Jetzt frisch aus der Modepresse, die kopfbetonte bzw. kopfbetonende Mütze, die auch Menschen mit potthässlichen Ohren immer gut dastehen lässt.
Wo nach dem Herbst der Winter auf uns zu kommt, werden nicht mehr lästige Fragen gestellt: Wieso trägst du denn so unhippe Ohrenschützer?, oder: Warum hasst du denn Watte in den Ohren, das sieht ja echt retro aus, wie ein Kind mit Mittelohrentzündung in den 60er Jahren?
Nein, hier werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, Ohrenklappe praktisch,auch wenn es zwei sind, also vier Fliegen mit zwei Klappen, wobei man dann kürzen kann und wieder auf zwei Fliegen kommt.
Genug des Geschreibes um den heißen Brei.
Die kopfbetonte Mütze schützt die Ohren, falls die vorhanden sind, und die kopfbetonende Mütze ist hipp.
Wer ein dummes Gesicht hat, sieht noch dümmer aus, und wer nicht bis drei zählen kann, hört das nicht einmal, denn die kopfbetonte Mütze schützt nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Lärm und Ohrenkneifern, die gern in die Muschel kriechen, falls man mal auf dem Boden schläft und vergessen hat, den Kopf mit angewinkeltem Arm abzustützen.
Eine schicke Krempe lässt den Regen nach hinten in den Kragen fließen, sodass vorn immer gute Sicht ist, denn wenn man keine Ohren mehr hat, dann schärfen sich die verbleibenden Sinne. Endlich wieder lesen ohne Sehhilfe oder Stirnlampe; endlich den Vordermann in der Schlange bei MacDonalds am Geruch erkennen, bzw. seine Bestellung antizipieren, denn der Hungrige hinterlässt olfaktorisch gerochen eine Spur seines Verlangens in der Nase des Riechers.
Vielleicht aber, und das wäre der allergrößte Gewinn, wird der Mensch mit der kopfbetonten Mütze einfach vorgelassen, weil man glaubt, es handele sich um eine Person, der geholfen werden muss. Und Helfen ist ja das große Syndrom der heutigen Zeit: Wer mir nicht hilft, dem helfe ich auch, nicht mal, um die Mütze über den Schädel zu ziehen, was schwierig ist, wenn die Nase zu groß ist.
Das war's für heute aus der spannenden Modewelt. Demnächst nicht mehr.
Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Bodos Fotoschule: Reduktion
Der Fotograf, der oft mit den Objekten vor seinen Linsen irgendwie bekannt, verwandt oder verbandelt ist, sieht diese Objekte natürlich mit anderen Augen, als derjenige, dem das Bild präsentiert wird. Ja, schon wieder Elvira!, ruft der Außenstehende innerlich, nach außen sagt er: Schönes Bild, ja, sehr fein.
Der Alltag ist geprägt von Notlügen.
Wenn man eine Möhren essende Frau fotografiert, sollte man sich auf des Wesentliche konzentrieren, nämlich auf das Möhrenessen, weil die Bildaussage sonst zugrunde geht.
Was für schöne Augen, so tiefgründig mit Ausblick auf das Wiehengebirge, welch schöne Nase, was die wohl alles erschnuppern mag?, welch schöne Wangen, wie viele Tränen sind hier schon heruntergeronnen und wie viele Lachfalten sie doch besitzen? Diese Frage stehen nicht zu Diskussion.
Das sollte der Betrachter denken: Aha, eine Frau isst eine Möhre. Sehr interessant. Und damit er die Möhre nicht mit einer Schlangengurke, einer Banane, einer Wurst oder anderen länglichen Gegenständen verwechselt, weil er nicht genau hinschaut, sondern eher die schönen Ohren mit dem Goldgehänge betrachtet, muss ein Foto reduziert werden. Da müssen erheblich Inhalte weggenommen werden, um den reizüberfluteten Alltagsmenschen auf das Wichtige hinzuführen, auf die Möhre und den Mund einer Frau, die die Möhre isst.
Mit einfachen Fotobearbeitungsprogrammen kann man das im Nachhinein bewerkstelligen, falls die Dame es verweigert, einige Teile des Kopfes abzudecken. Einfach die Wangen, die Nase, die Augen, die Wimpern und Brauen, die Stirn und ein paar Haarsträhnen weg!
Der Betrachter wird es dem Fotografen aber danken, denn er weiß endlich, worum es auf dem Foto geht.
Der Alltag ist geprägt von Notlügen.
Wenn man eine Möhren essende Frau fotografiert, sollte man sich auf des Wesentliche konzentrieren, nämlich auf das Möhrenessen, weil die Bildaussage sonst zugrunde geht.
Was für schöne Augen, so tiefgründig mit Ausblick auf das Wiehengebirge, welch schöne Nase, was die wohl alles erschnuppern mag?, welch schöne Wangen, wie viele Tränen sind hier schon heruntergeronnen und wie viele Lachfalten sie doch besitzen? Diese Frage stehen nicht zu Diskussion.
Das sollte der Betrachter denken: Aha, eine Frau isst eine Möhre. Sehr interessant. Und damit er die Möhre nicht mit einer Schlangengurke, einer Banane, einer Wurst oder anderen länglichen Gegenständen verwechselt, weil er nicht genau hinschaut, sondern eher die schönen Ohren mit dem Goldgehänge betrachtet, muss ein Foto reduziert werden. Da müssen erheblich Inhalte weggenommen werden, um den reizüberfluteten Alltagsmenschen auf das Wichtige hinzuführen, auf die Möhre und den Mund einer Frau, die die Möhre isst.
Mit einfachen Fotobearbeitungsprogrammen kann man das im Nachhinein bewerkstelligen, falls die Dame es verweigert, einige Teile des Kopfes abzudecken. Einfach die Wangen, die Nase, die Augen, die Wimpern und Brauen, die Stirn und ein paar Haarsträhnen weg!
Der Betrachter wird es dem Fotografen aber danken, denn er weiß endlich, worum es auf dem Foto geht.
Mit dem missbrauchten Tier solidarisieren
Wie unrecht tut man dem Esel, wenn man ihn missbraucht, um Menschen zu schelten.
Eine große Schnauze und die passenden Riesenohren in Kombination mit einer gewissen Bewegungslosigkeit können nicht Grund sein, eine Person - nehmen wir mal einen Abgeordneten im Deutschen Bundestag, der demnächst gewählt wird - so zu nennen.
Wenn die Attribute auch zutreffen, so tut man vor allem dem Esel unrecht, denn er ist ein richtiges Arbeitstier mit eigenem Kopf.
Den haben die Politiker aber oft dem Fraktionszwang oder der Karriere geopfert, sodass lediglich eine Art Halsblase über dem Kragen wabert.
Die Bewegungslosigkeit mag in der Woche gelten, am Freitag aber macht die Meschpoke mobil und knattert eilig ins Wochenende.
Die Ohren sind immer angelegt, damit sie beim Nachhausebrettern nicht bremsen.
Dass es auch Politiker gibt, die arbeiten, ist kein Vorurteil.
Manchmal aber muss sich der Mensch mit dem Tier solidarisieren und mal richtig die Sau rauslassen, auch wenn es um einen Esel geht.
Für die Bundestagswahl gilt: Nimm dein Kreuz an und mach es! Nur nicht an der falschen Stelle! (CDU, FDP oder Partei der Nichtwähler!)
Eine große Schnauze und die passenden Riesenohren in Kombination mit einer gewissen Bewegungslosigkeit können nicht Grund sein, eine Person - nehmen wir mal einen Abgeordneten im Deutschen Bundestag, der demnächst gewählt wird - so zu nennen.
Wenn die Attribute auch zutreffen, so tut man vor allem dem Esel unrecht, denn er ist ein richtiges Arbeitstier mit eigenem Kopf.
Den haben die Politiker aber oft dem Fraktionszwang oder der Karriere geopfert, sodass lediglich eine Art Halsblase über dem Kragen wabert.
Die Bewegungslosigkeit mag in der Woche gelten, am Freitag aber macht die Meschpoke mobil und knattert eilig ins Wochenende.
Die Ohren sind immer angelegt, damit sie beim Nachhausebrettern nicht bremsen.
Dass es auch Politiker gibt, die arbeiten, ist kein Vorurteil.
Manchmal aber muss sich der Mensch mit dem Tier solidarisieren und mal richtig die Sau rauslassen, auch wenn es um einen Esel geht.
Für die Bundestagswahl gilt: Nimm dein Kreuz an und mach es! Nur nicht an der falschen Stelle! (CDU, FDP oder Partei der Nichtwähler!)
Mittelfinger entlasten
Auch wenn Pfilipp Nösler sich abfällig über den Steinbrückschen Mittelfinger geäußert hat, so scheint seinem Brüderle die Medienwirksamkeit unheimlich zu sein.
Was die Großen machen, wollen wir auch, auf jeden Fall wollen wir mitmachen, wenn auch irgendwie anders - so in etwa hat die Strategie der Freidemokraten immer gelautet, und schwupps! zückt der Spitzenkandidat die Objekte des Medienrummels und mischt kräftig mit.
Gut, dass ein Slogan der Partei "Die Mitte entlasten" heißt, da ist es bis zum Mittelfinger nicht weit. Will man der schlecht gemacht Fotomanipulation glauben, dann sind die brüderleschen Stinkefinger schon arg ausgeleiert und auf jeden Fall entlastungsbedürftig.
Zum Nasebohren nimmt man ja auch den Zeigefinger, und wenn im Parlament gerade mal nichts ist, auf das man zeigen kann, dann ab in die Nase! Da kann er auf jedenfalls nichts verkehrt machen.
Was die Großen machen, wollen wir auch, auf jeden Fall wollen wir mitmachen, wenn auch irgendwie anders - so in etwa hat die Strategie der Freidemokraten immer gelautet, und schwupps! zückt der Spitzenkandidat die Objekte des Medienrummels und mischt kräftig mit.
Gut, dass ein Slogan der Partei "Die Mitte entlasten" heißt, da ist es bis zum Mittelfinger nicht weit. Will man der schlecht gemacht Fotomanipulation glauben, dann sind die brüderleschen Stinkefinger schon arg ausgeleiert und auf jeden Fall entlastungsbedürftig.
Zum Nasebohren nimmt man ja auch den Zeigefinger, und wenn im Parlament gerade mal nichts ist, auf das man zeigen kann, dann ab in die Nase! Da kann er auf jedenfalls nichts verkehrt machen.
Vor der Wahl ist vor der Wahl: Gelbe Kuh im Tigerpelz
Irgendwann intonierte ein Randal-Blatt: Eine Kuh denkt nicht, sie wählt CDU.
2013 steht eine Kuh an einem Kreisel in einer Flächengemeinde, in dem die Autofahrer von morgens bis abends rotieren und sich wohl fragen: Wieso steht da eine Kuh? Die hat doch früher nicht da gestanden.
Die Kuh hat eine Art Tigerfell mit relativ dünnen Tigerstreifen, damit man sie nicht für eine fehlfarbenes Zebra hält.
Hat man drei Runden im Kreisel mit der Betrachtung der merkwürdigen Kuh verbracht, fällt dem aufmerksamen Betrachter auf, dass die Buchstaben F-D-P auf die Kuh gemalt worden sind, was darauf hindeutet, dass es sich um eine von den Freidemokraten aufgestellte Tigerattrappe handeln muss.
Es ist Wahlkampf, und da fällt den Parteien plötzlich etwas ein, nachdem sie vier Jahre lang stumpf in die Gegend gestarrt haben. Was will die FDP sagen?
1.Wir mögen Tiere, auch Kühe, denn wir sind auch auf dem Land präsent, weil es da auch Rechtsanwälte und Zahnärzte gibt, die man schlichtweg zur Mitte des Volkes zählt, wenn auch zur oberen Mitte, die sich von der unteren deutlich in finanzieller Hinsicht abhebt.
Die Kuh symbolisiert auch die Frau in der FDP, die toleriert man, auch wenn sich eine dumme ihrer Art beim Abschreiben für die Doktorarbeit hatte erwischen lassen. Ein Herz für Rinder!, mag dem Betrachter einfallen.
2.Die Kuh symbolisiert das Land, die Ernährung, die Ruhe und die Kraft, die sie aus dieser bezieht.
Auch wenn das Tier nicht mehr in jedem Haushalt zu finden ist, so weiß doch jedes Kind, dass die Milch nicht aus dem Karton, sondern aus dem Euter kommt. Das will die FDP bewahren, denn manches Kind trinkt lieber aus dem Karton und ekelt sich vor warmer Milch aus einem sekundären Geschlechtsmerkmal eines Viechs.
3.Die Kuh im Tigerfell symbolisiert die FDP und stellt ein Äquivalent zum Schaf im Wolfspelz dar, das jeder aus dem Märchen kennt, von denen die FDP so herzlich gerne zu erzählen mag.
4.Hüte dich vor dem Tiger, es könnte eine Kuh sein!, mag die vierte Botschaft sein, und wir denken sofort an Cave Canem, Cannabis, Carpe diem und Canneloni. Was die Partei damit sagen will, bleibt unentdeckt, aber das ist nicht weiter schlimm, denn es geht im Wahlkampf nicht um Inhalte, sondern um die Form. Und die Form ist schön, wenn auch leicht verfälscht. Im Innern ist die Kuh hohl, und das kann Programm sein, mahnt zur Bescheidenheit; der Wähler sollte nicht zuviel erwarten, denn geboten wird nichts.
5.Wenn sich die Politiker auch wie Tiger geben, dann sind sie doch nur Rindviecher, die wiederkäuen, was man ihnen bereits vor Jahren einverleibt hat. Die Wähler müssen dann das Vorverdaute letztlich schlucken, wenn sie nicht wollen, dass hinten nur Mist herauskommt.
Hut ab vor so viel Kreativität!
Gut gebrüllt, Rindviech!
2013 steht eine Kuh an einem Kreisel in einer Flächengemeinde, in dem die Autofahrer von morgens bis abends rotieren und sich wohl fragen: Wieso steht da eine Kuh? Die hat doch früher nicht da gestanden.
Die Kuh hat eine Art Tigerfell mit relativ dünnen Tigerstreifen, damit man sie nicht für eine fehlfarbenes Zebra hält.
Hat man drei Runden im Kreisel mit der Betrachtung der merkwürdigen Kuh verbracht, fällt dem aufmerksamen Betrachter auf, dass die Buchstaben F-D-P auf die Kuh gemalt worden sind, was darauf hindeutet, dass es sich um eine von den Freidemokraten aufgestellte Tigerattrappe handeln muss.
Es ist Wahlkampf, und da fällt den Parteien plötzlich etwas ein, nachdem sie vier Jahre lang stumpf in die Gegend gestarrt haben. Was will die FDP sagen?
1.Wir mögen Tiere, auch Kühe, denn wir sind auch auf dem Land präsent, weil es da auch Rechtsanwälte und Zahnärzte gibt, die man schlichtweg zur Mitte des Volkes zählt, wenn auch zur oberen Mitte, die sich von der unteren deutlich in finanzieller Hinsicht abhebt.
Die Kuh symbolisiert auch die Frau in der FDP, die toleriert man, auch wenn sich eine dumme ihrer Art beim Abschreiben für die Doktorarbeit hatte erwischen lassen. Ein Herz für Rinder!, mag dem Betrachter einfallen.
2.Die Kuh symbolisiert das Land, die Ernährung, die Ruhe und die Kraft, die sie aus dieser bezieht.
Auch wenn das Tier nicht mehr in jedem Haushalt zu finden ist, so weiß doch jedes Kind, dass die Milch nicht aus dem Karton, sondern aus dem Euter kommt. Das will die FDP bewahren, denn manches Kind trinkt lieber aus dem Karton und ekelt sich vor warmer Milch aus einem sekundären Geschlechtsmerkmal eines Viechs.
3.Die Kuh im Tigerfell symbolisiert die FDP und stellt ein Äquivalent zum Schaf im Wolfspelz dar, das jeder aus dem Märchen kennt, von denen die FDP so herzlich gerne zu erzählen mag.
4.Hüte dich vor dem Tiger, es könnte eine Kuh sein!, mag die vierte Botschaft sein, und wir denken sofort an Cave Canem, Cannabis, Carpe diem und Canneloni. Was die Partei damit sagen will, bleibt unentdeckt, aber das ist nicht weiter schlimm, denn es geht im Wahlkampf nicht um Inhalte, sondern um die Form. Und die Form ist schön, wenn auch leicht verfälscht. Im Innern ist die Kuh hohl, und das kann Programm sein, mahnt zur Bescheidenheit; der Wähler sollte nicht zuviel erwarten, denn geboten wird nichts.
5.Wenn sich die Politiker auch wie Tiger geben, dann sind sie doch nur Rindviecher, die wiederkäuen, was man ihnen bereits vor Jahren einverleibt hat. Die Wähler müssen dann das Vorverdaute letztlich schlucken, wenn sie nicht wollen, dass hinten nur Mist herauskommt.
Hut ab vor so viel Kreativität!
Gut gebrüllt, Rindviech!
Günter Krass: Ein Mann tut, was er sagt
Ein Mann tut, was er sagt, dachte Onkel und sprach es dann doch lieber aus, denn er wollte diesen Leitsatz, den er irgendwo in einer fantastischen Ritterfilmserie gehört hatte, die in einem fiktiven Land spielte, auch beherzigen, denn sonst entwertete er dieses "Ein Mann tut, was er sagt" auf der Stelle.
Ein Mann tut, was er sagt, sprach der Onkel nach jahrelanger mit Tante verbrachter gemeinsamer Schweigsamkeit aus und schickte sich an, einen Klodeckel zu reparieren, der ein Stück verrutscht war und den Sitzenden die Schüssel in die Kniekehle drückte, was kein entspannendes Gefühl verursachte.
Ein Mann klappt einen Klodeckel hoch, sagte der Onkel und klappte den Klodeckel hoch.
Ein Mann betrachtet das Scharnier, an dem der Klodeckel befestigt ist, fuhr der Onkel fort, und besah sich die Befestigung des Deckels, um eine Schraube zu finden, an der er Korrekturarbeiten vornehmen könnte.
Ein Mann sieht keine Schraube, an der man die Lage des Klodeckels korrigieren oder justieren könnte, sprach der Onkel, und erkannte wirklich nichts.
Alles war glatt und ästhetisch, sogar unter einem Klodeckel.
Ein Mann denkt, dass da nichts zu machen ist, sagte der Onkel und reckte sich, denn er hatte gehockt, was ihm eine recht unbequeme Haltung war.
Ein Mann reckt sich, damit das Blut fließen kann, ergänzte der Onkel, indes die Tante zur Tür hereinkam.
Onkel, was sprichst du dauernd vor dich hin, ist dir nicht gut? Du sagst doch sonst nie was?, fragte die Tante besorgt.
Ein Mann spricht zu einer Frau, sagte der Onkel. Ein Mann tut, was er sagt, erklärte er.
Aber Onkel, erwiderte die Tante, das was du tust, müsste heißen "Ein Mann sagt, was er tut".
Ein Mann verlässt jetzt diesen Raum, sagte der Onkel, und wollte zur Tür hinaus.
Dann bring doch gleich den Müll runter, gestern hast du gesagt, dass du das heute tun willst, sprach die Tante.
Später, später, wenn überhaupt, wird ein Mann Müll hinunterbringen, antwortete der Onkel, im Moment ist ein Mann verwirrt.
Onkel, sagte die Tante, gestern hast du gesagt, dass du den Müll runterbringen willst. Ein gutes Beispiel für "Gesagt, getan". Das ist doch dasselbe.
Ein Mann muss nachdenken, ein Mann findet keine Lösung für ein Klodeckelproblem, ein Mann muss ruhen, sprach der Onkel und ging in den Ruheraum, um sich einen Moment hinzulegen.
Es war nicht leicht, ein ehrenwertes Leben zu führen.
Ein Mann schläft gleich eine Weile, sagte der Onkel und diesmal stimmte der Satz.
Ein Mann tut, was er sagt, sprach der Onkel nach jahrelanger mit Tante verbrachter gemeinsamer Schweigsamkeit aus und schickte sich an, einen Klodeckel zu reparieren, der ein Stück verrutscht war und den Sitzenden die Schüssel in die Kniekehle drückte, was kein entspannendes Gefühl verursachte.
Ein Mann klappt einen Klodeckel hoch, sagte der Onkel und klappte den Klodeckel hoch.
Ein Mann betrachtet das Scharnier, an dem der Klodeckel befestigt ist, fuhr der Onkel fort, und besah sich die Befestigung des Deckels, um eine Schraube zu finden, an der er Korrekturarbeiten vornehmen könnte.
Ein Mann sieht keine Schraube, an der man die Lage des Klodeckels korrigieren oder justieren könnte, sprach der Onkel, und erkannte wirklich nichts.
Alles war glatt und ästhetisch, sogar unter einem Klodeckel.
Ein Mann denkt, dass da nichts zu machen ist, sagte der Onkel und reckte sich, denn er hatte gehockt, was ihm eine recht unbequeme Haltung war.
Ein Mann reckt sich, damit das Blut fließen kann, ergänzte der Onkel, indes die Tante zur Tür hereinkam.
Onkel, was sprichst du dauernd vor dich hin, ist dir nicht gut? Du sagst doch sonst nie was?, fragte die Tante besorgt.
Ein Mann spricht zu einer Frau, sagte der Onkel. Ein Mann tut, was er sagt, erklärte er.
Aber Onkel, erwiderte die Tante, das was du tust, müsste heißen "Ein Mann sagt, was er tut".
Ein Mann verlässt jetzt diesen Raum, sagte der Onkel, und wollte zur Tür hinaus.
Dann bring doch gleich den Müll runter, gestern hast du gesagt, dass du das heute tun willst, sprach die Tante.
Später, später, wenn überhaupt, wird ein Mann Müll hinunterbringen, antwortete der Onkel, im Moment ist ein Mann verwirrt.
Onkel, sagte die Tante, gestern hast du gesagt, dass du den Müll runterbringen willst. Ein gutes Beispiel für "Gesagt, getan". Das ist doch dasselbe.
Ein Mann muss nachdenken, ein Mann findet keine Lösung für ein Klodeckelproblem, ein Mann muss ruhen, sprach der Onkel und ging in den Ruheraum, um sich einen Moment hinzulegen.
Es war nicht leicht, ein ehrenwertes Leben zu führen.
Ein Mann schläft gleich eine Weile, sagte der Onkel und diesmal stimmte der Satz.
Tonnes Tagebuch: Honig aufs Brot
Liebes Tagebuch!
Heute beim Honigaufsbrotschmieren - ich finde, das Wort sieht komisch aus nach der neuen Rechtschreibung - fiel mir auf, dass immer etwas Honig am Messer kleben bleibt und ich hatte ein Gefühl von Verschwendung, von gedankenlosem Umgehen mit der Welt und von Ignoranz den Hungernden gegenüber. Ich rechnete aus, wie viel Honig es ergeben würde, wenn ich tausendmal ein Brot schmierte, was ja lebenszeitlich gesehen nicht ungewöhnlich ist. Vielleicht sollte ich auf Honig verzichten, denn wir essen ja etwas, was wir gar nicht erwirtschaftet haben und nehmen es den "fleißigen" Bienen weg. Ich schreibe fleißig in Anführungszeichen, denn man sollte Tiere nicht romantisieren. Bienen sehen vielleicht fleißig aus, kennen das Wort wahrscheinlich nicht einmal. Mir fiel dann ein, dass ich neulich von einer Biene gestochen worden war, einen dicken Fuß hatte und irgendwie sauer war, dass die ständig auf meinem Rasen im Klee rumwühlen, um Honig zu sammeln, den ich mir nicht erlaube zu essen. Vielleicht habe ich die Biene auch zertreten, denn der Stachel war unter meinem Fuß und sie hat sich nur gewehrt. Wahrscheinlich war es ein Reflex, denn Bienen kennen das Wort wehren genausowenig wie fleißig.
Ich werde wohl, wenn ich denn was Süßes essen will, auf Marmelade umsteigen.
Irgendwie hängt an Honig zu viel dran. Und der Honig hängt auch zu viel an Dingen dran, zum Beispiel am Messer und manchmal am Mundwinkel, was nicht gut aussieht. Schlimmer finde ich allerdings Eigelb, wenn das an der Lippe oder am Kinn hängt.
Heute beim Honigaufsbrotschmieren - ich finde, das Wort sieht komisch aus nach der neuen Rechtschreibung - fiel mir auf, dass immer etwas Honig am Messer kleben bleibt und ich hatte ein Gefühl von Verschwendung, von gedankenlosem Umgehen mit der Welt und von Ignoranz den Hungernden gegenüber. Ich rechnete aus, wie viel Honig es ergeben würde, wenn ich tausendmal ein Brot schmierte, was ja lebenszeitlich gesehen nicht ungewöhnlich ist. Vielleicht sollte ich auf Honig verzichten, denn wir essen ja etwas, was wir gar nicht erwirtschaftet haben und nehmen es den "fleißigen" Bienen weg. Ich schreibe fleißig in Anführungszeichen, denn man sollte Tiere nicht romantisieren. Bienen sehen vielleicht fleißig aus, kennen das Wort wahrscheinlich nicht einmal. Mir fiel dann ein, dass ich neulich von einer Biene gestochen worden war, einen dicken Fuß hatte und irgendwie sauer war, dass die ständig auf meinem Rasen im Klee rumwühlen, um Honig zu sammeln, den ich mir nicht erlaube zu essen. Vielleicht habe ich die Biene auch zertreten, denn der Stachel war unter meinem Fuß und sie hat sich nur gewehrt. Wahrscheinlich war es ein Reflex, denn Bienen kennen das Wort wehren genausowenig wie fleißig.
Ich werde wohl, wenn ich denn was Süßes essen will, auf Marmelade umsteigen.
Irgendwie hängt an Honig zu viel dran. Und der Honig hängt auch zu viel an Dingen dran, zum Beispiel am Messer und manchmal am Mundwinkel, was nicht gut aussieht. Schlimmer finde ich allerdings Eigelb, wenn das an der Lippe oder am Kinn hängt.
Die Mitte entlasten
![]() |
| Wo genau ist die Mitte? |
Phipp Rör wählen.
Rar Brüle auch.
Die Mitte meisten Kohle entlasten.
![]() |
| Ist das die Mitte? |
Anglizismen und Germanismen im Alltag: All hands on deck
Käpt'n Wilhelm(Auf Deck): All hands on deck!
Mannschaft(Unter Deck): Watt is?
Käpt'n Wilhelm: All hands on deck! Aber dalli!
Mannschaft: Was heißt das denn?
Käpt'n Wilhelm: All hands on deck! Ich sag das nicht noch mal!
Smutje: Ich glaube das heißt "Hände hoch!"
Steuermann: Ich glaub's nicht!
Smutje: Ich hab mal Englisch bei der VHS gemacht.
Steuermann: Ich dachte du hättest Abitur!
Smutje: Dann wär ich jetzt Käpt'n.
Käpt'n Wilhelm: All Hands on deck! Zum letzten Mal!
Mannschaft: War doch eben schon das letzte Mal!
Smutje: Das ist ein bildhafter Ausdruck und heißt übersezt: Alle Hände an die Decke! Und wenn das keiner tut, dann knallt's.
Käpt'n Wilhelm: All hands on deck! Sonst knallt's!
Smutje: Sag ich doch.
Mannschaft (Nimmt die Hände hoch): Ok,ok. (Lauter) Gebongt, Käpt'n!
Käpt'n Wilhelm: Das darf nicht wahr sein! (verzweifelt) Der Kapitän steht und fällt mit der Qualität der Mannschaft. (Kippt um und bleibt an Deck liegen)
Lyrikschule: "Haufenreime" - Georg Krakl: Dauerlaufen
Nach dem Dauerlaufen
mit dem Running-Schuh in Hundehaufen.
Schnaufen.
Hände fischen
Weidenblätter um die Sohle freizuwischen.
Ging daneben.
Schnaufen.
Haare raufen.
Falsche Hand gewählt.
Leben
hat mich angezählt.
mit dem Running-Schuh in Hundehaufen.
Schnaufen.
Hände fischen
Weidenblätter um die Sohle freizuwischen.
Ging daneben.
Schnaufen.
Haare raufen.
Falsche Hand gewählt.
Leben
hat mich angezählt.
Mutter, Kind und Seeschlange
![]() |
| W.Hackeböller: Kachel 4/126 - Mutter, Kind und Seehuhn (2013) |
Mutter, Mutter!, schrie es. Eine Seeschlange.
Kind, beruhigte die Mutter, es gibt keine Seeschlangen.
Aber dahinten sehe ich doch eine, dann muss es ja wohl welche geben, ließ das Kind nicht locker.
Pappalapapp!, erwiderte die Mutter und schwamm mit kräftigen Stößen gen Amerika. Seeschlangen sind eine Erfindung der Märchenbücher.
Mutter, Mutter, jetzt das Kind, Märchenbücher können doch gar nichts erfinden. Da kann man doch höchstens etwas reinschreiben, was man erfunden hat.
Hast du wieder in deinem Märchenbuch rumgekritzelt, Kind? Ich habe dir tausendmal gesagt: Kritzel nicht in deinem Märchenbuch herum!
Die Mutter wurde allmählich ungeduldig, denn der Weg nach Amerika war noch weit und unterwegs lauerten immer allerlei Ungeheuer. Ausgenommen Seeschlangen, denn die waren eine Erfindunge der Märchenonkels.
Das ist eben eine Erfindung der Märchenonkels, wetterte die Mutter zurück, und jetzt sei ruhig und spar deine Kräfte für den Rest des Weges.
Mutter, Mutter, ist der Plural von Onkel nicht Onkeln?, fragte das Kind, nachdem es 14 Minuten geschwiegen hatte.
Mutter, Mutter?
Die Mutter befand sich bereits im ersten Körperdrittel der Seeschlange, die es eigentlich nicht gibt.
Mutter, wenn du nicht antwortest, schwimme ich wieder zurück! Ich wollte sowieso nicht nach Amerika.
Die Seeschlange würgte ein wenig, denn die Mutter trug einen Neoprenanzug. Deshalb rutschte sie schlecht.
Ein Königreich für eine kühles Helles, dachte die Seeschlange, nur zum Runterspülen.
Die Mutter dachte: Die neuen Neoprenanzüge sind sehr eng und rutschen nicht. Und überhaupt, dass es schon dunkel ist. Ich werde ja wohl nicht in einer Seechlange stecken?
Die Seeschlange dachte: Ich hätte das Kind nehmen sollen, auch wenn es kleiner ist.
Das Kind dachte: Gut, dass es keine Seeschlangen gibt. Es heißt Märchenonkel. Die Märchenonkel. Klingt komisch, irgendwie weiblich.
Die Märchenonkel, des Märchenonkels aber. Dem Märchenonkel, den Märchenonkel.
Die Märchenonkel, der Märchenonkel. Plural Genitiv wie Singular Nomintiv? Komisch, komisch. Einfacher wäre es, wenn es Seeschlangen gäbe, dann wäre die Frage nach dem Plural von Märchenonkel gar nicht erst aufgetreten. Mutter? Können wir uns nicht darauf einigen, Mutter, dass es doch Seeschlangen gibt? Mutter?
Der Ozean wogte und machte sich um unbeantwortete Fragen keine Sorgen. Morgen.
Morgen war ja auch noch ein Tag.
Und übermorgen. Und überübermorgen.
Nicht eingebaute Kirchenfenster (1): Neo Schmauch - Tulle rettet die Welt
![]() |
| Neo Schmauch: Tulle rettet die Welt (2013) |
Da hatte sich Schmauch wieder verkalkuliert. Mal gerade ein Kirchenfenster konstruieren und sich eine Geschichte ausdenken, die passen könnte. "Der 'Eilige Tulle' rettet die Welt", das könnte hinkommen, hatte Schmauch gedacht. Alles war bedrohlich, die Wolken standen tief und dunkel und dann wäre Tulle gekommen und hätte durch ein paar weise Sprüche dem Ganzen eine fröhliche Wendung gegeben. Die fröhliche Wendung wollte er dann zeigen, weil er noch so viele bunte Farben überhatte.
Domkapitulent Rolf aber hatte angemerkt, dass es in keiner der anerkannten Schriften der großen Religionen überhaupt einen Tulle gegeben habe, und so musste Schmauch von seinem Projekt Abstand nehmen. Viel Arbeit war es nicht gewesen, die Scherben zusammenzustellen, aber schade war es doch, denn das Fenster wäre ganz schön bunt geworden. Gerade in Kirchen neigt man ja immer wieder dazu, dezente Töne zu wählen, damit der Kirchgänger nicht in seiner Andacht gestört wird, der dann aber häufig einnickt, weil der Prediger immer so beruhigend ins Halbdunkle spricht.
So ist das nunmal: Grelle Töne und ein bizarres Arrangement reichen nicht, um in einem Sakralgebäude aufgehängt zu werden. "Der Eilige Tulle" klingt zwar ganz nett, aber wirklich adrett ist das nicht. Etwas mehr Leiden hätte es schon sein dürfen und auch mal ein trauriges Gesicht, denn immerhin hatte es gegolten, die Welt zu retten.
Wer will schon gerettet werden, wenn es ihm gut geht?
Vor der Wahl ist nach der Wahl
Das haben die großen Parteien gemeinsam: Sie sind ehrlich und stehen dazu, wenn sie mal wieder Mist gebaut haben, um es volksnah zu formulieren.
Dass Drohungen zur Drohnenaffäre am Kanzleramtschef abgeglitten sind, dass sich die Wahrheit nur schwer, wenn nicht schwerlich ermitteln ließ, lässt seine Partei nicht im Raum stehen, sondern geht in die Offensive, unbemannt natürlich.
Ein Auszug aus einer Wahlkampfrede beweist, worum es dem Politiker und der Partei geht:
"Lügen haben wenigstens kurze Beine, die Wahrheit aber hat aber gar keine.
Wie soll sie denn da stehenbleiben? Mag sein, dass die Wahrheit liegt, dann wäre sie den Lügen gegenüber gehandicappt. Die Wahrheit kann sich nicht einmal fortbewegen, auch wenn sich manche das manchmal wünschen. Die Wahrheit bleibt; der Kurzbeinige aber kann weggehen und anderswo sein Wesen treiben.
Wer christlich-demokratisch wählt, weiß sein Herz für Kurzbeinige und ähnlich Geartete gut untergebracht. Wer es aber der Wahrheit gleichtut und einfach liegenbleibt, so tut, als habe er keine Beine und könne sich nicht bewegen und arbeiten, der ist träge und faul und schmarotzt und nutzt aus und liegt dem Bürger mit den kurzen Beinen auf der Tasche. Und den Politikern natürlich auch.
Jeder sollte wissen, was er tut. Das ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, mit der man in der Regel nicht viel anfangen kann. Hauptsache das Kreuz auf dem rechten Fleck machen!
Danke für ihre Aufmerkel!"
Aus der Reihe "Reden und einfach weiterreden lassen" nächste Woche "Wo Phil Lipp, da viel R wie Rösler".
Dass Drohungen zur Drohnenaffäre am Kanzleramtschef abgeglitten sind, dass sich die Wahrheit nur schwer, wenn nicht schwerlich ermitteln ließ, lässt seine Partei nicht im Raum stehen, sondern geht in die Offensive, unbemannt natürlich.
Ein Auszug aus einer Wahlkampfrede beweist, worum es dem Politiker und der Partei geht:
"Lügen haben wenigstens kurze Beine, die Wahrheit aber hat aber gar keine.
Wie soll sie denn da stehenbleiben? Mag sein, dass die Wahrheit liegt, dann wäre sie den Lügen gegenüber gehandicappt. Die Wahrheit kann sich nicht einmal fortbewegen, auch wenn sich manche das manchmal wünschen. Die Wahrheit bleibt; der Kurzbeinige aber kann weggehen und anderswo sein Wesen treiben.
Wer christlich-demokratisch wählt, weiß sein Herz für Kurzbeinige und ähnlich Geartete gut untergebracht. Wer es aber der Wahrheit gleichtut und einfach liegenbleibt, so tut, als habe er keine Beine und könne sich nicht bewegen und arbeiten, der ist träge und faul und schmarotzt und nutzt aus und liegt dem Bürger mit den kurzen Beinen auf der Tasche. Und den Politikern natürlich auch.
Jeder sollte wissen, was er tut. Das ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, mit der man in der Regel nicht viel anfangen kann. Hauptsache das Kreuz auf dem rechten Fleck machen!
Danke für ihre Aufmerkel!"
Aus der Reihe "Reden und einfach weiterreden lassen" nächste Woche "Wo Phil Lipp, da viel R wie Rösler".
Vor der Wahl kommt die Qual
Nachdem nun auch Politikerin Silvana K.-S. ihren Titel wegen Abschreibens abgeben musste, wirft sich ihr Schwesterles Erzfeind Brüderle an die Backe und raunt: Frauen ohne Doktortitel wirken irgendwie netter, nicht so abgehoben, nicht so unnahbar, offener und zugänglicher. Und überhaupt: Wozu brauchen die den überhaupt? Küsschen links, Küsschen rechts! Und jetzt zur Sache, Schätzchen!
Kindererziehung geht doch aus dem Bauch heraus! Hahahaha, lacht der Freidemokrat über seinen schlechten Scherz, denn einer muss es ja tun. Dass er nicht nur Frauen im Kopf hat, widerlegt er mit der Information, er übe abends Hindernislauf, damit er die 5-Prozent-Hürde in den Bundestag schaffe. Sein Sportabzeichen wolle er demnächst auch ablegen, denn das wirke irgendwie lächerlich, es immer hinter dem Revers seines Sakkos zu tragen.
Günter Krass: Frau beim Vorbeischwimmen auf Schemel (3)
Neulich schwamm ich unter Wasser und traf auf eine Frau. die auf einem Schemel hockte und irgendwie ein rosa Ei gelegt hatte, oder man hatte es unter sie gelegt.
Sie saß eher verkrampft und schien auf einer Tastatur zu tippen, war an Schläuche verschlaucht und hatte eine Art Atemmaske im Mund und eine Taucherbrille, die ihr ein surrealistisches Aussehen gaben.
Sie war vollkommen unbekleidet und sich dessen wohl nicht bewusst, denn sie saß konzentriert und in sich versunken auf dem Schenkel, unter dem ein rosa Ei saß oder schwebte oder schwamm, das konnte ich nicht erkennen.
Ich dachte im ersten Moment, ich müsse ihr helfen, doch dann sah ich einige dünne Wesen in ihrer Nähe, so wie man sich Geister vorstellt, die man vor dem Eintüten die Luft abgesaugt hatte.
Ich beschloss, nicht weiter zu fragen, denn mir selbst ging gerade die Luft aus, und man soll ja anderen nicht helfen, wenn man selbst in Gefahr kommt dadurch eben.
Schade.
Die Frau mit den Kabeln sah eigentlich ganz gut aus und ich hätte sie gern auf einen Kaffee oder eine Latte eingeladen. Unter Wasser ist das aber schwierig, denn man bekommt kaum Luft und wenn man den Mund aufmacht ohne auszuatmen, dann strömt Wasser in den eigenen Körper und man wird vielleicht überflutet.
Trotzdem fand ich sie nett, obwohl sie mich gar nicht bemerkt hatte.
Die dünnen Wesen aber versuchten Kontakt mit ihr aufzunehmen durch Handzeichen, obwohl sie keine Hände hatten, aber irgendwie schafften sie es, mich aufmerksam zu machen. Sie formten Hände und zeigten mir den Mittelfinger, als wollten sie sagen: Des Rätsels Lösung liegt in der Mitte. Oder: Eine Hand wäscht den Mittelfinger der anderen Hand, was ja bekanntlich ein altes Sprichwort ist.
Ich schwamm dann doch weiter.
Ich schwamm dann doch weiter.
Deutschland vor der Wahl: Ich ess' einen Apfel für Sie
Da sitzt unser Steffen gekonnt lässig wie nie auf dem Wahlplakat, er, den wir nur in steifem Anzug kennen, der bis vor einiger Zeit noch Bartträger war und von der bedrohlichen Kugeligkeit des Kopfes ablenken wollte; er hat locker einen grünen Pullover um die Schultern drapiert, als wolle er sagen: Mich friert es nicht, aber wenn, dann wäre da was, was mich wärmte!, und hält in der Hand einen Apfel über einem Tablett, das seine Frau nicht schöner hätte dort hinstellen können. Ich ess auch Äpfel, scheint die Botschaft zu lauten, und das tue ich auch im Bundestag für Sie und Sie und ganz besonders Sie.
Die Brille wie immer korrekt vor den Augen und ein smartes Lächeln wollen uns mitteilen, dass es im Bundestag doch viel schöner ist, als mancher sich denkt, immerhin gibt es kostenloses Mittagessen, wenn man seine Marken sorgfältig einteilt. Neulich hatte eine Servicekraft den Teller noch mit einem Extraschlag versehen, denn sie hatte den Steffen wiedererkannt.
Alles zusammengefasst will uns unser Steffen mitteilen, dass er gewählt werden will, denn ein Job im Bundestag wird ganz gut bezahlt.
Der Pullover deutet an, dass er als Christlicher sich auch die Grünen aufbürden würde, wenn es mit den Pappkameraden der Freien nicht klappen sollte. Der Apfel dupliziert den runden Schädel und kündet von der frohen Botschaft für alle Kugelköpfigen: Macht es euch schön! Macht macht schön! Macht macht mächtig! Keine Macht für Oma!
Die Listen der Machtnix-Sätze ist unendlich und verstehen muss sie keiner.
Wählen, das ist wichtig.
Das Kreuz an die richtige Stelle machen, auch wenn man's in ihm hat.
Die Crux mit dem Kreuz .... aber damit hatte die Christen es ja immer.
Wer seinen Apfel für einen anderen Menschen isst, kann sich des Paradieses gewiss sein.
Blödsinn!, wird mancher denken und damit recht haben. Aber so ist es nunmal im Wahlkampf. Die Wahrheit kommt immer erst hinterher, weil Lügen zwar kurze Beine haben, die Wahrheit aber keine.
Die Brille wie immer korrekt vor den Augen und ein smartes Lächeln wollen uns mitteilen, dass es im Bundestag doch viel schöner ist, als mancher sich denkt, immerhin gibt es kostenloses Mittagessen, wenn man seine Marken sorgfältig einteilt. Neulich hatte eine Servicekraft den Teller noch mit einem Extraschlag versehen, denn sie hatte den Steffen wiedererkannt.
Alles zusammengefasst will uns unser Steffen mitteilen, dass er gewählt werden will, denn ein Job im Bundestag wird ganz gut bezahlt.
Der Pullover deutet an, dass er als Christlicher sich auch die Grünen aufbürden würde, wenn es mit den Pappkameraden der Freien nicht klappen sollte. Der Apfel dupliziert den runden Schädel und kündet von der frohen Botschaft für alle Kugelköpfigen: Macht es euch schön! Macht macht schön! Macht macht mächtig! Keine Macht für Oma!
Die Listen der Machtnix-Sätze ist unendlich und verstehen muss sie keiner.
Wählen, das ist wichtig.
Das Kreuz an die richtige Stelle machen, auch wenn man's in ihm hat.
Die Crux mit dem Kreuz .... aber damit hatte die Christen es ja immer.
Wer seinen Apfel für einen anderen Menschen isst, kann sich des Paradieses gewiss sein.
Blödsinn!, wird mancher denken und damit recht haben. Aber so ist es nunmal im Wahlkampf. Die Wahrheit kommt immer erst hinterher, weil Lügen zwar kurze Beine haben, die Wahrheit aber keine.
Fotos schöner machen
Ein Tipp: Lächeln zieht immer. Auch wenn es nicht das eigene ist.
Plattentektonik und Erkenntnis
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| WIlfried Hackeböller: Kachel 3/126 "Hund, Katze, Großohrhamster und liegendes Huhn neben Belgischem Rammler" (2013) |
Aber manchmal ist das, was wir sehen, auch zwingend; wir entscheiden nicht über das, was sich uns entgegenstellt.
Wer die Hackeböllersche Plattentektonik auf dessen Minibalkon besichtigt hat, wer diese Ausstellung des Minimalismus bei größtmöglicher Gewinnerwartung und kleinstmöglichem Arbeitseinsatz gesehen hat, wer weiß, dass hier dem Künstler "Zufall" die Kreativität überlassen worden ist, der kann nur noch losschauen und einen Sinn hinter dem Gesprenkel suchen.
Eine Anordnung von Flecken und Linien drängt förmlich dahin, Kritik an Haustierhaltung und vor allem dem Haustier "an sich" zu üben.
Die Katze als Obertier, weil angeblich mit dem schärfsten Verstand beschenkt, will herrschen, schaut auf den tumben Hund herab, der sich duckt, weil er Angst vor Schmerzen hat, weil er in der Hundeschule in der selben Ecke stehen musste, in die er seine stinkende Hinterlassenschaft abgelegt hatte und weil er einfach ein Herrchen braucht, das ihm sagt, wann es losgeht und wohin.
Oben und unten sind klar geregelt; der Mensch merkt nichts und hält sich raus; am Elend der Tierhierarchie kann er nichts ändern. Der Großohrhamster unterlässt Hilfeleistung und macht sich zum verachteten Tier, das nur dem Eigennutz huldigt.Er bleibt unauffällig und karikiert damit den Massenmenschen, der sein Geld in Depots und Fonds hortet und den die Raffgier auffressen möchte, wenn er nicht einen Nachgeschmack hinterlassen würde.
Ein erstauntes Kaninchen sitzt zwischen allen Stühlen und kann sich nicht entscheiden. Die Katze fräße es, wäre es nicht ein Belgischer Rammler, der ihr problemlos ein Schleudertrauma verpassen könnte. Kaninchen sind in der Regel recht schlicht gestrickt, das Belgische Rassetier ist da keine Ausnahme.
Ein blindes Huhn hat sich auf die Seite gelegt und den Schnabel gegen ein Maul getauscht, um noch erstaunter auszusehen. Dass es wirkt, als wolle es mit dem Hund kuscheln, scheint niemanden zu befremden, denn Hühner sind devot und haben nach dem Eierlegen nur das Bequeme im Sinn.
Das alles, das allesallesalles und noch viel mehr kann man auf einer einzigen Fliese entdecken. Wer die Augen öffnet, kann mit dem Sehen beginnen.
Man mag von Hackeböller als Künstler halten was man will, oder auch nicht.
Die Tierwelt dankt es mit einem "mmmmmmrrrrrrrrruuuaaaaaaaaahhuööööörwuff!" und hofft, dass sie nicht unentdeckt bleibt.
Aus der Tierwelt: Die Bremer Stadtsimulanten
Chrrrr: Wenn wir berühmt werden wollen, brauchen wir einen Namen, das ist wie ein Markenzeichen.
Mau: Ich hab es doch gesagt: Die Bremer Stadtsimulanten.
Wau: Gibt es die nicht schon?
Mau: Du meinst die "Bremer Stadtmusikanten".
Wau: Aber wir können doch gar kein Instrument spielen.
Chrrrr: Doch.
Mau: Was denn?
Chrrrr: Nasenflöten. Zwei auf einmal, in jedes Loch stecke ich eine.
Wau: Und wie holst du Luft?
Chrrr: Durch die Haut.
Wau: Donnerwetter.
Chrrrr: Scherz.
Mau: Leute, zur Sache!
Wau: Jawohl.
Chrrrr: Also, was jetzt.
Mau: Bremer Stadtsimulanten. Wer ist dafür?
Wau: Ich.
Chrrrr: Ich.
Mau: Ich auch. Einstimmig.
Wau: Was sind eigentlich Stadtsimulanten?
Mau. Die Frage kommt jetzt zu spät.
Chrrrr: Aber hundertpro.
Wau: Man kann ja mal fragen.
Mau: Eben.
Anmerkung der Redaktion: Der Name "Chrrr" wird durch Einsaugen der Luft durch die Nase erzeugt, indem man die Nasenflügel flattern lässt.
Der Autor wünscht von Herzen, dass der Name auch in der Menschenwelt sowohl als männlicher als auch als weiblicher Vorname Einzug hält. Wie schön wäre es, wenn Menschen nachts im Schlaf den Namen ihres Kindes unablässig an die Zimmerdecke intonierten.
Mau: Ich hab es doch gesagt: Die Bremer Stadtsimulanten.
Wau: Gibt es die nicht schon?
Mau: Du meinst die "Bremer Stadtmusikanten".
Wau: Aber wir können doch gar kein Instrument spielen.
Chrrrr: Doch.
Mau: Was denn?
Chrrrr: Nasenflöten. Zwei auf einmal, in jedes Loch stecke ich eine.
Wau: Und wie holst du Luft?
Chrrr: Durch die Haut.
Wau: Donnerwetter.
Chrrrr: Scherz.
Mau: Leute, zur Sache!
Wau: Jawohl.
Chrrrr: Also, was jetzt.
Mau: Bremer Stadtsimulanten. Wer ist dafür?
Wau: Ich.
Chrrrr: Ich.
Mau: Ich auch. Einstimmig.
Wau: Was sind eigentlich Stadtsimulanten?
Mau. Die Frage kommt jetzt zu spät.
Chrrrr: Aber hundertpro.
Wau: Man kann ja mal fragen.
Mau: Eben.
Anmerkung der Redaktion: Der Name "Chrrr" wird durch Einsaugen der Luft durch die Nase erzeugt, indem man die Nasenflügel flattern lässt.
Der Autor wünscht von Herzen, dass der Name auch in der Menschenwelt sowohl als männlicher als auch als weiblicher Vorname Einzug hält. Wie schön wäre es, wenn Menschen nachts im Schlaf den Namen ihres Kindes unablässig an die Zimmerdecke intonierten.
Hackeböller: Mein Ostbalkon Kachel 2/126 "Spiegelei"
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| Wilfried Hackeböller: "Spiegelei" aus "Mein Ostbalkon" (2013) Material: Geplatzte Fliese, Fugenzement, Wasser, Dreck |
Hackeböller schneidet immer wieder Lebensthemen an. Das Spiegelei spielt besonders im Leben einsamer Menschen eine Rolle, insoweit, dass es suggeriert, man könne sich in ihm sehen.
Hach, sehe ich heute wieder gelb aus, es wird doch wohl nicht die Leber sein; vielleicht ist es aber auch nur der schlecht ausgeheilte Sonnenbrand von letzter Woche.
So oder ähnlich können Gespräche sein, die beim Anblick des Objektes initiiert werden.
Nebenbei stellt sich heraus, dass das Weiße eher selten Ansprechpartner ist, das Gelbe dominiert in dieser Rolle unbedingt.
Kulturkritisch gesehen, scheint für die weiße Rasse der Spätherbst eingeläutet zu sein, das Gelbe und damit der gelbe Mensch deutet auf die dynamische Progression aus Asien hin, die die Weißen ins Abseits drängt, wenn er dem nicht Einhalt gebieten kann.
Noch am Rande, aber in die Mitte drängend, kann sich der Billiglandgroßproduzent von Plastikspielzeug und anderem Unnützen unaufhaltsam in das Terrain der Weißen schieben und Zentimeter um Zentimeter Land gewinnen.
Wer in den Spiegel sieht, sollte sich nicht wundern, wenn er etwas sieht.
Ein Spiegelei allerdings ist nur ein Trugbild, dem man nicht verfallen sollte.
China ist weit.
Das Weiße ist groß.
Der rote Mann ist der tote Mann; dafür haben die hellhäutigen Usurpatoren gesorgt.
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Das ist doch ein Kinderspiel.
Auch wenn viele Fragen offen bleiben, so fehlen uns doch die Antworten.
Hackeböller verwirrt wie immer.
Neue Ausstellung mit Exponaten von Wilfried Hackeböller : Mein Ostbalkon (2013)
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| Wilfried Hackeböller: Kachel 1/126 "Arm zum Gruße" (2013) |
Hackeböller hat sich diesmal dem Thema "Frostschäden/Wenn die Balkonverfliesung wegplatzt " gewidmet und hofft, mit dem Reinerlös den Neubau eines dreimal so großen Objektes zu finanzieren.
"Eine so kleine Ausstellung mit so vielen Exponaten, das hat es ja wohl noch nicht gegeben!", so Hackeböller. "Da wundert sich ja sogar der Flohzirkus."
Auch wenn man den gedanklichen Sprung in die Schaustellerwelt nicht nachvollziehen kann, die Exponate überzeugen mit radikaler Zerstörungskraft, ohne aber gewalttätig zu wirken. Neo-Destruktivismus will Hackeböller die Kunstrichtung benannt wissen und hofft, dass nicht schon wieder ein Kunstbanause zugeschlagen hat, um sich den Namen schützen zu lassen.
Was, wenn es noch gar keinen Destruktivismus gibt? Was soll dann die Vorsilbe Neo? Ach, wahrscheinlich gibt es den.
Hackeböller beschreibt das Neue an seiner Kunst: Nicht er selbst haut drauf, sondern er lässt draufhauen, diesmal durch den Frost.
Und der kann nichts dafür. Also auch ein bisschen Neo-Paziifismus.
Parabel: Das Gras und die Ameisen
Das Gras beugte sich tief unter der Mittagsglast. Die Hitze drückte es nieder und es ächzte, dass es wohl sterben würde. Jeden Tag der Hitzeperiode stöhnte und jammerte es, es gehe ein, verende, es sei verdammt.
"Halt endlich die Fresse!", schrien die Ameisen, die die Bestandteile einer toten Libelle in die Katakomben ihre Hügels schleppen mussten.
"Halt endlich die Fresse, beklopptes Gras! Wir schleppen uns bei dieser Hitze die Ärsche wund und du liegst nur rum!"
Dann kam ein Mensch des Weges und trampelte das Jammergras weiter nieder, sodass es sich am Boden zerstört glaubte.
"Oh, wie anmutig diese Ameisen trotz dieser Hitzeperiode doch arbeiten. Nichts geht verloren, nicht einmal diese tote Libelle", flüsterte der Mensch sich selber ins Ohr.
"Noch so ein Idiot!", schrien die Ameisen. "Anmut, Anmut, was soll das denn sein?"
"Almut! Almut!", rief der Mann seine Frau herbei. "Schau dir das auch an!"
Seine Frau trampelte über das Jammergras herbei und staunte über die Anmut der Ameisen.
Dein beiden Menschen fielen zwei Schweißtropfen von der Stirn und trafen zwei Ameisen, die gerade den Libellenunterschenkel rechts wegschleppten.
"Scheiße, auch das noch!", schrien die beiden, doch niemand konnte sie hören, weil so doch so klein waren, ausgenommen die anderen Ameisen, die in der Nähe waren.
Das Gras stöhnte und ächzte; die Menschen setzten ihren Weg fort und dachten: "Schön ist es auf der Welt zu sein."
"Du Helmut", sagte Almut, "ist das nicht ein Schlager von Roy Black und Annika? Oder Annemarie?
Oder Anita? Ja, genau, Anita! Wie alt die jetzt wohl sein mag?"
"Das ist von Roberto Blanco. Der ist doch auch schwarz", sagte Helmut.
Das Gras wollte immer noch sterben, die Ameisen kreischten fast ihr "Fresse halten!" raus und die Menschen waren betrübt, dass ein schöner Schlager nicht von Roy Black und Anita war.
Nur die Hitzeperiode störte das alles nicht. Sie dauerte an.
"Roy Black heißt übrigens König der Neger", klugscheißerte Helmut.
"So was sagt man nicht", korrigierte Almut.
"Hört doch keiner", murmelte Helmut.
"Halt endlich die Fresse!", schrien die Ameisen, die die Bestandteile einer toten Libelle in die Katakomben ihre Hügels schleppen mussten.
"Halt endlich die Fresse, beklopptes Gras! Wir schleppen uns bei dieser Hitze die Ärsche wund und du liegst nur rum!"
Dann kam ein Mensch des Weges und trampelte das Jammergras weiter nieder, sodass es sich am Boden zerstört glaubte.
"Oh, wie anmutig diese Ameisen trotz dieser Hitzeperiode doch arbeiten. Nichts geht verloren, nicht einmal diese tote Libelle", flüsterte der Mensch sich selber ins Ohr.
"Noch so ein Idiot!", schrien die Ameisen. "Anmut, Anmut, was soll das denn sein?"
"Almut! Almut!", rief der Mann seine Frau herbei. "Schau dir das auch an!"
Seine Frau trampelte über das Jammergras herbei und staunte über die Anmut der Ameisen.
Dein beiden Menschen fielen zwei Schweißtropfen von der Stirn und trafen zwei Ameisen, die gerade den Libellenunterschenkel rechts wegschleppten.
"Scheiße, auch das noch!", schrien die beiden, doch niemand konnte sie hören, weil so doch so klein waren, ausgenommen die anderen Ameisen, die in der Nähe waren.
Das Gras stöhnte und ächzte; die Menschen setzten ihren Weg fort und dachten: "Schön ist es auf der Welt zu sein."
"Du Helmut", sagte Almut, "ist das nicht ein Schlager von Roy Black und Annika? Oder Annemarie?
Oder Anita? Ja, genau, Anita! Wie alt die jetzt wohl sein mag?"
"Das ist von Roberto Blanco. Der ist doch auch schwarz", sagte Helmut.
Das Gras wollte immer noch sterben, die Ameisen kreischten fast ihr "Fresse halten!" raus und die Menschen waren betrübt, dass ein schöner Schlager nicht von Roy Black und Anita war.
Nur die Hitzeperiode störte das alles nicht. Sie dauerte an.
"Roy Black heißt übrigens König der Neger", klugscheißerte Helmut.
"So was sagt man nicht", korrigierte Almut.
"Hört doch keiner", murmelte Helmut.
Nietzsche: Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein
Abgrund: Kuck nicht so.
Bruno: Wieso? Ist doch nicht verboten.
Abgrund: Wenn du meinst.
Bruno: Ja, meine ich.
Abgrund: Wenn du weiter in mich reinkuckst, dann kucke ich auch in dich.
Bruno: Denkst du.
Abgrund: Nee, weiß ich. Das ist verbürgt.
Bruno: Von wem? Wer's glaubt...
Abgrund: Nietzsche.
Bruno: Na und? Kenn ich nicht.
Abgrund: Das war ein ganz Schlauer.
Bruno: Blödsinn.
Abgrund: Gar nicht.
Bruno: Und was siehst du?
Abgrund: Hab noch gar nicht angefangen.
Bruno: Dann fang doch mal an.
Abgrund: Ganz ruhig, ja? Das Tempo bestimmt immer noch ich. Du hast mit dem Kucken angefangen.
Bruno: Und, was siehst du?
Abgrund: Nichts.
Bruno: Wie, nichts?
Abgrund: Da ist nichts.
Bruno: Aber da muss doch was sein.
Abgrund: Nee, ist nichts.
Bruno: Dann wär ich ja hohl.
Abgrund: Höchstwahrscheinlich.
Bruno: Aber da müssen doch Innenwände sein, wenn ich hohl wäre.
Abgrund: Da ist nichts.
Bruno: Aber so hohl kann ich doch gar nicht sein, dass nicht mal Innenwände da sind.
Abgrund: Scheinbar doch.
Bruno: Du Arsch!
Abgrund: Völlig hohl.
Bruno:Ich komm da gleich hin!
Abgrund: Nicht mein Problem.
Bruno: Du denkst, ich trau mich nicht.
Abgrund: Wahrscheinlich bist du so hohl.
Bruno: Sag das nach mal und ich komme.
Abgrund: Wahrscheinlich bist du so hohl.
Bruno: Ich habe dich gewarnt.
Abgrund: Komm doch.
Bruno: Ok. Einmal lass ich dir das durchgehen.
Abgrund: Völlig hohl...
Bruno: Wieso? Ist doch nicht verboten.
Abgrund: Wenn du meinst.
Bruno: Ja, meine ich.
Abgrund: Wenn du weiter in mich reinkuckst, dann kucke ich auch in dich.
Bruno: Denkst du.
Abgrund: Nee, weiß ich. Das ist verbürgt.
Bruno: Von wem? Wer's glaubt...
Abgrund: Nietzsche.
Bruno: Na und? Kenn ich nicht.
Abgrund: Das war ein ganz Schlauer.
Bruno: Blödsinn.
Abgrund: Gar nicht.
Bruno: Und was siehst du?
Abgrund: Hab noch gar nicht angefangen.
Bruno: Dann fang doch mal an.
Abgrund: Ganz ruhig, ja? Das Tempo bestimmt immer noch ich. Du hast mit dem Kucken angefangen.
Bruno: Und, was siehst du?
Abgrund: Nichts.
Bruno: Wie, nichts?
Abgrund: Da ist nichts.
Bruno: Aber da muss doch was sein.
Abgrund: Nee, ist nichts.
Bruno: Dann wär ich ja hohl.
Abgrund: Höchstwahrscheinlich.
Bruno: Aber da müssen doch Innenwände sein, wenn ich hohl wäre.
Abgrund: Da ist nichts.
Bruno: Aber so hohl kann ich doch gar nicht sein, dass nicht mal Innenwände da sind.
Abgrund: Scheinbar doch.
Bruno: Du Arsch!
Abgrund: Völlig hohl.
Bruno:Ich komm da gleich hin!
Abgrund: Nicht mein Problem.
Bruno: Du denkst, ich trau mich nicht.
Abgrund: Wahrscheinlich bist du so hohl.
Bruno: Sag das nach mal und ich komme.
Abgrund: Wahrscheinlich bist du so hohl.
Bruno: Ich habe dich gewarnt.
Abgrund: Komm doch.
Bruno: Ok. Einmal lass ich dir das durchgehen.
Abgrund: Völlig hohl...
Weiser Mann und noch weiserer Mann nach dem Erkenntnisbrabbeln
Der weise Mann schwafelte mal wieder rum, denn er hatte von seinem Meister gelernt: Schwafel rum, wenn du ein weiser Mann werden willst, irgendwas Gutes ist schon dabei.
Das kannst du dann dem Volk erzählen und alle werden an deinen Lippen hängen und dich für einen weisen Mann halten.
Der weise Mann legte los, er hatte sein Frühstück, das aus einem hartgekochten Ei, Schinken und einer guten Portion Cornflakes mit Schoko bestanden hatte, beendet, rülpste laut und murmelte: Hätte auch ein Furz werden können.
Das ist nicht neu, dachte er, das hat mein Oppa auch schon gesagt, wenn ihm einer rausgeknallt war.
Zieh mal, hatte sein Onkel immer gesagt, und seinen kleinen Finger hingehalten. Wenn er dran gezogen hatte, entfuhr dem Onkel ein gewaltiges Darmgeräusch, was ihn, den kleinen Jungen, entsprechend erschreckte. Der Onkel lachte dann immer.
Nicht abschweifen, weiser Mann, sagte der werise Mann zu sich, und fing mit einer Brabbelübung an, einer Art Zungensprechen, was ja auch die sogenannten Erleuchteten als Hauptbeschäftigung vorführen und die Leute mit sinnlosen Silben in religiöse Verzückung bringen.
Aus einem Gewühl von hmmmmkrrrrbrrrabrrrabbbel schälte sich plötzlich das Wort Heimkehr heraus.
Wer nicht weggeht, kann nicht heimkehren.
Wer nicht reingeht, kann nicht rauskommen, es sei denn, er war schon draußen.
Heimweh hat nur der, der ein Heim hat, wie das Bauchweh nur dem Bauchbesitzer zusteht.
Alleim im Heim im Keim ersticken.
Das war grammatikalisch falsch und ergab keinen Sinn.
Es muss keinen Sinn ergeben, beruhigte sich der weise Mann, es muss gut klingen und über eine kryptische Weisheit können sich die Leute den Kopf zerbrechen und zu vielleicht eigenen Erkenntnissen kommen. Wahrscheinlich aber nicht, denn wozu sollte ein weiser Mann sonst gut sein, wenn die Leute immer auf alles selber kämen?
So brabbelte der weise Mann bis in den Nachmittag. Dann bekam er Besuch vom noch weiseren Mann, der ihn überraschen wollte:
Weiser Mann! Der noch weisere Mann hatte eine Erleuchtung! Wisse: Wer nicht weggeht, kann nicht heimkehren.
Verdammt!, dachte der weise Mann, blieb aber äußerlich vollkommen unberührt und ruhig.
Wahrlich, ergänzte der weise Mann, ein guter Satz.
Den werde ich sofort den Menschen vorstellen und dann veröffentlichen, sagte der noch weisere Mann.
Gut, gut!, bestätigte der weise Mann und zischte bei sich weiter: Ohne Krempe ist dein Hut! Und deine Tröte ohne Tut!
Das sagte er aber leise, weil er es sich mit dem noch weiseren Mann nicht verderben wollte.
Schreibt man „heimkehren“ eigentlich zusammen?, fragte der noch weisere Mann.
Getrennt!, antwortete der weise Mann und grinste innerlich, getrennt und heim schreibt man groß!
Das wär ja noch schöner, dachte er weiter, den größten und banalsten Blödsinn als Erleuchtung und Erkenntnis verkaufen, damit Kasse machen wollen und nicht mal ein paar Grundlagen der Orthographie beherrschen!
Hoffentlich war sein Lektor genauso bescheuert.
Der noch weisere Mann verabschiedete sich fröhlich.
Der weise Mann fragte: War's das?
Jupp, sagte der noch weisere Mann, ich bin denn mal weg, will den Satz gleich mal testen....
Das kannst du, verabschiedete der weise Mann seinen Gast, und dachte: Du kannst mich mal.
Dann beschloss er sofort, noch zweidrei Stunden zu brabbeln. Vielleicht würde ja noch etwas richtig Gutes dabei rauskommen.
Urlaub genießen
Urlaub!
Bert wünschte sich in die Steinzeit.
Dort kannte man so etwas nicht.
Nur wer hart arbeitete, konnte Urlaub genießen.
Sein Nachbar konnte das, der fuhr in seinem Wohnmobil durch die Gegend.
Bert war traurig.
Das ganze Jahr hatte er rumgesessen und auf diesen Tag gewartet.
Jetzt war alles verdorben.
Wie sollte man sich erholen können, wenn man nicht erschöpft war?
Bert machte ein paar Kniebeugen. Vielleicht half das...
Bert wünschte sich in die Steinzeit.
Dort kannte man so etwas nicht.
Nur wer hart arbeitete, konnte Urlaub genießen.
Sein Nachbar konnte das, der fuhr in seinem Wohnmobil durch die Gegend.
Bert war traurig.
Das ganze Jahr hatte er rumgesessen und auf diesen Tag gewartet.
Jetzt war alles verdorben.
Wie sollte man sich erholen können, wenn man nicht erschöpft war?
Bert machte ein paar Kniebeugen. Vielleicht half das...
Musik auf dem Prüfstand: G.G.Anderson - Küss mich in den Himmel
Den Riemen auf die Heimorgel, die braune Paste ins Gesicht, die Lippen schnell rosa übermalt und die Alterspickel mit dem Damenrasierer nivelliert, eine dünnhirnige Blondine gemietet, die für Geld so tut, als würde sie vor dem Schlagersänger davonlaufen - dabei versucht die Kamera, dessen entsprechender Mann bereits im Sangria-Nebel verdunstet ist, nur, sich ihr zu nähern, ein Text, der sich hinten reimt, und ein Harmoniegefüge, mit dem man in der Hölle die Qualen verzehnfachen könnte - das scheint dem Sängern zu reichen und ballermann-radio.com schreibt: "...der eingängige Rhythmus, der so romantische wie heitere Text, der unverwechselbare Gesang...". Der kritische Musikhörer glaubt, dass sich die Mannschaft auf Mallorka mal wieder den Alkohol direkt in die Vene gespritzt hat, gemäß der Losung: Voll breit, aber keine Fahne.
Bewertet wird das Liedchen mit fünf orangenen Punkt, das ist Maximum. Allerdings hat die Redaktion dann ein /2 dahinter gesetzt, was heißen will, dass es eben nur zweineinhalb Punkte sind, was wiederum vier minus bedeutet.
Und damit haben sie wieder mal recht, die guten Geister von der Insel.
Musik kann gar nicht so schlecht sein, dass sie nicht wenigstens ein Vierminus bekommt; dafür hat schon die straighte Rhythmusmaschine gesorgt, die sich nicht aus dem Takt bringen lässt, egal wie der Interpret aussieht und egal wie seine Mietblondine rumhüpft.
Mal anhören
Bewertet wird das Liedchen mit fünf orangenen Punkt, das ist Maximum. Allerdings hat die Redaktion dann ein /2 dahinter gesetzt, was heißen will, dass es eben nur zweineinhalb Punkte sind, was wiederum vier minus bedeutet.
Und damit haben sie wieder mal recht, die guten Geister von der Insel.
Musik kann gar nicht so schlecht sein, dass sie nicht wenigstens ein Vierminus bekommt; dafür hat schon die straighte Rhythmusmaschine gesorgt, die sich nicht aus dem Takt bringen lässt, egal wie der Interpret aussieht und egal wie seine Mietblondine rumhüpft.
Mal anhören
Günter Krass: Vorbeischwimmende Frau (2)
Neulich schwamm eine Frau im Kleid an mir vorbei und in der Hand hielt sie eine Perlenkette.
Sie hatte die Augen geschlossen und wirkte irgendwie verträumt.
Guten Tag, Frau im Kleid mit einer Perlenkette in der Hand, was schwimmen sie denn so vorbei?, fragte ich die Frau.
Die aber verharrte in ihrer Haltung und tat, als habe sie nichts gehört.
Tschuldigung, wenn ich Sie belästigt haben sollte, ergänzte ich, aber die Frau reagierte immer noch nicht.
Sture Person, dachte ich, wenn auch nicht unattraktiv.
Ich überlegte, ob man einer vorbeischwimmenden Frau, die ein Kleid trug und eine Perlenkette in der Hand hielt, überhaupt hätte anbieten können, gemeinsam zum Italiener zu gehen.
Ich war ein gutes Stück weiter geschwommen und die Frau außer Hörweite.
War es nicht auch diskriminierend "zum Italiener" zu sagen, also wenigstens für den Italiener, also den, der ein Restaurant betreibt? Denn der repräsentiert ja nicht die ganze Nation, nicht "den Italiener"; er ist ja ausgewandert und in Deutschland geblieben, um hier gutes Geld mit dünnbelegten Gemüsekuchen zu verdienen.
Als ich am Abend meinen Zielhafen erreicht hatte, war die vorbeischwimmende Frau, die ein Kleid trug und eine Perlenkette in der Hand hielt, bereits aus meinem Gedächtnis verschwunden. Komisch, dass ich mich heute trotzdem an sie erinnere.
Sie hatte die Augen geschlossen und wirkte irgendwie verträumt.
Guten Tag, Frau im Kleid mit einer Perlenkette in der Hand, was schwimmen sie denn so vorbei?, fragte ich die Frau.
Die aber verharrte in ihrer Haltung und tat, als habe sie nichts gehört.
Tschuldigung, wenn ich Sie belästigt haben sollte, ergänzte ich, aber die Frau reagierte immer noch nicht.
Sture Person, dachte ich, wenn auch nicht unattraktiv.
Ich überlegte, ob man einer vorbeischwimmenden Frau, die ein Kleid trug und eine Perlenkette in der Hand hielt, überhaupt hätte anbieten können, gemeinsam zum Italiener zu gehen.
Ich war ein gutes Stück weiter geschwommen und die Frau außer Hörweite.
War es nicht auch diskriminierend "zum Italiener" zu sagen, also wenigstens für den Italiener, also den, der ein Restaurant betreibt? Denn der repräsentiert ja nicht die ganze Nation, nicht "den Italiener"; er ist ja ausgewandert und in Deutschland geblieben, um hier gutes Geld mit dünnbelegten Gemüsekuchen zu verdienen.
Als ich am Abend meinen Zielhafen erreicht hatte, war die vorbeischwimmende Frau, die ein Kleid trug und eine Perlenkette in der Hand hielt, bereits aus meinem Gedächtnis verschwunden. Komisch, dass ich mich heute trotzdem an sie erinnere.
Weisheit des Alltags: Zurückbleibend oder zurückgeblieben
Liebe Leser!
Neulich eine Einladung:
Liebe Zurückbleibende!
Frühstück um halb elf.
Wir freuen uns auf euch.
So angesprochen, folgerte ich sofort, dass es sich um Weggehende handeln musste, die mich und andere hinterlassen wollten, nicht ohne sich mit einem Frühstück zu verabschieden. Zu einer Zeit, wenn andere bereits das Mittagessen riechen.
Also Senioren.
Weggehen und sich auf die freuen, die man zurücklässt - ist das nicht ein Widerspruch, den man nur im Bleiben auflösen kann? So lange, bis die Zurückbleibenden zu Zurückgebliebenen geworden sind, denn die Zeit arbeitet immer gegen die, die dableiben.
Vielleicht war die Anrede "Liebe Zurückbleibende" auch ein Euphemismus, der natürlich den Gedankensprung zu "Zurückgebliebenen" initiieren sollte, an die beschränkte Restmenschheit, die sich nicht wegbewegt, sondern bleibt, wo sie ist.
Davon musste ich Abschied nehmen, denn mit einem Frühstück um halb elf verband ich sofort eine Seniorengruppe, die nicht der Bettflucht anheim gefallen ist, sondern eher zur Kategorie "Betthocker" gehören musste, die es genießt, so spät am Morgen noch die Brötchenkrümel aus Bluse und Weste zu klopfen, damit sie aufs Bettlaken bröseln.
Meine dunkle Seite flüsterte mir zu, dass dies ein Affront ersten Grades sei, nämlich der Hinweis darauf, dass die Dableibenden zur Arbeit gezwungen wären und sich nicht den Luxus der späten Morgenspeise leisten könnten, wohingegen die Gehenden gerade durch das Nichtarbeiten und das Gedenken an die jetzt in diesem Moment Arbeitenden den Hochgenuss dieser speziellen Nahrungsaufnahme erführen.
Damit würde auch der Satz "Wir freuen uns auf euch" zu Ironie, vielleicht sogar zum Sarkasmus.
Demütigt es denn nicht die Eingeladenen, die sich als Instrumente der Genusssteigerung zu empfinden, die hundertfach den Satz "Wir können jetzt immer um diese Uhrzeit frühstücken!"
verstärken?
Dann aber dachte ich positiv:
Meine Leidensgenossen und ich dürfen bleiben, wir dürfen arbeiten, wir dürfen - was dem Tag auch Struktur gibt - früh aufstehen, und wir können die Freizeit, den Urlaub, die verlängerten Wochenenden auskosten, weil es für uns den Kontrast gibt: Das harte Arbeiten, das Erschöpftsein, die Sehnsucht nach einer Pause.
Sieh das Positive im Negativen, sagt der weise Mann. Und was immer er damt meint, er hat Recht.
Neulich eine Einladung:
Liebe Zurückbleibende!
Frühstück um halb elf.
Wir freuen uns auf euch.
So angesprochen, folgerte ich sofort, dass es sich um Weggehende handeln musste, die mich und andere hinterlassen wollten, nicht ohne sich mit einem Frühstück zu verabschieden. Zu einer Zeit, wenn andere bereits das Mittagessen riechen.
Also Senioren.
Weggehen und sich auf die freuen, die man zurücklässt - ist das nicht ein Widerspruch, den man nur im Bleiben auflösen kann? So lange, bis die Zurückbleibenden zu Zurückgebliebenen geworden sind, denn die Zeit arbeitet immer gegen die, die dableiben.
Vielleicht war die Anrede "Liebe Zurückbleibende" auch ein Euphemismus, der natürlich den Gedankensprung zu "Zurückgebliebenen" initiieren sollte, an die beschränkte Restmenschheit, die sich nicht wegbewegt, sondern bleibt, wo sie ist.
Davon musste ich Abschied nehmen, denn mit einem Frühstück um halb elf verband ich sofort eine Seniorengruppe, die nicht der Bettflucht anheim gefallen ist, sondern eher zur Kategorie "Betthocker" gehören musste, die es genießt, so spät am Morgen noch die Brötchenkrümel aus Bluse und Weste zu klopfen, damit sie aufs Bettlaken bröseln.
Meine dunkle Seite flüsterte mir zu, dass dies ein Affront ersten Grades sei, nämlich der Hinweis darauf, dass die Dableibenden zur Arbeit gezwungen wären und sich nicht den Luxus der späten Morgenspeise leisten könnten, wohingegen die Gehenden gerade durch das Nichtarbeiten und das Gedenken an die jetzt in diesem Moment Arbeitenden den Hochgenuss dieser speziellen Nahrungsaufnahme erführen.
Damit würde auch der Satz "Wir freuen uns auf euch" zu Ironie, vielleicht sogar zum Sarkasmus.
Demütigt es denn nicht die Eingeladenen, die sich als Instrumente der Genusssteigerung zu empfinden, die hundertfach den Satz "Wir können jetzt immer um diese Uhrzeit frühstücken!"
verstärken?
Dann aber dachte ich positiv:
Meine Leidensgenossen und ich dürfen bleiben, wir dürfen arbeiten, wir dürfen - was dem Tag auch Struktur gibt - früh aufstehen, und wir können die Freizeit, den Urlaub, die verlängerten Wochenenden auskosten, weil es für uns den Kontrast gibt: Das harte Arbeiten, das Erschöpftsein, die Sehnsucht nach einer Pause.
Sieh das Positive im Negativen, sagt der weise Mann. Und was immer er damt meint, er hat Recht.
Rosa Hund verdirbt die Sonntagskaffeelaune
Sie: Jetzt kuck nicht so muffelig.
Er: Ein rosaner Hund!
Sie: Ein rosafarbener Hund.
Er: Ist doch egal. Auf jeden Fall ist der hässlich wie die Nacht.
Sie: Diese Metapher ist ja wohl ganz unpassend.
Er: Das ist ein Vergleich. Hässlich wie die Nacht.
Sie: Ist doch egal. Ich find ihn schön.
Er: Typisch Frau.
Sie: Der Hund?
Er: Der Geschmack.
Sie: Frau Meier-Schnurz hat eine Dogge.
Er: Einen Dalmatiner.
Sie: Noch schlimmer.
Er: Du hast ja keine Ahnung.
Sie: Du bist wohl scharf auf Frau Meier-Schnurz.
Er: Nicht die Bohne!
Sie: Metapher oder Vergleich?
Er: Siehst du hier irgendwo ein "wie"?
Sie: Klugscheißer.
Er: Der Hund bellt ja noch nicht mal.
Sie: Er kann aber beißen.
Er: Wen denn?
Sie: Das wirst du schon sehen.
Er: Wer nicht sehen will, muss fühlen.
Sie: Das merkst du dann schon.
Er: Ein Hund beißt sein Herrchen nicht.
Sie: Woher soll der Hund denn wissen, wer sein Herrchen ist?
Er: Gibt es da noch einen?
Sie: Wie kommst du jetzt darauf?
Er: Ober! Zahlen!
Ober: (denkt) Wird aber auch mal Zeit. Nur Genörgel und eine rosane Töle. Wenn nichts mehr geht, geht Rosa. Da lobe ich mir Rosa von Praunheim, der hat wenigstens Grün gewählt. Oder Rosa Luxemburg, die war doch richtig rot. Oder Rosa im Landkreis Schmalkalden. Da gab es doch auch mal Kriege, Schmalkaldische, da ist bestimmt Blut geflossen, aber rosa wird das nicht gewesen sein. Auf den Halden der Schmalkalden liegen die Toten in roten Blut......Nee, da stimmt was nicht, muss das nicht Dativ seim? "Liegen die" ist auch irgendwie ein Dreier, also eine Art Triole, rhythmisch fragwürdig.
Er: Zahlen!!! Ober!!
Ober:(denkt) Neureiche. Typisch Neureiche. Arschgeigen. (spricht) Der Herr möchten zahlen?
Er: Wonach hört es sich denn an?
Ober: Der Kollege kommt gleich.
Er: Mal wieder Kopfrechnen schwach, oder was!?
Sie: Herbert!
Er: (wehrt ihre besänftigende Hand ab) Ist doch wahr!
Der Hund schnappt nach Herberts Arm.
Sie: Ich habe dich gewarnt.
Er: Geh doch ins Hundehotel!
Sie: Dann sind wir geschiedene Leute.
Er: Metapher? Wir sind doch gar nicht verheiratet.
Sie: Gottseidank!
Er: Ein rosaner Hund!
Sie: Ein rosafarbener Hund.
Er: Ist doch egal. Auf jeden Fall ist der hässlich wie die Nacht.
Sie: Diese Metapher ist ja wohl ganz unpassend.
Er: Das ist ein Vergleich. Hässlich wie die Nacht.
Sie: Ist doch egal. Ich find ihn schön.
Er: Typisch Frau.
Sie: Der Hund?
Er: Der Geschmack.
Sie: Frau Meier-Schnurz hat eine Dogge.
Er: Einen Dalmatiner.
Sie: Noch schlimmer.
Er: Du hast ja keine Ahnung.
Sie: Du bist wohl scharf auf Frau Meier-Schnurz.
Er: Nicht die Bohne!
Sie: Metapher oder Vergleich?
Er: Siehst du hier irgendwo ein "wie"?
Sie: Klugscheißer.
Er: Der Hund bellt ja noch nicht mal.
Sie: Er kann aber beißen.
Er: Wen denn?
Sie: Das wirst du schon sehen.
Er: Wer nicht sehen will, muss fühlen.
Sie: Das merkst du dann schon.
Er: Ein Hund beißt sein Herrchen nicht.
Sie: Woher soll der Hund denn wissen, wer sein Herrchen ist?
Er: Gibt es da noch einen?
Sie: Wie kommst du jetzt darauf?
Er: Ober! Zahlen!
Ober: (denkt) Wird aber auch mal Zeit. Nur Genörgel und eine rosane Töle. Wenn nichts mehr geht, geht Rosa. Da lobe ich mir Rosa von Praunheim, der hat wenigstens Grün gewählt. Oder Rosa Luxemburg, die war doch richtig rot. Oder Rosa im Landkreis Schmalkalden. Da gab es doch auch mal Kriege, Schmalkaldische, da ist bestimmt Blut geflossen, aber rosa wird das nicht gewesen sein. Auf den Halden der Schmalkalden liegen die Toten in roten Blut......Nee, da stimmt was nicht, muss das nicht Dativ seim? "Liegen die" ist auch irgendwie ein Dreier, also eine Art Triole, rhythmisch fragwürdig.
Er: Zahlen!!! Ober!!
Ober:(denkt) Neureiche. Typisch Neureiche. Arschgeigen. (spricht) Der Herr möchten zahlen?
Er: Wonach hört es sich denn an?
Ober: Der Kollege kommt gleich.
Er: Mal wieder Kopfrechnen schwach, oder was!?
Sie: Herbert!
Er: (wehrt ihre besänftigende Hand ab) Ist doch wahr!
Der Hund schnappt nach Herberts Arm.
Sie: Ich habe dich gewarnt.
Er: Geh doch ins Hundehotel!
Sie: Dann sind wir geschiedene Leute.
Er: Metapher? Wir sind doch gar nicht verheiratet.
Sie: Gottseidank!
Pizza Pettirossa
Die Deutsche lieben Italien -einst war es nach Cuxhaven das
beliebteste Reiseziel -, die Deutschen lieben italienisches Eis und italienische
Pizza.
Bei Pizza Pettirossa müssen sie schlucken und es bleibt der
Bissen im Halse stecken.
Der Italiener ist nämlich nicht nur der gute Mensch, der
seine eigenen Kinder über alles liebt, und wie alle Südländer übertrieben
jammert, wenn er zum Zahnarzt muss, der Italiener ist auch ein übler
Vogelfänger, der es gerade auf die kleinen, den Deutschen so liebgewonnenen
Singvögel, wie etwa das Rotkehlchen, abgesehen hat.
Nicht dass es beim Schießen nur ums Treffen geht, nein, das
zierliche Wildbret soll auch verzehrt werden; um eine Pizza in normaler Größe
auszustatten, braucht man schon zwei Abschüsse oder entsprechend Material aus
der Bogenfalle. Nur in Deutschland
serviert man die schlanke Version; ein Rotkehlchen reicht für das
Familienpizzablech.
Bei vier Millionen verzehrter Pizzen in Italien benötigte
man 8 Millionen Rotkehlchen; da gerät der Bestand ins Wanken und die Welt wird
still.
Der Deutsche soll sich am Gezetere des Haussperlings
ergötzen und am Rotschwänzchen sattsehen; wenn er auch die dickfellige bzw.
dickgefiedrige Amsel zum Erdrosseln findet, fehlte sie ihm doch, täte man sie
in den Kochtopf oder auf den Grill.
Der Deutsche muss sich aber fragen, ob er den Italiener
immer noch so mögen wollen möchte.
Unser Herz sitzt links und schlägt für das schwache
Geschöpf: für Frauen bis 1,60 m und das Rotkehlchen.
Weisheit des Alltags: Nicht wollen
Wer nichts will, muss sich nicht wundern, wenn er auch nichts bekommt.
Falsche Kleidung wirkt aufs Aussehen
Frauen, die rüstungsorientierte Kleidung wählen, die Jacken in Harnischform bevorzugen und Handschuhe tragen, mit denen man einen Ritter umhauen könnte, wirken oft mürrisch, unzufrieden und früh gealtert.
Anstatt die Kleidung zu wechseln, versuchen sie mit Kajal- und Lippenstift gegenzuhalten, was aber oft zu einer Überzeichnung führt.
Nehmen diese Frauen Kontakt zu Männern auf, um mit diesen mal unverbindlich einen Kaffee zu trinken oder ein Brötchen zu essen, werden sie abgewimmelt mit dem Hinweis: Das kannst du dir abschminken. Was unter der Hand bedeutet, dass der Angesprochene keinen Kaffee trinken oder ein Brötchen essen möchte, sondern vielleicht einen Wunsch nach Nähe hat, dessen Erfüllung aber Harnisch und Schminke in weite Ferne stellen.
Nicht umsonst schwafelt der Rheinländern: Harnisch im Leben nit dran jedaht. Und meint, dass man die Finger von einer Frau mit Brustpanzer und zu viele Schminke lassen sollte.
Maximal wären eine Tasse Kaffee drin und ein Brötchen.
Anstatt die Kleidung zu wechseln, versuchen sie mit Kajal- und Lippenstift gegenzuhalten, was aber oft zu einer Überzeichnung führt.
Nehmen diese Frauen Kontakt zu Männern auf, um mit diesen mal unverbindlich einen Kaffee zu trinken oder ein Brötchen zu essen, werden sie abgewimmelt mit dem Hinweis: Das kannst du dir abschminken. Was unter der Hand bedeutet, dass der Angesprochene keinen Kaffee trinken oder ein Brötchen essen möchte, sondern vielleicht einen Wunsch nach Nähe hat, dessen Erfüllung aber Harnisch und Schminke in weite Ferne stellen.
Nicht umsonst schwafelt der Rheinländern: Harnisch im Leben nit dran jedaht. Und meint, dass man die Finger von einer Frau mit Brustpanzer und zu viele Schminke lassen sollte.
Maximal wären eine Tasse Kaffee drin und ein Brötchen.
Meine Markise ist (nicht) traurig
Meine Markise macht ein dummes Gesicht.
Ist der Sommer vorbei?
Immer habe ich gedacht: Was für eine freundliche Markise, was für ein schöner Schattenspender; der bringt richtig Lebensqualität in den Alltag.
Jetzt macht meine Markise ein dummes Gesicht.
Vielleicht nicht einmal ein dummes, aber ein trauriges Gesicht. Wenn jemand traurig ist, muss er nicht auch noch dumm sein.
Traurigkeit ist nicht abhängig von Intelligenz.
Oft sagt man allerdings: Der Dumme ist selten traurig. Und wenn, dann lacht er drüber.
Das gelingt dem Gebildeten weniger, denn der denkt nach und grübelt: Warum, verdammt, bin ich so traurig? Ich bin doch gebildet, ich muss doch nicht traurig sein. Dann wird der Gebildete ganz melancholisch und fängt an, an der ganzen Welt zu zweifeln, nur nicht an sich selbst.
Der Dumme lässt es sich unterdes gut gehen, isst Hähnchenschenkel und trinkt Red Bull oder Altbierbowle. Er lässt den lieben Gott einen guten Mann sein und schert sich einen Dreck darum, ob er ins Fegefeuer kommt. Da kann man nämlich gut grillen, weil's da so heiß ist. Der Dumme grillt gern, der Gebildete isst lieber Boeuf Stroganoff, weil das kaum einer schreiben kann.
Die Markise jedoch flattert lustig im Wind; ihr ist gar nicht traurig, obwohl sie sich ein wenig zerrissen fühlt, abgewetzt und zerschlissen. Doch das macht ihr nichts, denn das wäre ja zu dumm.
Ist der Sommer vorbei?
Immer habe ich gedacht: Was für eine freundliche Markise, was für ein schöner Schattenspender; der bringt richtig Lebensqualität in den Alltag.
Jetzt macht meine Markise ein dummes Gesicht.
Vielleicht nicht einmal ein dummes, aber ein trauriges Gesicht. Wenn jemand traurig ist, muss er nicht auch noch dumm sein.
Traurigkeit ist nicht abhängig von Intelligenz.
Oft sagt man allerdings: Der Dumme ist selten traurig. Und wenn, dann lacht er drüber.
Das gelingt dem Gebildeten weniger, denn der denkt nach und grübelt: Warum, verdammt, bin ich so traurig? Ich bin doch gebildet, ich muss doch nicht traurig sein. Dann wird der Gebildete ganz melancholisch und fängt an, an der ganzen Welt zu zweifeln, nur nicht an sich selbst.
Der Dumme lässt es sich unterdes gut gehen, isst Hähnchenschenkel und trinkt Red Bull oder Altbierbowle. Er lässt den lieben Gott einen guten Mann sein und schert sich einen Dreck darum, ob er ins Fegefeuer kommt. Da kann man nämlich gut grillen, weil's da so heiß ist. Der Dumme grillt gern, der Gebildete isst lieber Boeuf Stroganoff, weil das kaum einer schreiben kann.
Die Markise jedoch flattert lustig im Wind; ihr ist gar nicht traurig, obwohl sie sich ein wenig zerrissen fühlt, abgewetzt und zerschlissen. Doch das macht ihr nichts, denn das wäre ja zu dumm.
Georg Krakl: Synchronizität (2013)
Um zehn verunglücken zwei Laster
Der Gangster zählt den Zaster
Ihr Körper: Alabaster
Der Amtsrat blättert im Kataster
Krakl weiß genau, wo er den Leser packen kann.
Snychronizität - Das erinnert an Synchronschwimmen und löst im Rezipienten sofort eine Langeweile-Reaktion aus. Amerikanische Schwimmerinnen, die aussehen wie Flipper mit Sonnenbrille, bleiben meisten unter Wasser und tauchen auf, wenn sie eine Rosette bilden wollen, oder ein flachgelegtes Warndreieck.
Da ist schon mal der Grund gelegt für ein Gedicht, das uns die multiple Gleichzeitigkeit von Geschehnissen näher bringen will, ohne dass diese vielleicht zusammenhängen, das uns mitteilt: Während ich als Amtsrat im Kataster blättere, zählt ein Gangster den Zaster. Krakl bleibt hier seinem Rhythmus treu und dichtet nicht: seinen Zaster. Was auch falsch wäre, denn ein Gangster besitzt bekanntlich keinen eigenen Zaster, sondern zählt nur den, den er anderen abgepresst hat.
Der Haufenreim stützt die These: In jeder Sekunde häuft sich eine Menge an, alles Mögliche passiert; Krakl nennt drei:
Einen Lastwagenunfall, einen dreckiges Geld zählenden Gangster und einen Amtsrat, hier stellvertretend für den Behördenschimmel (was rhythmisch auch gegangen und darüber hinaus eine feine Metapher gewesen wäre). Inmitten dieser Personen und Ereignisse ein weiblicher Körper, wie aus Alabaster.
Zwischen Halbwelt, schlecht ausgebildeten LKW-Fahrern und einem angestaubten Amtsrat bricht die Erotik hervor und scheint hinauszuschreien: Es gibt auch Schönes! Nicht nur Verkehr, Raffgier und Nachschlagewerke für Grundstücke!
Die Frau bleibt unbenannt. Krakl reduziert sie auf ihren Körper, was im Kontext nachvollziehbar ist, denn auch die anderen Objekte sind banal und eher belanglos.
Erst das Wort Alabaster, als Ausdruck höchster Vollendung, auch höchster geistiger und seelischer Vollkommenheit, setzt dem Profanen etwas entgegen, und das adelt die Frau im Allgemeinen.
Und: In allem blüht eine Aster, die Blume des Herbstes, wo die Reife sich noch einmal entfaltet. Hier wird noch einmal verbotschaftet: Nicht nur Alabaster hat Schönes, auch Laster, Zaster und Kataster lassen in sich die Aster schlummern, sodass erst auf den zweiten Blick klar wird: Was für ein schönes Gedicht!
Aus dem Punkkochbuch zitiert
So will man den Punker sehen:
Gierig schlägt er seine Reißzähne in ein Stück rohes Fleisch und schlingt es
runter, während er sich gleichzeitig eine Sicherheitsnadel durch die Backe
zieht, um Faserreste , die sich in den Zähnen festsetzen werden, anschließend
herauszupulen.
Und dann wird ein Vegetarisches
Kochbuch auf den
Markt geworfen, der alle
Vorurteile konterkariert. Der Punker ist scheinbar gar nicht so doof, und
kochen will er plötzlich auch, sogar vegetarisch!
Um diese Vielzahl der
Widersprüche aufzulösen, kommentiert er in den Rezepten entsprechend:
„Sieht wie Kotze aus, schmeckt
aber.“
Um sein Hardlinerimage besorgt,
wählt der Rezeptschreiber das Wort Kotze, statt des eleganteren Begriffes
„Erbrochenes“ . Das sitzt und zeigt: Wir Outlaws leben weiter auf der Straße und
futtern Halbverdautes von Fremden oder uns selbst.
Krass.
Das Unterbewusstsein scheint
hier aber einen Streich zu spielen und löst diese selbstverletzende Wut auf:
Kotze erinnert stark an die
eingespeichelte Nahrung, die das Muttertier den Jungen eintrichtert, die die
urzeitliche Mutter dem Säugling als Nahrungsergänzung in den Mund drückt.
Die Erinnerung an diese
frühkindliche Lusterfahrung wird durch den Anblick des Selbstgekochten, auch
wenn es dem Selbstgekotzten ähnelt, ausgelöst.
Der Punker sehnt sich heimlich
nach seiner Mutter und ihrem Speichelbrei, der lebenslange Versorgung
versprechen möchte, und wehrt sich dagegen durch abfällige Bemerkungen über
eine Speise, die er anderen empfiehlt. Denn er darf nicht sein, was er möchte.
Schmeckt aber.So schließt er
sein Rezept ab.
Die Frage ist: Wonach?
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