Früher gab's grimmige Gesichter; Beppo kam nach Hause, hatte nachsitzen müssen, die Wange noch rot von der Hand des Lehrers. Richtig so, bestätigten die Eltern die körperliche Züchtigung des Sohnes, und wenn du nicht aufhörst herumzumaulen, dann setzt es hier auch noch was! Schläge haben noch keinem geschadet. Warum sollst du gerade eine Ausnahme machen? Bodos Welt mischt sich ein. Für Minden und die ganze Welt. Bodos Welt bleibt stehen, wo andere weitergehen. Bodos Welt geht weiter, wo andere stehen bleiben. Parteiisch. Übernatürlich. Unablässig. Erscheint täglich. Unaufhörlich.Unhöflich.
Erziehung: Gut gemacht, Konstantin!
Früher gab's grimmige Gesichter; Beppo kam nach Hause, hatte nachsitzen müssen, die Wange noch rot von der Hand des Lehrers. Richtig so, bestätigten die Eltern die körperliche Züchtigung des Sohnes, und wenn du nicht aufhörst herumzumaulen, dann setzt es hier auch noch was! Schläge haben noch keinem geschadet. Warum sollst du gerade eine Ausnahme machen? Schulinspektion - Qualitätsanalyse (Teil 5): Rucksäcke
Oberinspektor Terrick, Logbucheintrag vom 8.5.07: Der Lerngutbehälter ist der Psychospiegel des Lehrenden. Diesen weisen Satz formulierte mein Assistent Harald gestern, als wir einer Sackkarre angesichtig wurden, mit der ein äußerlich völlig überlasteter Techniklehrer seine Holzreste und seinen Pilotenkoffer, der sich später als Spezialbehälter für Werkzeug zum Öffnen von Haustüren entpuppte, in den Keller karrte. Man mag die Sackkarre dem Techniklehrer nachsehen; der Englischkollege, der sein Orange Line plus CD-Rekorder in den Klassenraum rollt, hat erhöhten Beratungsbedarf.
Was sagt uns ein Rucksack?
Oft ist es ein Begleitbeutel, der auf den Rücken geschnallt wird, weil die Hände voll sind: Links die Ledertasche und rechts das tragbare CD-Gerät, das immer mehr Ersatz für Sprechfaule im Unterricht ist.
Der Rucksack soll sagen: Ich schaffe das nicht mehr! Früher haben ich oder ein Schüler meine Tasche zum Pult geschleppt, da ging noch alles rein, was ich für einen normalen Schultag brauche.
Heute aber ist das anders: Erstens muss man auf alles vorbereitet sein, besser also zu viel als zu wenig dabeihaben! Immer mehr Formulare und Erlasse, die keiner mehr lesen kann, sammeln sich und bevor ich sie nicht gelesen habe, schmeiße ich sie auch nicht weg, es könnte ja immer mal eine Taschenkontrolle der Schulinspektion anstehen. Ich bin vorbereitet.
Ich trage die Last der Pädagogik, die Last der Erziehung, die Last des Bildungsministeriums, die Last der Bücher mit alter Rechtschreibung und der Bücher mit neuer Rechtschreibung, die Last der Verantwortung, die Last der Welt. Ich bin Lehrer, ich werde geächtet, diffamiert, erniedrigt, angespuckt und für alles verantwortlich gemacht. Ich kann bald nicht mehr, ich gehe in die Knie! Hilfe, ich brauche einen Wanderurlaub auf Mallorca mit diesem Rucksack, das wäre eine Hilfe! Aber wer hört mich, will mich hören? Die, die mich hören können, verschließen die Ohren. Ignoranz lastet auch noch auf meinen Schultern.
Wer trägt den Rucksack?
Ein Blender, den ein erfahrener Schulinspektor schnell entlarven kann. Niemand weiß, was wirklich in dem Behälter steckt; der Inhalt ist dem Besitzer wahrscheinlich selber unklar, Altlasten aus den letzten Schuljahren verrotten dort und Cds mit Unterrichtsplaybacks in Fremdsprachen zum leise Mitsprechen.
Ein Jammerlappen, der seine Belastung ständig weinerlich zur Schau stellen will. Rucksäcke sind etwas für Kinder, maximal Jugendliche, oder für Ökos, die beide Hände frei haben wollen, damit sie besser im Biowühltisch schaufeln können.
In der Schule haben Rucksäcke nichts zu suchen; sie verstärken den selbstbemitleidenden Hang zur Depression, und das kann sich aufgrund schlechter Ergebnisse in PISA-Studien und anderer Untersuchungen keiner mehr erlauben. Fröhliche Lehrer sind gefordert; Rucksäcke fördern Krummbuckeligkeit, und die sieht nicht gut aus. Nichts gegen 100%igen Respekt gegenüber dem Dienstherren und seinen Organen; ein einfaches Hände-an-die-Hosennaht reicht da.
Der Rucksacklehrer sehnt sich heimlich nach der Pädagogik der Vergangenheit, als die Schüler noch lieb waren und zu emanzipierten, selbständig denkenden und verantwortungsbewussten Menschen erzogen werden sollten. Der Rucksacklehrer lehnt Unterrichtsentwicklung ab und damit das klippartsche Methodentraining, er widerspricht dem Gebot der Stunde: Anpassung an die Erfordernisse Arbeitswelt. Was nützt denn ein arbeitsloser, aber emanzipierter Mensch? Der hat doch selber nichts davon. Der Rucksacklehrer ist der Rückwärtspädagogik zuzuordnen. Der Schüler weiß nach einer Unterrichtsstunde weniger als vorher; die Qualität wird nicht gesichert, sondern ist hochgefährdet!
Ungeklärte Fragen: Wo bleibt das Ferne?
Immer wieder und wieder habe ich mir die Frage gestellt: Wo bleibt das Ferne, wenn wir uns ihm nähern? Der Zwerg dahinten wird vielleicht zum Riesen, die Schnecke zur Schlange, der Indianer zum Asteroiden, der Knirps zum Sonnenschirm. Ich weiß, alles Vergleiche, die hinken: Der Gehbehinderte wird zum Bettlägerigen. Die Welt ist so verwirrend. Aber wo bleibt denn der Zwerg, wenn er Riese ist? Die Schnecke, der Indianer, der Gehbehinderte? Soll das mal wieder nur der liebe Gott wissen? Weiß Gott, die Frage ist nicht so einfach, tönt es aus den pseudoschlauen Köpfen. Wird das Ferne einfach das Nahe und ist im All verschwunden, oder im Nichts oder im schwarzen Loch, da wo sich der Raum krümmt vor Schmerzen, weil die Zeit gedehnt wird? Erklär mir doch mal einer die Relativitätstheorie. Das kann doch jedes Kind, kräht es aus allen Löchern. Die meisten Kinder können Relativitätstheorie nicht mal schreiben! Die Welt ist nicht fair. Fairne. Blödes Wortspiel, dazu reicht es, aber nicht erklären können, wo das Ferne wirklich bleibt. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah, sagt man doch. Hilft hier aber nicht. Also:Wo jetzt? "Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Rasenmähermeditation
Jetzt nicht Staubsaugen. Jetzt hilft die Rasenmähermeditation. Du schiebst das frisch betankte Gefährt, das leicht nach Benzin duftet, auf die Fläche, die dicht bewachsen ist mit Gras, dessen Halme leider ungleiche Längen aufweisen, du schiebst den Kontakt auf die Zündkerze, greifst zum Quickstarterseil und ziehst. Der Motor röhrt auf und gleichzeitig schießt die Ruhe in deinen Körper. Eine Ruhe, die dir Hoffnung macht: Du kannst alles schaffen, du kannst alles regeln, du kannst alles ordnen. Du drückst den Bügel des Radantriebs nach vorn und langsam, aber kraftvoll beginnt der Mäher seine Arbeit, stetig und unerbittlich kürzt er Halm um Halm auf gleiche Länge, gibt dem gerade noch Ungleichen das Gleiche zurück, die Ordnung, das Schöne. Unter deinen Füßen wächst die Fläche, die hinausschreien will: Du hast uns unseren Sinn zurückgegeben. Wir sind Rasen, eben noch Gras, sind wir jetzt Rasen!
Bahn für Bahn ziehst du mit deinem ordnenden Schnitter, der getrieben von dem Wunsch nach Gleichheit, nach Einheit, nach frischem, duftendem Gartenschnitt voranbrummt, von deiner leichten Hand geführt, winzige Impulse drängen ihn in die richtige Richtung und die Ordnung wächst, das Chaos muss ihr weichen. Du bist der Herrscher, du zeigst wie die Regeln deines Universum lauten, wie die Gestze, die du geschaffen hast. Immer kleiner werden die spiralfömigen Bahnen, winden sich zum Zentrum, zum Ziel, zum Mittelpunkt, zur Überwindung der Unordnung, zur Ruhe, zum Einswerden des Rasens mit sich selbst.
Du bist am Ende des Weges, dein Blick schweift über dein Werk: Hier hat deine Hand gewaltet, hier hat sie Neues erschaffen, aus dem Chaos die Ordnung geschöpft. Der Schnitter schweigt, du fährst mit der Hand über den heißen Körper des Mähers und streichst etwas Rasenschnitt vom Fangkorb. Du seufzt. Die Ruhe ist in dir. Nichts kann dich drängen, nichts in die Hektik des Alltags zwingen. Du hast die Kontrolle. Die Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung ruht im Ablagekorb, der Bücherturm steht, das Arbeitszimmer schweigt. Alles ist, wie es sein soll.
(Zum Photo: Ein unmeditativer Rasen. Ein achtlos hingeworfener Ast stört das Gleichmaß. Auch ist das Gras von einer Struktur, die kein meditatives Mähen zulässt; jahrelang wurde hier nicht vertikutiert, was die Basis für einen guten Meditationsrasen ist.)
Zu Krakl (Zimmermann I und II): Fred schreibt ein Gedicht
Der Zimmermann
Treibt seinen Nagel in die Latte.
"Will mal zeigen, was ich kann,
die ist ja nicht aus Watte."
Die Latte ist ja nicht von Pappe! Das fehlt mir da irgendwie. Also, Dachpappe eben, das ist ja thematisch in die Richtung gedacht.
Der Latte haut der Zimmermann
mal eben auf die Klappe.
Die ist, so denkt sich dieser dann,
durchaus nicht von Dachpappe.
Rhythmisch etwas merkwürdig. Dachpappe wird ja auf der ersten Silben betont, hier müsste es die zweite sein.
Fred
Aus dem Osten: Wie aggressive Murmeltiere
Manchmal tauchen sie auf, völlig überraschend, schnell, geschmeidig und penetrant, aus dem Osten, aus der Steppe oder von den Kohlfeldern der Börden, von den Flachländern. Aus dem Osten sind die, aus dem Osten, irgendwo dahinten her, vermuten wir, die sie still beobachten, weil wir Angst haben, sie könnten uns anspringen. Zack, sind sie in die Hotelbar geschlüpft und tun, als sei es ihre. Sie tanzen wie die Wilden, zucken mit den Leibern, stoßen mit ihren Köpfen vor und zurück, rudern mit den Armen, als gehöre der gesamte Westen ihnen. Österreich etwa. Oder ein Skigebiet in Österreich samt Hoteldiskothek, die die einzige im kleinen Ort ist. Wo sollen sie denn auch sonst hin? Happy Hour. Alles zum halben Preis, Quatsch, zum gleich Preis das Doppelte, wer ein Bier ordert, erhält zwei. Sie sind wie aggressive Murmeltiere, die geduckt durch den Raum zischen, sie saufen wie die Kesselflicker; ihre Augen schweifen durch den Raum, blitzschenll erfassen sie die Lage und wissen: Unser Raum. Hier machen wir, was wir wollen. Kugelige kleine Männer aus Knochen, Muskeln und Fett, mit tiefem Schwerpunkt; niemand bringt sie zu Fall, nur sie selbst, wenn sie sich die letzte Flasche Wodka in den Hals gießen, wenn das Weiße in ihren Augen schwarz wird und alles um sie herum sich in die verhasste kapitalistische Ausbeuterwelt verzerrt, die man immer mehr hasst, die man hassen muss, weil es einem in den Kopf gedroschen worden ist, gehämmert, auf sozialistischem Amboss. Sie rempeln und rülpsen und rempeln; da beschwert sich eine Frau, weil sie gestoßen wird. Sie rotten sich zusammen und gestikulieren, schauen in Richtungen, zeigen und diskutieren, nein, kotzen Wut heraus, ballen Fäuste. Die stillen Betrachter ziehen sich zurück. Die Luft vibriert. Das Adrenalin will abgebaut werden. Den Boxsack soll ein anderer machen. Für die Kapitalisten sollte der Abend hier enden. Den Kugelköpfen gehört die Welt, die sie sich mit der Faust zurechtschlagen wollen. Ein Kiefer wird noch krachen diese Nacht. Vielleicht auch zwei oder mehr. Es ist ja Urlaub.
Unbeliebte Sportarten: Tanzen
Besonders bei Männern ist der Tanzsport unbeliebt. Sie behaupten, es sei kein richtiger Sport, weil keine Tore fallen. Besucht man einen Anfängerkurs im Standardtanz, kann man an den Gesichtern der männlichen Teilnehmern ablesen: Ich bin nicht freiwillig hier.Endreimlyrik: Georg Krakl - Der Zimmermann II
Treibt seinen Nagel in die Latte.
"Will mal zeigen, was ich kann,
die ist ja nicht aus Watte."
Neue Uniformen braucht das Land
Karneval ist schon zu Ende, als Bundesverteidigungsminsiter Jung auf die Idee kommt, die Uniformen der Bundeswehr müssten verschönert werden. Das sehe aus, als marschierten Feldmäuse zur Futterausgabe, oder so ähnlich, lässt er verlauten, im europäischen, und noch schlimmer im weltweiten, Vergleich sei die Bundeswehr farblos. Gerade bei Paraden und anderen Umzügen fielen die Deutschen aus dem Rahmen, oder seien überhaupt nicht als Deutsche zu erkennen, da sie sich problemlos an den Untergrund, meistens hellgrauen Marschasphalt, anpassten. Jedenfalls hätten andere Ländern viel schönere Jacken, Hosen und Mützen, zum Teil mit Lametta und Bömmeln verziert, mit Plaketten und glitzernden Orden. Da könne man nicht umhin, sich über eine Neugestaltung zu unterhalten. Der Finanzminister führt den Kostenfaktor ins Feld, und dass sich die Deutschen schließlich aufgrund ihrer Geschichte nicht zu sehr in den Vordergrund schieben dürften. Wenn schon neue bunte Uniformen, dann müsste die Bundeswehr die bunteste Armee der Welt werden, da dürfe man nicht zurückstehen, so der Bundesminister des Inneren, und nestelt an einem Schräubchen seines fahrbaren Stuhles. Der Wirtschaftsminister sieht nun die Textilindustrie angekurbelt und empfiehlt passende Waffen in den Farben Rot, Grün und Blau, für Frauen in Lila. Einzig der Außenminister zögert, weil er doch schon viel Häßliches gesehen habe auf seinen Ausflügen ins Umland. Man müsse vorsichtig in der Farbgebung sein. Bunteswehr, Bunteswehr!, schreit der Verteidigungsminister und wirft eine Zeichnung, die er während der letzten Plenarsitzung gemacht hat, auf den Stammtisch. Da! So kann das aussehen, jeder bekommt einen andersfarbigen Helm. Da weiß der Feind überhaupt nicht, auf wen er zuerst schießen soll! Euphorie entstellt sein Gesicht, und er fährt fort: Jeder seinen eigenen Helm! Wenn schon jeder sein eigenes Buch im Internet veröffentlichen und auf Abfrage bestellen kann, dann geht das wohl schon lange bei Helmen! Helmets on demand! Nur bei Bestellung kaufen. Bedarfsorientiert. Endlich nicht mehr die alten Schweißtöpfe im Regal! Platz für anderen Krempel.Eine neue Runde Schnaps wird aufgefahren. Der Wirtschaftsminister rülpst und lacht über den Geruch. Oioioioi!, brummt er jovial und wedelt mit der Hand sein Magengas in Richtung Außenminister. Nicht lange schnacken, Kopp inn Nacken!, versucht der Verteidigungsminister aus Süddeutschland nördliche Gemütlichkeit zu imitieren. Bunteswehr!Ab jetzt Bunteswehr!
Die Runde lacht, Schräuble rollt heim. Der Wirtschaftsminister reißt die Hand hoch und ruft zur Theke: Scheff!Bringst no an Schnops!?
Karneval ist längst vorbei.
Endreimlyrik: Georg Krakl - Der Zimmermann

Der Zimmermann verliebte sich
In eine junge Latte
Beim Nageln auf dem Dach.
Ach, Latte, Latte, liebe mich!
Ich wär’ so gern dein Gatte!
Er legte sie dann flach,
sie konnt’ allein nicht stehen.
Oh, du mein Holz,
oh, du mein ganzer Stolz,
ich lass dich niemals gehen!
Alte Männer: Rechthaberei
Immer gibt es einen, sei es im Fußballstadion, an der Theke oder im Altersheim, der Recht haben will. Er begründet seinen Anspruch auf den langen Zeigefinger, den er jedesmal, wenn er etwas Wichtiges sagen will, erhebt und dann seine neuen Thesen und Postulate formuliert, um andere zu beeindrucken, ja auch, um Macht über sie auszuüben. Denn Wissen ist Macht, sinniert er und duldet keinen Widerspruch. Macht vor allem einen guten Eindruck, ergänzt Kuno. Manchmal hast du auch Recht, erklärt der Alleswissende mit dem Zeigefinger. Lass mich mal ausreden!, setzt Kuno nach. Was denn noch?Erzähl doch nicht immer so viel, ständig unterbrichst du mich, das ist wohl deine neue Masche, nie hörst du mir zu. Der Zeigefingermann ist genervt. Er schmettert eine Welle an Du-Botschaften gegen Kuno, in der Hoffnung, Schuldgefühle zu erzeugen. Schuldgefühle machen jeden klein; Schuldgefühle auslösen, das ist subtile Macht. Lass mich ausreden!, wendet Kuno sanft ein. Was denn noch? Der Zeigefingermann wird lauter. Drohen ist jetzt angezeigt, wenn es mit der Schuld nicht klappt. Also! Zeigefingermanns Also ist keine Frage, es ist ein Befehl. Kuno: Ich wollte sagen, Wissen macht einen guten Eindruck, wenn man als Klugscheißer durchgehen will.Der Zeigefingermann wird bleich, sein stolz aufregender Zeigefinger erschlafft, klappt in sich zusammen, einem Zollstock, dessen Verbindungsniete ausgeleiert sind, ähnlich. Zähneknirschen. Schweigen. Der Weise schweigt, wo der Narr schwätzt.
Supernanny übertreibt: Kindercamps
In Gesichtern lesen: Alfredo de Funès
Das Leben hinterlässt Spuren, besonders das Leben als ewiges Kind. Alfredo de Funès ist so ein ewiges Kind. Das Leben hat Spuren in seinem Gesicht hinterlassen, und manch einer wird fragen: Warum hat der Mann so wenig Haare, so tiefe Furchen und Falten, warum eine so große Nase und einen so merkwürdig geformten Mund? Selbst die Ohren wirken ein wenig vulkanisch im spockschen Sinne. Das ewige Kind bleibt Kind, solange es lebt. Mögen die schicksalshaft mit ihm verknüpften Eltern längst tot sein, so wird immer noch die Frage gestellt: Bist du nicht der Sohn von Louis de Funès, dem französischen Komiker? Alfredo reagiert wie konditioniert; seine Stirn zieht sich in mächtige Schweißrinnen, seine Augenbrauen scheinen augenblicklich zu wuchern und jagen nach oben, das Gesicht verzieht sich zu einer Grimasse, zu einer Maske, die die Antwort geben will: Nein! Verdammt noch mal : Nein! Lasst mich endlich in Ruhe! Ich bin Alfredo de Funès, ein eigenständiger Mensch, ich habe nichts mit diesem albernen Menschen zu tun, den man Komiker nennt, dessen Faxen und dümmliches Gehabe ich lächerlich finden, aber nicht zum Lachen! Ich bin Alfredo, ein Türstimmenimitator, selbständig, nicht verheiratet und keine Kinder! Louis ist nur mein Vater. Dafür kann ich nichts.Das konditionierte Gesicht karikiert Alfredos Bemühungen, und jeder Kinoliebhaber ab 47 erkennt hier den Spurenleger: Der französische Klamotteur, dessen sich Frankreich nicht schämen will, aber dessentwegen der deutsche Normalbürger jahrelang glaubte, der Flic trage seinen schornsteinartigen Hut, um von seinem tumben Verstand abzulenken, erscheint, als ob ein futuristische Hologramm, ein dreidimensionales Fernsehbild projiziert werde, auf dem Antlitz des Sohnes; seine gequälte Seele versucht das Schlimmste zu verhindern, aber das eigene Gesicht entgleitet dem Sohn und der Vater erscheint, so, als ob er in ihn geschlüpft wäre und hätte sich von innen hinter die Haut des Sprösslings gedrückt.
Welch ein Jammer für den Sohn eines Stars, der angeblich Menschen zum Lachen gebracht hat.
Schwerer kann das Leben kaum strafen: Das ist überhaupt nicht zum Lachen.
Suchtgefahr: Nur die Genussschiene
Doppelkopf als Lebensschule
Doppelkopfspieler brauchen keine Freunde. Sie haben drei Mitspieler, zu denen sie in einem indifferenten Verhältnis stehen. Diese Mitspieler wechseln häufig, so dass sie oft nur A, B oder C heißen. Da nicht klar ist, wer in dem jeweiligen Spiel der Partner ist, können sich Freundschaften gar nicht erst bilden, sondern ein gesundes Misstrauen bleibt ständig erhalten und ist in Bereitschaft, so dass immer die Möglichkeit besteht, den Eigennutz nach vorn zu bringen und sein Schnäppchen zu machen, bzw. sein Schäfchen ins Trockene. Damit ist Doppelkopfspielen eine gute Vorbereitung auf das Leben und ein hervorragendes Training, sich im Berufsalltag zu behaupten.
Der Doppelkopfspieler geht Freundschaften auch aus dem Grund nicht ein, weil diese so schnell zerbrechen können, z.B. durch das unangemessene Kontrasagen des Partners, wenn man gegen die Alten spielt, was eine Flut an Minuspunkten bringt. Das leichtfertige Hochpuschen von Spielen erzeugt bei den meisten Spielern einen Würgereiz, den aktuellen Partner an der Gurgel zu fassen und zu würgen, dass diesem die Luft wegbleibt.
Das Spiel ginge mit drei Spielern allerdings nicht weiter. Doppelkopfspieler haben eine natürlich Hemmschwelle, die ihre Aggression kontrolliert, denn sie sind am nächsten Spiel interessiert, das vielleicht das ersehnte Großspiel bringt, ein Solo möglicherweise, oder eine Re-Partie, in der der Gegner ein unangemessenes Kontra brüllt und für satte Punkte in der eigenen Spalte sorgt.
Menschen, die nicht Doppelkopf spielen, verkümmern in Einsamkeit, sind der schnelllebigen Zeit hilflos ausgeliefert und darüberhinaus ungewollt aggressiv gegenüber Mitmenschen, weil ihnen die doppelköpfige Hemmschwelle fehlt. "Ich brauche keine Freunde" ist eine dumme Ausrede, die gerne von Leuten benutzt wird, die wirklich keine Freunde haben, sie sich aber heimlich wünschen. Der Doppelkopfspieler braucht keine Freunde; das ist eine Tatsache, nein, sogar eine Notwendigkeit, denn nur so lässt sich sein Spiel optimal gestalten. Die hermetische Weisheit "Wie im Kleinen, so im Großen" manifestiert sich im Doppelkopf: Das Kartenspiel ist eine Schulung fürs Leben.
Peter Goge: Die Farbe Rot
Der Pädagoge korrigiert dem Lernenden den Lebensweg. Halt, mach nicht so viele Fehler!, heißt es da. Hör auf, mit dem Nachbarn zu quatschen. Geh mir nicht auf die Nerven! Sonst fließt es rot! Die Tinte als Lebenssaft der Pädagogik. Da macht der Blick halt. Da denkt der junge Mensch nach. Ganz abgesehen von der erotischen Komponente, erstarrt das Leben für einen Moment, hält inne, wenn ein vor Fehlern strotzendes Blatt plötzlich auch vor Rot strotzt. Momente, die das Herz höher schlagen lassen, Momente, in denen die Hände feucht werden vor Stolz, in denen klar wird: Deshalb bin ich Lehrer geworden.
Schulinspektion - Qualitätsanalyse (4): Was Taschen mitteilen -Metallkoffer-
Jetzt neu entdeckt: Das Weltbild der Griechen
"Weiser Mann" Olli D.:Sei wie der Gartenstuhl
Tu es dem Gartenstuhl gleich.
Andi Doth: Optische Täuschungen
Geburtstagslyrik: Kristin (Georg Krakl 2008)
Kristin,
krist ihn
nicht.
Schicht
Der lyrische Gastbeitrag: Manuel Ohlemeyer - Udo
Udo will es nochmal wissen!
Vergangene Reize
schleichen sich leise
in sein Altrockergewissen -
und er möchte sie nicht missen.
Der Nackenschalk hat ihn gebissen.
Udo will es nochmal hören!
Wie die Leute ihn betören
"Udo", werden sie laut rufen
mit ihm mit dem Rhytmus grooven.
Vielleicht kommt eine Hemmungslose
und reicht ihm eine Liebesrose
Er, in schwarzer Lederhose
Zieht den Hut tief ins Gesicht
Bevor er mit dem Image bricht
und eine Träne ihn ersticht
Udo will es nochmal sehen!
Wie alle in die Knie gehen.
Doch bei all dem Schnick und Schnack
bleibt ein schaler Beigeschmack.
Denn nicht mehr alle sind erfreut
wenn er in das Mikro heult
und gehn lieber zum Judo
oder hören Smudo
nicht
Udo.
Gefahren im Haushalt: Frühling
Astronautenalltag: Mondlandung
Robbi: Ich kann den Mond überhaupt nicht sehen....Barnaby: Schlechte Sicht sowieso
Rudolf: Von hier siehst du den sowieso nicht...
Robbi: Und was ist das da hinten?
Barnaby: Ich seh nix.
Rudolf: Mach doch mal dein Visier auf, ja, genau, durch die Geldfolie siehst du wirklich nichts.
Barnaby: Ach, du bist es, Rudolf. Du hast eine Stimme wie Robert de Niro.
Robbi: Seit wann fliegt der denn zum Mond?
Barnaby: Keine Ahnung.
Robbi: Wo ist der Mond überhaupt?
Rudolf: Den siehst du von hier nicht.
Robbi: Das hast du eben auch schon gesagt.
Rudolf: Wenn's doch stimmt.
Barnaby: Nee, eher wie die deutsche Synchronstimme von Robert Redford...Rudolf!
Robbi: Also, der Mond ist nicht zu sehen. Und was ist das da hinten?
Rudolf: Die Erde.
Robbi: Wie jetzt?
Rudolf: Das runde, blaue Ding ist die Erde.
Barnaby: Robert de Niro, oder meine ich Peter Maffay, auf jeden Fall hat der eine Warze im Gesicht.
Robbi: Und der Mond?
Rudolf: Auf dem stehen wir jetzt. Und deswegen kannst du ihn nicht sehen
Robbi: Ich seh ihn ja doch! Ist denn heute nicht Vollmond?
Rudolf: Von der Erde aus schon.
Robbi: Und von hier aus?
Barnaby: Wenn du gehst, dann geht nur ein Stück von dir....
Robbi: Gut, dass Vollmond ist.
Rudolf: Wieso?
Robbi: Sonst hätten wir hier gar nicht landen können, bei Neumond zum Beispiel.
Barnaby: ...schläft nur ein Teil von dir.... oder ein Stück?...ein Teilstück...
Rudolf: ----(Beißt in den Überrollbügel seines Integralraumhelmes.)
Robbi: Wo ist denn jetzt der Mond?
Gedichte mit Tu-Sätzen: Haus am Meer (27.3.08)

Georg Krakl: Haus am Meer (2008)
Ach, Haus am Meer,
du stehst so leer
an sturmumtoster Küste.
Und wenn ich deine Nummer wüsste,
ich käm zu dir, würd in dir wohnen.
Doch ohne Nummer tut der Weg nicht lohnen.
Buchtipp: Simplify your wife (26.3.08)
Lothar Takko Kistenmacher: Andi Doth: Illusion (25.3.08)
Hasenkostüm gefällig? (24.3.08)
"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Weg ins Licht (23.3.08)
Folgen der neuen Rechtschreibung (22.3.08)
Die Folgen der neuen Rechtsschreibung sind spürbar. Besonders alte Menschen leiden zunehmend mehr darunter. Was früher als richtig galt, heißt heute schon ganz anders. Man hat den Eindruck, jeder kann so schreiben, wie er will. Dabei sind in der neuen Rechtsschreibung auch feste Regeln eingebaut, die es zu beachten gilt: Dass mit Doppel-s wird immer noch mit Doppel-s geschrieben, auch wenn sich einige Grammatiktumpel schon ins Fäustchen gefreut und auf die Abschaffung des zweiten S gehofft hatten. Das Wort Meer wird weiter mit Doppel-E geschrieben, sodass es keine Meerwertsteuer oder Meerwehrtsteuer oder Meerwährtsteuer geben wird. Auf keinen Fall heißt es jetzt: Der alte Mann und das Mehr. Da sei sowieso Hemingway davor. Alte Männer rennen aber jetzt verwirrt am Strand herum und suchen das Mehr, nur weil ihnen ihr rechtschreibuntauglicher Enkel aus Wut über eine verweigerte Taschengeldzuwendung geschrieben haben: Alter Mann, geh doch ins Mehr!
Schulinspektion - Qualitätsanalyse (Teil 3): Hausmeister

Genaues Hinschauen ist nötig. Gibt es ein Händeschütteln? Rustikale Verbrüderungsabsicht, die nicht angemessen ist? Kann heißen: Hallo, ich habe da auch noch was zu erzählen...?! Gibt es ein Wegschauen, ein Rumkramen in der Putzmittelkammer? Hier sind gute Absichten schon früh zerstört worden, hier liegen tiefe Verletzungen vor, die noch lange nicht verheilt sind. Da hat eine Schule die wichtigen Repräsentanten der inneren Zufriedenheit vernachlässigt.
Wir zu laut gesprochen? Wird in Gegenwart des Inspektors ein Dritter robust angesprochen? Haste schon die Zwei hier gesehen? Die kommen heute in deinen Unterricht! Zaghafte Antwort, halbe Lautstärke: Die sollen wohl auch den Heizkeller inspizieren....
Schwierig ist es , wenn die Hausmeister völlig vom Erdboden verschluckt sind. Aber wie man eine verweigerte Aussage zu ungunsten des Angeklagten interpretieren kann, so sind auch hier Rückschlüsse möglich. Und die sollten gezogen werden. Qualität definiert sich auch über das Fehlen von Elementen eines (nicht) funktionierenden Systems.
Lauschangriffe in Vorbereitung
Eine ganz neue Dimension des Lauschangriffes bereitet jetzt das Bundesinnereienministerium vor: Weißbehelmte Männer mit großen Ohren schweben an einem Drahtseil über öffentlichen Veranstaltungen und belauschen, was die Bevölkerung so von sich gibt. Den anfangs geplanten Einsatz von Zwerghubschraubern hat man verworfen, da die Geräuschentwicklung der Geräte so hoch ist, dass sich ein Hinhören erübrigt. Der Lauscher erhalten eine Spezialausbildung, die sie auch befähigt, hinter oder vor Gittern zu arbeiten. Ziel sei es ja auch, den unbequemen Denker, der seine Klappe nicht halten kann, hinter Gitter zu bringen. Denn zu sagen, was man denkt, kann staatsgefährdend sein und die innere Sicherheit verunsichern. Wo genau das Innen ist, konnte das Ministerium nicht beantworten.
Lyrik: Kristiane Alles-Weißmannnicht "Politik"
Politik Da glaube ich einen Mann
gefunden zu haben
und es ist ein Politiker.
Makramee!
schreit es in mir.
Mein Flusensieb ist mir lieber
als ein seelenfressender
Selbstdarsteller
auf der Kanzel der Selbstverliebtheit
der Unterdrückung der zweitausendjährigen Zwangsheirat
Politiker mit deinem
Politkicker
So kannst du frau nicht ignorieren
Makramee! schreit es
Und du schießt dein erstes Eigentor
Gefahren lauern im Alltag
Manchmal jedoch versteckt sich Sandra in ihrer Plastikbox, vielleicht weil ihr nicht genügend Aufmerksamkeit zugeflossen ist, sei es, weil sie nicht schon wieder Lust hat, anderen Menschen zu Sauberkeit zu verhelfen, um selbst eingesaut übrig zu bleiben. Sandra ist sensibel, sie möchte gebeten werden. Manchmal zieht sie sich einer Schnecke gleich in ihr Gehäuse zurück.
Sandra ist neben aller Nützlichkeit für den Waschzwängler auch eine Gefahr im Haushalt. Perfide beißt sie in Finger, die nach verborgenen Tüchern bohren und verursacht nicht nur Schmerzen, sondern auch Entzündungen im Fingerkuppenbereich und an der Nagelhaut.
Die moderne Zeit zahlt hier ihren Preis. Früher reichte ein geknittertes Blatt der Freien Presse oder des Mindener Tageblatts, heute ist die dreilage Klorolle schon überfordert und muss durch Sandra ergänzt werden. Das schafft Aggressionen, weil Sandra eigentlich gedacht hatte, sie werde zum Abschminken übermalter Gesichter benutzt werden. Gesicht ist Gesicht, hatte ihr der Sortimenter des E-Center zugeraunt, für welches dich einer benutzt, das entscheidet nicht das Feuchttuch, ist das klar?
Sandra musste kleinlaut beipflichten und schwor sich Rache zu üben.
Wer unverletzt im Haushalt bleiben möchte, der sollte bedenken, dass auch Reinigungstücher Gefühle haben. Wer mit Blumen spricht, fördert ihr Wachstaum, wer seinem Feuchttuch ein paar liebe Worte zusäuselt, macht auf jeden Fall nichts falsch!
Super: Heather Mills
Neues von der Reinkarnation
Für Menschen, die an eine Reinkarnation glauben, gibt es bedrückende Nachrichten: Man kann auch als Luftballon wiedergeboren werden. Angesagt sind also gute Taten, gute Taten, gute Taten für jene, die nicht auf der Mindener Herbstmesse am Kunststofffaden hängen möchten. Wenn man nicht an die Reinkarnation glaubt, heißt das noch gar nichts. Denn: Bewiesen ist das noch lange nicht! Deswegen lieber vorbeugen, damit es nicht heißt: Was hängst du denn hier rum? Wieso hängen? Ich schwebe! Und warum bist du hier? Keine Ahnung. Vielleicht hast du dich in einem früheren Leben immer so aufgebläht. Weiß ich nicht mehr. Aber, man kann gar nicht viel machen, so ohne Arme und Hände, ohne Beine und überhaupt. Man fühlt sich so leicht, finde ich. Das bringt mir jetzt nichts. Man muss das Beste draus machen. Ja, wie denn, ich komm doch hier nicht weg, und wenn, wo soll ich denn hin? Vom Winde verweht, fällt mir da ein. Hahah, sehr lustig. Da platzt mir gleich der Kragen! Würde ich deinem Kragen nicht raten. Also, Leute, ich bleibe hier nur so lange, bis die Luft raus ist. Meinst du, das wäre eine gute Tat? Wieso? Na, von wegen noch mal als Luftballon auf die Welt kommen. Einmachgummi wäre auch nicht besser. Stimmt.
Skistehen oder Poolliegen?
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Warum Menschen gerne Ski fahren ist nicht bekannt. Noch weniger ist bekannt, ob sie wirklich gerne fahren, oder dies nur behaupten, um etwas andere Menschen, die nicht Ski fahren, neidisch zu machen. Möglich auch, dass sie lediglich wollen, dass andere kein Mitleid zeigen, weil sie Ski fahren müssen und daran keine Freude empfinden können. Wer bemitleidet wird, ist ein armer Tropf, ein Loser (Gesprochen: Lu:ser), ein totaler Versager. Niemand liebt dich, wenn du am Boden liegst. Das ist bekannt. Das gilt nicht nur fürs Skifahren. Das ist überall so. Ausgenommen natürlich der Schattenplatz am Hotelstrand oder Swimmingpool in heißen Ländern. Wer da liegt, ist ein Gewinner. Die Vollidioten finden morgens ihre Handtücher, mit denen sie ihre Plätze am Vorabend bunkern wollten, im Wasser wieder. Gleiche Bedingungen für alle: Ab sechs darf das Handtuch ausgelegt werden. Frühaufsteher sind im Vorteil gegenüber den ganz Ausgeschlafenen. Bei Halbtagsausflügen hat man dann immer „sein“ Plätzchen am Planschbecken, um sich von der beschwerlichen Besichtigungs- oder Shoppingtour zu erholen. Niemand wird am helllichten Tag wagen, das Handtuch dieser Soziopathen im Pool zu versenken. Darüber wachen die anderen, die trotz verbrannter Haut auf ihren Plätzen liegen. Weggegangen, Platz vergangen. Das gilt hier nicht unbedingt. Wenn das Handtuch liegt, liegt gleichsam der Besitzer; und den schmeißt man nicht ungestraft ins Becken, auch wenn einem danach ist, weil dieser Platz gestern mir gehört hat. Aushalten, durchhalten, Platz halten. Liegen muss nicht schlecht sein.
Der Skifahrer steht meistens. Er schaut, ob die Piste frei ist. Er genießt die Gegend. Er steht am Lift. An der Gondel. Am Liftpassschalter. An der Schneebar. Im Restaurant. Beim Après-Ski. In Skischuhen. Der Skifahrer steht, und zwar meistens an.
Der Skifahrer sitzt darüber hinaus. Er sitzt im Lift, in der Gondel, im Restaurant, wenn er endlich einen Platz gefunden hat. Er sitzt im Schnee, um wieder aufzustehen.
Er fährt den Hang hinunter. Auf der Piste. Er fährt die kürzeste Zeit. Je mehr er fahren will, desto mehr muss er stehen und sitzen. Das ist ein proportionales Verhältnis. Je mehr desto desto. Reziprok klingt schöner, wäre aber fatal. Je mehr, desto weniger eben. Das hieße, dass er gar nicht zum Fahren käme. Je mehr er stünde, desto weniger führe er. Bei vollen Gondeln geht die Fahrzeit gegen Null.
Der Skifahrer betreibt seinen Sport bei Nulltemperaturen. Vielleicht aus diesem Grund: Weil er sich im Grunde ein reziprokes Verhältnis wünscht. Je weniger er sitzt, desto mehr kann er fahren. Schluss mit Gegendgucken, Schneebarstehen, Füßeausruhen. Der Sport wird Stress. Niemand kommt zum Halten, alles endet in einer unendlichen Bewegung, die schließlich zu völligen Auszehrung des Körpers führt. Oder im umgekehrten Fall zu breitgesessenen Hintern und platten Füßen.
Skifahren ist im Endeffekt kein Sport, der gut tut. Er schadet. Das will niemand wahr haben. Wer kauft sich schon eine Skiausrüstung für richtig Geld, um hinterher festzustellen, dass das Bewegungsverhältnis der Sportart proportional ist, aber wunschgemäß reziprok sein sollte. Das wird niemand gern zugeben. Auch nicht, dass er seine Ausrüstung billigst wird verschleudern oder nach einem Schleudersturz durch die Haftpflichtversicherung eines naiven Mitfahrers wird finanzieren lassen müssen. Skifahren ist nicht einmal eine Freizeitbeschäftigung, die Wohlbefinden erzeugt. Entweder sitzt man zu wenig und fährt kaum, oder man fährt viel, sitzt und steht aber dauernd herum. Nur – woher die Zeit nehmen? Wer viel fahren will, muss noch mehr Zeit haben.
Da ergibt es doch einen Sinn, am Pool auf seinem Badetuch zu liegen, oder das Tuch alleine liegen zu lassen und sich derweil mit anderen Kostbarkeiten des Lebens zu vergnügen. Denn hier gilt: Je länger ich liege oder liegen lasse, desto länger liege ich, oder lasse ich liegen. Ein Verhältnis, das stimmt. Da gerät nichts durcheinander. Eine Ungleichung, die jeder verstehen kann. Herumliegen ist schlicht und auch für einfachste Gemüter keine Überanstrengung. Wer es dann noch schafft, kurz vor sechs aufzustehen und sein Handtuch an die richtige Stelle zu legen, der kann sich eines übersichtlichen proportionalen Verhältnisses sicher sein; und das ist richtiger Urlaub.
"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Lass ab von Häme!
Nacht- und Nebelaktionen - Bist du es, Mutter?
Das passiert immer häufiger: Dass man sich in Nacht- und Nebelaktionen sein täglich Brot, etwas Bargeld oder einfach nur sein Recht verschaffen muss. Der entmündigte Bürger ist immer mehr auf Eigeninitiative angewiesen; früher sorgte der Staat für den Menschen, heute muss er es selber tun.Es ist dunkel und neblig, der kalte Bruder der Sonne ist nur als diffuses Licht zu sehen, möglich auch , dass es eine Straßenlaterne oder ein Autoscheinwerfer ist, das lässt sich bei solchen Lichtverhältnissen niemals klären. Der Druck ist hoch, die Hände feucht. Jetzt gilt's, was immer es auch sein mag. Das ist die Nacht der Nächte, undsoweiterundsofort. Positive Affirmationen trommeln durchs Hirn, sollen beruhigen oder den nötigen Adrenalinkick geben, um das Vorhaben zum Erfolg zu bringen. Hans tastet sich durchs Dunkel, fühlt den Nebel förmlich mit den Fingern. Dann greifen seine Hände etwas Warmes, Weiches; Hans spürt Stoff, dann Haut, dann Fleisch, Haare, einen Menschen; das Herz hämmert, Adrenlin bis in die Fingerspitzen, der Urmensch in Hans warnt 'Hau ab! dafür ist das Adrenalin auch da!', 'Feige Sau!', kontert Hans in Gedanken, um sich selbst Mut zuzudenken, er greift höher, fasst ein Gesicht, Nase, Ohren, Oberlippenbart: "Bist du das, Mutter?"
Eine tiefe Stimme: "Sammal hast du ne Vollmacke!" Keine Frage, ein Befehl. Alkoholgeruch strömt Hans entgegen, vermischt mit Zigarettenrauch, jetzt dringt der Keipendunst in seine Nase. "Pack mir nicht im Gesicht rum!" Hans kennt die Stimme; das Gesicht dazu fällt ihm nicht ein. Helga ist das nicht, denkt er, dafür ist die Stimme zu tief. Die hat auch keinen richtigen Bart, analysiert er scharf. "Nimm die Finger da jetzt weg! Du kannst froh sein, dass ich gute Laune habe und kaum noch stehen kann!", brüllt die Gestalt. "Ach, du bist das, Horst, Mensch, alter Schwede!", ruft Hans jovial und haut Horst kräftig, aber kameradschaftlich auf den Rücken. Horst kippt vornüber und bleibt liegen, kurz darauf schnarcht er. "Ich hasse Nacht- und Nebelaktionen", murmelt Hans und wischt sich die Hände an seinem Mantel ab.
"Was wollte ich denn noch?", murmelt er leise vor sich hin. Geduckt schleicht Hans weiter durch die Nacht. "Ich hab's vergessen, ganz einfach vergessen; ich weiß es nicht mehr." Wie ein Mantra wispert Hans die Worte vor sich hin und verschwindet allmählich im Diffusen.
Neue Fahrradhelme in Planung

Exotisches auch für Vegetarier
"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Der Choleriker hat unsere Liebe verdient
Hat der Choleriker nicht auch unsere Liebe verdient? Ist es unser Kleinmut, der es verhindert ihn anzunehmen als Mitmenschen, als Nächsten?Du hast du ne Vollmacke, du verfluchter Sauhund, räum gefälligst das Laub, das dein verschissener Birnbaum in meinen Garten gepfeffert hat, auf deine Seite, aber dalli! Sonst zieh ich dir ein Horn! Ist das jetzt klar? Basta! Und Punkt! Dass das mal ein Ende hat hier. Feierabend! Sonst kauf ich mir ne Kettensäge und dann hat es sich ausgebirnt, Meister!!!!
Was steckt hinter diesen Worten, was hinter seinem cholerischen Auftritt, der auf den ersten Blick verletzend und gewalttätig wirkt? Die Augen des Brüllenden sind in Wirklichkeit ängstlich zusammengerückt; ein kleiner Geist hat in einem mächtigen Schädel seine Heimat gefunden und fürchtet, entdeckt zu werden. Schutzmechanismen, alt und neue, aus Gegenwart und Kindheit, greifen und setzen die Alarmglocken in Bereitschaft. Der Choleriker will nicht verletzen, er will das kleine Kind in sich schützen, das nie seinen Willen bekam, auch wenn es mit Nagelschuhen Glastüren eintrat, Blumenvasen in den Wohnzimmerschrank warf oder dem Hund von Tante Moni kleingeknickte Rasierklingen ins Hundefutter mischte. Schreie nach Liebe, manchmal stumme Schreie, manchmal laute, die Panzerglas zerbersten lassen konnten.
Liebe, das ist es, worum eine arme Seele hier fleht. Wir können nicht einfach weghören; wir müssen unsere Hilfe anbieten. Was spricht dagegen, den ersten Schritt auf den anderen zu tun, den Choleriker anzunehmen wie er ist, und ihn dadurch zum Guten zu verändern? Ist der Birnbaum nicht alt und gehört er nicht längst ins Trockenregal für das Kaminholz? Manchmal muss man sich trennen können, von alten Gewohnheiten und manchmal von einem alten Birnbaum. Wenn es der Liebe dient.


