Stadtleben: Geometrie-Tanzen für Kinder verboten!


Dass Kinder nicht alles dürfen können sollen, ist jedem klar, dass das Verbot aber auch für Geometrie-Tanzen gilt, ist neu, zumindest in Rinteln. Hier hat man in der Fußgängerzone zwar Würfel aufgebaut, deren genauer Zweck nicht zu erfahren war, sei es, dass es sich um Kunst handeln sollte, oder dass Gefahrmüll in dekorativen Metallkuben in der Fußgängerzone endgelagert wird. Vielleicht stehen sie auch nur einfach da, oder jemand hat sie stehen gelassen. Anlass genug, Kindern das Geometrie-Tanzen zu verbieten, lediglich das stille Sitzen auf den kalten Klötzen wolle man erlauben, dabei soll das Kind einen schwarzen Puschel auf den Knien tragen, oder eine Art Federboa, ebenfalls in Schwarz. Ob es sich dabei nur um einarmige Kinder handeln darf, ist nicht erkennbar, nicht tanzen dürfen nur zweiarmige Kinder, wobei diese wahrscheinlich auch zwei Beine haben, das ist aber auf dem Verbotsschild nicht genau zu erkennen. Das Geschlecht ist ebenfalls diffus, wahrscheinlich gilt das Verbot für Jungen und Mädchen, vor allem für solche, die runde Köpfe haben, schlank sind und jeweils 1-2 Gliedmaßen oben und unten haben.
Das Tanzen auf Klötzen scheint fröhlich zu machen, das Sitzen auf ihnen besinnlich, fürsorglich und ein wenig nachdenklich. So weiß der Betrachter endlich, was die Stadt Rinteln für Kinder möchte: Schlanke, 1-2-armige und -beinige, rundköpfige und besinnlich-besonnene, mitfühlende und nachdenkliche, auf keinen Fall übermütig-fröhliche, vielleicht laut schreiende und dann vom Klotz fallende Kinder, die einem dann noch eine Klage an den Hals verpassen. Sitz, Cedric!
Geometrie-Tanzen wird wohl eine Nischensportart bleiben...

Alte Hüte - neu gepresst

St.Sturmius ist der Schutzpatron für Sturmbedrohte. Das hat sich die katholische Kirche, die ja einen regen Handel mit Heiligen betreibt, fein ausgedacht. Da immer weniger Menschen wirklich Latein verstehen, sondern nur ihr VHS-Zertifikat Lattinum Macchiatum(Vorstufe zum Latinum) hochhalten und glauben, es reicht, wenn man an deutsche Wörter ein us hängt, passt sich die auf Mitglieder angewiesene Glaubensorganisation den Gepflogenheiten und Fähigkeiten der Steuerzahler an. Ein alter Hut wird neu gepresst - das soll wohl sinnbildlich gemeint sein - und passt nicht mehr auf den Schädel, sodass der Wind leichtes Spiel hat und die Kopfbedeckung problemlos hinwegfegt. Lächerlich. Eine wohl äußerst missratene Kampagne. St.Blasius ist für den blasengeprüften Wanderer Ansprechpartner, St.Christopherus für alle, die Christopherus heißen. St.Humus sucht noch nach einem Aufgabengebiet, aber Humus ist ja auch kein deutsches Wort mit us. St.Bantus(von Trier?) arbeitet für die Tanz- oder Rockbant, deren Mitglieder Rechtschreibprobleme haben, St.Beatus ist der Experte für Musik der 60er.
Die katholische Kirche ist da auf einem Holzweg: So kann man keine Gläubigen fangen. Sie könnte es vielmehr wie im Mittelalter machen: Erst mal alle zum Teufel schicken, und wem's dann zu heiß wird, der kommt schon wieder. Also weg mit den alten, weg mit den umgepressten Hüten; Bischof und Kardinal tragen doch auch Mützen, und die sind total in.

Trübe Aussichten: Sale oder Outlet?


Da sind sie wieder, die Schlechtwettertypen, die dir ein Gefühl einhauchen, als habest du gerade wieder etwas faslch gemacht, und das, obwohl du alles richtig gemacht hast. Du schaust an dir herunter und prüfst, ob du vielleicht bei 2° Grad Außentemperatur in Badehose oder sogar ohne durch die Einkaufszone wandelst. Diese Mischung aus Erschrecken und Empörung! Das können, wenn bei dir selber alles in Ordnung ist, nur enttäuschte Konsumenten sein, die seit Jahren das Wort Winterschlussverkauf suchen und nicht wissen, dass das jetzt SALE heißt, oder SALE %. Ein deutsches Wort SAle gibt es nicht, so dass sich vermuten lässt, dass es aus dem Englischen stammt, das ja mehr und mehr zum Deutschen wird. Der findige Konsument erkennt und schließt: Wenn Sale dransteht und der Preis zum zweiten Mal reduziert ist, dann kann das im Winter so etwas sein wie Winterschlussverkauf. Möglich, dass es auch OUTLET heißt, das kann zu jeder Jahreszeit eine Art Räumungsverkauf sein, wo zuerst erhöhte Preise wieder auf den alten Preis reduziert werden, damit jeder denkt, er habe ein Superschnäppchen gemacht. Wer Outlet für sein herausgefallenes Gold-Inlet aus dem rechten Backenzahn hält, der liegt völlig falsch. Wer die deutsche Sprache verstehen will, muss mit offenen Augen, Ohren und einem wachen Verstand unterwegs sein.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Dass die Welt nicht rot werde


Davor fürchtet sich der Amerikaner von Anbeginn seiner Existenz; dass die Welt rot wird. Dabei gibt es Amerikaner noch gar nicht so lange; vielmehr ist der Amerikaner ein Mischvolk mit Migrationshintergrund, eine Volk ohne richtige Heimat, ausgestoßen, ausgesiedelt oder ausgewandert. Gerade ein Mensch ohne Heimat wird von Existenzangst gequält. Die Farbe Rot spielt dabei eine wichtige Rolle, ist sie auch die Farbe des Blutes und des Lebens, der Energie und der falschen politischen Gesinnung. Als der Amerikaner mit Migrationshintergund den neuen Kontinent betrat, traf er auf eingeborene Amerikaner, die jedoch nicht wussten, dass sie solche waren. Ihr mangelndes Selbst-Bewusstsein führte dazu, dass sie den eingewanderten Amerikanern fehl am Platze vorkamen. So begannen die neuen Amerikaner die alten auszurotten oder zu vertreiben, um diesen Fehler der Geschichte zu korrigieren. Weil dabei Blut über die Haut der Falschplatzierten floss, nannte man sie kurzerhand Rothäute. Nachdem nur noch ein paar Rothäute übriggeblieben waren, steckte man diese in Reservate. Die Rothäute wiederum nannten die Zugereisten Bleichgesichter, weil sie annahmen, dass solche Ungerechtigkeiten und Gräuel jeden normal empfindenden Menschen erbleichen ließen. Nachdem die Gefahr im "eigenen" Land gebannt war, schaute der neue Amerikaner über den Tellerrand, nachdem die Indianer die Suppe ausgelöffelt hatten. Überall auf der Welt lauerte die rote Gefahr. Menschen, die gar nicht rot aussahen, aber innerlich rot waren. So zog der Amerikaner aus und versuchte überall dort, wo rote Menschen auftauchten, diese zu beseitigen. Er hatte Angst, dass sich die Roten über die ganze Welt verbreiten könnten, so wie die Energie eines Dominosteines, ist er einmal gekippt, sich auf die anderen übertragen kann und plötzlich die Energie von tausend und abertausend anderer Steine auslöst. Schließlich könnte die rote Energie wieder ins eigene Land, das jetzt so schön sauber und farblos war, schwappen und alles, was sich die Bleichgesichtigen hatten, zunichte machen. Bald waren die roten Menschen verschwunden, oder stellten keine Gefahr mehr dar. Aber, wer weiß? Vielleicht war die Welt bevölkert von Menschen, die weder innen noch außen rot waren und doch nicht auf diese Welt gehörten. Sie stießen auf Männer mit langen Bärten, die in dunkle, lange Kleider gehüllt waren und die drohen konnten, ihr Öl für sich zu behalten, und dem Amerikaner seine großen Autos zu verleiden. Überhaupt waren Reichtum und Konsum in Gefahr, und da schoss dem Amerikaner die Zornesröte in Gesicht. Und wenn jemand Rot sieht, ist mit ihm nicht zu spaßen. Und wieder war der Amerikaner unterwegs, um das Rot auf der Erde zu besiegen, und merkte gar nicht, dass er es auf der Erde verbreitete, denn es ist ja die Farbe des Blutes.
Und immer wieder glaubt der Amerikaner, er müsse die Menschen der Erde vor der Gefahr beschützen, die diese für sich selber darstellen. Das wollte der Amerikaner gerne übernehmen. So konnte er auch immer festlegen, wer eine Gefahr für sich selber darstellte. Und so ist es bis heute.
Wisset denn, ihr Zweifler und Nörgler, wenn ihr wieder einmal über den Amerinkaner schimpft, es ist seine Urangst vor der Farbe Rot, die ihn treibt. So wie der kleine Junge nicht nach Profit und Macht strebt, sondern geliebt werden will, und weiß, niemand mag ihn, und gleichzeitig Rot die Farbe der Liebe ist, so kann der Amerikaner nicht anders handeln als er tut: Aus seiner tiefen Angst heraus, dass ihn keiner lieb hat.

Ländliche Betroffenheitslyrik: Georg Krakl - Himmel



Himmel

Über allem stehst du Himmel

über meinem Schimmel

dort im Bad und dort im Stall

auf jeden Fall

bleib wo du bist

nicht dass du dich verpisst!

(Inspiriert wurde Georg Krakl zu diesem Gedicht auf der Veranstaltung: Rettet den Endreim/Jeder ist ein Dichter/ Schreib, was du willst, liest ja eh kein Schwein, am 9.2.08)

Narzissen

Beschissen,

sagten die Narzissen,

sagt man nicht.

Kartoffelnase spricht: Bürgermeisterhatz - widerlich!

Das ist ja wohl ein Ding: Dem Bürgermeister einer Flächengemeinde, vielleicht der größten überhaupt, wird vorgeworfen, dass da Gemeindearbeiter auf seinem Bau gearbeitet haben! Aufgrund einer anynomen Anzeige wird jetzt ermittelt! Das ist unglaublich. Wir wollen doch mal ehrlich sein: Haben die Gemeindeearbeiter eigentlich immer so viel zu tun, dass sie sich in ihrem Tagesablauf nicht langweilen? Ich denke nein. Das kennen wir doch alle, da werden Pausen eingeschoben, wenn keiner zuguckt, da wird langsam gearbeitet, wo alles viel schneller gehen könnte. Wer schnell arbeitet, hat ruckzuck den Zeitnehmer im Rücken und schon sind ein paar Stellen wegrationalisiert, weil so ein Oberkluger von irgendeinem Institut glaubt, die Leute könnten zwar, wollten aber nicht. Da ist es doch im Rahmen der Erhaltung wichtiger Arbeitsplätze zwingend gefordert, Leute mit Arbeit zu versorgen, damit alle das Gefühl haben, hier wird was geschafft. Da bleibt man lieber anonym, wenn man so etwas zur Anzeige bringt; sonst müsste man ja Beweise heranschleppen, die vielleicht nur aufgrund retuschierter Digitalfotos vorliegen. So ein Bürgermeister weiß doch am besten, wie eineVerwaltung mit allem Drum und Dran reibungslos läuft, was zu tun ist, damit jeder seine Arbeit tun. Ganz schlimm ist mangelnde Arbeit. Das ergibt nur Rumhängen und Faulenzen. Immer erst mal das Üble annehmen, Untreue etwa, und dann sich hinter der Hecke verstecken und aufpassen, was so passiert. Neider schieben dann noch nach, dass hier immer schon im Gutsherrenstil regiert worden sei! Das ist nichts anderes als eine Verwaltungsreform, nur etwas anders ausgelegt. Ziel ist doch, dass es schnell und gut gemacht wird. Das hat auch einen Lerneffekt, da kann man auf einem Bau üben, wie das im richtigen Gemeideeinsatz zu fluppen hat. Das hat Vorbildcharakter. Nicht rumstehen und abwarten, sondern Ärmel aufkrempeln und loslegen. Da kann ein rauer Ton schon mal helfen. Manche nennen das undemokratisch. Das sind wohl die, die beim Büroschlaf ertappt worden sind. Heutzutage ist es wichtig, eine Verwaltung effektiv und damit schlagkräftig zu machen. Das schafft Erfolge. Gemessen an der Zahl der neu gebauten Turnhallen etwa, kann doch die Mehrheit der Bevölkerung in Jubel ausbrechen; denn wer ist nicht in einem Sportverein? Dass Bewegung immer wichtiger wird, zeigen Untersuchungen zu Übergewicht und Bewegungsmängeln. Die meisten können nicht mal mehr rückwärts laufen. Das ist ein Skandal! Da lenkt man schnell mal mit einer Anzeige von Notwendigkeiten unserer Gesellschaft ab!

Neue Gartengeräte - Protzerei oder Nachbarschaftshilfe?

Bislang war der Aufsitzmäher das Non plus Ultra in der Privatgartenszene; man konnte ihn bisher nur toppen, indem man ihm einen ähnlich großen und leistungsfähigen Vertikutierer an die Seite stellte. Wenn des Nachbarn Aufsitzmäher ruhte, konnte der Zusatzgerätebesitzer sein Prachtstück aus der Garage oder dem speziellen Geräteport herausholen und noch ein paar Runden nachlegen. Ging es bisher um Leistunsgfähigkeit des Motors, Schnittbreite und Größe des Grasfangkorbes, so hat sich nun der Schwerpunkt auf die Frage verschoben: Wer kann am längsten maschinell auf seinem Rasen arbeiten? Der Vertikutierer konnte das bislang immer und punktete Woche um Woche; weit abgeschlagen der Aufsitzmäherbesitzer ohne Zusatzgeräte. Darüber hinaus verkrautete sein Garten immer mehr und wurde unansehnlicher. Aber auch dem Vertikutierer sind Grenzen gesetzt. Eine wöchentliche Behandlung mit dem Motorwühler führt letztendlich zum Entfernen des Rasens insgesamt. Der Vertikutierer will gezielt und dosiert eingesetzt werden. Empfehlenswert also die Anschaffung eines Kleinstbaggers, der im Nu Löcher oder Gräben gräbt, zum Besipiel kurz vor einem Wolkenbruch, und das überschüssige Wasser in den nachbarlichen Garten leitet, um der vertrockneten Flora zu helfen und die Schädlinge im Boden zu ersäufen. Der Kollege von nebenan wird es dem Baggerführer danken. Besonders aus wüsten Gärten kann man mit entsprechenden Maschinen Gartenwüsten erschaffen, die ihren besonderen Reiz aus den Oasen beziehen, an die kein Aufsitzmäher, kein Vertikutierer und kein Kleinstbagger gelangt.

Ein Fall für den Schulinspektor: Dem Getreidekorn auf der Spur

Da liest man in der heutigen Ausgabe des Mindener Tageblatts auf Seite 8, dass sich 30 Pädagogen auf den Weg gemacht hätten, im Rahmen einer Fortbildung dem Getreidekorn auf die Spur zu kommen. Der normale Bürger fragt zusammen mit Bildungsministerin Sommer: Ja, wo leben wir denn? Erstens ist doch wohl jedem Lehrer klar, dass Getreidekörner in Ähren, im Ackerboden oder im Sack oder der Tüte zu finden sind. Deswegen muss doch wohl keiner in der Gegend herumreisen und gute Steuergelder verplempern, die das Land in sinnvolle Fortbildungen oder die Gebissregulierung des Landesvaters investieren könnte. Wenn diese sich fortbildenden Lehrer durchschnittlich 5 Stunden am Tag unterricht( was ohnehin schon lächerlich ist), dann fallen heute 150 Unterrichtsstunden aus oder werden von unwilligen Kollegen vertreten, die stinksauer sind, schon wieder in der 9b oder der 8a zu unterrichten, weil Kollege August in der Gegend herumtingelt und Körner aufpickt. Oder Vollkornbrot mit Biosalami isst, Kuchen aus weißem Mehl in sich stopft und Mettbrötchen mit Zwiebelringen vertilgt, anschließend 10kg Werbeprospekte, die als Unterrichtsmaterial verschenkt werden, in die mitgebrachten Rollkoffer quetscht. Da ist nicht nur der Schulfrieden gefährdet und die Öffentlichkeit aufgebracht, da ist der Schulinspektor gefordert. Ich hol schon mal den Wagen, heißt es da, da wollen wir mal einen Blick drauf werfen. Qualitätsanalyse. Während der Biobauer die Qualität seines Bioweizen und seines daraus gebackenen Biobrotes anpreist, der Lehrer dies durch intensiven Kau-, Schluck und Verdauungvorgang analysiert und bewertet, sollte sich der Schulinspektor darum kümmern, ob dieser umgewidmete Teilbetriebsausflug die heimatliche Schule nicht ins Chaos stürzt. Können wir es angesichts unseres Platzes im PISA-Ranking überhaupt leisten, dass die Leseleistung der deutschen Schüler noch weiter absinkt, nur weil einige Pädagogen sich zu fein sind, dem Getreide im Supermarkt oder in der Ackerscholle des bäuerlichen Nachbarn auf die Spur zu kommen? Niemand muss letztlich seine Gummistiefel bemühen; der Supermarkt bietet alles: Für unter einem Euro bekomme ich ausgemahlenes Mehl, Vollkornmehl, 1050er und 407er, aus Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer, Gerste. Einfachen und doppelten Korn im Regal für Starkgetränke. Das dauert 10 Minuten, dann kann jeder pfündig werden. Zu Hause einen Blumentopf oder eine alte Petrischale herausgesucht, und schon können der Bürger und der Pädagoge überprüfen, ob das uns verkaufte Getreidegut noch keimfähig ist.
Das sollte den Schulen im Lande klar gemacht werden: Fortbildung ist wichtig. Sie muss zu irgendetwas nütze sein. Sie darf nichts kosten. Und es darf kein Unterricht ausfallen. Aber mal ehrlich: Eine Tüte Mehl hat doch jeder zu Hause! Vielleicht steht sie nur ganz hinten im Regal.

Unter der Gürtellinie: Sonne und Mond

Es war mal wieder so weit. In der Regenbogenpresse, die ja von Sonne, Mond und Regenbogen abhängig ist, wurde wieder mal die alte Frage neu gestellt: Heißt es der Mond oder die Mond? Der Sonne oder die? Der Franzose sieht es anders, und der Engländer, auch wenn man bei ihm das Geschlecht (the) kaum sieht, hat ebenso andere Vorstellungen von den beiden Gestirnen als die Himmelsobjekte selbst. Die Regenbogenpresse meint: Der Deutsche macht wahrscheinlich wieder alles richtig. Trotzdem beschloss jetzt die NASA, weil der berühmten Raketen-Organisation nichts Sinnloses mehr einfiel, weswegen man im All herumrasen könnte, eine Geschlechtsbestimmung der beiden vorzunehmen. Da man der Sonne nicht zu nahe kommen sollte, weil sie, wenn man ihr ans Geschlecht will, ziemlich heiß werden kann (wird jedenfalls in Astronomenkreisen gemunkelt), und sie dann wie häufig in anderen Situationen übertreibt und den vermeintlichen Liebhaber verbrennt, hatte man sich erst einmal für den Monden entschieden, der ja relativ kühl bleibt, und wenn er sich als Frau erweise, könne man ja bei ihr(?) sogar landen. Was eine gute Basis für eine Geschlechtsbestimmung wäre, so das Presseorgan der NASA. Wie die spezifischen Geschlechtsorgane von Himmmelskörpern aussehen, war zum Redaktionsschluss noch unbekannt. Wenn man nichts finde, was den herkömmlichen Vorstellungen entspreche, könne man immer noch hinterher davon ausgehen, einfach mal einen schönen Ausflug gemacht zu haben. Sowieso sei das mit der Vermehrung von Himmelskörpern eine eher schwierige Angelegenheit: Sie müssten ihre Umlaufbahn verlassen; das hieße für die Mond, dass sie auf die Erde fiele, was zwar ein großes Loch gäbe, aber noch keine Vermehrung darstellte, da beide von gleichem Geschlecht wären. Was die NASA jetzt genau gucken will, soll nach einem Brainstorming im Institut nächste Woche zusammengefasst und veröffentlicht werden. Kritiker der Allforschung sollten beruhigt sein: Immehin verdanken wird der Raumfahrt die Erfindung der teflonbeschichteten Bratpfanne. Das hat sich doch wohl für jeden Besitzer dieser Küchenhelfer gelohnt! (Foto: So könnte es aussehen, wenn die NASA wieder die Nase vorn hat und herausbekommt, ob der Mond weiblich ist! )

Minden - Die Frisur sitzt...

Es ist einer von diesen Morgen, die eine
80 ooo-Seelen-Stadt zittern lässt. Der Himmel in unnatürlichen Farben gefärbt, die Wolken drohen und ein schwacher Lichtschimmer sagt: Die Sonne wird heute irgendwie aufgehen. Aber wird sie für uns sichtbar sein? Sturm über der Provinz! Jeder fasst sich sofort an den Kopf und prüft reflexartig, ob das Haarspray noch seinen Dienst tut, oder der fein ondulierte, toupierte und fixierte Kasten auf dem Schädel noch seine Form besitzt, ob die Stunde im Bad vor dem Spiegel vielleicht vergebenes Mühen war.
Windstärken bis 10 sind angesichts eines solchen Farbenspiels am Himmel zu erwarten. Alle Menschen, die auf eine gut sitzende Frisur angewiesen sind, gehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Es gibt keinen wirklichen Schutz; auch wenn die Werbung uns versprechen will, es sei mit einem speziellen Spray anders, und die Hände nach erfolgtem Auftragen einen filigranen Kunststoffkäfig ertasten, dessen Konsistenz verhärteter Zuckerwatte gleicht, bleibt immer eine Restangst: Wie komme ich unbeschadet in die Firma, in den Schlussverkauf, in den Supermarkt oder ins Finanzamt, um meine überfällige Steuererklärung abzugeben? Was wird mein Blind Date von mir halten, wenn der Sturm Löcher in meinen Kopfschmuck gerissen hat? Existenzielle Fragen. Keine Antworten. Oder vielleicht doch eine Lösung: Der Rechtsextreme ist in Bezug auf Wetter und Frisur schon einen Schritt weiter als die eitle Bevölkerung um ihn herum. Wenn die Haarlänge auf Null runtergeschnitten wird, so sieht das, besonders in Verbindung mit klobigen Stiefeln, ganz und gar nicht gut aus, aber egal, welcher Wind weht, welcher Sturm wütet - die Frisur sitzt. Das sollte zu denken geben.

Ratgeber: Wenn sich ein Schlitz nähert...

In der Regel sind Schlitze harmlos; sie nähern sich gern unauffällig Passenten, um sie dann lediglich durch ihre Gegenwart zu erschrecken, weil natürlich niemand mit dem Auftauchen eines Schlitzes rechnet. Besonders in der Karnevalszeit bemühen Schlitze die Nerven der Menschen arg. Sei es, dass ein langer Lulatsch als Zwerg gehen will und glaubt, dies durch das Aufsetzen einer Zwergenmütze zu erreichen, sei es, dass ein humorloser Einfaltspinsel als halber Till Eulenspiegel debütiert - nur ein Stoffarm ragt aus seiner Schellenmütze, an dem sogar noch die Schelle fehlt- das ist zu wenig, um die Phantasie selbst des schärfsten Denkers unter den Karnevalsliebhabern und Jecken anzuregen. Den Schlitz stachelt rücksichtsloser Dilettantismus nur zu seinem Tun an. In Feierlaune ist der Schlitz als solcher gar nicht so leicht zu erkennen, denn er besteht ja eigentlich nur aus einem länglichen Loch. Ein dünnes Gewand, ein Küchentuch oder ein Schonbezug für Sonnenschirme geben ihm erst ein Aussehen, das der Betrachter auch wahrnehmen kann. Wenn Zeitgenossen wie großer Zwerg und halber Till Eulenspiegel aber nur einen Vorwand suchen, sich einmal mehr die Kante zu geben, möglichst noch aus den Flaschen der neben ihnen am Wegesrand stehenden Narren, die auf das Heranpoltern der Rosenmontagswagen warten und hoffen, nicht von den allzu billigen Kamellen getroffen zu werden, dann ist das Betrug am rheinländischen Gemüt. Der Mann meint es doch gut, sei es ein Kölner oder auch nur ein verfeindeter Düsseldorfer; und mit ihm ist die Frau, die heute als Kamel geht. Der Schlitz ist immer lachender Dritter, selbst wenn es Rosenmontag nichts zu lachen gibt. Er ergötzt sich an der schlichten Blauäugikeit des Jecken vom Rhein und der Unverschämtheit des zugereisten So-tun-als-ob-Touristen, der seine Altkleidersammlung für sein Kostüm durchwühlt hat, weil er sich in der Heimat auch nicht verkleidet, wenn er einen saufen will. Der Schlitz passt sich an, er kann eingefleischte Karnevalisten und überhebliche Ostwestfalen bzw. verbitterte Sauerländer unterscheiden und sich auf jede Gemütsverfassung einstellen. Aber - was tun als Rheinländer, wenn sich ein Schlitz nähert? Da kann man nichts machen, selbst das Herunterreißen des Schonbezugs für Sonnenschirme hilft da nicht, denn das macht ihn höchstens unsichtbar. Sich stillschweigend in den nächsten Getränkeladen verabschieden und Leergut entsorgen ist eine geeignete Methode, den Schlitz unauffällig seinem Nachbarn zu überlassen. Der Belästigte kann jetzt direkt aus dem Regal trinken und den Umzug durch das Schaufenster betrachten. Das hat weitere Vorteile: Er bleibt trocken und kann nach gutem Umsatz die Angestelltentoilette kostenlos benutzen. Der Ostwestfale und der Sauerländer sollten nächstes Jahr zu Hause bleiben.
(Ob im Karneval und an anderen Tagen Schlitze überhaupt unterwegs sind, ist bislang nicht verbürgt. Augenzeugenberichte stammen häufig von alkoholisierten Straßenrandstehern, die mehrfach von Kamellen getroffen worden sind und vergessen haben, wie spät es eigentlich schon ist. Selbst getippt waren ihre Berichte nur schwer verständlich oder gar nachzuvollziehen.)

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Waschmaschinenmeditation

Wenn ich mich schlecht fühle, so richtig beschmutzt von Welt der Hektik und Profitmaximierung der Welt, von der Eigennützigkeit und der Ellbogenmentalität meiner Mitmenschen, dann hilft mir die Waschmaschinenmeditation. Sie säubert mein Innerstes und lässt mein Außen wieder strahlen. Weiß ist die Farbe der Unschuld; Weiß ist die Summe aller Farben; Weiß ist die Farbe höchster Erleuchtung. Ich fülle die Maschine mit 3-4kg Buntwäsche, gebe ein gutes Waschmittel wie Persil oder Blütenweiß dazu und starte das Programm für Kochwäsche bis 90°. Wenn ich den Startknopf gedrückt habe, setze ich mich still vor das mandalaartige Sichtfenster und betrachte still die bunten Kleidungsstücke, die sich im Kreise drehen und sich mit dem Schaum des Reinigungsmittels vermischen.Manchmal, wenn es mir richtig dreckig geht, gebe ich auch etwas Entfärber in die Waschmaschine.
Immer neue Bilder entstehen, eine unendliche Vielfalt an Mustern hält das Leben hier bereit. Tief in mich versunken erkenne ich die langsam schwindenden Farben, das Blasserwerden der Kleidung, das Blasserwerden der materiellen Welt. Nichts hat Bedeutng; die grellen Farben des Alltags lösen sich auf. Ich weiß, dass alles weiß werden muss, unschuldig, gereinigt. Das wirklich Wertvolle schlummert hinter der bunten Fassade. Setzt der Schleudergang ein, werde ich zurückgeholt in das Hier und Jetzt. Ich halte die feuchten Stücke in Händen, alles ist blasser, alles ist kleiner geworden, unbedeutender, nicht mehr für mich gemacht. Ich gehe in den Garten und vergrabe Hemden und Hosen, die jetzt nicht mehr für mich bestimmt sind, ich nehme symbolisch Abschied vom Alten, um mich Neuem zuzuwenden. Morgen werde ich in die Stadt gehen und meine Meditation beenden. Vier Hemden, eine Jeans und eine Cordhose, außerdem zwei bis drei Pfund Kurzwäsche werden ein neues Beginnen sein, eine neue Sicht der Welt auf einer höheren Stufe.

Fotorätsel: Was siehst du da?

Was wir in Bilder hineinsehen, die keinen eindeutigen Charakter besitzen, sagt eine Menge über den Betrachter aus. Leserin Anne würde bei diesem Arrangement in Rot und Schwarz mal wieder ans Schlachten denken. Seit dem VHS-Seminar "Hühnerfrikassee von Anfang an (Hühnerschlachten ohne Reue oder Tränen)" kann sie den Gedanken an frisches Blut nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Ihre Interpretation wäre wohl: Frischgeköpftes Huhn spielt Gitarre. Das ist natürlich vollkommen falsch. Der religiöse Eiferer, der in Wirklichkeit mit der Uhr um die Wette betet, weil er Angst vor Hölle hat und dem lieben Gott nicht für 5 Cent traut, erkennt sofort den Teufel, hier in einer unscharfen Detailaufnahme eines noch unbenannten Körperteils. Der florale Mensch sieht eine Gießkanne mit aufgestülptem Sprenkelkopf vor untergehender Sonne. Gartenromantik pur. Der Suchtgefährdete mutmaßt in dem Foto einen armlosen Alkoholiker, der die Schnapsflasche mit den Zähnen halten muss, um an den hochprozentigen Inhalt zu kommen. Lieber Leser, mutmaße mit! Ein kurzes psychologisches Gutachten, das vielleicht bei deiner nächsten Bewerbung nützlich sein kann, winkt als Belohnung.

Alte Paare: Brauen und Bart

Sie: Deine buschigen Augenbrauen erinnern mich an Erwin Waigl.
Er: Erwin Huber heißt der.
Sie: Der hat doch gar keine Augenbrauen.
Er: Waigl heißt Theo.
Sie: Hat der denn buschige Augenbrauen?
Er: Genau.
Sie: Gehen die auch in eins durch wie bei dir?
Er: Genau.
Sie: Schon interessant.
Er: Dein Backenbart erinnert mich an Kaiser Wilhelm.
Sie: Der Kaiser hat keinen Backenbart.
Er: Natürlich hatte er einen. Geh doch mal zum Denkmal.
Sie: Wieso? Seit wann hat der denn ein Denkmal? Der macht doch in Versicherungen.
Er: Das ist Herr Kaiser.
Sie: Mein ich doch.
Er: Ich meine Kaiser Wilhelm.
Sie: Kenn ich nicht.
Er: Der ist ja auch schon tot.
Sie: Na, dann...
Er: Ist dein Bart eigentlich angeklebt?
Sie: Keine Ahnung, wieso?
Er: Nur so.
Sie: Ach so.

Der Bilderwitz im Januar

Die Rote Armee war auch nicht mehr das, was sie mal gewesen war.

Neues aus Allerwelts

Sport
Jürgen Klinsmann lobt den neuen Co-Trainer von Bayern München Martin Vasquez "Er spricht perfekt Englisch und Spanisch und hat mit einem Deutsch-Sprachkurs begonnen." Schade ist, dass die Spieler weder Spanisch noch Englisch beherrschen und die echten Bayern auch mit dem Deutschen noch Probleme haben. Bis dahin soll auf Zeichensprache zurückgepfiffen werden, bzw. Multi-Talent Klinsmann wird die Ansage von Vasquez lippensynchron übersetzen.

Bildung
In nordrhein-westfälischen Schulen sollen Lineale mit Stahlkante demnächst Pflicht werden, diese Aussage wünschen sich viele Pädagogen aus Düsseldorf; Schule und Unterricht sollten wieder Kontur zeigen. Weg mit freihandgezeichneten Geraden und weg mit dem Überschmieren von Schlüsselwörtern mit blauen oder roten Textmarkern! Ein Strich ist ein Strich, und eine Gerade ist gerade und nicht krickelig. Das Bildungsministerium zögert noch, da nicht klar ist, ob der Schulträger, die Eltern oder die demnächst eigenverantwortlichen Schulen selber für die Kosten aufkommen sollen. Die Gewerkschaften kritisieren das Vorhaben als Rückfall in die Pädagogik der 60er Jahre, als der Schulrat bei Unterrichtsbesuchen den Kindern die Holz- und Bakalith-Lineale zerbrach und dabei zischte: Das hätte es früher nicht gegeben!Mittlerweile sind die 60er Jahre Früher. (Zum Foto: Vielleicht wäre es sinnvoll, erst einmal die Schülerbänke instandzuhalten, bevor man Lineale mit Stahlkante anschafft. )

Natur
In Tansania sind "Graugesichtige Rüsselhündchen" entdeckt worden. Warum immer in die Ferne schweifen? In deutschen Wälder ist das Elchhörnchen immer noch nicht fotografiert worden. Es wird schon gemunkelt, dass es das 40 cm große Tier mit Elchsgeweih gar nicht gibt.

Politik
Die Hessen wollen Koch nicht mehr! Und das, obwohl die CDU bei der Landtagswahl 0,1 Prozent mehr Stimmen als die SPD hatte. Koch soll auf sein Amt verzichten, fordern 60 Prozent der Hessen, und die 0,1Prozent Hessen, die den Vorsprung vor der SPD verantworten müssen, sollen sich ein neues Bundesland suchen.

Wahlpsychologie
Andrea Ypsilanti will sich eventuell Andrea Icks oder Zett nennen, damit der nächste Wahlkampf leichter zu gewinnen sei. Dass die These (s.Bodos Welt vom 27.1.08), einsilbige Namen hätten Wahlvorteile, nicht hundertprozentig stimmt, zeigt das Beispiel des gechassten Roland Koch, der von seinen schlichten Parolen und einem schlichten Namen mehr erwartet hatte. Sich in Roland Xylophon umtaufen zu lassen, ist es jetzt glücklicherweise zu spät.

Depression im Winter: Schuld sind die anderen

Manchen Leuten steht es ja schon im Gesicht: Wird heute auch wieder nichts.

Das sind oft schlaffe Häute über weichem Bindegewebe in Verbindung mit einem müden Blick, hängenden Schultern, schütterem oder gefärbtem Haar, wo das nachwachsende dreckig-blonde schon zu sehen ist. Falten sind wie Schriftzeichen, die mitteilen: Mir geht es so schlecht! Das einzig Pralle sind die Tränensäcke, denn die sind bis oben hin gefüllt, und drohen jeden Moment aufzugehen und das versammelte Selbstmitleid in die Gegend zu vergießen. Da muss man als normal empfindender Mensch depressiv werden. Allgemein besteht das Vorurteil, dass das mangelnde Sonnenlicht im Winter daran schuld sei. Das ist natürlich nur eine eigennützige Erklärung der Sonnenbank- und Urlaubinwarmenländern-Industrie. Es sind unsere Mitmenschen, die durch ihr Aussehen, durch ihre ganze Haltung anfangs unser Mitleid, dann unser Mitgefühl und schließlich Schuldgefühle erzeugen, weil wir ihnen nicht helfen können. Nicht einmal wegsehen hilft, da sich die Bilder solch Bemitleidenswerter tief in das Hirn graviert haben. Es reicht ein trüber Tag, ein bisschen Nebel, Schmuddelwetter in Verbindung mit einem saftigen Anschiss im Büro, saurer Milch im Kühlschrank und der Erkenntnis, dass das Arbeitszimmer, der Hobbykeller oder irgendein anderer unwichtiger Raum immer noch nicht aufgeräumt ist. Tiefste Depression! Jetzt ruft noch Mutter an und fragt, warum du so lange nicht angerufen hast. Sie ruft sonst nie an. Der letzter Anruf muss also unwahrscheinlich lange her sein.
Problematisch wird es, wenn du morgens in den Spiegel schaust und sofort, ohne Umwege oder weitere Komponenten, in deine Niedergeschlagenheit rutscht. Dann gehörst du zu der Risikogruppe. Versuch's mit einem Lächeln, denn du riskierst sonst die Gesundheit deiner Mitmenschen zu schädigen. Das ist unsozial. Wenn dein Lächeln dir nicht hilft, dann bleib zu Hause. Das allerschlimmste wäre, mit diesem Gesicht auch noch herumzulamentieren, dass es dir sowieso am schlechtesten geht. Dass du am härtesten arbeitest und am wenigsten Geld dafür bekommst, dass dein Partner auf und davon ist und du auch schon so ein Ziehen im linken Arm, in der rechten Hüfte, im Lendenwirbelbereich oder in der Brust spürst. Damit nervst du nur, denn diese Option möchte sich jeder für den Notfall bewahren. Trauriges Sackgesicht in Verbindung mit penetrantem Jammern will keiner, das könnte jeder zu Hause haben. Also: Lächeln und Mund halten! Im Namen der Volksgesundheit!

Wahrnehmung: Vexierbilder bereiten Probleme

Immer wieder gibt es Hinweise von Lesern, die bei der Betrachtung von Vexierbildern nicht wissen, was sie darstellen. Zum Thema Enthauptung muss man natürlich dem Auge Zeit geben, den Enthaupteten bzw. dessen Kopf zu sehen. Streng genommen sind sogar zwei Enthauptete auf dem Bild (s.weiter unten). Vexierbilder spielen mit der Wahrnehmung; aus einer alten Vase werden etwa zwei hübsche junge Frauen, von der die eine eigentlich sehr alt ist und die andere hässlich. Vexierbilder trainieren aber auch die Toleranz und die Kreativität: Einmal nimmt man oberflächlich eine einfache Figur war: dahinter lauern allerdings menschliche Abgründe, die jeder sofort mit Ihhh!, Nä, wat is datt denn???, oder noch schlimmeren Fragen bombardieren würde. So aber, weil wir es nicht wahrnehmen, tolerieren wir das Ungewöhnliche. Kreativ werden wir dann, wenn wir beim vierzigsten Hingucken noch immer keinen Enthaupteten entdecken, und dann erfinderisch damit angeben, wir hätten aber den Henker entdeckt. Die anderen geben sich vorerst mit der Antwort zufrieden und fangen sofort an, den Henker zu suchen, der eigentlich gar nicht da ist. So stellt sich die lächerliche Frage: Wo, zum Henker, ist denn der Henker? Aber, so sind sie eben, die Vexierbilder, immer verwirrend, immer verunsichernd und dadurch arrogant. Die meisten unter uns würden gerne darauf verzichten, aber Toleranz will geübt sein, das gilt auch in puncto Vexierbild.
(Auf dem Bild sieht man erst beim zweiten Hinsehen zwei Gesichter, der eine davon ist ein Quatschkopf und hat nur einen Zahn. Anfangs denkt man, eine auseinandergefaltete Trompete vor sich zu haben. Im Hintergrund Sonne und Mond oder zwei Äpfel, die auch schwarze Fußbälle sein könnten, je nach Stimmungslage des Betrachters. Auf keinen Fall kann man aber zwei Gesichter erkennen. Sonst wäre es ja kein Vexierbild!)

Der Lesertipp (von Henner N. aus L.) : Politiker werden durch einen Filzkurs

"Filzen am Vormittag"- eine wichtige Botschaft für alle Filzer und Filzläuse im Kreisgebiet!
Wie dem Programm der VHS im Altkreis Lübbecke (1. Abschnitt) zu entnehmen ist, gibt es sogar zwei Treffen in "Die Filzerei" in Rahden. Der erste Filzer-Treff soll der Einarbeitung und dem Sammeln von Erfahrungen in der Nassfilzerei dienen. Es werden lebenswichtige Dinge wie Untersetzer (für wen oder was?) und Eierwärmer gefilzt.Klar: Da lacht die Filzlaus!
Beim zweiten Termin darf bereits Filziges für Taschen und Mützen gefertigt werden, allseits beliebte Geschenke für kommende Oster-, Muttertags- und Weihnachtsfeste.Vor Kursbeginn werden allerdings alle Kursteilnehmer selber gefilzt. Haben sie die für die Weiterverarbeitung erforderlichen Nähutensilien
(Stoffreste, Noppenfolie,Perlen usw.) auch wirklich mitgebracht?
Am Kursende winkt allen kreativen Teilnehmern das Zertifikat "Erfolgreiche/r Filzer/in", das zur
selbstständigen Filzerei berechtigt.Außerdem sind sie im World Wide Web mit einander verfilzt unter
http://www.diefilzerei.de Auf geht´s, Leute!!! Die Anmeldeformulare warten auf euch.

Schnüffelattacken für die innere Sicherheit

Technisch ist die Sache noch nicht ausgereift, weil viel zu auffällig. Aber nachdem verdächtige Mitbürger oder Personen, die verdächtig aussehen, beobachtet und abgehört werden können, um mögliche Terrorangriffe zu verhindern, fordern nun verunsicherte Politiker aus dem Umfeld von Wolfgang Schäuble den großen Riechangriff. Das Ausspähen der heimischen Computer genüge nicht, für eine präventive Maßnahme, die einen mutmaßlichen Landesfeind umschädlich machen soll, brauche man eindeutige Hinweise, zum Beispiel über die Ess- und Verdauungsgewohnheiten, sowie die Art der Körperausdünstungen. Wenn zu vorhandenen Verdachtsmomenten Knoblauchgeruch und religiöser Angstschweiß dazukämen, dann könne mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit gesagt werden, dass es sich um einen Terroristen mit Vorliebe für Tsatsiki und den Hang zu nachlässiger Körperpflege handele. Das seien Kriterien, die besonders Auszubildende in den Terrorcamps im Osten erfüllten. Sofortiges Festsetzen und anschließendes Verwahren an einem unbekannten Ort mit unbegrenzter Dauer ohne Kontakt zu Außenwelt seien geboten. Die Amerikaner hätten ja vorgemacht, dass das funktioniert, etwa in Guantanamo. In Deutschland suche man noch nach einem ausgedienten Campingplatz, den man in eine Präventivverwahrung umbauen könnte.
(Das Foto zeigt den Prototypen eines Riechkolbens, der zur Ausspähung Verdächtiger auf Distanzen bis zu 3 km eingesetzt werden soll. Leider sei die Fokussierungsmöglichkeit noch unzureichend, um einen Christen von einem Moslem zu unterscheiden. Es werde aber intensiv weiterentwickelt.)

Scherze im Mittelalter: Kopflos oder enthauptet?

ImMittelalter machte Kunibert gern einen Scherz. Den schwer durch Met und starken Wein erschütterten Junker Fritz fragte er: Was, du hast Kopschmerzen? Und wie in der Fernsehwerbung Togal in den sechziger Jahren empfohlen wurde, bzw. der freundliche Tankwart irgendein hallowach-ähnliches Gebräu verschreiben wollte, so hatte auch Fritz einen Tipp, bei dem er sich auf die rostigen Eisenplatten seiner Rüstung schlug: Gegen Kopfschmerzen hilft Enthauptung! Hahaha!, brüllte es durch den Rittersaal, dass die Ratten sich in die Kemenate zum Burgfräulein Cindy zurückzogen. Ok, fuhr Kunibert fort, dann hast du allerdings Halsschmerzen.
Fritz konnte wenig darüber lachen, da jede Erschütterung des Zwerchfells seinen Magen unnötig belastet hätte; zum Kontern fehlten ihm heute die Kraft und immer der Geist, so als habe die Enthauptung bereits bei seiner Geburt stattgefunden. Sowieso war er heute schon wie kopflos durch die Gegend gerannt, vom Wasser für den Nachdurst zur Latrine, dann zu den Salzstangen und den sauren Gurken, um Elektrolyte aufzutanken. Er würde sich an Kunibert rächen. Ständig diese blöden Witze, die er nur halb verstand. Enthauptung...war man da nicht tot? Er würde zurückschlagen. Morgen würde er Kunibert eine Wanne Wasser über den feisten Wanst und sein neues Kettenhemd kippen. Die saftige Erkältung würde er kommentieren: Na, Kunibert, Halsschmerzen? Er konnte ihn schon röcheln sehen. Hahaha! Dagegen hilft Enthauptung, dann hast du allerdings Kopfschmerzen... Nee, irgendwas passte da nicht. Dagegen hilft Vierteilen...dann hast du Gliederreißen? Ertränken. Aufhängen. Erwürgen. Ersticken. Lebendig Begraben. Einmauern.
So ein kopfloser Tag war nichts zum Nachdenken. Wo Kunibert Recht hatte, da hatte er Recht.

Polarlichter gucken (Leserbrief)

Lieber Bodo,
vor ein paar Tagen habe ich in meine Suchmaschine den Begriff „Eichkater“ eingegeben und bin auf deiner Seite gelandet. Eigentlich finde ich private Internetseiten furchtbar, aber deine hat mich angesprochen und jetzt habe ich schon das meiste von dir gelesen. Vor allem die Themen hinter den Themen, also deine großen Themen hinter den „Labels“ haben mich angesprochen, das Thema Vergänglichkeit bzw. die Angst vor dem Tod, die Heimat bzw. die Suche danach und der Überfluss. Ich habe mir ein paar Gedanken zu deiner Person gemacht und tippe auf arbeitslosen Lehrer, Landschaftsgärtner oder Museumswärter.
Nachdem ich mich bisher nur mit ein paar Kommentaren zu Wort gemeldet habe, möchte ich dir jetzt mal einen richtigen Leserbrief schreiben. Ich bin also April und wohne zur Zeit in Norwegen. Eigentlich bin ich Sozialarbeiterin in Rödermark und betreue Tina, eine junge Straftäterin, die sich allen Maßnahmen des Jugendamtes bisher entzogen hat. Wir sollten hier ein Jahr lang in einer kleinen Hütte in der Nähe des Polarkreises wohnen, ohne Internet und Playstation, fernab der Zivilisation. Leider ist Tina vor drei Wochen abgehauen und jetzt sitze ich allein hier. Ich vermute, dass sie sich noch in der Nähe aufhält, denn vorgestern wurden aus dem Tischlerschuppen alle meine heimlich mitgebrachten Weinvorräte geklaut. Jetzt habe ich nur noch Wodka hier und weiß endlich, was Einsamkeit bedeutet, nämlich sich um niemanden kümmern können und niemanden haben, der sich um einen kümmert. Deshalb habe ich mein heimlich mitgebrachtes Laptop angeschlossen, um wieder ein bisschen von der Welt mitzubekommen. Obwohl ich wohl erstmal bei Bodos Welt bleiben werde.
Ich habe jetzt Zeit, den ganzen Tag über unendlich viel Zeit – abgesehen vom Holzhacken, das Feuer im Ofen in Gang halten und kochen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ein Tag 48 Stunden lang ist, wenn man überhaupt von „Tag“ sprechen kann, denn zur Zeit ist es höchstens zwei Stunden am Tag hell. Neben dem Wodka halten mich im Augenblick vor allem die Polarlichter am Leben, die einfach unbeschreiblich sind. Also versuche ich es gar nicht erst. Ich habe dir ein Bild mitgeschickt, das ich gestern abend (oder vorgestern? oder vorvorgestern?) aufgenommen habe. Und ich habe schon angefangen, kleine Geschichten zu schreiben, weil ich so unendlich viel Zeit habe. Vielleicht schicke ich dir mal eine.

April aus Norwegen

P.S. Rödermark liegt ja in Hessen. Nach dem Scheitern meines Projekts mit Tina müsste ich heute eigentlich Roland Koch wählen. Aber ich habe vergessen die Briefwahlunterlagen anzufordern und ich würd’s trotzdem nicht tun.
„Eichkater“ habe ich als Suchbegriff eingegeben, weil ich immer schon mal wissen wollte, was das ist. Ist das ein Eichhörnchen? Ich weiß es immer noch nicht.
Warum ich April heiße, erkläre ich dir später mal.
(Zum Foto: So sehen natürlich Polarlichter nicht aus. Aber so, wie man den Einwohnern von Amerika Glasperlen als wertvollen Schmuck andrehte, so versuchen heute noch versteckte Konquistadoren dem uninformierten Volk billige Plastikkugeln als Polarlichter gegen teures Geld aufzuschwatzen. Vorsicht in der Innenstadt!)

Wählerbetrug in Hessen?

Zehn Prozent der heute erreichten Stimmen müssten CDU-Kandidat Koch abgezogen werden, weil sie lediglich seinem leichter zu lesenden Namen zugeschrieben werden. Amerikanische Studien haben ergeben, dass Kandidaten mit einfachen Namen, möglichst einsilbigen, bessere Chancen haben, eine Wahl zu gewinnen.So erklärte man seinerzeit auch den Sieg des eher schlicht gestrickten Bush, der viele Jahre auf Nebensätze verzichtete. In Zusammenhang mit diesen Erkenntnissen stehen die Ergebnisse der PISA-Studie, bei denen Deutsche in Bezug auf ihre Lesefähigkeit immer noch schlecht abschneiden, was ja nicht nur den geprüften Schülern, sondern vor allem auch deren Eltern und potentiellen Wählern angelastet werden muss. Wie die SPD-Kandidatin es wagt, mit einem Namen wie Ypsilanti anzutreten, kann niemand verstehen. Die meisten Deutschen kennen außer Ypsilon kein Wort, das mit Y anfängt. Selbst Xylophon fängt mit X an. Die SPD kann froh sein, dass die Wähler nicht den Namen der Kandidatin aufschreiben, sondern lediglich lesen müssen, was noch mehr Stimmen gekostet hätte. Sollte Roland Koch die Wahl gewinnen, dann nicht wegen populistischer Sprüche, sondern weil die Hessen nicht die Geduld aufbringen, einen Namen, der wie eine Mischung aus Ypern, Ylang-Ylang und Ypsilon oder Xylophon klingt, erst zu lesen und dann noch anzukreuzen. So könnte ein Mann an die Macht kommen, der einen einsilbigen Namen trägt, aber vielsilbig spricht, auch wenn man die meisten Silben wegstreichen könnte. Die Frage bleibt offen: Ist der Wähler, oder hat der Wähler betrogen?

Folgen der Teletubbies: Baby-klappe!

Damit haben wir doch alle gerechnet: Die Sprache der Teletubbies, dieses sinnlose Geplapper, das irgendwie lustig wirken soll und den geistigen Stand von Kleinkindern darstellen will, hat auch Auswirkungen auf die Erwachsenen. Wenn früher glückliche Eltern die schreienden Liebsten beschwichtigen wollten, dann sprachen oder säuselten sie: Eititeiti, na, wo bist denn, warum musst du denn so schreien, dafür besteht doch gar kein Grund, du bist gefüttert und frisch gewickelt, jetzt wird geschlafen, schön Heia machen, weil Mama und Papa Jörg Pilawa gucken wollen. Bei dem Wort Pilawa schreien die Kinder häufig noch lauter, so als seien sie konditioniert, denn keiner der Kleinen hat den beliebten Quizmaster je gesehen, vielleicht aber gehört, und das, in Verbindung mit dem Ignorien durch die Eltern, mag prätraumatische Effekte in Form von Alleingelassenfühlen erzeugt haben. Wo der pawlowsche Hund Speichelfluss zeigt, da brüllt der Kleine. Die Sprachohnmacht der Teletubbies hat wohl manch Erziehungsberechtigten motiviert, sich diesem Sprachgebrauch anzugleichen, und aus der längeren und durch monotonen Tonfall beruhigenden Ansprache des Brüllenden wird das knappe "Baby-klappe!", was bedeutet: "Säugling/Kleine(r)/Kleinkind, halt den Mund! Wir wollen Jörg Pilawa sehen!" Abgesehen von der unzulänglichen Orthografie hat die Verkümmerung der Sprache in solch einem Elternhaus Einzug gehalten. Erziehungsberechtigung sollte nicht ohne Spracheignungstest und einen Verhaltensführerschein zugewiesen werden. Denn was passiert, wenn der Junior auf diese Worte nicht reagiert, weil er nur "Habboblaplamappamirumi" versteht?

Verschärfte Strafen für Politker?

Viellicht säße Roland Koch schon längst hinter Gittern, wenn Lügen strafbar wären. Wie aber in jedem Tatortkrimi nachzusehen ist, darf jeder lügen, wenn es nicht in Zusammenhang mit einer Straftat steht. Und überhaupt wird zu viel auf den Politikern herumgehackt. Wenn sie etwas versprochen haben und nicht halten, so war das nicht der Bruch eines Versprechens, sondern ein Versprecher. Das kann jedem mal passieren. Für den Politiker ist es peinlich genug und damit auch Strafe, wenn das der Öffentlichkeit bekannt wird. Was sollen denn die Leute denken?, fragt sich da jeder vom Volk Gewählte sofort. Das kann mich meinen nächsten Wahlsieg kosten. Also, nicht darüber reden, sondern sich wichtigen Themen zuwenden: Kinder in den Knast! Käfighaltung von Unbelehrbaren. Einbuchten, bis die wissen, wo's langgeht. Durchgreifen. Das macht doch sonst keiner. Man kann nicht mit dem Wattebausch erziehen. Das muss spürbar sein. Politiker waren auch mal Kinder. Das solte jeder einmal nachvollziehen. Sich in die Lage versetzen! Was haben die nicht alles gemacht, um dahin zu gelangen, wo sie jetzt sind! Für Erziehungsmaßnahmen ist es da sowieso zu spät; außerdem ist das Meiste verjährt. Lügen sind im Grundgesetz verankert; da heißen sie "freie Meinungsäußerung". Steuerhinterziehung ist keine Straftat, wenn es ums Ganze geht, zum Beispiel einer Partei. Kinder sind noch formbar, deshalb gehören sie in den Knast. Meint Roland Koch und freut sich, dass er kein Kind mehr ist. Das allerdings findet Bodos Welt kindisch.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Iss mit Andacht!

Wir leben in einer Zeit des schnellen Essens. Uns fällt kaum noch auf, ob das Mahl uns wirklich schmeckt, oder ob es einem Pfund Sägemehl mit Salz und Bindemittel gleicht. Unsere Zunge ist nicht schnell genug, um den Prozess des Hinunterwürgens adäquat zu begleiten. Eine Currywurst schmeckt in der Regel nicht. Sie besteht überwiegend aus Fett und Schlachtabfällen. Erst das Zuschmieren der zerhackten Wurst mit süßlichem Ketchup kann dem Gaumen diese Erkenntnis versagen. Wir glauben satt zu sein, weil wir von altem Friteusefett aufstoßen. Unser Magen kann sich nicht umdrehen, weil er noch voll ist, vom gestrigen Döner, der bislang unverdaut auf seinen Abgang in den Dünndarm wartet. Der Körper will uns eigentlich sagen: Mir steht es bis zum Kragen. Jetzt noch eine kleine Tasse undefinierbarer Paprikasauce und ich jubel euch die Kinkel auf die Theke. Schnäpschen drauf ist ungeschickt am Mittag, schnell geht man als Alkoholiker durch, denn man bräuchte die Verdauungshilfe jeden Tag nach der Imbissbude.
Manchmal liegt das Essen herum, wir müssen es nur noch aufheben. Gedankenlos marschieren wir, vom Alltagsstress gequält, an wertvoller Nahrung vorbei. Im Büro wurde vorgestern gefeiert. Heute steht immer noch der rosafarbene Quark herum und ein paar grüne Paprikastreifen liegen daneben. Vor zwei oder drei Tagen ein liebevoll hergerichteter Snack zum 30. von Jürgen. Das ist kein Biomüll. Dieses Gute vom Vorvortage steckt noch voller Liebe, voller Liebe von Gitti nämlich, die den Quark für Jürgen zubereitet hat. Was hindert uns, diese Liebesreste für uns zu verwerten? Kostenlose Speise, mit einem kleinen Segen wieder in Form gebracht, kostenloser Genuss, der eine echte Alternative zum Schnellimbiss und seinen fettigen Fleischfingern ist. Mit Andacht gegessen, im Gedenken seines Ursprungs, voller Dankbarkeit, voller Vertrauen in die universelle Energie, die in dieser Speise ist, wird auch das optisch vielleicht Häßliche wieder schön und schmackhaft. Wir würdigen die Speise durch unsern Essvorgang und verschaffen ihr einen Sinn auch drei Tage nach der Feier, für die sie eigentlich gedacht war, und auf der sie achtlos liegen gelassen wurde. Wir sind wieder eins mit uns und der Welt und freuen uns, nichts verschwendet zu haben.

Kann ein fleisch(fr)essender Lehrer überhaupt Vorbild sein?

Wer deutet nicht schon mal auf seinen Nebenbuhler mit dem Zeigefinger ( und denkt: Dieses Schwein!) und sagt seinem Nachbarn: Da kannst du dir eine Scheibe von abschneiden! Abgesehen von der grammatikalischen Unzulänglichkeit ist dieser Satz doch wohl ein Rückfall in frühzeitliches Gebaren. Was aber sagt uns dieser Satz? Das Abschneiden einer Scheibe impliziert doch auch das Anfertigen eines Pausenbrotes, welches oral verinnerlicht werden soll und damit auch der Aggressor, unser Feind, dessen Scheibe das Zwischenstück dieser Klappstulle darstellt. Domestizierter Kannibalismus einer Technozivilisation oder Freudsche Fehlleistung? Das ist mir Wurscht, sagt der Vegetarier, und der kulinarische Tierliebhaber kontert damit, dass der Fleischverzichter den armen Tieren (die zu seinem Gunsten gemästet) werden, das Futter wegesse. Und überhaupt: Ob es da nicht Spinner (Esoteriker) gebe, die Pullover aus rückfettender Wolle trügen, und glaubten, dass Pflanzen ebenfalls beseelt seien. Die könnten sogar schreien, wenn es ihnen an den Halm ginge. Wo, bitteschön, liege der Unterschied? Also, dann lieber ein Schnitzel. Das sähe ja sowieso nicht mehr aus wie ein Tier. Und schreien könne das auch nicht mehr. Noch eine schwierige Frage in einer gedankenlosen Welt. Wir können froh sein, dass das Fleisch nicht mehr aussieht wie das Tier, von dem es stammt. Wie müssten wir mit unserem Fleischessergewissen kämpfen, wenn wir 8 Scheiben Lachendeskindergesicht-Wurst an der Fleischtheke orderten und die freundliche Fleischverwurstfachverkäuferin unserem Jüngsten (4) auch noch eine Probierscheibe in die Fingerchen drückte. Nicht einmal Raubtiere fressen sich selbst.

Endzeit-Gärten im Kommen

Da gibt es Menschen, die können sich suhlen in dem Gefühl, es wäre ein Atomkrieg gewesen, sie hätten nichts abgekriegt, aber die Welt wäre kaputt, alles in Schutt und Asche, radioaktiver Fallout schon untergegraben und nur noch die Halbwertzeit abwarten, dann wird es irgendwie wieder gut. Der Garten sieht dabei immer noch so aus, als hätte ein atomarer Sturm an den Rabatten geleckt, so im Vorüberstürmen etwa. Die Rückkehr der Zivilisation wird durch das Aufstellen von weißen Metallstühlen, die mit weißen Plastikriemchen bespannt sind und häßliche Drucknarben auf bloßen Oberschenkeln nach dem Sitzen hinterlassen, eingeläutet; der Stacheldraht stammt von vor dem Sturm, der blaue Plastikstuhl ist für Opa reserviert, der übergewichtig ist und was Festes braucht, und sowieso abseits sitzen will oder muss. Gebüsch wird nur liegend drapiert, ist Totholz und ergänzt den verrosteten Gartenzaun. Rasenmäher sind hier überflüssig, das Gras ist trocken und auf Jahrzehnte hin kontaminiert, sprich, es zerbröselt zwischen den Finger. Kantenschneiden ist überflüssig, denn niemand weiß nach der Katastrophe, wo die Grenzen des Grundstückes sind. Die Grundsteine sind durch die Wucht der Detonationen in der Osten geflogen. Auf dem weißen Plastiktisch wird Dosenbier und Ravioli oder weiße Bohnen aus dem Blechbehälter serviert. Alles hat mindestens 15 Jahre im Schutzbunker gemodert.
Zurück in die Wirklichkeit: Es gab gar keinen Atomschlag. Warum also solch ein Garten? Der florale Freund, der sich der Ästethik verschrieben hat, hat die Antwort schnell parat: Das sind Leute, die sowieso nur Dosenbier und Blechgemüse(!?) konsumieren; die haben keine Lust, einen Finger krumm zu machen. Die sitzen in solchen Gärten, weil sie es zu Hause nicht mehr aushalten, denn da hat angeblich auch eine Bombe, allerdings eine konventionelle, eingeschlagen. Die Trümmerfrau streikt und trinkt mit.
Auch unter Gartenfreunden gibt es Vorurteile. Schade.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Lass dich nicht verwirren

Unzahl ist das Problem des Menschen in der modernen Zeit, auf dessen Schultern bereits die allgegenwärtigen Medien lasten. Überangebot hängt darüber wie ein Sack Zement, so dass der Mensch am liebsten zusammenbrechen möchte, um unter diesem Ballast sein Leben auszuseufzen und ins Paradies einzukehren, da wo alles Überflüssige fehlt, wo die Bedürfnisse aus dem Nichts heraus befriedigt werden, weil sie fehlen. Nichts mehr zu wollen, nur geschehen lassen, hinnehmen, was ist, nicht bewerten, nicht planen, nur leben, das ist die höchste Stufe unseres Seins. Wo keine Bedürfnisse, da ist auch keine Angst. Weit davon entfernt der Mensch der globalisierten Hochindustrie: Wenn er einmal für sich sein möchte, zum Beispiel, in Ruhe seinen Kaffee trinken will, dann macht der Überfluss ihm einen Strich durch die Rechnung. Ein schier endloses Angebot an Maschinen und Gefäßen, deren Funktion und vor allem, deren Zweck nicht erkennbar ist, verstellt ihm den Blick und den Weg zu einer Tasse dampfenden Kaffee, verweigert ihm das verdiente Für-Sich-Sein. Welches ist denn nun das Gerät, das das heiße Koffeingebräu produziert? Wo ist das Kaffeepulver, oder müssen erst noch Bohnen gemahlen werden, und wenn, wo sind die, und wo ist die Mühle? Muss man Pads einlegen oder wird konventionell gefiltert, ist das links ein Stampfkaffeebehälter?Wozu sind diese gießkannenartigen Gebilde da? Was macht der Löffel in meinem Kaffeebecher? Fragen, die verwirren, die verunsichern, die Angst machen. Und die wirkliche existentiellste Frage, deren fehlende Antwort den Wunsch nach dem Paradies potenziert: Wo ist Frau Müller? Warum hat die, verdammt noch mal, keinen Kaffee gekocht!?
In dieser Verzweiflung wisse: Lass dich nicht verwirren! Nicht fluchen, suchen! Frau Müller kann nicht weit sein. Dein Kaffee-Engel wacht in deiner Nähe.

Katze und Kölner Dom

Mo: Guck mal da! Ein Schatten an der Wand!
Bill: Das ist doch von unserer Katze!
Mo: Genau... von unserem Bonaparte!
Bill: Eigentlich ein blöder Name.
Mo: Der Schatten erinnert mich an was.
Bill: Aha. An eine Katze?
Mo: Quatsch, die sitzt ja davor. Nein, ich glaub' es ist der Kölner Dom.
Bill: Kölner Dom?
Mo: Ja, diese zwei mächtigen Türme, dieses ganze kompakte Bauwerk, diese ganze...
Bill: Der Kölner Dom hat doch zwei Türme..
Mo: Sag ich doch.
Bill: Ich sehe aber nur einen.
Mo: Das kommt, weil Bonaparte nur ein ganzes Ohr hat; du weißt doch, dass Hasso letztes Jahr das andere weggebissen hat.
Bill: Jaja. Der Kölner Dom hat zwei.
Mo: Ohren?
Bill: Türme. Und da ist keiner weggebissen worden.
Mo: Das kann wohl sein.
Bill: Das ist so.
Mo: Die hätten das schon reparariert.
Bill: Türme werden nicht weggebissen.
Mo: Genau. (Pause) Du....(Pause). Ich habe gerade überlegt, ob nicht der Kölner Dom einen Schatten wirft, der wie unsere Katze aussieht. Ich meine, weil unser Bonaparte einen Schatten wirft, der genauso aussieht, wie der Dom.
Bill: Eben nicht. Da fehlt ein Ohr.
Mo: Ich denke, Döme haben Türme. Komm, lass uns hinfahren und nachsehen, ob der Schatten wirklich aussieht wie unsere Katze.
Bill: Geht nicht.
Mo: Wieso.
Bill: Weil es regnet.
Mo: Ach, du meinst, dass unser Bonaparte dann nass wird? Aber, es wäre doch nur ein Schatten! Bill: Eben nicht!
Mo: Wieso?
Bill: Weil es regnet.
Mo: Versteh ich nicht.
Bill: Ist auch nicht nötig.

Nonnen beobachten Himmelsbroschen

Vor langer Zeit wurde die Erde noch von Nonnen bevölkert. Ihre Zahl war ungeheuer und sie saßen eng nebeneinander auf dem Boden, um zu kontemplieren. Manchmal gesellten sich weißschwarze Eichkater zu ihnen, um das ein oder andere Wurstzipfelchen, das die Nonnen unachtsam fallen ließen, aufzuschnappen und zu verzehren. Damit ihr Treiben nicht auffiel, setzten sich die Eichkater ebenfalls auf den Boden, starrte an den Himmel und gaben vor, zu kontemplieren, obwohl ihnen das Wort vollkommen fremd war. Auch hatten sie nie von anderen kontemplierenden Eichkatern gehört, aber es ging um die Wurst, und da muss auch ein Eichkater manchmal Kompromisse eingehen. Viele Jahre hatten die Nonnen an den Himmel gestarrt und kontempliert, bis es den ersten zu langweilig wurde, immer nur an den kahlen Himmel zu starren, der ständig blau war oder höchstens ein paar weiße, vielleicht auch graue Wolken bot. Was sollte das ganze Kontemplieren, wenn nichts passierte? So fiel einer ein, einmal Himmelsbroschen zu beobachten. Was sind denn Himmelsbroschen?, fragten die Mitschwestern. Wahre Schmuckstücke am Himmel, erwiderte sie. Und wie sehen die aus?, fragten die Mitschwestern eifrig weiter. Schön eben, antwortete die Schwester, die Anthrax hieß, lasst uns schweigen und Ausschau halten, ob wir vielleicht eine sehen.

Niemand glaubte so wirklich an Himmelsbroschen, zumal ihnen selbst das Tragen von Broschen an ihren Gewändern verboten war. War es dann nicht auch Sünde, nach Himmelsbroschen Ausschau zu halten? Vielleicht gibt es ja gar keine Himmelsbroschen, murmelte Schwester Fuga, dann kann es auch keine Sünde sein, danach Ausschau zu halten. Das Anschauen von Nichts ist ja wohl ganz normal. Ist denn der Versuch nicht auch schon strafbar?, zischte Schwester Rolf. Ruhe!, fuhr Schwester Anthrax dazwischen, ich möchte kontemplieren. Ok, jubilierten die anderen Nonnen wie im Chor, wir machen mit!
Über das Kontemplieren vergaßen die Nonnen das Essen, so dass erst die weißschwarzen Eichkater ausstarben und schließlich kaum noch Nonnen in der freien Natur zu finden waren. Schuld daran soll aber auch der Klimawandel gewesen sein und dass es mittlerweile ständig regnet.
Was aus den Himmelsbroschen geworden ist, das weiß kein Mensch.

Der Fisch als Kamerad


Auf dem Lande gibt es viele Vereine. Auch wenn Fernsehen, Rundfunk und Internet längst ungehinderten Zugang in die ländliche Gegend haben, scheint der Mensch hier nicht ausgelastet. Er sucht weitere Beschäftigung zum Feierabend und auch die Gruppe der Gleichgesinnten, die umso kleiner ist, je ausgefallener die Freizeitbeschäftigung.
Ein Verein der Aquarienfreunde hat sich in der Nähe etabliert, die den still vor den bunten Glaskästen hockenden Menschen eine Heimat ist, wenn sie einmal sprechen und verstanden werden wollen.
Die Sprache zeichnet uns Menschen aus, wusste schon, sinngemäß, Thomas Mann.

Diesen Menschen, die Fische in kleinen wassergefüllten Glaskästen lieben, träte man zu nahe, würde man ihr stilles Beobachten als stumpfes Starren bezeichnen. Das häusliche Gezeter von Rotraud zwingt den ländlichen Mann, sich einen stummen Kameraden zu suchen, mit dem er gemeinsam schweigen kann.

Zu Hause schaut man misstrauisch auf das scheinbare Nichtstun, auf dieses meditative Beschäftigtsein mit der maritimen Kleinstwelt herab. Die Bewegungslosigkeit ist aber höchste innere Betriebsamkeit, gilt es doch, den Futterbedarf der schwimmenden Exoten zu berechnen, den Sauerstoffgehalt ihrer Lebensflüssigkeit zu kontrollieren und die Frage zu beantworten, warum der Skalar mit dem Bauch nach oben an der Oberfläche dümpelt.
Bring lieber mal den Müll runter, schreit es aus der Küche, völlig ignorierend, dass hier existenzielle Probleme gewälzt werden. Die Treppe müsste gewischt werden!

Als ob das wichtig ist, angesichts einer vielleicht aufkommenden ökologischen Katastrophe im heimischen Wasserkasten, der doch den von der Ausrottung bedrohten Edelfischen eine letzte Zuflucht sein sollte. Daheim scheint niemand die globale Gratwanderung zu bemerken: Dort in der Weite sind die Weltmeere umgekippt, hier, im Kleinen, ist eben ein großes Glas Rotwein umgekippt und hat sich in das Refugium ergossen. Was soll werden?

Zu Hause bleibt der Aquarienfreund allein mit seinen Sorgen, muss sich sogar als Faulpelz diskriminieren lassen. Im Verein trifft er auf Freunde, die ihn an ihr Herz legen und Trost spenden, weil sie Rat wissen. Kann nicht schaden, Helmut! An mein Fischgulasch gieße ich auch immer einen ordentlichen Schuss Roten. Die Frage ist, wie kriegst du das Wasser wieder klar? Kannst sonst gar nicht richtig gucken! Filtersysteme werden diskutiert, Kennerratschläge ausgetauscht. Günter, leicht berauscht vom Vereinsgetränk, macht die überflüssige Bemerkung: Salz draufstreuen, wie meine Oma damals schon, bringt den Rotwein sogar aus dem weißen Oberhemd. Haha! Oder Weißwein hinterherkippen.
Wie in allen Bereichen der Gesellschaft, so treffen wir auch in Vereinen gelegentlich auf Abweichler, die den Sorgen ihrer Mitmenschen nicht den rechten Respekt zollen wollen. Ausnahmen, die nicht von der praktischen Lebenshilfe ablenken dürfen. Dem Stummen, der mit dem beflossten Kameraden daheim unter schwersten Bedingungen kontempliert, hat der dritte Wacholder endlich die Zunge gelöst und er kann es rauslassen: Rotraud, den Müll, der noch immer in der Küche gärt, die globale Krise im Wasserbecken, das Unverstandensein und überhaupt.

Auf dem Lande ist niemand allein. Wer Rat sucht, wird ihn finden. Oder Trost. Begleitgetränke erlösen für ein paar Stunden von der Seelenpein; da kann Mutter zu Hause krakeelen, was sie will. Der Aquarienfreund bleibt da, wo er angefeindet wird, stumm wie sein Lieblingskugelfisch in seinem Glaskäfig neben der Stollenwand und trotz damit der Gedankenlosigkeit und denen, die die Welt einfach untergehen lassen.

Wie weit darf Kunst gehen?

Wie weit soll denn Kunst gehen, dass sie das Immergleiche reproduziert, seit es nicht mehr gelingt, die Wirklichkeit wirklichkeitsgetreu nachzubilden? Picasso hat ja als Maler spätestens angefangen, schräge Gestalten auf die Leinwand zu bannen. Gut, da regt sich keiner mehr auf, weil die Bilder, warum auch immer, Millionenbeträge erzielen. Ein dahingestrichelter Weihnachtsmann, vielleicht in 5 bis 6 Sekunden entstanden, erhält seinen Wert aufgrund der Tatsache, dass Picasso ein anerkannter Künstler war. Wer hat ihn denn anerkannt? Doch wohl der Kunstbetrieb, der richtig Kasse machen will. Gut ist, was sich verkaufen lässt. Betrachten wir einmal dieses Bild. Ein relativ und objektiv unbekannter Künstler fuhrwerkt auf seiner Malunterlage und zustande kommt dieser Kopf. Also, man muss schon genau hinsehen, um zu erkennen, dass das ein Kopf sein soll. Immerhin: Zwei Augen sind da, was ja erst mal nichts heißen will, ein Ohr ist zu sehen, Zähne hinter einem lippenlosen Mund, fünf Haare, die Sonne und ein frisch gepflügter Acker, oder was das darstellen soll. Fünf Zacken symbolisieren wohl eine Hand, die sich des hörenden Teils des Kopfes bemächtigt oder sie stützt. Was weiß denn ich. Der Betrachter ist verstört. Was soll denn das Ganze? Wo ist der Sinn? Scheinbar hat sich der Maler vorgenommen, irgendetwas hinzukleckern, was Picasso ähnlich ist. Übrigens: Der Acker hört rechts auf, das ist auch nicht normal. Normal ist, dass der Horizont und das, was vor ihm liegt, zu sehen ist. Das ist hier nicht der Fall. Ganz klar: Ein Fall von Kunstbetrug. Oder schlichter Dilettantismus. Das hieße aber, dass Picasso auch ein Dilettant war, dem es nur ums Geld ging, oder darum, die Menschen, die die teuren Bilder kauften, hinters Licht zu führen bzw. über den Tisch zu ziehen. Das ist wiederum auch sehr gut, denn leisten können sich die Bilder nur Schwerreiche, denen sowieso mal richtig eine reingewürgt werden müsste. Von daher: Super gemacht! Bleibt zu hoffen, dass das Bild richtig Geld kostet und dann auch gekauft wird.

Postmoderne Gärten im 21.Jahrhundert

Mal angenommen, dass in der Postmoderne nicht die Innovation, die Erneuerung auf dem Plan steht, sondern die "Rekombination" von vorhandenen Ideen und Elementen, dann ist dieses Beispiel eines postmodernen Gartens in Bad Oeynhausen ein willfähriges Beispiel für das Zusammenfügen von belangslosen nachindustriellen Recyclingobjekten und organischer Dekoration. Kann sich der Mensch in einem postmodernen Garten wohlfühlen, auch wenn die Zeit, die für seine Pflege benötigt wird, äußerst gering ist? Der Rasen ist betoniert und ist künstlich gerastert worden, damit der Entspannungsuchende nicht die Orientierung verliert und die Sehnsucht nach seinem Rasenmäher wieder mobilisiert. Vor der Eternitfront im Stile der Gründerzeit eine mit hochgiftigem Karbol gebeizte Pergola, wie sie in den 70er Jahren Verwendung fand, die allerdings weder Sonnen- noch Regenschutz bietet, sondern lediglich die Entsprechung zur gerasterten Betonfläche darstellt. Zwei Metallbehälter fungieren als Müllablagekästen und repräsentieren den überflüssig gewordenen Grasfangkorb. Ein Gartenhäuschen, früher Lagerstätte für Gartengeräte und Arbeitskleidung, besteht lediglich aus einer weiß-grau gegliederten Wand, die keinen Raum hinter sich hat und die Sinnlosigkeit gärtnerischen Tuns im Zeitalter der Billgflüge ausdrückt. In dieses leblose Arrangement werden scheinbar lebendige Objekte platziert, die dem Garten, als künstlich von Menschen angelegt, erst einen Sinn geben. Ohne sie wäre es eine Feuchtsavanne oder ein abgeholzter Mischwald. Diese Objekte repräsentieren das Menschliche, das eigentlich fehlt: Ein interesseloser Kampfhundebesitzer, der nicht einmal auf seinen Bus wartet, sitzt, seine beiden Kehlenbeißer neben sich, und wartet darauf, dass Gras über die Sache wächst. Die Zeit ist gedehnt. Und das ist richtig so. Hier vereinen sich subjektive Wahrnehmeung und objektiver Sachverhalt: So schnell wächst über diese Ausgeburt der Hässlichkeit kein Gras. Vielleicht etwas Moos. Aber auch das wird dauern. Wie leicht hätte man Schöneres kombinieren können, etwa einen Springbrunnen der 60er mit ein paar lustigen Gartenzwergen, denen man die Köpfe abgeschlagen hat? Kunst kommt von künstlich und nicht von schön!

Alte Paare


Sie: Ich finde, deine Mütze stinkt.
Er: Das ist eine echte Bärenfellmütze.
Sie: Genau. Aber sie stinkt.
Er: So eine, wie sie die Wachen vor dem Buckinghampalast tragen.
Sie: Ja, aber sie stinkt, sie müsste mal in die Waschmaschine.
Er: Das ist ein Geschenk.
Sie: Ich weiß, ich habe sie dir doch selber auf unserer Londonfahrt geschenkt. Das war vor drei Jahren. Zeit für eine Reinigung.
Er: Und wenn sie einläuft?
Sie: Die ist sowieso zu groß für deinen Kopf.
Er: Überhaupt nicht.
Sie: Ach, und wer musste dich damals durch London führen, weil dir ständig die Mütze vor die Augen gerutscht war?
Er: Du ja wohl nicht...
Sie: Wer war denn sonst noch mit?
Er: Hab die Namen vergessen.
Sie: Niemand nämlich. Wir waren zu zweit dort.
Er: Und das ging?
Sie: Damals schon.
Er: Damals hast du dich auch noch nicht darüber aufgeregt, dass meine Mütze stinkt.
Sie: Die war ja damals auch neu.
Er: Na, und? Können neue Mützen nicht auch stinken?
Sie: Können. Müssen aber nicht.
Er: Immer weißt du alles besser.
Sie: Ich setz jetzt mal eine 40-Grad-Maschine an. Morgen ist die Mütze wieder trocken.
Er: Dir wächst ein Finger aus dem Arm.
Sie: So'n Quatsch.
Er: Gar nicht.

Neues aus Allerwelts

Kinder in den Knast
Roland Koch wird jetzt seine Ansichten musikalisch unters Volk bringen. Als Roland Gröhlemeyer wird er das Grönemeyer-Stück "Kinder an die Macht" als "Kinder in den Knast" covern. Auf der B-Seite(?) der Maxi-CD wird er den durch Joe Cocker bekannt gewordenen Titel "Unchain my feet" neu interpretieren. 1€ geht in einen Fond, der den Aufbau von Kindergefängnissen finanzieren wird. Die neuen Vollzugsanstalten für unsere Kleinen sollen Kidchen oder Kiddchen genannt werden. Ein lustiger Vorschlag, über den immerhin einige lachen konnten.
Emanzipation der Frau nicht beendet
Alice Schwärzer meldet sich einmal mehr zu Wort: Die Emanzipation der Frau sei längst nicht abgeschlossen, da sich viele Frauen in Führungspositionen genauso wie ihre männlichen Kollegen verhielten, und das sei nicht Sinn der Sache gewesen. Darüber hinaus hätten sich viele Männer über den Umweg der Frauenverstehenwoller zu "Weicheiern" entwickelt, die sich eher weiblich verhielten. Diese wiederum müssten sich dann von ihren männlich agierenden Cheffinnen emanzipieren. Oder so ähnlich. Alles sei jedenfalls undurchsichtig geworden, so dass die Sache mit der Emanzipation vielleicht doch eventuell gescheitert sein könnte, vermutet Schwärzer vorsichtig. Endlich einmal klare Worte.
Gammelfleisch muss markiert werden
Am oder im Wort selber soll der Kunde demnächst erkennen können, ob es sich um Frischfleisch (Nicht zu verwechseln mit Fischfleisch, das aus Fischabfällen zu Hähnchenschnitzeln zusammengepresst wird) oder Gammelfleisch handelt. Eigentlich komme das Wort Gammelfleisch von Ghammelfleisch und bezeichne verdorbenes Fleisch vom Hammel, das nur noch für Mortadella zu verwenden ist. Schweinefleisch soll, wenn grün oder ranzig, Scheinefleisch heißen, um daran zu erinnern, dass es so scheint, als sei das Fleisch genießbar, aber darüberhinaus dem kriminellen Produzenten jede Menge Scheine beschere. Putenfleisch in Puttenfleisch(wegen kaputt)umzuwandeln, wurde verworfen, weil jeder sofort kleine, dicke Engelpraktikanten assoziiert, die keiner essen würde, weil sie zuviel Cholesterin enthalten.
Bodos Welt appelliert an die Leser: Schickt praktikable Begriff für Gammelfleisch zu, Begriffe, die quasi auf der Zunge zergehen und sich leicht verdauen lassen, von denen man aber trotzdem lange etwas hat.

Vogel auf meiner Schulter


Neulich saß ich im Garten und sonnte mich nach getaner Arbeit. Ein Vogel flog plötzlich von unserem Apfelbaum direkt auf meine Schulter. Der kleine gefiederte Kerl hüpfte auf meiner salzigen Haut herum und ich spürte seine kleinen Krallen. Ich sprach mit ihm: Hallo, kleiner Vogel, ich bin ein Mensch. Er hielt kurz inne und fixierte mich für den Bruchteil einer Sekunde. Ich bin ein Mensch, wiederholte ich und staunte, wie furchtlos, wie zutraulich sogar der kleine Zweibeiner war. Ich fühlte mich fast wie Franz von Assisi, als die erste Minute herum war. Ich begann zu singen. Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf meine Schulter. Der Text stimmte nicht ganz, aber Vögel sind bestimmt nicht bewandert im deutschen Volksliedgut. Ich meinte es ja auch gut und wollte den Vogel ermuntern, mir einmal zu antworten. Er gab allerdings keinen Laut von sich, sondern hüpfte herum und pickte mit seinem harten Schnabel an meinem Schlüsselbein. Das tat sogar ein wenig weh. Franz von Assisi hätte wohl gelacht, der aber konnte mit Vögeln sprechen und sie auch verstehen. Ich aber wusste nicht, was ich konnte. Wie sollte ich erfahren, ob der Vogel mich verstanden hatte, wenn der gar nicht antwortete? Wie konnte ich herausbekommen, ob ich diesen Vogel verstehen konnte, wenn er keinen Pieps von sich gab? Ich versuchte es erneut: Hallo, kleiner Vogel, sprich doch mal zu mir, damit ich dich verstehen kann! Woher kommst du denn? Vom Apefelbaum? Von noch weiter her? Der Vogel hielt wieder kurz inne und betrachtete mich. Dabei legte er den Kopf auf die Seite. Ich rümpfte die Nase, weil er nichts sagte. Der Vogel ging leicht in die Hocke, soll als wolle er sich abstoßen, um wegzufliegen. Das tat er dann auch. Vorher drückte er jedoch noch einmal seinen Darm zusammen und ließ sein Vogelgeschäft auf meiner salzigen Haut zurück. Ich wischte den Kot mit dem Lappen ab, mit dem ich vorher den Rasenmäher gereinigt hatte. Vielleicht stimmte die ganze Geschichte von Franz von Assisi überhaupt nicht. Von wegen sprechende Vögel! Wahrscheinlich hatte der nur ein paar Wellensittiche dressiert und sie dem staunenden Volk präsentiert. Wahrscheinlich war Franz von Assisi ein Angeber und Blender. Dieser ganze Heiligenkram geht mir sowieso ab. Langweilige Geschichten aus der Mottenkiste.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Schütze den Sonderling


Nehmen wir einmal einen Jungen, der eine Biberfellmütze auf dem Kopf trägt, die er heiß und innig liebt, weil sie einmal sein Lieblingsbiber Bert war. Dieser Junge, der aufgrund seiner Weigerung, die Mütze in der Schule abzusetzen, bereits drei Klassenkonferenzen hinter sich hat und als notorischer Unverbesserling gilt, weil er sich weigert, wenigstens beim Morgengruß kurz die Kappe vom Schädel zu ziehen und dieses auch nicht am Grabe seines nach einem Nervenzusammenbruch verschiedenen Klassenlehrers täte, dieser Junge, der auch den Klasssenkameraden verleidet ist, weil man ihn verdächtigt, in seinem härenen Hut Kopfläuse in die 6b geschleppt zu haben, und natürlich gehänselt und ausgeschlossen wird, etwa mit Worten wie "Katzenkopp", "Schwanzhutträger" oder einfach nur "Dudoof". Selbst weisen Menschen fällt es schwer, solche Sonderlinge, die sich allen Annäherungsversuchen widersetzen, ins weite Herz zu schließen. Aber ist es nicht unsere große Aufgabe, gerade diesen Sonderling zu schützen, ihn vor der Respektlosigkeit und der Ablehnung der anderen zu behüten? Dass er sich Biberfett aus der Tube unter die Arme schmiert, mag seine ärgsten Feinde auf Distanz halten, wahre Herzensgüte nimmt an üblen Gerüchen keinen Anstoß. Und doch, wenn er dem zugeneigten Menschen "Hau ab , du Ratte!" entgegenschleudert und seinen Speichel hinterherfliegen lässt, dann ist es immer wieder schwer, diesen Menschen zu lieben. Der Sonderling ist die Prüfung, die uns auferlegt wurde und die wir bestehen müssen.
Daran sollen wir nicht verzweifeln und uns immer wieder auf einen Neuanfang besinnen. Manchmal hilft ein leise gezischtes "Katzenkopp! Du blöder Schwanzhutträger, ich hau dir gleich deinen Lausstall von der kretzebefallenen Schädeldecke!" und ein kurzes, knirschendes Mahlen mit den Molaren. Dann kehrt unser innerer Frieden zurück. Da, wo das Hinausgezischte gesessen hat, ist nun Platz für unsere grenzenlose Liebe.

Bildungsministerin von NRW verunglimpft

Das Gerücht geht um, dass das Abitur jetzt in Barbitur umbenannt werden soll, weil sich die Bildungsministerin in NRW Barbara Sommer so vehement für das dreigliedrige Schulsystem einsetzt. Nach Sicht der CDU gibt es welt- und landesweit drei Begabungstypen, die exakt den Schulformen Haupt-, Realschulen und Gymnasium entsprächen. Eine frühzeitige Trennung der drei Typen entspricht zwar nicht den Empfehlungen internationaler Bildungsexperten, hat aber den Vorteil, dass sich jeder Schüler schon frühzeitig auf den für ihn vorgesehenen Bildungsabschluss konzentrieren kann. In Verbindung mit den Studiengebühren sei es sowieso nicht sinnvoll, dass Schüler aus sozial schwachen Familien in eine stressbetonte Situation geraten, in der Studium und Achtstundenjob zur Finanzierung des Studiums aufeinanderprallten. "Barbi tu Rat!" soll die Bitte von Schüler der dritten Begabungsstufe sein; dieser Gruppe kann man nur empfehlen sich ein Barbiturat zu beschaffen, es einzunehmen und dann ganz ruhig den Dingen ihren Lauf zu lassen.
Menschen, die solche Gerüchte in Umlauf bringen, tritt Bodos Welt entschieden entgegen. Es ist wohl angebracht, unseren Politikern etwas mehr Vertrauen entgegenzubringen, auch wenn wir anfangs nicht glauben wollen, was da in Düsseldorf und Berlin ernsthaft verzapft wird. Bereits am 31.12.07 schrieb Bodos Welt(Vorsätze für 2008) in diesem Sinne: Abnehmen! Nehmt den Politikern endlich ab, was sie sagen!

Klimawandel in der Antarktis

Pinguin: Antarktisforscher Hans! Ist das dein Kopf, der da fliegt?
Kopf: Ja , ich will nach hause!
Pinguin: Kann ich nicht mitkommen?
Kopf: Nee, du kannst doch gar nicht fliegen. Und überhaupt, du bist doch schon zu Hause.
Pinguin: Stimmt auch wieder. Aber du kannst doch eigentlich auch nicht fliegen.
Kopf: Weiß ja keiner.
Pinguin: Und dein Körper?
Kopf: Ist festgefroren.
Pinguin: Trotz Klimawandel?
Kopf: Sieht so aus.
Pinguin: Na, dann Tschüss!
Kopf: Halt die Ohren steif!
Pinguin: Kein Problem.
Kopf: Man sieht sich.
Pinguin: Dito.

"Weiser Mann" Olli Dallilahmer: Achte das Chaos

Eines Morgens kommst du an deinen Arbeitsplatz und denktst: Meine Güte, was für ein Gerümpel hier wieder rumliegt. Also, meine Sachen sind das nicht! Angewidert von diesem Chaos wendest du dich ab und willst vielleicht in eine tiefe Melancholie abgleiten! Achte das Chaos! Schau genau hin und überlege, was dir das Leben durch deinen Kollegen Abt mitteilen will: Bedenke die Vergänglichkeit! Auch deine Zeit wird kommen, unaufhaltsam steuerst du auf den großen Ozean zu, in dem sich alle Seelen dereinst treffen. Sargträgerhandschuhe! Wer außer Kollege Abt könnte die hierhingelegt haben? Stelle keine unnützen Fragen. Nimm einfach hin, was ist. Hast du nicht mit deinem Freund Rudi abgemacht, dass ihr euch dereinst rechts hinterm Eingang des Paradieses treffen wollt? Was aber, so habt ihr immer wieder nachgedacht, wenn sich dort viele verabredet haben? Wie sollen wir uns da finden? Und überhaupt, wie sehen wir dann aus? Kann ich Rudi erkennen an seinen abstehenden Ohren, die immer leuchten, wenn die Sonne von hinten draufscheint? Gibt es überhaupt eine Sonne im Paradies? Hier erteilt das Leben einen Rat. Recht getan hat der Kollege Abt, dass er 50 Paar Sargträgerhandschuhe auf deinem Platz deponiert hat! Rudi, kannst du sagen, so werden wir uns im Paradies wiedererkennen: Treff gleich rechts hinterm Eingang. Und der letzte lässt die Sargträgerhandschuhe an!
Achte das Chaos, in ihm findest du immer Antworten!