Peter Armke: Blut im Schnee (2010)


Der Schnee hatte seine Unschuld verloren. Er hatte das Land vor Tagen unter einer weißen Decke versteckt, das triste Grau, den Dreck, das Schmuddelige, das Trübe und Traurigmachende, das die Menschen verzweifeln lässt; selbst die Sorgen, die Probleme, alles war verschwunden, als sei die Welt noch einmal neu geboren, ohne die Vergangenheit ganz zu vergessen, wie eine Reinkarnation, gutes Karma, Unschuld, Reinheit, Klarheit, als wäre es möglich, noch einmal von vorne zu beginnen, einen neuen Anlauf zu nehmen, nicht mehr die Fehler zu machen, die die Menschen ins Düstere, in das Erdrückende, in die Hölle auf Erden geführt hatten. Das Land hatte seine neugewonnene Unschuld verloren.

Dieser Angler. Stundenlang hatte er herumgesessen und gelauert, seinen Köder ausgeworfen, unbeweglich hatte er aufs Wasser gestarrt.
Nach Stunden hatte ein Fisch an seiner Angel gezuckt. Endlich!, war es heiß durch seinen Körper gerast. Endlich! Der Fisch an Land, ein Schlag mit dem Stock, ein paar geübte Schnitte, das Gedärm zurück ins Wasser, das Blut in den Schnee. Die Unschuld verloren. Die Hoffnung auf ein neues Leben verendet mit dem Fisch.
Daheim schlug der Angler die Zähne in das gebratene Tier. Die Frau hatte ihn zubereitet nach dem Rezept ihrer Mutter. Jedes Mal hoffte sie, er würde das Angeln endlich aufgeben und das Schweigen durchbrechen.
Sprich doch endlich mit mir!, schrie es stumm in ihr. Was habe ich dir getan?
"Schmeckt lecker!", murmelte der Angler und zog sich eine Gräte aus dem fettriefenden Mundwinkel.

Rasenmähen und Psyche

Mit dem Rasenmähen ist das so eine Sache. Dieser Vorgang des Alltäglichen sagt eine Menge über den Mäher aus. Feinste Psychoanalysen ließen sich vornehmen und lebenspraktische Hilfen anbieten.
Rasenmäherbenutzer halten sich für völlig normal. Das ist allerdings nur eingeschränkt richtig.
Nehmen wir ein Beispiel: Tante und Onkel Reinhold haben gar keinen Rasen. Sie bewohnen einen ausgedienten Bauernhof, in dem außerdem ein paar Schweine gemästet werden, die bei Ingangsetzung der Belüftung einen bestialischen Gestank absondern, oder dies schon vorher getan haben, welcher jetzt per Lüftungsschlitz freigesetzt wird. Auf dem Hofgelände tummeln sich Hühner, die den einen oder anderen Wurm aus der zähen Erde zurren. Nun will es das Schicksal, dass das nicht so bleiben soll. Warum Idylle, warum Naturbelassenheit, wenn die Möglichkeit besteht, an einer Tombola teilzunehmen. Tante Lotte und Onkel Reinhold tun dies im Rahmen einer Weihnachtsfeier, z.B. des Schützen-, Heimat oder Hühnerzuchtvereins. Die gezogenen drei Lose sind zwei Nieten und ein Haupttreffer. Der Haupttreffer ist ein Aufsitzmäher, der natürlich erst richtig zur Geltung und zu Würde kommt, wenn eine ausreichend große Rasenfläche vorhanden ist, um in aller Ruhe aufzusitzen und sitzen zu bleiben. Während des Sitzen mäht die Maschine den üppigen Rasen. Die Nachbarn stehen blass vor Neid am Zaun und denken: „Und wir müssen unsern immer noch schieben!“ Tante Lotte und Onkel Reinhold wollen sich den Genuss solcher Szenen, allein die Vorstellung was in den Köpfen der anderen schon jetzt vorgeht, nicht entgehen lassen, sondern diesen weiter steigern und in den nächsten Jahren von Frühjahr bis Herbst in vollem Umfange auskosten. Als sie erkennen, was sie gewonnen haben, und als dies auch die Nachbarn erkennen, will ein hämisches Grinsen sich der Gesichter aller und Nietenbesitzer und Krimskramsgewinner bemächtigen. „Die haben doch gar keinen Rasen!“ raunt der eine. „Nen Aufsitzmäher! Den könnense doch gleich wieder abgeben.“
Für Tante Lotte und Onkel Reinhold steht fest: Rasen wird eingesät. Jede Menge Rasen. Je größer die Fläche, desto tiefer wird der Neid in die Herzen der Nachbarn bohren. Und das haben sie verdient, die , die sieben Monaten lang in der Mittagszeit ihre stinkenden Motoren angeworfen und gequält haben. „Jetzt sind wir dran“, denkt Onkel Reinhold. „Aufsitzmäher!“ Allein das schwere Wort erzeugt ein angenehmes Summen in der Magengegend.


Rasenmähen. Es ist ein Wettkampf. Hier zeigt sich nicht nur, wer den stärksten hat, sondern wer auch am längsten kann und das zu unmöglichen Zeiten.
Es ist fast wie Plastikmüllverbrennen am Freitag. Das ist genauso verboten wie am Donnerstag, aber am Freitag verschafft es noch einen besonderen Kick. Früher war es freitags erlaubt. Mit dem Verbrennvorgang kann jeder, der sich traut, noch einmal deutlich Protest einlegen und zeigen: Mir kann keiner was. Ich brenne, wann ich will. Dabei ist Brennen eben nicht der Vorgang des SICHVERZEHRENS durch Feuer, sondern das aktive Abbrennen von Material, das eigentlich bequem im Gelben Sack untergebracht wäre. Die Entsagung dieser Bequemlichkeit ist es gerade, die die große Freiheit des Landmannes oder der Landfrau ausmacht. Ich könnte es tun, wie bequem, aber ich gehe den steinigen Weg. Allerdings kräht kaum ein Hahn danach, ob Gustav seine Eternitplatten in Asche umzuwandeln versucht oder nicht. Jeder ist mit sich selbst und dem Brennmaterial beschäftigt, da bleibt keine Zeit den Nachbarn zu erschnuppern, ob der vielleicht Blumenuntersetzer aus Bakelit, frühe Sechziger, einäschern will. Es geht um die Eigenständigkeit, um die Selbstbestimmtheit, und darum , das allen zu zeigen. Landluft macht frei, in Umkehrung des mittelalterlichen Leitspruches.

Georg Krakl: Zaun (2010)


Wir haben unsern Zaun,
um mal darüber weg zu schau'n
in Nachbars Garten
etwa, um sehen,
nicht zu warten,
ob's Unkraut wieder rüber macht,
zu uns, wir halten Wacht,
und klingeln an beim Nachbarsmann:
He, hallo, Chef, in unsren Beeten
wächst dein Unkraut, Zeit wird's langsam, es zu jäten.
Loben, streicheln unsren Zaun,
und freu'n uns unsrem Nachbarn bei der Arbeit zuzuschaun.

Philosophisches Thema: Ist Skifahren ein Sport?


Warum Menschen gerne Skifahren, ist nicht bekannt. Noch weniger bekannt ist, ob sie wirklich gerne fahren, oder dieses nur behaupten, um etwa andere Menschen, die nicht Ski fahren, neidisch zu machen. Möglich auch, dass sie lediglich wollen, dass andere kein Mitleid zeigen, weil sie Ski fahren müssen und daran keine Freude empfinden können. Wer bemitleidet wird, ist ein armer Tropf, ein Loser, ein totaler Verlierer. Niemand liebt dich, wenn du am Boden liegst. Das ist bekannt. Das gilt nicht nur für das Skifahren. Das ist überall so. Ausgenommen der Schattenplatz am Hotelstrand oder am Pool. Wer da liegt, ist ein Gewinner. Die Vollidioten finden morgens ihre Handtücher, mit denen sie Plätze bunkern wollten, im Wasser wieder. Gleiche Bedingungen für alle: Ab sechs darf das Handtuch ausgelegt werden. Frühaufsteher sind im Vorteil gegenüber den ganz Ausgeschlafenen. Bei Halbtagesausflügen hat man so nachmittags immer noch „sein“ Plätzchen am Planschbecken, um sich von der beschwerlichen Besichtigungstour zu erholen. Niemand wird bei helllichtem Tag wagen, das Badetuch im Pool zu versenken. Darüber wachen die anderen, die trotz verbrannter Haut auf ihren Plätzen liegen. Weggegangen, Platz vergangen. Dieser brutale Reim zeigt, um was es geht. Aushalten, durchhalten, Platz halten. Liegen muss nicht schlecht sein. Das Handtuch ist Platzhalter.
Der Skifahrer steht meistens. Er schaut, ob die Piste frei ist. Er genießt die Gegend. Er steht am Lift. An der Gondel. Am Kartenschalter. An der Schneebar. Im Restaurant. Beim Après-Ski. Er steht in Skischuhen.
Der Skifahrer sitzt darüber hinaus. Im Lift. In der Gondel. Während der Mittagspause. Um die skischuhgequälten Füße zu entlasten. Er sitzt im Schnee, um wieder aufzustehen.
Er fährt den Hang hinunter. Auf der Piste. Er fährt die kürzeste Zeit. Je mehr er fahren will, desto mehr muss er stehen und sitzen. Das ist ein proportionales Verhältnis. Je mehr desto mehr. Reziprok klingt schöner, ist aber je mehr desto weniger. Das hieße, dass er gar nicht zum Fahren käme. Je mehr er stünde, desto weniger führe er. Bei unendlichem Sitzen ginge sein Fahren gegen Null.
Der Skifahrer betreibt seinen Sport bei Nulltemperaturen. Vielleicht aus diesem Grund; weil er sich im Grunde seines Herzens ein reziprokes Verhältnis wünscht. Je weniger er sitzt, desto mehr kann er fahren. Schluss mit Gegendgucken, Schneebarstehen, Füßeausruhen.
Der Sport wird Stress. Niemand kommt zum Halten, alles endet in einer unendlichen Bewegung, die schließlich zur völligen Auszehrung des Körper führt. Oder im umgekehrten Fall zu breiten Hintern und platten Füßen.
Skifahren ist in Wirklichkeit kein Sport, der gut tut. Er schadet im Endeffekt. Das will niemand wahr haben. Wer kauft sich schon eine Skiausrüstung für richtig Geld, um hinterher festzustellen, dass sein Bewegungsverhältnis proportional ist, aber wunschgemäß reziprok sein sollte?
Das wird niemand gern zugeben. Auch nicht, dass er seine Ausrüstung billigst wird verschleudern oder nach einem Schleudersturz durch die Haftpflichtversicherung finanzieren müssen. Skifahren ist nicht einmal Freizeitbeschäftigung, die Wohlbefinden erzeugt. Entweder sitzt man zuwenig und fährt kaum, oder man sitzt ständig und steht an und kann dann auch viel fahren. Nur – woher die Zeit nehmen? Wer viel fahren will, muss sehr viel Zeit haben, sehr viel Zeit.
Da ergibt es doch einen Sinn, am Pool auf seinem Badetuch zu liegen, oder das Tuch alleine liegen zu lassen und sich derweil mit anderen Kostbarkeiten des Lebens zu vergnügen. Denn hier gilt: Je länger ich liege oder liegen lasse, desto länger liege ich oder lasse liegen. Da gerät nichts durcheinander. Herumliegen ist zwar schlicht, aber daher auch für einfache Geister zu bewältigen. Wer es dann noch schafft, kurz vor sechs aufzustehen und sein Handtuch an die richtige Stelle zu legen, der kann eines übersichtlichen proportionalen Verhältnisses sicher sein. Da geht nichts schief, denn es liegt ja.
(Foto: Skifahrer lassen häufig im Vorbeifahren etwas liegen.)

Lange Freiheitsstrafen sind unmenschlich


Hände weg vom Oberkörper!, hieß es in Europa im Mittelalter.
Heute noch beliebte Strafe für Taschendiebe in einigen süd-östlichen Regionen und anderswo.
Der Amerikaner dagegen schwört auf Strom, Gas und Gift.

Sei wie der Stamm


Wie der Stamm im Holzstapel sein.
Sich einfügen und Halt geben.
Halt finden.
Wärme empfinden, nach Jahren der einsamen Kälte.
Dabei sein, wenn es in den Ofen geht.

Männer sind Schweine

Den Satz "Männer sind Schweine" drehten britische Forscher einfach um und sprengten lebende Schweine in die Luft, um herauszufinden, wie denn Sprengstoff auf Männer wirkt, bzw. eben auf Schweine. Dass die Schweine betäubt waren, entschuldigt die eine Seite der Kritiker, die andere ist jedoch empört, dass hier mit Nahrung Krieg gespielt werde. Alles seriös, so die Briten. Durch Österreich geht jedoch ein Aufschrei: Der Satz "Schweine sind Männer" will nicht in die Köpfe der erzkonservativen Fleischesser, die um das Ansehen der Mortadella fürchten. Diese Wurst sei zwar aus irgendwelchen nicht definierbaren Fleisch- und Bindegewebsresten zusammengemixt, feinpüriert, gewürzt und gefärbt, aber seien die Bestandteile nicht durch Sprengung zerkleinert worden. Es habe eine ordnungsgemäße Schlachtung unter Aufsicht eines Veterinärs stattgefunden. Der Fleischbrei müssen ja immerhin noch genießbar bleiben. In erster Linie regt aber der Umkehrschluss auf: Schweine sind Männer! Das darf den Österreichern nicht wahr sein. Wo bleiben denn die Frauen?
Die Briten konterten, dass Frauen in der Regel, also im Kriegsfall, nicht gesprengt werden. Bei Terrorangriffen müsse man noch statistisch auswerten, wie die Verteilung auf die Geschlechter aussehe. Bis dahin wolle man die Sprengung lebender, aber betäubter Schweine einstellen und allenfalls heimlich damit wieder anfangen, vielleicht im Mai schon.
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Bald ist Ostern


Kurz vor Ostern. Weihnachten ist gerade vorbei. Der Karneval tobt und nähert sich seinem Höhepunkt. Wie jedes Jahr Fischstäbchensterben in der Nordsee und riesige Mengen Eier, die auswandern wollen. In Transport-Kartons warten sie auf ein Schiff nach Übersee und hoffen, dort ihr Glück zu machen. Trauriges Thema in einer lichtlosen Jahreszeit. Was wird sie drüben erwarten? Von wegen, vom Tillerwäscher zum Millionär! Die meisten werden in einem Omelett landen und amerikanische Bäuche füllen. Der Rest wird am Transport auf wackliger Planke zerbrechen. Als wenn das Fischstäbchensterben nicht schon genug wäre! Kann es denn nicht auch eine Aufgabe sein, bunt gefärbt im Garten von Vater Tobi versteckt zu werden, damit sich dann Bubi kreischend und quietschend vor Glück auf einen stürzt? Muss denn immer alles, was hier Tradition hat, schlecht sein? Nein.

Karl-Friedrich "Khalef" Motzke: Aus meinem Campingtagebuch - 7/ Punker

Auch Punker machen Urlaub, italienische wenigstens. Der von seinem eigenen Berufsleben Erschöpfte fragt: Wovon machen denn Punker Urlaub? Haben die nicht immer Urlaub? Und wenn sie immer Urlaub haben, dann sind sie jetzt vielleicht auf Arbeit? Das ist doch so ähnlich wie mit der doppelten Verneinung. Auch bei Punkers gilt: Sie wäscht ab. Er wartet so lange, in eine andere Richtung schauend, die Arme verschränkt.

Theodor Spontane: Kinder auf dem Haufen


Kinder auf dem Haufen
könn' vom vielen Sitzen
nicht mehr laufen.
Kommen nie ins Schwitzen,
und sind nie kaputt.
Haben keine Kondition.
Hätten sie wohl schon
ganz gerne. Nicht nur Schutt,
auf dem man sitzen kann,
aber nicht drauf laufen.
Irgendwann dann
werden sie sich diese kaufen.
Dafür müssten sie zumindest gehen!
Ach, wir werden einfach sehen...
(Vieles wird man später erst verstehen.)

Georg Krakl: Hässlicher Hut (2010)


Hässlicher Hut,
zu dir passt ein Backenbart.
Und wenn nicht der Nacken haart,
wir alles gut.

Kopfgeruch


Ruud: Fred, du hast Kopfgeruch.
Fred: Dann riech doch nicht hin.
Ruud: Ich sitz aber hinter dir.
Fred: Wurd ja auch mal Zeit.
Ruud: Trotzdem. Kopfgeruch.
Fred: Steck deine Nase einfach nicht in alles.
Ruud: Kopfgeruch. Nicht Kopfinnengeruch!
Fred: Ich hab heute Morgen Haare gewaschen.
Ruud: Deswegen ja. Riecht lecker.
Fred: Na, also.
Ruud:Apfel-Zimt. Hmmm, mein Lieblingsgeschmack.
Fred: Freu dich.
Ruud:Darf ich mal dran lecken?
Fred (steht auf und geht): Immer dasselbe mit den Liberalen.

Nachrichten vom Tage

Drei Millionen offizielle Überwachungskameras in Großbritannien, für je 15 Einwohner eine! Trotzdem bleibt die Verbrechensbekämpfung ineffektiv.Ein privates Unternehmen bietet an, eine eigene Kamera zu installieren und dann gefilmte Übergriffe bei Youtube zu veröffentlichen, damit hilfsbereite Nachbarn, die gerade den Film bei Youtube runterladen, rüberkommen und helfen. Über erhöhte Effektivität bei der Verbrechensbekämpfung wird noch nachgegrübelt. Immerhin kann der Geschädigte seinen materiellen, körperlichen und psychischen Schaden im Internet betrachten, zusammen mit der großen, weltweiten Webgemeinde.

Die Schweiz will, gemäß Volksentscheid, keine neuen Minarette bauen. Ein Vorschlag wird geprüft, die vier in der Schweiz bereits bestehenden Minarette abzureißen bzw. sie weiterzubauen, um sie in Sendemasten für ein schweizerisches Handy-Unternehmen nutzbar zu machen. Aus den ebenerdigen Gebäuden und Räumen will man Kulturzentren machen, die besonders die schweizer Kultur pflegen. Schwerpunkte sollen sein: Präzision (wie ein Uhrwerk), Pünktlichkeit (wie die Freimaurer) und Käse (Wie kommen die Löcher in den Schweizer Käse?). Das Wort Rassenintegration wird geändert in Rassenintrigation (Integrieren oder intrigieren), weil es der Wahrheit näher käme und der einfache Bürger zwischen den beiden Wörtern sowieso nicht unterscheiden könne.

Die Firma Nestlé bemüht sich im Gegenzug zu rassendiskriminierenden Maßnahmen der Schweiz um eine Erweiterung ihrer Produktpalette. Enttäuschten Moslems werden demnächst Speisen angeboten, die halal sind, was bedeutet, dass diese den Regeln des Islam entsprechend zubereitet wurden. Man mache dies nicht, um eine Marktlücke zu schließen, heißt es aus dem Hause Nestlé, sondern aus Gründen der Völkerverständigung. Profit könne man mit den wenigen Moslems, die noch Lust hätten, in der Schweiz zu wohnen, nicht machen. Vielleicht gebe es aber einen Markt im entfernteren Ausland.

Zum Thema "halal" meldete sich auch die deutsche Jägerschaft zu Wort, die immer da, wo es um Nahrung und Nahrungsgewinnung, bei der man einen Schuss mehr abgeben darf, geht, Witterung aufnimmt: Sie erkläre sich bereit, geschossenes Wild der Weiterverarbeitung zuzuführen. Mittlerweile seien Kühltruhen voll und die Verwandtschaft wolle sich auch nicht dauernd von Reh oder Wildschwein ernähren. Immerhin werde vor und nach der Jagd ein "Halali" durch die gekrümmten Blechröhren gepustet, und das sei doch wohl gleichzusetzen bzw. vergleichbar mit halal.

Beziehungsproblem: Ich liebe dich

Vera: Ich liebe dich!
Gero: Du mich auch.
Vera:(Blickt verstört.)......
Gero: Quatsch natürlich, ich mich auch.

Karl-Friedrich "Khalef" Motzke: Aus meinem Campingtagebuch - 6/ Geschäfte


Menschen, die ihre Exkremente der Nacht in kleinen Plastikeimern mit Deckeln durch die Gegend tragen, haben ein unverkrampftes Verhältnis zu ihren Ausscheidungen, was ein Merkmal einer entwickelten, angepassten Persönlichkeit ist. Andere trauen sich nicht einmal, auf dem Klo ein Geräusch abzulassen und verkrampfen, als sei es ein Zeichen besonderer Reinheit, nichts auszuscheiden.
Manchen erfüllt es mit Stolz, sein Eimerchen zu schwenken, um zu zeigen: Ich habe verdaut! Ich habe gegeben! Ich funktioniere! Es erinnert an kleine Jungen, die die Länge ihrer Schniedel vergleichen, um festzustellen, wer der Ranghöhere ist.
Angeberisch wirken die, die allmorgendlich einen riesigen Plastikcontainer auf Rädern zur Entsorgungsstation schleppen, in dem sich alle Ausscheidungen, inklusive der der Kaffeemaschine, der letzten Nacht befinden. Das beeindruckt; macht aber auch nachdenklich: Handelt es sich um eine Urlaubsgemeinschaft, die krankheits- oder altersbedingt an Blaseninkontinenz leidet, oder wird da jeden Abend maßlos Bier gekübelt, das dann später seinen natürlichen Weg ins Freie sucht?
Nein,es ist der Luxus, der den anderen, den Eimerchenbesitzern etwa, vorgeführt wird: Das können wir uns leisten! Niemand muss hier nachts raus, das Ding ist nämlich erst halb voll! Da ist immer noch Platz für eine Nacht! Aber bevor’s stinkt, bring ich’s weg.
Der Eimerchenbesitzer kann nur seinen Eimer noch stärker schwingen: Mir doch egal! Flüstert das durch die Ritze dringende Nachtwasser, wenn es zu Boden plätschert.
(Foto: Jan van de Roll auf dem Weg zum Tagesgeschäft)

Tierschutz


Auch Tiere haben ein Recht, sich als Schneeman zu verkleiden.

Männlich oder weiblich?


Die Welt wird immer androgyner, Männer benutzen Parfüm und Frauen rasieren sich. In deutschen Schaufenstern werden nackte Hinterteile ausgestellt, billige Eyecatcher, oder Neudeutsch: Blickfänge, die den kaufunlustigen Kunden zum Öffnen seiner Geldbörse bewegen sollen. Um davon abzulenken, dass er versunken auf das entblößte Plastik starrt, deutet er errötend auf die wenigen Kleidungsfetzen, mit denen das Objekt drapiert ist, und kauft sich ein längsgestreiftes Oberhemd. Bloß nicht zugeben, dass diese morbide geschlechtsvermischte Welt sein Interesse gefunden hat! ZU Hause ist er unglücklich, weil es sich um eine Damenbluse handelt, die er vor dem Karneval sowieso nicht anziehen kann, weil die Knöpfe auf der falschen Seite sitzen. So entpuppt sich dieser Konsumaufschwung als riesige Umtauschaktion, die der Wirtschaft, dem Staat und letztlich dem Konsumenten überhaupt nichts bringt.
Weg mit solch sexistischen Methoden!

Georg Krakl: Laszive Barbie (2010)


Du Barbie, so sprach der GI,
du bist richtig lasziv.
Das bin ich, Ka-Leu,
es berührt mich so tief.
Ka-Leu bin ich nicht,
sprach der brave Soldat zu ihr schlicht.
Und ich nicht lasziv,
da liegst du wohl schief.

Was bist du denn dann?,
fragt der mutige Mann.
Mag sein, wohl lasziv,
wenn das schlau ist und schön und verwegen und toff.
Der ehrliche Mann rief:
Totaler Blackout, da bist du mal wieder im Off.

Dann bin ich wohl blond,
so unver-James Bond.

GI rülpst verlegen, zurrt an seinem Koppel und schleicht sich von dannen.

60er-Jahre-Melancholie: Georg Krakl - Trevirahose (1965)

Meine Trevirahose
hing so lose
an den Beinen.
Im Spiegel sah ich mich.
Ich fand es fürchterlich
und musste weinen.

60er-Jahre-Begeisterung

Georg Krakl - Helancasöckchen (1966)

Meine Helanca-Söckchen
und dein Perlon-Röckchen,
die war'n doch was, die war'n echt steil!
Der junge Mensch sagt heute: Völlig geil!

Heinrich Bumm: Irlandtagebuch (1)

Ragnhild wagt sich als erste in die Gefahr des Linksfahrens mit einem nagelneuen, geliehenen PKW, der natürlich das Steuerrad rechts hat. Die vier Insassen hoffen, dass sie gut versichert sind. Auf falscher Bahn flitzen die Autos dahin, niemand will sich die Blöße geben, als Linksfahranfänger zu gelten. Also den Fuß aufs Gaspedal und nicht den Verkehr behindern. Alles muss fließen

Linksfahrende Radfahrer müssen in der Regel so überholt werden, dass der Seitenspiegel nicht deren rechten Arm streift, der Mittelstreifen ist eigentlich nicht tabu, wird aber von Mitteleuropäern als Grenze zu einer anderen Welt, zu der der rechtsfahrenden Geisterhafter nämlich, gesehen.
Ein dumpfes "Klong" ist zu hören.
Ragnhild, fahr nicht so dicht an die Radfahrer!, nervt Hans.
Fährst du oder ich?
Du, natürlich, aber trotzdem, den eben hättest du fast weggeputzt.
Ragnhild ist extrem angespannt. Sie muss beweisen, dass sie es kann, dass sie auf der falschen Fahrbahn zurechtkommt, vor allem mit der ganzen Lenkeinrichtung auf der falschen Seite. Irland. Wer wollte dahin? Egal.
Der muss eben aufpassen, die Straße ist ja nicht so breit, zischt Ragnhild Hans an.
Du darfst auch über den Mittelstreifen fahren, das ist wie in Deutschland, lenkt Hans ein.
Wenn du jetzt nicht aufhörst, steige ich aus, wird Ragnhild lauter.
Du machst das sehr gut, Ragnhild, lobt Hans und schweigt dann.
So treibt denn das fast obszön zu nennende Verkehrsgebahren der Iren die Stimmung im Wageninnern mal nach oben, dann wieder in ungeahnte Tiefen.
Das Lenkrad schweißnass, landet der Wagen endlich vor der Stadt; das Stadtgetümmel der Autos weicht einem eher milden Landtreiben. Alles wird übersichtlicher, die Straßen allerdings schmaler, so dass sich nicht nur die Augen der Insassen zu Sehschlitzen verengen. Schließlich sind die Straßen so schmal, dass meine glauben könnte, es gäbe sowieso nur eine Spur. Da macht Linksfahren Spaß.

Musik aus der Mottenkiste: Lalle Anderson (Barbies Mutter?)


Endlich: Lalle Anderson - Ein Schief wird kommen
Hören: Klick

Günter Krass - Skifahren

Die Sonne warf lange Schatten. Knut war ein wenig benebelt. Das war sein subjektiver Eindruck. Seine Ski-Kameraden hätten gesagt, dass Knut ziemlich voll gewesen sei.
Die Welt war schön. Besonders hier, wo alles weiß und gleißend war. Knut hatte seine Brille an der Theke in der Mittelstation vergessen. Vielleicht war sie auch verschwunden. Er hatte sie jedenfalls nicht mitgenommen. Die Berge. Wunderschön. Das Licht. Herrlich. Balsam für sein stressgeplagtes Inneres. Heil werden, das war wichtig. Die Schnäpse an der Theke hatten ihm ein Gefühl von Leichtigkeit vermittelt, als seien alle Sorgen beim letzten Toilettengang abgefallen. Als hätte er sie mit mächtigem Strahl ins Urinal katapultiert und dort weggeschwemmt und weggespült.
Jetzt wieder Skilaufen. Das gehörte dazu. Skilaufen war der Grund, um an der Theke Schnäpse zu trinken. Um an dieser Theke zu trinken. Leichtsoleicht. Das Rausgehen und Anschallen der Bretter waren ihm jetzt schwer gefallen. Beim Bücken schoss ihm das Blut in den Kopf. Die frische Luft machte ihn nicht nüchtern. Die Welt war schön. Alles war leicht. Das Blut zuckte in Knuts Schädel. Günni redete laut. Los geht’s oder so etwas! Die anderen fuhren. Knut schwankte und musste sich zusammenreißen. Hinterher. Bald fuhr der letzte Lift. Nicht abhängen lassen, keine Blöße zeigen. Im Urlaub waren alle gut drauf. Lachen. Das war wichtig. Nicht den Alltagsscheiß erzählen. Allen ging es gut. Null Problemo. Hahah! Was gingen die anderen auch Knuts Probleme an. Nicht den Urlaub versauen. In dieser Woche wollten sie es krachen lassen. Mal so richtig auf die Kacke hauen. Fünfe gerade sein lassen.
Knut hatte Mühe, den anderen zu folgen. Erich, dem Angeber, der am besten fuhr; Kuno, der am meisten trinken konnte und die lautesten Witze erzählte; Andreas, dem Zyniker, der nichts unkommentiert lassen konnte. Eigentlich lagen ihm die anderen nicht besonders; das war eine andere Wellenlänge. Aber es waren seine Freunde, wie er immer wieder behauptete. Wie er sich immer wieder selbst vorhielt. Skifahren war langweilig, gefährlich, mühsam, teuer. Knut hatte eine Liste negativer Eigenschaften des Skifahrens. Für Freundschaften muss man auch etwas tun. Da muss man mal über seinen Schatten springen. Knut wollte nicht vor dem Fernseher versauern. Helma war schon so weit. Sauer. Sie war sauer, wenn er nach Hause kam. Sollte vielleicht doch was zu arbeiten suchen. Früher hatte er das zu verhindern gewusst. Heute wäre er froh. Vielleicht wäre sie zufriedener und ließe ihn in Ruhe. Gegen Versauern half Skifahren, wenn man Spaß dran hatte.
Knut kämpfte mit einer Eisplatte und konnte gerade noch verhindern zu stürzen. Er musste ein kurze Pause einlegen. Die anderen waren nicht mehr zu sehen. Sie würden den Lift nehmen und hochfahren. Der Skipass war bezahlt. Also ausnutzen. Je mehr desto billiger. Knut fuhr weiter. Er wünschte sich in sein Bett. Der Alkohol setzte ihm mehr zu, als er gedacht hatte.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Treckermeditation


Viele Menschen auf dem Lande besitzen einen Trecker, er ist ein Statussymbol. Wer die meisten PS, wer die größten Reifen und die stärkste Stereoanlage im Cockpit hat, ist der Primus des Dorfes.
In vielen Schuppen stehen aber auch die alten Trecker, die Relikte der romantischen Landmannzeit der 50er und 60er, als noch ohne nachzudenken die Giftspritze eingesetzt wurde, als der Himmel noch voll war mit dem Rauch von Restmüllverbrennungen, als es Restmüll noch gar nicht gab, weil alles Restmüll war und in einer Tonne landete oder direkt im Feuer.
Der Erschöpfte der heutigen Zeit, der sich glücklich schätzt, einen solchen Trecker sein eigen zu nennen, weiß intuitiv, wie er sich entspannen und in eine andere Sphäre bringen kann.
Er sitzt auf dem Sattel seiner treuen Zugmaschine; der Dieselmotor tuckert; die Luft ist leicht gewürzt mit dem, was das Auspuffrohr stolz entlässt.
Es ist die Kutscherhaltung, die alle aus dem autogenen Training kennen, in der sich der Meditierende befindet. Die Hände sind locker auf dem Lenkrad gelegt, die Arme leicht angewinkelt. Die Lider halb geschlossen, atmet der Landmann die Dieselluft und sinkt immer tiefer in eine Ruhe, die ein konventionell Meditierender nicht nachempfinden kann.
Schwer wird es, aus dieser tiefen Entspannung zurück zu kommen, in der der Mensch noch einmal Kontakt mit der Erde, der Scholle, der Mutter aufnimmt, aus der alles Leben kommt, mit dem Boden, den er einst mit seinem schweren Pflug bearbeitet hat. Der Mensch weiß sich eins mit der Natur, sogar mit dem Universum.
Wenn der Diesel zur Neige geht, das leise Tuckern verstummt, die Luft ihr Aroma verliert, dann heißt es zurückkehren ins Hier und Jetzt, in die hektische Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts.
Aber die Kraft, die die Dieselmeditation auf dem Trecker spendet, wird bis ins Frühjahr reichen, wenn die Säfte wieder schießen.
Sollte der Erholungseffekt nachlassen, dann helfen ein oder zwei frisch gezapfte Liter Heizöl, und die Welt zeigt sich wieder von ihrer besten Seite.

Pawel Pikass: Akt (2010)


Männlich oder weiblich.
Ist doch letztlich egal.

Pawel Pikass: Halbakt weiblich (2010)


Da hat sich Pikass wieder mal ein nettes Aktmodell besorgt und schmiert dann ein paar großflächige Spachtelstriche auf die Leinwand; vielleicht bastelt er auch einen Siebdruck - muss natürlich stundenlang Skizzen machen, und glotzen, wie das Aktmodell so ohne alles aussieht, Voyeur, sage ich, von Kunst weit entfernt, da hätte der sich doch ein Herrenmagazin besorgen können, bisschen Folie drüber, alles mit dem Linieal umrandet und dann in die Machine. Nein, es muss natürlich ein echtes Modell sein, wahrscheinlich eine Studentin, die sich was dazu verdienen will, weil sie Studiengebühren zahlt. Hat wahrscheinlich die Höchststudiendauer überschritten. Das Geld stammt wohl aus dem Fördertopf des Staates, der glaubt, hier einen Kunstschaffenden zu fördern und nicht einen Gaffer. Unglaublich, dass das heutzutage noch möglich sein darf.
Ekke Dützmann

Sinnvolle Nacktscanner


Bilder, die mit so genannten "Nacktscannern" auf deutschen Flughäfen gemacht werden, sollen auch anderweitig benutzt werden, bzw. benutzbar sein. Auf Wunsch wird dem Fluggast, falls man nichts Verdächtiges an ihm entdeckt, eine Kopie überlassen. Das Original wird an den Kunstbetrieb verkauft und kann dort als naive Malerei oder Neo-Dadaismus verkauft werden. Die Hälfte der Einnahmen soll zur Finanzierung der Fluggastkontrolleure eingesetzt werden. "Obwohl", so ein Sprecher des Vorstandes der Lufthansa, "die haben doch ihren Spaß den ganzen Tag. Da könnte man glatt noch Vergnügungssteuer verlangen."
Die Kopien eignen sich gut, um Frühstücksbrettchen zu gestalten, es als Geschenkpapier oder, nach und nach, als Fototapete zu benutzen. Man kann darüber hinaus Spielkarten aus den Bildern herstellen, z.B. wie links zu sehen, eine Herzdame.

Fragen der Gesellschaft: Kann Eis gefrieren?



Kind: Mutter, Mutter, kann Eis gefieren?
Mutter: Äh, gute Frage....
Kind: Wie nennt man es dann?
Mutter: Tja, da muss ich mal überlegen....
Kind: Eiseis vielleicht?
Mutter: Kenn ich nicht, das Wort.
Kínd: Mutter, Mutter, wenn es richtig kalt ist, gefriert auch das Eis.
Mutter: Wo hast du das denn her?
Kind: Weiß nicht mehr.
Mutter: Na, also, die Frage zählt nicht.
Kind: Doch, doch. Kafka hat schon gesagt, dass Fragen wichtiger seien als Antworten.
Mutter: Kaffka? Ist das nicht so ein Stamm in Afrika?
Kind: Da kenne ich mich nicht aus.
Mutter: Bist ja auch noch klein.

Der Ordnungshüter über dem Bürger


Polizist: Der Ordnungshüter steht über dem Bürger.
Joe: Wie das denn, Meister?
Polizist: Hauptwachtmeister, bitte schön, soviel Zeit muss sein, auch in einer von Stress und Hektik gekennzeichneten Zeit, in der niemand mehr Zeit hat, oder vorgibt, keine zu haben, obwohl er gerade ins Fitnessstudio schlendert bzw. einen Einkaufsbummel durch die Innenstadt unternehmen will, vielleicht ein Bierchen trinken in der Fußballkneipe, in der gerade Borussia übertragen wird, obwohl zu Hause seine Frau darauf wartet, dass der Mann endlich die Löcher in die Wand bohrt, damit sie den Garderobenständer anschrauben...
Joe: Meister!
Polizist: Hauptwacht!
Joe: Noch mal zurück. Der Ordnungshüter steht über dem Bürger. Was soll das denn heißen?
Polzist: Nun, gute Frage. Also, ja, wenn ich kurz nachdenke, also, wenn man den Bürger beschützen will, muss man ihn ja auch überschauen können oder besser auf ihn hinabschauen, damit man drohende Gefahren voraussehen kann, also, irgendwie schon....
Joe: Ach. (Pumpt sich auf.) Ich brauche jedenfalls keinen Ordnungshüter, der mich bewacht.
Polizist: Das weiß man nie.
Joe: Ich schon.
Polizist: Das bringt jetzt aber nichts mehr. Überhaupt, fällt mir gerade ein: Wir tragen Uniform. Das tut der Bürger nicht.
Joe: So ein Blödsinn. Was soll das denn heißen?
Polizist: Und dann stehen wir oft auf einem weißen Gummiball. Das sind wir schon ein gutes Stück größer als der Bürger.
Joe: OK, das Argument lasse ich gelten.
Polizist: Dann sind wir uns ja einig.
Joe: Eigentlich nicht.
Polizist: Na, dann nichts für ungut.
Joe: Doch, doch.

Ängstliche Weihnachtsmänner im Januar


Jetzt schauen sie ängstlich. Vor dem Fest: Imposant, rauschender Bart, fester Blick, gerade Haltung. Jedes Kind zitterte, weil es sich vor einem Tadel fürchtete; selbst Erwachsene schütteten noch Adrenalin aus, wenn sie in ihre Augen schauten.
Jetzt schauen sie ängstlich.
Sie haben Angst, zum halben Preis verkauft zu werden.
Mit der flachen Hand zerdrückt und gefressen zu werden.
Oder am schlimmsten: Eingeschmolzen und in eine Osterhasenform gegossen zu werden.

Rockmusik und Winterwetter: Frank Zappa, gespielt von Dweezil Zappa


Aktuell zum Winterwetter:
Don't eat the yellow snow.....
Ich weiß, wo deine Schlittenhunde stehen!

Gestern vor 38 Jahren

3.1.1962: Der kubanische Staatschef Fidel Castro wird von Papst Johannes XXIII. exkommuniziert.
Che Guevara, der fällt uns sofort ein, und Resopal, die wundersame Tischplatte, unverwüstlich und glatt.
Zu Papst Johnnes fällt uns nichts ein.
Resopal anhören?
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Georg Krakl: Farbiger Mann (2010)


Anti-Diskriminierungs-Gedicht
Farbiger Mann!
Du bist nicht schwarz, nicht gelb, nicht rot, du bist nicht weiß.
Ich kann
nicht wissen: Isst du Reis,
Kartoffeln, Bulgur oder Grütze?
Trinkst du Weißwein oder Wasser aus der Pfütze?
Du bist geächtet, weil du farbig bist.
Zu Hause wirst du sehr vermisst.
Doch hier? Ich weiß ja nicht mal, was du isst!
Geschweige, wer du bist!

Aus Desertstorm-Barbie ist doch etwas geworden


Barbara, sagten die Eltern immer zu Barbara, die lieber Barbie genannt werden wollte, lauf doch nicht immer in diesen Sachen herum, was sollen die Leute von dir denken. Mathe ist zu hart, Mutter, sagte Barbie, ich will später mal was Richtiges tun, kämpfen für eine gerechte Sache, etwa für Ölquellen im Nahen Osten. Ach, Barbara, sagte die Mutter, du weißt doch gar nicht, wo der Nahe Osten überhaupt liegt. Wahrscheinlich im Osten, Mutter, und noch wahrscheinlicher gar nicht weit weg, denn sonst würde man den Nahen Osten ja nicht Naher Osten nennen, oder? Wo du recht hast, hast du recht, antwortete der Vater, der an seiner Pfeife zog und ein wenig Mild&Mellow-Pfeifenqualm in die Übergardinen blies.

Manchmal geschieht es, dass solche Menschen in fortgeschrittenem Alter das Gefühl haben, dass eine Wüste in ihrem Kopf ist. Manchmal ist aber immer noch Zeit, in die Politik zu gehen. Dort fallen Menschen mit ungewöhnlichen Köpfen nicht auf.

Neue Spiele für Kinder ab 4

Die Gesellschaftsspieleindustrie hat sich jetzt auf Bedürfnisse der Menschen eingestellt: Kinder benutzen gern Begriffe aus der Fäkalabteilung des Lebens, um ganz unterschiedliche Gefühle auszudrücken. Erwachsenen ist das abgewöhnt worden, so dass sie dieses oft nur unter Alkoholeinfluss tun oder wenn sie der Meinung sind, sie könnten es sich leisten. Das deutet auf Defizite in der analen Phase ihrer Entwicklung hin.
Dem wirken jetzt Spiele entgegen, die kompensieren. Zicke, zacke, Igelkacke ist so ein Spiel. (http://www.ciao.de/Zoch_Verlag_Zoch_Zicke_Zacke_Igelkacke__8305653). Das Ganze gibt es auch in den Geschmacksrichtungen Enten- und Hühnerkacke.
Aber: Die Konkurrenz ruht nicht. Im Verlag Bodosspielewelt in Weserstadt wird jetzt das bereits vor 19 Jahren entwickelte "Spatz piss drauf" wieder aufgelegt, dass überhaupt nichts mit dem ähnlich klingenden "Spitz, pass auf" zu tun hat.

Gestern vor 15 Jahren

1.1.1995: Auf der norwegischen Ölbohrplattform Draupner-E in der Nordsee meldet die automatische Wellenmessanlage in einem Sturm mit 12 m hohen Wellen eine einzelne Welle mit 26 m Höhe. Nachdem man sich auf einen schönen Begriff geeinigt hatte, neben Volldiehohewelle und Verdammthohewelle, neben Zombiewelle und Habnescheißangstvorderwelle, auf Monsterwelle, hatte man nun auch den wissenschaftlichen Beweis für die Existenz dieser Monsterwelle, da man vorher nicht genau wusste, wie besonders hohe Wellen hießen.

Halbmondimitation zu Neujar


Ich versuchte einen Halbmond zu imitieren und verhielt mich ganz still. Sind Halbmonde nicht irgendwie senkrecht, fragte Elli, und ich biss die Zähne aufeinander. Hallo?, Elli jetzt wieder. Du, sind Halbmonde nicht eher senkrecht? Ich ließ zischend Luft durch die Nase entweichen. Ruhe!, knurrte ich und merkte, dass die Konzentration schwand. Und das bereits am ersten Tag im neuen Jahr. Elli, die Plaudertasche, Elli, die Wissbegierige. Kann man, nein Elli, nicht einmal die Dinge nehmen, wie sie sind? Einmal. Was war jetzt mit den guten Vorsätzen für 2010? Ich wollte ELLI nehmen, wie sie ist. Geht doch gar nicht. Hallo?, jetzt wieder Elli, hörst du mir überhaupt zu? Ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl herum. Hallo, ich bin noch da!, nervte Elli weiter. Ich weiß, dass du da bist, dachte ich zornig, ich weiß, und ich will dich auch ab morgen nehmen, wie du bist. Aber jetzt will ich einen Halbmond imitieren und dazu brauche ich Ruhe und keine dummen Fragen. Einen einzigen Halbmond, so perfekt, wie ich ihn mir jedes Jahr zu Beginn wünsche, das muss doch zu schaffen sein, genau wie es möglich sein muss, Elli, dass du einmal, verdammt noch mal, dein Maul hältst, ab morgen wird alles anders, aber Neujahr ist Neujahr, und wenn es um den Halbmond geht, gibt es keine Alternative. Jetzt wieder Elli: Ist ein Halbmond nicht eher türkisch? Es schreit in mir, ich berste, platze, detoniere, implodiere, was auch immer, EEEEEEELLLLLLLLLLLLLLLIIIIIIIIIIIIIIII soll's Maul halten!

Das war's dann. Neujahr kann ich vergessen, inklusive Halbmond. Elli ist blöd, und ab morgen werde ich sie genauso nehmen.

Hurra!

888 Veröffentlichungen in Bodos Welt.

dadaismus am jahresende


Theo von Doeskopp: Rolltrepp (2009)

treppauf treppab
schlepp knauf stepp schlapp
trepp roll
depp schmoll
roll trepp
doll nepp
rufen
stufen
schleppauf schleppab
zuhauf zuschnapp

Aufgeräumtheit zum Jahresende


Das ganze Jahr hatten wir Probleme, unsere Welt in Ordnung zu halten, geschweige denn, in Ordnung zu bringen.
Ständig lag etwas herum, die Zahnbürste stand im falschen Glas, die Schublade stand ständig offen, das Klofenster offen , obwohl die Heizung an war und überhaupt waren die Vorhänge mal wieder geschlossen, obwohl es draußen hellichter Tag war und so ein Zimmer auch mal ein bisschen Licht verdient, vielleicht sogar braucht.

Die Quittungen für die Steuererklärung von 2009 wehen herum, ein paar leichte flüchten unter den Schrank, ein DIN-A-4-Exemplar flattert aufgeregt in der Ablagebox, um endlich starten zu können. Schwermut schleicht sich hoch und würgt an der Lebenskraft, bis wir schier unendlich traurig resümieren, dass wir es wieder mal nicht geschafft haben. Ja, was denn?
Unser Leben in Ordnung zu bringen, das All und seine Gestirne neu zu richten? Welch überheblicher Gedanke! Welch blasphemische Frage!
Das geht gar nicht!, brüllt es aus dem modernen Menschen heraus. Die Menschen ändern sich nicht, auch du nicht, der du das hier liest.

Drum sei bescheiden und freue dich, dass dein Dachfenster noch am alten Platz sitzt, dass die Angelschnur, die du 2004 dort hingeworfen hast, weil du im besoffenen Kopf nach einem alten Turnschuh, den die dösige Dietlinde dort ebenfalls im beschwipsten Zustand weit werfend abgelegt hatte, angeln wolltest, erfolglos natürlich, wie es immer deine Art war, dass das Moos, das echte, nicht das auf der Bank, immer noch wächst und irgendwelche Metallzäune da sind, wo sie immer waren, dass deine Welt, die du sie aus dem Fenster deines Zimmer erkennen kannst, in Ordnung ist, und zwar seit 5 Jahren, das ist doch wohl was, oder?
Also, Kopf hoch, so kurz vor Jahresende!

Georg Krakl: Krokette (2009)

Des Biologen Glaspipette
drang tief in die Krokette,
um dieser Speise zuzuführen,
was Esser wenig spüren:
Guten Geschmack.
Mit - zack!-
E sechshundertunddrei.

Wie lecker schmeckte jetzt der feinpürierte, ölfritierte Brei!

Falsch gebrauchte Redewendungen: Du hast Käsefüße!


Du hast Käsefüße! Woher kommt eigentlich dieser Spruch, der uns suggerieren will, wir hätten die Körperreinigung im unteren Bereich vernachlässigt, vielleicht weil wir aufgrund eines Rückenschadens uns nicht mehr entsprechend bücken können? Du hast Käsefüße!, das heißt doch, dass unsere Füße stinken,oder?
Weit gefehlt. Liest man in den Schöpfungsmythen der Völker nach, so stößt man bald auf die Holländer, die glauben, die Große Mutter Frau Antje habe die ganze Welt aus einem Goudakäse erschaffen, unter anderem auch die Holländer. Und das war lange, bevor die Holländer die halbe Nordsee trocken gelegt hatten, damit den Touristen der Weg zum Strand länger wurde. Dort konnten sie dann mehr Buden aufstellen, um Frikandel und Pommes an die Urlauber zu verkaufen.
Frau Antje soll vor Anbeginn der Zeit – und wir fragen jetzt nicht, woher denn Frau Antje gekommen ist und wer sie denn geformt hat- mit ihren flinken Finger den Holländer gebastelt haben, einen robusten Kerl mit Holzschuhen, denn Goudakäse lässt sich nicht so leicht formen wie etwa FIMO. Der Holländer langweilte sich schnell und fing deshalb an, Fußball zu spielen. Frau Antje, die mit Fußball nichts an der Spitzenhaube hatte, formte schnell eine Holländerin, die gewisse anatomische Besonderheiten hatte, die sie vom männlichen Holländer unterschieden und als echte Konkurrenz zum Fußball werden ließen.
Mittlerweile haben die Holländer weite Flächen ihres flachen Landes bevölkert und der Fußball ist unterdessen vergessen.
Wenn man heute einem Menschen begegnet, dem man sagen möchte: Du hast Käsefüße!, so wird hier erinnert an die Herkunft des Holländers, als die ganze Welt gerade frisch aus Käse geformt worden war und an seine Verbindung mit Frau Antje, der Großen Mutter, die dem Volk auch das Fahrrad geschenkt hat.

Jetzt ist Zeit, Weihnachtsmänner zu essen


Lange genug hat der Rotmantel auf der Anrichte im bunten Teller gestanden. Jetzt wird es Zeit, ihn zu verzehren. Aber: Wie schlachtet man einen Weihnachtsmann? Ist das Wort schlachten überhaupt der angemessene Ausdruck? Da wir uns im Verzehrbereich bewegen, lassen wir das Wort gelten. Eine Gans wird ja auch nicht erwürgt oder erstochen, sondern geschlachtet, um anschließend in deutschen Küchen in der Backröhre zu landen.
Um einen Weihnachtsmann in Nahrung zu verwandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die unterschiedlich stark propagiert werden:Der eher kannibalisch orientierte Zeitgenosse reißt dem Objekt das Stanniol herunter und schlägt seine Reißzähne in die Vollmilchschokolade, lässt den Kopf im Mundraum verschwinden und zermahlt das Stück mit den Backenzähnen ohne an den nächsten Zahnarztbesuch zu denken.
Der eher zart besaitete Esser, der mitfühlend ist und keinem Wesen Schmerz zufügen möchte, hält das gute Stück in beiden Händen, die Daumen auf die Brust gelegt, streichelt über die Wangen und Stirn des Bartträgers, um dann ruckartig und blitzschnell den Daumendruck zu erhöhen und die Schädelplatten einzudrücken. Anschließend wird die schützende Hülle vorsichtig entfernt und Bruchstücke des Erdrückten in den Mund gesteckt, um auf der Zunge zu zergehen.
Der Weihnachtsmannhasser, der aufgrund traumatischer Erlebnisse in der Kindheit ein gestörtes Verhältnis zu Bart, Sack und der Farbe Rot hat, bricht dem Burschen erst mal die Beine und lässt ihn ein oder zwei Tage stehen bzw. besser: liegen. Dann geht er systematisch vor, zertrümmert jeden Tag eine andere Partie, um schließlich am Kopf angekommen zu sein. Endlich gibt er es dem Hund in den Napf und trinkt dann eine gehörige Portion Lumumba.
Der Vegetarier geht recht direkt und zielgerichtet vor: Weihnachten ist in der heutigen Form ökologisch nicht zu halten, folglich hat auch der Weihnachtsmann in Schokolade nichts in der trauten Wohnung zu suchen! Einige gezielte Handkantenschläge machen aus der essbaren Deko eine Mahlzeit für den kleinen Hunger. Weihnachtsmänner sind fleischlos, damit sind sie keine Wesen, also kann man ihnen ohne Schuldgefühle zu Leibe rücken.
Die besonders Sanftmütigen holen das alte Osterhasenstanniolkostüm aus dem Schrank und versuchen, den Weihnachtsmann umzukleiden, damit er bis Ostern im Wohnzimmer stehen kann und den Frühling ankündigt.
Wenn man dieses Ritual jedes Jahr wiederholt, erübrigt sich nach fünf bis sechs Jahren die Frage nach dem Verzehr.

Kochtipp: Waschbärsuppe


Wenn Sie Ihre Waschbärsuppe zu den Feiertagen nett dekorieren wollen, sodass der Gast erkennen kann, welches Tier durch den Pürierstab gedreht wurde, dann empfiehlt sich, klein geschnittene Trockenpflaumen in Portwein aufzukochen und dann mit einem Dessertlöffel auf der Suppe zu verteilen. Achten Sie darauf, dass in etwa die Gesichtszüge des Waschbärs abgebildet werden; charakteristisch sind ja die dunklen Augenhöhlen, die den Anschein erwecken, das Tier trage eine Hornbrille.
Ein ansprechend dekoriertes Mahl mundet einfach besser, nicht zuletzt isst das Auge bekanntlich mit.

Besonders Weihnachten gilt es, die Mimik zu kontrollieren.

Die junge Barbie will schon damals Landesministerin werden


Melissa: Was steht denn da auf dem Schild?
Barbie: Barbie for president.
Melissa: Ist das nicht falsch geschrieben?
Barbie: Wieso?
Melissa: Wird Präsident nicht mit ä geschrieben?
Barbie: Nicht dass ich wüsste.
Melissa: Was soll denn for heißen?
Barbie: Das ist Englisch.
Melissa: Aha.
Barbie: Das heißt vier.
Melissa: Interessant. Sprichst du denn Englisch?
Barbie: Nicht, dass ich wüsste.
Melissa: Warum trägst du dann so ein Schild mit dir rum?
Barbie: Ich möchte President werden.
Melissa: Wer soll dich denn wählen?
Barbe: Ein paar Dumme gibt es immer.
Melissa: Das müssen aber ganz viele sein.
Barbie: Die Menge macht's dann schon.
Melissa: Was ist denn President ohne ä?
Barbie: Ministerin auf Landesebene.
Melissa: Schwieriges Wort.
Barbie: Eben.
Melissa: Kannst du noch mehr?
Barbie: Nicht dass ich wüsste....
Melissa: Na, dann viel Glück.

Bildung ist Trumpf


Für blonde Mädchen wird es Zeit: Es ist kurz vor halb eins. Und halb eins ist Nullkommafünf. Im Fußball bedeutet das, dass man verloren hat. Man kann nicht halbe Tore schießen und der Ball ist rund, vor dem Spiel ist nach dem Spiel, nein umgekehrt. Sepp Herberger, der Vater aller Jugendherbergsväter, hat das gesagt.
Das ist die Bildung, die uns allen fehlt.
Wir sind froh, ein blondes Mädchen, das schon Sätze sprechen kann, die über drei Zeilen lang sind, als Schulministerin zu haben. Wir werden mit ihr lernen.
Nächste Woche schaffen wir vier Zeilen, wenn auch in Schriftgröße 42. Das ist exakt die Schuhgröße meines Lateinlehrers. Der war Choleriker und knallte sein Unterrichtswerk immer auf den Tisch, wenn wir hic, haec, hoc nicht richtig deklinieren konnten, weil wir im Dativ immer grunzten wie die Schweine. Huic, huic, huic.
Heute hat das keine Bedeutung mehr, wenn unser blondes Mädchen mit den künstlichen Zähnen aus dem Flachbildschirm lächelt. Flachbildschirm! FLACHbildschirm, Ich muss lachen.

Arme Sprache, stümpernde Dichter


Fahrrad steht Kopf,
will sagen Sattel.
Und mit nassem Schopf,
was meint: Gepäckträger.

Das Fahrrad wirkt wie nicht von dieser Welt,
nur weil es auf die Klingel wurd' gestellt,
will sagen Kopf.
Nasser Zopf,
das meint: Fahrradschloss mit Kette.
Wär' Stoff für Operette.

Falsch gebrauchte Redensarten


Die Lampe anhaben.

Günter Krass - Erinnerungen: Traumatische Erlebnisse mit Büchern


Eines Nachts wachte ich auf und dann stand der dicke Mann mit dem großen Messer und der Schürze vor mir. Ich war eines der beiden Kinder, die irgendwie in die Fänge diese Monsters und seiner Frau geraten waren. Meine Schwester, ich hatte keine Schwester, meine Schwester steckte in einem Käfig. Fehlte nur noch die Hexe aus dem Knusperhäuschen; die Frau des Schlächters war schlimmer, sie war schwer, hatte ein lückenhaftes Gebiss und rührte ständig Suppe. Ich war gelähmt. Mir wurde schlecht. Was sollte hier passieren? War das die Rache für das Spanferkelessen letzten Freitag? Schweinekinder vom Grill, vorher noch eine Stulle mit Kalbsleberwurst. Spanferkelessen. Wiener Schnitzel letzten Sonntag, aber die Mutter hatte doch gar kein Kalbfleisch genommen, zu teuer und auf dem Dorfe wusste das sowieso keiner, dass der Wiener aus Kalbfleisch besteht. Haha, Galgenhumor. Herausschmecken? Wer hatte denn Kalbfleisch schon gegessen? Wenn es hätte bezahlt werden können, bestimmt jeder. Aber so. Wir aßen, was auf dem Tisch kam. So tun das gehorsame Kinder. In den Märchen, die wir meistens selber vorlesen mussten, kamen unartige Kinder in die Klauen des menschenkinderfressenden Paares. Was sollte aus uns gekocht werden, aus mir und meiner Schwester, die es gar nicht gab? Wir waren doch immer artig gewesen, besonders ich.Meine Schwester wahrscheinlich auch.

Wortergänzungsrätsel für restringierte Sprachcode-ler


Ja, endlich wieder aktuell! Eigentlich ja schön, wenn noch klar wäre, was vor dem Wort steht. Daran kann sich der Neudeutsche die Zähne ausbeißen, denn seinem Repertoire an Vokabeln fehlen besonders Wörter die auf mmer enden; die sind gar nicht so häufig.
Ommer aktuell könnte einen Sinne ergeben und wäre auch wünschenswert, weil unser Ommer immer noch in der Kittelschürze rumläuft und Lieder singt, obwohl das Radio das sogar mit Instrumentalbegleitung bietet. Ommer wird aber Oma geschrieben, und da hat das Hoffnungsvolle auch schon seine Grenze.
Hammer aktuell - was kann das bedeuten? Häufig hört man diese Sätze in schlecht ausgestatteten Baumärkten: Hammer aktuell nicht da, wenn man nach einer bestimmten Glühbirne fragt oder einen einzelnen Dichtungsring braucht.
Wie gesagt: Das Rätsel gilt es zu lösen. Die Lösung ist diesmal im Mix Markt hinterlegt und kann gegen eine Gebühr von 10,- € eingesehen werden. Dafür gibt es allerdings auch zwei Flaschen Wodka.

Dummer Gesichtsausdruck und tumbe Miene
färben ab auf die Umgebung.
Drum, Meister, fahr nicht diese Schiene,
versuch's mit Mund-zu-Mund-Belebung.

Umarmender Reim mit "Freude"

Georg Krakl: Hase

Des Treibers Tod - des Hasen Freude.
Euphorisch klopft er in der Sasse
und singt: Ja, das hat Klasse!
Der Treiber gammelt im Getreide.

Welche Metapher ist hier dargestellt?



a) Haarteil
b)Ohrwurm
c) Kopfgeburt
d) der kleine Mann im Ohr


Lösung: Alle falsch. Es ist gar keine Metapher dargestellt, sondern Meta Vernikow aus Bonn, die sich vor ihrem Mann hinter einem Granitkopf versteckt, um der sonntäglichen Tracht Prügel zu entgehen, die ihr der vom Frühschoppen spätheimkehrende Karl Vernikow gern als Ausgleich für das unbewegliche Thekensitzen verpasst.Bewegung tut not.

Moderne Krankheiten im Gedicht: Georg Krakl - Die Ohren

Ich habe UKW,
die Ohren schmerzen
und der linke Zeh.
Mit sowas soll man niemals scherzen.
Gleich morgen, nicht gelogen,
geh ich zum Radiologen(sprich: Radjologen).

Delphinklobrillen helfen, die Welt retten


Was ist mit Leuten los, die sich Delphine auf die Klobrille malen lassen, bzw. diese vorgefertigt im Baumarkt kaufen? Möglich, dass sie ihrem Geschäft einen ansprechenden Rahmen bieten wollen, aber der ästhetisch normal geformte Bürger kann das sicherlich nicht nachvollziehen. Also müssen andere Begründungen her, die den Besitzer der Schmucksitzränder mit Deckel entlasten:
Den Delphinen geht es angesichts der Umweltverschmutzung schlecht. Was kann die Brille mit Muster für diese Kreaturen bedeuten? Aussitzen? Warten auf bessere Zeiten? Oder ist es gar eine Anspielung auf Politiker, die auf Klimagipfeln beim warmen Büffet Steuergelder verprassen, ohne ein Komma in einen ungeschriebenen Text gesetzt zu haben, der die Welt retten soll.
Aussitzen. Das hat schon der dicke Kohl gemacht, als er sich weigerte, Namen in der Steuergeldaffäre zu nennen, angeblich gebunden an ein Ehrenwort. Ehrenwort, ich werde nicht verraten, wer hier kriminell war. Ich kann mich ja auch nicht selbst verraten!
Oder soll die Zierbrille die Welt schöner machen? In der Mitte ein Exponat der Umweltverschmutzung, außen herum die fröhliche, verspielte und unschuldige Natur. Der Mensch, der täglich erfährt, was er der Erde antut, wenn er in seine Schüssel guckt, hat Tiere als Freunde, die ihn entschuldigen, ent-schulden, sodass er sich nicht in die Obstipation flüchten muss. Das ist gesund.
Es kann aber auch heißen: Leute, ihr nervt. Umwelt hin, Umwelt her! Ich ...... drauf.
So weit können wir mittlerweile gekommen sein.
Da ist es auch klug, Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verlängern.

Georg Krakl: Mit wem treibt's der Schnee? (2009)


Glatt reiben
im Schneetreiben.

Banker singen gemeinsam


My Boni is over the ocean,
My Boni is over the sea.

Früher war alles deutlicher


Nicht mal schwanken muss man heutzutage, wenn die Welt merkwürdig verzogen, verschwommen und irgendwie unausgegoren wirken soll. Der moderne Mensch, der der Vergangenheit nachtrauert, fragt sich nicht nur, ob das Phänomen in seinem Kopf produziert wird, von vor seinen Augen schwarzarbeitenden Billiglohnabhängigen aus den östlichen Nachbarländern oder die Wirklichkeit selber ist. Nun, wer kann sich heute, wenn auch noch so preiswert, Handwerker erlauben, die anderen Menschen die Wahrnehmung verzerren und vor allm: Warum? Die Frage nach dem Motiv ist doch spätestens seit Derrick nicht unbedeutend. Vielleicht haben viele Menschen Jux im Kopf, aber das Drumherum zu verändern, dazu muss man kreativ sein. Der eigene Kopf scheidet als Ursache am schnellsten aus, denn wer will ernsthaft zugeben, eine schiefgelegte Welt zu sehen, solange das nicht Millionen von Bildlesern schon getan und damit zur Norm erhoben haben?
Bleibt nur die Wirklichkeit, und die ist wie immer unschuldig, weil sie sich nicht verändern lässt. Somit verschiebt sich der Schwarze Peter zurück an uns und wir können nur jammern: Früher war alles deutlicher, was auch immer das für uns bedeuten mag.

Max Coldt: Der Titel eines Textes ergibt sich immer aus dem Unsinn, den ich schreibe

Der Titel eines Textes ergibt sich immer aus dem Unsinn, den ich schreibe. Dabei sollte der Text nicht kürzer als die Überschrift sein.

Rolf und Dieter: Am Abgrund (2)


Rolf: Spring!
Dieter: Warum ich?
Rolf: Einer muss doch anfangen.
Dieter: Und warum nicht du?
Rolf: Du hast doch immer gesagt, dass ich mich vordrängele, dass ich dir nicht genug Raum gebe, dass ich selbstbezogen bin, dass ich ein völliger Egoist bin, dem es immer nach der eigenen Mütze gehen soll. Jetzt kannst du mal.
Dieter: Vielleicht ein andermal.
Rolf: Da haben wir es doch. Das ist nämlich nicht so einfach, ein Egoist zu sein!

Gedichte ohne Ö-Striche: Georg Krakl - Zitrone (2009)


Ach, schone
Zitrone
du bist so schon
wie der Sterne kühnste Sohne.
Nein, wie jeder einzelne Sohn!
Daraus die Summe!
Ach, ich verstumme.
Mit meinem Fohn
mach ich dich reif,
denn Zeit wird es schon,
so um 1000 Phon
verträgst du am Schweif,
wenn du ihn hättest, am Steiß.
Hast ihn nicht, wie ich weiß.

Beherrschen und beherrscht werden


Wie klein ist der Mensch! Wie ein Zwerg im Blaumann schleicht er zwischen mächtigen Eisenplatten, gigantischen Maschinen, erschreckenden Gebilden, die Freigehegen für Riesensaurier gleichen, umher und glaubt immer noch, sich die Welt untertan gemacht zu haben, weil das irgendein Mönch bei der Übersetzung der Bibel wohl falsch verstanden hat. Man sieht, wie wichtig das Lernen von Vokabeln und Grammatik für den Erwerb einer Sprache ist, und für die Welt überhaupt.
Welche gewaltigen Irrtümer sind so entstanden: Der Mensch glaubte, das Auto zu beherrschen; heute wird er von Autos überfahren. Der Mensch glaubte, sich die Nahrung untertan zu machen; heute beherrscht ihn der Hamburger, er hat den Menschen abhängig gemacht, sodass dieser gezwungen ist, nein, gezwungen isst, minderwertige Lebensmittel zu verspeisen, die in ihrer Substanz eher einem Stück Dämmwolle gleichen.
Der Mensch glaubte, die Zeitungen zu unterwerfen und sie in wahrhaftige Informationsquellen zu verwandeln; heute bestimmt die Bild-Zeitung das Denken und der Mensch ist es zufrieden, weil er doof ist.
Glauben heißt ja bekanntlich "nicht wissen". Also - wer weiß schon, wer wen beherrscht? Gibt es denn etwas Schöneres, als mit einem Hamburger und der Bildzeitung am Steuer eines 30-Tonners zu sitzen?

Karl-Friedrich "Khalef" Motzke: Aus meinem Campingtagebuch - 5


Was soll das werden, dass sich hier 40 oder 50 Menschen ab 30 mit sportwagenähnlichen Wagen der Marke Madeinjapan auf einen Campingplatz stellen, tagsüber in der Gegend herumkurven, abends holländisches Bier saufen und eine Tonne Fleisch vergrillen? Soll das Erholung sein oder nur der Ausdruck der Lebensfreude spätpubertierender Männer mit ihren hirnlosen Nagelstudiodamen?
Morgens wird defiliert: In Reih und Glied, haha!, wird vom Platz gefahren, einer nach dem anderen, sortiert nach Farben, Anzahl der Kratzer am Plastik oder Alter des Fahrzeugs. Der Platzwart hält die Autos für Oldtimer, nur weil die Kinder in ihnen so alt aussehen.
Und dann das Röhren vor dem Defilieren, das Aufheulen der Motoren! Imponiergehabe: Ich bin der lauteste! Ich kann mächtig! Meiner geht ab!
Die Mädels kichern, fahren noch mal mit der Hand durch die Frisur, sitzt alles, nur nicht toupieren den Wulst, dann passt der nicht mehr in den Fahrgastraum. Da sind die mit den abnehmbaren Hauben im Vorteil. Windstärke 8 - die Frisur sitzt! Vielleicht im Gesicht des nachfolgenden Fahrers.
Zeit, tschüss zu sagen, Leute, nehmt eure unschönen Autos und defiliert ein letztes Mal. Lasst das Ungegrillte den Hunden, schmeißt es nicht in die Abfalleimer, wie es eure Art ist, weil ihr nicht teilen könnt. Bruchrechnung hat seine Tücken. Lasst eure Karossen nicht zu Bruch fahren! Fahrt selber. Aber schnell, bzw. jetzt gleich.

Mangelnde Bildung rächt sich



Georg Krakl: Fetisch (2009)

Der Fetischist
weiß häufig nicht, was überhaupt ein Fetisch ist.

Gedichte mit sexuellen Fehlleistungen: Georg Krakl - Der Voyeur

Der Voyeur
vertraut auf sein Gehör,
weil seine Augen
nicht mehr taugen.

Anglophile Menschen haben Mut zur Hässlichkeit


Der Engländer galt nie als besonders schön, eher als rothaarig und sonnenverbrannt, mit dem Hang zum Alkoholismus und nur schwer zu bremsender Aggressivität. Der klassische Schlägertyp, den man am Samstagabend nicht in der Dorfdisko treffen möchte, weil der einem binnen weniger Minuten ein blaues Auge verpasst hat, war dann schnell von einem Trupp Militärpolizisten zusammengeknüppelt und abgeholt. Dass sich dieses schlechte Abbild der Inselmenschen nicht halten lässt, sondern nur den Klischee über eine Besatzungsmacht entspricht, zeigen Schaufenster, deren Gestaltung in die Psyche des Nordeuropäers schauen lassen.
Die Zeit spielt die alles beherrschende Rolle. Die Zeit rennt und rennt, die Uhren ticken und mit ihnen ticken die Engländer, in der Hoffnung, das richtig zu tun. Und Zeit impliziert Vergänglchkeit; hier wird im Sekundentakt Vergangenheit geschaffen, schnell ist das Alter erreicht, in dem man nur noch Schwarzweißfotos von sich zeigt, weil die in Farbe die Schokoladenseiten als plumpe Fäschungen entlarven.
Aber Bildung ist dem Menschen auf der regnerischen Insel wichtig, zerbrechlich zwar, denn die Kostümierung der Absolventen zeigt: Hier werden alte Zöpfe angenäht statt abgeschnitten. Eine Portion Nationalgefühl wird beigemengt, indem man bei jeder Gelegenheit Flagge zeigt, ohne die Bedeutung der Metapher entschlüsselt zu haben; Ideale verraten, aber die Landesfahne schwenken, damit sie von der Rückgradlosigkeit ablenkt. Ein Huhn stellt man dem Szenario immer gern bei: Ländlichkeit soll betont werden, das Bodenständige, die Liebe zur Heimat. Derart vollgepfropfte Schaufenster assoziieren dem Betrachter, Raum zu schaffen, um die Zeit zu überwinden.
Der Ire lacht sich über den alten Erzfeind inzwischen kaputt und stürzt einen Becher Tullamore Dew oder Jameson hinunter, in der Hoffnung, dass die Liebhaber übervoller Schaufenster bei der Betrachtung innerlich ersticken.
Eine Lösung ist das allerdings nicht.

Karl-Friedrich "Khalef" Motzke: Campingtagebuch - 4



Das ist Kroiff. Er will nur spielen. Niemand weiß jedoch, was.
Oder nach welchen Regeln. Da denkt man sich Gespräch aus, wenn das Untier eines Nachmittags auf dem eigenen Terrain steht oder vielleicht hinüberschielt, weil es einen Platz braucht, um sich zu entleeren. Ein holländischer Hund. Der Holländer ist überall zu Hause, wenn er Urlaub macht, nur nicht zu Hause. Er reist in allen möglichen Gefährten, früher nur im Wohnwagen. Aber was soll man zum Hund fragen? Vielleicht versteht der Besitzer kein Deutsch? Na, will der nur spielen? Was kann er denn? Ja, hallo, nicht mit dem Arm spielen, aus, Hasso, aus, lass los, pfui, lässt du jetzt den Arm los, ja, Kroiff heißt der Hund, aus Kroiff, aus, Platz!
Der Hund spielt weiter. Der Holländer ist gesellig, freut sich am Hund und lässt die Bemerkung fallen, der Rüde sei kein Kampfhund, auch wenn der manchmal so tue; dass sei ein weißer Boxer, ein Albino quasi, die hätte man früher, aus, Kroiff, nein, ich will nicht spielen, aus jetzt, die hätte man früher getötet wegen der Reinrassigkeit bzw. eben Nichtreinrasssigkeit.
Früher, ja, früher, das nützt dem Bespielten jetzt auch nichts.