Text zum Melodieselberausdenken: Unheimlich


Der Baron, Frontman der Gruppe  Unheimlich hat Texte zum "Selberversingen" geschrieben, die seine Fans jetzt unter der Dusche oder am Lagerfeuer schmettern können. Erschienen sind die Texte als Bonustracks auf der neuen CD "Heimlichtuterei".

So wie du warst, bleib nicht hier,
geh kurz weg,
oder bleib, wo du bist,
Augenblick, oder kurzer Moment
ist ein Sack voll Zement,
den ich trage im Herzen
mit  wohligen Schmerzen,
du hast mich verraten
mit Worten und Taten
jetzt gieß noch was Wasser drauf
rühr kräftig um
soll so sein:
Und mein Herz wird zu Stein.

Lass jetzt los, los, mein Freund, und jetzt sorge dich nicht,
hältst du fest, wirst du seh’n,
Wie wir beide im Fluss der Unsäglichkeit kryptischer Scheiße vergeh’n.

Tonnes Tagebuch: Winterstraße

Liebes Tagebuch!
Der Winter hat uns fest im Griff, und da musste ich an die Menschen in Sibirien denken, und ob sie überhaupt Fahrradwege haben.
So weit die Füße tragen, hieß es damals in Schwarzweiß im Fernsehen, und ein Mann hatte sich Tausende von Kilometern aus Sibirien hinausgeschleppt, um nach Hause zu kommen. Jeder weiß, wenn man sich verirrt hat, läuft man im Kreis, man geht in seiner eigenen Spur weiter, immer wieder und wieder, bis das Ganz aussieht, als sei ein Radweg da. Was aber nützt der Radweg, wenn der Mensch zu Fuß geht?
Die Menschen in Sibirien sind arm, sie haben wahrscheinlich nicht einmal Fahrräder, denn wohin sollten sie mit diesen fahren? Sibirien ist so groß, dass man es mit dem Fahrrad nicht durchqueren kann. Vor allem weil es keine Radwege gibt.
Am Wegesrand meiner Wanderung sah ich einen Radweg und dachte: Wie gut es uns geht!
Und dann dachte ich: Vielleicht hat den ein sibirischer Mensch auf seiner großen Wanderung geschaffen, auf seiner Umlaufbahn, in seinem Kreis, der ihn gefangen hält, aus dem er nicht heraus kann, in dem er laufen muss wie der Hamster im Rad. In  einigen  Jahrzehnten wird aus diesem Radweg vielleicht ein Graben, voll mit Wasser, weil er tief genug ist, um dem Grundwasser Raum zu bieten.
Eines Tages wird das Grundwasser so hoch stehen, dass der sibirische Mensch, wenn er auf seiner Umlaufbahn wieder hier erscheint, einfach ertrinkt und erlöst wird aus diesem Kreislauf, in den ihn eine böse Fügung des Schicksals verdammt hat.
Zum Schluss dachte ich noch: Radwege strukturieren die Landschaft. Man erkennt Wiesen und Bäume und Felder und dazwischen ist ein Radweg. Wie schön. Und das nicht nur zur Winterszeit.
Tonne

Tonnes Tagebuch: Bad Kissingen

Liebes Tagebuch!
Heute beim Nägelfeilen musste ich an Bad Kissingen denken.
Das Bad hat ein Casino, in dem man Geld verspielen kann und einen Klangpark, in dem man lustwandeln und komische Geräusche hören kann, wenn man zur rechten Zeit kommt.
Ich war nicht zur rechten Zeit dort und das Casino hatte geschlossen.
Ich aß damals eine Schale Pommes mit ein paar Salatblättern an Fertigsauce. Von dem Gericht musste ich den ganzen Abend noch aufstoßen. Aber ich hatte etwas mitgenommen aus Bad Kissingen, eben diesen Beigeschmack, diesen Nachgeschmack, diesen Geruch aus dem Magen im Mund.
Und dann musste ich an Vichy denken. Auch so ein komischer Bäderort. Allerdings in Frankreich.
Die Trinkhalle verrostet, das Wasser immer noch salzig und die Atmosphäre morbid, so als ob die Kranken nicht zur Heilung dort gewesen wären, sondern um vom Leben Abschied zu nehmen.
Ich habe beschlossen, mit dem Nägelfeilen vorsichtiger zu sein; vielleicht ist das nur noch jedes zweite Mal nach dem Nägelschneiden notwendig.
An was ich beim Nägelschneiden gedacht habe, weiß ich nicht mehr.
Vielleicht an Gudrun und ihren Satz: Da hast du dich aber geschnitten.
Tonne

Was ist eigentlich eine Radierung?

Vassily Kannikski: Ich und mein Radiergummi (2013)
Einfach beantwortet:
Man zeichnet ein Bild mit Bleistift und radiert alles wieder aus, was nicht gut aussieht, oder nicht aussieht wie das, was man zeichnen wollte.
Wenn man das Bild gut verkaufen kann, dann kann der Kunde das Bild auch selber ergänzen, was einigen einigermaßen Spaß macht.
Auf dem Kannikski-Bild links ist so einiges schief gelaufen.
Einfach mal die alten Buntstifte raus und fröhlich ergänzt, wo der "Meister" danebengekritzelt und ausradiert hat.
Spannend ist auch zu erfahren, was das Bild eigentlich darstellen sollte.
Wie wir Kannikski kennen, mal wieder nichts.

Lauerndes Dorf

Das Dorf wusste alles.
Dass es so ruhig dalag und von oben aussah wie ein Rindersteak, täuschte.
Es war weder Steak noch ruhig.
Das Dorf arbeitete ständig.
Wenn es für den Fremden stumm und friedlich dalag, so wusste der Eingeweihte, dass es auf der Hut war und lauerte.
Das Dorf war ständig in Alarmbereitschaft: Wer wollte seine Ganzheit, sein Einssein zerstören?
Der Zugereiste, der sich ansiedeln wollte, hatte immer den Beigeschmack des  Gefärhlichen, des Bedrohlichen, des durch und durch Schlechten. Der Zugereiste war Fremdkörper im wahrsten Sinne des Wortes. Er musste aufpassen, dass das Dorf ihn nicht schluckte,  einkapselte und dann in eitriger Beule bis zur Notwendigkeit des Herausschneidens brachte.
Das Dorf wusste alles. Das Dorf wusste sogar noch mehr.
Das Dorf war Macht.

Das Loch in der Geschichte

Die kompetenten Herren in Grau und Beige mit den gestärkten Manschetten, in denen perlmuttene Knöpfe steckten, mit den dezenten, weil langweiligen Schlipsen und diesem Hüsteln zwischendurch, die mit gepflegten Händen die Noten in ein rotes Büchlein schrieben, hatten nicht bemerkt, dass die deutsche Geschichte, die sie uns Zöglingen vermitteln mussten, ein Loch hatte.
Ein riesiges Loch.
Wir waren am Rand des Loches angekommen. 1923.
Unser Geschichtsoberstudienrat hatte uns an den Rand geführt und wir standen gleichzeitig kurz vor dem Abitur.
Während wir uns als  Schüler am Rand des Loches, der das Datum 1923 trug, aufhielten, waren wir zur selben Zeit als Menschen auf der anderen Seite des Loches: In der Gegenwart, in unserer persönlichen Gegenwart.
Hitler und alles danach hatte es scheinbar nie gegeben.
Wir standen an einem riesigen Loch in der Geschichte und schauten, wie es an Rändern häufig der Fall ist, in einen Abgrund.
Unten hätten wir ebendiese Pädagogen sehen müssen, die sich und ihre Vergangenheit verleugneten, verschwiegen, vergruben. Deren Gesinnung in Sätzen wie: Sie wollen doch wohl nicht mit einem Hilfsschüler zusammen ihr Pausenbrot essen? deutlich wurde,wenn sie sich etwa über eine Gesamtschule äußerten.

Aber wir erkannten nichts in jenem Abgrund. Die Männer in Grau standen uns im Rücken und drohten uns zu stoßen, wenn wir auch nur ein Wort darüber verlören. Sie schwiegen wir über die vergessene Zeit, wie sie es taten.

Georg Krakl: Weihnachten und Ostern (2013)

Vassily Kannikski: Weihnachtskrikelkrakel zu Ostern (2012)
Ostermann? Doch Weihnachtshase?
Das ist hier die Phrase.
Weihnachtsostern, Hasenmann.
Jeder wie er darf und wie er kann.

Frauenversteher im Frauenland

Ben war Frauenversteher, er hatte Stricken gelernt und konnte weinen, er hatte in einem Geburtsvorbereitungskurs mitgehechelt, für den Fall des Falesl und obwohl niemand in seinem Bekanntenkreis überhaupt schwanger gewesen war, er konnte kochen, Kinder vom Kindergarten holen und putzen, beherrschte Smalltalk über Schwangerschaftsbeschwerden und aufgespritzte Lippen (widerlich!), besaß eine beachtliche Zahl an Schuhen im Schrank stehen, hatte Qi Gong-Kurse besucht;  Handarbeit hatte für ihn bei der VHS eine ganz neue Bedeutung bekommen, und überhaupt, zusammen mit der Zeitschrift Brigitte hatte er herausbekommen, wie Frauen ticken.
Er war mit dem alternativen Reiseveranstalter ins Frauenland gereist. Alles war lila, alles war weich und unmännlich, die Flüsse hießen Großer Zwirnsfaden und Die Nadel, die Berge hatten Namen wie Beauvoir und Schwarzer, eine große Wiesenlandschaft hieß Kittelschürze und das Moor nannte man Feuchtgebiet.
Ben blätterte in der Brigitte und suchte nach Erklärungen. Er fühlte sich nicht wohl.
Selbst die Sonne war hier weiblich und hatte diesen Blick wie Mutter früher, wenn er sein Zimmer aufräumen sollte.
Ben fühlte sich nicht wohl. Sein Bauch sagte ihm: Fahr nach Hause, alter Schwede!
Alles war umsonst gewesen. Frauen konnte man nicht verstehen. Nicht, wenn man ein Mann war.
Die ticken nicht richtig, flüsterte Ben und beschloss, in der nächsten lila Pause, die er in seinem Pflichtprogramm finden konnte, zurückzufliegen.

Visionäre Maler: Vassily Kannikski

Vassily Kannikski: Die FDP löst sich auf (2013)
Bodos Welt wünscht dem Künstler ein fröhliches "Na, hoffentlich hast du Recht!"

Ja, was denn nun?

Da schreit es der Weserstadtanzeiger förmlich in die Welt hinaus: Nasse Finger können besser greifen!
Ja, toll! Das wussten wir doch schon, aber jetzt haben wir es schriftlich. Wissenschaftlich festgestellt. Trocken Brot etwa, oder einen Schwamm, Trockenhefe.
 Menschen, die unter feuchten Fingern leiden, können aufatmen. Ihre Extremitäten haben einen Wert im Alltag bekommen und man weicht zwar dem Händedruck aus, aber respektiert jetzt das Feuchtgebiet in der Hand.
So weit, so gut.
Der interessierte Leser liest weiter und stellt fest, dass es sich gar nicht um nasse Finger, sondern um schrumpelige Finger handelt, die besser greifen können. Und dass die Gegenstände nass sein müssen.
Greisenhände greifen Generation Geldsack ab!, so könnte die BLÖD-Zeitung titeln.

Schrumpelige Hände greifen besser, denn die Schrumpeln ähneln den Saug- und Klebenäpfen von Tieren in der Natur, die häufig an senkrechten Wänden hängen und in die Gegend schauen. Greise hängen auch meistens rum und greifen nach Gegenständen, denen sie sich früher nicht zu nähern gewagt hätten, weil sie eben schrumpelige Finger frei Haus geliefert bekommen haben. Vom Leben nämlich.
Was nun der Glatte-Haut-Wahnsinn der jungen Generation in der Welt noch zu suchen hat, weiß niemand.
Der Weiß-nicht-genau-Journalismus sollte sich aber mal mit feuchtschrumpeligen Fingern an den Kopf fassen und feststellen, ob der noch da ist.

Aggressives Laub bedroht Helgoland

Bronco lag am Boden.
Aggressives Laub bedrohte die Menschen und ganz Helgoland, das früher Legoland geheißen hatte. Bronco kauert auf der langen Anna, die so lang war, dass ihre Brosche einer Steilküste gleichkam.
Die lange Anna. Bronco seufzte. Seine alte Kindergartenspielgefährtin. Wie groß sie geworden war. Und Bronco war immer noch in sie verliebt. Wie zärtlich hatte sie ihn damals in ihren Händen gehalten, hatte ihn  geherzt, geküsst und liebkost. Gut, einmal hatte sie mit Bronco nach Lasse geworfen, den am Kopf getroffen, sodass sogar fast etwas Blut geflossen wäre, wenn Lasse nicht so mit den Händen gefuchtelt und den Tropfen Blut verwischt hätte.
Lasse. Was mochte er heute tun?
Seinetwegen hatte ihn Tante Elfie in die Spielkiste im Keller verbannt, wo alles Spielzeug landet, das erst mal Pause haben soll.
Jetzt lag Bronco auf der langen Anna. Aber die schlief und merkte das nicht.
Das aggressive Laub hatte sich auf Bronco gelegt und versuchte, sich um ihn zu rollen, ihn einzupacken und dann zu verdauen.
Anna! Lange Anna!, schrie Bronco, ohne einen Laut von sich zu geben.
Anna grunzte jetzt ein wenig. Bronco hätte nicht herkommen sollen.
Aber die Liebe ist stärker als alle Lasses und und ganz Legoland, das heute Helgoland heißt, und überhaupt.
Plastik, das war sein Kreuz. Plastic people! Bronco summte das alte Lied von Frank Zappa und schloss die Augen.
Gegen aggressives Laub konnte nicht einmal die Liebe etwas ausrichten.

Plastic People anhören

Frauen dürfen jetzt Bärte tragen

Endlich durch: FRAUEN DÜRFEN BÄRTE TRAGEN. Einen zweiten Erfolg verbuchte jetzt die Welt-Gleichstellungsbehörde nach der Erlaubnis für das Aufspritzen von Lippen in Schlauchbootformat mit dem dringend erwartetem grünen Licht für die Behaarung an Wange, Kinn und Oberlippe.
Auch die Gender-Mainstream-Bewegung atmet auf, denn nun dürfen sich im Rahmen der Gleichbehandlung Männer die Haare im Gesicht entfernen lassen und auch eine Lippenverkleinerung vornehmen lassen.
Als erste Frau stellte Gans Glüücklich ihre smarte Pelzschicht in Berlin auf der Hair-Bag-2013 vor.

Georg Krakl - Rituale: Hände schütteln (2013)

Besser wohl als Händeschütteln
ist doch Naserütteln
oder Ohrentütteln.

Besser wohl als Händereichen
ist das Lippenstreichen
oder Stirnerweichen

Allemal
Fürs Begrüßungsritual.

Guten Tag und guten Weg,
ihr Schüttelhände.
Ist wohl euer Ende
als Begrüßungskörperteile.
(Leider fehlt die letzte Zeile)





Malen nach Zahlen - Heute: Übung für Anfänger

Übung 1: Die 2 bedeutet hier Schwarz. Feld(er) mit 2 ausmalen, und fertig ist das Bild!
Übung 2: Die 1 bedeutet hier auch Schwarz. Feld(er) ausmalen und schwupp! hat man ein schwarzes Bild.
Für Fortgeschrittene:
Übungen 3-12: Dasselbe mit den Fraben Blau, Grau, Ocker, Umbra und Pepita machen.
 Wenn man 1 und 2 zusammenzieht, erhlät man 3. Für Farbe 3 ist aber kein Feld vorgesehen; daher bitte auf die Rückseite schmieren.
Nächste Woche: Wie van Gogh angefangen hat, der es mit Zahlen nicht so hatte, weil er meistens pleite war.

Der Herr Fischof

www.gemuesegrafik.blogspot.de

Malen nach Zahlen - Heute: Schwarzweißmalerei

Die Zahlen 1 und 2 stehen zur Auswahl.
Die Zahl 1 bedeutet Weiß.
Die Zahl 2 Schwarz.
Die schwarzen Felder und Linien erhalten die Zahl 1; die weißen Felder die Zahl 2.

So kann man schnell und problemlos ein schönes Negativ erzeugen.
Weil: Schwarzweißmalerei ist eigentlich immer negativ.


Die Lösung gibt es morgen.

Malen nach Zahl: Die Lösung - Schwarzweißmalerei

Also schön ist das nicht. Aber wer es anders hat, hat es falsch.

Neo-Dadaismus: Theo von Doeskopp - Silvesternachlese


Balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla
balla balla.

Weisheit des Alltags: Die Sonne und die Welt

Vassily Kannikski: Die Sonne ist ein Spiegelei (2013)
Wenn die Welt ein Baumarkt ist, dann ist die Sonne ein Spiegelei.

Pawel Pikass: Landschaft (2013)

Pawel Pikass: Die Zivilisation macht der Natur einen
Strich durch die Landschaft (2013)

Georg Krakl: Spagat (2013)


Pawel Pikass: Schmerz des Akrobaten beim Spagaten (2013)
Abgebrüht
An jede Wand gesprüht:
Willi sein Spagat
War akkurat

So unendlich
Unverständlich

Willi hat geschrien vor Schmerzen
Das ging jedem sehr zu Herzen

Wenn, dann dies gesprüht:
Willi hat sich abgemüht
In der Tat
Es sah aus wie ein Spagat

Ökoklo für Hardcore-Ökos

Früher trug man rückfettende Wolle auf der nackten Haut und Birkenstock-Latschen, mit denen man am Stock ging, strickte in Sitzungen und hatte einen 300-Tage-Bart, der die Buchstaben aus der letzten Suppe enthielt.
Im Laufe der Jahrzehnte steigerte sich die Hardcore-Öko-Bewegung in extreme Verhältnisse, während der Normalo domestiziert wurde und Anzug und Kostüm trägt, deren Accessoires maximal grün sind:  Schlips oder  Pandora-Anhänger.
Den Hartgesottenen sind Unterhose und Socken zerbrochen; nichtsdestotrotz arbeiten sie an neuen Symbolen der Öko-Hardcore-Bewegung. Ein Beispiel ist die Naturholz-Toilettenbrille, die aus einem Stück gehauen wird. Erhältlich ist das Ganze in ausgesuchten Läden und wird am Stamm geliefert, muss zu Hause also noch nachgearbeitet und feinjustiert werden.
Mit Klotz wäre das zwar formschöne, aber eher unpraktische Ding für den ebendort Befindlichen, da die Durchlassöffnung natürlich zu klein ist.
Immerhin könnte hier noch einmal richtig Selbstmitleid gepflegt werden: Keiner hat uns lieb, obwohl wir es so gut meinen. Jetzt sitzen wir in der Sch...

Hörfehler der Woche: Saudumm

Als bester Hörfehler der Woche wurde diesmal
"Saudumm und Gonorrhoe"
gewählt.

mit Fischen telefonieren

www.gemuesegrafik.blogspot.de

Damals: Die Kniebundhose aus Leder

Niemand mochte die Bayern im Norden, und das ist auch heute noch so. Die sprachen komisch, tranken morgens schon dünnes Bier und klatschen sich auf die Oberschenkel und die Waden.
Auch die Frauen sprachen komisch und trugen Kleider, die den Oberkörper freilegten und mit viel Rüschen verziert war.
All das wollte man im Norden nicht.
Nur die Lederhose.
Die Lederhose aus rauem Leder.
Die Lederhose aus rauem Leder, die nach langem Tragen und Gebrauch speckig wurde.
Sieben-Tage-Klosett nannte man sie und drückte damit aus, dass sie ein Teil des Körpers werden konnte.
Unwaschbar und wenn man die Riemen unter dem Knie fest anzog, auch wassserdicht.
Die Lederhose war teuer in der Anschaffung, aber, da fast unzerstörbar,  rentierte sie sich.
Heute sagt man: Rechnete sich.
Wer viel umfiel, hatte nie ein Loch in der Hose und musste nicht zum Kunststopfer. Wer fettige Finger hatte, konnte diese an seiner Hose abtreiben und imprägnierte sie dadurch. Sogar sein Taschenmesser konnte man auf ihr schärfen.
Nur waschen konnte man die Lederhose nicht. Und deswegen hätte man sich gewünscht, sie wäre in Bayern geblieben.

Weisheit des Alltags: Tattoo

Zur Trennung von Christian und Betti:

Vorsicht vor Frauen mit Tattoo,
kann sein, die sind wie du.

Vom Wertvollen und Unnützen

Es war in der Zeit, als die Menschen alles hatten. Nach einer langen Zeit der Entbehrung hatten sie eine Ära der wirtschaftlichen Wunder erlebt, etwa den gelben Pudding oder auch Töpfe aus Bakalit, Waschbeton und die Verschandelung von öffentlichen Gebäuden durch komische Bilder, Glasbausteine und schräge Wände.
Schließlich waren die  Menschen satt und konnten sich nichts mehr schenken, selbst Vertrauen ging nicht mehr als akzeptables Präsent durch, nur noch als witzige Bemerkung, über die keiner lachen wollte.
Dann erdachten die Mensch Gegenstände, die zwar teuer waren, aber deren Funktion ungeklärt blieb.
Man wählte Materialien, die irgendwie wertvoll wirkten, vielleicht weil Sklaven oder Kinder dafür unter unmenschlichen Umständen schufteten. Genaues wusste man nicht, wie man auch in der Vergangenheit nichts Genaues hatte wissen wollen, lediglich die Möglichkeit, ein Geschenk machen zu können, stand im Vordergrund.
So gab man dem Nächsten, den man lieben sollte wie sich selbst, einen Zinnbecher zum 48.Geburtstag und bekam dann leider selber einen zum nächstmöglichen Termin, der noch prachtvoller war als der selbst verschenkte. In der Zeit des Alleshabens und des Langweilens wollte man den Nächsten nicht nur liebhaben, sondern auch noch übertrumpfen.
Über die Jahre sammelten sich immer mehr Becher, Dosen, Aschenteller, Wandschalen und  anderes Gedöns an, standen in den Regalen und sammelten den Staub auf ihren Oberflächen.
Für Zinn ist nicht viel drin, hieß es immer, wenn man einen ehemals wertvoll erscheinenden Becher zum Altmetallhändler brachte. Und so ließ man das Unnütze in den Regalen der Wohnstuben und Küchen stehen und hoffte, dass diese es eines  Tages an den Ort seines Ursprungs zurückkehren würde, was aber niemals geschah.
Heute erinnern wir uns dieser Zeit des Überflusses und gedenken, dass uns das Wasser deswegen bis  zum Halse steht.

So ist Afrika


Die beiden Köpfe standen in der Steppe und unterhielten sich.
Und sonst?, fragte der eine.
Muss, sagte der andere.
Man will nicht klagen, jetzt der eine.
Wer klagt, hat versagt, darauf der andere.
Wie kommst du denn darauf?, fragte der eine.
Na ja, reimt sich eben, erwiderte der andere.
Ach, du meinst, alles, was sich reimt, ist auch richtig?, fragte der eine.
Ich denke schon, entgegnete der andere.
Was reimt sich zum Beispiel auf Körper?
Auf Körper?, fragte der andere.
Ja, auf Körper, da bin ich mal gespannt.
Im Moment nichts, sprach der andere zögernd.
Aha!, jetzt der eine. Dabei ist der doch so wichtig.
Wieso?, fragte der andere.
Na, weil du keinen hast.
Du auch nicht.
Das sehe ich anders.
Wieso?
Man hat mich bis zum Hals eingebuddelt.
Das ist bitter.
Wieso?Ich habe wenigstens einen Körper.
Bringt aber vorerst überhaupt nichts.
Ich denke schon.Jetzt mal raus mit dem Reim auf Körper!
Hörper?
Was soll das sein?
Wo ein Körper, ist auch ein Hörper.
So ein Quatsch! Was erzählst du denn da? Was ist denn ein Hörper?
Zum Beispiel das Risiko, dass man eingebuddelt wird und nicht weg kann.
Nee,ne? Nicht wirklich! Das meinst du nicht ernst?
Doch, doch! Ich für meinen Teil habe keinen Körper und keinen Hörper. Ich kann jederzeit wegrollen, zum Beispiel jetzt sofort. Kannst ja mitkommen, wenn das völlig unbitter ist, eingebuddelt zu sein.
Warte mal! Das war doch nicht so gemeint! Bleib doch hier! Man hat mich eingebuddelt und das ist unheimlich bitter. Waaaarte!

In der Zwischenzeit war ein Elefant vorübergeschritten und wunderte sich über einen rollenden Kopf: Ich dachte, die muss man einpflanzen, damit was aus ihnen wird?
Ein Erdmännchen schaute aus seinem Bau und betrachtete den Kopf mit dem eingebuddelten Körper: Lecker, endlich wieder Körper zum Abendessen.

Der rollende Kopf aber rollte weiter und weiter und dachte: Hörper! Genial! Was für ein Einfall! Was soll das noch mal gewesen sein? Ach, ist doch egal.

Ein Affenbrotbaum wiegte sich einsam am Horizont.
Die Sonne lachte. Ist doch klar.
Das war Afrika.


Weisheit des Alltags: Komische Vögel

Pawel Pikass: Komischer Vogel (2012)
Tomatensauce und Scriptol auf Postkarte
Die komischen Vögel gewinnen unsere Aufmerksamkeit, nicht die, die davongeflogen sind.
Die komischen Vögel haben geringelt Socken ohne eine Ringeltaube zu sein und können nicht fliegen, weil sie nicht wissen, dass sie Flügel haben. Oder einfach keine Flügel haben. Eier legen können sie meistens auch nicht. Nicht einmal den Schnabel halten.
Der Adler am Himmel, wie mächtig seine Spannweite auch sein mag, wie scharf sein Auge, seine Krallen, sein Schnabel, wird als Adler oft gar nicht erkannt.

Kuck mal, ein Vogel!, schreit das Kind.
Wo?, fragt die Mutter.
Da oben!, antwortet das Kind.
Ja, dass man da nicht nach unten kuckt, ist doch wohl klar!, sagt die Mutter genervt.
Jetzt ist er weg! Das Kind heult fast.
Na, also, sagt die Mutter, kuck dir lieber den komischen Vogel da an der Ecke an. Hat Ringelsocken und keine Flügel, aber einen Speckhut und eine Blechdose mit einem Schild davor, auf dem "Ich brauche Geld" steht.
"Der braucht Geld", sagt das Kind.
"Ich auch", brummt die Mutter, "und das ist überhaupt nicht komisch."

Das Leben zeigt, das Vögeln nicht immer der kreatürliche Respekt gezollt wird. Wer wegfliegt, ist nicht da und wer sitzenbleibt und keine Flügel hat, ist einfach komisch. Tragisch.

Wo bleibt unser Butterbrot?

Paul"Klötzchen" Klotz: Butterbrot kubistisch (2010)
In Zeiten der Globalisierung haben Pizza, Ketchup und weiche Brötchen mit einem Belag aus geschredderten Rindern einen weltweiten Siegeszug angetreten. Brutal zeigen sie sich an jedem Ort des Globus und lassen dem alternativ motivierten Esser keine Chance, sich ohne sie vor dem Hungertod zu retten.
Wo bleibt unser gutes altes Butterbrot?
Wo bleibt dieser praktische und nahrhafte Kalorienträger, den man problemlos anfassen und  ohne Werkzeug essen kann?
Es ist nicht gerecht, dass alles, das ausländisch klingt, auch bei uns verbreitet wird und das, was uns Jahrtausende ernährt hat, verdrängt.
Der Esser sollte sich seiner Wurzeln besinnen, statt ständig in die kulinarische Modekiste zu greifen. Und darüber hinaus sollte er sich dankbar zeigen und der "Klappstulle" eine Perspektive aufzeigen: Schick dein Butterbrot um die Welt!
Das wäre mal was.

Hier mehr lesen.

Die Lappen ruhen

Winter.
Die Lappen ruhen.
Staub und Dreck haben Zeit sich zu erholen.
Stille in den Räumen.
Nur das leise Flocken der Flusen.
Das Nuscheln des Sandes vom Vorjahr.
Das Raunen des Schmutzes aus den Rillen deiner Sohlen.

Das Frühjahr wir kommen
und alles holen.
Die Lappen so trocken und still.
Sie werden feucht und tun, was die Jahreszeit will.


Hera Blind: Erstes Wachen (2013)

Der Vorsatz war: Das erste Wachen
neujahrs sollte mir mit einem Lachen,
dem Gefühl von Heiterkeit....
dann war ich heiser, weit
und breit kein heilend Tropfen
blind
wie Blinde sind
saß ich im Bett, die Ohrenstopfen
gar noch drall und fest
den Böllerkrach zu dämpfen
und ich musste kämpfen
und sortieren
doch ich wollte schauen, wollte stieren
war doch blind
wie Blinde sind
und die Erinnerung entfernt
war da nicht Bernd?
doch wo sein Schnarchen, sein Geruch, sein Lärm?
Ein Grummeln im Gedärm
erzählte von duchlebter Nacht.
Und Bernd war Hans. Ach, zum Verrecken!
Das Neujahrslachen blieb im Hals mir stecken.


War was?

Wars gestern, heute oder morgen?
Warns Katzenjammer oder Sorgen?
Wars ich, warst dus oder wars keiner?
Wars sauber oder sogar reiner?
Wars nur ein Jahr oder warns zehn?
Wars Bleiben, Kommen oder Gehn?
Warns Maya oder Madegassen?
Nur wenige oder die Massen?
Die Antwort ist nicht von Belang.
Mal Grunzen oder mal Gesang.




Gratulation: Miss Karpfen 2013

www.gemuesegrafik.blogspot.de

Heute: Die Welt geht unter

Ringo schluckte. Heute würde sein guter alter und zuverlässiger und auf sicheren Quellen basierender Küchenkalender enden.
Das bedeutete Weltuntergang.
Nirgends hing ein neuer Kalender.
Die Zeit war abgelaufen.
Alle hatten gelacht, als den Mayas nicht geglückt war, die Kugel zu versenken, aber das waren greise Gesellen, die verknittert aus dem Götterhimmel grinsten, weil sie sich wohl einen Scherz erlaubt hatten, den viele Menschen ernst genommen hatten. Scherze darf man nicht ernst nehmen, denn dann sind sie keine Scherze mehr.
Heute Nacht wäre alles aus.
Was konnte Ringo tun? Noch ein Apfelbäumchen pflanzen? Gut, es war mild und feucht draußen, optimal für eine Anpflanzung. Aber wenn der Frost zurückkäme, wäre es finito mit Äpfeln.
Obwohl das ja auch nichts mehr bedeuten würden, wenn die Welt heute unterginge.
Ringo überlegte, ob er seine Aktien abstoßen sollte. Auch das war jetzt zu spät.
Schnell noch 100€ spenden für Brot für die Welt?
Das gäbe Punkte für den Platz im Paradies.
Ringo zückte sein Portemonnaie und nahm einen 50 €-Schein heraus.
Die Sparkasse hatte noch offen.
50 € heute, 50 € morgen, falls die Welt noch steht, das ist der Deal, lieber Gott!, flüsterte Ringo, und glaubte seit heute wieder fast fest an den großen Weltenlenker. Wer weiß, wofür es gut war.

Jahresrückblick 2012

Januar
Februar
März

April
Mai
Juni

Juli
August
September

Oktober
November
Dezember


Ernst G.Meint: Flüchtige Umarmung (2012)


Während einer flüchtigen Umarmung im Saunabereich bemerkte Wildtrud, dass sie dicke Finger hatte, dass ihre Hand und ihr Arm überhaupt nicht zum Rest des Körpers passten, dass die Haut dieser Körperteile furchtbar rosa waren. Und der Kerl, der da zwischen ihren Fingern, nein besser zwischen ihren Armen klebte, einen kahlrasierten Schädel hatte und braun war, und Wildtrud überlegte, ob sich nicht doch Kontakt, oder zumindest eine Vorliebe, vielleicht sogar nur eine Neigung zur rechtsextremen Szene hatte.
Der braune Glattschädel trug aber keine Springerstiefel und auch keine weißen Schnürsenkel in diesen und außerdem nicht einmal eine Art Bundewehrhose in „schrecklich verwaschen“ und „fleckig“.
Was ist los mit meinem Leben?, dachte Wildtrud. Früher hatte sie NSU für ein Auto gehalten, an dem man vorne die Kühlerhaube öffnen musste, um festzustellen, dass der Motor hinten war, um dann die Haube dort zu öffnen, damit der Wagen nicht überhitzte.
Alles war irgendwie anders geworden.
Wiltrud liefen zwei kleine Tränen über die Wangen, denn sie wusste insgeheim, dass alles nicht ihre Schuld war; denn das war es nie gewesen. Vielleicht war es auch Schweiß.

Original und Fälschung: Kühlerhaube in den Sand stecken

Vassily Kannikski: Kühlerhaube in den Sand stecken (2011)
Drei Fehler gilt es zu finden in der Fälschung des berühmten Kannikski-Bildes "Kühlerhaube in den Sand stecken"
Kleiner Tipp: Das zweite Auto hat die Scheiben runtergekurbelt und im Original steht kein Bohrturm. Der dritte Fehler wird nicht verraten.

Weisheit des Alltags: Sei was du bist!

Ich will einen Prince!, rief die Prinzessin und sie war schon reichlich zornig.
Der Frosch, den sie nicht von der Bettkante geschubst hatte, plapperte in einem fort. Er sei ein Prinz, sie müsse ihn küssen, er sei verwunschen und habe ein weißes Pferd!
Einen Schimmel, meinst du?, fragte die Prinzessin.
Nicht direkt Schimmel, das wäre ja unhygienisch, antwortete der Frosch. Küss mich und du weißt mehr!
Die Prinzessin tobte: Ich will einen Rockstar und keinen klebrigen Frosch!
Ja, dann küss mich eben! Dann hast du einen Prinzen!
Ich hasse Prinzen!, schrie die Prinzessin. In einer Strumpfhose mit einer Feder am Hut auf einem Schimmel, das ist doch lächerlich!, schrie sie.
Na ja, sagte der Frosch, aber der Prince ist ja so ein Dünner, irgendwie eher nicht heterogen, hat so einen spitzen Mund mit einem Oberlippenbärtchen; das ist doch nichts für eine richtige Prinzessin...
Halt dein Maul, schrie die Prinzessin, halt dein Froschmaul, ich werde jetzt nicht unhöflich, denn Frösche haben ein Maul, und dieses Maul werde ich nicht küssen!
Sie erinnerte sich an die Grimmschen Märchen, und da hatte niemand einen klebrigen Frosch geküsst, sondern den einfach an die Wand geklatscht. Immerhin war dann ein Prinz aus dem Gematsche herausgekrochen. In Strumpfhosen, aber ohne weißes Pferd.
Sie griff den Frosch  am Schenkel und knallte ihn vor die mit Seidentapeten beklebte Wand. Ein merkwürdig ekliges Geräusch war zu hören und an der Wand klebte ein zerschmetterter Frosch. Nichts mit Prinz oder Prince.
Die Prinzessin nickte und sagte: Mal wieder recht gehabt. Von wegen Prinz. Von wegen Pferd. Von wegen Strumpfhose und Feder am Hut.
Frosch bleibt Frosch.
Und das hätte sich der Frosch auch sagen können .
Schuster bleib bei deinem Rappen.
Du bist, was du bist. Da helfen auch keine Küsse!

Eh wurscht und E-Wurst

Die schönsten und erfolgreichsten Erfindungen kommen oft nebenbei. Da sagt die Dame: Das ist mir eh wurscht und meint vielleicht einen vegetarischen Bratling, der nicht schmeckt. Es ist ihr eh wurscht, denn sie isst das Sägemehlzeugs sowieso nicht.
Der bisher noch unentdeckte Erfinder, der sich bislang seiner Sprachbegabtheit rühmte, leitet von "eh wurscht" sofort E-Wurst ab und zieht Parallelen zur E-Zigarette, die mittlerweile kein Gesprächsthema auf dem Markt für Lungenkrebs ist.
E-Wurst, das wäre es! Die macht jede Imbissbude überflüssig, selbst der Gast auf der sommerlichen Gartenparty kann jetzt selber sein Würstchen grillen.
Wie soll das gehen: In die E-Wurst wir eine Stange geschoben, die, batteriebetrieben, das Fleischgemansche erwärmt und gart. Nach diesem Vorgang kann das Fleisch einfach von der Stange gekaut werden; die Batterie kann an jeder Steckdose wieder aufgeladen werden, ein reiner Kabelstrombetrieb ist auch möglich. Denkbar ist auch der Einsatz als E-Schaschlik, denn das Stäbchen, früher aus Holz, findet ja auch in diesem Gericht besondere Verwendung.
Im Winter kann das Gerät nebst Wurst gleichzeitig die Hände wärmen, wenn diese die Wurst umschließen. Wintergrillen! Da lacht die fleischverarbeitende Industrie.
Bisher ist allerdings noch nicht geklärt, wie man die Bräunung außen ohne Chemie-Zusätze erreichen kann. Aber auch da wird sich eine Lösung auftun. E-Ventuell.

Georg Krakl: Die Tüte breit (2012)


Die Welt so bunt,
das Rund so rund,
der Kopf so weit,
die Tüte breit.

Voll Filz die Laus,
in Saus und Klaus
und Hetti und Chantal,
die Zahl

ist groß
und schwer das Los
der Fernsehlotterie.
Ach, schlotter nie!,

sprach einst der Papst zu mir,
und lotter nie
das Otterknie!
Und kotter die

Ravioli nicht!

Das war mir arg zu schlicht.
War denn der Papst wohl aus dem Pott?
Vielleicht bankrott?

Sein Name war mir just entfallen,
kam der wohl aus St.Gallen?
Ja, hieß er Klaus?
Vielleicht auch Walter.
Kannsein auch „Kartenschalter“.

Ich zog an meiner Tüte
Und seufzte schwer: Du meine Güte!

Lebenshilfe im Alltag: Hat Ihnen diese Rezension geholfen?


Greiser Vater und Nähmaschine
Wer eine Nähmaschine kaufen will, z.B. bei Amazon, sollte schnell mal die Rezensionen lesen, will heißen: Kunden haben was erlebt mit ihrem Produkt und schreiben jetzt darüber, um andere zum Kauf zu animieren oder ihnen davon abzuraten.
Nicht immer wird klar, ob man zuschlagen soll, oder nicht.


Es Kamm schnell an , 
innerhalb 2 Tagen war es da. 
Naja leider hat mein Vater sein Weihnachtsgeschenk selber in entlang genommen . 
Als wir aus probiert haben war die Lampe an und gab es einen Knall. Die Lampe war kaputt. Aber für diesen Preis kann man echt nichts sagen, in den Läden kostet die Nähmaschine mehr wie hier und die Lampe kostet gerade mal 2.50€ also macht man sich nichts draus und kaufen eine neue Lampe.

Man glaubt ja anfangs, hier habe ein Kunde einen Kamm bestellt, der auch angekommen ist, und der irgendetwas mit dem, vielleicht schon barhäuptigen, Vater zu tun hat, der so kurz vor Weihnachten seine Geschenke nicht nur sucht, sondern wohl auch auspackt.
Wenn ein Pakt kommt, muss es jemand in Empfang nehmen; der greise Vater, der sich eine Nähmaschine gewünscht hat, nimmt das Paket entlang, was wohl heißen soll, dass anschließend die Lampe kaputt geht. Dem voraus eilt ein Knall; das Entlangnehmen kann man als "Knappnebenhernehmen" verstehen, denn das Objekt ist wohl auf die Erde geknallt.
Wenn man die Lampe so richtig anhat, geht die nach einem Knall schon mal aus, und alle merken, wie bekloppt die Situation ist: Der Vater will gar keine Nähmaschine, die aber war eben so günstig und frei Haus lieferbar. Für Zweifünzig kann man nichts sagen, gesagt wird erst ab 5 E, da lohnt es sich allerfrühestens.
Kaufen neue Lampe.
Dann kann man sehen, ob Maschine noch gehen und nähen und Vater durchknallen.

Die Rezension regt zum Kauf an, denn was im Zusammenhang mit Bestellung und Lieferung alles passieren kann, das ist durchweg spannend und erheitert das Leben, das sonst eher alltagstrüb ist.
Auf jeden Fall Prädikat: *****


Manchmal sind Grammatikfehler zwingend: Georg Krakl - Beschiss

Albrecht Türer: Kopp von RP (2012)
Der Kopp, der hatte son
bisschen was von Robert Patteson
dem chicen Jung-Vampir
in Bis(s).
Scham dir
für Blut- und Filmbeschiss!

Georg Krakl: Kraulen und Graulen (2012)

Ich hab den Weihnachtsmann vergrault,
ich habe ihn am Bart gekrault.

Was ist Freiheit?

www.gemuesegrafik.blogspot.de

Zähne nach China

Er will meine Zähne, dachte Elfie.
Er will meine Zähne, dachte Elfie, er will meinen weißen Zähne. Elfie krallte die Finger in den Behandlungsstuhl. Warum haben diese Stühle keine Armlehnen?, dachte Elfie weiter, an denen man reißen könnte, an denen man beweisen könnte, wie stark man ist, dem Zahnarzt zeigen könnte, dass nicht mit einem zu spaßen ist.
Er will meine Zähne, dachte Elfie, er will meine weißen Zähne und verkauft sie nach China, wo dann daraus billige Prothesen fürs Volk gemacht werden, die, wenn sie entsprechend eingekaut sind, wieder in den Westen verkauft werden. Nicht ohne ein paar Spritzer Weichmacher beigemengt zu haben. In den Zahnzwischenräumen würden wahrscheinlich noch gebratene Muskelfasern vom Hund sein.
Der Zahnarzt hob sein Werkzeug und fasste Elfie an den Kieferknochen.
Elfie presste die Zähne zusammen. Meine Zähne gehören mir, ich gebe nichts, auch wenn Weihnachten ist, auch der faule ist meiner, wer weiß was die Chinesen damit machen werden.
Der Kampf Gut gegen Böse war noch nicht geschlagen und jeder musste seinen Beitrag leisten.
Er will meine weißenweißen Zähne, presste Elfie heraus und holte zu einem gewaltigen Kniestoß aus.

Georg Krakl: Katzenkopf (2012)

Katze, Katze,
bist versteinert und ganz hart,
wo du früher zart
und flauschig,
wo dein Schwanz so weich und bauschig,
deine Tatze weich
und dein Schnurren einem E-Bike gleich
gewesen.

Jetzt dienst du als Katzenkopf
einem Straßenpflaster,
stützt das und die Laster,
lässt dich überrollen und betreten,
ungebeten.
Niemand fragt:
Was die Katze da wohl sagt?

Katze sagt nichts mehr.
Außen hart und innen schwer.
Kann nichts tun und kann nur sein.
Katze ist aus Stein.


Wenn Müll zur Qual wird.....

Neues Fachblatt gegründet.

Manche halten es für Lifestyle, andere nur für Unrat; Selbstausdruck und Kunst ergänzen die Argumente, die für das Anhäufen und Verbleiben von Materialien, Büchern, Elektrogeräten, ungeöffneten Kartons, Speiseresten, Cromargan-Platten und leeren Batterien gefunden werden.
Nicht jeder kann das nachvollziehen, denn Sozialisierung und Psyche sind unterschiedlich. 
Der von der Rasenkantenschneider-Mentalität der Nachkriegseltern Geprägte, der Strukturbedürftige und der Zwängler, der sogar die Unterhosen bügelt, wettern natürlich aus dieser Disposition heraus, dass der Unrat verschwinden müsse. Weg mit dem Dreck!, wird populistisch gereimt und damit werden Kreativität und Selbstausdruck niedergebrüllt.
Eingeschüchtert wagt der Sammlertyp nur noch heimlich, wenn er sich unbeobachtet fühlt, seinen Stapel Arbeitsblätter aus dem Vorvorjahr oder die Ansichtsexemplare nebst Begleitschreiben im Raum zu platzieren. Dabei ist es ihm ein Bedürfnis, etwas nicht wegzuwerfen, sondern aufzubewahren. Hier zeigt sich der erste Typus: Der konservierend-konservative. Das Alte gilt es zu bewahren, die Schätze der Vergangenheit zu sammeln und griffbereit zu halten. Wer weiß, ob wir da nicht noch etwas haben, über das ich mich selbst bzw. jemand anderer noch freuen wird? Wer will auf den Aha-Effekt verzichten, wenn unter dem Stapel auf dem Regal noch ein Dokument aus dem Jahre 1999 gefunden wird,  aus dem letzten Jahrtausend! Da hüpft dem Historiker das Herz in der Brust und die Hermeneutik will sich in voller Pracht entfalten! Der konservierend-konservative Typus geht noch einen Schritt weiter: Bereits Entsorgtes führt er einem noch existierend Haufen zu bzw. gründet einen neuen, dessen Aspekte nur ihm einleuchten, der Umwelt aber unwirklich und sinnentfremdet erscheint.
Unbewusst drückt der Typus den Wunsch des Festhaltens und Nicht-Loslassen-Könnens aus; er trauert dem Kindsein mit seinen Allmachtsphantasien nach und will diesen Zustand erhalten, was aber durch die Realität des Erwachsenseins verhindert wird. Er kompensiert das Unmögliche durch das Aufbewahren des Aufbewahrbaren und beweist mit jedem Stück mehr in der Sammlung die Richtigkeit seines Vorgehens.
In der nächsten Ausgabe:
Hier bin ich, hier will ich sein! Der demonstrative  Typus

Weisheit des Alltags: Kuck mich mal an!

Besser leere Gesichter als hohle Köpfe.