? Vielleicht sogar ohne H?
Egal. Wenn Mandy endlich Rha-Barbara heißen darf, dann ist sie geadelt. Dann ist sie gesund, dann wirkt sie heilend auf andere: Der Schwätzer verstummt und der Mobber moppt endlich und erkennt, dass er eigentlich ein vollkommen spaßbremsendes Element aus der Reinigungsbracnhe ist, den man gesellschaftlich überbewertet hat, weil eben falsch geschrieben. Ein Zufallsprodukt der Leserechtschreibschwäche!
Der Mopp gehört in den Eimer und Rha-Barbara erstrahlt im eigenen Glanz. So kommt die Welt wieder in Ordnung.
Gebt den Kindern eine Chance: Rha-Barbara!

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 6 - Rechtsstreitigkeiten

Doppelpapst zu sein, ist schwer.
A: Rechts!
B: Links!
A: Rechts!!
B: Links!!
A: Rechts!!!
B: Du bist rechtshaberisch.
A: Du linker Pope!
B: Sag nicht Pope zu mir, das geht unter die Gürtellinie.
A: Endlich hast du es kapiert.

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 5 - Bernhard Grzimek

Eben als ich einer Topfblume die Blüten abschnitt, wurde ich müde und ich dachte liebevoll daran, wie uns damals Bernhard Grzimek müde gemacht hat, wenn er im Schwarzweißfernsehen an einem Tisch saß und einem Geparden den Kopf kraulte. Der Gepard schnurrte, wohl weil er ein guter Freund des Mannes war, oder weil man ihm ein paar Wacholder zur Beruhigung verabreicht hatte. So machte man es mit einem lediglich halben Wacholder bei uns Dorfkindern, wenn uns übel vor der Mathearbeit war, die in der Stadt auf der Oberschule geschrieben wurde.
Müde waren wir manchmal, wenn wir abends vorher Bernhard Grzimek gesehen hatten; müde waren wir aber auch schon nach zehn Minuten, denn der Tier- und besondere Gepardenfreund sprach in einem Modus, der direkt in die Tiefenentspannung führte. Seine beruhigende Art ließ uns ebenfalls Tierfreunde werden, sodass wir das gleichnamige Heft in der Schule für 30 Pfennige abonnierten und aufhörten auf Nacktschnecken mit Pfeilen aus alten Regenschirmen zu schießen.
Selbst Gäste bei Bernhard Grzimek wurden ruhig und freundlich, obwohl die Tiere im Studio nicht immer machten, was sie sollten. Es war einem Schimpansen nicht beizubringen, dass man der Frau eines Tarzandarstellers niemals die Perücke vom Kopf reißt, sodass diese aussah, als habe ein Mähdrescher auf ihr gewendet. Diese Mähtapher erscheint mir in diesem Moment, wo ich sie schreibe, etwas übertrieben, denn sicher hatten die Tarzans in einem Hotel übernachtet, in das sich ein Mähdrescher wohl kaum verirrt.
Bernhard Grzimek sprach bei solchen Gelegenheiten einfach in seiner beharrlich ruhigen Art weiter und schläferte uns ein, was eigentlich, wenn man entsprechende Medikamente verabreicht hätte, verboten gewesen wäre. Sogar der Tarzandarsteller lachte, denn im Film war der Schimpanse ja der beste Freund von Tarzan, seine Frau hieß allerdings nicht Martha oder Elizabeth, sondern schlicht Jane, und sie trug keine Perücke, denn mit der hätte sie mit Tarzan nicht im Urwaldfluss baden können.
Irgendwann waren wir eingenickt und wachten auf, weil eine kurze Gesprächspause aufgetreten war, die uns lauter erschien, als das Reden des Bernhard Grzimek.
Wir schleppten uns ins Bett und träumte davon, wie wir sanft den Kopf eines Geparden kraulten.

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 4 - Kopfreisen

Neulich, ich hatte ein Gefühl im Gewühl in der Fußgängerzone, so als ob eine Gußeisendrohne über mir schwebte, so als ob sie wirklich lebte, ein Gefühl, das war ein bisschen so wie ranzig, denn ich hatte einst in Danzig, erst nachdem ich festgestellt, gefühlsbezogen eingedellt, dass die in Amsterdam keine Hamster ham, gesucht, in Danzig gesucht. Es fand sich nur die Vase einer Base, die mit voller Blase und gefüllter Nase sich nach Wismar aufgemacht, da wo das Chisma unsrer Kirche nicht ein Thema je gewesen, vielleicht Verwesen oder Protestantenthesen oder Arm- und Beinprothesen, Zahnersatz und Glasaugen, die beim Spaßsaugen aus der Höhle flutschen und dann in den Mundraum  rutschen, da in Wismar, wo man immer noch nach Schema F lebt, vielleicht auch nach Schablone B, die der Melone gleicht, der niemand je das Wasser reicht, die schnell erbleicht, wenn meine Base ihre Blase hinter grünem Busch entleert und unbeschwert zum Hafen hüpft, ein Brötchen voll mit frischem Fisch auf Tischen frisch serviert und in sich rein introvertiert, will sagen einverleibt, dass man den Bauch sich reibt aus Appetit und Schluckgenuss, vergleichbar nur dem Regenguss im Mai, wenn aller Winterspeck vorbei und aus ist. Der Weihnachtsbrei auch raus ist.
Des Schwafelns sei genug, ich nehm den Zug, die Autobahn, ich bin mit einem Fahrzeug da, das lass ich gar nicht geren stehen; ich hoffe sehr auf Pünktlichkeit und reservierten Platz zum Sitzen, so wie die Feuerwehr, die auf die Spritzen wartet, die sie braucht im Kampf gegen Feuer braucht, wenn es aus allen Löchern raucht.
Deshalb jetzt der Zug, denn es ist genug, wir fahren zu den Kleinen, wir sparen nicht mit Scheinen, und wir schreien und befreien unser Herz. Es ist kein Scherz! Wir woll'n dich spür'n, Zwerg!
Wir suchen dich in Nürnberg.
Oder auch in Fürth, da hab'n dich andre schon gespürt.

Gedichte mit Transzendenz drin: Georg Krakl - Gefallener Engel (2014)


Auf den Asphalt
Geknallt
Überrollt
Gebügelt
Dann entflügelt.
Dem Transzendenten kurz Tribut gezollt.

Dann aufgestanden.
Ging mal besser mit dem Landen.

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 3 - Wenn alles so einfach wäre


Wenn alles so einfach wäre, bräuchte ich keinen Handwerker. Die Haustür braucht einen neuen Stoßgriff, der alte war abgefallen.
Der Mann, der Fachmann, der Mann vom Fach aber flucht, weil das Gewinde ausgejackelt ist, weil das Blech zu dünne ist, weil die Schraube oben zwar hält, die unten aber nicht, da müsste man heiß kleben, aber den Kleber habe er nicht mit, die Schraube sei locker, und ich denke: Wo ist eine Schraube locker? Böses Bemerkungen fallen mir ein, aber ich will niemanden vergraulen, der deutsche Handwerker ist da, der Fachmann, hat lange gedauert und es soll nicht länger dauern. Das bezahlt mir doch keiner, da muss ich ja erst wieder nach Hause. Döpking!, spricht er erzürnt und meint den Dachdecker, der ihm den Auftrag besorgt hat, den eigentlich zu kleinen für einen deutschen Handwerker, für einen Fachmann, der jetzt noch Geld drauf legen muss, ich vermute mein Geld drauf legen muss, und nichts verdient. Wenn er das gewusst hätte, Döppking ist schuld, der hat ihn hierhin bestellt, das hätte er vorher wissen müssen.
Wenn er das gewusst hätte!
Wäre er wohl kein Handwerker geworden, denke ich.
Ich frage mich: Wenn alles nur einfach wäre, wozu bräuchte ich einen Handwerker?
Und: Wozu sind denn Handwerker da?
Eben mal was bestellen, anschrauben und abkassieren? Hauptsache nicht Probleme lösen.
Ich hatte mich schon an die Tür ohne Stoßgriff gewöhnt.

Daheim, nicht unterwegs: Etappe 2 - Schlabber an der Backe

Frauen können so schön sein, doch ein fremdes Exsudat unbekannter Herkunft lässt die ganze Ästhetik zusammenbrechen.
Sogar wenn die Dame an eine Plakatwand geheftet ist und der Schlabber oder Sprotter nur an der Scheibe klebt, hinter der die Dame wartet.
Niemand wischt den Kram weg, um das Schöne, das Appetitliche wieder herzustellen; alle gehen gedankenlos weiter, die Männer schüttelt es und die Frauen glauben sich wieder gegen die Konkurrenz ein wenig im Vorteil.
Das gelackte Model sieht eben auch mal scheiße aus, denkt Evalotte und zupft ihren Pulli zurecht, damit sie Thomas gefällt.
Selbst der Regen scheut sich, die Scheibe zu waschen und das Gleichgewicht zwischen Bild und Natur zu fördern.
Vielleicht will sich das Volk am Schaden der Schönen ergötzen, um sich selbst zu erhöhen.
Das aber wird nicht funktionieren, denn das Hohe wir fallen und das Gefallene muss erst wieder aufstehen, um wenigstens über den Tellerrand zu gucken.

Daheim, nicht unterwegs - Etappe 1 : Suchen, kaufen, finden

Warum wegfahren, warum wandern, herumstreunen oder in die weite Welt hinauslaufen, wenn alles, was wir suchen, zu Hause zu finden ist?

Es ist doch merkwürdig, dass manches, das wir tagelang gesucht haben, plötzlich auftaucht, wenn wir bereits etwas Neues gekauft haben.
Neulich suchte ich eine Druckerpatrone in Schwarz für meinen Tintenstrahldrucker und musste dabei über das Wort Tintenstrahl lachen -nie habe ich in oder vor meinem Drucker einen Tintenstrahl gesehen- und fand diese nicht. Ich war mir sicher, dass sie da war, aber ich war blind in Bezug auf die Wahrnehmung von Druckerpatronen.
Ich bestellte vier neue Patronen in Schwarz, die Farben waren noch reichlich auf Vorrat, die Auslieferung erfolgte nach etwa 5 Tagen, endlich konnte ich wieder drucken.
Nach dem ersten Probeausdruck fiel mein Blick wie zufällig auf die Ablagekante des alten Rollschrankes, in dem die Gesuchten eigentlichen hätten liegen sollen, und fand einen weißen, neutralen Karton mit einem kleinen, unscheinbaren Etikett.
Obwohl ich an die Patronen gerade nicht mehr gedacht hatte, blitzte es in einem Schädel vor spontaner Erkenntnis. Da waren sie! Da waren die gesuchten Druckerpatronen.
Super!, schoss es mir durch den Kopf. Jetzt habe ich jede Menge Patronen in Schwarz. Da muss ich wahrscheinlich demnächst wieder Farbe nachbestellen.
Komisch ist es doch. Wer etwas doppelt haben will, verlegt es einfach, bis er es suchen muss, und bestellt dann neu. Oder gleich sofort neu. Oder bestellt gleich die doppelte Menge. Aber, wer zu viel hat, sucht nichts. Und damit verschwände auch das Bedürfnis nach dem Objekt. Grausame Welt.
Ist denn der Konjunktiv II von verschwinden wirklich verschwände? Und ist das nicht Zeitverschwendung, darüber nachzudenken? Heißt es nicht verschwönde?
Aber worüber lohnt es denn nachzudenken?
Wie viele Frage stellten sich, wenn ich jetzt unterwegs wäre und nicht den Rückhalt des Zuhauses hätte?
Allein und in weiter Flur und den Konjunktiv II von verschwinden als Problem; kann es Schlimmeres geben?
Wahrscheinlich, aber wir ignorieren das, und glauben, wir litten am meisten am Leben und an den Fragen, die uns tagtäglich bedrängen.
Daheim, nicht unterwegs, finden wir die Antworten.


Vor fast fünf Jahren: Stress bei Familie Lampe

Mutter: Wer versteckt denn morgen die Ostereier?
Marvin: Ich war letztes Jahr dran!
Lina: Ich habe gesaugt heute Morgen...
Mutter: Na und ?
Marvin: Ich find Eierverstecken sowieso blöd!
Mutter: Ach! Das sagst du jetzt, wo mal wieder Ostern ist.
Lina: Wenn er das doch so sieht...
Mutter: Dann kannst du ja die Eier verstecken.
Lina: Ich habe gesaugt.
Mutter: Das ist nicht dasselbe.
Lina: Doch.
Marvin: Ich bin dann mal weg.
Mutter: Wohin gehst du?
Marvin: Weg.
Lina: Er geht gleich.
Mutter: Wohin?
Marvin: Ciao.
Lina: Eben.
Mutter: Was hat er gesagt?
Lina: Das war Italienisch.
Mutter: Und was heißt das?
Lina: Dieses Jahr werden keine Eier versteckt.
Mutter: Und wer soll die alle essen?
Marvin(ist in der Tür stehen geblieben): Ich hätte mal wieder Hunger auf einen Eiersalat.
Lina: Ich auch.
Mutter(für sich): Denen sollte man mal gehörig die Ohren lang ziehen. (laut) Gut, dass Vater nicht hier ist.
Lina (zu Marvin): Jetzt kommt wieder die Nummer mit der Treibjagd.
Marvin(zu Lina): Der schnellste Hakenschläger der Gegend, leider in die falsche Richtung.
Mutter: Vater hat sich auch für euch erschießen lassen.
Marvin(zu Lina): Das geht mir total auf die Eier.
Lina: Mir auch.
Marvin: Eben.
Mutter:(Marvin und Lina verschwinden, Mutter leiser werdend, singt) Hermann Löns, es brennt die Heide, Hermann Löns, die Heide brennt....
Marvin und Lisa (im Chor): Löschen!

Bald ist Ostern


Neues aus der Wörterwerkstatt: Chinesische Schriftzeichen, oder was?

Der Chinese ist das anders: Während der Deutsche seine 22 oder mehr Schriftzeichen, Buchstaben genannt, bemüht, um einen halbwegs verständlichen Satz zu formulieren, kann der Chinese eine komplette Bedienungsanleitung für einen Flachbildschirmfernseher in einem Zeichen festhalten. Dafür hat er natürlich etwa eine Million verschiedener Zeichen, die der Ottonormalchinese auswendig lernen muss.
Hilfreich ist auch, wenn man vorher schon weiß, wie so ein Fernseher zu bedienen ist.
Jetzt drückt der deutsche Wörter- und Zeichenmarkt nach und will die Vorherrschaft der Asiaten beenden.
Kreative Köpfe, die sonst nichts zu tun haben, waren einfallsreich und haben ein wenig auf dem Grafik-Tablet herumprobiert:
Das linke Schriftzeichen soll bedeuten: Dein Teddy hat ein rohes und zerschlagenes Ei auf dem Kopf, was ihm nicht behagt; deshalb schreit er herum und will von seinem Pfleger, der ja eigentlich ein Kind, dessen Eltern Kunden bei Toys are us" sind, ist, was ja sowieso absurd ist, denn Kinder pflegen wohlweislich nicht, sie pflegen höchsten zu lange aufzubleiben und herumzuquengeln, Betreuung. Will von seinem fiktiven Pfleger Zuwendung. Der Teddi kennt aber weder das Wort fiktiv, noch das Wort Pfleger. Kind schon gar nicht.
Man sieht auf den ersten Blick, dass komplexe Schriftzeichen Verwirrung stiften.
Die Frage ist ja auch: Wer braucht dieses Schriftzeichen denn überhaupt? Und lohnt es denn, es  auswendig zu kennen, falls jemand eine Not-Postkarte mit einem dringenden Hilferuf schicken muss?
Und darüber hinaus: Teddis sollten die Fresse halten und sich ihrer Funktion besinnen.
Bekuscheln lassen. Freund sein. Nicht fordern, sondern geben.
Ansonsten: Steiff. Knopf in's Ohr. Auch wenn's wehtut.
Dem Wörter- und Zeichenmarkt sei geraten, sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Was auch immer das sein mag.

Gefährlicher Sekundenschlaf

Immer wieder passiert es uns, dass wir morgens auf dem Weg zur Arbeitsstelle in ein kurzes Nickerchen zurückfallen, weil der Nachtschlaf zu wenig erquickend gewesen ist. Wir geben uns einem schönen Traum hin, der suggeriert, wir hätten heute frei und könnten einmal richtig lange in der Kiste liegen. Dann meldet sich das Ich und schreit herum: Du sitzt im Auto, du Scharchnase, mach die Augen auf, da vorne kommt ein englischer Schulbus!
Üblicherweise gehorchen wir dem Ich und reißen die Augen auf. Und wahrlich: Ein Bus oder ein ähnliches Gefährt fährt auf unserer Spur. Wir fangen in Windeseile an zu denken und überlegen, ob wir uns in England befinden, wo ja Linksverkehr herrscht und wir auf die Gegenfahrbahn geraten sind? Da wären wir die Geisterfahrer, die jeden Moment - schuldhaft - mit dem Gefährt vor uns kollidieren müssten. Merkwürdigerweise bewegt sich das Mobil von uns weg, sodass wir schließen, dass es sich um einen englischen Schulbus handelt, der auf der für ihn richtigen Spur rückwärts fährt, oder aber, und das ist wohl wahrscheinlicher, denn unsere Arbeitsstätte ist ja in der Bundesrepublik - sonst wäre die Anfahrt ja viel zu lang- oder dass es sich um einen englischen Schulbus handelt, der auf der aus seiner Sicht falschen Spur vorwärts gefahren ist und nun den Fehler durch Rückwärtsfahren korrigieren möchte.
Ein irgendwie verschmorter Geruch bemächtigt sich unserer Nase und wir lassen ab von solchem Denken, denn die Gehirnzellen sind zu solch früher Stunden überlastet.
Wir halten die Augen offen und versuchen unbeschadet und ohne weitere Träume an die Arbeit zu gelangen, um unser tägliches Brot und noch mehr zu verdienen.
Der Rat aber ist, sich vor dem Sekundenschlaf zu hüten, indem man seinen Nachtschlaf optimiert oder eine geeignete gut bezahlte Heimarbeit an nimmt. Vor allem sollte man sich nicht ständig vom Ich oder Über-Ich oder sonst einem Klugscheißer im Hirn dreinreden lassen!